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Ausgetrocknete Seelen auf dem Weg der Verheißung?

4. Mose 11,0-11,010.04.2013
Wenn dir das Jetzt nie reicht, wird selbst genug zum Mangel. Die Frage ist nicht, was du noch brauchst – sondern ob du Gottes Weg vertraust, statt dir das Morgen schon heute zu holen.

Einordnung des Vortrags und erste Hinführung

Wir machen jetzt weiter mit dem vierten Vortrag dieser Konferenz, und Michael Martens wird diesen Vortrag halten. Das Thema des Vortrags ist: 4. Mose 11 – ausgetrocknete Seelen auf dem Weg der Verheißung. Da bin ich sehr gespannt, was du uns weitergeben wirst und was wir lernen und hören dürfen.
Michael Martens darf ich kurz vorstellen: Er ist Pastor in der Freien Evangelischen Gemeinde in Siek bei Bremen. Er ist verheiratet mit Conny, und gemeinsam haben sie vier Kinder. Sein Herz brennt für Seelsorge, für das Thema Seelsorge rund um Seelsorge. Er hat auch in diese Richtung etwas studiert, und das ist sein Anliegen. Das merkt man, wenn man mit Michael zu tun hat. Michael ist außerdem Mitglied im Vorstand von Evangelium 21.
Michael, du darfst nach vorne kommen, und ich bete für dich und für uns.
Lieber Herr, ich danke dir für dein Wort, das du uns schenkst und aus dem wir schöpfen dürfen, aus dem wir lernen dürfen, aus dem wir wachsen dürfen, Herr. Und wir brauchen dich, wir brauchen dein Reden. Ich danke dir, dass Michael bereit ist, uns etwas weiterzugeben aus deinem Wort. Und ich bitte dich, dass du ihn ausstattest mit deinem Geist, mit deinen Worten, Herr. Bitte segne du Michael, mach ihn ruhig und gib ihm das, was er uns weitergeben soll. Stärke du ihn und stärke du uns, ermutige du uns und führe uns zur Bibel, zu deinem Wort, und führe uns zu Christus hin! Amen!
Martin Reeks-Williams, der gestern hier vorne saß, unser Engländer, hat eine schöne Vorlage gegeben. Ich weiß nicht, wie es euch nach den Vorträgen gestern ging. Martin sagte dann im Anschluss, wenn wir predigen, dann ist es wichtig, dass wir nicht meinen, wir wollen irgendwie jetzt alles genau linienmäßig nach irgendeinem System machen. Oder er hat es etwas anders ausgedrückt. Aber was ich meine und was ich so gut fand, und was ich jetzt einfach mal aufgreife, ist: Er hat gesagt, wir müssen üben. Und das tue ich jetzt mal.
In diesem Sinne dürft ihr dabei sein. Oder wie auch immer: Wenn es euch hierher verschlagen hat, seid ihr halt gerade dabei. Und ich möchte mit euch nachdenken über einen Text im vierten Buch Mose, Kapitel 11. Ich bitte euch, den aufzuschlagen. Es gibt heute keine Folien da hinten mit dem Bibeltext, aber ich bitte euch, mitzulesen und gleich mitzuschauen.
Aber während ihr aufschlagt, habe ich eine Frage, zwei, drei sogar, einfach nur für dich zum Reindenken. Die erste Frage ist: Würdest du sagen, du bist ein zufriedener Mensch? Wäre spannend, jetzt zu sagen: Steht mal auf, das lassen wir. Käme vielleicht vom Nachbarn: War es du? Würden die anderen denken, du bist ein zufriedener Mensch? Vielleicht so grundsätzlich. Vielleicht bist du einer, der sagt: Ich habe meine Unzufriedenheit mehr so unter der Wasseroberfläche. Andere sagen: Von mir wissen das immer alle, wenn ich unzufrieden bin. Ich sage es denen auch, wenn sie der Grund sind.
Eine andere Richtung, eine andere Frage: Worüber warst du in letzter Zeit unzufrieden, falls du nicht völlig zufrieden bist? Jetzt bitte nichts laut sagen, sondern nur mal für dich kurz denken. Ein, zwei Sachen: Worüber warst du in letzter Zeit unzufrieden?
Mir ist das wichtig, weil wir jetzt, ich weiß nicht, wie sehr praktisch werden, ich hoffe, dass es praktisch ist. Aber da gehört ihr dazu, dass ihr das umsetzt, auch gedanklich umsetzt. Ich möchte euch einladen, in diesen Text, in diesen Abschnitt, in dieses Ereignis im vierten Buch Mose, Kapitel 11, ganz besonders ab Vers 4, gleich hineinzuschauen und euch mitzunehmen. Wir werden über diese Geschichte nachdenken, über diesen vielleicht etwas komischen Titel nach den ausgetrockneten Seelen. Je nachdem, was du für eine Bibelübersetzung hast, steht das da eigentlich so in Vers 6 bei dir oder nicht. Musst du jetzt aber noch nicht gucken, da kommen wir gleich zu.

Die Ausgangslage im Buch und die erste Klage

Zunächst einmal kurz zur Situation: Wo stehen wir eigentlich in diesem Buch? Ein gutes Jahr ist es her, dass Gott das Volk Israel durch Mose aus der Sklaverei in Ägypten befreit, sie durch das Schilfmeer zum Sinai geführt und dort einen Bund mit ihnen geschlossen hat. Wir kennen das, wir haben das ja gerade in diesen Tagen gehört.
Obwohl das Volk die Macht und die Wunder Gottes auf grandiose Weise erlebt hat, begann es schon auf dem Weg zum Sinai zu klagen. Erinnert ihr euch? Zwei Dinge waren auf jeden Fall deutlich: Wir wollen Wasser und wir wollen Essen. Und Gott gibt ihnen beides. Dazu kommt noch ein Versprechen, nämlich dass er sagt, dass ihr jeden Tag genug haben werdet. Ich werde himmlisches Brot geben, ich werde Manna vom Himmel geben. Das heißt, dass ihr jeden Tag in der Wüste zu essen haben werdet.
Nach Bundesschluss und Gesetzgebung und nach der Geschichte mit dem goldenen Kalb und dem Neuanfang danach wurde dann an der Stiftshütte gearbeitet, die erklärt worden war, wie sie gebaut werden sollte. Das Volk verbrachte ungefähr ein Jahr am Sinai, ein bisschen mehr. Ein paar Wochen vor dem Ereignis an unserem Kapitel wurde dann die Stiftshütte fertiggestellt und aufgebaut, und Gott zeigte seine Gegenwart ganz praktisch und ganz deutlich für das Volk: dass er dort ist, dass er in der Mitte Israels ist.
Und dann, kurz danach, kommt der Aufbruch ins Land Kanaan, zum verheißungsvollen Land, dem Land, in dem Milch und Honig fließen, so hat Gott es versprochen. Sie sind ein paar Tage unterwegs, nicht lang. Ihr könnt das lesen: Es geht los in 4. Mose 10, und dann sind wir gleich in Kapitel 11.
Und das geht so los: „Und es geschah, als das Volk sich in Klagen erging“, also das ist jetzt so in eine Geschichte hineingesprungen, „es geschah, als das Volk sich in Klagen erging, da war es böse in den Ohren des Herrn. Und als der Herr es hörte, da erglühte sein Zorn, und ein Feuer des Herrn brannte unter ihnen und fraß am Rand des Lagers. Und das Volk schrie zu Mose, und Mose betete zum Herrn. Da legte sich das Feuer, und man gab diesem Ort den Namen Tabera, weil ein Feuer des Herrn unter ihnen gebrannt hatte.“
Da war die Klage des Volkes, der Zorn und die Strafe Gottes. Dann war da der Hilfeschrei des Volkes an Mose, Mose gibt das weiter an Gott und bittet um Rettung, und Gott erhört das Gebet. Und das ist ein Muster, das immer wieder vorkommt in dieser Zeit.
Wenn das Volk den Zusammenhang zwischen dem Klagen und der Strafe tatsächlich gesehen hat, und ich bin nicht ganz sicher, ob das da deutlich wird, aber wenn es das gesehen hat, dann würde man vermuten: Na, jetzt lass nichts mehr anbrennen. Aber es geht gleich anders weiter. Und damit kommen wir zu dem Textabschnitt, um den es heute Morgen besonders geht. Ich lese einige Verse, ab Vers 4 jetzt bis Vers 9. Zunächst geht es um das Volk, dann schauen wir uns Mose an, und hinterher Gottes Antwort.

