
Zwischen Abwarten und Entscheiden
Ja, du hast sicher schon erlebt, dass du vor Entscheidungsmomenten stehst. Wir alle stehen immer wieder im Leben vor Entscheidungen. Welchen Weg gehe ich? Höre ich auf Gott oder gehe ich meinen eigenen Weg? Mache ich mein eigenes Ding? Ziehe ich Gott in meine Überlegungen hinein, oder gehe ich in meinem Leben vorwärts, so wie ich es für richtig halte?
Wir erleben auch im Leben Wartezeiten. Ihr kennt das wahrscheinlich: offene Gebete, die Gott noch nicht beantwortet hat, unerfüllte Wünsche oder eine ungeklärte Zukunft. Was kommt auf mich zu? Wo soll mein Weg langgehen?
In diesen Wartezeiten und Entscheidungsmomenten stehen uns zwei Wege offen. Einmal Gott zu vertrauen, oder den anderen Weg zu wählen: die Kontrolle selbst zu übernehmen und die Dinge aus menschlicher Weisheit in die Hand zu nehmen. Genau diese zwei Wege finden wir in der Geschichte von Abraham wieder.
Eine Verheißung, zwei Wege — eine Verheißung, zwei Wege. Wir sehen Abraham und Sarah als Ehepaar. Wir sehen auch zwei Kinder: Ismael und Isaak.
In dem Moment, in dem Abraham auf die Verheißung wartete — Tobi hat es vorhin schon gesagt: 25 Jahre — stellt sich die Frage, welchen Weg wir gehen und wem wir vertrauen. Dazu wollen wir uns jetzt ein paar Gedanken machen.
Bevor ich tiefer in die Predigt einsteige, habe ich euch einen Leitgedanken mitgebracht: Gottes Zusagen erfüllen sich auf Gottes Weg und zu seiner Zeit. Unser Nachhelfen produziert oft nur Leid, aber Gott bleibt treu.
Behaltet diesen Leitgedanken im Hinterkopf. Über das Leben von Abraham und Sarah ist das geschrieben, und das kann auch ein Leitgedanke für dich und mich sein: Gottes Zusagen erfüllen sich auf Gottes Weg und zu seiner Zeit.
Wenn wir in Wartezeiten auf eine Verheißung oder auf eine Zusage Gottes warten und meinen, wir müssten die Dinge beschleunigen und nachhelfen, dann erzeugen wir oft nur Leid. Das werden wir gleich sehen. Gott bleibt jedoch treu. Er bleibt auch auf solchen Wegen treu, wenn wir uns in einer Sackgasse verlaufen haben.
Ich habe vier Gedanken mitgebracht, die wir uns heute anschauen wollen. Erstens: die Verheißung, die feststeht — hier möchte ich kurz auf die Predigt von Tobi zurückgreifen. Zweitens: der menschliche Weg, Ismael. Drittens: der Weg des Vertrauens, Isaak. Und viertens: die Gnade, die dennoch trägt.
Gliederung und erste Zusage
Ja, lasst mich zum ersten Punkt kommen: Verheißung, die feststeht.
Die Geschichte mit Abraham beginnt, als Gott ihn aus Ur in Chaldäa herausruft. Abraham ist mit Sarah verheiratet; sie leben in Mesopotamien, das im heutigen Südirak liegt, wenn man eine Landkarte vor sich hat. Die Geschichte beginnt mit 1. Mose 11,30 und den folgenden Versen.
Abraham und Sarah haben an sich eine gute Ehe, aber es gibt ein Problem: Sarah ist unfruchtbar, sie kann kein Kind bekommen. Das ist bemerkenswert, weil der Gott — besser gesagt der Götze, den sie anbeten — ein Fruchtbarkeitsgott ist. Der sumerische Gott Nanna war der Stadtgott von Ur. Er war ein Mondgott, den die Chaldäer verehrten. Auch Abraham und Sarah beteten diesen Götzen an.
Dieser Gott, dieser Mondgott Nanna, stand für die Fruchtbarkeit. Man schrieb ihm zu, Vieh und Menschen zahlreich zu machen. Aber irgendwie funktioniert das bei Sarah nicht. Sarah wird nicht schwanger. Nanna ist offenbar nicht in der Lage, Sarah fruchtbar zu machen. Sarah bekommt kein Kind.
