Serie•Teil 22 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Der Wendepunkt auf dem Weg nach Jerusalem
Wir stehen im Lukasevangelium, und ich möchte weitermachen mit Lukas 9,51.
Ein ganz merkwürdiger Satz, wenn man bedenkt, wo wir eigentlich im Lukasevangelium stehen. Lukas 9,51. Da heißt es: Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen.
Das ist ein ganz merkwürdiger Satz. Mit den Tagen seiner Aufnahme ist tatsächlich die Aufnahme in den Himmel gemeint. Die Tage der Aufnahme in den Himmel erfüllen sich in Lukas 9,31. Auf dem Berg der Verklärung hat Jesus schon mit Mose und Elija gesprochen. Da heißt es, dass diese in Herrlichkeit erschienen und seinen Ausgang besprachen, den er in Jerusalem erfüllen sollte. Auch da ging es schon um das, was vor ihm liegt, ja, dass er nach Jerusalem gehen würde.
Und hier, in Lukas 9,51, als sich die Tage seiner Aufnahme in den Himmel erfüllen sollten, ist das ein Wendepunkt im Lukasevangelium. Und zwar an einer Stelle, wo wir es nicht erwarten würden, oder? Hey, wir sind in Kapitel 9, das Ding hat 24 Kapitel! Ja, und noch bevor die erste Hälfte richtig herum ist, sagt der Herr Jesus: Die Ankunft ist vorbei, ich gehe. Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit dem Gehen des Herrn Jesus aus dieser Welt.
Die Tatsache, dass er hier von der Aufnahme spricht, von der Aufnahme in den Himmel, macht deutlich, dass auch Jerusalem nichts weiter ist als nur eine Durchgangsstation. Das eigentliche Ziel liegt ganz woanders, nämlich im Himmel, zur Rechten Gottes. Jesus wird seine Jünger verlassen, und ich weiß nicht, wie die Jünger sich in dem Moment gefühlt haben. Ich weiß nicht, mit welcher inneren Haltung sie da herangegangen sind.
Ich könnte mir vorstellen: Du lebst so mit Jesus ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre und denkst, ach, wenn wir mal alt sind, dann setze ich mich mit Jesus so an den Kachelofen und dann halte ich mich mit ihm. Vielleicht hast du so Bilder aus dem Alten Testament, wo der alte König David lebt. Und daneben gibt es noch die alten Helden, ja, und die können sich dann so alte Geschichten erzählen, wie das damals war gegen die Philister und gegen die und die. Ja, und du hast so die Idee: Oh, wir werden mit Jesus alt.
Und mit einem Mal stellst du fest: Die traurige Wahrheit bis heute lautet, die Nachfolger Christi leben auf der Erde, aber der Christus ist im Himmel. Und darum wird es in Lukas 9,51 bis Kapitel 10,37 gehen: um diese Spannung, dass auf der einen Seite der Christus im Himmel ist, wir seine Nachfolger aber hier auf der Erde.
Es geht um Prinzipien der Nachfolge in diesen Versen, und ich möchte das einteilen in zwei Predigten: Basics der Nachfolge. Den ersten Teil machen wir heute: Kosten und Auftrag der Nachfolge. Und wenn wir uns das nächste Mal in einigen Wochen sehen, dann möchte ich weitermachen mit Freuden und Motivation der Nachfolge.
Ein Blick auf Ablehnung und Vorurteile
Und bevor der Herr Jesus über Nachfolge redet, sehen wir uns erst einmal den Hintergrund an. Lesen wir die Verse 52, 53 und 56.
Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her. Also sagt er: Ich muss Richtung Jerusalem. Und um das ein Stück leichter zu machen, schickt man, wenn man irgendwo frisch ankommt und schauen will, ob es dort noch eine Übernachtungsmöglichkeit gibt, ein paar Leute voraus. Man nimmt ein paar Jünger und sagt: Hey, geht einfach schon mal ein bisschen schneller. Ich habe hier noch ein bisschen etwas zu tun. Bereitet alles vor.
Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her, und sie gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, um für ihn Unterkunft zu bereiten. Und sie nahmen ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach Jerusalem gerichtet war. Vers 56: Und sie gingen nach einem anderen Dorf.
Ein Jude mit dem Ziel Jerusalem – ich möchte einfach nur, zum Beispiel zum Passah oder zu irgendeinem anderen Fest, nach Jerusalem gehen – in Samaria. Die Samariter und die Juden hatten eine schwierige Beziehung. Das war eine, man nennt das, persona non grata. So einen wollte man nicht im Haus haben, zumindest nicht jeder. Und deswegen muss er dann woanders übernachten.
Da kann man sagen: Na ja, was soll's? Ich meine, da gehe ich halt drei Kilometer weiter ins nächste Dorf. Nicht so die Jünger. Vers 54 und 55: Als aber seine Jünger Jakobus und Johannes – an anderer Stelle kriegen die einen Spitznamen: Donnersöhne. Da scheinen so Leute zu sein, die schnell in die Luft gehen. Als aber Jakobus und Johannes das sahen, dass man Jesus da einfach die Tür weist, sprachen sie: Herr, willst du, dass wir sagen, dass Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren soll, wie auch Elia tat?
Da gibt es doch im Alten Testament diese Geschichte. Da waren auch Leute nicht so richtig freundlich. Und ein kleines Gebet, und dann wollen wir das nicht mal probieren? Das wäre doch irgendwie schick. Jetzt wäre doch mal so richtig die Gelegenheit, so auf den Putz zu hauen und zu zeigen, wer wir sind.
