Zum Inhalt

Musst du Gott fürchten?

12.01.2013
Gott fürchten heißt nicht zittern, sondern ihm vertrauen. Wer seine Liebe ernst nimmt, lebt freier, weiser – und muss keine Angst vor Menschen oder dem Urteil haben.

Ein Einstieg zwischen Zustimmung und Thema

Das war super gemacht, sehr gut, wenn jemand das Video gemacht hat. Ja, du musst Gott fürchten. Es ist ein anspruchsvolles Thema, aber das haben Sie hier für diesen Abend ausgesucht. Und ich möchte gern, soweit ich kann, da weiterhelfen.
Es ist so: Man hört generell nicht allzu viele Predigten über die Furcht Gottes oder darüber, vor Gott Angst zu haben. Dafür gibt es auch einen guten Grund. Man hört viel mehr über die Liebe Gottes, seine Barmherzigkeit und seine Bewahrung, wie wir auch gehört haben. Und das ist ja auch ein guter Grund, weil Gott, wie die Bibel sagt, die Liebe ist. Das heißt, das Fundament Gottes beginnt immer mit Liebe.
Im Johannesbrief steht zweimal ausdrücklich: Gott ist die Liebe. Das heißt, Liebe ist nicht nur eine Eigenschaft Gottes, sondern die Essenz Gottes. Und darum spricht man zu Recht sehr viel über die Liebe Gottes. Das ist absolut richtig und gut.
Aber wie sieht es nun mit der Furcht aus? Muss man Gott jetzt fürchten, wenn er doch gnädig und liebevoll ist? Das scheint am Anfang ein wenig widersprüchlich zu sein.
Und eines, was mir oft hilft bei biblischen Wörtern, um festzustellen, was sie bedeuten: Es gibt unter Theologen ein sogenanntes Gesetz der ersten Erwähnung. Das heißt, man schaut im Alten und im Neuen Testament nach, wo ein Wort zum ersten Mal vorkommt, und dann betrachtet man den Zusammenhang, in dem es verwendet wird. Das ist sehr oft eine Hilfe, um zu verstehen, was ein Wort bedeutet. Wörterbücher können hilfreich sein, aber nicht immer, selbst das Griechische und Hebräische nicht immer.

Der Ursprung des Begriffs und seine eigentliche Bedeutung

Das erste Mal, dass man das Wort fürchten im Alten Testament findet, ist, als Abraham seinen Sohn Isaak hätte opfern sollen. Der Engel ruft ihn dann zu. Das ist in 1. Mose 22,12: Tue dem Jungen nichts, denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest.
Im Hebräerbrief, Kapitel 11, wird diese Geschichte aufgegriffen und gesagt, Abraham vertraute darauf, dass Gott treu ist und Isaak, wenn er ihn tatsächlich töten müsste, wieder lebendig macht. Das heißt, Abraham vertraute Gott.
Was heißt jetzt Gott fürchten? Es bedeutet, Gott bedingungslos zu vertrauen, wenn man das Gesetz der ersten Erwähnung hernimmt. Auch in unserem Sprachgebrauch haben wir das heute noch. Man sagt über jemanden: Das ist ein gottesfürchtiger Mann, oder: Das ist eine gottesfürchtige Frau. Damit meint man ja auch nicht, dass dies ein Mann ist, der dauernd zittert vor Gott. Sondern wenn man sagt, das ist ein gottesfürchtiger Mann, dann meint man damit, das ist jemand, der Gott vertraut.
Und daran erkennt man auch im Gebrauch des Wortes, dass es eher um Ehrfurcht geht als um Angst.
Aber ich möchte jetzt ein paar Punkte aufzählen, warum sollen wir Gott fürchten? Die Bibel spricht viel davon, haben wir gehört, über vierhundert Mal. Warum sollen wir Gott fürchten?

Warum Gottesfurcht mit Verheißung verbunden ist

Erstens, weil die Furcht Gottes immer mit einer Verheißung verbunden ist. Ich lese nur ein, zwei davon vor. In Psalm 103,13 lesen wir zum Beispiel, wie sich ein Vater über Kinder erbarmt: So erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
Mit anderen Worten: Möchtest du, dass Gott sich über dich erbarmt, dann fürchte ihn. Es ist immer eine Verheißung dabei.
 Psalm 111,10 steht: Wenn du weise sein möchtest, dann fürchte Gott. Das heißt, die Furcht Gottes macht uns weise. In Sprüche 10 steht: Willst du gesund leben, dann fürchte Gott. Das heißt, die Furcht Gottes trägt zu unserer Gesundheit bei, und so weiter.
Das heißt, die Furcht Gottes ist mit Verheißung verbunden.