In diese Situation hinein kommt Gott mit seiner Verheißung. Ein Ehepaar, das auf ein Kind wartet — dieses Verlangen ist da, diese Sehnsucht ist da — und sie beten diesen Götzen an, sie verehren ihn und tun alles, was er verlangt. Dennoch passiert nichts. Sarah wird nicht schwanger. Und jetzt kommt die Verheißung, die Zusage Gottes an Abraham, in diese Lage hinein.
Tobi hat uns vorher gesagt, dass Gottes Zusagen immer in einen konkreten Kontext unseres Lebens fallen, in eine Herausforderung, in eine Situation, in der wir stecken. Abraham und Sarah stecken in dieser Situation: sie bekommen kein Kind. Und nun kommt diese Zusage, diese Verheißung Gottes, die wir in 1. Mose 12,1-4 lesen — oder die Tobi bereits vorgelesen hat. Gott verspricht Abraham, ihm ein Land zu geben.
Gott verspricht ihm auch eine große Nachkommenschaft, so viele Nachkommen wie die Sterne am Himmel. Außerdem verspricht er, ein Segen für alle Völker zu sein. Abraham hätte sagen können: Wir versuchen das seit Jahren, wir beten diesen Gott Nanna an, und er hat keine Wirkung; es geht einfach nicht. Aber die Verheißung steht fest.
Abraham glaubte an die Zusagen Gottes. Das lesen wir in Römer 4,3: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Glauben heißt, Gott für wahr zu halten, auch wenn man noch nichts in der Hand hat. Abraham hatte noch nichts in der Hand: Er war in Ur in Chaldäa, er hatte noch kein Land und noch kein Kind. Sarah war nicht schwanger; er wusste nicht, wohin der Weg führen würde. Trotzdem vertraute er darauf, dass Gott sein Versprechen halten würde.
Das zeigt sich daran, dass Abraham glaubte und sich auf den Weg machte. Er nahm seine Frau und zog nach Kanaan. Abraham war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Ur in Chaldäa auszog. Er glaubte an die Verheißung, die Gott ihm gegeben hatte. Sie kommen in das Land Kanaan, aber die Dinge verlaufen anders als gedacht.
Wenn die Umstände anders verlaufen als erwartet
Die Dinge kommen anders als gedacht. Das ist mein zweiter Punkt: der menschliche Weg Ismael.
Abraham und Sarah sind nun seit zehn Jahren im Land Kanaan, aber es gibt immer noch ein Problem: Sarah ist nicht schwanger. Die Zeit läuft dahin, Abraham und Sarah werden älter, aber Kinder Fehlanzeige. Was ist mit der Verheißung, was ist mit der Zusage Gottes? Wird Gott diese Zusage erfüllen? Oder ergeht es ihnen genauso wie ihrem ehemaligen Gott in Ur in Chaldea, dem Stadtgott Nana, diesem sumerischen Gott, der den Kinderwunsch nicht erfüllen konnte.
Sarah schaut auf sich selbst und sieht, dass sie immer älter wird. Für eine Frau wird es mit zunehmendem Alter immer schwieriger, ein Kind zu bekommen; irgendwann ist es biologisch unmöglich. Daher kommt ihr Vorschlag.
In 1. Mose 16,1-4 heißt es: Doch Sarai, Abrahams Frau, blieb kinderlos; sie hatte aber eine ägyptische Sklavin namens Hagar. Da sagte sie zu Abraham: Du siehst, dass Jahwe mir keine Kinder geben lässt. Wenn du dich jedoch mit meiner Sklavin einlässt, komme ich vielleicht durch sie zu einem Kind. Abraham war einverstanden. Da gab Sarai ihre ägyptische Sklavin zur Frau; Abraham lebte damals schon zehn Jahre im Land Kanaan. Er schlief mit Hagar, und sie wurde schwanger.
Sarah macht hier einen Vorschlag: Gott hat ihr Leibesfrucht verwehrt, Gott schenkt ihr kein Kind. Sie weiß nicht, was mit der Verheißung passiert, denn sie sind inzwischen zehn Jahre in Kanaan. Also hat sie eine Idee: Sie hat eine Dienerin, Hagar aus Ägypten. Nimm doch sie zur Frau und schlafe mit ihr, und das Kind, das dann kommt, wird dann sozusagen mein Kind sein.
