Einführung in das Thema Leid und Glaube
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Dieses Video ist für dich. Heute wollen wir uns mit einem Thema auseinandersetzen, das uns alle betrifft – den einen mehr, den anderen weniger. Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, darüber zu sprechen. Es geht um das Thema Leid.
Mein heutiger Interviewpartner, Gast Martin Flemming, ist Polizist, Papa und Buchautor. Er hat das Buch „Morgen Ewigkeit. Abschied von meiner Frau“ geschrieben, das wir euch auch unter dem Video verlinken.
Wie du am Titel vermutlich schon erkennst, möchte ich heute mit Martin über den Verlust seiner geliebten Frau Irina sprechen. Sie ist vor rund zwei Jahren nach einem langen Kampf gegen einen Gehirntumor in die Ewigkeit vorausgegangen.
Martin ist ein lebender Zeuge dafür, wie Gott auch inmitten des Leids trägt und welche Perspektive ein Leben mit ihm bietet. Es ist mein Gebet, dass die Inhalte dieses Videos auch dir Ermutigung schenken.
Bei der Lektüre des Buches musste ich sehr oft weinen, und ich kann dir sagen, dass auch dieses Interview ohne Tränen nicht möglich war.
Lebenssituation vor der Begegnung mit Jesus
Ja, lieber Martin, ich freue mich, dass du heute hier mein Gast bist und dir die Zeit nimmst. Ich bin sehr gespannt auf das Gespräch. Du hast ja ein Buch geschrieben, das ganz spannend ist. Auf den ersten Seiten schreibst du sehr ehrlich, wie dein Leben ohne Jesus aussah. Vielleicht kannst du zu Beginn mal sagen, wie der Martin vor zehn Jahren aussah. Also, wenn ich das Interview vor zehn Jahren mit dir geführt hätte, wie hätte dein Leben da ausgesehen?
Sehr spannend, vielen lieben Dank auch für diese Frage. Ich bin da wirklich offen, weil Jesus mein Leben komplett verändert hat. Früher war ich ein sehr ängstlicher Mensch, würde ich sagen. Es hat bei mir aber nie richtig angegangen. Ich hatte so eine Art Maskerade, bei der ich ganz gut gelernt habe, mich durchs Leben zu hangeln. Es war eigentlich schon immer eine Sehnsucht in meinem Leben: erfüllt zu leben.
Meine größte Sehnsucht und Erfüllung, die ich mir gewünscht habe, war, eine Frau kennenzulernen und eine Familie zu gründen. So wurde ich auch geprägt und erzogen. Ich habe selbst eine ganz liebe Familie, Geschwister und Eltern, die bis heute verheiratet sind. Das war alles auch mein Wunsch.
Vor ungefähr zehn Jahren ist das aber ziemlich in die Brüche gegangen. Ich war verheiratet, hatte eine Frau, aber habe sehr viel Missbrauch erlebt und auch Vertrauensmissbrüche. Das war alles nicht mehr zu verzeihen. Irgendwie wurde diese Sehnsucht auch gar nicht wirklich erfüllt, die ich da hatte. Die Person konnte ich ja auch nicht erfüllen.
Das hat mich letztlich dazu gebracht, mich sprengen zu lassen. Ich habe schon eine Scheidung hinter mir und bin mit meinem Leben erst mal brachial gescheitert. Vor zehn Jahren war ich innerlich so kaputt, dass ich vor allem versucht habe, das irgendwie zu betäuben. Dafür habe ich relativ oft und viel Alkohol getrunken. Ich war traurig und frustriert und habe versucht, das wie eine Art Abtöten zu stillen.
Ich habe mich wie ein Versager gefühlt, innerlich einfach leer und tot. Gleichzeitig habe ich versucht, nach außen dieses Bild aufrechtzuerhalten. Die Sehnsucht, weiterhin geliebt zu werden und eine Partnerin zu haben, wollte ich irgendwie stillen. Ich dachte, okay, dann gehst du halt Party machen, nutzt Datingportale und triffst dich einfach. Ich habe meine Lösungen in der Welt gesucht und bin natürlich nur von einem ins nächste gestolpert. Das war alles nicht wirklich erfüllend.
So würde ich mich vor ungefähr zehn Jahren beschreiben: eigentlich total kaputt, innerlich vor allem, und äußerlich immer noch so ein bisschen den Schein wahren, aber immer auf der Kippe, wie lange das noch geht. Gerade was die Sehnsucht nach Liebe betrifft, habe ich sie mit den falschen Mitteln ständig stillen wollen, aber keine Erfüllung gefunden.
Begegnung mit Irina und erste Schritte im Glauben
Ja, danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit. Dann kam ja auch der Tag, an dem du Irina kennengelernt hast. Vielleicht kannst du noch einmal beschreiben, wie das zustande kam und ob der christliche Glaube da für euch schon eine Rolle gespielt hat.
Ja, das ist ganz verrückt. Als ich mich mit dem Thema Scheidung beschäftigt habe, habe ich wieder an Gott gedacht. Ich bin ja auch vor Gott in die Ehe gegangen, das war mir selbst wichtig. Dabei habe ich etwas gesagt, an das mich Gott nach der Scheidung erinnert hat: Dass nur der Tod jemanden wirklich von seinem Partner scheidet. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber der christliche Glaube hat für mich in meinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Rolle gespielt.
Ich habe Irina so kennengelernt, wie ich unterwegs war. Ich war halt auf Partys und bin immer wieder von einer Bar in die nächste geflüchtet. So habe ich sie auch in einer Bar kennengelernt. Auch bei ihr spielte der christliche Glaube in der Kennenlernphase eigentlich keine Rolle. Wir wussten voneinander, dass wir beide an Gott glauben. Was ich von Irina nicht wusste, war, dass sie einen deutlich intensiveren Hintergrund im christlichen Glauben hatte als ich.
Ich wurde mit christlichen Werten erzogen, würde ich sagen, wie man Nächstenliebe übt und so weiter. Das war ein landeskirchlicher Hintergrund. Bei Irina war das schon deutlich lebendiger. Sie wusste, was Sünde ist und wer Jesus ist. Das war uns aber voneinander nicht bekannt und hat auch in der Kennenlernphase keine Rolle gespielt.
Wir hatten erst einmal Jetset angesagt und haben unser Leben sozusagen weitergelebt wie vorher, bloß auf einer anderen Wolke. Ich würde sagen, wir haben da in uns echt sehr gleichgesinnte und liebenswürdige Partner kennengelernt.
Man liest das dann auch in deinem Buch, dass ihr ja sehr eng mit dem Herrn gewandelt seid. Wie kam das denn? Wie habt ihr Gott gefunden und was hat das mit eurer Beziehung gemacht?
Ja, wir haben letztlich etwas festgestellt: dass es wirklich Liebe gibt. An dem Punkt war ich oft unsicher. Ich war mir nicht ganz bewusst, was Liebe eigentlich ist. Das ist für mich ein nebulöser Begriff gewesen, den ich bis dahin nur in Dingen gesucht und vermeintlich gefunden habe, die sehr begrenzt waren. Zum Beispiel im Partner. Leider auch in anderen Dingen, wo ich dachte, das sei Erfüllung und bringe Liebe. Zum Beispiel Pornografie. Das haben wir gemerkt.
Vor allem in der Anfangszeit der Partnerschaft hat uns das nicht begleitet. Wir haben uns wirklich von Herzen kennengelernt. Das war für mich etwas, das ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte. Ich war richtig kaputt und habe an Irina kennengelernt, dass es noch Menschen gibt, die einen so nehmen, wie man ist. Und das ist, denke ich, schon mal ein ganz gutes Zeichen von Liebe. Sie ist bedingungslos und fängt nicht an, den Partner erst mal zu verändern oder zu formen, wie man ihn gerne hätte. Sondern sie zeigt erst mal viel Bereitschaft, einen so zu nehmen, wie man ist.
Das habe ich sehr extrem erlebt, dass Irina mir das gegeben hat. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Lebensweise nicht wirklich verändert. Wir haben weiter Party gemacht, haben in dem Partner die maximale Erfüllung und Liebe gesucht und sind immer wieder an unsere Grenzen gestoßen. Es war irgendwie nicht vollkommen.
Irina hat mal gesagt, dass einem immer etwas gefehlt hat. Du hast gemeint, du hast alles und doch fehlt etwas. Letztlich auch dieser Erfüllungsgedanke. Wir kamen beide unabhängig voneinander nicht darum herum, das mit Gott in Verbindung zu bringen. Wir haben uns darüber aber nicht offen unterhalten. Jeder hat das für sich gedacht.
