Serie•Teil 16 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein Gott, der rettet und Geduld hat
Gott ist ein Rettergott, und deshalb ist jeder Tag bei ihm ein Tag der Gnade, den wir zur Buße nutzen können. Mit diesem Satz hörte die Predigt letzte Woche auf.
Ihr Lieben, wir haben einen unglaublich großartigen Gott. Wir haben einen Gott, der uns mehr geliebt hat und mehr liebt, als wir uns in unseren kühnsten Träumen vorstellen können. Wir haben einen Gott, der uns mit ewigem Leben beschenkt hat, damit wir in der Lage sind, die Ewigkeit mit ihm zu verbringen. Und wir haben einen Gott, der weiß, dass wir ihn brauchen, dass wir ohne ihn verloren sind, und der bereit war, für uns zu sterben, damit wir gerettet werden. Was für eine großartige Aussage, also was für ein wunderbares Evangelium.
Wir wollen heute im Johannesevangelium weitermachen. Wir werden uns in Kapitel drei die Verse 17 bis 21 anschauen. Aber ich möchte gerne, bevor ich auf diesen Text eingehe, der leider nicht ganz einfach ist, euch schon ein Stück vorwarnen: Der hat es ein Stück in sich.
Ich möchte vorher die Frage mit euch klären, warum heißt eigentlich das ewige Leben ewiges Leben? Und nein, die Antwort lautet natürlich nicht, weil es ewig im Sinne von unendlich ist. Das ist es auch, aber hinter dem Begriff ewiges Leben steckt viel mehr als Unendlichkeit. Und ich würde mich dieser Frage gerne aus zwei Richtungen nähern.
Was das Leben bei Gott wirklich ausmacht
Also, was bedeutet ewiges Leben? Warum heißt ewiges Leben ewiges Leben?
Ich fange damit an, dass ich die Frage stelle: Gibt es beim Thema ewiges Leben so etwas wie eine Definition? Der Begriff ist in allen Evangelien zu finden, und eigentlich ist das Evangelium so etwas wie die wichtigste Sache, die ein Mensch im Leben bekommen kann. Und es ist irgendwie total schade, dass sich heute kaum noch Menschen wirklich dafür interessieren.
Ich würde mir sehr viel mehr Menschen wünschen wie diesen einen Obersten, der zu Jesus kommt und fragt: „Guter Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?“ Lukas 18,18
Der hat zwar dann das Problem, dass er an seinem Geld hängt und mehr an seinem Geld hängt als an dem Wunsch, ewiges Leben zu finden. Aber trotzdem würde ich mir Menschen wünschen, die genau diese Frage stellen: Was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben, zu bekommen?
Ich würde mir Menschen wünschen, die nicht zufrieden sind mit dem, wie ihr Leben gerade läuft, die sich nach einer Qualität von Leben ausstrecken, von der Jesus sagt, dass es Leben im Überfluss ist.
Zurück zu unserer Frage: Gibt es in der Bibel für den Begriff ewiges Leben so etwas wie eine Definition? Und ihr ahnt schon: Wenn jemand einen solchen Begriff erklärt hat, dann wahrscheinlich Johannes. Und ich möchte euch zeigen: Johannes 17,3. Das ist so ein ganz klassischer Vers zum Auswendiglernen.
Johannes 17,3:
Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Dies ist das ewige Leben, dass sie Gott und Jesus Christus erkennen.
Erkennen bedeutet in der Bibel häufig viel mehr, als dass man etwas nur sieht oder dass man etwas versteht. Im Blick auf Personen bedeutet erkennen in der Bibel, dass man sie richtig gut kennenlernt, also weiß, wer sie sind, dass man eine tiefe Freundschaft aufgebaut hat, dass man engste Beziehung pflegt.
Und ewiges Leben ist genau das. Es ist Beziehung, es ist engste Beziehung zu dem allein wahren Gott und zu Jesus Christus. Gott erkennen, Christus erkennen, das ist ewiges Leben.
