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Dieses Video ist für dich. Mein heutiger Gast ist ein begeisterter Musiker und begnadeter Prediger. Freut euch mit mir auf Rudi Thyssen.
Rudi ist Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Unna und gehört dem Vorstand von Evangelium 21 an. Davor war er einige Jahre Mitglied im Leitungskreis von Josia Truth for Youth, dem Jugendnetzwerk von Evangelium 21. Er studierte Theologie in Hannover, Heidelberg und Kampen in den Niederlanden.
Außerdem ist Rudi verheiratet und Vater einer Tochter. Er ist ein begabter Lobpreiser und schreibt sogar selbst Lobpreislieder, wie zum Beispiel das Lied „Soli Deo Gloria – allein Gott die Ehre“. Genau darum soll es heute gehen.
Einführung in das Thema Anbetung und persönliche Nachfolge
Ich möchte mit Rudi darüber sprechen, was Anbetung ist und wie sie sich in der persönlichen Nachfolge ausdrücken kann. Vor allem aber auch, wie sie in der Gemeinde Jesu, in der Gemeinschaft mit anderen Christen, erlebt wird.
Ich verspreche euch, dass ihr durch dieses Gespräch geistlich sehr erbaut werdet. Eure Blicke werden auf unseren wunderbaren und herrlichen dreieinigen Gott gerichtet sein, denn Rudi hat eine große Leidenschaft für die Ehre Gottes – und für unsere Freude an ihm.
Ja, Ruth, ich freue mich, dass du heute mein Gast bist und dass wir über ein Thema sprechen, das ich sehr spannend finde: Anbetung, und zwar auch im Zusammenhang mit Gemeinschaft und Gottesdienst.
Deshalb denke ich, ist es zunächst gut, wenn wir am Anfang klären – oder wenn du das klärst –, was Anbetung eigentlich ist. Wie würdest du diesen Begriff definieren? Und was sagt uns die Bibel zu diesem Thema?
Was bedeutet Anbetung? Eine grundlegende Definition
Ja, es ist wirklich toll, dass wir darüber sprechen können. Ich finde, das ist ein unglaublich spannendes und wichtiges Thema – nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen.
Dazu möchte ich gleich mit meiner ersten These beginnen: Ich glaube, Anbetung ist kein Thema, über das nur Christen nachdenken sollten. Eigentlich sollte jeder Mensch darüber nachdenken. Ich fand es einmal sehr spannend, dass der atheistische Autor David Foster Wallace in einer Rede vor Studenten gesagt hat, es gebe so etwas wie „keine Anbetung“ gar nicht. Er meinte damit, dass jeder Mensch irgendetwas oder jemanden in seinem Leben den höchsten Wert zuschreibt. Und das tut wirklich jeder.
Dabei wechseln wir im Laufe des Lebens manchmal zwischen verschiedenen Dingen. Mal ist es die Karriere, mal der Ehepartner, mal die Kinder oder etwas anderes. So würde ich auch, zunächst losgelöst von der Bibel, Anbetung definieren: Anbetung bedeutet, einer Sache den höchsten Wert in meinem Leben zuzuschreiben. Das kann eine Person sein, eine Sache oder auch ein Wert, der für mich besonders wichtig ist. Ich schreibe diesem einen Wert den allerhöchsten Stellenwert zu, höher als allen anderen. Diese Sache ist für mich so wichtig, dass mein Herz dafür schlägt und ich darin die größte Freude finde, wenn ich sie erlebe oder habe.
Ich glaube, diese Definition von Anbetung stimmt tatsächlich mit dem überein, was wir in der Bibel finden. Wenn wir in der Bibel nachsehen, wie dort über Anbetung gesprochen wird, dann sehen wir genau das.
Wenn wir Anbetung als ein festes Element des Menschseins verstehen und dann schauen, wie die Bibel das beschreibt, dann beschreibt sie Anbetung in Bezug auf Gott so, dass Anbetung bedeutet, Gott den höchsten Wert zuzuschreiben. Anbetung heißt, Gott mehr als alles andere wertzuschätzen, ihn zu lieben und dadurch, gerade weil ich das tue, ihn mehr zu ehren und zu verherrlichen als alles andere.
Man merkt dabei auch sehr stark, dass Anbetung viel mit Freude und Liebe zu tun hat. Das, was ich gerade gesagt habe, hat John Piper einmal so beschrieben: Anbetung bedeutet, Gott als erfüllender und wertvoller zu bekennen und zu erfahren als alles andere.
Das zeigt, wie tief Anbetung geht, wie sehr sie unser Herz berührt. Kein Mensch kann sich dem entziehen, weil das tief in uns Menschen eingraviert ist – egal, ob wir Christen sind oder nicht. Genau.
Anbetung als menschliche Grundausrichtung
Ja, so könnte man sagen, dass du es richtig verstanden hast. Jeder Mensch betet letztlich irgendetwas an, egal ob er gläubig ist oder nicht. Jeder hat irgendwie diesen Drang oder es ist ihm ins Herz gelegt.
Die Bibel spricht ja auch davon, dass Gott uns die Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Ich glaube einfach, dass im Herzen jedes Menschen diese Ausrichtung darauf liegt, sich an etwas zu verschenken. Es geht um die Ausrichtung in unserem Herzen, etwas mehr als alles andere zu lieben.
Das hat Gott in uns hineingelegt, denn unser Schöpfer hat uns so geschaffen, dass wir für Anbetung geschaffen sind – nämlich ihn anzubeten und ihn mehr als alles andere zu lieben. Wir wurden für Freude geschaffen.
Das ist auch der Grund dafür, dass jeder Mensch, egal ob Christ oder nicht, am meisten nicht von seiner kognitiven Ebene, sondern von der Faszinationsebene, von der Freudeebene angetrieben wird. Die meisten Dinge, die wir im Alltag tun, oder auch die großen Entscheidungen unseres Lebens, treffen wir nicht auf der Grundlage von Ratio oder Logik. Auch wenn diese wichtig sind, treffen wir sie vor allem auf Grundlage von Faszination und Freude. Wir versprechen uns davon Glück und Erfüllung.
Deshalb glaube ich, dass jeder Mensch ein Anbeter ist. Mensch zu sein bedeutet, Anbeter zu sein. Das sieht man schon auf den ersten Seiten der Bibel. Eine der ersten großen Berufungen, die der Mensch von Gott bekommt, ist Priester zu sein.
Deshalb kann sich, glaube ich, kein Mensch dem entziehen. Deshalb fand ich es so spannend, was der Autor David Foster Wallace gesagt hat. Er meinte, es ist wie mit dem Fisch im Wasser – Anbetung ist für uns so selbstverständlich, dass wir gar nicht anders können. Wir können nicht nicht anbeten; wir werden es die ganze Zeit tun.
Ich fand es total spannend, wie er dann auch sagte, dass die Entscheidung, Gott anzubeten und etwas anderes nicht, vielleicht deswegen richtig ist, weil alles andere außer Gott uns zerstören wird, wenn wir es anbeten. Das fand ich besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass er Atheist war.
Warum ist Gott anbetungswürdig?
Da würde ich vielleicht noch einmal kurz nachhaken, denn genau das ist ja vielleicht eine provokante Frage: Warum ist es Gott wert, sozusagen angebetet zu werden? Warum nicht zum Beispiel mein Hobby, mein Partner oder meine Familie – all das, was heutzutage in der Welt kursiert? Warum ist es Gott wert?
Was würdest du jemandem sagen, der noch gar keine Verbindung zu Gott hat und ihn überhaupt nicht kennt? Warum ist er wert, angebetet zu werden?
Ich würde vielleicht sogar anders anfangen. Ich würde einem Nichtchristen sagen: Warum solltest du Gott anbeten und nichts anderes? Denn alles andere, was du an die Stelle von Gott selbst setzt, wird dir nicht die Erfüllung geben, nach der sich dein Herz sehnt.
