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Die Beschneidung des Christus

Jesu Leben und Lehre, Teil 47/696
28.06.2021Lukas 2,21
SERIE - Teil 47 / 696Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Bedeutung der Beschneidung bei Jesus

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 47: Die Beschneidung des Christus.

Wir waren gestern bei Lukas 2,21 stehen geblieben. Dort heißt es: „Und als acht Tage vollendet waren, dass man ihn beschneiden sollte, da wurde sein Name Jesus genannt, der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Mutterleib empfangen wurde.“

Jesus ist ein typischer jüdischer kleiner Junge. Deshalb wird er am achten Tag beschnitten. Wir wissen bereits, dass die Beschneidung ein Bundeszeichen ist. Sie gehörte zum Bund Gottes mit Abraham und war ein Symbol, das später in den mosaischen Bund übernommen wurde.

Außerdem wird das Bild der Beschneidung auf unser Herz übertragen. So wie ein Israelit nur Teil von Gottes irdischem Volk werden konnte, wenn er sich beschneiden ließ, muss auch bei jedem Menschen die Vorhaut des Herzens entfernt werden, um Teil von Gottes geistlichem Volk, dem wahren Israel, zu werden.

Wir müssen damit aufhören, Gott zu missachten. Stattdessen müssen wir uns vor ihm beugen und in ihm – wie Moses formuliert – den Gott der Götter, den Herrn der Herren, den großen, mächtigen und furchtbaren Gott erkennen.

Wenn wir ihn erkannt haben, müssen wir ihn folgerichtig als alleinige Nummer eins in unserem Leben anerkennen. Das ist also unser Beitrag zur Beschneidung des Herzens. Und es ist die Voraussetzung dafür, dass ein Mensch Teil von Gottes geistlichem Volk, der Gemeinde, werden kann.

Die Frage der Beschneidung für Christen und die Antwort der Schrift

Die Frage, ob wir uns als Gläubige auch beschneiden lassen sollten, stellt sich immer wieder. Dabei geht es nicht um hygienische Gründe oder darum, die Missionstätigkeit unter Juden oder Moslems zu erleichtern. Vielmehr lautet die Frage: Sollten Christen sich beschneiden lassen, weil Gott das so wünscht? Die Antwort darauf ist Nein.

Warum ist das so? Erstens hat Jesus andere Bundeszeichen eingesetzt. Besonders wichtig ist hier das Abendmahl. Zweitens hat der Herr Jesus die Beschneidung, wie auch alle anderen kultischen Gebote, erfüllt. Deshalb verlangt Jesus von seinen Jüngern nirgends, dass sie sich beschneiden lassen.

Als in der ersten Gemeinde Irrlehrer auftauchen, die fordern, dass sich Heidenchristen beschneiden lassen sollen, kommt es deshalb auch sofort zum Streit. So lesen wir in Apostelgeschichte 15,1-2: Damals kamen einige Christen aus Judäa nach Antiochia und erklärten den Brüdern, dass sie nicht gerettet werden könnten, wenn sie sich nicht beschneiden ließen, wie es das Gesetz Moses vorschreibt. Paulus und Barnabas bestritten das und hatten eine heftige Auseinandersetzung mit ihnen. Die Brüder beschlossen deshalb, Paulus, Barnabas und einige andere aus der Gemeinde nach Jerusalem zu senden. Sie sollten den Aposteln und Ältesten dort die Streitfrage vorlegen.

Das Apostelkonzil und die Klärung der Beschneidungsfrage

Als Christen nach Antiochia kamen, predigten sie, dass Heidenchristen sich beschneiden lassen müssten, um gerettet zu werden. Dies führte zu Streit, und Paulus sowie Barnabas wurden nach Jerusalem geschickt, um die Frage zu klären.

Das Treffen, das dort stattfand, nennt man Apostelkonzil. Unter anderem wurde dort beschlossen, dass Heidenchristen sich nicht beschneiden lassen müssen, um gerettet zu werden. Dieses Thema war damals sehr bedeutend.

So bedeutend, dass Paulus einen eigenen Brief schrieb, den Galaterbrief. Darin formuliert er sehr deutlich in Galater 5,2-4:

„Siehe, ich, Paulus, sage euch: Christus wird euch nichts nützen, wenn ihr euch beschneiden lasst. Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz erfüllen muss. Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr euch durch das Gesetz gerechtfertigt wissen wollt. Ihr seid aus der Gnade gefallen.“

Man merkt, wie deutlich Paulus hier wird. Die Beschneidung gehört so sehr zum alten Bund und zum mosaischen Gesetz, dass ein Christ, der sich beschneiden lässt, aus der Gnade fällt und sich selbst von Christus abtrennt.