Ewiges Leben wird also nicht dadurch ewig, weil es nicht aufhört, sondern weil es die Qualität von Leben beschreibt, die es uns ermöglicht, mit Gott zu leben. Ewiges Leben ist das Leben, das Gott genießt. Gott ist ein ewiger Gott. Und wer diesen Gott erkennt, wer in eine Beziehung mit ihm eintritt, der bekommt von ihm eine neue Qualität von Leben, nämlich ewiges Leben.
Zwei Blickrichtungen auf die Ewigkeit
Das ist der eine Gedanke zum Thema ewiges Leben. Ein zweiter Gedanke:
Ewig heißt im Griechischen aionios. Man kann es hören oder zumindest, wenn man ein bisschen weiß, worauf man hören muss. Da steckt etwas von dem Wort Äon drin. Und dazu ist Folgendes wichtig zu verstehen:
Im jüdischen Denken wird die Weltgeschichte in zwei Äonen, in zwei Zeitabschnitte, eingeteilt. Da ist einmal die jetzige Welt, die untergehen wird und tatsächlich keine Zukunft hat. Und dann gibt es die zukünftige Welt, den zukünftigen Äon.
Ewiges Leben ist die Qualität von Leben, die dieser zukünftigen Welt entspricht. Wer ewiges Leben hat, der gehört zwar physisch bis zu seinem Tod noch zu dieser Welt, aber geistlich ist er bereits ein vollwertiger Himmelsbürger. Als Gläubige tragen wir heute schon in uns das Leben, das der Ewigkeit bei Gott entspricht.
Und jetzt versuche ich, das noch einmal zusammenzufassen:
Ewiges Leben ist die Lebensqualität, die ein Mensch bekommt, wenn er Buße tut, glaubt und in eine Beziehung mit dem lebendigen Gott eintritt. Diese Art von Leben, ewiges Leben, ist dann tatsächlich für die Ewigkeit. Wenn hier alles vorbei ist und Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft, dann ist ewiges Leben so richtig passend.
Bleibt trotzdem vielleicht die Frage, warum sich so wenig Menschen für dieses Leben interessieren. Die Antwort hat wahrscheinlich damit zu tun, dass sie nicht glauben. Sie glauben also nicht, dass es mehr geben könnte als diese Welt. Es geht ihnen einfach zu gut. Und weil es ihnen heute gut geht, sehnen sie sich nicht nach einer Welt, in der es dann gar kein Leid, gar keinen Tod, keine Krankheit, keinen Krieg und all das Übel gibt, das damit einhergeht.
Warum das Herz sich nicht an diese Welt hängen soll
Ihr Lieben, bitte lasst uns nicht denselben Fehler machen.
Wir leben kulturgeschichtlich wie die Made im Speck. Wir genießen Frieden, eine Krankenversicherung, ein Dach über dem Kopf. Ich glaube, dass keiner von uns Hunger kennt, außer wir machen gerade Diät. Wir dürfen uns an guten Büchern freuen, an interessanten Dokus, an Urlaub, an Schokolade. Es geht uns wirklich gut.
Und wenn wir nicht aufpassen, dann kann es uns schon auch passieren, dass wir uns gedanklich und vielleicht auch emotional an diese Welt, in der wir heute leben, verlieren.
Lasst uns bitte zwei Dinge in diesem Zusammenhang nicht vergessen.
Zum einen, was Paulus darüber schreibt, wie wichtig es ist, nüchtern zu sein und dafür zu sorgen, dass das Wichtige in unserem Leben auch das Wichtige bleibt. „Die Gestalt dieser Welt vergeht“, heißt es in 1. Korinther 7,31. Wir sagen: Diese Welt ist ein Auslaufmodell. Und wir tun wirklich gut daran, unser Herz nicht an sie zu hängen.
Johannes warnt im 1. Johannes 2,15. Er sagt: „Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.“ Liebt nicht die Welt. Und hier ist mit Welt schon auch dieses System gemeint, das Menschen sich schaffen, um ohne Gott glücklich zu werden. Liebt nicht die Welt.
Es gibt ein zu viel an Liebe für diese Welt, eine Liebe, die mich vergessen lässt, dass wir noch nicht am Ziel sind und dass wir hier in dieser Welt einen Auftrag zu erfüllen und auch einen Glauben zu bewahren haben.
