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Bibelarbeit über Anfechtung

03.09.1991
Warum lässt Gott Leid zu? Nicht jede Krankheit ist Strafe – oft wird sie zur Prüfung, ob du ihm auch im Dunkeln vertraust. Die Frage ist: Hält dein Glaube, wenn nichts mehr erklärt wird?

Einführung in das Thema und die Grundfrage

Anfechtung
Was ist eigentlich Anfechtung? Ein ganz komisches Wort. Etwas ficht mich an, etwas kämpft mit mir. Ein Wort, das im Christenleben eine ganz wichtige Bedeutung hat.
Ich bin in den letzten Tagen über einen Satz gestolpert, in unserem Heft Idea. Da stand in einem Bericht von irgendeiner Tagung, dass irgendein Prediger gesagt habe: „Gott will keine Krankheit.“
Es ist ja immer schwierig, wenn Menschen so vollmundig etwas sagen, was Gott will. Wenn es nicht biblisch begründet ist, muss man sagen: Wo steht das eigentlich in der Schrift?
„Gott will keine Krankheit.“ Dann kann ich höchstens sagen: Das hat Jesus einmal zu einem Kranken gesagt: „Sei gesund.“ Aber das war ja auf den speziell bezogen. Wo hat das Jesus allgemein gesagt?
Es wird einmal kein Leid mehr sein in der Ewigkeit. Aber jetzt? Wie ist denn das mit der Krankheit?
Und das ist ja ein Problem, das Sie alle beschäftigt, wenn Sie mal so durch die erste Jugendblüte durch sind. Nicht, dass ich sage, dass Sie nicht noch drinstehen, sondern ich meine: Dann fängt das ja an mit der Krankheit. Wir haben ja schon junge Leute in unseren Konfirmandengruppen, die sehr schwer krank sind. In jüngsten Jahren.
Viele von Ihnen haben das in der Kinderfamilie, bei Kleinkindern. Gerade jetzt in einer befreundeten Familie habe ich es erlebt, dass schon ein Kind im Mutterleib fortwährend punktiert werden muss. Was das alles ist, wenn die Krankheit schon im Mutterleib beim Baby beginnt und die Mutter auf ihr Baby wartet und sie weiß, es wird lebenslang ein krankes Kind sein. Schwer!
Und wenn ich dann pauschal sage: Gott will keine Krankheit, muss ich sagen: Was ist jetzt eigentlich los? Ist Gott ohnmächtig? Oder bin ich im Moment auf seiner Hasslinie? Hat er mich ausgeklingt durch seine Segensspur? Was ist jetzt?
Also ich bin erschrocken, dass solche Sätze mehr und mehr die Runde machen. Dann ist das ja wahr, dass Gott Wunder tut. Wir wollen auch wirklich immer wieder das Aussprechen in unzählig vielen Dingen. Wir können das ja in nächster Nähe erleben, wir können das erfahren, die Wunder, die wir auch jetzt in den letzten Wochen hier in der Gemeinde erlebt haben, wo viele mitgebetet haben, mitgetragen haben bis hinein in unbegreifliche Krankenheilungen.
Aber ich kann nicht grundsätzlich sagen: Gott will keine Krankheit. Sondern ich kann nur sagen: Gott lässt Böses zu. Gott lässt Böses zu.

Warum Gott Leid zulässt

Warum macht Gott das? Ein Fiesling, da will man so ganz sagen, dass er uns einfach den Fuß stellt. Wenn Sie über den Pragfriedhof gehen, dann lernen Sie dort Grabsteine kennen. Da hieß es einmal, es war früher so eine Mode, auf Lateinisch hinzuschreiben: Der Neid der Götter hat Dich nicht leben lassen. Das ist die Vorstellung, dass die Götter das Gute neiden. Und die Götter, die rennen mir immer hintendran, das ist ein griechischer Gedanke, der griechischen Religion, der alten Antike: Die Götter, die wollen mir das vermiesen. Und ich muss immer aufpassen, dass ich den Göttern noch ein Schnippchen schlage.
Das ist ja nicht der Geber alles Guten, der Vater im Himmel. Warum ist der Geber alles Guten gleichzeitig der, der mir auch das Leid gibt? Es gibt so eine schöne Bachkantate: Ich will den Kreuzstab gern tragen. Der kommt aus Gottes lieber Hand. Der Kreuzstab, das Leiden, und reicht mir den Kelch, den Bitter des Leids gefüllt bis in den Rand, so nehme ich ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand, sagt Dietrich Bonhoeffer. Also, da sind ja schon, da ist die Reife des Glaubens.
Sie müssen aufpassen, unser Glaubensleben wird heute ganz gefährlich dürftig. Und das mit dieser Krankenheilung ist eine besondere Sache. Wir haben ja heute eine Zeit des Individualismus, also jeder zieht sich in seine Sache zurück, jeder läuft davon, jeder macht seinen Kreis, jeder macht seine Gruppe, jeder macht nochmal einen neuen Verein auf. Auf der einen Seite jeder nur noch sich, erlöst sich von dem, es gibt keine Treue, keine Bindung mehr, und auf der anderen Seite sind wir alle genusssüchtig. Man glaubt: Das muss ich bei mir auszahlen, und nur wenn es mir gut geht, ist der Glaube richtig, sonst muss es ein falscher Glaube sein.
Das ist beim Heiden schon so: Ich tue das, was mir nützt, und ich halte die Gebote Gottes nur so lang, wie es richtig ist. Und die Zeitungen haben ja mal behauptet, es sei schon eine neue Eheordnung vorbereitet in den evangelischen Kirchen, die folgenden Wortlaut hätte: Sie glauben es kaum, aber es ist natürlich Zeitungsende. Willst du dem anderen dienen, solange es dir Spaß macht. Ehe verbinden, das ist ja klar, genau das ist Verständnis mit einem Menschen. Ich lüge nicht, solange es mir Spaß macht, aber wenn es Spaß macht zu lügen, dann wird mir ja Gott auch so gnädig sein, dass er es mir erlaubt.
Und wir müssen aufpassen, dass im Glaubensleben nicht die gleiche Wertung eintritt: was mir Spaß macht. Ich möchte von Gott das, was mir gefällt. Unser Gebet müsste heißen: Dein Wille geschehe. Dann sage ich: Ich weiß, dass Gott die Krankheit nicht will, ja, aber was ist dann mit den Kranken? Dann muss ich Farbe bekennen.

