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Warum hat JUDAS Jesus verraten?

Karwoche & Passion Christi
08.04.2022

Einführung: Judas und sein Verrat an Jesus

Über drei Jahre zieht Judas mit Jesus durch die Lande. Judas bekommt das Geld der Jünger anvertraut. Er treibt im Namen Jesu Dämonen aus und heilt Kranke. Jesus nennt ihn sogar seinen Bruder.

Und dann die Katastrophe: Er verrät Jesus, und dieser wird zu Tode gefoltert. Wie konnte es so weit kommen?

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Warum hat also Judas Jesus verraten? Das schauen wir uns jetzt in drei Schritten an. Erstens: Was genau hat Judas dafür eigentlich bekommen? Zweitens: Warum war Geld nicht die Motivation von Judas? Und drittens: Wenn es nicht Geld war, warum hat Judas es dann eigentlich gemacht?

Dafür findest du in der Bibel genau drei Erklärungen, die sogar alle Sinn ergeben. Zum Schluss sehen wir uns noch an, wie die Geschichte denn noch hätte enden können.

Bevor wir starten, wäre es gut, wenn du kurz diese Glocke drücken würdest. Indem du die Glocke drückst, bekommt YouTube nämlich ein Signal und zeigt auch mehr Menschen christliche Inhalte an, statt sie zu verbergen. Tatsächlich ist es nachweislich so, dass die meisten nur deshalb diesen Beitrag hier sehen, weil schon Hunderte vor dir diese Glocke gedrückt haben. Es wäre also gut, wenn du da mitmachst. Ich persönlich mache das bei anderen christlichen Kanälen auch.

Judas' Belohnung für den Verrat

Punkt eins vom heutigen Beitrag: Was hat Judas dafür bekommen, Jesus zu verraten? Schauen wir uns das an.

Es gibt eine ganze Reihe von Berichten über das Leben Jesu außerhalb der Bibel. Die meisten Altertumswissenschaftler sind sich inzwischen jedoch einig, dass die Augenzeugenberichte über das Leben Jesu, die später ins Neue Testament aufgenommen wurden, historisch am zuverlässigsten sind. Deshalb starten wir genau dort, bei den sogenannten Evangelien – das heißt den ganz frühen Biografien über das Leben Jesu.

Mehrfach ist darin die Rede davon, dass Jesus übergeben oder ausgeliefert wurde. Judas hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt und dafür schließlich Geld erhalten. Dieser Teil ist historisch unstritten. Im Matthäusevangelium wird das sogar noch genauer beschrieben: Judas hat eine Bezahlung von dreißig Silberstücken dafür bekommen. Das ist übrigens, nebenbei bemerkt, eine Erfüllung einer Prophezeiung, die Jahrhunderte zuvor im Buch Sacharja gemacht wurde.

Jedenfalls nennt man das heute noch umgangssprachlich „Judaslohn“ – also das, was jemand dafür erhält, der seine eigenen Prinzipien zutiefst verrät. Manchmal behaupten Leute, dass Geld deshalb böse sei, weil Judas Jesus nur für Geld verraten hat.

Dazu zwei Gedanken: Erstens hat Judas das nicht nur des Geldes wegen getan, dazu gleich mehr. Zweitens, mal angenommen, das wäre so – würde dadurch das Geld böse werden? Oder würde das Judas selbst böse machen?

Ein anderes Beispiel: Angenommen, jemand bekommt einen Kleinwagen, um ein politisches Attentat durchzuführen. Macht das den Kleinwagen zu einem verfluchten Gegenstand? Oder zeigt es eher, wie schlecht der Charakter des Attentäters sowieso schon war?

Deshalb noch einmal von vorne: Was hat Judas denn nun wirklich dafür bekommen? Er hat dreißig Silbergroschen dafür erhalten.

Falls es dir jetzt so geht wie mir damals, als ich die Bibel zum ersten Mal durchgelesen habe: Ich hatte keinen blassen Schimmer, ob das viel Geld oder wenig Geld ist – ich hatte keinen Plan. Also, wie viel sind dreißig Silbergroschen eigentlich wert?

Der Wert von dreißig Silbergroschen

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man das herausfinden kann.

Möglichkeit A: Wir betrachten den historischen Wert von Silber. Jeder, der sich schon einmal ernsthaft mit Investitionen beschäftigt hat und nicht einfach blind den Empfehlungen der Banken folgt – etwa Verschuldung sei gut für einen, oder der Kauf von Immobilien mache frei und sorgenlos –, wird schnell drei Überraschungen erleben, wenn es um Rohstoffe wie Gold, Edelmetalle und Silber geht.

