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Frauenhilfe in Indien

mit Johanna Durairaj
28.03.2025

Einführung und Vorstellung des Themas

Willkommen, ich bin Markus, Gründer des überkonfessionellen Bibelfit-Dienstes. Wir erstellen kostenfreie Infomaterialien für Gemeinden, Hauskreise und Bibelschulen. Nutze gerne alles aus diesem Video, was du nur kannst. Vor allem werden dir die Infomaterialien auf der Website helfen.

Diese Materialien begleiten täglich Menschen, die neu im Glauben sind, ebenso wie tausende Christen, die schon seit Jahrzehnten Jesus nachfolgen. Alles steht dir dort kostenlos zur Verfügung. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz danken – Menschen wie du und ich.

Wer außerdem möchte, dass Videos wie dieses in unserem Land weiter verbreitet und nicht verborgen bleiben – was bei diesem Video besonders wichtig ist, wie du gleich sehen wirst –, sollte jetzt auf die Glocke unten rechts unter diesem Video klicken. Vielen Dank an alle Unterstützer, ob durch das Klicken der Glocke, mit Geld oder mit Gebet. Es macht einen echten Unterschied, und dieses Video ist für dich.

Heute wenden wir unseren Blick auf den indischen Subkontinent, genauer gesagt auf einen der 28 Bundesstaaten: Tamil Nadu im Süden Indiens. Dort lebt das christliche Ehepaar Johanna und Simon Durairaj mit ihren fünf Kindern. Einige von euch kennen Johanna vielleicht. Wir hoffen wirklich, dass sie im Ruhestand einmal ein Buch über ihr Leben schreibt, denn sie und ihr Mann haben heute schon Geschichte geschrieben.

Vor fünfzehn Jahren haben sie nämlich die erste Organisation auf dem gesamten indischen Subkontinent gegründet, die das Leben vom Moment der Empfängnis bis zum Tod verteidigt. Im Jahr 2021 haben sie trotz beträchtlicher Widerstände die erste Schwangerschaftshardline im gesamten Land gestartet. Außerdem haben sie vor Ort ein Geburtshaus und ein Mehrgenerationenhaus eröffnet – für Frauen, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden, für Babys, minderjährige Mädchen, junge Frauen und Seniorinnen, die einfach verlassen wurden.

Heute hält Johanna international Vorträge vor Tausenden Menschen mit einem Ziel: Abtreibung in Indien undenkbar zu machen. Für heute wollen wir von Johanna lernen, was es bedeutet, wenn Kinderleben im Mutterleib nichts zählen und Abtreibung als Verhütungsmethode genutzt wird. Genau in diese Richtung bewegen wir uns nämlich auch im Westen.

Wie können Christen ohne besondere Ausrüstung oder Vorbildung trotzdem Salz und Licht in dieser Thematik sein? Schau dir an, was Gott wirken kann.

Gesellschaftliche Hintergründe und kulturelle Prägungen in Indien

Falls das heute deine erste Begegnung mit indischen Kulturen ist, hier drei hilfreiche Hintergründe, die dir das Verständnis erleichtern.

Erstens: Das sogenannte Kastensystem prägt viele Regionen Indiens bis heute stark in der Praxis. Das Kastensystem bedeutet, dass man – ich vereinfache es jetzt – in eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe hineingeboren wird und meist sein ganzes Leben lang dort bleibt. Die Kaste, in die man hineingeboren wird, legt in der Praxis häufig den gesamten Lebensverlauf fest. Dazu gehören Ausbildung, Beruf, Verdienstmöglichkeiten, soziale Kontakte und natürlich auch Möglichkeiten zu religiösen Pilgerfahrten.

Außerdem ist klar geregelt, welche Kastenmitglieder einem etwas zu sagen haben und welchen man Respekt zollen und in gewissem Maße gehorchen muss.

Zweitens: Das Ganze wird häufig von einer sogenannten Schamkultur zusammengehalten. Was bedeutet Schamkultur? Das ist ein Begriff aus der Soziologie, den ich vereinfache: In einer Schamkultur ist es sehr wichtig, das Ansehen im direkten Umfeld zu bewahren. Das heißt praktisch, die eigene Familie darf um keinen Preis in Verlegenheit gebracht werden.

Dieser Punkt ist wirklich wichtig. Entscheidungen werden danach getroffen, was das Umfeld über das Ergebnis denken wird und wie sich das auf das Ansehen der Familie auswirkt. Bitte behalte das im Hinterkopf, denn das brauchen wir gleich noch.

Drittens: Kollektivismus – das ist leicht zu verstehen. Unsere westliche Welt ist sehr individualistisch, fast schon krankhaft. Alles dreht sich narzisstisch nur um ich, mir, mein und mich. Menschen außerhalb des engsten Kreises sind einem meist egal. Und wehe, selbst die eigene Familie versucht, einem in das heilige, individualistische, selbstbestimmte Leben reinzureden.

So funktioniert es in vielen Teilen der Welt natürlich anders, auch hier in Tamil Nadu. Dort werden Entscheidungen häufig von der Familie getroffen, einschließlich der Großeltern oder besonders wichtig: den Schwiegereltern. Das bedeutet, eine einzelne Person – erst recht eine Frau – hat oft kaum etwas zu sagen.

Diese drei Punkte solltest du im Hinterkopf behalten, damit du die Dinge gleich besser einordnen kannst und direkt in das Thema einsteigst, das den Hintergrund bildet. Und jetzt zu Johanna.

Persönliche Einblicke und kulturelle Erfahrungen in Indien

Super, also es ist meine totale Ehre, euch heute einfach so einen kleinen Einblick nach Indien zu geben. Ein anderes Land, komplett andere Kultur, andere Denkweisen und andere Dinge, die wertgeschätzt werden.

Das ist meine Familie. Ich wohne seit 2006 in Indien. Simon und ich haben zunächst in der Millionenmetropole Mumbai gewohnt und sind dann 2010 in die Kleinstadt Coimbatur gezogen. Coimbatur hat nur vier Millionen Einwohner, also ist es ein bisschen größer als Berlin.

Wer schon in Indien war, der weiß, es ist – ja, es ist schwierig, ein Wort dafür zu finden. Ich finde „faszinierend“ ist ein gutes Wort, denn es ist ein Land der Extreme. Frauen werden oft nicht geschätzt, und gleichzeitig wird die tote Mutter verehrt und vergöttert. Das Essen ist extrem scharf und extrem süß. Ich liebe Zucker, aber alles, was hier an Süßigkeiten aufgetischt wird, ist für mich einfach eine Nummer zu hart.

Viele Masken – es ist ein ganz freundliches Land, ein sehr sicheres Land, zumindest für Ausländer. Für die durchschnittlichen Inder ist das anders, und darüber sprechen wir später noch ein bisschen. Aber ja, es ist ein sehr freundliches Land. Sehr viele Masken, also im Sinne von: Das Lächeln sitzt morgens, es wird mit dem Frühstück aufgenommen. Das hat auch viel damit zu tun, dass es eine Schamkultur ist.

Das heißt, und da kommt auch immer so ein bisschen der rote Faden wahrscheinlich her, weil das so entscheidend ist, wie Leute in schwierigen Situationen umgehen. Und das ist ja bei unseren Frauen und bei der Arbeit, die wir machen, oft der Fall: Es geht um Krisensituationen. Wie die Scham dann damit reinspielt, das sehen wir immer wieder. Dazu kommen wir dann auch auf einzelne Geschichten zu sprechen.

Historischer und statistischer Überblick zur Abtreibung in Indien

Vielleicht erst einmal ein kleiner Überblick darüber, wie es mit der Abtreibung in Indien aussieht – sowohl was die Zahlen als auch die Geschichte betrifft.

Die Angst vor zu vielen Menschen in Indien schlich sich in den 1960er Jahren in die Herzen der Inder, beziehungsweise eher in die Herzen der indischen Regierenden. Ich habe zum Beispiel neulich mit einem älteren Herrn gesprochen, der sich Anfang zwanzig hat sterilisieren lassen. Dafür bekam er tatsächlich fünf Kilogramm Reis als Belohnung. Er hat dann nie geheiratet und keine Kinder bekommen. Es gab damals solche Sterilisationscamps, und für die Teilnahme erhielt man immer eine kleine Entlohnung. Bei ihm waren es eben fünf Kilogramm Reis.

In den 1960er Jahren kamen Sterilisation und Verhütung stark in die Diskussion. Kurz darauf, und das ist ein Muster, das wir in vielen anderen Ländern ebenfalls beobachten können, folgte die Legalisierung der Abtreibung. In Indien wurde die Abtreibung 1971 legalisiert.

Laut dem Lancet Medical Journal finden in Indien jährlich 15,6 Millionen Abtreibungen statt. Das entspricht ungefähr einem Drittel aller Schwangerschaften. Natürlich denkt man sich: „In Indien leben ja auch so viele Menschen, deshalb gibt es auch viel mehr Abtreibungen.“ Es gibt jedoch eine bessere Methode, das zu berechnen: Man betrachtet, wie viele Abtreibungen pro tausend Frauen im gebärfähigen Alter stattfinden.

In Deutschland sind es circa 6,1 Frauen pro tausend Frauen im gebärfähigen Alter – diese Statistik ist zwar ein oder zwei Jahre alt, aber wahrscheinlich nicht viel anders. In Indien liegt diese Zahl bei 47 pro tausend Frauen. Es gibt also tatsächlich viel, viel mehr Abtreibungen.

Ein weiteres Phänomen ist die sexselektive Abtreibung. Mädchen sind oft nicht gewollt, denn jeder will eine Ehefrau, aber keiner eine Tochter. Das führt zu vielen demografischen Problemen. In Nordindien gibt es ganze Dörfer, in denen man auf den Straßen kaum Mädchen sieht. Die Atmosphäre dort ist sehr eigenartig.

Irgendwann wachsen die Jungen heran und wollen heiraten. Aber wo sind die Mädchen? Das führt zum Phänomen des sogenannten „Bridesnatching“ – man könnte es mit „Brautklauen“ übersetzen. Frauen werden aus ärmeren Bundesstaaten entführt und als Ehefrauen in Bundesstaaten verkauft, in denen viele Mädchen abgetrieben wurden.

Man darf sich das nicht so vorstellen wie in Deutschland, wenn jemand von Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz zieht. In Indien ist ein Bundesstaat oft wie ein ganz anderes Land: Es wird eine andere Sprache gesprochen, die das Mädchen meist nicht versteht. Die Kultur, Feste, das Essen und die Kleidung sind völlig anders.

Das eingeschüchterte, entführte Mädchen oder die junge Frau kommt in eine Familie, in der meist mehrere Söhne leben. Sie wird dann meist mit dem ältesten Sohn verheiratet. Wenn sie schwanger wird, hat die Familie einen Erben für den Erstgeborenen. Dann gehört sie praktisch allen, denn man kann sich nicht leisten, mehr als eine Frau „zu kaufen“.

Wenn der Vater stirbt, geht die Situation weiter. Eine schlechte Sache führt oft zur nächsten – und das ändert sich dann katastrophal.