Und dann geht es weiter: Er wandte sich aber um und schalt sie. Also er schaltete sie nicht aus, sondern er hat sie ausgeschimpft. Jesus sagt: Das kannst du nicht machen. So funktioniert das nicht.
Es ist völlig normal, dass die Nachfolger Jesu mit religiösen Vorurteilen konfrontiert werden. Und es ist eine wichtige Lektion, die wir begreifen müssen, wenn wir Jesus nachfolgen: Das ist kein Grund, in die Luft zu gehen.
Komfort, Heimat und die Kosten der Nachfolge
Wisst ihr, bis ich zwanzig war, dachte ich als guter Protestant, dass Freikirchen und Sekten in dieselbe Schublade gehören. Es hatte mir auch keiner den Unterschied erklärt. Also: Ich habe auf meiner Konfirmationsfreizeit Kussspiele kennengelernt, so Mua, Küsschenspiele, aber keine Kirchengeschichte. Und deswegen war ich tatsächlich an der Stelle ein bisschen wie die Samariter.
Ich bin das erste Mal mit einem Freikirchler konfrontiert worden, und da kam so diese Mischung ein bisschen Vorurteile, ein bisschen Unwissenheit, ein bisschen Angst, über den Tisch gezogen zu werden, was kommt da auf mich zu, eine ordentliche Portion Trotz, warum brauche ich noch jemanden, der mir etwas sagt, was in der Bibel steht. Und ich hatte echte Berührungsängste. Ich habe mich dann nicht gleich herangetraut.
Deswegen kann ich verstehen, wenn es Leute gibt, die sagen: Ich möchte lieber keinen Kontakt haben zu diesen Leuten da in diesem Gemeindehaus in Felefanz, was man so von der Straße aus gut einsehen kann. Ja, die waren doch früher in so einem kleineren Ding, schau mal, wie groß die geworden sind, wo kommt denn das her? Ich kann verstehen, dass Leute an der Stelle natürlich so ein Stückchen Berührungsängste haben.
Und ich habe es oft selber erlebt, dass man Leute einlädt, dass sie erst zusagen und dann doch nicht kommen. Ich wünsche mir einfach, dass wir an der Stelle begreifen, dass das ganz normal ist, dass das nicht schlimm ist, dass das nicht böse ist, sondern dass das eine Haltung ist, die in den Menschen ein Stückchen zu Recht drinsteckt. Wie viele Leute werden tatsächlich von Sekten über den Tisch gezogen? Wie schwer ist es für Menschen, da einen Unterschied zu machen?
Auch die Samariter haben eine Menge von den Juden erduldet. Knapp hundert Jahre vorher hat man ihren Tempel eingerissen. Einfach: Da kam so ein jüdisches Terrorkommando, er ist in den Tempel rein, alles klein gemacht. Dass das nicht stimmt in der Beziehung, ist doch irgendwo klar. Und von daher: Das ist der Hintergrund, wie wir erstmal ganz normal Christsein denken müssen.
Menschen sind vorsichtig. Menschen werden nicht mit wehenden Fahnen überlaufen und sagen: Ach, endlich! Das würden wir uns wünschen. Aber das ist leider nicht so. Ablehnung ist normal, und Ärger ist falsch. Zieh einfach weiter!
Und vor diesem Hintergrund begegnen wir drei Möchtegern-Jüngern. Ich nenne die einfach mal so: Möchtegern. Es sind Leute, die sagen: Jesus, du bist mein Mann, ich möchte mitgehen, du, du!
Vers 57: Es geschah aber, als sie auf dem Weg dahin zogen, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst, Herr. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege.
Das ist eine Lektion, die wir noch öfter im Lukasevangelium lesen werden. Wir denken, wenn da jemand käme und sagt: Ich möchte dir nachfolgen, ich möchte Christ werden, dann würden wir ihm um den Hals springen und sagen: Sofort, du bist dabei. Und Jesus sagt: Stopp, denk noch mal in Ruhe nach.
Das ist ganz merkwürdig. Jesus sagt wirklich: Pass noch mal auf, bevor du dich zu schnell darauf einlässt, überschlag die Kosten. Und der erste Punkt ist: Ein Nachfolger, jemand, der Jesus folgt, muss den Verlockungen des Komforts widerstehen. Jesus hat als Sohn Gottes nicht einmal so viel Komfort wie die Füchse und die Vögel.
Wisst ihr, so ein Fuchs, wenn der abends so seine Gänge hat und dann nach Hause will, dann weiß der, wo er hin kann. Der hat so einen Bau, da schlüpft der rein, und da ist dann drin Papa Fuchs und Mama Fuchs und Klein Fuchs. Und dann ist da einfach so ein bisschen heimlich kuschelige Atmosphäre.
Du schaust dir das Leben von dem Herrn Jesus an, und du merkst: Er ist ja ständig auf Achse, permanent unterwegs. Da gibt es nur ganz selten mal so einen Moment, wo er zur Ruhe kommt. Er ist ständig auf andere Menschen angewiesen, er ist nie wirklich so richtig zu Hause.
Und wenn der Herr Jesus das hier sagt, dann sagt er: Wenn du mir nachfolgen willst, dann bereite dich innerlich darauf vor, dass jeder Christ auf eine gewisse Weise heimatlos ist. Wer Jesus anfängt nachzufolgen, muss sich von einer ganz verlockenden Idee verabschieden. Und die Idee lautet: Diese Welt ist meine Heimat. Und hier richte ich es mir ganz kuschelig ein, und hier komme ich so richtig an.
