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Apostelgeschichte 2,1-13: "Pfingsten: Der Heilige Geist kommt ins Leben der Christen"

Apostelgeschichte 2,1-2,1319.05.2014
Serie•Teil 4 / 64Apostelgeschichte
Pfingsten war kein spirituelles Event, sondern der Start einer neuen Art zu leben: Gott schreibt sein Gesetz ins Herz und gibt dir seinen Geist. Die Frage ist: Lässt du ihn wirklich Raum?

Einleitung: Die Frage nach brauchbaren Menschen

Was zeichnet Menschen aus, die Gott gebrauchen kann? Das betrachten wir jetzt schon zwei Predigten lang in der Apostelgeschichte, und ich möchte das heute abschließen. Gebraucht Gott Menschen, die, ich sage es mal, mit einem besonderen Organisationstalent ausgestattet sind? Ist es das? Oder sind es Menschen, die vielleicht die besten Verbindungen in die höheren Kreise haben? Oder sind es Leute, die ein besonderes Charisma haben, die man irgendwie anschaut und schon mag, einfach weil sie da stehen, bevor sie den Mund aufgemacht haben?
Was sind das für Leute, die Gott gebraucht? Und ich merke, wie wir heutzutage in einer Zeit sind, in der sich viele Leute, wenn es um das Thema Gemeindebau geht, die Frage stellen, wie das beste Programm aussieht. Ich bin einfach erstaunt zu sehen, mit was für Leuten und letztlich auch mit was für einer Art von Programm Gott am Anfang seine Kirche aufgebaut hat.
Mich fasziniert diese Gruppe von Jüngern, die, wie wir jetzt schon gesehen haben, miteinander verbindet. Gott kann, haben wir gesehen, Leute gebrauchen, die warten können. Die ersten Jünger konnten warten. Gott kann Leute gebrauchen, die beten gelernt haben. Gott kann Leute gebrauchen, die ihre Bibel kennen und, was ich besonders schön finde, ihre Grenzen. Sie haben einfach so eine Mischung aus Ruhe, aus Frömmigkeit, aus Wissen und aus Gottvertrauen. Und das macht sie zu brauchbaren Werkzeugen, wenn eine fünfte Komponente dazukommt. Und um die geht es heute.
Diese fünfte Komponente ist der Heilige Geist.

Das Ereignis von Pfingsten

Da möchte ich heute einfach ein paar Dinge dazu sagen, und wir schlagen gemeinsam Apostelgeschichte, Kapitel zwei, auf, ab Vers eins. Apostelgeschichte, Kapitel zwei. Insgesamt werden wir uns heute Kapitel zwei, die Verse eins bis dreizehn, anschauen. Und ich lese einfach mal ein bisschen vor.
Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war – erinnert euch, die Jünger sind in Jerusalem, und sie sollen auf Pfingsten warten – und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, Feuerzungen, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
Also, ich glaube, wir können uns das leicht vorstellen. Es fängt an zu brausen, dann schaust du dich um und sagst: Dein Haupthaar brennt, Bruder. Ja, irgendwas ist hier. Da lodert irgendeine Flamme. Und plötzlich fängt er an, in einer anderen Sprache zu sprechen. Du hast vielleicht so eine Idee, was es sein könnte. Ganz merkwürdige Sache. Keiner weiß so genau, was Sache ist. Wie geht es weiter?
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer von jeder Nation unter dem Himmel. Das können entweder Leute gewesen sein, die für das Pfingstfest einfach nach Jerusalem gekommen sind, um da für eine Weile zu wohnen. Vielleicht waren das aber auch Leute, wir würden heute sagen: Rentner. Also Rentner, die einfach so, na ja, sie wohnten eigentlich woanders und haben ihren Lebensabend einfach in Jerusalem verbracht. Auf alle Fälle, wenn man sich Jerusalem zur Zeit des Pfingstfestes angeschaut hat, dann war das Multikulti. Multikulti im Sinne von Leuten, die zwar Juden sind, aber aus der ganzen Welt zusammengekommen sind und sich dort getroffen haben.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer von jeder Nation unter dem Himmel. Als aber dieses Brausen geschah, kann man sich vorstellen, das haben ja nicht nur die Jünger mitbekommen, sondern auch Leute, die da irgendwie ringsherum rumstanden. Ihr dürft euch antike Städte nicht so wie moderne Städte vorstellen. Moderne Städte sind relativ weitläufig, aber geh mal in eine typische Altstadt, in eine typische mittelalterliche Stadt: Alles so eng und gedrängt. Und wenn da in der Nachbarwohnung ein Brausen anfängt, dann kriegst du das nebendran mit, und wahrscheinlich kriegt der ganze Stadtteil das mit. Und natürlich schaut man dann mal raus: Was ist denn hier? Erdbeben? Tornado? Römische Soldaten? Was geht hier vor?
Leute kommen zusammen. Als aber dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt. Ich nehme an, ich stelle es mir so vor: Die Jünger treten nach draußen, und die Leute kommen von überall her. Und mit einem Mal sind sie erschrocken, aber nicht über das Brausen und interessanterweise auch nicht über die Feuerzungen, sondern sie wurden bestürzt, weil jeder Einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte.
Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? Ich weiß nicht genau, woran die das erkannt haben. Ob ein Galiläer äußerlich anders aussieht, ob er vielleicht eine besondere Kopfform oder eine Nasenform hat. Normalerweise unterscheidet man Leute ja am Dialekt, aber die sprachen ja gar nicht ihre eigene Sprache. Aber die Leute kommen da hin und merken: Die reden da, und irgendwie passt die Sprache, die die sprechen, nicht zu ihrem Aussehen. Noch Galiläer.
Also in Galiläa waren jetzt nicht dumme Leute. Die konnten damals schon wahrscheinlich Hebräisch und Aramäisch und Griechisch, so die landläufigen Sprachen. Nur darüber reden wir hier nicht.