Die erste Überraschung ist, dass diese Rohstoffe seit Jahrhunderten, auch in Krisenzeiten, praktisch nie als Zahlungsmittel genutzt wurden. So viel zum Thema Krisenzahlungsmittel. Es gibt keine faktische Grundlage für die Behauptung der Banken, dass dies anders sei.

Die zweite Überraschung ist, dass Rohstoffe wie Gold und Silber enorme Schwankungen aufweisen. Wer sich technisch mit diesen Begriffen auskennt, weiß, dass Gold und Silber eine höhere Volatilität haben als selbst ein internationales Aktienportfolio. So viel zum Thema sicherer Hafen.

Das nächste Thema ist der Goldpreis. Ohne Lagerung oder andere Kosten betrachtet, ist der Goldpreis in den letzten Jahrhunderten im besten Fall konstant geblieben. Das bedeutet, es handelt sich nicht um ein profitables Investment.

Was heißt das nun für unsere Frage? Ganz vereinfacht bedeutet das, dass die Preise von Silber und Gold aus biblischen Zeiten grob tatsächlich dieselben sind wie heute. Das heißt nach dieser Berechnung, dass dreißig Silbermünzen damals ungefähr so viel wert sein müssten wie dreißig Silbermünzen heute.

Je nachdem, wie groß die Münzen waren, wie der aktuelle Eurokurs steht und wie die Inflation sich entwickelt hat, liegt der Wert grob zwischen 3 Euro bis höchstens 10 Euro, eher darunter.

Die zweite Möglichkeit, das zu berechnen: Man rechnet das Einkommen um, das hinter diesem Wert steckt. Je nachdem, von welcher Währung wir bei den dreißig Silbergroschen Judas damals ausgehen – ob Denare, Tyroschekel oder andere – entsprechen diese dreißig Silbergroschen ungefähr drei bis vier, eher drei Monatsgehältern einer Person, die körperlich arbeitet, keine Leitungsposition hat und durchschnittlich verdient.

Ein heutiges Beispiel: Drei Monatsnettogehälter eines Lkw-Fahrers.

Ein kleines Rechenbeispiel, um das näherungsweise ins Verhältnis zu setzen: Ein Vollzeit-Lkw-Fahrer verdient im bundesweiten Durchschnitt, ganz grob, etwa 29.000 Euro Jahreseinkommen vor Steuern. Das sind ungefähr 2.400 Euro brutto im Monat und circa 1.600 Euro netto im Monat.

Drei Monatsgehälter entsprechen also grob 4.800 Euro.

Das ist also ungefähr der Wert, den die dreißig Silberstücke damals hatten. Fünftausend Euro heute und dreißig Silberstücke damals sind somit ungefähr gleichwertig.

Beide Rechenmethoden führen zu einem ähnlichen Ergebnis: Dreißig Silberstücke entsprechen einem mittleren vierstelligen Wert, also ungefähr 3.000 bis 5.000 Euro.

Warum Geld nicht die Motivation von Judas war

Was bedeutet das nun für die Frage von Judas? Klar, Geld spielt eine Rolle. Wenn mir jemand dreitausend Euro schenken würde – und zwar nicht für das Bibelfit-Projekt, sondern meiner Frau und mir privat – dann wäre das natürlich eine nette Sache. Ihr wart ja auf Anfrage, sage ich mal. Aber Spaß beiseite: Das führt uns zum Hauptpunkt zwei des heutigen Videos.

Hat Judas Jesus für Geld verraten? Das sieht nicht so aus, und zwar aus zwei Gründen.

Grund eins: Es ist einfach zu wenig Geld. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber versteh mich richtig: Natürlich sind 3.000 oder 5.000 Euro Geld. Das ist klar und logisch, das weiß ich auch. Aber es ist nicht mal ansatzweise eine millionenschwere Erbschaft oder ein Straßenzug mit Gebäuden oder eine Summe, die dein Leben nach 50 Jahren dauerhaft verändert hätte. Und die 30 Silberstücke sind erst recht keine große Summe für jemanden wie Judas Iskariot, der es gewohnt war, mit deutlich größeren Beträgen umzugehen.

