Matthäus 4,2313.07.2026
Serie•Teil 1 / 3Eigenwilligkeit
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Generierte Mitschrift
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Eigenwilligkeit
Wenn mein Wille sich dem Wort Gottes entzieht
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch, dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und während ich auf der Sommerbibelschule bin, bekommt ihr eine frische Predigt.
Ich weiß nicht, wer von euch noch mit Navis gefahren ist. Aber wer so ein Navi benutzt, der kennt diesen Spruch. Der kommt, wenn man selbst meint, eine Abkürzung zu kennen. Der Navi gibt eine Richtung vor, du hast aber eine Abkürzung im Kopf. Und wenn du dann diese Abkürzung fährst, dann sagt der Navi immer so etwas wie: „Bitte wenden.“
Und natürlich macht man das nicht. Man fährt, obwohl der Navi sagt: „Bitte wenden“, immer weiter. Und dann steht man oft zehn Minuten später in irgendeinem Feldweg, irgendwo im Nirgendwo zwischen zwei Kühen, und wendet dann doch.
Und darum soll es heute Morgen ein bisschen gehen. Es soll nicht um die offene Rebellion gehen, die wir gegen Gott haben, also nicht um Menschen, die so sagen: „Gott, ich will nicht.“ Sondern ich würde gerne mit euch heute Morgen über etwas viel Leiseres nachdenken. Über Menschen, die Gottes Stimme hören, so ein leichtes „Bitte wenden“, die dann aber trotzdem weiterfahren, weil sie innerlich sagen: Ja, Herr, ich habe das schon verstanden, was du möchtest, aber ich mache es jetzt trotzdem mal anders.
Darüber möchte ich gern mit euch nachdenken.
Der leise Widerstand hinter frommen Worten
Eigenwilligkeit, Eigenwilligkeit: Das ist der Wille, der sich Gottes Wort entzieht und der tatsächlich besonders dann gefährlich wird, wenn er sich ein Stückchen fromm tarnt.
Ich habe euch einen Text mitgebracht, einen langen Text, den ich am Anfang vorlesen möchte: 1. Samuel 15. Wer mitlesen möchte: 1. Samuel 15. Und ich lese tatsächlich den ganzen Text, weil wir Zeit haben, also die Verse 1 bis 26.
1. Samuel 15,1-26
Samuel sagte zu Saul: Der Herr hat mich gesandt, um dich zum König über sein Volk, über Israel, zu salben. So höre nun auf die Stimme der Worte des Herrn. So spricht der Herr der Heerscharen: Ich habe bedacht, was Amalek Israel angetan hat, wie es sich ihm in den Weg gestellt hat, als Israel aus Ägypten heraufzog. Nun zieh hin und schlage Amalek und vollstrecke den Bann an ihnen, an allem, was es hat. Verschone ihn nicht, sondern töte Mann und Frau, Kind und Säugling, Rind und Schaf, Kamel und Esel.
Da rief Saul das Volk auf und musterte sie in Telaim: zweihunderttausend Mann zu Fuß und zehntausend Männer aus Juda. Und Saul kam bis zur Stadt der Amalekiter und legte einen Hinterhalt in das Tal. Und Saul ließ den Kenitern sagen: Geht, weicht, zieht weg von den Amalekitern, damit ich euch nicht mit ihnen wegraffe; denn du hast allen Söhnen Israel Gnade erwiesen, als sie aus Ägypten heraufzogen. Da zogen die Keniter fort von Amalek.
Und Saul schlug die Amalekiter von Havilah bis nach Schur, das vor Ägypten liegt, und er ergriff Agag, den König der Amalekiter, lebend. Und an dem ganzen Volk vollstreckte er den Bann mit der Schärfe des Schwertes. Aber Saul und das Volk verschonten Agag und die besten Schafe und Rinder und die Tiere vom zweiten Wurf und die Lämmer und alles, was wertvoll war; daran wollten sie nicht den Bann vollstrecken. Alles Vieh aber, das verachtet und schwächlich war, daran vollstreckten sie den Bann.
Da geschah das Wort des Herrn zu Samuel: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und hat meine Worte nicht ausgeführt. Da entbrannte dem Samuel der Zorn, und er schrie zu dem Herrn die ganze Nacht. Und am frühen Morgen machte Samuel sich auf, um Saul zu begegnen. Da wurde Samuel berichtet: Saul ist nach Karmel gekommen. Und siehe, er hat sich ein Siegeszeichen errichtet, und er hat sich gewandt und ist weitergegangen und nach Gilgal hinabgekommen.