Irrwege des Glaubens und die Bedeutung der Anfechtung

Haben die denn gesündigt? Sind die schlimmer als ich? Ist das Gericht Gottes? Sind sie also bloß nicht gläubig?
Sie wissen ja, wie wir Leute aus der Talstraßengemeinde bei der Parzani-Evangelisation hatten, die da unten mit uns einen Streit anfingen. Während der Evangelisation von Parzani sagte jemand: Wer glaubt, wird nicht krank, und ein Gläubiger stirbt nicht an der Krankheit, sondern er wird hinweggenommen vom Herrn. Und das ist eine unbiblische Lehre, die gefährlich ist.
Wir haben unter uns viele, viele Kranke. Das steht sogar schon im Neuen Testament: Unter euch sind viele Kranke. Das ist ein Trost.
Jetzt muss man sehen, was die Anfechtung ist. Die Anfechtung ist also, dass Gott mir Dinge in den Weg legt, die mich blockieren. Jetzt war doch unsere Stuttgarter Weltmeisterschaft, das Fahrradrennen. Das war ja toll, ich habe es nur im Fernsehen anschauen können, aus dem Allgäu, wie die da runterrasen mit 80, 90, dahinter die Blankstraße. Und da war immer meine Angst, dass irgendein Schuft dem armen Radfahrer irgendetwas in die Speichen wirft oder ihm in den Weg läuft. Das ist eine Anfechtung, das ist eine Anfechtung. Da kommt in voller Fahrt der Herren irgendein blockierendes Hindernis.
Da war so ein italienischer Radfan mit seiner Fahne oder was der Simpel da war, der rennt da rein. Und das ist eine Anfechtung. Das ist etwas, was mich blockiert, was mich vom Rad wirft. Damit wir auch wissen: Die Anfechtung geht so tief, und ich gebe Ihnen ein Beispiel.
Ein guter Freund von mir ist der Ernst Schrupp von der Bibelschule Wiedenest, langjähriger Leiter der Offenen Brüder. Er rief mich gestern an und erzählte mir, er sei, ich habe gar nichts mehr von ihm gewusst, ich habe fast gedacht: Lebt er noch, oder was ist los? Er sei durch so furchtbare Depressionen gegangen. Seine Frau starb, sein Sohn starb, und sein Schwiegersohn bekam Krebs und wurde geheilt, aber er war nicht mehr ansprechbar, von niemandem mehr.
Und er sagt: Ich habe in diesen schrecklichen dunklen Wochen erlebt, Jesus trägt. Alles war weg, bloß noch er war da. Und damit Sie wissen: Es gibt Finsternisse, die sind so schwer. Der Ernst Schrupp war evangelistisch, ich weiß bei unseren Ideasitzungen, wenn Ernst Schrupp sagte, nichts war so geistlich gefüllt, wie dass Gott seine treuesten Leute so in die Mangel nehmen kann, so in die Finsternis nehmen kann, dass niemand sagen soll: Das kann mir nicht passieren.
Es hat überhaupt nichts mit unserem Können zu tun. Es ist eine Sache der Lebensführung Gottes. Es hat auch nicht einmal etwas mit Krankheit zu tun, das sind nur dunkle Geister, sondern Gott lässt das zu.

