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Titus 1,10-16

Titus 1,10-1,1601.12.2019
Serie•Teil 3 / 7Titus
Warum machen fromme Regeln nicht heiliger? Wer Gesetz und Jesus verwechselt, landet schnell bei leeren Versprechen statt echter Freiheit.

Rückblick auf die Maßstäbe für Leitung

Guten Morgen, ich hoffe, ihr habt alle noch im Blick, dass wir miteinander den Titusbrief studieren. Heute soll es um Titus, immer noch Kapitel 1, die Verse 10 bis 16 gehen.
Ich mache noch einmal einen Blick zurück: Letztes Mal ging es um die Kriterien für Älteste, und das letzte Kriterium war Lehrfähigkeit. Da heißt es in Titus 1,9, ich zitiere nach der Neuen Genfer Übersetzung: „Er, der Älteste, muss an der vertrauenswürdigen Botschaft festhalten, wie sie von Anfang an gelehrt worden ist, denn mit Hilfe dieser gesunden Lehre ist er imstande, die Gemeinde im Glauben zu stärken und die, die sich der Wahrheit widersetzen, zurechtzuweisen.“
Stärken und zurechtweisen – dafür ist Lehre da. Aus ihr kommen Ermahnung, Ermunterung und Trost. Sie kann auch als Waffe eingesetzt werden in der Auseinandersetzung mit Irrlehrern. Und genau von diesen Irrlehrern gab es auf Kreta anscheinend mehr als genug.

Die Gefahr falscher Lehrer auf Kreta

 Titus 1,10: Denn es gibt viele aufsässige, hohle Schwätzer und Betrüger, besonders die aus der Beschneidung.
Obwohl dieser Vers vor knapp zweitausend Jahren geschrieben wurde, glaube ich, dass er heute noch gilt. Auf Kreta sind Irrlehren ein Problem, und heute scheint mir das ehrlich gesagt nicht viel anders zu sein. Paulus beschreibt sie als aufsässig, als hohle Schwätzer und Betrüger. Schauen wir uns die drei Begriffe kurz an.
Aufsässig: Ein Aufsässiger ist jemand, der sich einer Autorität widersetzt. Das bedeutet, aufsässig zu sein. Ich lasse mir von anderen, in diesem Fall von Aposteln, nichts sagen. Ich habe niemanden über mir. Ich bin mein eigener Herr. Niemand darf mich zurechtweisen und korrigieren. Das sind Aufsässige.
Dann werden diese Irrlehrer als hohle Schwätzer beschrieben. Ihre Lehre, das, was sie sagen, ist hohl, leer, ohne echten Inhalt. Diese Lehre besitzt also keinen Nährwert für die Zuhörer. Das heißt nicht, dass das, was sie sagen, nicht unglaublich interessant klingen kann. Logisch. Aber es bleibt hohl.
Und drittens: Sie sind Betrüger. Das heißt, diese Irrlehrer verkaufen Plunder. Ihre Predigten haben keinen Wert, aber sie verkaufen das für Geld. Sie tun so, als wäre das, was sie sagen, wahr und wertvoll. Aber eigentlich geht es ihnen nur darum, auf Kosten der Zuhörer reich zu werden. Aufsässige, hohle Schwätzer, Betrüger.
Und dann wird das eingegrenzt: besonders die aus der Beschneidung. Das ist das große Problem. Die Irrlehrer haben einen jüdischen Hintergrund. Man muss übrigens keine Sorge haben, dass Paulus ein Antisemit ist, wenn er das hier schreibt. Paulus ist selbst Jude. Paulus hat nichts gegen Juden, aber er hat etwas gegen Irrlehrer, die aus der Beschneidung kommen, das heißt aus dem Judentum. Nicht die Rasse ist das Problem, sondern die Lehre. Das sind jüdische Irrlehrer, die damals dem jungen Christentum mit ihrer Theologie besonders zu schaffen gemacht haben. Natürlich in einer Zeit, in der vieles noch nicht zu Ende gedacht war und vieles auch noch nicht endgültig formuliert war. Das kann man sich gut vorstellen.

Warum das Problem so ernst ist

Paulus formuliert an dieser Stelle sehr scharf, in Titus 1,11: denen man den Mund stopfen muss, die ganze Häuser umkehren oder, anders übersetzt, ruinieren, indem sie um schändlichen Gewinnes willen lehren, was sich nicht geziemt.
Wenn Paulus hier so drastisch formuliert, dass man ihnen den Mund stopfen muss, dann wohl deshalb, weil das eben kein kleines Nebenthema ist, sondern weil diese Irrlehrer ein weit verbreitetes Problem darstellen. Ihr Einfluss zerstört den Glauben ganzer Familien. Und wenn man bedenkt, dass sich die Gemeinden damals in Häusern getroffen haben und sie ganze Häuser umkehren, dann ist das Problem vielleicht sogar noch größer. Eine große Anzahl von Menschen unterliegt ihrem verführerischen und kaputt machenden Einfluss.
Und wer jetzt denkt: endlich mal ein Problem, das wir heute nicht mehr haben, dem muss ich sagen: falsch. Das Problem ist leider aktueller, als ich es mir persönlich wünschen würde.
Im Internet ist ein Netzwerk von Bibellehrern entstanden, und ich habe den Begriff in meinem Skript mit Anführungszeichen gesetzt, die wären das gerne, aber sie sind es nicht. Es sind Bibellehrer, die Thorafrömmigkeit verkünden und besonders YouTube mit alttestamentlicher jüdischer Gesetzeslehre überfluten. Es sind YouTube-Kanäle wie Endzeit Reporter mcm, Infokrieger mcm, Nature 23 is back, First Fruits dt, Das Wort mcm usw., welche die Speisegebote des alten Bundes, das Geben des Zehnten, eigentlich ja der Zehnten, den Sabbat und die jüdischen Feiertage wieder für verbindlich erklären und dabei gerade für fromme und gottesfürchtige junge Christen zur Gefahr werden.
Es sind Christen, die Gott gefallen wollen, die leider auf solche alttestamentlichen Gesetzlichkeiten hereinfallen.

