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Der Retter 2/3

09.11.2010
Serie•Teil 9 / 10Wie ist Gott?
Gott ist nicht nett über Sünde hinweg. Wer mit ihr spielt, stellt sich gegen einen heiligen Richter – und braucht mehr als gute Vorsätze, um dem kommenden Zorn zu entkommen.

Einleitung in das Thema von Rettung, Gerechtigkeit und Heiligkeit

Wir sind fast am Ende unserer Reihe zum Thema: Wie ist Gott? Heute geht es um Gott, den Retter, Teil 2.
Ihr bekommt jeweils zwei Blätter. Ihr müsst ja schauen, dass ihr immer zwei habt, die zusammengehören.
Und ich habe heute mit euch etwas vor, was man selten in dieser Deutlichkeit am Sonntag predigen kann, einfach weil es kein Thema für den Sonntag ist. Und ich ahne schon, dass es heute ein bisschen länger dauern wird. Das sage ich einfach mal vorneweg.
Wenn ihr mittendrin denkt, wir müssten ein Lied singen, meldet euch. Dann können wir auch gerne noch mittendrin ein Lied singen.
Aber ich möchte mit euch heute über zwei große Themenblöcke reden. Das erste wird Gerechtigkeit sein. Ihr erinnert euch: Beim Thema Gott, der Retter, sind wir letztes Mal eingestiegen damit, dass Gott sich als Retter offenbart. Wir haben uns auch ein bisschen mit der Dreieinigkeit beschäftigt.
Heute möchte ich die unangenehme Seite der Rettung Gottes mit euch betrachten. Und das hat zu tun mit Gerechtigkeit und mit Heiligkeit.
Wenn ihr heute Abend ein bisschen deprimiert hier rausgeht und denkt: Oh, okay, das ist bewusst gewollt. Ihr wisst, ich komme wieder. Und das nächste Mal wird es dann ganz süß. Das nächste Mal reden wir über Liebe und über alles, was ihr immer schon hören wolltet. Aber heute müssen wir erst einmal mit Gerechtigkeit anfangen.

Gottes gerechter Massstab und die Frage nach menschlicher Gerechtigkeit

Im Zentrum der biblischen Idee von Rettung findet sich dieser Begriff: Gerechtigkeit.
In 2. Timotheus 4,8 lesen wir, dass Paulus schreibt: „Fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter ...“ Gott ist ein gerechter Richter. Gott ist gerecht. Das heißt, sein Tun entspricht auf vollkommene Weise seinem eigenen gerechten Wesen. Wir würden heute sagen: Er handelt konsistent, er bleibt sich immer treu.
Und Gott ist nicht nur ein gerechter Richter, er ist dabei auch unparteiisch. Er misst alle Menschen nach dem gleichen Maßstab. In 5. Mose 10,17 lesen wir dazu: „Denn der Herr, euer Gott, er ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, mächtige und furchtbare Gott, der niemand bevorzugt.“ Ganz wichtiger Punkt: Gott bevorzugt niemand. Und dann heißt es hier weiter: „Und kein Bestechungsgeschenk annimmt.“ Ich finde das total witzig, allein die Idee, ja, ich kann Gott bestechen. Es geht nicht.
 Apostelgeschichte 10,34 greift denselben Gedanken noch einmal aus einer etwas anderen Perspektive auf. Petrus bei Cornelius: „Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm ist.“ Paulus kann dann im Römerbrief 2,11 ganz knapp formulieren, dass kein Ansehen der Person bei Gott ist. Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.
Gott ist gerecht. Gott ist ein gerechter Richter, und er ist unparteiisch.
Jetzt habe ich gesagt: Gerechtigkeit heißt für Gott, dass er genau so lebt, wie er ist. Was bedeutet es für einen Menschen? Bei den Menschen ist es so, dass ein Mensch dann gerecht ist, wenn er nach den Geboten Gottes lebt. Oder anders ausgedrückt: Ein gerechtes Gewicht ist in der Bibel ein Gewicht, das den Vorgaben entspricht. Oder ein gerechtes Hohlmaß, vielleicht habt ihr das gelesen: ein Efa, mit F geschrieben, nicht mit V. Ein Hohlmaß, ein gerechtes Efa. Das ist ein Maß, das ebenso groß ist, wie es sein soll, und nicht kleiner. Wir würden heute sagen: Ein gerechtes Kilogramm ist wirklich ein Kilogramm und nicht weniger.
Und genauso, wie ein gerechtes Gewicht den Vorgaben entspricht, so entspricht ein gerechter Mensch in der Bibel dem Gesetz Gottes. Es ist ganz wichtig, wenn wir das so formulieren. Das klingt erst einmal ganz simpel. Wir dürfen dabei aber nicht an einen strikten Buchstabengehorsam denken, sondern müssen im Blick haben, dass Gott, wenn er über Gerechtigkeit redet, immer ein Lebenskonzept meint. Ein Lebenskonzept, das, um mit den Worten Jesu zu sprechen, bereit ist, die zweite Meile mitzugehen.