Woher wissen wir das? Wir wissen es, weil Judas mindestens für dreizehn Personen – nämlich für sich selbst, für Jesus und für die anderen elf bis zwölf Apostel – für zwei bis drei Jahre die Gemeinschaftskasse verwaltete und aufbewahrte. Das heißt, Judas war darin völlig geübt und routiniert. Man könnte sagen, er war daran gewöhnt, mit größeren Summen umzugehen. Also nochmal: 30 Silberstücke oder 3.000 bis 5.000 Euro sind sicher nicht irrelevant, aber wenn du überlegst, was das Leben kostet – und dann noch mal für drei Jahre und für dreizehn Personen –, dann kommen da ganz andere Summen zustande. Das bedeutet, Judas war an deutlich größere Beträge gewöhnt.

3000 Euro über das ganze Leben verteilt sind überschaubar. Aber noch mal: Das ist nicht ansatzweise eine Milliardensumme, die allein dein Schicksal und das deiner Familie für immer verändern würde.

Warum sage ich das? Weil, wenn es so eine abartige Milliardensumme gewesen wäre, dann würde das zumindest auf menschlicher Ebene erklären, warum Judas von einem Moment auf den anderen alles, aber auch wirklich alles wegwerfen würde.

Versetze dich mal kurz in Judas hinein: Warum sollte Judas den Menschen Jesus verraten, den er am meisten liebte und bewunderte? Jesus hat Judas sogar als Bruder angesprochen. Warum sollte Judas gerade diesen Menschen – der ihn ironischerweise ausgesandt hat, um in seinem Namen Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen – auf bestialische und sadistische Weise zu Tode foltern lassen?

Viele wissen das nicht, aber Judas war dabei. Auch er hat Dämonen ausgetrieben und Kranke geheilt. Warum also sollte Judas ausgerechnet diesen Menschen verraten?

Zumal – und das ist jetzt wichtig – jeder wusste, was passieren würde. Dazu musste man sich nur in Ruhe die Kapitel 9, 10 und 11 des Johannesevangeliums hintereinanderweg durchlesen. Das sind nämlich die Höhepunkte und der Wendepunkt in der Chronologie von Jesu Leben.

Es war nämlich vorher schon so, dass die Leute Jesus zwar toll fanden und seine Heilungen wollten, aber immer mehr Menschen es unerträglich fanden, dass Jesus sich selbst als Gott bezeichnete. Bestimmte etablierte Eliten konnten nicht damit umgehen, dass da jemand war, der so eine große Anhängerschaft hatte und potenziell Unruhe stiften konnte.

Und dann kam die Auferweckung von Lazarus. Das war ein riesiges Ereignis und es eskalierte komplett. Heute würden wir sagen, das ging viral. Und das Ganze passierte in Bethanien, buchstäblich vor den Toren Jerusalems.

Warum das so ein Riesending war und was wirklich passiert ist, habe ich in der historischen Nacherzählung zur Passionsgeschichte erklärt. Das war der entscheidende Punkt, an dem es gekippt ist – diese Auferstehung von Lazarus hat den Stein ins Rollen gebracht bis hin zum offenen Grab.

Du musst dir das so vorstellen: Um Jerusalem herum hingen überall Steckbriefe mit der Aufschrift „Gesucht: Jesus von Nazareth“. Das war eine hochdramatische und brandgefährliche Situation, die man sich kaum vorstellen kann. Für jeden war glasklar, was passieren würde, wenn Jesus gefasst würde. Es war ein Pulverfass.

Auch für Jesus selbst war das glasklar. Warum das so war, findest du in der biblischen Nacherzählung der Passion, die ich unter diesem Video verlinkt habe.

Noch eine Sache zu den 30 Silbergroschen: Der Verrat von Judas an Jesus geschah direkt nachdem Jesus mit Öl im Wert von über 300 Silbergroschen gesalbt worden war. Das heißt, das an Judas ausgezahlte Kopfgeld war nicht mal ein Zehntel der Summe, von der gerade die Rede war.

Der zweite und noch wichtigere Grund, warum Judas wahrscheinlich nicht aus Geldgier verraten hat, ist die Chronologie, also die Reihenfolge der Ereignisse.

Allein von der Summe her sieht es stark danach aus, dass die 30 Silberlinge mehr eine Art Höflichkeitsgeste oder Wertschätzung vom Synhedrion waren. Es sieht nicht so aus, als ob das eine ernstzunehmende Bestechungssumme war.