Und deshalb müssen wir uns, und das wäre dann mein zweiter Punkt, einfach mehr und immer wieder mit den himmlischen Dingen beschäftigen. Wir haben uns doch mit der Bekehrung entschieden, von dieser Welt nichts mehr zu erwarten, oder? Also, das war doch Bekehrung. Bekehrung heißt: Ich erwarte nichts mehr von dieser Welt. Ich durchschaue diese Welt, ich kapiere, wie sie tickt, und habe genug von ihr.
Übrigens steckt das hinter dem Bild vom Kreuztragen. Ja, wir sollen doch unser Kreuz tragen, und wer sein Kreuz trägt, der hat mit seinem Leben abgeschlossen. Das ist gemeint mit diesem Bild, sein Kreuz tragen.
Wisst ihr, wenn man in der Antike jemanden sah, der sein Kreuz trug, dann war das kein Kruzifix an einem Silberkettchen um den Hals. Dann war das ein Querbalken, etwa einen Zentner schwer, auf der Schulter, auf dem Weg zur Kreuzigung. Wenn man so jemanden sah, schweren Schrittes, unter dem Gewicht gebeugt, sich langsam Richtung Hinrichtungsstätte schleppend, wisst ihr, dann war eines klar: Der hat mit seinem Leben abgeschlossen, der erwartet nichts mehr.
Und es ist genau dieses Szenario, welches Jesus benutzt, um für uns zu definieren, was er unter Nachfolge versteht. Lukas 9,23-24: „Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.“
Das Leben retten, also nicht verloren gehen, hat irgendwie damit zu tun, dass ich Jesus folge. Soweit alles klar. Aber Jesus folgen geht nur, wenn ich mich selbst verleugne und mein Kreuz trage. Und solange diese Welt mein Herz in Beschlag nimmt und mich davon abhält, mehr zu wollen, solange kann ich eigentlich kein Jünger Jesu sein.
Wisst ihr: Entweder lebe ich für diese Welt oder ich lebe für die himmlische Welt. Entweder investiere ich meine Zeit, mein Geld, mein Potenzial, meine Gedanken, um es mir in dieser Welt möglichst kuschelig zu machen, oder ich lebe für Jesus und für die Welt, die kommt. Es geht nicht beides. Niemand kann zwei Herren dienen.
Und deshalb ist es heute wichtig, dass wir uns ganz viel mit himmlischen Dingen beschäftigen, einfach damit sie uns vor Augen stehen und damit wir uns auch auf sie freuen. Wir haben ewiges Leben nicht bekommen, um es an zeitlichen Projekten zu verschwenden, die einfach mit dieser Welt untergehen.
Der Blick nach oben als geistliche Ausrichtung
Oder noch einmal Paulus, bevor wir dann in unserem eigentlichen Text weitermachen: Kolosser 3,1-2.
Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, und nicht auf das, was auf der Erde ist.
„Droben“ oder „oben“ ist hier natürlich bildhaft zu verstehen. Es geht nicht darum, dass du jetzt davon träumst, mit SpaceX in den Weltraum zu fliegen. „Droben“, das ist der Himmel. Dort, wo Gott wohnt. „Droben“, das sind die himmlischen Dinge mit Ewigkeitscharakter, und um sie soll sich unser Denken drehen.
Deswegen heißt es hier: Sucht, was droben ist. Sinnt auf das, was droben ist, und nicht auf das, was auf der Erde ist. Und ja, natürlich, mir ist bewusst, das ist ein wenig überzeichnet formuliert. Paulus bringt das hier schon sehr deutlich auf den Punkt, aber es bleibt trotzdem wahr. Meine Gedanken, meine Ziele müssen sich mit dem beschäftigen, was vor Gott Bestand hat, was mit Gott zu tun hat.
