Serie•Teil 6 / 14Das Buch Daniel
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Einleitung und Deutung des ersten Verses
Daniel, Kapitel sechs: Die Weigerung Daniels, dem König gehorsam zu sein, der es wagt, das Beten zu verbieten.
Hier am medopersischen Hof lesen wir in Kapitel sechs, Vers eins: Und Darius, der Meder, bekam das Königreich, als er ungefähr zweiundsechzig Jahre alt war.
Es gibt eine lange Geschichte und Diskussion um diesen Darius, den Meder. Wer ist dieser Darius, der Meder? Es gibt eine Theorie, die mir recht gut gefällt, aber ich weiß nicht, ob ich sie wirklich glauben soll. Weissmann, ein Wissenschaftler, schrieb, dass der Darius, der Meder, dieselbe Person sei wie Kyrus, der Perser. Er meinte, dass es Hinweise darauf gebe. Zum Beispiel steht in der griechischen Übersetzung in Daniel 11,1 tatsächlich dort, wo bei uns Kyrus steht, Darius.
Also: In der griechischen Übersetzung wird in Daniel 11,1, wo bei uns Kyrus steht, Darius erwähnt. Ich hoffe, ich habe die richtigen Versangaben. Nein, entschuldigung, ich muss es korrigieren: In Daniel 11,1 steht bei uns Kyrus. In der griechischen Übersetzung steht dort Darius, also Darius, der Meder. Moment, es war mein Fehler. Nochmal: In der griechischen Übersetzung steht in Daniel 11,1 Kyrus statt Darius, der Meder. Also Kapitel 11, Vers 1, wenn ich das lese: „Und auch ich stand im ersten Jahre des Darius, des Meders, ihm bei.“ In der griechischen Übersetzung steht hier: „Und auch ich stand im ersten Jahre des Kyrus, des Meders, ihm bei.“
Also steht in der griechischen Übersetzung einfach statt Darius Kyrus. Man weiß nicht, warum, aber das ist Tatsache. Und wir haben ja nicht nur eine griechische Übersetzung, wir haben sogar zwei. Die eine ist die übliche Septuaginta-Übersetzung, die andere ist die nach Theodotion. Und auch dort steht an dieser Stelle Kyrus statt Darius.
Weissmann, der Wissenschaftler, behauptet, dass es Gründe gibt, anzunehmen, dass Darius und Kyrus ein und dieselbe Person seien. Er sagt außerdem, dass in Kapitel sechs, Vers neunundzwanzig, so übersetzt werden sollte. Wenn wir das einmal aufschlagen: Und dieser Daniel hatte Gedeihen unter der Regierung des Darius, nämlich unter der Regierung Kyrus, des Persers. Also statt „und“ übersetzte man hier „nämlich“.
Das ist durchaus legitim, das heißt, das ist erlaubt. Es gibt nämlich ein erklärendes „und“ im Griechischen, also kann das tatsächlich so übersetzt werden, und auch im Hebräischen. Von daher wäre das möglich. Ich sage das nur als These. Ich kann sie nicht bestätigen oder dementieren. Ich kann weder in die eine noch in die andere Richtung etwas sicher sagen. Ich möchte nur, dass ihr das wisst.
Diese These würde jedenfalls viele Dinge lösen. Man weiß nämlich nicht genau: Wer ist jetzt eigentlich an der Regierung? Ist es Darius oder ist es Kyrus? Einmal heißt es im ersten Jahr des Darius, dann wieder im ersten Jahr des Kyrus. Ja, was denn nun? Das würde dieses Problem sehr einfach lösen.
Und ein zweites Problem würde damit ebenfalls gelöst: Es gibt keinen Darius in der weltlichen Geschichte, keinen Darius, den Meder. Das heißt, die weltliche Geschichte wirft uns Christen vor, dass wir an eine Bibel glauben, die mit der Realität nichts zu tun habe und lauter Fehler enthalte. Ein Fehler, den sie uns immer vorwerfen, ist genau dieser Darius. Sie sagen, diesen Darius gibt es nämlich gar nicht in der Geschichte. Und sie sagen: Seht ihr, die Bibel hat einen Fehler.
Wenn aber dieser Darius Kyrus ist, dann ist die ganze Frage geklärt. Es würde also mit einem Schlag drei wichtige Fragen lösen. Deshalb gefällt mir diese Lösung gut. Ob sie wirklich so ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind wir in der Wissenschaft auch noch nicht so weit. Vielleicht gibt es eines Tages wissenschaftliche Ausgrabungen, und wir finden ihn doch noch, den Darius, den Meder. Es ist ja noch nicht aller Tage Abend, oder?
Oft ist es ja so, dass dort, wo die Bibelkritik gegen uns Christen geschimpft hat, weil wir an alles glauben, was in der Bibel steht, gesagt wurde: Das gibt es gar nicht. Und dann wurde es doch gefunden. Archäologische Funde haben es bestätigt, und dann wurden sie in diesem Punkt still und suchten sich einen anderen Punkt, an dem sie uns angreifen konnten. Versteht ihr?
Ich wollte das nur weitergeben. Wer es jetzt wirklich ist, wissen wir noch nicht. Es war scheinbar üblich, dass es so etwas gab, dass jemand so genannt wurde und anders genannt wurde. Ja, das gab es öfters.
Die ersten Schritte zur Macht und der Neid der Beamten
Es gefiel Darius, über das Königreich hundertzwanzig Satrapen zu bestellen, die im ganzen Königreich sein sollten, und über sie drei Vorsteher, von denen Daniel einer war. Diesen sollten jene Satrapen Rechenschaft ablegen, damit der König keinen Schaden erlitte.
Das heißt also: Daniel stand darauf und dran, zu den vier wichtigsten Menschen des ganzen Reiches zu gehören. Hinter dem König kamen die drei Vorsteher, also der König, dann diese drei und dann die anderen. Daniel wäre einer von diesen dreien gewesen. Und da wurden die anderen natürlich eifersüchtig.
Ah ja, noch etwas: Es ist dann so geschehen, dass Daniel die Vorsteher und Satrapen übertraf, weil ein überragender Geist in ihm war. Der König gedachte, ihn über das ganze Königreich zu setzen. Also war Daniel der Beste von diesen drei Vorstehern. Und der König dachte jetzt daran, ihn über das ganze Reich zu setzen. Das heißt, Daniel wäre der Zweite im ganzen Königreich gewesen.
Da suchten die Vorsteher und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel im Hinblick auf die Regierungsgeschäfte zu finden. Aber sie konnten keinen Anklagegrund und keine schlechte Handlung finden, weil er treu war und kein Vergehen und keine schlechte Handlung an ihm gefunden wurde. Er war untadelig.
Da sagten diese Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, dass wir in dem Gesetz seines Gottes einen gegen ihn finden.
Das Verbot des Gebets und die Treue im Konflikt
Dann liefen diese Vorsteher eilig zum König und sagten zu ihm: König Darius, lebe ewiglich! Alle Vorsteher des Königreiches, die Statthalter, die Räte und die Landpfleger sind miteinander rat geworden, dass der König eine Verordnung aufstelle und ein Verbot erlasse. Ein jeder, der innerhalb von dreissig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet, ausser von dir, König, der solle in die Löwengrube geworfen werden.
Also, jetzt haben sie etwas. Bei seiner Religion können sie ihn packen.
Nun, die Löwen: Warum fressen die Löwen eigentlich Menschen? Nun, die Löwen fressen Menschen, weil sie kein Gewissen haben. Sie machen sich kein Gewissen daraus. Sie sind einfach Tiere, und sie leben durch Instinkt.
Wir werden in nächster Zeit einiges im Buch Daniel lesen über Tiere. In Kapitel sieben kommt eine ganze Reihe von Tieren vor, und es ist gut, wenn wir uns jetzt ein wenig darüber Gedanken machen.
Der Mensch ist kein höher entwickeltes Tier. Ich habe schon gesagt: Der Mensch unterscheidet sich in mindestens vier Punkten vom Tier. Er kann sprechen, er kann denken, er hat einen aufrechten Gang, und er hat ein Gewissen.
Aber diese Minister waren wie Tiere. Sie haben sich benommen wie Tiere. Sie haben sich kein Gewissen daraus gemacht, einen Menschen aus dem Weg zu schaffen, einen Menschen zu töten, ohne schlechtes Gewissen, ohne Ethik, ohne Moral, ohne Normen, ohne absolute Werte. Das geschieht, weil sie Gott, den lebendigen Gott, nicht als absoluten Wert akzeptieren.
So ist es also möglich, dass Menschen wie Tiere handeln. Und genau das tun diese Leute hier.
Vers 9: Nun, König, erlass das Verbot und lass eine Schrift aufzeichnen, die nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unwiderruflich ist, nicht abgeändert werden darf.
