Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 1
Jesu Leben und Lehre | Episode 731
Matthäus 23,1308.07.2026
Serie•Teil 1 / 3Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
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Gott wird Mensch
Die Geburt Jesu Christi ist das größte Wunder der Geschichte. Gott selbst kommt in diese Welt, nicht als mächtiger Herrscher, sondern als ein hilfloses Kind. In Jesus begegnet uns Gottes Liebe ganz unmittelbar. Er bleibt nicht fern, sondern tritt in unsere Wirklichkeit ein, in Freude und Leid, in Hoffnung und Not.
Die Weihnachtsgeschichte zeigt, wie Gott handelt. Er wählt den einfachen Weg, den Weg der Demut. Kein Palast, keine Ehre, kein äußerer Glanz begleiten seine Ankunft. Stattdessen wird ein Stall zum Ort seines Kommens, und einfache Menschen werden zu den ersten Zeugen. So zeigt Gott, dass sein Reich anders ist als die Reiche dieser Welt.
Mit der Menschwerdung Gottes beginnt etwas Neues. In Jesus wird sichtbar, wie Gott ist: barmherzig, zugewandt und voller Geduld. Er sucht die Verlorenen, tröstet die Traurigen und richtet die Niedergeschlagenen auf. Sein Kommen ist ein Zeichen dafür, dass Gott die Menschen nicht aufgibt.
Gott wird Mensch, damit er uns nahe sein kann. Er kennt unser Leben von innen heraus. Er teilt unsere Grenzen, unsere Verletzlichkeit und unser Sterben. Gerade darin liegt die Hoffnung des Glaubens: Dass Gott nicht nur über uns steht, sondern mitten unter uns ist.
Weihnachten erinnert daran, dass Gottes Liebe Gestalt angenommen hat. In Jesus Christus wird sie sichtbar, hörbar und greifbar. Wer ihm begegnet, begegnet dem lebendigen Gott. Deshalb ist die Botschaft von Weihnachten nicht nur eine schöne Geschichte, sondern eine Einladung zum Vertrauen.
Gott wird Mensch. Das ist die Zusage, dass Gott uns nicht allein lässt. Er kommt in unsere Dunkelheit, um Licht zu bringen. Er kommt in unsere Angst, um Frieden zu schenken. Er kommt in unsere Welt, um sie zu erneuern.
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 731
Der Ernst der prophetischen Warnung
Wehe-Rufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 1
Nach den Warnungen kommen die Weherufe.
Wer das Reich verschließt
Matthäus 23,13: Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen. Denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.
Fangen wir mit dem Begriff Wehe an. Dabei handelt es sich nicht nur um ein Schimpfwort, und damit wird auch nicht einfach Ablehnung transportiert. Mit dem Wort Wehe betreten wir vielmehr den Bereich der prophetischen Gerichtssprache.
Im Alten Testament begegnet uns das Wehe besonders bei den Propheten. Es taucht immer dann auf, wenn Gott warnt und sein Volk zur Umkehr aufruft. Das Wehe der Propheten ergeht dabei immer an eine Gesellschaft, in der Unrecht, Götzendienst, soziale Ausbeutung und trügerische Selbstsicherheit normal geworden sind.
Hier zwei Beispiele.
Jesaja 5,8-9: Wehe denen, die Haus an Haus reihen, Feld an Feld rücken, bis kein Raum mehr ist und ihr allein ansässig seid mitten im Land! So hat der Herr der Heerscharen in meine Ohren geschworen: Wenn nicht die vielen Häuser zur Einöde werden und die Grossen und Schönen ohne Bewohner sind.
Ezechiel 34,2-3: Menschensohn, weissage über die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr, Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Die Milch geniesst ihr, und mit der Wolle kleidet ihr euch. Das fette Vieh schlachtet ihr. Die Herde weidet ihr nicht.
Ein Weheruf enthält dabei meist zwei Elemente. Erstens wird die Schuld der Empfänger entlarvt, und zweitens wird ihnen eine Strafe angedroht. Ein Weheruf ist also immer Diagnose und Gerichtswarnung zugleich.
Wenn Jesus hier Weherufe gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer ausspricht, dann tritt er als Prophet Gottes auf.
Noch etwas müssen wir verstehen: Wehe bildet einen inhaltlichen Kontrast zu Selig. Das Selig steht für ein Leben unter der Gunst Gottes, das Wehe steht für ein Leben unter Gottes Gericht. Während der Herr Jesus also am Anfang des Matthäusevangeliums in der Bergpredigt die Bürger seines Reiches mit Selig beschreibt, begegnet er hier am Ende des Matthäusevangeliums seinen Gegnern, also denen, die das Reich Gottes verschliessen wollen, mit einem Wehe.