Verschiedene Gründe, alttestamentliche Gebote zu beachten

Jetzt muss ich eine Vorbemerkung machen. Ich möchte einmal ganz kurz darüber nachdenken, aus welchen Gründen ein Christ sich an die kultischen Gesetze halten könnte, also an Speisegebote, Sabbat, Passa und Ähnliches. Warum könnte jemand das halten wollen? Ich sehe mindestens fünf Möglichkeiten, von denen mir zwei bedenklich erscheinen.
Punkt eins: Ich kann mich dafür entscheiden, diese Gebote zu halten, um den Juden wie ein Jude zu werden. Das heißt: um in einem jüdischen Umfeld der Verkündigung des Evangeliums keine unnötigen Hürden in den Weg zu legen. Diese Bereitschaft, meine eigene Freiheit aufzugeben, um es Menschen, die das Evangelium noch nicht angenommen haben und Juden sind, leichter zu machen, steht zum Beispiel hinter dem Ergebnis des Apostelkonzils.
Dort im Apostelkonzil ging es um die Frage: Was müssen die Heiden vom Gesetz halten? Dort wurden Heidenchristen unter anderem aufgefordert, keine Tiere zu essen, die nicht ordentlich ausgeblutet waren, kein Blut zu essen und sich von Götzenopferfleisch fernzuhalten. Die Begründung dafür steht in Apostelgeschichte 15,21. Die Begründung war: Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.
Also: Die Begründung dafür, dass Heiden sich, ich sage es einmal so, an ein Minimum von für Juden völlig schrecklichen und widerwärtigen, für sie gar nicht nachvollziehbaren Dingen halten, ist: Es gibt in jeder Stadt Juden, und es ist der Wunsch aus der Gemeinde heraus, in der es Heidenchristen und Judenchristen gibt, die Mission unter Juden durch das Verhalten der Heidenchristen nicht unnötig zu erschweren. Darum ging es. Es ging darum, dass die Heidenchristen sich auf eine Weise verhalten, dass die Judenchristen ihre jüdischen Freunde gut erreichen konnten, dass denen nicht unnötig durch das Verhalten und die Freiheit der Heidenchristen ein Stein in den Weg gelegt wurde.
Dasselbe Argument gilt übrigens auch, wenn man in eine Gemeinde kommt, in der es viele bekehrte Juden gibt, die immer noch begeistert vom mosaischen Gesetz sind. Dann muss ich meine Freiheit nicht zur Schau stellen. Ich kann, und Paulus sagt das so schön, den Juden wie ein Jude werden. Ich kann auch den Heiden wie ein Heide werden. Auch das hat er gemacht. Da merkt man, dass Paulus nicht an das jüdische Gesetz gebunden war; er hat sich einfach auf die Umgebung eingestellt.
Und dann merkt man auch: Wenn Paulus nach Jerusalem kommt, wo es viele Geschwister gibt, die das Gesetz noch gehalten haben, das war ihre, entschuldigt, wenn ich das so sage, ihre Macke, dann fällt es Paulus nicht schwer, nachdem Jakobus zu ihm kommt und ihn bittet, ein Nasiräergelübde zu unterstützen, sich dem wenigstens anzuschließen. Er hält es nicht selbst, aber er schließt sich dem an. Er kann sagen: Ja, da mache ich mit. Weil ich gerne meine Freiheit aufgeben kann, um den Juden ein Jude zu werden, um auch den schwachen Geschwistern ein Schwacher zu werden, wenn ich auf diese Weise ihren Glauben fördere.
Das ist die Freiheit, die wir als Christen haben. Punkt eins.

Gewissen, Biografie und die Grenzen persönlicher Bindung

Punkt zwei: Ich kann als Christ die kultischen Gebote des Alten Testaments halten, weil ich durch mein eigenes Gewissen gebunden bin.
Eigentlich sollte dieses Argument nur solche Christen betreffen, die einen jüdischen Hintergrund und ein schwaches Gewissen haben. Ein schwaches Gewissen ist ein Gewissen, das für Sünde hält, was nicht Sünde ist. Es schlägt also dort an, wo es nicht anschlagen sollte.
Paulus erläutert dieses Problem in Römer 14. Dort gibt es solche, die glauben, dass sie alles essen dürfen, was richtig ist. Und dann heißt es in Römer 14,2: Der Schwache aber isst nur Gemüse. Was für das Essen gilt, gilt auch für den Sabbat. In Römer 14,5 heißt es: Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt.
Es gibt unter Christen biografische Unterschiede, und unsere Biografie prägt unser Gewissen. Nicht jeder Jude schafft den Sprung aus dem Denken des mosaischen Gesetzes. Was also, wenn ich ein schwaches Gewissen habe und denke, dass bestimmte Regeln noch für mich als Christ gelten, obwohl Gott doch eigentlich diese Zwischenwand zwischen Juden und Heiden abgebrochen hat und aus beiden eins macht? Was denke ich, wenn ich so denke: Nein, ich habe so einen Hintergrund, für mich muss ich mich auch noch daran halten?
Punkt eins: Du taugst nicht für Gemeindeleitung. Das heißt in Römer 14,1: Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen. Man kann das auch etwas anders übersetzen, aber wir lassen es einmal so stehen. Wenn du ein schwaches Gewissen hast, dann solltest du nichts mit Gemeindeleitung am Hut haben. Du solltest erst einmal lernen, wie die Dinge wirklich sind. Das ist aber zunächst nur eine Einschränkung.
Punkt zwei lautet nämlich: Folge deinem Gewissen. Es mag schwach sein, das Gewissen, aber du hast nur dieses eine Gewissen. Man kann ein schwaches Gewissen an die Wahrheit heranführen. Paulus empfiehlt zum Beispiel den Korinthern, beim Einkauf nicht extra nachzufragen, ob es sich bei dem verkauften Fleisch um Götzenopferfleisch handelt, 1. Korinther 10,24. Man kann das machen.
Aber auch wenn es sinnvoll sein kann, das Gewissen ein Stück abzuhärten, so muss man doch vorsichtig sein, es nicht völlig zu übergehen. Ich kann da nicht ganz genau sagen, wo die Grenze ist. Solange aber noch echte Zweifel da sind, gilt, was in Römer 14,23 so formuliert wird: Wer aber zweifelt, wenn er isst, ist verurteilt, weil er es nicht aus Glauben tut. Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.

Drei weitere Motive und die Frage nach Weisheit

So haben wir jetzt zwei Kategorien. Warum sollte ein Christ die kultischen Gebote des Alten Testaments halten?
Punkt eins: weil er sich in einem jüdischen Kontext befindet oder in einer Gemeinde, in der viele Geschwister ein schwaches Gewissen haben.
Punkt zwei: weil er selbst aufgrund seiner Biografie in seinem Gewissen gebunden ist und diese Freiheit, zu der Gott uns berufen hat, nicht oder noch nicht wirklich spüren und leben kann.
Ein dritter Punkt ist: Ich halte mosaische Gebote, weil ich sie zwar nicht für moralisch geboten halte, aber weil ich denke, dass sie klug sind. Ich weiß also, dass ich sie nicht halten muss, aber mir scheint, dass es weise ist, sie in mein Leben zu integrieren.
Ein Beispiel: Obwohl ich weiß, dass der Sabbat ein Bundeszeichen des alten Bundes ist, steht in Hesekiel 20,12.20, dass er genau das ist. Obwohl ich weiß, dass der Sabbat ein Schatten auf Christus hin ist, der sich mit dem Kommen Christi erfüllt hat. Und obwohl Jesus als mein Herr seine Jünger nie zum Halten des Sabbats aufgefordert hat, eher im Gegenteil: Er hat als der Herr des Sabbats den Sabbat gebrochen, wie Johannes in Johannes 5,18 schreibt. Obwohl ich also an keiner Stelle davon lese, dass mein Herr sich am Sabbat ausgeruht hätte, er arbeitet einfach durch, halte ich persönlich seit ungefähr zwanzig Jahren strikt einen Ruhetag ein.
Nicht am Samstag übrigens. Von dem Samstag, den wir heute als Sabbat feiern, weiß niemand, ob es sich wirklich um den Sabbat der Juden handelt, weil wir nicht wissen, wie sich diese Wochenabschnitte über die Kulturgeschichte hinweg verschoben haben. Ich habe einen Ruhetag am Montag. Und ich bin sogar ein absoluter Verfechter eines wöchentlichen Ruhetages.
Ich weiß, dass ich einen Ruhetag nicht halten muss, aber ich tue es, weil ich den Eindruck habe, dass ein wöchentlicher Ruhetag als Teil der Schöpfungsordnung mir persönlich extrem gut tut. Und ich bin davon überzeugt, dass ich heute unter anderem nur noch deshalb Kraft zum Dienst in der Gemeinde habe, weil es jeden Montag eine ausgedehnte Zeit der Erfrischung für Körper, Seele und Geist gibt.
So, und jetzt könnte man sagen: Das war jetzt ein Beispiel. Okay, ich könnte andere Beispiele bringen. Jemand könnte sagen: Ich esse kein Schweinefleisch. Hey, super. Ich mache regelmäßig Urlaub. Ja, ich achte besonders auf Dinge wie Hygiene. Selbst Arbeitssicherheit kann ich aus der Bibel ableiten. All das ist klug, aber es ist nicht mehr: Ich tue es, weil ich es muss.
Ich tue alttestamentliche Gebote sehr selektiv, weil ich sie für nicht moralisch geboten halte, aber für einen Ausdruck von Weisheit.

