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Lukas 20,20-21,4

Lukas 20,20-21,414.05.2012
Serie•Teil 44 / 53Lukas-Evangelium
Scheinheiligkeit sieht oft fromm aus – und verfehlt doch das Herz. Jesus fragt: Gibst du Gott wirklich dein Leben, oder nur ein gutes Bild nach außen?

Einleitung und Ausgangspunkt der Betrachtung

Ja, hallo! Alle Gäste, die mich nicht kennen: Mein Name ist Jürgen Fischer. Ich bin hier etwa einmal im Monat und schon seit ungefähr vier Jahren dabei, das Lukasevangelium zu predigen.
Nach vier Jahren sind wir schon ein Stück weit gekommen. Wir befinden uns etwa in Lukas 20, und ich möchte dort mit einer Gegenüberstellung anfangen.

Zwei Bilder von religiösem Verhalten

 Lukas 20,45-47
Während aber das ganze Volk zuhörte, sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen und die Begrüßungen auf den Märkten lieben, sowie die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern. Sie verschlingen die Häuser der Witwen und halten zum Schein lange Gebete. Diese werden ein schwereres Gericht empfangen.
Ganz einfacher Text, oder? Pass einfach auf: Es gibt da draußen Typen, die laufen herum und beten, aber wenn sie die Hände falten, dann ist das nur zum Schein. In Wirklichkeit geht es ihnen um etwas ganz anderes. Die tragen lange Gewänder, also sind ihnen Äußerlichkeiten wichtig. Sie lieben es, wenn man sie auf der Straße anspricht und sagt: Hallo, schön, dich zu sehen, toller Typ bist du, gut, dass du da bist. Das genießen sie.
Die ersten Sitze, das heißt: Wenn man sich trifft, in der Synagoge, also damals in der Kirche, beim Gottesdienst, aber auch bei einem Essen oder einer Hochzeit, wollen sie immer vorne am Tisch des Brautpaares sitzen, Ehrengast sein. Das finden die total gut.
Und während sie auf der einen Seite lange Gebete sprechen, ist ihre eigentliche Motivation Habgier. Sie verschlingen, das ist ein schönes Wort, sie verschlingen die Häuser der Witwen. Witwen waren in der damaligen Zeit eine Bevölkerungsgruppe, die ganz wenig Möglichkeiten hatte, oft arm war und rechtlos war. Alte Frauen, die vielleicht nur noch ihr kleines Häuschen hatten, und die sackten das einfach ein.
Passt bitte auf! Nach außen sieht das riesig aus, als wären das in der Gesellschaft die Größten. Vor Gott sind sie eine absolut unbedeutende Größe, Menschen, vor denen man sich hüten muss.

Das Gegenbild der unscheinbaren Hingabe

Und auf der anderen Seite, in Verse 21,1-4, genau das Gegenteil: Da kommt so eine arme Witwe, und Gott lässt uns für einen kurzen Moment an seinen eigenen Gedanken, was diese Frau angeht, Anteil haben. Da heißt es: Er blickte aber auf und sah die Reichen, wie sie ihre Gaben in den Schatzkasten legten.
Ihr habt ja auch vor, euren Schatzkasten durchlaufen zu lassen, also das sind da, wo man etwas hineinlegen kann. Und ich finde es total interessant, das wäre meine eigene Predigt wert, dass Jesus sich neben den Schatzkasten setzt, also da, wo man Geld hineinsteckt. Das ist immer so: Man macht das hier heimlich, das soll auch keiner so sehen. Jesus setzt sich da hin und schaut mal zu.
Und da kommen die Reichen und legen ordentlich etwas ein, zeigen, was sie haben. Er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei Schärflein dort einlegte. Es ist nicht so viel, zwei Schärflein, es ist so ein besseres Taschengeld. Und er sprach: In Wahrheit sage ich euch, dass diese arme Witwe mehr eingelegt hat als alle. Denn alle diese haben von ihrem Überfluss eingelegt zu den Gaben, diese aber hat aus ihrem Mangel heraus den ganzen Lebensunterhalt, den sie hatte, eingelegt.
Und ihr merkt: Zwei Leute äußerlich. Der Reiche, boah, hier ja, schaut mal, was ich alles gebe. Und dann kommt so ein kleines Mütterchen und legt, was weiß ich, zwei Euro ein. Und du denkst: Das sind zwei Euro, der davor hat, was weiß ich, zweitausend Euro gespendet. Und Gott schaut mitten ins Herz, und er sagt: Wenn ich das vergleichen müsste, die einen, die haben na ja, von ihrem Überfluss, den sie hatten, etwas abgegeben. Die waren vorher reich, die waren danach reich.
Und auf der anderen Seite diese völlig unbedeutende Größe, diese Witwe, die man so leicht übersehen kann, die so wenig gibt, dass es nicht auffällt, die ist in Gottes Augen absolut bedeutend. Und wir merken: Es kann leicht passieren, dass man auf der einen Seite Dinge sieht, die wirken groß, sind aber in Wirklichkeit nur Schein. Und dass man die eigentlich großen Dinge, wo Gott daneben steht und sagt: Ey, super!, weil sie so klein sind, übersieht.