Diese Sache, egal wie gut sie auch sein mag – sei es deine Familie, dein Job oder was auch immer – sie ist nicht in der Lage, dir die Ruhe, den Frieden, die Erfüllung und das Glück zu geben, für die dein Herz geschaffen wurde.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Ich glaube wirklich, dass allein die Anbetung unseres Schöpfers unser Herz wirklich heilen kann. Eine fehlgeleitete Anbetung, also die Anbetung von etwas Geschöpflichem, etwas Vergänglichem, wird irgendwann unser Herz zerstören.
Nehmen wir zum Beispiel Geld. Wenn Geld für mich zum Gott wird, den ich anbeten, in den ich alles investiere, weil ich mir davon Sicherheit, Glück oder Anerkennung von Menschen verspreche, dann werde ich immer mehr investieren, um noch mehr Geld zu haben. Es gibt keine Grenze. Ich will immer mehr haben. Es gibt nie diesen Punkt, an dem ich sage: „Jetzt ist genug.“ Denn es wird immer jemanden geben, der mehr hat.
Andersherum könnte ich auch sagen: „Okay, ich verstehe, Rudi, Geld und Luxus sollte ich nicht anbeten. Aber was ist mit meinem Ehepartner? Den soll ich doch über alles lieben.“ Ja, das sollst du. Aber wenn du dir von deinem Ehepartner das höchste Glück, die größte Befriedigung und Erfüllung versprichst, dann wirst du deinen Ehepartner damit zerstören. Denn dein Ehepartner ist nicht in der Lage, dir das zu geben, wonach dein Herz sich sehnt. Er wird das nicht schaffen. Er ist auch nur ein Mensch.
Um deiner selbst willen und um der Menschen willen, die Gott dir in dein Leben gestellt hat, bete Gott an. Er allein schafft es, dieses Loch in deinem Herzen zu füllen und dir die Erfüllung zu geben, nach der du dich sehnst. Und er allein – und das ist natürlich auch der biblische Anspruch – verdient diese Anbetung. Denn er ist kein Geschöpf. Er ist der Schöpfer, und wir sollen den Schöpfer anbeten und nicht das Geschöpf.
Genau, ja. Amen dazu. Das kann ich persönlich auch aus meiner eigenen Erfahrung hundertprozentig unterschreiben. Es ist auch meine Geschichte, diesen höchsten Wert in Gott zu finden – seine Freude, seine Erfüllung, seinen Frieden.
Vielen Dank, dass du uns das noch einmal so deutlich vor Augen gemalt hast.
Unterschied zwischen Anbetung und Lobpreis
Vielleicht noch eine andere Frage: Häufig habe ich zumindest den Eindruck, dass in Gemeinden Lobpreis und Anbetung synonym verwendet werden. Was würdest du sagen: Ist Anbetung gleich Lobpreis, oder gibt es da einen Unterschied?
Ja, gute Frage. Ich würde sagen, Anbetung ist sozusagen der Oberbegriff, der unser gesamtes Leben beschreibt. Paulus spricht zum Beispiel in Römer 12 von einem großen Gottesdienst, den wir mit unserem ganzen Leben vollziehen – mit unserem Körper, mit unserem Dasein, mit dem Einsatz unserer Finanzen, mit allem.
Lobpreis ist also eigentlich Teil unserer Anbetung. Wenn wir zum Beispiel unter Lobpreis den Gesang im Gottesdienst oder auch den Gesang verstehen, den ich als einzelne Person, als einzelner Christ vollziehe, dann würde ich sagen: Ja, Lobpreis gehört zur Anbetung, aber Lobpreis ist nicht gleich Anbetung.
Das ist, glaube ich, auch ein großes Problem, das wir manchmal in christlichen Kreisen haben. Leute sagen dann: „Ich mag es auch bei uns in der Gemeinde, wenn wir so einen Worship-Abend haben, einen Lobpreis-Abend.“ Das finde ich total toll, wenn man sich ganz bewusst auf den Lobpreis Gottes ausrichtet.
Aber die Gefahr, die ich oft sehe, ist, dass wir Anbetung zu einem Event machen und nicht zu einem Lebensstil. Wir machen Anbetung zu einem Moment von 90 Minuten, aber nicht zu einer Lebens- und Herzensausrichtung. Darum geht es am Ende.
Dieser Lobpreis kann uns helfen, zurück in diese Lebensausrichtung, in diese Herzensausrichtung zu kommen. Aber ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass wir als Gemeinden lernen zu verstehen, dass Lobpreis eben nicht gleich Anbetung ist, sondern Teil unserer Anbetung. Lobpreis kann uns helfen, immer wieder zurückzukehren zu dieser ganzheitlichen Anbetung.
Gottesdienst als Lebensstil und Gemeinschaftserlebnis
Wir wollen in diesem Gespräch unter anderem darüber reden und nachdenken, was das Thema Anbetung mit dem Thema Gottesdienst zu tun hat. So wie wir es bei der Anbetung getan haben, würde ich auch gerne zunächst von dir wissen: Was ist eigentlich Gottesdienst? Wie definierst du diesen Begriff? Und natürlich auch hier die Frage: Was sagt uns das Wort Gottes dazu?
Genau, auch das Thema Gottesdienst. Ich hatte ja gerade schon Römer 12,1-2 erwähnt. Dort spricht Paulus von einem Gottesdienst. Er meint an dieser Stelle aber nicht den Gottesdienst, den wir oft meinen, also den sonntäglichen Gottesdienst. Vielmehr bezeichnet er damit das Leben des Gläubigen als Gottesdienst, als Bühne – als große Bühne, auf der Gott die Ehre gegeben werden soll.
Das ist der eine Gottesdienst, den wir alle leben, von Montag bis Samstag, und den wir leben sollten. Dieser Gottesdienst ist ganz, ganz entscheidend. Aber ich glaube auch, dass die Bibel von einem anderen Gottesdienst spricht, nämlich von der Versammlung der Gläubigen.
Der Hebräerbrief in Kapitel 10 spricht davon, dass die Gläubigen sich versammeln, um sich gegenseitig auszurüsten, zuzurüsten und zu ermutigen. Im ersten Korintherbrief lesen wir viel von diesem Treffen der Gläubigen, die zusammenkommen, um Gaben einzusetzen, sich gegenseitig im Glauben zu stärken und gemeinsam Lieder zu singen.
Der Kolosserbrief spricht davon, dass wir zueinander singen sollen. Dafür muss man sich ja erst einmal treffen, damit das möglich ist. Und in der Apostelgeschichte, ganz am Anfang, als die erste Kirche entsteht, sehen wir, dass sie sich regelmäßig getroffen haben, um das Abendmahl zu feiern, gemeinsam zu beten und auf das Wort Gottes zu hören.
Das ist das Neue Testament. Aber auch im Alten Testament sehen wir es ganz deutlich. Die jüdische Tradition hatte das ebenfalls. Sie trafen sich regelmäßig, um auf die Tora zu hören und gemeinsam zu singen. Die jüdische und die christliche Tradition hängen sehr eng zusammen, weil wir ja aus ihr entstanden sind. Auch dort, besonders in den Psalmen, ruft Gott uns immer wieder dazu auf, ihm gemeinsam als Volk Gottes, als Kinder Gottes, zu begegnen, ihn anzubeten und auf sein Wort zu hören.
Das ist eben der andere Gottesdienst. Wenn du mich jetzt nach einer Definition fragen würdest, dann würde ich sagen: Gottesdienst bedeutet oder ist das wöchentliche oder regelmäßige Zusammenkommen des Volkes Gottes, der Kinder Gottes, um Gott zu begegnen, ihn anzubeten und sich gegenseitig im Glauben zu stärken.
Dabei gibt es eine vertikale Ebene, die Beziehung zu Gott, und eine horizontale Ebene, die Beziehung untereinander. Es geht immer in beide Richtungen. Dieser Gottesdienst dient uns auch dazu, für den Alltagsgottesdienst ausgerüstet zu werden – sozusagen für den Gottesdienst im Alltag.