Die vierte Gruppe: Heiligung wird mit Gesetzlichkeit verwechselt

Eine vierte Gruppe. Und jetzt wird es ernst.
Ich habe gesagt: Von diesen fünf Gruppen, die ich kenne, sind die ersten drei für mich unproblematisch. Zum Teil würde ich sogar sagen, sie sind geboten. Die vierte Gruppe wird jetzt ein bisschen ernst. Eigentlich ist diese Gruppe die mir am meisten suspekte. Suspekt deshalb, weil ich denke, dass sie nicht genug nachgedacht hat und obwohl sie selbst noch gerettet sein mag, durch ihr Vorbild und ihr Reden anderen zum Schaden wird.
Ich rede über Christen, die Teile des mosaischen Gesetzes halten, weil sie denken, dass es für Christen als Ausdruck der Heiligung nötig ist. Ich habe Christen vor Augen, die davon reden, dass wir aus Glauben an Jesus gerechtfertigt werden. Ich weiss nicht, ob sie das in letzter Konsequenz verstanden haben, aber sie behaupten es zumindest. Und dann lautet ihr Credo: Ich werde durch Glauben gerechtfertigt, aber durch das Gesetz geheiligt.
Sie verstehen also das Halten der alttestamentlichen Gebote als eine moralische Verpflichtung für Christen. Das Problem: Mit diesem Denken kann sehr schnell ein Exklusivismus einhergehen. Es gibt für sie dann Christen in zwei Klassen. Es gibt die Christen, die verstanden haben, dass Gott von ihnen auch den Sabbat, die Speisegebote, kein Mischgewebe und vielleicht sogar die Beschneidung verlangt. Das sind die Guten. Und es gibt die Normalo-Christen, die noch nicht so weit sind und in ihrer Heiligung Gott einfach noch nicht so vollkommen gefallen.
Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wer diese Position einnimmt, hat meines Erachtens nicht tief genug darüber nachgedacht, was es heisst, durch den Glauben an Jesus nicht nur gerechtfertigt zu werden, sondern Teil des neuen Bundes zu sein. Und wenn solche Christen ihr Leben genau betrachten, dann werden sie leider häufig feststellen, dass ihre Liebe zum mosaischen Gesetz nicht nur eine sehr eigenwillige Liebe ist. Sie picken sich nämlich nur bestimmte Gebote heraus. Es geht auch nicht anders, es ist eigenwillig. Sondern wie bei den Pharisäern werden dann diese Gebote ganz schnell viel wichtiger als das, was der Herr Jesus geboten hat.
Es ist für mich total erstaunlich, wie leicht es Christen, die sich dem mosaischen Gesetz verpflichtet fühlen, fällt, gar kein Problem damit zu haben, oft gar keiner Gemeinde anzugehören. Oder auch auf eine sehr lieblose Weise mit ihrer Familie umzugehen. Ich habe beides erlebt. Und ich merke: Das Halten von Menschengeboten ist nichts anderes, wenn man sagt, dass man die kultischen Gebote des alten Bundes noch halten muss. Das sind Menschengebote. Das hat nicht Gott gefordert, das fordern nur Menschen.
Das Halten von Menschengeboten macht nie liebevoller und heiliger. Es hat bestenfalls einen Anschein von Demut und Hingabe, aber nie mehr. Und ihr merkt, wie problematisch das ist.
Eine Gruppe, die ich auch hier in diese vierte grosse Gruppe einsortiere, sind messianische Juden. Die spielen jetzt nur für meine Betrachtung heute keine grössere Rolle, weil sie zwar dieses Jüdischsein überbetonen. Ja, sie haben nicht verstanden, dass es in Christus weder Jude noch Grieche gibt. Es steht mehrfach in der Bibel: 1. Korinther 12,13, Galater 3,28, Kolosser 3,11. Aber es geht diesen Leuten zuerst einmal um ein kulturelles Jüdischsein, nicht so sehr um einen Aspekt christlicher Heiligkeit. Und deswegen gehören sie zwar hier mit rein, aber sie spielen eigentlich keine Rolle. Wir haben auch nichts mit ihnen zu tun.

Die fünfte Gruppe: Rechtfertigung durch Gesetz statt durch Christus

Kommen wir zur fünften Gruppe. Die vierte Gruppe waren die, die noch verstehen: Rechtfertigung ist aus Glauben. Und dann mogeln sie bei der Heiligung die alttestamentlichen Gebote mit hinein. Und obwohl man das wahrscheinlich leben kann und gerettet sein kann, wird das Reden darüber und auch das Ausleben in der Praxis häufig zum Problem. Also ich sehe nicht, dass diese Leute liebevoller und heiliger werden.
Fünfte Gruppe, das sind jetzt wirklich die Bösen. Jetzt kommen wir zu denen, die echte Probleme machen, Leute, die dann auch in den Gemeinden auf Kreta zu finden waren. Und deren Theologie hört sich etwa so an: Jetzt lesen wir mal Apostelgeschichte 15,1. Da heißt es: Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten worden seid, also hier wird den Heidenchristen etwas gepredigt, „wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht gerettet werden.“
Hier wird Errettung ganz eng damit verknüpft, dass ich mich beschneiden lasse. Das ist nichts anderes, als dass ich zum Judentum konvertiere, damit der jüdische Messias mich als Teil seines alttestamentlichen Bundesvolkes erretten kann. Errettung hängt daran, dass ich Jude werde. Und das kann man dann wenigstens ein kleines bisschen einschränken: Ich muss wenigstens wie ein Jude leben. Das Halten des Gesetzes wird dann in der Realität wichtiger als der Glaube an Jesus. Der Glaube an Jesus ist nur noch ein Anhängsel an ein Leben, das sich selbst durch das Halten der Gebote retten will. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich das so sagen würde. Es kommt darauf an, worauf ich meine Prioritäten setze.
Das ist die fünfte Gruppe. Das ist die Gruppe, gegen die Paulus argumentiert.