Die Begierde des Volkes und die verzerrte Erinnerung

Hier ist das Volk, und das hergelaufene Volk, das in ihrer Mitte war, gierte voller Begierde, so heißt es hier in der Übersetzung. Schau ruhig, wie du es bei dir hast. Das Volk gierte voller Begierde, das ist mal aussagekräftig, oder? Und die Söhne Israel, und auch die Söhne Israel weinten wieder und sagten: Wer wird uns Fleisch zu essen geben?
Und hier kommt eine schöne Erklärung: Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, an die Gurken und an die Melonen und an den Lauch und an die Zwiebeln und an den Knoblauch. Was immer die so für eine Geschmacksrichtung hatten. Aber jetzt kommt’s: Und nun ist unsere Seele vertrocknet. Gar nichts ist da, nur das Manna sehen unserer Augen.
Dann wird das beschrieben: Das Manna aber war wie Koriandersamen, und sein Aussehen wie das Aussehen des Bedeliumharzes. Das Volk, und es wird beschrieben, wie das normal ablief, das Volk lief umher, und sie sammelten es und mahlten es mit Handmühlen oder zerstießen es in Mörsern, und sie kochten es in Töpfen und machten Brotfladen daraus. Und sein Geschmack war wie der Geschmack von Ölkuchen. Und wenn nachts der Tau auf das Lager herabfiel, dann fiel auch das Manna darauf herab.
Das heißt: Gott erfüllt sein Versprechen hier. Sie haben zu essen, sie haben jeden Tag genug zu essen. Aber trotzdem stehen sie da und klagen. Und das wollen wir uns genau angucken: Was war passiert?
Zunächst steht da vielleicht etwas vom hergelaufenen Volk oder wie das da übersetzt ist bei dir in der Bibel. Das sind Leute, die eigentlich nicht Israeliten sind, aber mit den Israeliten aus Ägypten ausgezogen waren, und sie fingen an mit der Gier, so heißt es hier. Jetzt könnte man überlegen: Okay, die waren die Gierigen, und das Volk hat dann geweint. Nein, wenn du in 4. Mose 11 liest, dann wirst du sehen, in dem Bericht in diesem Psalm über diese Situation, dass die Väter Israels, das heißt, dass Israel selbst, die Israeliten selbst gegiert haben mit Begierde. Es waren nicht nur die anderen. Vielleicht haben die angefangen, aber das ist egal, wer da anfängt: Wenn du mitmachst, ist es deine Verantwortung.
Also, sie wollen Fleisch. Aber warum? Wir haben doch gerade gesagt: Gott gibt dem Volk jeden Tag genug zu essen. Jeden Tag Manna, so viel sie essen konnten, durften sie sammeln. Das Problem war also nicht Hunger, denn dafür hatten sie genug. Und das Problem war auch nicht Wasser, denn sie fragen nicht nach Wasser, sondern nach Fleisch. Sie wollen Fleisch, weil ihnen danach ist, oder weil sie es sich wünschen, weil sie es wollen. Nicht, weil sie es brauchen, um nicht zu verhungern, sondern einfach, weil sie es sich wünschen.
Und dann denken sie oder reden von dem Fleisch, und sie klagen und erinnern sich an das Essen in Ägypten, das wohl billig und erfrischend gewesen ist. So kann man das nachlesen bei den Leuten, die sich da viel mit diesen Sachen beschäftigt haben. Aber es gab es eben nicht in der Wüste zu haben.
Und noch ein Ding: Sie sagen, dass sie umsonst aßen. Ist dir das aufgefallen? Das haben wir umsonst gehabt, was denkst du dazu? Kleine Hilfe zur Erinnerung für uns: Wie war das im zweiten Buch Mose zu Anfang?
Und die Söhne Israels seufzten wegen ihrer Arbeit und schrien um Hilfe, und ihr Geschrei wegen der Arbeit stieg auf zu Gott. Da hörte Gott ihr Ächzen, und Gott dachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah nach den Söhnen Israel, und Gott kümmerte sich um sie.
Na, von wegen umsonst, oder? Die waren Sklaven. 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Sie waren Sklaven. Sie hatten zu essen, aber keine Freiheit. Aber sie haben geschrien wegen der Arbeit, dass sie frei werden wollten. Und jetzt reden sie, das gab es umsonst. Was fällt uns da auf? Die Gier verzerrt unsere Wahrnehmung. Dementia Epidymia, falls du Griechisch und Latein kannst.
Wie ist das mit Begehren? Begehren, Gier, das ist dasselbe Wort, je nachdem, wie man das dann übersetzt, welche Bedeutungsnuancen es hat. Ist Begehren immer etwas Schlechtes? Wenn du so an die Bibel denkst und du denkst an Begehren, was fällt dir ein? Ist das etwas Negatives?
Nun, der Begriff wird durchaus positiv gebraucht. Im Neuen Testament in der Entsprechung sagt Jesus, er sehnte sich danach, mit den Jüngern das Passamahl zu essen. Im Alten Testament, auch in den Psalmen, man sehnt sich nach Gott. Es ist nicht einfach an sich negativ. Was natürlich klar ist: Ein Begehren, das zu Unzufriedenheit mit Gott und zu der Klage gegenüber Gott führt, ist definitiv falsch. Dann ist das Ziel des Begehrens ein Götze geworden, weil es offensichtlich wichtiger ist als Gott und wir bereit sind, gegen Gottes Willen zu handeln, um das zu bekommen, was wir wollen. Dann ist die Sache klar.
