Zum Inhalt

Aktives Zuhören bei nicht-perfekten Predigten

15.04.2013
Wie hörst du, wenn eine Predigt langweilig, schief oder unvollständig ist? Der Schlüssel ist nicht Perfektion, sondern ein offenes Herz: prüfen, nachdenken, beten – und trotzdem Gottes Stimme erwarten.

Ein unerwarteter Einstieg und ein Gebet für die Gemeinde

Ich hoffe, ihr seid alle hier für ein Seminar über aktives Zuhören bei Predigten, die nicht perfekt sind. Stimmt das? Gut. Und ich freue mich, dass nur einer aus meiner Gemeinde hier ist. Sie sind entweder höflich oder zufrieden, wahrscheinlich das Erste.
Ich bin eingesprungen für dieses Seminar, weil derjenige, der vorgeplant war, das zu tun, Thorsten Wiediger aus Zürich, nicht dabei sein kann, weil seine Frau krebskrank ist. Deswegen möchte ich, dass wir mit einem Gebet für sie beginnen und auch mit einem Gebet füreinander für dieses Seminar.
Vater, wir möchten vor dich Thorsten und seine Frau und die Kinder bringen und um deine Gnade, deinen Segen und deine Barmherzigkeit bitten für sie in ihrer Situation. Du hast nicht versprochen, haben wir heute gehört, dass wir alle ein hohes Alter erreichen werden. Einige werden früher nach Hause berufen. Wir möchten bitten, Herr, dass du erlaubst, dass diese Frau hier auf Erden noch viel länger bleibt, um sich um ihre Kinder und ihren Mann zu kümmern. Deswegen bitten wir dich, Herr, dass du den Segen der Heilung schenkst, dass alles Schlechte aus ihrem Körper weggeht und dass sie wieder gesund wird. Lass das geschehen, wir bitten dich in Jesu Namen.
Und wir bitten dich auch für uns. Danke dir für die Chance, hier zu sein. Danke dir, dass wir mehr oder weniger in gutem Zustand sind, in guter Gesundheit. Und wir bitten dich, Herr, hilf uns jetzt, auf dieses nicht perfekte Seminar zu hören und miteinander darüber nachzudenken, wie wir treue Zuhörer von Predigten werden können. Und das bitten wir in Jesu Namen. Amen!
Ist das eigentlich eingeschaltet? Hört ihr das über die Lautsprecher oder nur? Ah, es ist für die Aufnahme, okay, gut. Ich kann laut genug sprechen.
Ah, jetzt kommt noch jemand aus meiner Gemeinde. Nein, du bist nicht aus meiner Gemeinde. Axel, ich hatte gesagt, dass ich beruhigt war, dass niemand aus der Gemeinde hier war, um über ein ... Und ich dachte, die waren alle zu höflich.

Ein biblisches Beispiel für die Grenzen guter Predigt

Ich lese als Einleitung einige Verse aus der Apostelgeschichte vor. Ihr habt wahrscheinlich bald schon bemerkt, warum ich diesen Text ausgewählt habe:
Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus. Und da er am nächsten Tag weiterreisen wollte, zog er die Rede hin bis Mitternacht. Es waren viele Lampen in dem Obergemach, wo wir versammelt waren. Es saß aber ein junger Mann mit Namen Eutychus in einem Fenster und sank in einen tiefen Schlaf, weil Paulus so lange redete. Und vom Schlaf überwältigt fiel er hinunter vom dritten Stock und wurde tot aufgehoben. Paulus aber ging hinab und warf sich über ihn, umfing ihn und sprach: Macht kein Getümmel, denn es ist Leben in ihm. Dann ging er hinauf und brach das Brot und aß und redete viel weiter mit ihnen, bis der Tag anbrach. Und so zog er hinweg.
Also, es kann sein, dass etwas Nichtschönes passiert, auch bei ganz guten Predigten. Ich gehe davon aus, dass Paulus ein relativ begabter Prediger war. Aber es kommt dazu, dass einige das nicht, also er hat es überlebt, aber er hat einen Unfall deswegen gehabt, weil er so lange geredet hat.
Ich dachte, am besten würde ich zuerst ganz allgemein über das Zuhören zur Predigt sprechen. Im Licht davon würden wir dann ein bisschen darüber nachdenken, wenn das nicht eine Idealsituation ist. Die erste Frage dann: Was ist besonders bei der Predigt, was ist distinctiv, meinte ich auf Englisch, also was ist unterschiedlich beim Predigen von anderen Diensten des Wortes, wie in einem Hauskreis sitzen oder alleine in der Bibel zu lesen usw.

Was Predigt von anderen Formen des Wortdienstes unterscheidet

Und ich denke, sehr wichtig ist: Die Vollmacht des Wortes wird in der Form ausgedrückt, wie es zu uns kommt. Also: Eine Predigt ist kein Dialog, sie ist ein Monolog. Es ist für uns dasselbe wie im Alten Testament bei dem Propheten, der sagt: So spricht der Herr. Es gibt keinen Widerspruch, nur muss man ein bisschen vorsichtig sein. Ich werde dazu kommen, dass natürlich jeder prüfen soll, ob das, was ich sage, mit der Schrift übereinstimmt. Aber wenn ja, dann ist das die Vollmacht Gottes. Das ist das Wort Gottes.
Und das erlebt man nicht zum Beispiel im Hauskreis mit einer Bibelarbeit. Man erlebt das nicht so klar als das Wort Gottes, als die Verkündigung des Wortes Gottes.
Ich werde nicht alle diese Bibelstellen aufschlagen, weil die Zeit nicht reicht. Ihr könnt das später nachschauen, aber 1. Petrus lese ich dann. Das ist 2. Petrus. 1. Petrus:
Denn ihr seid wiedergeboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und die Blume abgefallen, aber das Herrnwort bleibt in Ewigkeit.
Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.
Da sieht man ein bisschen diese Verbindung: Das Wort Gottes, wie durch die Propheten, ist immer noch das Wort Gottes heute.
Und ich will auch betonen, dass die Verkündigung des Wortes Gottes mehr ist als Lehren. Es wird bei uns in England zurzeit sehr viel die Redewendung benutzt: Lehre das Wort. Solange man das Wort lehrt, wird alles gut sein. Aber ich glaube, eine Predigt ist mehr als nur Lehren, was in dem Text ist. Das ist auch wichtig. Eine Bibelarbeit von vorne zu lehren, kann man auch machen, aber eine Predigt, ich würde sagen, eine Predigt soll ein Ereignis sein. Das ist so das Wort für diesen Tag, für diese Gemeinde, die Gott heute zusammengerufen hat. Es ist in dieser Hinsicht einmalig.
Und ich verstehe das Prophetische, oder ich würde sagen: Der normale Weg oder die Art und Weise, wie wir das Prophetische erleben, soll in der Predigt sein, eher in der Anwendung. Als Prediger ist es manchmal so: Man betet und bereitet sich vor und so weiter, und man hat das Gefühl, man versucht, die Bibelstelle zu verstehen. Aber manchmal wächst dieses Gefühl, dass die Anwendung für diese Gemeinde an diesem Tag diese Anwendung ist. Das ist es, was Gott hören lassen will an diesem Tag. Für mich ist das oft ein prophetischer Eindruck, den wir da erleben. Nicht der einzige Weg, wo wir Prophetie erleben, aber immerhin wichtig.

