Liebe Freunde,
ich erzähle euch heute von einem Mann namens Naeman. Das ist kein
Verwandter von mir, der klingt bloß so ähnlich. Den könnt ihr schon allein
deswegen nicht verwechseln, weil der vor 3000 Jahren gelebt hat, ein Syrer
war und von Beruf General. Ich in der Generalsuniform, das wäre ja noch
lustiger als ich im Talar.
Ein Erfolgsmensch macht eine unangenehme Entdeckung.
Naeman war also ein General der syrischen Armee, ein Oberbefehlshaber, ein
Mann auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Steinreich, begabt, beliebt beim
König, beim Kaiser, beim Volk - ein typischer Erfolgsmensch. Und auf dem
Bauch hatte er eine ganze Menge von Orden und Ehren-zeichen, so wie sich
das gehört.
Eines Abends, als sich der Herr General zu Bett begibt (ihr könnt das
nachlesen im 2. Buch der Könige), entdeckt er auf seiner Haut ein paar
weiße Flecken. Er denkt sich zunächst nichts dabei, und glaubt, das
Verdienstkreuz erster Klasse hat sich durchgescheuert, er legt seine
Generalsuniform ordentlich auf die Stuhllehne und sich selber ins Bett. Als
er am nächsten Morgen aufwacht, sind diese hässlichen Flecken auf seiner
Heldenbrust aber nicht verschwunden, sondern im Gegenteil, sie sind noch
größer geworden. Im Laufe der Tage merkt er, dass sich überall auf seinem
Körper solche hässlichen Flecken und Beulen bilden. Er will das nicht
wahrhaben. Er denkt: Soll es mich wirklich erwischt haben? Bis er sich
schließlich nach einer gewissen Zeit eingestehen muss: Ich habe den
Aussatz!
Aussatz, der Krebs des Altertums.
Aussatz ist eine ganz gefährliche Krankheit, das ist nicht so etwas wie
Grippe oder Fieber, wo man schnell damit fertig wird. Der Aussatz ist eine
Krankheit zum Tode. Das ist damals genauso gefürch-tet und unheilbar
gewesen wie heute der Krebs. Ich brauche euch ja nicht zu schildern, was
los ist, wenn irgendeiner Krebs hat. Das ist ja so eine furchtbare
Krankheit, dass man noch nicht einmal wagt, ihren Namen überhaupt
auszusprechen.
Wer Aussatz hatte, wurde aus der Familie, aus dem Dorf, aus der Stadt
ausgeschlossen, ausgesetzt: daher Aussatz. Er hatte ein elendes Leben und
ein schreckliches Sterben vor sich. Der Mensch ver-faulte bei lebendigem
Leib. Das war das Schicksal, dass der Naeman jetzt vor sich sah.
Was nützt Naeman seine Armee, sein Reichtum, seine Gunst bei Volk und bei
Regierung, alles was er besitzt – er kann sich dafür nichts mehr kaufen.
Auch nichts für die vielen Orden und Klunker, die er da am Bauch hängen
hat. Vor allem kann er sich nicht mehr das kaufen, was er jetzt am
allernötigs-ten braucht, nämlich Gesundheit. Der General ist erledigt, er
ist ein Todeskandidat.
Man kann sich vorstellen, wie sich dieser Gedanke wie ein Albdruck auf das
ganze Haus legt. Sie laufen bloß noch auf Zehenspitzen durch die Gänge, und
alle Hausbewohner vom obersten Kammer-diener bis zum letzten Dreckpumpel
sind betroffen vom Schicksal ihres Herrn.
Die geringste Sklavin kennt den, der heilen kann.
Und gerade dieser Dreckpumpel, ein junges Mädchen, eine Sklavin, die bringt
die große Wendung. Wir wissen von diesem Mädchen nur, dass sie in
irgendeinem der vielen Kriege zwischen Syrien und Israel (die haben sich
von schon vor 3000 Jahren immer bekriegt) von Soldaten verschleppt worden
ist und nun in der Villa des Generals die Stiefel putzen und den Dreck
wegräumen musste. Wir wissen noch nicht einmal ihren Namen. Ein namenloses,
unbekanntes, unbedeutendes Geschöpf – aber sie ist die einzige im ganzen
Hause, die den wahren Gott kennt. Denn sie stammt aus Israel, aus dem
einzigen Land zur damaligen Zeit, das den wahren Gott kannte und anbetete.
Alle anderen Län-der ringsum beteten andere Götter an, sogenannte Götzen.