Biblische Beispiele aus Geschichte und Gegenwart

Und wenn Sie das einmal verfolgen, dann ist es genauso: Er schickt seine Gemeinde ins Leiden. Warum lässt er den Verfolgern so viel Raum? Warum lässt er zu, dass der Islam Gemeinden zerstört, dass Leute im Sudan geschlachtet werden um ihres Jesus-Bekenntnisses willen? Warum lässt Gott das zu? Das lässt er zu.
Und was ist das? Wie bei den Salzburgern, die ihr Haus und Hof verlassen haben. Was ist das? Hat doch niemand von ihnen. Ihre Etagenwohnung ist doch nicht vergleichbar, wenn sie da aus diesem blühenden Salzburger Land weg sind und nur ihre Bibel mitgenommen haben. Und die haben gesagt: Wir haben alles, alles in dir, Herr Jesus Christ. Dann hatten sie doch auf einmal den Glauben in einer Tiefe entdeckt, wie wir es als moderne Menschen gar nicht mehr kennen. Und darum lässt Gott Anfechtung zu.
Die Bibel hat ein Wort für Anfechtung, für das wir im Deutschen zwei Wörter brauchen. Wir haben in der Bibel zwei verschiedene Worte, und das macht uns jetzt ein bisschen Schwierigkeiten. Im Griechischen steht da für Versuchung und für Anfechtung das gleiche Wort, und das ist in der Tat das Problem. Wir müssen also beim Übersetzen des Neuen Testaments im griechischen Text, und da können Sie sich beteiligen an dem Problem der Bibelausleger, bei jeder Stelle, wo Versuchung steht, auch Anfechtung sagen, oder wo Anfechtung steht, auch Versuchung.
Und jetzt wissen Sie: Es ist natürlich genauso. Jede Krankheit kann mir zur Anfechtung werden, aber auch zur Versuchung, dass ich Gott lästere, dass ich Gott fluche, dass ich am Glauben irre werde. Die Anfechtung ist eine kritische Klippe meines Glaubens. Gott lässt sie zu, er mutet das seinen treuesten Kindern zu. Warum, wieso? Wir können Gott nicht rechnen in seinem Plan.
Noch ein Beispiel: Wir können eine Fülle von Beispielen nehmen. Eva von Thiele-Winkler hat ihr Werk begonnen, ihre elternlosen Kinder zu machen, und hat einen Gast abgeholt. Sie war so begeistert, das alles vorzuführen. Und wie sie kommt, sagt sie glücklich: Das ist die Mühle, und da machen wir unsere Lebensmittel und alles. Und wie Sie da denken, was ist denn da? Da sitzt so ein Tuch da drin und so weiter. Und da war einer ihrer treuesten Mitarbeiter durch einen Unfall hängen geblieben und umgekommen. Das hat die Frau schier verrückt gemacht. Ich will Gott dienen, und er lässt mir alles kaputtgehen. Warum ist da der Teufel drin?
Der Spurgeon hat in London gepredigt. Ein junger Mann, der ist ja gewaltig gewesen. Der ging nie auf die Bibelschule, war der größte Prediger Englands im vorigen Jahrhundert. Ich glaube, er war 23 Jahre alt. In einer Versammlung zwischen sechs- und achttausend Menschen war alles überfüllt, das kann man sich gar nicht vorstellen, ohne Lautsprecher. Und ein paar Halunken, die sich abgesprochen hatten, also Menschen, die Schufte waren, die haben an verschiedenen Stellen geschrien: Es brennt! Und die Menschen stürzen raus. 18 Tote oder was, viele Verletzte. Er blieb oben. Er sagte: Es stimmt nicht, lasst das. Und die Leute drängten nach außen.
Warum? Der Spurgeon hat an seinem Pult einfach nicht mehr predigen können. Der hat gesagt: Ich habe Angst, jetzt geht es wieder los. Der hat gewusst, es sind Mächte, teuflische Mächte, und Gott hat ihnen Raum gegeben. Es ist nie mehr passiert, aber er hat die Angst nie losbekommen. Er sagt, das kam oft über mich, als ich mitten im Predigen war: Was mache ich jetzt, wenn das losgeht? Das ist im Grund unlösbar, das Panikproblem.

Die Tiefe der Anfechtung im persönlichen und kirchlichen Leben

Warum lässt Gott das zu? Jetzt übertragen Sie es einmal auf Ihre eigene Situation. Da sage ich: Ich habe doch zum Herrn gebetet, und jetzt habe ich das erlebt. Da hat er mir das Wunder geschenkt, und warum bin ich wieder krank? Warum kommt das wieder bei mir?
Anfechtung lähmt uns. Da haben Sie gebetet, dass Ihnen Gott ein Kind schenkt. Dann wird Ihnen ein Kind geschenkt, und nachher erleben Sie, dass es solche Wege geht, dass Sie sagen: Es wäre besser, es wäre nie geboren.
Anfechtung: Warum hat Gottes Kind das? Wir haben doch gebetet, wir haben es dem Herrn geweiht, wir haben doch biblische Geschichten erzählt und alles. Was ist denn los? Was ist denn los? Und Sie sehen doch die Anfechtung ganz tief gerade bei den gesegnetsten Gottesmännern.
Sie können stundenlang von den Anfechtungen Luthers erzählen. Erinnern Sie sich nur an den Kettling-Vortrag bei der Passionsbibelwoche, was Gott einem Menschen zugemutet hat. Eine Anfechtung: Wie hat er gerade seine treuesten Leute in die Zucht genommen und sie den Kreuzesweg geführt.
Ich möchte Sie bitten, dass Sie einfach nicht mehr streiten und zanken mit den Leuten, die das Erfolgschristentum haben. Lassen Sie es doch. Aber dass Sie es wissen: Ich möchte dort mehr hören und lernen, bei einem Bodelschwing. Wo hat es denn so etwas gegeben, dass man alle vier Kinder binnen vier Wochen beerdigen muss? Und wie sie gestorben sind! Das ist so grausam, was Gott manchen Leuten zumutet. Und doch war es das Tränental für den Dienst. Nur so war er der Bodelschwing, der die Liebe Gottes gepredigt hat und nicht seine Sozialtätigkeit.
Er hat gesagt: Es gibt nur das Kreuz von Golgatha. Es gibt in der ganzen Welt keine Liebe. Die Welt ist grausam und brutal, aber der Heiland ist groß.
Und deshalb möchte ich über Anfechtung und Versuchung reden. Die erste große Versuchungsgeschichte haben wir ja bei der Opferung Isaaks im Leben Abrahams. Abraham ist ja ein von Gott in die Zucht Genommener. Und Abraham war nicht der Erfolgsmensch, der heute oft gepredigt wird, dem Gott alles schenkt, sondern Abraham war ein Harrender und ein Wartender. Er hat es nur in der Hoffnung auf die Zukunft getragen. Ich hätte gesagt: Jetzt hast du mich 19 Jahre, 20 Jahre geführt, und ich sehe nichts von deiner Wirklichkeit. Und dann soll er den eigenen Sohn noch auf den Altar legen.
Gott will, und jetzt wissen wir es ja aus der Geschichte von Isaaks Opferung, meinen Glauben testen, ob ich ihn über alle Dinge liebe. Und das ist eine Frage an die heutige Christenheit: Lieben wir ihn mehr als die Gesundheit? Können wir sagen: Herr, dein Wille geschehe?
Ich bitte Sie, auch in Ihrer Krankheit nicht bloß zu sagen: Herr, mach mich gesund. Sie dürfen sein wie ein Kind: Herr, ich will gesund werden, aber ich lege mein Schicksal in deine Hand.
Es war so schön, ich habe noch eine Postkarte bekommen. Ich kenne den Mann nicht von irgendwoher, was er die Kassette von der Hefata-Predigt bekommen hat. Da wollte man noch schreiben: Ich war leider nicht hier, er wird operiert in einem Stuttgarter Hospital. Ich hätte ihn gern noch besucht, weil ich ihn nicht kenne.
Wenn ein Mensch das dann versteht, dann ist das genau meine Situation: Ich weiß nicht, was herauskommt, aber ich lege es in die Hand Gottes, und wenn nur er verherrlicht wird. Es ist wunderbar, wenn einer das lernt. Denn was er tut, ist immer gut, und wer von ihm behütet wird, ruht auf allen Wegen sicher.
Das ist in den Liedern auch so herrlich: Was Gott tut, das ist wohlgetan. Ist es auch bitter, und ich will es nicht trinken, und es ist mir schwer, aber es kommt von dir her, und dann sage ich Ja dazu. Das ist der Glaubenstest. Und dann gibt Gott das andere.

