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Jesus und das Gebet (Teil 1)

18.06.2018
Serie•Teil 19 / 21Jesus
Gebet ist kein Haken auf der To-do-Liste. Es kann dich ehrlich machen, frei von Schein und mitten in Gottes Gegenwart führen – wenn du lernst, wirklich zu beten.

Einleitung und Rahmung der Predigt

Mein Name ist Jürgen Fischer, für alle, die mich noch nicht kennen, weil sie zum ersten Mal da sind. Ihr könnt mich gern nach der Predigt ansprechen, wenn euch irgendetwas auffällt oder wenn irgendetwas komisch ist. Das ist meistens irgendwie so. Also nicht böse sein, einfach auf mich zukommen, Fragen stellen.
Wir sind mitten in einer Reihe. Für alle, die jetzt dazustoßen: Das ist, glaube ich, der zwanzigste Teil oder so. Wer genau hinschaut in der internen Nomenklatur, sieht aber, dass es Teil vier A ist. Das liegt daran, dass ich in der Jesus-Reihe, um die es geht, mal irgendwann mittendrin in einer anderen Gemeinde ein Thema gemacht habe. Davon habe ich euch nie etwas erzählt, habe das dann aber in die Reihe eingepackt. Das war Jesus und das Gebet. So, und jetzt machen wir auch Jesus und das Gebet, aber ich kann natürlich die Nomenklatur nicht noch mal umstellen. Deswegen ist das jetzt vier, und weil es zwei Predigten geben wird, ah, simpel, gut, schön.
Letztes Mal hatten wir das Thema Jesus und Enttäuschung. Wie geht Jesus mit Enttäuschungen um? Und ich habe euch versucht klarzumachen, dass es im Leben von Jesus so etwas wie ein Geheimnis gibt. Mit Geheimnis meine ich: Es gibt da etwas, wo ich sage, da schauen wir zwar in sein Leben hinein, aber das hat so eine ganz persönliche Note. Das ist so etwas, was man nicht einfach imitieren kann. Wo man nicht sagen kann: Hier sind drei Regeln, und das war es dann. Das ist etwas, was man wirklich ein Stück weit selber erleben, erleiden und für sich erfassen muss.
Und das ist, wenn Jesus sich zurückzieht zum Gebet. Wenn er Kraft, Entschlossenheit und Führung für sein Leben daraus gewinnt, dass er wirklich Zeiten alleine mit Gott verbringt. Ich habe euch letztes Mal gesagt, das ist wahrscheinlich Dreh- und Angelpunkt eines jeden geistlichen Lebens. Ich habe hier aus Lukas 5,16 den Vers dabei: Er aber zog sich zurück und war in einsamen Gegenden und betete. Das ist so ein Stück weit genau das, wofür Jesus steht: diese Zeit alleine mit Gott.
So, Jesus und Gebet ist heute unser Thema. Und ich möchte das vorneweg schicken: Ich glaube an Gebet. Ich bin davon überzeugt, dass ein Leben genau so viel Frucht bringt, wie es Zeit im Gebet verbringt, und dass man Gebet durch nichts ersetzen kann. Wenn du glaubst, Gebet durch Aktionismus zu ersetzen, wirst du Schiffbruch erleiden. Du wirst ganz am Ende feststellen, es ist Quatsch gewesen.
Ich kann dir nur dringend raten: Was auch immer du als Projekt anfängst, ob das etwas Soziales ist, ob das etwas vielleicht greifbar Geistlicheres ist oder ob das etwas Persönliches, Berufliches ist, ich kann dir einfach nur dringend raten: Bete.

Warum Gebet mehr ist als eine Pflichtübung

Und ich stehe hier vorne als jemand, der sich etwas wünscht. Ich wünsche mir, dass auch wenn die beiden Predigten zum Thema Gebet irgendwie technisch werden, wir uns anschauen, was Jesus dazu sagt. Dabei geht es ein bisschen um die Frage: Wie macht man es denn?
Da kommt leicht dieser Eindruck auf: Aha, jetzt weiß ich, wie es geht. Nein, weißt du nicht. Also ja, du weißt es, aber du musst es machen.
Und was mir wichtig ist: Gebet soll nicht von uns verstanden werden als eine geistliche Übung, die man einfach abhakt im Sinne von: Aha, ich bin Christ, und Christen müssen halt beten. Also muss ich halt irgendwo, weil wenn ich es nicht mache, habe ich ein schlechtes Gewissen. Das will ich auch nicht haben, also baue ich halt irgendwo so eine Zeit einen Haken dran, und fertig.
Wenn ich schon daran denke, dass man an der Stelle so über Gebet denkt, dann denke ich: Ah, gruselig. Gebet will nicht abgehakt werden, sondern, und ich versuche das mal mit meinen Worten, Gebet möchte dich in die Gegenwart Gottes katapultieren. Darum geht es.
Also Gebet, ich hoffe, ich finde Worte dafür: Wenn Jesaja die Gegenwart Gottes beschreibt, dann beschreibt er Engel, die von der Heiligkeit Gottes so fasziniert sind, dass sie sich nicht trauen, ihn anzuschauen. Und in dieser Heiligkeit treten wir ein, wenn wir die Hände falten, wenn wir zu Gott reden.
Und Gebet möchte unser Innerstes entblößen. Es möchte viel mehr sein als ein Ritual. Davon hat Gott schon genug, das braucht er nicht noch mehr. Er möchte, dass unser Innerstes offenbar wird. Ich darf Gott meine tiefsten Geheimnisse offenbaren. Ich darf Gott meine größten Ängste offenbaren.
Und wenn ich das tue, wenn ich mich darauf einlasse, wenn ich Gebet als etwas total Existenzielles betrachte, dann möchte Gott mich beschenken. Er möchte mir wirklich ewiges Leben zusprechen, er möchte mir Hoffnung zusprechen. Er möchte, dass ich mich einreihe, verzeiht dieses martialische Bild, aber ich mache es jetzt mal so, er möchte, dass ich mich im Gebet einreihe in die Heerscharen Gottes. Da, wo ich für sein Reich flehe, da, wo ich den Einfluss dämonischer Mächte breche, das ist Gebet.
Gebet will mir die Last meiner Sünde von der Seele nehmen, möchte mir Barmherzigkeit und Vergebung zusprechen. Das ist Gebet. Gebet will mich komplett umgestalten. Gebet möchte, dass ich wirklich Gott begegne.
Aber dazu muss ich wegkommen von so einer Vorstellung, Gebet ist etwas, was man abhakt. Aha, wir werden uns heute mit dem Vater Unser beschäftigen. Das war jetzt irgendwie ein Spoiler. Okay, gut. Versteht ihr?
Und alle werden sagen: Nö, kenne ich schon. Das ist meine Angst, dass man sagt: Ja, kenne ich schon. Und ich denke mir: Oh, hoffentlich nicht.