Ich weiß nicht, ob ihr wisst, was Götzen sind. Götzen sind damals das
gewesen, was heute Ideologien und Weltanschauungen sind. Also etwas, was
der Mensch sich selber zurecht gemacht hat. Die Ideo-logien kommen und
gehen, aber Jesus bleibt bestehen, wie die Bibel sagt: Jesus Christus
gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit[1].
Damals in der Zeit, von der ich heute rede, war es große Mode, den Gott
Ramon anzubieten. Heute weiß kein Mensch, wer das gewesen ist, außer
vielleicht ein paar Altertumsprofessoren. Nicht ein-mal die unter euch, die
Ramon oder Ramona heißen, haben eine Ahnung, wer der Herr Ramon gewesen
ist. Es war ein Donnergott, ein Gewittergott, es war der oberste Gott der
Assyrer, der damali-gen Weltmacht. Weil die Syrer als kleiner
Satellitenstaat völlig abhängig waren von der assyrischen Großmacht,
standen die natürlich auch auf dem Boden der assyrischen Weltanschauung.
Auch der General Naeman stand da drauf, er stand auf Ramon.
Und weil diese israelitische Sklavin wusste, dass dieser tote Götze Ramon,
den sie anbeteten, dass der keinem Menschen helfen kann, sondern dass bloß
der lebendige Gott einem Menschen helfen kann, und weil sie wusste, dass in
Israel ein Mann lebt, ein Zeuge dieses Gottes, der Prophet Elisa, da sagte
sie sich eines Tages: "Jetzt ist einmal Schluss mit dem Geheule hier!",
stellt ihren Besen in die Ecke, fasst sich ein Herz, geht zu ihrer Chefin
und sagt: Ach, wenn mein Herr Naeman doch zu dem Propheten Elisa nach
Israel ginge, der könnte ihm helfen![2]
Was wir von dem mutigen Mädchen lernen können.
Mit dieser Bemerkung wird dieses Mädchen, diese unscheinbare Nebenfigur der
Geschichte, auf einmal zu einer Hauptfigur des Geschehens. Und ich denke,
wir könnten alle von diesem Mädchen sehr viel lernen. Denn sie hat erstens
an ihrem Glauben festgehalten, obwohl sie in einem Land mit einer
vollkommen anderen Welt Anschauung lebte. Sie hat zweitens in einem
entscheidenden Augenblick, vor den Vertretern eines völlig anderen Systems,
ein Glaubensbekenntnis abgelegt, und sie hat drittens dadurch einem anderen
Menschen das Leben gerettet.
Für jeden von euch, der an Gott glaubt, kommt einmal der Moment, wo ihr
einen anderen Menschen zu Gott hin führen könnt. Ihr alle, ihr lebt in
einer atheistischen Umgebung. Ihr freut euch, dass ihr heute einmal zu
einem Gottesdienst mit vielen anderen Christen dabei sein könnt. Das ist
auch wunderbar, dass ihr kommt – aber morgen Früh seid ihr wieder allein.
Da seid ihr mit ganz anderen Menschen zusammen.
Warum Gott manche Menschen auf einen einsamen Posten stellt.
Da sind vielleicht welche unter uns, die die Einzigen sind in ihrer
Brigade[3] oder in ihrer Klasse oder in ihrer Familie, die an Jesus
glauben. Und du kommst dir vielleicht manchmal furchtbar einsam vor und
fragst dich: "Warum lässt mich Gott hier ganz einsam und allein auf meinem
Posten schmoren?" – da solltest du einmal an diese junge Sklavin denken.
Die war auch ganz alleine und die hat viel-leicht auch mit Gott gehadert
und hat nicht verstanden, warum sie in Syrien leben musste. Sie hätte auch
bestimmt lieber an der Universität in Jerusalem studiert, anstatt anderen
Leuten die Spuck-näpfe sauber zu machen.
Aber jetzt in diesem Augenblick stellt sich heraus, dass der ganze
umständliche Leidensweg, den dieses Mädchen gegen musste, nur deswegen
erfolgen musste, weil Gott dieses Mädchen in Syrien brauchte. Gott hatte in
ganz Syrien nur diese eine Sklavin, die General Naeman die Rettung geben
kann. Und Gott hat vielleicht in deiner ganzen Klasse und Brigade und
Familie nur dich, als den ein-zigen, der deinem nächsten einen Hinweis auf
Gott geben kann. Und wenn du dir vielleicht auf deinem Posten einsam und
verloren vorkommst, dann lass dir sagen, dass ein Kind Gottes niemals auf
einem einsamen und verlorenen Posten sitzt, sondern dass Gott dich da, wo
du jetzt bist, hingestellt hat, weil du dort ein Zeugnis für Gott ablegen
kannst.