Bedeutung der physischen Gemeinschaft im Gottesdienst
Vielen Dank, Rudi, für deine Ausführungen. Wir haben jetzt schon gehört, wie wichtig Gottesdienst ist. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die physische Gemeinschaft der Gläubigen von einigen Christen eher gering geschätzt wird. Ich habe auch mit anderen Leuten gesprochen, die tragende Verantwortung in der Gemeinde haben. Seit ungefähr 2020 boomen Livestreams. Jeder kennt den Grund dafür. Viele Christen beschränken sich gefühlt darauf, immer mehr einfach in einer Online-Gemeinde zu leben.
Wenn du jetzt so jemanden vor dir sitzen hättest, der sagt: „Mir reicht es, bei YouTube meine Predigt zu hören“, was würdest du diesem Menschen entgegnen?
Seid gehorsam! Nein, ich kann es voll verstehen, dass es total angenehm und komfortabel ist, zuhause zu sitzen und sich den Gottesdienst anzuschauen. Im schlimmsten Fall kann man wegklicken, falls einem nicht gefällt, was der Pastor gerade sagt. Aber genau das ist ja das Problem. Gottesdienst bedeutet ja mehrere Dinge. Unter anderem bedeutet es, dass ich mich ganz bewusst der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott und der Gemeinschaft mit seiner Kirche aussetze.
Ich suche mir nicht die Gemeinschaft aus, sondern ich wurde hineingerufen. Ich wurde hineingerufen in eine universelle Gemeinschaft, aber auch in eine sichtbare Gemeinschaft. Das ist so ein ganz wichtiges Ding, das einfach verloren gegangen ist, glaube ich, auch in deutschen Gemeinden: dieser Gedanke, diese krasse Trennung, die wir in unserem Kopf manchmal haben zwischen universeller und lokaler Gemeinde. Die Bibel macht das nicht.
Die Bibel macht das nicht. Im christlichen Glauben gibt es natürlich diese unsichtbare große Dimension. Ja, wir fühlen uns vereint mit allen Christen an allen Orten zu allen Zeiten. Amen dazu, absolut. Aber die Bibel unterscheidet nicht so radikal zwischen universeller und lokaler Gemeinde. Sie denkt eher, dass die universelle Gemeinde in der lokalen Gemeinde sichtbar wird.
Der christliche Glaube ist inkarnatorisch, er ist sichtbar. Das heißt, ich habe Geschwister, die ich sehen, anfassen und riechen kann. Ich werde einem sichtbaren Volk hinzugefügt und soll auch sichtbar mit diesem Volk leben, mit dieser Kirche.
Bei allem, was die Livestream-Gottesdienste auch an Segen gebracht haben – das erleben wir ja selbst –, wie viele Menschen dadurch erreicht wurden und wie viele Menschen auf uns aufmerksam wurden, auch in unserer Stadt, die gar nicht wussten, dass wir da sind, ist das total schön. Aber es gibt so etwas nicht wie virtuelle Kirche. Es gibt nur eine inkarnatorische, leibliche Kirche, zu der ich komme, wo Menschen mich sehen und auch meinen Glauben sehen.
Und da würde ich auch einfach ganz viele, vielleicht eher junge Christen, aber ich glaube, das betrifft alle Altersgruppen, ermutigen: Du gehst zum Gottesdienst nicht in erster Linie wegen dir. Du gehst wegen der anderen dahin. Du ermutigst andere dadurch, dass du da bist – und zwar nicht nur deine Pastoren, die hoffen, dass du mal wieder da bist, sondern auch andere.
Das ist auch das Thema Singen. Ich sage immer Leuten, wenn sie im Lobkreis sagen: „Ja, nee, ich bin nicht so der Sänger“, dann ist das genau das Problem. Du denkst, du singst für dich, aber du singst vielleicht für den, der gerade nicht singen kann, weil er so entmutigt ist. Sing für den!
Diese Haltung zu verändern, dieses Denken zu verändern, spricht Paulus im ersten Korintherbrief durchgehend an. Die Christen damals haben nur an sich gedacht und an ihre Gaben, aber nicht an den anderen. Paulus sagt immer wieder: Wenn ihr zusammenkommt, lasst euren Egoismus weg und denkt an den anderen. Ihr seid hier zur Erbauung und Ermutigung des Anderen.
Deshalb würde ich Menschen ermutigen, zum einen ihr Denken über Kirche und Gemeinde zu verändern. Gemeinde ist etwas Sichtbares, etwas Erlebbares. Dort wird das Evangelium inkarniert, also sichtbar in unserem Miteinander.
Das ist das eine. Das andere ist, die Haltung zu verändern: „Mir gefällt der virtuelle Gottesdienst besser.“ Ja, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass du einem Volk hinzugefügt wurdest, um diesem Volk zu dienen, diesen Geschwistern zu dienen. Das kannst du in einer virtuellen Kirche auf jeden Fall nicht so gut wie in einer echten, sichtbaren Lokalgemeinde.
Deswegen würde ich wahrscheinlich so reagieren. Ich habe da noch viel mehr zu sagen, aber das liegt mir sehr auf dem Herzen: Menschen sollen gerade merken, dass wir manchmal den Eindruck haben, die Ortsgemeinde brennt nicht mehr so. Es gibt so viel anderes, so viele coole Prediger im Internet und so weiter.
Aber Gottes Idee für dich ist, dass du Teil einer Ortsgemeinde bist. Mit diesen Geschwistern, die auch manchmal komisch sind und die dich komisch finden, gemeinsam Gott anbetest, ihm nachfolgst und ihn anbetest.
Ja, dazu einfach die Leute ermutigen, genau.
Anbetung als Lebensstil im Alltag und Beruf
Ein wichtiger und tiefer Punkt von Rudi hilft dabei, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Wir haben alles bereits vorbereitet, damit du jetzt gern die Glocke unten rechts unter dem Video drücken kannst. Der Algorithmus übernimmt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Klarheit von Rudi. Danke dafür.
Sehr gut. Ja, ich glaube, es ist auch häufig so – zumindest in meiner Wahrnehmung –, dass Leute sagen: „Die Gemeinde passt nicht, weil da der Lobpreis so ist, oder die Predigt so, und so weiter.“
Nur ein Gedanke noch von mir, der mir immer sehr hilft, auch beim Thema Gemeindesuche und Einbringen in eine Gemeinde: Zied Spürtchen hat mal gesagt, wenn es eine perfekte Gemeinde gäbe, und man nicht dahin ginge, wäre sie nicht mehr perfekt.
Ich glaube, das ist eine Herzenshaltung, die wir alle an den Tag legen sollten. Genau, dann fällt es uns, glaube ich, auch leichter, in die Gemeinde zu gehen und dort zu dienen.
Genau, danke dir für diesen wichtigen Impuls. Wir wollen – ich hatte es schon angekündigt – auch ein Stück weit das Thema Anbetung und Gottesdienst besprechen: Wie stehen diese in Beziehung zueinander? Vielleicht gehen wir wieder zurück zum Thema Anbetung: Wie kann lebendige Anbetung in meiner persönlichen Nachfolge aussehen?
Aber warum brauchen wir trotzdem – und ich denke, das hast du auch schon angerissen – Teile davon, diese gemeinsame Anbetung im Gottesdienst?
Anbetung im Alltag und in Beziehungen
Kann sehr, sehr unterschiedlich aussehen beziehungsweise sich auf verschiedene Ebenen beziehen. Anbetung umfasst alles und ist ganzheitlich. Das bedeutet, Anbetung in meinem Alltag beginnt schon damit, wie ich meine Prioritäten setze. Hat Gott einen Platz in meinem Alltag? Das ist die erste Frage.
Das nächste ist, dass Anbetung auch damit zu tun hat, wie ich die Menschen wertschätze, die Gott mir in mein Leben gestellt hat und für die ich Verantwortung trage – meine Frau, meine Tochter. Wie ich mit ihnen umgehe, ist entscheidend. Denn in meinem Umgang mit ihnen bin ich dazu berufen, ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie Jesus liebt und wie er ist. Damit ehre ich ihn. Wenn ich ihnen jedoch einen schlechten Eindruck davon gebe, ehre ich ihn nicht.