Worum es bei Scheinheiligkeit wirklich geht

Und deswegen möchte ich mit euch heute über Scheinheiligkeit reden. Nicht über die Scheinheiligkeit des Verbands deutscher Blumengeschäftsinhaber. Das fand ich so schön als Beispiel: Ja, wir wollen den Muttertag fördern, wir wollen die Mütter ehren, wir wollen, dass die Mütter mal im Mittelpunkt stehen. Quatsch! Unsinn! Ihr wollt Blumen verkaufen! Das ist der Punkt.
Nach außen hin: Ach, was sind wir doch für familienfreundliche Menschen, wie schätzen wir doch den Dienst der Mütter in der Gesellschaft. Ja, dann verschenkt eure Blumen am Muttertag, könnte man sagen. Aber nein, so weit geht man dann doch nicht.
Also, ich meine jetzt eigentlich nicht diese Form von Scheinheiligkeit, die mit Werbung einhergeht, sondern mir geht es um Scheinheiligkeit im religiösen Gewand. Scheinheiligkeit, die uns auch betreffen kann.
Hintergrund der ganzen Geschichte, die ich hier aus Lukas 20 vorlese: Die Osterwoche. Jesus ist nach Jerusalem triumphal eingezogen. Hinter uns liegt die Tempelreinigung, eine erste sehr massive Konfrontation Jesu mit den Autoritäten. Auf der einen Seite lehrt Jesus im Tempel, auf der anderen Seite steht im Hintergrund schon ein Mordkomplott.
Das heißt in Lukas 19,47: Die Hohen Priester, die Schriftgelehrten und die Ersten des Volkes ersuchten, ihn umzubringen. Da ist die Entscheidung schon gefallen: Den Kerl müssen wir loswerden.
Und es ist nicht ganz so einfach, Jesus loszuwerden, weil die hohen Herren sind stinkesauer auf diesen Jesus, auf diesen Wanderprediger aus Galiläa. Aber der Rest des Volkes, die anderen, die so im Gottesdienst mit drin sitzen, die finden ihn total gut. Weil endlich traut sich einer mal, die wesentlichen Punkte anzusprechen. Endlich sagt einer mal, wo, wie sagt man das, wo der Fisch stinkt. Und der stinkt immer vom Kopf her.
Das heißt, da legt einer den Finger in die Wunde, und alle sind begeistert, bis auf die hohen Herren.

Die Strategie der Gegner Jesu

Und wenn man jemanden, das ist bis heute so, nicht gleich umbringen kann, dann fängt man wenigstens mal an, ihn ein bisschen zu diskreditieren. Wie macht man jemanden platt? Das Mittel, das eingesetzt wird und das wir uns gemeinsam anschauen wollen: Man stellt Fragen.
In Lukas 20,20-40 werden zwei Fragen gestellt. Die erste dreht sich um das Thema Steuerpolitik. Die zweite Frage dreht sich um das Thema Auferstehung, also um so eine Spezialfrage aus dem Bereich der Religion.
Die erste Frage wird von einer Gruppe gestellt, die ich heute mal unter die Überschrift setze: Ultrakonservative. Ihr werdet sehen, warum. Die zweite Frage kommt aus der anderen Ecke. Wenn da drüben unsere Ultrakonservativen sitzen, dann sitzen da drüben unsere Liberalen. Die zweite Frage zur Auferstehung kommt also von der Seite der Liberalen.
Das sind die zwei, die ich euch vorstellen möchte, die zwei Strömungen, die es, glaube ich, in der Religion immer irgendwie gibt, nicht nur im Christentum, wo man aus einer gesunden Mitte auf der einen oder der anderen Seite vom Pferd fällt. Und der Gag ist: In beiden Richtungen liegt die Scheinheiligkeit.
Und das müssen wir uns gemeinsam anschauen, und das möchte ich mir mit euch anschauen.

Die erste Fangfrage und ihre Absicht

 Lukas 20,20. Ich fange mal mit dem Vers an:
Und sie beobachteten ihn und sandten Auflauerer aus, die sich stellten, als ob sie fromm wären. Da sitzen Leute im Auditorium, die tun nur so, als wären sie fromm und interessiert an dem, was Jesus zu sagen hat. Die sich stellten, als ob sie fromm wären, um ihn in der Rede zu fangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Macht des Statthalters überliefern könnten.
Also, die sind nicht interessiert an Wahrheit. Die sind auch nicht wirklich interessiert an Frömmigkeit. Die sind schon gar nicht interessiert an Gottes Reich. Es geht ihnen eigentlich nur darum, Jesus Schaden zuzufügen. Die Ersten, die jetzt hier auftauchen, die wollen ihn beim Statthalter anschwärzen. Und nachher möchte die zweite Gruppe einfach nur zeigen, dass Jesus keine Antwort mehr hat. Die wollen ihn einfach ein bisschen schlecht aussehen lassen.
Und die erste Frage, die ich an dieser Stelle euch stellen möchte, ist eigentlich: Wo stellen wir uns manchmal fromm? Hier kommen Leute, die tun so, als wären sie total interessiert. Herr Jesus, sag doch mal was, red doch noch ein bisschen mehr, was hältst du davon? Die sitzen da, nach außen kannst du sie nicht unterscheiden von all den anderen. Die stellen sich fromm.
Die Frage, die ich mir stelle, die ich uns stellen möchte: Wo in unserem Leben stellen wir uns fromm? Wo tun wir so, als ob?
Es ist interessant: Ein Gottesdienst ist eine tolle Gelegenheit dazu, sich fromm darzustellen. Man sitzt dann da, man singt ein bisschen mit, man weiß ja, wie man sich zu verhalten hat. Keiner würde jetzt einfach mal drauflos rülpsen hier im Raum, macht man einfach nicht. Auch nicht pupsen, es sei denn, es geht gar nicht anders. Sondern ganz leise. Also, das wäre einfach nicht dran.
Würde auch keiner hier aufstehen und sagen: Blödsinn, alles Quatsch! Man ist schon nett zueinander, irgendwie ein bisschen fromm. Aber die Frage ist halt, ob das so echt ist.
Und deswegen schauen wir uns mal die zwei Gruppen an.