Biblische Vorbilder und das Gebot der Schrift

Zweitens: Warum sollen wir Gott fürchten? Weil unsere biblischen Vorfahren Gott fürchteten. Als Mose vor dem Dornbusch stand, fürchtete er sich, Gott anzuschauen. Als Jesaja eine Vision vom Himmel und von Gott hatte, erschrak er und sagte: Wehe mir, ich bin verloren. Petrus sagte, als er Jesus zum ersten Mal begegnete: Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch. Und von den drei Jüngern am Berg der Verklärung lesen wir, dass sie sich sehr fürchteten. So lesen wir in der Bibel von Menschen, die Gott fürchteten.
Drittens: Warum sollen wir Gott fürchten? Weil Gott zu fürchten ein Gebot ist, das die Bibel uns gibt. Prediger 12,13 ist der Abschluss dieses Buches. Dort schreibt er: Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchtet Gott und haltet seine Gebote; denn das soll jeder Mensch tun. Es ist ein Gebot. Auch im Neuen Testament, in 1. Petrus 2,17, lesen wir, dass der Apostel sagt: Erweist allen Ehre, liebt die Bruderschaft, fürchtet Gott und ehrt den König.
Jedes Gebot, das Gott uns gibt, ist gut und hilfreich. Das habe ich inzwischen gelernt. Jedes Gebot Gottes ist positiv und dient immer nur zu unserem Besten, auch wenn es anfangs nicht so scheint.

Gesetzmäßigkeiten, Verantwortung und die Folgen des Missachtens

Es gibt in unserem Universum ein paar Gesetzmäßigkeiten, die funktionieren immer, die sind so. Es gibt zum Beispiel mathematische Gesetze. Ein ganz einfaches: Zwei und Zwei ist Vier. Das ist ein mathematisches Gesetz. Man kann sich verrechnen, man kann darauf bestehen, dass Zwei und Zwei Sieben ist, so wie die Pippi Langstrumpf. Das ändert aber nichts daran, dass Zwei und Zwei Vier bleibt.
Es gibt auch physikalische Gesetze, die immer funktionieren, zum Beispiel das Gesetz der Schwerkraft. Wenn ich das Glas Wasser nehme und fallen lasse, was ich jetzt nicht tue, dann wird es runterfallen, ich weiß es. Das ist nämlich ein Gesetz. Und wenn wir das Gesetz missachten, dann werden wir uns daran verletzen oder sogar sterben.
In diesem Zusammenhang habe ich mal einen Unfallbericht gelesen, den habe ich sehr hilfreich gefunden. Den möchte ich euch jetzt vorlesen. Das ist ein Maurer in Australien, der musste an die Gebietskrankenkasse schreiben, warum er so schwere Verletzungen hatte. Er schreibt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie bereits unter § 3 beschrieben, ist die Unfallursache auf unzureichende Planung zurückzuführen. In Sektion vier des Unfallberichts möchte ich Ihnen nun die von Ihnen geforderten Informationen über den Unfallhergang berichten.
Ich bin Maurer von Beruf. Am Unfallstag arbeitete ich alleine im zweiten Stock eines Gebäudes. Nach Beendigung der Arbeit blieben mir einige Ziegel übrig, welche, wie wir im Nachhinein feststellten, etwas mehr als hundertfünfzig Kilogramm wogen. Anstatt sie über die Stiegen hinunterzutragen, entschied ich mich, sie mit dem Seilzug auf einer Palette hinunterzulassen.
Nachdem ich das Seil auf Erdgeschosshöhe fixierte, lud ich die Ziegel auf die Palette, welche auf der Höhe vom sechsten Stock am anderen Seilende befestigt war. Danach löste ich das Seil im Erdgeschoss und, damit die Ziegel nicht zu schnell herunterkamen, hielt ich das Ende des anderen Seils mit meinen Händen.
In Sektion sieben des Unfallberichts ersehen Sie, dass ich fünfundsechzig Kilogramm wiege. Als mich das Seil dann so plötzlich nach oben riss, war ich so schockiert, dass ich vergaß, das Seil loszulassen. Ich muss nicht dazu sagen, dass ich nun mit hoher Geschwindigkeit an der Mauer des Gebäudes nach oben unterwegs war.
Etwa in der Höhe des dritten Stockwerkes traf ich auf die Ziegelpalette, die nun mit gleich hoher Geschwindigkeit nach unten unterwegs war. Dieses Aufeinandertreffen erklärt die Schädelfraktur und das gebrochene Schlüsselbein, wie es in Sektion zwei des Unfallberichts zu lesen ist. Nach diesem Aufeinandertreffen, welches mich nur kurz verlangsamte, ging es wieder mit hoher Geschwindigkeit in Richtung sechster Stock.
Meine Finger waren inzwischen so im Seil verkrampft, und im sechsten Stock angekommen war ich wieder voll bei Bewusstsein und hielt am Seil fest, obwohl ich Schmerzen verspürte. Etwa zur selben Zeit schlug die Ziegelpalette auf Erdgeschosshöhe auf den Boden auf, und die Ziegel durchbrachen den Palettenboden.
Nachdem nun das Gewicht der Ziegel nicht mehr vorhanden war, wog die Aufhängung am anderen Seilende nur mehr etwa zehn Kilogramm. Ich möchte Sie daran erinnern, dass ich fünfundsechzig Kilogramm wiege. Wie Sie sich vorstellen können, ging es nur mit hoher Geschwindigkeit wieder nach unten.
Etwa in der Höhe des dritten Stockwerkes traf ich auf die Palettenaufhängung, die aus Gusseisen gefertigt war. Das erklärt die beiden zertrümmerten Fersen, den Blasenriss und die herausgerissenen Zähne. Dieser Zusammenstoß war auch das Ende meiner Glückssträhne. Mit meinen Händen immer noch am Seil fuhr ich mit hoher Geschwindigkeit weiter nach unten und landete auf dem Ziegelhaufen. Das erklärt die zwei gebrochenen Wirbel.
Es tut mir leid, Ihnen berichten zu müssen, dass ich, auf dem Ziegel liegend, mein Bewusstsein verlor und das Seil losließ. So sah ich nur noch kurz, wie die Palettenaufhängung aus Gusseisen mit hoher Geschwindigkeit von oben auf mich zukam. Das erklärt die zwei zertrümmerten Oberschenkel.
Ich hoffe, Ihnen damit eine ausreichende Erklärung des Unfallhergangs und der damit verbundenen Verletzungen gegeben zu haben.
Mit herzlichen Grüßen Ihr Mike Bershby
Das war der Unfallbericht.