Man muss den Hintergrund verstehen: Damals im Orient, zur Zeit Abrahams und Sarahs, gab es die Gepflogenheit, dass wenn die Hausherrin keine Kinder gebären konnte, der Mann eine Sklavin nehmen durfte. Das Kind, das auf die Welt kam, galt dann so, als hätte die Herrin selbst dieses Kind geboren. Wenn Hagar ein Kind zur Welt brachte, galt das dann so, als hätte Sarah dieses Kind bekommen. Das ist die Idee von Sarah.
Abraham folgt diesem menschlichen Plan. Hagar und Ismael, das Kind von Hagar, sind das Ergebnis. Wenn wir Gott helfen wollen, ist das immer ein falscher, ein menschlicher Weg. Sobald wir versuchen, Gottes Verheißungen in unserem Leben auf menschliche Weise umzusetzen, geht das oft fleischlich, aus Ungeduld, aus vermeintlichem Druck oder aus menschlicher Logik hervor. Was Sarah hier getan hat, war menschliche Logik: die Zusage Gottes auf menschlicher Ebene zur Ausführung bringen.
Das Ergebnis: Abraham versündigt sich schwer gegen Gott. Er nimmt eine zweite Frau, obwohl in der Bibel von Anfang an gesagt ist, dass eine Ehe aus einem Mann und einer Frau bestehen soll. Mehrere Ehen waren in der Bibel noch niemals erlaubt, auch nicht im Alten Testament und nicht zur Zeit Abrahams. Dennoch lässt sich Abraham hinreißen, diese Sünde zu tun, weil die Spannung und der Druck, auf die Zusage Gottes zu warten, zu groß geworden sind.
Gott spricht infolgedessen dreizehn Jahre lang nicht mit Abraham. Das ist ein Ausdruck dafür, dass Abraham auf dem falschen Weg ist; Gottes Zusagen lassen sich nicht auf menschliche Weise zur Erfüllung bringen — das funktioniert nicht.
Dieses Ereignis bringt auch Folgen für das Leben von Abraham und Sarah mit sich. Es entstehen Spannungen, Verletzungen und Unruhe im Haushalt Abrahams. Es kommt zu Streitigkeiten zwischen Sarah und Hagar, die plötzlich auftreten. Später gibt es auch Streitigkeiten zwischen Ismael und Isaak, zwischen den zwei Halbbrüdern. Dieser Streit zieht sich bis heute fort; Israel und die arabische Welt sind eine Folge dessen, dass Abraham ungeduldig war.
Die Versuchung schneller Lösungen im Alltag
Die Diagnose: Ungeduld. Ungeduld kann sich religiös tarnen.
Es muss doch irgendwie weitergehen, es muss doch irgendwas passieren. Zehn Jahre sind ins Land gegangen, nichts passiert. Wo ist nun dieser Gott, wo ist diese Zusage? Helfen wir Gott nach. Dort aber, wo wir mit menschlichen Mitteln Gott nachhelfen wollen, steckt Misstrauen gegen Gottes Timing.
Dort, wo wir Druck verspüren — und vielleicht erlebst du das auch in deinem Leben — entsteht oft Druck aus dem Umfeld. Auf ganz unterschiedlichen Ebenen kann die Erwartung bestehen, aus dir etwas zu machen, angesehen zu sein. Du versuchst das durch gute Noten, durch gute Leistung zu erreichen. Nichts gegen gute Noten und gute Leistung, aber wenn du dich darüber identifizieren möchtest, wenn du Anerkennung suchst, dann ist das immer dieser Weg. Ich nenne diesen Weg Ismael: der menschliche Weg, schnell zum Erfolg zu kommen, dem Druck auszuweichen.
Wenn du bei Social Media deine Identität über Likes suchst, dein Körperbild über Status definierst und so Ansehen erzielen willst, ist das diese verkürzte, menschliche Richtung — der Ismael-Weg. Wenn du aus Ungeduld heraus Dinge in deinem Leben selbst produzieren möchtest, ist das derselbe Weg.