Die ultrakonservative Richtung

Ich fange mit den Ultrakonservativen an. Ich nenne sie übrigens ultrakonservativ, weil ich grundsätzlich ja auch konservativ bin. Ja, konservativ, conservare, etwas bewahren, etwas erhalten, was gut ist, ist ja nicht schlecht. Der Punkt ist nur: Man kann so konservierend sein, dass man irgendwann schon tiefgefroren ist, also dass man auch gar nicht mehr auftaut. Und dann wird es irgendwo schwierig.
Das heißt, es gibt da so eine Entwicklung, und die möchte ich euch hier zeigen. Hier sind Leute durch eine Entwicklung gegangen. Die, die hier als die Ultrakonservativen dastehen, sind eigentlich mal – und das ist jetzt ein Insiderwitz – als Brüdergemeindler gestartet. Das will sagen: Sie hatten mal die gleiche Motivation, die vor 150 Jahren Brüdergemeindler dazu gebracht hat, zu sagen: Wir müssen Gemeinde neu denken, wir müssen die Bibel neu lesen, die Bibel neu studieren. Wir müssen neu aus einer völlig kaputten Landeskirche heraus. Das ist in England gestartet, das war damals die anglikanische Kirche. Wir müssen neu das Buch in die Hand nehmen und nachdenken, was da steht.
Und die Pharisäer, die Schriftgelehrten, haben genau den gleichen Hintergrund. Die kommen aus einer ganz furchtbaren Geschichte heraus und sagen: Wir müssen Gott neu ernst nehmen. Das war ungefähr zweihundert Jahre, bevor der Herr Jesus hier auf die gleichen Leute getroffen ist. Und zweihundert Jahre später waren die, die mal gesagt haben: Wir müssen Gott neu ernst nehmen, wir müssen selber die Bibel lesen, wir müssen uns überlegen, wo es hier hingeht, irgendwie einen Schritt zu weit gegangen. Aus einer Liebe zu Gott, aus einer Liebe zur Schrift, aus einer Liebe dazu, selber die Bibel zu studieren, eigenständig nachzudenken und neue Formen der Anbetung zu finden, die passend waren, für den Moment passend waren, für die Menschen, die es betroffen hat, wurde eine Strömung, die sich, als der Messias dann wirklich kommt, gegen den Messias stellt und hier solche Dinge macht, wie wir sie jetzt sehen werden.

Die Frage nach der Steuer und das Problem der Reduktion

Vers 21: Und sie fragten ihn und sagten: Lehrer, wir wissen, dass du recht redest und lehrst und die Person nicht ansiehst, sondern den Weg Gottes in Wahrheit lehrst. Scheinheiligkeit schließt nicht aus, dass dir der scheinheilige Honig um den Bart geschmiert wird. Blablablabla.
Jetzt kommt die Frage, also Vers 22: Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuern zu geben oder nicht?
Du denkst dir: Was für eine komische Frage. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu geben? Ja, Kaisersteuern. In der damaligen Zeit stehen die Römer als Besatzungsmacht in Israel, und der Kaiser als das römische Oberhaupt verlangt logischerweise Steuern. Ist es eigentlich grundsätzlich richtig, Steuern zu zahlen? Die Antwort lautet: Ja.
Die Bibel – ich mache mal einen kleinen Exkurs zum Thema Steuern – sagt: Steuern sind richtig. Das mag uns nicht gefallen, und ich bin auch jedes Jahr erstaunt, wenn man dann so ganz am Ende mal die Abrechnung macht, was da so unterm Strich bezahlt werden muss. Aber die Bibel sagt: Steuern zahlen ist richtig.
In Römer 13,1 steht etwas ganz Grundsätzliches für den Aufbau unserer Welt. Da heißt es: Jede Seele unterwerfe sich den Übergeordneten. Und jetzt ist es hier so schön, da steht staatlichen. Wenn ich euch einen Tipp geben darf: streicht es durch. Es ist eine Interpretation, deswegen in eckigen Klammern. Und diese Interpretation tut nicht nur an der Stelle nicht not, sie führt in die falsche Richtung.
Das, was Paulus hier sagen möchte, ist nämlich viel grundsätzlicher. Er sagt: Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten Mächten, denn es ist keine Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. Wenn ich hier staatlich lesen müsste, dann würde das bedeuten, dass jeder Diktator dieser Welt direkt von Gott verordnet wäre. Und das wäre ein Wahnsinnsgedanke, dass Gott jeden genozidbütigen Haftdiktator persönlich einsetzt. Das ist die Folge davon, wenn man hier staatlich liest.
Was hier steht, ist aber etwas ganz anderes. Hier steht, dass es Mächte gibt, dass es ein Oben und ein Unten in der Gesellschaft gibt, dass Gott sich Staat und letztlich nicht nur Staat, sondern auch Familie und ein Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgedacht hat. Es gibt ein Oben und Unten in der Gesellschaft. Und das Prinzip, das dahintersteht, dass es Leute gibt, die Regierung machen, und solche, die Bürger sind, dass es Eltern und Kinder gibt, dass es Arbeitgeber, Chefs und Arbeitnehmer gibt, die das tun müssen, dieses Konzept des Übergeordneten, der übergeordneten Macht, das ist von Gott verordnet, ganz grundsätzlich.
Und deswegen leitet Paulus, weil er das ja, das ist ein Einstieg hier in einen größeren Text, daraus ab: Wenn das so ist, so ganz grundsätzlich, welchen Job hat ein Staat? Ich mache jetzt mit euch nicht Römer 13 weiter. Unten steht dann im Text: Der Staat ist dazu da, dass das Gute gefördert wird. Das ist sein Job. Und da, wo er diesen Job tut, da stehen wir ganz grundsätzlich als Christen auf seiner Seite.
Und wie stehen wir auf seiner Seite? Na ja, da heißt es dann in Vers 7: Gebt allen, was ihnen gebührt, die Steuer dem, dem Steuer gebührt. So einfach ist das. Wir haben das Recht, in einem Staat zu leben, wo wir uns kaum Gedanken darüber machen müssen, ob das, was hier läuft, so ganz grundsätzlich noch mit unseren christlichen Werten zu vertreten ist. Manches ist nicht mehr vertretbar, keine Frage. Aber wir sind nicht an dem Punkt, wo wir einen Hitler haben und uns die Frage stellen müssen, bringen wir den Diktator um oder nicht. Das sind wirkliche Fragen.
Wir leben in einem Staat, wo man gut Steuern zahlen kann, und deswegen sollten wir das tun. Die Leute damals stellen diese Frage aber nicht, weil sie sagen: Sag doch mal allgemein was zum Thema Steuern. Sie stellen die Frage, weil, Vers 23 in Lukas 20: Aber er nahm ihre Arglist wahr und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich?
Sie wollen Jesus herausfordern. Es ist nämlich so: Wenn Jesus sagt: Klar, zahlt doch!, dann weiß er in dem Moment, dass der Rest seiner Zuhörerschaft entrüstet aufschreibt: Wie, bist du auch ein Römer? Was er natürlich nicht sein will. Also verliert er einfach seine Zuhörerschaft. Wenn er aber sagt: Nein, zahlen kommt gar nicht infrage, dann gehen dieselben, die diese Frage hier gestellt haben, zum Statthalter und sagen: Wir haben hier einen Terroristen, der sagt, man darf keine Steuern zahlen.
So, was Jesus auch sagt, Ja oder Nein, beides bleibt irgendwie verkehrt. Und deswegen sagt Jesus etwas ganz anderes.