Diese Idee ist Quatsch. Wahre Nachfolger Jesu sind Reisende, Reisende auf dem Weg in den Himmel, und sie sind auf ihre Art ein Stückchen ruhelos. Wir leben hier, wir können ja auch gar nicht anders, wir müssen diese Welt benutzen, in der wir leben. Und trotzdem bleibt, dass wir, wenn wir über unseren Altersruhesitz nachdenken, hoffentlich nicht an ein Altersheim denken, sondern der Altersruhesitz eines Christen ist der Himmel.
Es gibt eine Stelle, 1. Korinther 7,29-31, da bringt der Apostel Paulus das sehr pointiert, finde ich, auf den Punkt, diese Spannung. Und man muss ihn jetzt hier richtig verstehen, ich will da jetzt auch nicht zu tief drauf eingehen. Ich lese mal die Verse vor.
Da sagt er in 1. Korinther 7,29: Dies aber sage ich, Brüder, die Zeit ist begrenzt. Und jetzt typisch Paulus, ja, jetzt machen wir mal einen Punkt. Das kann man ein bisschen differenzierter sehen, aber er bringt es mal auf den Punkt: Die Zeit ist begrenzt. Dass künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine, und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht, und die die Weltnutzenden, als benutzten sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
Was Paulus hier macht, ist: Er sagt nicht, Ehe ist böse. Er sagt: Du musst deine Prioritäten klarkriegen. Wenn du begriffen hast, dass die Gestalt dieser Welt vergeht, dass das hier eine Durchgangsstation ist, dass das nicht die Ewigkeit ist, dass das noch nicht einmal Heimat ist, dass du eigentlich jemand bist ... Kennt ihr diesen Film Cast Away, wo der auf diesem Eiland da strandet, Tom Hanks? Da ist er so ein moderner Robinson Crusoe. Cast Away, nicht Get Away, das war das andere, ja, stimmt, Cast Away, richtig, wo er auf dieser Insel da ist und sich da einrichtet mit seinem Ball, den er dann im Gesicht anmalt, damit er so ein Gegenüber hat. Das ist ein Stückchen unsere Situation.
Wir sind hier nicht zu Hause. Wir können das nutzen, wir dürfen die Kokosnüsse schon pflücken und essen, aber wir wissen genau: Wir sind nicht hierfür gemacht. Wir sind so ein bisschen wie Robinson Crusoe auf der Insel. Wir wissen, dass wir uns im Moment einrichten müssen, aber das ist nur für eine Weile. Das ist das, was Paulus hier zum Ausdruck bringt.
Es geht Paulus um Prioritäten. Er sagt: Ehe, mein Gefühlsleben, mein Besitz, das, was ich an Möglichkeiten habe, was mir Kultur und Technik bietet, das kann ich schon benutzen. Aber das sind keine Lebensziele. Das ist nicht das, worum ich mein Leben baue. Das ist nicht die Sonne, um die ich mich drehe. Wir haben einfach eine andere Berufung.
Und ich gebe zu, manchmal beneide ich Familien, die sich einfach um ihr Häuschen, ihren Urlaub, die Kinder umgeben, wo man sich so dieser typische deutsche Mittelstand, dem es eigentlich ganz gut geht, wo die größten Probleme vielleicht darin bestehen, ob man das hier, das Auto, rechtzeitig die Raten abbezahlt und wie das mit dem Zahnarzt weitergeht und mit dem Job so ein bisschen. Aber die so heimelig sind. Ja, ich habe tatsächlich so Nachbarn erlebt, das war erschreckend, ja, die waren einfach so lieb und so nett. Und ich dachte mir: Ja, die haben auch alle Zeit, die können wir auch da voll reinballern, das ist nett.
Nur: Es ist nicht meine, es ist nicht unsere Berufung. Und deswegen sagt der Herr Jesus hier: Vorsicht. Diese verlockende Idee, dass diese Welt unsere Heimat ist, dass wir einfach alles nutzen, was diese Welt hat, um uns möglichst nett zu machen, möglichst anzunehmen, noch irgendwo ein Kissen besorgen, noch mal ein bisschen weicher und kuscheliger, bis es wirklich aber auch nirgendwo mehr zippt und zieht und es kein bisschen mehr unbequem ist, das ist nicht die Idee von Nachfolge. So funktioniert es einfach nicht. Beziehungsweise: Wenn du das leben willst, dann wird Nachfolge dabei auf der Strecke bleiben.
Vorrang für den Auftrag Gottes
Zweiter Punkt, es kommt noch einer: Lukas 9,59-60.
Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.
Es geht hier nicht nur um den Komfort der Welt, sondern auch um bestimmte Familienpflichten, die der Nachfolge untergeordnet sind. Und es geht hier nicht darum, denke ich, dass jemand sagt: Du, ich bin gerade bei der Beerdigungsvorbereitung, ich habe noch zwei Stunden, und dann komme ich mit.
Es geht um das Thema: Ich würde gerne warten, bis mein Vater gestorben ist, würde dann da alles in Ordnung bringen, und dann ist der Teil meines Lebens fertig. Dann kann ich dir nachfolgen.
Was der Text nicht sagen möchte, ist, dass wir die Pflichten, die wir als Kinder haben, einfach vernachlässigen können. Aber was er schon sagt, ist: Es gibt einen wichtigeren Auftrag. Es gibt einen Auftrag, der im Zentrum der Nachfolge steht, einen Auftrag, den jeder einzelne von uns hat. Und dieser Auftrag lautet: Verkündige das Reich Gottes.