Von physikalischen zu moralischen Ordnungen

Das ist ganz witzig, aber die Moral von der Geschichte ist eine ganz einfache: Es gibt in unserem Universum physikalische Gesetze, die immer funktionieren, weil sie festgelegt sind. Und eine gesunde Angst vor der Schwerkraft lähmt mich nicht, sondern bewahrt mein Leben.
Als Bergführer bin ich viel am Berg. Eine gesunde Angst im Gebirge, an gewissen Stellen, schützt mich. Gesunde Angst bewahrt mein Leben, sie lähmt nicht, sondern sie gibt Leben.
Und die Frage ist nun: Gibt es in unserem Universum auch moralische Gesetze, die festgelegt sind? Nicht Gesetze, die von irgendjemandem erfunden und den Menschen aufgedrückt werden, sondern gibt es Gesetzmäßigkeiten in jedem Menschen, die er eigentlich weiß?
Die Bibel spricht interessanterweise im Römerbrief mit ein, zwei Versen kurz darauf an. Römer 2,14 zum Beispiel sagt Paulus: Denn wenn die Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, in dem ihr Gewissen Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander entweder anklagen oder entschuldigen.
Das heißt: Die Bibel sagt, es gibt moralische Gesetzmäßigkeiten, die eigentlich jeder weiß.

Gesellschaftlicher Wandel und die Verschiebung von Maßstäben

Interessant, nur nebenbei: Es gibt eine Sache. Zum Beispiel ist es in keiner einzigen Kultur der Welt eine Tugend, die Frau eines anderen Mannes zu nehmen und fremdzugehen. Das ist überall verpönt.
Denn unsere Gesellschaft ist ja ein bisschen fragwürdig. Aber im Generellen ist es überall so. Zum Beispiel ist Mord nicht überall verpönt. Es gibt Gesellschaften, in denen Mord durchaus eine Tugend ist. Aber Ehebruch nicht. Das ist ganz interessant, nur nebenbei. Auch Neid: Es gibt keine Kultur, in der Neid eine Tugend ist. Wir sind vielleicht so weit, dass Geiz geil ist, aber generell sind wir dann doch noch so klug, dass wir wissen, dass das Blödsinn ist.
In unserer heutigen Gesellschaft, und das ist das Problem, haben wir es gewagt, gewisse moralische Gesetzmäßigkeiten, die einfach gelten, zu ignorieren. Oder wir sind dabei, sie wegzuerklären. Darum reden wir, ich weiß nicht, ob euch das auffällt, nicht mehr von moralischen Gesetzen. Wir reden von moralischen Werten. Wir reden nicht mehr von Wahrheit, wir reden über Ansichten. Da hat sich unser Wortschatz verändert.
Aber ich bin davon überzeugt: Wenn wir absolute moralische Festlegungen missachten, werden wir uns über kurz oder lang selbst Schaden zufügen, so wie dieser Maurer. Und wenn wir Gott nicht mehr fürchten, zerstören und verletzen wir uns letztlich selbst. Ich komme gleich darauf.
Was geschieht in einer Gesellschaft, die keine Gottesfurcht mehr hat? Das können wir jeden Tag beobachten. Moralische Werte zerbröckeln, und wir erleben eine extreme Wertverschiebung.