Warum die Rückkehr zum Gesetz theologisch nicht trägt

Und jetzt kann man sich vielleicht fragen: Wie kann es sein, dass jemand auf den Gedanken kommt, überhaupt auf den Gedanken kommt, dass die Regeln des alten Bundes heute noch gelten sollen? Gab es da nicht ein Apostelkonzil, bei dem eindeutig festgelegt wurde, dass die Gebote des alten Bundes gerade nicht für Christen gelten?
Oder mein Lieblingsvers: Heißt es in Hebräer 7,12 nicht: „Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt“? Hm, damit ist doch alles klar. Im Zentrum des alten Bundes steht das Priestertum. Und wenn der neue Bund das Priestertum völlig neu definiert, wir haben mit Jesus einen hohen Priester nach der Ordnung Melchisedeks, nicht einen Priester nach der Ordnung Aarons, dann ist das doch klar.
Wenn ich das Zentrum des Gesetzes ändere, dann wird doch notwendigerweise das ganze Gesetz geändert. Als Christen stehen wir nicht mehr unter dem Gesetz des Mose, sondern, um einmal Paulus zu zitieren, unter dem Gesetz Christi, 1. Korinther 9,21. Oder Jakobus würde sagen: Wir sind Leute, die in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinschauen.
Auf Englisch kann man diese Entwicklung, dass wir nicht mehr unter einem Gesetz stehen, sondern unter einem Gesetzgeber, auf eine wunderbare Weise ausdrücken: Wir sind nicht mehr unter einem Gesetz, sondern wir sind unter dem Christus, unter dem Herrn.
Wisst ihr, wenn es sogar ein ganzes biblisches Buch gibt, das sich diesem Thema widmet, den Galaterbrief, mit welchen Argumenten wird dann einfach wieder das mosaische Gesetz eingeführt? Und da gibt es wahrscheinlich viele. Mich überzeugt ehrlich gesagt keines. Und wenn Gott Gnade gibt, mache ich auch mal eine längere Reihe zu dem Thema.
Heute möchte ich einfach nur drei Hauptargumente kurz vorstellen, die, wie mir scheint, immer mal wieder vorkommen.

Einwände gegen die Behauptung, das Gesetz gelte weiter

Erstens wird gerne behauptet, dass das mosaische Gesetz schon immer galt und nicht erst seit Mose. Und weil es schon immer galt, müsse es auch heute noch gelten.
Man kann dieses Argument relativ leicht entkräften, weil vor dem Bund am Berg Sinai vom Kern des Gesetzes keine Rede war. Und damit ihr mich jetzt richtig versteht: Für mich sind die Zehn Gebote nicht der Kern des Gesetzes, sondern all die Regeln, die sich damit beschäftigen, wie ein Mensch Gott nahen und in Gemeinschaft mit Gott bleiben kann.
Also: Der Kern des Gesetzes, das, was das Gesetz zum Gesetz macht, sind all die Regeln, die sich mit Opfern beschäftigen, mit dem Dienst rund um die Stiftshütte, später dann am Tempel, mit Feiertagen, mit der Frage, wann man unrein und wann man rein ist. Das ist der Kern, das Eigentliche, das Besondere des Gesetzes.
Warum sage ich das? Na ja, ich sage das, weil die moralischen Gesetze wie: Du sollst nicht morden oder Du sollst nicht ehebrechen nicht typisch für den alten Bund sind. Sie entspringen nicht dem Bund selbst, sondern dem Charakter Gottes. Und sie werden bis auf das Sabbatgebot im Neuen Testament wiederholt.
Die galten immer schon. Sie sind, wenn ich das mal so sagen darf, auch gar nicht so besonders. Auch die Heiden um Israel herum fanden Mord nicht toll, fanden Ehebruch nicht gut, und sie hatten auch Gebote dagegen.
Das, was den alten Bund typisch macht, den Kern des alten Bundes, bilden Gebote, die den Zugang zu Gott beschreiben. Und all diese Gebote gab es definitiv vor dem Bundesschluss am Sinai einfach nicht. Und sie werden auch im Neuen Bund nicht aufgegriffen.