Die Predigt als einmaliges Ereignis für eine konkrete Gemeinde

Der englische, nein, ich soll sagen: der walisische Prediger, der in London gepredigt hat, Martin Lloyd-Jones, ist vielleicht manchen ein Begriff. Vielleicht habt ihr seine Tonbänder mit seinen Predigten gehört. Ich glaube, sie sind seit einem Jahr auch im Internet verfügbar. Zum Beispiel. Und sie sind auch in Büchern gedruckt.
Aber Lloyd-Jones wollte ursprünglich, dass keine Aufnahmen gemacht werden und dass nichts gedruckt wird, weil das seine Meinung war: Eine Predigt ist für den Tag und für die Gemeinde. Er lässt sich überreden, und wir freuen uns darüber, weil wir sehr davon profitieren können.
Diesen Gedanken finde ich wichtig: Das ist ein Ereignis für einen Tag oder für eine bestimmte Situation. Der Unterschied zum Bibelkreis ist dabei nicht ganz korrekt, was ich hier sage, aber im Grunde ist es eher so, dass wir im Bibelkreis das Wort Gottes unter die Lupe nehmen, weil wir zusammen verstehen wollen, was dort steht. Ich soll jetzt nicht anfangen, darüber zu sprechen. Aber ich glaube, in der Predigt ist es viel klarer, dass wir unter die Lupe kommen.
Natürlich fühlt man sich auch in einem guten Hauskreis angesprochen und unter die Lupe genommen im Licht des Wortes. Aber vom Stil her ist es irgendwie viel klarer, dass wir unter die Lupe genommen werden. So aufgeteilt, wie sie das aus aktives Zuhören vorher, während und nachher. Natürlich gibt es dabei ein bisschen Überschneidungen.

Vorbereitung des Herzens vor dem Hören

Erst einmal beten und den Text lesen. Also, wenn ihr in einer Gemeinde seid, in der der Prediger ankündigt, was er am nächsten Sonntag macht, dann mache ich das so: Monat für Monat lese ich das im Voraus. Und dann bist du schon ein bisschen vorbereitet darauf, was Gott sagen wird. Ob es eine gute Predigt ist oder eine nicht so gute Predigt, es wird dir helfen, im Voraus zu lesen.
Zuerst sollen wir die richtige Haltung entwickeln und uns darauf einstimmen. Zunächst Ehrfurcht: Das ist etwas Heiliges und Unfassbares, dass der lebendige Gott, der große Gott, heute zu uns spricht durch das Wort, das verkündigt wird. Und ja, ich sage dazu in einem Augenblick noch etwas.
Das bedeutet, wir müssen mit Demut in die Predigt kommen oder in den Gottesdienst kommen. Gott kennt uns, Gott kennt diese Welt. Wir müssen uns vor ihm beugen und offen sein für alles, was er sagen will. Es könnte wehtun. Was war das? Lukas 11, ich glaube, das ist die Stelle, wo sich ein Pharisäer angesprochen fühlte. Ist das 11,45? Nein, da antwortet einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch. Es kann sein, dass wir das durch die Predigt erleben, dass wir zum Beispiel geschmäht werden.
Und wir sollen eine Offenheit haben, zu hören, was vielleicht unangenehm ist oder unerwartet ist.

Gemeinsames Hören mit der eigenen Prägung im Blick

Wenn ich sage, wir sind kein unbeschriebenes Blatt, dann meine ich: Wir kommen alle aus unterschiedlichen Prägungen. Wir bringen vieles mit und lesen die Schrift durch eine Brille, die von unserem Hintergrund geprägt ist. Das kann ein konfessioneller Hintergrund sein, ein sozialer Hintergrund, die Ausbildung, die Kultur oder etwas anderes.
Wenn wir das anders wahrnehmen, dann haben die Leute sozusagen recht, die Befürworter der postmodernen Sicht: Ja, wir lesen alles durch eine bestimmte Brille. Und deswegen brauchen wir einander, um gemeinsam das Wort Gottes zu hören. Denn der andere wird es anders gelesen oder gehört haben und kann vielleicht schon eine Korrektur geben.
Ein Beispiel aus meinem Leben: Mein Vater hat im Ausland gearbeitet, er war in der Truppenlandwirtschaft, das ist aber nicht so wichtig. Ich bin in der evangelikalen Gemeinde an der Uni in England aufgewachsen, und ich muss ehrlich sagen: Durch die ganzen Predigten über das Evangelium wurde fast nichts über Dämonen und unreine Geister gesprochen, als ob es das nicht gäbe. Das ist übertrieben, aber in diese Richtung ging es.
Dann machten wir in einem Urlaub nach Fidschi, wo wir damals wohnten, einen Besuch bei einem Priester, einem chinesischen Priester aus indischer Abstammung, der sehr viel mit Bekehrten aus dem Hinduismus gearbeitet hatte. Für ihn war es ganz selbstverständlich, dass er die ganze Zeit mit Dämonenaustreibung beschäftigt war. Das hat mir die Augen geöffnet.
Ich bin dann zu den Evangelien zurückgekommen und habe gedacht: Ja, das stimmt, da ist einiges da. Natürlich bedeutet das nicht, dass er nicht vielleicht übertrieben hat und alles Mögliche. Aber es hat mich dafür sensibilisiert, dass mein Lesen der Bibel nicht ganz richtig war.
Also brauchen wir einander. Was wollte ich damit sagen? Dass wir offen sind für Korrektur. Wir müssen manchmal unsere Vorurteile loslassen, im Licht der Schrift, nur wenn es mit der Schrift übereinstimmt. Und wir sollen eine Erwartung haben, dass wir eine Begegnung mit dem lebendigen Gott haben, dass wir die Stimme des lebendigen Gottes hören.