Konkrete Beispiele für den Verlust von Orientierung

Mir ist aufgefallen: Ich wohne in Ramsau, aber unser Zentrum ist in Schladming. Das ist schon ein bisschen eine Kleinstadt, mit 4.000 Einwohnern, ein bisschen übertrieben gesagt.
Ich musste einmal einen Baum fällen, weil wir dort gebaut haben. Es war eine große Eiche, die ich fällen musste. Ich werde es nicht glauben: Das war ganz schön kompliziert. Sechs Leute mussten kommen, vom Naturschutz über den Bürgermeister usw., die mir die Erlaubnis geben mussten, den Baum zu fällen.
Es ist heute wesentlich schwieriger, einen Baum zu fällen, als ein ungeborenes Kind abzutreiben. Das ist viel einfacher. Das nennt man eine Werteverschiebung.
Und zum Beispiel auch heute das Gebot: Du sollst nicht stehlen. Ja, wenn du jemanden fragst, sagt der: Das ist schon nicht schlecht. Aber frag mal bei Steuern: Wenn du heute alle Steuern bezahlst, dann bist du blöd. Das tut doch keiner. Du darfst dich nur nicht erwischen lassen, dann bist du blöd. Aber man muss doch nicht alles so genau sehen.
Vor ein paar Jahren bin ich mit meinem Auto mal in der Werkstatt gewesen. Da war ich zufrieden, wenn er gesagt hat: Nein, ist nicht gut, aber ein bisschen mehr PS könnte er haben, würde nicht schaden. Dann hat er gesagt: Kein Problem, 500 Euro, ich baue einen neuen Chip ein, und der hat 30 PS mehr. Da sage ich: Echt, das ist super.
Da habe ich gesagt: Aber ist das legal? Er hat gesagt: Nein, aber das merkt keiner. Völlig egal. Aber ich kann es nicht tun, denn ich weiß: Einer weiß es, Gott weiß es. Und darum würde ich mich nicht wohlfühlen.
Oder das Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut usw. Und wir sagen: Geiz ist geil. Oder wenn du heute zum Beispiel sagst, dass du deine Jungfräulichkeit für einen Partner aufbewahrst, dann schauen sie dich an, als wärst du vom Mond oder zumindest vom Mittelalter.
Das ist eine Werteverschiebung, die wir erleben.

Freiheit, Scheinfreiheit und die Spannung des christlichen Lebens

Das Problem ist zum Beispiel, wenn ich bei dem Letzten bleiben darf, einen Moment, dass dieses freie Sex jetzt zum Beispiel als Freiheit propagiert wird. Aber eigentlich werden wir Sklaven. Es ist eine Pseudofreiheit.
Ich schätze einen Mann sehr, einen Psychiater, Doktor Ulrich Giesekus, Psychologe und Seelsorger aus Deutschland. Der hat vor ein paar Jahren in Schladming auch Vorträge gehalten, und der ist sehr ausgebucht. Er hat bei seinem Vortrag, vor zwei Jahren war das, gesagt, dass er jetzt ein neues Klientel hat, das er früher nicht hatte: junge Männer zwischen zwanzig und zweiundzwanzig Jahren, total gesund körperlich, auch normal, mehr oder weniger im Denken, und die kommen zu ihm und bitten ihn um Hilfe.
Und wisst ihr, was ihr Problem ist? Junge Männer, zwanzig bis zweiundzwanzig, gesunde Leute, sie haben keine Lust mehr an Sex. Wisst ihr, warum? Weil sie sich bereits als Vierzehnjährige die härtesten Pornos im Internet und so weiter reingezogen haben. Es gibt nichts Neues mehr, es ist langweilig. Und so werden sie Sklaven ihrer sogenannten Freiheit. Es ist keine Freiheit, es ist eine Pseudofreiheit.
Und ich muss zugeben: Es ist in unserer Gesellschaft nicht einfach, als Christ zu leben. Das muss man auch ehrlich sagen. Denn wir leben in einer Gesellschaft von zwei entgegengesetzten Wertsystemen. Zum einen: Wenn ich Jesus kenne und die Bibel kenne, dann weiß ich, dass das, was er sagt, gesund ist und Leben bringt. Ich weiß um seine Gebote, ich weiß um die Gesetzmäßigkeiten, auch die moralischen. Zum anderen haben wir ein Wertesystem, das zum Großteil aus einer gottlosen Gesellschaft kommt. Christentum ist zwar noch viel dabei, Gott sei Dank, aber die Werte zerbröckeln.
Und da steht man oft, gerade als junger Mensch, in der Spannung und man weiß nicht mehr, was man tun soll. Das ist nicht leicht, das muss man einfach mal zugeben. Aber der Grund, warum unsere Werte zerbröckeln, ist ein ganz einfacher. Der liegt auf der Hand: Wir haben keine Furcht vor Gott. Aber das ist nichts Neues, das ist nichts nur für Österreich oder für das 21. Jahrhundert. Das war immer so.
 Psalm 34,12 schreibt der Psalmist: Kommt, ihr Söhne, hört mir zu, die Furcht des Herrn will ich euch lehren. Auch damals kannten die Leute keine Furcht des Herrn, darum musste sie gelehrt werden.