Jesu Wort über Erfüllung und Vergehen des Gesetzes

Zweitens: Es wird gerne Jesus zitiert. Jesus sagt in Matthäus 5,17-18:
Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
Ich lese die zwei Verse noch einmal vor, weil wir nicht so einfach sind:
Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Verse dafür zu sprechen, dass das mosaische Gesetz noch besteht. Wie ich denke, nur auf den ersten Blick. Und ich möchte deshalb vier Aussagen formulieren, die man im Blick auf das Gesetz und die Propheten, also im Blick auf das Alte Testament und seine Gültigkeit, ausschließen kann.
Also: Wir nehmen die Verse und fragen, was diese beiden Verse definitiv nicht bedeuten können, bevor wir uns dann die Frage stellen, was sie bedeuten.
Erstens: Es kann nicht sein, dass Teile des Gesetzes nie erfüllt werden oder nie vergehen werden. Das kann nicht sein. Warum? Der Text enthält den Hinweis, dass das Gesetz erfüllt wird und dass es für das Gesetz ein Ablaufdatum gibt, spätestens bis der Himmel und die Erde vergehen, beziehungsweise bis alles geschehen ist. Also erste Aussage: Es kann nicht sein, dass Teile des Gesetzes nie erfüllt werden oder nie vergehen werden. Das Gesetz ist nicht ewig. Die Worte Jesu sind das übrigens schon, Matthäus 24,35.
Zweitens: Es kann auch nicht sein, dass ein Teil des Gesetzes vergeht, während ein anderer Teil in Kraft bleibt. Es heißt nämlich: Bis zum Ablaufdatum soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen. Also das Gesetz und die Propheten sind entweder ganz erfüllt und ganz vergangen, oder es ist noch alles da. Dazwischen gibt es nichts. Also entweder formuliere ich: Das Gesetz ist vergangen, oder aber ich formuliere, dass kein Jota und kein Strichlein vom Gesetz vergangen ist. Es ist entweder ganz da oder gar nicht.
Drittens: Es kann auch nicht sein, dass das Gesetz zur Zeit Jesu schon erfüllt war. Warum nicht? Einfach deshalb, weil Jesus gekommen ist, um das Gesetz zu erfüllen. Er sagt das von sich. Das heißt: Zur Zeit Jesu hat die Tora, das Gesetz, ihre Aufgabe noch nicht erfüllt. Sie ist noch da, und dann kommt Jesus und erfüllt.
Viertens: Es kann auch nicht sein, dass das Gesetz unerfüllt bleibt, nachdem Jesus seine Aufgabe erledigt hat, denn er kam ja, um zu erfüllen. Also: Zur Zeit Jesu war das Gesetz definitiv noch nicht erfüllt, und wir können formulieren: Wenn Jesus fertig ist mit seiner Aufgabe, dann ist es definitiv erfüllt, denn er kam, um es zu erfüllen.
Vier Punkte also, die wir jetzt sagen können, die der Text nicht bedeuten kann. Die Frage ist: Was bedeutet der Text?
Klar ist, dass Jesus kam, um das Gesetz zu erfüllen. Mir scheint, mit dem Kreuz ist dieser Punkt erreicht. Bleibt die Frage, ob das Gesetz dann nur erfüllt ist oder auch ob es vergangen ist. Wenn wir von Erfüllung sprechen, dann ist bei Jesus natürlich mehr gemeint als nur das Halten von Geboten. Zum Halten von Geboten kam Jesus nicht auf die Erde. Das war die Pflicht jedes gläubigen Juden. Erfüllung geht über das Halten hinaus.
Wie wir noch sehen werden, weisen die typischen jüdischen, nichtmoralischen Gebote der Tora auf Jesus hin. Sie sind Verheißungen auf den Messias, die der Herr Jesus mit seinem Kommen erfüllt. Bei anderen Geboten erfüllt er sie, indem er sie uns in ihrer tieferen Bedeutung vor Augen malt.
Aber zurück zu unserer Frage, ob das Gesetz dann mit dem Kommen Jesu nur erfüllt ist oder ob es auch vergangen ist. Vers 18 ist nicht einfach. Die Aussage, die der Herr Jesus bringt, ist wichtig. Jesus beginnt mit den Worten: „Wahrlich, ich sage euch.“ Er unterstreicht das, was er sagt.
Was haben wir schon gesehen? Wir haben schon gesehen, welche Auslegung nicht geht. Wir können nicht behaupten, ein Teil des Gesetzes sei schon vergangen und ein anderer Teil nicht. Genau das geht nicht. Ein teilweises Vergehen des Gesetzes ist nicht vorgesehen, denn: Wahrlich, ich sage euch, bis der Himmel und die Erde vergehen, und jetzt kommt’s, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
Also: Es kann nicht ein Teil vergangen sein. Und jetzt werden zum Zeitpunkt des Vergehens zwei Aussagen gemacht: bis der Himmel und die Erde vergehen und bis alles geschehen ist.
Problem: Wenn kein Jota und kein Strichlein vom Gesetz vergehen kann, bis alles geschehen ist, und es ist definitiv so, dass mehr als ein Jota oder ein Strichlein vom Gesetz vergangen sind, der Kern des Gesetzes, das gesamte Priestertum hat sich erledigt, inklusive aller Opfer. Ich denke mal, da sind wir uns alle einig. Wie kann Jesus dann formulieren, dass genau das nicht passiert, bis Himmel und Erde vergangen sind?
Die Formulierung „bis alles geschehen ist“ macht mir keine Not. Sie könnte sich auf das Werk Jesu am Kreuz beziehen, wo er sagt: Es ist vollbracht. Wenn das Gesetz nur als Ganzes vergehen kann und wenn es erst vergeht, wenn Himmel und Erde vergehen, wie passt das zusammen, wo doch ein bedeutender Teil des Gesetzes definitiv vergangen ist, aber der Himmel und die Erde noch nicht vergangen sind?
Problem verstanden? Nochmal: Wenn das Gesetz nur als Ganzes vergehen kann, kein Jota, kein Strichlein, und wenn es erst vergeht, wenn Himmel und Erde vergehen, wie passt das zusammen, wo ein bedeutender Teil des Gesetzes definitiv vergangen ist, aber der Himmel und die Erde noch nicht vergangen sind?
Übrigens ist für unseren Umgang mit Irrlehrern aus einem jüdischen Umfeld dieses Problem oder das Lösen des Problems überhaupt nicht nötig. Sie behaupten, dass man sich an bestimmte Gebote des Gesetzes halten muss, während andere Gebote, wie zum Beispiel die Vorschriften für den großen Versöhnungstag, nicht mehr gelten. Und es ist genau diese Auslegung, dieses „ein Teil gilt noch, ein Teil gilt nicht“, die nicht möglich ist. Wenn ein Teil des Gesetzes vergangen ist, dann ist alles vergangen. Hm, also: Ihre Auslegung geht nicht.
Aber trotzdem ist für uns interessant: Was bedeutet dann die Formulierung „bis der Himmel und die Erde vergehen“? Es gibt mindestens zwei Antworten, die mir einleuchten.
Entweder ist die Formulierung „bis der Himmel und die Erde vergehen“ nicht wörtlich gemeint, sondern bildhaft für das Ende der alten Ära vor dem Messias. Paulus formuliert einmal über die Bekehrung, dass wir eine neue Schöpfung sind, 1. Korinther 5,17. Kann es sein, dass auf eine tiefere Weise der neue Himmel und die neue Erde bereits angebrochen sind? Das wäre eine mögliche Auslegung, vielleicht keine, die ich favorisiere, aber man könnte so denken, dass das Bild vom neuen Himmel und der neuen Erde ein Bild ist für den Anbruch des messianischen Zeitalters.
Ein zweiter Punkt: Man könnte es auch anders verstehen. Es könnte sein, dass die Formulierung „bis der Himmel und die Erde vergehen“ gar nicht einen Zeitpunkt definiert, sondern eine Qualität. Ich komme darauf, weil Jesus in einer Parallelstelle folgendes sagt, Lukas 16,17:
Es ist aber leichter, dass der Himmel und die Erde vergehen, als dass ein Strichlein des Gesetzes wegfalle.
Es ist leichter, dass der Himmel und die Erde vergehen, als dass ein Strichlein des Gesetzes wegfalle. Das Gesetz ist stabiler als das Universum. Okay, das sagt er. Es ist leichter, dass das Gesetz kaputt geht, dass Himmel und Erde kaputt gehen, als dass das Gesetz kaputt geht. Das Gesetz ist stabiler als das Universum. Kein Strichlein fällt einfach weg oder darf von Menschen ignoriert werden. Solange nicht der Himmel und die Erde vergehen, wird auch kein Strichlein vom Gesetz vergehen.
Könnte es sein, dass Matthäus 5,18 so gemeint ist? Vielleicht. Ich kann die Entscheidung nicht fällen. Aber wie gesagt: Es spielt überhaupt keine Rolle, weil die beiden Verse, die herangezogen werden, um zu zeigen, dass das Gesetz heute noch gilt, nicht bedeuten können, dass ein Teil des Gesetzes heute noch gilt. Entweder gilt alles oder gar nichts. Und weil wir sehen, dass ein Teil nicht mehr gilt, entscheide ich mich dafür, zu sagen, dass alles nicht mehr gilt, auch wenn ich vielleicht die Frage, was genau bedeutet, dass der Himmel und die Erde vergehen, nicht mit letzter Schlüssigkeit beantworten kann.