Die Spannung zwischen absoluter und relativer Gerechtigkeit

Da heißt es in Psalm 37 zum Beispiel, Psalm 37,21, über den Gerechten: Der Gottlose borgt und zahlt nicht zurück, der Gerechte aber ist gütig und gibt. Merkt ihr das? Der Gerechte hat nicht nur ein klares Gesetz, sondern er ist gütig. Er geht darüber hinaus und beschäftigt sich mit der Not des Anderen. Gerechtigkeit und Güte gehen Hand in Hand. Es ist ein ganzes Lebenskonzept, das dahinter steckt.
Indem ich das so formuliere, merken wir schon: Wir laufen in eine Spannung hinein. Es kann doch eigentlich gar keinen Gerechten geben. Und ich möchte gerne mal zwei Begriffe voneinander trennen: Auf der einen Seite absolute Gerechtigkeit und auf der anderen Seite relative Gerechtigkeit.
Wir müssen die Frage beantworten: Wie kann die Bibel Menschen mit Begriffen wie der Gerechte, der Gute, der Vollkommene bezeichnen? Wie kann die Bibel solche Begriffe verwenden, wenn wir doch genau wissen, dass wir nur eine Stelle zu lesen brauchen? Zum Beispiel heißt es im Prediger in Prediger 7,20: Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes täte und niemals sündigte. Das ist das, was für jeden Menschen gilt. Absolute Gerechtigkeit ist für ihn ausgeschlossen. Jeder Mensch ist ein Sünder.
Der einzige Mensch, der ohne Sünde über die Erde ging, und das ist auch der einzige Mensch, der der Gerechte genannt wird, das ist der Herr Jesus. Tja, das ist halt auch der einzige. Da gibt es keinen zweiten. Und deswegen gibt es ja auch nur einen Retter. Und kein anderer kann sagen: Schau in mein Leben, da gibt es keine Schuld.
Wenn wir absolute Gerechtigkeit betrachten, sind wir alle Versager. Absolute Gerechtigkeit kann ich mir als Mensch nicht erarbeiten, denn in dem Moment, wo ich das erste Mal sündige, falle ich schon durch. Absolute Gerechtigkeit, ein völlig perfektes, heiliges Leben, hat nur einer geführt, und das ist Jesus. Dieses völlig perfekte Leben investiert Gott als ein stellvertretendes Opfer für meine Schuld. Er wirft es quasi in die Waagschale der Gerechtigkeit.

Wie Menschen in der Bibel als gerecht gelten können

Jetzt ist die Frage: Wie kriege ich diese absolute Gerechtigkeit? Die Antwort finden wir im Philipperbrief, Philipper 3,8-9. Da gibt sie uns Paulus, rückblickend auf sein eigenes Leben.
Paulus wusste etwas davon, dass er mit seinem Ansatz von Gerechtigkeit an eine Grenze gestoßen war, die er nicht mehr überschreiten konnte. Er sagt in Philipper 3,8: Ja, wirklich, ich achte auch alles –, und er hatte vorher beschrieben, was er alles erreicht hatte, was er alles war –, ich achte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen. Um dessen willen habe ich alles eingebüßt und achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde.
Und jetzt kommt der Punkt, an dem ich nicht meine Gerechtigkeit habe. Das war die Selbstgerechtigkeit des Pharisäers, der dachte: Ich werde es doch irgendwie schaffen. Und Paulus kommt an den Punkt, wo er sagt: Völliger Quatsch! Indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus Jesus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens.
Das ist die absolute Gerechtigkeit, die aus Gott kommt, die Gott geschaffen hat. Sie ist da, wo ein Mensch im Glauben sich auf den Sohn Gottes wirft, der ein absolut gerechtes Leben geführt hat. Also: Absolute Gerechtigkeit bei Menschen gibt es nur bei Jesus.
Und trotzdem werden Menschen in der Bibel als Gerechte bezeichnet, beziehungsweise es gibt einen Gegensatz zwischen den Gerechten auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Frevler, die Gottlosen, die Gesetzlosen. Was ist damit gemeint?
Damit ist gemeint, dass in der Bibel tatsächlich gesagt wird: Einige Menschen können gerechter sein als andere, relativ gesehen. Ein schönes Beispiel findet sich in 1. Mose 38. Das ist eine dieser etwas kruden Geschichten im Alten Testament: Tamar und Juda. Also, wer die Geschichte kennt, weiß, worum es geht. Eine Schwiegertochter wird schwanger von ihrem Schwiegervater, der weiß aber eigentlich nichts davon, weil er dachte, er hätte da mit einem käuflichen Mädchen etwas gehabt. In Wirklichkeit war das aber seine Schwiegertochter. Ganz krude Geschichte!
Und dann heißt es in 1. Mose 38,26: Da untersuchte es Juda und sagte. Dann heißt es in der Elberfelder: Sie ist im Recht mir gegenüber, wörtlich: Sie ist gerechter als ich.
Also gibt es in der Bibel, dass der eine, obwohl nicht absolut gerecht, doch gerechter ist als der andere. Und das Interessante dabei ist: Diese relative Gerechtigkeit, also ich bin gerechter als ein anderer, bringt mir nicht den Himmel ein. Damit kann ich mir den Himmel auch nicht erarbeiten. Ich könnte der gerechteste Mensch auf Erden sein und würde deshalb nicht die Ewigkeit geschenkt bekommen.
Aber das Interessante ist, dass Gott sich an dieser Stelle tatsächlich darüber freut, dass Gott solche Menschen ganz generell unter seinen Segen stellt.

Gottes Segen für gerechtes Leben und die Warnung vor Sünde

Ich finde das ganz fantastisch, wenn ihr das Alte Testament lest, gerade wenn ihr dann hineinschaut, zum Beispiel in die Weisheitsliteratur. Ihr werdet feststellen: Der Gerechte hat erst einmal noch nicht so viel mit Glauben zu tun, sondern ist einfach einer, der sich zunächst die Frage stellt: Was ist eigentlich gut und richtig? Was will Gott eigentlich von mir? Der betritt sofort den Raum des Segens Gottes.
 Jesaja 3,10. Da lesen wir: Sagt vom Gerechten, dass es ihm gut gehen wird, denn die Frucht ihrer Taten werden sie genießen. Das ist ein ganz generelles Prinzip: Gott ist auf der Seite der Gerechten. Und wenn wir uns oder wenn Menschen sich für Ungerechtigkeit entscheiden, dann gilt das, was in Vers 11 steht: Wehe dem Gottlosen, es wird ihm schlecht gehen, denn das Tun seiner Hände wird ihm vergolten.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie verrückt auch Christen sind, wenn sie sündigen. Ich meine, ich sündige auch, ich finde mich selber dann genauso verrückt. Aber manchmal empfinde ich bei Geschwistern eine Leichtfertigkeit im Umgang mit Sünde, wo ich denke: Mann, oh Mann, oh Mann, wie irre muss man denn sein, dass man sich bewusst unter den Fluch Gottes begibt, weil man etwas tut, von dem man vorsätzlich weiß, es ist falsch, und Gott wird dann gegen mich sein.
Dieses grundsätzliche Prinzip, dass Gott für den Gerechten ist, gilt auch in unserem Leben. Und das grundsätzliche Prinzip, dass da, wo wir sündigen, Gott sich gegen uns stellt, das muss uns völlig klar sein.
Bei Jugendlichen habe ich das manchmal. Da kommt dann die Frage: Jürgen, wie weit darf ich denn gehen? Da wird so das Leben betrachtet wie ein Spaziergang an einer Klippe. Ja, da geht es runter, und hier kann ich noch stehen. Und dann ist die Frage: Wie weit darf ich denn ran an die Klippe, bevor es dann richtig brenzlig wird? So ein irrer Gedanke.
Die Frage muss doch nicht lauten: Wo geht es in den Abgrund? Die Frage muss lauten: Wo stehe ich im Zentrum von Gottes Segen? Wo kann Gott mich quasi mit dem ganzen Füllhorn seiner guten Gaben überschütten? Und nicht: Wo trifft mich der Zorn gerade noch nicht so hart, dass es richtig wehtut? Das war der falsche Ansatz.
Aber so ticken Menschen nun mal. Und ich glaube, sie ticken so, weil sie nicht begreifen, wie wichtig Gerechtigkeit, ganz platte Gerechtigkeit, für Gott ist.