Erste Leitlinie: Gebet ohne Selbstdarstellung

Und deswegen diese kleine Vorvorbemerkung: Trau dich mal, über Gebet so zu denken, als wäre es das Gefährlichste, was es in deinem Leben überhaupt gibt, als das Explosivste, was es in deinem Leben gibt, als das Fruchtbringendste, was es in deinem Leben gibt, als das Verändernste, was es in deinem Leben gibt. Trau dich mal, über Gebet ein bisschen größer zu denken, und du kommst ungefähr dahin, wo ich hin möchte.
Auch wenn ich das nicht schaffen kann, weil ich dich dort nicht hinbringen kann. Das kannst nur du machen, indem du das, was Jesus dir als Tipp gibt, annimmst und dann umsetzt. Und dann stellst du über Jahre und Jahrzehnte des Gebets fest: Boah, Wahnsinn!
Also, ich kann das nur noch einmal sagen: Ich glaube an Gebet. Und ich glaube daran, dass in dem Maß, wie wir uns auf Gebet einlassen, wie wir das wagen, ehrlich zu sein, unser Leben wirklich umgestaltet wird.
Wenn du ein Problem mit Sünde hast, weil du vielleicht ein ewiger Miesepeter bist oder ständig schlecht über Leute reden musst oder weil du sagst, ich hänge in irgendeiner Sünde drin, mit Pornografie oder mit Geld oder mit sonst irgendetwas: Wie willst du das an der Stelle anpacken, wenn nicht im Gebet? Versteht ihr, ja? Wir werden ewig dieselben alten Krüppel bleiben, solange wir uns nicht trauen, an der Stelle zuzupacken und zu sagen: Gott beschenkt den, der zu ihm spricht. Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.
Und deswegen lasst uns Leute werden, die das, was Jesus uns auch an technischen Tipps gibt, nicht einfach sagen: Ja, kenne ich schon. Sondern die begreifen: Wir begegnen hier in der Heiligkeit dem Ewigen, und der Ewige hat Macht, dein Leben auf den Kopf zu stellen.
Und wenn du das nicht glaubst, dann erzähle ich dir von Gebetserhöhungen. Ich erzähle dir, was Gott allein im Leben unserer Ehe in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Und ich kann dir sagen: Gebet ist das ultimative Mittel, das Gott benutzt.
So, so viel davor, nur damit wir nicht aneinander vorbeireden, wenn ich über Gebet rede und ihr denkt, jetzt geht es darum, irgendwie einen Zettel auszufüllen oder so.
Drei Vorbemerkungen, ihr ahnt das schon, aber heute gibt es nur einen Hauptpunkt. Drei Vorbemerkungen, und sie sind so simpel, vielleicht denkst du dir: Jürgen, muss man das wirklich sagen? Ich predige es aus einem einfachen Grund, weil Jesus es gesagt hat.
Jesus sagt, Vorbemerkung Nummer eins: Wenn du betest, und Gebet ist Reden mit Gott, wenn du redest, mach keine Show. Matthäus 6,5. Ihr habt die Notizen zur Predigt. Wer noch welche braucht, es sind bestimmt noch welche unterwegs. Matthäus 6,5. Da sagt der Herr Jesus: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler. Ein Heuchler ist ein Schauspieler, ein Heuchler ist einer, der sich hinstellt und so tut, als ob.
Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen: Der steht da vorne an der Bushaltestelle, steht einer und betet. Das macht heute keiner mehr. Du wirst ausgelacht werden, wenn du das machen willst. Aber damals war das total populär, sich an die Straßenecken zu stellen und zu beten, damit auch jeder sieht: Hallo, was bin ich für ein heiliger Mann, ja, ich bete.
Und dann sagt Jesus dazu: Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
Also, Punkt eins, Vorbemerkung eins, ganz simpel: Bete nicht, um andere Menschen zu beeindrucken.