Gehorsam, Trost und die Schule des Leidens

Ich hatte unter den vielen Büchern, die ich in dieser Urlaubszeit mitgenommen hatte, auch ein Büchlein eines Missionsmannes dabei, der sehr viel geschrieben hat. Darin stand, dass die Mission immer aus dem Leiden geboren worden sei, aus dem Martyrium. Er hatte erschütternde Beispiele dafür.
Da war auch ein Beispiel aus der Basler Mission, von einem Missionar Zimmermann. Ich weiß nicht, ob es der Gerlinger Zimmermann war, ich konnte es nicht klären. Dort sind alle Kollegen gestorben. Er schickt die Nachricht und sagt: Ich bin todkrank, ich muss nach Hause. Und die Missionsleitung sitzt zusammen und sagt: Wenn wir den Mann heimgehen lassen, dann bricht die ganze Mission zusammen. Er muss bleiben, auch wenn er stirbt. Und sie schicken ihm das. Er hatte schon die Schiffspassage gebucht und schreibt: Das ist das Härteste, was mir begegnen konnte. Ich muss bleiben um des Herrn willen.
Und der Schreiber des Buches, ein großer Missionsmann, sagt: Von der Stunde an wurde er gesund. Komisch. Es liegt da ein ganz großer Segen auf dem Gehorsam, wo man Gott über alles liebt. Und das wollen wir wieder lernen: dass ich sage: Herr, ich kann nicht mehr, aber um deinetwillen gebe ich nicht auf.
So etwas können wir bei CFI heute nie verlangen, es wäre ein Unsinn. Wir haben ganz andere Verkehrsverbindungen. Jeder unserer Mitarbeiter hat das Recht, jederzeit zu sagen: Lasst mich nach Hause, ich bin krank, ich brauche Behandlung. Das war richtig. Nicht, dass sie Angst haben, so etwas würden wir fordern. Aber wir wollen doch den Geist wieder lernen. Dass unsere Leute, und das bewundere ich, keine einzige unserer Schwestern am Pinatubo, obwohl die Ärzte sie gedrängt haben, jetzt zu gehen wegen gewisser organischer Krankheiten, bleiben trotz der giftigen Gaswässer. Die Menschen brauchen uns.
Wenn junge Menschen mit 23 Jahren das entscheiden und sagen, das ist gar nicht wichtig, sondern ich muss dem Herrn treu sein, dann kann der Herr oft aus seiner Allmacht die Gesundheit geben. Das ist ein kleineres Problem für ihn, und da braucht er nicht unsere Hilfsmittel und Stützen dazu. Und da sollten wir ihm auch wieder in der Größe zutrauen.
Also, die Geschichte von Isaaks Opferung ist einmal ein Musterbeispiel der Versuchung und der Anfechtung. Nun hatten wir hier das herrliche Spiel von Hiob einst. Sie erinnern sich, wo die jungen Leute uns das vorgeführt haben: Hiob ist der Angefochtene, Hiob ist das Thema. Jemand hat mir vorgeschlagen, ob man das Buch Hiob nicht im Hauskreis behandeln soll. Ich möchte davor warnen, denn das ist uferlos. Aber ich finde das Buch Hiob ein großes Trostbuch für Angefochtene.
Und das Wissen, Hiob war ein Mensch, der durch die Leiden ging und am Ende nur die Größe Gottes sieht und vor ihr still wird.

Jesus als Vorbild und Helfer in der Versuchung

Nun, nächstes Beispiel, ganz simpel: Anfechtung und Versuchung in der Versuchungsgeschichte Jesu, Matthäus 4. Man kann es aufschlagen, Sie kennen es aber auswendig, man kann es in grossen Zügen durchgehen.
Auf einmal sagt die Bibel, der Versucher trat an Jesus heran. Es bleibt in der Bibel oft unter einem Schleier verdeckt, es ist kein Widerspruch. Manchmal wird gesagt, Gott versucht. Im ganzen Alten Testament heisst es immer: „und Gott ...“ Selbst Gott sandte einen bösen Geist bei Saul. Aber im Neuen Testament wird es auf einmal klarer, es gibt eine gottfeindliche Macht im Teufel.
Nun möchte ich nicht lange herumstreiten. Sie kennen die Realität des Teufels, er hat Macht. Er kann uns solche Stecken ins Fahrrad schmeissen, wo wir stürzen, er kann uns zu Fall bringen. Und wir sehen an der Versuchungsgeschichte Jesu jetzt ganz besonders, wie der Teufel einen Trick versucht, uns aus dem Gehorsam Gottes herauszuführen. Er will Zweifel wecken an Gott, genau da, wo es heisst: Sollte Gott gesagt haben? Ist das wirklich Befehl Gottes? Du kannst das doch auch, stürze dich herunter und so weiter. Und Jesus sagt: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.
Überhaupt ist es eine interessante Sache: nicht bloss Gott versucht mich, sondern ich kann auch Gott versuchen. Ich kann Gott herausfordern und meinen, ich kann jetzt mit Gott ein Risikospiel treiben und sagen: Gott, du musst das mir gelingen lassen. Übrigens, da fallen sie auf die Nase. Wenn Sie sagen: Herr, jetzt geht es um Deine Ehre, und ich möchte Dich zwingen, dass Du das Wunder tust, denn sonst sind wir blamiert miteinander, da geht Gott nicht darauf ein. Ich kann Gott versuchen.
Aber die Versuchungsgeschichte Jesu gibt mir eigentlich die letzte Klarheit, dass Gott dem Teufel sehr viel Raum gibt. Und der Teufel ist ja besonders wirksam in der Gemeinde. Und wenn er bei Jesus so eine Macht hat: Nein, bei Jesus muss er weichen. Und darum ist es so wichtig: Wo ich in der Nähe Jesu bin, kann er mich nicht aus dem Gehorsam reissen. Ich muss unter dem Schutz Jesu bleiben. Da haben wir eigentlich die beste Klärung der Anfechtung, von den Geschichten her.