Das Leben im Licht von Gottes Geboten

 1. Petrus 3 lesen wir dazu etwas. Ich bin ganz bewusst ins Neue Testament eingegangen, damit ihr nicht sagt: Das steht ja alles im Alten Testament. Du bringst ja nur Stellen, die schon lange nicht mehr gelten.
 1. Petrus 3,10: Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will – das wollen wir doch alle, oder? Das Leben lieben, gute Tage sehen, das ist schön. Da möchte man fast meinen, das steht in den Sprüchen. Aber es steht im ersten Petrusbrief. Denn: Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück, dass sie nicht Trug reden.
Das ist ganz simpel. Tratsch nicht so viel herum, erzähl keine Lügen. Simpel: Du möchtest Gott gefallen, das ist der Weg. Ganz einfach. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.
Wenn du die Stellen suchst, sie stehen alle im Alten Testament. Das sind einfach Zitate. Damit wir wissen: Diese grundlegenden Prinzipien – du tust das Richtige, Gottes auf deiner Seite – die ziehen sich einfach durch. Sie gelten immer. Es ist ewige Weisheit Gottes.
Und das ist jetzt an Christen geschrieben: Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen. Das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, welche Böses tun.
Ein schönes generelles Prinzip: Lass die Finger davon. Wenn ich dir heute Abend einen Tipp mitgeben kann, dann diesen: Schmeiß Sünde so weit aus deinem Leben raus, wie es irgendwie geht. Hol sie gar nicht erst rein. Du kannst mit Gott an der Stelle nicht spaßen.
Und es ist noch ein Stück schlimmer. Während man relative Gerechtigkeit, dieses Richtigleben, in sein Leben hineinziehen kann und wenn jemand richtig lebt, man noch nicht weiß, ob er ewiges Leben hat, so ist es doch so, dass man, wenn jemand ewiges Leben hat, es in seinem Leben sehen kann. Ich kann am Leben eines Menschen erkennen, ob er gläubig ist.
Das heißt in 1. Johannes 2,3-4: Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Woran weiß ich, dass ein Mensch ewiges Leben hat? Ich möchte euch ehrlich sagen, es gruselt mich manchmal, wenn man diesen Vers anwendet. Aber er steht da, und deswegen möchte ich ihn euch nicht vorenthalten. Hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben, wenn wir seine Gebote halten.
Der Gläubige, der ewiges Leben hat, ist immer ein Gerechter. Der, der gerecht ist, muss nicht zwingend ewiges Leben haben. Du kannst, was weiß ich, eine gute Kinderstube haben. Und du kannst vielleicht ein bisschen Angst haben vor dem, was die Nachbarn sagen. Oder vielleicht lebst du in einem Staat, wo auch mal das Böse bestraft wird.
Aber umgekehrt: Wenn du gläubig bist, wenn du Gott erkannt hast, dann lebst du ein gerechtes Leben. Wer sagt, Vers 4, ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist.
Absolute Gerechtigkeit bekommen wir nur durch Glauben, weil es nur einen gab, der auf absolute Weise gerecht war. Relativ gesehen freut sich Gott darüber, wenn ein Mensch gerecht lebt und wenn ein Mensch zeigt, dass er verstanden hat, wer Gott ist. Sei es aus der Distanz, dass er schon so eine Ahnung davon hat, oder aber wenn er Kind Gottes geworden ist, weil er sagt: Ich weiß, was mein Vater denkt.
Ein Gläubiger, der sich hinstellt und sagt: Ich sündige einfach drauf los, ist ein Widerspruch in sich selbst. Da stimmt ganz grundsätzlich etwas nicht. Und ich würde an der Stelle immer ein riesiges Fragezeichen dran machen und mir die Frage stellen: Wie funktioniert das? Wie kannst du das noch tun? Wo nimmst du den Mut her, dir das zu trauen?