Das betrifft natürlich die Beziehungen, aber auch meine Berufung. Ich bin Pastor, und man könnte denken, das ist dann einfach. Doch das ist es nicht. Auch ich kann meinen Dienst für mich selbst machen. Ich kann ihn so ausüben, dass die Leute mich cool finden, mir auf Instagram folgen oder die YouTube-Klicks steigen. Oder mache ich das, damit Jesus groß wird? Mit welcher Haltung gehe ich an meinen Dienst heran?
Das Gleiche gilt für jeden anderen, egal ob du Krankenschwester oder Automechaniker bist. Du kannst deinen Job zur Ehre Gottes machen, indem du ihn gut und verantwortungsbewusst ausführst. Indem du den Menschen dienst, weil sie Geschöpfe deines Herrn sind. Das heißt, es gibt keinen Bereich in deinem Leben, in dem du nicht die Möglichkeit hast, Gott zu ehren.
Du kannst ihn zum Beispiel jedes Mal ehren, wenn du ein richtig leckeres Essen genießt und dem Schöpfer von ganzem Herzen dankst, dass es so gut schmeckt und nicht alles nach Gurke schmeckt. John Piper hat einmal davon gesprochen, wie man ein Glas Orangensaft zur Ehre Gottes trinkt. Für mich war diese Frage damals überraschend. Aber genau das ist es.
Bei uns ist Anbetung oft auf bestimmte Bereiche unseres Lebens beschränkt. Doch Anbetung umfasst alles. Und das macht das christliche Leben so genial und zu einer großen Möglichkeit, Gott die Ehre zu geben. Wir müssen einfach wieder dahin kommen, zu verstehen, dass unser gesamtes Leben eine große Bühne ist, auf der Jesus groß werden darf.
Dann denke ich anders über viele Dinge nach: den Einsatz meiner Zeit, meines Geldes, wie ich meine Freizeit gestalte und wie ich mit Menschen umgehe. Einfach alles wird zur Möglichkeit der Anbetung. Das ist ein sehr spannendes und herausforderndes Thema.
Die Bibel sagt uns das auch. Paulus schreibt: "Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes." (1. Korinther 10,31) Und ja, ich finde das richtig gut.
Umgang mit Stolz und Selbstinszenierung in sozialen Medien
Vielleicht darf ich bei einer Sache noch nachhaken, die viele Leute betrifft. Du hast auch von den sozialen Medien gesprochen und wie groß die Gefahr ist, sich selbst sozusagen groß zu machen. Dabei geht es ja nicht darum, dass wir groß werden, sondern dass unser wunderbarer Herr Jesus Christus groß gemacht und angebetet wird.
Du bist ja auch recht viel in den sozialen Medien aktiv. Wie schützt du dich selbst vor dieser Gefahr des Stolzes? Vielleicht hast du ein, zwei Tipps für Leute, die viel in den sozialen Medien unterwegs sind oder denen folgen, die viel Reichweite haben. Dort entsteht ja auch eine gewisse Gefahr. Ich will jetzt nicht von Anbetung sprechen, aber du weißt, wie ich es meine: Man setzt jemandem einen offenen Platz, wo eigentlich nur Jesus hingehört.
Vielleicht erst mal zu mir selbst: Ich bin im Vergleich zu anderen noch relativ wenig aktiv, was das angeht. Aber ich weiß natürlich, was das mit meinem Herzen macht, wenn ich höre, dass Menschen meine Predigten hören. Auf der einen Seite freue ich mich, aber im nächsten Moment weiß ich auch, dass es eine Versuchung ist. Ich versuche, mir das mal blöd ausgedrückt vor Augen zu halten: Man könnte denken, man könnte sich ein Denkmal bauen.
Es ist einfach so böse, dass Satan es schafft, den Dienst, den du für Christus tust, umzudrehen und daraus eine Möglichkeit macht, dir selbst die Ehre zu geben. Da muss ich mich immer wieder selbst prüfen: Warum mache ich das jetzt? Warum poste ich das jetzt?
Ich habe für mich einen kleinen Grundsatz, den ich nicht öffentlich gepostet habe, den ich mir aber nehme: Ich will möglichst wenig über mich selbst posten, über das, was ich alles mache oder was ich für Jesus getan habe.
Manchmal habe ich auch meine Zweifel an manchen Dingen, die ich im christlichen Kontext sehe. Wenn Leute ganz viel davon zeigen, wie sie Jesus nachfolgen und was sie alles für ihn tun, frage ich mich: Reden sie am Ende wirklich noch viel über Jesus oder eher über das, was sie tun?
Ich will niemandem zu nahe treten, und ich glaube, viele tun das aus reinen Motiven. Jeder muss sein Herz selbst prüfen. Aber wenn viele Personen im Vordergrund stehen und nicht Christus, dann ist etwas aus der Balance geraten.
Bei Leuten, die anderen folgen, finde ich es erst mal gut, dass es auch gute christliche Influencer gibt, die guten Input und Inhalte nach draußen bringen. Ich folge selbst einigen, die ich für ihre theologische Expertise schätze.
Aber gerade jungen Menschen würde ich immer wieder sagen: Prüft alles, egal wie gut es aussieht, anhand des Wortes Gottes.
Mein Bruder und Freund Alex Reindl hat es mal sehr gut gesagt: Der Ort, an dem du in erster Linie geprägt und geformt werden sollst, ist deine Ortsgemeinde – nicht Social Media. Denn dort kannst du einfach aussuchen, was dir gefällt und was gut aussieht.
Ich fürchte leider, dass viele junge Menschen gerade dort geformt werden und sich formen lassen. So entsteht der Gedanke zwischen einer sichtbaren Kirche, die eigentlich der Ort dafür ist, und einem virtuellen Raum, der manchmal vorgezogen wird. Dieser virtuelle Raum bleibt oft ohne Verantwortung. Dort kannst du schauen, was du willst, und wegklicken, wenn es dir nicht gefällt. Aber so funktioniert keine Herzensformung.
Deshalb möchte ich junge Menschen ermutigen: Folge guten Instagram-Accounts und Influencern, höre dir an, was sie sagen, aber prüfe alles am Wort Gottes. Lass dich vor allem primär in deiner Ortsgemeinde formen.
Vielen Dank, Rudi. Wir gehen noch einmal zurück zum Thema Anbetung. Viele Menschen verbinden mit Anbetung häufig das Thema Lieder und Singen. Vielleicht kannst du dazu mal etwas sagen: Inwiefern steht das im Zusammenhang? Was sagt die Bibel dazu? Wahrscheinlich ist das ein größeres Thema, das man nur grob anschneiden kann.
Die Rolle des Gesangs in der Anbetung
Ja, genau, ich glaube, es ist zu Recht, dass viele Menschen das so verbinden. Ich hatte ja vorhin schon gesagt: Lobpreis ist nicht gleich Anbetung. Anbetung ist größer. Aber Lobpreis und Gesang sind Teil unserer Anbetung. Sie sind, würde ich sagen, ein sogenanntes Gnadenmittel, das Gott gebrauchen will, um an unseren Herzen zu arbeiten und uns näher zu sich zu bringen – genau wie das Bibellesen, das Gebet und auch das Singen.
Das Singen, sowohl als Einzelperson als auch als Kirche, als Gemeinde am Sonntag, dient dazu, dass unsere Herzen geformt werden und wir auf Gott ausgerichtet werden. Gesang spielt im Gottesdienst schon immer eine große Rolle im christlichen Gottesdienst. Die christliche Kirche war immer eine singende Kirche. Es gibt keine Religion, wenn ich das richtig im Kopf habe, die mehr singt oder mehr Lieder geschrieben hat als das Christentum.
