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Lebendige Gemeinde Teil 3/3 - Der Herr ist die Mitte und der Fels

07.10.1997
SerieTeil 3 / 3Lebendige Gemeinde
Wer ist Jesus wirklich? Von dieser Antwort hängt alles ab: Wer ihn als Herrn erkennt, findet erst die richtige Mitte für sein Leben und jede echte Gemeinschaft.

Rückblick auf die bisherigen Grundlinien

Wir haben uns gestern Abend mit dem Charakter derer beschäftigt, denen das Reich der Himmel gehört, und wir haben gesehen, dass diese Charakterzüge auch unsere Charakterzüge sind. Wir haben festgestellt, wie der Herr zunächst alle unsere Erwartungen und unsere menschlichen Normen auf den Kopf stellt.
Als Zweites haben wir gesehen, dass der Herr Unmögliches, Menschenunmögliches, von uns fordert. Der Glaube und die Nachfolge, das Christenleben, sind menschenunmöglich. Das hat der Herr den Jüngern verschiedentlich deutlich gemacht. An einer Stelle fragten sie ihn dann sogar: Ja, wer kann dann errettet werden? Ja, eben niemand. Wer hat denn gesagt, dass Errettung und das Christenleben eine mögliche Sache sei, dass das jemand könne? Was bei Menschen unmöglich ist, ist allein bei Gott möglich. Und so macht der Herr deutlich, dass das Leben als Christ und auch das Zusammenleben in seinem Reich oder, sagen wir, in seiner Versammlung etwas ist, das uns von Natur aus ganz und gar nicht gegeben ist. Es ist nur bei Gott möglich. Also: Der Herr fordert Unmögliches von uns.
Drittens haben wir gesehen, dass der Eingang ins Reich, der uns dann doch anfängt zu interessieren, wenn der Herr den Charakter derer so ausführlich beschrieben hat, die zu seinem Volk gehören oder die unter seiner Herrschaft leben, drücken wir es so allgemein aus, um es auch auf uns anzuwenden, dann interessiert uns doch die Frage: Ja, wie können wir denn eingehen in diese Gemeinschaft, eingehen in den Bereich, wo er regiert, wo er herrscht? Und wir haben gesehen: Der Eingang geschieht durch eine neue Geburt. Und damit machte der Herr uns als Drittes deutlich, dass der Eingang vollständig in seiner Hand ist. Wir hätten gern die Sache in unserer Hand, aber das Neue Testament macht uns deutlich, dass Heil, wir selbst, unser Glaube, unser Leben als Kinder Gottes in Gottes Hand ist.
Nun, das soll uns nicht etwa dazu verleiten zu sagen: Na ja, Schicksal! Man muss sich halt darauf warten, bis irgendetwas geschieht oder nicht geschieht. Im Gegenteil: Weil dem so ist, sagt der Herr: Bittet und suchet und klopft an. Weil alles in Gottes Hand ist, suchen wir alles von ihm und bei ihm. Und das macht uns vollständig abhängig von Gott. Wir haben in dem Zusammenhang festgehalten, und heute Abend werde ich wiederholt darauf zurückkommen, dass dies eine der Grundbedingungen ist für ein gedeihliches Zusammenleben der Christen: dieses Wissen und von diesem Wissen überführt und ergriffen sein, dass wir ohne Gott nichts vermögen, dass er groß ist und wir klein sind.
Und dann haben wir als Viertes gesehen, dass das Prinzip, das leitende Prinzip des Zusammenlebens unter den Seinigen, Gehorsam ist: wie er meine Worte hört und tut. Hören auf sein Wort, um sich seinem Wort zu unterwerfen; man kann dem auch Selbstverleugnung sagen. Sein Wille, nicht mein Wille.
Und wir kommen jetzt zu einem dritten Abschnitt im Matthäusevangelium, Matthäus 16. Das ist ein kürzerer Abschnitt, ich lese ihn gleich vor. Matthäus 16,13-20:
Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Etliche Johannes der Täufer, andere aber Elija und andere wieder Jeremia oder einer der Propheten. Er spricht zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Barjona, denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir, dass du Petrus bist, und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen. Und ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben, und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein. Dann gebot er seinen Jüngern, dass sie niemandem sagten, dass er der Christus sei.
Hier haben wir diesen berühmten Abschnitt mit dem Bekenntnis des Petrus: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, und dann die Antwort des Herrn: Auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen. Hier spricht der Herr das erste Mal offen von seiner Versammlung, die er bauen wird. Wir haben uns so daran gewöhnt, diesen Vers immer wieder zu zitieren, in manchem Zusammenhang, sei es in Auseinandersetzung mit Katholiken, um ihnen deutlich zu machen, dass durchaus nicht Petrus der Fels sei, sondern ein stärkerer und vor allem unbeweglicherer Fels als Petrus gemeint sein müsse, oder um von hier ausgehend den Gedanken der Versammlung zu entfalten. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir gerne übersehen, was denn der Anlass war, der zu dieser Unterredung und zu dieser Aussage des Herrn führte.