Aber wie war das mit dem Wunsch nach Fleisch? Ist der an sich falsch? Und ich lese euch noch etwas aus 5. Mose, ein Buch weiter plus ein Kapitel, also 5. Mose 12 statt 4. Mose 11, Vers 15. Hör da einfach mal rein und überlege, wie das passt zu dem, was wir gerade gesehen haben. Da heißt es: Doch magst du ganz nach Herzenslust schlachten und Fleisch essen in all deinen Toren nach dem Segen des Herrn, deines Gottes, den er dir gegeben hat.
Da steht dieses Wort Herzenslust. Wenn du da Lust drauf hast, dann tu es. Und die Worte, die wir da finden, die hier bei mir in der Übersetzung, in der Elberfelder Übersetzung, so übersetzt sind, wörtlich, buchstäblich, erst mal geht es da um das gleiche Wort und die gleichen Worte wie in 4. Mose 11, um das Begehren und um die Nefesch, die Seele, wie auch immer sie übersetzt wird. Das ist ja etwas Spannendes dabei. Also: Doch du magst ganz nach dem Begehren deiner Seele schlachten und Fleisch essen in all deinen Toren nach dem Segen des Herrn, deines Gottes, den er dir gegeben hat.
Und Vers 20, und den finde ich echt krass. Hört da rein: Wenn der Herr, dein Gott, dein Gebiet erweitern wird, so wie er zu dir geredet hat, und du sagst: Ich will Fleisch essen, was würden wir jetzt erwarten? Ich sage es nochmal: Wenn der Herr, dein Gott, dein Gebiet erweitern wird, so wie er zu dir geredet hat, und du sagst: Ich will Fleisch essen, weil deine Seele Fleisch zu essen begehrt, so magst du nach dem Begehren deiner Seele Fleisch essen. Merkt ihr was? Offensichtlich, oder?
Hier haben wir ein dickes Problem in 4. Mose 11, und in 5. Mose 12 scheint das völlig okay zu sein. Die Sache an sich, das Begehren nach Fleisch, der Wunsch danach und die Ausübung des Ganzen. Warum der Unterschied? In 5. Mose 12, wenn du ein bisschen weiter vorguckst in den Versen, da heißt es: Wenn ihr aber über den Jordan gegangen seid, wenn ihr im Land der Verheißung seid, dann ist es so. Aber hier sind sie auf dem Weg in 4. Mose 11.
Der Wunsch nach Fleisch wird nicht grundsätzlich von Gott verurteilt, doch Gott hat das Fleisch für später gedacht und nicht für die Reise nach Kanaan. Das Volk will jetzt unbedingt haben, was Gott ihnen für später erlaubt und zusagt und sagt: Haut rein, aber jetzt nicht! Auf dem Reiseproviantzettel für die Wüste hat Gott kein Fleisch geschrieben.
Was ist also das Problem? Der gierige Wunsch, der Anspruch stellt auf das, was Gott nicht für jetzt auf dem Zettel hat. Die Gier nach dem, was Gott nicht für jetzt für sie gedacht hat. Sie waren auf dem Weg in das Land der Verheißung, aber sie wollten schon jetzt, was Gott für später gedacht und für später verheißt hatte. Der Weg ging durch die Wüste, ohne Milch und Honig, aber mit dem Herrn. Der Weg ist noch nicht das Ziel, ist kein Honigschlecken, heißt Sand zwischen den Zähnen, aber er ist der Weg der Verheißung.
Und das ist jetzt spannend: Wofür redet Gott von diesem Ding, wenn er sagt, was kommen wird und was er verheißen hat? Dann ist das eigentlich eine Ermutigung für den Weg, auf dem wir jetzt sind, weil wir sehen, was noch kommt. Aber wenn wir anfangen, das, was als Ermutigung gedacht ist für die Zukunft, jetzt einzufordern, während wir auf dem Weg dorthin sind, dann kriegen wir ein Problem. Und Israel hat sein Problem.
Gottes Verheißung kennen ist da wichtig. Es ist wichtig, was Gott für jetzt gedacht hat und was er nicht für jetzt gedacht hat. Es ist wichtig gegen eine ausgetrocknete Seele. Und da möchte ich jetzt kurz etwas zu diesem Punkt sagen: Ihre Seele ist ausgetrocknet. Wenn es nur Hunger oder Durst gewesen wäre, würden wir sagen, es ist einfach eine körperliche Geschichte. Man könnte Nefesch mit Kehle übersetzen oder so etwas. Aber es ist eben nicht der Durst und es ist nicht der Hunger, sondern es ist, wie wir sagen würden, der Appetit. Das hätte ich gern. Sie hatten ja, was sie brauchten, in Gottes Augen. Doch sie waren unzufrieden und klagten, weil sie nur Manna hatten, weil sie nicht mehr hatten als das, was Gott für nötig befand.
Darum bin ich überzeugt, ist es angemessen, hier von diesem Begriff zu reden, von der ausgetrockneten Seele zu sprechen, von der ich denke, dass wir alle etwas damit verbinden können, oder? Dann mal Lechz nach etwas anderem? Wenn man das Gefühl hat, man lebt nicht wirklich.
Das Spannende ist nur, dass Israel dieses Gefühl hatte, nicht weil sie es haben mussten, sondern weil die Gier der Anfangspunkt war. Es war nicht die Speisenauswahl eines Zwölfsternerrestaurants in der Wüste, das kam im verheißenen Land. Und es war auch nicht das Essen aus der Sklaverei, dort waren sie nicht mehr.
Aber an diesem Punkt möchte ich euch noch etwas Absurdes sagen, was ich da gesehen habe oder was mir auffiel: Die Erinnerung des Volkes an die Vergangenheit beinhaltet den Gedanken, dass es ein Fehler war, aus Ägypten wegzuziehen. Das wird später noch deutlicher, wenn Gott mit ihnen redet. Habt ihr das auf dem Schirm? Ist das nicht absurd? Ist das nicht völlig abgedreht? Da hat jemand die Rettung durch Gott erlebt, und weil er etwas Bestimmtes jetzt aus Appetit möchte, sagt er: Am liebsten wäre ich fast noch da, wo ich herkomme.
Wir gehen da gleich noch mal hin.