Als Samuel zu Saul kam, sagte Saul zu ihm: Gesegnet seist du vom Herrn! Ich habe das Wort des Herrn erfüllt. Und Samuel antwortete: Was ist denn das für ein Blöken von Schafen, das zu meinen Ohren kommt, und ein Brüllen von Rindern, das ich höre? Saul sagte: Von den Amalekitern hat man sie gebracht; denn das Volk verschonte die besten Schafe und Rinder, um sie dem Herrn, deinem Gott, zu opfern. An den übrigen haben wir den Bann vollstreckt.
Da sprach Samuel zu Saul: Halt ein, damit ich dir verkünde, was der Herr diese Nacht zu mir geredet hat. Und er sagte zu ihm: Rede! Und Samuel sprach: Wurdest du nicht, als du gering in deinen Augen warst, das Oberhaupt der Stämme Israels, und salbte dich der Herr zum König über Israel? Und der Herr sandte dich auf den Weg und sagte: Zieh hin und vollstrecke den Bann an den Sündern, an Amalek, und kämpfe mit ihnen, bis du sie vernichtet hast. Warum hast du denn der Stimme des Herrn nicht gehorcht und bist über die Beute hergefallen und hast getan, was in den Augen des Herrn böse ist?
Und Saul antwortete Samuel: Ich habe der Stimme des Herrn gehorcht und bin den Weg gezogen, den der Herr mich gesandt hat. Ich habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und an Amalek den Bann vollstreckt. Aber das Volk hat von der Beute genommen, Schafe und Rinder, das Beste vom Gebannten, um es dem Herrn, deinem Gott, in Gilgal zu opfern.
Samuel aber sprach: Hat der Herr so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des Herrn gehorcht? Siehe, gehorchen ist besser als Schlachtopfer, aufmerken besser als das Fett der Widder. Denn Widerspenstigkeit ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du das Wort des Herrn verworfen hast, so hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.
Saul sagte zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich den Befehl des Herrn und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und hörte auf seine Stimme. Und nun vergib mir doch meine Sünde und kehre mit mir um, dass ich den Herrn anbete.
Aber Samuel sprach zu Saul: Ich kehre nicht mit dir um; denn du hast das Wort des Herrn verworfen, und der Herr hat dich verworfen, dass du nicht mehr König über Israel sein sollst.
Wenn Gehorsam nur teilweise geschieht
Das ist unser Text zum Thema Eigenwilligkeit, und ich möchte ihn beleuchten. Er heißt: Eigenwilligkeit erkennt man oft nicht an offener Rebellion, sondern an selektivem Gehorsam.
Schauen wir uns an, was Saul in 1. Samuel 15 tut. Gott gibt ihm durch den Propheten Samuel einen klaren Auftrag. Er soll das Gericht an den Amalekitern vollstrecken, an dem Volk, das bei der Wüstenwanderung Israel hinterrücks überfallen hatte. Der Auftrag ist unmissverständlich. Er ist hart, aber eindeutig.
Saul zieht los, gewinnt die Schlacht, und dann passiert das Entscheidende: Er vernichtet eben nicht alles, obwohl er das eigentlich tun sollte. Er verschont den König Agag, und er bewahrt das Beste vom Vieh auf. Das sind die dicksten Schafe und die guten Rinder. Wirklich umgebracht wird nur das Schwache und das Wertlose.
Und jetzt kommt der Moment, der uns aufhorchen lässt. Jetzt kommt nämlich Samuel. Und er kommt zu Saul, und Saul geht ihm ganz fröhlich entgegen und sagt gewissermaßen: Hey, ja, ich habe doch gemacht, was der Befehl des Herrn war. Da ist jemand, der nicht einfach lügt mit einem ganz finsteren Gesicht, sondern dieser Saul ist davon überzeugt, alles ist gut.
Und dann heißt es im Text ganz trocken und entlarvend: Man hörte im Hintergrund das Blöken der Schafe. Also während er noch sagt: Ich habe alles gemacht, blökte der Beweis dafür, dass das nicht stimmt, im Hintergrund und meldete sich als Beleg dafür, dass hier überhaupt nichts in Ordnung ist, sondern dass wir es hier mit einem ganz krassen Fall von Eigenwilligkeit zu tun haben.
Fromme Rechtfertigungen und innere Motive
So, was macht Saul jetzt? Wie ist Sauls Erklärung dafür? Diese Erklärung hat es wirklich in sich, sie klingt sogar noch geistlich. Saul sagt: Wir haben das Beste verschont, um es hier in Gilgal dem Herrn zu opfern.
