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1. Timotheus 1, 1-11

1. Timotheus 1,1-1101.01.2011
SerieTeil 1 / 4Der erste Timotheusbrief
Gefährlich wird es, wenn Glaube nur noch Streit, Spitzfindigkeit und leeres Gerede produziert. Der Maßstab bleibt simpel: echte Liebe, klares Gewissen und ein Glaube ohne Maske.

Einleitung und Rahmen der Veranstaltung

Es ist schön, dass wir zusammen sein können. Für mich ist es eine Freude, einige kenne ich ja schon ziemlich lange.
Wir wollen den ersten Timotheusbrief betrachten. Das ist bewusst als Seminar gedacht. Ihr dürft also gerne unterbrechen und Fragen stellen. Ob ihr dann auch die Antwort bekommt, ist etwas anderes. Aber wir wollen vor allem dann auch morgen schauen, dass wir ins Gespräch kommen.
Wir wollen einige heiße Themen herausnehmen, auf die wir uns dann besonders konzentrieren wollen. Heute Abend möchte ich aber zuerst mit einer Einführung beginnen. Deshalb gibt es diese PowerPoint-Präsentation.
Ich habe dann morgen auch noch etwas für Exkurse mit dem Computer vorbereitet, das ich vorführe, je nachdem, wie weit wir dann kommen. Aber als Beginn wollen wir das erste Kapitel lesen.

Der Auftakt des Briefes und seine ersten Beobachtungen

Paulus, Apostel Jesu Christi, nach ausdrücklichem Befehl Gottes, unseres Retters, und des Herrn Jesus Christus, unserer Hoffnung.
Timotheus, echtem Kind im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, unserem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.
So wie ich dich, als ich nach Makedonien zog, aufrief, in Ephesus zu bleiben, damit du einige anweisen möchtest, nichts anderes zu lehren, noch auf Fabelleien und endlose Geschlechtsregister zu achten. Sie sollen sich auch nicht mit Dingen beschäftigen, die mehr zu Infragestellungen und strittigen Untersuchungen beitragen als zur Verwalterschaft Gottes, die im Glauben wahrgenommen wird.
Aber das Ziel der Anweisung ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Von diesen Dingen sind etliche abgeirrt, weil sie das Ziel verfehlten. Sie sind zu leerem und nichtigem Gerede übergegangen und wollen Gesetzeslehrer sein, begreifen aber weder, was sie sagen, noch das, worüber sie so feste Behauptungen aufstellen.
Aber wir wissen, dass das Gesetz gut ist, wenn einer es gebraucht, wie es dem Gesetz entspricht, und dass für einen Gerechten das Gesetz nicht eingeführt ist, sondern für Gesetzlose und solche, die sich nicht unterordnen, für Ehrfurchtslose und Sünder, für Unheilige und Verkehrte, für Profane, Vaterschläger und Mutterschläger, für Mörder, Unzüchtige, Homosexuelle, für solche, die Menschen in Knechtschaft führen, für Lügner, Meineidige und wenn sonst etwas der gesunden Lehre zuwider ist, nach der guten Botschaft der Herrlichkeit des seligen Gottes, mit der ich betraut wurde.
Und ich bin dankbar dem, der mich innerlich kräftigte, Christus Jesus, unserem Herrn, dass er mich treu erachtete und in den Dienst stellte, obwohl ich zuvor ein Lästerer, Verfolger und überheblicher Gewalttäter war. Mir wurde jedoch Barmherzigkeit zuteil, weil ich es unwissend tat, im Unglauben.
Über die Maßen groß wurde aber die Gnade unseres Herrn mit Treue und Liebe, die in Christus Jesus ist. Treu ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt kam, um Sünder zu retten, unter denen ich der Erste bin.
Mir widerfuhr jedoch gerade deshalb Barmherzigkeit, damit Jesus Christus an mir als Erstem alle Geduld erzeige, als Muster für die, die an ihn glauben sollten, zum ewigen Leben.
Dem König der Ewigkeit aber, dem unverweslichen, unsichtbaren, alleinweisen Gott, gebührt Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.