Die Reihenfolge der Ereignisse und Judas' Entscheidung

Schau dir dazu genau die Reihenfolge der Ereignisse an. Geh dazu ins Markus-Evangelium. Dort findest du die ältesten historischen Berichte über Jesus Leben, die am nächsten an den Ereignissen dran sind.

Ich habe ein eigenes Video gemacht, um das aufzudröseln. Dieses Video wird inzwischen auch in Schulstunden und im Hauskreis verwendet. Drück gern die Glocke unter diesem Video, dann wirst du benachrichtigt. So kannst du wirklich sehen, wie nah diese Berichte an den tatsächlichen Ereignissen sind.

Im Markus-Evangelium wird das ziemlich genau beschrieben. Zuerst geht Judas zu den Obrigkeiten und legt ihnen seine Absichten dar, um Jesus zu verraten. Dort heißt es auf Deutsch: „Und Judas Iskariot, einer von den zwölf, machte sich auf den Weg zu den Hohepriestern, zu den Leuten um den Hohepriester herum, damit er ihn, Jesus, an sie verraten würde.“

Danach sind die Leute um den Hohepriester herum erfreut, dass Judas zu ihnen gekommen ist. Sie stellen ihm nachträglich aus Freude darüber ein Kopfgeld in Aussicht. Im griechischen Text heißt es dazu: „Heute akkusantes echadesan kai evangelanto auto agydeon dunai.“ Auf Deutsch: „Nachdem sie das gehört hatten, freuten sie sich, kamen zusammen und einigten sich darauf, ihm Geld zu geben.“

Auch im Lukasevangelium, einer ganz frühen professionellen Jesusbiografie, wird im Griechischen deutlich, dass das Kopfgeld, das Judas bekam, eine spätere, nachträgliche Entscheidung der Hohepriester war – nachdem Judas schon zu ihnen gekommen war. Dort heißt es: „Kai apelthon, synnelallesen, teus archeroisen, kai teus starigois, topos auton parado autois.“ Auf Deutsch: „Und Judas ging los und beriet sich zusammen mit den Hohepriestern und den Heerführern, also militärischen Menschen, darüber, wie er Jesus an sie verraten könnte.“

Danach heißt es: „Kai Echarisen kai Synethentho auto Agyllion Dunai.“ Das bedeutet: „Sie freuten sich und kamen überein, ihm Geld zu geben.“

Das heißt, zuerst entschied sich Judas, Jesus auszuliefern. Die Bezahlung folgte erst danach. Es war also ein nicht eingeplanter, späterer Zufall. Judas konnte zum Zeitpunkt seiner Entscheidung, Jesus zu verraten, gar nicht mit einer Belohnung rechnen – geschweige denn eine konkrete Summe im Kopf gehabt haben.

Die drei Erklärungen für Judas' Verrat

Und das bringt uns zur dritten und wichtigsten Frage heute: Wenn es nicht das Geld war, warum hat Judas dann Jesus eigentlich verraten?

Genauer habe ich dir das in dieser biblischen Nacherzählung zur Passionsgeschichte beantwortet. Dort tauchen wir gemeinsam live in die letzten Stunden von Jesus irdischem Leben ein. Wir lösen das Schritt für Schritt auf, sodass du live miterleben kannst, was wann und warum mit Jesus passiert ist. Außerdem erfährst du, welche Hintergründe es gab und wie sich das damals am Morgen des siebten April im Jahr dreißig wirklich abgespielt hat.

Das ist übrigens einer der am meisten heruntergeladenen Beiträge auf der ganzen Website. Das Problem ist nur, dass die Website jetzt umgebaut wird und dieser Inhalt dann offline sein wird. Deshalb kannst du ihn gern kostenlos mitnehmen, solange er technisch noch verfügbar ist.

Und damit kommen wir zum Höhepunkt des heutigen Beitrags: Warum hat Judas Jesus verraten?

Komplett aufgelöst wird das in den uns vorliegenden historischen Berichten nicht. Es werden aber drei Erklärungsansätze nahegelegt.

Erklärung Nummer eins:

Erklärung 1: Ernüchterung und Enttäuschung über Jesus

Judas war ernüchtert von Jesus und seinem Wirken. Warum? Weil Judas andere Erwartungen hatte. Es könnte durchaus sein, dass der Beiname Judas Iskariot von der Gruppe der Sikaria, der sogenannten Dolchträger, stammt. Das könnte darauf hindeuten, dass Judas zu dieser Gruppe gehörte. Wie würden wir das heute erklären? Grob gesagt, ähnlich wie Guerillakriege gegen die römische Besatzungsdiktatur. Das waren Leute, die im Untergrund versuchten, durch Gewalt und gezielte Anschläge – man könnte auch von Antiterror sprechen – politische Veränderungen herbeizuführen. Im Idealfall sollte so ein Regime gestürzt werden. Im Fall der Römer ist das allerdings in den meisten Fällen eher naiv.

