Die Auferstehung Jesu, die leibhaftige Auferstehung Jesu, ist der Dreh- und
Angelpunkt des christlichen Glaubens. Ein Mann wie Goethe war sehr
ehrlich. Er hat mit Lavater, seinem engen Duz-Freund, der Pfarrer in Zürich
war, viel gestritten. Lavater hat gesagt: Die Auferstehung Jesu ist für
mich das, was für Kolumbus die Entdeckung Amerikas war." Goethe hat gesagt:
So viel will ich zugeben: Wer die großen Heilswahrheiten nicht anerkennen
kann, kann sich nicht als Christ bezeichnen." In diesem Sinne verstehe er
sich als Nicht-Christ.
Oster-Zweifel muss man ernst nehmen. Keiner von Ihnen, der sich nicht sehr
real herumgeschlagen hat mit den Zweifeln. Jeder, der fragt und sagt: Ist
das denn wirklich wahr? Alles, was wir sehen, spricht dagegen. Alles, was
wir auch sonst hören, spricht dagegen. Und es ist gut, dass im Evangelium
erzählt wird, dass auch die Jünger Jesu das nicht fassen konnten. Wer will
das auch fassen können?
Die Oster-Zweifel kommen von der realen Macht des Todes her in unserer Welt
her. Gehen Sie über den Friedhof! Wollen Sie das im Ernst sagen, dass die
Toten leben? Und wenn Sie todkrank sind, dann spitzt sich die Frage ganz
simpel für Sie zu: Ist das wahr, dass, wenn ich an Jesus glaube, ich nicht
sterbe, sondern leben werde? Gilt das wirklich, wenn Sie um einen lieben
Menschen trauern?
Und wir verstehen dann so gut den Vater, der da einst zu Jesus gesagt hat:
Ich glaube HERR, hilf meinem Unglauben." Oder den Petrus, der gerufen hat:
HERR hilf mir, ich versinke!" Ich spüre nur, um mich her ist ein Sumpf, in
dem ich mich nicht mehr selber befreien kann. Aber wie kann ich denn zum
Glauben kommen?
Seit Lessing, dem großen Geistesgelehrten, ist es bei uns üblich geworden,
dass man sagt: Es ist gar nicht so wichtig, was wirklich passiert ist!" Es
ist Unfug, was man da macht, wenn man sagt, das sei nicht wichtig! Das ist
wichtig! So hat schon Paulus gesagt, dass die Kernfrage: Ist es wahr oder
ist es nicht wahr?" In unserer Zeit treibt das auch in unserer Kirche
merkwürdige Blüten.
Darf ich Ihnen aus dem Gemeindeblatt eine Auferstehungsdeutung lesen zum
jetzigen Osterfest, wo ein Theologe sagt: Mit der Auferstehung ist das für
mich ganz einfach. Mein Vater ist vor 20 Jahren verstorben, und für mich
lebt er. In Krisen des Lebens frage ich ihn. Mein Großvater, der wichtigste
Mann in meinem Leben, starb 1972. Er lebt. In meinen Dunkelheiten tröstet
er mich mit seinen alten Sprüchen. Vor 12 Jahren verlor ich meinen
aidskranken Freund. Auch er lebt." Wissen Sie, was das ist? Unsinn.
Graben Sie doch nach am Grab. Wer von der Realität ausgeht, dann stoßen
wir auf die verwesenden Knochen. Das ist mit der Auferstehung Jesu nicht
gemeint. Da geht es um etwas ganz anderes. Natürlich lebt die Erinnerung
der Verstorbenen noch bei uns. Wie gerne denken wir zurück an viel Liebe,
die wir empfangen haben. Das ist aber nicht mit der Auferstehung gemeint.
Diese Umdeutungen sind nicht einmal hilfreich, sondern sie verwirren mehr
als sie nützen. Es ist auch niemandem geholfen, wenn wir sagen: Wir
könnten die Frage einfach auf die Seite rücken. Wenn Sie Probleme mit dem
Glauben an den auferstandenen Jesus haben, nützt es niemandem, wenn Sie die
Frage auf die Seite schieben, wenn das wirklich die entscheidende Frage
ist: Ist die Todesmacht besiegt oder ist sie es nicht? Der Tod ist nicht
ein Symbol und nicht ein Gedanke. Sondern der Tod ist eine Realität.