Die Antwort Jesu und die eigentliche Frage an den Menschen

Er sagt weder Ja noch Nein. Er sagt: 24 bis 26.
Zeigt mir einen Denar, so eine Münze. Wessen Bild und Aufschrift hat er? Das muss man wissen. In der damaligen Zeit war es üblich, dass der Kaiser, der an der Macht war, sein Bildnis und seinen Namen auf so einer Münze prägen ließ. Also: Wessen Bild und Aufschrift hat sie?
Sie antworteten und sprachen: des Kaisers. Wessen auch sonst?
Er aber sprach zu ihnen: Gebt daher dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Stark! Sie, was sollen wir tun? Entweder oder? Er sagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Wenn da sein Kopf drauf ist, gebt ihm seinen Kopf zurück. Aber vergesst nicht, bitte: Gebt Gott, was Gottes ist.
Und die Frage ist: Was möchte Gott denn haben? Gibt Gott sich damit zufrieden, dass du ein paar Münzen in den Klingelbeutel springen lässt? Ist es das, was Gott haben möchte? Sagt Gott: Also, die zwei Schärflein, das ist das Entscheidende, was die Witwe eingelegt hat. Mehr wollte ich nicht, ich wollte nur ihr Geld?
Ist es das, was Gott will, oder will Gott nicht vielmehr ein zerbrochenes Herz, unsere Hingabe? Ein Leben geprägt von Liebe und Barmherzigkeit, von Aufrichtigkeit. Ist es das nicht, was Gott möchte? Und ist ihm unterm Strich vielleicht völlig egal, ob du dem Kaiser gibst, was ihm an Steuern gehört?