Erwartung, Ehrfurcht und die Haltung der Gemeinde

Ich weiss nicht, wie das in eurer Gemeinde ist, das ist sehr unterschiedlich. Wie ist die Stimmung vor dem Gottesdienst? In manchen Gemeinden wird die vertikale Beziehung sehr betont: Wir sind da, um Gott zu begegnen. Dort ist oft Ehrfurcht spürbar, und eher hochkirchliche Gemeinden sind darin manchmal besser aufgestellt. In anderen Gemeinden, eher den evangelikalen, wird stärker darauf Wert gelegt, dass wir zusammenkommen. Es ist sehr wichtig, dass wir einander ermutigen. Das ist wunderbar. Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man in die Gemeinde kommt, die Freunde sieht und denkt: Gut, ich bin jetzt mit der Gemeinde zusammen. Diese horizontale Dimension wird dann betont.
Ich denke, wir müssen beides haben. Manchmal wünsche ich mir bei uns in der Gemeinde, dass wir den Gottesdienst mit etwas mehr Ehrfurcht und Erwartung beginnen würden. Es gibt viel Zeit füreinander, für Gespräche und Ermutigung nachher. Aber davor könnte man sich ein wenig darauf vorbereiten: Ich werde mit Gott sein und von ihm hören. Also Erwartung und Gebet dafür, für sich selbst, für den Prediger und für die Gemeinde. Während der Predigt beten und Grosses erwarten, wie gesagt.
Ich dachte, ich sollte sagen: Sei anwesend. Das ist vielleicht besonders wichtig, wenn der Prediger nicht der Beste ist und man auf dem Programm sieht: Ach, das ist der andere Prediger, der ist nicht unbedingt so gut. Oder er ist nur Laie und nicht ausgebildet oder was auch immer. Die Versuchung ist dann da, an diesem Sonntag etwas anderes zu machen. Sei anwesend. Lass dich überraschen, was Gott dir durch jemanden sagen wird, den du vielleicht nicht so leicht hören würdest. Es geht um dich und mich.

Die Gemeinde als Ort von Beziehung, Verantwortung und gemeinsamer Prüfung

Damit wollte ich sagen, dass eine gute Predigt aus Beziehungen stammt. Ein Prediger, der sein Volk kennt, es liebt und für es betet, wird, glaube ich, ein besserer Prediger sein. Und wir brauchen einander.
Wann ist eine Predigt keine Predigt? Was ich damit meine, ist: wenn niemand dabei ist, der mich ärgert, den ich nicht mag oder der anders ist als ich. Eine Predigt zum Beispiel als MP3 zu hören, ist nicht unbedingt eine Predigt. Und was ich damit meine, ist: Wir brauchen einander, wir brauchen Gemeinde und Gemeinschaft. Und weil wir alle unterschiedlich sind, hören wir das anders und hören es zusammen.
Und das ist der nächste Punkt: Es geht um euch, nicht um dich. Das Wort Gottes ist nicht einfach eine persönliche Botschaft von Gott an mich. Es ist eine Botschaft an sein Volk in der Vergangenheit, die auch jetzt eine Anwendung für mich hat. Aber es ist fast immer an das Volk Gottes gesprochen, an die Gemeinde, nicht an einzelne Personen. Und ich glaube, das ist auch eine Gefahr bei uns Evangelikalen, dass wir das oft sehr persönlich und individuell anwenden und vergessen, dass wir als Volk angesprochen werden. Und wir sollen das als Volk zusammen hören.
Und es geht um heute, noch einmal dieser Punkt: dass es ein Ereignis ist. Es geht um heute, und das bedeutet, er verlangt eine Antwort heute. Hebräer 3,7 werde ich dann lesen, wenn ich finde, wo Luther den Hebräerbrief hingesteckt hat. Wusstet ihr, dass Luther das im Vergleich zu den englischen Bibeln oder anderen nach hinten geschoben hat? Und das ist verwirrend für die Engländer.
Darum, wie der Heilige Geist spricht: Psalm 95. Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Also: Dieses Wort aus der Vergangenheit, das zu Gottes Volk damals gesprochen wurde, gilt auch für die in der neutestamentlichen Zeit und auch für uns heute. Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt euer Herz nicht, sondern antwortet.
Und da eine Aufnahme von einer Predigt vielleicht so verstanden werden soll, ist sie ein Echo von einer Predigt, die damals gegeben wurde. Das kann uns sehr helfen. Und es kann sein, dass durch den Heiligen Geist das noch einmal für mich lebendig wird, wenn ich zuhöre. Aber man darf nicht vergessen, dass eine Predigt ein Ereignis für eine bestimmte Zeit ist.

Praktische Vorbereitung vor dem Gottesdienst

Sei aufmerksam, komm frisch und vorbereitet an. Eine Freundin von mir an der Uni hatte einen Vater, der Pfarrer war, ein freikirchlicher Pfarrer in England. Sie hat mir erzählt, dass es bei ihnen in der Familie so war: Sie gingen immer früh ins Bett, Samstagabend, damit sie gut ausgeschlafen in die Gemeinde kamen und aufmerksam für die Predigt waren.
Das hat mich umgehauen, als ich das gehört habe. Damals habe ich es noch nicht so richtig angewendet, aber das sollte man anwenden. Kommt frisch und vorbereitet an!
Mitlesen und mitdenken, die Bibel mitnehmen, das ist nicht in jeder Gemeinde selbstverständlich. Bei uns ist es so, dass wir an der Tür eine Bibel geben. Wenn das nicht der Fall ist, nimm deine Bibel mit, schlag sie auf. Das ist eine Ermutigung für die Prediger, vielleicht auch eine Herausforderung, wenn er nicht vorhat, an diesem Text festzuhalten. Aber schlag sie auf mit Erwartung.
Das ist auch eine Botschaft an die anderen, die da sitzen: Oh ja, stimmt, wir wollen etwas von hier hören und mitdenken. Ob ihr Vertrauen habt oder nicht, ob ihr Vertrauen in diesen bestimmten Prediger habt, es ist immer wichtig mitzudenken. Auch wenn es sein Guter ist, auf den ich Vertrauen habe, oder andersherum: immer mitzudenken. Stimmt es mit dem Text überein?
Wir sind gerufen zu prüfen, ob das, was der Prophet, in diesem Fall der Prediger, gesagt hat, mit der Schrift übereinstimmt. Und das ist eine gemeinsame Aufgabe, was ich am Anfang gesagt habe. Wir haben alle eine Verantwortung. Denkt nicht: Ich bin zu ungebildet theologisch, um mich damit auseinanderzusetzen. Wir sind das Volk Gottes als Ganzes und haben alle eine Verantwortung darin.