Das Gesetz der Meder und Perser wird also benutzt, um Menschen zu unterdrücken, in dem Fall, um einen Daniel aus dem Weg zu schaffen. Es geht hier um das Gottesdienstverbot für dreissig Tage.
Was hat das Ganze im restlichen Buch Daniel zu tun? Gibt es im restlichen Buch Daniel noch einmal so etwas, dass der Gottesdienst verboten wird? Wie hier, für dreissig Tage?
Weiss jemand etwas, eine Geschichte im Buch Daniel, wo der Gottesdienst verboten wird? Das wäre bei Esther, meinst du? Oder?
Ja, es kommt noch einmal etwas vor, genau. Antiochus, Antiochus. Antiochus der Vierte hat tatsächlich den Gottesdienst bei den Juden verboten. Das heisst: Und noch mehr, nicht nur den Gottesdienst verboten, er ist dann auch mit Todesstrafe gegen jeden vorgegangen, der seinem Edikt nicht gehorchte.
Wir werden darüber noch lesen in Kapitel sieben, in Kapitel acht, in Kapitel elf und in Kapitel zwölf von Daniels Buch. Also gerade in vier Kapiteln kommt das vor. Und hier wird das Volk vorbereitet. Vergessen wir nicht: Das Buch Daniel ist geschrieben an die Heiligen, die zurückgekehrt sind aus der Gefangenschaft und die jetzt das Königreich Gottes erwarteten, so wie Ezechiel vorausgesagt hat.
Und das Buch Daniel gibt ihnen die Botschaft: Ihr müsst noch eine Zeit lang warten, und es geht noch durch eine Zeit der Tiefe, bis das Königreich Gottes kommt. Und da müsst ihr treu sein, da müsst ihr euch bewähren.
Das heisst: Was hier Daniel im Kleinen erlebt, erleben die Heiligen im Buch Daniel im Grossen nachher unter der Zeit von Antiochus. Das ist mir immer wieder aufgefallen im Buch Daniel. Die Geschichte im Kleinen bereitet vor auf die Geschichte im Grossen. Die Geschichte mit den drei Freunden im Feuerofen bereitet vor auf die schwere Verfolgungszeit unter Antiochus. Die Geschichte hier, wo die Menschen wie Tiere handeln, bereitet vor auf diesen Antiochus, der wie ein Tier handelt und gegen die Heiligen Israels vorgeht in der Makkabäerzeit.
Das tägliche Opfer sollte eines Tages eingestellt werden, aber nicht für dreissig Tage, sondern für 1.290 Tage. Nicht dreissig Tage, sondern dreieinhalb Jahre.
Also, wenn man das von dieser Seite her liest, bekommt dieses Kapitel einen ganz neuen Wert.
Also, nach dem Gesetz der Meder und Perser: Davon habe ich schon gesagt, dass der König also dem Gesetz untersteht. Wenn einmal ein Gesetz ratifiziert oder bestätigt worden ist, dann konnte es nicht einmal der König mehr rückgängig machen. Und dieses unaufhebbare Gesetz ist genau das Mittel, um Daniel zu beseitigen.
Ja, übrigens interessant ist das, wenn man die moderne Welt vergleicht: Wenn in der modernen Welt ein neues Gesetz kommt, dann sind das meistens Gesetze, die nicht mehr rückgängig gemacht werden. Oder wurde das Abtreibungsgesetz je wieder rückgängig gemacht, oder ist es je wieder rückgängig gemacht worden? Oder das Schwulengesetz, wenn das mal durch ist, mit schwuler Ehe usw. Wird das wieder rückgängig gemacht werden? Kaum. Also in der Praxis ist es oft so. Das Antidiskriminierungsgesetz wird nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Vers 10: Deshalb ist der König Darius, als die Schrift, und zwar das Verbot, aufgezeichnet war, wahrscheinlich geschmeichelt. Es war bis jetzt noch nie vorgekommen, dass ein König das Beten verbieten darf, natürlich nur für eine begrenzte Zeit von dreissig Tagen. Man soll ja nicht die religiösen Gefühle der Leute überstrapazieren. Nein, aber dreissig Tage genügen, um Daniel einzukreisen beziehungsweise den Löwen vorzuwerfen.
Ja, aber Daniel war auch vorbereitet. Nun, er hatte natürlich mittlerweile siebzig Jahre Schule hinter sich. Geistliche Schule. Aber in Kapitel eins war es eine kleine Sache gewesen, keinen Kompromiss zu schliessen. Hier in Kapitel sechs ist es eine grosse Sache.
Daniels Gebet und die Zuspitzung des Konflikts
Vers 11: Als Daniel erfuhr, dass die Schrift aufgezeichnet war, ging er in sein Haus. Nun hat er zwei Gesetze, die einander widersprechen, oder zwei Schriften: die Schrift der Meder und Perser gegen die Schrift Gottes. Die Schrift der Meder und Perser sagt: Du darfst nicht beten. Die Schrift Gottes sagt: Du sollst beten.
Wenn Menschen irdische Gesetze erlassen, die mit dem Himmlischen kollidieren, dann ist unsere Liebe zu Gott gefragt, unsere Treue zu Gott gefragt. Dann zeigt es sich, ob man den Herrn wirklich von ganzem Herzen liebt und ob man ihm vertraut.
In 1. Samuel 8 stand, dass sie, wenn sie in Gefangenschaft sind, in Richtung Tempel beten sollen. Das macht er jetzt hier. Er betet in Richtung Tempel, in Richtung Jerusalem. Damals hatten sie offene Fenster Richtung Jerusalem, wir haben heute offene Fenster in Richtung Gott, jeden Tag. Und dreimal des Tages, und nicht nur fünf Minuten, hat er gebetet. Dreimal des Tages hat er gebetet, das waren keine Kurzgebete, es war eine ausgedehnte Gebetszeit.
Vers 12: Da liefen jene Männer eilig herbei und fanden Daniel beten und flehen vor seinem Gott. Da nahten sie und sagten vor dem König betreffend des königlichen Verbotes: Hast du nicht ein Verbot aufzeichnen lassen, dass jedermann, der innerhalb von dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbitten würde, außer dir, o König, in die Löwengrube geworfen werden sollte?
Der König antwortete und sagte: Die Sache steht fest nach dem Gesetz der Meder und Perser, das unabänderlich ist. Darauf antworteten sie und sagten vor dem König: Daniel, einer der Weggeführten von Juda, achtet nicht auf dich, König, noch auf das Verbot, das du hast aufzeichnen lassen, sondern er verrichtet dreimal des Tages sein Gebet.
Da wurde der König, als er die Sache hörte, sehr betrübt. Und er sann darauf, Daniel zu retten, und bis zum Untergang der Sonne bemühte er sich, ihn zu befreien. Da liefen jene Männer eilig zum König und sagten zum König: Wisse, König, dass die Meder und Perser ein Gesetz haben, das kein Verbot und keine Verordnung, die der König aufgestellt hat, abgeändert werden darf.
Also das bringt jetzt den König in große Verlegenheit, weil er Daniel liebt. Und er versucht alles Mögliche, aber es gelingt ihm nicht, Daniel zu retten.
Die Löwengrube als Ort des Gerichts und des Glaubens
Für siebzehn dann gab der König Befehl, und man brachte Daniel und warf ihn in die Löwengrube. Tierische Menschen werfen anderen Menschen den Tieren vor, vor die Tiere zum Fressen.
Der König hob an und sagte zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, er möge dich retten. Woher wusste denn der König das? Woher wusste er das? Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der möge dich retten. Wie kommt er auf diese Idee?
Also Daniel war nicht ganz sicher nicht einer, der geschwiegen hat am persischen Hof. Und es waren nicht Jahrzehnte, die Daniel am persischen Hof diente. Das war höchstens ein Jahr, dass Daniel am persischen Hof gedient hatte, denn wir schreiben immer noch das Jahr 539 v. Chr. Das war das erste Jahr der Meder und Perser.
Das heißt, Daniel hatte von Anfang an Farbe bekannt und schon so klar Zeugnis abgelegt, dass der König Bescheid wusste von dem Gott Daniels. Und er wusste auch, dass Daniel ihm ohne Unterlass dient. Also ohne Unterlass heißt beständig, ohne wirkliche Unterbrechung. Das heißt, Daniel verstand seinen Beruf als einen Gottesdienst. Das war nicht zweigeteilt. Das ist eine Sache für die Arbeit, für das Geld arbeiten, das andere Sache, arbeiten wir für den Herrn. Daniel hat sein Leben nicht so verstanden. Daniel hat sein ganzes Leben für den Herrn gearbeitet, und da gehörte der Beruf dazu. Also das ist ganz eindeutig. Es ist auch für uns eine gute Erinnerung, dass wir in unserem Beruf für den Herrn arbeiten.
Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, er möge dich retten. Und ein Stein wurde gebracht und auf die Öffnung der Grube gelegt, und der König versiegelte ihn mit einem Siegelring und mit dem Siegelring seiner Gewaltigen, das heißt seiner Fürsten, damit hinsichtlich Daniels nichts verändert würde.
Darauf ging der König in seinen Palast, und er übernachtete fastend. Also die anderen Fürsten haben also gut dazu geschaut, dass ihr Siegelring auch drauf ist, damit dieses Siegel wirklich nicht gebrochen wird, dass der Daniel da schön brav in der Grube bleiben muss. Der König selber geht in seinen Palast, und er übernachtete fastend. Das heißt, er war traurig, er hat getrauert, Zeichen der Trauer, das Fasten hier. Und er ließ keine Konkubinen zu sich hereinführen. Nun, die Könige hatten ja Weiber in Massen offensichtlich, aber da war ihm gar nicht zumute nach irgendeiner Ablenkung. Und der Schlaf floh von ihm.
Dann stand der König auf beim Morgengrauen, sobald es hell wurde, und ging eilends zur Löwengrube. Wieso eigentlich? Warum geht er zur Löwengrube? Also ohne eine winzige Hoffnung, dass Gott ihn doch hätte retten können, wäre er wahrscheinlich nicht hingegangen. Er muss also doch irgendwie noch ein Fünkchen Hoffnung gehabt haben. Nun ja, wir wissen es nicht.
Und als er sich der Grube nahte, rief er mit trauriger Stimme nach Daniel. Der König hob nun an und sagte zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, vermocht, dich von den Löwen zu retten? So spricht er da hinein in die dunkle Grube zu einem Menschen, von dem er fast zu hundert Prozent glaubt, dass er tot ist, es sei denn, dass es einen Gott gibt, der Wunder tut.
Rettung, Gegenprobe und das Zeugnis des Königs
Da sagte Daniel zum König: König, lebe ewiglich! Mein Gott hat seinen Engel gesandt und hat den Rachen der Löwen verschlossen. Also: Gott hat den Rachen der Löwen verschlossen.
In Hebräer 11,33 steht: „Durch Glauben haben sie der Löwen Mäuler verstopft.“ Also hat Daniel durch Glauben die Mäuler der Löwen verstopft.
Hier lesen wir: Mein Gott hat den Engel gesandt, und er hat den Rachen der Löwen verschlossen. Jetzt frage ich euch: Wer hat jetzt eigentlich das Löwenmaul verstopft, Daniel oder der Engel des Herrn nach Hebräer 11,33?
Hier steht, dass der Engel den Rachen der Löwen verschlossen hat. Wie können wir das harmonisieren?
Ja, genau. Es ist hier zweierlei. Einerseits brauchte es den Glauben Daniels, andererseits brauchte es den Engel des Herrn. Das heißt: Gott handelt aufgrund des Glaubens. Es ist also trotzdem Gott, der handelt. Es sieht aber so aus, als ob der Gläubige durch seinen Glauben das bewirkt. In Wirklichkeit bewirkt es Gott.
Der Gläubige hat zu glauben, zu vertrauen und treu zu sein. Nun, er kann natürlich nur glauben, wenn er weiß, dass er im Willen Gottes steht. Aber Daniel wusste, dass er im Willen Gottes stand. Daniel wusste, dass er einen Platz dort am Königshof in Persien hatte und dass Gott noch etwas mit ihm dort am Königshof in Persien vorhatte.
Und selbst wenn Gott es nicht vorgehabt hätte und wenn Gott gesagt hätte: Nein, jetzt ist dein Leben zu Ende, dann wäre es seine Sache gewesen, dem Herrn zu vertrauen. Und so hat er dem Herrn vertraut, und es war die Sache Gottes, dem Mund der Löwen, das Maul der Löwen, zuzuhalten.
Also ist es auf diese Weise ein Zusammenspiel zwischen dem Glauben des Menschen und dem Wirken Gottes. Es ist immer so in der Bibel. Es ist immer so, dass es zweierlei sind, die zusammengehören: Es ist der Mensch, der glaubt, und es ist Gott, der handelt. Es ist nicht so, dass der Mensch gar nichts tut und Gott immer nur handelt, oder dass der Mensch alles tut und Gott nur zuschaut dabei.
Da freute sich der König sehr, und er befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. Also wird Daniel aus der Grube herausgeholt. Natürlich wurden vorher noch schnell die Verschwörer gebracht, denn sonst dürfte ja das Siegel nicht gebrochen werden. Das heißt, es wird hier nicht erwähnt, dass die Verschwörer gebracht werden mussten, aber wir lesen ja im nächsten Vers, dass sie schon da sind.
Der König gab Befehl, und man brachte jene Männer, die Daniel angezeigt hatten. Und man warf sie in die Löwengrube, sie, ihre Kinder und ihre Frauen. Also sie sind schon da, gerade mit der ganzen Familie, und werden jetzt den Löwen vorgeworfen. Und jetzt kommt praktisch die Probe, die Gegenprobe, ob die Löwen vielleicht schon so viel zu essen bekommen hatten, dass sie gar keinen Hunger hatten. Nein, das hatten sie nicht. Die Gegenprobe beweist, dass sie doch noch Hunger hatten, und zwar genug Hunger.
Manche haben gesagt: Das ist aber brutal, die armen Kinder, was müssen die hier für die Eltern büßen? Nur war das so Sitte. Es war so Sitte, dass immer die ganzen Familien gerade mitgerichtet werden, mit der Sünde der Väter sozusagen. Und außerdem: Wie groß die Kinder waren, wissen wir nicht. Also wie alte Kinder waren, ist nicht gesagt. Es ist nicht gesagt, dass die kleinen Kinder noch dabei waren.
Wichtig ist hier: Was ist die Lektion? Wir lesen in Daniel 12. Hier ist die kleine Geschichte, und wir lesen in Daniel 12 von der großen Geschichte. Hier ist es im kleinen Geschehen, dass er durch den Glauben, weil er glaubte, aus der Grube wieder hervorkommt. Dort in Daniel 12 lesen wir: Weil sie treu waren und dem Herrn glaubten, kommen sie aus der Grube des Todes wieder hervor, und sie stehen auf aus den Toten, und die Feinde werden gerichtet.
Das steht in Daniel 12,2: „Und viele von denen, die in der Staubeserde schlafen, werden erwachen, diese zum ewigen Leben, und jene werden erwachen zu Schmach und Schande, ewiglich.“
Und ehe sie noch auf den Boden der Grube gekommen waren, bemächtigten sich ihrer die Löwen und zermahlten ihre Gebeine.
Das königliche Bekenntnis und der Abschluss der Erzählung
Dann schrieb der König Darius an alle Völker, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten: Friede euch in Fülle!
Von mir wird Befehl gegeben, dass man in der ganzen Herrschaft meines Königreichs bebe und sich fürchte vor dem Gott Daniels. Denn er ist der lebendige Gott und besteht in Ewigkeit. Und sein Königreich wird nie zerstört werden, und seine Herrschaft währt bis ans Ende.
Hier merken wir die gleiche Erkenntnis, die Nebukadnezer hatte. Jetzt bekommt auch Darius diese Erkenntnis: dass Daniel den lebendigen Gott hat und dass er ein ewiges Königreich hat, eine ewige Herrschaft, die nie zu Ende geht. Das hat der persische König hier sehr schnell erkannt, wozu Nebukadnezer so lange Zeit brauchte. Er erkennt es hier in kürzester Zeit.
Vers 28: Der, der rettet und befreit und Zeichen und Wunder tut im Himmel und auf der Erde. Denn er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen gerettet.
Aber dieser Daniel hatte Gedeihen unter der Regierung des Darius, und zwar unter der Regierung Chores des Persers. Also wiederum: Und oder und zwar. Diesen Vers 29 hatten wir ja schon gelesen.
Der größere Zusammenhang von Daniel und Christus
Könnte man noch den Beamer aufschalten? Ich habe ja gesagt: Geschichte im Kleinen und Geschichte im Grossen. Es gibt hier noch einen grösseren Vergleich der Geschichte. Man kann nämlich die Geschichte Daniels anschauen. Schauen wir uns das mal an.
Überlegen wir uns mal: Hier ist ein König, der beabsichtigt, diesen Mann über das ganze Königreich zu setzen, einen Mann, der unschuldig ist und aus Neid in die Grube des Todes kommt, obwohl der Herrscher, der ihre Intrige erkannte, versuchte, ihn zu bewahren.
Ach, wir haben wieder das gleiche Problem wie vorher, sehe ich gerade. Konter! Also nochmals: Der König beabsichtigt, seinen Mann über das ganze Königreich zu setzen, einen Mann, der unschuldig ist, der aber dann aus Neid wegen anderer, aus dem Neid anderer, in die Grube des Todes kommt, obwohl der Herrscher, der ihre böse Intrige erkannte, versuchte, ihn zu bewahren. Ich merke, das ist nicht alles drauf, aber ich kann es nicht besser machen.