Die Reaktion der Menge und die weltweite Perspektive

Frage acht: Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind?
Ich stelle mir das so lustig vor: Du gehst, was weiß ich, machst irgendwo Urlaub, ein bisschen weiter weg. Ja, du bist vielleicht so ein Bayer. Und machst Urlaub, sagen wir, in, ach, was ist weit genug weg? Ja, hier so Brasilien, irgendwo da unten. Und du gehst da einfach so über den Marktplatz, und plötzlich hörst du waschechtes Bairisch. Aber der, der da steht, sieht aus wie ein Brasilianer. Also so von der Farbe her und so von der ganzen Funktion. Aber es kommt waschechtes Bairisch.
Ich habe einen Freund, der ist Kenianer, ist in Deutschland groß geworden und kann waschecht Berlinern. Das passt einfach erst mal nicht. Also wenn man den so das allererste Mal reden hört, das ist ganz merkwürdig. Und das passiert hier. Die Leute gehen da hin und sagen: Hallo.
Und jetzt wird hier eine Auflistung gemacht. Wenn man sich anschaut, wo das herkommt, dann geht das so einmal rund ums Mittelmeer. Also Parther und Meder und Elamiter. Dann geht es weg vom Mittelmeer und zu Bewohnern von Mesopotamien, von Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten, den Gegenden von Libyen, von Kyrene und die hier weilenden Römer, sowohl Juden als auch Proselyten, Kreter und Araber.
Die kommen da alle zusammen und hören, wie die in ihrer eigenen Sprache reden. So richtig gut! Wie hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden?
Also die Jünger stehen da, loben Gott, Leute kommen und sagen: Ich verstehe dich. Ja, also ich würde, bleiben wir mal bei unserem Bayern in Brasilien, ja, ich würde bei den Bayern stehen bleiben und würde sagen: Was hast du mir zu sagen? Und dann merke ich: Ah, der redet über Gott. Und dann höre ich ein bisschen genauer zu. Und dann denke ich: Boah, aber komisch ist es schon.
Und stellt euch dann eine Szene vor, wo die Jünger nach draußen treten. Wir wissen nicht, wie viele es insgesamt waren. Wir wissen nicht, ob das alle Sprachen sind, die hier gesprochen wurden. Aber sie stehen draußen. Und logischerweise bilden sich um jeden herum die Grüppchen von denen, die das verstehen. Die Parther gehen zu denen, die parthisch sprechen, die Meder zu denen, die medisch sprechen, und die Römer zu denen, die Latein sprechen. Die gehen da überall so hin und denken: Das ist irgendwie eine total spannende Sache. Und irgendwann fragt man sich: Wo kommt das eigentlich her?
Vers zwölf: Sie entsetzten sich aber alle. Es lässt sie nicht kalt. Die fragen: Was geht hier vor? Wir sind doch nicht hergekommen, um so ein Phänomen zu beobachten. Wir sind gekommen, um Pfingsten zu feiern. Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was wird dies wohl sein?
Und immer, wenn eine Frage im Raum steht, gibt es die, die ehrlich nach einer Antwort bemüht sind. Und es gibt immer die Typen, die einen blöden Spruch draufhaben. Die gibt es ja auch. Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines.
Und ich denke mir: Wenn es so leicht wäre, eine Fremdsprache zu reden, hätte ich vor jeder meiner Englischklausuren eine Flasche Wein getrunken. Es ist aber nicht so leicht.