Die Einordnung des Briefes in die paulinische Literatur

Ja, es ist ein schönes erstes Kapitel. Es ist schön, wenn man gerade damit beginnt.
Der Timotheusbrief gehört zu den sogenannten Pastoralbriefen. Die Pastoralbriefe, so nennt man den ersten Timotheusbrief, den zweiten Timotheusbrief und den Titusbrief, sind allerdings, könnte man sagen, eine Fehlbezeichnung. Denn die Briefe sind nicht an Pastoren gerichtet. Ja, Pastoren sind ja Hirten, aber das waren nicht einfach Hirten am Ort. Das waren eigentlich Missionare, Apostel, an die diese Briefe gerichtet sind. Also sie waren weder Hirten am Ort noch waren sie Bischöfe, sondern wirklich Apostel, Missionare.
Übrigens heißt das griechische Wort Apostolos, und das lateinische Wort heißt Missionarius. Also das ist dasselbe: ein Missionar oder ein Apostel. Obwohl es natürlich einen Unterschied gibt zwischen den zwölf Aposteln und den späteren Aposteln. Barnabas war zum Beispiel ein Apostel, Silas war auch ein Apostel, und hier Timotheus und Titus sind auch Apostel. Was heißt das? Das sind Leute, die unterwegs sind. Die sind so etwas wie Hirten und Evangelisten und Lehrer, aber sie sind unterwegs. Das ist der große Unterschied zu den Hirten oder zu den Lehrern, die am Ort sind.
Aber es gibt besondere Apostel, und dazu gehörte natürlich auch der Apostel Paulus. Dazu gehören die Zwölf, die mit dem Herrn Jesus waren, wobei einer ersetzt wurde durch Matthias, Apostelgeschichte 1. Und dann gibt es noch einen Dreizehnten, das ist Paulus. Also wir haben dreizehn Apostel, genau gleich wie wir dreizehn Stämme Israels haben, oder? Es gibt ja dreizehn Stämme, habt ihr das gewusst? Habt ihr auch nicht gewusst? Ja, Spaß.
Also es gibt dreizehn Stämme, denn die zwölf Söhne Jakobs, einer hieß Joseph, und statt Joseph hat Jakob zwei von seinen Enkelkindern adoptiert. Also statt Josef stehen Ephraim und Manasse. Folgedessen sind sie dreizehn. Allerdings hat einer kein Erbteil bekommen, das war Levi, sondern der wurde verteilt. So haben wir wieder zwölf Erbteile, aber dreizehn Söhne Jakobs oder dreizehn Stämme Israels. Und hier haben wir dreizehn Apostel, zwölf plus eins.
Hier schreibt ein besonderer Apostel, ein Apostel, der von Gott verwendet wurde, um den Grund zu legen. Also diese zwölf plus Paulus, das war ein besonderer Apostel, denn durch sie haben wir das Wort Gottes bekommen. Das ist das Fundament. Sie haben den Herrn Jesus persönlich erlebt. Auch Paulus hat den Herrn Jesus gesehen, wir lesen das in der Apostelgeschichte. Im Tempel hat er ihn einmal gesehen. Auf der Straße ist er blind geworden, auf der Straße nach Damaskus. Aber im Tempel später dann, ich glaube in Apostelgeschichte 22 wird das berichtet, als er dann im Tempel war in Jerusalem, da sah ich ihn. Also Paulus hat den Herrn Jesus gesehen und gehört und gehört zu diesen ganz besonderen Aposteln, von denen wir dann auch direkt Wort Gottes bekommen haben. Das ist prophetisches Wort. Die waren Apostel und Propheten, diese dreizehn, Apostel und Propheten. Manche zählen auch noch den Bruder des Herrn Jesus, den Jakobus, dazu. Das mag auch sein, der war ja auch eine Säule der Gemeinde in Jerusalem, einer der Führer der Christen in Jerusalem.
Also hier geht es um den Brief eines Apostels, eines besonderen Apostels, von dem wir Wort Gottes bekommen haben, an einen Apostel. Ein Apostel schreibt an einen Apostel. Paulus schreibt an Timotheus, und Timotheus war ein Apostel. Er hat eigentlich diese Arbeit weitergeführt, die der Apostel Paulus dort gemacht hat. Timotheus, Titus und Paulus sind also reisende Verkündiger des Evangeliums.
Das sehen wir an mehreren Stellen. Ich kann die Stellen gerade vorlesen. In 1. Timotheus 3,14: Solches schreibe ich dir in der Hoffnung, schneller zu dir zu kommen. Also Timotheus ist in Ephesus, und Paulus ist unterwegs. Und Paulus hofft, dass er möglichst bald wieder nach Ephesus kommen kann, zum Timotheus. 1. Timotheus 4,13: Bis ich komme, widme dich dem Lesen, dem Lehren usw. Bis ich komme.
Im zweiten Timotheusbrief sehen wir, da ist es der Timotheus, der unterwegs ist, und Paulus ist an einem Ort, nämlich im Gefängnis. Und dann sagt Paulus an Timotheus im zweiten Brief: Befleißige dich, schnell zu mir zu kommen. Und im Titusbrief sind beide unterwegs, der Titus und der Paulus, und sie bewegen sich auf einen gemeinsamen Treffpunkt zu, wo sie sich dann treffen werden, in Nikopolis. Wenn ich Artemas zu dir schicke, also Titus ist in Kreta unterwegs und setzt dort die Arbeit fort, die andere angefangen haben, die auch Paulus angefangen hat. Und jetzt soll Titus aber die Arbeit dort lassen und nach Nikopolis kommen, und zwar dann, sobald Artemas dort in Kreta angekommen ist, oder Tychikus. Dann befleißige dich, zu mir nach Nikopolis zu kommen. Also Paulus ist irgendwo unterwegs, wird aber dann in Nikopolis sein, und dort möchte er Titus treffen.
Man sieht: Diese Apostel waren unterwegs. Die haben gedient. Kreta ist nicht ein kleiner Ort, das ist eine große Insel, und da waren viele Städte. Und dort sollte Titus den Gläubigen helfen, dass die Gemeinden eine gute Leiterschaft bekommen, sollte das fertig machen, was Paulus angefangen hat. Also diese Apostel damals waren reisende Verkündiger des Evangeliums, die auch darauf gesehen haben, dass die Arbeit gut weitergeht. Dann haben sie die Arbeit verlassen, sind später wieder zurückgekommen, bewegliche Leute.
Wir haben ja heute den Begriff Missionar. Den verwenden wir oft nicht ganz richtig. Wir sagen, Missionar ist einer, der weit weg ist, irgendwo in Afrika oder in Amerika beziehungsweise ein Amerikaner in Manila oder so. Also die sind weit weg. Aber wenn Sie dort an dem Ort lange Zeit sind, stationär, wie man sagt, dann sind Sie ja eigentlich Lehrer oder Hirten am Ort, sind Sie keine Missionare, oder? Aber wenn Sie sich bewegen, wenn Sie unterwegs sind, nun, heute ist das ja mit der Bewegung recht leicht geworden. Man ist sehr schnell irgendwo anders, und man kann dann auch an gewissen Orten länger bleiben.
Aber es gibt heute genauso Missionare in dem Sinne, die sind einfach unterwegs. Es gibt Missionare, die machen neue Arbeit, Neulandarbeit, und da gibt es Missionare, die machen Festigungsarbeit, die schauen, dass die Geschwister gefestigt werden. Ob sie länger sind oder weniger lang an dem Ort, sie sind beweglich. Sie sind nicht gebunden an den Ort. Aber es braucht Hirten, die am Ort Hirten sind, die dort bleiben, unbedingt. Die nennt die Bibel Hirten oder Älteste oder Aufseher. Und es braucht Evangelisten, die sind auch entweder beweglich oder sie sind am Ort. Und dann braucht es Lehrer, Lehrer am Ort, und es braucht Lehrer, die unterwegs sind. Und Lehrer, die unterwegs sind, sind genauso wie Paulus ein Apostel, aber sie sind nicht über den anderen. Das ist ein katholisches Denken, wenn man meint, ein Missionar oder einer, der unterwegs ist, der steht über denen, die am Ort sind. Das ist falsch. In der Bibel sind alle unter dem Herrn. Jeder dient dem Herrn, und so wie der Herr das führt, wie der Herr die Tür öffnet, kann jetzt ein Beweglicher an irgendeinem Ort eine gewisse Zeit lang dienen, und dann ist er wieder woanders. Er hat deshalb keine größere Autorität als einer, der am Ort bleibt, ein Leiter am Ort, ein Ältester oder ein Hirte. Man dient einander.
Also, was wir hier bekommen in diesen Briefen, den sogenannten Pastoralbriefen, ist: Wir bekommen Einblick in die Tätigkeiten und die Beziehungen von Missionaren, von Aposteln untereinander. Aber wir können sehr viel von ihnen lernen. Deshalb sind das sehr wichtige Briefe.
Aufenthaltsort: Paulus ist in Makedonien, oder man kann auch sagen Mazedonien, wenn man das anders aussprechen möchte. Das ist griechisch ausgesprochen Makedonien. Paulus ist irgendwo in Mazedonien unterwegs, und er war in Ephesus gewesen, zusammen mit Timotheus. Und jetzt hat er aber aus irgendeinem Grund Ephesus verlassen müssen, weil er weiter gearbeitet hat. Und Timotheus soll jetzt die Arbeit tun, die Paulus getan hat. Er tut genau dasselbe wie Paulus. Und Paulus schreibt ihm diesen Brief, um ihm in der Zeit der Abwesenheit zu helfen und um ihm auch die Autorität zu stärken, damit die Geschwister wissen: Der Paulus steht ganz hinter dem Timotheus.
Das ist ein Brief, von dem haben die anderen wahrscheinlich erfahren, sonst hätten wir ihn auch nicht bekommen, so wie er jetzt da ist. Die haben erfahren: Der Apostel Paulus hat dem Timotheus geschrieben. Timotheus wird vielleicht auch darauf hingewiesen haben: Der Bruder Paulus hat mir gesagt, dass so und so und so, es sollte so und so ablaufen. Es gibt hier also sehr wichtige Mitteilungen von Paulus an Timotheus. Timotheus ist in Ephesus und Umgebung. Er ist nicht nur in Ephesus, er ist auch in anderen Gemeinden dort unterwegs, das wie halt auch ein beweglicher Missionar oder Apostel ist.