Jetzt vergleichen wir das mit dem Herrn Jesus. Ihm gebührt die Herrschaft über alles, er war unschuldig, und er wurde aus Neid dem Tode preisgegeben, obwohl Pilatus, der ihren Neid erkannte, versuchte, ihn freizugeben.
Bei Daniel gab es für den König Darius keine Möglichkeit, ihm diesen Tod zu ersparen, denn das Gesetz der Meder und Perser ist unwiderruflich. Gott hatte bei Christus keine Möglichkeit, ihm diesen Tod zu ersparen, denn das von uns gebrochene göttliche Gesetz ist unauflösbar, ist unwiderruflich.
Bei Daniel kommt er in die Grube. Die Grube wird mit einem Stein verschlossen und mit dem Siegel des Königs versiegelt, aber dann war ein Engel in der Grube. Bei dem Herrn Jesus: Er kommt ins Grab, das Grab wird mit dem Stein verschlossen und mit dem Siegel der Autorität Roms versiegelt, aber danach war ein Engel im Grab.
Bei Daniel sehen wir, dass keine Verletzung an ihm gefunden wird, weil er auf seinen Gott vertraute, Vers 24. Gott hatte ihn erhört. Bei dem Herrn Jesus kommt er unversehrt aus dem Grab. Er wurde wegen seiner Gottesfurcht, um seiner Gottesfurcht willen, erhört, Hebräer 5,7.
Und zum Schluss: Bei Daniel werden die Feinde gerichtet, aber er, Daniel, wird erhöht, und Gottes Name wird verherrlicht. Und bei dem Herrn Jesus wird er erhöht, und die Feinde werden gerichtet, und Gottes Name wird verherrlicht. Also die Parallelen sind auch hier grossartig, parallel zu einer viel grösseren Geschichte als der Löwengeschichte.
Fragen noch zu Daniel 6? Hätte auch keine Chance gehabt, weil das Gesetz der Meder und Perser stand fest. Und die hätten, meine ich, bin ich der Meinung, dass er selber entschieden hat, sie in die Grube zu werfen. Die Verleumder? Ach so, das hat die gut, da müsste man wissen, wie die sonstigen Gesetze für Betrüger waren. Da hat sich ja einer als Betrüger entlarvt. Wahrscheinlich gab es hier auch Todesstrafe für Betrüger, die andere zum Tode bringen oder zum Tode bringen wollen. Ich denke, er hat gesetzlich gehandelt. Also es sind ja Menschen, die ganz vorsätzlich jemand anderem durch Intrige bewusst und wohlüberlegt dem Tode ausliefern wollten. Da war wahrscheinlich Todesstrafe drauf. Das interessiert mich gerade nicht. Wenn er also nicht verhandelt hat, dann gleich die Strafe.
Es könnten ja auch neue Gesetze sein. Ja, ja, aber ich nehme an, dass gerade in so einem Staat wie Medo-Persien, dass die schon Gesetze hatten, erst Todesstrafe sowieso, aber auch Gesetze für Betrüger, also für solche Betrüger, die andere dem Tod ausliefern. Ich weiss nichts, ich bin sehr schlecht in Gesetzen, also da müsste man ... Ich weiss nicht, wo man so etwas überhaupt erfahren könnte, wie das Gesetz der Meder und Perser sonst noch war.
Gut, ja, er hatte Gott vertraut, auch hier. Er hatte Gott vertraut. Also das Vertrauen Daniels wird, Vers 24, das Vertrauen Daniels wird hier stark herausgestellt. Das ist die Logik des Glaubens. Er glaubte, dass Gott einen Auftrag für ihn hat. Also der war nicht so schnell in Panik: Ja, jetzt ist es aus. Nein, der kannte seinen Gott über siebzig Jahre lang und länger wahrscheinlich und wusste, dass Gott hier das verwendet zu seiner Ehre.
Das bringt uns zu Kapitel sieben. Kapitel sieben wird uns eine längere Zeit beschäftigen, weil es ein nicht einfaches Kapitel ist, auch heftig diskutiert, und wir wollen uns ein bisschen Zeit nehmen für dieses Kapitel. Ich muss gerade schauen, wo meine Folien sind, die ich dazu brauche.
Bevor wir das Kapitel angehen, möchte ich hier noch einen Überblick geben über die Zeit. Diese Folie habe ich nicht von mir selber, die hat mir mal jemand vor nicht langer Zeit geschickt, aber sie gefiel mir recht gut: Das Buch Daniel, die Zuordnung von Ereignissen zu Kapiteln. Das heisst hier: Wo sind wir gewesen?
Kapitel 1 hatten wir. Na, vielleicht mache ich es so, dann ist es leichter. Kann ich mit der Maus ein bisschen herumfahren. Kapitel 1 hatten wir. Bitte, das geht nicht, da muss ich umstellen. Das geht nicht. Es geht schon, man muss nur etwas umstellen. Es geht schon so. Das ist halt ein bisschen ... Jetzt geht es, man kann es sehen. Oder also hier: Wir haben hier die Kapitel 2, 3 und 4 sind chronologisch hintereinander. Dann folgt Kapitel 7, also auf Kapitel 4 folgt Kapitel 7, chronologisch. Das heisst, der Traum, den Daniel hat in Kapitel 7, ist vor Kapitel 5. Und der Traum, den er hat in Kapitel 8, ist vor Kapitel 5. Dann kommt Kapitel 5 mit Belsazar, dann kommt Kapitel 9 ganz am Anfang der Regierung des Kyrus, dann kommt Kapitel 6 mit der Löwengrube, also erst nach Kapitel 9, und dann erst kommen Kapitel 10 bis 12.
Und für uns sind jetzt wichtig vier Offenbarungen an Daniel: In Kapitel 7 ein Traum, in Kapitel 8 eine Vision, ein Gesicht heisst es dort, in Kapitel 9 eine Weissagung und in Kapitel 10 bis 12 eine Weissagung. Und es geht jetzt vor allem um diese zwei Träume beziehungsweise Gesichte im ersten Jahr Belsatsas und im dritten Jahr Belsatsas.
Dann noch etwas, eine weitere Vorbemerkung, das können wir jetzt wieder anders verwenden, mal schauen, ob das geht. Wir haben sehr viele Zahlen im Buch Daniel, vor allem sind es die Zahl 7. Nun, ich muss einiges überspringen. Die Zahl 1, das ist jetzt nicht wichtig für uns, das ist die Einheitszahl. Die Zahl 2 ist die Zahl der Teilung, das ist jetzt nicht wichtig.
Aber die Zahl 3, die kommt ja in der ganzen Bibel überall vor, sie ist die Zahl Gottes. Und die Zahl 4 ist die Zahl des Menschen. Die haben wir jetzt in Kapitel 7. Da haben wir vier Tiere, vier Weltreiche, vier Himmelsrichtungen. Die 4 kommt ganz häufig vor in Kapitel 7. In einer Vision sind Zahlen oder Ziffern, muss man eigentlich sagen, oft von grosser Bedeutung. Nicht, dass wir die Ziffern nicht wörtlich nehmen. Wir nehmen die Ziffern wörtlich, aber wir wollen gleichzeitig auch die Bedeutung dieser Ziffern beachten. Also 4 bezieht sich oft auf die Welt, auf die irdische Welt, auf die Gesamtheit der Welt oder auf das Geschöpf, die Schöpfung.
Die 5 ist die Zahl der Verantwortung, zweimal die 5, das ist klar bei der Hand, zweimal die fünf Gebote und so weiter. Die Zahl 6 ist der Mensch, die Zahl des Menschen in seiner Sündhaftigkeit, kommt relativ oft auch vor. Die Zahl 7 kommt jetzt ganz besonders viel vor. In Kapitel 7 und in Kapitel 12 haben wir die geteilte 7, dreieinhalb, die Hälfte von 7. Hier haben wir die Zahl 7 als Fülle und Vollkommenheit. Die Zahl 7 ist zusammengestellt aus der 3 und aus der 4, aber die Zahl 12 ist auch zusammengestellt aus 3 und 4, nur das eine ist plus, also addiert, das andere ist multipliziert. Die Zahl 12 ist auch die Zahl der Fülle, der Vollkommenheit.
8 und 9 lassen wir jetzt aus. 10 ist die Zahl der Vielheit, kommt auch vor in Kapitel 7. 12 ist die Zahl der Vollkommenheit und Vollendung, dreimal die 4 oder viermal die 3. 40 brauchen wir nicht, 12 mal 12 brauchen wir jetzt auch nicht, 1000 ist einfach die grosse Vielheit.
Also für uns ist jetzt wichtig die Zahl 7 und die Zahl 4 und die Zahl 3. Und auch die Zahl 10 kommt hier vor in der Vision, in dem Traumgesicht, in dem Traumgesicht Kapitel 7. Das nur nebenbei, also dass man auch noch einmal ein bisschen achtet, so nebenbei, auf die Zahlen, die in den Visionen vorkommen.