Wir haben nicht nur Bekenntnisse und Gedichte über Gott, sondern wir singen über ihn und wir singen auch zu ihm. Und natürlich auf der Grundlage gerade der Psalmen, in denen wir fast 150 Lieder oder Gebete haben, von denen viele gesungen werden konnten oder wurden. Daraus sehen wir, dass wir singen sollen. Gott ruft uns an vielen Stellen auf: Singt mir zu! Singt ein neues Lied!
Wir sollen also nicht nur bekennen und gemeinsam Dinge aufsagen, sondern auch singen. Die Frage, die damit zusammenhängt, ist natürlich: Warum? Singen ist ja eigentlich etwas, das funktional betrachtet völlig unnötig erscheint. Wozu soll das gut sein?
Aber Singen ist deshalb so genial und eine Erfindung Gottes – oder Musik insgesamt –, weil Singen es schafft, Wahrheit mit Emotionen zu verbinden. Wir wissen, dass Singen insgesamt viel mit unserem Körper macht. Wir sind dabei mit unserem ganzen Körper, nicht nur mit unserem Mund. Viele Teile unseres Körpers sind daran beteiligt. Je charismatischer wir sind, desto mehr zeigen wir das auch nach außen.
Unser Körper macht also mit, und auch in unserem Körper passiert viel. Beim Singen werden Endorphine ausgeschüttet. Es ist spannend, dass Gott uns sagt, er möchte, dass wir über ihn singen und ihm zusingen. Johannes Kailin hat das mal so gesagt: Gott hat uns das Singen gegeben, damit wir einen Weg haben, unsere Emotionen mit der Wahrheit Gottes zu verbinden.
Dadurch sollen unsere Emotionen noch einmal verstärkt werden, also unsere Freude an Gott soll noch einmal intensiver werden. Ich kann mit dir über Gott sprechen, wir könnten uns total an ihm freuen. Aber wenn wir anfangen zu singen – keine Angst, das werden wir jetzt nicht machen – dann macht das noch einmal etwas mit uns.
Wenn wir über Gott nachdenken und dann mit Gesang reagieren, kann das die Freude noch einmal verstärken. Deshalb hat die christliche Kirche immer gesungen. In den Psalmen finden wir Lieder von Einzelpersonen, die singen. Aber wir finden auch Lieder, in denen Gott oder das Volk dem Volk Gottes zuruft: Kommt, lasst uns singen, lasst uns vor Gott treten und ihn mit Lobliedern anbeten!
Dabei ist immer viel Emotion mit dabei. Es geht um Jubeln, Jauchzen, Tanzen und vieles mehr – alles Dinge, bei denen wir sofort an Emotionen denken. Ich glaube tatsächlich, dass Gesang eine ganz große Rolle im christlichen Gottesdienst spielt und spielen sollte. Er dient dazu, gemeinsam Wahrheit über Gott singend zu verkünden, Freude über diesen Gott zum Ausdruck zu bringen und uns gegenseitig zu ermutigen.
Zum dritten Punkt: Wenn wir miteinander singen, rüsten wir uns gegenseitig durch die Worte, die wir singen. Paulus sagt das ja in Kolosser 3, dass wir zueinander singen sollen. Auch in Epheser 5 wird gesagt, dass wir den Geist Gottes in uns wohnen lassen sollen, dass wir uns mit dem Heiligen Geist erfüllen, indem wir singen.
Das ist eine ganz tolle Möglichkeit, die Gott uns gibt – durch Gesang. Deshalb singen wir als Christen auch am Sonntag, wenn wir uns treffen.
Singt Gott selbst?
Die Bibel sagt uns, dass wir als Menschen Ebenbilder Gottes sind. Daraus stellt sich für mich die Frage: Wenn wir singen oder singen sollen, singt Gott dann selbst auch?
Ja, das ist eine gute Frage, und ich würde sagen: Ja, tut er. Zum einen deshalb, weil das mit Gottes Lehre zusammenhängt. Ich glaube, Gott ist das glücklichste Wesen überhaupt. Er existiert von Ewigkeit her als dreieiniger Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – in vollkommener Liebe und Freude aneinander. Aus dieser riesigen Freude heraus hat er die Welt erschaffen.
Er hat sie nicht erschaffen, weil er sie brauchte, sondern aus Freude. Ich glaube, diese Freude Gottes spiegelt sich in der Schönheit der Schöpfung wider. Unsere Schöpfung ist unnötig schön. Sie ist wunderschön gemacht von einem Gott, der sich freut.
C. S. Lewis hat deshalb gesagt, dass Genesis 1 den Eindruck erweckt, Gott habe die Welt ins Dasein gesungen. Genesis 1 ist ja auch ein sehr poetischer Text, der fast wie ein Lied wirkt. Gott sagt immer wieder, es sei sehr gut, am Ende sogar sehr sehr gut. Gott jubelt über das, was er macht.
Deswegen würde ich sagen: Ja, wir haben einen singenden Schöpfer, der aus Freude diese Welt erschaffen hat. Die Schöpfung antwortet darauf mit Gesang. In der Bibel sehen wir das immer wieder. Zum Beispiel heißt es in Psalm 19, dass der Himmel die Herrlichkeit Gottes verkündet. Dann lesen wir von jauchzenden oder klatschenden Bäumen und Bergen, die jubeln.
Die ganze Schöpfung antwortet also auf diesen genialen Schöpfer mit Gesang. Wir als Krone der Schöpfung sollen mit einstimmen und diesen Gesang anführen.
Deshalb ist es auch spannend, darüber nachzudenken, warum wir als Christen erst recht singen sollten. Wenn wir anfangen zu singen – als ehemals Verlorene und Götzendiener – singen wir wieder dem Gott, dem die Anbetung gebührt. Damit signalisieren wir, dass die neue Schöpfung angebrochen ist. Gott stellt wieder her, was kaputt gegangen ist.
Jedes Mal, wenn wir uns sonntags treffen und gemeinsam laut und leidenschaftlich singen, verkünden wir den Anbruch der neuen Schöpfung! Das ist auch der Grund, warum wir uns am Sonntag, am ersten Tag der Woche, treffen. Etwas Neues hat begonnen: Die neue Schöpfung ist angebrochen.
Singen hat so viele Bedeutungen, die uns oft gar nicht bewusst sind. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir als Leiter in Gemeinden unsere Brüder und Schwestern mitnehmen und ihnen erklären, warum wir singen. Warum es so wichtig ist, dass jeder mitsingt – auch wenn er nicht gut singen kann.
Sing mit, weil deinem Gott die Ehre gebührt, weil er dich erlöst hat und weil die neue Schöpfung angebrochen ist. Es gibt so viele Gründe, warum wir singen sollten. Vielleicht gehe ich später noch einmal näher darauf ein und gebe Ältesten und Gemeindeleitern Empfehlungen zum Thema.
Singen in Ewigkeit
Was ich noch interessant finde, ist das Singen – etwas, das jetzt in unserer irdischen Zeit begrenzt ist. Was sagt uns die Bibel darüber, wie das Singen in der Ewigkeit mit Anbetung und Gesang sein wird?
Ich glaube, die Schöpfung oder die Erlösung, die Gott eines Tages vollkommen bringen wird, wenn Christus wiederkommt, läuft auf eine singende Schöpfung hinaus. Gott hat eine singende Schöpfung erschaffen. Durch den Sündenfall sind wir jedoch zu einer Schöpfung geworden, die andere Dinge besingt und nicht den Schöpfer. Wir sind zu Götzendienern geworden und betreiben falsche Anbetungen.
Durch Christus werden wir wieder erlöst, um den wahren, lebendigen Gott anzubeten. Die Wiederherstellung aller Dinge am Ende der Zeit läuft genau darauf hinaus. Deshalb sehen wir gerade in der Offenbarung, wie alle möglichen Menschen aus allen Sprachen, Kulturen und Nationen um das Lamm Gottes herumstehen und es anbeten – mit Liedern, Lobpreis und Anbetung.
Ich glaube, es wird beides sein. Der Himmel wird zum einen der schönste Lobpreis sein, den wir jemals gehört und miterlebt haben. Zum anderen wird unser gesamtes Leben zum allerersten Mal nur von Anbetung geprägt sein – ohne Ausnahme. Wir werden nichts anderes mehr tun, als ihn mit unserer gesamten Existenz anzubeten.