Die ernste Seite der Gottesfurcht

Nun ist die Frage: Was ist Gottesfurcht? Und ich möchte da auf zwei Punkte eingehen. Erstens die ernsthafte Seite der Gottesfurcht und zweitens die tröstliche Seite der Gottesfurcht.
Erstens die ernsthafte Seite:
Die Bibel ist da sehr klar. Gott ist nicht nur Retter, sondern er ist auch Richter. Im Glaubensbekenntnis sagen Millionen von Christen jeden Sonntag: Er sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Das glauben alle Christen.
Sowohl das Alte als auch das Neue Testament unterscheidet zwischen Geretteten und Verlorenen, zwischen Menschen, die in Gemeinschaft mit Gott leben und sterben, und Menschen, die getrennt von Gott leben und sterben. Beide Testamente berichten von einem doppelten Gerichtsausgang. Hebräer 9,27: Es ist dem Menschen gegeben, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Das heißt, die Bibel lehrt keine Reinkarnation. Es ist dem Menschen gegeben, einmal zu sterben, und danach das Gericht. Und jeder Mensch muss sich vor Gott verantworten, das ist, was die Bibel lehrt.
Wir tun uns heute oft schwer damit. Ich selbst tue mich auch nicht leicht damit, muss ich ehrlich zugeben. Aber ich möchte das Wort Gottes als meinen Maßstab haben und behalten.
Ich habe mal gelesen, in einer Zeitschrift: In früheren Generationen hatten Menschen Angst vor der Hölle und dem Gericht, heute haben Pfarrer und Prediger Angst, über Hölle und Gericht zu reden. Und ich bin einer von denen.
Ein anderer Theologe sagte einmal richtig: Wer nicht an Satan und das dämonische Wirken glaubt, der kann das Treiben dieser Welt nie verstehen. Da ist etwas dran.
Ein Bibelschüler sagte mir vor kurzem, das war einer aus Ghana, aus Afrika. Ich war letztes Jahr in Afrika, die Kultur dort ist ja völlig anders. Und er hat zu mir gesagt: Wir in Afrika reden ganz offen über das Gericht Gottes. Ich verstehe nicht, warum das in Europa nicht so ist. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ihr keine Furcht vor Gott mehr habt. Vielleicht hat er Recht.
Natürlich gibt es gute Gründe, warum wir über das Gericht Gottes heute nicht mehr so reden wie früher. Das hat auch gute Gründe. Denn früher, gerade auch wenn man ans Mittelalter denkt, hat man mit Predigten über Feuer, Hölle und Gericht Menschen Angst eingejagt und sie manipuliert und kontrolliert. Das wurde unheimlich missbraucht, das ist gar keine Frage. Es endete dann in Hexenverbrennungen, ein Wahnsinn.
Man kann auch bis heute mit einer falschen Gottesfurcht Angst einflößen und Menschen manipulieren, was leider bis heute der Fall ist. Ich kenne das unter Bibelschülern. Wir haben meistens zehn verschiedene Konfessionen bei uns, das ist ganz spannend. Mit einer habe ich vor kurzem geredet. Da wird gepredigt: Wenn du am Sonntag nicht Rock trägst und ein Kopftuch, kommst du in die Hölle. Es wird gepredigt, es gibt es noch. Man glaubt es fast nicht, aber es ist so.
Und weil diese Angstreligion so viel Schaden angerichtet hat, haben sich viele Theologen davon absolut distanziert. Ich kann es nachvollziehen, aber ich kann es nicht bejahen. Es stimmt, dass eine falsche Gottesangst religiöse Neurosen bewirken kann. Manche Menschen werden durch Glauben gesund, aber manche Menschen werden auch durch ihren Glauben krank. Das gibt es.
Aber wir müssen lernen, recht biblisch über die Furcht Gottes zu reden. Das dürfen wir nicht aufhören.

Gericht, Zorn und die Motivation Gottes

Zweiter Punkt: Müssen wir uns von Gott, dem Richter, fürchten?
Jetzt geht es um das, was in diesen kurzen Interviews gefragt wurde. Dazu möchte ich Folgendes sagen:
Ein Gott, der völlig gleichgültig gegenüber Sünde und Ungerechtigkeit wäre, ein Gott, dem es total egal wäre, wenn ein 15-jähriges Mädchen von vier Burschen vergewaltigt wird, wie es letztes Jahr bei uns leider der Fall war, ist kein Gott. Ein Gott, dem das völlig egal wäre, ist ein armseliger oder lächerlicher Gott.
Gott wird einmal richten. Und wisst ihr, worüber ich sehr froh bin? Ich bin nicht Gott. Ich brauche keinen einzigen Menschen zu richten, und du auch nicht. Das dürfen wir Gott überlassen.
Wir lesen in der Bibel: Psalm 7,12: Gott ist ein gerechter Richter und ein strafender Gott jeden Tag.
In Offenbarung 14,7 lesen wir: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen.
Man kann in der Bibel auch nicht übersehen, dass Gott zornig ist über Sünde. Johannes 3,36 sagt: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Wäre Gott nicht zornig über Sünde, dann wäre er ein lächerlicher Gott. Ich möchte euch das gleich erklären.