Die vier Tiere und ihre weltgeschichtliche Bedeutung
Also, jetzt sieht er hier vier Tiere aus dem Meer aufsteigen.
Vers 1: Im ersten Jahr Belsazars, des Königs von Babel, schaute Daniel ein Traumbild und Gesichte seines Hauptes auf seinem Bett. Und er schrieb den Traum auf und berichtete die Summe der Sache. Daniel hob an und sprach: Ich schaute in meinem Gesicht in der Nacht, und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das große Meer.
Die vier Winde, die vier, stehen für die Zahl der Welt. Es sind die vier Himmelsrichtungen, diese vier Himmelsrichtungen und Himmelswinde stürmen los auf das Meer. Das Meer ist in der Prophetie oft und oft eine bildhafte Weise für die Völkerwelt. Also: Die großen, die vielen Völker sind wie das Meer. Sie sind aufgewühlt, sie sind unruhig. Die Völkerwelt ist unruhig. Da gibt es Kriege, ein Volk wird vom anderen gejagt, wie der Wind den anderen bläst und so weiter, oder wie der Wind die Wellen bläst. Also, wie gesagt: Völkermeer.
Und da bricht jetzt aus diesem ganzen Sturm heraus: Aus diesem Meer treten jetzt vier Tiere hervor. Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer, ein jedes verschieden vom anderen.
Tiere stehen im Gegensatz zum Menschen. Das sind keine unterentwickelten Menschen, oder der Mensch ist kein überentwickeltes Tier oder fortentwickeltes Tier. Nein, Tiere und Menschen sind ein krasser Gegensatz. Und hier in diesem Kapitel: Wo ist der Mensch? Wo ist der Mensch in Kapitel sieben? Bitte? Nein, der Mensch. Wir haben vier Tiere, aber ein Mensch kommt auch vor. Nein, Daniel ist der, der das sieht. In wo, in Vers? Vier. In Vers vier bekommt eines der Tiere das Herz eines Menschen. Das ist doch sehr bedeutend. Also, eines von diesen Tieren wird ein bisschen menschlich, verliert etwas von seiner Bestialität.
Gibt es noch ein Menschenkapitel? Ja, in Vers 13. Da ist ein Mensch! Jetzt haben wir Vers 13. Zuerst sieht er Tiere, dann sieht er einen Menschen. Vier Tiere und einen Menschen. In Kapitel 2 waren es vier Teile eines Kolosses und ein Stein, der den Koloss zertrümmert. Hier: vier Tiere und ein Mensch, der dem Tierischen ein Ende setzt.
Ein Mensch, das ist ein Intelligenzwesen. Die Tiere stehen für Ohneintelligenz, für Brutalität. Es sind ja nicht nur irgendwelche Tiere, das sind ja brutale Tiere, es sind Panther und Löwen und Bären usw. Aber was die Brutalität betrifft, steht der Mensch nicht auf Platz drei, wie es wirkt, nach den Tieren.
Jetzt komme ich ganz mit.
Zumindest nach der Brutalität gemessen, der Mensch steht ja eben auf Platz drei, nach den Tieren, die zum Volke liegen.
Also nach der Bibel gemessen nicht. In der Bibel ist der Mensch ein Intelligenzwesen, das den Tieren weit überlegen ist. Der krasse Gegensatz der Tiere ist der Mensch, so wie Gott ihn geschaffen hat. Der Mensch kann natürlich ein Tier werden, ohne Gott. Das haben wir ja gesehen, schon im Kapitel 6. Die werden wie Tiere, die handeln wie Tiere, diese Leute.
Vier große Tiere stiegen aus dem Meer, ein jedes verschieden von dem anderen. Diese Tiere schauen nicht auf zu Gott, richten sich nicht nach Gott aus. Damit wird dargestellt, dass diese Königreiche sich nicht nach Gott fragen und die, die sie regieren, die Könige dieser Reiche, nicht nach Gott fragen. Später werden ja die Tiere erklärt. Die Tiere sind Königreiche. Einmal heißt es Könige, aber dann heißt es Königreiche, weil der König ein Reich vertritt. Also jedes Tier steht für ein Königreich. Aber natürlich steht hinter dem Königreich ein Mensch, der das Königreich regiert, das ist klar. Aber diese Menschen sind wie Tiere, sind hier bewusst so dargestellt. Sie sind eben nicht solche, die sich nach Gott ausrichten. Diese Herrscher kennen letztlich keine Moral. Sie anerkennen nicht den absoluten Gott und die absoluten Werte Gottes.
Sie steigen aus dem Meer herauf, aus dem Völkermeer. Wieso komme ich auf Völkermeer? In Jesaja 17,12 heißt es, wenn ich das vorlesen darf: Jesaja 17,12: Wehe dem Getümmel vieler Völker! Wie das Brausen der Meere brausen sie, und dem Rauschen von Völkerschaften wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie. Also: Die Völker in ihrem Brausen sind wie das Meer. Und in der Vision ist das Meer, stellt das Meer die Völkerwelt dar, auch in der Offenbarung gewiss. Die Offenbarung hat hier viele Parallelen. Offenbarung 17,15: Da sagt er: Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, das sind Volksscharen und Volksmengen und Völker und Sprachen. Also die Wasser, wo die Hure sitzt, die Hure Babylon in Offenbarung Kapitel 17, die Wasser sind Völker und Völkerschaften und Sprachen, also viele Völker.
Hier haben wir die Tiere, eigentlich haben wir vier Tiere, so vier. Vier Tiere, das letzte ist kein Elch, das sollte eigentlich ein Zehnhörnertier sein, aber ist nicht so gut gelungen. Was uns auffällt bei den Tieren, ist, dass sie Wappentiere sind. Später in der Geschichte ist man immer wieder darauf zurückgegriffen. Wenn Länder ihre Wappen zeichnen, dann kommen genau die vor: der Löwe, der Bär und der Panther. Und der Adler fehlt jetzt noch. Der Adler wäre jetzt noch der Nächste.
Das erste Tier und die Macht Babylons
Lesen wir einmal, was das jetzt mit diesen Tieren war. Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlerflügel. Ich schaute, bis ihm die Flügel ausgerissen wurden. Und es wurde von der Erde aufgehoben und auf Füße gestellt wie ein Mensch, und es wurde ihm ein Menschenherz gegeben.
Also, was ist am ersten Tier besonders? Der Löwe ist stark. In der Bibel steht der Löwe immer für Stärke. Wofür stehen die Flügel eines Adlers? Bitte? Für Weite? Nein, in der Bibel ist der Adler nicht für die Freiheit, sondern für die Schnelligkeit. Nein, nicht für die Freiheit. Der Adler steht in der Bibel für Schnelligkeit, der Löwe für Stärke, der Adler für Schnelligkeit, der Bär für Festigkeit.
Also, die Stellen dazu, ich hoffe, dass ich sie habe. Vers, ja, ich habe jetzt nur die eine Stelle. Hesekiel 17,3. Das bezieht sich auf einen großen Adler mit großen Flügeln, langen Schwingen, voll buntfarbigem Gefieder. Er kam zum Libanon und nahm den Wipfel einer Zeder.
Ich muss in meinem Computerprogramm suchen. Da heißt es, ich glaube, es ist von Jonathan: schnell wie der Adler, flink wie der Adler. Ich schaue nach. Schneller als Adler. Schneller als Adler, hast du es? 2. Samuel 1,23. 2. Samuel 1,23. 2. Samuel 1,23.
Und der Löwe ist stärker als ein Löwe, das kommt auch irgendwo vor. Kommt auch an der gleichen Stelle. Also: der Löwe steht für Stärke, der Löwe mit Adlersflügeln also für stark und schnell. Bezogen auf Babylon in Hesekiel 17,3: ein großer Adler mit großen Flügeln ist hier auf Babylon bezogen. Vers 12: Sage doch von dem widerspenstigen Hause: Wisst ihr nicht, was das ist? Sage: Der König von Babel ist nach Jerusalem gekommen, hat seinen König und seine Fürsten weggenommen. Und das wird dargestellt wie ein großer Adler mit großen Flügeln, vollem buntfarbigem Gefieder. Er kommt zum Libanon und nahm die Wipfel der Zeder weg. Hesekiel 17,3.
Die Chaldäer, Habakuk 1,8: Sie fliegen herbei wie ein Adler, der zum Fraß eilt. Jeremia 49,22: Die Barbaren Nebukadnezars kommen, wie der Adler zieht er herauf. Auch auf Babylon bezogen. Also Babylon ist oft mit einem Adler verglichen, aber auch mit einem Löwen. Jeremia 49,19: Siehe, er steigt herauf wie ein Löwe, Nebukadnezar. Jeremia 4,7: Ein Löwe steigt herauf aus seinem Dickicht, ein Verderber der Völker, Nebukadnezar.