Gott hat eben in deiner Klasse oder in deiner Familie bloß dich und braucht
dich, damit du ein Zeugnis für Ihn gibst. Also pass auf, wenn der Moment
für dich kommt, wenn du einem anderem Hinweis auf Jesus geben kannst, und
dann tu's auch. Da brauchst du nicht erst Theologie zu studieren. Du
brauchst auch keine frommen Worte zu machen, du brauchst auch nicht so
lange zu warten, bis der andere erst mal Krebs hat. Du bist doch oft mit
anderen Menschen zusammen, und man redet so, und da ist einer dabei, der
hat wegen irgendetwas den Kanal voll, er hat ein Problem, und weiß an
irgendeiner Stelle seines Lebens nicht mehr weiter. Na, da kannst du doch
zu ihm sagen: "Ich kenne einen, der deine Probleme lösen kann, das ist
Jesus!"
Erzähle den Leuten von Christus!
Dann kannst du ihm sagen, na, dann geh doch einmal mit deinen Problemen zu
einem Pfarrer oder zu irgendeinem Christen hin. Also, diesen Satz kannst du
unter allen Umständen sagen. Oder willst du behaupten, du wärest zu weniger
fähig als diese kleine Sklavin? Man muss manchmal lange warten, bis der
richtige Moment kommt, bis man einem anderen Menschen etwas von Gott
erzählen kann. Aber wenn der Moment gekommen ist, dann überwinde deine
Feigheit und deine Schüchtern-heit und mach deinen Mund auf und sag' was.
Ich habe seit 20 Jahren einen guten Freund. Er hat im Grunde genommen
alles, was der Mensch haben kann. Er ist verheiratet, hat ein Kind, einen
Trabanten, hat eine gute Wohnung, einen ordentlichen Verdienst – dem fehlt
nichts. Aber er ist immer unzufrieden. Den macht das fertig: Tag um Tag,
früh aufstehen, in die S-Bahn rein, Arbeiten, mit der S-Bahn wieder raus,
Fernsehen, zu Bett gehen, am nächsten Tag wieder das gleiche, jeden Tag,
ein Leben lang, das macht ihn kaputt. Er findet in seinem Leben einfach
keinen Sinn. Das kommt ihm alles sinnlos vor. Und jedes Mal, wenn ich mit
ihm zusammen bin, dann fängt er davon an. In jedem Brief, den er schreibt,
erwähnt er diese Sinnlosigkeit, an der er leidet. Ich hab bisher immer
Hemmungen gehabt, ihn mal auf Jesus hinzuweisen, obwohl wir Stunden und
Nächte lang zusammen geredet haben. Man ist ja manchmal so blöde und
gehemmt, dass man es nicht fertig bringt, dass man einem Kumpel gegenüber
von Gott spricht. Aber jetzt, als er mir vor vierzehn Tagen wieder schrieb
und als das Genöle wieder los ging mit der Sinnlosigkeit, da hat es mir
gereicht, und ich hab mich hingesetzt und ich habe meine Postkarte
geschickt. Da habe ich nur drauf geschrieben: "Es liegt nur an dir, ob du
ein sinnvolles Leben hast: Wenn es ein Leben mit Christus ist!
Unterschrift." Und ich denke, so oder ähnlich, irgendwie so könnt ihr das
auch machen. Du kannst und du sollst durch dein Zeugnis zum Lebensretter
für deine Nächsten werden.
Das Problem des Generals: er sitzt in der Klemme und auf dem hohen Ross.
Zurück zu unserem General. Der General möchte leben. Er möchte gerettet
werden. Und er greift den Hinweis von seinem Dienstmädchen auf und macht
sich tatsächlich auf nach Israel. Aber so sehr er in der Klemme sitzt, er
sitzt immer noch auf seinem hohen Ross. Er hält es nämlich als General für
unter seiner Würde, dass er mit einem einfachen Propheten, mit dem Elisa
verhandelt. Er hält es für unter seiner Würde, dass er in die Hütte dieses
Propheten geht. Für ihn kommt überhaupt nur das Schloss des Königs von
Israel als Verhandlungsort infrage.