Zweite Leitlinie: Der Ort der Stille

Kleine Einschränkung: Ja, aber ich weiss ja nie so ganz genau, ob ich, wenn ich bete, nicht vielleicht doch fünf Prozent andere Leute beeindrucken will.
Ja, dann akzeptieren wir die fünf Prozent. Es geht um eine grundsätzliche Haltung. Wenn du nachher in der Gebetsgemeinschaft nicht ganz genau weisst, ob deine Motive zu hundert Prozent gerade sind, dann ist das bei keinem von hier so. Jeder, der aufsteht und betet, hat vielleicht irgendwo in seinem Kopf doch noch diesen Gedanken: Wenn ich hier stehe, bin ich schon irgendwo. Versteht ihr, so dieses fünf Prozent.
Hier geht es um etwas anderes. Hier ist jemand, der Gebet benutzt, um andere Menschen zu beeindrucken. Und das sollen wir nicht tun, und zwar nimmer mehr. Klar, oder? Wir beten nicht, damit andere uns sehen, sondern weil wir Gott gefallen wollen.
Und dann ist hier ein letzter Punkt, der auch ganz süss ist: „Wir haben Ihren Lohn dahin.“ Ich weiss gar nicht, haben wir jemals darüber gepredigt? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir, seitdem es diese Gemeinde gibt, über diesen Punkt jemals gesprochen haben. Dass wenn Gott unser Gebet hört und wenn wir beten, Gott sagt: „Hey, ich belohne dich dafür.“
Ich weiss nicht, wie du dich fühlst. Du liegst auf den Knien für irgendjemanden, du betest für den und machst und denkst dir doch nicht in dem Moment: „Super, jetzt werde ich dafür belohnt.“ Ich muss ehrlich sagen, dass mir an so einer Stelle immer wieder besonders deutlich wird, was für einen grandiosen Gott ich habe.
Stell dir mal vor, wir haben einen Gott, der Mensch wird, am Kreuz für uns stirbt, unsere ganze Schuld auf sich nimmt und uns rettet. Punkt eins.
Dann sagt er: „Hey, möchtest du nicht beten, damit ich dich beschenken kann?“ Und wenn wir dann beten, damit er uns beschenkt, noch zusätzlich zu unserer Rettung, dann sagt er: „Und weil du jetzt gebetet hast, belohne ich dich noch dafür.“
Versteht ihr ja? Also Punkt eins wäre schon irre: Gott rettet uns. Punkt zwei: Ich darf beten, damit Gott mich beschenkt. Das ist irre, irre. Aber zu sagen, dass Gott mich noch dafür belohnt, dass ich bete und mich beschenken lasse, dass ich quasi die Türen seiner Gnade aufmache, dass seine Gnade reich in mein Leben hineinfliessen kann, das ist doch einfach irre!
Das ist ein grandioser Gott. Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben. Das ist der Gott, den wir feiern, und der uns wichtiger ist als die Fussball-WM.
Zweite Vorbemerkung: Such dir einen ruhigen Platz, wo du mit Gott allein sein kannst.
 Matthäus 6,6: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer. Und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Also ich hoffe, eins ist klar: Man kann und man soll auch mit anderen Christen beten. Gemeinde ist immer, das werden wir auch nachher gemeinsam machen, eine Gebetsgemeinschaft. Und es geht sogar so weit, dass auf dem Gebet von Zweien eine ganz besondere Verheissung liegt, Matthäus 18,19, wenn ihr das nachlesen wollt.
Also, dieser Vers hier will nichts sagen gegen Gebetsgemeinschaften, darum geht es ihm gar nicht. Er führt einfach den Gedanken fort, statt wie ein Heuchler an der Strassenecke zu stehen, wo mich jeder sehen kann, soll ich dort Gott begegnen, so wie Jesus das gemacht hat, in der Einsamkeit.
Gott ist im Verborgenen. Er will uns begegnen, wenn wir uns zurückziehen, um mit ihm alleine zu sein. Und ja, es muss keine Kammer sein. Es muss einfach nur ein Platz sein, wo nicht ständig das Handy klingelt. Ein Platz, wo du vielleicht nicht die Mülltüten, die noch so leeren Mülltüten oder Milchtüten siehst, ja, du weisst schon, Müll muss noch rausgebracht werden, wo man nicht ständig abgelenkt wird.
So ein Ort muss das sein. Und ob das dann ein Wald ist – ich bin unglaublich gern im Wald –, ein anderer sagt: „Ey, ich setze mich in mein Auto, da habe ich Ruhe, und ja, da stört mich keiner“, ein dritter sagt: „Ey, ich habe da so eine Ecke in meinem Wohnzimmer“ – das spielt dann gar keine Rolle.
Aber du brauchst so einen Ort, einen Ort, wo du Ruhe hast, um alleine mit Gott zu sein. Und du sagst: Da gehöre ich hin. Wenn ich da bin, dann ist quasi mein ganzer Organismus schon vom Ambiente her ein bisschen auf Anbetung getrimmt, und ich werde nicht gleich wieder weggezogen.