Bei Abraham haben wir gesehen, dass das ein falscher Weg ist und so viele negative Folgen mit sich brachte, dass es Konsequenzen gab. Vielleicht steckst du in einem Umfeld oder in einer Situation, in der du Druck verspürst, Freundschaften zu generieren. Du wartest nicht auf die Zeit, die Freundschaften brauchen, um sich zu entwickeln. Aus Ungeduld greifst du dann zu Manipulation, Druck oder Eifersucht.
Gleiches gilt in Beziehungen und in der Sexualität. Der Ismael-Weg verspricht schnelle Nähe. Er verspricht eine Ehe oder eine glückliche Beziehung ohne Reife, ohne Ehebund und ohne gegenseitige Verantwortung. Das ist die Abkürzung, wenn wir den Verheißungen Gottes zuvorkommen und nachhelfen wollen. Es gibt diesen schnellen Weg, aber er ist nicht langfristig und schadet uns mehr.
Wenn wir in Versuchung stehen, unterschiedlich mit Druck umzugehen, führt der Ismael-Impuls — sofortige Belohnung, sofort sichtbare Ergebnisse — dazu, dass wir uns ablenken. Wir lassen uns von Konsum verführen, greifen zu Alkohol oder Pornografie, flüchten ins Gaming. Wenn sich Gottes Verheißungen nicht erfüllen oder nicht so, wie man es gern hätte, besteht die Gefahr, dass wir auf menschliche Wege zurückgreifen und den Abkürzungen folgen — so wie Sarah Abraham vorschlug: „Nimm doch Hagar.“ Das mag wie eine gute Idee erscheinen, ist es aber nicht.
Es gibt einen anderen Weg. Und das ist mein zweiter Punkt beziehungsweise mein dritter Punkt: der Weg des Vertrauens.
Die Geduld des Glaubens und sein Ertrag
Der Weg des Vertrauens, Isaak.
Jahre später erfüllt Gott sein ursprüngliches Versprechen an Sarah, und Sarah wird entgegen aller Wahrscheinlichkeit schwanger. Die Sache sei noch einmal kurz in Erinnerung gerufen: In 1. Mose 18,11-12 heißt es: Und Abraham und Sarah waren alt, hochbetagt; es hatte aufgehört, Sarah zu ergehen nach der Weise der Frauen. Sarah lachte in ihrem Innern und sprach: Nachdem ich alt geworden bin, sollte ich Lust empfinden? Und mein Herr ist ja auch alt.
Gott erneuert seine Zusage an Abraham und Sarah. Abraham war neunundneunzig Jahre alt, Sarah neunundachtzig. Menschlich war es unmöglich, dass sie noch Kinder zeugen und gebären. Es gab keine menschliche Option, hier etwas zustande zu bringen.
So steht es auch in Römer 4,19-22. Dort heißt es: Obwohl er damals schon fast hundert Jahre alt war und wusste, dass er keine Kinder mehr zeugen und seine Frau Sarah keine Kinder mehr bekommen konnte, wurde er im Glauben nicht schwach und zweifelte nicht an der Zusage Gottes. Er ehrte Gott, indem er auf ihn vertraute, und wurde so im Glauben gestärkt. Er war sich völlig gewiss, dass Gott auch das tun kann, was er verspricht, und darum wurde ihm der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.
Das ist der Weg des Vertrauens. Abraham sah seinen eigenen Körper an und erkannte seine Zeugungsunfähigkeit. Er sah auf seine Frau Sarah und wusste, dass diese Frau ihm niemals ein Kind gebären würde — biologisch nicht möglich. Dennoch glaubte Abraham der Verheißung, die Gott ihm gegeben hatte.
Es gab aber auch einen Moment, in dem er schwach wurde. Wenn man auf die Verheißung Gottes wartet — bei Abraham dauerte es fünfundzwanzig Jahre — steht man vor Entscheidungsmomenten: Welchen Weg geht man? Vertraut man Gott, oder nimmt man die Dinge selbst in die Hand? Abraham hatte eine solche Schwäche des Glaubens, als er Sarahs Vorschlag annahm. Trotzdem steht über seinem Leben groß geschrieben: Er glaubte. Und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Gott tut das Unmögliche. In 1. Mose 21,1 steht: Und der HERR gedachte Sarah, wie er gesagt hatte, und der HERR tat mit ihr, wie er gesagt hatte. Sie wurde schwanger und gebar Abraham in seinem Alter noch einen Sohn; es war genau zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. Abraham nannte den Sohn, den Sarah ihm geboren hatte, Isaak.