Gottes Heiligkeit als Wesen, Anspruch und Abgrenzung von Sünde

Was ist, wenn man sich Gott anschaut? Was sind die Eigenschaften Gottes, die vielleicht am meisten herausragen, wenn man alle Attribute Gottes, die man kennt, nebeneinanderstellt? Und man müsste entscheiden: Was sind die wichtigsten?
Es ist wahrscheinlich ein bisschen wie ein Spiel, ja. Was wären die wichtigsten Attribute? Ich habe mir diese Frage gestellt und für mich Folgendes entschieden. Ihr könnt gerne anders entscheiden, ja. Es ist ja nicht so, dass die Bibel hier ein Richtig und ein Falsch vergibt.
Wenn man die Bibel durchliest, dann gibt es, glaube ich, zwei große Schwerpunkte. Man kann versuchen zu überlegen, ob einer von den beiden Schwerpunkten oben steht, aber ich glaube das nicht. Ich glaube, dass, wenn wir uns die Bibel und den Charakter Gottes anschauen, es zwei große Schwerpunkte gibt. Es geht ja um die Frage: Wie ist Gott?
Der eine Schwerpunkt findet sich zum Beispiel dort, wo Gott im Psalm 89,36 bei seiner Heiligkeit schwört. Ein ganz interessanter Begriff: Er schwört ja bei sich selbst. Das heißt, die Heiligkeit Gottes ist nach dem Selbstverständnis Gottes Teil seiner Essenz. Sie macht ihn wesensmäßig aus. Und auch an anderer Stelle merken wir, dass Heiligkeit ein ganz wichtiger Bestandteil Gottes ist.
Was sagen die Seraphim? Ihr kennt Jesaja 6, diesen Blick in den Himmel, den Thron, und dann diese Engelwesen. Und was sagen sie? Heilig, heilig, heilig. Interessant, dass sie genau das sagen. Also Gott schwört bei seiner Heiligkeit, und diese dreifache Wiederholung ist im Hebräischen eine extreme Betonung. Wenn man etwas zweimal sagt, ist das schon stark. Wenn man es dreimal sagt, hebt es es so hoch, dass wirklich jeder mitwirkt. Das ist irgendwie das Wichtigste.
Stopp, stopp, stopp, du kannst doch nicht sagen, die Heiligkeit sei das Wichtigste. Da muss doch irgendwie noch Raum bleiben für, also bitte, bitte noch ein bisschen was für die Liebe.
Stimmt, also ich glaube auch, dass es nicht nur Heiligkeit ist. Aber ich habe bewusst mit der Heiligkeit angefangen, weil dieser Begriff so oft vorkommt. Weil Gott sagt: Ich bin heilig, und wir werden sehen: Ihr sollt heilig sein. Die Heiligkeit Gottes ist ein so zentraler Begriff.
Im Neuen Testament heißt es in Hebräer 12,29: Gott ist ein verzehrendes Feuer. Er ist wirklich heilig. Sünde kann er einfach nicht ausstehen.

Gottes Liebe und Heiligkeit im Gegenüber

Auf der anderen Seite atmen wir einfach mal durch, auch wenn ich dann nächstes Mal erst mehr dazu sagen werde. Gott ist Liebe, das gilt auch. 1. Johannes 4,16.
Und wenn es um die Frage geht, was möchte Gott uns zuallererst schenken? Worüber redet Jesus am Ende von Johannes 17 im hohepriesterlichen Gebet? Dann sagt er: Ich möchte die Liebe, die Gott in sich trägt, an euch weitergeben.
Und es fällt mir schwer, diese beiden Begriffe gegeneinander irgendwie, den einen höher und den anderen niedriger zu setzen. Deswegen habe ich für mich entschieden, und das geht dann relativ gut auf, das muss ich auch sagen, dass man die beiden Begriffe nebeneinander stellen kann: dass wir in der Beschreibung Gottes auf der einen Seite seine Liebe haben, massiv, und auf der anderen Seite seine Heiligkeit. Und ich möchte mit euch heute über Heiligkeit reden.
Was heißt es, wenn wir Gott heilig nennen? Wir haben darüber schon gesprochen, und zwar in dem Vortrag über Gott, den Schöpfer. Da habe ich euch schon gesagt, dass Heiligkeit damit zu tun hat, dass Gott von seinem Wesen her, von seinem Sein her, das Fremdwort wäre ontologisch, ich habe es euch auf dem Blatt erklärt, also von seinem Wesen, von seinem Sein her, weil er Schöpfer ist und nicht Geschöpf, dass er deshalb diese unvergleichlich herrliche Majestät ist, dieser ganz Andere.
Heiligkeit in der Bibel beschreibt das Sein Gottes, beschreibt ihn als den Schöpfer, beschreibt ihn in seinem Abstand zu der ganzen Schöpfung. Das ist das eine. Man nennt das den ontologischen Aspekt der Heiligkeit. Damit können wir uns kaum irgendwie identifizieren. Gott ist halt der ganz Andere. Was machen wir denn damit?
Es gibt einen zweiten Aspekt, wo dieses Sein Gottes uns betrifft. Ich habe das mal genannt: den ethischen Aspekt seines Heiligseins. Gott ist gegen alles Böse und alles Perverse. Er verhält sich in seiner strahlenden Reinheit und unvergleichlichen Güte zur Sünde in etwa so wie die Mittagssonne zur Nacht. Das muss uns einfach einmal völlig klar sein: Gott kann Sünde einfach nicht ausstehen.
Und wenn wir uns auf diesen Begriff, diesen ethischen Begriff von Heiligkeit einlassen, werden wir sofort feststellen: Er hat eine positive Seite und er hat eine negative Seite. Positiv, weil er für etwas ist. Er möchte, dass wir ihn imitieren. Negativ, weil er auch gegen etwas ist.
Positiv ist Gott der absolute Standard. Und zwar ist er selbst der Standard für Integrität, für Geradlinigkeit, für Reinheit, für moralische Perfektion. Wir merken das in der Bibel, dass er immer wieder sich selbst zum Standard macht. 3. Mose 11,45. Da heißt es: „Denn ich bin der Herr, der euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, um euer Gott zu sein. So sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig.“
Das Spannende an der Heiligkeit Gottes ist, dass sich dahinter in diesem Begriff nicht nur seine eigene moralische Aufrichtigkeit verbirgt, sondern dass in diesem Begriff ein heiliger Eifer steckt, der Heiligkeit nicht irgendwie nur vorlebt, sondern von anderen fordert und sich sogar daran freut, wenn er das in anderen Menschen sieht.