Und wo dieser Auftrag mit gesellschaftlichen Konventionen, die nicht unbedingt nötig sind, kollidiert, dann müssen wir tatsächlich das Wichtige und das Richtige tun. Dann kann das mal dazu führen, dass die Toten ihre Toten begraben, dass die geistlich Toten die Menschen lassen, die nicht wissen, was das Evangelium ist, die nicht zu jemandem hingehen können und sagen können: Darf ich dir erklären, wie du mit Gott ins Reine kommst? Die das nicht sagen können, dürfen sich um die Vorbereitungen der Beerdigung kümmern, weil die geistlich Toten die körperlich Toten begraben können, ohne dass dadurch ein Schaden entsteht.
Aber wenn wir uns ständig von den Familienpflichten wegziehen lassen und dabei vergessen, wofür wir eigentlich berufen sind, was im Zentrum der Nachfolge steht, dass es da um die Verkündigung des Evangeliums geht, dann machen wir einen Fehler.
Der Blick nach vorn und die Gefahr des Zurückschauens
Der Dritte: Lukas 9,61-62. Er sprach aber auch zu einem anderen: Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.
Solche Verse finde ich toll, weil ich immer wieder über Dinge predigen muss, von denen ich nicht im Ansatz Ahnung habe. Ich habe noch nie in meinem Leben hinter einem Pflug gestanden. Das einzige Mal, dass mir jemand vorgeworfen hat, ich würde pflügen, war bei meiner ersten Predigt. Da habe ich mich so fest am Tisch gehalten, dass die anderen meinten: Du sollst predigen und nicht pflügen.
Aber ich habe mit Pflügen eigentlich nichts am Hut. Ich kann aber lesen. Und ich habe gelesen, dass es, wenn man hinter so einem Pflug läuft, wichtig ist, nach vorne zu schauen, damit man gerade pflügt. Wenn man vorne den Punkt, wo man hin will, halbwegs im Blick hat, dann läuft man irgendwie geradeaus. Wenn man das nicht macht und irgendwo hinschaut, dann pflügt man auch irgendwo hin, und dann werden die Furchen nicht gerade.
Dieser Dritte möchte gern Jünger sein, möchte vor seiner Nachfolge nach Hause gehen und auf Wiedersehen sagen. Das hieß damals nicht einfach nur „Tschüss“ in unserem Sinn. Es war nicht so kurz und knapp: Ich gehe noch mal nach Hause und dann tschau. Nein, das war anders. Kennt ihr das aus dem Alten Testament? Da hat man so eine kleine Abschiedsparty gemacht, und aus der einen Abschiedsparty kam noch eine Abschiedsparty und noch eine Abschiedsparty und noch eine. Es wurde eigentlich von Tag zu Tag ein bisschen schwieriger, Tschüss zu sagen, weil man vor lauter Abschiedspartys schon wieder zu Hause war.
Es gibt solche Geschichten im Alten Testament, ihr habt sie vielleicht vor Augen, wo jemand erst noch bleibt und dann noch einen Tag, und dann heißt es: Ach komm, jetzt ist eh schon halb der Tag rum, jetzt kann es auch noch ein halber Tag sein.
Diese Idee, dieses Zurückschauen, macht deutlich: Wer seine Hand an den Pflug legt, wird, sagt der Herr Jesus, sehr deutlich, was Familie und Freunde angeht, Einschnitte erleben. Wer für Gott pflügen will, der wird Opfer bringen müssen. Und zwei Dinge passen nicht zusammen: Auf der einen Seite diese Sehnsucht, die in uns aufkommen kann nach einem Leben ohne Opfer, auf der anderen Seite dieser Blick zurück, diese Frage: Was wäre, wenn?
Ich weiß nicht, ob euch diese Frage schon einmal ereilt hat. Du wirst Christ und du trittst in die Nachfolge. Du triffst bestimmte Entscheidungen, Entscheidungen, die dein Leben prägen. Vielleicht, weil du sagst: Ich werde eine bestimmte Karriereleiter nicht mehr erklimmen. Ich werde an einer bestimmten Stelle eine Beziehung, vielleicht zu einem interessanten Menschen, abbrechen, weil er mir nicht gut tut. Ich werde an einer bestimmten Stelle eine bestimmte Menge Geld investieren. Du triffst solche Entscheidungen, Entscheidungen, die aus dem Innersten kommen und von Glauben geprägt sind.
Die Gefahr ist, dass man irgendwann sagt: Boah, was wäre gewesen, wenn nicht damals? Was wäre, wenn? Das kann passieren. Das kann so intensiv werden, dass es dein Herz auffrisst. Was der Herr Jesus sagt, ist: Diese Haltung, dieses „Was wäre wenn“-Denken, dieser Blick zurück, dieses Nachdenken darüber, was hätte sein können, wenn, passt nicht zur Nachfolge.
Nachfolge heißt drei Dinge: Erstens verzichte ich bewusst auf Bequemlichkeit. Ich hole aus diesem Leben für mich nicht einfach heraus, was an Komfort herauszuholen ist. Zweitens verkündige ich das Evangelium. Und drittens stehe ich zu meiner Entscheidung. Ich stehe dazu. Ich habe die Hand an den Pflug gelegt und sage: Ja, das ist jetzt einfach mein Weg.
Praktische Konsequenzen für den Alltag
Und deswegen überlege kurz, an welcher Stelle gesellschaftliche Konventionen oder familiäre Ansprüche eine Rolle spielen. Wo ist diese Gier nach Neuem? Da denke ich mir: Was muss man nicht alles gesehen haben, gemacht haben, gegessen haben, gehört haben, gekauft haben, ausprobiert haben? Wo ist das so ins Leben hineingekommen, dass es angefangen hat, dein Leben zu bestimmen?