Zum Beispiel in 1. Timotheus 2,8 werden wir lesen: Es ist mein Wille, dass die Männer an jedem Ort beten. Damit meint er nicht im Schlafzimmer und in der Küche und im Keller, sondern er meint in Ephesus, in Troas, in Milet oder sonst irgendwo in der Gegend, in Kolossä oder in Laodizea, also in diesen ganzen Gegenden. An jedem Ort will er, dass die Männer beten. Der Zusammenhang ist dort natürlich die Gemeindeversammlung. Kommen wir noch darauf hin.
Ja, Paulus will also dann bald wieder nach Ephesus kommen. Hier haben wir so eine Karte. Bisschen schwer zu sehen, aber ihr könnt hier sehen: Nikopolis ist ganz links. Allerdings ist man sich nicht ganz sicher, denn es gibt mehrere Städte mit dem Namen Nikopolis. Dort könnte Paulus also dann sein, wenn er dem Titus begegnen wird. Jetzt ist er in Ephesus. Das ist, das kann ich jetzt hier nicht zeigen, aber seht ihr das, Kleinasien, bitte? Mit der Maus geht's? Ah, bitte schön, hier ist Ephesus, und da haben wir dann auch in Milet. Es sind auch Gläubige gewesen, die sich versammelten, und wir wissen nicht, wie weit er hier noch vielleicht auch in Smyrna, vielleicht auch in Sardes oder so, wie weit er hier herumreiste. Ja, aber in dieser Gegend hält er sich auf.
Und ja, mal weiter: Hier haben wir ein bisschen genauer Ephesus wieder hier. Diese ganze Gegend heißt Asia, und hier konkret heißt die Gegend Lydia, das ist die lydische Provinz, also eine römische Provinz. Die große heißt einfach Asia, aber die unterteilt ist hier das lydische Gebiet. Ja, Hierapolis seht ihr auch noch hier, Philadelphia. Es kann sein, dass er so weit herumgekommen ist in dieser Gegend.
Wo ist Paulus, oder wann wurde der Brief geschrieben, ist vielleicht besser: Wann wurde der Brief jetzt geschrieben? Da sind sich die Gelehrten nicht ganz einig. Und es gab da einen Streit, ob Paulus überhaupt zweimal gefangen gewesen war oder einmal. Wenn er nur einmal gefangen gewesen war, dann müssen alle Briefe vor dieser einmaligen Gefangenschaft gewesen sein, also alles vor 60 nach Christus. Aber wenn er zweimal gefangen war, dann ist er einmal gefangen gewesen, dann wieder frei geworden und wieder gefangen geworden. Später dann im zweiten Timotheusbrief lesen wir, dass er wieder gefangen ist, knapp vor seinem Tod.
Und jetzt ist es so: Hier haben wir zwei Stellen oder drei Stellen, die meines Erachtens sehr eindeutig darauf hinweisen, dass der Apostel Paulus sehr wohl wieder freigelassen worden ist von der ersten Gefangenschaft. Also es gab die erste römische Gefangenschaft. Dort kam er ja auf abenteuerliche Weise mit dem Schiff nach Rom, das war etwa im Jahr 59 oder 60 oder von 59 auf 60. Und dort blieb er dann zwei Jahre. Das wissen wir aus der Apostelgeschichte ganz zu Ende. Da steht, dass der Apostel Paulus zwei Jahre in dieser Gefangenschaft war, und dann bricht die Apostelgeschichte ab. Das heißt, im Jahr 62 hört Lukas auf zu berichten, und dann sind wir angewiesen auf andere Daten aus den Briefen.
Und da haben wir den Philipperbrief. Und im Philipperbrief, der wurde aus der Gefangenschaft geschrieben, dort schreibt der Apostel Paulus an die Philipper, dass er überzeugt ist: Und weil ich davon überzeugt bin, weiß ich, dass ich bleiben werde und zugleich bei euch allen bleiben werde zu eurem Fortschritt und zu eurer Freude des Glaubens, damit euer Rühmen an mir in Christus Jesus reich sei durch mein Wiederkommen zu euch. Er schreibt hier als Prophet, er schreibt hier prophetische Worte. Das, was er hier geschrieben hat, ist wahr, es ist keine Lüge oder keine Unwahrheit. Das heißt, wenn er hier sagt, er weiß, dass er die Philipper wieder sehen wird und dass er wieder dorthin kommen wird, wenn er das weiß, dann müssen wir auch annehmen, dass das dann auch tatsächlich geschehen ist. Das heißt, er hat die Philipper wiedergesehen und er ist wieder zu ihnen gekommen. Das heißt, er muss wieder freigekommen sein aus der Gefangenschaft. Auch in Philipper 2,24: Ich bin überzeugt im Herrn, nicht in Paulus, sondern im Herrn überzeugt, dass ich selbst auch bald kommen werde. Also das deutet sehr stark darauf hin, ist eigentlich ein Beweis, weil er hier ja als Prophet schreibt, dass er wieder frei geworden ist.
Philemon auch: In Philemon da drückt er die Hoffnung aus: Bereite mir eine Unterkunft, denn ich hoffe, ich werde durch eure Gebete euch geschenkt werden. Also wenn er freigelassen wurde, dann heißt das, dann sind die anderen Briefe, die wir hier haben, der erste Timotheusbrief, der zweite Timotheusbrief und der Titusbrief, nach dieser Freilassung geschrieben worden. Die Gefangenschaftsbriefe, das ist der Kolosserbrief, der Epheserbrief, der Philemonbrief und der Philipperbrief, die sind in der ersten Gefangenschaft geschrieben worden: Kolosser, Epheser, Philemon und Philipper, wobei der Philipperbrief der letzte ist von diesen vier, genau wahrscheinlich diese Reihenfolge. Oder Epheser, Kolosser, Philemon und Philipper, so kann es auch gewesen sein.
Also Kolosser und Epheser waren ja Parallelbriefe, die wurden zur gleichen Zeit geschrieben oder fast zur gleichen Zeit geschrieben, durch den gleichen Briefträger überbracht, der hieß Tychikus. Und dann auch der Philemonbrief, der wurde auch gerade mit dem gleichen Briefträger, jedenfalls zur gleichen Zeit, ob es der gleiche Briefträger ist, weiß ich nicht. Aber der Philemonbrief, dieser kurze Brief, der wurde auch um die Zeit von Epheserbrief und Kolosserbrief geschrieben. Es sind drei parallele Briefe. Der Philemonbrief ist ganz persönlich, und der Philemon wohnte in Kolossä. Und dort in Kolossä hat er auch den Kolosserbrief hingeschrieben. Und im Kolosserbrief am Ende vom Kolosserbrief sagt er, dass er noch einen Brief geschickt hätte, und der kommt nach Laodizea, und die Kolosser sollen schauen, dass sie den Brief, den er nach Laodizea geschickt hat, auch lesen sollen. Und viele haben sich gewundert: Was ist das für ein Brief? Die Antwort ist vielleicht ganz einfach: Das ist vielleicht der Epheserbrief.
Ja, wieso kommt denn der Epheserbrief nach Laodizea? Ja, ganz einfach, weil der Epheserbrief allgemein gehalten war und als Art Rundschreiben gedacht war für die Christen der ganzen Gegend, nicht nur Ephesus, sondern auch Smyrna, auch Pergamos, auch Thyatira oder sonst diese, da gab es Christen, Sardes, Philadelphia und Laodizea. Das ist, wenn man diese, ich muss da zurückgehen, wenn ihr hier schaut, da sind einige Städte. Wenn man sich diese Städte anschaut, hier Ephesus, der Briefträger könnte dann da herauffahren nach Smyrna, dann nach Sardes, dann nach Philadelphia rüber, die Straße entlang, nach Hierapolis und dann nach Laodizea. Also das ist eine schöne Runde, könnte man hier, könnte hier gefahren sein. Die gleichen Gemeinden, an die ja dann später das Buch der Offenbarung geschrieben wurde, von Johannes.
Ich sage also nur: Das ist eine sehr starke Vermutung, dass dieser Epheserbrief ein Rundbrief war. Also Epheser und Kolossä und Philemon gleichzeitig, dann irgendwann später der Philipperbrief, wo er schon ganz klar ausdrückt, dass er freigelassen werden wird oder dass er wiederkommen wird nach Philippi.
Und ja, dann haben wir noch einen Hinweis: Der Apostel Paulus wollte ja mal nach Spanien reisen. In Römer 15 hat er das geschrieben. Als er den Römerbrief geschrieben hat, da war er noch frei, vor der ersten Gefangenschaft. Das war also noch früher, also etwa um das Jahr 57, hat er den Römerbrief geschrieben. Und im Römerbrief hat er den Christen geschrieben, dass er zu ihnen kommen wird, Vers 24: Dann werde ich, wenn es so weit ist, dass ich nach Spanien reise, zu euch kommen, denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu Gesicht zu bekommen und von euch dorthin weitergeleitet zu werden. Das heißt, er wollte schon im Jahr 57 nach Spanien.
Das ist dann anders gekommen, als er sich vorgestellt hat. Er wurde ja gefangen genommen. In Caesarea, zwei Jahre in Caesarea, dann war es das Jahr 59, dann kam er nach Rom, dann war es das Jahr 60, dann war er zwei Jahre gefangen, dann war es das Jahr 62. Ja, und wann kommt Spanien? Das wissen wir nicht. Aber wir haben einen Hinweis von zwei Kirchenvätern im Barnabasbrief und im Clemensbrief, das sind Briefe aus dem ersten Jahrhundert, ja etwa Ende des ersten Jahrhunderts. Dort schreibt ein gewisser Barnabas und ein gewisser Clemens von Rom, dass Paulus den äußersten Westen erreicht hätte. Der äußerste Westen, von Rom aus gesehen, ist nicht Rom. Der äußerste Westen, von Rom aus gesehen, das ist Spanien. Also dann dürfte es doch so gewesen sein, dass Paulus nach Spanien gekommen ist. Wann, das wissen wir nicht, aber vielleicht in dieser Zeit, wo er dann freigekommen ist, im Jahr 62 etwa, wird er freigekommen sein, und dann war er mindestens zwei Jahre frei. Und in diesen zwei Jahren kann viel geschehen. Da hat er den Timotheusbrief geschrieben, den ersten Brief. Da hat er den Titusbrief geschrieben. Da war er offensichtlich auch in Kreta in der Zwischenzeit. Und in der Zeit war er wahrscheinlich auch in Spanien.