Der Blick auf uns und die Spannung des christlichen Lebens

Und bevor wir danach zu Mose kommen, noch ein paar Gedanken zu uns. Das ist ja die spannende Frage: Was machen wir jetzt mit dem, was da für Israel steht?
Wir sind nicht in der Wüste Sinai, laufen nicht auf das Land Kanaan zu, unser Leben ist nicht durch den Bund vom Sinai geregelt, und die meisten von uns finden morgens Frühstück im Kühlschrank und nicht draußen auf dem Boden. Aber Christen leben wir nicht auch wie das Volk Israel in einer Zeit einerseits zwischen Erlösung, Befreiung und Bundesschluss und auf der anderen Seite der Verheißung, der Vollendung, der Verheißung und der Erfüllung?
Genau wie Israel zwischen diesen beiden grundsätzlichen Polen lebt, so leben wir als Christen auch, wenn wir Kinder Gottes sind, im Bund mit unserem Herrn, aber noch nicht in der Vollendung der Verheißung. Genau wie das Volk Israel in der Wüste sind wir noch nicht da. Auch für uns hat Gott seinen Reiseproviant versprochen, anders im Detail als für Israel. Und es ist wichtig, dass wir diese Andersartigkeit betrachten und beachten. Aber es ist trotzdem auch für uns das, was wir brauchen.
Ich möchte einen Satz von Jesus aus der Bergpredigt nehmen, der so grundsätzlich ist und genau das beschreibt. Da heißt es, und ihr kennt bestimmt Matthäus 6,31 oder 6,33: So seid nun nicht besorgt und sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach all dem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.
Ihr wisst, was jetzt kommt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und das alles wird euch hinzugefügt werden.
Also, was immer dann Bedarf ist: Unser Begehren soll nicht ausgerichtet sein auf das, von dem wir denken, dass wir es brauchen, sondern unser Begehren soll ausgerichtet sein auf Gott und auf seine Herrschaft, die sich verwirklichen soll in unserem Leben.
Gott wird dir alles geben, was du brauchst, damit du leben kannst, wozu er dich berufen hat. Glaubst du das? Gott wird dir alles geben, was du brauchst, damit du leben kannst, wozu er dich berufen hat. Unser Trachten, unser Begehren soll sich um Gott drehen, darum, ihm zu gefallen, ihn zu lieben und ihn zu verherrlichen.
Dein Reiseproviant im Leben als Christ kann von Tag zu Tag unterschiedlich aussehen. Und was manchmal viel kribbeliger ist: Der mag anders aussehen als der vom Nachbarn, der auch Christ ist. Wo Gott die Tüten unterschiedlich groß macht, haben wir den Eindruck, und der Rucksack unterschiedlich schwer ist. Und wir gucken aufs Butterbrot vom anderen. Und das ist ja vielleicht noch okay, aber wenn da noch was anderes dabei ist, kennt ihr das, was der Schwule so? Was hat der für Eltern, was habe ich für Eltern? Heute ist das etwas anderes, da kriegt man das wahrscheinlich nicht mehr mit. Dann ist die Frage, wie viele Menüs du dir davon leisten kannst in der großen Pause bei irgendwelchen Schnellrestaurants. Und wir gucken nach rechts und links.
Unterschiedlich groß können die Rationen sein, aber die Verheißung, die wir haben, ist, dass Gott uns alles gibt, was wir brauchen, damit wir leben, wozu er uns berufen hat. Und das ist eine spannende Geschichte. Und dann ist es völlig unangemessen, wenn wir damit unzufrieden sind. Die Unzufriedenheit, die Forderung, das Anspruchsdenken und die Klage gegen Gott sind absurd, sind Widerspenstigkeit und Misstrauen, sind betrübend und kränkend für den heiligen Gott, so sagt es ein Teil von 4. Mose 11. Der heilige Gott ist gekränkt durch das, wie sie mit ihm umgehen. Durch das, was sie sagen: Du gibst uns nicht genug, das reicht nicht, das reicht nicht wirklich zum Leben, wir sind ausgetrocknet. Und Gott ist gekränkt.
Und die Gier kann so stark sein, dass selbst die Erlösung durch Jesus weniger wert scheint als irgendein Bedürfnis, das wir jetzt unbedingt erfüllt haben wollen. Schon mal so einen Gedanken gehabt? Wenn ich jetzt kein Christ wäre, dann würde ich ... Seid ihr alle so heilig, noch nie gedacht? Oder: Ich wünschte, ich ... Also, das formuliert man dann natürlich ganz fromm, aber der Gedanke, dass man vielleicht als Kind zum Glauben gekommen ist: Wenn ich erst mit achtzehn zum Glauben gekommen wäre, dann hätte ich ja noch was anderes erleben können, oder? Das würde mir natürlich helfen, die Gnade Gottes viel besser zu verstehen. Originalton, also nicht Zitat, aber der Sinn.
Also, wir haben es eben gemerkt, oder, von Vaughan, als er sagte, dass wir das kennen, diese Spannung, in der wir leben. Die Israeliten hatten ihre konkreten Versprechen für ihre Reise bis zum Ort der Verheißung. Es ist interessant, was da alles war, und das ist nicht identisch mit dem, was wir hier so haben. Wir haben unsere.
Und ein paar Dinge jetzt mal so herum, die bei uns nicht dazugehören: Gott hat uns nicht versprochen, dass wir freundliche Eltern, eine liebende Familie haben, einen Ehepartner haben, Kinder bekommen können, die Kinder gesund sind, keine Trotzphasen haben, die Kinder zum Glauben an Jesus Christus finden. Das ist etwas anderes als Trotzphasen, das ist ein richtiges Problem. Und eines, das wehtut. Aber Gott hat uns nicht versprochen, dass das so sein wird.
Er hat uns nicht versprochen, dass wir eine großartige Gemeinde in der Nähe haben, der Pastor sensibel ist und die Predigten vollmächtig. Er hat uns nicht verheißt, dass uns Lernen leicht fällt, wir einen gewünschten Schulabschluss bekommen, eine Arbeitsstelle haben oder behalten, dass wir nicht gemobbt werden an der Arbeit. Er hat uns nicht versprochen, dass die Ehe leicht werde. Er hat uns auch nicht versprochen, dass der Ehepartner keinen Ehebruch begeht. Oder? Er hat uns nicht versprochen, dass wir keinen Spott wegen unseres Glaubens abbekommen oder irgendwelche menschlichen Nachteile sonstiger Art haben. Auch nicht, dass wir gesund sind, keine schweren Unfälle oder Krankheiten haben. Er hat uns noch nicht einmal versprochen, dass wir genug zu essen haben, um zu überleben. Oder?
Hör was! Wenn er uns von hier nach Hause holt, brauchen wir das nicht mehr. Und wenn Gott uns gibt, was wir brauchen, um zu leben, wozu wir berufen sind, dann heißt das: Wenn er uns das nicht mehr gibt, dann sind wir offensichtlich nicht mehr berufen, in diese Richtung zu gehen, wenn wir nicht selbst vorher entsprechend ... Darum geht es im Moment nicht. Aber das ist diese Grundsatzfrage, die wir haben.
Er gibt uns, was wir brauchen, um zu leben, wie er es für uns gedacht hat, bis er entscheidet, dass wir zu ihm nach Hause kommen und die Vollendung der Verheißung erleben. Und alles andere, wenn ich sage: Das passt nicht, das klappt nicht, das ist nicht in Ordnung, ist im Grunde genommen innerlich der Aufstand gegen Gott. Hey, du machst was falsch. Und Gott sagt: Du hast was falsch verstanden. Hey, da ist ein Unterschied zwischen Verheißung und Vollendung, der Verheißung und der Reise auf dem Weg dahin.
Aber ticken wir nicht so? Geht es dir nicht so? Das brauche ich, und sonst fühle ich mich nicht glücklich, sonst ist meine Seele ausgetrocknet.
In Philippa 4,6-7 heißt es auch in bekannten Versen: Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.
Ist das etwa das Gegenteil von einer ausgetrockneten Seele, dass wir Frieden haben mit dem, wie es gerade aussieht, egal wie es aussieht, in dem Wissen, dass wir auf dem Weg sind und noch nicht da sind, dass wir die Anliegen, die Gedanken, die wir haben, zu Gott bringen können, aber Christus trotzdem unsere Gedanken bewahrt, dass wir nicht absurd werden, dass wir nicht wegrennen von dem, was er gesagt hat, und wir das im Frieden haben, auch wenn das menschlich überhaupt nicht mehr logisch ist und den Verstand übersteigt? Das kann Christus geben.