Der Bund mit Abraham und die Bedeutung von „ewig“

Drittens wird gern gesagt, dass es sich beim alten Bund um einen ewigen Bund handelt und dass er deshalb heute noch gilt. Als Bibelstelle wird dann zum Beispiel 1. Mose 17,12-13 angeführt. Ich lese das mal vor:
Spricht zu Abraham, oder genau genommen Abram: Im Alter von acht Tagen soll alles, was männlich ist, bei euch beschnitten werden, durch eure Generationen hindurch, der im Haus geborene und der von irgendeinem Fremden für Geld gekaufte Sklave, der nicht von deiner Nachkommenschaft ist. Beschnitten werden muss der in deinem Haus geborene und der für dein Geld gekaufte Sklave. Und mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein.
Die Argumentation ist relativ klar: Ein ewiger Bund muss heute noch gelten, also müssen auch wir uns beschneiden lassen, weil der Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat, derselbe Bund ist, den er auch mit uns schließt. So lautet das Argument.
Mein Einwand wäre: Auch wenn das Wort ewig im Hebräischen das Wort Olam ist und im Alten Testament vorkommt und für viele Sachen verwendet wird, ist das Argument trotzdem falsch. Und zwar einfach deshalb, weil Olam zwar oft mit ewig übersetzt wird und in besonderen Fällen das tatsächlich auch bedeuten kann, aber eben nicht bedeuten muss. Olam beschreibt zuerst einmal eine weit entfernte Zukunft beziehungsweise Vergangenheit, ohne zwingend Unendlichkeit zu meinen.
Wenn wir ewig hören, dann bedeutet das für uns: Es ist unendlich. Wenn der Hebräer das Wort Olam verwendet, welches man mit ewig übersetzen kann, bedeutet das aber nicht, dass es unendlich ist. Sondern das bedeutet zuerst einmal: Es ist eine lange Zeitspanne. Und es ist oft auch eine Zeitspanne, die nur Gott kennt.
Beispiele, einfache Beispiele, wo klar wird, dass Olam tatsächlich nicht ewig im Sinne von unendlich bedeutet. Ich hätte euch mehr mitbringen können, ich habe euch vier mitgebracht.

Beispiele dafür, dass „ewig“ im Alten Testament begrenzt sein kann

 1. Samuel 1,22: Aber Hanna ging nicht mit hinauf. Hanna ist die Mutter von Samuel. Hanna ging nicht mit hinauf zu einem Fest in Jerusalem, sondern sie sagte zu ihrem Mann: Wenn der Junge entwöhnt ist, will ich ihn bringen, damit er vor dem Herrn erscheint und dort für immer bleibt.
Wir merken schon: Für immer bedeutet hier, dass dieser Junge sein Leben lang im Tempel dienen soll. Vielleicht sogar ein bisschen weniger, weil ich den Eindruck habe, dass Samuel dann, naja, ist egal. Die Frage, ob er am Ende seines Lebens immer noch dort gedient hat, müssen wir jetzt nicht klären.
Andere Stelle: 2. Mose 21,6. Hebräische Sklaven durften nicht länger als sechs Jahre dienen, dann mussten sie freigelassen werden. Wenn ein hebräischer Sklave länger dienen wollte, galt folgende Regel: So soll ihn sein Herr vor Gott bringen und ihn an die Tür oder an den Türpfosten stellen, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einem Priem, das ist eine Art Holznagel, durchbohren. Dann soll er ihm für immer dienen.
Klar: ein Leben lang. Olam ist ein Leben lang, es ist nicht für immer. Dieser Dienst wird nicht in der Ewigkeit fortgesetzt.
Oder Josua 4,7: Da geht es um ein Steinmal. Da hat man Steine übereinandergeschichtet, um ein Denkmal aufzurichten. Dann heißt es darüber: Und diese Steine sollen den Söhnen Israel für alle Zeiten zur Erinnerung dienen.
Und ganz ehrlich: Sie tun das heute nicht mehr, weil sie nicht mehr da sind. Aber für alle Zeiten bedeutete hier für die nächsten Generationen. Die sind knapp an der Stelle an einem Krieg vorbeigeschlittert, und sie wollten sicherstellen, dass das erst einmal nicht wieder passiert.
Letztes Beispiel: 1. Könige 9. Gott spricht über den Tempel: Ich habe dieses Haus, das du gebaut hast, geheiligt, um meinen Namen dort niederzulegen für ewig. Für ewig, und meine Augen und mein Herz sollen allezeit dort gegenwärtig sein.
Gott sagt also: Mein Name soll für ewig im salomonischen Tempel niedergelegt sein. Stimmte das? Nein, denn „für ewig“ ist im Jahr 586 vor Christus vorbei. Dort lässt Gott die Babylonier über den Tempel kommen und ihn zerstören. Für einige Jahrhunderte ist das „für ewig“. So merken wir: Olam als Begriff bedeutet nicht unendlich.

Das Ende des Gesetzes und die Folgen falscher Lehre

Der Gag, dass das Gesetz gerade nicht ewig ist, weil Jesus nämlich das Ende des Gesetzes ist, das kann ich in der Bibel zeigen. Also während gerne behauptet wird, der Bund sei ewig, kann ich genau das Gegenteil beweisen: dass das Gesetz mit seinen Regeln nicht ewig ist.
In Lukas 16,16 heißt es: Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes; von da an wird die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Also: Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes. Johannes ist wie eine Art Übergangszeit, und dann wird von da an mit Johannes die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt. Das heißt, die Botschaft des Gesetzes und der Propheten endet in der Zeit von Johannes und mit dem Auftreten von Jesus.
Oder Paulus sagt in Galater 3,19: „Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Nachkomme käme“, das ist Jesus, „bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt.“ Ein ganz klares „bis“. Es wird hinzugefügt, bis der Nachkomme käme. Und wenn der dann kommt, dann ist das vorbei.
Und ihr merkt langsam, wo das Problem dieser falschen Theologie liegt, die von den Irrlehrern gepredigt wird. Das Problem liegt darin, dass man nicht sauber zwischen dem alten Bund und dem neuen Bund unterscheidet. Und die Folgen davon sind verheerend. Wer Christen auffordert, sich dem Gesetz des mosaischen Bundes zu unterwerfen, der zerstört ihren Glauben.
 Galater 5,2-4: Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. Nein, wenn ihr euch beschneiden lasst, bezeuge ich aber noch einmal jedem Menschen, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Und jetzt wird es ganz haarig. Es gibt nämlich nicht Christus plus Gesetz, es gibt nur ein Entweder-oder. In Vers 4 heißt es: Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt. Wenn dieser Gedanke in meinem Herzen aufkommt, das Halten des Gesetzes würde mich vor Gott gerecht machen, dann bin ich in diesem Moment von Christus abgetrennt. Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
Wenn Paulus solche Irrlehrer beschreibt, dann nennt er sie „möchtegern Gesetzeslehrer, die nichts verstehen“, 1. Timotheus 1,7. Er nennt sie „falsche Brüder“, Galater 2,4, die ein anderes Evangelium verkünden und unter dem Fluch stehen.