Die Wüste als Ort der Prüfung

Noch eine Geschichte, die wir nicht aufschlagen müssen, ist Zweite Mose. Da können wir aufschlagen: 2. Mose 17. Jetzt brauchen wir geschwind Licht, Andreas, noch vielleicht. Ja, 2. Mose 17, Vers 27, 17 ist es, Masa und Meriba, die Versuchungsgeschichte, als sie in der Wüste waren und kein Wasser hatten.
Und das ist eine typische Versuchungs- und Anfechtungssituation. Sie gehen durch die Wüste. Jetzt können sie sich ja auf dieses Abenteuer gar nicht so einlassen wie die Israeliten. Das waren ja Hunderttausende, und die ziehen durch die Wüste. Es sind die Kinder und die Kranken und die Alten, und sie laufen und laufen, und dann kommt kein Wasser.
Und: Herr, wenn du uns in die Wüste führst, dann musst du auch für das Wasser sorgen. Und das Wasser kommt nicht. Wo ist der Gott? Nicht bloß der Zweifel, sondern: Herr, wir sind doch mit deiner Zusage aufgebrochen. Wir haben doch mal unter Gebet begonnen und gesagt, das ist dein Unternehmen. Und warum lässt du das kaputtgehen? Masa und Meriba.
Kommt verschiedentlich vor: 5. Mose 6,16; 5. Mose 9,22. Wird immer wieder an die Stelle erinnert. In Psalm 95,8, wir brauchen sie nicht aufzuschlagen. Psalm 78,40-41 wird immer erinnert an diese Geschichte. Ihr habt ja das erlebt, wie Gott euch zur Probe gestellt hat, und ihr habt in der Probestunde versagt. Ihr habt nicht begriffen, dass das eigentlich die entscheidende Stunde eures Glaubens war.
Liebe Schwestern und Brüder, die große Stunde unseres Glaubens ist nicht, wenn wir große Sprüche machen, Glaubenssprüche, sondern ist, wenn der Herr uns in die Dunkelheit führt, ob wir dann ihn noch loben können. Das ist die Vikariatsfrage.
Es war schon eine schöne Sache, wie die Mutter Eiche beerdigt wurde, eine so fröhliche Beerdigung. Und dass das bei Christen wirklich möglich ist, dass das so hinüberleuchtet in der großen Siegesfreude: Jesus ist Sieg, und wir sind die Beschenkten unter seiner Gnade und seinem Dank. Das kennen ja manche, die Mutter Eiche. Dass etwas Herrliches auch vor den Gräbern und im Leiden möglich ist, hat selten jemand gekannt. Im schwersten Leiden, in schwerster Krankheit, wo das Atmen nicht mehr geht, wo die Sauerstoffflasche jede Nacht gebraucht wird, noch sinkt, sinkt.
Also gerade das Loben Gottes in der Anfechtung. Dann werden solche Sätze wirklich makaber. Gott will keine Krankheit. Natürlich ist Gott ein Feind der Krankheit. Gott ist auch ein Feind des Todes. In der Herrlichkeit wird es einmal kein Sterben geben. Aber jetzt in dieser Welt lässt Gott den Tod zu, und er gibt ihm sehr viel Macht, und wir leben im Todesschatten.
Aber wir erleben den Sieg über den Tod im Glauben, noch nicht im Schauen. Im Schauen dann, wenn wir hindurchgehen, aber jetzt nur im Glauben. Das ist der Unterschied. Wenn ich das nicht auseinanderhalte, wird mein Glaube falsch.

