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Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott! - Psalm 51

Psalm 51,1-2115.09.2019
Wenn Schuld verdrängt wird, wird sie schnell zerstörerisch. Erst als David nichts mehr schönredet, wird ein Neubeginn möglich: ehrlich bekennen, neu werden, weiterleben.

Der Rückzug des Königs und der Beginn des Falls

Er schickte seinen Feldhauptmann Joab in den Krieg und blieb selbst in Jerusalem zurück. Das war untypisch für David, denn normalerweise begleiteten die Könige jener Zeit ihre Heere auf den Feldzügen. Was auch immer der Grund gewesen sein mag: Im Rückblick wäre es besser gewesen, wenn David mitgezogen wäre. Das hätte ihm viel Leid, Scham und Demütigung erspart.
Eines Nachts verweilte David auf dem Dach seines Palastes und sah hinunter. Man muss sich das so vorstellen: Der Palast hatte oben eine große Attika, also eine riesige Terrasse. David spazierte dort umher. Das Haus lag am Hang, und er blickte in den Innenhof des Nachbarhauses. Dort sah er eine Frau, die wunderschön war. Sie wusch sich, war also leicht bekleidet.
David musste bewusst hinunterschauen, und er hätte, wie man das von einem Mann erwarten könnte, seinen Blick sofort von ihr abwenden können. Doch sein Blick blieb auf dieser verheirateten Frau haften, und sein Herzschlag beschleunigte sich. So öffnete er sich für eine unheilvolle Entwicklung, für das Spiel mit dem Feuer. Nun nahm alles seinen Lauf.
David, der selbst mit vielen Frauen verheiratet war – das war damals möglich –, hatte die schönsten Frauen des Landes. Er war schließlich König. Es war also nicht so, dass er keine schönen Frauen gehabt hätte. Er hätte problemlos eine seiner Frauen zu sich kommen lassen können. Stattdessen ließ er diese verheiratete Frau, Bathseba hieß sie, zu sich holen, legte sich zu ihr und brach mit ihr die Ehe. So wurde das Spiel mit dem Feuer zu einem zerstörenden Brandherd.
Danach kehrte Bathseba in ihr Haus zurück. Heute würden wir von einem One-Night-Stand sprechen. Diese Begriffe klingen ja immer so toll: One-Night-Stand oder Seitensprung. Das klingt immer alles so locker und sportlich, aber es ist eigentlich eine Tragik, die da ausgelöst wird.
Dieses eine Mal hätte sich gut verbergen lassen, wenn Bathseba dabei nicht schwanger geworden wäre. Als David über diese Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt wurde, realisierte er, dass er sich in einer unüberschaubaren Krise befand. Eines war klar: Das Kind konnte nicht von Uria sein, dem Mann von Bathseba, denn dieser war ja mit der Armee unterwegs, auf ihren Feldzügen.
David wollte diesen Vorfall unbedingt verbergen. Niemand sollte erfahren, was er im Geheimen getan hatte, koste es, was es wolle. Das würde seinem Namen großen Schaden bringen.

Der Versuch, die Schuld zu verdecken

Also erstens ließ er Uria, den Mann von Batseba, nach Jerusalem kommen. Der offizielle Grund war, dass Uria dem König über die Vorgänge auf dem Schlachtfeld berichten sollte. Der wirkliche Grund war jedoch, dass David wollte, dass Uria zu seiner Frau ging, mit ihr schlief und man dann, wenn er hörte, dass sie schwanger ist, annehmen würde, es sei sein Kind. Das war Davids Plan.
Aber Uria war ein sehr zuverlässiger und pflichtbewusster Soldat. Er weigerte sich, auch auf inständiges Drängen des Königs, ein Privileg in Anspruch zu nehmen, das seinen Kameraden verwehrt war. Er wollte mit ihnen solidarisch sein. Deshalb ging er nicht in das Haus und schlief nicht mit Batseba. Was für ein edler Mann!
Nun gelang es David nicht, diesem zuverlässigen und vorbildlichen Soldaten ein Kuckuckskind unterzuschieben. David musste das Problem anders lösen. Er gab Uria ein versiegeltes Schreiben für den Feldhauptmann Joab mit, in dem er anordnete, Joab solle dafür sorgen, dass Uria im Kampf getötet werde. Uria hat also sein eigenes Todesurteil an Joab übergeben, ohne es zu wissen.
So geschah es. Und nachdem Batseba die Zeit der Trauer hinter sich gebracht hatte, nahm David sie zu sich. Dadurch konnte er sich nach außen als großherziger Mann darstellen, der sich über eine schwangere Witwe erbarmt und für sie sorgt. Wie rührend.
Doch Gott konnte man nichts vormachen. Gottes Urteil war klar: Dem Herrn missfiel, was David getan hatte. Irgendwie gelang es David, diese schrecklichen Taten zu verdrängen. Er musste wissen, dass Gott das nicht gefällt. Schon seinem Vorfahren Josef war das klar, und zwar bevor die Zehn Gebote erlassen wurden. Es war also schon vor den Zehn Geboten klar, dass es einen moralischen Standard gab. Die Zehn Gebote haben ja nicht erst einen moralischen Standard in dieser Welt oder für das Volk Israel geschaffen. Es gab schon vorher einen moralischen Standard, den man kannte. Man wusste, was sich gehört und was sich nicht gehört.
Also war schon Josef klar, dass sich das nicht gehört. Denn als die Frau Potifars Josef in ihr Bett zerren wollte, sagte er zu ihr: „Wie sollte ich denn nun ein solches großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ Es war also klar, dass das nicht in Ordnung ist.