Ein Christ muss es tatsächlich lernen, eine innere Distanz zu dieser Welt aufzubauen und sich ganz viel mit den ewigen Dingen zu beschäftigen. Bitte lasst uns nicht vergessen, dass wir Menschen sind. Und als Menschen wird unser Herz immer dort sein, wo unser Schatz ist. Also wenn wir uns viel mit himmlischen Dingen beschäftigen und dann entsprechend investieren, dann wird die Begeisterung an Gott und die Freude auf die Ewigkeit von ganz alleine kommen.
Gott wünscht sich tatsächlich für jeden Menschen ewiges Leben.
Der Retter kommt in eine wartende Welt
So machen wir jetzt in unserem Text weiter. Und deswegen hat Gott auch die Weltgeschichte so eingerichtet, dass Rettung für alle möglich wird.
Schauen wir uns das an: Johannes 3,17. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
Also nicht falsch verstehen: Jesus ist natürlich auch der Richter dieser Welt. Er wird wiederkommen, und er wird Gericht halten. Aber als Gott vor zweitausend Jahren Mensch wurde, da kam er nicht als Richter, sondern als Retter. Und das ist auch der Grund dafür, warum Jesus bis heute nicht wiedergekommen ist. Noch ist nämlich Zeit der Gnade, noch ist Gelegenheit für Menschen, sich zu bekehren.
Wir müssen ganz vorsichtig sein, wenn wir uns leichtfertig wünschen, dass Gott endlich wiederkommt und richtet. Wisst ihr, wenn er das tut, dann gibt es für diese Welt kein Zurück mehr, dann ist wirklich Schluss. Und deshalb spricht man in dem Zusammenhang vom jüngsten Gericht. So wie das jüngste Kind das letzte Kind ist, das geboren wurde, so macht das jüngste Gericht tatsächlich Schluss mit diesem Zeitabschnitt, mit diesem Äon, in dem wir uns befinden. Game over für die Welt.
Aber da sind wir noch nicht. Noch lebt, ich sage es mal ein bisschen frech, die Welt auf Pump. Es ist allein Gottes Geduld, die uns noch Zeit gibt. Es ist allein sein Wunsch, dass alle, von denen er weiß, dass sie sich bekehren werden, zum Glauben finden.
So wie Petrus es schreibt in 2. Petrus 3,9: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, gemeint ist die Verheißung seiner Wiederkunft, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern alle zur Buße kommen.
Schön, oder? Gott ist langmütig. Gott wünscht sich, dass Menschen ewiges Leben finden. Er wünscht sich das für jeden Menschen. Und deshalb erträgt er es, wenn Menschen schlecht von ihm reden, ihn ablehnen, ihn für alles Leid in der Welt verantwortlich machen.
Gott ist wirklich langmütig. Er ist ein geduldiger Gott. Er ist ein unglaubliches Vorbild für uns selbst, wenn wir so in der Hektik des Alltags wuschig werden und ungeduldig werden. Dann denk dran, dass jeder Tag ein Tag der Geduld ist, ein Tag der Langmut ist. Gott kann warten, und deswegen sollten wir das auch können. Leider fällt uns das manchmal wirklich schwer.
Gericht, Glaube und die Frage nach der Schuld
Jetzt hört man manchmal von skeptischen Menschen Gedanken wie: Ich formuliere das mal mit meinen Worten: Das mit dem Gericht ist bestimmt schlimm, aber ich warte trotzdem erst mal ab, wie das mit dem Gericht wird. Vielleicht habe ich ja Glück.
Das sind dann häufig Menschen, die ein wenigstens in ihren eigenen Augen halbwegs akzeptables Leben geführt haben und die irgendwie hoffen, dass es reicht, was auch immer es sein mag. Aber Vorsicht: Die Sache des Menschen steht viel schlimmer, als die meisten Menschen vermuten.
Johannes 3,18. Da heißt es: Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet. Wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
Der erste Teil ist irgendwie klar und logisch: Wer an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet. Das ist unser Glück. Wo Glaube ist, gibt es kein Gericht. Ganz einfach deshalb, weil das Gericht beziehungsweise die Bestrafung für unsere Sünden schon erledigt ist. Schließlich hat Jesus unsere Sünden getragen. Und wer an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet.