Wir haben viele Dinge getan, bei denen wir gemerkt haben: Das ist nicht die Sprache der Liebe. Streitigkeiten, exzessiver Alkoholkonsum, der oft zu Streit geführt hat, ein recht ausschweifendes Leben in der Partyszene. Wir haben uns sogar in der Öffentlichkeit gestritten. Das sind keine Zeichen von richtiger Liebe. Das hat uns richtig zu schaffen gemacht. Auch Eifersucht, wenn plötzlich alte Partner irgendwo auftauchten. Man hat einfach gemerkt, da passt etwas nicht.
Mich hat das zu Gott geführt, weil ich die Frage hatte: Was ist Liebe? Wenn ich so weitermache wie bisher, laufe ich Gefahr, wieder da zu landen, wo ich schon einmal war. Ich fange dann an, die Dinge irgendwie anders zu drehen. Ich heirate vielleicht einfach, und das war auch so ein Gedanke, den ich hatte: Ich heirate sie einfach, dann bin ich auf dem nächsten Level. Dann liebt man sich vielleicht auch mehr.
Das waren meine Gedanken. Dann habe ich darüber nachgedacht und gemerkt: Nein, du fährst deine Lehmjagd bloß wieder an die Wand. Das kann so nicht funktionieren, das kann nicht richtig sein, das kann auch nicht die Liebe sein. Ich wollte einfach wissen, wer und was Liebe ist.
Gleichzeitig war ich mir gar nicht sicher, ob ich wieder heiraten darf. Ich habe das irgendwie mit Gott in Verbindung gebracht. Das hat mir keine Ruhe gelassen, weil ich nicht wusste, wie ich vor Gott dastehe. Es hat mich auch sehr beunruhigt, weil ich wusste, dass ich innerlich ein Gebot gebrochen habe. Gibt es überhaupt noch eine Annahme bei Gott? Bin ich noch dabei? Wie ist das?
Das waren Dinge, die mich seit langem beschäftigt haben. Ich habe in der Kindheit persönlich gebetet, aber zusätzlich nicht. Das führte mich zu einem sehr persönlichen Gebet. Ich habe Gott einfach darum gebeten, mir zu zeigen, was Liebe ist. Ich habe ihn um Rettung aus dieser Situation gebeten und darum, dass er sich mir offenbart.
Das ist dann wirklich sehr eindrücklich geschehen. Es hat mich total überwältigt, so durchströmt zu sein von einer Liebe, die ich nicht kannte. Das war echt überwältigend.
So bin ich dann mit Irina ins Gespräch gegangen und habe gesagt: Okay, Gott ist real, wir müssen reden. Wir haben Beziehungsprobleme, wir tun so, als wäre es nicht so, aber es ist so. Ich denke, die Lösung ist Gott.
Ich wusste selbst teilweise gar nicht, was Gott rät. Aber für mich war auf einmal klar: Die Lösung ist Gott. Was nicht leicht war, war, dass sie angefangen hat zu weinen. Ich dachte, sie denkt vielleicht, ich spinne, das war es hier, und sie trennt sich vielleicht.
Ich habe sie aber tatsächlich auch irgendwie in Kauf genommen und gedacht: Ja, ich habe gerade Gott kennengelernt. Dann hat sie mir erklärt, warum sie weint. Sie hatte ja den christlichen Background und wusste, dass sie auch irgendwo in Sünde lebt. Was sie da macht, ist alles auf Sünde zurückzuführen. Das war ihr deutlich bewusster als mir.
In dem Bewusstsein hat sie einfach ihr Leben Jesus übergeben, unabhängig von mir. Sie hat gesagt: Okay, ich mache jetzt Schluss, ich übergebe mein Leben dir, Jesus. Und komme, was wolle, wenn du willst, dann rette unsere Situation. Ich will den Mann eigentlich nicht verlieren.
Dann kam ich nach Hause und habe über Gott geredet. Das hat sie einfach so überwältigt. Gott hat sich uns beiden so vergegenwärtigt. Das war einfach so stark und so eine Präsenz. Das war richtig, richtig schön.
So haben wir zu Gott gefunden, ja, konstant zusammen.
Diagnose und Umgang mit schwerer Krankheit
Wow, Halleluja, was für ein starkes Zeugnis. Ja, und dann, wie das eben so ist, wenn man sich liebt, will man auch weitergehen. Ihr seid den nächsten Schritt gegangen und habt im Juli 2019 geheiratet.
Etwa einen Monat nach eurer Hochzeit hat deine Frau Irina diese schreckliche Diagnose erhalten: Sie hat einen Gehirntumor, circa fünf Zentimeter groß. Nimm uns mal mit hinein, wie das war, als sie diese Diagnose bekommen hat. Wie hat sich euer Leben verändert?
Das war eigentlich völlig surreal. Man wird aus dem Nichts heraus getroffen. Ich würde sagen, wir standen auf dem Zenit unseres Lebens. Wir waren frisch verheiratet, es hat alles zu einem wahrhaftigen und ehrlichen Leben geführt. Wir haben Gott gefunden, es war alles total erfüllend.
Außerdem haben wir Altlasten losbekommen und eine innere Befreiung erlebt. Ich war nicht mehr in Angstzuständen oder Süchten gefangen, etwa was Pornografie betrifft. Auch das Rauchen haben wir aufgegeben. Das sind alles Dinge, die mit der Zeit weggegangen sind. Wir waren wirklich total erfüllt, kann man sagen.
Wer schon geheiratet hat, kann das definitiv nachvollziehen. Es ist ein so einschneidendes Erlebnis, das ist richtig toll. Auf diesem unfassbar hohen Maß an Gefühlen kam dann diese Nachricht aus dem Nichts. Das war ein Gefühlschaos, das kann ich gar nicht wirklich in Worte fassen. Ich beschreibe es immer als surreal, weil man es irgendwie nicht wahrhaben will.
Man fängt sofort an zu verdrängen, sagt „Nein“ und rennt nochmal zum Arzt. Gleichzeitig ist man aber auch wirklich überfordert. Ich würde sagen, es ist eine maximale Überforderung. Wenn man die Diagnose hört, kommen sofort 200 Fragen auf, die man gar nicht beantworten kann.
Das Schlimme an der Situation ist, dass man denkt, es könne nicht schlimmer werden. Doch mit jedem Arztbesuch wurde es nur noch schlimmer. Man hat immer mehr realisiert, dass das gravierende Konsequenzen hat. Gravierend im Sinne von: Das führt zum Tod, es ist unheilbar.
Man wird mit einer Realität konfrontiert, bei der man denkt: „Okay, ich träume, oder? Das höre ich doch gerade nicht. Das ist eine junge Ärztin, die täuscht sich vielleicht. Oder das Bild stimmt nicht.“ Man versucht im Kopf, ich bin auch so ein Kopfmensch, das zusammenzubasteln, ob das wirklich ein echtes Puzzle ist oder ob die Teile vielleicht gar nicht stimmen.
Das ist einfach nicht besser zu beschreiben. Das war der Gefühlszustand. Aber es gab auch etwas richtig Krasses: Ich habe das immer wieder an meiner Frau gesehen. Da war so eine Ruhe und ein Frieden.
Da habe ich auch Gott wieder kennengelernt, dass er in solchen Umständen völlige Kontrolle hat. Er ist nicht überfordert, er ist nie überfordert. Er trägt uns, auch wenn wir noch gar nicht daran denken, dass er uns tragen würde. Man hat vielleicht keinen passenden Bibelvers parat, aber man spürt plötzlich, getragen zu werden.
Das strahlt man auch aus. Wir haben viele Menschen erlebt, auch Ärzte, die wirklich da saßen. Eine Ärztin hat mal gesagt: „Okay, nachdem wir euch diese Horrordiagnose nochmal aufgedröselt haben, dürft ihr auch weinen.“ Wir dachten, ja, wir weinen auch, aber wir hatten Ruhe und Frieden. Wir haben die Dinge einfach angenommen – und das ist nicht von uns.
Ich habe ja die Panik schon ein bisschen beschrieben. Das waren wir, das war wirklich extrem, mit diesen harten Tatsachen konfrontiert zu werden. Aber gleichzeitig hat man dieses Getragenwerden sofort gespürt, und das ohne eigene Erzeugung.
Das war nicht von uns. So war die Anfangssituation. Das hat sich dann noch weiter durchgezogen, aber vor allem am Anfang haben wir gemerkt: Gott ist da.
Vor allem eins war uns ganz klar: Da zeigt sich, wie wahrhaftig die Bibel und Gott sind. Paulus sagt es mal: „Tod, wo ist dein Stachel? Tod, wo ist dein Sieg?“ Das ist letztlich ja auch die gute Nachricht. Der Tod hat keine Macht mehr über uns.
Menschen, die an Jesus Christus glauben, haben diese Macht des Todes nicht mehr allgegenwärtig. Dass man stirbt, ja, aber die Angst, dass es danach nicht weitergeht oder man nicht weiß, wo man dann ist, die ist nicht da. Ganz im Gegenteil.
