Serie•Teil 9 / 17Gebet in der Bibel
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Der Übergang zur Frage des Gebets
Heute Morgen kommen wir zu Römer 3. Ich möchte noch ein wenig bei Römer 2 verweilen und einige Beispiele anschauen. Aber ich denke, wir sollen jetzt weitermachen und schauen, ob wir später noch auf das eine oder andere eingehen können.
Also Römer 3: die Notwendigkeit des Betens für Diener Gottes. Die Notwendigkeit.
Der Herr hat die Jünger nie gelehrt, wie sie predigen sollen, aber er hat sie gelehrt, wie sie beten sollen. Wiederholt hat er sie gelehrt, wie sie beten sollen. Das zeigt die Priorität davon.
Ja, ich habe da einen anderen Titel. Dann ist es egal. Ach so, ich habe da 27. Dezember stehen. 27. September steht da drauf. Schlagen Sie mal Johannes 4,23-24 auf.
Der Herr lehrte also die Jünger zu beten: die Notwendigkeit des Betens für Diener Gottes. Ich habe hier, das ist das Einzige, was hier noch wichtig ist von der alten Gliederung: A, Gottes Seite. Warum ist es von Gottes Seite her notwendig, dass Diener Gottes beten? Und dann B, unsere Seite, die Menschenseite.
Also erstens, hier, also A1: Warum ist es nötig, von Gottes Seite her, dass wir, seine Diener, beten? Es geht hier besonders bei Dienern, es geht hier vor allem um Verkündiger, das muss ich hier dazu sagen. Wir haben ja hier ein Predigerseminar, und es geht uns um den Dienst der Verkündigung. Natürlich ist jeder Christ ein Diener, und in einem gewissen begrenzten Sinn ist jeder Christ auch ein Verkündiger des Wortes Gottes. Aber es gibt solche, die vermehrt diese Aufgabe haben. Es gibt Lehrer im Reich Gottes, und um die geht es hier besonders.
Also, warum ist es von Gottes Seite her so notwendig, dass seine Diener beten?
Erstens, weil Gott es würdig ist, angebetet zu werden. Gott ist es würdig, dass man ihn sucht, dass man ihn aufsucht. Gott ist Geist, und er sucht solche, die ihn im Geist und in Wahrheit anbeten. Anbeten ist der Weg, wie Gott geehrt wird. Wir haben ja in Johannes 3 und 4 zweimal ein Muss. In Johannes 3: Der Mensch muss, ihr müsst von neuem geboren werden. Weil der Mensch Fleisch ist, muss er von neuem geboren werden. Und in Johannes 4: Weil Gott Geist ist, muss Gott im Geist angebetet werden.
Zweitens, weil Gott Menschen nur so gebrauchen kann. Und vor allem Verkündiger: Wir können nur in Abhängigkeit von Gott seine Mitarbeiter sein. Wir sind so geschaffen und beschaffen: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Gott sucht ja Menschen, denen er sich offenbaren kann. Gott sucht Menschen, die ihm hingegeben sind. Gott sucht solche. In 2. Chronika 16,9 lesen wir: Die Augen Jahwes durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist, ganz auf ihn ausgerichtet ist. Das braucht es beim Verkündiger umso mehr. 2. Chronika 16,9.
Gott sucht solche, mit denen er eine vertraute Beziehung aufbauen kann, und Verkündiger umso mehr. Psalm 25,14: Der vertraute Umgang des Herrn ist für die, die ihn fürchten. Psalm 25,14. Oder auch in Sprüche 3,32: Der Abwegige ist dem Herrn ein Gräuel, aber sein vertrauter Umgang ist mit den Aufrichtigen. Sprüche 3,32.
Also will Gott seine Mitarbeiter an sich ziehen, und nur so kann er sie gebrauchen.
Drittens, weil Gott die Seinen nur so mit seiner Freude füllen kann. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei. Das geht vor allem für diese Zwölf oder Elf, die da waren, und für Verkündiger, für Lehrer. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude eine völlige sei. Johannes 16,24. In Epheser 3,19 heißt es, damit ihr gefüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes. Das ist das Anliegen von Paulus, er betet für die Epheser. Epheser 3,19.
Also von Gottes Seite her.
Und B, des Dieners Seite, also warum ist das Beten für Verkündiger so notwendig? Da habe ich hier sechs oder sieben Punkte, sechs Punkte.
Erstens, weil die Verantwortung der Verkündiger so groß ist. In der Gemeinde liegt die größte Verantwortung des Betens beim Verkündiger. Wir haben gelesen in Apostelgeschichte 6,4: Die Apostel haben es verstanden, sie haben gesagt: Wir delegieren Dinge ab, wir aber werden beharrlich im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben. Apostelgeschichte 6,4. Das Ergebnis war, dass das Wort Gottes wuchs, die Zahl der Jünger in Jerusalem vermehrte sich sehr.
Männer an sich tragen schon eine große Verantwortung in der Gemeindeversammlung. Männer sollen beten, heißt es. Umso mehr die Lehrer. Jetzt hier geht es im 1. Timotheus um das öffentliche Gebet, aber wir sprechen vom Gebet allgemein. Der Verkündiger muss ein Beter sein, und der Verkündiger braucht Beter, die hinter ihm stehen. Wenn Sie also einen Predigtdienst haben, dann schauen Sie, dass Sie Beter haben, die für Sie regelmäßig beten. Ich bin so ermutigt worden durch eine Schwester, als sie sagte: Ich bete jeden Tag für dich. Das ist so eine Ermutigung für einen Lehrer, zu wissen, es sind Beter hinter uns.
Zweitens, das war erstens, weil die Verantwortung der Verkündiger so groß ist. Zweitens, weil vor allem Verkündiger auch Führung und Erleuchtung durch den Heiligen Geist angewiesen sind. Der Lehrer ringt und hat zu ringen um die Wahrheit. Er steht nicht alleine. Wir sind ja viele in der Gemeinde Jesu. Und der Herr hat viel Licht gegeben, und es ist gut, dass wir auch auf andere zurückgreifen und greifen dürfen. Und dennoch sollten wir nicht stehen bleiben bei anderen, sondern immer wieder hingehen und Gottes Wort untersuchen.
Ich selber hatte großes Ringen in Römer Kapitel 11, und ich musste in einigen Punkten ein bisschen meine bisherige Auffassung ändern, weil der Text nicht sagte, was ich meinte, dass er sagt. Und das war für mich schwer. Für uns alle ist es schwer umzudenken, wenn die Bibel es anders sagt. Deshalb sind wir umso mehr auf das Gebet angewiesen, und nur durch Gebet können wir von Gott her Licht und Leitung durch den Geist bekommen. Wir müssen ihn dafür bitten.
Also alle unsere Bibelkenntnis, Begabung und Didaktik und Methodik und Informationen – das ist gut. Aber letztlich sind wir immer wieder auf Licht von oben angewiesen. Der Herr möge uns helfen, auch demütig zu bleiben. Das braucht übrigens auch Gebet, immer wieder auch Beten für Demut.
Das dritte: weil wir bettelarm sind und das Beten für uns der einzige Weg ist, etwas zu empfangen in dieser Sache. Wir sind bettelarm. Matthäus 5,3: Selig die Armen im Geist. Wir kommen als Bettler. Selig die, die bettelarm sind, innerlich gesehen, geistlich gesehen, die um ihre Abhängigkeit wissen.
In Gibeon erschien der Herr dem Salomo in einem Traum, in 1. Könige 3,5, und Gott sagte: Bitte, was ich dir geben soll. Das war der Weg, wie Salomo empfangen soll: Bitte, was ich dir geben soll. Und Gott sagt es uns auch: Bitte, was ich dir geben soll. Gott steht da und sagt: Bitte, du bist ein Lehrer, du bist ein Prediger. Bitte, was ich dir geben soll. 1. Könige 3,5; Matthäus 7,7: Bittet, so werdet ihr empfangen.
Also Gott hat sein Geben und Wirken abhängig gemacht von unseren Bitten. Letztlich ist es immer ein Bitten. Einer der Brüder, Peter, ich glaube, ich habe ein Buch gezeigt: Bitten und Empfangen von Rice, wo er zeigt, es geht letztlich immer ums Bitten. Wir sind Bettler, und wir haben Empfangen von Gott. Bittet, so werdet ihr empfangen.