Nathans Gleichnis und das Erwachen des Gewissens

David musste genau wissen, dass sowohl der Ehebruch als auch der Mord an Uriah Gott missfallen würden. Da sich David nicht aus eigenem Antrieb einer schweren Schuld stellte, sandte Gott den Propheten Nathan zu ihm. Nathan legte ihm als höchstem Richter des Landes einen Rechtsfall zur Beurteilung vor.
Es handelte sich um einen außerordentlich reichen Mann, der alles im Überfluss besaß, und um einen armen Mann, der nur ein einziges kleines Schäflein hatte, das er hegte und pflegte. Als der reiche Mann Besuch bekam, wollte er keines seiner unzähligen Schafe für das Gastmahl schlachten. Nein, er entriss dem armen Mann sein kleines Schäfchen, das dieser so behütete und versorgte.
David war empört über diese Frechheit und Rücksichtslosigkeit. Wütend schrie er: So gewiss der Herr lebt, der Mann, der das getan hat, muss sterben.
Wohl bemerkt, da ging es in seinen Gedanken noch um ein Schäfchen, nicht um Menschen. Jetzt war der Moment für Nathan gekommen. Ich denke, für Nathan war das immer noch ein Risiko, denn man wusste nie, wie ein König reagieren würde. Es gab Könige, denen man so etwas aufzeigte, eine Sünde aufzeigte, und die dann die Propheten töteten. Also war es schon ein gewisses Risiko für Nathan. Aber jetzt war der Moment gekommen, um David den Spiegel vorzuhalten.
Ein Satz genügte dazu: Du bist der Mann, du hast das getan. Du bist der reiche Mann mit vielen wunderschönen Frauen, aber es ist dir nichts Besseres eingefallen, als einem armen Mann seine einzige Frau zu entreißen.
Nun endlich war David bereit, sich seinen schrecklichen Taten zu stellen. Grauenvoll, was er getan hatte. Wie konnte er nur so rücksichtslos sein und seinen Trieben freien Lauf lassen? Diese Taten werden im Leben Davids entscheidende Folgen haben, wie ihm Nathan dann berichtet. Das könnt ihr selbst nachlesen in 2. Samuel 12.
Nun bildet diese Situation, deshalb habe ich euch das erzählt, den Hintergrund zu dem Psalm, den wir heute betrachten werden: Ein Psalm Davids, vorzusingen, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Bathseba eingegangen war. Auch ein schöner Ausdruck: eingegangen war. In modernen Übersetzungen wird es mit Ehebruch übersetzt. Das ist dann deutlich, was da passiert ist. Aber eigentlich wird im Grundtext tatsächlich von eingegangen gesprochen, also fast ein bisschen eine zurückhaltende Äußerung.
David war in sich zusammengebrochen. Das Ausmaß seiner Sünde, die er bis dahin verdrängte, drohte ihn zu erdrücken. Demütig flehte er zu Gott. Und das ist nun der Psalm.