Irgendwann ab dem Jahr 64, vielleicht erst 65, vielleicht erst 66, irgendwann wurde er dann noch einmal gefangen genommen, und dann ging alles sehr schnell. Er war in der Gegend von Troas, war in Milet, musste seinen Mantel zurücklassen, seine wichtigen Schriften, wichtige Bücher dort zurücklassen. Wahrscheinlich ging das alles sehr schnell, wurde verhaftet, kam nach Rom und wurde dann enthauptet. Das steht nicht in der Bibel, das wissen wir nur aus Kirchenväterzitaten aus irgendwelchen Schreiben von damals. Er soll enthauptet worden sein. Wann genau, weiß man nicht, vielleicht im Jahr 67, vielleicht im Jahr 65 oder 66, so etwa.
Also, das bringt uns jetzt zu der Frage der Abfassungszeit dieser Briefe. Die können nicht in der Zeit der Apostelgeschichte verfasst worden sein, das geht nicht. Wenn man es probiert, irgendwie in die Apostelgeschichte hineinzupassen, es geht nicht, es geht nicht auf. Dann muss es also nachher gewesen sein, zwischen 62 und 64, und der zweite Timotheusbrief etwa zwischen 65 und 67 oder von 65 bis 67, in irgendeinem Zeitpunkt in der zweiten Gefangenschaft und knapp vor seinem Tode. Das ist der letzte Brief, der zweite Timotheusbrief. Und unter Kaiser Nero noch, der bis zum Jahr 68 regierte, wurde er dann noch enthauptet, also spätestens im Jahr 68, aber wahrscheinlich früher.
Die Verfasserschaft, wer diesen Brief geschrieben hat, das wurde angegriffen. Man hat gesagt, das passt nicht in die Apostelgeschichte, das ist nicht von Paulus. Oder man hat gesagt, der Brief wurde im zweiten Jahrhundert geschrieben, die Timotheusbriefe, die wurden erst im zweiten Jahrhundert geschrieben, denn da gab es so eine Irrlehre, die hieß Gnosis. Und er schreibt ja im letzten Vers vom ersten Timotheusbrief, dass er von irgendeiner Gnosis spricht, spricht er ja von irgendeiner Gnosis und der damals so genannten Erkenntnis, die damals eine Irrlehre, die es damals gegeben hat.
Man sagt, der Brief sei nicht paulinisch, diese Theologie ist ganz anders als in den anderen Briefen, und man sagt, er hat einen ganz anderen Wortschatz. Diese Timotheusbriefe und der Titusbrief, da sind ganz andere Wörter drin, als die er sonst nicht gebraucht. Aber das sind keine wirklichen Argumente. Gegen das Erste, dass es nicht in die Apostelgeschichte reinpasst, da ist die Lösung ganz einfach: Es wurde erst nach der Apostelgeschichte verfasst. Und gegen das Zweite, dass es im zweiten Jahrhundert geschrieben worden sei, da muss man sagen: Nein, es gibt sehr starke Unterschiede zu dieser späteren Irrlehre, die es im zweiten Jahrhundert gab, diese sogenannte Gnosis. Es gibt große Unterschiede, nämlich: Die Gnosis war eine Lehre, die außerhalb der Gemeinde war, die war nicht innerhalb der Christen. Aber die Lehre, gegen die er schreibt im Timotheusbrief, das ist eine falsche Lehre, die innerhalb der Gemeinde da war, und es war auch nicht genau dasselbe, wie was man im zweiten Jahrhundert unter Gnosis verstanden hat. Es war eine mehr judaistische Gesetzlichkeit, da kommen wir vielleicht noch drauf.
Ja, und das Dritte, das hatten wir: Es sei nicht paulinische Theologie. Muss man sagen, das ist auch kein gutes Argument, denn es ist ganz genau seine Theologie, es ist genau seine Lehre, was wir hier finden in dem Timotheusbrief und im Titusbrief, in dem zweiten Timotheusbrief. Es geht um die Eingebung, von der göttlichen Eingebung der Schrift, göttlichen Autorität der Schrift. Er spricht von Berufung und Erwählung oder Ruf und Erwählung. Er spricht vom Heil, von der Gottheit Jesu Christi. Er spricht von dem, was Jesus getan hat, sein stellvertretendes Opfer. Es ist alles genau paulinisch und stimmt mit den anderen Briefen ganz überein.
Und gegen das vierte Argument, ein anderer Wortschatz, muss man sagen: Na ja, wenn ein anderes Thema ist, brauche ich andere Wörter. Außerdem liegen einige Jahre dazwischen, also von daher ist es kein besonderes Argument. Und das Zeugnis der Urgemeinde ist auch so, dass es ganz klar von Paulus geschrieben wurde, nicht von irgendjemand anders.
Und dann sagen manche: Ja, aber vielleicht war das eine fromme Fälschung. Vielleicht hat irgendein Paulusschüler einen Brief geschrieben und hat dann einfach seinen Namen drunter geschrieben, Paulus seinen Namen drunter geschrieben. Nun, das wäre damals schnell aufgeflogen. Die damaligen Christen waren da sehr auf der Hut, und Fälschungen sind sofort aufgedeckt worden. Auch beim Thessalonicherbrief erfahren wir, dass es schon falsche Schriften gegeben hat, und sie wurden alle aufgedeckt als Fälschungen. Und außerdem, das wären dann drei gefälschte Briefe, die gar nichts anderes lehren, als was Paulus sowieso gelehrt hat. Warum also drei gefälschte Briefe schreiben, die genau dasselbe lehren, was Paulus sonst auch lehrt? Hätte ein frommer Nachfolger des Paulus seinem Meister Folgendes in den Mund gelegt: Das Ziel der Anweisung ist Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Könnte ein Fälscher das so schreiben? Das Ziel jeder Lehre ist Echtheit, ungeheuchelter Glaube, Liebe aus reinem Herzen usw. Würde so ein Fälscher das schreiben? Viertens: Hätte er vor Verführen gewarnt, wenn er selbst einer war? Na gut, da könnte man ja vielleicht sagen, um abzulenken. Aber das sind keine Argumente.
Wir dürften das genauso nehmen, dass diese Briefe tatsächlich von Paulus geschrieben wurden, und sie sind sehr wertvolle Briefe für uns.
Was war der Zweck, Ziel und Zweck von diesen Briefen? Nun, es war das Ziel, dass man Paulus wollte, den Timotheus ermutigen. Timotheus war alleine zurückgeblieben, und Timotheus hatte eine große Aufgabe. Da waren Schwierigkeiten in den Gemeinden, und es war auch die Frage: Hat Timotheus diese Autorität? Hören die überhaupt auf den Timotheus, was er ihnen sagt? Und es sind ja nicht nur eine Gemeinde, es waren verschiedenste Gemeinden. Da war es ihm sehr wichtig, dass Timotheus diesen Brief bekam. Den konnte er auch vorzeigen, sozusagen: Schaut, der Apostel Paulus hat mir geschrieben. Und es war dann auch ein wichtiges Anliegen, dass er in diesem Brief also den anderen eine Anleitung geben, dem Timotheus eine Anleitung geben soll, wie er weiterhin die Gemeinden anleiten soll, also eine Anleitung zur Anleitung, eine Anleitung für Timotheus, was er weitergeben soll. Wie man sich verhalten soll im Hause Gottes.
Hier ein paar Verse dazu:
 1. Timotheus 1,3: So wie ich, als ich nach Makedonien zog, dich aufrief, in Ephesus zu bleiben, damit du einige anweisen möchtest, nicht anderes zu lehren. Es gab also Leute, die etwas anderes gelehrt haben, etwas Andersartiges gelehrt haben. Und jetzt ermutigt er ihn.
 1. Timotheus 1,18: Diese Anweisung vertraue ich dir an, Kind Timotheus, damit du in ihnen den guten Kampf kämpfen möchtest, Glauben haben möchtest und ein gutes Gewissen. Also Timotheus soll mit gutem Gewissen seine Arbeit tun vor Gott und vor den Menschen und dass er den Kampf kämpfen soll. Und es gab wirklich einen Kampf in dieser Zeit, wo so viel Falsches schon aufkommen wollte.
 1. Timotheus 3,15: Falls ich aber verziehe, damit du weißt, wie man sich verhalten soll, zu verhalten hat, im Hause Gottes, welches die Gemeinde des lebenden Gottes ist, Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit. Also Timotheus soll schauen, dass er wissen soll, wie man sich verhält im Hause Gottes. Was heißt das? In der Gemeinde, im Gemeindeleben, wie soll es zugehen, in den Versammlungen und außerhalb der Versammlungen. Deshalb dieser Brief.
 1. Timotheus 4,6: Wenn du dieses den Brüdern als Grundlage vorlegst, wirst du ein edler Diener Jesu Christi sein. Timotheus braucht Ermutigung, wir brauchen das auch, und jeder Christ darf den Timotheusbrief lesen, darf sich ermutigen lassen.
 1. Timotheus 4,11: Solches weise an und lehre, niemand verachte deine Jugend. Nun ja, ganz so jung war er nicht mehr, man kann schätzen, dass er schon über dreißig war, dreißig Jahre alt. Aber bei den Griechen zählt man bis zum vierzigsten Lebensjahr als junger Mann. Also ja, da war irgendwie die Scheide, wie wir auch sagen, Bifi und Uhu. Bis vierzig und unter hundert.
 1. Timotheus 6,20: O Timotheus, verwahre und wache über das Anvertraute, meide dabei das profane lehrige Rede und die Gegenaufstellungen der fälschlicherweise so genannten Gnosis, Kenntnis. Da gab es irgendwie eine Erkenntnislehre, vor allem von Judaisten, jüdischen Christen, die dann irgendwie das Judentum wieder aufleben lassen wollten.
Das war also Absicht und Zweck von diesem Brief. Der Kern des Briefes übrigens, der wichtigste Satz des Briefes, ist hier der letzte, der dritte: 1. Timotheus 3,15. Dort haben wir so den Kernsatz. Es ist ja immer gut, wenn man sich für einen Brief sucht, wo ist ein Satz, der den ganzen Brief zusammenfasst. Hier haben wir einen: 1. Timotheus 3,15. Was ich verziehe, damit du weißt, wie man sich zu verhalten hat im Hause Gottes, die Gemeinde des lebenden Gottes, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit. Das ist der Zentralsatz hier.