Der Ruf zur Heiligung im Alltag der Glaubenden

Nochmal der Erste Petrusbrief, 1. Petrus 1,16. Wir hatten vorhin schon die andere Stelle gehabt. Ah, ihr seid schneller da. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig.
Und wenn ihr euch erinnert, davor war das, was ich vorhin vorgelesen hatte: Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig. Das hatte ich nicht vorhin vorgelesen, das war die andere Stelle. Also noch mal Vers 15 mit dazugenommen: Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid doch ihr im ganzen Wandel heilig. Denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig.
Gott will Heiligkeit. Gott ist nicht nur irgendwie ein bisschen heilig, und es hat mit uns eigentlich gar nichts zu tun, sondern Gottes Heiligkeit stellt sich hin und sagt: Ich will, dass ihr heilig seid. Ich will euch nicht in einem moralisch luftleeren Raum lassen, wo man so ein bisschen machen kann, was man will. Das stimmt einfach nicht.
Und da, wo wir uns dagegen entscheiden, kommen wir jetzt zu der negativen Seite von Heiligkeit. Da stellen wir ganz harmlos noch fest, dass es bei Gott keine Sünde gibt, selbst in der schwächsten Form. Wo man sagen kann, da war Gott am verwundbarsten, heißt es in Hebräer 4,15 über das fleischgewordene Wort, über den Herrn Jesus: Denn wir haben nicht einen hohen Priester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten. Jesus weiß, was wir durchmachen, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist. Aha, und jetzt kommt der kleine Nachsatz: Doch ohne Sünde.
Man könnte sagen: Super, Gott ist halt heilig, ja, deshalb halt ohne Sünde. Okay, gehen wir einen Schritt weiter. Wie steht Gott zur Sünde? Und es wird niemanden überraschen, wenn ich sage: Gott mag Sünde irgendwie nicht.

Gottes Abscheu vor Sünde und sein Zorn über das Böse

Also Psalm 5,4, um mal ein Beispiel dafür zu bringen: Gott mag Sünde halt einfach nicht. Da heißt es dann: Oh nö, das ist falsch. Macht das Sinn? Nö.
Dann nehmen wir 5. Mose 12,31. Wir haben ja mehr als eine Stelle:
Dem Herrn, deinen Gott, sollst du so etwas nicht antun. Denn alles, was dem Herrn ein Gräuel ist, was er hasst, haben sie, damit sind die Kanaaniter gemeint, für ihre Götter getan.
Habt ihr das gehört? Denn alles, was dem Herrn ein Gräuel ist, kommt hier in einen Bereich hinein, der uns ein Gräuel, ja sogar ein Abscheu ist. Gott redet über die Sünde der Völker, und er sagt nicht: Na ja, das war ein bisschen unklug, das war so ein bisschen unweise. Wenn man das so macht, funktioniert das Leben nicht so ganz. Sondern Gott sagt: Er spricht von einem Gräuel.
Das heißt, Gott selber ist sündlos. Er betrachtet die Sünde und nennt sie Gräuel. Und es kommt noch schlimmer. Und das ist das, was man oft den Kindern in der Kinderstunde nicht sagt: Gott hasst nicht nur die Sünde, sondern den Sünder. Gott trennt nicht die Tat von der Person.
Der Herr prüft den Gerechten, aber den Gottlosen und den, der Gewalttat liebt, hasst seine Seele.
Ich glaube, wir selber haben dieses falsche Denken manchmal in unserem Kopf: Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Das ist falsch. Wo jemand wirklich Sünder ist, trennt Gott nicht zwischen der Person und der Tat. So wie Gott für den Gerechten ist und sein Bestes sucht, so rennt er wirklich mit unerbittlichem Zorn gegen den Sünder an.
Wenn ihr jetzt sagt: Tolle Botschaft für Mittwochabend! Ich sage es nochmal: Wir reden heute bewusst über Heiligkeit. Ich werde nächstes Mal über die Liebe reden. Aber lasst uns heute mal ganz bewusst einen tiefen Blick hineintun in die absolute Verlorenheit eines Sünders, der Gott zum Feind hat und der nur deshalb noch nicht untergeht, weil Gott ihm Raum zur Buße schenkt.
Ich habe vor kurzem so ein Spaßbild gesehen, okay? Hat jemand eine Fotomontage gemacht? So eine ganz fiese Fotomontage, muss man dazu sagen. Du hast vorne einen Strand, eine Gruppe von Leuten, die in die Kamera winken, und dahinter kommt so eine Monster-Tsunamiwelle.
Ich habe dieses Bild gesehen, und ich hätte es euch gerne mitgebracht, aber ich habe es nicht mehr gefunden. Ist irgendwie beim Surfen so einem halt im Internet über den Weg gelaufen. Und ich dachte heute daran, als ich das hinschrieb, und dachte mir: Das ist es eigentlich, ja. Die Menschen stehen da. Es hat schon gebebt, die Welle kommt, sie ist nur noch nicht da, es ist nur noch nicht so weit, aber es wird kommen.
Und wir müssen uns diesen Aspekt vor Augen führen. Gott ist ein heiliger Gott, der mit keinem Fuzzelchen Sünde irgendetwas zu tun haben will, der die Augen auch von unserem Leben abwendet, wenn wir sündigen, wenn wir spielen mit dem, was er verabscheut. Der heilige Aspekt Gottes kann und will und wird dann nicht mehr hinschauen.
Und das Interessante ist: In dem Moment, wo ein Mensch Buße tut, hat er die gleiche Einstellung. In dem Moment, wo ich vor Gott Buße tue, sage ich auch: Ich schäme mich für die Schuld in meinem Leben, ich hasse die Sünde in meinem Leben. Ich will sie nicht mehr tun. Und Christsein hat damit zu tun, dass wir diese Haltung festhalten.

Die Haltung des Glaubenden gegenüber dem Bösen

 Sprüche 8,13 lesen wir dazu. Die Furcht des Herrn – und dieser Begriff hat auch einen Aspekt, der mit Beziehung und Gemeinschaft zu tun hat – bedeutet, das Böse zu hassen. Ja, das hasst du. Wenn du Gott fürchtest, wenn du in dieser lebendigen Beziehung mit Gott lebst, in der du dich an seinen Maßstäben orientierst und ihm gefallen willst, dann heißt das, dass wir das Böse hassen.
Dann kommt eine Aufzählung: Hochmut und Stolz und böser Wandel und einen ränkevollen Mund – das hasse ich. Ich stelle mir manchmal die Frage, ob uns das noch klar ist. Es geht hier nicht darum, dass wir Weisheit einfach suchen, um ein bisschen klug durchs Leben zu gehen. Wir hassen Sünde, wir sind völlig dagegen, wir teilen Gottes Heiligkeit.
Und auf der anderen Seite ist das auch ein ganz interessanter Punkt: Wenn wir uns anschauen, wofür Gott in der Bibel angebetet wird, wisst ihr, dass da die Heiligkeit Gottes eine ganz zentrale Rolle einnimmt? Wir hatten uns schon Jesaja 6 angeschaut. Ich könnte jetzt mit euch in Offenbarung 4 hineinspringen. Da sind auch so ein paar komische Wesen mit komischen Köpfen und so. Die stehen auch wieder vor dem Thron Gottes. Und was sagen die? Richtig, die sagen nicht Liebe, Liebe, Liebe, weil wir jetzt im Neuen Testament sind oder so. Die sagen: heilig, heilig, heilig. Wieder dieser Aspekt.
Ich weiß nicht, was eure Anbetung mit Heiligkeit anfängt, aber es wäre spannend, wenn ihr nach dem Vortrag das aufgreifen könntet, in eurer ganz persönlichen Gebetszeit. Und anfangen könnte Gott für diesen abgrundtiefen Hass gegen alles Sündige und Perverse und Kaputte zu danken. Ich glaube, wir brauchen das.