Also Gott hat sein Geben, sein Wirken abhängig gemacht von unseren Bitten. Er gibt uns Zusagen, Verheißungen, aber er will, dass wir bitten, dass er sie erfüllt. Und ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet, Jakobus 4,2. Deshalb ist es so notwendig, dass wir bitten. Das ist gut für uns, dann sind wir uns auch bewusst dessen, dass wir Bettler sind, dass wir nichts in uns selber haben. Die Gemeinde meinte, sie haben alles und sie sind wunderbar unterwegs. Sie kommen nicht so gut weg in Offenbarung 3, in Laodizea.
Viertens, weil das Werk des Herrn nur so fortgeführt werden kann. Darüber haben wir gestern gesprochen, weil das Herrn Werk nur so fortgeführt werden kann. Johannes 14,12-14; 15,7. Christus hat sein Werk in die Hände der Jünger gelegt, und er hat gesagt: Ich gehe zum Vater, ich gehe jetzt. Und ihr, was macht ihr? Ihr glaubt an mich, und wer an mich glaubt, der die Werke auch tut, die ich tue. Und ihr werdet bitten, und ich werde handeln, aber es wird durch euch geschehen. Ihr werdet bitten, und ich wirke durch euch hindurch. Das war Johannes 14,12-14. Ohne mich könnt ihr nichts tun, Johannes 15,5. Wenn ihr in mir bleibt, meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Johannes 15,7.
Wir sind Gottes Mitarbeiter. Also das Fortdauern und die Ausbreitung seines Werkes legt der Herr in die Hände der Jünger, und die Jünger sind jetzt wir. Und vor allem Verkündiger, denn der Verkündigungsdienst gehört zu den wichtigsten Diensten neben dem Gebet. Gott hat den Weg der Verkündigung und des Gebetes so bestimmt, dass es über diesen Weg läuft. Wir dürfen das nicht einseitig tun, nur verkündigen. Wir müssen beten und verkündigen.
Und fünftens, weil wir besonders unter Beschuss stehen. Warum müssen wir als Verkündiger besonders beten? Weil wir besonders unter Feindesbeschuss stehen. Epheser 6,10-20 und 1. Petrus 5,8. 1. Petrus 5,8: Seid nüchtern und wacht, weil euer Widersacher, der Teufel, wie ein brüllender Löwe umhergeht und jemanden sucht, den er verschlingen kann. Dem widersteht fest durch den Glauben, wissend, dass dasselbe Leiden eurer Bruderschaft in der Welt auferlegt ist.
Sagt er: Werdet innerlich gekräftigt in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke, zieht an die volle Rüstung Gottes, damit ihr gegen die listigen Vorgehensweisen des Teufels bestehen könnt oder stehen könnt eigentlich, weil bei uns der Kampf nicht gegen Blut und Fleisch ist, sondern gegen die Erstrangigen, gegen die Autoritäten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Wesen der Bosheit in den himmlischen Bereichen. Nehmt deshalb die volle Rüstung Gottes auf, und dann wird die aufgezählt. Und dazu gehört: Betet dabei zu allen Zeiten im Geist mit allem Gebet und Flehen und seid zu diesem selben Zweck wachsam mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und auch für mich, damit mir beim Auftun meines Mundes das Wort gegeben werde, mit Freimütigkeit bekannt zu machen das Geheimnis, die gute Botschaft.
Und wenn Paulus dafür beten lässt, dann dürfen wir auch dafür beten lassen, selber beten und beten lassen. Bitten, dafür zu beten, dass mir beim Auftun meines Mundes das Wort gegeben werde. Paulus weiß, was das heißt: einerseits vorbereitet zu sein, aber dann dennoch beim Auftun des Mundes muss der Herr uns dennoch das Wort geben. Wir sind abhängig von ihm. Wir können es nicht mal auf unsere gute Vorbereitung verlassen. Auch da brauchen wir noch, trotz guter Vorbereitung, brauchen wir noch, dass der Herr uns Freimütigkeit gibt beim Auftun des Mundes oder das Wort gibt beim Auftun des Mundes und dann mit Freimütigkeit zu sprechen.
Es sind also zwei Dinge: Das Wort brauchen wir, und die Freimütigkeit brauchen wir beim Sprechen. Auch wenn wir vorbereitet sind, brauchen wir das Wort, das Gott uns gibt. Manche Dinge sagen wir, die wir gar nicht vorhatten zu sagen, aber der Herr möchte, dass sie gesagt werden, und wir sind abhängig von ihm. Manche Dinge haben wir vorbereitet und die sollen wir gar nicht sagen. Und der Feind zielt in ganz besonderem Maße auf Verkündiger und auf Lehrer des Wortes Gottes. Deshalb brauchen wir das Gebet so dringend.
Der Feind selber will uns vom Beten abhalten, weil er weiß, dass er nichts tun kann, wenn gebetet wird. Der Feind wirkt im Finsteren, wenn gebetet wird, stehen wir im Licht. Ein betender Christ ist dem Feind ein Dorn im Auge, und er hasst es, wenn wir im Gebet unsere Demut ausdrücken vor Gott, unsere Abhängigkeit ausdrücken. Der Feind weiß, welcher große Einfluss von Menschen ausgeht, die beten. Deshalb wird er die feurigen Pfeile da in diese Richtung schicken und schießen. Dem widersteht fest im Glauben, dem widersteht als solche, die fest sind durch Glauben.
Oft gibt es beim Beten Ablenkungen, oder? Man betet und man wird abgelenkt von allen möglichen Gedanken, was man noch tun sollte. Dann legen wir einfach ein Blatt, ein kleines Notizblatt und einen Bleistift dazu, dann notiert das schnell und legt es wieder auf die Seite, dann ist das weg, der Gedanke. Dann kann man wieder beten.
Sechster Punkt ist: Warum ist es so notwendig? Weil Beten den Beter verändert. Weil Beten den Beter verändert. Und gerade als Verkündiger haben wir das mehr denn je nötig. Wenn er allein schon, wenn er zur Kanzel ging, dann haben Leute angefangen zu weinen, weil er so etwas aufstrahlte, weil er die Begegnung ergründet hat. Ja, ja, das haben manche erlebt. Moses Haut hat geglänzt, als er aus der Gegenwart Gottes kam. Von Jonathan Edwards sagt man, als er diese bekannte Predigt hielt, die in die Geschichte eingegangen ist: Der Sünder in den Händen eines zornigen Gottes, hat er sieben Tage vorher gebetet. Als er zur Kanzel ging und als er dann sprach, hat er dann gepredigt, und die Leute sind, die Ältesten der Gemeinde, sind zusammengebrochen über Sünden und andere.
Das sind jetzt besondere Zeiten, es ist nicht jedes Mal so gewesen, bei ihm und auch nicht bei anderen. Aber ich sage, es gibt als Beispiel, es war ja auch so bei den Israeliten da unter Esra, die haben geweint und die haben gezittert unter dem Wort Gottes, nicht nur wegen dem Regen und wegen der Kälte, auch wegen dem Wort Gottes. Ich glaube, Sie sind in Esra 9, oder? Jedenfalls, das gibt es, solche Zeiten besonderer Ehrfurcht, die über Menschen kommen. Wir können das nicht machen.
Bitte, ah Entschuldigung, ich bin zu schnell und zu leise, ja Entschuldigung! Also Beten verändert den Beter. 2. Mose 34,29: Mose wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts strahlte. 2. Mose 34,29. Dass sie jetzt äußerlich gesehen, aber auch innerlich gesehen, wir werden verändert. 2. Korinther 3,18: Mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden wir verwandelt in dasselbe Bild von dem Herrn, dem Geist. 2. Korinther 3,18.
Das bringt uns zu C. Oder sind dazu Fragen? Ich denke, es ist recht klar, diese Sachen.
C: Ein Beispiel eines Beters. Ich habe ihm hier besonders aufgespart: Epaphras, ein leuchtendes Beispiel eines Beters. Kolosser 4,12. Hier als kleiner Exkurs, aber es gehört dazu. Denn Epaphras war ein Verkündiger, so wie es aussieht. Jedenfalls war er ein wichtiger Mann in Kolosse, möglicherweise war er sogar der Mann, durch den viele von Kolosse zum Glauben gekommen sind. Kolosser 4,12: Wir lesen: Es grüßt euch Epaphras, der einer von euch ist, ein leibeigener Knecht Christi, der allezeit für euch in Gebeten ringt, damit ihr steht als Reife und Vervollständigte in allem Willen Gottes. Denn ich gebe ihm das Zeugnis, dass er viel Eifer für euch hat und für die in Laodikea und die in Hierapolis. Es grüßen euch Lukas und so weiter.