Es soll ja heute Leute geben, die es für unter ihrer Würde halten, in ihrer
eigenen Heimatgemeinde in einen Gottesdienst zu gehen. Es kommt ja für die
nur die Schlosskirche infrage. Und weil der Naeman kein General ist, den
man kaufen kann[4] um damit sauber zu machen, sondern weil er denkt, er
kann sich seine Gesundheit erkaufen, da bietet er dem König massenweise
Gold und Silber an. Es soll ja auch heute Leute geben, die denken, wenn sie
viel in die Kollekte geben, dass ihnen Gott dann das gibt, was Sie von ihm
haben möchten. Gott kommt es aber nicht auf deine Piepen an, Er will dich.
Er will dich ganz haben. Und Gott sagt: wer mich von ganzem Herzen sucht,
von dem will ich mich finden lassen. Hast du Gott eigentlich schon einmal
von ganzem Herzen gesucht? Warum bist du denn heute hergekommen? Weil du
Gott unbedingt haben möchtest? Oder bist du so ein Traditionschrist, oder
ein halber, oder ein gar keiner, dann wird es Zeit, dass du heute ganze
Sache mit Jesus machst, und dass du dich heute an Jesus wendest.
Du bist bei Jesus an der richtigen Adresse. Er ist ja bereit, dich
aufzunehmen. Er hat ja für dich schon alles erledigt, als er am Kreuz für
dich gestorben ist. Aber wenn du zu stolz bist, dich vor dem Kreuz vor
Jesus zu beugen, dann bleibst du ein Aussätziger, dann bleibst du draußen,
ausgeschlossen aus Gottes Reich. Denn die Bibel sagt: Gott widersteht den
Stolzen, aber denen, die demütig sind, denen wendet er sich zu[5].
Naeman ist mit seinem Stolz und mit seinem Aussatz bei dem König von Israel
an der falschen Adresse. Der kann ihm nicht helfen. Und während der Naeman
dort dumm rumsteht, kommt von dem Elisa einen Zettel an den König, auf dem
steht drauf: Schick den Mann zu mir, damit er merkt, dass ein Prophet im
Lande ist.[6]
Jetzt endlich bequemt sich nun Naeman, zu dem Elisa hinzugehen. Aber er
verkennt die Situation immer noch. Mit seiner ganzen Wagenkolonne donnert
er vor der Hütte von dem Elisa vor, steigt aber nicht etwa von seiner
Staatskarosse runter, sondern bleibt oben sitzen. Und wartet, bis der
Prophet ihm nun katzbuckelnd entgegenkommt. Da kann er lange warten. Der
Prophet denkt gar nicht daran, auch nur einen Blick aus der Tür oder aus
dem Fenster raus zu werfen. Er schickt einen seine Bediensteten nach einer
Weile raus, mit der Nachricht: Mein lieber Mann, mein lieber Naeman, geh
runter in den Jordan und tauche sieben Mal unter, und dann wirst du
gesund."
Auch da wird der General verrückt. Ganze Kompanie kehrt, ist das Kommando,
Abmarsch, es geht nach Hause, da tobt sich der General nun richtig aus. So
eine Unverschämtheit! Man macht sich den ganzen Weg von Syrien nach diesem
blöden Israel und kriecht zu diesem Propheten dahin und der hält es noch
nicht einmal für nötig, wenigstens einmal zur Tür heraus zu kommen. Er
hätte doch wenigstens für mich einen Gottesdienst abhalten müssen, zu
seinem Gott ein Gebet sprechen, mir die Hände auflegen, und stattdessen
lässt der mir ausrichten, ich soll baden gehen im Jordan. Als ob wir zu
Hause in Syrien nicht auch Wasser hätten, viel Saubereres als die
Dreckbrühe vom Jordan. Und dann noch sieben Mal untertauchen, Köpfchen in
das Wasser, Schwänzchen in die Höhe, so ein totaler Blödsinn. Sagt der
Naeman.
Naeman ist bereit zu allem – außer seinen Stolz aufzugeben.
Der Elisa weiß wohl nicht, wenn er vor sich hat. Der Elisa wusste ganz
genau, wenn er vor sich hat. Nämlich einen eingebildeten, stolzen Menschen,
der zwar sein Leben lang gewöhnt war, von anderen, seinen Untergebenen,
bedingungslosen Gehorsam zu fordern, aber der nicht bereit war, Gott
bedingungslos zu gehorchen. Und die Bedingung, die Gott ihm stellte, war ja
nun wirklich nicht schwer. Gott verlangt nichts unmögliches, auch von dir
nicht. Sich waschen und bis sieben zählen, das wird der Herr General schon
noch gekonnt haben. Das ist kinderleicht. Aber das war es nicht und das war
dem General zu einfach.