Die geistliche Bedeutung der Beschneidung im Neuen Bund

Für die Beschneidung von Christen einzutreten, ist kein kleiner Denkfehler, sondern eine sehr gefährliche Angelegenheit. Vielleicht ist sie gerade deshalb so gefährlich, weil ich als Christ bereits beschnitten bin. Mir fehlt nämlich nichts.

Wenn der Alte Bund ein Symbol für das Kommende ist und die kultischen Gebote ein Hinweis auf den Messias, dann ist der Bund an eurem Fleisch, wie er in 1. Mose 17 beschrieben wird, ein Hinweis auf das, was der Herr Jesus im Neuen Bund mit unserer Fleischlichkeit, mit unserer Neigung zur Sünde, machen wird.

Deshalb kann Paulus in Kolosser 2,11 sagen: „In ihm, also in Christus oder als Christen, seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung durch Christus.“ Hier ist von einer Beschneidung die Rede, die nicht mit Händen geschieht. Ja, ihr seid beschnitten worden mit einer Beschneidung, die übernatürlich ist. Es ist die Beschneidung durch Christus, die jeder erfährt, der in den neuen Bund eintritt.

Diese Beschneidung betrifft den fleischlichen Leib. Es heißt „im Ausziehen des fleischlichen Leibes“. Vor der Bekehrung standen wir unter der Herrschaft der Sünde. Hormone, Ängste und sündige Impulse hatten das letzte Wort, ja, das Leben wurde von der Lust gesteuert. Doch mit der Bekehrung hat sich grundlegend etwas verändert. Die Macht der Sünde ist gebrochen. Um den Römerbrief zu zitieren: Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde abgetan sei und wir der Sünde nicht mehr dienen (Römer 6,6).

Merke dir: Sprachlich ist das ganz eng am Kolosserbrief angelehnt. Dort ist vom „Ausziehen des fleischlichen Leibes“ die Rede, hier davon, dass der „Leib der Sünde abgetan“ sei. In beiden Fällen wird dasselbe Phänomen beschrieben.

Mit der Bekehrung erfahre ich die Beschneidung durch Christus. Christus beschneidet mich. In mir entsteht etwas ganz Neues: eine neue Einstellung zum Leben. Genau genommen eine neue Einstellung zur Sünde. Ich will sie nicht mehr tun. Ich bin von neuem geboren und habe nach meiner Bekehrung ein neues Herz, ein beschnittenes Herz.

Modern würde man von einem Paradigmenwechsel sprechen. Gott gibt mir seinen Geist, einen Geist der Kraft, damit ich den sündigen Impulsen meines Fleisches widerstehen kann.

So werde ich durch die Bekehrung in einen Konflikt hineingestellt: Fleisch gegen Geist, altes Leben gegen neues Leben, Gottes Wille gegen meinen Egoismus. Der Konflikt ist real – und zwar aus einem einzigen Grund: weil mit mir etwas passiert ist.

Bekehrung ist viel mehr als nur eine Hinwendung zur Religion, zu einem christlichen Lebensstil oder zum Gottesdienstbesuch. Bekehrung ist radikal. Bekehrung ist Neuanfang, Erlösung und Erneuerung.

In mir pulsiert nach einer echten Bekehrung zum Herrn Jesus ewiges Leben, Auferstehungsleben. Dieses Leben will raus, sich zeigen, verändern und umgestalten.

Dieses Phänomen, dass in mir ein neues Ich entsteht, das sich gegen die Sünde stellt, die in meinem Körper zu Hause ist, ist die Beschneidung durch Christus.

Die Beschneidung als Voraussetzung für das geistliche Leben

Wenn im mosaischen Gesetz nach der Geburt die Vorhaut entfernt wurde, dann war diese Prozedur die Voraussetzung für den Eintritt in das irdische Volk Gottes.

Wenn ich nach meiner geistlichen Geburt durch den Herrn Jesus beschnitten werde, dann nimmt er nicht nur ein Stück Fleisch weg. Vielmehr schafft er in mir die Voraussetzung dafür, dass ich Gott von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieben kann.

Die Frage lautete: Sollten wir uns als Gläubige auch beschneiden lassen? Die Antwort darauf ist Nein.

Im neuen Bund haben wir andere Bundeszeichen. Wir sind längst beschnitten, jedoch nicht mit Händen auf alttestamentliche Weise, sondern umfassend und radikal erneuert durch Gott selbst.

Abschluss und praktische Hinweise

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir den Podcast zum Thema „Die Bedeutung des mosaischen Gesetzes für Christen“ anhören, um besser zu verstehen, wie es mit den Geboten zusammenhängt.

Das war's für heute. Wenn du noch keine regelmäßige Zeit zum Bibellesen in deinem Leben hast, beginne doch heute damit.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden! Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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