Aber jetzt kommt es: Wer nicht glaubt, der wird gerichtet, könnte man sagen. Ah, es gibt hier anscheinend zwei Gruppen: Gläubige und Ungläubige. Wer nicht glaubt, so formuliert Johannes, ist schon gerichtet.
Die Menschheit startet nicht auf neutralem Boden. In Krimiserien gibt es die Unschuldsvermutung, in dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten. Bei Gott ist das anders. Und zwar einfach deshalb, weil er uns durch und durch kennt. Er weiß, wer wir sind, was wir getan haben, und deswegen weiß er auch, dass es keine Unschuldigen gibt.
Und deshalb ist es eben nicht so, dass wir unschuldig sind bis zum jüngsten Gericht und bis zur Urteilsverkündung, sondern wir sind von Anfang an schuldig. Wir haben uns schuldig gemacht, weil wir nicht an Jesus geglaubt haben. Das Gericht ist bereits gesprochen.
Es geht im jüngsten Gericht also gar nicht in erster Linie darum, Menschen zu verurteilen. Es geht eigentlich nur noch darum, ein bereits bestehendes Urteil zu finalisieren, endlich zu sagen: So ist es, und jetzt weißt du es auch.
Wer ins jüngste Gericht kommt, der ist verloren, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
Und ich weiß nicht, ob ihr bei dem Vers auch denkt, was ich denke. Ich frage mich sofort: Was ist mit denen, die nie von dem Herrn Jesus gehört haben? Gehen die einfach verloren, weil sie dummerweise zur falschen Zeit am falschen Ort gewohnt haben? Irgendwie kann das nicht sein. Immerhin haben auch die Gläubigen des Alten Testaments nicht in einem wortwörtlichen Sinn an Jesus geglaubt, und sie sind trotzdem unsere Glaubenshelden. Und ich bin davon überzeugt, wir werden sie in der Ewigkeit wiedersehen.
Aber was mache ich dann mit diesem Vers? Wer sind die, die nicht geglaubt haben an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes? Ich denke, wir müssen weiterlesen, und dann löst sich diese Frage ein bisschen auf. Es geht um die Frage: Wen hat Johannes hier mit dieser Aussage im Blick? Sind das alle Menschen? Und ich denke persönlich: Nein, das sind nicht alle Menschen.
Licht, Finsternis und die Entscheidung des Herzens
Johannes 3,19: Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.
Johannes erklärt uns, worin das Gericht besteht, besser vielleicht: wofür Gott Menschen richtet. Und wir merken, dass es Johannes mit dem, was er sagt, gar nicht um Menschen geht, die keine Ahnung haben, sondern um solche, die Licht hatten. Gottes Gericht macht sich also an meiner Liebe zum Licht fest. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Wir denken meist, dass Gott Menschen für ihre bösen Werke richtet. Und irgendwie ist das auch nicht falsch. Aber es gibt ein Problem im Menschen, das noch gravierender ist als das Böse, das wir tun. Es ist unsere Liebe zur Finsternis.
Wir sind Menschen, und ich möchte jetzt Sünde nicht verharmlosen. Und trotzdem kann ich mit Paulus formulieren: Wir sind unter die Sünde verkauft. Egal, wie sehr wir uns anstrengen, wir werden die Sünde einfach nicht los. Sie steckt in unseren Gliedern, und zwar wortwörtlich, sie steckt da drin.
Sünde und mit ihr all das Böse, was wir denken und tun, ist ein Problem. Aber es ist nicht das Problem. Noch problematischer als unsere Sünde, und jetzt meine ich die Tatsünde, ist die Tatsache, dass wir unsere Sünde, das Finstere unseres Charakters, mehr lieben als das Licht.
Johannes hat mit seiner Aussage die Menschen vor Augen, die das Licht kennen und sich dann für die Finsternis entscheiden. Und wenn Johannes von Licht redet, dann hat er natürlich Jesus im Sinn. Jesus ist das Licht, das in die Welt gekommen ist.