Gründung von Life Roll und erste Schritte im Lebensrechtsschutz

Simon und ich, mein Mann und ich, haben, wie gesagt, in Bombay gewohnt. Dort haben wir zunächst mit HIV-Opfern in den Slums gearbeitet, hauptsächlich mit HIV-Witwen. Wenn ich Witwen sage, meine ich Frauen zwischen 22 und 28 Jahren – also sehr junge Frauen, die ihren Mann durch HIV verloren hatten und selbst ebenfalls infiziert waren.

In dieser Zeit hat Gott uns jedoch aus dieser Arbeit herausgerufen und uns gesagt, dass er etwas anderes für uns vorgesehen hat. Wir sind damals recht naiv in die Arbeit gestartet, und es begann mit dem Vers aus Sprüche 31: „Setze dich für die ein, die sich nicht selbst verteidigen können“ – auf Englisch: „Speak up for those who cannot speak for themselves“. Zunächst waren wir uns nicht sicher, was Gott von uns wollte, ob wir uns für Taubstumme einsetzen sollten. Doch dann zeigte er uns diese kleinen Kinder und machte uns klar, dass nicht nur die ungeborenen Kinder, sondern oft auch deren Mütter, gerade in diesem Land, nicht gehört werden.

Daraufhin sagten wir: „Ja, cool, machen wir! Zeig uns eine Organisation, mit der wir zusammenarbeiten können.“ Wir waren interkulturell verheiratet, hatten viel Arbeit und waren sehr beschäftigt. Unser erstes Kind war gerade ein Jahr alt, und wir hatten kaum die emotionalen und administrativen Ressourcen, um eine neue Organisation zu gründen.

Aber tatsächlich gab es 2009 keine Organisation, die sich für die Rechte der ungeborenen Kinder und der Mütter einsetzte. Niemand. Simon hatte keine einzige gefunden. Es gab eine katholische Organisation, die in Zukunft etwas in diese Richtung machen wollte. Simon war gut vernetzt durch die Organisation, mit der wir zuvor gearbeitet hatten. Er hatte die Organisation in Bombay geleitet, kannte viele Leute und fragte überall nach – aber es gab einfach nichts.

Im Grunde genommen blieb uns nichts anderes übrig, als gehorsam gegenüber Gott zu bleiben. So gründeten wir 2009 Life Roll.

Doch wo fängt man an? Was macht man jetzt? Das Erste, was uns auffiel, war, dass niemand darüber sprach. Es herrschte ein Schweigen, das man im Englischen als „The elephant in the room“ bezeichnet – etwas Offensichtliches, über das alle schweigen.

Wir merkten: „Okay, dann lass uns das Gespräch beginnen.“ Also fingen wir an zu sprechen und machten Seminare zur Aufklärung.

Wir lesen in Hosea, wie Gott sagt: „Mein Volk stirbt aus Mangel an Erkenntnis.“ Die Menschen wussten es einfach nicht.

Bis heute stoßen wir auf offene Türen, auch an Universitäten und Hochschulen. Die Türen stehen weit offen für uns. Soweit ich weiß, ist es in Deutschland sehr schwierig, mit solchen Themen in Schulen und Hochschulen zu sprechen. Aber wir sprechen, wie gesagt, mit jungen Menschen, mit ganzen Dörfern, mit Pastoren, Rechtsanwälten und Medizinern – mit allen, die zuhören möchten.

Themenschwerpunkte und Herausforderungen in der Aufklärungsarbeit

Worüber sprechen wir? Es geht natürlich hauptsächlich um die Abtreibung. Wir sprechen vor allem über die Entwicklung des Kindes – oder zumindest begann es ganz am Anfang damit. Wir hatten wirklich ausschließlich dieses Thema: die Abtreibungsmethoden und die Entwicklung des Kindes.

Vielleicht sind hier Leute, die gerade zuhören und sich noch nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt haben. Die vielleicht noch gar nicht ins Staunen gekommen sind, wie wunderbar so ein kleines Wesen im Bauch der Mutter heranwächst. Zum Beispiel könnte ich jetzt eine Stunde darüber sprechen, aber das Herz des Kindes beginnt zu schlagen, wenn das kleine Kindchen zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Tage alt ist.

Das ist der Moment, in dem die Mutter vielleicht gerade denkt: „Meine Periode ist ein bisschen spät, könnte ich eventuell schwanger sein?“ – sie weiß es noch nicht einmal. Und das kleine Herz schlägt tatsächlich, auch wenn es noch unregelmäßig und wenig koordiniert ist – wie ein kleiner Zug, der sein Bestes gibt.

Wenn das Kind dann ungefähr sieben Wochen alt ist, ist es so groß wie eine Haselnuss und wiegt etwa drei Gramm. Alle Organe, die das kleine Kind für sein Leben braucht, sind bereits angelegt. Natürlich müssen sie noch wachsen und reifen, aber das passiert auch nach der Geburt – und bis zum Ende der Pubertät, wenn wir schließlich das Endprodukt sehen können.

Wir haben also ursprünglich nur über Abtreibung gesprochen, aber auch über die Methoden. Darauf will ich jetzt gar nicht groß eingehen, nur kurz: Jede erfolgreiche Abtreibung tötet ein kleines Kind. Die Art der Methode hängt hauptsächlich davon ab, ob die Knochen des Kindes schon verhärtet sind oder nicht.

Viele Abtreibungen, tatsächlich sehr viele, sind chemischer Natur. Dabei werden dem Baby einfach die lebensnotwendigen Nährstoffe entzogen. Dann sprechen wir über die Nebenwirkungen – und die Liste ist lang, sehr lang. Es gibt sowohl körperliche als auch psychische Nebenwirkungen.

Ich habe schon mit zu vielen Frauen gesprochen, die weinten und sagten: „Ich wünschte, jemand hätte mir das vorher gesagt.“ Darüber sprechen wir. Es fing damit an, dass wir tatsächlich nur über die Abtreibung sprachen.

Ein kleines Beispiel: Oft gehen wir auch zu Pastoren und sprechen mit ihnen. Es ist, als ob sie eine Art Verblendung hätten. Ich möchte niemanden verurteilen, aber es wird einfach akzeptiert, weil es ja alle machen – fast wie eine Kultursünde, wenn man so will.

Wir haben tatsächlich schon mit Pastoren gesprochen, die sagten: „Bevor die Frau ins Krankenhaus ging, um die Abtreibung machen zu lassen, haben wir ihr gesagt: ‚Komm doch nach Hause, dann beten wir für dich, für Weisheit, für den Arzt, dass alles gut läuft.‘“

Und dann haben wir diese Pastorin in unseren Seminaren, zeigen ihr einfach Bilder. Wir müssen gar nicht viel sagen, nur Bilder von dem Kind, von der Abtreibung. In diesem Land passiert das 15,6 Millionen Mal – alle zwei Sekunden.

Dann sieht man diese gebrochenen Pastoren vor sich, die die unglaubliche Gnade Gottes erfahren dürfen – durch Vergebung und eine Zukunftsperspektive. Es ist sehr tragisch, aber es ist ein guter Schmerz, der etwas Gutes bewirken kann.

Ja, es geht darum, die Augen zu öffnen. Ja.

Weitere gesellschaftliche Probleme und deren Zusammenhang mit Abtreibung

Und dann kamen noch andere Themen hinzu. Dabei merkten wir: Moment mal, wir haben hier in Indien ein riesiges Problem mit Pornografie. Wir hatten einige traurige erste Plätze, zum Beispiel, dass wir 2019 weltweit am meisten Pornografie konsumiert haben – sogar mehr als Amerika.

Darüber sprechen wir auch viel, denn das hat Konsequenzen. Es gab zum Beispiel eine Studie, die hier in Südindien unter Hochschul- und Universitätsstudenten durchgeführt wurde. Sie zeigte, dass Pornografie im Gehirn wie eine Droge wirkt – ganz genau so. Es ist also nicht anders als Alkohol oder andere Drogen. Was im Gehirn passiert, ist genau dasselbe.

Deshalb gibt es auch so viel kostenlose Softpornografie. Trotzdem ist es eines der reichsten Geschäfte weltweit. Das liegt einfach daran, dass man irgendwann mit Softpornografie nicht mehr zufrieden ist und beginnt, dafür zu bezahlen. Dadurch sucht man sich immer gewalttätigere Filme aus.

Die Studie zeigte außerdem, dass die Jugendlichen und Hochschulstudenten durchschnittlich 19 Vergewaltigungen pro Woche online anschauen. Das ist erschreckend. In Indien gibt es oft Gruppenvergewaltigungen, was ein großes Problem ist. Das hängt damit zusammen, wie Frauen hier gesehen werden, aber auch mit dem hohen Pornografiekonsum.

Wenn zum Beispiel eine Gruppenvergewaltigung in Indien stattgefunden hat, dann wird das Video davon in der Woche danach meistgesucht im Internet. Das zeigt, wie sehr solche Gewalt verharmlost und sogar gefördert wird. Darüber sprechen wir auch in unseren Seminaren.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat Indien vor einigen Jahren als gefährlichstes Land in Bezug auf sexuelle Belästigung eingestuft – wieder ein trauriger erster Platz.

Auch Menschenhandel ist ein Thema, über das wir sprechen. Die Transgender-Ideologie ist leider fest im hinduistischen Glauben verankert – noch bevor der Westen sich damit beschäftigte und überlegte, welche Kinder als nächste Zielgruppe oder Opfer dienen könnten. Das war hier schon im Glauben verankert. Auch das sprechen wir an.

Dann gibt es natürlich den Infantizid beziehungsweise Fötizid, also die gezielte Abtreibung von Mädchen oder sogar die Tötung von Mädchen nach der Geburt. Das wurde in den 1980er-Jahren bekannt und war schockierend. Es passierte hier ganz in der Nähe, in Usilampatti – nur ein paar Stunden von mir entfernt.

Dort entdeckte man hinter Häusern in den Dörfern viele kleine Gräber. Die Welt reagierte mit einer Schockwelle. Es waren alles Mädchen, die von ihren Müttern zu Hause geboren und dann getötet und begraben wurden, weil niemand ein Mädchen wollte.

Man kann das gut an der Diskrepanz zwischen Mädchen und Jungen sehen. Alle zehn Jahre gibt es in Indien eine Volkszählung, bei der besonders auf die Child Sex Ratio geachtet wird. Dabei wird gezählt, wie viele Mädchen und Jungen im Alter von null bis sechs Jahren vorhanden sind.

Als diese Schockwelle in den 1980er-Jahren durch Indien ging, wurde klar: Mädchen werden ermordet. Die Reaktion war, die Menschen zu bilden, damit so etwas nicht mehr passiert. Doch die letzte Volkszählung zeigte, dass die Diskrepanz zwischen Mädchen und Jungen am größten in den Städten ist.

In Indien ist das noch klassisch aufgeteilt: Die Ungebildeten leben auf dem Land, die Gebildeten in den Städten. Bildung hilft also offenbar nicht gegen dieses Problem. Das liegt unter anderem daran, dass im hinduistischen Glauben eine Frau nicht gerettet werden kann.