Der neue Bund und das Herz des Menschen

Warum startet der Heilige Geist das, was wir Kirche oder Gemeinde nennen, mit diesem Wunder? Ich glaube, weil er uns von Anfang an zeigen möchte, dass mit Pfingsten etwas ganz Neues in den Blick gerät.
Wir haben das Alte Testament, wir haben den alten Bund, der am Sinai geschlossen wurde, und da ist ein Volk im Blick: Israel. Und schon das erste Wunder an Pfingsten zeigt uns, was jetzt in den Blick gerät, was Gott haben möchte. Und das, was Gott haben möchte, ist, dass die großen Taten Gottes weltweit in allen Sprachen gesprochen werden. Das ist das, was jetzt ansteht.
Wir kennen den Auftrag, den Jesus gegeben hat: Wir sollen Zeugen sein in Jerusalem, Judäa, Samaria bis an das Ende der Erde. Und von Anfang an wird klar: Das wünsche ich mir. Pfingsten ist die Geburtsstunde der Gemeinde. Die Jünger stehen da, loben Gott in fremden Sprachen, sammeln um sich Menschen, die zuhören, und sie repräsentieren so auf eine ganz besondere Weise im Kleinen dieses neue Volk Gottes, das weltweit entstehen soll.
Wir müssen das begreifen: Pfingsten ist zusammen mit dem Kreuz eine Einheit. Vielleicht muss man sich dafür Zeit nehmen, vielleicht ist ein Tag dafür zu wenig, aber Pfingsten ist mit dem Kreuz ein Übergang. Der alte Bund läuft aus, und der neue Bund Gottes, den Gott schließt mit jedem, der an ihn glaubt, dieser neue Bund fängt an.
Ich möchte euch am Anfang gerne zeigen, wovon dieser neue Bund geprägt ist. Lasst uns dazu Jeremia 31, die Verse 31 bis 34, aufschlagen. Dort beschreibt der Prophet, was Gott seinem Volk verheißt.
Da heißt es in Jeremia 31, Vers 31: Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund. Das ist genau das, was wir an Pfingsten gesehen haben.
Vers 32: Nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der Herr.
Der alte und der neue Bund: Lasst uns aufpassen, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Nicht wie, steht hier. Es gibt einen alten Bund, der hatte seine Eigenarten, und jetzt gibt es einen neuen Bund, einen neuen Vertrag, ein neues Miteinander zwischen Gott und seinem Volk.
Vers 33: Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben.
Wie war das im Alten Testament, im alten Bund? Im alten Bund gibt es ein Gesetz, und das ist nicht auf das Herz geschrieben, sondern das steht auf Steintafeln, beziehungsweise da gibt es ein Buch des Gesetzes, wo die Gebote Gottes aufgeschrieben sind. Im Alten Testament hat das Volk das Wissen. Aber dieses Wissen allein kann es nicht retten.
Im neuen Bund ist es so, dass Gott uns nicht nur Wissen gibt, sondern ein neues Herz. Also: Er verändert uns nicht nur äußerlich, nach dem Motto: Hier sind neue Regeln. Sondern er verändert uns innen drin. Durch den Glauben an Jesus, an das Kreuz, an die Vergebung treten wir ein in einen Bund, wo bei Johannes das schön herauskommt: Wir werden von neuem geboren.
Es ist nicht einfach nur so: Aha, du warst vorher schon schlau, und jetzt gebe ich dir ein paar Regeln, jetzt bist du noch ein bisschen schlauer. Sondern Gott schnappt mich und sagt: Ich schenke dir in dem Moment, wo du ehrlich zugibst, dass du es nicht alleine schaffst, ganz innen drin etwas, was du nicht selber machen kannst, nämlich ein neues Wollen. Und das ist das neue Herz.
Dann geht es in Vers 34 weiter: Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn!, denn sie alle werden mich erkennen, von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der Herr; denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.
Der erste Teil: Im Alten Testament gibt es Laien und Priester. Die einen sind Gott irgendwie näher, die kennen Gott besser, und ihre Aufgabe ist es, zu den anderen zu gehen und zu sagen: Bitte lern Gott kennen. Die Priester sind Gott so nah, dass der Hohepriester einmal im Jahr quasi Gott besuchen darf im Allerheiligsten. Da darf kein anderer hin, und die anderen stehen draußen und müssen darauf hoffen, dass die, die Gott näher sind, die ihn besser kennen, ihnen davon etwas abgeben. Hier die Priester, da die Laien.
Jetzt kommen wir in den neuen Bund hinein. Die vielleicht größte Tragik, die wir in der Kirchengeschichte haben, ist die, dass es im neuen Bund eigentlich keine Priester und Laien mehr gibt, sondern nur noch Priester. Wir alle stehen vor Gott. Wir alle haben diesen ganz persönlichen Zugang zu ihm. Wir alle dürfen ihn erkennen, auf eine ganz individuelle, persönliche, einmalige, wunderbare, tiefe, ehrliche, intime Weise.
Und irgendwie hat die Kirche keine dreihundert Jahre gebraucht, vierhundert Jahre schnipp schnapp, und plötzlich hatten wir wieder die, die ganz dicht dran sind, und die den Mund halten müssen. Das ist ganz komisch. Dabei geht es genau darum, dass das Neue am neuen Bund darin besteht, dass jeder Gott kennen kann.
Du kannst nicht zum neuen Bund dazugehören, ohne Gott zu kennen. Du konntest Teil des alten Bundes sein, du konntest Israelit sein und keinen blassen Schimmer von Gott haben und sagen: Ich habe da vorne die, die machen das schon. Im neuen Bund geht das nicht. Es gehört dazu, es ist Standardausstattung: Ich kenne meinen Gott. Und noch mehr: Ich weiß, dass mir vergeben ist.
Ich lese diesen zweiten Teil noch einmal vor: Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken. Denn der neue Bund ist von Sündenvergebung geprägt.
Im alten Bund: Du lügst, was machst du? Tja, du schnappst dir eine Ziege und gehst nach Jerusalem und sagst: Ich habe da Mist gebaut. Idealerweise, ob das jeder immer gemacht hat, weiß ich nicht, aber das ist die Idee. Ich mache etwas falsch, ich muss erst einmal ein Opfer bringen. Und dann gibt es noch so ein Generalopfer einmal im Jahr, für den, ja, so oben drüber.
Und jetzt kommt der neue Bund. Und was ist im neuen Bund? Wovon ist der neue Bund geprägt? Davon, dass ich ständig neue Opfer bringe? Vielleicht keine Ziegen, sondern irgendwie, was weiß ich, eine Packung Haribo-Gummibärchen? Irgendwie sowas? Ja, nein.
Ich weiß: Im Zentrum des neuen Bundes steht ein Kreuz. Das Opfer ist gebracht, die Schuld ist tatsächlich schon vergeben. Meine Schuld wird nicht irgendwann einmal vor dem großen weißen Thron vergeben, wenn Gott sagt: Ja, jetzt machen wir alles gut. Meine Schuld ist vergeben, ich weiß das heute. Ich stehe hier als einer, der sagen kann: Meine Sünde ist tatsächlich bezahlt, sie belastet meine Beziehung mit Gott erst einmal nicht, es ist weg. Das ist das Wesentliche des neuen Bundes.

Reinigung, neues Herz und der Geist Gottes

Hesekiel sagt das ähnlich. Nicht in Hesekiel 26, sondern in Hesekiel 36. Ab Vers 25 beginnt dort wieder das Thema Sündenvergebung. Er sagt es nur anders. Bei ihm klingt das so:
Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein von allen euren Unreinheiten, und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen.
Das ist das Zentrum des neuen Bundes: Ich mache euch rein, ich vergebe die Sünde meines Volkes.
Und dann Vers 26:
Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben, und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
Woher weiß ich, dass meine Bekehrung echt ist? Was kann ich nicht machen, was nur Gott machen kann? Und hier stehen zwei Dinge: Gott gibt mir ein neues Herz und seinen Geist.
Wenn du in dir diesen Wunsch verspürst, ich möchte von ganzem Herzen Gott gefallen. Ich habe eine Leidenschaft, ihm zu begegnen, in seiner Nähe zur Ruhe zu kommen, ihn zu erleben als meinen liebenden Vater, meinen Herrn, meinen Retter, wenn das in dir drin ist, dann bilde dir bloß nicht ein, dass das aus dir herauskommt. Das steckt nämlich nicht in uns drin. In uns steckt Rebellion. In uns steckt drin, dass wir alles tun, um bloß nicht zu dicht an Gott ranzukommen, weil wir instinktiv wissen: Gott zu begegnen, das ist eine ganz heikle Angelegenheit. Der sagt mir womöglich, was ich tun soll, und das wollen wir nicht hören.
Und wenn du in dir spürst, dass diese Rebellion gebrochen ist, dass diese Beschneidung des Herzens stattgefunden hat, dann liegt es nicht daran, dass du so schlau warst und deine Hände gefaltet und dich bekehrt hast, sondern dass Gott als Reaktion darauf, dass du Buße getan hast und gesagt hast: Ich schaffe es nicht, bitte vergib mir, dann sagt er: Und jetzt komme ich, ich schaffe es. Und ich schenke dir, wonach du dich sehnst. Ich schenke dir ein neues Herz.
Und das reicht noch nicht. Ich schenke dir ein Herz, das neu ist und nicht steinern, nicht unempfindsam, sondern ein fleischernes, ein empfindsames Herz. Ein Herz, das willig sich danach ausstreckt, mir zu gefallen. Und ich schenke dir noch etwas, sagt Gott: Ich schenke dir meinen Geist.
Leben wir noch ein bisschen weiter, Vers 27:
Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben und werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
Gott selber wird sich dahinterklemmen, dass wir ans Ziel kommen. Heißt das, wir können nicht mehr sündigen? Klar kannst du noch sündigen. Heißt das, wir können einfach auf einer Stelle stehen bleiben und uns kein Stück bewegen? Kannst du machen. Aber wenn du Gott Raum gibst, wird er dafür sorgen, dass du ans Ziel kommst. Es ist nicht mehr deine Kraft, nicht mehr deine Motivation, sondern es ist Gott, der in dir wirkt.
Super, oder? Da kann man nur sagen: Halleluja, Mann, bin ich froh, dass ich im neuen Bund leben darf. Ist ja genial!