Sein Charakter zuerst. Erstens sein Charakter: Dieser Epaphras, von ihm heißt es, er ist ein treuer Diener, Kolosser 1,7, ein treuer Diener. Er kam wohl damals in Verbindung mit Paulus, als Paulus zwei bis drei Jahre in Ephesus war. Von dort aus ging dann die Botschaft hinaus in das Hinterland, Kolosse und Hierapolis, Laodikea und diese Städte dort. Und er wird wahrscheinlich dort hingegangen sein und, wie es aussieht, wird er dort evangelisiert haben. Jedenfalls hat er dort eine große Verantwortung bekommen, er hat ein großes Anliegen bekommen für die Kolosser.
Ein Knecht Christi heißt er hier auch, ein treuer Diener, Kolosser 1,7; Kolosser 4,12, ein Knecht Christi. Und das griechische Wort heißt ein Leibeigener, ein Doulos, ein Sklave, würden wir sagen. Ein Leibeigener, so hat er sich verstanden, im Besitz also seines Herrn, völlig abhängig von seinem Herrn.
Zweitens seine Beziehung zu Christus. In Kolosser 1,7 war er treu. Treu war er zu Christus, das war also eins, was seine Beziehung zu Christus prägte: treu. Dieses Prädikat, diese Eigenschaft bekommt er, diese Bezeichnung bekommt er: treu. Und er war mit Paulus ein Mitgefangener in Christus. Also er war mit Paulus gewesen, und er war in Christus ein Mitgefangener. Das zeigt, dass er ein hingegebener Mensch war, der Christus hingegeben war. Der bereit war, sogar eine Zeit lang mit Paulus ins Gefängnis zu gehen. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht um mit Paulus Zeit zu verbringen, freiwillig oder unfreiwillig, das wird hier nicht gesagt. Aber eine Zeit lang war er ein Mitgefangener mit Paulus in Christus und für Christus natürlich daher auch.
Er hatte eine lange Reise unternommen nach Rom. Paulus war nicht zu jener Zeit in Rom gewesen, und Epaphras hatte einen Bericht von der Situation in Kolosse, den Paulus überbracht, hat ihm erzählt von Kolosse. Es gab Probleme in Kolosse, große Probleme, lehrmäßige Probleme, deshalb auch der Kolosserbrief. Möglicherweise war Epaphras auch froh, wenn er mit Paulus zusammentreffen konnte, um Hilfe zu bekommen für diese Situation: Wie gehe ich um? Paulus sollte einen Brief schreiben. Vielleicht war sogar Epaphras derjenige, der Paulus motiviert hat, er möge einen Brief ihm mitgeben oder mir schreiben. Den Brief hat er dann Tychikus überbracht, Epaphras blieb noch in Rom längere Zeit. Tychikus wurde geschickt nach Kolosse mit dem Brief, und da wurde eben auch Epaphras erwähnt. Und so war also der Brief eine Frucht dieser Sorge des Epaphras. Also seien wir dankbar für Epaphras, denn sonst hätten wir vielleicht den Kolosserbrief gar nicht.
Kapitel 2 in Kolosse heißt es, dass Paulus sagt: Ich will, dass ihr wisst, welch großes Ringen ich um euch habe und die in Laodikea. Warum hat er so ein großes Ringen, warum ist er so in Sorge, der Paulus? Weil er erfahren hat, was los ist in Kolosse und in Laodikea. Kolosser 2,1 steht es, wo Paulus spricht, er ringt um sie. Und Epaphras nahm teil an diesem Ringen für die Kolosser. Und es war ein Kampf, denn es war, die Irrlehrer sind etwas sehr Gefährliches, wenn Irrlehrer in eine Gemeinde kommen.
Also möglicherweise blieb der Epaphras noch eine Weile bei Paulus, und da wird er ein Mitgefangener genannt in Philemon 23. Philemon 23, das ist ja auch der Parallelbrief vom Kolosserbrief, da wird also Epaphras ein Mitgefangener des Paulus genannt. Das heißt, wir können annehmen, dass er eine Zeit lang bewusst ins Gefängnis ging, um Zeit dort mit Paulus zu verbringen. Paulus war ja in leichter Haft, das heißt, er durfte Besuch empfangen. Und der blieb dann eine Zeit lang im Gefängnis, und dann war er ein Mitgefangener. Aristarchus übrigens auch. Aristarchus wird in Kolosser 4,10 erwähnt als Mitgefangener. Kolosser 4,10: Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener. Das griechische Wort heißt eigentlich ein Mitgefangener. Kriegsgefangener, das ist ein geistlicher Krieg hier natürlich, aber hier ist bezogen auf das Gefängnis des Paulus.
Aristarchus, mein Mitgefangener. Aber im Philemonbrief wird nichts gesagt von Aristarchus als Mitgefangener. Im Philemon heißt es, Epaphras ist mein Mitgefangener. Das heißt, die haben sich abgewechselt wahrscheinlich. Denn Philemonbrief und Kolosserbrief sind Parallelbriefe, die wurden zur gleichen Zeit geschrieben und abgeschickt, oder fast zur gleichen Zeit geschrieben, aber zur gleichen Zeit abgeschickt. Und das heißt: Wenn in Philemon 23 Epaphras Mitgefangener genannt wird, aber Aristarchus nicht, nur Aristarchus wird in Vers 24 erwähnt, und in Kolosser 4,10 wird Aristarchus der Mitgefangene genannt und Epaphras nicht, dann heißt es: Einmal war der und einmal war der Mitgefangener. Dann haben sie sich abgewechselt, um Zeit mit Paulus zu verbringen. Das dürfen wir hier, das liegt fast auf der Hand. Wir können das nicht hundertprozentig beweisen, aber die Tatsache, dass im Philemonbrief der eine Mitgefangene ist und im Kolosserbrief der andere und jeweils der andere nicht so betitelt wird, das deutet darauf hin.
So war also Epaphras hingegeben und wollte unbedingt diese Zeit mit Paulus verbringen. Und Paulus gibt seine Wertschätzung für diesen Epaphras zum Ausdruck, und er möchte, dass die Kolosser das wissen. Er möchte dem Epaphras auf diese Weise den Rücken stärken und ihm seine Autorität erhöhen, indem er im Brief den Epaphras erwähnt, so positiv erwähnt. Es ist ein gutes Mittel, um jemanden einerseits zu ermutigen und andererseits ihm auch ein entsprechendes Gewicht zu geben in seiner Gemeinde.
Dann sein Gebetseinsatz, drittens: sein Gebetseinsatz. Interessant, er war ja nicht fähig oder er achtete sich nicht als autoritativ genug, einen Brief zu schreiben an die Kolosser beziehungsweise sie selber dort aufzutreten. Aber wenn Paulus einen Brief schreibt, da gibt es ein ganz anderes Gewicht. Wenn der Apostel, der wirklich anerkannt war, wenn der jetzt einen Brief schreibt gegen die Irrlehre in Kolosse, dann wird das ganz anders sein. Aber was er tut, ist: Er betet. Er betet, und Paulus schreibt den Brief. Der hat sich eingesetzt: Herr, hilf dem Paulus jetzt, wenn er den Brief schreibt. Herr, hilf den Kolossern, hilf, dass dieser Irrlehre begegnet werden kann. Der ringt in den Gebeten, der ringt, dass die Gläubigen zugerüstet werden können und gegen diese Irrlehre bestehen können. Paulus schreibt den Brief, Petrus natürlich auch, und die Frucht ist, dass wir jetzt diesen Brief haben.
Thomas Griffiths schreibt: Vieles steht außerhalb der Möglichkeiten und der Kräfte von Christen. Aber was jeder Christ tun kann, auch wenn er noch so gering und unbedeutend ist: Er kann beten. Und wie Gebet die Hand dessen bewegt, der die Welt bewegt, so ist wohl die größte Macht, die wir einsetzen können, diejenige, die durch das treue Gebet in Kraft gesetzt wird. Gebet bewegt die Hand dessen, der die Welt bewegt.
Also sein Gebetseinsatz, das war drittens.