Heiligkeit als Kennzeichen des neuen Lebens und der Heiligung

Wir brauchen das auch, weil diese Heiligkeit, die wir da sehen, für uns als Christen von grösster Bedeutung ist. Wir sind nach Gottes Ebenbild geschaffen. Diese Heiligkeit Gottes, dieser wesentliche Charakterzug, dieser Umgang mit Sünde, muss unser Umgang werden.
In Epheser 4,24 wird beschrieben, was nach der Bekehrung im Leben eines Christen abgeht. Da heisst es, dass wir einen neuen Menschen angezogen haben. Wir bleiben nicht die Alten. Bekehrung heisst: Ich schäme mich für das, was zurückliegt, ich will das nicht mehr tun, ich will nach vorne schauen. Aber wohin schaue ich denn? Und dann heisst es hier, dass ihr den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Heiligkeit zusammen mit Gerechtigkeit ist das Herzstück unserer neuen Natur. Erinnert ihr euch daran? Seid heilig, denn ich bin heilig. Deswegen hat Gott uns ein Gewissen gegeben, damit wir zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Deswegen haben wir sein Wort, sein Gesetz, diesen schriftlichen Ausdruck seines Wesens, damit wir eine Idee bekommen, wo man denn da anfängt, was gut ist und was falsch ist. Und deswegen beruft er uns dazu, dass wir tatsächlich ein ganz neues Leben führen.
Nochmals 1. Petrus 1,15-16: Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig. Wir reden hier von der Lebensaufgabe. Wir reden nicht davon, dass wir die zehn Gebote auswendig lernen und wenn wir ungefähr wissen, was da drinsteht und es so naja hinkriegen, dann ist das erledigt und wir brauchen nie wieder darüber nachzudenken.
Wenn ihr die Bibel zum Thema Weisheit studiert, das ist heute nicht unser Thema. Ich überlege gerade, ob ich den ältesten Vorschlag für eine Bibelwoche nächstes Jahr habe, das ist ein anderes Thema. Würde man das studieren, würde man feststellen, dass es eine Lebensaufgabe ist, ein tiefes Sich-Hineinbohren in die Gedanken Gottes, Schätze heben.
Schaut ihr manchmal diese Entdecker-Serien, wo jemand mit dem Schiff rausfährt und bei Alexandria am Boden vom Meer mit so einem Tauchboot hinuntergeht und schaut, wohin es da geht? Oder vielleicht magst du Abenteuerfilme, so Indiana-Jones-mässig. Das ist Christsein. Wir bohren uns in Gottes Gedanken hinein, wir suchen nach den Schätzen, und das ist manchmal spannender, und manchmal: boah, eine Goldgrube. Darum geht es. Warum? Weil wir zur Heiligung berufen sind.
 1. Thessalonicher 4,3, da ganz stark im Blick auf Unzucht, ein Vers, den man auswendig lernen sollte, wenn man jugendlich ist: Denn dies ist Gottes Wille, eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet.
Ich habe heute Morgen jemanden geärgert. Ich bin jetzt seit einer Woche bei Facebook und kriege also mit, was meine lieben jungen Freunde alles so auf Facebook reinschreiben. Also erlaube ich mir dann auch Kommentare. Schliesslich bin ich schon zwanzig Jahre älter, und wenn das völliger Nonsens ist, muss man es halt auch mal schreiben, denke ich mir halt. Und an der Stelle ist meine Legitimation ja logisch, oder? Dass ihr euch fernhaltet, raus mit dem Scheiss! Heiligung ist angesagt.
Und damit das Programm Heiligung klappt, hat Gott uns doppelt versorgt. Wir haben auf der einen Seite sein Wort. Aber er weiss, dass wir es nicht alleine schaffen können. Und deswegen hat er uns vorsichtshalber noch etwas mitgegeben, was, das muss man zugeben, besser ist als sein Wort und uns hilft, mit diesem Wort richtig umzugehen. Er hat uns einen Geist gegeben, einen Geist der Leitung, einen Geist der Kraft, einen Geist der Veränderung, der uns befähigen will und inspirieren möchte und uns anschieben will, dass wir dieses Wort nehmen, lesen, studieren und umsetzen. Warum? Weil Gott Heiligung will.