Das, wofür wir eigentlich geschaffen wurden, wird dort wiederhergestellt sein. Wir werden singen und zu seiner Ehre leben – mit allem, was wir sind und haben. Alleluja, das sind wunderbare Perspektiven.
Ermutigung zum privaten Singen
Wir haben vorhin schon beim Thema Anbetung darüber gesprochen, dass Anbetung nicht nur im Rahmen des Gottesdienstes stattfindet, sondern auch in meinem Privatleben. Sie geschieht sozusagen rund um die Uhr.
Eine Frage: Wenn wir jetzt beim Gesang sind, würdest du Christen und Geschwister auch ermutigen, nicht nur am Sonntag im Gottesdienst oder bei einer Worship Night zu singen, sondern auch ganz privat im Alltag?
Ja, absolut. Ich würde sagen: Nutze jedes Gnadenmittel, das Gott dir gegeben hat, um Jesus in deinen Alltag zu holen. Erlebe mehr von Jesus, seiner Gnade und vom Heiligen Geist. Nimm das in Anspruch! Auf das Singen zu verzichten, auch als einzelner Christ, ist absolut nicht weise.
Ich würde sagen, Singen gehört zur Waffenrüstung Gottes. Zwar wird es nicht explizit erwähnt, aber Singen bedeutet nichts anderes als Beten und das Wort Gottes in mir wohnen zu lassen, wie es in Kolosser 3,16 heißt. Deshalb sollten wir uns auch als einzelne Christen die Psalmen zum Vorbild nehmen, in denen es Lieder von Einzelpersonen gibt, zum Beispiel von David, der einfach singt.
Wir sehen in der Bibel immer wieder, wie einzelne Personen singen. Vor allem David, aber auch Mose und sogar Jesus im Neuen Testament, in den Evangelien. Deshalb würde ich sagen: Versuche, das Singen in deinem Alltag zu integrieren. Es sollte einfach ein Stück weit dazugehören.
Wenn du eine Familie hast und verheiratet bist, warum nicht das Singen in die Familienandacht einbauen? Zum Beispiel, indem man vorher und nachher gemeinsam ein Lied singt. Ich bin so aufgewachsen: Meine Mutter hat mit uns sehr viel gesungen. Als Teenager fand ich das ziemlich doof, muss ich ehrlich sagen. Aber im Nachhinein bin ich dankbar, denn das hat mich und meinen Glauben geprägt. Es hat mir die Wichtigkeit von Gesang tief ins Herz verankert.
Singen ist deshalb so wichtig, weil es im Vergleich zum Bibellesen und Gebet eine besondere Ebene hat. Ich kann Liedtexte einfach unfassbar gut merken, und das kann fast jeder. Beim Singen verbinden sich zwei Ebenen: der Text und die Melodie. Ich weiß bis heute noch viele Lieder auswendig, die ich als Kind gelernt habe – alte Glaubenshymnen, die mein Opa oft gesungen hat. Diese Lieder singe ich mir manchmal selbst, wenn es mir nicht gut geht.
Ich brauche dafür kein iPad, ich habe sie einfach im Kopf. Diese Lieder geben mir Kraft, denn die Wahrheit, die ich darin besinge, gibt mir Kraft. Deshalb würde ich sagen: Versuche, auf dem Weg zur Arbeit im Auto ein oder zwei Lieder zu singen und dein Herz damit auf Jesus auszurichten.
Versuche zu singen, wenn du merkst, dass du mit Versuchungen kämpfst. Das empfehle ich jungen Männern oft, wenn ich merke, dass sie im sexuellen Bereich kämpfen. Ich sage dann: Schnapp dir dein Handy und deine Spotify-Liste mit deinen Worship-Liedern und fang an zuzuhören.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Hören von guten, christuszentrierten, gottzentrierten Liedern dazu führt, dass dein Herz zur Ruhe kommt. Dann hat die Versuchung keine Chance mehr, weil du dein Herz auf Christus ausrichtest.
Deshalb würde ich sagen: Singen bedeutet, das Schwert des Geistes in die Hand zu nehmen – vor allem, wenn wir Lieder singen, die fest im Wort Gottes verankert sind. Damit können wir kämpfen. Darum sollten Christen auch privat singen.
Du hast Rudi selbst gehört, wie sehr Lobpreis und Gebet zusammenhängen. Deshalb haben wir für dich hier eine Mindmap zum Entwickeln einer Gebetsroutine entworfen. Damit haben schon Hunderte von Menschen beten gelernt oder neu beten gelernt.
In der Mindmap siehst du, welche Arten von Gebet es in der Bibel gibt. Wir helfen dir damit, auf dieser Grundlage deine eigenen Gebetsanliegen zu formulieren. Das ist der erste Link unter dem Video. Nimm dir die Mindmap gern gratis mit – klicke einfach auf den ersten Link unter dem Video.
Und jetzt weiter mit Rudi.
Ermutigung zum Mitsingen trotz Unsicherheiten
Super, und wie ist das jetzt: Du bist Lobpreiser, hast das sehr stark auf dem Herzen und die Gabe dazu. Nicht jeder fühlt sich danach, singen zu können. Es gibt ja auch Leute, die schief singen.
Inwiefern würdest du diese Menschen ermutigen? Im Privaten geht das vielleicht noch, aber auch in der Gemeinschaft trotzdem zu singen? Würdest du sagen, sie sollten das unbedingt tun? Oder was würdest du denen sagen, die vielleicht sagen: „Hey, ich kann nicht singen“?
Ja, also ich glaube schon, dass nicht jeder wahrscheinlich die Gabe hat, wunderbar zu singen. Das ist ja völlig klar. Diese Personen sollten wahrscheinlich dann auch nicht den Lobpreis in der Gemeinde leiten. Genau das Gleiche gilt ja auch für den Predigtdienst oder andere Dienste. Wir sind ja unterschiedlich begabt.
Aber ich würde diesen Menschen trotzdem sagen: Beim Singen kommt es nicht auf deine Begabung an. Beim Lobpreis kommt es gar nicht auf deine Begabung an, sondern auf dein Herz. Und deswegen liebe ich es, wenn Leute, die überhaupt nicht singen können, richtig laut mitsingen bei uns. Denn damit sagen sie mehr oder weniger: „Ist mir egal, Jesus ist so groß, dass ich schweigen könnte. Das müssen jetzt alle aushalten.“
Darum geht es ja. Deswegen finde ich es total schön, wenn Menschen, die eigentlich gar nicht singen können und das auch wissen, trotzdem sagen: „Boah, mein Herz ist viel zu voll, als dass ich hier einfach stehen und nur zuhören könnte.“ Ich würde sie sehr ermutigen, mitzumachen.
Ja, sehr gut.
Lieder als gesungene Theologie
Manchmal schleicht sich vielleicht das Gefühl ein, dass das Singen von Lobpreisliedern und Anbetungsliedern ähnlich ist wie das Singen weltlicher Lieder in der Welt. Man singt zwar eine schöne Melodie und so weiter, aber du hast auch darüber geschrieben, dass Lieder gesungene Theologie sind. Das bedeutet, es steckt mehr dahinter.
Vielleicht kannst du noch ein paar Sätze dazu sagen, was du damit meinst.
Ja, genau. Wenn wir als Christen singen, verkünden wir immer etwas. Wir singen nicht einfach nur zum Singen, und Lieder sind auch keine Lückenfüller im Gottesdienst. Leider wird das manchmal so praktiziert, aber Lieder sind mehr.
Ich glaube, das habe ich auch schon deutlich gemacht: Mit dem Singen geben wir Gott die Ehre und bringen unsere Freude an ihm zum Ausdruck. Gleichzeitig demonstrieren wir unsere Einheit als Christen, indem wir gemeinsam die Wahrheit Gottes verkünden.
