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Selbstvertrauen. Alter schützt vor Torheit nicht?

David - Von der Herde zur Herrschaft, Teil 2/2
26.02.2026
SERIE - Teil 2 / 2David - Von der Herde zur Herrschaft
Das 24. Kapitel in 2. Samuel wäre eigentlich überflüssig gewesen. Beim Abgang von der Bühle stolpert David. Und auch wir stolpern bereits über den ersten Vers ... Reden wir über einen der eher verstörenden Abschnitte in der Bibel.

Ein Thema, das in der Öffentlichkeit groß gemacht wird

Jetzt geht es abschliessend um das Thema Selbstvertrauen. Das ist in der Öffentlichkeit ein grosses Thema. An vielen Stellen wird stark betont, dass man auf sich selbst vertrauen muss. Du hast es angesprochen, Raffi: Wo sitzt du da? Im Berufsleben und so wird erwartet, dass man mit einer gewissen Selbstverständlichkeit auftritt.

Eigentlich ist das auch kein Wunder, weil man Menschen immer weniger trauen kann. Es wird uns so viel vorgemacht. Und wenn dann jemand nicht an Gott glaubt, und leider ist das in unserer Gesellschaft der Fall, dass immer weniger davon ausgehen, dass es einen Gott gibt, der uns gemacht hat, einen persönlichen Gott, der uns durch unser Leben begleiten möchte, der uns auch retten möchte, dann vertraut man am besten sich selbst. Da weiss man, was man hat.

Natürlich gibt es auch Leute, die sich selbst etwas vormachen. Das gibt es ebenfalls. Aber wenn man in der Gesellschaft Misstrauen spürt, dann ist Selbstvertrauen natürlich das, was am Ende übrig bleibt.

Jetzt wollen wir uns also ein bisschen mit diesem Thema beschäftigen und wollen das wieder anhand der Geschichte Davids tun, der uns ja jetzt schon seit Sonntag durch die Bibeltage begleitet.

Ein verstörendes Kapitel am Ende einer großen Geschichte

Wir reden heute Abend über eines der eher verstörenden Kapitel in der Bibel. Es gibt ja so manche Aussage, die dich beim Lesen der Bibel in deiner persönlichen stillen Zeit direkt trifft. Manchmal wirst du von einem Gedanken regelrecht durchzuckt, weil er in deine Situation hineinredet. Oder dir ist etwas neu aufgegangen, und es ist dir sofort lieb geworden, als Verheißung oder auch als Aufforderung.

Dann gibt es andere Texte, über die liest man einfach hinweg. Wir wollen ja ehrlich sein: In der stillen Zeit ist es nicht in jedem Moment so, und bei jedem Vers ist es nicht so, dass er uns direkt in unserer Situation anspricht. Manchmal klappst du am Ende die Bibel zu und sagst: Alles klar, fein. Und bei anderen Texten fragst du: Kann das wahr sein? Kann das wahr sein?

Das ist so ein bisschen meine Reaktion auf 2. Samuel 24. Also, wir sind im letzten Kapitel der beiden Samuelbücher, und ich möchte uns aus 2. Samuel 24 zunächst einmal die ersten vier Verse vorlesen. 2. Samuel 24,1.

Und wieder entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und er reizte David gegen sie auf, zu sagen: Geh hin, zähle Israel und Juda.

Da sagte der König zu Joab, dem Heerobersten, der bei ihm war: Zieh doch umher in allen Stämmen Israels, von Dan bis Beerscheba, und ihr sollt das Kriegsvolk mustern, damit ich die Zahl des Volkes kenne.

Joab aber sagte zum König: Der Herr, dein Gott, mag zu deinem Volk, so viele sie auch sein mögen, noch hundertmal mehr hinzufügen, während die Augen meines Herrn, des Königs, es sehen. Aber, mein Herr und König, warum hat er Gefallen an einer solchen Sache?

Doch das Wort des Königs blieb fest gegen Joab und gegen die Obersten des Heeres. So zog Joab und die Obersten des Heeres vor dem König aus, um das Volk Israel zu mustern.

Ein scheinbar überflüssiger Nachtrag

Dieser Bericht ist im Grunde genommen so etwas wie ein Nachtrag zum Leben Davids, des großen, bedeutenden Königs Israels. Zu Beginn des 23. Kapitels richtet David noch einige, ich möchte sagen, freundliche Worte an die Leser der Samuelbücher. Und man denkt sich, wenn man das 23. Kapitel gelesen hat, das wäre ein schöner Abschluss gewesen, dieser bedeutenden Geschichte, die ja mit Samuel angefangen hat und dann die Regentschaft von Saul und dann eben den Höhepunkt: dass David König wurde und ein König war, der tatsächlich nicht nur im Volk hohes Ansehen hat, sondern auch in der neutestamentlichen Gemeinde, weil er einfach ein Mann des Glaubens war, ein Vorbild an vielen Stellen.

So würde man sagen: Das 23. Kapitel ist so eine Art Festschrift, eine Auszeichnung für Davids Lebenswerk, das erfolgreichste Königtum, das es in Israel je gegeben hat. Das kann man, glaube ich, mit Fug und Recht so sagen. Und wie bei einer Dankesrede nach der Preisverleihung werden zum Schluss diejenigen aufgezählt, die ihn unterstützt haben. Zu Davids Unterstützern gehört zum Beispiel Joscheb-Baschebet. Er erledigte mit seinem Speer über achthundert Feinde, so lesen wir in 23,8. Oder Eleasar: Die Männer von Israel hatten sich vor den Philistern zurückgezogen. Und dann heißt es in Vers 10: Da machte er sich auf und schlug auf die Philister ein, bis seine Hand müde wurde und seine Hand am Schwert kleben blieb. So schaffte der Herr an jenem Tag eine große Rettung. Und von Schamma wird eine ähnliche Heldentat berichtet in den Versen 11 und 12.