Gott denkt an seine Verheißung. Er hat sie nicht vergessen, sondern setzt seinen eigenen Zeitplan. Dort, wo Gott erkennt, dass die Dinge reif sind, handelt er. Dann wird Sarah schwanger. Isaak wird nicht hergestellt oder produziert; Isaak ist ein Geschenk. Das ist Gottes Eingreifen, Gottes Zeit und Gottes Ehre. Gott braucht nicht unser menschliches Zutun oder unsere Tricks, um seine Zusagen zu erfüllen. Er braucht unseren Glauben.
Das ist die Herausforderung für alle Glaubenden. Abraham war hundert Jahre alt und Sarah neunzig, als Gott seine Zusage erfüllte — nach fünfundzwanzig Jahren Wartezeit. Das ist der Weg der Verheißung.
Unterschiedliche Zeitrhythmen göttlicher Hilfe
Ich will in Klammern nur kurz sagen: Manchmal erhört Gott unser Gebet sofort. In Jesaja 65,24 heißt es: „Schon ehe sie rufen, gebe ich ihnen Antwort; während sie noch reden, erhöre ich sie.“ Es gibt Zeiten, in denen Gott, bevor du betest, dein Gebetsanliegen erhört.
Aber es gibt auch Zeiten — und das ist die Regel — in denen wir auf Gebetserhörung warten müssen. In dieser Wartezeit wird unser Glaube gestärkt, weil er geprüft wird. Meinen wir das richtig, echt? Glauben wir Gott wirklich?
Deshalb gibt es eine Kernbotschaft heute: eine Verheißung, aber zwei Wege. Die Frage ist nicht, ob Gott sein Wort hält. Die Frage ist, welchen Weg wir gehen, während wir warten. Welchen Weg nimmst du, während du auf die Verheißung Gottes in deinem Leben wartest?
Wir sehen im Leben von Abraham und Sara diese zwei unterschiedlichen Wege: den menschlichen Weg Ismael und den Weg des Vertrauens, das ist Isaak. Der menschliche Weg Ismael zielt immer darauf ab, schnell ein Ergebnis zu bekommen. Hauptsache, ich muss nicht warten. Dort, wo die Zusagen Gottes sich in die Länge ziehen und von mir Ausdauer gefordert wird, nehmen wir oft die Abkürzung. Wir wählen das, was schnell geht und wo schnell Ergebnisse sichtbar sind.
Dieser menschliche Weg Ismael klingt manchmal auch logisch, so wie das Angebot von Sara im ersten Augenblick für Abraham ganz logisch war: „Nimm doch meine Sklavin Hagar, dann haben wir doch das Kind und alles passt.“ Der Weg des Vertrauens, Isaak, ist dagegen oft überraschend. Ich glaube nicht, dass sich Abraham und Sara den Weg so vorgestellt haben, als Gott zu Abraham in Ur in Chaldäa sprach. Vielleicht dachten sie, sie gehen nach Kanaan, Sara wird schwanger und dann sind plötzlich viele Kinder da. Nein, es kam anders. Es kam überraschend und nicht so, wie wir das ausrechnen können.
Der menschliche Weg Ismael ist bequem. In einem Jahr ist alles erledigt: Geh doch zu Hagar, neun Monate Schwangerschaft, fertig, das Kind ist da. Es ist ein bequemer Weg. Aber der Weg des Vertrauens fordert von uns Vertrauen. Wir sollen, während wir warten, Gott vertrauen: „Gott, du hast mir eine Zusage gegeben, und ich will darauf vertrauen.“
Der menschliche Weg Ismael führt zu Konflikten. Das sehen wir später im Umgang zwischen Sara und Hagar, aber auch zwischen Ismael und Isaak. Auf der anderen Seite führt der Weg des Vertrauens, Isaak, zum Segen.