Lieder sind gesungene Theologie. Ganz viel Theologie wird in Gemeinden über Lieder transportiert. Es ist auch einfach so, dass Predigten oft vergessen werden, Lieder aber nicht. Wenn du dir das Liedgut einer Gemeinde anschaust, kannst du viel über deren theologische Position oder Ausrichtung erfahren. Du erkennst, was ihnen wichtig ist, welches Gottesbild vermittelt wird und wie bedeutend ihnen das Evangelium ist.
Deshalb sage ich: Lieder sind gesungene Verkündigung. Wir verkünden Wahrheit – hoffentlich die Wahrheiten des Wortes Gottes. Daraus ergibt sich natürlich die Konsequenz, dass wir sehr genau darauf achten sollten, was wir singen und welche Lieder wir auswählen. Worum geht es in den Liedern? Drehen sie sich die ganze Zeit um mich oder um Gott? Steht im Vordergrund, was wir als Menschen tun wollen, oder das, was Gott in Jesus getan hat?
Genau deshalb glaube ich, dass gesungene Theologie bedeutet, dass wir unsere Gemeinde theologisch durch unsere Lieder formen und schulen. Wir prägen ihr Denken über Gott und ihr Denken über sich selbst.
Wir haben in unserer Gemeinde die Erfahrung gemacht, dass wir vor einigen Jahren das Liedgut stark verändert haben. Wir haben sehr viel entfernt und viel Neues aufgenommen – vor allem gottzentrierte und evangeliumszentrierte Lieder. Zunächst haben wir gemerkt, dass der Gesang viel leiser wurde. Wir haben dann nachgefragt, woran das liegt. Die Leute sagten, sie müssen plötzlich über das nachdenken, was sie singen.
Genau, das ist auch gut so. Es ist gut, wenn man nicht einfach so singen kann, sondern merkt, dass es tiefe Wahrheiten sind, die man besingt. Es ist schön zu beobachten, dass diese Lieder, die damals noch relativ leise gesungen wurden, mittlerweile zu Liedern geworden sind, die die Gemeinde leidenschaftlich und laut mitsingt. Die Menschen lieben diese Lieder und die Wahrheiten, die durch sie vermittelt werden.
Ich glaube, Pastoren müssen sich bewusst sein, dass Lieder mehr sind als Lückenfüller oder Überbrückungsmöglichkeiten im Gottesdienst. Sie sind eine Möglichkeit, das Wort Gottes in den Herzen der Menschen wohnen zu lassen.
Deshalb ist es gesungene Theologie.
Persönliche Lieblingslieder und Lobpreisbands
Ganz persönlich gefragt: Was sind für dich Lieder, die dich besonders geprägt haben, die dir wichtig sind? Oder vielleicht auch, welche Lobpreisband würdest du empfehlen?
Also, persönlich geprägt bin ich sehr mit alten Glaubenshymnen aufgewachsen. Diese sind bis heute noch die Lieder, zu denen ich immer wieder zurückkehre und die ich für mich selbst singe. Ganz oben steht bei mir „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“. Das singe ich einfach total gerne. In Zeiten, in denen es uns als Ehepaar nicht gut ging – weil wir mit unerfülltem Kinderwunsch zu kämpfen hatten – war dieses Lied für mich sehr, sehr wichtig. Außerdem haben mein Großvater und auch meine Mutter das Lied oft gesungen.
Es ist so eine ältere Glaubenshymne, aber ich liebe auch ganz viel neuen Lobpreis. Ich höre sehr viel City Alight. Für mich sind sie ein Beispiel dafür, wie man richtig coole, moderne Musik machen kann, verbunden mit richtig guter Theologie. Das mag ich einfach sehr. Außerdem mag ich die Musik von Sovereign Grace und die von Shane & Shane mit der Worship Initiative. Das liebe ich einfach sehr.
Im deutschen Kontext feiere ich sehr, was das Gloria Kollektiv macht und dass sie sich da auf den Weg gemacht haben. Es gibt echt einiges richtig Gutes draußen.
Ja, definitiv, dem kann ich beipflichten. Auch gerade die Hymne, die du gerade erwähnt hast, war tatsächlich eines der Lieder, die ich damals zu meinem dreißigsten Geburtstag ausgesucht hatte. Das ist schon ein Stück her. „Wenn Friede mit Gott“ war eins davon. Ich finde das auch so wunderbar – eine richtig gute Hymne. Danke dir dafür.
Empfehlungen für Pastoren und Lobpreisleiter
Wir haben darüber gesprochen, dass Lobpreis eine wichtige Rolle spielt – gesungene Theologie, Lieder, die eine bedeutende Rolle in der Gemeinde einnehmen. Vielleicht kannst du, da du selbst Pastor und Lobpreiser bist, noch einmal sagen, was du Pastoren, Ältesten und Lobpreisleitern empfehlen würdest, die diese Verantwortung in der Gemeinde tragen. Worauf sollten sie im Hinblick auf den Lobpreis achten? Und wie könnten sie die Gemeinde dazu animieren, dass es etwas Wunderbares ist, gemeinsam zu singen?
Das ist eine total wichtige Frage. Ich glaube, ich würde Pastoren, Leitern und Musikleitern, aber auch Gemeindeleitern zunächst empfehlen, damit zu beginnen, die Gemeinde zu schulen und zu unterrichten, warum wir singen. Warum ist es so wichtig, dass wir laut und leidenschaftlich singen? Es geht nicht nur darum, dass wir singen, sondern darum, dass beim Lobpreis die Leute, die zum ersten Mal dabei sind, merken: Hier ist etwas unfassbar Wichtiges im Gange.
Ich glaube, Gott ist zu groß für leidenschaftslosen Lobpreis. Deshalb sollten wir als Pastoren und Leiter unsere Gemeinden darin schulen, warum wir eigentlich singen. Das wird schon viel bewirken in der Haltung der Menschen – weg vom Konsum, weg vom passiven Mitmachen hin zu: „Ich bin dabei, ich lobe Jesus.“
Als Zweites würde ich sagen: Achte als Musikleiter und Pastor darauf, dass Gott wirklich im Zentrum der Lieder steht. Diese Lieder sollten im Wort Gottes verankert sein, Wahrheiten vermitteln und keine Halbwahrheiten. Es sollte vor allem um Gott gehen, um das, was er für uns getan hat, was er tun will und tun wird. So werden die Menschen ein bisschen weg von sich selbst gezogen und hin zu ihm geführt.
Ich glaube, wir kreisen uns sowieso schon zu viel um uns selbst. Da können wir uns am Sonntag bewusst Zeit nehmen, um uns um Jesus zu drehen. Dafür ist der Gottesdienst da.
Drittens würde ich ermutigen, dafür zu sorgen, dass die Kirche gemeinsam singt. Es geht darum, dass wir alle zusammen Jesus anbeten. Das kann sich auch darauf auswirken, welche Sprache man singt. Wenn nur die Hälfte der Gemeinde Englisch kann und davon wiederum nur die Hälfte versteht, was sie singt, dann ist das kein gemeinsamer Gesang. Dann würde ich eher empfehlen, auf Deutsch zu singen, damit alle mitsingen können. Das ist viel wichtiger.
Singt Lieder, bei denen alle gut mitkommen – sowohl melodisch als auch inhaltlich. Die Menschen sollten die Texte nachvollziehen und sich damit identifizieren können, damit es ein gemeinsamer Lobpreis wird.
Das Wichtigste am Sonntag beim Lobpreis sind nicht die Band oder die musikalische Darbietung, sondern die Stimmen der Erlösten. Die Stimmen der Kindergäste sind das wichtigste Instrument am Sonntag und sollten angeführt werden. Eine gute Lobpreisband schafft es, so zu spielen, dass am Ende alle sagen: „Boah, es hat so viel Freude gemacht, Jesus anzubeten.“
Wenn Leute mir nachher sagen: „Ihr habt heute so genial gespielt“, denke ich mir: Super, genau das wollte ich nicht. Ich wollte, dass ihr über Jesus nachdenkt, und wir wollten dabei helfen. Also sorge dafür, dass alle gemeinsam singen und dass Jesus im Mittelpunkt steht.