Der Heilige Geist als Siegel und Anzahlung

Gott gibt uns seinen Geist, das sehen wir an Pfingsten. Frage: Gibt es Gläubige, die den Heiligen Geist nicht haben? Da muss man einfach mal die Frage stellen. Es gehört irgendwie dazu: Gibt es auch so Leute, die ihn nicht haben? Und kann man sagen: Nein, die gibt es nicht.
Und ich wollte euch das einfach auch zeigen, weil ich es immer wichtig finde, dass man es von der Bibel her begründen kann. Im Epheserbrief steht das, Epheser 1. Also, wenn du dir jemals die Frage stellst: Habe ich ihn jetzt oder habe ich ihn jetzt nicht?, dann schau in Epheser 1, Vers 13 und Vers 14.
Da steht in Epheser 1,13: In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.
Also: In Jesus, wenn wir das Evangelium hören und wenn wir gläubig geworden sind, also wenn wir das Evangelium gehört haben und auf das Evangelium geantwortet haben, wenn wir gesagt haben: Ja, Herr, genau das, was du mir da anbietest, das möchte ich haben, dann kannst du sicher sein, dass Gott sagt: Da machen wir mein Siegel drauf, damit jeder weiß: Das ist meins.
In der Antike, wenn du größere Weinvorräte gelagert hast, dann hattest du so deine großen Tonkrüge. Und damit das auch nicht durcheinanderkommt, wurde in den weichen Ton ein Siegel hineingedrückt. Dann weiß jeder: Ah, das gehört dem, das ist sein Wein. Und das macht Gott jetzt hier: Er sagt, meins.
Vers 14: Er ist das Unterpfand unseres Erbes.
Manchmal ist Elberfeld in der Bibel schon echt kompliziert. Das Wort Unterpfand versteht ja keiner mehr. Aber das Wort Anzahlung verstehen wir alle. Du gehst ein Auto kaufen, hast irgendwo einen Gebrauchtwagen gesehen, denkst dir: Den hätte ich gern, und möchtest aber, dass der nicht weiterverkauft wird. Also hast du jetzt gerade nicht die, was weiß ich, zwei-, drei-, viertausend Euro dabei. Ja, müsstest jetzt aber da was machen. Also sagst du: Ich zahle schon mal an, ich habe es jetzt gerade nicht, ich hole das garantiert. Und damit wir nicht aneinander vorbeireden, hier schon mal 200 Euro Anzahlung, wir machen schon mal einen Kaufvertrag, ich hole das Geld.
Und das ist der Heilige Geist. Er ist das Unterpfand unseres Erbes. Gott sagt: Ich werde dir etwas schenken. Ich werde dich auf eine Weise beschenken, wie du dir das überhaupt nicht vorstellen kannst. Ich werde einen neuen Himmel und eine neue Erde machen, und du wirst dort herrschen. Du wirst dich dort in deiner ganzen Kreativität austoben können. Du wirst dort frei von aller Sünde sein, frei von allem Tod, frei von Schmerzen, Krankheit und Leid. Du wirst dort mir begegnen und mir dienen und dich entfalten können. Das wird der absolute Hammer!
Kleine Einschränkung: Im Moment müssen wir da noch drauf warten. Also im Moment gibt es nur eine Anzahlung. Es gibt einen Vorgeschmack darauf, und das ist der Heilige Geist.
Und deswegen kann Paulus an anderer Stelle in Römer 8,9 sehr deutlich sagen, dass, wenn jemand diese Anzahlung nicht hat: Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
Ganz eindeutig. Ich bin ja sehr für Sowohl-als-auch-Lösungen in der Bibel. Ich bin gerne für Komplementarität. Aber an der Stelle muss man einfach sagen: Das ist eine binäre Entscheidung. Du hast ihn oder du hast ihn nicht? Gott wohnt in dir oder wohnt nicht in dir?
Und wenn er nicht in dir wohnt, gehörst du nicht zu Gott. Dann musst du dich aufmachen und ihm begegnen. Und wenn er in dir wohnt, dann freue dich auch mal bitte darüber, denn dann ist das auch einfach mal richtig gut.