Viertens, wie betet er? Sein Beten: Der allezeit für euch in Gebeten ringt. Hier haben wir drei Dinge: allezeit, für euch und ringt. Allezeit: nicht gelegentlich, wann er Lust und Laune hatte. Das war ihm ein beständiges Anliegen, allezeit in dieser Zeit, als er dort war, bei Paulus. Allezeit für euch, also ganz konkret. Da war er sich dieser Gefahr bewusst, in der die Kolossergemeinde und auch die Laodizeergemeinde schwebten. Und er ringt, das heißt intensiv beten. Nicht: er spricht manchmal ein Gebet, nein, er ringt im Gebet. Das kostet ihn etwas. Hier ist das Bild aus der Athletik, aus der Arena, das Bild für Anstrengung. Ich habe schon gesagt: agonizomai, intensives, ernsthaftes Gebet. Und es wird als Kampf verstanden, nicht als Kampf gegen Gott, sondern als Kampf gegen die bösen Mächte, die die Kolossergemeinde zerstören möchten.
Fünftens, das Ziel seines Betens. Wofür oder wohin also, in welche Richtung betet er? Damit ihr steht als Reife und Vervollständigte in allem Willen Gottes. Das war das Ziel, nicht der Inhalt, sondern das Ziel. Er betet, damit das erreicht wird, dass die Kolosser reif werden und vollständig in allem Willen Gottes vervollständigt. Vollkommen, sagt Elberfeld. Das heißt hier also reif, fertig, zugerüstet, damit ihr steht. Damit ihr steht: Stabilität, feststehen, nicht von jedem Wind hin und her wehen lassen, dort in Kolosse. Also eine ausgewogene, gesunde Entwicklung ihres Charakters und in der Lehre, geistlich reif, die im Wort Gottes gegründet sind, das war sein Anliegen. Und hier kann man viel lernen, auch für unser eigenes Gebet.
Als Reife und Vervollständigte: Alles, was mangelt, soll aufgefüllt werden. Reif heißt erwachsen. Mancher übersetzt hier mit vollkommen. Reif ist aber nicht nur vollkommen, reif ist hier im Zusammenhang von erwachsen. Also, wie wir das Wort verwenden: Reif ist ein Gläubiger dann, wenn er das Ziel, das geistliche Ziel für sein Leben erreicht, nämlich Gott zu dienen und feststehend. Reif wird man durch Bleiben in Christus.
Also Epaphras hier betet in dieser Richtung, damit ihr reife und vervollständigte seid in allem Willen Gottes. Das Ziel ist immer der Wille Gottes. Der Wille Gottes soll geschehen. Wir sollen gefügig werden, nur noch den Willen Gottes zu tun. Eine andere Übersetzung sagt: völlig versichert in allem Willen Gottes. Also die falsche Lehre hat sie in Verwirrung gebracht, und jetzt sollen sie sicher werden in allem Willen Gottes. Sie sollen von Zweifeln befreit werden und nicht mehr aufgewühlt sein, sondern klar darüber sein, was Gottes Wille ist, und auch in diesem Gotteswillen wandeln. Man sieht hier: sehr konkret betet er.
Und sechstens, das Zeugnis des Apostels über sein Beten in Vers 13. Also was bezeugt der Apostel über sein Beten? Vers 13: Denn ich gebe ihm Zeugnis, dass er viel Eifer hat für euch und für die in Laodikea und in Hierapolis. Paulus war beeindruckt von seinem Eifer, von seinem Gebetseifer. Paulus selber war ein Beter, aber er war beeindruckt von seinen Gebeten, von seinem Eifer im Gebet. Viel Eifer, sagt er, viel Eifer für diese drei Städte.
Dort gab es Christen, das ist ein Tal dort gewesen, das sogenannte Lycustal. Im Osten liegt Kolosse, das ist die kleinste Stadt. Achtzehn Kilometer westlich davon liegt Laodikea oder Laodizea nach griechischer Aussprache, das war die größte Stadt und die reichste Stadt, und zehn Kilometer nördlich liegt Hierapolis, zehn Kilometer nördlich von Laodikea. Voll Eifer für diese Christen, drei Gemeinden. Er hat sich also nicht mehr nur verantwortlich gefühlt in Kolosse, er fühlte sich auch verantwortlich und als Diener für die anderen Gemeinden und jedenfalls im Gebet verantwortlich.
So ein Fürbitterdienst eines Lehrers, eines Hirten ist hier äußerst wichtig, und wir sehen das an Epaphras, an Epaphras, das ist nicht derselbe wie Epaphroditus. Epaphroditus dürfte ein anderer sein, obwohl der Name ziemlich gleich ist. Das eine ist eine Kurzform von dem anderen Namen, aber Epaphras ist nicht derselbe, denn der eine war von Philippi und der hier ist von Kolosse, ist schon ein Unterschied.
Also Epaphras als Beispiel eines Beters. Ein paar Verse, aber doch steckt so viel drin.
Jetzt als Fazit einige konkrete Ratschläge für das Gebetsleben von uns, von Verkündigern. Natürlich gilt das für jeden, aber hier besonders für uns als solche, die wir Gottes Wort verkündigen, als Punkt D, D: konkrete Ratschläge für das Gebetsleben. Das sind jetzt nicht vollständig, was ich hier sage, und das ist jetzt nicht inspirierend, was ich hier sage, ganz sicher nicht. Aber es sind einige Punkte, die uns vielleicht eine Hilfe sein könnten.
Also erstens: Zeit. Wir brauchen die Zeit, und wir müssen sie uns erkämpfen, und wenn wir sie nicht haben, uns sie erbitten. Wir haben sie schon, aber sie ist gefüllt. Oft ist unsere Zeit schon ziemlich gefüllt, und wir müssen sie kaufen, und Sie müssen oft ziemlich viel zahlen für diesen Kauf. Aber wir brauchen Zeit mit Gott. Es geht nicht, es gibt kein Instant-Programm, was Gebet betrifft. Fastfood oder sowas gibt es beim Essen, aber nicht beim Beten. Es geht nicht, schon gar nicht beim Bibellesen. Fastfood ist sowieso nicht gesund.
Also der Herr möge uns da helfen, dass wir uns Zeit erbitten. Und es ist so: Manchmal kommt einem vor, ich habe keine Zeit, und dann betet man dafür: Herr, schick mir Zeit. Und dann läuft irgendetwas schief oder irgendetwas kommt dazwischen, und dann merkst du plötzlich: Jetzt bin ich arbeitslos für eine Zeit lang, jetzt habe ich Zeit. Mein Bruder war übrigens arbeitslos geworden, wirklich in Österreich, und er hat viel gebetet in der Zeit, wo er arbeitslos war. Und wisst ihr, was der Herr gemacht hat? Der Herr hat ihn durch dieses Gebet vorbereitet. Er ging nach Jugoslawien, weil er keine Arbeit mehr hat, ging nach Jugoslawien evangelisieren. Und heute ist er immer noch dort, also damals Jugoslawien, heute ist das Serbien, Kroatien, Bosnien. Ging dort evangelisieren, und jetzt ist er immer noch dort. Tut eine gute Arbeit!
Zweitens: Nicht zu viele Anliegen. Wieso? Weil wenn wir hundert Anliegen bringen in diesen fünfzehn Minuten, dann können wir nicht intensiv ringen für hundert Anliegen. Fünfzehn Minuten geht nicht. Aber wenn wir zwei Anliegen haben, fünfzehn Minuten, dann können wir schon intensiv, dann können wir das bewegen vor dem Herrn. Intensiv ringen kannst du besser für wenige Spezifische. Der Epaphras ringt für ein riesengroßes Anliegen, nämlich die Irrlehre in Kolosse und Umgebung. Und da ringt er, und er betet für diese Christen, und er betet immer, das ist sein Anliegen: Herr, diese Gläubigen, mach sie fest, mach sie reif, dass sie den Willen Gottes verstehen, erkennen, dass sie gegründet werden.