Der Anlass war die Frage nach seiner Identität: Wer bin ich eigentlich? Und die Menschen haben mancherlei Ideen über die Identität Jesu von Nazareth. Die einen sagen, er sei ein Prophet; das sagen auch die Muslime. Andere sagen, er sei ein großer Lehrer gewesen in Israel, ein Wanderprediger, ein Wundertäter, ein Esoteriker, der erste Kommunist oder was auch immer. Und dann fragt er: Wer sagt ihr denn, dass ich sei? Und die Antwort des Petrus, in der er die wahre Identität des Herrn erkennt und bekennt, lässt den Herrn so antworten: Du bist Petrus. Zuerst sagte nämlich Simon Barjona, dann sagte er: Du bist Petrus. Und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen.
Das hat also etwas damit zu tun, dass Petrus und die übrigen Jünger erkannten, wer er wirklich ist. Durch die Erkenntnis seiner Identität – das ist das Allererste –, um in die richtige Beziehung zu ihm zu treten. Wie können wir in die richtige Beziehung zu Jesus Christus treten, ohne zu erkennen, wer er ist: der Sohn Gottes? Und daraus folgt all das, was es beinhaltet, wenn er der Sohn Gottes ist, der Christus Gottes, wenn er der Schöpfer ist, der Erlöser ist, der kommende Herrscher ist, Herr und Haupt und Meister. Dann kann das doch nur bedeuten, dass ich mich an ihn binde, mich ihm unterwerfe, ihm gehorche, mich ihm anvertraue, dass er mein Leben wird.
Wir merken, dass der Herr hier das hervorhebt, worauf es bei seiner Versammlung ankommt. Wir haben es schon einmal gehört, ich habe es schon einmal gesagt, mehr als einmal: Was macht denn die Versammlung Gottes aus oder die Versammlung, die Jesus Christus baut? Menschen, die zu ihm in die einzig richtige, einzig angemessene Beziehung getreten sind. Das macht die Gemeinde aus. Er ist der Christus Gottes, er ist der Sohn Gottes, er ist Herr. In der Gemeinde geht es um den Herrn. Er ist der Wichtigste, er ist im Anfang.
Johannes beginnt sein ganzes Evangelium damit, uns zu sagen, dass er im Anfang ist: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Er ist der Schöpfer, alles ist durch ihn entstanden. Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Und dann der Vers 29 in jenem ersten Kapitel: Siehe, das Lamm Gottes! Die Schöpfung, die Erlösung, alles geht von ihm aus. Er ist im Anfang, er ist der Urheber aller Dinge, er ist wahrlich Herr.
Und ihn als den zu erkennen, das ist doch wohl das Grundlegendste, das Höchste, das Wichtigste. Und in dieser Erkenntnis zu wachsen, mit allem, was dazugehört, das ist das Fundament des Zusammenlebens in der Versammlung.

Die Mitte der Gemeinde und die wahre Identität des Herrn

Beachten wir, wie der Herr dem Petrus zunächst sagt: Du bist Simon, bei Jona. Das ist auf unsere Verhältnisse übertragen der Taufname des Simon. Ich weiss, niemand von uns, ich hoffe wenigstens niemand von uns, praktiziert und glaubt an Säuglingstaufe. Aber man sagt nun einmal so: Das ist der Name, der reingeschrieben ist im Taufregister oder der reingeschrieben ist auf dem Standesamt und in der Einwohnerkontrolle oder wie das hier heissen mag.
Der Herr sagt: Du bist Simon, so nannten dich deine Eltern, und du bist der Sohn des Jona, du bist genau der gleiche wie dein Vater. Fleisch ist Fleisch, und was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch. Und nicht, weil du so schlau bist oder so pfiffig bist oder so religiös bist oder so eifrig bist oder irgendetwas, hast du das erkannt. Gott hat es dir geoffenbart.
Die Gemeinde, die auf der Erkenntnis Jesu Christi beruht, ist ein Werk Gottes. Es ist nicht eine menschliche, eine natürliche, eine menschenmögliche Gemeinschaft, die aus Leuten besteht, die von bestimmter Beschaffenheit sind. Es ist ein Werk Gottes. Und darum sagt der Herr gleich als Nächstes diesem gleichen Mann, diesem Simon: Du bist Petrus. Er nennt ihn mit einem neuen Namen, bezeichnet damit die neue Natur dieses Mannes und sagt ihm gleichzeitig: Deine Identität ist fortan daran gebunden, was du hier erkannt hast. Das macht dich zu einem neuen Menschen, dass du mich erkannt hast, wer ich wirklich bin.
Das macht die Gemeinschaft der neuen Menschen aus: die Erkenntnis des Herrn, die rechte Beziehung zu ihm, das ist Gemeinde. „Er muss in allem den Vorrang haben“, sagt Paulus im Kolosserbrief, 1. Korinther 5,3-12, „in allem den Vorrang“. Und Paulus betet einmal für die Epheser, in Epheser 3,17, das ist ein Gebet, das ich lange nicht verstanden habe. Paulus betet für die Empfänger dieses Briefes, für die ephesischen Christen, dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Epheser 3,17. Er betet, dass der Christus, eben der Christus Gottes, den Petrus bekannt hat, durch den Glauben in euren Herzen wohne.