Johannes beschreibt hier also Menschen, die genug über Jesus wissen, um sich an ihm zu stoßen und ihn abzulehnen. Warum tun sie das? Na ja, relativ einfach. Und ich glaube, wir kennen alle Menschen, die genau so drauf sind. Sie tun das, weil sie sich nicht ändern wollen.
Jesus ist das Licht und scheint mit seiner Wahrheit ins Leben von Menschen hinein. Er macht böse Werke als das offenbar, was sie sind, nämlich als böse Werke, und zwingt Menschen zu einer Entscheidung. Und die Entscheidung geht zwischen: Liebe ich das Licht oder hasse ich das Licht? Bin ich begeistert davon, dass Gott mir zeigt, wie verloren ich bin und dass er mich retten will, oder ärgert es mich, dass Gott sich in mein Leben einmischt?
Ich kann auf zwei Arten auf das Evangelium von Jesus, dem Retter, reagieren.
Johannes 3,20-21: Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.
Zwei Arten von Menschen vor der Bekehrung
Wenn ich die beiden Verse richtig verstehe, dann beschreibt Johannes hier zwei Typen von Menschen, und zwar vor ihrer Bekehrung. Es geht darum, wer zu Gott kommt, oder wer zum Licht kommt, eigentlich zu dem Herrn Jesus, und wer nicht.
Was unterscheidet die, die gläubig werden, von denen, die es nicht werden? Es gibt den, der Arges tut, und den, der die Wahrheit tut. Gehen wir einfach mal davon aus, dass diese Beschreibung eine Veranschaulichung ist, dass also auch der, der die Wahrheit tut, mal Arges tut, und der, der Arges tut, auch mal die Wahrheit tut. Johannes liebt die Stilfigur der Übertreibung. Er formuliert bewusst plakativ.
In Wirklichkeit sind Menschen nicht schwarzweiß. Und doch scheint es Menschen zu geben, die das Gute schätzen und das Gute wollen und dann irgendwie auch tun. Und es gibt Menschen, die sind tendenziell eher genau andersherum.
Es gibt Menschen, die hassen das Licht und wollen mit dem Licht, also mit Jesus, nichts zu tun haben. Und zwar einfach deshalb, weil sie nicht schlecht dastehen wollen. Ihre größte Angst ist nicht, verloren zu gehen, sondern dass jemand hinter die Fassade ihrer Selbstgerechtigkeit blicken könnte.
Sie tun das Arge, das Böse, weil sie es tun wollen. Sie wollen vielleicht nicht, dass jeder es mitbekommt, mindestens an den Stellen, wo es ja auch gesellschaftlich geächtetes Böses gibt. Das soll keiner mitkriegen. Aber sie wollen sich auch nicht ändern.
Und wehe, wenn dann jemand wagt, sie bloßzustellen. Wisst ihr, das darf nicht einmal Gott! Und diesen Menschen fehlt die Liebe zum Licht. Sie wollen sich nicht ändern. Sie sind mit sich zufrieden.
Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Menschen, von denen ich jetzt hier rede, das sind nicht unbedingt narzisstische Egomanen oder serienkillende Psychopathen. Ich glaube, dass man diesen Hass auf das Licht gut tarnen kann. Solche Menschen können sich aufopfernd um ihre Familie kümmern, können sozial engagiert sein. Man darf sie halt nur nicht kritisieren, oder ihre Motive in Frage stellen, oder mit ihnen darüber reden, dass Gott sich Veränderung für sie wünscht.
Wenn man das tut, dann wird man schnell merken, was in ihrem Herzen vor sich geht.
Sehnsucht nach Wahrheit und die Freude am Guten
Aber es gibt nicht nur die Bösen, es gibt auch die Guten. Die sind noch nicht gerettet, weil sie Gutes tun. Aber in ihnen steckt eine tiefsitzende Liebe zur Wahrheit.
Und wer sich jetzt die grundlegende Frage stellt: Können denn auch ungläubige Menschen Gutes tun? Ja, das können sie. Einerseits kann ich über den Menschen sagen, dass er böse ist. So wie es in 1. Mose 8,21 heißt: Das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an. Ja, wir müssen uns definitiv alle miteinander nicht anstrengen, das Böse zu denken, und wir verhalten uns von klein auf auch nicht nur nett. Und doch kann selbst der, der böse ist, Gutes tun.