Nochmal: Wo bestimmen gesellschaftliche Konventionen, familiäre Ansprüche und vor allem das, wovon du glaubst, das müsstest du auch mitgemacht haben, dein Leben?
Und dann möchte ich dir eine Frage stellen: Wo verkündest du das Reich Gottes? An welcher Stelle bist du damit dabei? Lädtst du ein zu den Alphakursen? Liest du mit Menschen in der Bibel? Dort, wo du suchenden Menschen begegnest, baust du bewusst Beziehungen auf?
Es kann sein, und ich kenne eine Reihe Christen, die haben einmal wirklich mit Eifer gepflügt. Und dann ist ihnen das irgendwann mühsam geworden, eintönig, vielleicht auch frustrierend. Und sie haben angefangen, zurückzublicken, und sind stehen geblieben.
Und das waren früher Leute, da hast du gesagt: Boah, was für Vorbilder! Ja, die haben mit ihren Schulfreunden in der Bibel gelesen, die haben mit ihren Nachbarn über Gott geredet, die haben, wenn da jemand kam und sagte: Kannst du mir mal was erklären?, sofort Feuer und Flamme gewesen.
Zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre später haben sie das Ziel aus den Augen verloren, kommen noch zur Gemeinde, aber wenn du ihnen die Frage stellst: Sag mal, wann hast du das letzte Mal dafür gebrannt, mit jemandem über das Evangelium zu reden?, dann müssen sie sagen: Das ist lange her, das weiß ich gar nicht mehr.
Wir haben einen Marathonlauf, und es kann mal mühsam werden. Eintönig, frustrierend, und vielleicht bist du nicht der Evangelist. Also, wenn du eine natürliche Begabung als Evangelist hast, dann rede ich jetzt nicht zu dir, weil du es immer tun wirst. Das ist so, wie du mir nie sagen musst: Lies mal ein geistliches Buch. Davon lese ich so ein, zwei, drei Stück im Monat. Also, das ist klar.
Ich rede jetzt zu dem Otto-Normal-Nachfolger, der in der Gefahr steht, einfach so ein Stückchen aus dem Blick zu verlieren, dass im Zentrum der Nachfolge tatsächlich Verkündigung steht. Und wenn du sagst: Hey, das ist lange her, dass ich da so aktiv geworden bin, dann möchte ich dir einfach heute Morgen Mut machen. Ich möchte sagen: Hey, brich doch einfach mal aus.
Und egal, was dich einlullt, egal welche Angst dich vielleicht ausbremst, egal was dich so ein Stückchen aus der Bahn geworfen hat, lass doch einfach zu, dass du diesen Gedanken an dich heranlässt.
Ich muss das noch einmal vorlesen, was ihr vorhin gesungen habt. Ihr habt euch eigentlich schon verpflichtet. Na ja: Jesus sei die Mitte, Jesus sei das Ziel, das ist meine Bitte. Alles, was ich will, ich geb dir mein Leben. Da ist immer eine gefährliche Textstelle: Ich geb dir mein Leben, um dich soll es gehen, und mein ganzes Streben soll sich um dich drehen. Schöner haben wir gesungen.
Also, ich sage dir jetzt, dass sich das Streben Jesu um den Punkt kümmert: Wer verkündigt bitte an meiner Stelle hier auf der Erde, wo ich im Himmel bin, als mein Nachfolger das Reich Gottes? Das ist Jesus wichtig. Und deswegen darf es uns nicht unwichtig werden.
Der Auftrag ist für alle da
Deswegen ist Nachfolge, ist die Verkündigung des Evangeliums nichts, wo man sagt: Da haben wir unsere Spezialisten für, unsere Cracks. Die Könner und Experten, die. Und ich kenne solche Typen, und sie frustrieren mich nachhaltig an manchen Stellen.
Ich kenne Leute, da weiß ich: Wenn die sich mit jemandem unterhalten, sind die nach fünf Minuten beim Thema Gott, nach zehn Minuten bei dem Thema: Du musst Jesus als deinen Herrn annehmen. Wo ich sage: Ich bin bei zehn Minuten noch nicht mal an dem Punkt, dass ich den Namen von dem Gegenüber weiß. Da steht ihr, es gibt da Unterschiede.
Und trotzdem: Dieser Text, und wir müssen diesen Text an uns heranlassen, dieser Text sagt: Zur normalen Nachfolge Jesu gehört es, dass wir bereit werden, anderen Menschen das Evangelium zu verkünden. Das ist nichts für die Evangelisten, nichts für die Asse und die Cracks und die Spezialisten und die Könner. Das ist für dich und für mich.
Und wenn in dir jetzt diese Angst hochkommt: Das kann ich nicht, ich bin kein Evangelist, dann möchte ich dir ganz kurz zeigen, was das denn heißt, Bote Jesu zu sein. Und vielleicht wirst du sagen: Wenn es das ist, dann geht das eigentlich. Das ist jetzt gar nicht so, ich muss nicht erst tausend Bibelverse auswendig lernen, das geht eigentlich.
Schaut euch das mal an, Lukas 10,1:
Nach diesem aber bestellte der Herr auch siebzig andere und sandte sie zu je zwei vor seinem Angesicht her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte.
Ihr merkt, es geht nicht nur um die Elite, es ist eine breitere Front, und ihr dürft euch bei den Siebzig einfach mit angesprochen fühlen. Es ist echt eine breite Masse, die diesen Auftrag bekommt.