Mose, seine Überforderung und Gottes Antwort

Der zweite Punkt, die anderen werden kürzer, hoffe ich.
Was ist mit Mose? Schauen wir uns sein Gebet, sein Gespräch mit Gott, an. Lest euch das vorab.
Vers 10: Und als Mose das Volk, alle seine Sippen, jeden am Eingang seines Zeltes weinen hörte und der Zorn des Herrn heftig entbrannte, da war es böse in den Augen des Mose. Das Heulen oder Gottes Reaktion oder beides?
Und Mose sagte zu dem Herrn: Warum hast du an deinem Knecht so schlecht gehandelt, und warum habe ich nicht in deinen Augen Gunst gefunden, dass du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst? Bin ich etwa mit dem ganzen Volk schwanger gewesen, oder habe ich es etwa geboren, dass du zu mir sagst: Trag es an deiner Brust, wie der Betreuer den Säugling trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch haben, um es diesem ganzen Volk zu geben? Denn sie weinen vor mir und sagen: Gib uns Fleisch, damit wir essen. Ich allein kann dies Volk nicht tragen, denn es ist mir zu schwer. Und wenn du jetzt, das wird spannend, und wenn du so mit mir tust, dann hau mich weg, dann bring mich um, wenn ich Gunst gefunden habe in deinen Augen. Das wäre mein Gnadenanweis, hau mich tot. So geht es mir, sagt Mose, damit ich mein Unglück nicht länger ansehen muss.
Und der Herr sprach zu Mose: Versammle siebzig Männer aus den Ältesten Israels, von denen du erkannt hast, dass sie Älteste des Volkes und seine Aufseher sind, und führe sie zu dem Zelt der Begegnung, dass sie sich dort mit dir zusammen aufstellen. Und ich werde herabkommen und dort mit dir reden, und ich werde von dem Geist nehmen, der auf dir ist, und auf sie legen, damit sie mit dir an der Last des Volkes tragen, und du sie nicht mehr allein tragen musst.
Und zu dem Volk sollst du sagen: Heiligt euch für morgen, dann werdet ihr Fleisch essen! Jetzt kommt der Originalton Gottes, und das haut rein. Denn ihr habt vor den Ohren des Herrn geweint und gesagt: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Denn in Ägypten ging es uns gut. Da haben wir wieder die Sache. Und dann sagt er Folgendes: Und der Herr wird euch Fleisch geben, und ihr werdet essen. Nicht nur einen Tag sollt ihr essen, und nicht nur zwei Tage, und nicht nur fünf Tage, und nicht nur zehn Tage, und nicht nur zwanzig Tage, sondern einen ganzen Monat. Gott spricht noch immer, bis es euch zur Nase rauskommt, na hopp na, und es euch zum Ekel wird, weil ihr den Herrn, der in eurer Mitte ist, verworfen und vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir nur aus Ägypten ausgezogen?
Das ist mal ein Beispiel für Gottes Zorn, oder? Kommunikativ. Gott ist richtig sauer, wenn ich das so menschlich sagen darf.
Und Mose sagte, und jetzt kommt Mose, und der ist auch spannend, und er redet zu Gott: Sechshunderttausend Mann Fußvolk zählt das Volk, in dessen Mitte ich bin, und da sagst du: Fleisch will ich ihnen geben, dass sie einen ganzen Monat davon essen? Können so viele Schafe und Rinder für sie geschlachtet werden, dass es für sie ausreicht? Oder sollen alle Fische des Meeres für sie eingesammelt werden, dass es für sie ausreicht?
Und der Herr sprach zu Mose: Ist die Hand des Herrn zu kurz? Ist die Macht zu klein? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort für dich eintrifft oder nicht.
Bisher erstmals der Text: Mose sieht sich selbst überfordert. Er mag das Geheule des Volkes nicht mehr hören. Er weiß, dass er es nicht versorgen kann, und sagt Gott, wie er die Sache sieht. Das ist nicht meine, sondern deine Aufgabe, sagt er. Es ist dein Volk, ich kann das nicht, mir ist das zu viel. Wo ist deine Gnade, dass du mir die Last des ganzen Volkes auflegst? Und wenn das so weitergehen soll, dann sei mir gnädig und töte mich. Ich will das nicht mehr ertragen.
Wie klingt das für dich? Hat Mose mitgeklagt? Fällt einem schwer, das so zu sagen, oder? Aber man könnte fast meinen, so ganz super Stimmung war da nicht. Auf jeden Fall hat Moses Blick für die Realität gelitten. Es hat sich für ihn offensichtlich so angefühlt, als hätte er die ganze Verantwortung, obwohl Gott und nicht er das Volk versorgt hat, oder?
Und als Gott sagt, dass er Fleisch für alle gibt, fragt Mose, wie das denn wohl gehen soll. Und da hat Mose jetzt seine Erinnerungslücke. Und er fragt nach Landtieren, und er fragt nach Wassertieren, aber da fehlt doch noch was, oder? Das Geflügel. Und genau das ist es. Aber genau das war es schon mal im zweiten Buch Mose, als es anfing mit dem Manna an dem Tag, wo Gott auf die gleiche Weise das Volk versorgt hatte. Und Mose scheint nicht daran zu denken, selbst Mose.
Aber Mose kommt doch fragend mit seinen Gedanken zu Gott und richtet sich nicht widerspenstig gegen ihn. Warum her? Woher her? Wie soll das gehen her? Ich denke, wir wissen, dass Mose als jemand zu dem Herrn kommt, der ihm grundsätzlich von Herzen dient, der demütig ist, wie wir gleich im nächsten Kapitel deutlich gesagt bekommen, und der Gottes Auftrag ausführen will und sich dabei überfordert sieht. Es hört sich einerseits fast so ähnlich an manchen Punkten wie das vom Volk, aber auf der anderen Seite ist da eine Herzenshaltung bei Mose, von der wir wissen durch die Geschichte. Und die ist anders als die des murrenden Volkes.
Und wir sehen dann, dass Gott mit seinem Anliegen ganz anders umgeht als mit der Klage des Volkes.

