
2. Timotheus 2,205.01.2025
Event•Teil 13 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2025
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Der Ausgangspunkt: Beschenkt statt selbstgenügsam
In 2. Timotheus 2,2 heißt es: Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.
Ich glaube, gerade wenn ich an diesen Vers aus 2. Timotheus 2,2 denke und mich auch mit der Frage auseinandersetze, worum es eigentlich bei theologischer Ausbildung und Bibelschule geht, dann ist das ein guter Ausgangspunkt.
Mein Gott ist größer! Der Ruf und dieser Blick in Richtung Reich Gottes, ich formuliere es jetzt einmal ganz bewusst weit gefasst, ist für uns Menschen schier überfordernd. Wir sind nicht imstande, Gottes Reich zu bauen. Wir reden oft so, tun oft so und sagen, wir bauen das Reich Gottes und wirken darin mit. Genau das ist der letzte Satz, das Entscheidende: Wir wirken darin mit. Gott baut sein Reich.
Und wo wir glauben, dass wir Gemeindearbeit und Reichgottesarbeit aus eigener Kraft gestalten und dass es auf unsere Kraft ankommt, haben wir schon gleich eine Fehlstellung, über die wir unbedingt reden sollten.
Warum ich das so sage? Weil ich selbst nach dem Bibelschulbesuch noch ein theologisches Seminar absolviert habe. Ich habe also auch selbst einen längeren Ausbildungsweg hinter mir und bin dann im Gemeindedienst gelandet. Heute leite ich das Theologische Seminar Adelshofen.
Den Lebensweg, auf dem ich heute da stehe, hätte ich mir niemals so ausgemalt. Ich hätte ihn mir auch nicht ausgedacht. Am Anfang stand für mich nur ein Wunsch: nach dem Fachabitur Gott und sein Wort besser kennenzulernen. Mehr stand am Anfang nicht.
Ich bin zur Bibelschule Brake gegangen, komme aus Westfalen und habe dort drei Jahre verbracht. Dort habe ich Gott und sein Wort besser kennengelernt. Und erst in dieser Zeit ist überhaupt mehr gereift und gewachsen.
Der nächste Schritt zählt
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, der mich einfach bewegt: Egal, was dein Weg ist, welche Frage dich gerade bewegt und beschäftigt, schau auf den nächsten Schritt. Keiner von uns weiß, was übermorgen kommt. Schau, was der nächste Schritt ist, was heute dran ist, damit du in den Morgen hineingehst. Aber was übermorgen kommt, geht Gott seine Wege.
Paulus hatte einen ähnlichen Gedanken mit Timotheus. Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Das schreibt Paulus zum Ende seines Lebens. Und ich will noch mal gerne Vers 1 dazu lesen und Vers 3, um den Zusammenhang im Blick zu haben.
Du, mein Sohn – ein Brief, den Paulus an Timotheus schreibt, der aber auch öffentlich vorgelesen werden soll. Das ist ein ganz spannender Aspekt beim Timotheusbrief: nicht nur ein persönlicher Brief, sondern einer, der zwar persönlich an Timotheus gerichtet ist, wo aber die gesamte Gemeinde sofort mit hineingenommen wird, wo der Blick da ist auf alle.
Aber: Mein Sohn. Da ist eine Beziehung zwischen den beiden. Das ist ein sehr intimer Ausdruck, eine Beziehung, die zum Ausdruck bringt, hier ist auch noch mal etwas ganz anderes über die Jahre gewachsen als einfach ein Dienstverhältnis, als eine Arbeitsbeziehung, als ein Arbeitsvertrag.
Du, mein Sohn, sei stark in der Gnade, die dir in Christus Jesus geschenkt ist. Damit fängt es schon an. Uns wurde etwas anvertraut, Timotheus wurde etwas anvertraut. Er hat die Gnade Gottes erlebt, durch Jesus Christus wurde sie ihm geschenkt. Das ist der Ausgangspunkt.
Wir sind Beschenkte. Wir stehen in einem Dienst als Beschenkte und haben etwas empfangen: Gottes Gnade, Gottes Güte, etwas völlig Unverdientes, was diese Welt auf den Kopf gestellt hat, was die Menschheitsgeschichte geprägt hat. Und aus diesem Satz heraus folgt der Auftrag: Und was du von mir gehört hast, das, was du empfangen hast, das, was du von mir gehört hast, das trag weiter und gib es an andere Personen weiter.