Jedenfalls ist es sehr gut möglich, dass Judas zu dieser Gruppe gehörte. Es sprechen mehrere historische Punkte dafür. Nun gibt es zwei Varianten, die wir hier betrachten wollen: Variante 1a und Variante 1b.

Variante 1a: Es könnte sein, dass Judas tief enttäuscht war, weil Jesus so gar nicht der Freiheitskämpfer und Revolutionär war, den Judas sich erhofft hatte – auf eine eher weltliche Art. In dieser Enttäuschung bedeutete die Gruppe der Jünger für Judas nichts mehr. Er wollte nicht mehr zu dieser Gruppe gehören, und auch Jesus bedeutete ihm nichts mehr. Am Ende war Judas voller Verbitterung, Wut und Racheabsichten. Er kehrte Jesus, dem Kopf der Gruppe, den Rücken zu und wollte ihm zutiefst spüren lassen, was Jesus dem Volk Israel angeblich durch seine vermeintliche politische Untätigkeit angetan hatte. So nach dem Motto: „Na toll, du hattest jetzt drei Jahre Zeit, uns von den Römern zu befreien, hast du aber nicht getan. Dann kannst du mal selbst erleben, wozu die Römer überhaupt imstande sind.“ Das wäre eine Art persönlicher Racheakt. Möglich, aber ich persönlich glaube das nicht.

Variante 1b: Judas war so tief frustriert, weil Jesus mit all seinem Wirken, seinem Predigen, seiner Unerschrockenheit, seinen Heilungen, Dämonenaustreibungen und Naturwundern – all das hat Judas ja live miterlebt – trotzdem die Römer noch das Sagen hatten. Die Römer tyrannisierten, terrorisierten und folterten die Bevölkerung weiterhin. Es könnte sein, dass Judas einfach der Geduldsfaden riss. Am Ende wollte er die direkte Konfrontation des Messias mit dem Regime provozieren. So nach dem Motto: Sobald die Römer kommen und Jesus die Pistole auf die Brust setzen, muss Jesus doch mal zeigen, wer hier eigentlich Herr im Haus ist. Er muss sie entwaffnen, Tacheles reden und uns Israeliten von den Römern befreien. Es ist sehr denkbar, dass Judas so gedacht hat.

Wenn das stimmt, neben allem, was in der unsichtbaren und geistigen Welt passiert ist, dann macht das die Hinrichtung von Jesus und die Rolle, die Judas dabei spielte, zu einem fürchterlichen, tragischen Missverständnis von welthistorischem Ausmaß. Das ist die zweite biblische Erklärung von dreien, die für Judas’ Verhalten gegeben wird: Judas war nicht mehr Herr seiner Sinne und nicht mehr Herr seiner selbst.

Mehrfach ist die Rede davon, dass der Satan in Judas hineinfährt und von ihm Besitz ergreift. Ich könnte mich irren, aber so wie ich den Urtext lese, klingt das für mich so, als ob es Judas’ eigene Entscheidung war, sich dem Satan zu öffnen. Schau mal rein: „Apokrine tei ho Jesus, ekeinos estin, ho ego babsastopsomion, epidoso.“ Auf Deutsch heißt das: Jesus antwortet, „Dieser ist es, dem ich den Bissen gebe, nachdem ich ihn eingetunkt habe.“ Im nächsten Vers heißt es: „Kei metatopsomion tote eis ethen eis ekeinon ho Satanas.“ Das bedeutet: Nachdem er den Bissen genommen hatte, ging der Satan in ihn hinein. In dem Fall wäre Judas buchstäblich besessen gewesen.

Falls du mehr über den Satan erfahren möchtest, was er kann und was nicht, über die biblische Macht von Dämonen und wie Jesus damit umgeht, dann lohnt es sich, später einen Beitrag dazu anzuschauen.