Und er bringt ihm dann die Namen wahrscheinlich, er zählt sie auf. Und übrigens, was die Namen betrifft: Es ist gut, sich eine Liste anzulegen, eine Liste von Geschwistern. Aber ich habe gemerkt, wenn ich bete und ich bete einfach die Liste runter: Herr, segne A und B und C und segne D und E und F, das ist ein bisschen langweilig, für den Herrn wahrscheinlich auch. Es ist besser, die Liste vorher durchlesen, vielleicht zwei, drei Mal durchlesen. So, jetzt habe ich sie im Kopf, jetzt lege ich die Liste auf die Seite und jetzt bete man. Jetzt bete ich, dann kommen sie mir schon in den Sinn und dann kann ich auch vielleicht ein bisschen verweilen bei A und bei B auch und vielleicht fällt mir noch bei C etwas mehr ein. Und auf diese Weise ist es lebendig. Repetieren, immer wieder repetieren die Gebetsliste, aber dann auf die Seite legen und dann beten.
Drittens: Das Ziel ist immer die Ehre Gottes. Geheiligt werde dein Name ist es. Wir kommen dort noch darauf zu sprechen heute: dein Name, dein Name, dein Wille, dein Reich.
Viertens: Es geht nicht darum, schöne Worte zu machen. Ob wir laut beten vor anderen und anderen zu hören, ob wir für uns alleine beten: Es geht nicht um die schönen Worte. Schütten wir unser Herz vor ihm aus. Die Formulierungen, das ist nicht das Wichtigste. Schütten wir unser Herz vor ihm aus.
Fünftens: Nicht auf Stimmung warten. Gebetsstimmung – erstens lesen wir gar nicht in der Bibel davon, dass es so etwas gibt wie eine Gebetsstimmung. Nicht auf unsere Gefühle warten, sondern einfach beten. Das Anliegen kommt auch mit dem Beten. Ich muss nicht meinen: Ja, ich habe jetzt kein so großes Anliegen, also bete ich nicht. Dann bete ich einfach, weil gebetet werden muss. Und dann kommt vielleicht das Anliegen mehr. Ich kann auch beten: Herr Jesus, mach es mir mehr zu einem Anliegen. Siehst du, ich bin so kalt und ich weiß, dir ist es so wichtig, aber mir ist es so wenig wichtig. Dann mach es mir mehr wichtig. Und wenn der Herr uns ein Drängen gibt zum Gebet, dann sollen wir dem Drängen nachgeben.
Das gibt es ja: Zeiten, wo wir in ganz besonderer Weise gedrängt werden, für etwas zu beten. Dann sollten wir beten, wie diese Frauen dort. Die haben gebetet, wie war das? Die eine Frau hat die andere angerufen, es war eine Situation in China. Die Geschwister waren in China, sie waren zuhause irgendwo in Europa oder Amerika, ich denke Amerika war es. Und dann hat die eine Schwester den Ruf der anderen an, in der Küche steht die auch gerade: Du, wir müssen beten für China, für unsere Geschwister dort, die Missionare in China, in diesem Dorf, wo sie sind, da gibt es so viele Streitigkeiten, so viele Uneinigkeiten, und wir müssen unsere Missionare einfach ganz fest. Komm, jetzt gehen wir ins Gebet, du auf die Knie und ich auf die Knie in der Küche. Und die Zwe hat dann noch die Dritte angerufen, und dann haben die drei Frauen den Vormittag in der Küche, jede für sich, im Gebet verbracht. Haben alle ein großes Anliegen gehabt, tatsächlich alle drei hatten eine Last, haben gebetet.
Und es war dann so: In China haben sich die Missionare gewundert, warum sich die Streitigkeiten auflösen. Und die eine Frau, die Frau des Missionars, hat sich das notiert: Irgendwer muss besonders für uns beten, hat sie notiert in ihr Tagebuch und hat den Tag notiert und die Stunde. Und dann haben sie einen Brief bekommen, ein paar Wochen später kam der dann an in China, und dann haben die Geschwister geschrieben: Der Herr hat uns so ein Anliegen gegeben, und wir haben so für euch gebetet, und wir glauben, der Herr hat uns erhört. Und dann haben die das gelesen und sagen: Ja, jetzt wissen wir warum, warum dieser Knoten sich aufgelöst hat, von Schwierigkeiten in diesem Dorf, wo sie waren, wo sie evangelisierten. Da war das Dorf untereinander zerstritten, und dann hat der Herr irgendwie Gedeihen geschenkt, Knoten haben sich aufgelöst, und Leute haben Buße getan und sind zum Glauben gekommen. Also hat sich ebenfalls die Situation verbessert, und die haben so gerungen darum. Da waren Geschwister, der Herr hat es denen aufs Herz gelegt, die haben gebetet, haben diesem Drang nachgegeben, und dann konnte der Herr etwas tun.
Aber manchmal beten wir, es kommen keine Stimmungen und kein Drängen, dann sollen wir dennoch beten. Es steht nirgends in der Bibel, dass man nur dann beten soll, wenn wir ein Drängen verspüren. Aber wenn wir es verspüren, dann bitte unbedingt beten.
Sechstens: Aufrichtigkeit. Trachte nach Aufrichtigkeit vor Gott. Stehe nicht vor Menschen. Meine Frau hat mir gesagt: Wenn du betest vor den Kindern, dann predigst du. Du musst dich Buße tun. Ich soll nicht das Gebet missbrauchen, um meine Kinder anzupredigen. Aufrichtig vor Gott stehen. Ich stehe vor Gott, vor meinem Gott und vor ihm allein.
Siebtens: Reinigung, meine Motive prüfen. Immer wieder ist es wichtig: Herr, prüf mich, wie ich es meine. Ob ich auf gutem Wege bin, richtigen Wege bin, Psalm 139. Herr, erforsche mein Herz und reinige mich von falschen Motiven. Warum bete ich dafür? Bete ich aus egoistischen Motiven oder geht es mir wirklich um die Ehre Gottes? Bete ich dafür, damit ich gut dastehe? Bete ich recht viel für meine Predigt, damit alle mich dann loben für die Predigt? Oder bete ich, damit dein Name geehrt wird und Geschwister den Herrn verherrlichen und vorwärtskommen und sein Reich wächst?
Achtens: Keine Bequemlichkeit. Hüten wir uns vor Selbstgenügsamkeit und Bequemlichkeit. Das schleicht sich immer wieder ein. Die Lüste des Fleisches kämpfen gegen die Seele, sagt Petrus. 1. Petrus 2,11: Enthaltet euch der fleischlichen Lüste, sie kämpfen gegen die Seele. Das heißt nicht, dass wir nicht essen dürfen. Es ist auch eine fleischliche Lust, wenn wir gutes Mittagessen essen. Das brauchen wir auch, oder? Aber es hat alles seinen Platz. Lebe ich für die Lust oder lebe ich für Gott? Lebe ich für meinen Körper oder lebe ich für Gott? Natürlich braucht unser Körper Schlaf, und Schlafen ist auch süß, keine Frage. Aber manchmal muss ich sagen: So, jetzt stehst du auf und betest jetzt dafür ein bisschen länger. Keine Bequemlichkeit, also nicht bei Selbstgenügsamkeit und Bequemlichkeit frönen.
Neuntens: Keine Ablenkung. Wir haben einen Gebetsauftrag, und da kann nicht das Handy nebenbei liegen und alle fünf Minuten zwitschert es oder irgendwie sowas. Ja, das geht nicht. Keine Ablenkung. Wir brauchen Stille. Mir hilft es, wenn ich rausgehe, wenn ich kann. Ich wohne ja in einem Dorf und bin sehr schnell in der Natur. Ich brauche nur zehn Schritte gehen, dann bin ich schon im Grünen. Und dann noch zehn Meter weiter, dann bin ich dann schon fast im Wald. Das ist ein bisschen übertrieben, aber hundert Meter. Jedenfalls, dann kann ich laut beten, es hört mich niemand. Ich kann ungestört beten, und nebenbei bekomme ich noch frische Luft, das ist auch noch gut für das Gehirn, wenn das durchlüftet wird, und ich habe auch noch Bewegung nebenbei. Aber es ist wichtig, weg, wo man einfach nicht abgelenkt wird.
Als Schluss möchte ich noch erwähnen: Oswald Sanders hat gesagt, nicht Gott, sondern der Mensch bestimmt, wie eng und wie nahe er mit Gott lebt. Wir bestimmen unser zukünftiges Leben, wie eng wir mit Gott leben. Manchmal denken wir, es gibt so Leute, die ganz eng mit Gott leben. Ja, und du nicht? Warum nicht? Du bestimmst es.