Große Generäle in der Armee Davids, das waren drei Männer, auf die David stets zählen konnte. Aber es muss ihm kindisch vorgekommen sein, bis drei zu zählen. Und so kommt es, dass er also das gesamte Heer zählen will. Ich möchte sagen, das 24. Kapitel wäre eigentlich überflüssig gewesen. Du hast ja manchmal den Eindruck, in einem Buch, bei einem Film: So, jetzt ist irgendwie das Ende erreicht. Aber wenn dann so ein Anhang kommt, der gar nicht so recht dazu zu passen scheint, dann ist man ein bisschen verwirrt. Und es ist ein verwirrendes Kapitel: Beim Abgang von der Bühne stolpert David.

Stolpern am Ende und die Frage nach Gottes Zorn

Und auch wir stolpern zumindest über den ersten Vers, wenn wir lesen: Und wieder entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und er reizte David gegen sie auf, zu sagen: Geh hin und zähle Israel und Juda.

Das Problem ist nicht die Tatsache, dass Gott zornig werden kann. Das kann man nämlich erklären. Jeder, der liebt, wird manchmal zornig. Und das nicht trotz seiner Liebe, sondern wegen seiner Liebe.

Wenn ich unseren Töchtern sage: Lotte, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nach links und rechts gucken sollst, bevor du über die Straße gehst, und du hast es wieder nicht getan, dann sage ich das ja nicht, weil mir meine Tochter gleichgültig wäre, sondern weil ich sie lieb habe, weil ich nicht will, dass ihr etwas passiert.

Und Gott ist manchmal zornig, und manchmal bringt Gott diesen Zorn auch zum Ausdruck. Wenn wir einen Menschen lieben und sehen, dass ihm etwas oder jemand schaden will oder er sich vielleicht sogar selbst zugrunde richtet, dann werden wir zornig. Dann werden wir nicht mit den Schultern zucken, wie wir das bei irgendwelchen Wildfremden vielleicht tun würden.

Also ist Zorn nicht das Gegenteil von Liebe. Das Gegenteil von Liebe ist Ignoranz, ist Gleichgültigkeit, wenn ich einen stehen lasse, wenn sein Schicksal mir egal ist. Das würde ich sagen, ist das Gegenteil von Liebe.

Nun bedeutet Gottes Zorn nicht, dass er seine Wut trägt. Das ist eine menschliche Eigenschaft, dass wir manchmal ausrasten, dass wir manchmal unkontrolliert etwas aussprechen oder vielleicht sogar Gewalt anwenden. Das ist aber nicht Gottes Art.

Gottes Zorn bedeutet, dass er entschlossen gegen den Krebs vorgeht, der in den Eingeweiden der Menschen wütet, die er liebt. Und wir sind leider alle sehr anfällig für Sünde. Ja, die ganze Welt ist durchsetzt von Sünde, infiziert von dem, was schon im dritten Kapitel der Bibel seinen Anfang genommen hat.

Stolz, Leistung und die Verführung des Selbstvertrauens

Nun können wir die Ursache für Gottes Zorn an dieser Stelle nur vermuten. Im nächsten Satz wird sie hier nicht erklärt. Er wurde zornig und hat David herausgefordert. Weil wir hier aber mit Recht ein wenig spekulieren, bleibt das zunächst offen.

Diese besagten und inzwischen auch betagten Helden, die ich vorhin genannt habe, sind erfolgreich gewesen, erfahren und ehrfurchterregend. Die Boulevardpresse berichtet positiv über sie. Und da sich diese Obersten durchaus ihrer Leistungen bewusst sind, auch ihres Ranges bewusst sind, kann es sein, dass sie sich inzwischen ein wenig etwas darauf einbilden. Denn wer überall abgebildet ist, wird schnell eingebildet.

Ich weiß nicht, ob dir vorhin der jeweilige abschließende Satz bei den Berichten über die drei Helden aufgefallen war. Da heißt es in Vers 10 wie auch in Vers 12: „Der schaffte jeweils eine große Rettung. Der Herr schaffte jeweils eine große Rettung.“ Ich vermute, dass dieser Satz bei ihren Veteranentreffen nicht mehr zitiert wurde. Die haben darüber erzählt, wie es war: „Weißt du noch, wie das Schwert an meiner Hand klebte?“ „Ja, das war unglaublich.“ „Und du hast weitergemacht.“ Und so weiter. Die waren stolz auf das, was sie erreicht hatten.

Und Gott ist zornig, weil sein Volk gerade in der Gefahr steht, auf den denkbar größten Irrtum hereinzufallen. Der größte Irrtum des Menschen ist nämlich: Ich bin stark, ich schaffe das. Und dann hauen wir uns selber auf die Schulter, oder klopfen uns auf die Schulter, wenn es keiner sonst macht. Dann machen wir es eben selbst und sind stolz auf Erreichtes oder auf unsere eigenen Fähigkeiten.