Also, mehrmals kommt das in der Bibel vor, und allein das würde jetzt nicht genügen, um herauszufinden, wer der Löwe ist. Nur die Vergleiche sind noch zu wenig. Aber wenn wir dann alle anderen Tiere zusammen betrachten und wenn wir das Ganze vergleichen mit Kapitel 2, müssen wir sagen: Dann ist es eine genaue Parallele zu Kapitel 2. Dort war das erste Reich das Reich Nebukadnezars, das babylonische Weltreich. Hier ist der Löwe das babylonische Weltreich.
Ich schaute, bis ihm die Flügel ausgerissen wurden. Also, ohne Flügel kann er natürlich nicht mehr so fliegen und siegreich über die Erde ziehen. Jetzt werden ihm die Flügel ausgerissen. Aber noch mehr: Er wurde von der Erde aufgehoben und auf Füße gestellt wie ein Mensch. Also, jetzt verliert er seine tierischen Züge. Die Adlerzüge und die Löwenzüge verliert er. Er steht jetzt aufrecht wie ein Mensch und wird von einem Tier zu einem Menschen.
Worauf könnte sich das beziehen, wenn wir an Nebukadnezar denken? Auf seine Bekehrung. Er wird vom Tierischen zum Menschen. Zum Schluss seiner Regierung hat er sich bekehrt. Das könnte sein. Also, ich kann nicht hundertprozentig sagen, was das ist, aber das wäre ein Hinweis darauf. Gerade weil hier die einzige Stelle ist, wo noch Mensch vorkommt, außer dem Menschensohn, im krassen Gegensatz zu einem Tier.
Und es wurde von der Erde ... ja, ein Menschenherz wurde ihm gegeben. Und genau das stand ja in Kapitel 4, Vers 30 bis 33. Und da lasen wir in Kapitel 4, Vers 13: Aus dem Menschen wurde ein Tierherz, dem Menschen wurde ein Tierherz gegeben. Und jetzt wird es wieder umgekehrt, jetzt wird dem Tier wieder ein Menschenherz gegeben. Also, das passt hier. Kapitel 4, Vers 13 und dann die Bekehrung, Kapitel 4, Vers 30 und 33, was wir schon gelesen hatten.
Das zweite und dritte Tier als Bild der nachfolgenden Reiche
Also gehen wir zum zweiten Tier, Vers fünf: Und siehe, ein anderes Tier, ein zweites, war gleich einem Bären. Ein Bär ist übrigens wirklich ein starkes Tier. Neben dem Löwen steht er auch für Stärke oder für Festigkeit. Er steht fest am Boden.
Und bei diesem Bären heißt es hier, es war nach einer Seite hin aufgerichtet. Also auf der einen Seite ist er noch am Boden, ist tierisch, auf der anderen Seite bekommt er einen aufrechten Gang, wie bei dem Löwen, der zum Schluss ein Menschenherz bekommt. Was das bedeutet, bin ich mir nicht sicher. Vielleicht ist es auch ein kleiner Hinweis darauf, dass Darius am Schluss endlich den Gott Israels anerkennt und ein bisschen menschlich wird, ich weiß es nicht. Ja, oder es kann etwas anderes bedeuten, dass er aufgerichtet ist, um vielleicht zu rauben.
Und in seinem Maul, zwischen seinen Zähnen, waren drei Rippen. Das ist jetzt klar: drei Rippen. Und man sprach zu ihm: So steh auf, friss viel Fleisch. Also verzehre deine Beute, friss. Dieses Tier nimmt ganz viel zu sich. Dieses Tier, wenn man das vergleicht mit dem Babylonier, das medopersische Reich, das zweite Reich, hat ganz viel gefressen, also ganz viel Ländereien erbeutet.
Wenn ich die Landkarte anschaue, ich glaube, ich habe hier irgendwo die Landkarten: Hier war Babylonien und hier ist Medopersien. Also der riesengroße Unterschied von dem relativ kleinen Babylonien zu dem großen Medo-Persien.
Sind die drei Rippen auch die drei Reiche gewesen, die sich vereinnahmen? Manche Ausleger denken schon. Zum Beispiel meint einer, ich will gerade schauen, ich habe mir das irgendwo notiert: Babylonien, Lydien und Ägypten, also Babylonien im Osten, Lydien im Westen und Ägypten im Süden, wären die drei großen Reiche, die sie eingenommen hatten.
Das zweite Tier, das wäre also dieses Reich. Wenn es parallel ist mit Kapitel 2, dann bleibt uns nur diese Wahl.
Das dritte Reich, das dritte Tier: Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes Tier wie ein Panther. Das dritte Tier ist also raubgierig und schnell. Der Panther ist ja wirklich auch bekannt für seine Schnelligkeit und für seine großen Sprünge. Alexander der Große hat große Sprünge gemacht, schnell, flink. Und die Schnelligkeit wird gesteigert dadurch, dass er vier Vogelflügel auf seinem Rücken hatte, gerade vier. Also noch schneller als der Adler, der hat gerade doppelt so viele Flügel wie der Adler. Das würde sehr passen für Alexander, für sein Reich, die Schnelligkeit, mit der er die Perser überrannt hat.
Die Zahl vier: Wieso gerade vier Flügel? Nun, da denken wir dann an die vier Himmelsrichtungen. Denn Alexander kam vom Westen, aber er ist dann in alle Richtungen, also in den Süden, in den Nordosten. Da gab es also dieses Kleinasien und dann ganz in den Osten hinüber. Das würde auch schon passen: vier Himmelsrichtungen, also das heißt die ganze Welt, die ganze damalige Welt, in alle Richtungen der damaligen Welt, das Reich Alexanders.
Es war 3,2 Millionen Quadratkilometer groß, also so ein Riesenreich. Irgendwo habe ich mir das auch notiert, welche Reiche das umspannte. Ich habe es jetzt nicht hier. Alexanders Reich: Die Größe des Alexanderreiches. Moment, ja, hier. Alexanders Reich umfasste das heutige Griechenland, Makedonien, Albanien, die Türkei, Bulgarien, Ägypten, Libyen, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Zypern, Irak, Iran, Afghanistan, Usbekistan, Pakistan und Teile Indiens. Also ein sehr großes Reich.
Und das Tier hatte vier Köpfe, Kapitel 7, Vers 6. Das Tier hatte vier Köpfe, die wachsen nicht nacheinander hervor, sondern sitzen gleichzeitig nebeneinander auf dem Tier. Manche Ausleger deuten das auf die vier Generäle, aber ich kann mit dem nichts anfangen. Denn es geht nicht um die vier Generäle, dann müssten es ja fünf Köpfe sein. Alexander war der, wenn ein Kopf war, dann Alexander, oder? Es passt irgendwie nicht.
Ich denke, es bedeutet dasselbe wie die vier Flügel, die vier Himmelsrichtungen, das ganze Reich. Vier Köpfe, das schaut in alle Richtungen, in jede Richtung ein Kopf. Also wiederum wird diese Größe des Reiches nach allen vier Himmelsrichtungen unterstrichen. Und ihm wurde Herrschaft gegeben, diesem Tier, diesem Alexander-Tier wurde Herrschaft gegeben. Gott ist es, der es ihm gegeben hat.
Das vierte Tier, die Hörner und das Gericht Gottes
Danach kommt das vierte Tier, Vers 7: Nach diesem schaute ich in den Gesichten der Nacht, und siehe, ein viertes Tier, furchterregend und schrecklich und überaus stark. Es hatte grosse eiserne Zähne. Es frass und zermalmte, und das Übrige zerstampfte es mit seinen Füssen.
Das Tier wird als besonders schrecklich beschrieben. Und wir dürfen nie vergessen: Es ist immer alles aus der Perspektive Israels betrachtet. Für Israel war dieses vierte Tier von furchtbarer Schrecklichkeit. Es war verschieden von allen vorherigen Tieren.
Nach dem Tod Alexanders kam es ja zu diesen Kämpfen. Das Reich, das als stärkstes Reich hervorging, war, wie ich schon gesagt habe, eines von zwei Reichen: das Reich des Königs des Südens und das Reich des Königs des Nordens. In Kapitel 2 hatten wir ein zweigeteiltes Reich, das sich nicht vereinen lässt. Aber eines war schwach und eines war stark, könnt ihr euch erinnern? In Kapitel 2 hiess es, der grösste Teil war stark und ein Teil war schwach. Welcher war der schwächere Teil? König des Südens oder König des Nordens? Der Süden.