Christus als der eigentliche Mittler und Hirte

Was machen wir jetzt mit Mose? Mose hatte eine andere Rolle als wir. Würde man das so sagen? Er war der Leiter des Volkes, mit einer besonderen Aufgabe und Vollmacht Gottes ausgestattet, mit einem besonderen Maß an Autorität. Gott hat besondere Dinge durch ihn getan und Wunder gewirkt, und das ist einfach nicht vergleichbar. Das ist jetzt nicht so, dass wir von Mose nehmen können: Okay, Mose, wie machst du das? Ich gucke mal, wie ich das mache. Das ist nicht der Gedanke.
Wir sehen, da haben wir schon davon gehört, dass Mose auch eine Mittlerfunktion hatte, gleich in den ersten Versen. Das Volk rennt zu Mose und klagt und schreit, und Mose rennt zu Gott und sagt das weiter. Er ringt darum, die Strafe Gottes für die Sünde des Volkes vom Volk abzuwenden. Das waren die ersten Verse. Aber es gelingt ihm nicht wirklich. Es führt nur dazu, dass Gott die Strafe nicht voll durchzieht, sondern zeichenhaft und zeitlich begrenzt vollzieht.
Die Überforderung von Mose schreit nach mehr. Ihr könnt euch denken, was jetzt kommt. Da ist das Volk und die Sünde, und sie schreien zu Mose, aber Mose kann das Gericht nicht abwenden. Es wird zurückgehalten in dem Maß, in der Zeit, und dann kommt Jesus. Und er ist der einzige wirkliche Mittler zwischen Gott und Menschen, wie wir wissen. Er ist besser als Mose. Jesus bittet nicht nur den Vater, dem Volk zu vergeben, sondern er geht selbst in den Tod, um die Schuld zu tragen und damit die Basis zu echter Vergebung zu geben. Und so wendet er den Zorn und die Strafe Gottes wirklich ab, und zwar auf sich, und hält es nicht nur irgendwie auf.
Jesus Christus ist der, der den Zorn Gottes auf sich lenkt, damit die, die an ihn glauben, gerettet sind. Mose konnte das nicht, aber genau das hatte das Volk nötig. Und darum ist diese Notwendigkeit der Schrei nach dem, der kommen soll. Jesus Christus bleibt unser Fürsprecher. Er redet nicht nur bei der Rettung für uns. Er ist unser Tröster. Johannes sagt, er ist unser Beistand beim Vater, denn er ist die Sühnung für unsere Sünden.
Und noch etwas: Jesus ist der, der keinen auf dem Weg verliert, anders als Mose. Er ist der, der diejenigen, die der Vater ihm anvertraut hat, wirklich ans Ziel bringt. Und Jesus ist der, der seine Leute versorgt. Mose konnte das nicht. Aber Jesus kann es wirklich. Und er ist der Hirte, er lässt sein Leben für die Schafe und führt und versorgt sie.
Und nur weil Mose eine Berufung hatte, die etwas mit Leitung zu tun hatte, heißt das nicht einfach, dass wir, wenn wir in der Leitung sind, sagen: Okay, da ist Mose, hier sind wir, jetzt gucken wir mal, was wir abgucken können. Das ist auch eine spannende Frage, aber das ist nicht der Ansatz, um den es hier wirklich geht. Wir sehen, dass nur Jesus die Aufgabe vollbringen kann, die notwendig ist. Und an dem Punkt hat sich nichts geändert, egal wo und wann, kontinuierlich durch die ganze Bibel. Es ist nur, wenn Gott selbst anpackt, wenn Gott selbst kommt, wenn Gott selbst tut, dann passiert das, was Gott selbst will. Sonst wird es nichts.