Der menschliche Weg basiert oft auf Angst: Was, wenn Gott seine Zusage nicht einhält? Wir haben unser Land und unser Umfeld verlassen, jetzt sind wir in Kanaan, und nichts passiert. Was werden die anderen denken? Was wird die Verwandtschaft über uns denken? Der Weg des Vertrauens hingegen basiert auf Glauben.
Das sind diese zwei Wege. Wir haben Verheißungen von Gott. Ihr habt Verheißungen von Gott, dass er euch retten möchte, dass er mit eurem Leben ein gutes Ziel verfolgt und dass er dieses Ziel auch erreichen wird. Dennoch stehen wir in der Gefahr, unsere Identität und unseren Selbstwert selbst erarbeiten zu wollen, durch eigene Leistung Anerkennung zu suchen. Das ist der Ismael-Weg.
Es gibt aber auch die Zusage, die Verheißung Gottes: Du bist geliebt ohne Leistung. Weil ich dich geschaffen habe und weil mein Sohn Jesus für dich gestorben ist. Du brauchst keine Klickzahlen auf Social Media, du musst nichts erarbeiten, du musst nichts vorweisen — das ist die Zusage Gottes: Du bist geliebt. Glaubst du das?
Das ist der Weg des Vertrauens. Dort musst du dich nicht auf menschliche Wege begeben, um deine Identität und deinen Selbstwert zu bekommen. Gott hat dir Wert geschenkt. Gott hat dir ein unendliches Maß an Wert in dein Leben gelegt — so, wie du bist. Das ist die Zusage Gottes: Glaubst du das?
Vertrauen in praktischen Lebensbereichen
Aber auch was unsere Zukunft betrifft — vielleicht Zukunft und auch unser Beruf — stehen wir manchmal unter Druck, irgendetwas wählen zu müssen. Wir sind in der Gefahr, etwas präsentieren zu müssen, und laufen dann anderen Menschen nach.
Vielleicht treibt euch der Gedanke, schnell viel Geld zu verdienen, auszusorgen. Aus Ungeduld, weil wir an die Verheißungen Gottes nicht glauben, nehmen wir die Abkürzung. Wir wählen menschliche Wege und versuchen, schnelle Erfolge zu erreichen.
Auf der anderen Seite ist oft auch die Angst da: die Angst vor der Zukunft, vor Verantwortung. Was kommt auf mich zu? Wo soll ich mich hinwenden? Wo finde ich Halt in meinem Leben? Greift nicht auf menschliche Mittel zurück. Es gibt den Isaak-Weg, diese Verheißung, diese Zusage Gottes, dass er dich durchbringen wird.
Die Frage lautet: Herr, was hast du für mich vor? Was ist dein Plan für mein Leben? Vertrauen heißt, Wege zu gehen, die du verantworten kannst, aber im Bewusstsein, dass wir Gott alles anvertrauen. Das gilt auch, wenn nicht alles klar ist, wenn du das Ende nicht siehst oder die Verheißung noch nicht in dein Leben eingetreten ist. Gott hat einen Plan für dich, und er hat einen guten Plan. Glaubst du das?
Das ist die Verheißung, die Gott dir heute mitgeben möchte. Das gilt genauso bei Freundschaften. Du musst dich nicht treiben lassen. Du musst nicht den menschlichen Weg der Manipulation gehen, Druck auf andere ausüben oder dich von Eifersucht beherrschen lassen.
Hinter vielem steht oft der Leistungsgedanke: Ich muss dem anderen etwas beweisen, um angenommen zu sein. Freundschaften zu „kreieren“ birgt die Gefahr, in eine geistliche, fromme Performance zu verfallen — etwas zeigen zu wollen, auch in christlichen Kreisen. Der Isaak-Weg ist die Zusage Gottes. Der Glaube lernt, ehrlich zu reden und ehrlich zu sein. Er lernt, nicht zu manipulieren oder Druck auszuüben, die eigenen Grenzen zu kennen und den Frieden zu suchen. Aus Gnade zu leben heißt, ehrlich und aufrichtig zu leben und von Gott alles zu erbitten, der deine Wege kennt.