Das bedeutet, die Frau muss erst als Mann wiedergeboren werden. Wenn sie sich gut benimmt, dann noch besser, und irgendwann kann sie dann tatsächlich ins Nirwana gelangen. Wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, heißt das: Ein Mädchen kostet viel Geld und ist weniger wert. Dann tut man ihr vielleicht sogar einen Gefallen, wenn man ihr Leben überspringt.

So ist dieses Denken verdreht und böse. Es gibt verschiedene Methoden, wie diese kleinen Mädchen getötet werden. Auf unserem Campus gibt es zum Beispiel einen bestimmten Kaktussaft, der giftig ist und den Neugeborenen gegeben wird.

Im Norden Indiens gibt es eine Methode, bei der die Ältesten des Dorfes zusammenkommen. Dann wird ein kochender Topf Milch bereitgestellt, das Mädchen hochgehalten und gesagt: „Nächstes Mal kommst du als Junge wieder.“ Anschließend wird das Kind in der kochenden Milch ertränkt.

Neuerdings, wo die Regierung hart gegen solche Praktiken vorgehen möchte und sagt: „Moment, stopp, die Welt schaut zu, wir müssen aufpassen“, denken die Menschen sich andere Methoden aus. Dann wird das Mädchen nach der Geburt in ein nasses Handtuch gewickelt und kaum gefüttert oder gestillt.

Irgendwann wird das Kind krank, und die Eltern gehen zum Arzt. Sie können sagen, sie waren beim Arzt, und der Arzt hat etwas verschrieben. Doch die Medikamente werden nicht gegeben. So stirbt das Kind an einer Lungenentzündung. Man ist das Mädchen los, aber es ist ein längerer Prozess.

Dieses Problem ist tief in der Kultur verankert. Wie ich am Anfang sagte: Pro Tag werden ungefähr sieben Mädchen abgetrieben. Das sind noch nicht die Mädchen, die nach der Geburt getötet werden – diese Zahlen sind oft nicht erfasst.

Es ist tragisch und tief verwurzelt in der Kultur.

Erreichte Menschen und regionale Ausbreitung der Arbeit

Ja, genau, mit diesen Seminaren haben wir jetzt über 160 Menschen in Indien erreicht. Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es sind 160. Wir sind ein kleines Team und tun einfach, was wir können.

Wir waren inzwischen in 22 Bundesstaaten und haben bereits regionale Leiter ausgebildet. Diese sollen dann wiederum andere ausbilden. Das ist ein ganz wichtiger Teil, um das Schweigen zu brechen.

Gleichzeitig kommt jetzt auch eine Welle von Abtreibungsbefürwortern, zum Beispiel von Internationalem Plan, Pärchen und der Föderation. Sie haben hier bereits viel zu sagen und mischen stark mit. Aber wir sind da und sprechen.

Gründung des Life Centers und Herausforderungen für unverheiratete Frauen

Nachdem wir mit den Seminaren begannen, kam nach einem Seminar die erste Frau, ein junges Mädchen, zu uns und fragte: „Was mache ich jetzt? Ich bin schwanger, nicht verheiratet, und wohin soll ich gehen?“ In dieser Schamkultur kann sie ja nicht unverheiratet ein Kind bekommen. Das ist überhaupt nicht akzeptiert.

Deshalb haben wir unser Life Center eröffnet. Die meisten Frauen, die zu uns kommen, sind tatsächlich hier, weil sie nicht verheiratet sind. Oft sind es Mädchen oder auch Studentinnen. Die Kinder, die aus einer unehelichen Beziehung geboren werden, werden von Ärzten in den Krankenhäusern als „illegale Kinder“ bezeichnet. Dieses Wort trägt schon einen Stempel. Es zeigt, wie sehr diese Kinder abgewertet werden. Worte sagen viel darüber aus, wie man etwas schätzt oder nicht schätzt.

Wir haben auch viele Opfer von Vergewaltigung. Hier kommt die Schamkultur wieder zum Tragen. In den meisten Fällen weiß das Mädchen, oft auch die ganze Familie, wer der Täter ist. Meistens ist es ein Verwandter, ein Nachbar oder jemand, den das Mädchen kennt. Trotzdem kann man den Täter nicht anzeigen, weil es ja Onkel XYZ ist. Man fürchtet, dass andere Familienmitglieder schlecht über einen denken könnten. So treibt man entweder ab oder kommt zu uns ins Life Center.

Ein weiterer Grund, warum Frauen in Indien oft abtreiben, ist, wenn es das dritte Kind ist. In Indien gilt man grundsätzlich als ungebildet, wenn man mehr als zwei Kinder hat. Simon und ich haben fünf Kinder und können kaum lesen und schreiben – offensichtlich. Aber es stimmt tatsächlich. In manchen Bundesländern kann man nicht verbeamtet werden, wenn man mehr als zwei Kinder hat. Das erinnert ein bisschen an die One-Child-Policy in China.

In manchen Bundesländern werden bestimmten Familien Privilegien entzogen, etwa die Krankenversicherung für das dritte Kind. Wenn die Kinder eine staatliche Schule besuchen – was oft bei ärmeren Familien der Fall ist, weil dort auch eine Mahlzeit angeboten wird – bekommt das dritte Kind keine Mahlzeit. Das ist sehr diskriminierend. Wenn man arm ist, bleibt oft nur die Abtreibung.

Vor ein paar Jahren hatten wir in unserer Gemeinde einen Fall, der zeigt, wie die Schamkultur wieder eine Rolle spielt. Ein Ehepaar hatte einen elfjährigen Sohn. Sie hatten nur ein Kind geplant und wollten keine weiteren Kinder. Dann wurde die Frau schwanger. Sie kamen zu uns und sagten, sie müssten das Kind abtreiben. Auf die Frage, warum, antworteten sie: „Unser Sohn ist elf und versteht, dass wir Sex haben. Das ist uns peinlich.“ Das ist schambehaftet. Wir haben die Familie beraten. Das Kind lebte. Trotzdem zeigt dieser Fall, wie anders und fremd diese Denkweise ist.

Natürlich spielen auch finanzielle Gründe eine große Rolle. Es gibt staatliche Schulen, aber die meisten Kinder gehen, wenn es möglich ist, auf Privatschulen. Zum Beispiel kennen wir Familien aus unserem Dorf, deren Kinder auf staatliche Schulen gehen. Dort gibt es keine Seife in den Badezimmern, weil die Lehrer sie mit nach Hause nehmen. Das Niveau ist sehr niedrig, und es wird auch noch geschlagen.

Deshalb versuchen Familien, ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken, wenn sie es sich leisten können. Aber Privatschulen kosten Geld. Vielleicht kann man sich ein oder zwei Kinder auf der Privatschule leisten, aber oft reichen die Finanzen nicht aus. So wird die Schulrechnung oft mit dem Blut der jüngeren Geschwister bezahlt, die dann abgetrieben werden. Das ist wirklich sehr tragisch und traurig.

Persönliche Geschichten und Lebenssituationen der Frauen

Wir hatten bisher etwa 150 Frauen in unserem Life Center. Ich wünschte, ich hätte die Zeit, euch jede einzelne vorzustellen, denn das sind alles wirklich tolle Frauen.

Die jüngste, die wir hatten, war dreizehn Jahre alt. Sie wurde mehrfach von ihrem Cousin und dessen Freund vergewaltigt. Die Täter zeigten ihr Videos auf dem Telefon und sagten: „So machen wir das jetzt.“ Sie wurde schwanger und brachte einen kleinen Sohn zur Welt. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie den Kleinen ansah, als er geboren wurde. Sie schaute mich überrascht an und sagte: „Ich wusste nicht, dass so etwas Schönes dabei herauskommt.“

Solche Geschichten erleben wir leider oft, besonders bei Vergewaltigungen. Es wird nicht besser, wenn die Frau abtreibt – ganz im Gegenteil, vor allem nicht, wenn sie noch ein Teenager ist. Dieser Zyklus der Gewalt wiederholt sich: Der Vergewaltiger übt Gewalt gegen das Mädchen aus, und dann setzt sich das Gleiche gegenüber dem Kind fort. Es ist ein immer wiederkehrender Kreislauf.

Doch wenn diese Frauen diesen Zyklus mit Liebe durchbrechen, ist das unglaublich stärkend. Mir fällt kein passendes deutsches Wort dafür ein, aber diese Frauen gehen gestärkt aus dieser Erfahrung hervor. Sie sind besser als ihre Vergewaltiger – einfach bessere Menschen. Das ist sehr ermutigend, und es bringt viel Heilung für diese Frauen. Es ist wunderschön, das mitzuerleben.

Ich zeige euch mal ein Bild. Hier sind wir gelegen: sehr abgelegen. Das ist unser Life Center, umgeben von Elefanten, schwarzen Panthern und allem, was das Abenteuerherz begehrt – zumindest Skorpione und Schlangen. Hauptsächlich sind wir aus Sicherheitsgründen so gelegen, auch wenn das jetzt vielleicht albern klingt.

Viele dieser Frauen haben gewalttätige Väter, die sie aufsuchen, weil niemand mehr für sie kocht, und dann kehrt die Gewalt zurück. Unser abgelegener Standort dient also auch als Schutz.

Alkohol ist hier ein riesiges Problem. Neben dem Life Center wohnt Rani. Ihr Mann ist Alkoholiker und hat sie mit einem Halsband an einer Kette festgebunden. Er brach ihr beide Beine, als sie schwanger war – unglaubliche Gewalt. Irgendwie, über mehrere Umwege, hat er herausgefunden, wo sie sich aufhält, obwohl das eigentlich nicht möglich sein sollte.

Eines Morgens stand er betrunken um sieben Uhr vor unserem großen Tor. In ihrem Zimmer saß Rani und zitterte vor Angst. Wir sind natürlich dazwischengegangen und haben ihn weggeschickt. Deshalb wohnen wir eben abgelegen – aus Sicherheitsgründen.

Notwendigkeit von Aufklärung und Faktenorientierung

Du hast Johanna gehört: Wir brauchen Aufklärung, und wir müssen das Thema Abtreibung von Emotionen und Ideologien trennen.

Wir Christen müssen lernen, faktenbasiert darüber zu sprechen. Das ist sehr wichtig.

Genau deshalb hat Markus hier ein Schlagfertigkeitstraining für ungeborenes Leben entworfen. Dieses Training gehört zu den meistgesehenen Inhalten auf der Website. Es wird in Gemeinden, Hauskreisen und sogar heimlich an staatlichen Schulen gezeigt, damit Menschen lernen, die Thematik klar zu sehen.

Es gibt dazu tolles Zusatzmaterial, und regelmäßig fügen wir neue Materialien hinzu.

Du kannst es dir jetzt kostenlos herunterladen und bleibst automatisch auf dem Laufenden. Der erste Link unter dem Video führt direkt zum Material. Es ist komplett gratis, und du erhältst ein umfassendes Materialpaket, das ständig erweitert wird.

Einfach den ersten Link unter diesem Video anklicken.