Dritte Leitlinie: Worte mit Gewicht statt leeres Wiederholen

Dritte Vorbemerkung: Achte auf Qualität.
Weiter in Matthäus. Wir haben jetzt Matthäus 6, ja, 5, 6, und jetzt kommen 7 und 8:
Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen, das sind die Heiden, die Nichtjuden, ja, sollt nicht plappern. Denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. Seid ihnen nun nicht gleich, denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.
Also, wir hatten jetzt gesagt: Erstens keine Show, zweitens haben wir gesagt: Such dir ein ruhiges Plätzchen, Punkt Nummer drei: plappere nicht.
Also, um das auch hier zu sagen: Du darfst gerne viele Anliegen vor Gott bringen und für viele Menschen beten, du darfst gerne viel reden. Aber wenn du denkst, es geht beim Beten darum, grundsätzlich irgendwie nur viele Worte zu machen, das ist Quatsch.
Also, wenn du ein Anliegen hast, dann bring dein Anliegen. So: Herr, ich wünsche mir, dass der sich bekehrt, sag’s ihm. Und jetzt fang nicht an zu glauben, dass, wenn ich das fünfmal sage, ja, dass das dann irgendwie mehr wäre.
Da sagt jetzt Jesus: Nee, das machen die Heiden so. Die wollen ihre Götter, naja, so eine Mischung aus informieren und manipulieren. Das haben wir nicht nötig. Wir haben einen Vater im Himmel, und das Irre an diesem Text ist: Der weiß, was wir benötigen, schon bevor du ihn bittest.
Wisst ihr, wir müssen Gott nicht auf uns aufmerksam machen. Wir müssen ihn nicht durch irgendwelche Plapper-Rituale milde stimmen. Kennt ihr so Gebetsmühlen, die man so dreht, ja, dann denkt man, wenn man da irgendwie sowas dreht, oder das Erste, von wem ich je gehört habe, war eine Rosenkranz-CD. Das sind so vorgeformte Gebete, die man einfach in den CD-Player legt, da muss man selber nicht mehr sprechen. Und dann lässt man quasi, Entschuldigung, ich weiß nicht warum, Leute wollen dann besonders heilig sein oder wollen, dass Gott sie dadurch erhört.
Jesus sagt: Das ist völliger Quatsch. Wir haben einen Vater im Himmel, und Gebet ist Reden mit dem Vater.
Und wisst ihr, wenn ich als Opa, ich mache mal ein Beispiel: Wir hatten jetzt unseren Enkel Lukas da. Wenn ich als Opa schon weiß, was Lukas meint, wenn er zum Gefrierschrank rennt, ihn aufreißt, die oberste Schublade rauszieht und sagt: Eisse es! Wenn ich das schon übersetzen kann und ziemlich genau weiß, was er will, ja, wie viel mehr Gott, wenn wir zu ihm kommen.
Das Einzige, was Gott möchte, ist, dass wir zu ihm kommen und ihm das nennen, was wir haben wollen. Versteht ihr? Das ist die einzige kleine Einschränkung. Gott sagt: Ich will dich beschenken, ich habe da nur eine Sache, ich möchte, dass du mich fragst.
Das ist ein bisschen so, wie wenn du bei mir, wenn du Süßigkeiten bei uns haben möchtest, okay? Wir haben immer viele Süßigkeiten zu Hause, weil wir öfter Gäste haben. Wenn du was haben möchtest, frag. Du kannst wirklich die ganze Merci-Packung aufessen, die da steht. Mach es, ich habe da null Problem.
Das Einzige, was ich nicht mag, ist, wenn jemand einfach so rangeht, ja, ohne zu fragen, weil vielleicht war die für was. Frag einfach, und so ist Gott. Gott sagt: Ich möchte dich beschenken, das Einzige ist: Frag. Sag mir doch, was du haben möchtest. Versteht ihr, das ist Gebet.

Das Mustergebet als Orientierung für das eigene Beten

So, drei Vorbemerkungen: Keine Show, ein ruhiges Plätzchen und nicht plattern.
Bleibt die Frage, was ich sagen soll. Und mein einziger Punkt heute lautet: Das Gebet Jesu hat Struktur. Ich habe dann noch drei Punkte fürs nächste Mal zum Nachschieben. Aber jetzt erst einmal: Wenn wir beten, schadet es nicht, im Gebet ein bisschen Struktur im Kopf zu haben.
Dazu habe ich euch ausnahmsweise mal Lukas 11 mitgebracht. Normalerweise würde man das mit Matthäus 6 weitermachen, wollte ich aber nicht. Lukas 11 ist weniger bekannt und kürzer. Lukas 11, die Verse 1 bis 4. Das ist wohl Lukas, der das Vaterunser beschreibt. Das gibt es also im Matthäusevangelium und im Lukasevangelium.
Es geht so: Und es geschah, als er, Jesus, an einem Ort war und betete. Da sprach, als er aufhörte. Er hat nicht mit den Jüngern gebetet, er hat alleine gebetet. Da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Unser nötiges Brot gib uns täglich. Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.
So simpel. Ich mag Jesus. Jesus ist so herrlich einfach. Also das ist etwas, das könnten wir heute in der Kinderstunde auch jeder Gruppe erklären. Das ist nicht so kompliziert.
Die Jünger wollen das Beten lernen. Sie hatten etwas erlebt. Ein Teil der Jünger war ja vorher ein Jünger von Johannes dem Täufer, und sie hatten bei Johannes dem Täufer gesehen, vielleicht auch selbst erlebt, dass Johannes der Täufer seinen Jüngern Beten beigebracht hat. Und jetzt erleben sie, dass Jesus betet. Er kommt zurück, und jetzt gehen sie auf Jesus zu und sagen: Könntest du uns nicht auch das Beten beibringen?
Also für die Jünger gehört Beten einfach zu einer Kompetenz des Glaubens. Und sie wollen von dem lernen, der in ihren Augen einfach die größte Kompetenz hat: Jesus. Sie erleben, wie er betet. Sie merken, der hat etwas, das hätte ich auch gerne. Und dann gehen sie hin und sagen: Wir sind Jünger Jesu, also lernen wir vom Meister. Was sollen wir sonst machen?
Das finde ich spannend, weil wenn wir uns beschreiben müssten, was sind wir denn? Dann würden wir auch sagen: Wir sind auch Jünger Jesu, oder? Jünger Jesu, ja, Jesus ist auch unser Herr. Das heißt, wenn sie hingehen und sagen: Bringen Sie uns Beten bei, könnten auch wir da stehen und sagen: Herr, bringen uns Beten bei.
Und was Jesus dann macht, ist: Er bringt ihnen das sogenannte Vaterunser bei.