Das Bußgebet als Ausdruck völliger Ehrlichkeit

Sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde, denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und Übel vor dir getan, auf dass du recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
Dieses gelbe „Ne, jetzt habe ich es nicht gelb gemacht, aber auf den Blättern, die ihr habt, ist es rot“ ist ein Zitat, das dann im Römerbrief aufgegriffen wird.
Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen. Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund. Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich weißer werde als Schnee. Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetat.
Schaffe in mir, Herr Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit deinem willigen Geist rüste mich aus. Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren.
Errette mich vor Blutschuld, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, damit meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige. Denn du hast kein Gefallen an Schlachtopfern; sonst wollte ich sie dir geben, und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängsteter und zerschlagener Geist und ein zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
Tue wohl an Zion nach deiner Gnade, baue die Mauer zu Jerusalem.
Diesen letzten Vers, „Tue wohl an Zion nach deiner Gnade“, werde ich dann nicht genauer darauf eingehen, nur zu sagen: Die meisten Ausleger sind der Meinung, dass das nachträglich ein Zusatz ist. Und zwar im Anschluss an die Bitte und das Bußgebet, auch als die Buße Israels über den Götzendienst. Sie sind wieder zurückgekommen nach Jerusalem, und dass sie dann quasi das auch als ihr Bußgebet genommen haben, damit gesagt wird: Hilf uns, dass wir wieder die Mauer bauen können und Jerusalem wieder errichten. So nur, dass ihr das einordnen könnt.

Die Last des Verdrängens und die Freiheit des Bekennens

Endlich wurde David das grauenhafte Ausmaß seiner Sünde klar. Im Rückblick realisierte er, wie belastend diese Zeit des Verdrängens für ihn gewesen war.
In Psalm 32, der dieselbe Situation anspricht, sagte er: „Herr, erst wollte ich meine Schuld verschweigen, doch davon wurde ich so krank, dass ich von früh bis spät nur stöhnen konnte. Ich spürte deine Hand bei Tag und Nacht, sie drückte mich zu Boden, ließ meine Lebenskraft entschwinden wie in der schlimmsten Sommerdürre.“
Sünde, die wir verstecken, kann uns krank machen. Das ist bis heute so. Aber nun kam sein Vergehen ans Licht, und David stellte sich zu seinen Taten. Nichts wollte er mehr verheimlichen, keine Versuche, Gott oder uns um Verständnis für sein Handeln zu bitten. Er versuchte nicht, Bathseba für sein Verhalten verantwortlich zu machen. Sie hätte sich im Hof ihres Hauses ja nicht waschen müssen. Ein Mann ist doch einer solchen Versuchung hilflos ausgeliefert. Eigentlich ist sie schuld.
Nein, David machte sich nicht zum Opfer. Das ist ein gutes Motiv: Wenn ich mich versündige, dann mache ich mich selbst zum Opfer, damit die Leute mit mir Mitleid haben. Dann bekomme ich noch Streicheleinheiten, und die wirklich Geschädigten bleiben unbeachtet. Aber so macht es David nicht. Er hatte sich nicht zum Opfer gemacht. Er forderte kein Verständnis für seine Taten, weder von Gott noch von uns. Er übernahm die volle Verantwortung für sein Tun. Er war der Täter, und deshalb fleht er:
Gott sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde, denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.
Ich trage allein die Verantwortung für das, was ich getan habe. Die einzige Chance, aus dieser verfahrenen Situation herauszukommen, war die Hoffnung, dass sich Gott über ihn erbarmen würde. Da David vor Nathan Gott seine Schuld eingestanden hatte, hat ihm Nathan im Namen Gottes die Vergebung zugesprochen. So hat auch der Herr seine Sünde weggenommen: Du wirst nicht sterben.
Was für ein großartiger Zuspruch, den er bekommen hat, im Alten Testament, im alten Bund noch. Wo es für Ehebruch und Mord nur die Todesstrafe gab, spricht Gott ihm die Vergebung zu: Du wirst nicht sterben, obwohl du eigentlich sterben müsstest. Was für eine Erleichterung!
Und trotzdem bekennt David in diesem Psalm vorbehaltlos seine Schuld. Er scheute sich nicht, dies öffentlich zu tun, so dass wir heute noch Kenntnis davon haben und alles nachlesen können. Er hätte sagen können: Oh schön, jetzt hat Gott vergeben, jetzt kann ich das verstecken. Nein, er macht es öffentlich.
Die Antwort ist im Psalm selber enthalten, aber das lassen wir für heute. Er bekannte: „An dir allein, Gott, habe ich gesündigt und Übel vor dir getan.“