Nun, warum hatte ich Schwierigkeiten mit diesem Vers? Ich dachte: Ja, die Empfänger dieses Briefes sind ja Christen, die haben ja Christus aufgenommen in ihr Herz, so wie wir sagen. Das ist sicher nicht falsch, so zu sagen. Was meint aber Paulus, wenn er so für die ephesischen Christen betet?
Nun, wir haben ein wenig Schwierigkeiten mit diesem Ausdruck, weil das Herz in der Umgangssprache, in der deutschen Umgangssprache, auch in der deutschen Literatur und so auch in den restlichen europäischen Sprachen nicht ganz das bedeutet, was Herz in der Bibel bedeutet. Unter Herz verstehen wir auf Deutsch zum Beispiel Tapferkeit, Mut, auf alle Fälle etwas, das zu tun hat mit unseren Emotionen, vielleicht auch Gefühl. Etwas mit Herz tun heisst mit Gefühl tun, beherzt sein heisst mutig sein. Herz, wir verknüpfen das mit unseren Emotionen. Nun, das hängt mit dem Herzen zusammen, so wie die Bibel von Herz redet. Aber wenn die Bibel Herz sagt, meint die Bibel etwas anderes.
Wir könnten statt Herz sagen: Mitte. Das Herz des Menschen ist die Mitte des Menschen. Und so verwenden wir das Deutsche auch, das Wort ja auch auf Deutsch. Wir sprechen vom Herz einer Sache und meinen dann die Mitte einer Sache. Im Herzen einer Stadt, das heisst in der Mitte einer Stadt. Das Herz des Menschen ist die Mitte des Menschen, der Sitz einer Zuneigung, könnten wir sagen. Wir könnten sagen, das Herz ist die Schaltstelle unserer Persönlichkeit. Das klingt zwar furchtbar technisch, aber vielleicht können wir damit etwas anfangen. Die Schaltstelle unserer Persönlichkeit, da, wo es in unserem Inneren Ja und Nein sagt, das ist das Herz.
Wenn nun Paulus betet, dass der Christus in euren Herzen wohne, dann ist seine Fürbitte die, dass der Christus die Mitte unserer Zuneigungen, unseres Sinnes und Trachtens ausmacht, dass er der wichtigste ist. Dass er den Vorrang hat, dass er in allem bestimmt, das bedeutet es. Und daran hängt wirklich Gemeindeleben, dass er in der Mitte ist, er allein und er konkurrenzlos.
Wir machen es aber meist umgekehrt. Wir haben diese Art an uns, dass wir das Äussere, die Form, die Hülle, die Aktivität, das Programm für wichtiger ansehen. Zwar dem Bekenntnis nach nicht, aber so, wie wir uns verhalten, kommt das immer wieder zum Ausdruck, dass uns das Äussere, der Ablauf der Dinge, das Äussere der Dinge wichtiger ist als das Herz.
Wenn wir an ein Haus denken, woran denken wir zuerst? An die Grösse des Hauses, den Grundriss des Hauses, die Baumaterialien des Hauses, wie dick die Mauern sind, aus was für Steinen, was für Isolationsmaterial, wie viele Zimmer, wie viele Stockwerke, was für ein Keller, was für ein Dach usw. Was ist aber das alles Entscheidende an einem Haus? Die Personen, die darin wohnen.
Gibt es etwas Deprimierenderes als das, was man heute immer wieder sieht? Reiche Leute, junge Leute bauen sich ein schönes, ein prächtiges Haus, und da steht dann: Oh, wie schön ist dieses Haus. Und man geht daran spazieren, am Sonntagnachmittag beim Spaziergang mit der Familie, und ein halbes Jahr später merkt man: Die Fenster, keine Vorhänge mehr, man guckt hinein wie in leere Augen, das Haus ist leer. Die Leute haben sich zerstritten, das Haus ist leer.
Ja, lieber in einer Gemeinschaft der gegenseitigen Achtung und Liebe zueinander in einer Hütte wohnen als in einem Prachtbau, wo man einander nicht mehr liebt, nicht mehr miteinander redet, sich am Ende nicht mehr anschauen mag. Beim Haus Gottes kommt es darauf an, wer im Haus wohnt, auf die Person drin, der Wohn Gottes. Er wohnt in seinem Haus, es geht um ihn. Er ist das Entscheidende, und darum ist unsere Beziehung zu ihm das alles Entscheidende.
Manche denken, es komme bei der Treue als Christen darauf an, dass wir die äusseren Formen der Gemeinde, der Zusammenkünfte beibehalten. Treue hiess also, die Sitzordnung zu bewahren oder den Ablauf der Gottesdienste nicht zu ändern oder das Liederbuch nicht zu ändern oder darüber zu wachen, dass die Frauen schweigen. Nun, das alles hat seinen Stellenwert. Ich will da nicht das Gegenteil sagen. Aber wenn das das Entscheidende wird, dann haben wir sicher etwas vergessen, nämlich das wirklich Entscheidende.