Alkoholproblematik und rechtliche Entwicklungen

Alkohol ist ein großes Problem, besonders unter Menschen mit geringer Bildung. Wir wohnen hier neben unserem Dorf, zu dem wir gehören. Es ist ein Volksstammdorf, und Alkohol ist dort ein riesiges Problem. Das ist wirklich unglaublich traurig.

Interessanterweise trinken die Christen hier keinen Tropfen Alkohol. Schon ein Glas Wein gilt als absolute Sünde. Mein Vater war enttäuscht, weil auf meiner Hochzeit hier in Indien kein Tropfen Wein serviert wurde – für ihn ist echter Wein ein Genuss. Aber das Problem mit Alkohol ist wirklich riesig.

Was wir als Live for All auch machen, ist, dass wir viel mit dem Gesetz zu tun hatten. Das begann 2014. Ich erinnere mich noch, wie ich von einem kleinen Kurzurlaub zurückkam und in der Zeitung las, dass die Obergrenze für eine Abtreibung, die damals bei zwanzig Wochen lag, auf vierundzwanzig Wochen erweitert werden sollte. Mein Mann und ich waren damals noch ziemlich unerfahren, und wir hatten vielleicht eine Person, die uns ein bisschen unterstützte. Wir fragten uns: Was sollen wir tun? Das ist ja ein riesiges Thema.

Hier muss ich kurz einhaken: Bei normalen Schwangerschaften kann die Mutter das Kind im Bauch längst spüren. Das ist also kein abstraktes Thema, sondern sehr real. Das verleiht der ganzen Sache eine völlig andere Dimension.

Gerade wenn es nicht die erste Schwangerschaft ist – beim zweiten oder dritten Kind – spürt man das Baby oft schon ab sechzehn Wochen, meistens so ab siebzehn oder achtzehn Wochen. Dann hat man sozusagen einen kleinen „Kung-Fu-Panda“ im Bauch, der seine Karateübungen macht. Das ist wirklich tragisch.

Dann kam ich in Kontakt mit Alliance Defending Freedom (ADF). Diese Organisation besteht aus christlichen Rechtsanwälten, die sich weltweit unter anderem für den Schutz des Lebens einsetzen. Zur Info: Früher lag die Grenze für Abtreibungen bei zwanzig Wochen. Zusammen mit ADF reichten wir eine Gegenpetition beziehungsweise eine Gegenklage ein, die dann auch akzeptiert wurde – was an sich schon ein Wunder war, aber das ist eine andere Geschichte.

Damals war es so, dass Abtreibungen bis zwanzig Wochen legal waren. Bis zwölf Wochen brauchte man nur die Zustimmung eines Arztes. Bis zwanzig Wochen waren es zwei Mediziner, und die Regelung galt nur für verheiratete Frauen, nicht für unverheiratete. Es gab verschiedene Gründe, unter anderem auch, wenn die Verhütung versagt hatte. Wer das kontrollieren sollte, war unklar. Das Gesetz war also ziemlich lax.

Im Jahr 2021 wurde das Gesetz geändert. Wir haben den Fall leider verloren. Jetzt sind Abtreibungen bis 20 Wochen mit einem Arzt ohne größere Probleme erlaubt. Das Baby ist dann schon so groß – von Kopf bis Fuß etwa so groß wie meine Hände –, es schwimmt im Fruchtwasser und atmet es ein und aus. Es ist ein perfekter kleiner Mensch. Es gibt sogar Fälle, in denen Kinder mit 19 Wochen außerhalb des Mutterleibs überlebt haben.

Ab 24 Wochen braucht es dann zwei Ärzte, und jetzt dürfen auch unverheiratete Frauen eine Abtreibung vornehmen lassen. So haben wir gemerkt, dass wir mehr tun müssen. Wir müssen uns nicht nur um die Aufklärung und die Frauen in unserem Life Center kümmern, sondern auch rechtlich aktiv werden. Denn sonst macht es niemand.

Wir waren in verschiedenen Fällen vor Gericht, auch vor dem Obersten Gerichtshof, und haben uns dort für das Leben eingesetzt. Es gibt immer wieder Frauen, die sich nach den 24 Wochen an die Gerichte wenden. Man merkt, dass die Abtreibungsindustrie viel Geld und Energie investiert, um diese Fälle voranzutreiben. Die Gerichte erlauben die Abtreibungen meist, weil die Abtreibung mit Women Empowerment, also der Stärkung der Frauenrechte, gleichgesetzt wird.

Ich stehe voll hinter der Gleichberechtigung der Frauen. Eine indische Frau soll genauso viel erben wie ihr Bruder und die Möglichkeit haben, die Ausbildung zu machen, die sie möchte. Aber zu sagen, eine Abtreibung sei Women Empowerment und dass dadurch die Frau etwas gewinnt, ist einfach falsch, wenn man bedenkt, was eine Abtreibung mit einer Frau macht.

Ich möchte hier auf Brustkrebs eingehen. Es gibt zwölf Studien vom Subkontinent, also aus Indien, die zeigen, dass Frauen, die eine Abtreibung hatten, ein um 554 Prozent höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Die Abtreibungslobby sagt oft, diese Studien seien nicht gültig, weil die Frauen ihre Kinder zu spät bekommen oder nicht stillen. Aber in Indien stillen die meisten Frauen ihre Kinder und bekommen sie früh. Diese Faktoren sind also nicht relevant. Trotzdem zeigen alle Studien, dass das Risiko für Brustkrebs nach einer Abtreibung deutlich steigt.

Überdies gibt es viele psychische Probleme, die mit einer Abtreibung einhergehen. Es wäre wirklich absurd zu behaupten, Abtreibung sei Women Empowerment, wenn man die Tragik dahinter sieht.

Leider schreien die Medien das laut heraus, und es gibt Richter, die immer wieder sagen: „Ja, die Frau muss empowered werden, sie muss entscheiden.“ Manchmal gibt es Fälle, bei denen man sich fragt, warum. Zum Beispiel gab es eine Frau, die in der 28. Woche eine Abtreibung wollte – es war ihr drittes Kind – nur weil sie nach der zweiten Schwangerschaft eine Wochenbettdepression hatte. Das ist sehr frustrierend.

Ich sehe, wie gerade die ärmeren Länder oft attackiert werden mit dem Ziel, die Bevölkerung zu dezimieren. Das erinnert mich an die Geschichte von Pharao, der Angst hatte, dass die Israeliten zu zahlreich werden, und deshalb befahl, die Kinder zu töten. Es ist genau dasselbe in Grün.

Zum Beispiel gibt es hier die John Hopkins Piedko, eine Organisation, die aus der John Hopkins Universität heraus entstanden ist, sowie die International Planned Parenthood Federation. Im August haben sie eine neue Kampagne in diesem Land gestartet, und sie investieren 200 Milliarden Dollar, um die Abtreibung voranzutreiben.

Das stellt uns natürlich vor große Herausforderungen. Aber wir haben einen Schöpfer, der mächtiger ist als alle anderen, und daran halten wir uns fest. Trotzdem ist der Kampf sehr real und intensiv.

Pregnancy Helpline und telefonische Beratung

Genau, ein weiteres Projekt, und ich bin, glaube ich, auch gleich durch mit den Projekten, ist die Pregnancy Helpline. Unser Gedanke war: Hey, wir bringen Aufklärung in 22 Bundesstaaten durch Seminare, aber vielleicht erreichen wir nur 160 Menschen. Wie können wir die Mädchen in Bihar, im Bundesstaat Uttarakhand, erreichen? Dann kam uns die Idee: Vielleicht müssen wir sie nicht erreichen, vielleicht können sie uns erreichen.

Für alle, die es nicht wissen: Indien ist ein richtig, richtig großes Land. Eine zwölfstündige Busfahrt ist dort einfach mal ein „Ich komme dich mal kurz besuchen“ – das ist wirklich kein Problem. Aber zu manchen Seminaren fahren wir auch mal drei Tage mit dem Zug. Da ist Zeit ein Faktor, und natürlich auch Geld. Die Idee, dass die Frauen uns kontaktieren können, ist einfach sehr einladend.

Dann ist da natürlich noch die Sprache. So schön die Vielfalt auch ist, ich kann mit dem Mädchen nicht sprechen, wenn sie nicht diese oder jene Sprache spricht. Ich erinnere mich da zum Beispiel an meine Schwiegermutter. Sie spricht kein Englisch, aber Tamil. Tamil sprechen wir hier in diesem Bundesstaat. Wenn sie außerhalb dieses Bundeslandes irgendwo in ihrem Land unterwegs ist, kann sie sich mit niemandem unterhalten.

Ich war, ich glaube, 2018, auf einer Lebensrechtskonferenz in Israel und traf dort auf einen Mann namens Joriel Godzi. Er ist der Leiter, der Präsident einer amerikanischen Organisation namens Heartbeat International. Er sagte zu mir: „Johanna, du kommst aus Indien?“ Ich sagte ja. Dann sagte er: „Weißt du, was du machen musst? Du musst eine telefonische Schwangerschaftshilfe starten.“ Ich antwortete: „Wirklich?“ Denn ich hatte die Idee schon gehabt und mich ein bisschen davon zurückgezogen, weil ich wusste, dass das richtig viel Arbeit ist.

Er sagte: „Ja, denn wir haben in Amerika die größte Schwangerschaftshelpline. Und die höchste Anzahl von Frauen, die uns außerhalb Amerikas kontaktieren, kommt aus Indien.“ Er sagte, 700 Frauen rufen jeden Monat an und haben niemanden, an den sie sich in Indien wenden können. Das war dann der entscheidende Faktor.

Wir haben viel gearbeitet. Wir mussten den Frauen ja erstmal beibringen, wie das funktioniert. In Indien sieht Seelsorge oft so aus: „Das ist deine Situation, jetzt musst du das und das machen.“ Ich sage jetzt mal, so ist Seelsorge in Indien – das ist nicht das, was wir unter Seelsorge verstehen, wo man erst mal zuhört und offene Fragen stellt. Wir mussten wirklich von Grund auf Frauen ausbilden, damit sie bei uns arbeiten können.

Es gab keine Schwangerschaftsberatungsstelle, bei der ich sagen konnte: „Habt ihr Lust, ein paar Stunden bei uns in der telefonischen Schwangerschaftsberatung mitzuarbeiten?“ In der Gemeinde gibt es keine Frauen, die das schon tun. Wir mussten wirklich alles von Anfang an aufbauen. So haben wir lange gearbeitet und ein gutes Programm zusammengestellt, das wir dann auch erweitert haben.