Die eigentliche Tiefe der Sünde und die Frage nach Gottes Maßstab

Schön und gut, aber wir fragen uns natürlich: Hat David bei diesem Bekenntnis nicht etwas Wichtiges vergessen? Was könnte uns daran stören: „An dir allein habe ich gesündigt“? Ja, doch auch an Bathseba und an Uria hat er sich versündigt. Es sind doch Menschen involviert, immerhin ist jemand gestorben. Könnte es sein, dass David das Ausmaß seiner Sünde nicht wirklich erkannte?
Nun, das Gegenteil ist der Fall. David führt uns in diesem Bekenntnis die große Dimension der Sünde vor Augen. Schädige ich aus selbstsüchtigen Motiven einen Menschen, dann habe ich damit Gott selbst Schaden zugefügt. Das ist die große Sicht der Sünde. Diese Sicht finden wir auch im Neuen Testament: Als Paulus, der damals noch Saulus genannt wurde, die Christen verfolgte, erschien ihm Jesus. Und da fragte er ihn: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Jesus fragte nicht: Warum verfolgst du die Christen? Was er in Wirklichkeit auch tat. Wer Christen verfolgt, verfolgt Jesus und versündigt sich dadurch gegenüber Gott ganz direkt.
David war bestimmt bewusst, dass er nach bestem Wissen und Gewissen das wiedergutmachen musste, was wiedergutzumachen war. So war auch das Gesetz. Wenn man jemanden bestohlen hatte, musste man das mehrfach zurückgeben usw. Das kannte David alles, er war ja Richter. Aber wenn David hier sagt, er habe sich allein gegenüber Gott versündigt, dann macht er deutlich, dass er sich der wahren Dimension der Sünde bewusst war. Dass es nicht nur etwas war, was er falsch gemacht hat, sondern dass er jetzt ein riesiges Problem mit Gott hat.
„Gegen dich allein habe ich mich versündigt.“ Ich habe begriffen, was Grauenvolles ich getan habe. David war erschüttert, wie er sich in fahrlässiger Weise gegen Gott versündigt hatte. Und ich denke, wir müssen uns heute die Frage gefallen lassen, ob wir uns der Tragweite unseres Verhaltens wirklich auch bewusst sind. Lernen wir in unserer Art zu leben nicht vielmehr zu fragen, ob eine Entscheidung oder eine Handlung für mich richtig ist, ob ich mich dabei wohlfühle und ob ich Frieden darüber habe? Gehen wir nicht unbewusst davon aus, dass sich Gott dann mit unseren Handlungen und Entscheidungen schon irgendwie arrangieren wird, schliesslich ist er ein liebender Gott, der uns versteht und begreift?
Man kann sich unglaublich versündigen und dabei Frieden haben. Der innere Friede ist nie der durchschlagende Beweis dafür, ob das, was wir tun, richtig ist oder nicht. Und wie wichtig ist uns die Frage, ob Gott unser Vorhaben gefallen würde? Wir werden immer Freunde und Bekannte finden, auch Gläubige, die unserem Vorhaben zustimmen, selbst wenn die Bibel uns etwas anderes sagen würde. Und irgendeinen Bibelfers werden wir irgendwo finden und irgendwie aus dem Zusammenhang reissen können, mit dem wir unser Vorhaben begründen könnten und es sozusagen für uns von Gott her legitimieren. Ich sehe das halt so, und du siehst es halt anders.
Wir sind selbst in unseren Kreisen sehr vorsichtig geworden, von Sünde zu sprechen. Es sind immer Verhaltensweisen, die man so oder so sehen kann, aber Sünde ist ein hartes Wort. Und das würde uns signalisieren, dass ich etwas ändern müsste oder etwas nicht tun sollte, das ich doch sehr gern tun würde. Deshalb ist es gut, wenn wir das dann so offenhalten und sagen: Ja, das kann man so sehen oder so sehen, ich sehe es jetzt halt so.
Wie wichtig ist in unserem Leben die Frage, ob Gott unser Tun gefällt? Wie betroffen sind wir, wenn uns klar wird, dass wir uns gegen Gott versündigt haben? Können wir noch sagen: „Gegen dich allein habe ich gesündigt“? Oder sagen wir: Ja, ich habe jetzt etwas falsch gemacht, Gott tut mir leid, aber du verstehst das sicher, ich habe es nicht extra gemacht? Oder können wir uns noch dessen bewusst sein, dass wir uns gegen Gott versündigen können?