Und genauso in der Beziehung, in der Sexualität: Der Ismael-Weg ist der menschliche, der schnelle Weg. Schnelle Liebe, schnelle Entscheidungen, schnelle Bestätigung — ohne Reife, ohne Nähe, ohne Verantwortung. Gottes Weg ist ein anderer. Gottes Zusage für eine Beziehung, für eine Ehe, für Sexualität verbindet Liebe mit Verantwortung, mit Schutz, mit Geduld und mit Ehrlichkeit. Sie bringt einen respektvollen Umgang miteinander hervor.
Viele Menschen nehmen den kurzen Weg, um dem Druck des Glaubens zu entkommen. Sie geben Versprechungen, wie Tobias gesagt hat, „in guten wie in schlechten Zeiten“. Erst später zeigt sich, ob ein tragfähiges Fundament vorhanden ist. Ismael und Isaak stehen für zwei Wege. Paulus greift dieses Bild in Galater 4 auf und sagt, dass diese zwei Söhne für zwei Wege stehen: auf der einen Seite Gesetzlichkeit und Leistung, dort, wo du dein Eigenes zur Geltung bringen willst und etwas leisten möchtest. Auf der anderen Seite aber steht die Verheißung und die Gnade.
Paulus vergleicht das in Galater 4, und daraus ergibt sich ein klares Resümee: Rettung und geistliches Leben beruhen nicht auf menschlicher Leistung, sondern auf Gottes Zusage in Christus. Das ist die Erfüllung aller Zusagen Gottes für dein Leben. Gott hat seinen Sohn gegeben — Christus — und das ist für uns der Beweis, dass die Zusagen Gottes echt sind und dass Gott sie hält.
Die allererste und größte Zusage, die Gott gemacht hat, lautet: Ich werde einen Erlöser schicken (1. Mose 3,15). Am Kreuz sehen wir die Erfüllung. In 2. Korinther 1,20 führt Paulus aus, dass in Christus alle Zusagen Gottes sich erfüllen. Das ist der Stempel: Es wird so kommen. Was Gott zusichert, wird sich erfüllen.
Nimm den Weg Isaaks, den Weg des Vertrauens. Verzichte auf menschliche Abkürzungen — sie bringen nur Leid und Probleme mit sich.
Gottes Barmherzigkeit bei Fehlentscheidungen
Und vielleicht bist du jetzt hier und denkst: Warum hat man mir das nicht früher gesagt? Oder du erkennst in deinem Leben, dass du durch eine Entscheidung den falschen Weg genommen und dich in eine Sackgasse manövriert hast, so wie Abraham mit Hagar und Ismael. Was machen wir dann? Was machst du dann? Gilt dann noch die Zusage, gilt dann noch die Verheißung?
Und das ist mein letzter Punkt: Gnade, die dennoch trägt. Gnade, die dennoch trägt.
Was passiert mit unseren Fehlentscheidungen dort, wo wir Gottes Zusagen nachhelfen wollen und uns in eine Sackgasse manövrieren? Die Bibel zeigt Gottes Gnade auch in den Folgen, die Abraham verursacht hat. Gottes Gnade zeigt sich bei Hagar und bei Ismael.
Im Hause Abrahams entstand Streit. Sarah ließ Hagar mit Ismael vom Hof verjagen, weil sie nicht wollte, dass Ismael zusammen mit Isaak erben sollte. Hagar musste fliehen. Sie nahm ihren Sohn und ging in die Wüste. Als ihnen das Wasser ausging, setzte sie sich ein Stück weg, weil sie es nicht ertragen konnte, zuzusehen, wie Ismael stirbt. Das war eine Fehlentscheidung von Abraham.
Aber Gott ist ein sehender Gott, ein fürsorgender Gott. So lesen wir in 1. Mose 21,9-20, dass Gott Hagar suchte. Er fand sie in der Wüste, ging ihr nach und gab ihr eine Verheißung. Er sagte nicht: Tja, was soll man machen, Abraham? Ich habe dir doch gesagt: Warte auf meine Zeit! Was hast du da fabriziert? Jetzt guck halt selber, wie du da rauskommst. Jetzt mach doch was mit der Situation.
