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Lukas 22,1-34

Lukas 22,1-22,3404.11.2012
SerieTeil 46 / 53Lukas-Evangelium
Woran hängt dein Herz wirklich? Judas zeigt: Du kannst alles richtig wirken und doch innerlich leer sein. Petrus macht klar: Entscheidend ist nicht Leistung, sondern ob du Jesus wirklich willst.

Ein Blick zurück und die eigentliche Frage

Mein Name ist Jürgen Fischer, für alle Gäste, die zum ersten Mal da sind oder mich noch nicht erlebt haben.
Ich arbeite mich gerade durch das Lukasevangelium. Gerade ist gut, das geht jetzt seit, glaube ich, viereinhalb Jahren so. Und wir nähern uns tatsächlich dem Ende. Man wagt es ja kaum zu glauben: Auch das Lukasevangelium findet einen Schluss. Wir sind noch nicht ganz da, aber wir werden es auch dieses Jahr nicht schaffen. Aber so am Anfang des nächsten Jahres verspreche ich dann, dass wir uns überlegen müssen, was machen wir denn danach.
Bis dahin geht es heute um Lukas 22,1-34. Ein größerer Block. Und ich versuche noch mal einen Rückblick aufs letzte Mal.
Letztes Mal haben wir uns einen sehr schwierigen Text angeschaut, wo vielleicht viele Fragen offen geblieben sind. Schwierig deshalb, weil Jesus über die Zukunft redet. Denn das letzte Mal hat er gesprochen über die sogenannte Endzeitrede. Das heißt, Jesus schlägt einen riesigen Bogen. Seine Jünger stehen da, schauen sich den Tempel an, ein absolutes Wunder, ein Bauwerk, das in der damaligen Zeit fast unvergleichlich war. Sie sagen: Boah, schau dir das an! Und Jesus sagt: Na ja, schaut ruhig noch mal genau hin, denn hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben.
Und Jesus schlägt einen Bogen von seinem ersten Kommen, wo er kommt als der Retter der Welt, bis hin zu einem Punkt, der noch in der Zukunft liegt, wo er wiederkommt, dann nicht als Retter, sondern als Richter.
Und wir haben aufgehört beim letzten Mal mit Vers 36, mit dieser Ermahnung, die vielleicht in unseren Ohren erst mal ganz fremd klingt, wenn Jesus sagt: Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr würdig geachtet werdet, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.
Jesus sagt: Pass auf, dass du in dieser Entwicklung, die vor uns liegt als Menschheit, wenn es hart auf hart kommt und du dich für eine Seite entschieden haben musst, dass du auf der richtigen Seite stehst.
Und Jesus versucht wirklich mit dramatischen Farben, diese beiden Seiten zu schildern. Er sagt, es geht auf der einen Seite um Erlösung, und auf der anderen Seite geht es um Gericht.
Ich möchte heute mit euch noch ein bisschen nachdenken über die Frage: Was macht da eigentlich den Unterschied, auf welcher Seite ich stehe?
Man könnte jetzt ganz leicht Vers 36 nehmen und sagen: Na ja, ist doch klar, Wachsamkeit und Gebet steht ja dort. Seid wachsam und betet. Irgendwie stimmt das, und irgendwie stimmt es doch nicht. Denn ich habe Sorge, dass man das liest und sich dann die Frage stellt: Bin ich jetzt eigentlich dafür verantwortlich, wo ich ankomme?
Und ich würde sagen: Ja, du triffst eine Entscheidung. Aber diese Entscheidung zwischen drinnen und draußen, diese Entscheidung zwischen Erlösung und Gericht, das ist keine Entscheidung, die sich an deinen guten Werken festmacht.
Das muss wo ganz anders liegen. Es darf nicht um Leistung gehen. Es darf nicht sein: Okay, ich habe ein Leben lang, auch wenn hier der Beutel durch die Reihen ging, immer was reingelegt. Und das muss doch in der Ewigkeit eine Bedeutung haben. Das ist nicht der Punkt, um den es Jesus geht.
Wenn wir die Frage beantworten wollen: drinnen oder draußen, Erlösung oder Gericht, auf der Seite, wo Jesus steht, oder auf der Seite, wo er nicht steht, dann ist das, was die beiden Seiten voneinander trennt, eine Entscheidung, die ich im Angesicht des Kreuzes treffe.
Es ist eine Entscheidung, die heißt: Wie stehe ich zu Jesus?
Oder wenn ich es ein bisschen brutaler heute formulieren darf: Bin ich mehr so ein Petrus-Typ oder bin ich mehr so ein Judas-Typ?
Und ich möchte diese beiden Typen heute mal gegeneinander stellen, den Petrus-Typ und den Judas-Typ. Und ich möchte mit euch anfangen, Judas anzuschauen.