Nach dem Hören: Nachdenken, Wiederholen und geistliche Verarbeitung

Nachher beten und nachdenken. Eine Predigt ist also nicht zu Ende, wenn sie zu Ende ist. Vielmehr soll ihre Wirkung nachwirken. Das bedeutet auch unsere Beteiligung: dass wir beten: Herr, was willst du von mir nach dieser Predigt?
Es kann sein, dass ich das selbst immer wieder vergesse. Aber ich möchte, dass wir das öfter machen. Man kann nach der Predigt auch eine Zeit haben, in der prophetische Eingaben weitergegeben werden können. Das kann man unterschiedlich gestalten.
Ich habe die Erfahrung gemacht, als ich in Leipzig in einer charismatischen Gemeinde gepredigt habe. Es war dort so, dass nach der Predigt die Möglichkeit bestand, ein Zeugnis oder etwas Ähnliches weiterzugeben. Und ich habe an demselben Tag sowohl Schlechtes als auch Gutes erlebt.
Ich hatte über das Hohelied gepredigt, also über Sexualität und ähnliche Themen. Ich glaube, als Erste kam meine Frau nach vorne. Der Pfarrer war nicht da, ich war also verantwortlich, aber ich war nur als Besucher dort. Deshalb wusste ich nicht, ob ich eingreifen sollte oder nicht. Sie hat im Grunde zehn Minuten lang eine zionistische Anwendung gegeben, die eigentlich nicht sehr viel mit der Predigt zu tun hatte. Das war nicht sehr hilfreich, aber ich wollte sie auch nicht unterbrechen.
Dann kam jedoch eine Frau und sprach von ihrer neueren Erfahrung, wie Gott ihr einiges gelehrt hatte. Sie war dabei sehr offen in Bezug auf die Frage der Sexualität. Das war absolut passend. Es stimmte mit der Predigt überein und hat die Botschaft der Predigt sozusagen geerdet. Sagt man geerdet? Ja, geerdet.
Natürlich kann man verschieden damit umgehen, wie man prüft, bevor vielleicht etwas gesagt wird. Aber ich fand diese Erwartung hilfreich, dass die Anwendung vielleicht prophetisch in der Gemeinde kommt, nicht nur vom Pfarrer. Und vielleicht sollten meine Gemeindemitglieder mich daran erinnern, dass ich bei uns in der Gemeinde dafür Raum gebe.
Ein Nachher muss es geben. Ich glaube, das war ein ziemlich gutes Zitat, deshalb lese ich es vor:
So spricht der Herr zu Hesekiel: Und sie werden zu dir kommen, wie das Volk zusammenkommt, und vor dir sitzen als mein Volk. Sie werden deine Worte hören, aber nicht danach tun. Denn ihr Mund ist voll von Liebesweisen, und ihr Herz läuft hinter ihrem Gewinn her.
Also ist das die falsche Variante: Sie hören zwar, reagieren aber nicht, und das Herz wird dadurch verstockt.

Stille Zeit als Ort der Vertiefung

Stille Zeit! Was ich damit meinte, ist, was ich noch einmal sage: Ich bin ein bisschen heuchlerisch, aber ich mache das ab und zu und sollte das öfter machen.
Ich mache Notizen, wenn ich einer Predigt zuhöre. Wir haben zwei Gottesdienste am Tag, und normalerweise predige ich nur einmal. Deswegen bin ich an den meisten Sonntagen auch unter dem Wort selbst. Ich finde es hilfreich, am nächsten Tag oder zwei, drei Tage später in der Woche in meiner stillen Zeit die Notizen herauszunehmen, den Text nochmals zu lesen, zu reflektieren und Gott Zeit zu geben, mich sozusagen persönlich anzusprechen.
Natürlich kann man das auch machen, wenn der Prediger nicht ideal ist. Es ist derselbe Bibeltext. Ja, wo muss ich umdenken, was soll ich umsetzen? Ich glaube, das ist relativ straightforward.
Ich wollte auch sagen, es muss nicht sein, dass jede Predigt eine sofortige klare Wirkung hat oder einen sofortigen klaren Punkt, was ich umsetzen muss. Es gibt auch eine kumulative Wirkung, also dass über die Zeit Schritt für Schritt mein Denken geändert wird durch die Auseinandersetzung mit dem Wort in der Predigt.
Ich denke, ich bin offen für Korrektur hier, aber ich glaube, wir haben jetzt von moralisierenden Predigten gehört und von der Gefahr, die davon ausgeht. Eine Gefahr ist, dass man, wenn man eine moralisierende Predigt hört, oft irgendwie ein bisschen froh nachher ist. Man fühlt sich ein bisschen zusammengeschlagen vom Prediger, und das sollte geschehen. Also: Ich bin schlecht, und ich muss es besser machen, und ich muss härter arbeiten, und ich muss ein besserer Christ sein. Und man fühlt, dass etwas richtig passiert ist.
Bei einer eher nüchternen, auf Englisch biblisch-theologischen Predigt, wo es eher darum geht, Gottes Wege zu verstehen, kann es sein, dass es nicht so aufregend ist, nicht so prickelnd und so weiter. Aber sie kann eine tiefere Wirkung haben, eine längerfristige Wirkung als diese moralisierende Predigt, die aufregend ist, aber vielleicht nach einigen Tagen vorbei ist.
Also: Nicht unterschätzen diese langfristige Wirkung. Und vielleicht kommt diese langfristige Wirkung auch dann, wenn die Predigt nicht ideal ist, weil man es immer noch mit dem Wort Gottes konfrontiert in der Predigt.