Warum die Fangfrage theologisch schief ist

Ich habe über diese Frage ein bisschen nachgedacht und mir die Frage gestellt: Wo ist eigentlich das Problem bei diesen Leuten, die hier auftauchen, diesen sehr stark aus der ultrakonservativen Ecke kommenden? Was ist eigentlich ihr Problem, was macht ihre Frage eigentlich so falsch? Es ist ja ganz grundsätzlich eine interessante Frage. Was macht die Frage so falsch?
Ich glaube, dass sie etwas tun, was man bei Menschen, die sehr konservativ sind, immer wieder sieht. Sie versuchen, ein komplexes Problem auf eine einfache Entweder-oder-Entscheidung zu reduzieren. Entweder geben oder nicht geben. Entweder oder. Und wann immer euch das begegnet, dass euch einer bei einem komplexen Problem hineinzwingt in ein Entweder-oder, wo du so ein komisches Bauchgefühl hast, wo du denkst: Manche Fragen lassen sich nicht einfach mit entweder oder entscheiden, manche Fragen sind einen Tick komplizierter. Wo man auf so etwas trifft, an der Stelle muss man vorsichtig sein.
Darf ich euch ein paar Beispiele nennen? Kommt jemand und sagt: Kann ein Christ eigentlich wieder verloren gehen? Ich will eine Antwort mit einem Wort: ja oder nein. Das war eine Fangfrage, tut mir leid, ich wollte nicht euer Nein hören, weil die Frage ist viel zu kompliziert. Was meinst du mit verloren gehen? Was ist überhaupt ein Christ? Inwiefern wieder?
Na, entschuldigung, ich mache jetzt nur mal ein Beispiel. Gibt es nicht das Sämannsgleichnis, wo Leute für eine Zeit lang glauben und dann in der Zeit der Versuchung wieder abfallen? Nö? Ja, gibt es. In meiner Bibel, solange du es nicht durchgestrichen hast, musst du sagen: Da gibt es einen Bereich mit einem großen Fragezeichen.
Gibt es nicht erst einen Johannesbrief, wo Leute für eine Zeit lang in der Gemeinde dabei sind und dann wieder weggehen und er sagt, die waren nie wirklich dabei, so innerlich? Ja, gibt es auch. Bitte alle, die jetzt Nein geschrien haben: Ihr habt insofern Recht, ja. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, sagte Herr Jesus. Haha, ja.
Und ihr merkt: Du stellst eine Frage und denkst dir, ist doch ganz einfach, nein. Dann sagt der Kerl auf der Bühne drei Sätze, und du denkst: Hm, ist doch ein Tick komplizierter.
Das ist das Problem. Wir haben ein komplexes Problem, und du kannst nicht so ein komplexes Problem einfach mit ja oder nein beantworten. Du musst einsteigen, du musst nachdenken. Und genau das ist das Problem von sehr konservativen Kreisen: Sie wollen etwas auf eine Entweder-oder-Entscheidung einengen, wo man gelinde gesagt vielleicht ein Sowohl-als-auch braucht oder zumindest ein langes Nachdenken.

Die Gefahr, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren

Und deswegen: Die Ecke da drüben, das ultrakonservative Lager, beschäftigt sich leidenschaftlich gerne damit, weil sie immer wieder entweder-oder denken. Sie beschäftigen sich leidenschaftlich gerne mit Detail- und Randfragen und versuchen, noch auf den letzten Popel, wo man schon lange keine Antwort mehr geben kann, doch noch eine Antwort zu geben.
Und jetzt würde man sagen: Das ist doch nicht so schlimm. Was ist denn da dabei? Die haben halt mehr Zeit, die haben vielleicht andere Interessen. Warum soll man sich nicht bis in die fünfte Nachkommastelle mit theologischen Themen beschäftigen? Das machst du doch auch so, Jürgen, oder? Bist du nicht der mit den ganzen fetten Kommentaren?
Na ja, was soll ich dazu sagen? Ich sage mal: sowohl als auch. Denn auf der einen Seite stimmt es natürlich: Die Beschäftigung mit biblischen Themen, auch mit Detailfragen, ist schon eine wichtige Sache.
Nur, pass auf: Wenn du sagst, ich bewege mich immer wieder in diese Richtung, ich will immer alles auf ein Entweder-oder, ich will auf alles immer eine glatte Antwort, wo das Leben ja nie glatt ist – ich hoffe, das habt ihr – Leben ist nie glatt, Leben ist nie einfach, Leben ist immer komplex, Leben ist immer ein bisschen unscharf.
Das Problem dieser Richtung, dieser Entweder-oder-Richtung, ist erstens: Jesus sagt das in Matthäus 23,23. Man verliert den Blick für das Wesentliche. Das ist eine große Gefahr. Da heißt es: Denn ihr verzehntet die Minze und den Anis und den Kümmel. Da wird, wenn man Mittagessen kocht und die Gartenkräuter holt, der zehnte Teil Gott gegeben. Und ihr habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen. Das Zentrum rutscht raus.
Und was sind die wichtigeren Dinge des Gesetzes? Hört ihr dieses Wort „wichtiger“? Ein ganz wichtiges Wort: wichtiger. Es gibt Dinge, da kann man sich drin verlieren. Und man verliert sich wirklich und vergisst, dahin zu schauen, wo es wirklich wichtig ist. Das ist im Leben immer so. Die wichtigen Dinge müssen die wichtigen Dinge bleiben. Wenn das nicht mehr so ist, hast du immer verloren. Und das gilt halt auch für die Theologie.
Da wird sich die Frage gestellt: Das Gebot des Zehnten, gilt das auch für Küchenkräuter, ja oder nein? Und du kannst dich so in diesen Fragen verlieren, dass du am Ende die wichtigeren Dinge des Gesetzes – und das sind, anders übersetzt, das Gericht, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit und den Glauben – aus dem Blick verlierst. Wenn du das aus dem Blick verlierst, hast du alles verloren.
Wenn du dich so mit Detailfragen beschäftigst, dass du am Ende deine Fragen benutzt, um den Messias über die Klinge springen zu lassen, dein ganzes Wissen einsetzt, um so kluge Fragen zu stellen, dass ein anderer stirbt, dann wird dein Wissen zu einem Mittel zum Morden. Und dann werden wir Gedankengebäude anhäufen, die in sich logisch sind, und wir werden uns trotzdem nicht mehr am Pulsschlag Gottes befinden.
Wir werden Gebote irgendwann formulieren, die Jesus selber als Menschengebote formuliert, und wir werden – und das ist dann das absolute Drama im Kolosserbrief – Menschen beschrieben, die so leben. Wir werden leben, und es wird nach außen hin einen Schein von Weisheit haben, aber es wird in Wirklichkeit ein eigenwilliger Gottesdienst sein.
Paulus schreibt, die zwar einen Schein von Weisheit haben in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes. Das sind Leute, die sich mühen, die machen etwas, das sieht nach außen unglaublich fromm aus. Und dann sagt er in Wirklichkeit, dass das aber nur eine Befriedigung des Fleisches ist. Es ist eigentlich nur das, was sowieso an ihnen herauskommt: dieser Wunsch, anders, besonders zu sein.
Und wer das tut, der tut immer noch Kolosser 2,18. Da sagt er, das sind Menschen, die ihren eigenen Willen tun. Und in Kolosser 2,19 am Ende geht ihnen das Entscheidende verloren, nämlich das Wachstum Gottes, das Wachstum, das Gott geistlich in ihnen wirken will. Da kommen sie nicht an. Warum? Sie beschäftigen sich mit Nebensächlichkeiten.