Ein Mann mit Vorrechten und einem verborgenen Problem

Judas ist ja nun nicht so der Name, den man seinem Erstgeborenen geben möchte, oder? Also ich finde es immer lustig, wenn die Kinder hier vorne stehen und dann sagen sie alle ihren Namen. Und man kann so ein bisschen erahnen, wer einen christlichen Hintergrund hat.
Also wenn da die Leas und Tamaras und Damarisse dieser Welt sind, dann haben meist Eltern, die doch irgendwo tiefer in der Bibel drin sind, während, ich sag’s mal, die Kevins und Chantalls tendenziell eher nicht so diesen Hintergrund haben.
Aber interessanterweise gibt es Namen, die stehen in der Bibel, und die werden fast nie von uns an unsere Kinder weitergereicht. Und einer dieser Namen ist Judas. Wie heißt ein Kleiner? Judas. Nein, das kriegen wir nicht hin. Urbiblischer Name, eigentlich auch gar nicht schlimm, aber wird trotzdem nicht verwendet. Warum? Na ja, weil Judas einfach einen total schlechten Ruf hat.
Woher kommt das? Es kommt daher, dass Judas auf der einen Seite ein Typ war, bei dem wir sagen würden: Der hatte alle Vorrechte auf seiner Seite. Also lasst uns mal nicht so schlecht über Judas denken. Jesus sagt zu ihm: Möchtest du mir nachfolgen? Und Judas steht da und muss sich entscheiden, ob er diesem Wanderprediger aus Galiläa folgen will. Und er tut das.
Er trifft eine Entscheidung. Er wird Teil dieses inneren Kerns von zwölf Männern, die Jesus nachfolgen, und er erlebt auf seiner Nachfolge ganz viele beeindruckende Dinge. Er erlebt, wie Dämonen ausgetrieben werden. Er erlebt Abend für Abend, dass man die Kranken zu Jesus bringt, und die werden gesund. Er erlebt, wie Jesus predigt und die Leute, na ja, so und so reagieren. Er erlebt, wie man ungefähr 15 Leute da hat und es reicht nicht mit dem Essen, und Jesus sagt: Haben wir noch ein bisschen Brot und Fisch? Ja, okay, gib mal her. Und alle sind satt.
Das hat er alles erlebt. Er war voll dabei, er war mitten im Zentrum dieser Ereignisse.
Das geht noch ein Stück weiter. Es gibt eine Episode in Johannes 6, da predigt Jesus, und da heißt es dann, dass fast alle Leute weggehen. Es ist ein ganz kleiner Kreis, der übrig bleibt. Das ist die Stelle, wo Petrus sagt: Wir bleiben bei dir, denn du hast Worte ewigen Lebens. Und Judas bleibt auch.
Also viele gehen, Judas bleibt. Komischer Typ, oder? Er macht eigentlich, soweit man das sagen kann, bis dahin alles richtig. Bis zu dem Punkt, an dem man jetzt gleich liest, dass er sich bereit erklärt, Jesus zu überliefern. Wir kennen ja die Geschichte, das ist ja keine Überraschung. Also bis dahin macht er eigentlich alles richtig.
Wenn Jesus die Jünger aussendet, zwei und zwei, dann sagt er nicht: Alle bis auf Judas. Sondern Judas ist auch mit dabei. Und er macht dieselben Erfahrungen, die die anderen machen.
Aber, und das ist ein bisschen das Problem: Obwohl er in vielerlei Hinsicht alles richtig macht, hat Judas eine dunkle Seite?

Was im Herzen verborgen bleibt

Da heißt es in Johannes, Kapitel 6. Ich lese einfach mal ab Vers 67. Das ist diese Episode, wo alle weggehen. Da fragt dann Jesus: Wollt ihr etwa auch weggehen? So der innere Kreis der Jünger.
Simon Petrus antwortet dem Herrn: Zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist. Wir Apostel haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.
Jesus antwortet ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel. Er sprach aber von Judas, dem Sohn des Simon Ischariot. Denn dieser sollte ihn überliefern, einer von den Zwölfen.
Wir haben so den Eindruck, wir sind ein großes Team. Du kannst jeden um dich herum täuschen, wenn du es nur darauf anlegst, bis auf einen: Jesus kannst du nicht täuschen.
Wir haben zu Hause so eine Situation. Wir sind im Januar umgezogen, um ein bisschen mehr Platz zu haben für die Praktikanten, und zogen in eine Wohnung. Da ist draußen so eine Loggia, und an dieser Loggia gibt es eine Glasfront. Und wir hatten den Eindruck, seitdem das Haus gebaut wurde, ist diese Glasfront noch nie geputzt worden.
Das liegt daran, dass man von außen wirklich schwer drankommt. Man muss nämlich unten auf den Balkon vom Nachbarn. Auf unserer Ebene gibt es keinen Balkon. Und dann muss man mit so einer ewig langen Verlängerungsstange versuchen, da so vier, fünf Meter über einem ein bisschen zu putzen. Das macht keiner.
Doch, es gibt ja jemanden: meine Frau.
Also komme ich eines Abends nach Hause und weiß bis heute nicht genau, wie sie es geschafft hat. Ich möchte es auch gar nicht so genau wissen, wenn ich ehrlich bin. Das klingt nicht ganz ungefährlich. Als ich nach Hause kam, setzte ich mich auf die Loggia, erwartete den Blick in die untergehende Sonne, getrübt von diesem Milchglasfenster, was eigentlich keines ist. Ja, und ich kann durchschauen. Ich bin total beeindruckt: Es war sauber.
Und in diesem Moment dachte ich: So wie ich durch diese frisch geputzte Fensterscheibe durchschauen kann, so schaut Gott jedem einzelnen Menschen mitten ins Herz. Du kannst dich kein Stück vor ihm verstecken.
Ein Judas kann überall dabei sein. Er kann seine fromme Show spielen bis zum Schluss. Er kann alle täuschen. Wir werden das nachher sehen, wenn Jesus ihn im Kreis der Jünger noch einmal offenbart und sagt: Einer von euch wird mich verraten. Dann schauen sich alle an und sagen: Wer könnte das sein?
Er kann alle täuschen, bis auf einen.