Die Frage nach dem Pfingsterlebnis

Okay, alle Christen haben den Heiligen Geist. Müssen alle Christen das erleben, was an Pfingsten passiert ist? Ich meine: Kommt der Geist und man fängt an, in fremden Sprachen zu reden? Gehört das dazu?
Ich frage das, weil ich als junger Christ eine Zeit lang in München war und dort in einer Gemeindegründungsarbeit einer amerikanischen Pfingstgemeinde, den Assemblies of God, mit dabei war. Total liebe Leute, und ich mag sie. Ich bete immer noch für sie, auch wenn ich jetzt an einer Stelle vielleicht etwas theologisch Kritisches sage. Ich möchte die Leute nicht heruntermachen. Das sind total hingegebene, liebe Christen.
Die kamen irgendwann und sagten: Jürgen, du als Brüdergemeindler, dir fehlt noch etwas für das richtige Christsein. Du brauchst noch das, was hier an Pfingsten passiert ist, also Zungenrede, also Reden in fremden Sprachen. Das wird manchmal auch Zungenrede oder Sprachenrede genannt. Erst wenn du dieses persönliche Erleben hast, dann bist du irgendwo so richtig durchgedrungen. Vorher ist das nur so ein Anfangsstadium, etwas, das noch nicht so richtig reif ist.
Das hat mich für eine Weile verwirrt, das will ich ehrlich zugeben. Weil die so unglaublich lieb waren. Und dann habe ich Jahre später noch einmal in Ruhe darüber gearbeitet. Ich möchte, wenn dieser Druck vielleicht im Raum ist, dass einem gesagt wird: Mir fehlt da noch etwas, und ich höre es immer wieder, deswegen sage ich überhaupt etwas dazu, ein bisschen Druck herausnehmen.
Ich glaube nicht, dass jemand kommen und sagen sollte: Wenn du wirklich Christ bist, dann brauchst du ein echtes Pfingsterlebnis. Gemeint ist nie das mit den Feuerzungen, die fallen immer unter den Tischen ein Stück weit. Aber dieses: Du musst in fremden Sprachen reden können. Wenn das jemand sagt, dann glaube ich das persönlich nicht. Und ich möchte zwei, drei Gründe nennen, warum ich das nicht glaube, obwohl ich glaube, dass die Gabe der Sprachenrede durchaus eine ist, die es gibt. Der Geist gibt, wie er will. Also nicht, dass jetzt irgendjemand mich falsch versteht.
Warum glaube ich nicht, dass jeder, der gläubig wird, in fremden Sprachen reden muss? Mein Hauptargument ist Paulus. Paulus sagt nämlich in 1. Korinther 12, und wir haben das schon gemeinsam betrachtet, von daher wisst ihr das eigentlich schon. Ich wiederhole das nur noch einmal: Paulus betont in 1. Korinther 12, er stellt da so Fragen, die heißen: Sind etwa alle Apostel? Antwort: Nein. Alle Propheten? Nein. Alle Lehrer? Nein. Haben alle Wunderkräfte? Nein. Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Nein. Reden alle in Sprachen? Ja, falsch.
Also, das ist einfach eine Gabe, die Gott gibt. Und die Frage, die Paulus stellt: Reden alle in Sprachen?, muss beantwortet werden, auch von der Art, wie die Frage im Griechischen gestellt wird, mit Nein. Paulus geht selbstverständlich davon aus, es gibt unterschiedliche Begabungen, und Gott gibt, wie er will, und Gott benutzt, wie er will. Das heißt: Wenn du diese Gabe nicht hast, musst du nicht denken, jetzt bin ich aber irgendwie nur so zweite Klasse oder so.
Das Zweite, was man wissen muss, ist: In der Kirchengeschichte gibt es unglaublich bemerkenswerte Personen, die Gott bis heute auf wunderbare Weise benutzt hat, die ohne diese Gabe ausgekommen sind. Alle großen Erweckungsbewegungen des 18. und des 19. Jahrhunderts, die Reformation – die kennen das alles nicht. Die große Betonung von Zungenrede und Sprachenrede ist überhaupt erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, da, wo die Pfingstkirchen entstanden sind und das so ein bisschen zu ihrem Markenzeichen gemacht haben. Also: Wir sind nicht in einer schlechten Tradition, wenn wir das nicht können.
Und ich hätte persönlich noch eine dritte Anfrage, die ist dann aber so ein bisschen Jürgen special. Ich stelle mir die Frage: Ich gehe in eine Pfingstgemeinde, ich merke, die reden, sie sagen, sie reden in Sprachen. Also ist es auf alle Fälle eine unverständliche Weise, auf der sie reden. Und ich frage mich: Sind das tatsächlich Fremdsprachen, die da gesprochen werden?
Ich habe da eine leichte Kritik für mich selber, weil ich merke: Punkt eins, wenn man Linguisten auf das, was da gesprochen wird, auf diese Laute loslässt, sagen die mir: Das ist keine Sprache. Der zweite Punkt ist, dass der Lautumfang dessen, was ich da höre – und wir haben bei The Rock Leute, die in Sprachen reden, das heißt, ich habe das vor Ohren, wenn ich das so sagen will – dem Lautumfang der Herkunftssprache entspricht. Wodurch eigentlich, wenn ich eine neue Sprache lerne, das Erste, was ich lernen müsste, diese komischen Laute wären.
Ich weiß nicht, ob ihr mal Spanisch gelernt habt. Ich habe mal versucht, dieses rollende R irgendwie, ja, man hat doch so diese Zungenbrecher. Versucht es mal mit Chinesisch, das ist der Hammer. Ich habe eine Chinesin getroffen, als ich jetzt im Urlaub war. Die hat gesagt: Mein Name ist Anne. Schön, Anne, das wäre wunderbar. Also, wir haben auf Englisch gesprochen. Wie heißt du wirklich? Ey, vergiss es. Ich weiß, warum die sich im Ausland nur Anne nennt.
Das ist also: Da ranzukommen ist so schwer. Da übst du, da übst du ganz lange. Und das sind Sprachen, die wir noch im Ohr haben. Es gibt Klicksprachen, es gibt tonale Sprachen, es ist irre. Und dann erlebe ich Leute, die sagen: Ich rede jetzt in der fremden Sprache. Und das hört sich vom Lautumfang erst mal so an wie ihre Herkunftssprache. Das macht es mir für mich ein bisschen schwer.
Und ich habe letztes Jahr die größte Bitte gehabt. Wir haben in der Berliner Pfingstgemeinde gebeten, mir eine Person zu benennen, die ihre Sprache kennt, weil wir im Zeitalter von Google leben. Wenn ich in fremden Sprachen reden könnte, irgendwo müsste es, wenn das echt wäre, Leute geben, die wirklich ihre Sprache kennen. Ich suche immer das Echte, deswegen interessiert es mich wirklich. Ich würde sofort dahin. Ich finde das so spannend, ja, das hat ja etwas mit echten Gaben zu tun.
Und es ist erstaunlich, dass nicht ein einziger benannt werden konnte, wo ich dann erst einmal ein bisschen traurig war und dachte mir: Mann, hier sind wir in der Antike, ja, da stehen die beieinander und dann weiß ich, das sind die Meder und die Elamiter und die Kappadozier und die Parther und die Ägypter und die Juden, ja, da haben wir die alle, die können das irgendwo direkt zuordnen, und wir können das heute nicht. Das macht mich ein bisschen skeptisch.
Und von daher: Wenn dieser Gedanke hochkommt, dir fehlt da noch etwas, um ein vollwertiger Christ zu sein, und man sagt, es muss das und das sein, ich glaube das nicht. Man könnte viel mehr noch dazu sagen. Wenn noch Fragen da sind, fragt mich.