Liebe, Gebot und die Konsequenz göttlichen Zorns

Nochmal zu den beiden Seiten Gottes: Liebe reden wir nächstes Mal drüber. Liebe gibt, aber Heiligkeit fordert. Weil Gott Liebe ist, opfert er sich für uns. Aber weil er heilig ist, fordert er von uns Gehorsam, er fordert von uns Veränderung, er fordert von uns Heiligkeit. Und Gottes eigener heiliger Charakter ist das Modell, das wir imitieren sollen. Und seine Gebote?
Und jetzt muss ich etwas sagen: Richtig ausgelegt, das will ich einmal fairerweise hier reinwerfen. Ich behaupte nicht: Oh, ganz simpel, schlag die Bibel an einer x-beliebigen Stelle auf, fang an zu lesen, und was dir begegnet, das verstehst du sofort. Nein, das wird nicht passieren. Wir müssen die Bibel schon richtig auslegen. Es wird nicht immer einfach sein, manchmal ein bisschen Mühe machen, aber richtig ausgelegt zahlt es sich absolut aus. Wir werden göttliche Heiligkeit erkennen, und wir werden sie in unserem Leben umsetzen, Stück für Stück.
Wenn wir das nicht tun, werden wir die negative Seite seiner Heiligkeit kennenlernen, und das ist sein Zorn. Wir merken etwas von diesem Zorn, dass Gott an der Stelle, wo wir bewusst sagen: Heiligkeit, nein danke, dass Gott nicht einfach so sagt: Na ja, dann halt nicht. Ja, was soll man machen?
Ich habe manchmal das Problem. Ich bin so ein bisschen Hausmeister, ja, und wenn du so völlig freche Nachbarskinder hast, dann kannst du natürlich ein bisschen auf Hausmeister machen, aber irgendwann musst du sagen: Na dann halt nicht. Irgendwann sind dir die Hände gebunden, dann kannst du nicht runtergehen wie ein Baseballschläger und sie zusammenschlagen. Irgendwann ist es halt dann vorbei. Bei Gott ist das anders. Gott sagt nicht irgendwann: Na ja, war auch nur so ein Vorschlag, war gut gemeint von mir, aber na ja, dann halt nicht, du wirst schon sehen, was du davon hast.
Wir sehen im Gesetz schon, dass Gott Strafen auferlegt, und die Bibel spricht, wenn sie von Gottes Heiligkeit spricht, immer wieder von Gottes Zorn. Wir erleben ihn auf der einen Seite als einen langmütigen, geduldigen, milden, zurückhaltenden Gott, der Raum schafft dafür, dass Menschen Böses tun. Das ist unglaublich. Aber wir lesen auch Dinge wie in 4. Mose 11,1: Und es geschah, als das Volk sich in Klagen erging, da war es böse in den Ohren des Herrn; und als der Herr es hörte, da erglühte sein Zorn. Und ein Feuer des Herrn brannte unter ihnen.
Habt ihr das gelesen? Da erglühte sein Zorn. Nicht: Da ist Gott so ein bisschen aufgebracht, so ein ganz kleines bisschen indigniert. Nein, da erglühte sein Zorn. Ja, der raucht, okay, da möchtest du nicht mehr nahe rangehen.
Und am anderen Ende der Bibel, Offenbarung 19. Das ist immer die Stelle, die ich gerne mal an Weihnachten predigen würde, aber ich werde es nicht tun, keine Sorge. Ich finde sie einfach nur spannend, weil wir an Weihnachten immer dieses kleine, süße Kindlein in der Krippe liegen haben, gulle, gulle, gulle, ja, und jetzt ist Offenbarung 19, wenn Jesus wiederkommt. Und da heißt es dann in Vers 15: Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er mit ihm die Nationen schlage, und er wird sie hüten mit eisernem Stab, und er tritt die Kelter des Weines, des Grimmes, des Zornes Gottes, des Allmächtigen.
Wahnsinn, ja genau so. Du begegnest Gott, und du spielst das Spiel einfach mal bis zu Ende. Und Gott bricht die Siegel, posaunt die Posaunen, schüttet die Zornesschalen über dich aus, und du tust nicht Buße. Und du spielst das Spiel einfach bis zu Ende. Du schaust einfach, so wie beim Pokern, ja, alle Karten auf den Tisch, aufdecken. Deckt seine Karte auf, und dann ist es vorbei. Aber dann ist nicht ein bisschen vorbei, dann ist richtig vorbei. Und es ist so richtig vorbei, dass der kommt, der die Kelter des Weines, des Zornes, des Grimmes, des Zornes Gottes, des Allmächtigen, treten wird. Boah, Wahnsinn!
Das ist Gottes Heiligkeit im Angesicht von Sünde, wie sie brennt. Und sein Grimm ist eine notwendige und logische Reaktion auf das Böse. Er ist heilig, und deshalb, weil er heilig ist, bleibt er bei Sünde nicht distanziert, er wird emotional, er kann Sünde einfach nicht ertragen. Und es geht noch einen Schritt weiter: Er ist nicht einfach nur stinkesauer und absolut erregt, sondern er wird Sünde bestrafen.