Verantwortung, Leitung und die Grenzen menschlicher Erwartungen

Aber wenn wir gesehen haben, dass wir nicht einfach etwas von Mose übernehmen können, dass Mose selbst nicht das tun kann, was nötig ist, und wenn wir auf Christus schauen, dann sehen wir im nächsten Schritt auch, dass Christus heute zwischen uns Aufgaben gibt und Verantwortung in gewisser Weise verteilt. Gott vertraut Menschen andere Menschen an.
Ein Bereich, um den es dabei viel geht, ist das, was wir mit dem Begriff Hirten verbinden. Damit meine ich nicht nur Älteste in den Gemeinden. Da sind Väter in den Familien, da sind Eltern für ihre Kinder, da sind Menschen, die andere an die Hand nehmen, die Hirten für andere sind, ob im Hauskreis oder in Zweierschaften oder wie auch immer. Gott vertraut Menschen andere Menschen an. Und dann stellen sich Fragen: Wie geht das?
Jetzt wird es spannend, weil es diese Kontinuität gibt, das, was gleich bleibt zwischen der damaligen Zeit und heute. Die Herzen der Menschen sind immer noch genauso begehrlich, wie sie es früher waren. Und die Probleme sind im Grunde genommen die gleichen, wenn es auf unser Herz ankommt. Die Umstände, in denen das abläuft, sehen in Gottes Geschichte anders aus. Aber dann haben wir die gleichen oder ähnliche Fragen: Wie gehen wir damit um, wenn Menschen, die uns anvertraut sind, die wir leiten sollen, klagen und Vorwürfe gegen Gott und gegen uns machen? Wie ist das, wenn man Kinder erzieht und das nach Gottes Willen tun will, aber Frustration aufkommt? Wie ist das, wenn man sich um Menschen kümmert, sie geistlich begleiten will, aber die Herzen hart scheinen, wenn Menschen gegen Gottes Willen angehen und anderen und sich selbst Schaden zufügen?
Wohin gehen wir, wenn wir uns überfordert fühlen, wenn uns die Last zu groß wird, wenn wir einfach weglaufen wollen? Das, was entsteht, weil die Herzen der Menschen gleichsündig sind und sich um sich selbst drehen, sind Probleme, die durch die Geschichte hindurch kontinuierlich bleiben. Aber es muss uns klar sein, was Jesu Aufgabe ist und was nicht unsere ist. Wir können Menschen nicht retten. Wir können sie nicht von uns aus erquicken. Wir können Menschen nicht ans Ziel bringen, wir können Menschen nicht versorgen, auch wenn wir uns das manchmal einbilden. Nur Jesus selbst kann das. Es ist Gottes Gnade und sein souveränes Handeln.
Gott hat uns seinen Geist gegeben, damit wir das tun können. Und so sollen wir uns von Jesus gebrauchen lassen. Er will uns gebrauchen, um das zu tun, was er getan haben will und was er selbst durch Menschen tut. Wir sollen uns gebrauchen lassen und dabei treu sein.
Da ist jetzt ein spannender Punkt, und ich glaube, der ist sehr praktisch. Ich kenne ihn jedenfalls so. Die Erwartungen von Menschen sind irrelevant. Die Erwartungen von Menschen sind irrelevant. Sie dienen höchstens dazu, zu hören, was der andere sich wünscht, und an manchen Punkten dazu, dass sich jemand segnen lassen kann. Aber im Grunde genommen sind die Erwartungen von Menschen irrelevant. Es kommt darauf an, was Jesus von uns möchte. Doch wie oft spielen die Vorwürfe oder die vermuteten Vorwürfe eine Rolle, also das, was wir denken, was die anderen wohl denken und vielleicht morgen sagen. Und die Klagen von Menschen: Wie oft spielt das eine große Rolle für uns?
Wie kommst du klar, wenn Menschen unzufrieden mit dir sind? Ich hatte gestern Abend, nein, gestern Mittag, ein Telefonat. Eine meiner Töchter rief an, und ich kann das nur ganz allgemein sagen, was da war. Aber sie hatte gemerkt, dass sie etwas tun muss, was richtig ist, was aber höchstwahrscheinlich dazu führt, dass jemand anders richtig sauer auf sie ist. Kennt ihr das? Dann haben wir von diesem Thema gesprochen. Das ist nämlich genau das Thema. Die Frage ist: Was hat Gott dir gesagt, und wozu hat Gott dich berufen? Und wenn es deine Aufgabe ist, das zu tun, dann ist es egal, was andere dazu sagen, weil es darauf ankommt, was Christus sagt.
Paulus bringt das im 1. Korinther 4,3-5 so zum Ausdruck. Es ist mir egal, was die Leute sagen. Es ist mir sogar im Endeffekt egal, was ich selbst über mich denke. Es kommt darauf an, wie Gottes Denken über mich ist. Und er schaut sogar auf die Absicht meines Herzens. Wie sehr sind wir versucht, uns nicht von Gott, sondern von den Erwartungen und den Klagen der Menschen um uns herum bestimmen zu lassen.
Eine der gnädigen Wahrheiten für uns ist in all dem, dass Jesus der einzig kompetente Hirte ist und nicht wir. Er ist der Handelnde, wir dürfen uns gebrauchen lassen, und wir sind nicht verantwortlich für das, was dann passiert. Das sind Schuhe, die nicht an die Füße gehören. Wenn wir das tun, was Gott von uns will, dann sind wir nicht verantwortlich für das, was passiert, sondern Christus selbst.
Ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber ich finde das praktisch, weil so etwas im Leben immer wieder vorkommt, in unserem Leben mit Gott auf der Reise. Wir sind verantwortlich, ihm treu zu sein, und wissen dabei um die Gnade, dass er uns gerne vergibt, wo wir untreu sind. Und wir wissen, dass er gnädig ist, uns wachsen zu lassen, Stück um Stück, sodass wir nicht die Frustration leben: ach, schon wieder, sondern die Demut: Ich gehe zu Jesus, und ich weiß, dass er vergibt, und ich weiß, dass er mich wachsen lassen will.
Noch eine andere Frage, die ich aber nur so in den Raum stelle, ist die, wie sehr unsere Begehrlichkeiten die Beziehung zu denen prägen, die Gott an unsere Seite gestellt hat, die für uns Hirten sind. Da kannst du mal für dich darüber nachdenken.

