Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 502: Wehe, ihr Gesetzesgelehrten – Teil 2.
Kritik an den Gesetzesgelehrten und ihre Lasten für die Menschen
Nach den Pharisäern wendet sich der Herr Jesus den Gesetzesgelehrten zu, um ihnen zu zeigen, wo sie versagt haben.
In Lukas 11,46 sagt er: „Auch euch, Gesetzesgelehrte, wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr diese Lasten nicht mit einem eurer Finger an.“
Dieses Bild von den Lasten erinnert mich an eine Aussage aus Jesaja. Dort beschreibt der Prophet, wie das Volk in die Gefangenschaft geführt wird und wie man den Lasttieren die Götzenbilder auflädt, unter denen sie zusammenbrechen.
Der Witz dabei ist, dass man genau die Götzen ins Exil mitnimmt, die einen vor der Gefangenschaft nicht retten konnten.
Gottes fürsorgliche Haltung gegenüber seinem Volk
Und dann formuliert Gott selbst in Jesaja 46,3: „Hört auf mich, Haus Jakob, und der ganze Rest des Hauses Israel, die ihr von Mutterleib an mir aufgeladen und von Mutterschoss an von mir getragen worden seid, während die Götzen getragen werden müssen und die Lasttiere in die Knie gezwungen werden.“
Hier beschreibt sich Gott als jemand, der sein Volk trägt.
In Jesaja 46,4 heißt es weiter: „Auch bis in euer Greisenalter bin ich derselbe, und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen. Ich habe es getan, ich werde heben, ich werde tragen und werde retten.“
Merken wir uns das gut: Gott will unser Leben nicht sinnlos belasten. Er will uns tragen und retten.
Diese Haltung muss sich deshalb im geistlichen Dienst von Leitern widerspiegeln. Wir haben das schon an anderer Stelle gelesen, wo Jesus sagt in Matthäus 11,30: „Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Noch einmal: Gott ist keiner, der uns sinnlose Lasten aufbürdet.
Warum Gottes Gebote oft als Last empfunden werden
Aber warum empfinden wir die Gebote Gottes dann oft als schwer und vielleicht sogar als Last? Die Antwort lautet: Weil wir an die Sünde gewöhnt sind.
Wir sind so sehr an die Sünde gewöhnt, dass wir uns an ihre Last gewöhnt haben. Uns geht es mit der Sünde wie den Israeliten mit den Götzen. Diese Götzen konnten nicht retten und waren nur eine Last, dennoch war man an sie gewöhnt.
Genau so kann Sünde zur Gewohnheit werden. Dann ist jede Veränderung erst einmal eine Herausforderung.
Warum haben die Israeliten ihre Götzenbilder mit in die Verbannung genommen? Ganz einfach: Weil wir uns nur sehr langsam von dem trennen, was wir kennen – selbst wenn es uns zerstört.
Der Mensch, der sich an die Last der Sünde gewöhnt hat und ihre destruktive Macht gar nicht mehr wahrnimmt, empfindet Gottes Gebote zunächst als Herausforderung und damit als Last.
Die wahre Natur von Gottes Geboten
Aber was sagt Gottes Wort?
Erster Johannesbrief Kapitel fünf, Vers drei: Denn dies ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer. Das ist die Wahrheit: Seine Gebote sind nicht schwer.
Natürlich sind sie auch für den Gläubigen herausfordernd. Das liegt einfach daran, dass die Gebote Gottes mit meinem Fleisch, der Welt und dem Teufel in Konflikt stehen. Dieser Mix aus Hormonen, Zeitgeist und dämonischen Einflüssen macht es nicht leicht, gehorsam zu leben.
Heiligung ist eine Herausforderung. Aber Vorsicht: Das bedeutet nicht, dass die Gebote Gottes schwer sind. Seine Gebote sind nicht schwer.
Gebote sind keine Last, die Gott uns auflegt, um uns in die Knie zu zwingen. Ganz im Gegenteil: Seine Gebote sind heilig, gerecht und gut. Gottes Gebote wollen befreien, nicht versklaven.
Psalm 119, Vers 45: Und ich werde wandeln in weitem Raum, denn nach deinen Vorschriften habe ich geforscht.
Johannes Kapitel acht, Verse 31 und 32: Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.