Das letzte Gericht und die einzige Rettung vor dem Zorn

Deswegen heißt es im Hebräerbrief, Kapitel 10: Das ist auch eine dieser Stellen, über die selten in Gemeinden gepredigt wird, weil sie einfach gruselig ist. Hebräer 10,30-31. Und ich hoffe, dass ihr das sagen könnt, weil hier redet im Neuen Testament ein Gemeindemann zu seinen Gemeindegeschwistern und sagt:
Denn wir kennen den, der gesagt hat: „Mein ist die Rache, ich will vergelten“, und wiederum: „Der Herr wird sein Volk richten.“ Dann heißt es in Vers 31: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Jakobus wird im vierten Kapitel über geistlichen Ehebruch schreiben, wo Leute die Welt liebgewinnen. Er wird sagen, dass da, wo das passiert, die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist. Nicht so ein bisschen neutraler Grund, sondern du gehst auf die andere Seite. Und wir reden hier immer zu Christen, wir reden hier zu Leuten, die das Gesetz kennen, die Gott kennen. Du spielst mit der Sünde, und du provozierst Gottes Zorn. Und das mit dem Gräueln, das hattet ihr schon: Gott ist Sünde in jeder Form ein Gräuel.
Ja, aber wir sind doch gerettet. Das mag sein, aber spielt bitte an der Stelle mit Gott nicht rum. Jeremia, Kapitel 12, Verse 7 und 8, das will ich euch noch vorlesen. Da sagt Gott zu seinem Volk: Ich habe mein Haus verlassen, mein Erbteil verstoßen, ich habe den Liebling meiner Seele in die Hand seiner Feinde gegeben. Mein Erbteil ist mir geworden wie ein Löwe im Wald, also wie jemand, dem man nicht begegnen möchte. Es hat seine Stimme gegen mich erhoben, darum hasse ich es.
Du spielst mit Sünde, und du spielst so lange. Und hier ist hassen nicht, wie man es manchmal in der Bibel hat, weniger lieben. Nein, es geht darum, dass Gott jemanden verstoßen hat. Es geht hier um Gericht. Kannst du dir etwas Schlimmeres vorstellen, als dass Gott zu dir sagt: Ich hasse dich, ich hasse das, was du in deinem Leben tust? Kannst du dir das vorstellen? Oh, das kann mir nie passieren. Doch, das kann dir passieren. Das kann dir passieren. Wenn du mit Sünde spielst, und wir reden heute nur über die Heiligkeit Gottes, dann ist dieser Aspekt nicht irgendwie zugedeckt von der Liebe, sondern dann wird Gott an dieser Stelle dich hassen.
Das heißt nicht, dass du nicht mehr Kind Gottes bist. Das heißt nicht, dass du deshalb verloren gehst. Darüber rede ich nicht. Ich rede darüber, wie Gott zu dir eingestellt ist. Du kannst, du darfst mit Sünde einfach nicht spielen. Und es ist so schlimm, weil Menschen sich hier mit ihren eigenen Werken verdammen. Sie suchen sich den Zorn Gottes förmlich aus. Sie kriegen nur das, was sie verdienen. Gott bleibt dabei immer gerecht, seine Rache ist gerecht.
Wenn Gott solche Dinge hier schreibt, wo wir denken, dann geht es nicht darum, dass er mal Dampf ablassen möchte. Nicht so einer, den du gereizt hast bis zum Gehtnichtmehr, und irgendwann rutscht ihm halt mal die Hand aus, so nach dem Motto, und danach denkt er: Ach, was habe ich eigentlich gemacht, und schämt sich ein bisschen dafür. Überhaupt nicht. Wir verdienen den Zorn Gottes, und er lässt nicht seinen Frust ab, sondern er zahlt dem Sünder genau das heim, was er verdient. Und das beginnt hier auf der Erde, und das findet seinen gerechten Abschluss in der Ewigkeit.
Dieser Zorn Gottes, dieses absolute Nein, dieses Weg mit dir, das findet sich in Matthäus, Kapitel 25. Auch im Blick auf das letzte Gericht, Matthäus 25,45-46: Dann wird er ihnen antworten und sagen, und das sind die Ungerechten in dem Bericht vom Endgericht, oder vom Gericht, es ist egal welches Gericht es ist, dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt – hier geht es nicht um Glauben, okay? Es geht darum, dass jemand gesündigt hat. Da war Not. Erinnert ihr euch an Psalm 37? Da hätte jemand geben sollen, und er hat es nicht getan. Da hätte jemand teilen sollen, besuchen sollen, sich darum kümmern sollen. Da hatte jemand von Gott die Mittel in die Hand gegeben bekommen, etwas zu ändern, und hat gesagt: Nein.
Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan. Und diese werden hingehen in die ewige Pein.
Gott ist dagegen bis an den Punkt, wo er sagt: Jetzt ist richtig Schluss. Gott straft. Und wenn Gott die Sünde hätte hassen können, ohne sie zu bestrafen, dann hätte Jesus nicht sterben müssen, dann hätte er das nicht tun müssen. Aber er kann es nicht. Die Heiligkeit Gottes beginnt damit, dass er selber sündlos ist, dass er Heiligkeit will, dass er Segen ausgießt, wo er Gerechtigkeit findet, dass er gegen jede Form von Ungerechtigkeit ist, dass er die Sünde und den, der sie tut, hasst, und ganz zum Ende, dass er sie straft.

Der einzige Ausweg aus dem kommenden Gericht

Ein Wort der Vorsicht möchte ich noch hinterherschieben. Seid vorsichtig, wenn ihr merkt, dass ihr diesen Aspekt von Gott, diesen zornigen Aspekt, nicht wollt. Wenn wir Gottes Zorn hassen, dann hassen wir Gott selbst. Ein Gott der Liebe, der keinen Zorn kennt, ist ein Götzenbild, das wir uns erschaffen haben, das sich aber so in der Bibel nicht findet.
Ich glaube, dass erst dann, wenn wir zutiefst begriffen haben, wie verloren wir mit unserer Sündhaftigkeit sind, wie sehr wir seinen Zorn und damit auch die Hölle verdienen, erst wenn wir das begriffen haben, dann wird Vergebung für uns die entsprechende Größe haben.
Gottes Zorn ist real, und er muss als Strafe für Sünde ausgegossen werden. Diese Schalen voller Grimm, von denen die Offenbarung spricht, die Zornesschalen, werden über diese Erde ausgegossen werden, und sie werden auch jedes einzelne Leben treffen. Johannes spricht im Johannesevangelium in 1. Johannes 3,36 davon, dass Menschen ... Ich lese euch das mal vor: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Das ist viel schlimmer. Es ist nicht so, na ja, irgendwann wird der Zorn mal kommen, ja, das wird auch passieren. Aber dort, wo Menschen ohne Glauben leben, da leben sie unter dem Zorn Gottes. Und wir können die Heiligkeit Gottes nicht betrachten, ohne zu verstehen, dass die Zeichen auf Sturm stehen.
Da ist niemand, der den Menschen vor diesem kommenden Zorn retten kann. Da ist niemand, der sich dieser Heiligkeit in den Weg stellen kann. Wir werden diesen Becher des Zornes, jeder Einzelne, bis zur Neige austrinken, es sei denn ... Und das ist der einzige Punkt, um daran vorbeizukommen. Es ist der einzige Ausweg, den wir haben, um nicht unter dem Zorngericht Gottes zu zerbrechen, es sei denn, es gibt da einen, der uns den Becher aus der Hand nimmt und sagt: Ich werde ihn für dich trinken.
Das ist die einzige Chance, die die Menschheit hat, dass das, was auf uns zurollt, uns nicht trifft. Wir können es nicht abwenden, aber dass sich einer vor uns stellt und, im Bild gesprochen, die Kugel, die schon abgefeuert ist und uns treffen wird, für uns abfängt; und dass der ganze Zorn Gottes sich auf ihm entlädt, ihn zerdrückt und er für uns nicht nur irgendwie Strafe erduldet, sondern auch die ganze Wucht göttlichen Zorns trägt.
Und das ist die Geschichte von der Liebe Gottes. Das machen wir nächstes Mal.

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