Erziehung, Liebe und die Bedeutung des Zorns

Heißt das jetzt, dass wir Angst haben müssen vor einem zornigen Gott? Dann will ich ein Beispiel aus meinen eigenen Kindern und der Erziehung nehmen.
Lisa wird morgen Vormittag da sein. Sie ist jetzt in Graz. Als sie noch kleiner war, ich weiß nicht, sechs Jahre alt oder so, wohnten wir ziemlich in der Pampa, also auf dem Land. Das ist eine Sackgasse, da fahren nicht viele Autos. Aber da ist eine Hecke, und da ist ein Parkplatz, und da geht die Straße vorbei. Wenn man da zwischen der Hecke rausgeht, steht man direkt auf der Straße. Und wenn jemand schnell kommt, kann er schwer bremsen. Man muss also aufpassen, obwohl dort nicht viel los ist.
Ich habe zugeschaut, wie Lisa absichtlich einen Ball auf die Straße hinausgeworfen hat. Sie ist dem Ball nachgelaufen, hat ihn geholt und ist wieder zurückgekommen. Ich habe fast einen Schreck bekommen. Ich habe Lisa genommen und gesagt: Lisa, das darfst du nie mehr tun. Wenn da gerade ein Auto kommt, bremst der Fahrer zu spät, du bist tot. Der sieht dich nicht.
Okay, hat sie gesagt.
Drei Stunden später sehe ich genau dasselbe wieder. Sie schiebt den Ball absichtlich hinaus, läuft auf die Straße, nimmt ihn und läuft wieder hinein. Das war so ein bisschen ihr Spiel.
Als ich das wieder gesehen habe, bin ich zornig geworden und habe sie genommen und ihr ganz deutlich gemacht: Wenn das noch einmal vorkommt, dann gibt es aber Prügel oder sonst irgendetwas. Ich weiß nicht was.
Wenn du mich von der Ferne gesehen hättest, hättest du gesagt: Das ist aber ein liebloser Vater.
War mein Sohn jetzt motiviert aus Liebe oder weil ich einfach ein wütender Mensch bin? Aus Liebe, weil ich nicht will, dass sie ihr Leben gefährdet.
Nehmen wir jetzt einmal an, Lisa würde jeden Tag weiterhin den Ball auf die Straße werfen und hinauslaufen. Dann würde mein Zorn über sie bleiben. Und nehmen wir einmal das Schlimmste an: Sie spielt wieder hinaus, ein Auto kommt, und sie wird tatsächlich überfahren und ist tot. Warum hat sie dann ihr Leben verloren? Weil ich so ein liebloser Vater bin, so ein Zorniger? Nein, weil sie ungehorsam war.
Wichtig zu entdecken ist: Es ist nicht der Zorn Gottes, der etwas kaputt macht. Er will uns nur bewahren. Denn auch der Zorn Gottes ist letztlich aus seiner Liebe motiviert. Es ist ihr Ungehorsam, und es ist unser Ungehorsam, der uns kaputt macht, niemals der Zorn Gottes.
Dann noch ein zweites Wort: das Gericht Gottes. Ja, aber Gott ist doch ein Richter, der richtet ja alle. Stimmt, Gott ist der Richter der ganzen Welt, das ist glasklar in der Bibel verankert. Aber bitte stellen Sie sich jetzt einmal, so gut es geht, einen weltlichen Richter vor. Und nehmen wir an, es ist ein absolut barmherziger und gerechter Richter. Der Angeklagte steht vor diesem Richter und bekommt 15 Jahre Haft, weil dieser Mann Kinder geschändet hat.
Jetzt ist die Frage: Wessen Schuld ist es, dass dieser Kinderschänder 15 Jahre ins Gefängnis muss? Ist es, weil der Richter so gerecht ist? Nein. Warum muss er ins Gefängnis? Wegen seiner Schuld.
Nicht Gott ist das Problem, unsere Schuld ist das Problem, unser Ungehorsam. Natürlich wird ein gerechter Richter auch zornig sein, aber nicht der Zorn des Richters verurteilt jemanden, sondern unser Vergehen, wenn es so ist. Und so ist es mit Gott. Ja, wir werden von Gott gerichtet, jede Ungerechtigkeit wird aufgedeckt. Aber nicht Gottes Gerechtigkeit ist schuld an unserer Verurteilung, sondern unsere Vergehen sind schuld. Der Lohn der Sünde ist der Tod, wie es der Römerbrief so schön sagt, nicht der Lohn Gottes.
Deshalb: Gott ist zornig über Sünde, ja, aber Gott ist niemals wütend. Gott, so sagt die Bibel klar, ist Liebe. Seine Essenz wird beschrieben mit: Gott ist Liebe. Übrigens sagt die Bibel nie: Gott ist Zorn. Kein einziges Mal. Vielmehr ist ein liebender Gott zornig, weil Sünde uns zerstört.
Und wenn wir über den Charakter Gottes nachdenken, muss immer Liebe das Fundament sein. Sonst bekommst du einen gespaltenen Gott, und du weißt nicht, mit wem du es jetzt zu tun hast. Ja, liebend schon, aber manchmal schlägt er auch um sich. Ja, wie jetzt? Seine Motivation ist immer Liebe.
Und wisst ihr was? Das bewirkt in mir eine Gottesfurcht. Denn angesichts dieser Liebe Gottes, die er zu mir hat, beginne ich, diesen Gott zu fürchten. Aber nicht negativ, sondern in guter Weise.
Wir lesen einmal in der Bibel: Der Mensch erntet, was er sät. Was der Mensch sät, das wird er ernten. Und wisst ihr, was die Wahrheit ist? Ich ernte eben nicht, was ich gesät habe, sondern ich habe Gnade bekommen. Das ist die Wahrheit.
Und darum fürchte ich diesen Gott. Darum will ich nie respektlos über diesen Gott reden, der mich so geliebt hat, dass ich nicht ernten muss, was ich gesät habe, sondern ich empfange Liebe und Gnade und bin willkommen bei ihm.
Und wisst ihr, was eine Riesenfreiheit ist? Das war eine Stunde für sich.
Ein Mensch, der Gott fürchtet, der kann aufhören, Menschen zu fürchten. Wir alle, und es ist mir völlig egal, wer du bist, haben ein gewisses Maß an Menschenfurcht. Wir tun Dinge, weil Menschen das erwarten. Wir tun Dinge, weil wir glauben, wir wollen Wertschätzung. Und dann haben wir Angst vor Menschen, weil wenn ich das nicht tue, dann werde ich abgelehnt usw. Das nennt die Bibel Menschenfurcht.
Und ein Mensch, der Gott fürchtet, kann aufhören, Menschen zu fürchten.