Und wenn dann in diesen Tagen der krebskranke Kabarettist Hanns Dieter
Hüsch sagt: Wenn Christus nicht auferstanden wäre, dann wäre sein Grab auch
unser Grab. Ich glaube an die Auferstehung der Toten und lasse meinen Jesus
nicht." Und dann wissen wir, dass manchmal solche Leute das mehr begriffen
haben, um was es geht im Glauben an die Auferstehung. Es geht nicht um
meine Gläubigkeit und um meine Vermutungen, sondern es geht darum, ob da
ein Fels ist, auf den ich mich flüchten kann, da wo alles zerbricht und
zerfällt in meinem Leben.
In den Evangelien-Berichten ist es auch ganz eindeutig gesagt, dass es
nicht um Visionen geht, auch nicht um Träume. Ganz eindeutig: Das wollten
sie nicht. Sie sprachen davon, dass dieser auferstandene Jesus mit ihnen
gegessen hat, dass sie seine Körperlichkeit fühlen konnten, dass er Fleisch
und Blut hatte, wenn auch in einer ganz neuen Herrlichkeit. Und es gibt in
der ganzen Bibel überhaupt keine Tat, die Gott getan hat, kein Wunder oder
sonst noch irgend ein Ereignis, das so eindeutig und von so vielen Zeugen
übereinstimmend bezeugt wird wie die Auferstehung Jesu von den Toten. Dreh-
und Angelpunkt unseres Glaubens.
Und jetzt geht Paulus einmal den Weg mit und sagt: Jetzt gehen wir doch
einmal das durch. Wie wäre denn das, wenn das nicht wirklich wahr wäre,
wenn Jesus nicht leibhaftig auferstanden wäre? Und da habe ich sieben
Punkte aus dieser Argumentation des Paulus, von der manche Kritiker der
Auferstehung Jesu sagen, sie sei höchst fatal. Nein! Sie ist ungeheuer
ermutigend und glaubenstärkend. Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann ist
alle christliche Predigt leeres Gewäsch – ist alle Predigt leeres Gewäsch.
Was reden wir denn in den Predigten? Geht es denn darum, dass wir einige
Weisheiten zum Besten geben? Oder dass wir unsere religiösen Überlegungen
hier anstellen. Nein. In der Predigt rufen wir die großen Zusagen Gottes
aus. Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben", wenn wir
an die Gräber treten.
Und der HERR spricht: Fürchte dich nicht. Ich habe dich erlöst. Ich habe
dich bei deinem Namen gerufen." Die Predigt hat doch nicht mit eigenen
Gedanken und mit Spinnereien zu tun. Wer mein Wort hat, der predige mein
Wort!" Ich will die großen Zusagen Gottes verkündigen, die Verheißungen
Gottes. Und sie sind in Kraft gesetzt durch Jesus Christus und seine
Auferstehung von den Toten. Und darum kann eine Predigt nur geschehen in
der Gegenwart des auferstandenen Christus.
Weil Christus den Tod entmachtet hat, gilt das Wort. Doch nicht in unserem
Namen. Wir reden doch nur in seinem Namen und wir sprechen es Ihnen zu. Das
suchen Sie doch in der Predigt – nicht meine Gedanken. Sie wollen das
wissen, was Sie in den kommenden Tagen trägt, in den Ängsten und Nöten
Ihres Lebens. Nein, die Predigt wäre sonst nur Lug und Trug. Menschenwort
und Menschenwerk, religionsgeschichtlich vielleicht noch interessant, aber
alle Prediger wären nichts als leere Schaumschläger, wenn Christus nicht
auferstanden ist. Und darum ist das Wichtigste, wir reden, wenn wir von
Jesus reden, so wie Sie auch mit anderen oder im Hauskreis reden, im Namen
Jesu. Bezeugen Sie es auch den Kranken und den Angefochtenen, sprechen Sie
es zu im Namen Jesu. Und weil ER lebt, gilt das. Und das ist wahr und
gewiss.
Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, dann wäre unser Glaube nichtig. So
steht's im Vers 17. Dann wäre unser Glaube vergeblich." Die Zweifel
beschleichen einen oft: Ist mein Glaube nicht nur eine Fantasterei? Ich
glaube irgend etwas. Jeder hat seinen Glauben, sagt der Volksmund. Ist das
nur von mir ein Hoffnungsschimmer, den ich mir selber einrede? Was ist mein
Glaube? Was ist denn das, wenn Sie das an einem Sterbebett beten: Jesu geh
voran auf der Lebensbahn..."
Ist da jemand oder plappern Sie das nur vor sich selber hin? Hört das
dieser Jesus? Wen rufen Sie denn an, wenn Sie beten? Und wen meinen Sie
denn, wenn Sie singen: So nimm denn meine Hände und führe mich, wenn ich
auch gar nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch
durch die Nacht..." Wer ist denn dieses Du? Ein Schicksal? Der Zufall, der
Ihr Leben regiert? Oder die Bosheit Ihrer Mitmenschen? Wer ist denn dieser
Du, der Ihr Leben hält? Das ist die Kernfrage, auf die alles zuläuft.