Weitergabe über Generationen hinweg
Vier Gruppen werden in diesem einen Vers genannt: Paulus, der redet, ist eine Personengruppe, die vielen Zeugen sind eine Personengruppe, er soll es zuverlässigen Menschen anvertrauen, das ist die nächste Personengruppe, und sie sollen wiederum andere lehren. Von Generation zu Generation wird gerade Gottes Wort immer weitergereicht. Das ist die eigentliche apostolische Sukzession hier. Der Staffelstab wird weitergegeben und weitergegeben, von Christus und den Aposteln, von einer Generation zur nächsten.
Erinnere dich daran, dass du das Geschenk der Gnade von Gott empfangen hast, und trag es weiter. Aber genau das bleibt auch unser Auftrag. So sehr wir Superveranstaltungen durchführen und Events organisieren, so sehr wir uns sozialdiakonisch einsetzen, so sehr wir uns um die Armen kümmern: Wenn wir nicht das Evangelium weitertragen und das nicht im Blick behalten, versagen wir an dem Auftrag, den Paulus hier dem Timotheus mitgibt und den Gott uns gestellt hat, zu Jüngern zu machen.
Und wenn wir nur theologische Ausbildungsstätten sind, die einfach über irgendwelche Partizipialverbindungen in Griechisch nachdenken und dergleichen, und nicht die Armen und die Schwachen und die Entrechteten sehen und uns dafür einsetzen, dann lassen wir ebenfalls den Auftrag verfehlen. Das Evangelium muss ganz praktisch werden. Was ist das denn für eine gute Nachricht für jemanden, der Hunger leidet?
Wenn man im Gemeindedienst steht, und ein Drittel in meinem Stadtteil war das so: Ein Drittel der Familien waren alleinerziehende Personen. Die haben gar keinen Kopf dafür frei, an einem Sonntagmorgen in einen Gottesdienst zu gehen oder Kleingruppen zu haben. Aber wenn das Kinderprogramm sie entlastet, haben sie auf einmal Zeit für Gespräche. Und wenn man in der Krabbelgruppe auf einmal mit Erwachsenen sich mal wieder unterhalten kann, dann geht das Herz auf. Und plötzlich kommt man mit Menschen ins Gespräch über Glauben und Gott, die sonst keinen Fuß in die Kirche gesetzt hätten, die gar keine Offenheit dafür hatten und die gar nicht irgendwie intellektuell abzuholen sind.
Geh hin! Unser Auftrag ist es, hinzugehen, bei den Menschen zu sein, aber eben auch zu wissen, was will ich ihnen denn anvertrauen, worüber will ich denn reden?
Inhalt bewahren und zugleich praktisch werden
Über Jesus reden viele. Vor 1700 Jahren wurde ein Glaubensbekenntnis verfasst, das Bekenntnis von Nizäa, 325 nach Christus. In Deutschland redet kaum jemand darüber. Interessant ist, dass in Südamerika in Gemeinden Events und Veranstaltungen stattfinden, weil man über das Glaubensbekenntnis von Nizäa redet. Denn es hat eine große Bedeutung für den christlichen Glauben.
In Deutschland weiß man nicht so recht, was man damit anfangen soll. In Nizäa geht es stark um den dreieinigen Gott. Über Jesus reden viele, am dreieinigen Gott scheiden sich schon einmal die Geister. Den Glaubensinhalt zu kennen, was wurde uns anvertraut, was geben wir weiter? Wozu laden wir Menschen ein?
Wir erleben es, wie die Gemeinden kleiner werden, wie Kirchen geschlossen werden und wie die Not immer größer wird. Umso mehr braucht es zuverlässige Menschen, die Gottes Wort weitertragen, die es wieder lehren und hinausbringen.
Ich bin begeistert von theologischer Ausbildung. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier irgendwann lande, und ich bin trotzdem total begeistert. Ich leite auch gerne das theologische Seminar, weil ich glaube, dass es immer wieder neu von Generation zu Generation diese Auseinandersetzung mit der Frage braucht: Erstens, was wurde uns vom christlichen Glauben überliefert? Wir stehen in der Tradition. Unsere Aufgabe ist es nicht, das Evangelium neu zu definieren, sondern daran festzuhalten, was definiert worden ist, und das weiterzutragen von Generation zu Generation.