In Lukas 11,13 heißt es: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst ...“ Und dann geht der Vergleich weiter: wie viel mehr. Also ich kann objektiv böse sein, ein Sünder, und doch Gutes tun.
Und wenn ich Johannes richtig verstehe, dann gibt es Menschen, die haben eine innere Sehnsucht danach, sich richtig zu verhalten. Und ich hoffe jetzt, dass mir bei dieser Auslegung nicht meine eigene Biografie in die Quere kommt. Das passiert leicht, dass man die Bibel liest und seine eigene Biografie im Hinterkopf hat und die Erfahrungen, die man schon gemacht hat, mehr in die Bibel hineinliest, als aus der Bibel herausliest, was da steht.
Ich will das trotzdem irgendwie so sagen: Solange ich mich zurückerinnern kann, hatte ich persönlich eine tiefe Sehnsucht danach, das Richtige zu tun. Für mich war die Begegnung mit Gott, die Begegnung mit Jesus, der Abschluss einer Suche, nämlich der Suche nach Erleuchtung. Nicht, dass ich das damals so formuliert hätte, aber im Hebräerbrief wird der Moment der Bekehrung als ein Moment der Erleuchtung bezeichnet, Hebräer 10,32. Und ich finde, der Begriff passt gut zu meiner Geschichte.
Meine ganze Jugend hindurch haben mich religiöse und philosophische Themen fasziniert. Also solange ich denken kann, habe ich eine Abneigung gegen das offensichtlich Böse. Also ich war alles andere als sündlos, aber es war mir immer eine Sehnsucht, das Richtige zu tun. Und so ist meine eigene Bekehrungsgeschichte eine gute Illustration für Vers 21: Wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in oder durch Gott gewirkt sind.
Wer die Wahrheit tut, also nicht vollständig, nicht umfassend, nicht in allen Bereichen, aber soweit er es erfassen kann, der kommt zu dem Licht. Johannes schreibt hier im Blick auf die Begegnung mit Jesus: Wer in sich eine Liebe zur Wahrheit trägt, der liebt auch das Licht. Wer das Gute aus Überzeugung tut, der hat kein Problem mit einem Messias, der Glauben verlangt und Nachfolger sucht, die an ihrer Liebe zueinander erkannt werden.
Und bei mir war das wirklich so. Ich war so ein Typ, der die Wahrheit getan hat, und dann, in dem Maß, wie sich Jesus mir offenbart hat, überhaupt kein Problem damit hatte, mich diesem Jesus anzuschließen, einfach weil er genau das war, wonach ich eigentlich immer schon gesucht hatte. Er war ein Stück weit die Erfüllung meiner tiefen Sehnsucht nach Wahrheit, nach einem Leben, das gut ist und Gutes tut.
Also für mich war die Begegnung mit Jesus eine absolute Befreiung. Ich hatte endlich gefunden, wonach ich gesucht hatte, oder jemanden gefunden, der meine Sehnsucht nach Gutsein verstand und der mir helfen wollte und helfen konnte, das an Sünde in meinem Leben zu entdecken und dann auch zu überwinden, was sich sowieso noch loswerden wollte.
Gott als Ursprung alles Guten
Und so wie der Bösewicht große Angst davor hat, dass seine bösen Werke bloßgestellt werden und er dann plötzlich in aller Augen auch als Bösewicht dasteht, so gibt es auch eine Freude bei dem Menschen, der die Wahrheit liebt und tut, darüber, dass man seine guten Werke sieht.
Aber wisst ihr, diese Freude darüber, dass man sieht, was man selbst Gutes tut, hat nichts mit Angeberei zu tun. Wer die Wahrheit liebt, der möchte, dass alle den Gott sehen, durch den er diese Werke getan hat.
Und hier stellt sich für mich die Frage: Johannes spricht doch über die Zeit vor der Bekehrung. Wie kann es sein, dass die guten Werke eines Menschen durch Gott gewirkt werden, wenn derjenige noch gar nicht gläubig ist?