Ein warnender Blick in die Schrift

Das mag für manche von euch erschreckend klingen, aber man kann sich tatsächlich zu sehr mit der Frage beschäftigen, was richtig ist. Das ist interessant, oder? Man würde ja nicht denken, dass das geht.
Aber ich möchte euch einen Vers zeigen. Da heißt es in Prediger 7,16. Schaut euch diesen Vers an. Prediger 7,16. Bin ich mal schneller? Na gut, also Prediger 7,16.
Es ist zuerst einmal: Könnt ihr euch vorstellen, dass der Satz in der Bibel steht? Die meisten Leute nicht. Sei nicht allzu gerecht. Denkst du dir: Halt, geht es nicht um Gerechtigkeit überall in der Bibel? Ja, aber Vorsicht! Sei nicht allzu gerecht und gebärde dich nicht übermäßig weise. Wozu willst du dich zugrunde richten?
Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich den Vers verstanden habe, okay? Und ich glaube, er ist gemünzt auf unsere ultrakonservativen Freunde, die einfach noch die letzte Spitzfindigkeit durchbohren wollen, um alles zu verstehen. Und die Bibel sagt: Pass auf, wenn du dein Denken immer weiter einengst und immer genauer alles verstehen willst, kannst du dich einfach darin verlieren. Und am Ende landest du in einer Form von Frömmigkeit, die viel weiß, aber vielleicht doch nicht echt ist.

Die andere Seite des Problems

So, das ist die Seite. Jetzt haben wir sie lang genug geärgert. Man kann von der anderen Seite vom Pferd runterfallen. Den nächsten Vers bitte.
 Prediger 7,17: Man kann nämlich nicht nur allzu gerecht sein, sondern man kann logischerweise auch nicht allzu ungerecht sein. Also: Du kannst ja drüben vom Pferd fallen, du kannst auch da drüben vom Pferd fallen. Sei nicht allzu gerecht und sei kein Tor. Wozu willst du sterben, ehe deine Zeit da ist?
Altes Testament, sehr klar. Also, wenn du es an der anderen Seite übertreibst und voll in Richtung Ungerechtigkeit gehst, pass auf: Manche überleben das gar nicht lange genug.
Damit sind Menschen gemeint, die wir in Lukas 20,27 kennenlernen werden, die Sadduzäer. Ich lese mal die Verse 27-33.
Es kamen aber einige der Sadduzäer. Das sind die Leute, die damals Priester sind, und man mag es nicht glauben: Es sind die Liberalen. Die stehen im Tempel vorne, aber sie glauben eigentlich nicht an Gott. Es kamen aber einige der Sadduzäer herbei, die einwenden, es gebe keine Auferstehung. Sie fragten ihn und sagten: Lehrer, und jetzt kommt so ein Beispiel, so ein typisches Beispiel aus dem Alten Testament:
Wenn ich verheiratet bin und ich sterbe, und ich habe einen Bruder, der mit mir im Haus wohnt, und dann ist meine Frau Witwe, dann soll mein Bruder meine Witwe heiraten. Und das erste Kind, das da herauskommt, ist eigentlich mein Kind. Okay, müsst ihr nicht verstehen, müsst ihr nicht so machen. War aber damals so. Das ist gut so, dass wir das nicht machen müssen. Das war schön. Stell dir vor, dass Herr ... gut.

Das Gedankenexperiment der Sadduzeer

Und jetzt spinnen sich die Sadduzäer einen Fall zusammen, um zu zeigen, dass Auferstehung eigentlich nicht sein kann. Die Pharisäer glauben an die Auferstehung, die Sadduzäer nicht.
Jetzt machen sie so ein Gedankenexperiment und sagen: Wenn das gilt, was hier steht, und Mose hat doch geschrieben, dass der Bruder die Frau seines verstorbenen Bruders heiraten soll, dann spielen wir das mal durch.
Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau hinterlässt und es kinderlos ist, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen schaffen.
Es war nun ein hypothetischer Fall von sieben Brüdern, und ihr ahnt schon, was kommt: Der Erste nahm eine Frau und starb kinderlos. Und der Zweite und der Dritte nahmen sie ebenso. Auch die Sieben hinterließen keine Kinder und starben.
Krude Geschichte, ja? Eine Frau geht durch sieben Brüderhände, und am Ende sind alle tot und es gibt keine Kinder. Wie gesagt, eine etwas abstruse Geschichte. Zuletzt aber starb auch die Frau.
Jetzt die Frage: In der Auferstehung nun, wessen Frau von ihnen wird sie sein? Ist das nicht eine interessante Frage? Die sieben Mal Wahl wartet: Wer kriegt sie dann in der Auferstehung? Wenn alle wieder lebendig sind, dann stirbt man ja nicht mehr. Wer hat sie dann? Denn die sieben hatten sie zur Frau.
Also, was machen die Sadduzäer? Da spinnen sie sich etwas zusammen, weil sie nicht an die Auferstehung glauben. Übrigens: Auferstehung ist etwas, woran man glauben muss. Auferstehung ist nicht so etwas, wo man sagt: Ja, kannst du machen, wie du willst.
Auferstehung steht auch für uns im Zentrum unseres Glaubens. Es gibt ein Kapitel im 1. Korinther 15, da wird Paulus sagen: Wenn du nicht an die Auferstehung glaubst, dann ist der zentrale Inhalt des Evangeliums verloren gegangen. Denn wenn es keine Auferstehung gibt, ist Jesus nicht auferstanden. Dann ist etwas in unserem Denken falsch. Dann ist die Echtheit unseres Glaubens verloren gegangen. Dann ist die Glaubwürdigkeit der Apostel verloren gegangen. Dann gibt es keine Befreiung von Schuld und Sünde. Dann gibt es auch keine Zukunft für die, die schon gestorben sind und den Glauben hatten, dass es doch eine Auferstehung gegeben hat, wenn es keine gab.
Dann hast du noch eine Chance, umzudenken, aber alle, die tot sind, haben aufs falsche Pferd gesetzt. Auferstehung ist wirklich zentral. Wir reden hier nicht über ein Thema, das man so oder so sehen kann. Und an dieser Stelle sind die Sadduzäer so ein bisschen weich geworden.