Die tröstliche Seite: Zuflucht, Liebe und Geborgenheit

Und dann möchte ich noch etwas sagen über die tröstliche Seite der Gottesfurcht. Gott fürchten heißt nämlich, Gott lieben.
Ich weiß nicht, wer von euch die Narnia-Bücher von C. S. Lewis kennt. Gibt es jemanden, der die Narnia-Bücher kennt? Super, gar nicht zu wenige. Ich habe kein einziges gelesen, aber meine Frau hat sie alle gelesen. Und sie hat mir ab und zu etwas vorgelesen, weil sie die Bücher liebt. Ich habe dann den Film gesehen. Der Film ist ja nicht dasselbe wie das Buch, ich weiß. Aber da ist ein Buch, das heißt Der silberne Sessel. Und da ist der Löwe Aslan. Er symbolisiert Gott, Vater, Jesus Christus. Und dann ist da das Mädchen Jill, so heißt sie.
In diesem Buch entsteht letztlich eine zärtliche Liebesbeziehung zwischen diesem mächtigen Löwen Aslan und diesem Mädchen Jill, wie sie heißt. Der Silberne Sessel wird beschrieben, wie dieses Mädchen diesem mächtigen König, diesem mächtigen Löwen vielmehr, zum ersten Mal begegnet. Ich möchte euch das vorlesen.
Der Löwe steht riesig, bedrohlich und ehrfurchtgebietend am Ufer eines Baches oder Flusses. „Hast du Durst?“, fragt der Löwe. „Ich bin schon fast verdurstet“, antwortet Jill. „Dann trink“, sagt der Löwe.
„Darf ich? Kann ich denn wirklich? Und würdest du dir etwas ausmachen, wenn du weggehst, während ich trinke?“, fragt Jill ängstlich. Der Löwe antwortet auf diese Frage mit einem kurzen Blick und einem tiefen Knurren. Als Jill seine regungslose, riesige Gestalt betrachtet, begreift sie: Sie hätte genauso gut den Berg bitten können, zur Seite zu rücken und Platz zu machen. Und zugleich bringt das durstige Mädchen das verlockende Plätschern des klaren Flusses fast um den Verstand.
„Würdest du mir versprechen, dass du mir nichts tust, wenn ich komme?“, fragt Jill. „Ich verspreche nie etwas“, sagt der Löwe. Jills Durst ist so groß, dass sie, ohne es zu bemerken, einen Schritt nähergekommen ist.
„Frisst du kleine Mädchen?“, fragt Jill. „Ich verschlinge Mädchen, Jungen, Männer, Könige, Kaiser, Städte und Königreiche“, sagt der Löwe. Und es klingt nicht so, als ob er es prahlerisch meint. Es tut ihm auch nicht leid, und er ist auch nicht verärgert. Er sagt es einfach.
„Ich traue mich nicht zu kommen und zu trinken“, sagt Jill. „Dann verdurstest du“, sagt der Löwe.
„Meine Güte“, seufzt Jill und kommt noch einen Schritt näher. „Dann muss ich wahrscheinlich gehen und einen anderen Fluss suchen.“
„Es gibt keinen anderen Fluss“, sagt da der Löwe.
Und in der Geschichte, wie sie sich entwickelt, geht sie dann zum Fluss, trinkt, und dann steht sie zwischen den Pranken des Löwen. Eine zärtliche Liebesbeziehung entwickelt sich zwischen diesen beiden.
Ich mag die Geschichte. Denn die Geschichte zeigt ein bisschen ein Bild davon, wie man diesen allmächtigen Gott fürchtet und liebt.