Der Herr sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Der Mensch meint: Ich bin stark. Und es wird ihm eingeredet, ständig: Du musst ja nur mal den Begriff Selbstvertrauen eingeben. Ich habe das vorhin noch einmal gemacht. Gib es mal ein, da wird ja über hier steht zum Beispiel: „Um Selbstvertrauen zu entwickeln, muss er nur das Handy anmachen“, steht es da. Also, aber das habe ich gesucht. Um Selbstvertrauen zu entwickeln, müssen wir uns auf die Erfolge unseres Lebens konzentrieren und die Misserfolge hinter uns lassen. So, das nur einmal als herausgegriffenes Beispiel.

Wenn du also intelligente, vermeintlich intelligente Texte zu Selbstvertrauen suchst, dann wirst du ganz schnell fündig. Aber Gott sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Gott schätzt solche, die ihre Grenzen kennen, die ihre Sünden einsehen und die demütig mit Gott leben, demütig zu Gott kommen, sich ihre Sünden vergeben lassen und als Kinder Gottes nicht selbstbewusst, sondern Christusbewusst ihren Weg gehen.

Vertrauen, das nicht beim eigenen Ich stehenbleibt

Denn du hast ja Recht, das Wort kann man in Selbst und Vertrauen teilen.

Vertrauen ist etwas, das uns die Bibel nahelegt, was sie uns immer wieder empfiehlt und wozu sie uns einlädt. Wir sollen vertrauen, aber nicht uns selbst. Wer Jesus Christus vertraut, der hat das ewige Leben. Der Glaube rettet. Der Glaube an Dinge, die wir nicht sehen, wie der Hebräerbrief sagt. Aber ohne Glauben, ohne Vertrauen, ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Darum schätzt Gott unser Vertrauen in ihn und in das, was sein Sohn Jesus Christus für uns getan hat.

Wir selber sind schwach, weil wir nur Menschen sind, aus Gottes Hand hervorgegangen. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Unser Kriegsvolk, das wir zählen und aufzählen, was wir meinen, dass es vor Gott zählt, sind unsere eigenen Leistungen. Sind wir mal ehrlich: Als Christen sind wir nicht auf manches auch stolz, was unser geistliches Leben betrifft? Ich strenge mich an zu beten. Ich strenge mich an, sonntags morgens immer pünktlich hier zu sein, wenn das Mahl des Herrn gefeiert wird und wir Gottes Wort hören. Andere sagen: Sonntag ist ein Tag für die Familie, ich bleibe liegen und so. Aber ich, ich bin immer mit dabei. Andere sagen, wie sagt man: Der Geist ist willig, das Bett aber warm, dann bleiben sie. Aber ich bin immer da gewesen.

Und dann sind wir manchmal auf solche Leistungen stolz. Ich strenge mich an, Gutes zu tun. Wir sind aufgefordert, Gutes zu tun. Das Thema Gutes tun, gute Werke, kommt in allen Briefen des Neuen Testaments vor. Das will ich ja gar nicht in Abrede stellen. Aber wenn wir auf unsere guten Werke, und jetzt nehmen wir das Gute mal noch in Klammern, wenn wir auf unsere Werke stolz sind, dann werden wir die Dinge falsch. Ich strenge mich an, Sünde zu vermeiden. Auf all solche Leistungen werden wir schnell stolz und bilden uns etwas darauf ein.

Davids Blick zurück und der Verlust des Gottvertrauens

Wovon träumt David? Er träumt von seinen Siegen. Je älter man wird, desto eher schaut man auf das Leben zurück, weil man weiß, dass in der Zukunft nicht mehr so viel zu planen ist. Wir haben ja über Pläne gesprochen, die David hatte, zum Teil umgesetzt, zum Teil hat Gott ihn gehindert. Aber je älter man wird, und so langsam kippt es bei mir ja auch schon, schaut man eben viel auch nach hinten.

Und so denkt er an seine militärischen Erfolge, die er zweifelsohne hatte. Er träumt von seinen Superhelden. Und es ist doch klar, dass man die Nase recht hoch trägt, wenn man an der Spitze der erfolgreichsten Streitmacht der Welt steht: König David, der ausgezeichnete Oberbefehlshaber. Die Zeiten, in denen David sich mit seiner Steinschleuder und fünf Steinen begnügte, sind lange vorbei. Es ist ja viel passiert seitdem, und er hat an Bedeutung gewonnen.

Und so ist aus Davids Gottvertrauen, das uns bei diesem jungen Mann begegnet, der entschlossen dem Philister Goliath gegenüberstand, ein ganzes Stück Selbstvertrauen geworden. Er lebt in materiellem Überfluss, mit militärischer Macht. Und wenn wir wegen unseres Wohlstands unser Gottvertrauen verlieren, dann kann Reichtum teuer werden. Wohlstand und Überfluss können unsere Beziehung zu Gott gefährden.

In Sprüche 30,8-9 lesen wir: Armut und Reichtum gib mir nicht, lass mich das Brot, das ich brauche, genießen, damit ich nicht satt geworden verleugne und sage: Wer ist denn der Herr? Das sind dann noch einige Sprüche, die auf die Sprüche Salomos folgen, am Ende des Buches der Sprüche. Eine weise Aussage, die auch Salomo hätte zu Herzen nehmen sollen.

Lass mich nicht zu viel Reichtum verwalten müssen, denn die Gefahr ist groß, dass ich, satt geworden und damit unabhängig geworden, zumindest anderen Menschen gegenüber unabhängig geworden, verleugne und sage: Wer ist denn der Herr?