Das verborgene Zentrum seines Lebens

Und was ist sein Problem? Das lesen wir in Johannes Kapitel zwölf. Was ist sein kleines dunkles Geheimnis? Da heißt es, und das ist auch eine sehr schöne Episode: Jesus geht Freunde besuchen, und er wird von einer Frau beschenkt, die so einen großen Flacon Parfüm nimmt. In der damaligen Zeit war das Salböl. Sie gießt es über ihm aus.
Dann kommt die Frage auf: War das Geschenk für Jesus nicht ein Stück zu groß? Also, dieser Flacon, dieses Gefäß mit Salböl, das war dreihundert Denare wert. Größenordnung: ein gut ausgestatteter Golf, ein neuer Golf, gut ausgestattet, in dieser Größenordnung hatte das da an Wert. Und da kommt die Frage auf: Hätte man mit dem Geld nicht irgendetwas Sinnvolleres machen können, als es hier so einmalig für Jesus zu verschwenden?
 Johannes 12,4: Es sagte aber auch Judas, der Iskariot, einer von seinen Jüngern, der ihn überliefern sollte: Warum ist dieses Salböl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben worden?
Das ist eine gute Frage, oder? Und dann geht es weiter: Er sagte dies aber nicht, weil er für die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und beiseiteschaffte, was eingelegt wurde.
Schafe! Wahnsinn! Da gibt es so eine Sünde, so ein kleines Geheimnis in seinem Leben. Nach außen alles schick, aber er hat da ein sehr persönliches Problem. Er ist ein Dieb, und er hängt an dieser Sünde. Er folgt Jesus zu dieser Zeit schon drei Jahre, und er hat es nicht geschafft, sich in seinem Herzen gegen diese Sünde zu entscheiden. Nach außen hin Apostel, nach innen nicht ganz ehrlich.
Er will auf der einen Seite Jesus nachfolgen, na klar, er glaubt auch irgendwie an diesen Jesus, er macht auch all die Sachen, sodass alle glauben, dass er glaubt. Und auf der anderen Seite will er ihm doch nicht mit ganzem Herzen nachfolgen. Sein Christsein ist ein Schauspiel. Wenn man sich die Frage stellt, wem gehört sein Herz wirklich, dann gehört sein Herz dem Geld. Und Jesus ist tatsächlich nur Mittel zum Zweck, Mittel zum Zweck, um sich selbst zu bereichern.
Und ich glaube, wir können das Prinzip verallgemeinern: Wo immer genau das im Leben eines Menschen passiert, wo ich Jesus nur zum Mittel mache, wo er Mittel zum Zweck wird und ich eigentlich etwas ganz anderes im Zentrum meines Lebens habe, egal was das ist, das muss nicht unbedingt Geld sein. Es gibt viele Sünden, die sich so im Zentrum eines Herzens breit machen können und die sich da auf den Thron meines Lebens setzen. Sie bestimmen, wie ich denke, bestimmen, wofür ich mein Geld ausgebe, bestimmen, wie ich meine Zeit plane.
Aber wenn es da eine Sache in meinem Leben gibt, egal wie heilig mein Leben sonst durchstrukturiert ist, wenn es eine Sache gibt, die mir wichtiger wird als Jesus, dann öffne ich tatsächlich dem Teufel Tür und Tor meines Herzens. Und wir lesen Lukas 22,1-6, wie ein Judas, der über Jahre hinweg dem Geld nachläuft, sich dann im entscheidenden Moment einfach nicht mehr wehren kann.

Der Verrat wird vorbereitet

Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passa. Wir sind in Jerusalem. Das letzte Passa, wenn Jesus am Kreuz stirbt, steht vor der Tür. Umgangssprachlich würde man sagen, es ist Gründonnerstag.
Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten das Volk. Sie haben ein Problem: Sie wollen Jesus loswerden. Aber sie können das nicht öffentlich tun, denn wenn sie Jesus öffentlich verhaftet hätten, dann hätte es jemand mitbekommen, und es hätte einen Riesenaufstand gegeben. Das heißt, man muss das irgendwie heimlich machen.
Vers 3: Aber Satan fuhr in Judas mit Beinamen Iskariot, der aus der Zahl der Zwölf war. Ich glaube nicht, dass wir da hineinlesen dürfen, dass Judas jetzt besessen ist, sondern dass es einfach bedeutet, er fährt hinein im Sinne von: Er benutzt ihn, er verführt ihn. Der Teufel wird in der Bibel beschrieben als ein Vater der Lüge. Er gibt ihm irgendeine Idee ein, die so attraktiv klingt, dass Judas sagt: Ja, das mache ich.
Wenn Judas gewusst hätte, dass er sich kurze Zeit darauf anfängt, für das, was er getan hat, zu schämen, mehr noch: entsetzt zu sein, wo das hingeführt hat, und sich dann das Leben zu nehmen, weil er einfach mit dieser Schuld nicht leben kann, dann hätte er sich in diesem Moment nie auf den Deal eingelassen. Aber irgendetwas war passiert, dass er eine Idee bekam: Das könnte eine gute Idee sein, Jesus zu verraten.
Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und den Hauptleuten, wie er ihn an sie überliefere. Wie man es geheim machen kann, so dass keiner etwas davon mitbekommt. Und sie waren erfreut. Ja, logisch: Bis zu diesem Moment wussten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten nicht, wie kommen wir an diesen Jesus ran. Der geht nachts immer irgendwo hin, und wir wissen nicht genau, wo er ist. Und tagsüber sind so viele Leute um ihn herum, dass das nicht heimlich passieren kann.
Und jetzt kommt einer und sagt: Ich verrate ihn euch. Ich verrate euch, wo Jesus heute Nacht sein wird, und dann könnt ihr ihn still und heimlich einfach gefangen nehmen. Und bevor das gemeine Volk gefrühstückt hat, ist eigentlich schon alles gelaufen.
Sie waren erfreut und kamen überein, ihm Geld zu geben. Und er versprach es und suchte eine Gelegenheit, um ihn ohne Volksauflauf an sie zu überliefern.

Ein geheimer Plan für das letzte Mahl

Vers Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber gerade ist ja der neue James Bond rausgekommen. Insofern sind Agentenfilme gerade wieder so ein bisschen im Gespräch. Und bei Agentenfilmen geht es ja immer ein bisschen konspirativ zu. Man darf nicht so genau wissen, wer genau die Guten und die Bösen sind.
So ähnlich klingt das jetzt auch in den Versen 7 bis 13. Wenn man das so liest, hat man den Eindruck: Hm, klingt erst mal komisch. Das hat aber einfach damit zu tun, dass der Ton des Textes das Problem trifft. Jesus kann nicht mehr öffentlich agieren, er muss vorsichtig sein. Er weiss ja: Ich habe einen Verräter in meinen eigenen Reihen, und ich muss irgendwie schauen, in dieser Stadt hier, die eigentlich die Stadt sein sollte, wo ich regiere, die aber zur Hauptstadt der Rebellion gegen mich wird, ich muss irgendwie hier überleben. Und deswegen diese ganz merkwürdige Art, wie er das letzte Passa, wie er dieses Fest, das er mit den Jüngern feiern will, vorbereitet.
Hört euch das an! Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem das Passa geschlachtet werden musste. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passa, dass wir es essen.
Da sollte ein Lamm vorbereitet werden und ein bisschen ringsherum. Irgendjemand musste sich darum kümmern, dass da ein Ort ist, dass das Lamm geschlachtet wird, gebraten wird, angerichtet wird, dass es da etwas gibt, wo man sich hinsetzen kann, dass da ein Tisch ist. All das musste irgendjemand vorbereiten. Wer sollte das tun? Petrus und Johannes. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passa, dass wir es essen.
Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir es bereiten? Er aber sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug Wasser trägt.
Okay, ja, das ist dieses Konspirative. Okay, du gehst irgendwo hin. Ja, gestern war ich im Wald ein bisschen beten, und dann fuhr jemand mit dem Fahrrad und hat überall so orangefarbene Markierungen an den Bäumen angebracht. Ich dachte mir: Hm, vielleicht irgendein Spiel oder ein Lauf, keine Ahnung. Aber so ähnlich kommt mir das hier vor. Du gehst in die Stadt, und ich sage dir noch nicht, wo es ist, aber da siehst du jemanden mit dem Wasserkorren, dem gehst du langsam hinterher. Folgt ihm in das Haus, wo er hineingeht.
Und er soll zu dem Herrn des Hauses sagen: Der Lehrer sagt dir, wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passa essen kann? Also ist es irgendwie total merkwürdig. Du folgst ihm, gehst da rein durch die Tür, fragst herum: Wer wohnt denn hier? Und dann sagst du so: Wir brauchen dein Gastzimmer. Du kennst den nicht, der dir da gegenübersteht. Er sagt: Okay, alles wunderbar. Gut.
Und jener wird euch einen grossen, mit Polstern belegten Obersaal zeigen. Dort bereitet es. Als sie aber hingingen, fanden sie es, wie er ihnen gesagt hatte, und sie bereiteten das Passa.
Jesus trifft sich mit seinen Jüngern, und er feiert das aller, allerletzte Passa. Und er möchte, dass wir begreifen, dass das, was jetzt passiert, von vornherein geplant war.