Furcht, Zuflucht und die befreiende Kraft der Gnade

Etwas habe ich entdeckt. Wenn du sonst nichts gehört hast, dann vergiss bitte dies nicht: Ich habe etwas aus den Psalmen gelernt. Jene, die Gott gefürchtet haben, hat es immer zu dem Gott hingetrieben, den sie fürchten, niemals von ihm weg.
In Psalm 31,20 lesen wir: „Die sich vor dir fürchten, die bergen sich bei dir.“ Und das liest du öfter. Das heißt: Die, die Gott fürchten, die bergen sich bei Gott. Das heißt, die Furcht ist nicht etwas, das uns von Gott wegbringt, sondern sie zieht uns zu Gott hin, wenn wir es biblisch nehmen. Das ist der Unterschied.
Im Deutschen haben wir da einen Vorteil. Wir haben zwei Worte, nämlich Angst und Furcht. Ich definiere es so, das ist meine Definition nach der Bibel: Angst hat man vor jemandem Furchtbarem, und man rennt davon. Furcht habe ich vor jemandem Wunderbarem, und ich renne zu ihm. Das ist die biblische Art, wie Furcht in den Psalmen gebraucht wird.
So ist es auch bei Eva. Sie liebt mich natürlich, ein bisschen fürchten tut sie mich auch, aber sie läuft zu mir her, nicht von mir weg. Natürlich ist sie vor mir auch weggelaufen, weil ich kein perfekter Vater bin. Ich bin manchmal auch aus falschen Gründen zornig gewesen.
Eines meiner Lieblingslieder ist „Amazing Grace“, geschrieben von John Newton, einem Kapitän auf einem Sklavenschiff. 1748 geriet er in so schwere Seenot und fand danach zum Glauben an Jesus Christus. Dann schrieb er das Lied, das alle oder die meisten von uns kennen, egal ob du in der Kirche bist oder nicht:
Amazing Grace, how sweet the sound that saved a wretch like me. I once was lost, but now I'm found, was blind, but now I see.
It was grace that taught my heart to fear, and grace my fears relieved.
Es war die Gnade, die meinem Herz Furcht lehrte, und die Gnade löste alle Ängste.
Und das ist dieses Zweifache: Einerseits lehrt mich Gnade, Gott zu fürchten, dass er mich so liebt, dass er sich selbst, den Christus, für mich gegeben hat. Und andererseits kann ich ihn nur lieben. So lehrt uns Gnade beides. Sie lehrt uns, Gott recht zu fürchten, und sie lehrt uns, keine Angst vor Gott zu haben und Zuflucht bei ihm zu suchen.

Schlusswort und Gebet

Und ich möchte schließen mit einem Wort aus dem ersten Johannesbrief, 1. Johannes 4,17-19. Da schreibt der Apostel:
Hierin ist die Liebe bei uns vollendet worden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts. Es ist aber schön, als Freunde: Ich habe keine Angst vorm Tag des Gerichts. Null. Weil da steht jemand für mich. Ich habe überhaupt keine Angst vorm Gericht, ich habe Freimut, wir haben Freimütigkeit am Tag des Gerichts. Denn wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht hat es mit Strafe zu tun. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Wenn man die Liebe Gottes kennengelernt hat, braucht man keine lähmende Furcht. Und wir haben das Wort: braucht man keine Angst zu haben. Und gleichzeitig lehrt uns diese Liebe, Gott recht zu fürchten.
Ich möchte noch beten:
Lieber himmlischer Vater, es ist etwas so Gewaltiges, wie Menschen, die sich vor dir gefürchtet haben, sich bei dir geborgen fühlten. Und die Furcht Gottes ist immer etwas, das uns zu dir hintreibt, wenn sie denn die rechte Furcht ist. Herr, und so bete ich, dass wir diese Ehrfurcht vielleicht wieder neu entdecken, die uns unser Leben belebt, die unser Leben bewahrt. Herr, du meinst es nur gut mit uns. Danke, dass jedes deiner Gebote nur positiv ist und zu unserem Besten dient.
Herr, ich bete auch, wenn jemand hier ist heute Abend, der dich gar nicht kennt, dass er sich zu dir wendet, zu diesem Gott, den man liebt und fürchtet, sich bei dir birgt, bei dir Zuflucht findet, für jetzt und für ewig. Und dass wir keine Angst haben brauchen am Tag des Gerichts, nicht weil wir so gut wären, sondern weil du das getan hast, was wir eigentlich verdient hätten. Danke, Herr, dass wir nicht das ernten, was wir gesät haben, wenn wir zu dir kommen.
Und doch, Vater, bete ich auch, dass wir traurig sind über Menschen, die dich ablehnen, dass wir beten für sie, dass sie dich finden und nicht ohne dich leben und auch nicht ohne dich sterben müssen. Herr, wir beten, dass auch hier in Graz noch viele, viele Menschen dich als Heiland, als der, der uns heilt, finden und zum Leben kommen.
Dafür bete ich, Herr, im Namen unseres Herrn und Heilandes, Jesu Christi. Amen.