Rückfragen, Beispiele und die Rolle von Feedback

Ah ja, Feedback-Runde. Feedback ist Feedback, das hat jemand in meiner Gemeinde in einer E-Mail an mich geschrieben. Also, er hatte es so verstanden: Feedback. Aber wir leben in der Bachstadt Leipzig.
Gibt es jetzt, bevor wir zu diesem Thema nicht ideale Predigten kommen, Fragen oder Einwände oder auch Impulse? Und wenn die auch per MP3 oder irgendwie so kommen, kann es natürlich auch gut sein, weil der Heilige Geist wirft auch dann sein Licht.
Mir fiel so automatisch ein: Also, ich komme ja aus der Reife, und wir haben ja nun auch diese Aufnahmen von Fernsehen. Oh, stimmt, ich... Sorry, Christian! Ja.
Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein.
Ich habe Leute in meiner Gemeinde, die davon gesegnet worden sind. Also, ich bin absolut dafür, keine Sorge. Selbst jetzt, wo Wiederholungssendungen laufen, die sind wahrscheinlich 2010 aufgenommen, so war das jetzt nicht gemein. Nein, ich war nicht dagegen.
Ich meine eher, ich gebe das Beispiel, wo ich das gehört habe: Together for the Gospel in America. Im letzten Jahr war ich dabei, und Karl Truman, der ist so ein Professor und Blogger, und die hatten ihn eingeladen, weil er sehr kritisch über Celebrity Preachers, Prediger, die sehr bekannt sind, geäußert hat. Und die meisten Prediger bei dieser Konferenz waren Celebrity Preachers. Dann hatten sie also freundlicherweise, demütigerweise, eingeladen, so zu einem Forum zu sprechen.
Warum ist das problematisch? Ich glaube, seine zwei Punkte waren erstens: Ich habe viele Studenten, oder ich lerne viele Leute kennen, die am meisten nur im Internet diese Prediger hören, die sie überhaupt nicht kennen. Das ist ungesund, weil die besten Predigten usw. aus der Beziehung mit den Menschen kommen. Das war ein Punkt.
Der zweite Punkt war, dass die Erwartung vieler Theologiestudenten ist, Celebrity Preacher zu werden. Und für 99 werden sie lange in einer kleinen Gemeinde ohne großen Erfolg im weltlichen Sinn arbeiten, und die sind nicht ausgerüstet dafür, wenn sie irgendwie diese Vorbilder haben.
Also, diese zwei Punkte sind mir wichtig. Aber diese Beziehungsseite ist mir sehr wichtig, dass man auch die Authentizität des Predigers beeinflusst, wie man das hört. Und wenn man in der Gemeinde ist, kennt man den Prediger gewissermaßen. Und ich glaube, in einer gesunden Art und Weise soll das beeinflussen, inwiefern wir das zuhören.
Das ist auch eine gesunde Korrektur, also Gemeindewesen, Papistachronen zum Beispiel, dass wir auch im Nachhinein in den Hauskreisen über die Predigten sprechen. Also, das ist dann auch das, was wir, also gang und gäbe.
Ich weiß das auch durch die Arbeit hier in der Arche, dass jetzt aus einer zum Beispiel Fernsehsendung eine gute Möglichkeit gibt, Menschen im Leben zu erreichen. Vielleicht kommen Sie zu diesem Punkt zurück, weil das ist auch eine Variante für Leute, die in einer Gemeinde sind, wo keine gute Predigt ist.
Aber ich will immer betonen: Ich finde das eine, ja, nicht ideale Variante. Dass es im Notfall wunderbar ist, dass es das gibt, aber es ist nicht die ideale.

Externe Predigten, Musik und die Frage nach gemeinsamer Auslegung

Sorry, du wolltest du? Wenn man sich quasi nur noch über solche externen Predigten nähert, fehlt einfach etwas. Das ist grundsätzlich vielleicht gut für den Einstieg, zum Kennenlernen des Glaubens oder auch zwischendurch als Impuls. Aber man braucht trotzdem einfach diese lebendige Gemeinde. Und Gemeinschaft, ja, bitte.
Ich finde es gut, wenn vor der Predigt oder wie auch immer gesungen wird. Hier in der Arche ist es Lobpreis, Dank, Verherrlichung und so weiter und so fort. Das ist einmal vom Text her, vom Sinn her, was hier abläuft. Aber das andere ist die Musik, keine Orgel, die Musik. Sie ist für mich eine Befähigung, zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen eine Brücke zu schlagen, damit ich selber irgendwie inspiriert werde oder mich stimmungsmäßig hingebe und dann das Wort, das von vorne kommt, wie es auch kommt, besser aufnehmen oder anders aufnehmen kann. Ich kann empfänglicher werden. Dadurch, dass man Gott angebetet hat und in Gottes Gegenwart gewesen ist, ist man empfänglicher, finde ich. Das gehört unter meinem Punkt ein bisschen zu Ehrfurcht und Erwartung. Ich würde sagen, das ist Teil der Vorbereitung.
Ich habe in anderen Kirchen erlebt, wenn da die Orgel ist und sonntags morgens, als wenn der da oben oder die da oben so aggressiv ist oder was und draufhaut, möchte ich mir die Ohren zuhalten oder rausgehen. Einmal, das wäre sehr gut. Ja, es ist unterschiedlich, unterschiedlich. Ja, sorry. Du sollst.
Du hast viel darüber gesprochen, dass die Predigt auch so ein Gemeinschaftsaspekt ist, wo alle zuhören, aktiv zuhören und darauf achten, was gesagt wird. Inwiefern müsste man denn nicht eigentlich fordern, dass es danach noch so etwas wie eine Besprechung gibt, so etwas wie ein Chatflug oder so etwas wird das genannt, dass man Fragen stellen kann, dass man eigene Erlebnisse oder so etwas hinzufügen kann? Müsste man das nicht eigentlich fordern für einen lebendigen Gottesdienst?
Ich glaube, ich würde sagen: kann man, muss man nicht. Und wahrscheinlich ist Vielfalt wichtig. Es gibt bestimmte Predigten, wo ich lieber jetzt mit einem Musikstück oder in der Zeit der Stille bin. Oder es hat eine bestimmte Richtung, und das wird dadurch gestört, dass man dann ein Gespräch hat. Es gibt andere, und vor zwei, drei Wochen haben wir das gemacht: Bei einem Abendgottesdienst hatten wir eine Feedbackzeit und eine Diskussion nach der Predigt. Ich finde, es ist gut, unterschiedliche Formen der Antwort auf die Predigt zu haben.

Die Predigt im Hier und Jetzt und die Erinnerung daran

Ja, hinten. Ja, du. Du hast vorhin gesagt, wie Michael Lloyd-Jones gesagt hat, dass die Predigt für das Hier und Jetzt sein soll. Da stimme ich zu.
Ihr kennt es bestimmt: Man hat die Predigt gehört, und am Sonntag am Mittagstisch weiß keiner mehr, was war jetzt nochmal der Punkt. Da muss man ein schlechtes Gewissen haben. Was war jetzt nochmal dran? Vielleicht müssen wir uns noch ein bisschen umdenken. Die Predigt ist nicht etwas, was ich unbedingt in der Woche brauche, sondern das, was ich im Hier und Heute, im Jetzt brauche.
Ich stelle mir das zum Beispiel so vor: Wenn ich jetzt überlege, was ich letzte Woche gegessen habe, dann muss ich erst so lange überlegen, dass ich es auch nicht mehr genau weiß. Aber ich weiß, als ich es gegessen habe, hat es mich ernährt, und ich lebe weiter. Und bei der Predigt, weil wir nicht nur vom Brot leben, sondern vom Wort Gottes, ist das Wort eben in dem Moment da, um mich zu ernähren, auch wenn ich später nicht mehr weiß, was gepredigt wurde.
Ja, und das kommt auch ein bisschen im Sinne dieser langfristigen Wirkung, die man nicht sofort merkt, die aber immerhin da ist, wie mit dem Essen.
Gut, noch zwei Punkte, dann müssen wir weiter. Hinten zuerst und dann du. Udo, okay. Für die Aufnahme.
Wir sollen wie Kühe sein nach dem Gottesdienst und wiederkäuen, was wir gehört haben. Wenn ich ein Buch lese und eine Auslegung von Brigitte höre, ist das nicht dasselbe. Denn ich muss dabei mitdenken oder überdenken, was ich lese oder was ich höre. Also ist das gleich oder unterschiedlich? Wenn man in einem Buch liest. Ja, oder entweder ein Buch lesen oder ein Buch anhören.
Vielleicht geht es ein bisschen in die Richtung, was ich gesagt habe: Eine Predigt ist ein bisschen anders als nur Bibel lehren. Und man kann eine alte Predigt lesen oder anhören, um die Bibel besser zu verstehen. Aber sie hat nicht diesen prophetischen Touch, den ich in der Predigt erwarte. Nicht, dass sich das jedes Mal so erleben lässt, aber so, dass es eben in diese Richtung tendiert.