Das Mahl als Zeichen des neuen Bundes

Vers 14 Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch, und die Apostel mit ihm. Die Stunde, die gekommen ist, ist die Stunde des Passa. Passa hat im Denken eines Juden zwei Funktionen. Zum einen ist Passa eine Erinnerung an das, was früher einmal geschehen ist. Eine Erinnerung daran, dass Israel aus Ägypten herausgeführt wurde, dass Israel einmal befreit wurde.
Aber Passa ist noch mehr. Passa ist auch so eine Art Prototyp für eine viel größere Erlösung, für die Erlösung, auf die das Volk wartete, wenn der Messias kommen würde: die Befreiung, die der Messias bringt, und, wie wir wissen, die er bringt, von der Sünde, durch sein eigenes Sterben am Kreuz.
In Vers 16 heißt es: Denn ich sage euch, dass ich es gewiss nicht mehr essen werde, gemeint ist das Passa, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes. Eine Erfüllung steht an. Das Passa, wo ein Lamm geschlachtet wird, als ein Sinnbild dafür, dass Gott Menschen gerettet hat, erfüllt sich am Kreuz von Golgatha dadurch, dass dort nicht ein Lamm, sondern das Lamm Gottes geschlachtet wird.
Gott selbst bringt ein Opfer dar, in Form seines Sohnes. Das abschließende Opfer, das nicht nur ein Volk aus der Sklaverei heraus befreit und in das verheißene Land führt, sondern das allen Menschen gilt, die in der Sklaverei der Sünde leben und die begriffen haben: Ich brauche Befreiung für mein Leben. Und wo der Glaube an dieses eine Opfer alle Menschen befreien kann, erfüllt sich das alte Opfer, dieses Vorbild, dieses Kleine, dieser Schatten des Kreuzes im Passa tatsächlich.
Vers 15 Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passa mit euch zu essen. Ich hoffe, ihr könnt ein bisschen von der Last spüren, die hier auf Jesus liegt, wie ihm dieser Weg nicht leicht geworden ist. Aber er weiß, es ist bald alles vorbei.
Und es ist wichtig, dass wir begreifen: Sein Tod ist wirklich kein Versehen. Das ist nicht ausnahmsweise passiert, weil da menschlicher Neid oder der Teufel oder irgendetwas anderes ihn da hineingeschubst hätte und er das gar nicht wollte. Jesus wusste, was kommt. Jesus wusste: Ich muss sterben für die Versöhnung des Menschen mit Gott. Ich muss das eine Opfer bringen. Und Jesus ist dazu bereit.
Und wir feiern, wir sehen diese Passerfeier. Es wird wenig über die Feier selbst gesagt, und mitten hinein in diese Feier passiert jetzt Folgendes: Jesus sagt, denn ich sage euch, dass ich es gewiss nicht mehr essen werde, wenn bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes. Jesus sagt, ich werde das Passa jetzt noch einmal mit euch essen, und dann erst wieder, wenn ich wiedergekommen und mein Reich in Macht und Herrlichkeit aufgerichtet habe.
Wir lesen davon, dass es in der Zukunft noch einmal ein Passa geben wird, in Hesekiel 45. Aber dazwischen, zwischen heute, wenn Jesus ein abschließendes Passa mit seinen Jüngern feiert, und dem zukünftigen Passa, dazwischen gibt es etwas Neues.