Es gibt so Kreise, vier Kreise im Alten Testament und vier Kreise im Neuen Testament, hat Oswald Sanders gezeigt. Der erste Kreis, da in 2. Mose 24, ist das Volk, von dem heißt es: Steige nicht hinauf zum Berg, das Volk soll unten bleiben. Aber wer steigt hinauf? Der zweite Kreis: Mose und Aaron und Nadab und Abihu mit den siebzig Ältesten, 2. Mose 24. Mose, Aaron, Nadab und Abihu und 74 Leute steigen hinauf, und sie sahen den Gott Israels. Sie sind näher als das Volk. Und dann gibt es den dritten Kreis: Dann geht Mose und Joshua noch näher. Mose und Joshua gehen dann ganz hinauf. Steig du zu mir auf den Berg, das ist 2. Mose 24,12. Und Mose machte sich auf mit Joshua, die gehen dann die zwei noch ganz her. Und dann hieß es: Mose alleine. Dann Mose alleine, das ist der vierte Kreis. Vers 15: Mose stieg auf den Berg, und die Wolke bedeckte den Berg, und die Herrlichkeit Jahwes ruhte auf dem Berg, 2. Mose 24,15-16 und 2. Mose 33,11: Und der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht. Jetzt spricht Gott mit Mose. Ganz eng.
Wir haben vier Kreise: das Volk, die 74, die zwei, der eine.
Im Neuen Testament haben wir auch so etwas. Da haben wir einerseits die 70 Jünger des Herrn Jesus, die er aussendet. Dann haben wir andererseits die Zwölf, die waren viel mehr mit dem Herrn, viel länger mit dem Herrn, die Zwölf. Und von den Zwölf die Drei, Jakobus, Petrus und Johannes, die nimmt er mit, als die Jairustochter aufgeweckt wird. Dort nimmt er sie mit, dann werden sie Zeugen der Auferweckung, Lukas 8,51. Die nimmt er mit auf den Berg der Verklärung, Matthäus 17,1. Jakobus, Petrus und Johannes werden Zeugen der Verherrlichung Jesu. Die nimmt er mit nach Gethsemane, Matthäus 26,37. Sie werden Zeugen von seinem Gebet oder von seinen Ringen dort. Und diese Drei plus Andreas sind es, die bei der Ölbergrede, Markus 13,3, sich besonders noch mit ihm besprechen. Die haben besondere Fragen an ihn, Markus 13,3. Diese Drei und dann der Eine, Johannes, der liegt an der Brust von Jesus beim Abendmahl. Der sagt von sich: der Jünger, den Jesus liebte. Nun, der Herr liebte ja alle, aber Johannes hat es besonders empfunden. Aber warum besonders? Johannes hat eine besonders enge Beziehung zum Herrn. Wer war der Erste, der erkannt hat, der die Auferstehung verstanden hat? Er geht ins Grab, und er sah und glaubte. Er, Johannes, war der Erste. Johannes 20.
Jetzt fragen sich ja: Ist das determiniert? Bestimmt einfach, die einen dürfen halt enger sein und ich darf nicht so? Nein, wir bestimmen, wie eng wir mit dem Herrn leben. Wir bestimmen. Petrus liebte den Herrn Jesus: Mein Leben will ich für dich lassen. Das sieht man, eine Hingabe, echte Hingabe. Natürlich hat er Fehler gemacht und hat sich auf sich selbst verlassen usw. Aber die Hingabe war da. Es liegt nicht an dem Herrn Jesus, wenn wir nicht nahe sind bei dem Herrn. Ich will, dass die, die du mir gegeben hast, bei mir sind, betet er. Das ist eines Tages in der Zukunft, aber das gilt auch für heute schon. Ich will, dass sie bei mir sind. Johannes 17,24. Das Prinzip gilt heute genauso. Jesus will, dass wir bei ihm sind, ganz eng. Wie nahe wollen wir sein? Und warum die anderen nicht? Waren die Drei, Jakobus, Petrus und Johannes, waren die besser? Petrus war ein Verleumder, Jakobus und Johannes waren Donnersöhne. Waren die besser? Also daran kann es nicht liegen, ihr Temperament nicht, weil die anderen ein negativeres, ein schlimmeres Temperament hatten als die Drei. Petrus war unbeständig und unbesonnen, und Johannes und Jakobus eben diese Zornesleute, Donnersöhne. Nein, es liegt nicht daran. An dem, was sie getan haben: Petrus hat den Herrn verleumdet, und Jakobus und Johannes wollten links und rechts sitzen, sie wollten den Ehrenplatz haben. Daran lag es nicht. Sie wollten einfach nahe beim Herrn, sie haben das Anliegen, Jesus Christus näher kennenzulernen, von ihm zu lernen, und unser Anliegen soll das auch sein: ein großes Verlangen nach dem Herrn, das hatten sie.
Und wie bekommt man das? Man kann darum beten: Herr, mach, dass ich ein großes Verlangen nach dir habe. Motiviere mich noch mehr mit dem kleinen Verlangen, das ich habe, vermehre es du! Und es heißt manchmal auch einiges dranzugeben, es kostet etwas. Es kostet etwas. Der Herr Jesus hat mal davon gesprochen, dass es etwas kostet. Da geht ein Mann hin und sieht im Feld, es ist ein großer Schatz. Und er sagt: Der Schatz ist es wert. Das kostet etwas. Ich muss das Feld kaufen, und ich brauche Er verkauft alles, was er hat, er gibt alles hin, was er hat, um nur dieses Feld zu kaufen, denn wenn er das Feld hat, dann hat er den Schatz. Es war es ihm wert, alles zu verkaufen, weil er den hohen Wert dieses Schatzes im Feld erkannt hat. Er hat alles verkauft, was er hat, und hat den Schatz gekauft. So kostbar ist das Reich Gottes und ist der König dieses Reiches. Oder mit der kostbaren Perle: Er geht hin, der Kaufmann kennt sich mit Perlen gut aus, findet in einem Laden oder irgendwo eine kostbare Perle, und dann denkt er sich: Bin ich froh, dass die anderen nicht wissen, wie kostbar die Perle ist. Und er ist bereit, alles, was er hat, hin zu alles, was er hat, zu verkaufen, und er kauft diese eine Perle, weil er weiß, wie kostbar sie ist. So kostbar ist der König des Reiches und so kostbar ist das Königreich. Es ist wert, dass man alles andere dran gibt.
Also, wir müssen uns fragen: Bin ich bereit, den Preis für eine innige Beziehung zu Jesus Christus zu bezahlen? David Brainerd hat dies bezahlt. David Brainerd, von dem ich gestern vorgelesen habe, war bereit, und er sagt: Ich bin bereit, jeden Weg zu gehen, den du mich führst. Und der Weg für ihn war sechs Jahre Indianermission, und fünf Jahre davon fast fruchtlos, und erst im letzten Jahr, in den letzten eineinhalb Jahren, bricht etwas auf, und dann stirbt er. Der Preis war hoch. Jim Elliot war bewegt von David Brainerd. Jim Elliot war David Brainerd gewesen. Und Jim Elliot sagte: Herr, lass mich dein Brennstoff sein, ich möchte für dich verzehren, Flamme Gottes, lass mich dein Brennstoff sein. Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu erhalten, was er nicht verlieren kann. Und dann hat er gesagt: Herr, ich bin bereit, ich gehe zu den Aucas, und dann wurde er auch mit 29 umgebracht. Die Brainerds wurden gleich alt, beide David Brainerd sein Vorbild und er Jim Elliot.
Bist du bereit, den Preis für eine innige Beziehung zum Herrn Jesus zu bezahlen? Das ist, es kostet also schon etwas, es kostet alles.
Das hier also zu diesem Thema. Entschuldigung, dass ich da jetzt ein bisschen ins Predigen gekommen bin, aber es ist eine ganz wichtige Sache. Möge der Herr uns unser Herz erwärmen für ihn. Und es kann nicht sein, dass es ein Abklagen und ein Quälen ist. Ich habe mir das oft gedacht. Es kann nicht sein, dass Beten ein Quälen ist, sich abquälen und mühen. Das muss etwas Schönes sein. Es ist etwas Schönes. Und dann kann ich beten: Herr, mach es, dass ich schmecke, wie du bist, wie wir von David Brainerd gehört haben. Er kann gar nicht ins Bett gehen, er weiß, er kann sich nicht mehr halten, er muss ins Bett, aber er würde noch gern weiter beten. Wir müssen weitermachen.