Wenn religiöse Leistung das Evangelium verdrängt

Und solche Beispiele haben wir leider zur Genüge unter den Nachfolgern Salomos. Dann beginnt sehr bald die Zeit, in der bei manchem König dieser traurige Satz steht: Er tat, was böse war in den Augen des Herrn.

Und er vertraute auf seinen Reichtum und fragte nicht mehr nach Gott, wenn er gegen irgendwelche Feinde Israels in den Krieg zog. Manche mussten empfindliche Niederlagen erleben, weil ihr Selbstvertrauen größer war als ihr Gottvertrauen oder das Gottvertrauen gar nicht mehr zu finden war.

Aber unsere Reserven sind begrenzt, unsere Kraft ist dürftig. Und trotzdem glauben viele, die Kraft Gottes nicht nötig zu haben. Es ist ein Trauerspiel in unserer Zeitgesellschaft, dass Menschen sich nur noch auf Selbstvertrauen und kaum noch auf Gottvertrauen verlassen.

Manche wollen vielleicht auch mit ihren Werken vorbeugen, falls es doch nicht stimmt, dass der Herr Jesus alles getan hat, dass Jesus ausreicht. Das ist auch so eine religiöse Eigenschaft, die manche auch in unseren Kirchen und Gemeinden aufweisen: dass man also die Werke und das soziale Engagement sehr stark herausstellt, damit man irgendwie doch bei Gott angesehen ist.

So hat mir einmal eine Frau bei uns in Dillenburg-Manderbach, wo ich 16 Jahre gewohnt habe, gesagt. Da hat sie noch nicht einmal von Gott gesprochen, sondern vom Pfarrer. Sie hat gesagt: Der Pfarrer kann mit mir zufrieden sein. Dann ging es eben darum, dass sie so treu immer zum Gottesdienst geht und dass sie auch über ihre natürliche Kirchensteuer hinaus großzügig gegeben hat und so. Und dann sagt sie: Der Pfarrer kann mit mir zufrieden sein.

So reden sich da manche heraus. Das Evangelium tritt da ja total in den Hintergrund. Und wenn du dann eben nicht mehr vertraust, dass Jesus alles gemacht hat, dass er am Kreuz für uns bezahlt hat und wir dem nichts hinzufügen müssen, dann meinst du eben selber, irgendwie etwas religiös leisten zu müssen, damit du am Ende bei Gott gut abschneidest und er dich durchwinkt in den Himmel.

Der Irrtum, sich selbst retten zu wollen

Aber die Einbildung, dass wir uns selbst retten können, oder, um im Bild zu bleiben, dass wir uns wie diese Kriegsleute, die hier gezählt werden sollten, selbst verteidigen könnten und dass uns zahlreiche Truppen zur Verfügung stehen, ist ein ganz dramatischer Irrtum.

Wer glaubt, etwas zu seinem Heil selbst beitragen zu können, der täuscht sich.

In der Evangelisation habe ich manches Mal gesagt: Stellen Sie sich vor, dass Gott auf der einen Seite des Grand Canyon steht und wir als Menschen auf der anderen Seite. Das Flussbett ist ja ein unglaubliches Monument, teilweise sechzehn Kilometer breit und anderthalb Kilometer tief. Das ist schon gewaltig.

Und jetzt steht also Gott auf der einen Seite, wir stehen auf der anderen Seite, und dann versuchen wir hinüberzuspringen, um zu Gott zu kommen. Wer noch diesen Funken Glauben hat, dass es einen Gott geben sollte, und dann darüber nachdenkt, wie es am Ende des Lebens sein wird, ob ich zu Gott kommen werde oder nicht, der versucht eben durch religiöse Anstrengung, eigene Anstrengung, gute Werke und all das, was man vorweisen könnte, aus eigener Kraft hinüberzukommen.

So nach dem Motto: Wir sind ja stark. Nun, einige werden etwas weiter springen als andere. Wenn wir uns alle in eine Reihe aufstellen, Anlauf nehmen und gleichzeitig losspringen, dann würde Mike Powell, der Weltrekordhalter im Weitsprung, als Letzter sterben. Aber wir versuchen es immer wieder. Wir stellen uns auf und springen in den Tod.

Unsere Selbstanstrengung ist eine Sucht. Der Mensch versucht es und versucht es immer wieder. Darum gibt es ja so viele Religionen. Und leider muss man sagen: Das Christentum ist an vielen Stellen auch nichts anderes als eine Religion.

Religion und Evangelium sind wie Feuer und Wasser. Religion dreht sich um mich, um meine Leistungen. Das Evangelium dreht sich um Jesus, um Jesus Christus, der für uns alles getan hat, und wir können dem nichts hinzufügen.

Wir sind angewiesen auf seine Rettung. Darum stellen wir das Evangelium ja oft so dar, dass das Kreuz diese Kluft überbrückt. Es ist natürlich unser Ziel, zu Gott zu kommen, in seine Gegenwart zu kommen, vor ihm zu bestehen, in den Himmel zu kommen und einmal in seiner Gegenwart ewige Seligkeit zu erleben, wo uns unsere Tränen abgewischt werden und wir genau da hinkommen, wo wir hingehören, nämlich in die Nähe Gottes. Aber eben nicht durch uns, sondern durch unseren Herrn Jesus.

Die Botschaft des Evangeliums ist die, dass wir nicht durch unser Tun erlöst werden, sondern durch das, was Christus für uns getan hat, aus lauter Liebe. Er kam als Gott zu uns, um das zu tun, was wir aus uns heraus unmöglich bewältigen können.