Da war eben auch dieser Punkt, an dem Irina mal sagte: „Na gut, wenn ich sterbe, dann komme ich halt früher in den Himmel.“ Das kann man nicht einfach so von sich sagen, wenn man es nicht weiß und glaubt. Das war sehr faszinierend.
Von Anfang an war da die Gewissheit, dass es nach Frankfurt nicht vorbei ist. Es geht ganz anders und schöner weiter.
Die Bedeutung der Ehe und das Zeugnis der Liebe
Wow, danke, dass du uns so offen in eure Gefühlswelt mitnimmst. Was ich besonders spannend fand und was mir sofort ins Auge gesprungen ist, als ich das Buch aufgeschlagen habe – ich zeige es nochmal, und morgen gibt es auch eine Verlinkung dazu, die findet ihr unten in der Beschreibung – ist die Widmung am Anfang. Dort stehen die letzten Worte deiner Frau. Sie hat gesagt: „Die Menschen werden es an unserer Ehe sehen.“ Vielleicht kannst du das mal in den Kontext bringen und erklären, was sie damit gemeint hat.
Ja, das erkläre ich sehr gerne. Es ist zwar ein bisschen ein Spoiler für das Buch, aber das macht nichts, denn es steht ja ganz vorne in der Widmung. Du hast da schon viel gesagt. Ich schreibe in der Widmung, dass es ihre letzten Worte waren. Es waren aber auch einer ihrer ersten Worte. Und jetzt, quasi als Spoiler, nehme ich dich und auch die Zuschauer gerne mit hinein.
Wir sind zu Jesus gekommen, und unser Leben hat sich komplett um 180 Grad gedreht. Die Partys haben aufgehört, wir haben nicht mehr getrunken, und wir haben uns natürlich nicht mehr in der Öffentlichkeit gestritten. All das hat einfach aufgehört. Außerdem haben wir die Menschen um uns herum mit Jesus in Berührung gebracht. Wir haben das bezeugt und sind ganz offen mit unserem Glauben umgegangen. Wir haben uns relativ schnell öffentlich taufen lassen und sind sehr offen auf die Menschen mit dem Evangelium zugegangen. Wir haben ihnen gesagt: „Hey, das ist die rettende Botschaft, das ist das, was uns verändert hat, das ist Jesus, das ist echt, das ist real.“
Die Reaktion der meisten Menschen war aber eher so: „Ja, das ist halt euer Jesus oder euer Glaube. Ich bin eher katholisch oder so, das ist auch okay.“ Das hat uns total verwirrt. Wir fragten uns: „Warum bekehren sich die Leute nicht? Wir haben ihnen doch ganz klar gesagt, wo es hingeht, wenn man nicht zu Jesus gehört. Warum bekehren sie sich nicht?“ Wir erzählten ihnen von der Liebe, die wir erfahren haben, von unserer Veränderung – und trotzdem kam kaum jemand und sagte: „Oh, das ist eine gute Sache, dann kommen wir jetzt auch zu Jesus.“ Vielmehr reagierten die meisten eher neutral.
Das war verrückt, aber auch nachvollziehbar. Ich zum Beispiel habe auch schon an Aliens geglaubt und versucht, Leuten davon zu erzählen. Ich war nicht glaubwürdig, nur weil ich es gesagt habe. Ähnlich war es mit meinem Glauben an Jesus. Die Leute haben begonnen, mich zu beobachten und zu prüfen: „Stimmt das, was der da sagt?“ Dabei kam bei mir auch Frust auf. Irina hat damals gesagt: „Hey, wir können noch so viel reden, letztlich ist es Gottes Wirken.“ Das mussten wir erst lernen und verstehen: Die Gute Nachricht wirkt, weil Gott die Menschen anzieht und ihre Herzen berührt. Es kommt auch auf den Wandel an. Deshalb ruft Jesus uns in die Nachfolge, damit wir uns wie er bewegen.
In diesem Kontext hat Irina einmal zu mir gesagt: „Sei nicht so frustriert. Wir haben geheiratet, es hat sich alles verändert. Die Menschen werden es an unserer Ehe sehen.“ Als sie das viele Jahre später, etwa vier Jahre später, am Sterbebett wiederholte, bekam das noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Sie schaute mich an und sagte so etwas wie: „Das habe ich gemeint, oder vielleicht hat es sogar Gott gemeint: Die Menschen werden es an unserer Ehe sehen.“
Ich sage dazu: Die Menschen sehen nicht nur Liebe. Es hat sich alles verändert. Es gibt einen Höhepunkt, der ist großartig, es gibt Befreiung und so weiter. Aber es gibt auch etwas, das uns zusammenschweißt – das ist nicht immer sichtbar, aber doch spürbar. Ich sage auch, dass sich in unserer Ehe immer der Trauvers aus Kolosser 3,14 erfüllt hat: „Überdies aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.“ Diese Liebe, diese unsichtbare Liebe, ist Gott. Gott ist die Liebe, und das ist untrennbar. Das sieht man auch im Leid.
Und genau das sagte meine Frau am Sterbebett zu mir: Diese Liebe ist immer noch da. Obwohl der „alte Martin“ wahrscheinlich früher schon weggelaufen wäre, mehr Panik gehabt hätte oder Angst, und ich weiß nicht, ob ich es durchgezogen hätte. Deshalb ist das damit gemeint. Ich möchte das auch den Zuschauern mitgeben: Es gibt echte Liebe, die bis zum Tod hält. Das ist ja letztlich auch das Eheversprechen, das man gibt – man will nur durch den Tod geschieden werden.
Wir haben das von Anfang an sehr ernst genommen. Wir haben gesagt: „Wir wollen Gott dienen und eine Ehe führen, in der Menschen sehen, dass es Gott wirklich gibt, dass er real ist und dass er die Liebe ist.“ Und dann sagt meine Frau am Sterbebett noch einmal: „Die Menschen werden es an unserer Ehe sehen.“
Danke, dass du das mit in das Gespräch aufgenommen hast. Das ist wirklich sehr bewegend.
Schwangerschaft und medizinische Herausforderungen
Ihr habt zwar kein Heilungswunder erlebt, aber ein anderes Wunder in eurer Ehe während dieser schweren Zeit, nämlich 2020: Irina wurde schwanger. Im Jahr 2021, das schreibst du auch in deinem Buch, erhielt sie in der 35. Schwangerschaftswoche erneut die Diagnose, dass der Tumor nachgewachsen war. Der Tumor wurde in der Zeit behandelt, und du beschreibst das alles recht ausführlich in deinem Buch – diese ganze Reise mit ihren Höhen und Tiefen.
Das war wirklich ein Wunder, dass sie schwanger geworden ist, und dann kam quasi wieder diese Diagnose. Kannst du vielleicht erzählen, wie das war? Wie haben die Ärzte reagiert? Wie haben die Leute reagiert? Wie ging es euch damit?
Ja, es war wirklich extrem verrückt. Es fanden Therapien statt, medizinische Eingriffe mit Operationen und einer Chemotherapie. Die Ärzte beantworteten natürlich unsere Fragen zum Thema Familie, Familienplanung und Kind. Wir hatten hunderte von Fragen, weil das unser ganzes Leben auf einmal diktiert hat.
Wir haben als Paar gesagt, wir würden gerne eine Familie gründen, aber wir haben uns auch bewusst gemacht: Moment, das ist jetzt nicht das Thema, das macht gerade keinen Sinn. Dennoch wollten wir von vornherein wissen, was man tun kann, ob es Möglichkeiten wegen Schwangerschaft gibt und so weiter.
Wie gesagt, vorhin habe ich es schon erwähnt: Wenn man so eine Diagnose bekommt, wird es eigentlich immer schlimmer, wenn man Fragen stellt. Es wurde relativ schnell deutlich, dass abgeraten wurde. Man wurde in seiner Verantwortung stark reflektiert. Uns wurde wirklich nahegelegt, dass das Thema sehr schwierig ist und der Kinderwunsch eigentlich zerstört wurde.
Man muss ganz klar sagen: Eine Chemotherapie kann man sich ungefähr so vorstellen – uns hat das ein Mediziner auch genau so erklärt – als würde im Körper eine Atombombe gezündet. Eine Atombombe zerstört einfach alles in der Hoffnung, das böse Übel zu erwischen. Dabei macht sie keinen Halt vor den guten Dingen. Eine Atombombe macht vor nichts Halt, sie macht alles platt. Das ist innerorganisch gesehen eine Vollkatastrophe.
Das belastet einfach jegliche organischen Funktionen, und das waren auch die gravierenden Probleme, die Irina dann hatte. Durch die Therapien traten viele Nebenwirkungen auf. Also war klar: Eine Schwangerschaft war kein Thema, und der Kinderwunsch wurde hintenangestellt.