Nun, andere wiederum meinen, das Rezept, um alle Stagnation, die wir empfinden oder empfinden mögen, zu überwinden, sei, alle von den Vätern ererbten und von ihnen gelernten Praktiken und Ansichten über Bord zu werfen. Frauen soll ich nicht mehr bedecken, wir sitzen so, wie wir wollen, neues Liederbuch, schmissige Musik. Und meinen, das sei das Rezept. Und dann haben wir wiederum das Schwergewicht auf das Äussere gelegt.
Es ist nicht das Rezept. Wir können den Herrn nicht täuschen. Es ist sein Haus, und in seinem Haus will er alle unsere Zuneigungen haben. Und es gibt keinen anderen Weg, es gibt keinen anderen Weg zu einer im Sinne Gottes lebendigen Gemeinde.
Leben, ja, was ist denn Leben? Leben kann man definieren, wie ich am ersten Abend sagte, als eine Summe von Beziehungen, deren oberste und alle übrigen begründende die Beziehung zu Gott, zu unserem Herrn ist.
Ich habe hier ein Zitat aus einem Buch von einem Diener Gottes. Er war ein Engländer, der lange Zeit in Nordafrika das Evangelium verkündigt hat, in der Welt des Islam, und dort wirklich darauf angewiesen war, dass er den Beistand des Herrn hatte. Denn mit menschlichen Mitteln und mit menschlicher Schlauheit ist der Macht des Islam nicht beizukommen. Und wie will das Haus Gottes bestehen in solcher Umwelt?
Wir leben ja in einer Umwelt, wo es recht gemütlich ist. Bestenfalls finden die Leute uns ein wenig überspannt oder ein bisschen altmodisch oder doof oder irgendwie so, aber man lässt uns gewähren. Ach, lass diesen Narren! Diese Brüder und diese Schwestern, lasst sie doch! Das ist doch den Leuten ziemlich gleich.
Aber in der Welt des Islam ist ein ungeheurer Druck da. Da spürt man oft den Hass dieses Geistes sogar körperlich. Ich habe das einige Male so erlebt unter Muslimen. Und dieser Mann war wirklich darauf angewiesen, dass die Gläubigen, die da zum Glauben kamen, dass sie es lernten, wirklich ihr Vertrauen auf den Herrn zu setzen und dieses Bewusstsein, diese Überzeugung zu haben und zu leben, dass sie auf den Herrn in der Mitte nicht verzichten konnten. Sie konnten auf manches verzichten: keine prächtigen, rauschenden Gottesdienste, keine grossen Räume, keine vollen Säle, aber den Herrn in der Mitte, den brauchten sie.
Und der Mann, der das erlebte, war so lange in Nordafrika, in Algerien, bis Algerien im Algerienkrieg, wie er heisst, sich von Frankreich unabhängig macht. Dann mussten alle Europäer das Land verlassen. Er ist dann nach Frankreich gezogen und hat die restlichen Jahre seines Lebens in Frankreich verbracht und darum seine Bücher auf Französisch geschrieben. Der Mann heisst Ralph Chalice. Einige von euch kennen ihn sicher, einige Bücher sind auf Deutsch übersetzt worden, von ihm, zwei oder drei.
Ich zitiere hier aus einem Buch, das er schrieb. Das Buch heisst La cellule vivante, l'idée magistrale de Jesu Christ, de Jesu Christ, de l'Eglise, die lebendige Zelle, der Gedanke, der wunderbare Gedanke des Herrn über seine Gemeinde, la cellule vivante. So nennt er dieses Buch, und dort hat er unter anderem folgendes geschrieben:
Jesus Christus gibt uns das Modell seiner Gemeinde in einer Reihe von Reden, welche das Fundament, die Säulen und die Struktur eines rein geistlichen Baues darstellen. Wiewohl dieser rein geistlich ist, ist sie dennoch gerufen, sich auf der Erde gesund zu vermehren, wiewohl sie von allerlei irdischen, menschlichen und satanischen Mächten umgeben ist. Sie ist ein Wunder des Lichts inmitten der Dunkelheit, des Lebens im Angesicht des Todes.
Die Kraft der Gemeinde Christi liegt mithin unmöglich in ihrer Anpassung an die Welt oder an die Systeme, welche diese sich ausgedacht hat, sondern sie liegt vielmehr in einem wesenhaften Unterschied, welcher sie von allem anderen unterscheidet. Das Volk Gottes wird einen Ungläubigen nie zu einem geistlichen Glauben an Christus bringen, wenn es sich nach den Vorbildern der Ungläubigen konstituiert. Das Zeugnis der Jünger Christi wird durch das überzeugt, was sie von allen anderen unterscheidet.
Und jetzt die Frage: Was unterscheidet die Christen oder die christliche Gemeinde von allen anderen Gemeinschaften, die es gibt, religiösen oder politischen oder anderweitigen? Was unterscheidet die christliche Gemeinde von allen anderen? Was ist das wirklich Entscheidende?