Gottes Zuspruch und die Hoffnung auf Erneuerung

David demütigte sich vor Gott. Er gab Gott Recht, indem er sich vorbehaltlos zu seinen Taten bekannte, auf dass du Recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest.
Ich will das, was du gesagt hast, nicht verdrehen. Ich will nicht sagen, Ehebruch sei sozusagen ein Kavaliersdelikt. Ich lasse das stehen, was du gesagt hast: Es ist eine Sünde, die des Todes ist. Ich verdrehe das nicht, ich gebe dir Recht.
David wurde bewusst, wie unglaublich stark er zum Sündigen neigt. Er meinte: Siehe, in Schuld bin ich geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Er sprach hier, und so deutlich ist es nur hier im Alten Testament ausgesagt, von der Erbsünde. Ich bin ein Sünder vom Beginn meines Lebens an.
Er sagte damit, dass er als Mensch stärker von der Schuld bestimmt wird, als ihm das lieb sein kann. Aber das war keine Entschuldigung für seine Taten. Es war einfach eine Feststellung seiner Hilfsbedürftigkeit, dass er auf Gott angewiesen ist.
Deshalb sehnte er sich nach Erlösung: Entsündige mich mit Isop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich weißer werde als Schnee.
Wisst ihr, das Großartige ist, dass wir heute diese Reinigung erfahren können. Jeder Mensch, egal aus welchem Volk er kommen mag, kann vor Gott weißer werden als Schnee. Das Bild von absoluter Reinheit. Jesus machte das möglich, weil er für unsere Schuld starb. Er starb auch für die Schuld von David. Jesus starb für die Schuld in der Vergangenheit, für die Menschen im Alten Testament, die an Gott glaubten, und er starb für unsere Schuld, die wir heute tun. Er hatte sozusagen die Strafe für uns bezahlt.
Auf dieser Grundlage schreibt Johannes in seinem Brief: Wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht. Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben. Gott reinigt uns, wenn wir so aufrichtig und ehrlich wie David zu ihm kommen und unsere Schuld bekennen. Wir werden weiß wie Schnee.
Ist das nicht großartig? Das gilt für dich heute. Das ist nicht nur Altes Testament, das ist Neues Testament. Reiner, weißer als Schnee.
Das Einzige, worin uns David Vorbild ist, ist, dass wir aufrichtig und ehrlich sind und nicht immer andere verantwortlich machen für das, wofür wir selbst die Verantwortung tragen müssten.

Die Bitte um ein neues Herz und ein beständiges Leben

David wollte nicht bleiben, wie er war. Er wollte von Gott sozusagen neu geschaffen werden. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Er wollte ein Mensch werden, der nicht von der Sünde getrieben lebt, sondern mit reinem Herzen und mit reinem Gewissen lebt. Ein Mensch, der in seinen Gedanken nicht schwankt und seine Überzeugungen nicht ständig ändert. Ein Mensch mit einem beständigen Geist. Auf den man sich verlassen kann, nicht mal so, mal so.
Wie radikal David diese Erneuerung wünschte, zeigt sich in der Verwendung eines Wortes, das nur im Zusammenhang mit der schöpferischen Kraft Gottes verwendet wird. Zum ersten Mal steht dieses Wort wirklich nur immer im ganzen Alten Testament hindurch mit Gott in Verbindung. Es wird im ersten Vers der Bibel verwendet: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Dieses Wort ist einzig reserviert auf Gottes Schöpferkraft. Ihr findet es nirgends im Alten Testament anders verwendet. Bara heißt das im Hebräischen.
Genau dieses Wort verwendet er und wendet sich an Gott und sagt damit: Gott, nur du kannst mich erneuern, nur du kannst Neues schaffen, nur du kannst mich verändern. Ich werde das aus eigener Kraft, mit eigener Anstrengung, nicht schaffen. Das hat er schon genug erfahren. Wenn jemand in seinem Leben etwas Fundamentales ändern könnte, was einer Neuschöpfung nahekommt, dann ist es der Schöpfer. Gott.
Erstaunlicherweise ist eine solche Neuschöpfung des Menschen bis heute möglich. Durch den Glauben an Jesus wird ein Mensch sozusagen neu geschaffen. Deshalb schreibt Paulus den Christen in Korinth: Wir wissen, wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung, bara, von Gott neu erschaffen. Gott hat das Leben erneuert. Das Alte ist vergangen, etwas ganz Neues hat begonnen. Gott hat etwas Neues erschaffen. Deshalb sprechen wir auch von Wiedergeburt. Etwas Neues ist geboren, von Neuem geboren. Das kann nur von Gott her gewirkt sein.
Und nochmals flehte David, Gott möge ihn wegen seiner großen Schuld nicht verwerfen und ihm nicht den Heiligen Geist entziehen, den er als König bekommen hatte. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe und rüste mich mit einem willigen Geist aus.
Und aus Dankbarkeit will er als Botschafter Gottes anderen Menschen helfen, die sich wie er in Sünden verstrickt haben. Er will sie ermutigen, ihr Leben mit Gott in Ordnung zu bringen. Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren. Ich will meine Lehren daraus ziehen, und ich will auch anderen helfen, dass sie ihr Leben mit dir ordnen. Er will ihnen von der großen Güte und Barmherzigkeit Gottes erzählen und ihnen zeigen, dass Rettung möglich ist.