Die fünf Elemente einer geordneten Gebetszeit

Heute ist es so, dass das Vaterunser in manchen Kirchen gebetet wird. Regelmässig machen wir das nicht. Und das macht auch in der Bibel niemand. Es ist auch von den ersten Christen nicht als ein Gebet verstanden worden, das man einfach beten soll, sondern als Mustergebet. Es geht darum, wie man beten soll.
Das heisst nicht, dass es falsch ist, es zu beten. Versteht ihr? Es besteht nur die Gefahr, wenn man so ein Gebet immer wieder betet und damit gross wird, dass man es irgendwann beten kann, ohne nachzudenken. Also mit seinen Gedankenbögen. Und das ist wieder dieses Plappern, von dem Jesus sagt: Das wollen wir nicht.
Also ab und zu kann man es machen, weil man es verstanden hat und etwas damit verbindet. Aber ursprünglich war es für etwas anderes gedacht. Es war dafür da, dass Jesus sagt: Wenn du betest, brauchst du ein Stück Struktur. Denn beim Gebet gibt es kurze Gebetszeiten, die füllen sich von alleine, so fünf bis zehn Minuten. Aber wenn du mal zwei, drei Stunden betest oder hier einen Gebetsabend machst, dann ist es gut, eine Struktur zu haben. Wie baut man so etwas auf? Wie strukturiert man Gebet?
Also, wenn ihr betet, sagt der Herr Jesus: Vater, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, unser nötiges Brot gib uns täglich, und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist, und führe uns nicht in Versuchung.
Ihr habt auf euren Notizen so eine Hand. Eine Hand hat fünf Finger, und so hat die Struktur von Gebet fünf Themen. Fünf Themen, okay? Es fängt mit dem Daumen an: Anbetung. Dann kommt Fürbitte, Bitte, Vergebung, Führung. Das ist ganz simpel.
Deswegen meine ich, wir könnten jetzt rausgehen und es den Kindern beibringen. Du kannst wahrscheinlich jedem Dreijährigen beibringen: Gebet, Hand, wie viele Punkte? Fünf. Anbetung, Fürbitte, Bitte, Vergebung, Führung. Es ist nicht so kompliziert.
Die Jünger fragen: Lehre uns beten. Und was er ihnen gibt, ist das Vaterunser. Ich gehe mit euch mal kurz durch diese fünf Punkte durch. Und mein Tipp für euch: Ihr müsst das nicht machen, aber wenn ihr vom Meister lernen wollt, ist das das, was er euch anbietet. Du kannst es anders machen, aber ich habe vor, ich weiss nicht, zwei Jahrzehnten angefangen, mein ganzes Gebet danach zu strukturieren.
Warum? Weil Jesus sagt, dass es gut ist. Relativ simpel. Und ich möchte es einfach so machen, wie Jesus es macht. Ich gehe davon aus, dass Jesus selber so gebetet hat. Ich habe kein Gebet überliefert, wo ich das so klar zeigen kann. Aber wenn du zu mir kommst und sagst: Jürgen, ich würde gern Bibelferse lernen, so ein bisschen mein Faible, wie soll ich das machen?, dann bringe ich dir nicht irgendetwas bei, was ich noch nie gemacht habe, sondern ich bringe dir das bei, was ich mache.
Wenn du mich fragst: Sag mal, wie machst du hier so ein Steak auf dem Grill?, dann sage ich dir, wie ich es mache. Du hast ja gefragt. Wenn du es lernen willst, gebe ich dir das weiter. Und so macht Jesus das in meinen Augen auch. Jesus hat eine bestimmte Art, als Mensch zu beten, und er zeigt seinen Jüngern, wie das geht.

Anbetung als erster Schritt

Und Jesus sagt: Starte ganz am Anfang mit Anbetung. Vater, geheiligt werde dein Name.
Es ist ein guter Start im Gebet. Was man heiligt, vor dem hat man Respekt, sogar richtig viel Respekt. In Jesaja 8,13 heißt es: Den Herrn der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; er sei eure Furcht und er sei euer Schrecken.
Ihr müsst jetzt nicht erschrecken vor so einem schrecklichen Vers. Aber ihr merkt: Heiligen hat etwas damit zu tun, dass sich jemand mit Respekt begegnet, dass jemand sein darf, was er wirklich ist, dass ich ihn nicht klein mache, sondern dass ich Gott Gott sein lasse.
Also gebe ich Gott am Anfang im Gebet meinen Respekt. Ich mache ihn groß, er steht im Zentrum, nicht ich.
Wie macht man das? Keine Ahnung, wie man das macht. Ich kann euch sagen, wie ich das mache. Und das hat sich bei mir bewährt.
Ich starte mit Dank und ich starte mit Lobpreis. Das heißt, am Anfang überlege ich mir, was in meinem Leben gerade gut läuft. Und dafür danke ich Gott.
Das ist fast der erste Gedanke am Morgen, dass ich mich freue über das, was am Tag vorher gut gelaufen ist, und Gott dafür danke. Oder wenn ich loszottel in den Wald, ja, erst mal danken, erst mal sich vergegenwärtigen, was ich alles habe, wie reich und beschenkt ich bin.
Erst mal danken und dann schauen, was gut läuft, und erst mal Freude generieren. Und wenn man ein Stück älter wird, dann wird man sogar anfangen, für Dinge zu danken, die einem am Anfang komisch vorkommen, die man am liebsten vielleicht gar nicht hätte, weil man einfach merkt: Gott macht keinen Fehler.
Also starte ich mit Dank, und dann kommt Lobpreis. Lobpreis heißt: Ich feiere Gott. So, ich bin ich, das müsst ihr jetzt nicht so machen. Ich habe auf meinem Handy einfach eine lange Liste mit Eigenschaften Gottes, Namen Gottes und Bildern für Gott aus der Bibel, und ich nutze das dann.
Ich wippe mich sozusagen wie auf einem Sprungbrett ein bisschen auf diesen Begriffen hin und her und lasse mich wegtreiben in Lobpreis. Ich feiere einfach Gott, bringe meine Liebe, meine Ehrfurcht und meine Anbetung zum Ausdruck. Die Größe und der Charakter Gottes stehen am Anfang.
Das heißt: Du möchtest beten? Dann fang doch morgen damit an, dass du einfach sagst: Das mache ich. Ich starte mit Anbetung.