Hilfen aus der Praxis und ein Buchhinweis

Gut, wir gehen weiter, dann wird hoffentlich nachher auch Zeit.
Ah ja, ich wollte sagen: Ich habe in meiner Vorbereitung viel aus diesem Büchlein genommen. Es heißt Listen Up, das kommt aus England. Christopher Ash leitet einen Kurs, eigentlich den Kurs von der Proclamation Trust, den Matthias, glaube ich, gestern erwähnt hat. Einen englischen Kurs wollen wir in München anfangen, aber Chris Ash schreibt also gibt Tipps, wie man die Predigt zuhören kann.
Das ist leider nur auf Englisch, aber ihr könnt zu drei Elgern nachher sagen: Wir haben gehört, es gibt ein wunderbares Büchlein, könnt ihr das übersetzen? Aber ich kann sagen, wo ihr das im Internet kaufen könnt.

Umgang mit schwierigen Predigtsituationen

Gut, aktives Zuhören in anspruchsvollen Fällen, sagen wir höflicherweise in anspruchsvollen Fällen. Wenn die Predigt so wichtig ist, dann ist es umso ernster, wenn sie mangelhaft ist. Aber vergesst nicht: Gott spricht nur durch Prediger und Predigten, die nicht perfekt sind.
Vielleicht habt ihr das schon in eurer Gemeinde bemerkt. Vielleicht haben auch die Leute in meiner Gemeinde das bemerkt. Eigentlich ist heute jemand hier, der zu unserer Gemeinde kam und das nicht sehr schön fand. Ich glaube, ihr Vater hat gesagt, man soll eine Gemeinde mindestens x Mal besuchen, bis man nicht mehr hingehen will. Also muss man ein bisschen länger bleiben.
Ich glaube, sie kam etwa fünfmal. Es war immer schlimm. Und beim fünften Mal war eine Predigt, bei der ich ziemlich schlecht gepredigt habe. Und sie hat sich dort bekehrt und ist heute hier. Also lasst euch überraschen, was Gott tut, auch mit nicht perfekten Predigten.
Ich habe keine Patentrezepte, aber einige Denkanstöße. Und ich möchte, dass das hoffentlich in eine Diskussion führt. Hoffentlich haben wir noch Zeit.
Drei Arten von anspruchsvollen Fällen:
Eine Predigt oder ein Prediger, der das regelmäßig so ist, der treu ist, aber langweilig. Also tut Buße und glaubt an die Lebendigkeit des Wortes, nicht an die Lebendigkeit des Predigers. Erwartet auch, hört aufmerksam und gespannt zu. Das ist das Wort Gottes, das wie ein zweischneidiges Schwert ist, auch wenn der Prediger nicht der interessanteste und aufregendste ist.
Rechnet mit dem Heiligen Geist, lasst euch überraschen. Erwartet, dass Gott die Gebete erhört. Und wenn es ein treuer Prediger ist, hat er auch gebetet, dass Gott die Predigt nutzt. Erwartet, dass Gott dieses Gebet erhört. Aber sorgt dafür, dass ihr auch für den Prediger gebetet habt. Ermutigt ihn womöglich.
Natürlich ist es immer schön, wenn man etwas kritisch hört. Das ist vor dem Hintergrund, dass man über die Wochen zehnmal zuerst etwas Positives gehört hat. Nehmt euch also die Zeit, zu ermutigen.
„Trefft euch mit einem Freund, um euch über die Anwendung auszutauschen“, war mein Gedanke. Also auch wenn es etwas langweilig ist: Macht Notizen. Das hilft, sich zu konzentrieren, wenn man etwas schreibt. Und dann vielleicht mit einem Freund treffen und sagen: Gut, was war gut, und was können wir mitnehmen?
Es wird bald eine Chance geben, andere Tipps miteinander zu teilen.