Geistliche Erfüllung im Alltag

Was ich aber im Neuen Testament sehe, ist, wenn wir Apostelgeschichte 2,4 noch einmal aufschlagen, dass es dort heißt: Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
An dieser Stelle ist also der Geist derjenige, der dahintersteht und sagt: Ihr könnt das jetzt! Davor sind es ja zwei Dinge: Erstens wurden sie mit Heiligem Geist erfüllt, und zweitens fingen sie an, in fremden Sprachen zu reden.
Dieser erste Teil, dieses Erfülltwerden mit Heiligem Geist, ist etwas, das tatsächlich in der Bibel vorkommt, wo Paulus sagt, dass er möchte, dass das immer wieder bei euch passiert. Schlagt mal Epheser 5,18 auf.
Also irgendwie haben wir doch unser Pfingstereignis, das wir brauchen, nur nicht auf der Seite der Gaben, sondern auf der Seite, wo es um die Qualität unserer Gottesbeziehung geht.
 Epheser 5,18: Und berauscht euch nicht mit Wein, Klammer auf: Whisky und Co., nicht dass jetzt jemand denkt, das würde nur Wein betreffen, Klammer zu, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geist!
Und im Griechischen gibt es die Möglichkeit, zum Ausdruck zu bringen, dass man etwas immer wieder regelmäßig, gewohnheitsmäßig tut. Und das steht hier: Bitte sorge dafür, dass du immer wieder voll Geist wirst.
Von daher ist das Pfingstereignis, wo der Geist Gottes die Gläubigen erfüllt und sie dann benutzen kann, wie er will, etwas, was Gott sich für jeden Christen immer wieder wünscht.

Wie der Geist Raum gewinnt

Frage: Wie geht das? Wie werden wir voll Geist? Und da muss man sich zwei Sachen anschauen und eine Sache vorneweg verstehen.
Das, was man verstehen muss, ist: Der Geist Gottes ist keine Kraft. Das glauben die Zeugen Jehovas. Sie sagen, der Geist Gottes ist eine Kraft. Was glauben wir? Wir glauben, der Geist Gottes ist eine Person. Gott ist ein dreieiniger Gott aus drei Personen, und eine Person ist der Heilige Geist. Und diese Person wohnt jetzt in mir.
Es ist quasi wie Atmen. Mein Körper ist wie so eine WG. Und in dieser WG geht es jetzt darum, wer bestimmen darf, wann er ins Bad darf. Irgendwie geht es darum, solche Sachen zu klären. Und wenn der Geist mich erfüllt, dann bestimmt er. Und wenn ich Dinge tue, die er nicht mag, dann heißt das zum Beispiel in Epheser 4,30: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes.“ Da merkt man: Eine Kraft kann man nicht betrüben. Man kann nicht an die Steckdose gehen und sagen: Strom, ich betrübe dich. Dem Strom ist das völlig egal.
Aber wenn das eine Person ist, die in mir drin wohnt und sagt: Schau mal, ich möchte gerne in dir, in deinem Körper, wohnen. Ich möchte dich gerne ganz ausfüllen. Ich möchte in alle Belange deines Lebens hineinwirken und dich ganz prägen. Nicht nur an den Stellen, wo du es gerne hättest, sondern vielleicht gerade auch an den Stellen, wo du es nicht so gerne hättest. Da, wo die Prägung von oben ein bisschen wehtut, weil sie mich dazu bringt, Dinge zu tun, die ich vielleicht gar nicht will. Also jemandem mal eine liebe Postkarte schreiben, wo ich denke: Da ist was in mir.
So wohnt der Geist Gottes in mir, und ich soll ihn nicht dämpfen. Dämpfen heißt, wenn man sich den Kontext, also die Stellen drumherum, anschaut, geht es um Sünde. Wenn ich sündige, dämpfe ich den Geist Gottes.
Ich glaube, jeder von euch, der weiß, was es heißt, mit dem Geist Gottes erfüllt zu sein, wer diesen Zustand kennt, dieses: Es steht nichts zwischen Gott und mir, und ich habe eine ganz innige Beziehung. Ich kann nur für mich sprechen: Ich kann körperlich spüren, wie eng meine Beziehung zu Gott ist. Ich kann das körperlich spüren. Ich weiß: Wenn ich Sünde tue, ist es, als ob zwischen mir und Gott etwas steht. Na ja, es ist ganz einfach: Es ist wie zwischen meiner Frau und mir. Da kann ich auch körperlich spüren, wenn irgendetwas zwischen uns steht.
Manchmal, wenn ich so ein bisschen schnell unterwegs bin, so sonntagfrüh, und den Drucker am Laufen habe, weil ich da noch etwas ausdrucken muss, und meine Frau dann, wo ich eigentlich so voll im Arbeitsmodus bin, dreimal reinkommt, um mich irgendetwas zu fragen, was völlig belanglos ist, dann gibt es manchmal so eine blöde Antwort, so was wie: Ja, musste L.
Und in dem Moment, wo ich das sage und so zornig reagiere, merke ich, wie das Band zwischen meiner Frau und mir sich irgendwie ausdünnt, wie da irgendwo so ein Abstand entsteht. Und das Gleiche gilt, das sind jetzt zwei menschliche Geister, die miteinander verbunden sind in einer Ehe, und das Gleiche gilt im Blick auf Gott. Ich kann den Geist Gottes dämpfen. Ich kann seinen Einfluss auf mein Leben, auf unsere Beziehung, einschränken. Und das tue ich durch Sünde.
Ich sündige, und ich merke förmlich: Jetzt ist Gott ja weiter weg. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Ich habe keine Worte dafür. Das ist so ein Bauchding. Wenn du es spürst, wirst du es kennen. Wenn du es nicht spüren kannst, musst du daran arbeiten, dass du Gott so nahe kommst, um diese Leidenschaft einfach zu entwickeln.