Vielleicht, dass die Christen so nette Leute sind. Nun, ich hoffe, dass wir dadurch auffallen, dass wir nette Leute sind und nicht griesgrämig und sauer, sondern freundlich, sanftmütig. Oder ist das Erkennungsmerkmal der Christen das, dass sie gegen Abtreibung sind und Homosexualität verurteilen? Nun, ich hoffe, dass die Christen das verurteilen. Aber ist das das Entscheidende, was den Christen und die christliche Gemeinde auszeichnet? Also eine Summe von Regeln, von Geboten, Verboten, an die sie sich halten? Oder erkennt man die Christen daran, wie sie sich kleiden? Ist das das entscheidende Erkennungsmerkmal?
Nun, ich denke, dass man auch am Äusseren eines Christen es ruhig ansehen darf, und vielfach ist das der Fall, nicht immer. Aber ist das das Entscheidende?
Was das Volk Gottes, die Gemeinde Christi, von jeder anderen Gemeinschaft unterscheidet, ist dies: Christus ist unter ihnen. Die Gegenwart des Herrn unter uns, das ist das absolut Einmalige, was es sonst nirgends gibt. Das, was ich vorhin sagte, das findet man da und dort auch bei anderen Leuten, seien es Katholiken oder einfach irgendwelche Idealisten oder Weltverbesserer oder sonst Individualisten. Aber die Gegenwart des Sohnes Gottes, das kennt nur die Gemeinde des lebendigen Gottes.
Mose hat das sehr gut begriffen. Mose war der Mann, der das Volk Israel aus Ägypten herausführte und der von Gott gelehrt wurde, was denn das Ziel Gottes mit der Erlösung sei. Und es wird umschrieben in 2. Mose 25,8, das Ziel der ganzen Erlösung. Nun, man kann es von verschiedenen Seiten umschreiben, aber hiermit ist, wenn nicht das Entscheidende, so doch eine der entscheidenden Absichten Gottes mit der Erlösung genannt: 2. Mose 25,8. Sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne. Er will unter den Seinen wohnen.
Das hat Gott dem Mose gesagt, als er auf dem Berg war, und dort empfing er von Gott das Muster der Wohnung Gottes. Und während er dieses Muster empfing, hat sich das Volk als für die Gegenwart Gottes vollständig unpassend erwiesen durch ihren Götzendienst. Wie soll Gott unter einem solchen Volk wohnen?
Nun, ich kann auf die Einzelheiten nicht eingehen, aber die Kapitel 32 bis 34 beschreiben uns das, wie Mose sich für dieses Volk verwendet, in der Gegenwart Gottes steht, zu seinem Gott ruft und betet. Und wir sehen, dass er eines begriffen hat, 2. Mose 33,16, was denn das wirklich Einzigartige am Volk Gottes ist. Und wenn das Volk Gottes das nicht mehr hat, oh Gott, dann will ich nicht mehr weiter, dann hat alles keinen Wert mehr, sagt er.
 2. Mose 33,15 und 16: Und er sprach zu ihm: Wenn dein Angesicht nicht mitgeht, so führ uns nicht hinauf von hinnen. Dein Angesicht heisst so viel wie deine Person. Wenn du nicht mitgehst, wenn du nicht in unserer Mitte bist, was sollen wir da noch weitergehen?
Vers 16: Und woran soll denn erkannt werden, dass ich Gnade gefunden habe in deinen Augen, ich und dein Volk, nicht daran, dass du mit uns gehst und wir ausgesondert werden, ich und dein Volk, aus jedem Volk, das auf dem Erdboden ist?
Das ist es, was das Volk Gottes wirklich aussondert und absondert von allem, was in der Welt ist. Hierin liegt wirklich die Substanz der Absonderung, unserer Einmaligkeit, unserer Einzigartigkeit: Christus unter uns. Und darum muss uns das wichtiger sein als alles andere.
Nun, ich rede nicht irgendwelcher Schwärmerei das Wort, als ob wir die Gegenwart Christi irgendwie herbeizaubern oder herbeibeten müssten. Der Herr hat verheissen, er ist in unserer Mitte. Aber meine Frage ist, ob unsere Herzen davon ergriffen sind. Und ob er praktisch irgendwie Auswirkungen hat bei unseren Zusammenkünften und in unserem persönlichen Leben. Dass er wahrhaftig in der Mitte derer ist, der zwei oder drei oder zwanzig oder dreissig oder zweihundert oder dreihundert, die in seinem Namen, in seiner Sache, um seinen Willen zusammenkommen, die ihn suchen, ihn lieben, ihn über alles.
Und das muss uns zum Wichtigsten anliegen werden. Und wenn das nicht an uns, in uns und unter uns geschieht, natürlich sind wir schwach und wir erleben Schwankungen, persönlich auch als Gemeinde. Aber das muss uns vor Augen stehen, darum muss es uns gehen. Dann werden wir es ganz gewiss erleben, dass der Herr sich dann unter uns auch in einer Weise entfalten kann, unser Herzen, unser Denken, unser Trachten und auch unseren Mund füllen kann, in einer Weise, dass durch die Gemeinschaft der Seinigen einfach er selbst gesehen wird, seine Wesenheiten, seine Schönheit, seine Wahrheit, seine Heiligkeit, seine Gnade, seine unbegreifliche Gnade, seine Liebe, dass das gesehen wird.