Wenn der Elisa von ihm verlangt hätte, er soll sein Geld hergeben um ein
Krankenhaus zu bauen, wo dann vorne noch vielleicht der Name von Naeman
dran steht – "Hospital zum General" oder so – das hätte er sofort gemacht.
Wenn der Elisa gesagt hätte: "Gib dein ganzes Geld her, verteile es unter
die Armen!" – da hätte er, ohne mit der Wimper zu zucken, sein Haus, seine
Staatskarossen und sein Geld, er hätte alles hergegeben. Für seine
Gesundheit, da wäre nichts zu teuer gewesen. Aber von einem, der wollte
sich dieser Mann nicht trennen, und das war sein Stolz. Als
Oberbefehlshaber der syrischen Armee vor den Augen seiner Untergebenen
sieben Mal untertauchen wie eine Schloss Teichente, das wollte er nicht.
Du möchtest vielleicht auch irgendwas von Gott haben. Ich weiß nicht was,
vielleicht möchtest du von Gott auch Gesundheit haben oder einen
Studienplatz oder Vergebung deiner Schulden oder einen guten Job, ich weiß
es nicht, was du dir von Gott wünscht. Du bist vielleicht bereit, um auf
irgendetwas anderes verzichten, um das zu bekommen, was du dir von Gott
wünschst, zum Beispiel nicht mehr zu rauchen. Du träumst davon, für Gott
einmal ein richtig großes Ding loslassen zu kön-nen. Meinetwegen hier in
dieser großen Kirche ein großes Zeugnis abzulegen oder in deiner Brigade
oder ich weiß etwas. Ich weiß nicht, ob Gott das von dir verlangt. Ich weiß
bloß, dass Er von dir verlangt, dass du, und zwar ohne große Zeugen, dass
du mit den Schwächeren in deiner Umgebung in deiner Klasse, und in deiner
Brigade, dass du ihm hilfst.
Wir sind alle wie Naeman.
Gott verlangst von dir, dass du der kranken Frau in deinem Haus einmal die
Kohlen nach oben trägst, auch wenn du deine Oberschülerklamotten dadurch
etwas schmutzig machst. Vielleicht verlangt Gott von dir, dass du dich
endlich einmal bei deiner Frau entschuldigst, für die blöde Bemerkung, mit
der du ihr vorgestern weh getan hast.
Du sagst vielleicht: "Das weiß ich schon selber. Wegen solcher primitiver
Ratschläge komme ich nicht von Leipzig oder von Crimmitschau in die
Schlosskirche. Von einem Doktor der Theologie, da erwarte ich ein paar
höhere Gedanken!" – Da kannst du lange warten, bist du von mir mal einen
hören Gedanken zu hinkriegst (Riesengelächter).
Im Gegenteil, ich möchte dir sagen: Gib mal diese Sucht auf nach diesen
großartigen Ideen und hohen Gedanken und geh lieber einen einzigen, einen
einzigen praktischen Schritt der Demut und der Nächstenliebe. Hör auf mit
deinen niveauvollen frommen Reden und begib dich einmal unter dein Niveau,
unter dein so genanntes Niveau, und tu etwas aus deinem Glauben heraus, für
einen Menschen, der unter dir steht und der dich braucht.
Du sagst vielleicht: "Ich hab mich schon bei meiner Frau entschuldigt,
schon zwei Mal, und sie ist immer noch eingeschnappt." Dann musst du dich
vielleicht noch sieben oder zehn Mal bei ihr entschuldigen, bis dann bei
euch wieder Frieden einkehrt und du wieder Frieden mit Gott hast. Gott
erwartet doch von dir gar keine großartigen Aktionen. Er erwartet doch von
dir nur ganz einfach Gehorsam. Gehorsam in ganz einfachen, normalen,
schlichten Alltagsdingen. Weiter nichts. Von dem Naeman wird auch weiter
nichts verlangt. Er soll nur sieben Kniebeugen machen, dass langt für seine
Rettung. Und gerade diese einfache Kleinigkeit, die fällt diesem Mann so
schwer.
Weil es für uns Menschen nun einmal nichts Schwereres gibt, als dass wir
unseren Stolz aufgeben. Ich kenne Leute, die brauchen Jahre dazu. Es gibt
Leute, die schaffen das ein Leben lang nicht. Es gibt welche, die rennen
jeden Sonntag mit dem Gesangbuch in die in die Kirche und fahren doch am
Ende ihres Lebens mit Karacho in die Hölle, weil sie nicht bereit sind,
ihren Stolz aufzugeben.