Man muss auch sagen, dass Sexualität bei einer schweren Erkrankung maximal eingeschränkt ist. Viele Dinge in der Ehe stellen sich hinten an, müssen hintenangestellt werden, was einfach nicht geht. Das hat uns natürlich auch sehr belastet.
Deswegen ist es für mich so ein Wunder. Ich kann es wirklich an einer Hand abzählen, und ich kann auch rechnen. Man hat ja auch die Möglichkeit, wegen Verhütung sehr vorsichtig zu sein. Wir waren extrem vorsichtig, weil wir kein Risiko eingehen wollten. Wir wussten um die Verantwortung, die wir hatten.
Nichtsdestotrotz haben wir auch gebetet und unseren Kinderwunsch Gott hingelegt. Wir haben gesagt: Gott, das ist genau wie bei der Heilung – etwas, wozu ich bis heute stehe. Ich glaube, dass Gott heute und damals immer derselbe ist. Er kann jederzeit, wenn er will, von jetzt auf gleich jemanden heilen. Das ist gar keine Frage.
Gott kann das. Gott ist ein Gott, der Wunder tut. Und deswegen ist auch diese Schwangerschaft ein Wunder. Sie war überhaupt nicht geplant. Es gibt so viele Menschen, die sich Kinder wünschen, und es klappt nicht. Das ist eine Katastrophe. Man kann so viel tun, aber es klappt nicht. Man weiß nicht, was los ist.
Mir vergegenwärtigt sich da auch etwas, und es ist vielleicht nicht schlecht, das hier im Kontext zu sagen: Nur Gott schenkt Leben. Irina ist schwanger geworden, und für uns war klar, Gott hat Leben geschenkt. Er hat uns etwas ganz Großartiges geschenkt.
Das war eine Segnung und ein Geschenk. Für mich ist das eben ein Wunder. Für uns war von Anfang an klar: Das wird durchgezogen. Sie ist von Anfang an mit einem Leben gesegnet worden, das Gott gegeben hat. Mit dem positiven Schwangertest war für uns klar: Da ist Leben. Nicht erst später, sondern von Anfang an.
Wir sind Gott dafür sehr dankbar geworden. Wir haben dann auch erlebt, wie die Ärzte reagiert haben. Sie sagten, das sei erstens ein Wunder, dass der Tumor gar nicht nachgewachsen ist, zweitens, dass es nach einer Chemotherapie überhaupt zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Das ist absurd.
Noch dazu, dass wir es überhaupt nicht darauf angelegt hatten. Ich konnte den richtigen Zeitpunkt nicht berechnen, auch die Frauenärztin nicht. Das war einfach in jeglicher Hinsicht ein Wunder.
Diese Zeit führte auch zu einem tumorfreien Jahr, obwohl die Ärzte gesagt hatten, das würde nicht so sein. Man hatte ganz andere Prognosen gestellt, auch Todesprognosen und Prognosen über Tumornachwuchs. Diese Prognosen sind alle nicht eingetreten.
Wir haben das als eine Segnung, als einen Wundergott erlebt.
Im Januar 2021, in der 35. Schwangerschaftswoche, kam dann die Geburt unserer gemeinsamen Tochter. Zu diesem Zeitpunkt kam jedoch noch eine sehr harte Konsequenz hinzu: Trotz all dieser wundersamen Dinge traten viele der Prognosen nicht mehr ein, weil auf einmal doch der Tumor nachgewachsen war.
Das war für mich auch ein Wunder – aber ein schlimmes. Es war eine sehr schwere Situation, weil bereits eine Hirnblutung vorlag. Diesen Tumornachwuchs merkt man so gesehen nicht, sondern wenn er da ist, ist es eigentlich jede Sekunde zu spät.
Gleichzeitig gab es eine Hochschwangerschaft in der 35. Woche, also kurz vor der Entbindung, etwa fünf Wochen davor. Im Krankenhaus in der Notaufnahme wurde uns gesagt, dass jede Entscheidung ein Todesurteil sein könnte. Wenn das Kind jetzt käme, hätten sie große Schwierigkeiten, überhaupt eines der beiden Leben zu retten.
Das hat mich noch einmal sehr heftig getroffen. Ich wurde noch einmal ganz anders mit dem Tod konfrontiert. Das war wirklich kein Spaß, denn jetzt standen zwei Leben auf dem Spiel: Das eines Kindes, das ich noch nie gesehen hatte, sondern nur gespürt und auf dem Ultraschall gesehen hatte, und das meiner geliebten Frau.
Diese Erfahrung kann ich nicht mehr in Worte fassen. Es war richtig schlimm. Warum ist da jetzt wieder ein Tumor? Diese tollen Wunder und das Eingreifen Gottes – auf einmal war alles wieder ganz anders.
Das war eine ganz schöne Glaubensachterbahn, die uns sehr zum Nachdenken gebracht hat.
Verantwortung und Glaubensstärke im Alltag
Danke, Martin, dass du uns an diesem Wunder und gleichzeitig dieser Herausforderung hast teilhaben lassen.
Nun kam eure Tochter auf die Welt. Als Vater und Ehemann stelle ich mir vor, dass das eine immense Verantwortung und Herausforderung mit sich bringt. Deine schwerkranke Frau zu Hause, ein kleines Kind – kannst du sagen, wie du ganz persönlich mit diesen Verantwortungen und Herausforderungen umgegangen bist?
Ja, das ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Letztlich wurde ich ja relativ stark mit vollendeten Tatsachen konfrontiert, auch was die Geburt meiner Tochter betrifft. Es gab keine Möglichkeit mehr, die Geburt auf natürliche Art und Weise zu Ende zu bringen. Man musste handeln, operieren, das Leben von zwei Menschen retten. Das wurde noch einmal verstärkt, als ich in ein anderes Krankenhaus ging und der Ärztin meine Meinung mehrfach darlegte. Man war eigentlich schon an dem Punkt, an dem man nichts mehr machen konnte.
Ich habe in dieser Zeit sehr intensiv gelernt, wie wichtig es ist zu beten. Das Gebet war etwas, das mich immer gestärkt hat. Ich habe gemerkt, dass ich völlig auf Gott angewiesen bin. Es war der Punkt, an dem ich sagen musste: In dieser Abhängigkeit von Gott zu leben, war das, was mich und uns durchgetragen hat.
Alle Sorgen waren so präsent und gleichzeitig so schnell weg, weil ich gebetet habe. Mir vergegenwärtigt sich immer wieder, wie Gott sagt: Sei dankbar und werfe alle Sorgen auf mich. Ja, wir hatten viele Sorgen, massiv viele Sorgen.
Letztlich führte das dazu, dass wir auch immer für die Menschen um uns herum gebetet haben. Wir wussten, dass wir nicht in den Händen der Menschen sind, sondern in Gottes Hand. Dennoch sind wir hier auf Menschen angewiesen. Deshalb haben wir für diese Menschen gebetet – vor allem für Ärzte, Pfleger und Hebammen. Gott hat das alles so gesegnet.
Wir hatten sehr verständige und ruhige Ärzte, auch Pfleger, die selbst sagten: Es ist verrückt, was hier passiert, ich habe so etwas noch nie erlebt. Ein Arzt sagte zu meiner Frau, als sie auf die Intensivstation kam: Sie sitzen hier hochschwanger mit einem Tumor – das kann nicht sein, was ist hier los? Und meine Frau antwortete ganz trocken und ruhig: Ja, Gott ist in Kontrolle, wir sind gläubig.
Das war unfassbar, wie präsent das für uns war. Auch die Menschen haben gesehen: Hier passiert etwas, das ist nicht von dieser Welt. So haben wir Gott überall wahrgenommen und auch die Kraft, die er uns gegeben hat.
Ich habe Kraft bekommen. Ich bin Sportler, aber das war nicht einfach. Ohne Witz: Ich habe manchmal gedacht, wie um alles in der Welt haben wir das geschafft? Ich kann es heute teilweise nicht mehr beschreiben. Gott hat uns vor allem auch durch Menschen geholfen.
Wir waren etwa zweieinhalb Wochen auf den Stationen, oft getrennt. Irina war auf einer neurochirurgischen Station mit Intensivbehandlung, ich war mit dem Kind auf der Neugeborenenstation. Ich war überfordert mit dem Alleinsein und dem Vatersein, meine Frau war ständig überfordert. Aber es gab auch viele schöne Momente. Papa zu werden ist einfach unfassbar schön. Das gehört definitiv in meine Top drei der schönsten Gefühle.
Es war immer eine Mischung aus sehr gravierenden, realen, schrecklichen Dingen und dem, wie Gott gehandelt hat, was uns immer wieder zur Ruhe geführt hat. Ich sage immer: Wir haben den Sturm an unserem Haus erlebt. Aber unser Haus ist auf einem Felsen gegründet. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn Gottes Wort hat sich als wahrhaftig erwiesen.