Warnende Beispiele und die Treue Gottes

Jetzt gehen wir weiter zu einer weiteren Stelle. Eine wichtige Stelle auf dieser Wüstenwanderung ist 1. Korinther 10. Da spricht Paulus noch einmal von dieser Versuchungsstunde in der Wüste und sagt: Das ist jetzt für uns wichtig.
 1. Korinther 10, das warnende Beispiel Israels. Er sagt: Unsere Väter sind doch alle durch die Wüste gelaufen, und sie haben erlebt, wie Christus ihnen zum Felsen wurde. Eine interessante Formulierung ist das, wenn er sagt: Das Wasser, das sie damals getrunken haben, das war Christus. Nein, es war doch Wasser. Damals lesen sie Wüstengeschichte, da haben sie doch Wasser getrunken, aber das war Christus.
Und er will sagen: Genau das, was in dieser Situation erlebt wurde, das ist in deiner Massastunde, in deiner Versuchungsstunde, das Erlebnis, dass Christus da ist. Ob das durch die Hand des Arztes kommt oder durch ein Medikament oder wie auch immer, er wird dich nicht verlassen, er ist da.
Und die haben alle das damals erlebt, wie Christus ihnen begegnet, obwohl es bloß eine Quelle war, aber da war Christus. Aber sie wurden alle in der Wüste erschlagen, weil sie Gott nicht die Ehre gaben. Und das, was sie erlebt hatten an der Größe Gottes, wurde nicht eine Wurzel zum Glauben, sondern zum Unglauben. Und darum hatte Gott keinen Gefallen an ihnen, sie wurden ausgerottet.
Es ist eine erschütternde Sache: Wenn ich nur auf mein Wohlleben schaue, kann Gott mich nicht gebrauchen. Er hat eine Gemeinde, die schwach ist, die geschlagen ist, eine Gemeinde mit Tränen. Und was mir ganz wichtig ist: auch unsere Alten in der Gemeinde, die ganzen Alten oft.
Früher, in meiner Flüchtlingsgemeinde, die vielen alten Flüchtlingsfrauen mit den Kopftüchern, wo jeder eine erschütternde Geschichte erzählen konnte, wie sie ihre Säuglinge erfroren hatten im Kinderwagen, in Ostpreußen im Januar 1945. Die haben die Herrlichkeit des Herrn gesehen, wie die russischen Truppen sie überrollt haben, die Panzer an ihnen vorbeigefahren sind. Da haben sie etwas erlebt von der Gegenwart Jesu.
Und das ist eine Reife einer Gemeinde, und die sollten wir suchen. Wir müssen an die Krankenbetten hin, um das wieder zu erleben. Und wenn Sie Seelsorge machen, wenn Sie an die Krankenbetten gehen, sprechen Sie mit den Kranken darüber. Wir können keine billige Antwort geben, sondern wir können ihnen nur die Worte zusagen: Jesus ist bei dir. Du wirst die Herrlichkeit des Herrn sehen, ob es körperlich aufwärtsgeht, ich weiß nicht.
Er wird uns immer mehr Leiden anhängen. Mit jedem Jahr werden wir mehr zu tragen haben. Aber wir werden dadurch im Inneren verwandelt und sehen mehr die Schönheit Jesu.

Ermahnung, Ermutigung und das rechte Gebet

Mut nicht, Vers 10, wie einige von Ihnen. Vers 9: „Lasst uns nicht Christus versuchen, wie einige von Ihnen ihn versucht haben.“ Vers 12: „Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“
Gott ist treu. Er lässt euch nicht über eure Kraft versuchen, sondern sorgt dafür, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr sie ertragen könnt. Das ist natürlich auch wichtig. Sie wissen auch aus vielen Begegnungen mit lieben Christen in ihrer Nähe, dass die Versuchung meist so ist, dass sie sagen: Das ist ganz interessant. Gestern noch haben wir miteinander gesprochen, und da hat sich jemand bei mir ausgeweint und gesagt: Es geht nicht mehr, es ist am Ende. Und heute hat Gott schon die Lösung geschenkt.
Sie ist die Mutter heimgegangen, die Pflege war so schwer, und die Schmerzen waren so schlimm. Es ist ja oft so, dass Gott bis an den Punkt geht, wo man sagt: Jetzt geht es nicht mehr. Und dann schenkt er die Lösung. Also brauche ich nicht zu verzagen. Gott hat das rechte Timing und weiß, wie viel er uns zumuten kann. Es geht bis an die letzten Grenzen der Kraft, aber keiner kann sagen: Ich schaffe es. Es ist die wunderbare Kraft Gottes, die Gnade Gottes, dass ich erhalten werde.
Dann sind da auch die schönen Worte aus dem Jakobusbrief, Jakobus 1,2-12, ganz wichtig, ganz hinten, nach dem Hebräerbrief. Er sagt: Es ist doch prima, freut euch, wenn ihr Anfechtung habt. Also das ist schon an der Grenze, nicht? Freut euch. Aber er sagt, das macht euch bewährt. Selig ist der Mann, der das erduldet, der da hindurchgeht; er wird die Krone des Lebens empfangen. Da sehen wir auch, was das heißt mit dem Siegeskranz. Sei getreu bis in den Tod, so wirst du die Krone des Lebens erhalten.
Das Getreu-Sein ist ja schwierig, wenn das ein Brautpaar sich bei der Hochzeit wünscht und sonst gar nichts von Jesus will. Sonst geht es ja um den Leidensweg mit Jesus, um die Frage, ob ich bereit bin, ihn zu tragen. Damals war es die verfolgte Gemeinde. Ich habe nichts dagegen, wenn sich die Leute diese Worte als Brauttext nehmen. Aber man muss wissen: Das ist eine Bereitschaft, eigentlich auch ein sehr strapaziöses Leben auf sich zu nehmen. Getreu bis in den Tod und sagen: Es kann alles sein, und wenn er mich in die Hölle wirft, ich lasse nicht von ihm los. Ich bin bei ihm geborgen.
In den Predigten von Spurgeon, die ich dort gelesen habe, ich habe antiquarisch, das ist so schön beim Steinkopf, einen Jesaja-Predigtband bekommen, dass er bei Spurgeon mal so sagt: Du wärst ja der Erste, der in der Hölle wäre, der Jesus vertraut hat und dann in der Hölle wäre. Und du darfst wissen: Dann wäre er noch da, und dann wäre der Himmel dort. Also bleib du nur bei Jesus, alles andere ist wurscht. Er wird dich halten, du bist geborgen, und du bist in seinem Frieden.
Aber der ganze Abschnitt ist so schön, wenn Sie ihn in Ruhe noch einmal lesen. Ich darf nicht zweifeln. Eine ganz große Not ist heute, dass man immer den Zweifel hochfähig macht. Natürlich zweifelt jeder, aber ich darf nicht zweifeln. Denn im Zweifeln sage ich: Gott ist schäbig, Gott führt mich irre. „Gott täuscht mich“, sagt jeder Zweifelnde. Und ich muss das überwinden und sagen: Nein, was böse scheint, ist gut gemeint. Er ist doch nimmermehr mein Feind und gibt nur Liebesschläge. Toll sind die Lieder, gerade Paul Gerhardt ist also super, was er da immer sagt. Da kann ich es wieder haben, und da muss ich hindurch. Aber ich kann nicht die Hitze, schönes Bild für diese heißen Sommertage, im Vers 11, die Hitze, die das Gras verwelkt und die Blume verdorrt. Das ist die Anfechtung, durch die wir als Menschen hindurchgehen.