Der südliche König war immer der schwächere Teil. Die waren auch immer knapp dran, dass der König des Nordens den Süden eingenommen hat, es ist aber nie wirklich gelungen. Allerdings: Hier haben wir den starken Teil vor uns. Hier wird nur von einem Tier gesprochen, nicht von einem geteilten Tier. Sondern es heisst ein Tier, und das zerstampft und zertritt und zermalmt. Das heisst, es kann nur das seleukidische Reich gemeint sein und nicht das ptolemäische Reich. Wenn noch eines in Frage käme, wäre es das ptolemäische Reich oder alle zusammen. Aber zusammen waren sie ja nicht, sie waren ja immer geteilt. Von daher scheint mir, dass hier wohl nur das nördliche, also das Reich des Königs des Nordens, ins Blickfeld kommt.
Ja, der König des Nordens hat Israel eingenommen. Zuerst war Israel ja unter der Hand der Ptolemäer bis zum Jahr 198, und dann hat der König des Nordens Israel überrannt und Israel weggenommen. Nein, das war 198 vor Christus, wir sind inzwischen weiter in der Geschichte. Nicht das Nordreich Israels, sondern der König des Nordens, die Seleukiden, haben die Israeliten, das Reich Juda hiess es damals, eingenommen und den Ptolemäern weggenommen.
Israel hatte keine Eigenherrschaft. Israel war immer unter der Herrschaft entweder der Griechen, also der Perser, zuerst der Babylonier, dann der Perser. Die Perser haben sie aber heimgeschickt, unter den Persern wurden sie befreit. Dann war Israel frei. Dann kam Alexander der Grosse, hat alles überrannt, aber hat nichts Besonderes mit Israel gemacht. Das war alles einfach unter seiner Herrschaft, da wurde nicht viel gekämpft, das wurde gleich eingenommen.
Aber dann, unter den Nachfolgern Alexanders, kämpften jetzt die Seleukiden, der König des Nordens, gegen den König des Südens. Und genau die Grenze des Reiches war Israel, exakt. Und die erste Zeit war Israel unter der Herrschaft der Ägypter, das heisst der Ptolemäer, bis zum Jahr 198. Vom Jahr 312 bis zum Jahr 198 war Israel ptolemäisch, unter der Herrschaft des Königs des Südens.
Dann hat dieser Antiochus III., der Vater von Antiochus IV., in einem grossen Sieg Israel eingenommen und den Ägyptern weggenommen. Und dann war Israel ab jetzt immer unter der Herrschaft der Seleukiden, also unter der Herrschaft des Königs des Nordens, bis zum Schluss, bis dann die Römer kamen.
Nein! Die Makkabäer haben sich im Freiheitskampf die Freiheit erkämpft, für 80 Jahre. Das war im Jahr 165, 164 hat sich Israel befreit durch die Makkabäer, und dann hatten sie etwa 80 Jahre Ruhe. Da waren sie also selbständig, die Israeliten, diese 80 Jahre, bis dann die Römer kamen und Israel besetzten. Aber in der Zeit vor den Makkabäerkriegen war Israel in der Hand des Königs des Nordens.
Es war verschieden von den vorigen Tieren, und es hatte zehn Hörner. Dieses Tier hatte zehn Hörner. Das ist das Einzige, was gesagt wird. Ja, was ist so schrecklich? Das erfahren wir noch nicht, da müssen wir noch warten. Irgendwas war ziemlich schrecklich bei diesem seleukidischen Tier. Wir kommen dann schon weiter, ihr seht das gleich.
Also hier, das war Alexander der Grosse, und hier haben wir das vierte Reich nach Alexander. Das war zuerst der geteilte Kampf, wer was bekommt, und schlussendlich stellte sich heraus, dass die Seleukiden, hier gelb gezeichnet, den grössten Teil und später dann sogar noch einen grösseren Teil hatten. Das war im Jahre 281. Die Seleukiden waren sehr, sehr weit ausgedehnt. Später hat sich das aber mit der Zeit ein bisschen wieder abgebröckelt, so dass das Reich der Seleukiden ab 164 dann schon langsam wieder zerfiel, bis die Römer kamen und ihnen schlussendlich alles weggenommen hatten. Wir hatten diese Karten schon gesehen.
Hier die zehn Könige. Es hatte zehn Hörner. Hörner sind in Daniel immer Könige. Also wir können nicht sagen, zehn Hörner sind zehn Königreiche. Nein, Hörner sind Könige. Zum Beispiel der Ziegenbock in Kapitel 8 hat ein grosses Horn, das war Alexander der Grosse. Der Widder hatte zwei Hörner, der medische König und der persische König, und die kämpften gegen Alexander. Die haben dann verloren gegen Alexander.
Und aus diesem vierten Tier, das heisst: Ich betrachtete die Hörner, und ich verweilte, und siehe, da stieg zwischen ihnen ein anderes Horn, ein kleines, auf. Und drei von den vorigen Hörnern wurden vor ihm ausgerissen, entwurzelt. Und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen. Diese Menschenaugen sprechen von einem Menschen, also tatsächlich von einem menschlichen Wesen, aber es ist tierisch. Ein Mund, der grosse Dinge redete. Ein Horn hat Augen wie Menschen, das heisst ein intelligentes Horn. Es spricht also irgendwie von einem ganz besonderen Wesen, dieses vierte, dieses zehnte, dieses Horn, das elfte Horn.
Es stehen da zehn Hörner, und dann kam ein kleines Horn, ein elftes Horn, auf. Und drei von den vorigen Hörnern wurden vor ihm ausgerissen. Wer sind die Hörner? Nun, ich darf jetzt ein bisschen vorgreifen. In Vers 23 steht: Ein viertes Königreich wird aufstehen. Es wird die ganze Erde fressen und sie zertreten und sie zermalmen. Und die zehn Hörner, Vers 24, die zehn Hörner, das bedeutet, aus eben diesem Königreich werden zehn Könige aufstehen. Und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen.
Also, worum geht es hier? Nun, wenn wir die Geschichte ein bisschen betrachten, dann schauen wir uns diese Hörner an. Die Hörner sind Herrscher. Zuerst hatten wir diesen Antigonus, der ja dann unterworfen wurde und im Jahr 301 getötet wurde. Übrigens: Die Zahlen stimmen hier nicht, es heisst nicht 301 bis 312, es heisst 312 bis 301, denn es geht ja immer runter, nicht rauf. Das war Antigonus. Er war zwar kein Seleukide, aber er hat dort regiert, wo das seleukidische Reich hinkam.
Seleukius I. war der Begründer des seleukidischen Reiches, 312–280. Antiochus I. Antiochus der Erste. Antiochus der Zweite. Antiochus der Dritte. Das war der erfolgreichste Antiochus, der Dritte, bis 187, der das Reich vergrössert hat. Sein Sohn, Seleukius IV., und sein zweiter Sohn, der eigentlich die Herrschaft gar nicht bekommen hätte dürfen, denn es hätte noch einen Sohn dazwischen gegeben, der hiess Antiochus IV. Und dieser Antiochus IV. ist hier fett gedruckt, weil er uns ganz besonders noch beschäftigen wird.
Er regiert. Bitte? Es sind sogar nur acht, oder? Er ist der Neunte. Der Neunte, ja, wir lesen gerade weiter, ich komme gerade zu den Zehn. Antiochus der Vierte wäre also hier der Neunte. Er demütigte drei von den Zehn. Wer sind die Zehn? Nun, der eigentliche Neunte wäre der Neffe Demetrios gewesen, den hat er kurzerhand nach Rom verbannt. Denn die Römer brauchten immer eine Geisel, weil die Seleukiden den Römern immer Steuern bezahlen mussten. Und die Römer haben gesagt: Okay, ihr bezahlt uns Steuern, aber ihr gebt uns immer eine Geisel. Und wenn irgendjemand aus dem Königshaus muss als Geisel nach Rom. Und wenn der die Steuern nicht bezahlt, bekommt er die Geisel nicht.
Und dann haben sie immer, also die haben dann praktisch Druck gemacht damit. Ja, so musste also einer hin. Und der hat seinen Neffen Demetrios, der wäre in der Reihe der Könige dran gewesen, nach Rom verbannt. Und seinen Bruder Seleukius IV., der vor ihm regierte, den hat er vergiftet, durch einen Mitarbeiter, der hiess Heliodorus. Das heisst, hier sind sich die Geschichtsschreiber nicht einig: Hat er ihn selber vergiftet, oder war das der Heliodorus alleine, der auf eigene Regie den Bruder vergiftet hat? Das weiss man nicht wirklich. Wird man vielleicht auch nie wissen.
Er selber regierte für seinen Vormund und Neffen Antiochus V., denn der wäre auch noch vor ihm gewesen. Antiochus war fünf Jahre alt zu der damaligen Zeit. Und als sein Onkel hat er gesagt: Ich bin jetzt der Vormund von Antiochus, und solange der kleine Antiochus einfach nicht kann, regiere ich für ihn. Später wurde der Antiochus dann ermordet, als er ein bisschen älter wurde und gefährlich für seine Regierung wurde. Da hatte er ihn ermorden lassen.