Wir bilden ganz viele aus – jeder Christ, der möchte. Wir haben sogar jetzt eine weltliche Version, damit auch Leute ohne kirchlichen Hintergrund Frauen in einer Krisenschwangerschaft beraten können. Indien ist eine Kultur, in der jeder seine Nase in die Angelegenheiten der anderen steckt. Das ist manchmal ganz schön irritierend, aber in diesem Fall sehr gut. Wenn die Nachbarstochter schwanger ist und ich habe diese Frau hier, die andere Nachbarin ausgebildet, dann kann sie sich einmischen und sagen: „Hey, darf ich mal mit dir sprechen?“ In Deutschland würde man sagen: „Das geht dich nichts an, halt dich raus.“

Im Moment haben wir die vierzehnte Gruppe, die gerade das Training durchläuft. Unsere Pregnancy Helpline ist ein Team ganz toller Frauen. Die andere Weiße, die auf dem Bild zu sehen ist, war nur zu Besuch und nicht Teil des Teams, aber sie hat sich mit ins Bild gesetzt – das war ganz süß.

Wir arbeiten von morgens um acht bis Mitternacht und bieten Beratung in sieben Sprachen an. Indien hat über 600 Sprachen, aber mit diesen sieben können wir tatsächlich fast den ganzen Subkontinent, also fast ganz Indien, abdecken. Das ist wirklich sehr gut. Jeder hat seine eigene kleine örtliche Sprache, aber man spricht auch eine größere, sodass das gut passt.

Die Zahl der Anrufe und Chats ist beeindruckend. Im letzten Jahr hatten wir knapp 3.000 Anrufe. Das ist zwar viel, aber immer noch nicht genug. Die meisten Frauen, die anrufen, wissen wirklich nichts über ihren Zyklus, wann und wie sie schwanger werden können. Es ist ganz, ganz grundlegende Aufklärung.

Die Schamkultur ist unser roter Faden: Man spricht nicht über Sex, man spricht nicht über Kinderkriegen. Wir hatten zum Beispiel in unserem Life Center hier eine gebildete Yoga-Lehrerin, deren Ehemann sie einfach auf die Straße gesetzt hat. Sie wusste nicht, wohin. Diese gebildete Frau fragte mich irgendwann, ob das Baby aus dem Bauchnabel oder aus dem Arzt geboren wird. Da wurde mir klar: Wir müssen wirklich noch mal ganz von vorne anfangen.

Natürlich können wir auch viele Frauen beraten und ermutigen, ihr Kind zu behalten. Hier haben wir zum Beispiel eine Mutter. Dieses kleine Kind war schwanger mit ihr und sie hat die erste Abtreibungspille genommen. Ich weiß nicht, wie viele davon wissen, aber vielleicht für die Zuhörer: Wenn man so eine Abtreibungspille nimmt, gibt es erst einmal eine Pille, die alle Nährstoffe für das Kind blockiert. Das Kind verhungert quasi. Danach muss man 48 Stunden warten. Nach diesen 48 Stunden nimmt man dann vier weitere Tabletten, die die Wehen auslösen, und dann kommt das Kindchen heraus.

Diese Mutter war verheiratet, hatte aber finanzielle Schwierigkeiten und schon ein Kind. Mehr als eins ist ja auch schon eine Herausforderung. Sie nahm die erste Tablette, und dann fing ihr Mann plötzlich an zu weinen und fragte: „Warum hast du das gemacht? Wir hatten das doch besprochen.“ Dann fragten sie: „Okay, was können wir jetzt machen?“ Sie kontaktierte ihre Gynäkologin und andere Ärzte, aber alle sagten: „Nein, das, was angefangen wurde, können wir nicht rückgängig machen.“

Die Löwenmama in ihr war aber wirklich geweckt. Sie rief die Option Line an – kennt ihr noch den Amerikaner? Die gaben ihr sofort in Indien eine Nummer, und sie rief uns an. Wir halfen ihr mit einem ganz einfachen Protokoll, also einer Therapie. Dabei wird mit dem Schwangerschaftshormon gearbeitet, das der Körper sowieso produziert. Das ist ein sehr bewährtes Vorgehen. Weltweit wurden so schon über 5.000 Kinder gerettet, einfach von Müttern, die eine zweite Chance bekommen haben und sich anders entschieden haben.

Dieses kleine Mäuschen kann jetzt leben, und darüber freuen wir uns natürlich total. Preis den Herren! Total schön, oder? Wir haben die Familie besucht, sie wohnten nur sieben Stunden entfernt – also quasi um die Ecke, ein Spaziergang.

Es war einfach wunderschön. Diese Familie ist so dankbar. Manchmal ist es echt einfach, man muss es nur wissen. Das sagen wir auch immer wieder: Die ganze Abtreibungsdebatte kann nicht emotional geführt werden, sie darf es nicht. Sie darf nicht ideologieorientiert oder emotional sein. Sie muss faktisch sein. Und: „Hey, das ist dein Fall, gut, das sind deine Optionen, du kannst das machen oder das machen.“

Lebensrechtsgipfel und Vernetzung der Organisationen

Ja, und etwas, worüber ich mich einfach total freue und wofür ich sehr dankbar bin, ist unser Lebensrechtsgipfel. Das begann 2014, eigentlich sogar schon ein wenig früher. Immer wieder kamen Leute, die davon gehört hatten. Dann machten einige etwas mit Schwangeren, und wir dachten, lass uns diese Menschen mal besuchen. So konnten wir viele davon ermutigen und ihnen vielleicht auch helfen, etwas Gleiches, Ähnliches oder auch etwas anderes in diesem Bereich zu starten.

2014 weiß ich noch, dass ich zu Simon Honey sagte: „Lass uns doch mal treffen, damit wir einfach zusammenkommen.“ Wir trafen uns damals in Delhi, was nur zwei Flüge entfernt ist. Dort, in diesem kleinen Land Indien, trafen wir uns zum ersten Mal. Und jetzt, gerade im letzten Monat Oktober, hatten wir den neunten Lebensrechtsgipfel. Zwischendurch fand er einmal wegen Corona nicht statt, aber egal – es war auf jeden Fall der neunte.

Mittlerweile sind wir ungefähr zwanzig Organisationen und viele einzelne Kämpfe. Seit letztem Jahr sind auch die Katholiken mit dabei, was ich richtig toll finde. Es sind zweieinhalb Tage, an denen wir zusammenkommen, um wirklich zu lernen, ermutigt und herausgefordert zu werden. Meistens haben wir internationale Sprecher, die extra kommen. Die Leute reisen aus ganz Indien an. Indien ist groß, da sitzen manche sogar drei Tage im Zug, nur um zum Gipfel zu kommen. Das sind wirklich hingegebene Menschen.

Was mich besonders ermutigt, ist, dass es nicht nur eine weitere Organisation ist. Es ist eine echte Lebensrechtsbewegung. Das finde ich so ermutigend, gerade wenn man in der Beratung arbeitet und so wenig von der Frucht sieht. Und das ist, glaube ich, auch ganz gut so. Ich weiß nicht, wie viele Kinder nun durch Life Rule gerettet wurden oder nicht. Das muss ich nicht wissen. Das werde ich wahrscheinlich irgendwann in der Ewigkeit herausfinden. Aber ein bisschen Frucht zu sehen, das ist wirklich richtig, richtig schön.

Genau, und da bin ich einfach dankbar. Was total süß war, ist, wie es dieses Mal war. Da haben wir unsere Nonne, Schwester Paulina, die total cool ist. Sie unterhielt sich gerade mit einem Jain. Ein Jain ist jemand, der dieser Religion angehört. Ich weiß nicht, ob die Jains vielen bekannt sind. Es ist eine Religion, die aus dem persischen Bereich kommt. Die größte Gruppe an Jains außerhalb des Irans ist in Indien. Das ist wieder eine ganz andere Religion, die zu nichts anderem so richtig passt.

Diese Jains haben eine Organisation gegründet: Barat for Life. Barat ist ein anderes Wort für Indien, also „Indien fürs Leben“. Und der Mann, mit dem Schwester Paulina sprach, ist einfach nur cool. Das ist so eine total interessante Religion, die eigentlich gar nichts mit unserem Thema zu tun hat. Ich finde es nur einfach total faszinierend.

Die Jains sind diejenigen, die vor sich her den Boden fegen, damit sie keine Ameise zertreten. Dieser Mann läuft seit sechs Monaten barfuß. Unser Freund Sahil ist neulich auch barfuß mit dem Flugzeug geflogen. Einfach nur cool.

Es ist einfach schön, wie Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen. Es ist eine wachsende Organisation und eine wachsende Bewegung. Das ist einfach Gott, der das bewirkt. Und ich bin einfach nur dankbar, dass wir daran teilhaben dürfen.

Zukunftsperspektiven und strategische Planung

Vielleicht ein bisschen so, wie es in Zukunft aussehen könnte: Wir haben ein Strategy Team gegründet. Dort sind viele aus ADF, zum Beispiel der Leiter von ADF Alliance Defending Freedom aus Indien, der neben mir sitzt. Wir haben uns einfach mal zusammengesetzt, auf Plastikstühlen, in Bangalore getroffen und überlegt, wie wir diesen Moloch, diese Abtreibung, irgendwie reduzieren und in diesem Land undenkbar machen können. Das ist ja das Ziel.

Dabei haben wir festgestellt, dass es in Indien eigentlich gar keine Studien zu diesem Thema gibt. Das ist jetzt etwas, worauf wir uns konzentrieren wollen. Damals, als die Abtreibung von 20 auf 24 Wochen legalisiert wurde, hatten wir viele Studien, über die wir schreiben und berichten konnten. Die indischen Richter sagten jedoch: Schön und gut, aber das betrifft hauptsächlich westliche Frauen. Unsere indischen Frauen seien stark, die westlichen Frauen würden daran zerbrechen.

Deshalb haben wir erkannt, dass wir einfach Informationen aus Indien brauchen. Das ist gerade ein Riesenthema, in das wir viel Arbeit investieren müssen. Wir arbeiten mit einem Doktor David Reardon zusammen, der im Bereich der Forschung und Studien zu abtreibungsrelevanten Themen bekannt ist. Mal sehen, wie schnell wir hier Fortschritte machen.

Ein anderes Thema ist die Abtreibungspille, IU486 oder Mifepriston, Misoprostol. Diese darf eigentlich nur verschreibungspflichtig, also mit Rezept, ausgegeben werden. Doch hier in Indien haben wir es wirklich ausprobiert. Ich wollte es einfach wissen und habe tatsächlich zwölf solcher Packs gekauft – Abtreibungspillen – und sie einfach über das Internet bestellt, ohne jegliche Dokumentation.

Das ist ein großes Problem, vor allem für Frauen, die diese Pille eigentlich nur bis zur neunten Schwangerschaftswoche nehmen dürfen. Manche nehmen sie dann im zweiten Trimester oder sogar bei einer Eileiterschwangerschaft – also in wirklich gefährlichen Situationen. Hier müssen wir auch juristisch aktiv werden.

Was wir außerdem gerne ausbauen würden, ist unsere Schwangerschaftsberatung. Wir möchten sie auf 24 Stunden erweitern und noch mehr Sprachen anbieten. Zudem sind wir dabei, ein Geburtshaus zu eröffnen, vor allem für unsere Mädels. Das ist ein großes Thema für sich.