Fürbitte für Gottes Reich und für andere Menschen

Und dann kommt Fürbitte. Das versteckt sich hinter den Worten: „Dein Reich komme.“
Fürbitte ist im Allgemeinen bei mir auf jeden Fall, bei dir wahrscheinlich auch, der längste Block in der Gebetszeit. Er sollte es zumindest sein. In der Fürbitte dreht sich alles um Gottes Reich. Ich bete, dass Gottes Herrschaft kommt, dass sich Gottes Herrschaft ausbreitet, dass mehr Menschen zum Glauben kommen, dass Gläubige im Glauben fest werden.
Bei der Fürbitte beten wir nicht für uns. Du kommst nicht zu kurz, gleich bist du dran. Aber am Anfang wird erst einmal für andere Leute gebetet. Und wir flehen darum, dass andere Menschen geistlich wachsen, wir flehen darum, dass Menschen erleuchtet werden, Gott verstehen, dass sie erweckt werden, dass Weisheit da ist, dass Bewahrung da ist, dass Gottes Hilfe da ist.
Und ihr merkt: Huh, wenn ich das intelligent machen will, dann braucht das Vorbereitung. Da muss ich mich vielleicht mal hinsetzen und überlegen, für wen und was ich alles beten will. Und wenn du ein bisschen nachdenkst, wirst du auch schnell feststellen, dass es sehr viele Menschen gibt, die dein Gebet brauchen. Und deswegen musst du ein bisschen Ordnung ins Chaos bringen.
Du wirst für manche Leute häufiger beten, vielleicht täglich. Für manche Leute wirst du einmal im Monat beten. Für manche Leute, die sind auf so einer längeren Liste, ja, die kommen dann irgendwie ab und zu mal dran. Die will man einfach nicht vergessen. Keine Ahnung, wie du das machst.
Wir dürfen für Familie beten, für die Gemeinde, für die Politiker, für christliche Organisationen, für verfolgte Geschwister, für Missionare, Prediger usw. Du kannst dir überlegen: Wer ist mir so wichtig, dass ich ihm etwas von meiner Zeit vor Gott schenken möchte? Und wie gesagt, wenn du damit anfängst, wirst du relativ schnell merken, dass es viel zu viele gibt.
Mein Wunsch wäre: Lass dich davon bloß nicht abschrecken. Es ist ein bisschen so wie Sport. Also nicht bei mir, aber ich habe das bei anderen Leuten so gehört, dass sie klein anfangen und dann immer mehr machen wollen. Wie gesagt, das war bei mir nicht so, aber es gibt so Leute. Und so ist das beim Beten. Beim Beten war es bei mir so. Man fängt klein an, und dann merkt man: Boah, jetzt habe ich, was weiß ich, ein halbes Jahr lang für jemanden gebetet, und jetzt bewegt sich bei dem etwas.
Du betest ein halbes Jahr, und da bewegt sich etwas. Also, ich bete seit Weihnachten 2017, da haben wir angefangen mit unserem Sonntagfrühgebet, bete ich dafür, dass Nord- und Südkorea sich wieder zusammenfinden. Könnt ihr euch vorstellen, mit was für einer Begeisterung ich im Moment die letzten Monate betrachtet habe? Da war irgendwie jahrzehntelang Funkstille. Ich sage jetzt nicht, dass das an meinem Gebet liegt. Es ist einfach nur so dieses ... Also, ein bisschen denke ich das schon, aber nicht nur, weil da Hunderttausende, Millionen von Christen dafür beten. Aber ich denke mir: Ich bete dafür, Herr, das ist schon irgendwie ... Das fixst einen schon so ein bisschen an, dass man sagt: Hm, vielleicht.
Und da gibt es immer wieder so Sachen, wo du merkst: Ey, cool. Total cool. Du betest, und du möchtest das öfter erleben, weil Gebet halt nicht so ist, dass man einmal betet und macht plopp und alles ist anders, sondern Gebet ist so etwas ganz Organisches, was wachsen will. Und du ballerst da immer wieder so neue Energie rein, und dann blubbert das so ein bisschen vor sich hin, und dann wächst da was, und du darfst da zuschauen. Und irgendwann hat sich wieder etwas getan. Dieser Hammer.