Unser Haus hätten wir nicht besser bauen können mit diesem Fundament. Wäre es auf Sand gebaut gewesen, weiß ich nicht, wo wir gelandet wären. Es wäre gravierend eingestürzt, definitiv. So hat sich uns der Glaube als wahrhaftig offenbart und hat uns durchgetragen.
Die Operationen wegen des Tumornachwuchses waren nicht ohne. Zum ersten Mal gab es körperliche Komplikationen und Schwierigkeiten, und dazu die Verantwortung für ein Kind.
Mit der Gemeinde, in der wir waren, habe ich erlebt, wie Gott es vorgesehen hat, dass man nirgendwo alleine durchgehen muss. Mit Gott ist man sowieso nie alleine, aber er hat auch Menschen gestellt, die ihn lieben und uns so viel geholfen haben.
In der Gemeinde haben wir eine Logopädin kennengelernt, die ich auch im Buch erwähne. Es war ein Geschenk, so einen Menschen kennenzulernen. Sie hat nicht nur liebevoll mit Irina gearbeitet, sondern war auch echte Seelsorge und geistlich eine Mutter für sie. Das war ein großes Geschenk.
Andersherum habe ich Brüder kennengelernt, die sich wirklich um uns gekümmert haben. Sie waren einfach da und haben gesagt: Wir beten, und wenn etwas ist, dann sind wir da.
Es war ein Sturm ohne Ende, aber eben ein Haus, das nicht einstürzt. Nur Gott gebührt alle Ehre. Er ist der Fels, und nur bei ihm sind wir zur Ruhe gekommen. Halleluja.
Umgang mit schwerem Leid und Hoffnung im Glauben
Danke für dieses Zeugnis. Ja, du schreibst in dem Buch, dass deine Frau im gesamten Prozess insgesamt zehn Operationen am Kopf hatte – also wirklich eine enorme Anzahl. Du hast gerade auch erzählt, dass sie zeitweise ihre Sprache verloren hat. An einer Stelle schreibst du außerdem, dass sie ihr Zeitgefühl verloren hat.
Wir haben das jetzt ein Stück weit aus deiner Perspektive gehört, wie es dir damit ging. Erzähl doch mal: Du hast es schon angedeutet, aber wie hat deine Frau darauf reagiert? Wie ist sie mit solch immensen Leiden umgegangen, gerade auch als Mutter, die vielleicht gar nicht so für ihr Kind da sein konnte, wie sie es gerne gewollt hätte?
Ja, also das war etwas, wo ich sagen muss, ich habe einfach gesehen, wie der christliche Glaube trägt – vor allem, wenn man gar nichts mehr sagen konnte. Dann sieht man es nämlich auch nur noch. Und ich habe das wirklich gesehen. Es gibt einen Vers über Christus, und das habe ich wirklich regelmäßig in ihren Augen gesehen: eine solche Hoffnung.
Das hat mich so umgehauen. Ein Mensch, der nicht mehr reden kann, nicht mehr „Mama“ sein kann, keine Kraft mehr hat, nur noch Baustellen – der ganze Körper macht, was er will. Jede Therapie schlägt mal mehr, mal weniger an. Auf allen Ebenen: Probleme, Probleme, Probleme, Probleme, Probleme. Und dann schaut dich dieser liebenswürdige Mensch einfach an und strahlt Freude, Frieden, Ruhe und eben eine Hoffnung aus, die nicht von dieser Welt ist.
Das hat einfach unseren Verstand auf jeglicher Ebene überstiegen. Ich habe da einfach Christus in ihr gesehen. Und das muss ich wirklich sagen: Das hat sich mir so eingeprägt, weil das kriegst du nirgends. Es gibt keinen Psychotherapeuten, der das managen kann, oder ein Medikament, das dich dann so „pop-up-mäßig“ glücklich macht. Es gibt nur Drogen. Und selbst das wissen wir: Das sind Drogen, Betäubungsmittel, das ist nicht echt.
Aber das, was ich gesehen habe, ist echt – dass Christus in ihr wirklich eine Hoffnung verursacht hat: eine Hoffnung auf Herrlichkeit, auf etwas, das nach dem Tod kommt, das viel größer ist, viel wertvoller ist und im Hier und Jetzt auch so greifbar geworden ist.
Ich habe in mir auch immer wieder diesen Glauben gesehen. Dort, wo ich oft ins Zweifeln gekommen bin und wirklich ins Gebet geflohen bin, gerannt bin, geschrien und geweint habe, da habe ich keine Tränen gesehen. Ganz wenig hat Irina geweint, auch nicht wegen Schmerzen. Ich habe immer Lachen gesehen. Also wenn ich nicht mehr konnte, dann hat sie mich angelächelt.
Das ist Wahnsinn. Das sind Dinge, bei denen ich sage, da hat sich auch unser Trauvers wirklich offenbart. Uns hat einfach die Liebe zusammengehalten. Das hat nicht einer für den anderen oder der andere so bewirkt, sondern nur Christus in uns. Das hat uns so zusammengeschweißt.
So habe ich sie auch erlebt: Sie konnte vieles nicht sagen, sie konnte wenig reden, aber sie hat mir so viel gesagt. Da hat Gott einfach durch sie gewirkt, sodass ich sagen kann: Das hat mich so zur Ruhe gebracht. Bei ihr war immer wieder zu sehen, dass sie es einfach trägt. Sie kann gar nicht anders.
Das kann einen auch zur Verzweiflung treiben, denn wenn der Arzt sagt: „Es tut mir leid, aber ich muss leider wieder operieren“ – und du hörst das zum zehnten Mal – das packst du irgendwann nicht mehr. Wenn du das nicht erlebt hast, kannst du es dir nur ansatzweise vorstellen.
Aber sie musste ja immer wieder. Und gleichzeitig hieß es: Was kommt dann? Was ist dann? Und sie hat so im Hier und Jetzt gelebt. Die Logopädin hat auch mal gesagt: „Ich habe noch nie so etwas gesehen, dass Menschen im Hier und Jetzt so leben und alle ihre Sorgen abgeben und sagen: ‚Okay, heute ist der Tag. Was morgen ist, ist morgen. Was gestern war, war gestern.‘“
Gott ist so ein Gott, der sagt: „Gib mir heute deine Sorgen. Der Tag hat heute genug Plage, nicht morgen.“ Erst dann dran denken, sondern heute. Gott hat uns wirklich diesen Zeitfaktor, die Ewigkeit, so vergegenwärtigt. „Ich bin ein ewiger Gott. Das kommt noch. Hier ist alles irdisch, alles vergänglich, kann morgen vorbei sein. Morgen kann alles krumm sein.“
Es ist egal, ob du eine Tumordiagnose hast oder nicht. Du kannst ja morgen auch überfahren werden. Aber was ist dann? Und das war einfach so enorm präsent. Das ist Hoffnung. Das ist einfach so real, das kannst du dir nicht einreden.
Oder wie gesagt: Wenn du zu einem Psychologen gehst, wird er dir das auch nicht raten oder sagen können. Das kann er auch nicht. Das gibt es nur bei Gott allein.
Also hat er durch Irina auf mehreren Ebenen zu mir gesprochen, dass sie wirklich glücklich ist. Ich habe sie auch mal gefragt, ob ihr eigentlich irgendetwas fehlt. Sie sagte: „Nein, ich bin glücklich.“ Das heißt, menschlich betrachtet: Wie kann so ein Mensch glücklich sein? Wie kann das sein? Und sie war glücklich. Das war echt, das war einfach echtes Glück.
Ja. Krass.
Erneuerung des Eheversprechens im Angesicht des Todes
Ein wichtiger und tiefer Punkt von Martin: Er hilft gern mit, damit mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Wir haben dafür alles schon vorbereitet, damit du jetzt gern die Glocke hier unten rechts unter dem Video drücken kannst. Der Algorithmus erledigt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Offenheit von Martin. Danke dafür.
Du hast gerade beschrieben, dass sich auch euer Trauferspruch bewahrheitet hat. Eure Liebe war auch zu intensiv, und ihr wurdet dadurch zusammengeschweißt – auch durch dieses Leid. Du beschreibst es dann auch in dem Buch, dass du Irina quasi am Krankenbett noch einmal geheiratet hast. Kannst du das vielleicht noch einmal erklären, was du damit meinst?
Ja, es war halt so, ähm... Ich sage mal, die ganzen unglücklichen Umstände haben das auch so mit bewirkt. Wir haben eine lange Zeit immer wieder über unsere Ehe geredet. Wir hatten die Idee beim Eheschluss, unseren Ehering mit Steinen zu besetzen, die jedes Ehejahr symbolisieren sollten. Also jedes Ehejahr ein neuer Stein darauf.