 Matthäus 18,20, ein Vers, den wir ruhig das Programm der Brüderbewegung nennen können, und dass das das Programm der Brüderbewegung war und eigentlich noch ist, das gereichte der Brüderbewegung zur Ehre. Das zeigt: Hier hat man begriffen, worauf es wirklich ankommt. Zwei oder drei versammelt in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.
Wenn wir den Herrn haben, haben wir alles, wirklich alles. Und dazu ist die Gemeinde da: Wohnstätte zu sein für den Herrn. Wozu ist ein Haus gut, wenn niemand drin wohnt? Wozu ist eine Lampe gut, wenn sie kein Licht gibt? Wozu ist ein Brautgewand gut, wenn die Braut nicht drin ist? Es kommt doch auf die Person an.
Nun, es ist sicher allen so ergangen oder den meisten von euch, die ihr verheiratet seid, so als junger Mann, 20-jähriger, 22-, 25-jähriger Mann, man interessiert sich ja nicht besonders für Kleider der Frau, und mich hat das nicht interessiert. Und so, Hochzeitskleid und so, na ja, wenn man an eine Hochzeit geht, man freut sich für die beiden, die da heiraten, mich hat das nicht gross gerissen, einfach aus dem Grund, weil ich lange hoffte und flehentlich betete, dass der Herr mir Gnade gebe, ledig zu bleiben.
Nun, es kam dann anders. Das ist wirklich so. Es kam anders, ich habe mich dann tatsächlich in ein Mädchen verliebt, sie ist jetzt meine Frau. Und dann habe ich einmal ein Hochzeitsgewand gesehen, das hat mich über die Massen interessiert. Wisst ihr warum? Weil meine Braut drin war. Nur deshalb. Was ist ein Gewand ohne Person drin?
Das erinnert mich an etwas anderes. Ich war 18 Jahre alt, als meine Mutter starb. Ich hatte mit vier meinen Vater verloren, ich habe einen Adoptivvater, das war der zweite Mann meiner Mutter, und die beiden haben sich wirklich geliebt, die hingen aneinander, das muss man sagen. Dann ist meine Mutter gestorben, ich war 18, und mein Vater hat das fast nicht verkraftet. Und dann hat er etwas gemacht: Dann hat er ein Kleid, das sie oft anhatte, immer auf das Bett gelegt, in dem sie geschlafen hat, und das lag immer dort.
Und ich weiss noch, wie das mich befremdet hat. Das hat mich befremdet. Nur das Kleid, es erinnerte zwar an sie, aber sie war nicht da. Und gibt es etwas Traurigeres, etwas Beklemmenderes, ja, etwas Befremdenderes? Also eine Hülle ohne die entsprechende Substanz.
Das Schlimmste, was einer Gemeinde passieren kann, ist das, was der Gemeinde von Laodizea passierte. Der Herr sagt: Ich stehe vor der Tür, vor der Tür einer Gemeinde, die sich christlich nennt, die meint, alles zu haben. Die hatten sicher ein tolles Programm, die hatten sicher viel Betrieb, die hatten vielleicht viel Erkenntnis. Der Herr sagt: Ihr haltet euch für reich, reich geworden, wir haben alles. Und die haben sicher Ursache, so zu denken. Und der Herr sagt: Und doch seid ihr arm, arm, ärmer kann man nicht werden. Ich stehe vor der Tür und klopfe an, der Herr draussen.
Ja, auf die Gegenwart des Herrn kommt es an.

Abhängigkeit von Offenbarung und die Realität des Widerstands

Dann als Nächstes, was wir uns in diesem Zusammenhang merken: Der Herr hat dem Simon Barjona gesagt: Fleisch und Blut haben dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Merken wir, wie das zusammenpasst, vollkommen zusammenpasst.
Der Herr ist wirklich der Wichtigste. Er hat den Vorrang. Es geht um ihn. Es geht nicht um uns, wie gut wir sind, wie schlau wir sind oder was wir wünschen, was wir begehren, was wir gerne hätten. Es geht um den Herrn. Und darum sagt der Herr: Gott hat dir das geoffenbart. Er ist es, der uns alles gibt. Wir vermögen nichts, wir sind nicht groß, wir sind wirklich klein. Einer ist groß in unserer Mitte, nur einer. Einer ist Herr, einer ist Meister, einer ist Gebieter, einer ist Vater über uns. Und wir sind alle klein, wir sind Brüder, wir sind Geschwister. Nur er hat den Vorrang.
Wir sind angewiesen auf Offenbarung. Das heißt, wir sind beständig auf den Herrn angewiesen. Und dann erinnert der Herr im gleichen Atemzug daran, in Vers 18, dass die Pforten des Hades versuchen werden, die Versammlung zu verschlingen. Aber sie werden es nicht vermögen.
Feindschaft. Wir müssen mit Feindschaft rechnen. Und wir sehen, dass die Feindschaft von den verschiedensten Seiten kommt. Als Nächstes sehen wir gleich: Die Feindschaft kommt sogar von denen, die zu diesem Haus gehören. Petrus sagt etwas, was der Herr beurteilen muss als einen Anschlag Satans durch Petrus. Und das bedeutet, dass die Welt, der Geist dieser Welt und auch unser Fleisch gar nicht für das ist, was der Herr will und was er in der Gemeinde tut.