Bitte für den Alltag und die eigenen Bedürfnisse

Plan das, es ist nicht schwer. Meine Erfahrung ist die Fürbitte für andere Leute.
Erst mal denkt man: Warum soll ich so viel Zeit damit zubringen, für andere Leute zu beten? Ich habe so viele eigene Anliegen.
Na ja, Punkt eins: weil Jesus sagt, wir sollen dafür beten. Punkt zwei: Ich mache die Erfahrung, wenn ich mir mal richtig, oder nicht nur richtig, sondern wenn ich mir Zeit nehme, für andere Leute zu beten, es ist ganz, ganz komisch. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber wenn ich für andere Leute bete, kriege ich selber in meiner Seele total viel Ermutigung.
Also macht das mal. Schnappt euch mal die Gemeindeliste und betet sie mal in Ruhe durch. Oder wenn du sagst, es ist mir zu viel, dann nimm dir eine Seite von der Kontaktliste oder so. Bete mal eine Seite in Ruhe durch. Das dauert vielleicht zwanzig Minuten. Und schau mal, was das mit deiner Seele macht. Wenn du über andere Leute nachdenkst und sie vor Gott ausbreitest, du wirst sehen: Boah, das tut mir total gut. Und du weißt nicht warum. Es ist einfach nur so.
Am Ende habe ich oft gar keine Lust mehr, für meine Anliegen zu beten. Ich mache das, weil das irgendwie auch wichtig ist, aber ich bin schon so erfüllt in der Gegenwart Gottes, und es hat mich innerlich schon so auferbaut, für andere Leute zu beten, dass ich Punkt Nummer drei bei Bitte das oft in meinem Gebet einfach nur noch abhandle. Ich denke mir, ich bin eigentlich schon fast ein bisschen leer gebetet, ich bin schon erfüllt. Also, bitte, dritter Punkt:
Unser nötiges Brot gib uns täglich. Und ja, du darfst auch für Nutella beten und für Eis und für andere Sachen als Brot, weil das Brot hier nur für all das steht, was wir brauchen. Wir haben für Gottes Reich gebetet, wir haben damit für andere Menschen gebetet, und jetzt dürfen wir irgendwo in unserem Gebet auch für uns selber beten.
Du darfst für alles beten, worauf du Lust hast. Also, es gibt ein paar dumme Gebete dabei, das schon. Wenn du sagst, ich hätte gerne einen Lamborghini oder so, kann es sein, dass Gott sagt: Weißt du es nicht? Also, es gibt schon Dinge, die nicht im Namen Jesu sind, wo Jesus nicht für gebetet hätte, und dann brauchen wir auch nicht dafür beten.
Aber im Großen und Ganzen: Deine ganzen Bedürfnisse, das, was du so an einem Tag hast, bete dafür. Gott möchte dich beschenken. Das Einzige, was Gott möchte, ist, dass du ihm deinen Tag anbefohlst. Unser tägliches Brot gib uns heute. Es geht um ein tägliches Gebet.
Mein ernster Tipp: Du hast irgendwo wahrscheinlich so einen Überblick über das, was der Tag so an Aufgaben hat. Hol den raus und bete ihn wenigstens einmal sauber durch. Einmal, was dir so einfällt dazu. Und du kannst wirklich für alles beten: für alle Termine, für alle Bewahrung, die du brauchst, für Weisheit und Kraft und keine Ahnung, was dir einfällt. Du darfst jedes einzelne Werk deines Lebens Gott hinlegen.
Ich kann dir nur den Tipp geben: Geh in Gedanken durch deinen Tag, überleg, wen du triffst, welche Gespräche anstehen, welche Entscheidungen, welche Projekte, welche Art von Unterstützung. Ja, und noch mal: Es ist wirklich egal, worum du bittest. Du kannst um Mut beten, genauso wie um Geld, Gesundheit, Kreativität, Gelingen, Schutz, Weisheit, völlig Wurst. Es gibt keine kleinen und nebensächlichen Anliegen.
Wenn ich euch einen Tipp geben darf: Bringt noch den letzten Pipifax, wo du denkst, dafür brauche ich Gott nicht. Wenn ich dir einen Tipp geben darf, bringe ihn vor Gott. Tu es einfach. Probier es mal. Mach es mal vier Wochen, dass du sagst: Die nächsten vier Wochen, da nehme ich mir morgens Zeit, da ballere ich einfach jede einzelne Unterrichtsstunde, wenn ich Lehrerin bin, oder jeden einzelnen Kundenkontakt oder jeden einzelnen, den ich, was weiß ich, massieren muss als Physiotherapeut oder sonst irgendwas. Ich bete die Leute einfach mal durch. Mal schauen, was passiert. Mal schauen, ob Gott Gelegenheiten schenkt, dass Menschen offen werden.
Und wenn du dabei bist, dann nimm deine Sorgen gleich mit. Ja, Sorgen gehören auch an der Stelle dazu, das sind ja auch so eine Art Bitten, so Antibitten quasi. Sorgen kann man dann hier an so einer Stelle mit Danksagung gleich mit abgeben. Man sieht: Oh, Matheklausur oder schwieriges Gespräch oder so, einfach nehmen und sagen: Hier, Gott, wollte ich noch sagen, brauche ich nicht, es ist deine Sache, kümmer du dich darum, will ich jetzt nicht. Ich hätte gern deinen übernatürlichen Segen, Frieden an der Stelle, ja, das möchte ich jetzt haben.