Das heisst: Wenn das stimmt, dann hätte er die drei, jetzt zählt er mal die anderen, ja, wir haben hier sieben, von Antigonus bis Antiochus III. sind sieben. Dann ist dieser Seleukos der Vierte, den hat er vergiftet. Das war Nummer eins. Denn Demetrios hat er nach Rom geschickt, das war Nummer zwei. Und den Neffen Antiochus, für den hat er regiert und später umgebracht, das war Nummer drei. Dann hätte er also drei, die eigentlich die Regierung vor ihm bekommen hätten oder hatten, auf dem Weg geschafft, also drei gedemütigt. Das würde jedenfalls hier passen.
Er war dann der Achte, weil er Seleukos aus dem Weg geräumt hatte. Also, was man von diesem kleinen Horn hier erfährt, ist, dass es in Vers 8 ist, dass es Menschenaugen hat, intelligent, grosse Dinge redet. Vers 9 steht: Ich schaute, bis Throne hingestellt wurden, also schnell hingestellt. Im Hebräischen heisst es, bis Throne hingeworfen wurden. Das Bild ist hier von einer raschen Gerichtssitzung. Also ein Gericht findet statt, und es liess sich nieder ein Hochbetagter, einer, der schon lange, lange, lange lebt. Das ist niemand anderer als Gott, der Ewige. Der setzt sich nieder, und sein Gewand war weiss wie Schnee, und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle.
Also: Das Gewand weiss wie Schnee bedeutet, seine Kleider sind unbeschmutzt, und sie sind hell, hell, hell. Da gibt es nichts Böses daran. Sein Haar ist wie reine Wolle. Nicht nur, dass er alt ist, sondern auch weiss. Das spricht von Reinheit, Heiligkeit. Also obwohl er ein Richter ist, handelt er in all seinem Richten richtig, nicht böse, nicht ungerecht.
Sein Thron war Feuerflammen, also der Thron besteht aus Feuer. Das Feuer spricht von Gericht. Und dessen Räder loderndes Feuer, also die Räder des Thrones, ein Thron, mit dem man herumfahren kann, das ist ein Bild, genommen aus Hesekiel Kapitel 1, der Thron Gottes.
Dann Vers 10: Es floss ein Feuerstrom, und er ging von ihm aus. Tausend mal Tausende dienten ihm, und zehntausend mal Zehntausende standen vor ihm. Also dieser Richter, der hier richtet, ist umgeben von Tausend mal Tausend und von Zehntausend mal Zehntausend. Das ist ein Ausdruck, der auch in der Offenbarung vorkommt. Er spricht von einer unzählbaren Schar von Engeln, die da als Gerichtsdiener um den Thron stehen.
Das Gericht liess sich nieder, also das Gericht setzt sich, es beginnt also eine Gerichtsverhandlung. Das Personal setzt sich. Und Bücher wurden aufgetan. Das ist wiederum das Nächste: Bei einem Gericht werden ja immer Bücher geöffnet, und dann werden die Taten untersucht, und dann wird ein Urteil gesprochen. Bücher wurden aufgetan heisst jetzt also, die, die gerichtet werden, werden jetzt untersucht, ihre Werke.
Vers 11: Dann schaute ich wegen der Stimme der grossen Worte, die das Horn redete. Ich schaute, bis das Tier getötet und sein Leib zerstört wurde. Also er sieht jetzt einerseits das grosse Horn, da hört er noch die Stimme reden, aber getötet wird das ganze Tier. Nicht nur das Horn wird getötet, sondern das ganze Tier wird zerstört. Dieses grässliche, schreckliche Tier, das so viel Böses gebracht hat. Und das Tier wird dem Brand des Feuers übergeben, das heisst, das Königreich dieses Herrschers wird dem Feuer übergeben, das heisst, es wird vernichtet und damit auch natürlich hingerichtet. Das ist ein Gerichtsspruch.
Was die übrigen Tiere betrifft, also die anderen drei Tiere, von denen ist ja noch nichts gesagt worden, ihre Herrschaft wurde weggenommen. Aber Länge des Lebens wurde ihnen gegeben, also gestattet bis auf Zeit und Stunde. Das heisst, man nimmt den anderen Tieren auch die Herrschaft weg, und sie dürfen so lange leben, wie Gott es erlaubt, und dann sterben sie auch. Das heisst, in der Vision wird es so betrachtet, als ob die Tiere alle durch diese Gerichtsszene gerichtet werden. Es wird nicht gesagt, welches Tier zuerst gerichtet wird, ob der Löwe zuerst oder das Zehnhörnertier zuerst. Einfach: Sie werden gerichtet. Und es wird von Gott bestimmt, wie lange jedes Tier leben darf. Aber sie dürfen eine gewisse Zeit leben, bevor sie dann sterben, bis auf Zeit und Stunde.
Also die Grundaussage ist, ähnlich wie in Kapitel 2: Gott bereitet allen diesen vier Tieren ein Ende, also dem babylonischen, dem medopersischen, dem makedonischen und dem geteilten griechischen beziehungsweise hier dem seleukidischen Reich bereitet Gott ein Ende.
Der Menschensohn und das ewige Reich
Ja, und dann: Ich schaute in den Gesichten der Nacht, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschensohns.
Jetzt kommt der Menschensohn. Und wenn der Herr Jesus nicht so oft davon geredet hätte, dass er der Menschensohn ist, hätten wir vielleicht Schwierigkeiten. Aber weil er dieses Wort so oft in den Mund genommen hat, er ist der Menschensohn, ist es uns leichter, uns klar zu werden: Ah, das spricht ja von dem Messias, von dem Menschensohn.
Ganz bewusst hat er diesen Titel, Sohn des Menschen, für sich beansprucht. Er kannte die Prophetie, und es gab nicht viele Stellen in der Prophetie, die von einem Menschensohn sprechen. Aber diese Stelle war eine ganz wichtige Stelle, und die hat er immer auf sich bezogen.
Also, wir sind schon ziemlich gut, wenn wir richtig tippen, dass der Menschensohn, von dem hier die Rede ist, niemand anderes ist als der Herr Jesus Christus.
Jedenfalls: Er kommt mit den Wolken des Himmels hierher, wird hierher praktisch transportiert, und dann ist er da. Und da kommt er bis zu dem Hochbetagten, also bis zu Gott, wurde vor denselben gebracht, und ihm wurde die Herrschaft und die Herrlichkeit und das Königtum und alle Völker und Völkerschaften gegeben.
Ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker und Völkerschaften und Sprachen dienten ihm. Und seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.
Genau gleich wie in Kapitel 2: Das ist das Reich, das vollkommene ewige Königreich des Messias Jesus Christus. Das heißt, wir haben wirklich Parallelen, ganz viele Parallelen zu Kapitel 2.
Ich muss gerade schauen, ob ich eine habe. Hier habe ich es: Wir haben also die vier Reiche parallel, oder das Haupt und der Löwe, die Brust und der Bär, die Lenden und der Leopard und die Schenkel, also die Füße, Beine, Beine und Füße. Das ist dann das vierte Tier.
Und ich habe hier eine alte Folie, da stand Babylon, Persien, Griechenland und Rom. Aber das stimmt nicht. Babylon, Medopersien, das griechische Alexanderreich und das griechische Seleukidenreich, das sind die vier.
Kapitel 8 ist auch schon dabei, das ist jetzt nur nebenbei: Der Widder kommt dann in Kapitel 8 vor, wird auch auf Medopersien bezogen, und der Ziegenbock mit dem Horn in der Mitte auf Alexander, auf das Reich Alexanders bezogen.
Schlussgedanken und Ausblick auf die nächsten Kapitel
Ja, ich denke, wir müssen hier schließen. Stimmt das, wir haben Zeit?
Für morgen wäre ich froh, wenn ihr euch da ein bisschen einlest. Überlegt euch das. Es ist einfach Zeit des Nachdenkens über Kapitel sieben. Was könnte dazu passen? Oder habt ihr Einwände? Ich wäre auch froh, wenn ihr sagt: Nein, das kann doch gar nicht, das passt doch gar nicht zusammen, es muss etwas anderes bedeuten. Oder wenn euch in dieser Hinsicht Fragen kommen, in Bezug auf Daniel sieben, vergleicht es auch mit Daniel acht. Lest ein bisschen voraus.
Wir werden uns morgen einige Zeit nehmen müssen mit Kapitel sieben, mit Kapitel acht, und wir werden mit Kapitel neun. Ich weiß nicht, ob wir es schaffen, morgen noch Kapitel 9 am Ende. Das wird uns doch viel Zeit kosten. Aber lest euch mal in diese Thematik ein. Sie ist nicht ganz leicht, ich verstehe das. Aber wenn man dem Text gut vertraut ist, dann ist es leichter.
Wollen wir hier schließen? Beten wir noch zum Abschluss.