Unser Fleisch ist ganz und gar nicht einverstanden, sich dem Willen Gottes, dem Vorrang des Herrn und seinen Gedanken zu unterwerfen. Es sträubt sich dagegen. Die Welt ist dagegen, der Fürst dieser Welt ist dagegen. Denn die Gemeinde, das, was der Herr in der Gemeinde tut, ist etwas, das der Welt, dem Wesen dieser Welt und unserer Natur, unserem Fleisch, völlig entgegengesetzt ist. Es ist eben ein Wunder Gottes.
Und so dürfen wir uns nicht wundern, dass die Apostelgeschichte und die Lehrbriefe voll sind von Erläuterungen, Beispielen und lehrhaften Aussagen darüber, die genau das bestätigen: Anfeindung. Das Zeugnis wird dann angefeindet werden. Ich meine, es ist gut, dass wir das wissen und dass wir das ganz einfach vor Augen stellen. Es kostet Kampf. Es wird Kampf absetzen, wenn wir gemeinsam das, was der Herr sich und der Gemeinde gedacht hat, ausleben wollen.
Lesen wir zwei, drei Stellen dazu, die das deutlich machen: Philipper 1,27-30.
Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, auf dass, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend bin, ich von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geist, in einer Seele mitkämpft mit dem Glauben des Evangeliums und in nichts euch erschrecken lasst von den Widersachern. Was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils, und das von Gott. Denn euch ist es in Bezug auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, den ihr an mir gesehen und jetzt von mir hört.
Kampf, Widersacher, Anfeindung, allerlei Versuche des Feindes, das, was Gott, was der Sohn Gottes baut, zunichtezumachen, niederzureißen.
Ein Mann, dem ich persönlich sehr viel verdanke, das ist ein Inder, er heißt Buckzing. Er kam in den Zwanzigerjahren zum Glauben, als er als Student in England war. Und als er dann in Indien war, also zurückgekehrt war nach Indien, hatte er seinen Landsleuten überall das Evangelium verkündigt. Es dauerte ziemlich lange, bis er merkte, dass so viele, die unter Tränen Buße getan hatten, wenn er wieder die gleiche Stadt, den gleichen Ort aufsuchte, von vielen keine Spur mehr da war in den Gemeinschaften oder Kirchen, die da bestanden.
Und das wurde ihm eine sehr große Not. Und so begannen einige zusammenzubeten, das Angesicht des Herrn zu suchen und im Wort Gottes zu lesen, was denn hierauf die Antwort sei, auf diesen misslichen Umstand. Und sie wurden durch die Lektüre der Apostelgeschichte in Sonderheit und des Epheserbriefes dazu geführt, dass sie anfangen müssen, die, die zum Glauben gekommen sind, anzuleiten, sich so zu versammeln, wie es das Neue Testament sagt, als Christen zusammenzukommen, als Versammlung.
Und kaum hatten sie das angefangen, die Gläubigen zu taufen und mit denen, die zum Glauben gekommen waren, sich regelmäßig zu versammeln, um Brot zu brechen, den Tod des Herrn zu verkündigen, wurde dieser Mann Buckzing, der während etlicher Jahre in Indien, der in von allen evangelischen protestantischen Denominationen beliebteste Evangelist war, über Nacht der Gehassteste von allen.
Er hat mir einiges so erzählt von Anfeindungen, von Angriffen, von Schwierigkeiten, die dort anfingen, als sie das ausleben wollten, was der Herr und die Gemeinde versteht. Und er hat einmal Folgendes gesagt: Das ist genau so wie dort, wo Mose auf dem Berg war und das Muster empfing für die Wohnung Gottes. Gleichzeitig hat der Satan das Volk angestachelt, sich diesen Götzen zu machen und diesen Götzen anzubeten.
Es gibt einfach Widerstand. Wir müssen einfach damit rechnen. Wir sind unvernünftig, wenn wir nicht damit rechnen. Und so sollen wir uns wappnen dafür. Wir begannen 1978 in Arbon, wo ich wohne, und ich bin dankbar dafür, für diese guten Ratschläge, die ich von diesem indischen Bruder Buckzing gehört hatte, empfangen hatte. Nachdem wir etwa zwei, drei Jahre, nicht einmal, höchstens zwei Jahre dort in Arbon hatten, uns zu versammeln, traf ich ihn einmal. Er war in der Schweiz. Ich habe ihn übersetzt, und da fragte er, also bei seinen Vorträgen übersetzt, da fragte er mich: Wie geht es? Dann fragte er gleich das Nächste: Hast du Anfeindungen? Und dann sage ich: Ja, es war wirklich so. Dann sagt er: Das ist gut so. Wir brauchen das, damit wir demütig bleiben. Wir brauchen das, und es ist normal, es gehört dazu.