Einer, der im Grab vermodert ist? Und der unter seinen Zeitgenossen einiges
Aufsehen erregte? Oder ist es der, der vom Vater im Himmel eingesetzt ist
als der Sohn in Herrlichkeit, dem alle Macht und alle Gewalt gehört im
Himmel und auf Erden.
Und ob ich schon wandere durch finsteres Tal, so fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir ..." Bist du wirklich da? Kannst du mich halten, auch
wenn ich selber keine Kraft und keinen Mut mehr habe? Was lehren wir die
Konfirmanden? Herr Jesus, dir lebe ich, dir leide ich, dir sterbe ich.
Dein bin ich, tot und lebendig. Lebt Christus? Oder lebt er nicht?
Die Kirchen müssen in unseren Tagen leer werden. Das ist kein Zufall, weil
die Menschen fragen, was wahr ist. Und wenn Sie drei- und vierjährigen
Kindern Geschichten erzählen, hören Sie dauernd die Frage, was da schon die
Kleinen interessiert: Ist das wirklich wahr?" Kinder können sehr wohl
unterscheiden zwischen Märchengeschichten und wahren Geschichten. Ich will
es wissen, was wahr ist. Es hängt alles an der Kraft des auferstandenen
Christus.
Das dritte: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann wären die Christen
die allerschlimmsten Betrüger. Kein Mensch im Zuchthaus wäre so verderbt
und so falsch und so verkommen wie die Christen, die mit frommer Miene und
mit Andacht und mit Feierlichkeit Sachen behaupten, von denen sie selber
meinen, sie seien gar nicht wahr. Und der Paulus sagt: Das wäre ja noch
der Gipfel der Betrügerei. Nicht nur, dass sie selber etwas erzählen, von
dem sie gar nicht überzeugt sind und in Worte kleiden, die jeder andere
missverstehen muss, sondern sie würden sogar Gott noch etwas unterschieben,
als ob Gott auferweckt hätte, wo doch Gott gar nicht auferweckt hat. Nicht
bloß, dass sie in ihrem Namen lügen, sondern im Namen Gottes lügen. Der
Gipfel der Betrügerei, sagt Paulus.
Wie kann man so etwas Gott unterschieben, wenn Gott Jesus nicht auferweckt
hätte. Und die Propheten des Alten Testaments wären alle Lügner, wenn sie
behaupten, dass der Heilige Gottes die Verwesung nicht sähe. Was sollen
denn solche Sprüche, wenn das nicht wahr ist? Dann wäre das ganze
Christentum ein bodenloser Betrug und eine Irreführung der Menschen, das
unverzüglich gestoppt gehört.
Viertens: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann bleibt nur der
Schrecken des Todes. Das hat Paulus in seiner ganzen Klarheit gesagt. Wenn
Christus nicht auferstanden ist, dann wäre jedes Oster-Lied, jedes
Trostwort am Grab, jedes Wort, was wir schon die jungen Leute lehren im
Glauben, eine ganz bodenlose Verführung. Denn Paulus sagt: Wenn die Toten
nicht auferstehen, dann wäre es wirklich das Beste, lasst uns essen und
trinken, denn morgen sind wir tot! Dann nütze den Augenblick aus, lebe dich
aus und genieße!
Nun gibt es ja unter uns viele idealistische Menschen, die sagen: Nein,
nein, das wäre gar nicht nötig. Paulus, du bist selber Schuld. Wenn es
keine Auferstehung der Toten und kein ewiges Leben gibt, dann brauche ich
auch keine Ideale. Dann brauche ich auch kein Opfer. Dann brauche ich auch
keine Hingabe in der Liebe. Es ist erstaunlich, in wie vielen Religionen
der Welt man diesen Totenkult findet. Selbst solch eine Nation wie Japaner,
die leben ja ganz mit ihren Vorfahren. Wie sie immer wieder an ihren
Festtagen an die Gräber gehen und dann ihre Opfer bringen den Toten. Das
ist eine unheimlich düstere Vorstellung, dass alle meine Vorfahren noch um
mich her leben in einem dunklen Totenreich und die große Angst ist, ob sie
sich rächen, ob ihr dunkler Schatten in mein Leben fällt und wie sie manche
Opfer in der Hoffnung bringen, sie zu versöhnen.