Timotheus als Person und Mitarbeiter

Ja, wer war Timotheus eigentlich? Vielleicht sollte ich ein paar Worte zu Timotheus selbst sagen. Er war ein Halbjude. Sein Vater war griechisch, also ein Heide. Seine Mutter war eine jüdische Christin. Auch die Grossmutter war gläubig, die Lois, oder sie wurde jedenfalls irgendwann gläubig. Später sagte er Paulus, dass er schon von klein auf die Heiligen Schriften kennt, durch die Mutter und durch die Grossmutter, durch Mutter Eunike und Grossmutter Lois.
Er kam aus Lystra, der Timotheus. Das wissen wir, weil es in der Apostelgeschichte heisst, in Apostelgeschichte 16,1-2: Paulus kam nach Derbe und nach Lystra, und siehe, ein Jünger war dort mit Namen Timotheus, der ein gutes Zeugnis hatte von den Brüdern in Lystra und in Ikonium. Paulus kommt zuerst nach Derbe, dann kommt er nach Lystra, und in Lystra war einer, der ein gutes Zeugnis von den Geschwistern in Lystra und in Ikonium hatte. Also war er offensichtlich aus Lystra, der Timotheus.
War er dort zum Glauben gekommen? Wir wissen nicht wann. Vielleicht war er schon bei der ersten Missionsreise des Paulus zum Glauben gekommen, also schon ein paar Jahre vorher. Vielleicht war er dort als junger Mann zum Glauben gekommen, vielleicht vierzehn Jahre alt oder so. Und dieser junge Mensch wurde dann ein Diener, ein treuer Diener Jesu Christi.
Hier sind auch ein paar Junge unter uns. Gebt euer Leben dem Herrn Jesus in jungen Jahren, mit aller Kraft, mit aller Kraft! Es gibt ein paar unter uns, die, als sie jung waren, für den Herrn gebrannt haben. Und jetzt merken sie, dass sie nicht mehr so viel Kraft haben wie früher. Wenn man jung ist, dann soll man nicht für die Welt leben, sondern für den Herrn. Dann soll man sich einsetzen. Das möchte ich euch so ans Herz legen. Gott kann dich so gebrauchen wie Timotheus.
Timotheus war irgendwie ein bisschen ein schüchterner Mensch. Er brauchte viel Ermutigung durch Paulus. Er war gut unterwiesen in der Schrift, eben schon von seinen Eltern und von der Grossmutter her. Der Vater war vielleicht nicht gläubig, aber trotzdem hat die Mutter etwas Gutes getan und ihn wirklich im Herrn und im Wort Gottes gefestigt. Schon als Jüdin, wahrscheinlich bevor sie Christin geworden ist, hat sie Timotheus vielleicht schon viel von der Bibel erzählt. Er wurde mit dem Wort Gottes gefüllt, von klein auf gefüllt. Und was wir heute brauchen, sind Leute, die mit der Bibel gefüllt werden. Ja, noch ein paar Gedanken zu Timotheus.
Er hat eine besondere Gnadengabe bekommen. Das lesen wir in 2. Timotheus 1,6. Da heisst es, dass Paulus ihm die Hände aufgelegt hat, und dann hat er eine Gnadengabe bekommen. Und er soll nun diese Gnadengabe anfachen. Eigentlich steht im Griechischen, dass er die Gnadengabe am Brennen halten soll. Das heisst, sie ist nicht erloschen, sondern er soll sie wieder zum Brennen bringen. Wie sagt man hier, wenn du ein Feuer hast und es ist am Ausgehen, nur noch ein bisschen Glut da, und du gehst hin und machst so? Wie sagt man im Deutschen hier? Fächeln, also anfachen tut man doch ein Feuer, nachdem es ausgelöscht ist, oder nicht? Dann durch Anzünden, also gut. Also dann soll er seine Gnadengaben fächeln, hineinblasen, damit es wieder brennt, hell brennt. Das ist dort gemeint.
Paulus hat ihm einmal die Hände aufgelegt, wahrscheinlich anlässlich eines Gebetes für ihn. Und der Herr hat ihm, als er gebetet hat, dem Timotheus eine Gnadengabe gegeben, eine besondere Gnadengabe. Wir wissen jetzt nicht, worauf sich das bezieht, aufs Lehren oder Evangelisieren oder was auch immer. Und es gab dann auch Prophezeiungen für Timotheus. Wer prophezeit hat, also die Ältesten in der Gemeinde dort wahrscheinlich, das heisst ja einmal in 1. Timotheus 1,18: Diese Anweisung vertraue ich dir an, Kind Timotheus, gemäss den vorhergegangenen Weissagungen über dich. Prophetien waren ausgesprochen worden über dem Timotheus. Vielleicht hat der Herr einem der Brüder gezeigt, dass der Herr Timotheus besonders gebrauchen möchte. Da erinnert der Apostel Paulus den Timotheus daran, damit er eben nicht müde wird.
Es ist so leicht, dass man müde wird im Reich des Herrn, vor allem wenn man es mit Leuten zu tun hat, die eine Mühe machen. Ja, Paulus schätzt ihn sehr. Paulus stellt ihm das beste Zeugnis aus. Im Philipperbrief heisst es einmal von ihm: Ich habe niemanden, der so ist wie Timotheus, sagt Paulus. Ich habe niemanden, der so gleichgesinnt ist wie er. Ich habe niemanden, der so denkt wie ich. Ich kenne niemanden anderen, der so denkt wie ich. Was meint Timotheus? Der denkt wie ich, und der empfindet wie ich, und der hat dieses Feuer wie ich. Das steht in Philipper 2,19-20: Ich habe niemanden, der so eingestellt wäre, der sich mit echter Sorge eurer Umstände annehmen wird. Sie alle suchen das Ihre, nicht das, was Christi Jesu ist. Aber ihr kennt, dass er bewährt ist. Ihr kennt den Timotheus, ihr Philipper, und ihr wisst, dass er ein bewährter Mann ist. Wie ein Kind dem Vater hat er zusammen mit mir Knechtsdienst geleistet für das Evangelium. Der hat gearbeitet wie ein Sklave mit mir zusammen für das Evangelium.
Zeugnis, und er tritt jetzt in die Fussstapfen des Apostels Paulus. Er tut die Arbeit, die Paulus getan hat.