Römer 4, wir haben noch ein paar Minuten. Römer 4: das über das richtige Beten. Hier haben wir wieder die Gliederung. A: Nicht wie die Heuchler. Matthäus 6 ist unser Text, Matthäus 6,5. Der Herr Jesus hat sehr viel gelehrt über die rechte Einstellung des Beters und über die rechte Art des Betens. Und hier dürfen wir doch aus der Bergpredigt einige Prinzipien nehmen. Wir wollen das in Kürze tun, ein bisschen stichwortartig.
Also a: nicht wie die Heuchler, Matthäus 6,5. Wann immer du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler. Sie haben es gern, in den Synagogen und an den Straßenecken zu stehen und zu beten, auch dass sie vor den Menschen ersichtlich sind, also von den Menschen gesehen werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit bereits erhalten. Aber du: Wann immer du betest, gehe in deine Kammer, schließe die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und ein Vater, der dem Verborgenen zusieht, wird dir im Sichtbaren vergelten. Also wenn du richtig betest, dann wird es dir mit Sicherheit vergolten werden.
Nicht wie die Heuchler, das heißt nicht, um gesehen und gehört zu werden. Es ist nicht wichtig, was denken die anderen jetzt, wenn sie mich hören, während ich bete. Was denken die anderen Gläubigen, wenn sie jetzt hören, welches schöne Gebet ich jetzt bete? Das ist nicht in Ordnung, sagt der Herr, sondern im Verborgenen. Geh in deine Kammer, schließe deine Tür zu, das heißt, schließe die Welt aus und schließe dich selbst ein, die äußeren Stimmen weglassen, unbeachtet lassen und einzig und allein zu Gott beten. Es ist gut, wenn man sich mal selbst prüft: Wie bete ich, wenn ich alleine bin, und wie bete ich in der Öffentlichkeit?
B: Nicht wie die Heiden. Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden, denn sie meinen, in ihren vielen Worten werden sie erhört. Werdet ihnen also nicht gleich, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn bittet. Ja, wie beten die Heiden? Eintönig wiederholen sie die gleichen Worte. So beten die Heiden. Dann beten sie das Vaterunser als Formelgebet, gerade das, was bei Jesus gesagt wurde, was man nicht tun soll, und dann hat er das Vaterunser erklärt, das Mustergebet, und jetzt nimmt man gerade das Mustergebet und tut so wieder wie die Heiden. Das ist typisch menschlich-heidnisch.
Wie oft habe ich das Vaterunser gebetet als ungläubiger Mensch in der Kirche. Und der Pfarrer hat gesagt: So, jetzt hast du deine Sünden bekannt im Beichtstuhl, und jetzt gehst du hin und betest zehnmal das Vaterunser als Strafe dafür, für meine Sünden, um die abzubüßen. So kann es nicht sein. Also nicht dieselben Worte einfach wiederholen. Aber es gibt auch unter uns manchmal diese Gefahr. Man kann sich ja einfach so, wenn man viel betet und gewisse Formeln immer wiederholt, dann kann es auch leer werden. Ich habe das bei mir manchmal festgestellt, da habe ich immer wieder gesagt: Oh Herr, oh Herr, oh Herr. Und dann habe ich mir einmal überlegt: Was denkt eigentlich der Herr die ganze Zeit, wenn ich so mit ihm spreche? Wenn meine Frau mit mir so sprechen würde, würde ich denken: Was hat die? Dann habe ich gebetet: Herr, ich lobe dich und preise dich und bete dich an. Und habe gemerkt, ich habe jetzt überhaupt nichts gedacht dabei, während ich das sagte. Nichts gedacht! Da habe ich den Herrn beleidigt, gedankenlose Worte formuliert.
Nicht, um den anderen eine Rede zu halten, nicht predigen im Gebet. Ich habe festgestellt, als ich in Rumänien war: Die Rumänen reden sehr schnell. Und als wir beteten, da haben die noch schneller geredet als sonst. Und ich kann nicht gut Rumänisch, ganz wenig eigentlich. Und ich konnte dann auch gar nichts verstehen, was sie da geredet. Aber ich habe gemerkt, da stimmt irgendwas nicht. Aber als Ausländer ist es mir mehr bewusst geworden als ihnen selber. Das sprudelte so, und ich dachte mir: Können die überhaupt das noch mitdenken, wenn man so schnell redet?
Man sagt ja, die Schweizer – also ich bin kein Schweizer in Österreich, aber ich wohne in der Schweiz – die Schweizer, vor allem die Berner, die reden sehr langsam. Und da macht man oft Witze darüber, aber die haben einen Vorteil: Da hat man Zeit genug, um zu überlegen, bis man am Ende vom Satz ankommt. Ganz gut überlegen, was man da noch sagt. Und manchmal beten wir auch ein bisschen zu schnell, weil wir uns schon so gewohnt sind, wir haben es irgendwie gelernt, eingelernt, und beten wir schnell. Und ich habe es bei mir selber festgestellt jedenfalls, und das ist so oft nicht gut. Ich weiß nicht, ob der Herr Jesus Johannes 17 so schnell gebetet hat, ob das so in zwei Minuten runterging.
Ob der Herr unser Gebet erhört oder nicht, das hängt von unserer Haltung ihm gegenüber ab, und es hängt von unseren wirklichen Bedürfnissen ab. Es kann schon sein, dass man manchmal schnell betet, wenn man eine ganz große Not hat: Herr, bitte hilf mir jetzt, ich brauch dich jetzt. Das ist klar, da redet man auch schnell, aber da ist man voll dabei. Jedenfalls, wir beten nicht, um anderen eine Rede zu halten.
C: Sondern wie sollen wir beten? Sondern, jetzt kommt dieses Unser Vater als Mustergebet, aber es ist als Mustergebet gedacht, es ist nicht als Formelgebet gedacht, dass wir das nachbeten sollen, sondern die Gedanken, die uns hier, wenn er sagt: Betet ihr auf diese Weise, dann sagt er nicht: Betet ihr folgende Worte. Auf diese Weise heißt nicht folgende Worte. Auf diese Weise heißt: Die Weise sollt ihr übernehmen, so sollt ihr beten, also das Gebetsmuster.
Die Anrede: Unser Vater. Wir sind eine Familie, wir sind nicht alleine. Hier ist interessant, dass es ein Unser-Gebet ist, also ein gemeinsames Gebet ist. Man ist sich bewusst: Ich bin nicht ein Einzelkind in dieser Familie Gottes. Unser Vater. Ursprünglich war Jesus der einzige, der Gott seinen eigenen Vater nennen konnte, aber jetzt in Christus sind wir eine große Familie geworden.
Das erste Anliegen: Ja, unser Vater, der du in den Himmeln bist. Man macht sich bewusst, er ist oben, er ist über uns, er ist in der geistlichen Welt. Das heißt nicht, dass er weit weg ist. Unser Vater in den Himmeln oder der du bist in den Himmeln.
Das erste Anliegen Gottes Name. Das ist das Wichtigste. Gottes Name ist das Wichtigste, das es überhaupt gibt im ganzen Universum. Geheiligt werde dein Name. Das heißt, dieser Name soll herausstechen, soll abgesondert sein von allen anderen Namen, er soll die Ehre bekommen, die ihm gebührt. Und diesen Namen wollen wir nicht unheilig nennen oder gedankenlos nennen. Und sein Wesen, hinter dem Namen steckt ja das Wesen. Johannes 17,6: Ich offenbarte deinen Namen den Menschen, sagte Herr Jesus. Das war sein Auftrag. Johannes 17,6: Ich kam, um deinen Namen den Menschen zu offenbaren, die du mir aus der Welt gegeben hast. Der Name Gottes war das Wesen. Und Johannes 17,26: Ich tat ihnen deinen Namen kund, und ich werde ihn kundtun, auch weiterhin. Das war der Dienst und Auftrag Jesu, und das ist auch weiterhin der Dienst Jesu. Er tut uns den Namen Gottes kund, er offenbart uns Gott, das Wesen Gottes.
Hesekiel 36,21: Aber es tat mir leid um meinen heiligen Namen, sagt Gott. Gott selber tut es leid um seinen heiligen Namen. Er will nicht, dass sein Name irgendwie schlecht gemacht wird. Es tat mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entweihte unter den Völkern, wohin sie kamen. Hesekiel 36,21. Römer 2,24: Durch euch kommt es, dass der Name Gottes unter den Völkern gelästert wird. Gebt Acht auf diesen Namen. Also dein Name: Gott ist, der Name zeigt, was Gott ist. Er ist der Ewige, der ewige Ich bin, der Treue, ich bin, der ich bin, und ich war, der ich war, und ich werde sein, der ich sein werde. Sein Name, also es geht wirklich um seine Ehre, zuallererst.