Treue, Einseitigkeit und die Verantwortung zum Prüfen

Bibeltreu, aber nicht texttreu – damit meine ich vielleicht das, was wir gehört haben: nicht biblisch-theologisch, also biblische Wahrheiten, die nicht unbedingt aus diesem Bibeltext kommen. Und das ist bei vielen, also bei der Generation von Predigern, die nicht diese biblische Theologie haben, so. Das haben wir in England bemerkt: immer biblische Wahrheit, es ist das Evangelium. Menschen kommen zum Glauben, Menschen werden erbaut, alles gut, auch wenn das vielleicht kein gutes Muster oder Vorbild ist, wie man mit dem Wort Gottes umgeht, wenn irgendwo etwas mangelt.
Ihr wisst dieses Gefühl, woher der Gedanke kommt, wenn jemand etwas sagt. Ich gebe ein Beispiel von einem Prediger, der eher aus dem pfingstlichen Spektrum kam. Er hat mehrmals gesagt, bevor er einen Text aufgeschlagen hat: Der Herr hat mir gezeigt oder gesagt. Und dann hat er erzählt. Zum Beispiel, das war gerade vor dem Millennium, und es gibt so eine interessante Bibelstelle in Hosea 6,2, habe ich das geschrieben? Nein, ich habe nicht. Ja: Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tag aufrichten, dass wir vor ihm leben werden.
Und der Herr hatte ihnen gesagt, das bedeutet, diese ersten zwei Tage sind die ersten zwei Millennien, und jetzt sind wir auf der Schwelle der neuen Millennien, dieses dritten Tages, und es wird eine wunderbare große Erweckung kommen. Ich war nicht überzeugt, dass der Herr ihm diese Idee gegeben hat. Also das war nicht mit dem Text, sondern das hat er eingelesen statt herausgelesen. Das ist eine Gefahr.
Warum habe ich das erwähnt? Woher kommt der Gedanke? Man wird manchmal denken, und man muss deswegen auch bei allen Predigten prüfen: Ist das wirklich da im Text oder nicht? Auf der anderen Seite will ich eine Korrektur sagen: Es kann sein, dass der Prediger auf dem falschen Weg zum richtigen Ziel ist. Ich erlebe es oft, wenn ich Bücher aus dem charismatischen, pfingstlichen Spektrum lese, dass ich stocke und sage: Oh, das ist nicht wichtig, was er da sagt. Aber dann, wenn ich mir überlege und nachdenke, denke ich mir: Eigentlich könnte ich das nachvollziehen, aber ich wäre anders an diesen Punkt gekommen, durch die Schrift.
Und da muss man demütig genug sein zu sagen: Da ist der Heilige Geist auch in diesem Spektrum aktiv und hat die Leute zu einem richtigen Schluss gebracht. Aber der Weg war nicht der beste.
Neulich war das bei einem Kurs, den wir machen, und da war es auf der Spruch, also es war auf der DVD: Der Herr kann nur das tun, was nur der Herr tun kann, wenn wir tun, was nur wir tun können. Sorry, ein bisschen kompliziert. Damit wollte er ausdrücken, dass wir eine Verantwortung haben. Die Souveränität Gottes bedeutet nicht, dass wir da hinsetzen und warten, bis Gott souverän handelt. Aber es war nicht ganz richtig, weil wenn Gott nur etwas macht, wenn wir etwas machen, ist er von uns abhängig.
Aber ich habe das dann leicht geändert, als ich das gelernt habe. Normalerweise tut Gott nur das, was nur Gott tun kann, wenn wir tun, was nur wir tun können. Und dann fand ich das in Ordnung, es sei denn, es sind eigene. Es kann sein, dass reformierte Spürhunde hier sind, die sagen, das ist immer noch nicht ganz korrekt. Aber versteht ihr, was ich meine? Es ist viel besser.
Das könnte sein, dass ihr beim Predigen seid, die nicht so ganz korrekt sind oder nicht so ganz biblisch-theologisch sind, aber immerhin kann man darüber nachdenken und sagen: Okay, Herr, vielleicht ist etwas Wahres da. Was hättest du gesagt? Ich hätte ein Beispiel da, aber ich glaube, ich gehe weiter.
Was ich damit meine, ist: Statt nur zu kritisieren, das war falsch, zu sagen: Okay, was hätte ich als Prediger da gesagt? Was wäre mein Impuls gewesen?

Gemeinsames Nachdenken in kleineren Gruppen

Einen Tipp betrefft euch: Diesmal in einer kleineren Gruppe, also über diese Predigt nachzudenken. Ich meine im Grunde, über eine Predigt nachzudenken.
Wir hatten abends nach dem Abendgottesdienst eine Gruppe. Das nannte sich die Beröer. Kennt ihr die Beröer aus Apostelgeschichte 17? Das waren die Leute, die auf Paulus gehört haben, und dann haben sie geprüft, ob das mit der Schrift übereinstimmt. Und wir hatten diese Beröer-Gruppe nach dem Gottesdienst. Da haben wir dann weiter besprochen und über die Predigt nachgedacht.
Das kann man auch machen, wenn man keinen guten Input kriegt. Als ich im theologischen Seminar war, das war kein klar evangelikales Seminar, da war eigentlich ziemlich wenig Input, eine trockene Zeit sozusagen. Aber es war eine Gruppe von uns, vielleicht acht oder zehn Leute. Einmal in der Woche kamen wir zu Mittag mit unseren Sandwiches zusammen, haben eine Predigt gehört und das dann miteinander besprochen. Das hat wirklich unsere Seele gespeist.
Also, das wäre eine sehr wichtige Sache. Und vielleicht, wenn ihr in einer Situation seid, in der das Predigen nicht sehr viel bringt, könnt ihr entweder notfalls eine Aufnahme von einer Predigt hören oder ihr könnt zusammen weiter über den Predigttext reden und das so einbetten, würde ich sagen, auf Englisch: ins Gebet vor Gott bringen.

Wenn Predigt dauerhaft untreu wird

Bibeluntreu
Wenn das regelmäßig der Fall ist, dass bibeluntreu gepredigt wird, dann ist natürlich die Frage: Warum bist du da? Es ist nicht immer falsch, dort zu bleiben. Ich glaube, wir sollen ziemlich langsam sein, eine Gemeinde zu verlassen.
Ich würde die Frage stellen: Geht es überhaupt um Themen oder Nebenthemen, bei denen der Untreue da ist? Ist mein Bleiben vorläufig oder längerfristig? Ich würde sagen: Normalerweise, wenn der Prediger auch von seinen Voraussetzungen her nicht bibeltreu ist, dann sollte das nur eine kurzfristige oder vorläufige Situation sein. Das ist längerfristig nicht ideal.
Manchmal weiß ich, und werde wahrscheinlich hören, dass es in manchen Teilen des Landes manchmal unvermeidlich ist. Aber so würde ich es sagen. Und warum überhaupt bleiben? Zum Beispiel, um Einfluss zu nehmen über den Nachfolger. Wenn man sich über mehrere Jahre Treue erwiesen hat, wird man dann zugehört und kann vielleicht Einfluss haben auf den neuen Pastor. Es gibt also gute Gründe, da zu bleiben.
Ich würde sagen, in so einer Situation, und das gilt eigentlich für alle, sollten wir Gott immer um einen Punkt bitten. Man geht zu Gott und sagt: Herr, ich möchte an einem Punkt wirklich von dir hören, ob es vom Prediger ist oder direkt vom Text. Ich möchte jedes Mal etwas von dir hören.
Ein Tipp für Leute in so einer Situation: Hört gemeinsam ein Echo von einer Predigt an, also als MP3. Vorsicht, was wollte ich da sagen? Das ist ein Zitat von Charles Simeon, einem englischen Prediger vor zwei Jahrhunderten: Bei jeder Predigt nimmt unsere Errettung oder unsere Verdorbenheit zu.
Ich glaube, das gilt auch für Christen. Wir wachsen also in unserer Erkenntnis, oder unsere Herzen verstocken sich oder werden verstockt. Ich weiß es nicht genau.
Dann habe ich zwei kleine Punkte. Auf der einen Seite: Vorsicht vor einem Geist des Kritisierens. Das kann sehr negativ werden, wenn man sich immer nur über die Predigt beklagt.
Auf der anderen Seite sollen wir uns nicht damit abfinden, dass Gottes Wort nicht treu gepredigt wird und Gottes Stimme nicht so klar gehört wird. Wir sollen nicht gleichgültig darüber sein. Das soll uns zum Gebet motivieren und vielleicht auch zum Handeln.