Jesu Weg durch Leiden und die Hilfe für die Angefochtenen

Und nun hat uns Jesus ein paar Tipps gegeben, wie wir die Anfechtung überwinden können. Das kann Jesus deshalb. Der Hebräerbrief sagt, er war versucht wie wir, oder sagen wir jetzt wieder: angefochten wie wir.
Wo war denn Jesus angefochten? Ja, wissen Sie, das hat doch Jesus auch geschlaucht, wie schon seine Brüder und seine Schwester kamen und sagten, er ist von Sinnen. Also das hätte Sie auch schon aus der Haut fahren lassen. Das lasse ich mir nicht bieten, wenn Sie mir das sagen: der ist von Sinnen. Hört aber alles auf, ich würde es zurückgeben.
Er war der Allerverachtete und der Unwerteste. Und die Leute von Kapernaum hatten gespielt, und die Schriftgelehrten auch. Er, der Meister der Schrift war, er war der Angefochtene schlechthin, nicht bloß körperlich. Natürlich, er trug alle Krankheit. Er ist durch den Verrat seiner treuesten Freunde hindurchgegangen. Er hat die ganzen Leiden und Schmerzen erduldet. Sie haben ihn verhöhnt und gesagt, er könne ja nichts, er, der Allmächtige, der die Welt geschaffen hat. Und sie höhnten ihn am Kreuz und sagten, er könne nicht mehr herunterklettern.
Er hat es ertragen und erduldet. Er hat das Widersprechen der Sünder wider sich erduldet. Jetzt dürft ihr auch einmal die Anfechtung ertragen. Und das sind die zwei Stellen, oder mehr, im Hebräerbrief:
 Hebräer 2,18. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.
Jesus ist die einzige Hilfe in der Anfechtung, nichts anderes. Warum wir so immer Predigten machen, die auf Jesus zielen, hat doch den Grund. Und Sie merken es doch ganz einfach: Wenn Sie, vielleicht haben Sie es lange nicht analysieren können, sagen, die Predigt, die muss, sagen Sie, die kann ich jetzt einem Kranken bringen. Denn dies spricht ihn an. Da meinen Sie, da geht es nicht um irgendwelche Probleme, wie die Perestroika in Russland läuft, das ist auch wichtig, oder ob der Gobi überlebt oder was. Es geht um ganz andere Sachen.
Was hält mich in der letzten Krise meines Lebens? Und da ist nur noch: nichts kann mir aus der Hand Jesu reißen. Er, der das erlitten hat, der der Sieger ist, ist der Halt meines Lebens.
 Hebräer 4,15. Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mitleiden könnte mit unserer Schwachheit, der versucht worden ist, der angefochten war in allem wie wir, aber ohne Sünde.
Es gibt niemanden von uns, der in der Anfechtung nicht sündigt. Aber Hiob versündigte sich nicht in all dem. Und da können wir lernen. Und deshalb ist es ganz schlimm, wenn man sagt: Ja, aber das Zweifeln ist doch normal. Zweifel ist Sünde. Ich denke nicht an Gott. Sünde kann Gott vergeben. Aber jetzt hat uns Jesus wichtig gemacht: Führe uns nicht in Versuchung. Das darf ich auch beten.
Die Bibel sagt noch viel mehr zu Anfechtung und zu Versuchung. Sie geht sogar so weit und sagt: Du wirst ja letztlich gar nicht durch Gott versucht. Gott ist ja nicht der heimtückische Fallensteller, sondern was dich dauernd in Not bringt, ist doch dein eigenes Fleisch, ist doch dein Herz. Mit Fleisch ist nicht bloß mein Speck gemeint, sondern da ist ja mit Fleisch auch meine Seele, meine Gedanken. Die sind doch so gottlos, die ziehen mich ja immer wieder wohin zur Sünde, die ziehen mich ja von Gott weg. Ich bin ja ein Mensch des Wohllebens, ich bin ja so leidensscheu. Und wenn das vor mir steht, sage ich: Herr, bitte nicht, ich nehme den anderen, aber mich nicht.
Und der Herr sagt: Nein, du darfst darum beten, führe mich nicht in Versuchung, denn der Herr ist ein harter Versucher, aber er weiß, wie viel er uns auflegt. Und auch in diesem Gebet, das Jesus für so wichtig nahm, dass er es ins Vaterunser aufnahm, zu den wichtigsten Bitten: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel. Das wissen wir, wir sind in diese Welt hineingestellt, in diese schreckliche Zerrissenheit.