Es sind mancherlei Schwierigkeiten in diesen zurückliegenden Jahren gewesen. Nun, wir kennen das alle. Ich sage euch nichts Neues, ihr kennt das. Wir kennen das alle: Schwierigkeiten auch von innen, von einer Seite, wo man es gar nicht erwartet, von innen. Und das Neue Testament redet davon, von nebeneingeschlichenen Brüdern, die da sind, in den Reihen der Brüder sitzen und von innen her und von unten her das Werk angreifen und niederzureißen suchen, oft ohne dass sie wissen, was sie tun, nicht einmal mit böser Absicht.
Und so redet das Neue Testament an verschiedenen Stellen von falschen Brüdern, von solchen, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten. Römer 16,17: Ich ermahne euch, Brüder, dass ihr Acht habt auf die, welche Zwiespalt und Ärgernis anrichten gegen die Lehre, die ihr gelernt habt, und wendet euch von ihnen ab. Oder Galater 2 spricht von falschen Brüdern, Galater 2,4: Es war aber der nebeneingeführten falschen Brüder wegen, die nebeneingekommen waren. Oder der Judasbrief im vierten Vers: Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon vorlängst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren.
Paulus hat in der Abschiedsrede an die Epheserältesten sie darauf vorbereitet, Apostelgeschichte 20,29: Denn ich weiß dieses, dass nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen, und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden und die Jünger abzuziehen hinter sich her.
Anfeindungen werden da sein. Und Petrus sagt, dass wir, wenn wir damit rechnen, wenn wir diese Gesinnung haben, dass es durch Kampf und durch Leiden gehen wird, dann ist das wie eine Waffe. Dann sind wir gewappnet. Dann wirft uns das nicht um, wenn es kommt, dass wir plötzlich ratlos und sprachlos dastehen und ganz verwirrt sind und denken: Was passiert denn jetzt? Das dürfte doch gar nicht passieren, das dürfte es doch gar nicht geben. Doch, es gehört dazu.
 1. Petrus 4,1: Da nun Christus für uns im Fleische gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn. Hier geht es zwar um den Einzelnen, aber das Prinzip gilt auch für das Anliegen, das uns jetzt beschäftigt, nämlich das Zusammenleben und das gemeinsame Erbauen und Aufbauen der Gemeinde. Es gibt Kampf. Waffnet euch mit demselben Sinn. Das ist eine Waffe.
Wenn wir von vornherein damit rechnen, dass es so kommt, dann ist das wie bei Churchill, als er Premierminister wurde, endlich im Sommer 1940. Etliche Jahre zu spät, wahrscheinlich der einzige Politiker in ganz England, der Hitler von Anfang an überhaupt nicht traute und ihm nicht einen Millimeter nachgegeben hätte. Als er endlich Prime Minister wurde, im Sommer 1940, nach dem Debakel des Frankreichfeldzuges und für England von Dünkirchen, hielt er seine berühmte Antrittsrede als Prime Minister und Kriegsminister und hat dem britischen Volk gesagt: Ich habe euch nichts anderes zu bieten als Notschwierigkeiten, Blood, Sweat, Toil and Tears, Blut, Schweiß, Mühsal und Tränen, nichts anderes.
Aber damit hat er genau das Richtige getan, um die ganze Nation zu wappnen für diesen gemeinsamen Abwehrkampf gegen einen zur Zeit übermächtigen Feind, der schon halb Europa erobert hatte. Die wichtigsten Verbündeten Englands, Frankreich, war besiegt, und der zweite mögliche Verbündete war mit Deutschland verbündet, die Sowjetunion. Es sah ganz düster aus für England. Und da wäre es das Schlimmste gewesen zu sagen: Na ja, nein. Er hat gesagt: Es gibt nichts anderes als Kämpfen. Wir werden bluten müssen, wir werden leiden müssen, es wird Tränen geben, es wird furchtbare Not geben, aber einen anderen Weg gibt es nicht.
Und so konnte er das Volk wirklich mobilisieren mit seinem berühmten Aufruf: We shall fight on our beaches, we shall fight on our hills, we shall fight on our towns, we shall fight in our cities, we shall never surrender. Das war sein Wort. Wir werden kämpfen an unseren Stränden, wir werden kämpfen auf unseren Hügeln, kämpfen in unseren Städten, wir werden uns nie ergeben.
Ja, und wenn man damit rechnet, dass es so kommt, dann geht man ganz anders auch an die Aufgabe heran. Und so hat der Herr uns einfach gesagt: Ein furchtbarer Feind ist da, der will uns zerzausen und, nachdem er uns zerzaust hat, niedertreten. Und nachdem er uns niedergetreten hat, will er uns zur Verzweiflung bringen. Er wird alles daran setzen, dass wir nicht mehr können und am Ende nicht mehr wollen.
Aber wir haben ja den Herrn in unserer Mitte, und so brauchen wir nicht mutlos werden. Es ist seine Sache, sein Haus, sein Volk, seine Gemeinde. Und so wollen wir uns ermuntern lassen, dass der Herr doch dessen Gedanken da sind, dass der Herr doch die Macht hat, die Weisheit hat und auch die Gnade hat, unsere Herzen auf das zu lenken, was er will, und unsere Herzen darin zu befestigen. Und wir wollen dem Herrn vertrauen, dass er sein Werk und seine Sache auch unter uns beleben und lebendig erhalten kann.