Brot und Kelch als Erinnerung an Christus

Und das Neue hört sich so an: Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich nicht vom Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm Brot, dankte und brach es, gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
Nochmal: Jesus sagt, ich werde heute ein letztes Mal mit euch Passa feiern. Ich werde auch ein letztes Mal Wein trinken mit euch. Und erst wenn mein Reich in Macht und Herrlichkeit aufgerichtet wird, werden wir an der Stelle anschließen.
Aber dazwischen gibt es, wie wir an anderer Stelle gelesen haben, neuen Wein in neue Schläuche. Christentum mit ganz anderen Ausdrucksformen als das Judentum es hatte. Die Christen feiern nicht Passa, wir feiern nicht das Laubhüttenfest, wir halten nicht den Sabbat, das tun wir nicht. Wir haben neue Formen. Und im Zentrum dieser neuen Zeichen, die Gott uns gibt, steht ein Brot und ein Kelch.
Und Jesus sagt: Ich möchte, dass meine Jünger Folgendes tun: Sich regelmäßig daran erinnern, was ich für sie getan habe. Ich möchte, dass sie ein Brot nehmen und begreifen, das ist mein Leib. Dass sie daran denken, dass Jesus körperlich für sie gelitten hat und gestorben ist. Und dann möchte Jesus, dass wir einen Kelch nehmen. Man sagt manchmal Brot und Wein, es müsste genauer genommen heißen Brot und Kelch, weil der Kelch für einen neuen Bund steht.
Im Alten Testament, am Berg Sinai, schließt Gott einen Bund, einen Vertrag, er und das Volk Israel. Auf Golgatha wird ein anderer Vertrag, ein anderer Bund geschlossen: Gott und der Teil der Menschheit, der glaubt. Das ist der neue Bund.
In den alten Bund bin ich dadurch hineingekommen, dass ich als Israelit geboren wurde. In den neuen Bund trete ich ein durch Glauben. Die Zeichen des neuen Bundes sind nicht: Ich lasse mich beschneiden und ich lerne die Tora auswendig und solche Sachen. Sondern die Zeichen des neuen Bundes sind unter anderem ein Brot, das wir unter uns teilen, wo jeder sich ein Stück abreißt und sagt: So wie ich hier ein Stück abgerissen habe von diesem Brot und damit das Brot kaputt gemacht habe eigentlich, so ist der Herr Jesus für mich kaputt gemacht worden.
Und wenn wir alle von demselben Brot nehmen, bringen wir damit zum Ausdruck: Wir sind ein Team. Und das, was uns verbindet, ist, dass einer für uns gestorben ist. Und dann nehmen wir von demselben Kelch und sagen, indem wir davon trinken: Wir gehören zu demselben Team, das durch Glauben Teil des neuen Bundes geworden ist, und wir wollen mit aller Leidenschaft Jesus nachfolgen.
Und Jesus setzt diese Zeichen ein hier beim letzten Mal, dass er mit seinen Jüngern isst. Das stimmt nicht ganz, sie hatten später nochmal ein Frühstück, aber ist egal. Also bei diesem letzten Passa, das er mit ihnen feiert, eine kleine Schar auserwählter Leute, und mittendrin sitzt Judas. Es ist unglaublich dramatisch. Du hast Brot und Kelch auf dem Tisch stehen, und irgendwie daneben, auf dem gleichen Tisch, liegt die Hand des Verräters.

Warnung, Gericht und göttliche Souveränität

Vers 21 Doch siehe, die Hand dessen, der mich überliefert, ist mit mir auf dem Tisch. Und der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn beschlossen ist. Wehe aber jenem Menschen, durch den er überliefert wird.
Der Sohn des Menschen, ein Messias-Titel, Jesus, geht dahin. Das heißt, er wird sterben. Gott weiß, Jesus weiß, dass Jesus ihn überliefern wird. Und er kann Judas in dieser Situation noch einmal warnen. Er kann sagen: Pass auf, ich warne dich. Wehe! Das ist ja die schlimmste Form der Warnung, die man aussprechen kann: Wehe aber jenem Menschen, durch den er überliefert wird.
Achtung, ich weiß, ich werde sterben, aber wehe dem, durch den es passiert. Jesus kennt die Gedanken eines Judas. Gott weiß, dass Judas ihn überliefern wird. Gott weiß, was du morgen tun wirst. Gott kennt die Zukunft.
Und ich bin davon überzeugt, dass Gott uns zwei Dinge gewährt: Auf der einen Seite die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und damit Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Auf der anderen Seite werden wir mit dem, was wir entscheiden, selbst wenn wir uns gegen Gott entscheiden, seine Pläne nie durchkreuzen können. Er weiß, was kommt. Er weiß, dass ein Judas sich entschieden hat. Und er weiß, wie das Leben eines Judas ausgehen wird.
Und Gott baut diese freie Entscheidung eines Judas, mehr am Geld hängen zu wollen als an seinem Herrn, in seine Pläne mit ein. Er baut diese böse Entscheidung, dieses falsche Denken, in seine Pläne mit ein.
Und was mich fasziniert, ist, dass die Jünger dann, ich hatte das ja vorhin schon angedeutet, Vers 23: Und sie fingen an, sich untereinander zu befragen, wer es wohl von ihm sein möchte, der dies tue. Ich finde das toll. Es war nicht klar unter den Jüngern, dass alle sagten: Logisch, muss doch der Judas sein. Hast du doch gesehen, wie Jesus mit dem umgeht, schon seit Jahren. Den grenzt er immer so ein bisschen aus. Der darf nie so richtig mitmachen. Der kriegt nie mal was erklärt. Überhaupt nicht.
Die schauen sich gegenseitig an und sagen: Wer könnte das denn sein? Judas hat sich perfekt verstellt, und Jesus hat ihn nicht irgendwie gemobbt, nicht irgendwie offenbart.