Paulus sagt: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann könnt ihr alles
machen, was ihr wollt. Aber dann hat auch das Christentum auf die Ethik des
Christentums keinen Sinn mehr. Von der ganzen Weltgeschichte bleibt nichts
anderes mehr übrig, als ein riesiges, sinnloses Totenfeld.
Fünftens: Wenn Jesus nicht auferstanden ist, dann gibt es auch keine
Erlösung. Dann sind wir noch in unseren Sünden. Ist das wirklich wahr, dass
Jesus frei macht von der Knechtschaft der Sünde? Wer Sünde tut, der ist
der Sünde Knecht ...", ...wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei
..." Oder ist das nur so ein Spruch, den die Theologen uns einreden? Gibt
es eine wirkliche Erlösung, dass ich befreit werde durch Christus aus den
dunklen Bindungen des Bösen? Ist das wirklich möglich, dass Christus mich
frei macht von den schweren Anfechtungen, von der Hoffnungslosigkeit? Ist
das wirklich wahr, dass es einen Frieden gibt, eine Überwindung der
Versuchung, weil Christus mächtiger ist als die dunklen Mächte?
Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann sind die dunklen Mächte, die
Todesmächte, Sieger. Keiner kann sich befreien. Sie haben jeden in der
Hand. Und wenn wir gestern noch gesagt haben, dass es unser Auftrag wäre in
der Welt Sündenvergebung zuzusprechen ... nein, nein... dann wäre das nur
ein billiger Flop, wieder ein Betrug. Dann gibt es keine Vergebung. Dann
muss ich die Last meines Lebens tragen, mit allem, was ich getan habe und
niemand kann mich freisprechen. Niemand kann mich lösen, wenn Jesus nicht
auferstanden ist.
Sechstens: Dann gibt es auch kein neues Leben. Das, was so wichtig war
für die Apostel: Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue
Schöpfung"..., mit dem Auferstandenen leben: Ich lebe nun nicht mehr ich,
sondern Christus lebt in mir, das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles
neu geworden. Ich darf in der Kraft Christi Großes tun." Haben sich das
Leute nur eingebildet? Haben sie sich da selber nur hochgeputscht? Und
haben sie sich nur begeistert?
Wenn Christus nicht auferstanden ist, gibt es kein neues Leben. Dann bleibt
nur meine Ich-Sucht und meine Triebe und meine Gedanken, die mich treiben.
Siebtens und letztens: Dann wären wir die elendesten von allen Menschen. Es
ist gut, dass Paulus das so offen sagt. Was wäre dann noch übrig geblieben?
Nimm den auferstandenen Jesus von unserem Leben weg, was würde bei Ihnen
übrig bleiben? Ohne Christus alles leer.
Wir haben am Anfang von Goethe gesprochen. Es hat Goethe tief verwundet,
dass die Christen immer wieder davon reden, dass wir ohne Christus
unvollkommen sind. Das hat er nicht ertragen können. Wir sind ohne Christus
unvollkommene, verlorene Leute. Und wenn Christus nicht auferstanden sind,
sind wir die elendesten von allen Menschen. Die anderen Menschen würden
wenigstens noch real leben.
Jetzt bricht Paulus ab und sagt: Nun aber ist Christus auferstanden". Wir
sind nicht arme, irregeleitete Menschen! Jede Gabe, die im Namen Jesu
gesammelt wird, wäre Gaunerei ohne auferstandenen Christus. Jedes Gebet,
das wir sprechen, wäre Selbstbetrug.
Nun aber ist Christus auferstanden. Wir dürfen in seiner Kraft leben.
Paulus hat in Epheser 1 dieses herrliche Wort niedergeschrieben: Wenn ihr
nur Augen und Ohren bekommt und immer mehr erkennt diese starke Kraft Jesu,
die er nicht nur damals wirken ließ als Jesus von den Toten auferweckt
wurde, sondern die heute in unserem sterblichen, schwachen Fleisch wirksam
werden will. Heute ist es wahr, dass das Wort, dass wir lesen, das Wort der
Bibel und das Wort der Predigt plötzlich in unser Gewissen trifft und uns
aufwühlt. Und ich darf mit Jesus reden, und ich weiß, er hört mein Gebet.
Und Sie dürfen in diese kommende Woche ziehen und wissen: Unter seinen
Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lasst den Satan weg und
lasst die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ich bin geborgen und
getragen bei ihm. Und er in seiner Auferstehungskraft will ihr Leben
erfüllen, er will ihren sterblichen Leib lebendig machen. Und er will Taten
hervor bringen, so wie nur er es kann. Gott sei Lob und Dank, dass Jesus
der Prototyp ist, der erste der Toten der auferstanden ist und er will es
auch in unserem Leben wahr machen.
Amen