Vers 2:
Er sprach aber zu ihnen: Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige; bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.
Und ich finde das so schön. Ist das schwer? Nee! Du möchtest Bote Jesu sein? Erster Schritt: Fang an zu beten! Herr Jesus, ich bitte dich darum, sende viele Christen hier nach Oberkrämer, die mit meinen Freunden über das Evangelium reden, und mach mich auch dazu bereit. Amen!
Traust du dich das? Na klar, oder? Also, das ist doch das, was hier steht, ganz praktisch. Du suchst dir eine Anwendung von der Predigt: Du betest das heute Abend. Herr Jesus, bitte schenke, dass viele Christen nach Oberkrämer kommen und hier mit meinen Freunden, Nachbarn, Bekannten, Verwandten, Schulfreunden usw. übers Evangelium reden und mich auch dazu fähig machen. Amen!
Dann hast du das getan. Damit fängt es an, Bote Jesu zu sein. Das ist nicht weit weg, das ist ein einfaches Gebet, das ist der Einstieg.
Mitten in der Welt als Zeuge leben
Vers 3: Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe. Dankeschön. Das mit den Schafen wäre okay gewesen.
Der nächste Schritt ist: Mach dich auf. Ich habe Angst, richtig, weil die Sache einen Haken hat. Du bist ein Lamm, der Rest ist Wolf. Du hast Angst, gebissen zu werden? Kein Problem, das gehört zum Geschäft dazu.
Ja, wir werden diese Ängste, die ganz real sind, ein Stück weit herunterschlucken müssen. Wir dürfen einfach mal der Wahrheit ins Auge schauen und begreifen: Draußen ist eine Welt voller Lüge und Ungerechtigkeit. Und wenn du da hineingehst und sagst: Ihr seid alles Leute, die den Herrn Jesus brauchen, dann wird man dich nicht mit offenen Armen empfangen und sagen: Boah, super, endlich jemand, der mich auf meine Sünde hinweist, endlich jemand, der mir sagt, was ich alles falsch mache. Sondern die Leute werden sagen: Wer bist denn du?
Und das kann unangenehm werden. Trotzdem gehört es dazu, diesen ersten Schritt zu wagen und zu sagen: Ich schlucke dieses bisschen Lamm-im-Wolfsrudel-Gefühl runter.
Vers 4: Tragt weder Börse noch Tasche noch Sandalen und grüßt niemand auf dem Weg.
Damit bringt Jesus zum Ausdruck, dass es eilig und dringlich ist. Dieses Grüßen ist nicht einfach ein Hallo, sondern ein Stehenbleiben. Wie geht es deinen Kindern, deiner Frau, deinen Großeltern? Was macht denn der in deinem Dorf? Und dann quatscht man so einen halben Tag. Das geht nicht.
Mach die Sache in deinem Leben dringlich. Damit will er zum Ausdruck bringen, wenn ich es übertrage: Überlege, wo in deinem Leben sich Dinge eingeschlichen haben, die dir die Zeit rauben, um mit anderen Menschen über das Evangelium zu sprechen. Vielleicht musst du deine Playstation einfach killen. Vielleicht musst du an irgendeiner Stelle ein Instrument weniger lernen. Vielleicht musst du auf der Arbeit ein Stückchen zurücktreten. Vielleicht musst du auch eine Stunde weniger schlafen. Ich kenne dein Leben nicht. Aber eines weiß ich: Hier steht, mach es dringlich. Gib der Idee, das Evangelium zu predigen, eine Dringlichkeit in deinem Leben.
Etwa so, wie wenn du an andere Dinge denkst, bei denen du merkst, was Dringlichkeit bedeutet. Leute, die kurz vor einer Führerscheinprüfung stehen, oder junge Leute, die es nicht schaffen, ihre Schule so halbwegs auf die Reihe zu kriegen. Plötzlich haben sie Zeit zum Lernen. Ich denke mir: Boah, da wurde etwas dringlich.
Oder noch besser: Du nimmst die letzten Chaoten, die sich verlieben. In dem Moment, wo sie sich verlieben, fangen sie plötzlich an zu schauen: Wann habe ich Zeit? Wann kann ich mich mit dem anderen treffen? Da werden plötzlich Terminkalender synchronisiert. Warum? Na ja, weil da eine Dringlichkeit ist. Er möchte den anderen sehen.
Und auf dieser Ebene möchte ich, oder möchte Jesus, dass wir das sehen. Solche Verse hier wie „niemand grüßen“ sind natürlich keine Begründung für Taktlosigkeit. Die Liebe ist nicht taktlos, heißt es in 1. Korinther 13,5. Aber es zeigt uns, worum es eigentlich geht.
Frieden anbieten, Hilfe leisten, Christus bezeugen
Vers 5 und 6: In welches Haus ihr aber eintretet, da sprecht zuerst: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen. Wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren.
Das war es schon. Genau, bis dahin.
Was Jesus sagt, ist: Sie treten in ein Haus ein und schauen, ob sie auf einen Sohn des Friedens stoßen, auf jemanden, der bereit ist, Frieden mit Gott zu empfangen. Und wenn sie so jemanden treffen, dann erklären sie ihm den Weg, wie man Frieden mit Gott finden kann. Wir würden sagen: durch Buße und durch Vergebung.
Das bedeutet, wir sind nicht ausgesandt in die Welt, um das Evangelium den Leuten einzuprügeln. Wir machen ein Angebot. Wir kommen als Boten. Und wir dürfen natürlich auf eine sensible, einfühlsame, durchdachte, ansprechende Weise dieses Angebot machen. Aber ein Stück weit gilt: Da, wo Leute sagen: Hey, ich will nicht, hört unsere Verantwortung auf.