Merkt ihr, wie clever das ist? Der Ungehorsam bekommt einen frommen Anstrich. Das Problem bei Saul ist nicht, dass er offensichtlich sündigt oder etwas Nichtreligiöses tut. Das Problem ist, dass er seine Religion benutzt, um den Ungehorsam, den er begangen hat, zu verdecken.
Und genau darüber müssen wir nachdenken. Denn Eigenwilligkeit ist ganz selten so offen und ehrlich, dass jemand sich hinstellt und sagt: Ich möchte Gott nicht gehorchen. Das wäre seelsorgerlich fast erfrischend und richtig klar. Aber eigentlich spricht Eigenwilligkeit häufig eine ganz andere Sprache: Ich habe es doch gut gemeint. So schlimm war das doch auch nicht, oder? Ich tue es ja für Gott, oder für die Gemeinde, oder für die Familie. Oder andere würden es genauso machen.
Vielleicht kennt ihr diese Sätze. Das sind Sätze, mit denen wir uns selbst beruhigen, während der Heilige Geist im Hintergrund zu uns spricht und sagt: Bitte wenden!
Kontrolle, Angst und geistliches Lernen
Und ich möchte an dieser Stelle etwas Seelsorgerliches sagen, ein Stückchen behutsam werden. Die allermeisten Christen, die mit Eigenwilligkeit kämpfen, sind nicht bewusst rebellisch. Also wenn ihr heute hier seid, um euch einen Vortrag von mir anzuhören, dann tut ihr das, weil euch Gott wichtig ist.
Das heißt, Eigenwilligkeit ist ganz selten eine Frage von echter Rebellion. Sie ist viel häufiger eine Frage von, ich nenne das mal, innerer Unruhe, innerer Unordnung. Viele von uns haben irgendwann gelernt: Ich muss die Kontrolle behalten, sonst passiert etwas Schlimmes. Das ist etwas, was wir verinnerlicht haben, und vielleicht hat unsere Biografie uns in diese Richtung getrieben. Ich muss die Kontrolle behalten, sonst passiert etwas Schlimmes.
Und weil diese Lektion oft in unserem Herzen ganz tief drinsitzt, erwächst Eigenwilligkeit gar nicht aus Bosheit, sondern oft erwächst Eigenwilligkeit aus Angst, vielleicht aus Verletzung, vielleicht auch aus Stolz, aber viel öfter aus einem ganz verständlichen Bedürfnis nach Sicherheit. Und wenn das so ist, dann hilft manchmal schon ein nüchterner Blick auf uns selbst.
Also was ich sagen möchte, ist: Eigenwilligkeit kann eine Schutzstrategie sein. Der Mensch versucht, Unsicherheit auszuhalten, indem er Kontrolle nicht loslässt. Das funktioniert kurzfristig sogar. Wisst ihr, Kontrolle beruhigt. Wenn ich tue, was ich für richtig halte, dann hat meine Seele für den Moment ein Stück Ruhe.
Das Problem ist: Wenn ich das tue, was ich für richtig halte, wenn ich dieser Angst nachgebe, wenn ich denke: Bloß nicht die Kontrolle verlieren, dann wird mich das auf lange Sicht geistlich verhärten. Versteht ihr, wer immer nur festhält, der verlernt das Loslassen. Wer immer sagt: Ich weiß ein bisschen besser als Gott, wie es richtig ist, der wird immer weniger Gott vertrauen, und wer nie vertraut, der verlernt das Vertrauen.
Es ist wichtig, dass wir das verstehen. Vertrauen muss man tatsächlich lernen, und man lernt Vertrauen dadurch, dass man in Situationen kommt, die ein bisschen komisch sind, wo man loslassen muss, wo man selber nicht mehr die Kontrolle hat, wo man nicht genau weiß, wo es hingeht, und man sagt: Okay Gott, ich stelle mich jetzt auf deine Seite und ich schaue mal, wie das ausgeht.
Und deswegen ist der Kernsatz dieses ersten Abschnitts meiner Predigt: Eigenwilligkeit beginnt dort, wo ich Gottes Willen anerkenne, ihn aber nach meinen Bedingungen ausführe, versteht ihr? Wo ich sage: Ja, Gott, ein bisschen schon, aber da fängt Eigenwilligkeit an.
Schlussgedanken und persönliche Anwendung
Das war’s für heute? Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Eigenwilligkeit nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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