Kreta als Beispiel für kulturelle und geistliche Schwächen

So, jetzt kommen wir langsam wieder zum Titusbrief zurück. Paulus ist extrem deutlich, wenn er auf solche Leute trifft. Und er ist besonders deutlich, wenn es um Kreta geht, weil das Problem auf Kreta besonders groß ist. Die Kreter haben eben so ihre eigene Art.
 Titus 1,12: Es hat einer von ihnen, ihr eigener Prophet, gesagt: Kreter sind immer, im Sinne von meistens, hyperbolisch formuliert, Lügner, böse wilde Tiere, faule Bäuche.
Ihr eigener Prophet, das ist kein biblischer Prophet, sondern es ist wahrscheinlich der Philosoph Epimenides, von dem es auch das Paradoxon des Epimenides gibt. Das geht so: Alle Kreter sind Lügner, und alle von Kretern aufgestellten Behauptungen sind Lügen. Wer ein bisschen darüber nachdenkt, merkt: Das ist ein Paradoxon. Das ist Epimenides.
Wir merken uns: Kreter waren bekannt für Piraterie, für ihren Egoismus, für viele Kriege zwischen den Städten auf Kreta und für sehr grobschlächtige religiöse Riten. Kreta war eine raue und gefährliche Insel. Es gab in der Kultur einen Hang zur Lüge, zur Boshaftigkeit und zur Faulheit: Lügner, böse wilde Tiere, faule Bäuche.
Und diese Eigenart, selbst so ein bisschen an der Lüge zu hängen, selbst so ein bisschen verschlagen zu sein, vielleicht auch nicht so viel Zeit aufwenden zu wollen, um die Bibel in der Tiefe selbst zu studieren, macht es den Irrlehrern leicht, die Geschwister zu verführen. Und das ist, glaube ich, damals wie heute so: Wenn wir nicht aufpassen, dann werden bestimmte kulturelle, charakterliche Eigenarten unserer Herkunft, des Volkes, aus dem wir stammen, sich auch in unserem geistlichen Leben wiederfinden.
Ich merke zum Beispiel: Sehr modern ist so eine Individualisierung des Glaubens, etwas Eigenwillig-Selbstbestimmtes. Christen in Deutschland sehen das heute in der Gesellschaft, wo jeder irgendwie so sein eigenes Süppchen kochen muss, wo es darum geht, sich selbst auf eine besondere Weise zu erfinden und seinen eigenen Weg zu gehen. Übertragen ins Christsein führt das schnell dazu, dass man sich schwer tut, Teil einer geistlichen Gemeinschaft zu werden, schwer damit tut, sich einer Gemeinde verbindlich anzuschließen, schwer damit tut, sich einer Ältestenschaft unterzuordnen, sich mal etwas sagen zu lassen.
Also immer dann, wenn ich weiß, dass meine Gesellschaft so eine bestimmte Art hat, lohnt es sich, darüber nachzudenken, inwiefern diese Art erstens meinem Glaubensleben schadet und zweitens sich bei mir selbst noch wiederfindet.
Es ist eine schöne Übung, sich mal hinzustellen und aufzuschreiben: Was macht eigentlich den typischen Deutschen aus? Oder was macht den typischen Berliner aus? Oder, in meinem Fall, den typischen Berlin-Spandauer? Und dann zu überlegen: Wo finde ich das in meinem geistlichen Leben wieder? Ist das eigentlich biblisch? Ist das gut? Oder ist das eigentlich ein großes Problem, und ich müsste dagegen etwas tun?

Die Warnung vor jüdischen Fabeln und Menschengeboten

 Titus 1,13-14
Dieses Zeugnis von Epimenides ist wahr. Aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund bleiben und nicht auf jüdische Fabeln und Gebote von Menschen achten, die sich von der Wahrheit abwenden.
Ein gesunder Glaube ist hier ein Glaube, der die orthodoxe Lehre der Apostel als Grundlage hat und damit auch zu einem gesunden Glaubensleben führt.
Die Frage ist: Was macht krank? Paulus würde sagen: ein falsches Eingehen auf Fabeln und Menschengebote. Dort, wo das Unwichtige wichtig und das Falsche richtig wird, ist der Glaube eines Menschen in Gefahr.
Fabeln
Der Begriff beschreibt Mythen, erdichtete Geschichten, gern auch mit einem biblischen Bezug. Dabei ist witzigerweise gar nicht so sehr die Fabel das Problem, sondern es sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden.
Ich mache mal ein Beispiel: Wenn wir bei Weihnachten, bei dem Begriff Weihnachten, an eine Krippe mit Ochs und Esel und den heiligen drei Königen denken, dann ist das eine Fabel, das ist ein Mythos. Die Bibel kennt keinen Ochsen und keinen Esel an der Krippe. Und die heiligen drei Könige, die waren weder heilig, noch drei, noch Könige und auch wahrscheinlich gar nicht an Weihnachten da.
Aber der Mythos, dass ich an etwas glaube, was nicht real ist, ist noch nicht das Problem. Solange jetzt nicht jemand kommt und die Geschichte nimmt und falsche Schlüsse daraus zieht, zum Beispiel sich hinstellt und behauptet, dass man an Weihnachten nur Gold, Weihrauch und Myrrhe verschenken darf, wird es erst an dieser Stelle zum Problem.
Fabeln ist das eine, Gebote von Menschen das andere. Jetzt wird es richtig problematisch.
Die Irrlehrer wenden sich von der Wahrheit ab und verkaufen ihre Lügen als Gebote Gottes, obwohl es nur Gebote von Menschen sind. Vor dem jüdischen Hintergrund geht es vor allem darum, solche Gebote für verbindlich zu erklären, die im Alten Testament stehen, dort den Menschen rein, das heißt passend für die Begegnung mit Gott machen, und dann zu vergessen, dass diese Gesetze kultischer Reinheit alle miteinander ein Schatten auf Christus sind.

Christus als Erfüllung der kultischen Gebote

Bitte merkt euch diesen Vers aus Kolosser 2,16-17. Er ist ganz wichtig. Da heißt es:
„Niemand von euch soll sich nun wegen Speise oder Trank oder wegen eines Festes oder Neumondes oder Sabbats richten lassen. Das ist ein Schatten der künftigen Dinge, der Körper selbst aber ist Christus.“
Ich lese das noch einmal vor, weil es ein so unglaublich wichtiger Vers ist:
„So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind; der Körper selbst aber ist Christus.“
Kultische Gebote im Alten Bund haben eine vorbereitende, hinweisende Funktion. Sie werden mit und in Jesus erfüllt. Und wenn sie erfüllt sind, verlieren sie ihre Funktion. Ganz wichtig ist, dass wir das verstehen.
Kultische Gebote im Alten Testament sind wie ein Wegweiser. Wenn ich von Leipzig her die A 9 hochfahre, dann habe ich da immer so einen Wegweiser: Berlin, noch so und so viele Kilometer. Wie ein Wegweiser, der mir anzeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, wie lange es noch dauert und wie viele Kilometer ich noch zu fahren habe. Genau so eine Funktion haben die kultischen Gebote. Sie sind hinweisend.
Aber in dem Moment, wo ich die Stadtgrenze überfahre, brauche ich keine Hinweise mehr. Ich brauche keine Wegweiser nach Berlin mehr, wenn ich in Berlin bin. Ich brauche keine kultischen Gebote, die auf Jesus hinführen, mehr, wenn ich den Christus habe.
Reinheit im Alten Testament ist etwas Bildhaftes, das auf Jesus hinweist. Und Jesus selbst kommt dann und macht mich auf eine Weise rein, die nicht mehr nur kultischer Natur ist, sondern in vollkommener Weise erfüllt, wofür die Gebote, die kultischen Gebote des Alten Testaments, ein Hinweiszeichen waren.
Ich bin in Christus rein gemacht, wie es alle kultischen Gebote niemals hätten bewirken können. Er ist die Erfüllung.