Naeman überwindet seinen Stolz – und wird geheilt.
Der Naeman ist zum Schluss doch noch soweit. Er lässt anhalten, er steigt
von seinem hohen Ross runter, geht runter ans Jordanufer, zieht vor allen
Leuten seine Generalsuniform aus, dass sie diese widerlichen und hässlichen
Beulen und Aussatzflecken sehen können, und vor den Augen seiner geringsten
Soldaten, die alle denken: Nun ist unser Vorgesetzter irre geworden!"
steigt dieser Mann in das Wasser des Jordans und taucht unter, einmal,
zweimal, vier Mal, sechs Mal, sieben Mal, und dann ist er rein vom Aussatz,
und wupp! – mit einem Satz kommt er aus dem Wasser und läuft zu dem
Propheten Elisa und als er an dessen Haus kommt, da sagt er zu dem Elisa:
Siehe, jetzt weiß ich, dass kein Gott ist in allen Ländern außer in
Israel[7]. Und er verspricht und sagt: "Ich will nie wieder anderen Göttern
opfern und Brandopfer bringen, sondern alleine dem Herrn."
So ist aus dem Götzenanbeter ein Gottesanbeter geworden. So ist aus dem
Lager einer gottlosen Weltanschauung einer übergewechselt in Gottes Reich.
Und was im alten Syrien möglich gewesen ist, ist heute im modernen Karl-
Marx-Stadt genauso möglich. Gott holt sich seine Leute heute aus allen
Lagern von Religionen und Weltanschauungen – zu Tausenden, überall in aller
Welt. Und Er holt sie in seine Welt. Und Er wird auch heute welche von
euch, die auf dem Boden der atheistischen oder irgend einer anderen
Weltanschauung gestanden haben, auch von ihr sich welche von euch zu sich
holen.
Und vor allem diese, die bereit sind zu sagen: "Jesus, ich will, dass mein
Leben dir gehört. Und ich will dir gehorchen. Sei du der Herr in meinem
Leben!" Du behauptest vielleicht, du könntest als ein gebildeter Mensch so
etwas nicht sagen, das wäre gegen alle Vernunft, dass man einen anspricht,
der vor 2000 Jahren an einem Kreuz getötet worden ist. Ich will dir einmal
etwas sagen: Das hat mit Vernunft oder Unvernunft gar nichts zu tun. Der
Naeman hat sich nicht aus Vernunftgründen bei dem Untertauchen geweigert.
Es war sein Stolz, der ihn daran gehindert hat. Und wenn du nicht an Gott
glaubst, dann liegt das nicht daran, dass du so ein moderner und kluger und
gebildeter Mensch bist, sondern weil du so ein eingebildeter und stolzer
Mensch bist. Ich bin auch ein gebildeter und auch ein vernünftiger Mensch
(da können wir jetzt uns darüber streiten), aber von mir hat Gott noch nie
verlangt, dass ich meine Bildung oder meinen Verstand aufgeben soll. Und Er
verlangt das von dir auch nicht. Er verlangt bloß, dass du deinen
verdammten Stolz aufgibst und in dem Augenblick, wenn du das machst, kannst
du auch an Gott glauben. Du brauchst bloß zu sagen: Jesus, ich übergebe
dir mein Leben. Und es soll jetzt nicht mehr nach meinem Willen, sondern
nur mehr nach deinem Willen gehen!" – So einfach ist das. Du kommst mir
jetzt noch vor wie so ein Aussätziger, wie einer, der draußen steht, der
gar nicht kapiert, wovon die Christen reden, wovon hier gesprochen wird.
Gib deinen Stolz auf und dann gehst du hin. Der Glaube fängt nicht da an,
wo dein Verstand aufhört, sondern wo dein Stolz aufhört.
___
[1] Hebräer 13, 8
[2] 2. Könige 5, 3
[3] In der DDR-Planwirtschaft war die Brigade die kleinste Arbeitsgruppe in
Betrieben und Verwaltung. – Anm. des Schreibers.
[4] Theo Lehmann spielt wohl darauf an, dass von der Stasi gedungene
Spitzel, deren Heimatgemeinde woanders war, seine Schlosskirchen-
Gottesdienste besuchten, um ihn zu überwachen. – Anm. des Schreibers.
[5] Sprüche 3, 34
[6] 2. Könige 5, 8
[7] 2. Könige 5, 15