Unsere Mädels bringen wir oft zum staatlichen Krankenhaus, weil ein privates Krankenhaus sehr teuer ist. Wir leben als Organisation von Spenden. Doch wie es in diesen staatlichen Krankenhäusern zugeht, ist kaum vorstellbar. Wenn ich das erzähle, denken viele, das sei übertrieben. Aber unsere Mädels werden schlecht behandelt: Sie sind oft unverheiratet, Opfer von Vergewaltigung, stammen aus den untersten Kasten und sind meist ungebildet.

In Deutschland werden selbst Hunde besser behandelt. Sie werden geschlagen, von hinten geschubst, von den Krankenschwestern ausgelacht. Ärzte fragen sie vor anderen, wie oft sie vergewaltigt wurden, und ob sie nicht doch Spaß daran gehabt hätten. Das ist psychische Terrorisierung. Und medizinisch läuft es dort auch katastrophal.

Ich habe es selbst erlebt, als ich Ausländerinnen mitgenommen habe, die das sehen wollten. Danach musste ich mit diesen Deutschen Traumaberatung machen. Wir haben gesagt: Das reicht, das geht nicht so weiter.

Als ich 2011 zum ersten Mal in das staatliche Krankenhaus ging und unsere erste Frau dorthin brachte, kam sie weinend zurück. Simon fragte, ob ihr etwas angetan oder gesagt wurde. Ich antwortete: Nein, aber diese Frau verdient Besseres. Das hat mich sehr berührt.

Ich persönlich habe vier meiner Kinder als Hausgeburt bekommen und weiß, wie es ist, eine natürliche und sanfte Geburt zu erleben. Deshalb sind wir jetzt dabei, ein Geburtshaus für unsere Mädels, aber auch für alle anderen Frauen zu eröffnen. Selbst in privaten Krankenhäusern läuft es nicht besser als in deutschen Krankenhäusern, was die Behandlung angeht.

Das ist ein großes Projekt, an dem wir gerade arbeiten. Wenn jemand als Gynäkologin mithelfen möchte, darf er oder sie sich gerne bei uns melden.

Die Kontaktdaten von Johanna sind, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, unter dem Video beziehungsweise unter diesem Podcast verlinkt. Es ist ein ernstgemeinter Aufruf: Falls du Kapazitäten hast, melde dich sehr gern bei Johanna. Der Link ist hier unten drunter.

Berichte von einzelnen Frauen und deren Schicksale

Genau, ich möchte euch einfach mal ein bisschen Einblick geben in einige dieser wirklich kostbaren Frauen. Ich empfinde es als ein großes Privileg, diesen Frauen dienen zu dürfen. Zum Beispiel Ruby – auf Englisch heißt das Rubin.

Ruby wurde, als sie sieben Tage alt war, von ihrer Mutter in ein Kinderheim gegeben. Ihre ältere Schwester war bereits dort. Irgendwann heiratete die ältere Schwester hier in Indien. Ruby, als sie etwa vierzehn oder fünfzehn Jahre alt war, durfte sie in den Ferien besuchen.

Leider hatte ihre Schwester eine grausame Freude daran, Ruby zu zwingen, vor ihren Augen mit ihrem Ehemann Sex zu haben. Das fand sie wohl irgendwie toll. So wurde Ruby mit sechzehn schwanger. Sie kam zu uns und hatte dann eine Hausgeburt. Es war eine Sturzgeburt – das Kind kam einfach heraus, das kleine Mäuschen, ein kleiner Junge.

Ruby durfte hier ihren himmlischen Vater kennenlernen, der wirklich für sie sorgt. Heute arbeitet sie mit einer Jugendmission zusammen und hat ihren kleinen Sohn zur Adoption freigegeben. Das war ihr Wunsch.

Unser Motto ist grundsätzlich, dass wir nie einer Frau sagen, was sie machen soll. Aber wir geben ihr alle verfügbaren Informationen, mehr als die Medien und die Gesellschaft bieten.

Das ist unsere Ruby. Ich habe neulich wieder mit ihr telefoniert. Sie ist eine ganz liebe junge Frau und möchte irgendwann Polizistin werden, um Gerechtigkeit zu bringen. Ich habe ihr gesagt: Mach das! Sie ist wirklich eine starke Persönlichkeit, vor der man Respekt hat. Ich habe ihr geraten, erst eine Jüngerschaftsschulung zu machen und dann Polizistin zu werden. Das hat sie getan und ist immer noch dabei. Das ist großartig.

Dann ist da unsere Lakshmi, die Süße. Sie hat hier in Tamil Nadu einen Mann geheiratet, kommt aber aus dem Nachbarstaat. Sie wohnte mit ihrem Mann, dem Bruder ihres Mannes, dessen Frau und der Schwiegermutter in einem kleinen Zimmer.

Dann passierte Folgendes: Die Frau des Schwagers wurde schwanger, ebenso Lakshmi. Die Schwiegermutter sagte, zwei Kinder seien zu viel, das könne man nicht erlauben. Sie forderte Lakshmi auf, eine Abtreibung vorzunehmen.

Lakshmi weigerte sich. Daraufhin schütteten sie Benzin über sie und zündeten sie an. Man kann sich vorstellen, wie schrecklich das war. Die Brandwunden waren so schlimm, dass sie wahrscheinlich mehrere Hautschichten verloren hat.

Sie schrie vor Schmerzen – ich weiß nicht, ob ihr das schon mal gehört habt, aber ich habe es leider schon oft in Indien gehört: Wie Brandopfer schreien. Es ist furchtbar.

Die Nachbarn hörten das natürlich sofort. In Indien braucht man in staatlichen Krankenhäusern immer jemanden, der einen begleitet. Man kann nicht allein sein. Man braucht jemanden, der Essen bringt, denn die Krankenhäuser geben kein Essen aus. Auch die Medikamente muss man draußen kaufen.

Das ist oft der Ruin für arme Familien, besonders für Tagelöhner, weil der Partner, der im Krankenhaus ist, nicht arbeiten kann und der andere dann auch nicht.

Die Familie von Lakshmi drohte ihr: Wenn du sagst, dass wir das gemacht haben, bleiben wir nicht bei dir im Krankenhaus. Dann bist du dort ganz allein. So sagte sie schließlich, sie habe sich das selbst angetan.

Sie kam ins Krankenhaus, die Familie verschwand natürlich. Sie erstattete keine Anzeige.

Irgendwann rief das Krankenhaus uns an und sagte: Hier ist eine Schwangere, wir kommen hin. Als wir das Kind sahen, waren die Arme steif, sie konnte sie kaum bewegen. Es war ein Ständi, alles war offen, die Brandwunden waren eitrig und schmerzhaft.

Trotzdem kämpfte sie jeden Tag weiter. Sie konnte kaum laufen, die Beine waren auch betroffen. Es war eine Mischung aus Herzschmerz und Strenge, damit sie später wieder mobil wird.

Sie verlor ihr Baby. Wahrscheinlich hat das Kind gespürt, dass die Mutter gerade nicht konnte.

Neulich besuchte sie uns wieder. Sie hat eine Prothese, ihre Zähne sehen gut aus. Sie arbeitet als Au-pair bei einer Familie. Sie ist so quirlig, dieses junge Mädchen hüpft und springt überall herum und ist wieder komplett mobil. Natürlich trägt sie langärmelige Kleidung, aber sie ist wirklich eine ganz Süße.

Ein wichtiger und tiefer Punkt von Johanna: Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Das muss raus, Leute müssen das sehen. Wir haben schon alles vorbereitet. Alles, was du tun musst, ist die Glocke unten rechts unter diesem Video zu drücken, und der YouTube-Algorithmus erledigt den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist eine schöne Wertschätzung für den Einsatz von Johanna.

Dann haben wir hier unsere Pantschavanam. Pantschavanam bedeutet „fünf Farben“ im Tamilischen. Sie ist 14 Jahre alt und kam zu uns, nachdem ihre Mutter Selbstmord begangen hatte. Zuhause waren fünf Mädchen. Der Vater war Alkoholiker und ist irgendwann weggelaufen, vielleicht wegen des Schmerzes über den Tod der Mutter.

Pantschavanam kam mit ihren Schwestern zu einem Onkel. Nicht alle Schwestern, manche waren schon verheiratet. Der Onkel und sein Cousin missbrauchten sie wiederholt über eine längere Zeit. Sie wurde nicht nur geschwängert, sondern hat auch HIV übertragen bekommen.

Die kleine Maus kam zu uns. Sie ist so süß. Mit ihr habe ich im Regen getanzt. Hier in Indien, wenn es regnet, lässt man alles stehen und liegen und rennt raus. Es regnet dann richtig stark, es entstehen Bäche, und man kann kleine Boote aus den Schoten der Bäume basteln. Sie ist einfach ein Sonnenschein.

Damals war sie klein. Wir wollten sie als Pflegekind aufnehmen, aber das ging nicht, weil ich Ausländer bin. Das ist eine andere Geschichte.

Pantschavanam hat einen kleinen, dicken Jungen geboren. Ich erinnere mich, wie sie zu mir sagte: „Amma, weißt du was? Da unten, wo ich herkomme – das ist die Küstenregion, viele Fischer und sehr arme Bevölkerung – da sind noch so viele andere, die retten wir jetzt auch alle!“

Ihr seht hier Amy, meine Tochter, die ihr gerade Armreifen anlegt. Das ist eine Armreiffeier, die hier mit Schwangeren gefeiert wird. Die Armreifen sind aus Glas und klimpern schön. Man macht sie meist in der Zeit, in der das Baby hören lernt.

Wir feiern diese Schwangeren, die so mutig und wunderbare Mütter sind, und wir feiern die Babys. Es ist immer ein Fest.

Ihr seht auch unsere Bemalung – das ist Sandelholz, ein bestimmter Baum, dessen Pulver gut für die Haut ist und gut riecht. Wir haben einfach gefeiert, es war wunderschön.

Dann ist da die kleine Aschu. Das ist nochmal ein ganz anderes Kapitel.

Viele unserer Mädchen geben ihre Kinder zur Adoption frei. Wir fragen sie immer, ob sie stillen möchten, bis das Kind zur Adoption freigegeben wird. Es braucht ein paar Tage, bis die Behörden das regeln.

Manche wollen so viel Zeit wie möglich mit dem Baby verbringen, andere nicht. Ich habe die Babys dann immer gestillt. Ich habe selbst sehr lange meine Kinder gestillt, bei 20 oder 25 habe ich aufgehört zu zählen. Manche Babys habe ich länger gestillt, zum Beispiel die kleine Aschu.

Das war während der Covid-Zeit. Die Behörden hatten Angst, alles würde schließen, und nahmen keine Kinder auf, weil es alle hätte töten können. Deshalb hatte ich die kleine Aschu sechs Wochen bei mir im Bett und habe sie gestillt.

Ich habe Gott angefleht, sie als Zwillinge großziehen zu dürfen, aber die Adoptionsgesetze sind eine andere Geschichte, furchtbar, und es ging nicht.

Irgendwann kam der Tag, an dem ich das Baby abgeben musste. Wer schon gestillt hat, weiß, dass das Gottes Superkleber ist. Durch die Hormone entsteht eine sehr enge Beziehung.