Die innere Verfassung der Irrlehrer

Und deswegen heißt es dann in Titus 1,15: Den Reinen ist alles rein. Und Achtung, es geht hier logischerweise nicht um Sünde, okay?
Ich habe schon gesagt: Das Zentrum des mosaischen Gesetzes, das sind die kultischen Gebote. Da geht es darum, wie kann ich Gott begegnen? Es geht um Dinge wie Speisegebote, Feiertage, es geht um kultische Reinheit. Menschen machen solche Gebote, die sich in Christus erfüllt haben, jetzt zu Menschengeboten. Das heißt, sie bekommen eine neue Bedeutung, obwohl sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben.
Deswegen ist es wichtig, dass wir verstehen: Den reinen, den gläubigen Menschen, die in Christus rein gemacht sind, ist tatsächlich alles rein.
Nochmal der ganze Vers: Den Reinen ist alles rein, den Befleckten aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern befleckt ist sowohl ihre Gesinnung als auch ihr Gewissen.
Wenn Reinheit im Neuen Bund eine innerliche Reinheit ist, die man durch den Glauben bekommt, weil Gott dann die Herzen reinigt, dann sind die Irrlehrer als Ungläubige das genaue Gegenteil. Was sie tun, mag in ihren Augen nach ihrem Standard rein sein, aber es ist nicht rein vor Gott.
Egal, wie sie es anstellen, Gott auf eine eigenmächtige Weise gefallen zu wollen: Ihr Denken, das steht hier hinter dem Wort Gesinnung, und ihr Gewissen sind befleckt. Die mögen das nicht so sehen. Die denken vielleicht, dass sie besonders klug denken, aber eigentlich ist ihr Denken völlig verwirrt, durcheinander, und ihr Gewissen ist unempfindlich geworden.
Die können sich selber einreden, dass die Art, wie man lebt, genau das ist, wie sie das machen, und dass sie das genau so machen, wie Gott sich das wünscht. Aber Selbstbetrug bleibt Betrug. Die, die extra heilig sein wollen, sind in Wirklichkeit in Gottes Augen voll daneben. Das ist das Problem.
Den Befleckten aber und den Ungläubigen ist nichts rein, sie sind voll daneben. Denken und Gewissen ist einfach nur kaputt.

Das sichtbare Ergebnis falscher Frömmigkeit

Vers 16: Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in Wirklichkeit verleugnen sie ihn in ihren Werken. Sie sind abscheulich, ungehorsam und zu jedem guten Werk untüchtig.
Wer anfängt, das mosaische Gesetz zu halten, weil er denkt, dass Gott sich das von einem Christen wünscht, der zeigt damit, dass er Gott nicht im Ansatz kennt. Die Irrlehrer wollen rein sein, aber sie sind Gott ein Gräuel. Sie wollen alles hundertzehn Prozent richtig machen, aber sie leben im Ungehorsam. Und sie bringen als faule Bäume auch nur faule Frucht: abscheulich, ungehorsam, untüchtig.
Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken, das, was hinten dabei herauskommt, verleugnen sie ihn und sind abscheulich, ungehorsam und zu jedem guten Werk untüchtig. Das ist ihr Problem.

Drei Anwendungen für den Glauben heute

Bleibt für uns abschließend nur die Frage: Was machen wir für uns mit so einem Text? Ich habe drei Anwendungen.
Erstens können wir uns neu vor Augen führen, dass jede Zeit ihre geistlichen Verführer hat. Und wie wichtig es ist, seine Bibel gut zu kennen. Wir müssen unsere Bibel wirklich gut kennen, um Irrlehre zu entlarven. Das kann uns motivieren, die Bibel zu studieren. Das kann uns auch motivieren zu sagen: Wir brauchen wieder neu ein tiefes Bibelwissen.
Zweitens können wir uns daran freuen, im neuen Bund zu leben. Wir haben tatsächlich einen Hohen Priester der Extraklasse und einen wahrhaftig ewigen Bund und eine Hoffnung, die locker weiter reicht als der Tod. Was für ein Geschenk! Oder um das noch mit dem Sabbat kurz zu erklären: Der Sabbat ist ein Hinweiszeichen auf Jesus. Der Sabbat zeigt, dass es eine Ruhe bei Gott gibt, wo ich endgültig zur Ruhe gekommen und bei Gott angekommen sein kann. Und genau das, die Erfüllung des Sabbats, haben wir im Moment unserer Bekehrung bei Jesus erreicht. Wir sind wirklich zur Ruhe gekommen, wir sind angekommen bei Gott. Was für ein schönes Geschenk!
Und drittens dürfen wir uns die Frage stellen, ob unser Glaube gesund ist. Womit beschäftigen wir uns, wenn wir uns mit geistlichen Dingen beschäftigen? Sind das die wichtigen Dinge des Glaubens, die uns guttun, oder lesen wir vielleicht nur so geistliche Belletristik, verlieren uns in Nebensächlichkeiten, in theologischen Spitzfindigkeiten, in Spekulationen oder vielleicht sogar in Verschwörungstheorien? Was für Predigten hören wir uns an, welche Bücher, welche Kommentare lesen wir, was macht das mit uns? Macht uns das wirklich gesund, oder ist das einfach nur so ein Haschen nach Nichtigkeiten?
Ich glaube, der Text zwingt uns darüber nachzudenken, ob das, wie wir geistliches Leben leben, dazu führt, dass unser Glaube gesund ist und uns in der Beziehung zu Jesus voranbringt. Und insofern sind wir vielleicht froh, dass wir als Gemeinde hier mit diesen Irrlehrern gerade nicht so viel zu tun haben. Aber lasst uns so leben, dass wir, wenn wir auf sie treffen, etwas sagen können: weil wir unsere Bibel kennen, weil wir eine Hoffnung haben und weil wir mit einem gesunden Glauben ausgestattet sind, der es ganz locker schafft, dem anderen, der sich so ein Stückchen verloren hat in seiner Irrlehre oder, wenn es um die vierte Gruppe geht, vielleicht noch nicht ganz in Irrlehre, aber in Unsicherheit und in Lehren, die hart an Irrlehre grenzen, den Weg zurückzuweisen.
Amen!

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