Der historische Hintergrund und die Frage nach der Abfassungszeit

Wie machen wir es jetzt? Wie lange haben wir noch Zeit? Sollen wir Pause machen? Das war jetzt ziemlich viel auf einmal. Wie geht es euch? Einem geht es gut, wem geht es noch gut? Sollen wir gleich weitermachen, oder wollt ihr ein bisschen frische Luft schnappen? Weiter!
Hier noch kurz die Gliederung, bevor wir den Text lesen. Die Gliederung hier: Man kann den Brief in fünf grosse Abschnitte teilen, wenn man nun Gruss und Schluss nicht mitrechnet.
Das erste Kapitel: Da geht es um diesen Auftrag, diese Anweisung, die ich dir gebe. Dieser Auftrag – was ist das für ein Auftrag? Das ist ein Missionsauftrag. Oder man kann auch sagen: ein Verkündigungsauftrag, ein Evangeliumsauftrag. Um diesen Auftrag geht es. Das Wort Gottes muss verkündigt werden, und das legt er ihm ans Herz.
Dann sind da Kapitel zwei und Kapitel drei. Da geht es um Anweisungen, wie man sich in der Versammlung verhält und überhaupt in der Gemeinde. Einige Anweisungen für das Verhalten im Hause Gottes.
Und dann Kapitel vier: Das ist der dritte grosse Abschnitt. Dort geht es um Persönliches für ihn, für Timotheus, und darum, worauf er in seinem Verkündigungsdienst Acht geben soll.
Kapitel fünf: Da geht es um den Umgang mit verschiedenen Gruppen, älteren Männern, älteren Frauen und vor allem den Witwen. Was man da machen soll mit den Witwen, die nicht versorgt sind. Das ist sehr interessant. Wenn bei uns einmal das Pensionssystem zusammenbricht, dann sollte man das wieder sehr beachten.
Der letzte Teil, der fünfte grosse Teil, ist Kapitel sechs. Dort geht es um den Umgang mit geistlichen und materiellen Gütern. Ein sehr wichtiges Thema, für das wir leider diese Tage keine Zeit haben.
Gut, so weit. Dann machen wir da mal Schluss. Man kann den Präsentationskoffer abschalten, den Beamer.
Jetzt schauen wir uns den Text ein bisschen an.
Vers 1: Paulus, Apostel Jesu Christi nach ausdrücklichem Befehl Gottes, unseres Retters, und des Herrn Jesus Christus, unserer Hoffnung.
Timotheus, echtem Kind im Glauben. Also an Timotheus, ein echtes Kind von mir im Glauben. Paulus schreibt an ein echtes Kind von ihm. Möglicherweise war er der geistliche Vater. Also jedenfalls war er der geistliche Vater, nämlich indem er ihn gelehrt hat. Möglicherweise hat er ihn auch geboren oder gezeugt, wie man sagt. Das heisst, möglicherweise hat er ihn zu Christus geführt. Das ist nicht ganz sicher. Aber jedenfalls hat er ihn wie ein Vater aufgezogen, den Timotheus geistlich aufgezogen. Und so war Timotheus sein Kind, echtes Kind im Glauben.
Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, unserem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn. Er wünscht dem Timotheus Gnade und Barmherzigkeit und Friede.
Nun, wir kennen das von Paulus: Wenn er Briefe schreibt, wünscht er meistens am Anfang Gnade und Friede. Hier kommt noch etwas Drittes dazu: Gnade, Barmherzigkeit und Friede. Vielleicht deshalb, weil der Timotheus das braucht. Der muss erinnert werden: Gott ist ein erbarmender Gott, Timotheus, und du bist vielleicht ein schüchterner Mensch. Und du bist vielleicht ein Mensch, der es schwer hat. Aber denk an das Erbarmen Gottes. Und das ist reichlich vorhanden. Auch für dich ist dieses Erbarmen Gottes vorhanden.
Die Gnade ist auch da. Gnade heisst, dass Gott etwas schenkt. Er schenkt uns zuerst einmal Vergebung, und dann schenkt er uns jede erdenkliche Hilfe. Das ist Gnade.
Und dann Friede. Friede kommt vom Hebräischen Schalom. Schalom ist ja auch ein Gruss im Hebräischen, und Schalom heisst so viel wie Friede und Wohlergehen. Also er wünscht, dass es ihm wohlgeht, geistlich und körperlich natürlich auch. Schalom, also Gnade, Kraft, Hilfe von Gott wünscht er ihm. Die brauchen wir jeden Tag. Und Friede wünscht er ihm, das heisst Wohlergehen in jeder Hinsicht.
Und dann eben diese Barmherzigkeit. Barmherzigkeit von diesem Gott, der so ein erbarmender Gott ist. Und er wird dann noch erzählen, dass Gott sich seiner erbarmt hat, dass Gott sich über Paulus erbarmt hat. Und jetzt ist auch für den Timotheus genug Barmherzigkeit da.
Wisst ihr, das ist für mich schon ein grosser Trost, wenn ich am Morgen aufstehe und sage: Vater, danke, dass du ein barmherziger Gott bist. Man ist oft geneigt zu beten: Herr, erbarme dich. Das darf ich auch. Herr, erbarme dich. Dann denkt man an seine Unzulänglichkeiten und an sein Versagen, an das eigene Versagen und die eigenen Unzulänglichkeiten. Und dann denkt man daran, dass Gott ein barmherziger Gott ist. Er sagt: Schau, ich kann tief mitfühlen mit dir, und ich bin ganz da für dich. Das ist sehr trostreich.