Die vier Wege, die zur Erfüllung führen

So, jetzt gehen wir einen Schritt weiter: Wie komme ich dahin, dass Gott mich in mir ausfüllen kann? Paulus beschreibt das in Epheser 5, ab Vers 19.
Hättest du mich ohne den Text gefragt: Was muss ich tun, damit der Geist in mir wirken kann?, ich wäre nie auf diese Punkte gekommen. Das geht mir oft so in der Bibel. Deswegen lese ich gerne Bibel, weil ich dann sagen kann: Das wären nicht die vier Punkte gewesen, an die ich zuerst gedacht hätte.
Aber ich zeige euch, welche vier Punkte dafür verantwortlich sind, nach dem, was Paulus hier schreibt, dass der Geist Gottes uns erfüllen und damit ungestört in unserem Leben wirken kann. Sprachlich ist es so, dass dieses Verb in Vers 18: „Sondern werdet voll Geist“ – das müsst ihr euch oben drüber vorstellen. Und dann kommen darunter vier Aussagen, die vom Grundtext her untergeordnet sind. Das sieht man leider im Deutschen nicht. Aber ich zeige es euch jetzt mal.
Da heißt es: indem ihr erstens zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet, zweitens dem Herrn in eurem Herzen singt und spielt, drittens – leider sprachlich im Deutschen in den meisten Übersetzungen überhaupt nicht so wiedergegeben – sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Es geht immer noch weiter, indem ihr, und selbst der nächste Vers, Vers 21, gehört immer noch dazu: ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.
Es sind vier Dinge, die zusammenkommen müssen, damit der Geist Gottes uns erfüllen kann. Wir gehen sie mal ganz kurz durch.
Da heißt es in Vers 19 am Anfang: Werdet voll Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet. Ich habe den Vers lange nicht verstanden. Ich kann doch nicht, wenn du mich fragst: Wie geht es dir?, antworten mit: Der Herr ist mein Hirte. Der steht aber hier: Redet zueinander in Psalmen.
Irgendwie kann ich mir ziemlich sicher, dass es das nicht ist, weil ich niemanden kenne, der es tut, und auch nirgendwo in der Kirchengeschichte gelesen habe, dass man es tut. Und trotzdem steht hier: Ich werde voll Geist, wenn ich zu anderen Christen in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern rede.
Was ist der Gedanke dahinter? Ich glaube, der Gedanke ist nicht die Form, also: Sing ihm was vor, was in meinem Fall eher abschreckend wäre, sondern: Was steckt hinter einem Lied? Wann wird in der Bibel ein Lied geschrieben? Was ist der Inhalt eines Liedes?
Da heißt es in Psalm 98 zum Beispiel: Singt dem Herrn ein neues Lied, weil er Wunder tut. Das heißt: Gott tut ein Wunder in meinem Leben, und die normale Reaktion in der Bibel ist: Wir schreiben ein Lied. Super!
Also, es ist uns ein bisschen verloren gegangen, würde ich gerne wiederbelebt sehen. Gott macht was, wir schreiben ein Lied. Über die unmöglichsten Sachen. Wenn du die Psalmen liest, da werden Lieder über Anlässe geschrieben, wo du sagst: Na ja, dann könnte ich auch über meine Busfahrt ein Lied schreiben. Und letztlich stimmt das. Letztlich stimmt es.
Wenn ich mit anderen Leuten rede, worüber rede ich mit ihnen? Über das DFB-Spiel da gestern Abend? Über die Probleme mit der Finanzbehörde, die gerade im Raum stehen? Über die Entwicklung in der Ukraine? Oder mache ich den Mund auf, und mein Herz ist voll von der Begeisterung, was Gott in der letzten Woche in meinem Leben getan hat?
Ich habe eine ganz tolle Gebetserhörung. Ich war beim Zahnarzt, und ich habe diesen Termin neun Monate vor mir hergeschoben. Und ich hatte echt Bange, weil da war was ganz Schräges in meinem Gebiss. Und ich dachte: Boah, der macht mich zur Schnecke.
Also, ich will euch gar nicht die Details erzählen, aber ich hatte echt Panik. Und ich habe vorher gebetet, und ich kam da rein, und Gott hat es so geführt, also ich kann es nur als Fügung, als purste, reinste Fügung sehen: Gott hat es so geführt, dass ich nach sechzig Sekunden das Problem erledigt hatte und eigentlich noch zwei Bonni obendrauf.
Ich habe mich neun Monate vor einem Termin gefürchtet, der nach sechzig Sekunden zu vollster Zufriedenheit vorbei war. So ein Unsinn, aber so ist Gott. Wo ich echt sagen kann: Halleluja. Also wirklich, es sind diese kleinen Dinge, wo ich einfach rausgehe und sage: Gott, du meinst einfach so unglaublich gut.
Und das sind die Dinge, die wir einander erzählen sollen. Was war mein Highlight der letzten Woche? Wo habe ich Gott in der letzten Woche erlebt? Sag mir das, ich möchte es hören.
Und wenn wir das tun, wenn wir von den Wundern erzählen, die Gott in unserem Leben tut, und nicht von den Sorgen, die wir haben und was weiß ich, von all den Dingen, die auch irgendwo zum Leben dazugehören, aber die führen nicht dahin, dass der Geist Gottes in meinem Leben mich erfüllt. Wenn ich erfüllt werden will mit dem Geist Gottes, muss ich reden über das, was Gott in meinem Leben tut. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt ist der Vers 19b: Und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt. Die Frage ist: Wie sieht es in mir aus? Bin ich einer, der Gott, wenn er so normal unterwegs ist, wie stehe ich zu Gott? Was findet sich innen drin? Ist das so ein Murren, so ein bisschen eine Grolligkeit, vielleicht auch so ein leichtes Desinteresse? Oder ist da so eine Fröhlichkeit, so einfach ein Jubel?
Ich gehe so durch dieses Leben und freue mich einfach an Gott. Ich kann zwar vielleicht nicht singen, so in meinem Herzen halt, so wo es keiner hört. Aber weißt du, du bist einfach ... Es ist einfach dieses: Ja, es muss nicht Frühling sein, es kann regnen, und ich höre trotzdem die Vöglein. Ja, und ich bin einfach glücklich. Ich bin glücklich, weil ich habe alles. Du kannst mir nichts mehr schenken. Ich bin gesegnet. Ich habe den Herrn. Er liebt mich. Mir ist vergeben. Ich gehe nach vorne. Halleluja.
Wenn das im Herzen kultiviert wird, diese Fröhlichkeit, gepaart mit Vers 20: Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Da steht die Frage im Raum: Wie reagierst du auf Fehlschläge, auf Dinge, die nicht klappen?
Du hast dein iPhone, und das fällt dir runter. Und natürlich fällt es dir auf dein Display, und du hebst es wieder auf, und natürlich ist das Display gesprungen. Logisch, wie soll das auch sein? Früher war es eine Semmel, die auf die Butterseite fiel, und heute ist halt das iPhone auf Display. Ist halt immer so.
Was mache ich denn dann? Ja, kann ich dann sagen: Ich glaube zutiefst daran, dass mein ganzes Leben von Gnade und Güte eingehüllt ist. Ich habe keinen blassen Schimmer, warum das jetzt passieren muss, aber wenn ich schon irgendeine emotionale Reaktion bringe, dann möchte ich lernen zu danken.
Warum? Na, es steht hier: Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank. Das setzt Glauben voraus, das ist mir völlig klar. Aber das ist die Haltung. Dieses: Ich gehe durch diese Welt als jemand, der sagt: Ich glaube zutiefst, dass Gott in meinem Leben keinen Fehler macht, und ich will das zum Ausdruck bringen.
Und wo diese Haltung da ist, da kann der Geist Gottes uns erfüllen. Da kann er sagen: Ey, super, jetzt gehen wir einen Schritt weiter.
Und der vierte Punkt: Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. Auch das könnte man übersetzen, indem ihr euch einander in der Furcht Christi unterordnet. Und dann werden im folgenden Text so Beziehungen dargestellt: Mann, Frau, Kinder, Eltern, Angestellte, Arbeitgeber. Und wir sind es nicht immer die Chefs.
Und jetzt ist die Frage: Wie verhalten wir uns in solchen Situationen? Bin ich bereit, die Rolle zu spielen, die Gott mir aufgrund meines Geschlechts, meiner ökonomischen Situation, meiner Begabung, meinem Beruf, die Gott mir in der Gesellschaft zugebilligt hat? Bin ich bereit, da, wo Gott mich hingestellt hat, einfach zu sagen: Danke, Herr, ich werde das tun, was du möchtest?
Und wenn diese vier Dinge zusammenkommen, also begeistertes Reden über Gott, eine innere Fröhlichkeit, glaubende Dankbarkeit und die Bereitschaft, Gott dort zu repräsentieren, wo er mich hingestellt hat, dieser praktische Gehorsam, wo das zusammenkommt, schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass der Geist Gottes uns erfüllt.