Jesus hat einmal sinngemäß gesagt: Ihr müsst erlöst werden, aber nicht durch Religiosität, sondern von eurer Religiosität. Damit hat er natürlich die frommen Pharisäer und andere angesprochen und gemeint, die meinten, eben durch ihre Gesetzeswerke gerettet zu werden.

Davids frühere Gotteserfahrungen und die Möglichkeit des Fallens

David hatte unzählige Großtaten Gottes erlebt und hat diese sehr schön im 22. Kapitel beschrieben. Das 22. Kapitel des Zweiten Samuel ist ein Psalm, der aus 51 Versen besteht. Übrigens ist es Wort für Wort dasselbe Kapitel wie Psalm 18. Das ist also genau der Psalm, den wir auch im Psalm noch einmal finden.

Dort beschreibt er seine Verbindung zu seinem Herrn Jahwe. Er spricht in Vers 2: Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Retter, mein Gott ist mein Hort, bei dem ich Zuflucht suche, mein Schild und das Horn meines Heils, meine hohe Feste und meine Zuflucht, mein Retter vor Gewalttat, rettest du mich?

In Vers 7 heißt es: Schon in meiner Bedrängnis rief ich zum Herrn, ich schrie zu meinem Gott, und er hörte aus seinem Tempel meine Stimme, und mein Schrei drang an seine Ohren. Da wankte und bebte die Erde, die Grundfesten des Himmels erzitterten und wankten, denn er war von Zorn entbrannt.

Hier spricht er auch vom Zorn Gottes, den David aber auf Gottes Seite erlebt hat. Dieser richtete sich gegen die Feinde Gottes und die Feinde des Volkes Gottes. In all diesen Versen beruft er sich auf seinen Herrn und preist seinen Herrn, wie er das in vielen so wunderschönen Liedern alttestamentlicher Zeit, in diesen Psalmen, getan hat.

Aber ein Mann, der solche Psalmen betet, kann trotzdem fallen. Und wenn man manches Lied aus unseren Glaubensliederbüchern auswendig kann und vielleicht schon hundert oder zweihundert oder sogar tausend Mal gesungen hat, sind wir nicht davor gefeit, auch in unserem geistlichen Leben zu stolpern.

Alter und jahrelange Erfahrungen sind keine Garantie dafür, frei von Irrtümern zu sein. So sagt Elihu zu Hiob in Hiob 32,9: Ob einer weise ist, liegt nicht am Alter; was recht ist, weiß man nicht aufgrund der Jahre.

Es wäre ja schön, wenn wir der jungen Generation mitteilen könnten, aus eigener Erfahrung, dass wir automatisch mit dem Älterwerden auch erwachsen würden. Oder zumindest vernünftiger würden, als wir das noch in unseren Jahren der Sturm und Drangzeit gewesen sind. Oder dass wir weniger sündigen würden. Je länger man mit dem Herrn unterwegs ist, desto weniger sündigen wir. Also freue dich schon darauf, dass du mal die 50 erreicht und überschritten hast.

Aber wieder schüttelt da hinten jemand mit grauen Haaren den Kopf und bestätigt: Das ist leider nicht der Fall. Und das ist, wenn wir ehrlich sind, wahrscheinlich für diejenigen, die älter sind, eine traurige Erfahrung.

Ich fürchte, dass wir niemals, solange wir in dieser Welt leben, immun sein werden gegen Stolz und immun sein werden gegen Sünde.

Der Fehltritt des Königs und die erste Einsicht

Der zweite Samuel 24 ist ein tragisches Beispiel dafür. Davids Biografie wird mit einem Fehltritt abgeschlossen.

Joab versucht noch, den Plan im Keim zu ersticken. Habt ihr das in den ersten vier Versen so wahrgenommen? Er ist ja nicht nur Verteidigungsminister, er ist auch der Datenschutzbeauftragte. Und er hat, wie das bei diesen Leuten so ist, allergrößte Bedenken, was das Unternehmen betrifft. Ach, mein Herr König, warum hat er Gefallen an einer solchen Sache? Sprich dir in der dritten Person ein: Warum hat er Gefallen an einer solchen Sache? Das ist Joabs diplomatische Art zu sagen: Lass es. Und seine Frage ist ein weiser Rat, aber David überhört das. Du machst, was ich dir sage, und besteht darauf, dass Joab diese Zählung vornimmt.

Seine Eitelkeit bringt David dazu, unbedingt wissen zu wollen, über wie viel wehrfähige Männer er verfügt. Seine Eitelkeit bringt ihn dazu, oder Gott selbst? Hier steht, dass es Gott war. Und das ist ja das eigentliche Rätsel gleich zu Beginn des Kapitels. In Vers 1 heißt es: Gott reizte ihn, weil er wieder einmal zornig über Israel war. Es entbrannte der Zorn des Herrn gegen Israel, und er reizte David gegen sie auf, zu sagen ...

Nebenbei bemerkt: In 1. Chronik 21, einem Buch, in dem wir ja viele Parallelen zu 1. und 2. Samuel finden, besonders zu 2. Samuel, wird das auch geschildert. Allerdings wird dort nicht gesagt, dass Gott ihn reizte, sondern dass der Satan ihn reizte, diese Volkszählung vorzunehmen. Und dann kommt fast wortwörtlich genau derselbe Text. Es ist also dieselbe Begebenheit. Aber das ist natürlich ein krasser Widerspruch.