Abschlussfragen und ein Gebet zum Ende

Ja, das war im Grunde der Input. Dann war noch, also wir müssen nicht pünktlich um halb fertig sein, es sei denn, einige wollen um halb gehen. Aber ich würde sagen, wir haben jetzt noch ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken. Vielleicht sind Leute in einer Situation, in der es zurzeit nicht ideal ist.
Ja, jemand hinten.
Ja, ich hatte zu dem dritten Punkt auch noch einmal eine Frage. Das ist ja die eine Sache, die Umschreiten. Ja, also für die Aufnahme: Ich versuche es zu wiederholen. Es geht darum, wie es besonders schwierig ist, wenn nicht gegen die Bibel oder im Widerspruch zur Bibel gepredigt wird, sondern biblische Wahrheiten, aber nur bestimmte Wahrheiten. Einiges wird weggelassen, und das ist natürlich schädlich für die Christen, die das als ihr Schwarzbrot bekommen, jede Woche.
Ja, was kann man dafür tun? Man kann beten, man kann vielleicht höflicherweise darauf hinweisen. Aber ich würde sagen, dann muss man in den Wochen vorher viel Positives zum Prediger gesagt haben und dann sagen: Ich habe bemerkt, dass Sie nicht über Vers 23 gesprochen haben. Das hat mich sehr angesprochen. So kann man irgendwie aufmerksam machen, dass vielleicht etwas da war.
Vielleicht mehr aus der Perspektive des Predigers: Ich bin gerade Theologiestudent und predige jetzt immer häufiger, und ich merke, dass es mir unglaublich wenig hilft, wenn Leute auf mich zukommen und sagen: Das war eine gute Predigt. Gerade zu dem Thema auch ermutigen womöglich. Es ist am besten, spezifisch zu sein, wo etwas gut war, und besonders dort, wo wir vielleicht auch manchmal vermissen, dass das Evangelium klar herausgestellt wird. Dann kann man sagen: Ja, ich fand es besonders gut, dass du noch einmal betont hast, was das Kreuz bedeutet.
Weil man sich oft auch als Prediger fragt: Muss ich das jetzt noch einmal erklären? Die wissen das ja alle schon. So etwas herauszustellen oder auch ganz besonders herauszustellen, was einen persönlich für seine Lebensführung wirklich angesprochen hat, ist sehr viel hilfreicher. Denn dann weiß man, dann muss man das nächstes Mal tun.
Und als Prediger kann man manchmal die Frage stellen, wenn die Leute kommen und sagen, auf Englisch gibt es so ein bisschen ein Klischee: nice sermon, preacher. Da kann man antworten: Und was hat dich besonders angesprochen? Oder so. Aber es gibt immer irgendetwas, was einen Anspruch hat.
Also diese junge Freundin, diese Freundin aus meiner Umgebung, die mir etwas über die Familie gesagt hat, und sie hat gesagt, in ihrer Gemeinde war es üblich, über Kirchenkaffee sehr viel über die Predigt zu sprechen. Das war irgendwie die Kultur. Das ist es, was ich gerne bei uns entwickeln lassen würde.
Das war also für die Aufnahme ein Punkt: dass die Gemeindemitglieder eine Verantwortung für ihren Pastor haben, ihren Prediger, sie zu unterstützen, für sie zu beten, sie zu ermutigen und so weiter.
Ja, es ist schwierig für Leute, die selbst predigen, zuzuhören, ohne kritisch zuzuhören und ohne immer zu denken: Das war gut oder schlecht als Einleitung und so weiter und so fort. Irgendwie muss man das zur Seite legen. Aber das ist auch ein Punkt, wo diese Sache mit der stillen Zeit wichtig ist.
Also für mich als Hauptpastor bin ich verantwortlich für die Prediger. Ich muss sie trainieren, ausbilden sozusagen. Deswegen muss ich kritisch zuhören. Deswegen ist es für mich vielleicht noch wichtiger, dass ich das dann für mich weiter oder wieder zuhöre in meiner stillen Zeit.
Es sind Leute hier, die vielleicht in Gemeinden sind, wo die Voraussetzungen nicht da sind, biblisch-theologisch zu predigen. Wollt ihr etwas einbringen oder sagen?
Ja, ich komme aus dieser Vorstellung.
Ja, also man muss vorsichtig sein, dass man nicht jede Predigt, die nicht genau in einen biblisch-theologischen Raster passt, als falsch beurteilt. Gott benutzt das auch usw. Und zweitens: Wenn man in so einer Situation ist, wo nicht so immer so hilfreich gepredigt wird, dann ist die persönliche geistige Vorbereitung noch wichtiger. Das war ein wichtiger Punkt, oder? Und hast du Tipps, wie du damit klarkommst in deiner Situation?
Also für die Aufnahme, für die Leute, die überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuhören: Das war eine Werbung für die nächste Evangelium-21-Konferenz. Ihr sollt dabei sein, weil ihr hier auftanken könnt, und das hilft ein bisschen.
Ah, lade die Mitglieder eurer Gemeinde ein, ist auch sehr wichtig. Ja, stimmt. Evangelium 21 sollte auch Konferenzen mal im Süden machen.
Gut, ein letzter Punkt. Ich glaube, du hattest dich gemeldet. Hast du einen Tipp oder irgendwelche Erfahrung, was du ...
Ich kann mir überlegen, ob ich demnächst austrete. Ich bin in der neuapostolischen Kirche, und da ist es ja schon vom Lehrgebäude her schwierig.
Ja, das stimmt. Also ich weiß nicht genau die Details, aber ...
Ja, und dann bedeutet es wahrscheinlich, dass die da die Bibel durch eine neuapostolische Brille lesen und nur merken, was mit dieser Brille einverstanden ist. In einem bestimmten Gemeindeverband wird gesprochen, dass man bestimmte Lehren hat, und wenn man nicht damit einverstanden ist, muss man wahrscheinlich austreten oder wird gezwungen, auch bei Pastoren.
Gut, wir müssen zu Ende kommen, glaube ich. Martin, ich wollte dich bitten, dass du am Ende für uns ein Gebet sprichst. Machst du?
Komm nach vorne, das muss nicht aufgenommen werden, vielleicht hören die im Hintergrund.
Himmlischer Vater, du sprachst am Anfang und alles ward. Und wir bitten dich, dass, wenn wir in Zukunft in unsere Gemeinden gehen und Predigten hören und wir schlucken müssen und denken, das war jetzt nicht so erfolgreich, du uns überzeugst von unserer Sünde, von unserem verstockten Herzen und unserem Wunsch, unser Herz zu schließen. Und dass du uns im Gegenzug unsere Herzen öffnest, dass wir auch aus nicht hilfreichen Predigten dein Wort immer noch hören und andere um uns herum ermutigen können, in deinem Wort weiter nachzulesen und weiter von dir verändert und geformt zu werden.
Wir beten das im Namen deines Sohnes und im Vertrauen auf die Kraft und das Wirken deines Geistes. Amen.
Dankeschön!