Irgendwie hat sich das für uns dann, ja, wie soll ich sagen, nicht erledigt, aber es war dann eher qualvoll, sich jedes Jahr einen neuen Stein draufzukleben. Denn nächstes Jahr könnte es ja auch wieder vorbei sein. Das hat uns dazu gebracht, darüber nachzudenken, ob wir das so weitermachen sollen oder nicht.
Dann kam die Idee, dass unsere Ehe nicht erst am Ende vollkommen ist, sondern jetzt schon vollkommen. Das wollten wir besiegeln. Wir haben uns darauf geeinigt, den Ring schon fertig zu machen, damit wir das nicht vergessen. Wir konnten über sehr viele Dinge reden – das war echt ein Riesengeschenk, trotz all dem Leid. Es gibt nichts, was ich mit meiner Frau nicht hätte klären können.
Es gibt ja durchaus schlimmere Situationen, in denen Menschen von heute auf morgen sterben und vieles unausgesprochen oder nicht verarbeitet bleibt. Das hatten wir nicht. Das war einer dieser Ausgänge, bei denen wir gesagt haben: „Ist unsere Ehe wirklich vollkommen?“ Und wir haben gesagt: Ja, wir haben diese Vollkommenheit in der Liebe mit Gott erlebt. Das wollten wir einfach besiegeln und den Ring fertig machen.
Das war in einer Phase, in der ihr ein medizinisches Todesurteil gegeben wurde. Das war im September 2022. Man sagte, das war es, der Tumor streut, es gibt keine Möglichkeit mehr, medizinisch einzugreifen. Wir wurden nochmal ganz hart mit der Realität konfrontiert: „Okay, das war’s, der Mensch ist am Ende.“ Wir sind eh in Gottes Hand, aber jetzt nochmal anders.
Das war ungefähr zwei, drei Wochen vor unserem standesamtlichen Termin, und sie lag dazu im Krankenhaus. Ich habe diesen Tag genutzt – ich hoffe, jeder Ehemann ist Gentleman genug, den eigenen Ehetag nicht zu vergessen und ein kleines Geschenk für seine Frau zu machen.
Ich war mir gar nicht sicher, ob sie das überhaupt noch so präsent hatte. Dann hatte ich die Idee zu sagen: „Hey, komm, das ist kein billiges Pflaster, sondern geh noch einmal auf die Knie und sag: ‚Jetzt kommt noch mal eine ganz andere Phase, aber ich werde trotzdem an deiner Seite sein.‘“
Es war letztlich einfach der Antrieb zu sagen: „Ich habe gesagt, ich heirate dich, bis dass der Tod uns scheidet.“ Das wollte ich noch einmal wiederholen nach so einer Diagnose. Es war einfach schön, dieser Moment. Es war so intensiv, und es war gut, dass ich es gemacht habe. Es war einfach gut.
Gott hat mir echt viel geschenkt, diese Liebe auch transportfähig zu machen, sodass sie wirklich bei Irina ankommt. Ich hatte meinen Ring, aber ich glaube, ich habe die Botschaft überbracht. Der Antrieb war wirklich Liebe, und das durfte ich einfach noch einmal in diesem Antrag kundtun. Es war einfach richtig schön.
Wow, das ist wirklich sehr stark und ein großes Vorbild für viele. Auch ein wunderbares Bild auf die Liebe unseres Gottessohns, der uns an unserer Seite steht, auch wenn wir nichts bringen können oder sonst irgendetwas, sondern der zu uns steht. Danke dir dafür fürs Teilen.
Abschied und Sterbeprozess
Du hast gerade schon beschrieben, dass im September 2022 die medizinische Todesdiagnose gestellt wurde. Ihr hattet euch ja schon immer damit auseinandergesetzt, auch bei der ersten Diagnose war das Thema immer präsent. Dann ging es relativ schnell: Am 12. Dezember 2022 ist Irina heimgegangen, wie du das auch so eindrücklich in deinem Buch beschreibst.
Du hast zu ihr in diesem Sterbeprozess gesagt: „Ich werde dich bis zur Himmelspforte begleiten und so lange lasse ich deine Hand nicht los.“ Das hat mich tief bewegt. Vielleicht kannst du, wenn es für dich möglich ist, diesen Moment des Sterbens und des Dabeiseins noch einmal beschreiben. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass man diesen Moment miterleben darf oder dabei sein kann.
Ich versuche es. Ich habe heute schon mehrmals gesagt, dass man in der Ehe, in der christlichen Ehe, eins wird. Die Bibel sagt, man wird ein Fleisch. Ich sage, das ist so, wie Gott es sich wünscht. Man ist aber nie allein, denn Gott ist immer da und dabei. Er zeigt sich selbst als der dreieinige Gott: Vater, Heiliger Geist und Sohn in Jesus Christus. Das ist ein großes Geheimnis der Ehe. Es ist wunderschön, und ich habe das einfach erlebt.
Ich wusste nur: Der Tod wird entscheiden. Für mich gab es keine Option, nicht bis zum Tod mitzugehen. Ich bin Gott dankbar, dass wir Jesus als den guten Hirten kennengelernt haben. Ich darf sagen, dass er mein Hirte ist. Besonders dankbar bin ich für Psalm 23, dass es ihn gibt. Dort sagt uns Gott in seinem Wort, wer er ist: der gute Hirte. Er beschreibt sich als jemanden, der mit uns durch die Todesschatten geht.
Ich wollte Jesus einfach ähnlich sein. Jesus fordert uns auf: „Seid mir ähnlich!“ Nicht nur meine Jünger, sondern seid mir ähnlich. Ich habe Epheser 5 sehr ernst genommen, wo Gott uns sagt: „Liebt eure Frauen, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.“ Ich gehöre nur zu dieser Gemeinde, weil Christus für mich gestorben ist. Ich habe nichts dazu beigetragen, gar nichts. Ich habe nur Dreck mitgebracht, und Gott hat mich trotzdem angenommen, wie ich bin, und hat sein Leben für mich gegeben. Das ist unvorstellbar. Wer tut so etwas für einen Ungerechten? Wer macht das? Wir würden uns schon bei einem Gerechten schwer tun.
Ich habe das so ernst genommen, dass ich gefragt habe: Was bedeutet das für mich als Mann, in meiner Verantwortung als Ehemann, meine Frau so zu lieben, wie Gott für mich in den Tod gegangen ist? Was bedeutet das für mich persönlich in der Ehe? Gott hat sich mir als der liebende Vater gezeigt und gesagt: „Ich bin immer bei dir und gehe mit dir durch diese Todesschatten hindurch.“ So habe ich es erlebt, und es hat mir wirklich erleichtert, bei Irina an der Seite zu bleiben.
Er hat mir Kraft gegeben. „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht“, Christus. Ich habe Kraft bekommen, die ich nicht beschreiben kann. Mediziner und Palliativärzte haben mich gefragt: „Wie machst du das?“ Einer von ihnen, ungefähr in meinem Alter, sehr ähnlich vom Charakter, fragte mich fast schon ungläubig: „Was nimmst du?“ Ich habe ihm gesagt: Die Kraft kommt von oben. Er meinte: „Ja, ich glaube auch, dass das so ist.“ Das war unvorstellbar.
Auch wie das dann geschehen ist, der ganze Prozess, dieses „Okay, meine Frau, ich glaube, sie geht jetzt.“ Das ist Wahnsinn. Auf einmal spürst du, dass sich etwas löst. Ich denke, das ist das Geheimnis des Einswerdens in der Ehe. Du erlebst es als Gläubiger auf allen Ebenen, dass ihr eins seid. Deshalb ermutige ich wirklich alle Ehemänner: Liebt eure Frauen! Dieses Geheimnis zu erleben, ist ein Geschenk. Dann hält man auch Leid aus.
Wir haben wirklich viel ausgehalten. Ich weiß nicht genau warum, die Frage ist nicht so wichtig. Aber ich konnte da bleiben, und Gott hat mir Stärke gegeben. Ich wollte auch wirklich nicht loslassen. Da kommt der Mensch durch, ich wollte nicht loslassen. Aber Gott ist auch jemand, der sagt: „Lass los.“ Er hat uns beide geführt und mir beigebracht zu sagen: „Deine Frau geht nach Hause, durch die Himmelspforte. Bei mir ist sie echt aufgehoben.“ Hier ist alles vergänglich und irdisch.
Da musste ich lernen, loszulassen. Es hatte zwei Bedeutungen: Ich konnte nicht loslassen – wer kann seine Frau einfach loslassen? Aber durch Gottes Führung konnte ich auch loslassen und sagen: „So endet das Buch auch.“ Ich will nicht spoilern, aber ich muss es sagen. Ich habe ihr immer gesagt, dass ich sie über alles liebe, aber Christus sie mehr liebt. Jetzt musste ich das nicht mehr sagen, sondern auch ihr Oma. So ist dieser Gang letztlich gewesen.