Und für Leute, die der Bibel gegenüber kritisch eingestellt sind, ist das eine der Parade-Stellen, wo man sagt: Jetzt schau mal, es gibt krasse Widersprüche in der Bibel. Heißt es erst, Gott hat ihn gereizt, und dann heißt es, der Satan hat ihn gereizt? Ja, was denn jetzt? Wie lösen wir das auf?

Man könnte sagen: Klaus hat eine Solaranlage auf das Dach gebaut. Man könnte aber auch die Firma nennen und sagen, die Firma Solar und Anlage oder wie sie heißt, hat ihm das draufgebaut. Was ist denn richtig? Das ist ein Widerspruch. Hat der Klaus das gemacht oder haben die Leute das gemacht? Na, sie waren beide beteiligt. Da gab es einen Auftraggeber, und da gab es einen Ausführenden.

Hiob als Vergleich und die Souveränität Gottes

Nehmen wir einmal das Beispiel Hiob. Im ersten Kapitel des Buches Hiob wird uns geschildert, wie Satan in die Runde der himmlischen Gestalten tritt, und Gott fragt ihn: Wo kommst du her? Dann kommen sie sofort auf Hiob zu sprechen, und Satan holt sich von Gott die Erlaubnis, ihm alles nehmen zu dürfen. Da wollen wir einmal sehen, ob er dir dann immer noch vertraut.

Und dann tut Satan das auch. Wir wissen ja: Diese Hiobsbotschaften kommen eine nach der anderen, und dieser bedauernswerte Mann verliert alles, einschließlich seiner Gesundheit. Seine eigene Frau rät ihm: Fluche Gott und stirb. Weiter unten kann ein Mensch kaum sein. Satan hat ihm alles genommen.

Aber was sagt Hiob? Er sagt: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gepriesen sei der Name des Herrn. Auch da haben wir den angeblichen Widerspruch innerhalb eines Kapitels, dass Satan ihm alles nimmt. Hiob, ich glaube, er interpretiert es nicht nur so, sondern er sagt die Wahrheit, wenn er sagt: Der Herr hat es genommen. Es geht nichts an Gott vorbei.

Und manchmal lässt Gott tatsächlich, und dafür ist Hiob ja ein dramatisches Beispiel, dem Satan freie Hand und benutzt selbst ihn, um hier und da Gericht zu üben oder Menschen ihre Grenzen zu zeigen. Gott ist Souverän, so dass ihm alles und jeder zur Verfügung steht. Und dennoch ist eben Gott für das, was sich dann hier anbahnt, verantwortlich. Und wir sind ja immer noch nicht fertig mit dem, was uns hier rätselhaft erscheint.

Gott reizt jemanden zu einer Sünde, die am Ende Tausende von Menschenleben fordert. Mit der Eingebung, das Volk zu zählen, treibt Gott Davids Stolz auf die Spitze. Ich vermute, David soll wach werden.

Wenn ein Mensch erst ganz unten ankommt

Bei Missionseinsätzen, und ihr habt ja auch regelmässig den mobilen Treffpunkt bei euch in Gevelsberg, da haben wir es immer wieder mit Drogenabhängigen zu tun gehabt und auch heute noch zu tun. Die gefährdeten Hilfe Kurswechsel ist ja daraus hervorgegangen, dass man sich um solche gekümmert hat, in Wohngemeinschaften, und ihnen die Möglichkeit eines Neustarts gegeben hat. Und manche lassen sich auf so eine Therapie und auf die darauf folgende Zeit der Wiederneuausrichtung auf das Leben ein.

Aber leider kommt es immer wieder vor, dass manche manchmal nur nach ein paar Tagen wieder aufgeben oder nach wenigen Wochen. Das ist etwas, das uns immer wieder auch für die beten lassen sollte, wie Ingo Bernhard und, soweit Martin Homberg da noch mitarbeiteten, andere Mitarbeiter. Ich kann mir vorstellen, dass das jedes Mal eine unglaubliche Enttäuschung und ein grosser Schmerz ist, dass man junge Männer anvertraut bekommt, für sie betet und dann merkst du: Sie haben aufgegeben und sind in ihr altes Leben wieder zurück abgerutscht.

Aber manchmal muss ein Mensch erst ganz unten ankommen, bevor er erkennt, wie krank er eigentlich ist. Manchmal, wenn wir solche kennengelernt haben und das miterleben mussten: Der hat leider nicht lange durchgehalten. Haben wir gesagt: Ihm geht es noch nicht schlecht genug. Das sagt man mit grossem Bedauern, das spricht man nicht leichtfertig aus. Aber leider scheint es manchen noch nicht schlecht genug zu gehen, dass sie merken: Ich muss diese eine Chance, die mir Jesus da bietet und mir diese Leute da zur Verfügung stellt, muss ich ergreifen, sonst ist es mein Ende.

Und wenn wir jetzt wieder auf David kommen: Er war stolz, aber er war scheinbar noch nicht stolz genug. Er scheint es noch nicht bemerkt zu haben. Darum reizt Gott ihn aus Liebe. Gott lässt zu, Gott überlässt und Gott gebraucht.

Joab wird für dieses mühsame Unterfangen zusammen mit einem Trupp von Zählern losgeschickt. Als sie nach neun Monaten und zwanzig Tagen zurückkehren, haben sie das riesige Gebiet von der Hafenstadt Tyrus im Norden bis runter zur Oase Kadesch, weit südlich von Gaza, durchkämmt und 800 israelische und eine halbe Million jüdische Kriegstaugliche statistisch erfasst.