Gottes Gebote im Vergleich zur Sünde
Worum geht es mir? Ich möchte betonen, dass Gott uns keine sinnlosen Lasten auferlegt, wenn er uns seine Gebote gibt. Seine Gebote sind nicht schwer. Wirklich schwer ist die Sünde.
Wie die Götzenbilder die Lasttiere erdrücken, so erdrückt die Sünde das Leben eines Menschen. Das Problem ist nur, dass sie dies ganz langsam tut. Wir gewöhnen uns an sie, und etwas in uns findet sie sogar gut. Deshalb merken Menschen oft gar nicht, wie belastend und zerstörerisch die Sünde ist – leider gilt das auch für viele Christen.
Sünde ist in Wirklichkeit sehr kaputtmachend und belastend, ganz anders als die Gebote Gottes. Im Vergleich zur Sünde sind Gottes Gebote leicht. Sie führen in die Freiheit und in die Weite eines Lebens mit Gott – in die Weite eines Lebens mit dem Gott, der uns tragen und retten will.
Jesaja 46,4: „Auch bis in euer Greisenalter bin ich derselbe. Und bis zu eurem grauen Haar werde ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde heben, und ich werde tragen und werde retten.“ Das ist Gott.
Die Verantwortung geistlicher Leiter im Umgang mit Gottes Geboten
Aber wenn Gott wirklich so sein will, dann darf der Dienst eines Gesetzgelehrten nicht darin bestehen, Menschen unnötige Lasten aufzubürden. Geistliche Leiter sollen Gott repräsentieren, nicht ihn karikieren.
Sie sollen Gottes Wesen transparent und erfahrbar machen, nicht verzerren oder ins Gegenteil verkehren. Doch genau das tun die Gesetzesgelehrten. Der Gott, den sie durch ihre Art der Bibelauslegung darstellen, ist ein Erbsenzähler. Er ist kleinlich darauf bedacht, auch die geringsten Aspekte im Leben seiner Geschöpfe zu regeln.
Es ist ein Gott, der Angst vor dem „Fehlermachen“ schürt und den Eindruck vermittelt, dass ich als Mensch sowieso nie genügen werde. Das ist das genaue Gegenteil von „Ich werde heben, ich werde tragen und ich werde retten.“
Vielmehr ist es ein „Ich werde drücken, ich werde belasten und ich werde verurteilen.“ Vorsicht ist geboten, wenn geistliche Leiter für ein solches Gottesbild stehen – und doppelte Vorsicht, wenn sie die Last, die sie anderen auflegen, selbst nicht tragen.
Die Lasten, die Gesetzesgelehrte aufbürden, ohne selbst zu helfen
Lukas 11,46: Er aber sprach: „Auch euch, Gesetzesgelehrte, wehe! Denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.“
Wir wissen nicht ganz genau, worauf Jesus anspielt, wenn er sagt: „Und selbst rührt ihr die Lasten nicht mit einem eurer Finger an.“ Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen Vers auszulegen.
Möglichkeit eins: Jesus spielt darauf an, dass die Gesetzesgelehrten zwar die Gebote Gottes sezieren und immer neue Auslegungen produzieren, dann aber den Menschen nicht dabei helfen, diese Lasten – sprich die praktischen Folgen ihrer Auslegung – zu tragen. Der Punkt wäre dann, dass die Gesetzesgelehrten reine Theoretiker sind, die gar kein Interesse haben, den einfachen Gläubigen bei der Ausübung ihrer Religion zur Seite zu stehen.
Möglichkeit zwei: Da die Auslegungen immer komplizierter werden, wissen am Ende nur die Experten, also die Gesetzesgelehrten, wo bei einem bestimmten Gebot, das man nicht halten will, die Schlupflöcher sind. Ein Beispiel dafür sind die Schwurformeln, von denen einige galten und andere nicht. Es sind also genau die Leute, die sich die Regeln ausdenken, die auch wissen, wie man sie umgeht – sprich, selbst die Lasten nicht anrührt.
Soweit zum ersten Wehe. Es ist ein Wehe über Theoretiker und Schlitzohren, die Gott als kleinlichen Richter und pedantischen Bürokraten präsentieren.
Abschluss und Segenswünsche
Was könntest du jetzt tun?
Denke darüber nach, wie du es empfindest, dass Gott deine Last tragen will. Ist das für dich eine Realität?
Das war's für heute. Hast du eine Lieblingsepisode? Dann leite sie doch weiter.
Der Herr segne dich, lasse seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