Die Frage nach Größe und die Logik des Dienens

Und jetzt müsste man sagen: Boah, wenn so ein Thema im Raum steht, dann sind die Jünger bestimmt ganz heilige Leute. Die werden jetzt bestimmt weiter in Jesus dringen, und jetzt wird man sich nur noch über heilige Dinge unterhalten.
Und ich habe euch jetzt Judas gezeigt, der in seinem Herzen nicht sauber dastand. Jetzt schauen wir uns den Rest der Jünger an und nehmen uns dann exemplarisch einfach mal den Petrus vor. Wie sind denn die anderen darauf? Ist Judas der, der immer alles falsch macht? Und die anderen, das sind so die strahlenden Männer, die einfach immer alles richtig machen, die immer die richtigen Antworten geben, immer schon wissen, was Jesus meint, niemals etwas Falsches?
Nein, hören wir uns mal an, was die denn jetzt im Angesicht dieses letzten Passers tun.
Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei.
Schön, wir haben ja auch nichts anderes zu tun, als uns darüber zu unterhalten: Wer ist hier eigentlich unter uns der Coolste? Wer sieht am besten aus? Wer wird den meisten Einfluss haben? Wer hat den meisten Durchblick? Wen mag Jesus am meisten? Das ist ja auch genau das Thema, das genau jetzt an der Stelle passt.
Und ich hoffe, dass ihr mitschmunzeln könnt. Das sind ganz normale Typen. Die sind sogar ein bisschen weniger heilig, als man das gemeinhin denkt.
Was macht Jesus an der Stelle?
Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die Gewalt über sie üben, lassen sich Wohltäter nennen.
Schaut euch mal die Typen an, die Macht haben. Was machen die denn? Na ja, sie werden Macht gebrauchen, um in ihrer eigenen Tasche zu wirtschaften. Sie sind riesige Ausnahmen, wenn das mal jemand nicht tut.
Sie sind Christen drauf, ihr aber nicht so.
Wenn es einen Unterschied gibt in der Frage, wer der Größte unter euch ist, zu dem, was draußen in der ganz normalen Welt gelebt wird, dann ist es die Frage: Wie verhält sich ein Größerer?
Und Jesus sagt: Ihr aber nicht so, sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste.
Also jetzt nicht an die Jungen, die hier da sind. Hier ist ein Bild gebraucht. Die Jüngsten damals waren die Unbedeutendsten. Das waren so die, auf die hat man nicht so viel Rücksicht genommen. Es gab noch nicht so Kindergottesdienst und so, das ist alles erst viel später passiert. Also die sind so ein bisschen mitgelaufen, die konnten irgendwo in der Ecke sitzen und rumkrakelen, das war gut, und dann ist es in Ordnung.
Unbedeutend will das Bild bringen. Und der Leiter wie der Dienende.
Noch ein Bild: Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der Dienende?
Also wenn jemand, wir liegen nicht mehr zu Tisch, aber damals lag man zu Tisch, mit kleinen Tischen außenrum lag man. Heute sitzt man an Tischen. Wenn du essen gehst, wer ist größer, wer hat mehr Macht, mehr Einfluss? Die Bedienung, die kommt und fragt: Was hätten Sie denn gern? Darf ich Ihnen noch was bringen? Hat es denn auch geschmeckt? Oder der, der die Scheckkarte zückt und sagt: Ich werde bezahlen.
Na ja, der, der da sitzt und bezahlt, das ist der, um den es geht. Und das Bild verwendet Jesus und fragt: Wer ist mehr wert? Wer ist in deinen Augen größer? Der, der da liegt, oder der, der bedient?
Und klar, die Antwort muss lauten: der, der da liegt.
Vers 28, nein, noch Vers 27 am Ende:
Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende.
Ich habe die Position der Bedienung übernommen, ich habe euch gedient, und ihr habt euch die ganze Zeit bedienen lassen. Und damit, weil das so gewesen ist, wollte ich euch etwas zeigen. Ich wollte euch zeigen, worum es wirklich geht.
Wahre Größe im Reich Gottes hat damit zu tun, dass wir bereit sind, zu dienen.
Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen. Und ich verordne euch, wie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, dass ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, die zwölf Stämme Israels zu richten.
Jesus sagt: Ich bin der Dienerkönig, und ich habe euch ein Beispiel gegeben. Und wenn ihr diesem Beispiel folgt, was ihr schon tut, weil ihr nämlich die ganze Zeit bei mir bleibt, weil ihr nicht weggegangen seid, obwohl es schwierig geworden ist, weil ihr euch nicht an meinen Predigten gestoßen habt, deshalb werde ich euch versprechen: Ihr werdet herrschen, ihr werdet Gemeinschaft mit mir genießen, ihr werdet richten, ihr werdet oben sein. Aber das Ganze jetzt noch nicht.
Warum jetzt noch nicht? Weil jetzt in diesem Moment, und wir können das, was Jesus hier zu den Jüngern sagt, eins zu eins auf uns übertragen, jetzt in diesem Moment steht ihr unter dem Beschuss des Teufels.