Es war ein sehr intensives Gefühl, und ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben durfte. Ich habe es schon angedeutet: Es gibt Menschen, die sehen ihren Partner nicht mehr, er kommt nicht mehr nach Hause, stirbt oder es passiert etwas Schlimmeres. Ich durfte es anders erleben. Ich durfte eine himmlische Übergabe erleben.
Ich bin mir ganz sicher, dass es so ist. Diese Himmelspforte ist real, das ist kein Witz. Sie ist dort, bei unserem Heiland, unserem Hirten. Dort werden wir uns wiedersehen. Alleluja! Ja, so ist es. Amen! Das ist unsere Hoffnung, so wie wir es bekennen. Was für eine Hoffnung: Jesus, Halleluja! Danke, wirklich danke!
Trauerprozess und Umgang mit Verlust
Das Ganze ist jetzt etwas mehr als zwei Jahre her, also noch nicht lange. Würdest du sagen, wie war der Trauerprozess, und wie geht es dir jetzt aktuell mit dem Thema?
Ja, es stimmt, es sind zwei Jahre. Manchmal fühlt es sich an wie zwanzig, und manchmal wie zwei Minuten. Ich denke, das ist ganz wichtig beim Thema Trauer: Du musst Gott einfach kennen. Ich durfte Gott erleben, ich habe ihn als den erlebt, der er sich uns auch zeigt. Er sagt: „Ich bin der Tröster.“ Er hat uns einen Beistand geschenkt, wegen mir. Ja, ich weiß, warum er das sonst sagt: Wir brauchen das.
Und ich habe es ganz heftig gebraucht, klar. Ich habe es sehr, sehr schmerzhaft erlebt, plötzlich getrennt zu sein, nicht mehr ein Fleisch zu sein. Ich beschreibe das auch wie eine Amputation. Man verliert etwas, was einem vorher eins war. Man war ein Fleisch, und das ist jetzt in einer sehr schmerzhaften Operation entfernt worden. Das tut weh, das tut auch bis heute weh. Das ist klar. Aber eine Wunde heilt.
Jesus hat auch Wunden, seine Hände sind durchbohrt, aber es hat zu Heilung geführt. Und das ist das Schöne bei Gott, wenn man ihn kennt: Gott ist keiner, der einen einfach loslässt oder diese Wunden nicht heilen könnte. Trauer – man muss sie letztlich an sich heranlassen. Das ist noch mal schmerzhafter, denke ich. Aber ich bin auch da gottdankbar, dass er mir da geholfen hat.
Es wurde auch echt bestätigt von den Palliativmedizinern, die gesagt haben, das hören wir ganz selten. Menschen, die so etwas erleben – mal davon abgesehen, dass sie so etwas Hektisches noch nie erlebt haben, aber sie haben auch schon sehr schlimme Situationen erlebt. Ich meine, Palliativmediziner begleiten Menschen zum Sterben und sehen die Menschen dann auch danach noch und reden mit ihnen.
Die Medizinerin, die uns damals begleitet hat, sagte: „Das hören wir nie. Bitte mach es genau so, wie du es gesagt hast: Lass den Schmerz zu und geh vor allem damit zu Gott.“ Das ist auch eine Gläubige gewesen. Das ist der einzige wirkliche Heilungsprozess, der Sinn macht.
Und es ist auch der einzige Grund, warum ich hier sitze und reden kann. Gott ist der einzige Grund, warum ich stehe und mein Leben irgendwie ansatzweise im Griff habe. Denn mit so einem massiven Einschnitt in deinem Leben, mit so einem Schicksal, da bleibst du nicht einfach locker auf deiner Couch hocken. Auf gar keinen Fall. Es dreht sich alles um so viel Grad um, das hältst du nicht aus.
Aber es kann dir auch niemand nehmen. Da gibt es nichts, da gibt es kein Medikament, keinen Therapeuten, keine Therapien, nichts. Das sind alles Dinge, die ihre Berechtigung haben, wie Helden auch. Ich habe auch einiges wahrgenommen, zum Beispiel eine tolle Vater-Kind-Kur gemacht. Ich gehe auch in den Prozess nicht alleine rein. Ich habe ja noch eine Tochter, die das alles ganz intensiv miterlebt hat.
Also ich habe ja nicht nur meine Trauer zu bewältigen, sondern auch die von meiner Tochter. Da kommt man dann auch manchmal in Probleme rein, ja, mit sich selber, dass man denkt, man muss jetzt noch mal funktionieren und so weiter. Das ist alles nicht einfach.
Und ich denke, das beschreibt auch den christlichen Glauben ganz gut: Er ist nicht einfach. Wer den christlichen Glauben anders beschreibt, der sagt nicht die Wahrheit. Gott hat es sich auch nicht leicht gemacht. Er hätte quasi auch einen anderen Weg wählen können, aber er hat das Kreuz gewählt.
Christus nachzufolgen heißt, das Kreuz auf sich zu nehmen. Meine Frau hat es auf eine intensive Art und Weise gemacht, wo ich sage: Ich staune bis heute, wie sie ihr Kreuz getragen hat. Christus ist auch in den Tod gegangen, und sie ist auch gegangen. Aber sie ist nicht in Panik gegangen, sondern in Frieden.
Frieden – und in einem solchen Frieden, das habe ich noch nicht erlebt. Und das ist letztlich etwas, was mich auch tröstet: Gottes Handeln, Gottes Wirken. Ich durfte das aufarbeiten. Ich meine, ich habe das Buch auch größtenteils deswegen oder dafür geschrieben. Es ist ein Ausguss dessen, weil ich verarbeite und überwinde.
Gott ist ein Überwinder und schenkt mir das. Er schenkt mir, dass ich über Hürden springen darf, wo ich menschlich sagen müsste: No chance, keine Chance. Ich habe den wichtigsten Menschen meines Lebens verloren. Ich spring da nicht einfach drüber.
Ich rede jetzt nicht mit meiner Tochter die ganze Zeit über Jesus und tue so, als wäre alles fein. Nein, ich weine viel und bete einfach viel. Trotzdem muss man es an sich heranlassen.
Jetzt habe ich einen neuen Auftrag, nicht nur für mich selbst, sondern eben auch für meine kleine Tochter. Und das ist mir gar nicht ganz unwichtig. Das wird sich ja auch irgendwann mal zeigen. Ich habe sie wirklich lieb, und diese Liebe will ich ihr auch einfach vermitteln.
Dazu gehört der Trauerprozess auch. Aber in dieser Trauer Gott als diesen liebenden Vater zu erleben, der von sich sagt: „Ich tröste, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“ Er sagt: „Tröste dein Kind, tröste dein Kind, und ich tröste dich.“ Das ist Wahnsinn.
Ich erlebe es, Gottes Trost zu erleben. Das ist total surreal, aber es ist da, und es ist der einzige Trost, der auch hilft. Wo willst du denn sonst hingehen?
Wir können uns unterhalten, wir können auch zusammen weinen, wir können Schwächen zeigen. Ich erlebe das auch bei den Christen, bei der Gemeinde, mit den Geschwistern, die ich habe. Man weint miteinander und betet miteinander. Man bleibt nicht alleine.
Wo ein Glied leidet, leiden andere mit. Also das Christentum ist einfach die einzige Quelle – in Christus selbst die Quelle des Lebens –, wo du Heilung, Trost, Fürsorge und Nächstenliebe einfach erleben darfst.
Und das ist so viel wert, das ist so viel wert, und übertrifft jegliche weltliche Therapien. Wie gesagt, die haben alle ihre Berechtigung, aber das ist noch mal ein anderes Maß.
Das ist etwas, was ich jetzt zwei Jahre lang schon durchgehe – mit meiner Tochter, die sagt: „Mama ist im Himmel.“ Für sie ist der Himmel auch schon so real. Sie hat es auch miterlebt, und für sie ist es völlig klar: Da ist meine Mama.
Und das zu sehen, wie Gott auch dieses kleine Kind schon durchträgt und dir so diesen Frieden im Herzen gibt, das ist einfach wunderbar. Einfach wunderbar.
Gottes Treue hat mich nach dem Tod meiner Frau, nach ihrem Heimgehen, nicht allein gelassen, nicht losgelassen. Ich bin in eine schmerzhafte Situation gekommen, wo ich dachte, er ist nicht mehr da. Seien wir ganz ehrlich: Ich habe Gott sehr viel angeklagt.
Ich habe gedacht: Ich habe letztes Jahr eine tolle Predigt gehört – er hat mich vergessen. Jetzt hat er meine Frau geholt, und ich bin noch hier. Wie soll das bitte weitergehen?
Aber da hat es sich mir auch wirklich offenbart: Christ sein ist nicht einfach, aber er ist da. Er ist da, und er ist mein Halt, mein Fels. So erlebe ich ihn bis heute.