Der erste Auftrag an Timotheus und die Gefahr falscher Lehre

Und dann geht der Vers weiter, Vers drei, oder der Satz geht weiter. Jetzt weiß ich nicht, wie das bei euch in euren Bibeln steht, aber wenn man jetzt ganz genau aus dem Griechischen übersetzen würde, dann müsste man eigentlich am Ende von Vers 2 ein Komma setzen und Vers 3 müsste klein beginnen. Ist das so bei euch?
Natürlich, ich verstehe das schon. Ich habe einiges übersetzt, und ich verstehe die Übersetzer. Die wollen das so einfach wie möglich machen. Die sagen: Na komm, ersparen wir den Leuten die langen Sätze. Und erst recht in der modernen Zeit wie heute, wo man sich an E-Mail und SMS gewöhnt hat, da kann keiner mehr einen langen Satz lesen.
Aber wir müssen trotzdem lange Sätze lesen, wenn wir genau studieren wollen. Und das wollen wir ja heute. Und da geht der Satz im Griechischen tatsächlich weiter. Man wundert sich: Wieso? Wie passt denn das zusammen: Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott und von Jesus Christus, so wie ich, als ich nach Mazedonien zog, dich aufrief, in Ephesus zu bleiben, damit du einige anweisen möchtest, nicht anders zu lehren oder nicht andersartiges zu lehren. Wie passt denn das zusammen?
Nun, das erste Wort von Vers 3 heißt so oder dementsprechend, wie oder demgemäß. Das heißt: Timotheus, du hast einen Auftrag. Als ich nach Mazedonien wegzog, habe ich dir einen Auftrag gegeben. Denkst du daran, was ich gesagt habe? Du sollst da bleiben, du sollst lehren und sollst aufpassen, dass nichts anderes gelehrt wird. Und dazu brauchst du Gnade und Friede und Barmherzigkeit. Und zwar wird das Dasein von Gnade, Barmherzigkeit und Friede in dem Maß da sein, in dem Maß du das brauchst, genauso wie ich dich aufgerufen habe, den Dienst dort zu tun in Ephesus. So wahr wird Gott mit seiner Gnade und Barmherzigkeit da sein.
Das heißt: Wenn Gott dir einen Dienst gibt, dann gibt er auch die Kraft dazu. Wenn Gott dir einen Dienst gibt, dann füllt er auch mit dir mit, auch wenn es schwierig ist. Versteht ihr? Dann gibt er genug Barmherzigkeit für dich. Zeigt dir, dass er ein barmherziger Gott ist, und er gibt dir seine Barmherzigkeit, sein Mitgefühl, und er fiebert mit dir mit in deinem Auftrag, den du bekommen hast.
Ja, und dann: Damit du einige anweisen möchtest, nicht anders zu lehren. Also, das ist jetzt dieser Auftrag. Er soll schauen, dass in Ephesus und auch in der Umgebung nichts anderes gelehrt wird. Er muss jetzt dazu schauen, dass keine Irrlehrer aufkommen.
Es gibt ja zwei Arten von Irrlehrern in der Gemeinde. Und bitte, er redet jetzt nicht von irgendwelchen Irrlehrern da draußen, von den Gurus und von den Esoterikern oder von irgendwem. Er redet jetzt von der Gemeinde Jesu. Und da achten wir oft zu wenig darauf, dass die Gemeinde Jesu von Irrlehren stark bedrängt wird, und zwar sind die drinnen, nicht draußen. Drinnen sind die, die Irrlehren bringen. Das sind Christen, die falsche Sachen verkündigen.
Es gibt zwei Arten von Irrlehren. Die einen, die verkündigen und reden nichts. Sie reden und sagen nichts, versteht ihr? Nichtssagende Reden. Du gehst leer weg. Und da gibt es andere, die verkündigen etwas Falsches. Also, das eine ist etwas Leeres, leeres Geschwätz. Vers 6, gehaltloses Wortemachen, habt ihr das gelesen? Vers 6: Von welchen Dingen etliche, da sie das Ziel verfehlten, sich abgewandt haben oder weggewendet wurden, zu nichtigem Wortemachen, zu gehaltlosem Geschwätz. Wo nichts ist, ist nichts dahinter. Man kommt hungrig, und man geht hungrig.
Und das Zweite ist: Da gibt es solche, die etwas Andersartiges oder etwas anderes lehrten, etwas anderes redeten, was nicht dem Muster, dem biblischen Muster, entspricht. Und das ist sehr wichtig, dass wir heute gesunde Lehre haben. Damals war es sehr wichtig, und er wird immer wieder aufgerufen, die gesunde Lehre zu bringen. Und das heißt Arbeit. Das heißt Arbeit: Ich muss die Bibel gut studieren, immer wieder neu schauen, was die Bibel sagt.
Warum gibt es so viele Irrlehrer in der Gemeinde Jesu? Man kennt es von Gott zu wenig gut. Man hat es zu wenig gut angeschaut, man liest zu wenig drin, man liest irgendwas im Internet und schnappt es auf und denkt sich: Super Gedanke. Und man bringt es in der Predigt. Man holt sich die Predigten irgendwo her, aber dieses echte Bibelstudium geht verloren, mehr und mehr. Je mehr wir andere Sachen lesen, desto weniger lesen wir die Bibel. Das geht verloren. Deshalb gibt es Irrlehren, falsche Lehren, weil man die Bibel nicht kennt.
Also, Vers 4: Also, dass du anweisen mögest, nicht anders zu lehren, noch auf Fabeln oder Legenden oder Märchen und unendliche Geschlechtsregister zu achten, sich diesen Dingen zu widmen, was mehr zu Infragestellungen und strittigen Untersuchungen beiträgt als zur Verwalterschaft Gottes.
Also, was soll gelehrt werden und was soll nicht gelehrt werden? Es soll das gelehrt werden, was Paulus gelehrt hat. Timotheus soll das lehren, was Paulus gelehrt hat, und er soll nichts anderes lehren. Nichts anderes. Das am Ende von Vers 3: nichts anderes zu lehren. Wir sollen das lehren, was die Bibel sagt, was die Apostel gesagt haben, was im Neuen Testament steht, im Alten Testament nichts anderes. Und zweitens: keine unbewiesenen Fakten, die keine Fakten sind. Keine unbewiesenen Sachen, keine Legenden und Märchen. Man schnappt irgendwo etwas auf, und dann wird es gleich verkündigt, oder? Aber es ist nicht bewiesen, dann sind das Legenden, oder? Fabeln.
Und man soll sich nicht mit Nebensächlichkeiten beschäftigen. Da waren es die Geschlechtsregister, Untersuchungen über Geschlechtsregister. Nun, uns interessieren die Geschlechtsregister heute nicht. Aber uns interessiert vielleicht etwas anderes. Und im Internet kannst du durchforsten nach allen möglichen Themen, und du kannst Stunden und Aberstunden von der kostbaren Freizeit, die du hast, verwenden, um dich mit nebensächlichen Sachen zu beschäftigen, statt mit der Bibel. Das ist eine Gefahr, Geschwister, und das ist hier eine Gefahr für die Christen in Ephesus. Wenn es damals schon eine Gefahr war, und die hatten nicht so viele Bücher wie wir, wie viel größer ist die Gefahr heute?
Ja, wohin führt das, wenn man sich mit Nebensächlichkeiten beschäftigt, mit unbewiesenen Sachen beschäftigt und sie lehrt oder etwas anderes lehrt, was die Apostel gelehrt haben, wohin führt das? Was sagt der Text? Wie steht es bei euch? Zu Streitfragen, spitzfindige Untersuchungen und und und und und wie heißt es bei mir? Strittige Untersuchungen und Infragestellungen. Man stellt dann plötzlich das Wort Gottes in Frage. Sollte Gott gesagt haben? Ist es wirklich so, was Paulus da mal sagt? Das ist doch eigentlich heute überholt, oder? Wir denken heute nicht mehr so, wir müssen das anders sehen heute, oder? Anders sehen, das kann man auch anders sehen. Die Frage ist: Was sagt der Text? Nicht, wie sieht man irgendwas, sondern was sagt der Text? Das ist entscheidend.
Ja, also möge der Herr uns behüten und auch bewahren und schützen und uns selber immer wieder daran nehmen, dass wir an der Wahrheit bleiben.
Da heißt es weiter, Vers 4: was zu Infragestellungen und spitzfindigen Untersuchungen beiträgt, mehr beiträgt als zur Verwalterschaft Gottes. Was heißt das nun wieder? All diese Dinge tragen also nur dazu bei, dass man streitet, anstatt dass man die Verwalterschaft Gottes ausübt. Und die muss man im Glauben ausüben. Was heißt das? Wir sind alle Verwalter Gottes.