Reue, Gericht und die schwere Folge der Sünde

Nun lesen wir noch einmal die Verse 10 bis 15. Da heißt es also in Vers 10: Aber nachdem David das Volk gezählt hatte, schlug ihm das Herz. Und David sagte zum Herrn: Ich habe sehr gesündigt mit dem, was ich getan habe. Und nun, Herr, lass doch die Schuld deines Knechtes vorübergehen, denn ich habe sehr töricht gehandelt.

Darum nennen wir das die törichte Volkszählung. David gibt es selbst zu.

Und David stand am Morgen auf, und da geschah das Wort des Herrn zum Propheten Gad, dem Seher Davids, wie folgt: Geh hin und rede zu David: So spricht der Herr: Dreierlei lege ich dir vor, wähle dir eins davon, dass ich es dir tue.

Und Gad kam zu David und teilte ihm das mit und sagte ihm: Sollen dir sieben Jahre Hungersnot in deinem Land kommen, oder willst du drei Monate vor deinen Bedrängern fliehen, während sie dir nachjagen? Oder soll drei Tage lang Pest in deinem Land sein? Nun überlege dir und sieh zu, was für eine Antwort ich dem zurückbringen soll, der mich gesandt hat.

Und David sagte zu Gad: Mir ist sehr angst. Lass uns doch in die Hand des Herrn fallen, denn seine Erbarmungen sind groß. Aber in die Hand der Menschen lass mich nicht fallen.

Da gab der Herr die Pest in Israel, von morgen an bis zur bestimmten Zeit, und es starben von dem Volk von Dan bis Beerscheba siebzigtausend Mann.

David merkt, dass er zu weit gegangen war. David merkt, dass er Gott aus dem Auge verloren hat. Nachts kommt er zur Einsicht, denn in Vers 11 haben wir gelesen, dass er am Morgen aufstand.

Es sind manchmal schlaflose Stunden, in denen uns unser Verhalten einen Spiegel vorhält, indem wir erkennen, dass es so nicht weitergeht. Was tust du, wenn du merkst, dass du einen Fehler begangen hast? Ignorierst du das und marschierst dann in die gleiche Richtung weiter? Oder machst du eine Vollbremsung und gibst zu: Ich war im Unrecht?

Und David sagte zum Herrn: Ich habe sehr gesündigt mit dem, was ich getan habe. Das ist wieder der David, den wir kennen: ehrlich, auch als Nathan ihn mit der Sünde mit Bathseba konfrontierte. Es ist genau seine Reaktion: Ich habe gesündigt.

Im selben Vers heißt es, und so konnte Nathan ihm zusagen, so vergibt der Herr dir deine Sünden. Er war schon einsichtig, wenn er gesehen hat, dass er sich verraten hat. Immer wieder kommt er: Ich habe gesündigt mit dem, was ich getan habe.

Und jetzt würden wir auch an dieser Stelle gerne lesen, dass Gott seine Bitte erhört, also dieses Bekenntnis ernst nimmt und das alles wieder wird wie früher. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse, und der Fall ist erledigt. Aber das ist nicht die Wirklichkeit. Das ist hier nicht der Fall.

Gad, ein Prophet, lässt dem König mitteilen, dass die Zählung der Soldaten für David Folgen haben würde. Gad lässt ihn inzwischen drei Konsequenzen wählen, und jede dieser Möglichkeiten ist schrecklich: Entweder sieben Jahre Hungersnot wie in Ostafrika, drei Monate die Kriege verlieren oder drei Tage die Pest am Hals.

David entscheidet sich für die Pest. Seine Begründung ist: Lieber in die Hand des Herrn fallen, seine Erbarmungen sind groß. In die Hand von Menschen will ich nicht fallen.

Eine elende Szene folgt, als David sieht, wie die Sense Gottes im ganzen Land die Leute niedermäht, einer nach dem anderen, beinahe mehr, als er ertragen kann. Die Katastrophe endet vor Jerusalem. Vers 16 heißt es: Da hatte der Herr Mitleid wegen des Unheils, und er sprach zu dem Engel, der unter dem Volk vernichtete: Genug, zieh jetzt deine Hand ab.

Gericht, Verantwortung und die Folgen der Sünde

Ich kann manche Fragen hören: Wie kann Gott so etwas tun? Siebzigtausend Menschen?

Orientale würden eine andere Frage stellen, nämlich: Wie kann Gott anhalten? Wie kann Gott anhalten, wo er es tut, wohlwissend, was uns eigentlich zusteht?

Wir müssen uns in so einem Moment bewusst machen, dass wir keine der Freundlichkeiten Gottes verdient haben, dass wir alle miteinander Sünder sind, dass wir alle miteinander verloren sind. Wenn sündige Menschen wie wir die ganze Konsequenz ihres Tuns tragen müssten, wäre das nicht weniger als die Hölle.

Das Gericht Gottes kann man nicht verleugnen. Auch wenn man gerne Botschaften wie dieses Kapitel, in dem es um das Gericht Gottes geht, um seine Konsequenz geht, um seine Macht geht, oder auch gewisse Kapitel in der Offenbarung oder an vielen anderen Stellen, wo es ums Gericht geht, auch in den Briefen, die Paulus geschrieben hat, verschweigt, verschließen rücksichtsvolle Pastoren so etwas gerne im Giftschrank der liberalen Theologie. Dann wird eben nur noch von einem lieben Gott gesprochen. Aber es gehört zur biblischen Botschaft dazu.