Die Tränen, die wir haben, werden wir doch eines Tages komplett abwischen. Kein Schmerz mehr, kein Leid mehr, kein Tod mehr. Das ist die Verheißung. So ist es. So ist es.
Leid und Glaube – eine theologische Perspektive
Vielleicht noch eine Frage, weil ich mir vorstellen kann, dass sie dir öfter gestellt wird. Gerade von Leuten, die nicht gläubig sind, aber auch, denke ich, von dem ein oder anderen Christen.
Du hast so viel Leid erlebt, Krankheit. Aber inwiefern passt das denn mit einem guten Gott zusammen, der ja gute Gedanken über seine Kinder hat? So sagt es ja auch die Bibel. Was antwortest du da?
Das ist ja so das große Thema, das gerade auch Leute beschäftigt, die nicht gläubig sind: Leid. Das passt nicht zusammen. Wenn es Leid gibt, kann es keinen Gott geben. Aber du sprudelst hier heraus, wie Gott dir geholfen hat und wie ihr das auch annehmen konntet. Vielleicht kannst du da noch mal ein, zwei Sätze dazu sagen.
Ja, ich glaube, ich könnte theologische Antworten geben, bei denen ich mir auch schwer tue, und das möchte ich eigentlich jetzt nicht so im Detail machen. Ich meine, wir sind einfach hier auf dieser Erde immer wieder mit diesen Themen konfrontiert. Wir haben Krankheiten. Wir haben die Probleme, dass wir ja nicht rein leben können.
Wir stehen immer wieder vor dieser Schwierigkeit und Herausforderung: Warum ist das Leben gerade so, wie es ist? Warum trifft es mich gerade jetzt? Was hat das zu bedeuten? Schicksal und so weiter.
Ich würde immer sagen: Gott hat sich nicht versteckt. Gott hat sich uns wirklich geoffenbart, und zwar so, dass es jeder kapieren kann. Da gibt es auch keinen, der sagen könnte: Ja gut, das ist völlig klar, Gott ist real.
Aber die Frage ist: Wie kriegst du Frieden über Umstände hinein, die jetzt zum Beispiel so waren wie bei uns? Wie kann es sein, dass du dich nicht über Gott beschwerst oder ihn ablehnst? Wie kann das sein?
Ich denke, das ist das große Geheimnis auch des Evangeliums: Gott zu erkennen, wie er wahrhaftig ist. Und einfach ihn auch zu fragen, damit jeder ganz individuell ihn kennenlernt. Er bietet ja jedem diese Möglichkeit.
Denn am Ende sitze ich sonst hier und sage: Ja, du musst meinen Gott kennenlernen, so wie ich ihn erlebt habe, meinen Jesus. Das ist schon so irgendwo. Aber er wird sich dennoch jedem anders offenbaren als der eine wahrhaftige Gott.
Und es ist und eint sich nur in Christus. Es gibt keinen anderen.
Ich sage den Leuten immer: Dann lass uns nicht über Gott reden und nicht über Schmerzen und Leid, sondern lass uns über ewiges Leben reden. Denn das ist etwas, was Gott uns ins Herz gegeben hat: Ewigkeit.
Das können wir nicht greifen, das übersteigt unseren Verstand. Aber wir kriegen hier eine Konfrontation, die ist für jeden Menschen gleich: Du wirst irgendwann sterben.
Und die Frage ist: Wo gehst du dann hin? Diese Frage muss sich jeder stellen. Die musst du beantworten können.
Du kannst mir nicht erzählen, dass dich das total entspannt, und du sagst: Ja, dann irgendwann werde ich ja neunzig. Also, wir werden nicht alle neunzig. Diese Lebensgarantie, die die Welt anbietet, ist nichtig. Der Tod macht das kaputt.
Nur Gott beantwortet diese Frage. Nur er beantwortet diese Frage mit dem ewigen Leben. Er sagt einfach: Glaub an mich, dann wirst du vom Tod zum Leben durchdringen.
Und das ist so wahrhaftig und erlebbar. Deswegen vielleicht auch der Buchtitel „Und morgen Ewigkeit“. Das kann morgen einfach vorbei sein. Es kann vorbei sein.
Und dann ist es nicht wichtig, ob jetzt Gott irgendwie schuld war an der Situation. Das interessiert doch niemanden mehr. Die meisten interessiert nach dem Grab oder nach dem Friedhof nichts mehr.
Dann bleibt man vielleicht noch mit einer Frage zurück, aber dann ist es irgendwie ja vorbei. Deswegen sollte man vorher diese Frage mit Gott direkt klären.
Wenn du eine Anklage hast, frag nicht mich, frag lieber Gott. Und er wird sich offenbaren. Er will das auch. Er will sich offenbaren. Er will, dass wir alle kommen.
Er will jedem Gnade und Frieden schenken. Du musst kommen. Komm einfach zu Gott. Amen.
Abschluss und Einladung zum Glauben
Ja, du hast Martin gehört. Hier haben wir vom Bibelfitdienst dir mithilfe von bibeltreuen Evangelisten zusammengestellt, wie du diese Gnadengabe bekommen und sie anderen weitergeben kannst. Diese Übersicht hat schon Tausenden Menschen in Deutschland geholfen. Nimm dir gern Gratismaterial mit, dafür klick einfach auf den ersten Link unter dem Video. Und jetzt weiter mit Martin.
Du hast gerade erwähnt, dass Leid und Krankheit Themen sind, die allgegenwärtig sind und unsere Welt bestimmen. Vielleicht zum Abschluss: Jeder Mensch hat ja in gewisser Weise mit Leid zu tun. Bei dem einen ist es heftiger, bei dem anderen weniger. Bei dem einen kommt es noch, bei dem anderen war es vielleicht eine heftige Phase. Wie auch immer – wir werden alle damit konfrontiert.
Wenn jetzt hier jemand zuschaut, der mit diesem Thema gerade ganz aktuell konfrontiert ist, mit schwerem Leid, vielleicht auch mit dem Verlust eines geliebten Menschen oder mit der Krankheit eines geliebten Menschen, was würdest du dieser Person sagen, wenn sie dir jetzt gegenüber sitzen würde?
Wow, das ist echt schwer. Puh. Es ist so … ich merke auch, dass ich selbst da sehr rücksichtsvoll bin. Und seitdem ich das alles erlebt und durchlebt habe, bin ich noch einmal irgendwie eine Spur rücksichtsvoller geworden, was wirklich den Menschen, das Gegenüber betrifft: Was sage ich, was sage ich nicht? Deswegen möchte ich da auch sehr vorsichtig sein. Aber ich möchte auf etwas hinweisen, und das denke ich, trifft es schon ganz gut.
Jeder Mensch von uns hat eine Seele, und jeder Mensch von uns hat Sorgen. Und das ist genau der Punkt: Diese Unruhen, die Sorgen verursachen – Ängste, Krankheiten, Todesfälle – das ist ja real, das kann jeder verstehen. Und das ist auch natürlich. Wen lässt so etwas kalt? Es ist klar: Sorgen sind normal. Wir Menschen sind eben so geschaffen, und es beunruhigt uns einfach. Das ist eben die Seele.
Und ich sage immer: Diese Unruhe – wer soll die stillen? Wenn die Zuhörer, die das vielleicht betrifft, das hören, dann kann ich nur sagen: Diese Ruhe gibt es nur bei Gott. Diesen Frieden, der jeglichen Verstand übersteigt, den kann nur Gott geben. Und wenn nicht er, wer denn dann?
Und das ist in Christus vollkommen möglich, weil er es vollbracht hat. Gott hat diesen Frieden mit uns hergestellt, weil er ein Werk vollbracht hat, das wir nicht können – ein Werk, das eben über den Tod hinausgeht. Ein auferstandener Gott, der lebendig ist, der nicht fern über den Wolken sitzt, sondern omnipräsent jeden Tag zugänglich ist.
Durch Christus können wir an dieser Gnadengabe wirklich teilhaben. Der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ist das ewige Leben. Und es gibt kein größeres Geschenk, als zu wissen, dass es nach dem Tod ein ewiges Leben gibt – ohne Schmerzen, ohne Leiden, ohne Tod, ohne Furcht, ohne Finsternis, ohne irgendetwas mehr.
Das ist eine Hoffnung. An die klammere dich bitte, wenn du nicht mehr weiterweißt. Klammer dich an Jesus – das ist real, und das befreit. Es löst vielleicht nicht alle Probleme. Ich meine, ich musste auch durch viele Täler gehen, und es gab keine Wunderheilung im eigentlichen Sinn. Aber es gab diese Hoffnung auf das ewige Leben, die real ist.
Dieses ewige Leben ist wirklich mehr wert als alle Heilungen hier auf der Erde, jede Erlösung von Krankheit und allem anderen. Und das will ich jedem zusprechen: Es gibt eine Lösung, und sie heißt Jesus. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Amen.