Bewahrung in der Welt und Treue bis zum Ende

Wir hatten gestern und heute einen schönen Besuch eines wunderbaren Theologen, Doktor Bong Ring-ro aus Korea, Leiter ganz theologischer Ausbildungen in Asien. Dort gibt es 1300 Bibelseminare, in denen die ganzen Nachwuchsleute erzogen werden, über ganz Asien verstreut. Da kennen sie sich ungeheuer aus.
Wir waren dort morgen früh in einer so schönen Gebetsgemeinschaft, und die Frau von Bong Ring-ro hat so schön gebetet: Ich bitte für meine Enkelkinder, dass sie vor der Welt unbefleckt bleiben. Ach, das beten wir schon gar nicht mehr, dass die Welt sie heute an diesem Tag nicht irgendwo hinwegreißt. Das kann ja ein bisschen Geldsache sein, die uns wichtig wird und die uns vom Herrn trennt. Dass uns Ehre wichtig wird, muss ja nicht immer irgendetwas mit Sünderlust sein. Sie verstehen, wir sind ja solche Menschen. Wie viele sind einfach durch ihren Beruf weggerissen worden? Die waren mal ganz treue Bibelleser und haben keine Zeit mehr, und so alles weg. Herr, lass mich, dass die Welt mich nicht gefangen nimmt.
Wunderschön, es soll unser tägliches Gebet sein. Ich bin in die Versuchung gestellt. Wir wollen doch treu sein im Beruf, wir wollen Menschen sein, die im Staat leben, in Nachbarschaft und in der Gesellschaft und überall. Aber Herr, ich will doch auch nicht ein Bürger dieser Welt werden. Und wenn ich mal sterbe, dann sage ich: Daran habe ich gar nicht gedacht, dass ich jetzt zur Ewigkeit komme.
Man soll in der Relation sein, dass mir das Kleine klein und das Große groß erscheinen. Die Versuchung kommt auch so durch mich. Herr, führe mich nicht in Versuchung, sondern bewahr mich in deiner Huld. Und ich glaube, so viel, was der Herr uns auch erspart hat, ist ein unverdientes Geschenk seiner Gnade gewesen, dass wir nicht in Versuchung geführt wurden.
Und dann denken wir an die Geschichte: In Gethsemane wacht und betet, dass er nicht in Anfechtung fällt. Markus 14,35. Ich kann die Stunden nur überstehen durch das Gebet, übrigens auch durch die Fürbitte, was ganz wunderbar ist, wenn wir für unsere Kranken beten. Herr, nicht bloß mach sie gesund, sondern lass sie darin dich verherrlichen, dass sie festbleiben, dass diese Krankheit zur Verherrlichung deines Namens dient.
Dann habe ich noch eine Stelle aufgeschrieben: Markus 13,22. Das ist die Stelle, wo Jesus von den endzeitlichen Versuchungen, von der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommt, spricht. Es geht hier um die antichristliche Verführung. Das ist ganz besonders schwer für die Gemeinde Jesu. Daran wollen wir uns auch immer erinnern.

Endzeitliche Verführung und die Treue in der Stunde der Prüfung

Ich bin ja im Fragen, was das ist. Wir sind da nur 14 Tage ins Allgäu gegangen. Und wenn ich morgens, ich bin immer so ein unruhiger Mensch, der morgens früh aus dem Bett springt, um 6 Uhr das Radio anzumachen. Letztes Mal, als wir dort waren, das sehen Sie daran, wie oft wir Urlaub machen, da war gerade der Golfkrieg begonnen. Da hörte man nachts um zwei, wie die ersten Bomben geworfen wurden.
Diesmal, bei allem, was geschehen ist, habe ich gesagt: Gorbi ist nicht mehr im Amt, das gibt es doch nicht. Und eine Woche später höre ich im Radio: Die kommunistische Partei ist verboten, also in Russland. In hundert Jahren hätte ich das nicht für möglich gehalten. Dass in Russland eine kommunistische Partei verboten wird, und das binnen 14 Tagen.
Wir leben in Umweltzonen, also wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn eines Tages die Stunde der Versuchung kommt. Wir wissen nicht, wo das ansetzt, mit der Verführung. Ich bin kein Prophet, aber wir müssen immer wieder an die Stunden denken. Es kann auf einmal sein, dass wir eine schnellere Weltregierung haben, als wir gewusst haben, und das, was sich in Israel vollzieht, und die Stunde der Weltmischung. Es geht gar nicht um das Berechnen der Stunde, sondern darum, dass wir in der Stunde der Versuchung dem Herrn treu sind.
In der Stunde der Versuchung ist nichts furchtbarer, als wir das miterlebt haben, wie treue Leute schon bei der Nazi-Versuchung dem Herrn untreu gewesen sind. Und das ist so bitter, wenn die Tränen geweint haben: Ich habe versagt. Das ist so schlimm, weil das so geschwind kommt. Das ist schon Massenhysterie, und dann irgendwo hätte man auch um Jesu willen sagen müssen: Ich bin nicht dabei. Ich möchte nicht mitschreien. Ich möchte meinen Glauben nicht verlieren, nicht um irgendeines Wohlergehens willen.
Und wenn ich nichts mehr kaufen und verkaufen kann, aber dem Herrn kann ich nicht untreu sein. Es geht immer um eine Jesustreue, es geht um nichts anderes, es geht um eine Jesustreue.

Abschluss mit Verheißung und praktischem Nutzen

Und noch eine Stelle habe ich mir aufgeschrieben. Es ist die Stelle 2. Petrus 2,9, mit der wollen wir schließen. 2. Petrus 2,9. Es gibt viel mehr. Die sehen Sie dann in Ihrer Konkordanz, wenn Sie in Anfechtung und Versuchung gehen: Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber festzuhalten für den Tag des Gerichts, um sie zu strafen.
Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten. Und der Herr lässt die Seinen nicht los. Sie sind bewahrt, auch in der Schwere der Anfechtung.
Nun weiß ich, dass ich nicht alle Fragen damit geklärt habe, die auch im persönlichen Bereich liegen. Aber es ist immer wieder auch hilfreich, wenn man einfach mal so einem Begriff entlanggeht. Und jetzt ist es lohnend, wenn Sie eine Konkordanz haben, auch schon eine kleine Bibelkonkordanz. Es ist natürlich die idealste Bibelkonkordanz, die sehr teure um 168 Mark im Calwer Verlag. Aber die hat dann fast alle Bibelstellen drin, die zu diesem Stichwort kommen.
Aber es genügt der einfachen Konkordanz, wo schon die wichtigsten Stellen kommen. Und wenn Sie sich noch einmal in Ruhe durchgehen und sagen: Da gibt es noch ein paar, die ich nicht behandelt habe, und da haben Sie recht, die sind genauso tröstlich und genauso hilfreich, dann haben Sie einen großen Gewinn und werden eine Lehre haben, eine Theologie der Anfechtung, die Sie wappnet für alles, was in dieser Welt geschehen kann. Das fände ich wunderbar.