Das Herz des Petrus und die Fürbitte Jesu

Und wir schauen uns mal an, was Petrus ausmacht. Ich möchte euch einen Blick in das Herz eines Petrus gewähren.
Petrus, mit Sicherheit der, nein, wir schauen uns erst mal das Herz an. 31-34, die letzten vier Verse. Der Herr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen.
Für die, die jetzt wie ich mit Landwirtschaft nichts am Hut haben: Das Wort sichten bedeutet, man will die Spreu vom Weizen trennen. Was macht man? Man schnappt sich eine Ähre, das ist dieses lange Ding, wo oben vorne die Ähre ist und dann hängt da unten noch so etwas dran. Und dann muss man irgendwie die Körner aus der Ähre rauskriegen. Das ist relativ einfach: Man legt das irgendwo hin und macht so. Irgendwann fallen die Körner raus. Man kann das mit einem Dreschflegel machen oder wie auch immer. Dann fallen die Körner raus, und jetzt habe ich so einen großen Haufen Dreck.
Also ich habe das, was man Spreu nennt, so Zeug, womit man sich die Kleidung dreckig macht, so feines Zeug, da kriegst du Husten davon und so, und du hast die festen Körner. Und wenn man jetzt etwas macht, nimmt man es, schmeißt es hoch und wartet. Und die Spreu, weil sie so leicht ist, weil das nur aus so kleinen getrockneten Halmen und Blättchen besteht, die fliegt weg. Und die festen Körner, die halt eine hohe Dichte haben, die fallen runter. Wenn ich das ein paarmal mache, habe ich die Spreu da und die Körner hier.
Und Jesus sagt: trennen! Die Spreu vom Weizen trennen ist ein Bild dafür, dass man das Gute vom Bösen trennt, dass man eine Methodik anwendet, um zu schauen, was echt ist und was nicht echt, dass man etwas testen möchte. Und der Teufel ist so ein Versucher. Er ist einer, der uns testen möchte, der uns in Situationen hineinbringen möchte, wo deutlich wird: Gehörst du zur Spreu? Oder zum Weizen? Bist du bei den Guten oder bei den Bösen dabei? Der Teufel möchte uns unter Druck setzen.
So, der Herr aber sprach: Simon, Simon, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Und jetzt kommt der Hammersatz. Wenn ihr einen Vers auswendig lernen wollt, das wäre so die Möglichkeit für heute: Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Boah, also Judas kriegt ein Wehe. Da kommt nicht ein „Ich habe für dich gebetet“. Hier an der Stelle, wo jemand auch unter den Druck des Teufels gerät, sagt Jesus: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und es geht weiter: Und wenn du dereinst zurückgekehrt bist, das heißt, wenn du unter dem Druck des Teufels in der Situation der Versuchung Mist gemacht hast und es nicht geschafft hast und wieder gesündigt hast – ihr wisst, dass Petrus Jesus verleugnet, oder? Das kenne ich nicht, den. Wessen? Das kenne ich nicht, den habe ich noch nie gesehen.
Wenn du fällst, wenn der Teufel gewinnt in deinem Leben und du kehrst zurück, das heißt, du stehst wieder auf, du bekennst deine Sünde und du gehst wieder zurück zu Jesus, was sagt Jesus dann? Dann kann ich dich nicht mehr gebrauchen? Genau das Gegenteil. Da steht: Und wenn du einst zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder.
Jesus sagt zu Petrus: Ich kenne dich, und ich weiß, was auf dich zukommt. Und nur damit du Bescheid weißt: Ich habe für dich gebetet.
Und was sagt Petrus jetzt? Und jetzt kommt der Blick ins Herz von einem Petrus. Wie ist Petrus in seinem Herzen drauf? Du weißt, dass Probleme kommen werden. Und was sagt Petrus? Und es klingt auf der einen Seite so lustig, und auf der anderen Seite ist es so ehrlich. Er aber sprach zu dem Herrn: Mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Das ist ein Blick ins Herz. Ich weiß, das ist ein bisschen schmunzelig, man könnte ihn für vorlaut halten, man kann darüber schmunzeln, wie er über sich denkt. Aber wisst ihr, was das ist? Das ist Ausdruck eines Herzens, das sagt: Ich hänge an dir. Egal, was du mir jetzt sagst, egal, was da für Probleme kommen werden, ich hänge an dir. Und ob das Gefängnis oder Tod ist, ich werde nicht von dir lassen.
Wir wissen das besser, aber das Herz, diese Grundeinstellung, nicht die Fähigkeit, alles richtig zu machen, das hat er nicht. Wahrscheinlich hat er mit den anderen überlegt, wer der Größte ist. Wir wissen, dass er Jesus verleugnen wird und diese hehren Ziele, ich werde dir folgen, das hält er nicht ein. Aber das Herz ist da: Ich will das, ich will dich, egal, was es mich kostet.
Und deshalb, weil dieses Herz da ist, deswegen sagt Jesus, weil er das Herz sieht: Ich habe für dich gebetet. Was ist das, was Jesus an uns sieht, was Jesus so kostbar ist? Ich glaube, es ist, dass wir ihn zum König unseres Herzens gemacht haben, dass wir ihn wirklich lieben wollen. Wir werden das nicht immer schaffen, wir werden versagen. Und das, was uns ans Ziel bringt, was uns garantiert, dass wir ankommen werden, das ist nicht, dass wir die Strahlemänner sind, das ist nicht, dass wir alles richtig machen, sondern dass wir im Himmel einen König haben, der sagt: Ich habe für dich gebetet, der heute noch für uns betet.
In Hebräer 7,25 lesen wir genau diesen Aspekt. So wie Petrus damals hört: Ich habe für dich gebetet, so dürfen wir wissen, dass Jesus für uns heute genau dasselbe tut. Da heißt es in Hebräer 7,25: Daher kann er auch völlig erretten, die durch ihn Gott nahen. Jesus kann uns völlig retten, absolut, wenn wir durch ihn zu Gott kommen. Warum? Weil er immer lebt, um sich für sie, für uns, zu verwenden. Das ist unser Plus. Wir haben einen König im Himmel, der für uns betet.
Und das ist das, was ein Petrus weiß oder was ein Petrus verstehen muss. Mich fasziniert das so sehr, dass Jesus hier noch einen Schritt weitergeht. Er sagt ihm einerseits, Vers 34: Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.
Boah, Jesus weiß genau, was kommt. Weißt du, dass Jesus deine Sünde kennt, die du morgen tun wirst? Und übermorgen und überübermorgen? Er weiß, was kommt. In einem gewissen Sinn können wir Jesus nie enttäuschen, weil er schon weiß, was wir tun werden, in dem Moment, wo er uns das erste Mal sieht, ja, schon vorher. Er kennt uns, er schaut durch uns hindurch. Und da, wo wir mit ihm unterwegs sind, an der Stelle betet er und sorgt dafür, dass unser Glaube nicht aufhört.
Und er sagt noch etwas: Ich habe einen Plan für dich. Ich weiß, dass du sündigen wirst, aber ich weiß auch, dass deine Sünde dich nicht unbrauchbar macht für mich. Ich möchte dich gebrauchen. Ein Petrus vor der Verleugnung bekommt schon gesagt: Wenn du wieder gerade ausschauen kannst, wenn du Buße getan hast, wenn du wieder da bist, dann möchte ich dich gebrauchen. Stärke deine Brüder.