Ein Verwalter ist ein, wie sagen wir heute im modernen Deutsch, ein Hausverwalter ist einer, der zum Haus schaut, oder? Botschafter, ja, vielleicht in einem gewissen Sinn, ja, in einem gewissen Sinn auch Botschafter, ja, stimmt. Er vertraut mir etwas an, und ich muss aufpassen, dass ich treu handle. Staatsverwalter, Treuhänder, ja.
Also, Gott gibt uns das Wort Gottes und sagt: So, und jetzt bist du dran. Jetzt handle nicht mehr ich, jetzt handelst du. Natürlich handelt er durch uns dann, klar. Aber er will, dass es durch uns weitergeht. Er will, dass das Wort Gottes durch uns rein bewahrt wird. Wir müssen es auch übersetzen, vom Griechischen ins Deutsche. Es ist schon einmal eine Sache, dass es gut übersetzt wird. Dann ist es die nächste, dass es wirklich gut verstanden wird, dass man schaut, was steht jetzt wirklich da und was sagt die ganze Bibel zu dem Thema, nicht nur einen Teil herausnehmen und den gleich verabsolutieren. Den muss man oft in einem Zusammenhang sehen. Es gibt manche Verse, da muss man Acht geben auf den Zusammenhang, sonst stimmt es mit den anderen Versen nicht mehr überein. Und das heißt Arbeit.
Und wir sind Verwalter, dass wir also das richtig dann weitergeben, richtig lehren. Und jeder, nicht nur die Prediger, jeder ist Verwalter Gottes. Übrigens, 1. Petrus steht im Kapitel 4: Wenn wir reden, dann sollen wir das, was wir reden, als Worte Gottes weitergeben. Das heißt, wir sollen Gottes Worte weitersagen und nicht etwas anderes. Und dann heißt es: als die mannigfaltigen Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes, oder? Was heißt das? Wenn Gott uns verwendet, dann wird anderen Gnade vermittelt. Du haushaltest etwas von Gottes Gnade. Wenn du nicht dienst, dann kriegen die anderen nicht die Gnade. Wenn du den Dienst tust, profitiert irgendwer davon und bekommt Gnade. Gnade heißt Kraft, Hilfe, Beistand in irgendeiner Weise. Er wird beschenkt durch Gott.
Wenn wir das nicht tun, wenn wir uns auf die faule Haut legen und sagen: Nein, ich lebe für mich, dann wird diese Gnade der Gemeinde fehlen, dieses Geschenk oder irgendeinem Menschen fehlen, für den der Herr dich und mich verwenden wollte. Das heißt, wir sind auch hier Verwalter der Gnade Gottes, Verwalter des Wortes Gottes, Verwalter der Lehre Gottes. Nicht die Engel verkündigen das Wort, sondern Menschen verkündigen es.
Als Cornelius offen war für das Wort Gottes, und Gott sieht das, was macht er? Er schickt nicht einen Engel, um ihm das Evangelium zu sagen. Er schickt einen Engel, um einen Boten zu holen. Er schickt einen Engel, der sagt dem Cornelius, er soll den Petrus holen. Der Engel hätte ihm doch auch das Evangelium erklären können. Aber Gott verwendet nicht die Engel, Gott verwendet den Petrus für den Cornelius, und so möchte er uns verwenden für die Heiden.
Und dann geht es weiter: Also, diese Verwalterschaft, die muss man im Glauben ausüben, heißt es bei euch auch so ähnlich? Welche im Glauben ist oder im Glauben wahrgenommen wird, die Verwalterschaft? Herr Nischek, Herr Bauer, im Glauben. Welcher? Der ganze Satz?
Also, und sich auch nicht mit Legenden und endlosem Geschwätz zu beschäftigen. Das könnte sein, dass es mit einer griechischen gewissen Handschrift zu tun hat, sonst kann ich mir das nicht vorstellen, wie die auf so eine Übersetzung kommen. Es gibt ja manchmal ein paar abweichende Handschriften, und dann kommt man auf so eine Übersetzung. Dann sollte es nicht sein, weil die müsste eigentlich die gleiche Grundlage haben wie die, die ich jetzt vor mir liegen habe. Ja, dann ist es eigenartig. Vielleicht hat der Übersetzer sich da gedacht, er muss hier etwas hinzufügen.
Aber egal, das Wort hier heißt einfach: die Verwalterschaft Gottes, die im Glauben ist oder die im Glauben geschieht. Heißt das bei euch so? Wahrgenommen wird in Klammer oder dient in Klammer, geschieht in Klammer, ja. Das heißt: die Verwalterschaft Gottes, die im Glauben geschieht. Die muss ich ausüben. Ich bin Gottesverwalter, jeder von uns ist Gottesverwalter, und wir müssen das im Glauben tun. Wir müssen schauen, dass wir, was wir tun, in Verbindung mit Gott tun, in der Vertrauensverbindung mit Gott, so dass er uns helfen kann und dass wir auch ermutigt werden, das weiterzutun.
Wenn wir nicht vertrauen auf den Herrn, könnten wir sehr schnell entmutigt werden. Wollte jemand was sagen? Im Glauben Vertrauen, dass Gott das Seine tut, während ich verkündige. Manchmal denkt man: Bringt es überhaupt etwas? Bringt es überhaupt etwas, jetzt da noch das Wort Gottes mit dem jetzt zu lesen oder dem das Wort Gottes zu bringen oder einem Nichtchristen das Wort Gottes zu bringen? Bringt es etwas? Vertrau auf den Heiligen Geist, vertrau auf den Herrn, dass er es tut, dass er etwas wirkt. Wir haben zu gehorchen. Man soll nicht Angst haben, die Leute würden das dann irgendwie nicht annehmen wollen, im Vertrauen auf den Herrn.
Das bedeutet also, dass wir treu sind im Lehren, dass wir den ganzen Ratschluss Gottes lehren, dass wir die richtige Betonung haben, bitte, nicht so Lieblingslehren und nur immer wieder die Lieblingslehre. Das bedeutet, dass wir die ganze Schrift verkündigen. Spurgeon hat mal gesagt: Predigt durch die ganze Bibel. Das ist wie die Vitamine. Du brauchst manche Vitamine im Sinne mancher Nahrungsmittel, die du sonst nicht bekommen würdest, Eisen oder sonst irgendwas. Wenn man gewisse einseitige Ernährung hat, dann fehlt einem das.
Nicht auf Nebenfragen herumreiten. Die wichtigen Dinge müssen die wichtigen Dinge bleiben. Es dürfen nicht unwichtige Dinge zu Wichtigem erhoben werden. Man muss schauen, was ist denn in der Schrift das Wichtigste. Das muss auch in der Verkündigung das Wichtigste bleiben. Nicht neue Offenbarungen, natürlich. Wir bringen nur die alten Offenbarungen, die von Gott, keine neuen, und nicht irgendwelche Spitzfindigkeiten.
Und dann muss ich lehren, wo der Herr mir die Gelegenheit gibt, in der Familie und überall, wo der Herr die Tür öffnet. Übrigens, das ist ein ganz guter Ratschlag, den ich mal bekommen habe. Ein Bruder hat mir gesagt: Weißt du was, verkündige dort, wo der Herr die Tür auftut. Es ist eigentlich sehr einfach, dieser Rat, aber man vergisst es. Man meint, man müsse irgendwo geschlossene Türen einrennen. Wenn die Tür zu ist, dann ist die Tür zu, und dann habe ich jetzt keine Möglichkeit. Dann muss ich sagen: Okay, dann kann ich nur jetzt beten und warten. Schaue ich mal, wo ist denn die Tür offen, und dort kann ich verkündigen.

Das eigentliche Ziel der Unterweisung

Vers 5: Das Ziel – was ist das Ziel der Lehre, was ist das Ziel der Anweisung? Timotheus erhält von Paulus eine Anweisung. Diese Anweisung lautet: Verkündige das Wort Gottes, achte darauf, dass keine falschen Lehren verkündigt werden, und so weiter. Zu welchem Ziel denn? Was ist das Ziel der Verkündigung? Was ist das Ziel dafür, dass man darauf achtet, dass keine Irrlehren da sind? 1. Timotheus 1,5.
Das Ziel der Anweisung, Luther hat wohl gesagt: das Ziel des Gebotes. Das Ziel dieser Anweisung, dieses Gebotes von Paulus an Timotheus, ist Liebe. Jetzt wissen wir, was das Wichtigste ist. Das Wichtigste ist, dass die Liebe gefördert wird, die Liebe in zwei Richtungen natürlich: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten.
Was ist das Wichtigste im Gesetz? Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Was ist das Wichtigste im Evangelium, heute in der Verkündigung? Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Wobei die Liebe zum Nächsten aus der Liebe zu Gott herausfließt. Man kann nicht sagen: Ich liebe Gott und ...