Und ich finde, dass uns das sehr viel Last nimmt. Ich darf einfach zu jemandem hingehen und sagen: Du, Herr, in meinem Leben hat Jesus das und das gemacht. Interessiert dich das? Und wenn der andere sagt: Nö, dann ist es ein Nö. Dann kann ich vielleicht das noch einmal überlegen. Aber ich bin nicht gezwungen, immer und immer wieder gegen den Widerstand anzurennen. Ich bin nicht der Eisbrecher, der sich da irgendwo durcharbeiten muss.
Ich bin erst einmal der Zeuge, der sich hinstellt und sagt: Hey, schau dir mein Leben an, das und das ist mir wieder mit meinem Herrn passiert. Und davon möchte ich einfach mit dir reden. Und ich sage dir das einfach mal so. Und wenn dich das mehr interessiert, was Jesus da in meinem Leben gerade anstellt, hey, ich möchte es dir gerne erklären.
Und wenn bei dem anderen das Herz aufgeht, wenn er so ein Sohn des Friedens wird, dann zack: Hier ist der Friede Gottes, nimm ihn. Ich kann es dir nur anbieten.
Vers 7: In diesem Haus aber bleibt und esst und trinkt, was sie haben; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus in ein anderes. Und in welche Stadt ihr kommt und sie nehmen euch auf, da esst, was euch vorgesetzt wird.
Schöner Vers.
Die Boten Jesu sind keine Touristen, sondern Arbeiter. Wir lassen uns einfach auf die Menschen ein. Hier geht es bei Menschen um ihre Bräuche, um das, was sie essen. Alter Ami hat mal gesagt: Where he leads me I will follow, what he feeds me I will swallow. Das heißt übersetzt: Wo der Herr mich hinführt, werde ich hingehen, und was er mir zu essen gibt, das werde ich essen.
Und ich habe ihn erlebt in Albanien, eingeladen von einem Ehepaar da vor Ort, das das Beste gemacht hat, was es für ausländische Gäste gibt: gegarten Schafskopf mit Augen drin. Lauwarm, wo du sagst: Okay, Mann, ich war in dem Moment extrem froh, dass ich nur Zweiter auf Gast war. Man bekommt dann weder die Augen noch das Gehirn, das sind die zwei Spezialitäten. Aber das ist so die Idee.
Nicht ich bestimme darüber, wem ich das Evangelium sage, sondern ich gehe durch diese Welt als jemand, der mit Gott lebt. Ich bete dafür, dass Gott mich gebraucht. Ich lasse mich ein auf das, was passiert, auf die Menschen, die mir begegnen. Ich suche sie mir nicht aus. Und an der Stelle: Ja, ich lasse mich einfach ein.
Ich habe hier einen Satz geschrieben für mich: Evangelisation ist der Lebensstil, bei dem wir mit Menschen über Gott reden, die wir unter anderen Umständen niemals in die Nähe unserer Kinder gelassen hätten. Ja, sorry, also das gilt nicht für alle, aber da sind solche dabei, wo ich denke: Ich habe mit manchen Leuten über das Evangelium geredet.
Evangelisation ist der Lebensstil, bei dem wir mit Menschen über Gott reden, die wir unter anderen Umständen niemals in die Nähe unserer Kinder gelassen hätten. Das gilt nicht für alle. Aber wir suchen uns die Menschen nicht aus. Wir gehen durch diese Welt. Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und wir fragen uns: Herr, wo ist jemand, den du mir vor die Füße wirfst?
Wir werden das beim nächsten Mal noch sehen, wenn wir uns über den barmherzigen Samariter unterhalten. Wo liegt da einer im Gebüsch, der ehrlich als Sohn des Friedens danach sucht, von mir zu hören, was Gott in meinem Leben jetzt gerade tut, auf seine vielleicht unauffällige Weise? Und da gehen wir hin.
Und dann: Und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
Ich möchte das so sagen: Der Dienst, den wir als Jünger Jesu tun, ist für die, die uns begegnen, eine ganzheitliche Erfahrung. Menschen begegnen der Realität Gottes. Wer uns erlebt, erlebt die heilende Wirkung, die heilende Kraft Gottes.
Und das kann sein, wie es hier in Form von Krankenheilungen geschieht. Das ist natürlich für die Nachfolger des Messias, der sich durch Krankenheilung auszeichnet, als Ausweismittel in besonderer Weise wichtig. Ich glaube, es kann aber auch ganz einfach weniger wunderwirksam sein, da, wo wir auf Menschen treffen mit ihren Nöten und ihnen praktisch helfen: im Haushalt, im Umgang mit den Kindern, in ihrer Ehe.
Wo Gott uns einfach Möglichkeiten gibt, wo ich sage: Hey, in meinem Leben hat Gott angefangen zu wirken. In mir verändert Gott mich. Meine Ehe ist von Gott verändert. Meine Ehe hätte nicht die Qualität, die sie heute hat, wenn Gott nicht in mein Leben gekommen und meinen Jähzorn weggenommen hätte. Möchtest du wissen, wie man seinen Jähzorn los wird? Wenn ja, dann helfe ich dir. Mehr kann ich nicht sagen.