Ich erinnere mich an den Tag, als es hieß: „Jetzt gib sie ab.“ Ich saß auf dem Küchenboden und habe Gott angeschrien: Warum diese blöde Sünde, die so viel Schmerz verursacht? Warum müssen die Kleinen immer dafür bezahlen? Warum mache ich das eigentlich? Warum wird mir schon wieder ein Kind genommen? Drei Kinder hatte ich schon, die ich sehr lang gestillt habe, und ich hatte das Gefühl, Kinder verloren zu haben.

Wir haben auch zwei Kinder durch Fehlgeburten verloren. Das ist wirklich ähnlich.

Ich habe Gott gefragt: Warum soll ich das weitermachen? Warum kann nicht jemand anders die Flasche geben? Warum stille ich dieses Kind? Warum singe ich für dieses Kind? Warum bete ich für dieses Kind? Warum tragen meine Kinder dieses Kind mit? Warum ist das Teil unserer Erfahrung? Warum muss ich das machen?

Eine Freundin aus der Schweiz erzählte mir eine wahre Geschichte, die mich ermutigt hat. Vielleicht seid ihr auch in einer Situation, in der ihr denkt, ihr gebt so viel, aber kommt da überhaupt etwas an?

Ein Psychiater hatte einen Patienten – einen Mann. Er ging die Liste der Traumata und Verluste durch, die dieser Mensch erlebt hatte. Die Anzahl war so unvorstellbar groß, dass der Psychiater sagte: „Es kann klinisch nicht sein, dass du ein funktionierender Mensch bist, der morgens aufsteht und sich die Zähne putzt.“

Der Patient bestätigte alles, was in seiner Anamnese stand, und erklärte es genau.

Der Psychiater war so fasziniert, dass er sich auf die Suche machte. Irgendwo musste ein Puzzlestück sein, das diesen Menschen zu einem funktionierenden Menschen machte.

Das Einzige, worauf der nichtgläubige Psychiater es zurückführen konnte, war die Tatsache, dass der Patient als Säugling fünf oder sechs Wochen bei einer christlichen Familie war, die für ihn gebetet und sich um ihn gekümmert hatte.

Das war das einzige Gute in seinem Leben.

Da habe ich gesagt: Okay, dann breche ich zusammen, so oft du willst, Vater, dann mache ich das. I surrender.

Hier ist noch so ein Mäuschen. Ich hatte ja gesagt, ich stelle euch nur zwei vor, aber das ist Röschen.

Röschens Geschichte ist so unglaublich, dass man, wenn man nicht an Gott glaubt, nicht weiß, was man denken soll.

Die Mutter von Röschen kam aus einem anderen Bundesstaat. Sie sprach eine andere Sprache. Sie arbeitete hier, etwa eine Stunde von uns entfernt.

Wenn ihr ein T-Shirt habt, das in Indien hergestellt wurde, kommt es wahrscheinlich aus der Nähe.

Viele Menschen aus ganz Indien arbeiten hier an den Nähmaschinen.

Die Mutter war jung und unverheiratet. Sie wurde schwanger und konnte nicht ins Krankenhaus gehen, weil sie die Sprache nicht sprach und wegen der Schamkultur.

Sie versuchte, die Schwangerschaft zu ignorieren.

Dann bekam sie Wehen in der Fabrik, ging auf die Toilette – und wer schon mal in einer indischen Toilette war, weiß, wie eklig das ist.

Sie vergaß, die Tür abzuschließen, und bekam auf der Toilette das Kind.

Sie versuchte, das Kind zu erwürgen.

Eine Frau, die draußen wartete, hörte die Geräusche, öffnete die Tür und sah, wie die Mutter das Kind zu erwürgen versuchte.

Sie schrie, die Mutter ließ das Kind fallen – das erste Mal wurde das Mädchen gerettet.

Dann gingen sie zum Fabrikvorsteher. Der fragte, was los sei.

Die Mutter sprach die Sprache nicht, also rief der Besitzer ihre Mutter an, die zusagte, dass sie am nächsten Tag kommen würde.

Im indischen Zug gibt es Toiletten mit einem Loch, durch das man das Kind fallen lassen kann, um es loszuwerden.

Der Fabrikbesitzer fragte sich, was er mit dem Kind machen sollte.

Er hatte einen Nachbarn, einen Pastor, der selbst nicht gläubig war, aber immer mit Problemen zu tun hatte.

Der Besitzer erzählte ihm von der Situation.

Der Pastor hatte zufällig eines unserer Seminare besucht und sagte, dass es eine Organisation gibt, die helfen kann.

Das alles spielte sich in den frühen Morgenstunden ab.

Simon und ich schalten nachts immer unsere Telefone aus, wegen der Strahlung, wir sind da sehr vorsichtig.

Simon konnte nicht schlafen, schaltete sein Telefon um vier Uhr morgens an.

Um viertel nach vier klingelte das Telefon: Es war der Pastor. Die Mutter käme in anderthalb Stunden an.

Simon weckte mich auf. Zu dem Zeitpunkt hatten wir vier Kinder.

Wir weckten alle unsere Kinder, fuhren anderthalb Stunden und holten dieses Mädchen ab – Röschen – und brachten sie nach Hause.

Ich weiß nicht, wie viele Zufälle es braucht, damit ein Kind lebt. Es ist einfach so kostbar.

Ich hatte das Mädchen lange bei mir. Es war wieder ein Schmerz, sie loszulassen.

Das ist das kleine Röschen.

Johanna und ihr Team leisten so eine wertvolle Arbeit.

Wie du mehr über sie erfahren und sie unterstützen kannst, findest du unter diesem Beitrag. Schau gern vorbei, sieh, was dich interessiert, wie du helfen kannst und wo du mehr Informationen bekommst.

Es passiert immer viel. Jede Frau, die hierher kommt, hat viel Ablehnung erlebt.

Es ist nicht nur das Life Center. Wir haben auch die Schwangerschaftsseelsorge, die telefonisch ist. Wir haben viele Projekte, darunter ein Altenheim.

Ich habe nur einen kurzen Einblick gegeben.

Ich muss ehrlich sagen, ich bin oft total erschöpft und müde.

Ich lebe außerhalb meiner Kultur und verstehe oft nicht, warum die Menschen so handeln.

Die Sprache ist eine andere, auch wenn ich sie ganz gut spreche.

Es gibt viel Not, nicht nur Abtreibung.

Ich homeschule unsere Kinder auch noch, ich habe fünf Schüler, die ich vollzeit unterrichte.

Ich bin oft überlastet und muss meine Ruhe suchen.

Dafür stelle ich mir jeden Tag den Wecker, bevor das Chaos beginnt.

Der Tag beginnt immer anders und kreativ, aber er beginnt.

Ich verbringe Zeit mit Gott, ohne das ginge es nicht.

Doch oft denke ich: Ich kann nicht mehr.

Neulich zeigte mir Gott eine Textstelle, die mich sehr herausforderte – im besten Sinn.

Ich möchte sie mit euch teilen, bevor ich fertig bin.

Es geht um das Volk Israel, das kurz davor war, ins verheißene Land einzuziehen.

Gott sagt: „Moment, stopp! Bevor ihr hineingeht, baut drei Städte!“

Diese Städte haben nur einen Zweck: Dass kein unschuldiges Blut vergossen wird.

Diese „Cities of Refuge“ – auf Deutsch heißen sie „Weihestädte“.

Das sind Städte, in die man fliehen kann, wenn man aus Versehen jemanden getötet hat, damit diese Person nicht aus Rache getötet wird.

Gott sagt auch: „Wenn ich euer Gebiet erweitere, baut noch drei weitere Städte.“

Ich habe gedacht: Wow! Gott sagt nicht: „Ich will, dass ihr ein Seelsorgezentrum baut.“

Er sagt: „Ich will, dass ihr Städte baut.“

Es muss uns etwas kosten, wir müssen investieren, es muss wesentlich sein.

Es ist ein Riesending zu sagen: „Ich mache diese Arbeit, ich will, dass Abtreibung in diesem Land undenkbar wird.“

Das kann keine einfache, entspannte Arbeit sein.

Es geht um Leben, um das Verhindern von unschuldigem Blutvergießen, um Blutschuld und Gericht.

Das ist eine große Sache.

Natürlich wird es anstrengend sein, das muss es auch.

Neulich war eine unserer Mädchen im Krankenhaus. Sie war minderjährig und Opfer von Gewalt.

Wir hatten ein privates Krankenhaus organisiert.

Sie war mehrere Tage dort, es gab Komplikationen.

Unsere Mitarbeiterinnen waren alle krank.

Ich fragte mich, was ich tun sollte.

Dann rief mich jemand aus einer anderen Stadt an, sieben Stunden entfernt, und bot Hilfe an.

Jessica, eine Softwareingenieurin im IT-Bereich, nahm sich frei, setzte sich sieben Stunden in den Bus und blieb im Krankenhaus bei der Patientin.

Dort gab es kein Bett für sie, sie musste auf dem Boden schlafen.

In indischen Krankenhäusern bekommt man kein Bett, wenn man nicht selbst Patient ist.

Jessica blieb drei Tage, obwohl sie eigentlich zurück wollte.

Sie sagte: „Braucht ihr noch jemanden?“

Ich sagte: „Unsere Mitarbeiter sind krank, aber bitte geh nach Hause.“

Sie blieb trotzdem.

Das muss uns etwas kosten. Es ist okay, aus der Komfortzone herauszukommen.

Dann zeigte mir Gott die Geschichte, und ich dachte: Was beschwere ich mich eigentlich?

Es geht um kleine Mäuschen wie Röschen und Aschu.

Wie kann ich sagen, das ist mir zu anstrengend?

Ich las eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ein kleines Dorf in Frankreich, Le Chambon, hat 5000 Juden gerettet.

Wie mutig waren diese Menschen, damit kein unschuldiges Blut vergossen wird!

Welche Ausreden geben wir Gott, dass wir nicht mutig sein dürfen?

Wir applaudieren diesen Helden, aber damals wussten sie nicht, ob sie ihr eigenes Leben oder das ihrer Kinder verlieren würden.

Sie waren bereit, alles zu opfern, weil es Gott wichtig war.

Das ist eine wichtige Erinnerung.

Vielen Dank, Johanna, das ist wirklich inspirierend.

Ich habe euch hier noch einen kleinen Einblick gegeben.

Unsere Kontaktdaten findet ihr unter diesem Beitrag.

Wenn ihr Interesse habt, mehr zu erfahren, oder unseren Rundbrief erhalten möchtet, könnt ihr euch gerne melden.

Wir können euch auf die Liste setzen, ganz wie ihr wollt.

Reaktionen aus verschiedenen religiösen Gruppen und Kirchen

Johanna, welche Reaktionen habt ihr bisher vor Ort erlebt? Genauer gesagt, wie reagieren Menschen mit hinduistischem oder muslimischem Hintergrund? Und könntest du auch kurz schildern, wie die Kirchen auf euch reagiert haben?

Das ist eine sehr gute Frage und das Thema ist äußerst interessant. Wie ich zu Beginn bereits sagte, sind die Türen für unsere Aufklärungsseminare weit geöffnet. Wir haben bisher kaum Gegenwind erlebt – abgesehen von einigen Gemeinden.