Und ich denke, hier gibt es eine Sache zu verstehen, und die ist nicht schwer. Der Teufel hat kein Interesse daran, dass irgendetwas Gutes in dieser Welt geschieht. Gott schon. Und so können wir zu Recht sagen, dass hinter jeder wirklich guten Tat Gott steckt. Gott schenkt die Einsicht, die Ideen und das Gelingen.
Auf dieser Erde gibt es keine Suppenküche, kein Frauenhaus und kein Krisentelefon, das in letzter Konsequenz nicht auf Gott zurückgeht. Er ist der Gute, und alles Gute, was diese Welt zu bieten hat, kommt von ihm.
Jakobus 1,16-17
Irrt euch nicht, meine geliebten Geschwister: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechselschatten.
Gott ändert sich nicht. Er ist und bleibt immer Yahweh Hattow, Gott der Gütige. Und deswegen ist alles, was in dieser Welt gut ist, ein Geschenk von ihm. Es entspricht seinem Charakter und es existiert durch ihn. Gott macht es möglich, auch wenn Menschen es planen und realisieren.
Ein Atheist mag glauben, dass sein Dienst im Hospiz bei der Betreuung von Sterbenden seine eigene Idee war, aber das stimmt nicht. Jede gute Gabe kommt von oben, von Gott, dem Vater.
Und wenn Menschen Jesus finden, weil in ihnen eine Sehnsucht nach Licht und eine Liebe zur Wahrheit ist, dann wollen sie mehr. Sie wollen den Gott offenbaren, der hinter ihrem Leben steckt. Sie wollen auf Gott hinweisen. Das ist ihre größte Freude und ihre größte Motivation: Gutes tun, damit Gott sichtbar wird.
Drei Anwendungen für die kommende Woche
Kommen wir zum Schluss. Wir haben heute Johannes 3,17-21 betrachtet, nicht den leichtesten Text. Aber ich möchte euch drei konkrete Anwendungen mitgeben.
Punkt eins: Nutze die nächste Woche, um für dich darüber nachzudenken, wie sehr du an dieser Welt hängst und welchen Stellenwert die Ewigkeit für dich besitzt. Eine kritische Distanz zu dieser Welt ist gesund. Nimm dir Zeit, über die ewigen Dinge nachzudenken und dich heute schon an ihnen zu freuen. Es ist wirklich Zeit, nachzudenken und zu überlegen, wie man die ewigen Dinge fördern kann, die unser Herz an Gott, an sein Reich und an die Ewigkeit binden.
Zweiter Punkt: Wir müssen die Frage klären, wie viel Angst noch in mir drin steckt, dass die Sünde, die ich tue, ans Licht kommt. Oder ich formuliere die Frage noch einmal neu: Geht es mir in meinem Leben mehr um ein gutes Ansehen vor den Menschen, mehr darum, mein eigenes Ding zu drehen, oder geht es mir um eine tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn? Es kann immer etwas von dem Bösen in uns stecken. Und deswegen: Wofür lebe ich? Lebe ich dafür, dass in mir Heiligung geschieht und ich immer weniger von diesem alten Ballast, diesem alten Dreck und dieser Eigenwilligkeit mit mir herumschleppe, und eine immer tiefere Beziehung zu Jesus bekomme? Ich glaube, die Frage ist gut.
Und eine dritte Frage: Danke ich jeden Tag für all das Gute, das Gott mir schenkt? Habe ich das auf dem Schirm? Wisst ihr, wir leben in einer verlorenen Welt, die keine Zukunft hat und untergehen wird. Aber hinter jedem schönen Moment meines Lebens, hinter jedem guten Essen, hinter jedem anregenden Gespräch, hinter jedem Akt der Hilfsbereitschaft, hinter jedem Lachen und hinter jedem kleinen Erfolg kann ich Gottes Güte sehen. Wir haben diese Güte nicht verdient, aber sie ist da. Und deswegen lasst uns für sie danken, lasst uns viel Zeit damit zubringen, unserem Gott zu danken für all das Gute, was er uns schenkt. Amen.
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