Jesu Antwort auf das falsche Menschenbild

Und was sagt Jesus? Jesus sagt zwei Dinge. Erstens: Ihr habt ein falsches Menschenbild, die Verse 34 bis 36.
Und Jesus sprach zu ihnen: Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet, die aber würdig geachtet werden jener Welt. Das ist die neue Welt nach der Auferstehung. Wer dabei ist, wer aber würdig geachtet wird, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, die heiraten nicht, noch werden sie verheiratet. Denn sie können auch nicht mehr sterben, und in dieser Form sind sie den Engeln gleich. Sie sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.
Also: Nach der Auferstehung kommt Unsterblichkeit. Und Unsterblichkeit ist nicht einfach nur eine Verlängerung des Lebens, wie wir es kennen, in die Unendlichkeit hinein.
Auferstehung und Unsterblichkeit
Unsterblichkeit ist ein Qualitätsbegriff. Wir werden transformiert, sagt Paulus in 1. Korinther 15,43-44, und beschreibt diesen Prozess. Er sagt: Auferstehung bedeutet, es wird gesät. Der alte Leib ist wie ein Samenkorn. Es wird gesät in Unehre, sprich: Du schaust in den Spiegel und denkst, wer ist denn das? Und so gehst du in den Tod, und dann wirst du auferstehen in Herrlichkeit.
Es wird gesät in Schwachheit. Ja, du denkst schon mal darüber nach, ob du an der Paddeltour teilnimmst, weil das mit dem Rücken nicht mehr so ist. Es wird auferweckt in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Das ist Transformation.
Auferstehung heißt: Wir werden Gott sehen, wir werden passend sein für den Himmel.
Bitte: Wenn du ein Menschenbild hast wie die Sadduzäer, dann reduzierst du den Menschen auf das, was hier ist. Der Mensch ist dann nicht ewig, er ist zeitlich, nur das, was du siehst. Und Jesus sagt: Das ist euer erster Fehler.

Jesu Antwort auf das falsche Gottesbild

Und euer zweiter Fehler, Verse 36 bis 38, 37 bis 38: Da heißt es, dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch angedeutet. Und du denkst dir: Mose beim Dornbusch, war das das, wo er 40 Jahre in so Ziegenhüten war und dann läuft er da durch, sieht den Busch und der brennt? Und er sieht einen brennenden Busch?
Der Clou ist natürlich: brennende Büsche gibt es, aber der Busch brannte und blieb irgendwie gleich. Er verbrannte nicht, er brannte nur. Und Mose geht ran, und er merkt, er kriegt es auch noch einmal gesagt: heiliger Boden, Schuhe ausziehen, anbeten. Und das macht er hier.
Und Jesus zitiert ihn und sagt: Wie betet Mose eigentlich Gott an? Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch angedeutet, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Alles Leute, die zur Zeit Moses schon lange tot waren. Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der Lebenden, denn für ihn leben alle.
Also nicht nur das Menschenbild der Sadduzäer ist zu klein, sondern auch das Gottesbild. Gott ist in ihren Augen eine Kraft, ein gottloser Gott, der einfach mit den Gegebenheiten des Todes leben muss. Aber so schildert Mose ihn nicht. Mose bringt zum Ausdruck: Gott ist ein Gott, für den die Toten lebendig sind.
Ja, warum? Was hat das mit Auferstehung zu tun? Ja, ganz einfach: Auferstehung setzt voraus, dass die, die tot sind, irgendwie nicht weg sind, sondern noch da sind. Dass da noch etwas ist, was auferstehen kann. Ja, wo sind die denn jetzt, wer sieht die denn? Gott sieht sie. Gott hat den Zugriff auf die Gruppe von Menschen.
Versteht ihr, der Liberale denkt, Gott ist ein kraftloser Gott, den Gesetzen der Natur unterworfen. Der Mensch ist nicht ewig. Und das Schlimmste ist: Die beiden haben auch keine Beziehung zueinander. Glaubst du wirklich, dass Gott Abraham begegnet, zu Abraham hingeht und sagt: Du bist mein Freund. Ich schätze dich. Und dann kommt der Tod, schnappt Abraham weg, und Gott steht da und sagt: Was mache ich denn jetzt? Jetzt ist ja der Abraham tot, das ist aber doof.
Glaubst du wirklich, das ist dein Gottesbild? Ist Gott so kraftlos, dass er den Tod erleben muss, als eine Macht, die über ihm steht, ins Leben seines Freundes eingreift, und er kann nichts mehr tun? Nein, das ist nicht unser Gott. Unser Gott sieht das und er sagt: Abraham, mach dir keinen Kopf, das kriegen wir hin, da kümmere ich mich drum. Du glaubst, dass der Tod das letzte Wort hat. Ha, ich habe das letzte Wort. Hörst du? Du musst einen Moment warten und noch ein bisschen weiter glauben, aber ich habe das letzte Wort.
Und deswegen kann in der Parallelstelle Jesus zu den Sadduzäern auch sagen, dass sie zwei Fehler in ihrem Denken haben. In Matthäus 22,29 heißt es: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes. Also während unsere ultrakonservative Richtung eher Unausgewogenheit als Problem hat, finden wir auf der anderen Seite Unkenntnis: Ihr kennt die Bibel nicht, ihr kennt Gott nicht, das ist euer Problem. Und deswegen macht ihr so komische Sachen.