Ein abschliessender Vergleich und ein Beispiel aus der Gegenwart

Und ich möchte es einfach mal so abschließend sagen: Wenn ich Judas mit Petrus vergleiche, dann sehe ich bei Judas einen, dessen Herz am Geld hängt und der äußerlich eine Show macht, aber innerlich ist nichts da. Und ich sehe bei Petrus einen, der vielleicht ein bisschen zu großspurig daherkommt, der auch nicht alles richtig macht, aber von Herzen ganz auf der Seite Jesu steht und diesem König folgen will.
Und was passiert? Dieser ganz mittelmäßige Petrus, der noch Jahre und Jahrzehnte nicht der Überflieger sein wird, dieser mittelmäßige Petrus, dieser einfache Fischer aus Galiläa, kann durch Gott großartige Dinge tun. Gott benutzt ihn auf eine Weise, wie er es wahrscheinlich nie in seinem Leben erahnt hätte.
Und ich möchte euch heute eigentlich mit einem Wunsch entlassen, nämlich mit diesem Wunsch, von ganzem Herzen an Jesus zu hängen. Stellt euch selbst diese Frage: Gibt es in meinem Leben etwas, das mir wichtiger geworden ist als Jesus selbst? Pflege ich da vielleicht so mein kleines dunkles Geheimnis?
Und ich möchte euch im Blick auf diesen Punkt, dass Gott mit mittelmäßigen Menschen, die aber von ganzem Herzen für ihn brennen, unglaublich viel erreichen kann, eine abschließende Geschichte erzählen.
Ich habe vor kurzem einen Film gesehen. Das ist vielleicht nichts für Tief Time, aber für den Fight Club wäre das was. Der Film heißt Machine Gun Preacher, also Machine Gun, Maschinengewehr, und Preacher, Prediger: Machine Gun Preacher. Komischer Titel, ja. Was hat ein Maschinengewehr mit einem Prediger zu tun? Es ist eine Autobiografie, möchte man sagen, eine wahre Begebenheit. In dem Film spielt Gerard Butler den Hauptdarsteller. Und er sagt, als er das Skript gelesen hat, habe er nicht geglaubt, dass es jemanden gab, der so ein Leben haben konnte. Dann habe er sich mit dem getroffen, den er im Film verkörpern soll, und er meint, das eigentliche Leben sei noch viel spannender gewesen.
Worum geht es in diesem Machine Gun Preacher, oder nein, worum geht es im Leben von Sam Childers? Das ist nämlich derjenige, dessen Leben in diesem Film nacherzählt wird. Stellt euch jemanden vor, der irgendwo in Pennsylvania groß wird und der relativ früh, schon als Teenie, anfängt, sich mit jedem zu prügeln, der ihm vor die Fäuste kommt. Er fängt an, Drogen zu verticken. Er fängt an, also alles an sexueller Unmoral durchzumachen, was er machen konnte. Und kurz bevor er zwanzig wird, verdient er sein Geld damit, dass er für Drogendealer als bewaffneter Begleitschutz bei Drogentransporten arbeitet.
Also richtig ganz unten, möchte ich sagen: alkoholabhängig, drogenabhängig, seine Freundin ist eine Stripperin, Lynn. Ganz unten, wo du sagst: tiefer kannst du eigentlich nicht mehr fallen. Du kannst nur noch darauf warten, bis dich entweder jemand umschießt, du an deinem Alkoholexzess draufgehst oder dir eine Überdosis gibst. Du kannst eigentlich nur noch darauf warten.
Irgendwie schafft er es mit der Hilfe Gottes, aus diesem Leben ein Stückchen herauszukommen, sich erst einmal einen normalen Job zu besorgen und dann seine Freundin zu heiraten. Und diese Freundin hatte früher eine Beziehung zur Kirche, und sie fängt an, wieder in die Gemeinde zu gehen. Und er tapert hinterher.
Also jemand mit null Schulbildung, wo du sagst: Ich weiß nicht, ob ihr ihn hier in der Gemeinde hättet haben wollen. So ein Typ, so ein Bär von Mann, der schon alles durchgemacht hat, den du mit nichts mehr erschrecken kannst, taucht da in der Gemeinde auf. Und Stück für Stück findet er durch Gottes Hilfe zu einem stabilen Leben.
Und du denkst dir: Boah, das ist ja schon irre viel. Jemand aus der Droge, aus dem Gewaltverbrechen heraus, und auch seine Freundin, Ex-Stripperin, jetzt normaler Job. Dann kriegen sie ein Kind, so ein kleines Mädchen, und er fängt an, im Bau zu Häusern zu arbeiten, so ein bisschen als begabter Handwerker. Er baut seine erste eigene kleine Firma auf, und es läuft super, bis im Jahr etwa 1988 jemand auf der Kanzel steht und sagt: Ich bräuchte Leute, die in den Südsudan fahren, um dort Hütten zu reparieren. Es gibt dort einen Bürgerkrieg, und ich brauche einfach ein paar begabte Handwerker.
Und das ist toll. Du bist Handwerker, sitzt in einer Gemeinde und denkst dir: Na gut, predigen kann ich nicht, aber so eine Hütte aufbauen kann ich schon. Und er meldet sich und sagt: Ich möchte mit. Und er fährt in den Südsudan mit so einer kleinen Truppe, repariert Hütten, geht ein bisschen spazieren und stolpert über den Körper eines zerfetzten kleinen Jungen, zerfetzt von einer Landmine. Er sieht diesen Rest von Körper da liegen, und es packt ihn. Er denkt: Was ist hier los?
Er bittet Gott darum, dass er irgendwie diesem Volk im Südsudan helfen kann. In einem Land, wo eine sogenannte Befreiungsarmee zu der Zeit ungefähr dreißigtausend Kinder gekidnappt hat und in Kindersoldaten umerzieht, wo Hunderttausende auf den Dörfern ermordet worden sind. Ein paar Monate später muss er wieder zurück, kommt wieder in den Sudan, reist durch das Land, und er hat den Eindruck, dass Gott ihm sagt: Baue mir hier an dieser Stelle ein Waisenhaus.
Und als die anderen, die da wohnen, sagen: Sorry, hier baut niemand ein Waisenhaus, weil hier Kriegsgebiet ist. Hier gibt es diese bewaffneten Rebellen. Wenn du hier etwas aufbaust, schießen die das alles kurz und klein. Die machen das so schnell kaputt, du kriegst das eh nicht hin. Lass es sein. So hat er einen Ex-Junkie, einen Ex-Waffendealer, der sagt: Hm, ich habe den Eindruck, ich soll hier mitten im Kriegsgebiet, wo es nichts gibt für Kinder, die mit angesehen haben, wie ihre Eltern vor ihren eigenen Augen erschossen wurden, wie man ihre Verwandten verschleppt hat, die einfach hungrig und abgemagert durch die Steppe oder durch diese Gegend ziehen und nicht wissen, wohin. Da gibt es nichts. Niemand will sich um diese Kinder kümmern. Sam Childers sagt: Ich baue hier etwas auf. Und er macht das.
Er startet 1998 damit, den Grundstein zu legen, mitten im Kriegsgebiet, für ein Waisenhaus. Ein Mann mit seiner Frau, eine Vision. Und er hat diesen Titel Machine Gun Preacher, weil es natürlich wirklich Stress gab und man ihn abends da liegen sieht, unter einem Baum, unter einem Moskitonetz, in der einen Hand die Bibel und in der anderen Hand eine AK-47. Und es gibt die Überfälle, ja, und er muss sich verteidigen. Ob man das jetzt gerne hören mag: Er geht einen Schritt weiter. Er fängt an, diesen Rebellengruppen die Kinder wieder wegzunehmen, und das ist nicht ganz gewaltfrei.
Bis heute sind durch dieses Waisenhaus über tausend Kinder durchgegangen. Im Moment leben zweihundert Kinder dort. Der Bürgerkrieg tobt immer noch. Aber eine Familie, ein Mann, Ex-Junkie, Ex-Dealer, Ex-Alki, und eine Frau, eine Ex-Stripperin, machen an diesem Punkt den Unterschied, weil sie in der Kraft und in der Vision Gottes bereit sind, ihr Leben für etwas einzusetzen, was weit über das hinausgeht, was sie sich jemals gedacht hätten.
Und ich stelle mir manchmal die Frage: Wenn Gott mit einer Ex-Stripperin und mit einem Ex-Junkie so etwas auf die Beine stellen kann.

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