Gottes Gericht, die Gräber der Gier und der Weg zum Leben

Nachdem Mose seine Gedanken zu Gott gebracht hat, antwortet Gott. Und er antwortet auf unterschiedliche Weise auf das Anliegen des Mose und die Klage des Volkes.
Zu Mose: Das könnt ihr in den nächsten Versen dann selbst lesen. Gott gibt ihm ganz praktisch Hilfe an die Hand, stellt ihm Leute zur Seite und legt ihnen seinen Geist auf, sodass sie Mose helfen können. Die Einzelheiten werden dort beschrieben. In Bezug auf die Klage des Volkes sieht es aber anders aus.
Ich lese noch einmal ab Vers 31:
Und ein Wind ging von dem Herrn aus und trieb Wachteln vom Meer herbei und warf sie auf das Lager herab, eine Tagesreise weit in der einen Richtung und eine Tagesreise weit in der anderen Richtung, rings um das Lager, und zwei Ellen hoch lagen sie auf dem Erdboden.
Habt ihr eine Idee, wie viel zwei Ellen sind? So ungefähr hier. Das war schon massiv, würde ich sagen.
Und das Volk machte sich auf den ganzen Tag und die ganze Nacht und den folgenden Tag und sammelte die Wachteln ein. Wer wenig sammelte, hatte zwei Homer gesammelt, wer viel sammelte, zehn Homer.
Eine Idee, was das ist? Zehn Homer sind irgendetwas zwischen zwei und vier Kubikmetern. Sechshunderttausend Leute, Fußvolk, selbst wenn sie nicht alle eine eigene Familie hatten. Ich habe gestern mal versucht zu rechnen. Ich hatte vergessen zu fragen, wie groß die Halle hier ist. Aber es sind wahrscheinlich einige Hallen lang, von unten bis oben voll Wachteln. Hallo!
Und sie breiteten sie aus, rings um das Lager her. Das Fleisch aber war noch zwischen ihren Zähnen, es war noch nicht zerkaut, da entbrannte der Zorn des Herrn gegen das Volk, und der Herr schlug das Volk mit einer sehr großen Plage.
Und man gab diesem Ort den Namen Kiwrot-Hattaawa, oder wie immer das ein Hebräer richtig aussprechen würde. Wisst ihr, was das heißt? Übersetzt: Gräber der Gier. Weil man dort das Volk begrub, das gierig gewesen war.
Irgendwann hatten die Israeliten mal die Nase voll von Manna gehabt, jetzt hatten sie die Kehle voll von Wachteln. Und Gott sagt: Das kommt euch noch aus der Nase heraus. Kniehoch oder mehr lag das Geflügel ums Lager, und wenn ich Psalm 78 richtig verstehe, sogar mitten im Lager. Das Volk sammelte sie ein, und wer wenig sammelte, hatte zwei, drei, vier Kubikmeter. Und das Fleisch war noch nicht verdaut, es war noch zwischen den Zähnen, und der Zorn Gottes trifft das Volk.
Aber wieder trifft dieser Zorn Gottes das Volk nicht endgültig. Der Zorn ist deutlich, und einige enden im Tod, aber es ist kein Schlussstrich für das Volk. Mit den Gräbern der Gier kommt der Bogen des vierten Mose zu Ende. Und das finde ich spannend. Zu Anfang geht es los: Sie gierten mit großer Begierde, und am Schluss sind es die Gräber der Gier. Die Katastrophe hat einen größeren Bogen über sich.
Ein paar Verse, um euch da hineinzunehmen, dann sind wir so weit.
 1. Mose 2,9: Und Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen. Wisst ihr, wie sie charakterisiert werden? Begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung. Und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Das war vor dem Sündenfall, und es war begehrenswert. Es war nichts Schlechtes dabei. Da ist die gute Schöpfung Gottes, die sehr gute Schöpfung. Und Gott stellt alles zur Verfügung, der Tisch ist voll, sie sind reich beschenkt, und sie dürfen nach Herzenslust zugreifen. Aber da ist dieser verbotene Baum.
In Kapitel 3 begehrt der Mensch etwas, was Gott nicht für ihn gedacht hat, und nimmt es sich in der Auflehnung gegen Gott.
Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und eine Lust für die Augen war und dass der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben. Und da wird es schräg. Und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.
Das Begehren ging so weit, dass sie mehr sein wollten, als das, was Gott für sie gedacht hatte. In gewisser Weise wollten sie wie Gott sein, sie spielten selbst Gott. Sie waren unzufrieden mit den Grenzen, die Gott für sie gesetzt hatte. Das ist nicht für euch, Punkt. Aber das Begehren, das sie haben, führt dazu, dass sie die Grenzen überschreiten.
Jakobus sagt im ersten Kapitel seines Briefes im Neuen Testament: Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Der gleiche Bogen.
Und die Menschen sind verschmachtet, sagt Jesus, als er sie sieht. Sie haben ausgetrocknete Seelen. Und dann kommt Jesus in der Mitte.
Jesus hält nicht fest, was er an Herrlichkeit im Himmel hat, sondern ist bereit, loszulassen und auf diese Erde zu kommen. Und auf dieser Erde, wir haben vorhin schon davon gehört, geht er in die Wüste, fastet vierzig Tage, und als der Hunger riesengroß ist, nicht nur der Appetit, sondern der Hunger riesengroß ist und das Brot besonders begehrenswert ist, verzichtet er, um den Willen des Vaters zu tun, und wartet auf den Zeitpunkt der Versorgung nach dem Willen des Vaters.
Erkennt ihr, was? Jetzt nicht, das ist die falsche Weise. Aber wenn Gott es ihm gibt, nimmt er es an, als die Engel kommen und ihm dienen.
Als Gerechter nimmt er den Tod auf sich, der die Folge unserer Gier ist, die zur Sünde führt. Er geht ins Grab unserer Gier. Und der, der das Brot des Lebens ist und der sagt: Wer da dürstet, der komme zu mir, er gibt neues Leben. Und dieses Leben beginnt hier, vor der Vollendung der Verheißung.
Darum sagt Paulus im Römerbrief, nachdem er erklärt hat, wie die, die glauben, mit Christus gestorben und mit ihm auferstanden sind und neues Leben haben: So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass ihr seinen Begierden gehorcht.
Wir sind befreit aus der Sklaverei. Durch Gottes Gnade und durch Jesu Kraft können wir gegen die Begierde angehen. Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht vollbringen. Die Bibel ist voll von diesem Gedanken. Wir sind befreit durch Christus.
Also lasst uns unser Begehren auf Christus richten. Er ist das Wasser des Lebens, er ist das Brot des Lebens, für unsere Rettung, für die Ewigkeit, aber auch schon hier zum Leben, für die Ehre Gottes.
Das ist kein Vertrösten. Die Verheißung Gottes, dass er uns gibt, was wir brauchen, um zu leben, wozu wir bestimmt sind, was er von uns möchte, was er für uns gedacht hat, das ist hier. Wir dürfen unsere Wünsche Gott nennen, aber das Begehren soll Christus sein, nicht etwas, was wir von ihm bekommen, sondern Christus. Unser Trachten soll auf das Reich Gottes ausgerichtet sein, nicht auf die Vorteile des Reiches Gottes, sondern auf die Königsherrschaft Jesu. Nicht auf dem Tisch des Königs, das kommt dazu, das ist Segen.
Und im drittletzten Kapitel, wir hatten das dritte Kapitel da und zwei vorweg, da finden wir das endgültige Gericht des Zornes Gottes über die, für die Jesus Christus nicht stellvertretend den Zorn und die Strafe Gottes getragen hat. Und für die anderen kommt dann Kapitel 21 und 22.
Der Strom des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes, und in der Mitte ihrer Straße und des Stroms diesseits und jenseits war der Baum des Lebens. Der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt. Werden wir satt? Ist es wieder so, dass wir nach Herzenslust haben dürfen, wie es vorher war, im Land der Verheißung?
Der Unterschied, ob dein Leben in Kapitel 20 endet mit dem eigenen Grab deiner Gier oder ob du in 21 und 22 in Offenbarung dabei bist, das ist der wichtige Unterschied. Und der macht sich daran fest, ob Christus den Zorn Gottes für dich getragen hat.
Welcher Name steht auf deinem Grabstein? Deiner oder der von Jesus? Egal, was für ein frommer Club wir hier heute Morgen sind, die Frage bleibt und ist grundsätzlich. Wo ist dein Grab? Bei Golgatha? Wo steht dein Grabstein, so könnten wir fragen: bei Golgatha oder die Seebestattung von Offenbarung 20, die Feuerseebestattung?
Die Reise geht weiter. Von Kiwrot-Hattaawa, von den Gräbern der Gier, brach das Volk auf und zog weiter. Kanaan ist noch nicht da, aber Gott ist in ihrer Mitte, und er versorgt sein Volk mit dem, was sie wirklich brauchen.
Auch wir haben die endgültige Verheißung noch nicht erlebt, aber Gott lebt in unserer Mitte. Er gibt uns täglich, was wir brauchen. Er gibt uns durch seinen Geist, was wir nötig haben: die Gnade, die wir brauchen, ihm treu zu sein, und die wir brauchen, wenn wir ihm untreu waren. Jesus leitet und bringt uns sicher zum Ziel.
Wie sieht das aus mit unserer Unzufriedenheit? Könnte es sein, dass Jesus sich bei uns wünscht, dass weniger Unzufriedenheit aus unserem Leben hervorkommt und mehr das Vertrauen auf den Christus, der uns Tag für Tag versorgt und unsere Seele nicht austrocknen lässt, wenn wir zu ihm gehen? Und dass Menschen, wenn sie dieses Vertrauen auf dem Weg, auf unserer Reise sehen, viel eher auf den Gedanken kommen, dass es sich lohnt, diesem Jesus auch für die Rettung zu vertrauen?