Zwei Fragen an das eigene Herz

Und bevor ich zum Schluss komme, zwei Fragen an euch:
Wo, an welcher Stelle stehst du in der Gefahr, dich mit Detailfragen zu beschäftigen? Vielleicht bist du an irgendeiner Stelle schon Experte geworden? Und hast du das Zentrum des Glaubens womöglich aus dem Blick verloren? Gibt es so etwas in deinem Leben? Sei vorsichtig.
Oder wo bist du zu weit gegangen? Wo bist du jemand, dem das Interesse an den Grundlagen fehlt, der vielleicht noch gar nicht so viel über Gott weiß und merkt: So richtig interessiert es mich auch nicht?
Beide Richtungen sind falsch. Die konservative Richtung wird, wenn sie weitergedacht wird, in Weltflucht enden. Die ziehen sich irgendwann zurück in ihre eigenen kleinen, exklusiven Communities. Gab es damals auch, nannte man Essener.
Die Liberalen, wenn sie weiterziehen, landen mitten im Heidentum. Für die ist nichts mehr heilig, so wie es im 2. Timotheusbrief heißt: Sie lieben das Vergnügen mehr als Gott. Und sie haben noch eine Form von Frömmigkeit, aber die Kraft dahinter ist schon lange passé.

Die entscheidende Frage nach dem Messias

Und jetzt ist die Frage: Wo ist die Mitte? Und die Mitte möchte ich euch mit den letzten Versen vorstellen, weil der Herr Jesus jetzt auch eine Frage stellt.
Er sagt in 41-44: Er aber sprach zu ihnen: Was sagen Sie, dass der Christus Davids Sohn sei? Er redet jetzt über den Messias, und David selbst sagt im Buch der Psalmen, hier spricht der König David über den Messias:
Zitat aus Psalm 110: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege.
Und jetzt die Frage: David also nennt ihn Herr. David nennt den Messias Herr. Wie ist er sein Sohn?
Die Frage muss bei euch jetzt keinerlei Frage auslösen, das ist nicht mehr unser Thema. Aber in der damaligen Zeit war klar: Ein antiker Monarch, der Vater, hat niemals zum Sohn gesagt: Herr. Der Sohn zum Vater schon, aber nie der Vater zum Sohn. Das geht einfach nicht, das ist eine Richtung, die war undenkbar.
Aber hier sagt der König David zu seinem Nachfahren, zu seinem Sohn. Man wusste, dass der Messias ein Nachfahre des Königs David ist. Er sagt zu ihm: Herr. Und Jesus sagt: Wie passt denn das?
Und wisst ihr was? Das ist die entscheidende Frage. Jetzt kommen wir: Nicht die politischen Fragen sind entscheidend, nicht die Fragen, man nennt das die Eschatologie, die Zukunft, sind entscheidend, wirklich zentral hier für die Leute. Wirklich zentral ist die Frage: Wer und wie ist der Messias?
Wisst ihr was? Die Frage ist ihnen nicht nur zu schwer, die Frage interessiert sie einfach nicht. Und warum interessiert sie diese Frage nicht? Weil im Zentrum ihres Lebens, im Zentrum ihres scheinheilig frommen Lebens, sitzen sie selber auf dem Thron. Das Ich steht im Mittelpunkt. Und sie wollen vom Messias eigentlich nichts wissen.

Schlussgedanken und praktische Hinweise

Was bleibt zum Schluss? Ich möchte euch zwei Tipps mitgeben, und dann bin ich fertig.
Wie schütze ich mich vor Scheinheiligkeit? Es sind zwei Dinge, die Jesus hier sagt.
Erstens: Gib Gott, was Gottes ist. Gib ihm das. Gott will dein Herz, deine Hingabe, dein Leben und manchmal auch deine zwei Schärflein. Gib es ihm.
Und zweitens: Gott möchte, dass du sein Wort und ihn selbst kennenlernst. Mach dich doch mit Jesus auf den Weg. Lerne von dem Messias, wie Gott ist. Dann bleibt Gottes Wesen im Zentrum deines Denkens.
Und der Clou ist: Dass wir Gott erkennen, nennt die Bibel ewiges Leben. Das ist das Eigentliche, das ist die höchste Lebensqualität. Und deswegen ist es das Wichtigste. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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