Entscheidend ist aber auch, dass wir uns darauf konzentrieren, was die Basics, die Kernaufgaben und die Kerninhalte des christlichen Glaubens sind, und nicht sekundäre und tertiäre Fragen zu Primärfragen machen. Und ich weiß, dass ich mit diesen Fragen in vielen Kontexten in der Gemeinde manche überfordere. Unsere Aufgabe ist es, gründlicher und tiefgründiger zu arbeiten.
Wir haben nicht die Krise in den Gemeinden, dass wir zu viel Theologie haben. Wir haben zu wenig Theologie. Wir sind zu oberflächlich unterwegs, und deswegen fehlt uns die Kraft. Denn genau das ist es, was Paulus dem Timotheus hier ins Stammbuch schreibt und der Gemeinde: gründlich arbeiten, tief arbeiten, Menschen befähigen, dass sie wiederum imstande sind zu lehren.
Wie gesagt, keine Lehre, die darauf ausgerichtet ist, einfach nur kurz gegriffen über die ganzen verschiedenen theoretischen Fragen nachzudenken, sondern ganz praktisch. Denn das ist Vers drei: Leide mit mir als guter Soldat Christi Jesu.
Treue im Leiden und im Alltag
Spätestens da steigen viele aus, wenn es richtig wehtut. Und es wird wehtun. Es wird nicht lange dauern, wenn man mit Menschen arbeitet.
Und das übertreiben wir nicht. Ich saß einmal bei einem Dozenten. Kurze Anekdote: Ich hatte einen Dozenten, der sagte dann, er habe zwei Jahre nur in den USA studiert. Er wünsche uns, dass wir in den ersten Dienstjahren so richtig auf den Hosenboden fallen, so richtig rock bottom, dass man hart auf dem Fels aufprallt. Dann seien wir gestärkt für den Rest unseres Dienstes.
Ich dachte nur: Ja, danke. Der ist von der Wortwahl her schon sehr direkt.
Und ich bleibe auch ein Stück weit dabei: In jedem Beruf und in jeder Tätigkeit, die ihr angeht, wird es Menschen geben, die euch nicht mögen, die mit Ellbogenmentalität unterwegs sind und euch richtig blöd behandeln. Wenn man das in der Gemeinde einmal richtig übel erlebt, dann: So what, willkommen im Leben! Ein Stück weit müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen, dass man so etwas in jedem Beruf erleben kann.
Aber es tut schon weh, wenn man merkt, wie Glaubensgeschwister wirklich nicht Geschwister sind, sondern eher Feinde. Und wenn man dann auf einmal im Gemeindekontext erlebt, dass „Liebe deine Feinde“ ja bedeutet, dass man Feinde hat.
Paulus schaut den jungen Timotheus an, übergibt den Staffelstab, ist am Ende seines Lebens und sagt: Leide mit mir als guter Soldat. Es ist ein Kampf, und es bleibt ein Kampf. Wir sind herausgefordert, nicht mit Waffengewalt zu kämpfen, aber als treue Diener.
Schluss: Menschen befähigen und Gott vertrauen
Also, mein Wunsch ist: Lasst uns diese Gnade, das Evangelium, das uns geschenkt und anvertraut wurde, weitergeben. Lasst uns Menschen befähigen, sie lehren und auch mit ihnen leiden. Und lasst uns darauf vertrauen, dass Gott seine Gemeinde baut und sein Reich stärkt.
Lasst uns nach Menschen schauen, die zuverlässig sind, und in sie investieren. Was auch immer ihr Lebensweg mit sich bringen mag: Keiner von uns weiß, was der Morgen bringt. Geht mit Menschen den Weg, investiert in Menschen. Und was auch immer sie im Leben tun, freut euch darüber, dass ihr ein Stück weit eures Weges in Menschen investieren durftet.
Aber gebt das Evangelium weiter, damit sie wissen, was primär, sekundär und tertiär ist. Und am Ende werden wir genau das erleben: dass Gott Menschen begabt, wie wir unsere Kraft und Zeit investieren, um Menschen zu befähigen, im Vertrauen auf Gottes Geist. Und dann beruft und setzt er sie auch in einen Dienst ein.
Wenn heute so ein Tag hier ist für dich und du dich fragst, wohin die Reise geht, was Gott mit deinem Leben vorhat, dann denke nicht an das Ende deines Lebens. Denn alle Inhalte wirst du heute nicht wissen. Denke an heute und daran, worauf du dich ausrichten willst, wohin es morgen gehen soll.
Ich wünsche euch Gottes Segen.