Vergebung und der Umgang mit Schuld

So, vier Punkte haben wir schon, nee, drei. Also, wenn wir ihm jetzt gesagt haben, was wir brauchen, dann müssen wir noch eine Sache klären. Das ist unser vierter Punkt.
Dieser vierte Punkt heißt Sünde oder Vergebung. Da sagt Jesus: Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist. Ja, das ist so der hässliche Bereich im Gebet. Bis eben war es ja noch cool. Aber wenn ich jetzt Gott meinen Tag hingelegt habe und gesagt habe, das wünsche ich mir, Vater, da brauche ich deine Hilfe und Unterstützung, dann gehört es zum täglichen Gebet, dass wir unsere Sünden bekennen und dass wir Gott um Vergebung bitten.
Deswegen der Tipp: Denk einfach mal, wenn du betest, an den gestrigen Tag und bitte Gott darum, dass er dir zeigt, wo du gesündigt hast. Es ist nicht so das schöne Gebet, das weiß ich schon. In meiner eigenen Gebetszeit ist es auch immer der Punkt, der mir am wenigsten Spaß macht: zu sagen, Herr, zeig mir doch mal, was es so an falschen Haltungen, an falschen Worten, an falschen Gedanken gestern gab.
Und wenn wir sie dann bekennen: Sünde bekennen heißt, ich nenne Sünde beim Namen. Keine Ausflüchte mehr, kein Verstecken mehr, sondern einfach nur: Ich sage, das habe ich gemacht. Bitte vergib mir. Und das Schöne ist: Wenn du das vor Gott bekennst, dann verspricht Gott dir, dass dir vergeben wird. Und wenn du sagst, mir fällt nichts ein, dann bitte Gott darum, dass er dir etwas zeigt. Das ist ja nicht schlimm. Und wenn dir vergeben ist, dann freu dich darüber.
Jetzt wirst du sagen: Aber ich kann doch nie alle Sünden des Vortages bekennen. Da gibt es doch viele Sachen, die sind mir gar nicht aufgefallen. David macht Folgendes: Er hat da so ein Pauschalgebet. In Psalm 19 heißt es: Verirrungen, wer bemerkt sie? Von den verborgenen Sünden sprich mich frei. Wenn du magst, mach das ab und zu. Das ist so wie Rohrfrei, das braucht man auch nur ab und zu, dann ist alles wieder frisch.
Und hier ist es ähnlich: Wenn du sagst, das ist wirklich eine Not, Gott hat damit keine Not, dann bete doch: Herr, es gibt so viele Sachen, die liegen mir nicht vor, ich weiß sie gar nicht. Bitte vergib mir auch das, was mir verborgen ist. Ja, es gibt ja einen Grund dafür, warum Gott dir nicht alles auf einmal offenbart. Du kannst es wahrscheinlich nicht tragen, wenn Gott dir alles auf einmal offenbaren würde. Und bitte vergiss an der Stelle nicht: Es kommt Gott auf dein Herz an.
Und einfach nur mal, weil es hier passt: Geh vorsorglich davon aus, dass du im Verlauf deines Lebens immer neue Sünden entdecken wirst. Einfach weil du Gott besser kennenlernst, sein Wort besser kennenlernst, dich vielleicht auch mal verrennst an Stellen, wo du es nie gedacht hättest.
Und damit wir es nicht in den falschen Hals kriegen, noch einmal: Wir bekennen Sünden nicht, um gerettet zu werden. Das machen wir nicht. Wir bekennen Sünden nicht, um gerettet zu werden. Jesus hat für die Schuld aller meiner Sünden bezahlt: die, die ich begangen habe, die, die ich jetzt begehe, und die, die ich noch begehen werde. Meine Schuld ist vollständig getilgt.
Aber jede einzelne Sünde, die ich begehe, die nimmt mir Freude an Gott, die lässt mich Gott ein Stück weniger genießen. Und deswegen, weil Sünde auch immer eine Frage von Beziehung ist, wollen wir mit Gott im Reinen sein. Wir wollen nicht, dass irgendetwas zwischen ihm und mir steht. Und deswegen bringen wir die Sachen in Ordnung, weil es für uns gut ist.
So, und wenn du schon dabei bist, deine eigenen Sünden zu bekennen, dann vergib all den Menschen, die dir wehgetan haben gestern. Stell dir die Frage: Wer hat gestern mir wehgetan, wer hat mich missachtet, wer hat mich hintergangen, wer hat sich auf irgendeine Weise an mir versündigt, wo ist noch ein bisschen Groll? Und das muss nicht gleich so Wut im Sinne von: Den könnte ich abstechen, sein. Da gibt es auch Formen davor, so ein leichtes Grummeln. Wo findet sich noch so etwas wie ein bisschen Wut, ein bisschen Bitterkeit, ein bisschen Grolligsein?
Und wenn du das hast, gleich mitbekennen. Wenn du sagst: Herr, ich habe das falsch gemacht, bitte vergib mir, und übrigens, xy vergebe ich für das, was gestern gelaufen ist. Ihr werdet merken, das wollt ihr nicht, aber das tut gut.

Führung und Bewahrung für den kommenden Weg

Zum Schluss, fünfter Punkt: Führung.
Da heißt es dann: Und führe uns nicht in Versuchung. Versuchung ist jede Situation, die uns überfordert, jede Situation, die uns nicht guttun würde. Und was hier klar ist: Wir brauchen Gottes Führung und Bewahrung. Wir brauchen seinen Schutz und Segen für unser Leben.
Du kennst deine Zukunft nicht. Und manchmal passieren Dinge, die wir nicht erwarten. Wir wissen nicht, was kommt. Wir wissen nicht, was morgen in unserem Leben passieren wird. Und wir brauchen Weisheit, dieses Leben zu meistern.
Und wir dürfen Gott bitten, dass er uns leitet, dass er uns seinen Segen schenkt, dass wir mit seiner Hilfe den Weg gehen, der uns guttut, und den Weg, auf dem wir geistlich nicht zu Fall kommen.

Zusammenfassung und Ausblick

So, jetzt sind wir am Ende. Ich habe euch fünf Punkte mitgebracht, also eigentlich nicht ich: Jesus.
Wenn du sagst: Ich möchte vom Besten lernen, und ich würde gerne wirklich beten lernen, so wie ich es am Anfang gesagt habe, dann merkt ihr jetzt, dass es nicht so technisch ist: a, b, c. Nein, es geht darum, Gott zu begegnen. Aber wenn wir Gott begegnen dürfen, dann dürfen wir das auf eine intelligente Weise machen, weil Gott uns das Hirn geschenkt hat. Und deswegen ist mein Tipp, weil es Jesu Tipp ist: Nimm in dein Gebetsleben eine Struktur auf.
Fang mit Anbetung an, dann bete zweitens dafür, dass Menschen Gott finden und im Glauben wachsen. Drittens bitte Gott um alle Dinge, die du zum Leben brauchst. Viertens verstecke deine Sünde nicht. Und fünftens bitte Gott um Führung in deinem Leben.
Und ich habe euch noch etwas mitgebracht, das hatte ich schon mal dabei. Ich habe noch ein bisschen was: Also, ich habe zwölf Exemplare von dem Buch dabei. Das ist für den Fall, dass du sagst: Ich würde gerne anhand des Vaterunsers mir jetzt mal eine Gebetsliste zusammenstellen, und ich würde gerne noch ein bisschen mehr lesen zu diesen fünf Punkten.
Kniewerk heißt das Buch, Beten lernen am Beispiel des Vaterunsers. Ich habe zwölf Exemplare dabei. Die ersten zwölf, die sich eins schnappen können, haben eins. Ich lege es da hinten aus.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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