Geh selbst als Vorbild voran – als Pastor, als Leiter einer Gemeinde, als Musikleiter. Sing leidenschaftlich und laut mit. Das ist so wichtig für die gemeinsame Anbetung am Sonntag.
Ich finde das immer so toll: Ich habe einen älteren Mitpastor, Georg, der bald in Rente geht. Wenn er an einem Sonntag nicht da ist, merkt man das sofort, weil er so laut und leidenschaftlich mitsingt. Das ist einfach großartig und motiviert die Leute zum Mitsingen, wenn Pastoren und Älteste vorangehen.
Das würde ich ihnen mitgeben: Geht als Vorbild voran und zeigt, dass das Relevanz hat und wichtig ist, was wir hier tun.
Sehr gut. Ich habe es vorhin schon angedeutet: Du bist selbst auch Lobpreiser und nicht nur das, sondern auch Lobpreisliederschreiber. Du schreibst eigene Lobpreislieder, und eines deiner Lieder heißt „Soli Deo Gloria“ – Allein Gott die Ehre. Ich habe mir das vorab angeschaut, und es ist wirklich eines der Lieder, das am häufigsten gespielt wird.
Warum denkst du, ist gerade dieses Lied so beliebt? Und wie können wir die Botschaft dieses Liedes so leben, dass sie unser Leben durchdringt? Wir haben das am Anfang schon kurz angerissen, aber vielleicht hast du noch ein paar weitere Gedanken dazu.
Die Botschaft von „Soli Deo Gloria“
Warum dieses Lied am häufigsten von meinen Songs angeklickt wurde, weiß ich nicht genau. Ich hoffe, es liegt daran, dass es ein Lied ist, das Gemeinden leicht singen können. Die Melodieführung und die Inhalte sprechen viele an und machen es gut singbar.
Als ich das Lied schrieb, bekam ich von meinem Mitpastor die Information, dass Johann Sebastian Bach unter seinen Liedern oft „Soli Deo Gloria“ geschrieben hat. Das fand ich als christlicher Künstler sehr beeindruckend. Es ist ein schönes Lebensmotto: Egal, was ich tue, ich lebe zur Ehre Gottes.
Aus diesem Gedanken entstand der Wunsch, ein Lied zu schreiben, das Christen die Möglichkeit gibt, genau das auszudrücken. Mein Leben soll „Soli Deo Gloria“ sein. Es soll nicht um mich gehen, nicht um irgendetwas anderes in meinem Leben, sondern um Christus. Er hat mich so geliebt, dass er sein Leben für mich gegeben hat.
Er hat diese Welt zu seiner Ehre geschaffen, mich zu seiner Ehre geschaffen und mich zu seiner Ehre erlöst. Dies versuche ich in den drei Strophen des Liedes zum Ausdruck zu bringen. In der letzten Strophe geht es um die Hingabe: „Allein zu deiner Ehre soll unser Leben sein, ein Opfer, das dir wohlgefällt, durch das dein Wesen scheint.“
Darauf läuft alles hinaus. Wir sind wieder beim Thema, mit dem wir angefangen haben: Das gesamte Leben als Gottesdienst, das gesamte Leben als Anbetung. Ich hoffe einfach, dass das Lied dazu beiträgt, dass Menschen diese Perspektive bekommen.
Ich darf zu Ehre Gottes leben – das ist das Beste, was ich tun kann. Dafür wurde ich geschaffen, dafür pulsiert Blut in meinen Adern, und das möchte ich tun. Deshalb bekenne ich „Soli Deo Gloria“.
Ich empfehle allen, die das anschauen, einfach mal die Lieder von Rudi anzuhören. Ihr findet sie auf den gängigen Plattformen. Wir werden euch auch das Lied „Soli Deo Gloria“ hier unten unter dem Video verlinken.
Bibelstellen und Ressourcen für die persönliche Anbetung
Genau, noch eine Frage, die ich ganz spannend finde: Mal wieder auf die Metaebene von dem Lobpreis, auf die Anbetungsebene.
Genau, was hilft dir persönlich, und was würdest du dementsprechend dann auch anderen Leuten mitgeben in diesem Thema Anbetung? Wenn du die Bibel zur Hand nimmst, wo schlägst du nach? Hast du Bibelverse oder Bücher, die du zur Hand nimmst, die dir dabei helfen, in so eine Anbetung und auch in so einen Lobpreis hineinzukommen?
Ja, tatsächlich. Also ich habe es mir vor einiger Zeit zur Angewohnheit gemacht: Egal, was ich in der Bibel lese, ich lese immer noch Psalmen. Also ich lese zum Beispiel jetzt gerade den Jakobusbrief für mich durch, und trotzdem lese ich immer noch ein bis zwei Psalmen. Ich merke einfach, dass die Psalmen mir helfen, mich daran zu erinnern, wofür ich existiere. Sie helfen mir, diese Sehnsucht nach Gott wachzuhalten. Sie spiegeln mir meine eigene Freude wider, ob ich noch Freude an Christus habe.
Ich glaube, Gott hat uns dazu die Psalmen gegeben. Und ich würde jedem raten, der sich danach sehnt, dass es mehr wird: Geh immer wieder in die Psalmen! Geh mal wieder hinein in diese Lieder, die so voller Freude und Sehnsucht nach mehr von Gott sind. Dann bete diese Psalmen, bete sie, denk darüber nach und lerne von anderen – also von den Psalmisten –, wie sie ihre Sehnsucht nach Gott zum Ausdruck gebracht haben.
Ich habe immer wieder gemerkt, das ist so ein Prinzip: Du bekommst Durst, wenn du anfängst zu trinken. Und das merke ich immer wieder bei den Psalmen. Ich finde, wenn du anfängst, da so reinzutauchen, diese Liebe, die die Psalmisten gegenüber Gott zum Ausdruck bringen, dann weckt das etwas in mir. Ich will das auch. Ich will auch so diese Sehnsucht haben, diese Freude an Gott. Und dann fange ich an, mich danach auszustrecken und dafür zu beten: „Gott, erfüll mein Herz mit neuer Liebe, mit neuer Sehnsucht nach dir.“
Da helfen mir einfach die Psalmen, und ich glaube, sie sind ein guter Start und ein guter Weg für uns Christen, um in unserer Anbetung zu wachsen.
Abschluss: Einladung zur tieferen Anbetung
Na gut, daran würde ich jetzt auch meine letzte Frage anschließen. Du hast gerade viel von Sehnsucht gesprochen, davon, tiefer hineinzukommen, mehr davon zu haben, von Anbetung und davon, diesen Gott immer besser kennenzulernen und seinen Wert schätzen zu lernen.
Wenn jetzt jemand bis zu diesem Punkt gekommen ist, sich das Video angeschaut hat und sagt: „Ja, das will ich. Ich will in eine tiefere Anbetung in meinem Leben kommen“, was würdest du dieser Person zum Abschluss noch raten?
Das, was ich wahrscheinlich gerade gesagt habe: Fang an zu trinken, und du wirst Durst bekommen. Fang an, die ganz einfachen Gnadenmittel zu nutzen, die Jesus dir gegeben hat. Nimm sie jeden Tag in die Hand, um Gott zu begegnen.
Ich glaube wirklich, dass Bibellesen, Gebet und Singen nicht einfach tote Rituale sind, die wir tun, sondern große Einladungen Gottes, ihm zu begegnen, Christus zu sehen, ihn zu bestaunen und seine Liebe zu genießen.
Ich bin überzeugt, dass, wenn wir das regelmäßig tun, in uns ein Hunger nach mehr wächst, ein Durst nach mehr entsteht. So werden wir in eine tiefere Anbetung hineinsinken, weil wir mehr von ihm sehen.
Wenn du anfängst, mehr von ihm zu sehen und dich regelmäßig diesem Blick auf Christus aussetzt, wirst du auch zu größerer Freude und zu tieferer Anbetung gelangen. Davon bin ich überzeugt.