Traurigerweise gab es bei Gemeinden Widerstand. Auf einer riesigen muslimischen Konferenz mit über hunderttausend Teilnehmern hatten wir keinerlei Probleme. Ebenso konnten wir in streng hinduistischen Institutionen arbeiten. Der hinduistische Glaube ist im Grunde auch gegen Abtreibung. Man muss nur die passenden Texte finden und kann dann sagen: „Schaut mal, in eurem Buch steht das und das.“

Bei den Muslimen ist es ähnlich. Die meisten glauben, dass die Seele erst nach drei Monaten in den Fötus eintritt. Deshalb sind Babys in den letzten drei Monaten besonders gefährdet. Dennoch haben wir dort nie Gegenwind erlebt.

Einmal hatten wir vor einigen Jahren ein Wochenende geplant, um Frauen zu helfen, die bereits eine Abtreibung hinter sich hatten. Es ging darum, Heilung zu erfahren. Doch damals wurden wir tatsächlich aus dem Gemeindekampusraum verwiesen. Dabei steht in der Bibel klar, dass wir nicht abtreiben dürfen.

Ich denke an Exodus 20 oder 2. Mose 20,13: „Du sollst nicht morden.“ Ich frage mich, ob wir dafür noch einen Bibelstudienkurs brauchen oder ob das nicht relativ klar ist. Natürlich hat die katholische Kirche dieses Thema tief in ihrer Lehre verankert, und das ist großartig. Das fehlt uns manchmal ein wenig.

Zwar steht das Wort „Abtreibung“ nicht direkt in der Bibel, aber das Wort „Dreieinigkeit“ auch nicht. Deshalb ist die Frage, ob ich bereit bin, zu sehen, was Gott wirklich wichtig ist. Wie oft spricht er von unschuldigem Blut, das vergossen wird, und wie sehr er darüber zürnt.

Er sagt: „Geht in das Land, aber bitte nicht so.“ Wie gesagt, die Türen stehen grundsätzlich weit offen, und wir müssen diese Chancen nutzen.

In den Großstädten wird die Lage allerdings zunehmend schwieriger. Die Befürworter der Abtreibung investieren viel Geld und Ressourcen, um ihre Position zu stärken – und das wirkt sich negativ auf das Leben aus.

Empfehlungen für Gemeinden und Christen im Umgang mit dem Thema Abtreibung

Da schließt sich meine Frage vielleicht ganz gut an. Gerade habe ich in einem Podcast neulich sagen hören, dass, ich hoffe, ich zitiere dich richtig, etwa 42 Kinder täglich abgetrieben werden. Du hast gesagt, dass du dich fragst, was lauter ist: unsere Gebete, die zu Gott steigen, oder das Weinen der Kinder, die eben abgetrieben sind.

Und vielleicht jetzt im Anschluss an die Reaktionen, die ihr auch von den Kirchen erlebt: Was würdest du empfehlen, wie Gemeinden mit dem Thema umgehen sollen? Was können wir als Christen machen? Was kann ein Christ machen, der sagt, ich habe jetzt keine Social-Media-Plattform, ich bin in Deutschland oder wo auch immer sie das schauen? Was sind konkrete Schritte, wo du sagst, da kann man im Kleinen anfangen, und das ist unsere Aufgabe auch als Christen?

Also die 42 Kinder pro Tag – das ist mit diesen 15,6 Millionen, und ich habe schon mit vielen Gynäkologen hier gesprochen. Die haben gesagt, Johanna, das ist die Spitze des Eisbergs, es sind wahrscheinlich noch mehr. Und ja, genau, das Schreien, das unschuldige Blut, das zum Himmel schreit, das lesen wir ja mit Kain und Abel, wo Gott sagt: „Hey Kain, das Blut deines Bruders, das höre ich hier oben.“ Und da kam der Gedanke her: Wie klingt das? Ich will das, glaube ich, gar nicht hören.

Ich sprach vorhin, wie es klingt, wenn Brandopfer schreien – das muss noch... Also, ich will es mir nicht vorstellen. Weißt du, manchmal sagt man: „Gott, zeig mir, wie du die Welt siehst.“ Und ich sage immer: „Gott, zeig mir bloß nichts.“ Genau.

Aber wie können Christen reagieren? Ich glaube, wir sollten uns diese Le Chambon, die Franzosen, mal als Vorbild nehmen und mutiger werden. Wir haben keinen Grund, Angst zu haben, denn „For I have given you a spirit of boldness and not of fear.“ Also, wir haben den Geist, einen mutigen Geist, in uns. Und wir sollten keine Angst haben, über die Wahrheit zu sprechen.

Und dann würde ich, wie gesagt, was sich neulich auch gesagt hat – und das kann man im Kleinen machen, das kann man mit dem Nachbarn machen, das kann man mal einfach so fallen lassen, also zwischendurch –, oder tatsächlich wirklich einfach sich bilden. Und das ist natürlich schon unsere Aufgabe, diese Debatte auf einer emotionalen Ebene zu führen, vor allem wenn du jemanden vor dir hast, der sich vielleicht schuldig fühlt, weil er oder sie eine Abtreibung hinter sich hat.

Da bringt es gar nichts, das auf emotionaler Ebene zu führen. Gerade auch, wenn du jetzt Christ bist und mit einem Nichtchristen sprichst, dann bringt es auch nichts zu sagen: „Ja, aber Gott denkt das.“ Wenn mir jemand im Klima sagt: „Hey, im Koran steht geschrieben...“ Johanna, du darfst nicht“, dann sage ich: „Mir schnurz, der Koran ist nicht meine Autorität, zu der ich mich beuge.“

Insofern müssen wir uns ganz faktisch mit dem auseinandersetzen, was wir beibringen. In unseren Seelsorgekursen ist es wirklich einfach: „Hey, wenn ich eine Frau vor mir habe, die in einer Krisenschwangerschaft ist, dann muss ich wissen, wie weit sich ihr Kind entwickelt.“ Wenn ich weiß, die ist jetzt dreizehn Wochen, dann muss ich wissen: „Okay, hey, dein Kindchen macht das schon, das Kindchen das.“ Und wenn du jetzt eine Abtreibung hättest, dann würde das so aussehen. Denn der Arzt wird der Frau nicht sagen, wie die Abtreibung vonstattengeht. Und das sind übrigens die möglichen Konsequenzen.

Das heißt: Bildet euch, sprecht die Wahrheit, seid mutig. Wenn ihr nichts machen könnt, unterstützt! Es gibt Organisationen in Deutschland, die brauchen eure Unterstützung. Weltweit brauchen wir Unterstützung.

Ich habe einen guten Freund von mir, der auch bei Ärzte für das Leben mitarbeitet. Der rief mich neulich hier in Indien an und sagte: „Johanna, kennst du irgendwelche Deutschen, die jünger als 55 sind und die mit der Lebensrechtsbewegung irgendwie da was machen wollen? Wo seid ihr, junge Leute? Steht doch auf!“ Ja, bitte, ich verbinde dich sofort mit ihnen, ganz ehrlich.

Also es fehlt, es ist ein Mangel an Commitment, an „Hey, ich bin mit dabei, ich würde etwas verändern“, und wenn es nur das eine Kind ist.

Ja, vielen Dank, das sind richtig gute Punkte, wo man direkt starten kann.

Einfluss der westlichen Kultur auf Indien

Johanna, was würdest du uns sagen? Wie wirkt denn unsere westliche Kultur, die wir in Europa, in Westeuropa, in den Staaten, in den USA haben, auf euch in Indien, in Tamil Nadu?

Ja, das ist schon traurig so zu sehen. Der Westen wird halt immer vergöttert. Viele glauben hier an Karma und sagen: „Ich bin in dieses Land geboren, weil ich im letzten Leben so schlecht war. Wenn ich gut gewesen wäre, dann wäre ich in Amerika geboren worden.“ Das ist immer so dieses Underdog-Denken. Alles, was aus dem Westen kommt, wird bewundert.

In unseren Aufklärungsseminaren sprechen wir auch ganz viel darüber. Wir sagen: „Hey, ihr habt so wunderbare Werte in eurer Kultur! Steht doch dazu!“ Familienwerte, Hilfsbereitschaft – wenn ihr nach Indien kommt, denkt an Jessica, die gekommen ist, um hier zu helfen. Wenn du Hilfe brauchst, setzt sie sich in den Bus und fährt sieben Stunden, um dir zu helfen. Das ist doch ganz klar. Es sind so wunderbare Werte in dieser Kultur, wie Gastfreundschaft. Da kann ich noch so viel von lernen.

Aber es wird alles rausgeschmissen. Alles, was aus dem Westen kommt, gilt als wunderbar und prächtig. Deswegen ist es auch so wichtig, dass Leute aus dem Westen, wie ich oder andere, sich hier nicht einfach wie am Strand im Bikini benehmen. Wir sollten uns der Kultur anpassen und uns kulturell angemessen verhalten. Vielleicht sogar noch mehr die Kultur ehren und das Leben wertschätzen, das hier gut ist.

Ich sage nicht, dass alles gut in dieser Kultur ist – man sehe, wie die Frauen behandelt werden. Aber es gibt auch Gutes. Was wir den Leuten hier beibringen wollen, ist, kritisch zu denken. Und das ist unglaublich schwierig. Denn du lebst hier in einer sehr hierarchischen Kultur. Wenn der Arzt sagt, so und so wird es gemacht, dann wird es so gemacht. Du hinterfragst nichts.

Das ist sehr autoritär und unterordnend. Wenn ich ein Gespräch mit einer Person habe, die ich noch nicht kenne, stellt diese Person zwischen den Zeilen Fragen, um herauszufinden, wie viel ich verdiene, was meine Ausbildung ist, ob ich das Haus miete oder ob es mir gehört. Das alles nur, um zu wissen: Schaue ich zu dir hoch oder schaust du zu mir hoch?

Diese Hierarchie, das ist ja auch das Kastensystem. Alles ist hierarchisch: Du bist mehrwertig, ich bin wenigerwertig. Kritisches Denken ist da natürlich komplett ausgeschaltet. Das gehört nicht dazu.

Und der jungen Generation sagen wir: Wenn ihr etwas aus dem Westen nehmt, dann nehmt bitte das kritische Denken. Wobei das gerade im Westen auch ein bisschen flachläuft, muss ich sagen.

Meinst du, dass das dann den Weg umso mehr bereitet für die Abtreibungslobby, die kommt? Planned Parenthood oder vielleicht auch Pornomedien, die im Westen produziert werden? Dass all das dann noch weniger kritisch betrachtet wird, eben auch, weil es aus dem Westen kommt?

Ja, genau, das ist es halt. Der Westen ist reich. Und wer reich ist, muss es ja richtig machen, weil er es ja gut im Leben hat. Das ist so ein trauriger Teufelskreis.

Okay, danke. Ja, im wahrsten Sinne. Vielen Dank dir, Johanna Dureirac. Ich bedanke mich von ganzem Herzen.