Die dritte biblische Erklärung für Judas’ Verhalten lautet: Judas verriet Jesus, weil es seine Bestimmung in Gottes Heilsplan war. In Johannes 17 wird Judas sogar als das personifizierte Verderben genannt, „ho hyios tes apoleias“. Das ist eine Bezeichnung, die sonst nur für den vorherbestimmten endzeitlichen Tyrannen, den sogenannten Antichristen, verwendet wird. Ähnliche Untertöne, die auf eine mögliche Vorherbestimmung hindeuten, macht Jesus selbst beim letzten Abendmahl. Vielleicht war es also Judas’ Schicksal, und es musste so kommen.

Zum Schluss noch ein Punkt zum heutigen Beitrag: Was geschieht danach mit Judas? Er überlebt nicht. In Apostelgeschichte 1 ist die Rede davon, dass er sich von seinem Judaslohn eine Immobilie kauft und dort einen tödlichen Unfall erleidet. In Matthäus 27 wird berichtet, dass er Suizid begeht, indem er sich – Achtung, jetzt wird es unappetitlich – selbst erhängt.

Medizinisch gesehen könnte beides den Leichenvorgang beschreiben. Wenn ein erhängter Leichnam eine Weile hängt, reißt irgendwann entweder das Seil oder der Kopf wird durch den Verwesungsprozess abgerissen. Fällt der Leichnam dann aus zwei oder drei Metern Höhe herunter, zerplatzt er tatsächlich. Das ist eine medizinische Tatsache.

In jedem Fall wurde das Geld von der geistlichen Obrigkeit genutzt, um Grund und Boden zu erwerben. Dieser wurde jedoch kaum für einen guten Zweck verwendet, nämlich um Ausländern und Nichtjuden, die keinen eigenen Grund in und um Jerusalem hatten, eine würdige Bestattung zu ermöglichen – sozusagen als öffentlicher Friedhof.

Worauf ich hinaus möchte: Wenn Judas sich nicht umgebracht hätte, dann hätte er nur zwei Tage später, am dritten Tag, die Auferstehung miterlebt. Ihm wäre vergeben worden, und das hätte alles verändert.

Erklärung 3: Judas als Teil von Gottes Heilsplan

Und hier die dritte von drei Erklärungen, die in der Bibel für das Verhalten von Judas gegeben wird: Warum hat Judas Jesus verraten? Weil es seine, Judas’, Bestimmung im Heilsplan Gottes war.

In Johannes 17 wird Judas sogar als das personifizierte Verderben bezeichnet, das Verderben in Person, „ho hyios tēs apoleias“. Diese Bezeichnung ist ein Titel, der in der Bibel sonst nur für den vorherbestimmten endzeitlichen Tyrannen, den sogenannten Antichristen, verwendet wird.

Ähnliche Untertöne, die auf eine mögliche Vorherbestimmung hinweisen, finden sich auch in Jesu Worten beim letzten Abendmahl.

Vielleicht war es also das Schicksal von Judas, und es musste so kommen.

Das Schicksal von Judas nach dem Verrat

Und zum letzten Punkt des heutigen Beitrags: Was geschieht danach mit Judas? Nun, er überlebt nicht. In Apostelgeschichte 1 wird berichtet, dass er sich mit dem Judaslohn ein Grundstück kauft und dort einen tödlichen Unfall erleidet.

Im Matthäusevangelium 27 wird hingegen erzählt, dass er Suizid begeht, indem er sich selbst als Strafe erhängt. Achtung, jetzt wird es etwas unappetitlich.

Medizinisch betrachtet könnten beide Berichte unterschiedliche Aspekte desselben Vorgangs beschreiben. Warum? Wenn ein erhängter Leichnam eine Weile hängt, kann das Seil irgendwann reißen oder durch die Verwesung den Kopf abreißen. Fällt der Leichnam dann aus zwei oder drei Metern Höhe herunter, während er bereits aufgequollen und matschig ist, zerplatzt er tatsächlich. Das ist eine medizinische Tatsache.

In jedem Fall wird das Geld, das Judas erhalten hat, von der geistlichen Obrigkeit genutzt, um Grund und Boden zu erwerben. Dieser wird allerdings kaum für einen guten Zweck verwendet, wie etwa die Einrichtung eines öffentlichen Friedhofs für Ausländer und Nichtjuden, die keinen eigenen Grundbesitz in und um Jerusalem hatten und dennoch würdig bestattet werden sollten.

Worauf ich hinaus möchte: Hätte Judas sich nicht umgebracht, hätte er nur zwei Tage später, am dritten Tag, die Auferstehung miterlebt. Ihm wäre vergeben worden, und das hätte alles verändert.