Was konnte Hagar dafür? Was konnte Ismael dafür? Gar nichts. Aber Gott nimmt sich auch unserer krummen Wege an. Dort, wo wir die Abkürzung nehmen und Dinge im Leben kaputtgehen, ist das keine Sackgasse, in der Gott keinen Ausweg für uns hat — auch nicht für dich.
In 1. Mose 17 bittet Abraham Gott, Ismael zu segnen, weil er sein Sohn war, auch wenn Isaak der Sohn der Verheißung war. Und schau, wie Gott reagiert. Gott sagt nicht, das ist nicht mein Sohn, das war nicht in meinem Willen, das war nicht in meinem Plan, mach du was draus. In 1. Mose 17,20 heißt es: Doch auch wegen Ismael habe ich dich erhört. Ich werde ihn segnen und fruchtbar machen, und er wird sehr viele Nachkommen haben; zwölf Fürsten wird er hervorbringen, und ich mache ihn zum Vater eines großen Volkes. Aber meinen Bund will ich mit Isaak errichten.
Seht ihr, wie gnädig Gott ist? Wie Gott aus dieser Sackgasse wieder herausführt, dort, wo Abraham es wirklich verbockt hat, da hilft ihm Gott wieder raus. Es gibt immer Gnade zur Umkehr, egal wo du dich befindest und egal wie es in deinem Leben gerade aussieht. Wenn du auf so einem menschlichen Weg, auf einem Ismael-Weg unterwegs bist, gibt es Hoffnung. Es gibt eine Chance zur Umkehr.
So heißt es in 1. Johannes 1,9: Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist. Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem begangenen Unrecht. Du darfst zurückkommen. Bekenne es Gott einfach — er wartet darauf. Bekenne deine Sünden, und dann wirst du erleben, dass er treu und gerecht ist, dir die Sünden zu vergeben, dir wieder den rechten Weg zu weisen und dich aus der Sackgasse herauszuführen.
Dieser Weg zu Gott ist immer offen. Es ist der Weg, der zur Umkehr ruft: weg von unserem eigenen Nachhelfen im Leben und hin zum Vertrauen und zum Glauben an das, was Gott dir zuruft. Gott ruft uns immer in dieses Verhältnis hinein, seinen Zusagen zu glauben. Er führt seine Verheißungen auf seinem Weg zur Erfüllung. Das dürfen wir glauben; das will er uns immer wieder zurufen.
Abschluss und Impulse zur Selbstprüfung
Zum Schluss: Gott hält seine Zusagen, aber auf seinem Weg, nicht unserem. Gott hält seine Zusagen, aber auf seinem Weg, nicht auf unserem. Wir sehen das an der Geschichte von Abraham, Sarah, Isaak und Ismael.
„Eine Verheißung und ein Weg“ lautete der Titel, „eine Verheißung, zwei Wege“. Ich möchte den Titel jetzt abändern: Es gibt eine Verheißung, und es gibt nur einen Weg, der zum Ziel führt — der Weg, der Gott vertraut. Das ist ein Weg, der manchmal länger dauert. Es ist ein Weg, der manchmal seltsam aussieht, sodass dein Umfeld es nicht versteht. Warum bist du so ruhig? Warum machst du das? Es ist menschlich und nicht logisch, wenn andere ihn nicht verstehen.
Glaub an das, was Gott dir zugesagt hat. Letztendlich gilt die Verheißung, wie Tobias gesagt hat, auch für uns.
Zum Schluss möchte ich drei Fragen mitgeben, über die ihr euch Gedanken machen könnt.
Die erste Frage: Gehe ich gerade den schnellen Weg, den Ismael‑Weg? Gibt es vielleicht Situationen in deinem Leben, in denen du die Abkürzung nimmst und Gott nicht vertraust?
Zweitens: Wo vernehme ich, dass Gott mich zur Geduld ruft? Gibt es einen Punkt in meinem Leben, an dem ich merke, dass Gott an mir arbeitet und Vertrauen in mir fördern möchte? Kann ich einfach geduldig darauf vertrauen, dass Gott die Dinge zu seiner Zeit richtig lenkt?
Und drittens: Welchen Isaak möchte Gott in mir wachsen lassen?
Ich wünsche dir, dass ebenso von dir gesagt werden kann wie von Abraham: „Abraham glaubte Gott.“ Amen.