Versteht ihr, das ist Evangelisation. Evangelisation heißt nicht, ich habe auf jede Frage eine Antwort. Das habe ich nicht. Evangelisation heißt, ich bin ein Bote und ich trete als Bote in diese Welt hinein und sage: Hier stehe ich, und Gott wirkt in mir. Und wenn du eine Frage hast, ich erkläre es dir gerne. Und wenn ich merke, du hast eine Not, ich helfe dir. Ich komme und ich zeige dir, was Gott in meinem Leben in dieser Not schon getan hat, und vielleicht kann ich dir an der Stelle ein Stück weiterhelfen.
Lasst uns Evangelisation nicht etwas machen, was die Spezialisten da oben treiben, sondern etwas, was jeder Einzelne tun kann.
Die Verantwortung des Zeugen und der Schlussruf
Und deswegen ist es auch so schlimm, wenn Leute das ablehnen. Die nächsten Verse beschreiben, wie schlimm das ist. Und dann sagt der Herr Jesus: Wer euch hört, hört mich. Und wer euch verwirft, verwirft mich. Wer aber mich verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.
Wer euch hört, hört mich. Kannst du dir das vorstellen? Du betest, weil du das jetzt hier verstanden hast. Du schluckst vielleicht deine Angst runter. Du ordnest dein Leben so ein Stückchen neu, um einfach irgendwo ein bisschen Zeit für das Evangelium zu haben. Dann sprichst du mit den Menschen, die Gott dir einfach über den Weg führt, und du zeigst ihnen auf einfache Weise, was Gott in deinem Leben getan hat. Und du bietest ihnen deine Hilfe an. Vielleicht schenkst du ihnen ein Buch, vielleicht lädst du sie zu einem Kurs ein, vielleicht zum Essen. Vielleicht merkst du, dass sie Hilfe beim Umzug brauchen, und du hilfst ihnen.
Es ist alles ganz simpel, und mit einem Mal steht über deinem Leben dieser Satz: Wer dich hört, der hört mich.
Und wenn ich mir eine Sache wünsche, dass ihr heute Morgen mitnehmt, und damit komme ich zum Schluss, dann ist es dieser eine Punkt: Du kannst ein Zeuge Jesu sein, du ganz persönlich. Du kannst ein Zeuge Jesu sein. Jeder kann das.
Im Zentrum von Nachfolge steht die Verkündigung des Evangeliums. Als Nachfolger Jesu ist der Dienst Jesu, das, was Jesus auf der Erde getan hat, unsere Berufung. Und Jesus kam auf diese Welt, um zu retten, und er hat uns auf dieser Welt zurückgelassen, um uns zu retten.
Und deswegen möchte ich dich bitten, dass du dich einerseits nicht versteckst hinter dem Dienst. Das kenne ich: dass Leute sagen, ja, aber ich mache doch in der Gemeinde schon mit. Ich predige, oder ich mache Kinderstunde, oder ich mache im Musikteam mit, oder ich sitze hinter der Technik. Und ich verstecke mich dann hinter meinem Dienst, weil das unangenehm ist.
Das, was ich heute Morgen predige, heißt ja: kosten. Es ist die unangenehme Seite. Dieses Rausgehen, mit Leuten reden, plötzlich gebissen werden von so einem Wolf. Der Wolf sagt ja nicht: Ich bin immer ein netter Wolf. Sondern der beißt mal, und dann wird man verletzt, und dann wird man zurückgewiesen. Das macht nicht Spaß.
Dieses beim Pflügen aufhören ist eine Realität. Irgendwann sagst du: Das ist mir zu viel, was ich gebissen wurde. Und jetzt kommt der Vers, und ich möchte dir Mut machen, dich nicht hinter einem Gemeindedienst zu verstecken. Und genau so auch dafür zu sorgen, dass nicht falsche Bequemlichkeit, falsche Kompromisse, falsche Ausreden dazu führen, dass dein Leben auf eine falsche Weise geprägt wird.
Im Zentrum der Nachfolge, so wie wir es hier in diesem Text haben, steht die Verkündigung. Und deswegen meine Aufforderung heute Morgen: Triff, vielleicht zum ersten Mal oder wieder neu bewusst, eine Entscheidung, Jesus nachzufolgen.
Ich möchte es ehrlich zugeben: Ich habe den Text studiert, ich habe ihn am Donnerstag vorbereitet, habe die Predigt geschrieben, und dann habe ich meine Hände gefaltet und habe gesagt: Herr Jesus, bitte vergib mir. Ich habe einfach die letzten zwei, drei Jahre zu viel Organisatorisches in der Gemeinde gemacht. Gemeindeaufbau, Besprechungen, dies und das. Und ich habe gemerkt, dieser Biss, dieser Blick nach draußen, dieses unbedingt mit Menschen, die Gott noch nicht kennen, wieder übers Evangelium reden, das ist so ein Stückchen verloren gegangen.
Dass man sagt: Bitte, Herr Jesus, vergib mir, das war einfach falsch. Das war eine falsche Priorisierung. Nicht, dass die anderen Dinge böse sind, sie sind einfach nur nicht das Zentrum. Und im Zentrum der Nachfolge steht die Verkündigung des Reiches Gottes.
Insofern: Triff die Entscheidung, schaffe die nötigen zeitlichen Ressourcen und fang an. Und nimm diesen einen Punkt mit: Du kannst Zeuge Jesu sein. Und du kannst es an einer Stelle, wo kein anderer es kann, wo du ganz persönlich auf Menschen triffst, die sonst vielleicht kein anderer Christ kennt. Du kannst Zeuge Jesu sein.
Bis dahin. Nächstes Mal dann drehen wir die Münze um, und wir schauen uns mal die Freuden und die Motivation der Nachfolger an.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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