Vergebung, Verantwortung und die bleibende Transparenz der Schrift

Das war schon sehr heftig, was David getan hatte. Für diese Taten gab es im Gesetz des Mose nur die Todesstrafe. Das Großartige ist, dass es selbst im Alten Testament möglich war, der Todesstrafe zu entgehen und von Gott Vergebung zu erhalten. Er konnte sogar König bleiben.
Und wie ernst Gott diese Vergebung war, erkennen wir daran, dass das zweite Kind, Salomo, das David mit Batseba hatte, auf seinem Thron folgte und als außerordentlich weiser Mann in die Geschichte einging. Vermutlich hätten wir Batseba niemals zur Mutter von Salomo, dem Thronfolger Davids, werden lassen. Nie und nimmer hätten wir ihr die Ehre zugestanden, als Mutter des Thronfolgers dazustehen und als Vorfahrin im Stammbaum von Jesus zu erscheinen.
Wir hätten Batseba entsorgt, als eine Person, über die man nicht mehr spricht, weil das, was sie getan hat, katastrophal war. Und so hat Gott gezeigt, wie ernst er es mit der Vergebung meint. Und so ist sie im Stammbaum von Jesus verewigt. Dort steht: David war der Vater von Salomo, Salomos Mutter war die Frau des Uria. Nicht einmal da wird verschwiegen, was da vorgefallen ist. Sie war die Frau des Uria.
Das ist etwas, was mich an der Bibel begeistert: die Aufrichtigkeit, diese Transparenz. Diese radikale Vergebung geschah nicht durch religiöse Werke, sondern einzig und allein durch ein vorbehaltloses und ehrliches Geständnis der eigenen Schuld. Es ist die Kapitulation vor Gott, wie David richtig schreibt: Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.
Ein geängstetes und zerschlagenes Herz ist dort, wo Menschen ihre Sünden nicht mehr rechtfertigen, wo Menschen sich vor Gott demütigen und wissen, dass der Einzige, der sie retten kann, Gott ist.

Gottes Nähe zu den Gedemütigten und der Weg ins Licht

So sagte Gott durch den Propheten Jesaja: So spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen erquicke.
Also sagt er schon dort durch Jesaja: Ich wohne in einem Heiligtum, unerreichbar für euch. Aber ich wohne auch in euren Herzen, in denen, die sich vor mir gedemütigt haben. Gott wohnt in den Menschen, deren Herz zerschlagen ist, die sich vor ihm gedemütigt haben. Das geschieht dann, wenn wir Buße tun und zu Jesus kommen. Dann geschieht diese Erneuerung, dann nimmt Gott Wohnung in unseren Herzen. Menschen, die ihren Stolz abgelegt haben und sich vor Gott demütigen.
Dieser Psalm lässt uns in ein tiefes, bodenloses Loch der Sünde blicken. Aber er erhebt unseren Blick empor in die Höhe, zu dem unendlich hellen Licht der Gnade, der Barmherzigkeit und der Liebe Gottes. Wollen wir, dass Gott in uns lebt und wir diesem heilsamen Licht ausgesetzt sind, dann gibt es einen einfachen Weg dorthin, und er hat einen Namen: Jesus. Er sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Gebet und Dank

Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, dass du so ein gnädiger, barmherziger Gott bist. Du erbarmst dich über Menschen, die sich vor dir demütigen, ihren Stolz ablegen und bereit sind, ihre Schuld und ihre Sünde anzuerkennen. Über solchen Menschen erbarmst du dich.
Das ist die großartige Botschaft, die wir in der Bibel überall finden, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament: dass du gerecht, gnädig, barmherzig und voller Liebe bist. Wir können mit unserer Schuld, und mag sie noch so groß sein, vor dich kommen. Du bist ein Gott, der gerne vergibt, wenn die Schuld aufrichtig bekannt wird und wir nicht alle anderen dafür verantwortlich machen. Dann erbarmst du dich.
Und das ist ein riesengroßes Geschenk, und dafür danken wir dir. Amen.