Wichtig: Das Wehe des Herrn Jesus ist noch nicht das Verdammungsurteil, sondern so viel wie die letzte Warnung. Noch ist das Gericht nicht gekommen. Es wird kommen, aber noch ist Zeit, auf Jesus zu hören und Busse zu tun.
Matthäus 23,13: Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen. Denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind Heuchler. Nach aussen hin wirken sie fromm. Sie stellen sich als diejenigen dar, die wissen, wie man mit Gott lebt. Aber in Wirklichkeit haben sie davon keinen blassen Schimmer.
Und schlimmer noch: Nicht nur, dass sie selbst nicht ins Reich der Himmel hineingehen, sie sorgen auch dafür, dass andere, die hineingehen wollen, es nicht können.
Wir wissen schon, dass der Begriff Reich der Himmel die Herrschaft Gottes meint. In das Reich der Himmel oder Reich Gottes — die beiden Begriffe sind austauschbar — hineingehen heisst also, dass mein Glaube echt ist, ich aus Gnade lebe und mich in einer intakten Beziehung mit Gott befinde. Gott ist Herr in meinem Leben, und ich lebe für ihn. Wichtig ist dabei nicht nur das Äussere, sondern das Herz. Es ist ungeheuchelt, also nicht so, wie es die Schriftgelehrten und Pharisäer tun.
Wenn Jesus vom Reich der Himmel spricht, dann verbindet er die Herrschaft Gottes logischerweise mit sich selbst. In das Reich Gottes hineingehen hat deshalb ganz viel damit zu tun, Jesus als den Messias zu erkennen, an ihn zu glauben und sich von ihm von den eigenen Sünden retten zu lassen.
Jesus wirft seinen Gegnern vor, dass sie das Reich der Himmel vor den Menschen verschliessen. Eigentlich hätten sie es als Lehrer der Tora öffnen müssen, aber sie tun das Gegenteil. Was hätten sie dazu tun müssen? Sie hätten Jesus als Messias erkennen und anerkennen müssen.
Später wird Paulus über das Kreuz sagen, 1. Korinther 15,3-4: Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften.
Paulus spricht hier nur vom Kreuz, aber was er sagt, das gilt für das ganze Leben Jesu. Er kam nach den Schriften. Sein Leben war die Erfüllung alttestamentlicher Bilder, Themen und Prophetien. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hätten das wissen können, aber sie wollten es nicht sehen.
Der Schlüssel, der fehlt
Lukas 11,52: Wehe euch Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr seid selbst nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.
Der Schlüssel der Erkenntnis ist die Fähigkeit, die Schrift in der richtigen Weise auf den Messias hin auszulegen. Aber diesen Schlüssel haben sie weggenommen. Damit bleibt die Tür ins Reich Gottes verschlossen.
Noch einmal Matthäus 23,13: Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen. Denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.
Persönlich stößt mir dieser Vers immer wieder auf, weil er so unfair klingt. Da wollen Menschen ins Reich der Himmel hineingehen, wollen mit Gott ins Reine kommen, wollen glauben, wollen wissen, wer der Messias ist, wie man seine Schuld loswird und eine Beziehung mit Gott bekommt. Und dann sorgen vermeintliche Experten dafür, dass sie keine Chance haben.
Sicherlich ist das noch nicht das letzte Wort in der Sache. Aber ich finde es einfach nur fies. Es regt mich immer wieder auf, vielleicht auch, weil die sozialen Medien genau dieses Problem noch verstärken und auch dem ungläubigsten Experten mit Doktortitel eine Plattform bieten.
Wenn religiöse Macht Menschen hindert
So, jetzt haben wir: Die Schriftgelehrten und Pharisäer legen das Alte Testament bewusst nicht auf Jesus hin aus. Aber sie tun noch mehr: Sie diskreditieren Jesus und gehen aktiv gegen Leute vor, die Jesus als Messias anerkennen.
Wir müssen uns da nur an den Blindgeborenen erinnern, dem Jesus das Augenlicht schenkt und der kurz darauf Jesus als einen Heiler von Gott, also noch nicht einmal als Messias, bekennt und dafür schon aus der Synagoge ausgeschlossen wird. Das heißt, die religiösen Führer verschließen das Reich nicht nur durch falsche Lehre, sondern auch durch sozialen und religiösen Druck.
Wir merken, wie angebracht die Weherufe sind, mit denen Jesus jetzt vor seinen Gegnern warnt.
Was könntest du jetzt tun? Lass dir mal von www.bibel.chat ein paar alttestamentliche Weherufe anzeigen und lies sie durch, um ein Gespür dafür zu bekommen.
Das war’s für heute. Ich will noch kurz Werbung für ein Seminar machen, das ich als Teilnehmer besuchen werde: 24. und 25. September 2026, CbE Tiefgang, zum Thema „Der verborgene Messias, das Evangelium im Alten Testament“. Der Link ist im Skript. Vielleicht sehen wir uns dort.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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