Schluss: Der Geist führt und baut Gemeinde

Und deswegen sind das vier ganz wertvolle Punkte, die ich mir wünsche, dass ihr mitnehmt. Mein letzter Punkt, mein fünfter Punkt vom Anfang, war ja, dass Gott Menschen gebrauchen kann, die erfüllt sind mit dem Heiligen Geist.
Und deswegen dürfen wir uns die Frage stellen: Worüber rede ich? Rede ich über das wunderbare Handeln Gottes in meinem Leben? Freue ich mich an der Beziehung mit ihm? Bin ich davon ehrlich überzeugt, dass er es nur gut meint mit mir? Und lebe ich dieses zeugnishafte Leben an der Stelle, wo Gott mich hingestellt hat?
Und merkt ihr: Erfüllt sein mit dem Heiligen Geist, das ist gar nichts Mystisches. Das ist in dem Sinne gar nicht so weit weg. Das fängt an, wenn du morgens wach wirst. Dafür schaffst du die Voraussetzung, wenn dir irgendwas Blödes passiert. Es ist letztlich relativ einfach, wenn wir einfach nur glauben, dass Gott uns erfüllen will und dass er uns brauchbar machen will durch seinen Geist.
Und wenn das so ist, wenn du das tust, dann wird dieser Geist in deinem Leben Raum greifen. Er wird dich leiten, er wird dich kräftigen, er wird dich begaben, er wird dich in eine immer tiefere Beziehung mit Gott hineinführen. Und du wirst immer mehr erleben, wie diese Beziehung dich prägt und verändert.
Und dann sind wir mitten in Apostelgeschichte, wo dieser Geist Gottes jenseits von allen Organisationen und Programmen Menschen nimmt, begabt und Kirche aufbauen lässt. Lange bevor sie alles verstanden haben. Das ist total lustig. Wir werden noch manches Mal lachen über die ersten Christen, wenn du sagst: Hallo, das ist doch ganz einfach. Der Geist Gottes führt sie, und wir dürfen wissen, dass er sie zum Ziel bringt. Und das macht er mit uns auch. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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