Höllenfeuer lässt sich nicht einfach mit dem Wasser der Moderne löschen. Als das Schwert wieder in die Scheide gesteckt worden ist, gibt es siebzigtausend frische Gräber in Israel, siebzigtausend trauernde Familien, deren Leben eine Narbe davongetragen hat, verursacht von Davids Stolz. Niemand kann sündigen, ohne Wellen zu machen. Sünde hat Auswirkungen.

Wie sensibel wären wir im Blick auf Sünde, wenn wir auch nur eine winzige Ahnung hätten, was die Folgen sind. Wenn wir daran denken, was wir manchmal unbedacht aussprechen, den Schmerz, den ich jemandem zufüge, wenn ich unbedacht, wenn ich abfällig von jemandem rede, beleidigend, dann verschwindet das ja nicht mitten im Bußgebet.

Also sprechen wir von den Folgen der Sünde. Wenn wir Buße tun, wenn wir Sünden bekennen, ist der Treue gerecht, dass er uns die Sünden vergibt. Das ist gar keine Frage. Aber Sünde hat immer Auswirkungen.

Die Enttäuschung, wenn ich jemanden belogen habe, dieser Vertrauensverlust, der verschwindet nicht einfach sofort mit einem Bußgebet. Ich tue Buße, und der andere vertraut mir wieder. Oder die totgeschlagene Zeit: Die bekomme ich nicht ersetzt durch ein Bußgebet. Die Folgen bleiben. Sünde ist niemals ohne Folgen.

Gottes Gerechtigkeit und der Weg zum Opfer

Natürlich sind wir empört, wenn wir das hier lesen. Doch diese Geschichte soll bei uns nicht Ablehnung hervorrufen, sondern Abscheu gegen die Sünde. Wenn uns aufgeht, was Sünde wirklich ist, dann fangen wir an, sie zu hassen wie die Pest.

Und übrigens: Wir, die wir das Wort Gottes ernst nehmen, glauben an einen gerechten Gott. Wenn Gott richtet, macht er keinen Fehler. Davon bin ich überzeugt, und das beruhigt mich so sehr, wenn ich diese Gerichtskapitel in der Bibel lese. Gott macht keine Fehler. In der Offenbarung wird er immer wieder gepriesen für seine Gerechtigkeit. Am Ende wird niemand da sein, der sagt: Da hat Gott ein bisschen übertrieben, er war ein bisschen zu hart oder so. Alle werden einsehen, was Gott tut und was Gott getan hat, ist richtig.

Und weil wir das glauben, dass Gott ein gerechter Gott ist und für Recht sorgen wird, muss ich es nicht sein, der mir oder anderen die Pest an den Hals wünscht. Dann muss ich nicht für Vergeltung sorgen. Die Kraft, auf Gewalt zu verzichten, und wir als Christen sind aufgefordert, das Schwert wegzustecken, das hat Jesus Petrus gesagt: Steck das Schwert weg. Er war gegen jede Art menschlicher Rache und Gewalt. Die Kraft, auf Gewalt zu verzichten, habe ich nur, wenn ich weiß, dass Gott selbst für vollkommene Gerechtigkeit sorgen wird. Das dürfen wir ihm getrost überlassen. Das Gericht ist seine Sache, nicht unsere.

Am Ende wird den siebzigtausend Opfern ein Opfer gegenübergestellt, Vers 18. Und Gad kam zu David an jenem Tag und sagte zu ihm: Geh hinauf, errichte dem Herrn einen Altar auf der Tenne des Jebusiters Rauna, errichte einen Altar. David soll ein Opfer bringen an der Stelle, an der der Todesengel vor Jerusalem sein grausiges Werk beendet hatte, vor Jerusalem. Dort liegt auch der Hügel Golgatha. Welch ein bedeutungsvoller Ort!

Die Konsequenzen unserer Schuld gipfeln auf dem Opfer vor den Toren Jerusalems. Hier starb der Herr Jesus, er, der zu uns gekommen ist, um das zu tun, was wir nicht selbst tun können, der für uns den vollen Preis mit seinem Leben bezahlt hat. Grausam ist die Geschichte von den siebzigtausend. Doch David wusste, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Wie sagte er: Aber in die Hand von Menschen, lass mich nicht fallen. Das ist das Schlimmste, was ich mir denken kann, in die Hände von Menschen zu fallen.

Der Höhepunkt der Heilsgeschichte

Bevor die Heilsgeschichte ihren Höhepunkt erreicht, sagt der Herr Jesus: Es ist genug, die Stunde ist gekommen. Siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. Markus 14.

Das schrecklichste Gericht, das David sich vorstellen konnte, bekam er. Unser Herr trat an unserer Stelle ein. Also nicht geäußert der Richter, der sich zurückzieht und Menschen irgendwie drangsaliert, sondern der Herr Jesus selbst hat sich hineingegeben. Und das, was David nicht wollte, was er nicht tragen konnte, nahm der Jesus auf sich.

Das schrecklichste Gericht traf ihn am Kreuz. Ihm alle Ehre für sein vollbrachtes Opfer für uns.

Am Ende unserer Bibeltage und am Ende des zweiten Buches Samuels stehen wir voller Ehrfurcht an dem Altar, auf dem der Herr Jesus geopfert wurde, und wir sehen ihn, unseren Herrn. Der Herr schaffte eine große Rettung.

Der Abschlusssatz bei diesen Veteranen: Der Herr aber schaffte eine große Rettung. Und diese Rettung war nicht durch Davids Helden zustande gekommen. Und niemals durch menschliche Kraft, sondern durch den Sohn Gottes.