Und damit verbunden ist natürlich der Name Jesus, klar. Apostelgeschichte 19,17: Und der Name Jesu wurde sehr gepriesen. Apostelgeschichte 19,17. Der Name wird hinausgetragen, Paulus bekommt den Dienst: Du sollst meinen Namen hinaustragen. Und wir tun das auch, wir ehren seinen Namen. Apostelgeschichte 9,15: den Namen Jesu hinaustragen.
Ist das Reich Gottes, das Königreich Gottes, das Anliegen ist, dass sein Reich sich ausdehnt. Das hat Jabez gebetet. Jabez: O, dass du die Grenzen mehrtest. Und wir dürfen jetzt das übertragen auf das Reich Gottes: O Herr, dass du die Grenzen mehrtest, die Grenzen deines Reiches, bis es sich auf die ganze Erde erstreckt, bis Himmel und Erde erfüllt sind von ihm. Das ist sein Ziel, alles zu füllen. Deshalb ist er in den Himmel aufgefahren, Epheser 4,10, denke ich, steht das, er fuhr auf in den Himmel, um alles zu füllen mit seiner Herrschaft, alles zu füllen. Und jetzt soll das in meinem Leben auch sein und im Leben meiner Nachbarn und überall.
Also es geht hier, das ist ein Gebet, aber es ist nicht nur ein Wunsch, dass wir uns das wünschen, dass das Reich Gottes bald kommen soll. Es ist auch die Verantwortung der Gemeinde. Die Gemeinde Jesu hat die Verantwortung und hat den Auftrag, dass das Reich Gottes ausgebreitet wird. Und um diese Aufgabe zu erfüllen, muss die Gemeinde Jesu beten, für die Mehrung der Königsherrschaft: Deine Königsherrschaft komme. Zuerst einmal in meinem Leben, das heißt, dass das Königreich sich in meinem Leben ausbreitet, dass der Herr wirklich über alle Bereiche meines Lebens regieren kann. Und dann auch im Leben der Geschwister, im Leben der Heiligen, der Gemeinde und dann auch in der Welt, dass andere zu ihm kommen und dass auch dort das Königreich ausgebreitet wird, bis eines Tages der König selber erscheint in Herrlichkeit und, wie es heißt, zur Mehrung der Königsherrschaft. Jesaja 9,6: Seines Reiches wird kein Ende sein.
Das dritte Anliegen ist der Wille Gottes: Dein Wille geschehe auch auf der Erde so wie im Himmel geschieht. Das ist das Anliegen. Dein Wille soll auch auf der Erde so geschehen wie im Himmel geschieht. Ja, im Himmel geschieht sein Wille. Und jetzt ist die Frage: Wie geschieht sein Wille denn im Himmel? Denn so wie er im Himmel geschieht, so soll er auch auf der Erde geschehen. Wie geschieht denn der Wille Gottes im Himmel? Ich habe mir hier fünf G aufgeschrieben. Der Wille Gottes im Himmel geschieht gleich, ganz, gern, genau und gut.
Gleich, also sofort. Der Wille Gottes geschieht gleich, also augenblicksgehorsam. Die Engel sind sofort, sie sind versessen darauf, auf einen Wink Gottes, und dann sausen sie. Ganz: keine halbe Sache. Gern: jeder dient ihm gern im Himmel, ein freudiges Dienen. Und er wird genau vollzogen, genau geschieht der Wille, und gut wird er gemacht.
Es ist die Gefahr, dass man manchmal betet: Herr, mein Reich komme, mein Wille geschehe. Nein: Name, also der Wille Gottes, der Name Gottes, das Reich Gottes, der Wille Gottes.
Das vierte Anliegen: unsere täglichen Bedürfnisse, also hier das Brot. Brot steht für Speise. Aber interessant: Die anderen, der Gottesname, Gottes Königreich und Gottes Wille, haben Vorrang vor unserem Brot und vor unserer Schuld usw. Also hier sind es die Bedürfnisse, die irdischen Bedürfnisse, Brot, also Nahrungsmittel. Und interessant, da heißt es: unser Brot, das wir für den Tag brauchen, gib uns heute unser Brot, das wir für den Tag brauchen, also jewe für jetzt. Bitte man um das Brot. Es war so vorgesehen, dass der Christ täglich um seine Nahrung beten soll. Wir dürfen auch beten um die Arbeitsstelle: Erhalte mir die Arbeitsstelle. Das ist ja indirekt die Nahrung vielleicht.
Das fünfte ist dann unser Schuldenerlass. Und erlass uns unsere Verschuldungen, also die Vorsorge in Bezug auf bereits geschehene Sünden. Wir sollen also beim Beten unsere Sündhaftigkeit nicht vergessen. Wir sind Schuldner, wir sind immer Schuldner, und Schuld lastet auf uns. Und das Schöne ist: Wir haben jetzt einen, der uns Schuld erlässt. Wir kommen aber als Schuldner. Wir sind Gott immer schuldig. Herr, ich bin dir immer schuldig, schuldig dir zu dienen, schuldig dich zu verehren, zu verherrlichen. Ich bin dir immer verpflichtet, ich bin immer schuldig zu lieben, Römer 13,8: Bleibt niemandem etwas schuldig, aber er ist schuldig, als nur zu lieben. Das bleiben wir. Wir sind auch schuldig, den Herrn zu lieben.
Letzter Abend gibt es aber auch Schuld, die uns auf uns lastet, die negativ auf uns lastet, und dann darf ich sagen: Erlass uns unsere Verschuldungen. Das ist ja ein Mustergebet, nicht vergessen. Es ist der Hinweis darauf, dass wir Schuldner sind, das heißt, wir sollen nicht vergessen, dass wir mit Sünden beladen und schuldhafte Menschen sind. Und das hilft uns auch ein bisschen realistisch zu sein über uns selber, denn manchmal vergessen wir oder denken wir nicht daran. Es ist gut, dass wir in der demütigen Haltung zu Gott kommen als Schuldner. Wir sind immer Schuldner.
Und wie wir unseren Schuldnern vergeben haben, so möge er uns vergeben oder erlassen, die Schuld erlassen. Ich muss hier vorgreifen: Vers 14 und 15. Wenn ihr nämlich den Menschen ihre Übertretungen vergebt, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Übertretungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Übertretungen auch nicht vergeben. Also für die Unbarmherzigen gibt es keine Vergebung. Das ist hier ganz klar. Für die Unbarmherzigen, die nicht den anderen vergeben, gibt es keine Vergebung.
Eine Schwester, ich habe darüber gepredigt, dann kam die Schwester zu mir und sagte: Das kann nicht sein. Das kann doch nicht sein. Heißt das, dass davon abhängt, ob ich, dass mein Heil davon abhängt, ob ich jemand anderem vergeben kann? Da sage ich: Ja, bitte, was sagt denn der Text? Ich habe das ja nicht gesagt, ich habe nur den Text vorgelesen. Der Knecht, der Schalksknecht, dem zu dem König, von dem König diese riesengroße Summe von wie viel, zweihundert Jahreslöhnen oder ganz zweitausend Jahreslöhne, also eine riesengroße Summe, ist ihm vergeben worden, erlassen worden, und er geht hin und würgt den anderen, weil er ihm eine kleine Summe Geld schuldet. Dann wird die eine Vergebung, Erlassung rückgängig gemacht, weil er unbarmherzig ist gegenüber den anderen. Seine eigene Erlassung, Vergebung wird rückgängig gemacht. Hier zeigt der Herr Jesus, wie ernst es ist. Also man muss barmherzig sein mit dem Anderen, man muss bereit sein, ihm zu vergeben.
Es kann sein, dass man Mühe hat, aber dass man dem dann sagt: Herr, du sagst es, dann will ich dem vergeben. Der Mann, der meine Tochter vergewaltigt, kannst du dich dem vergeben? Wenn er kommt und sagt: Bitte vergib mir, soll ich dann vergeben? Im Herzen muss ich ohnehin vergeben, und wenn er kommt, dann muss ich ihm die Vergebung zusprechen. Vergeben heißt nicht, dass er keine Strafe bekommt. Das ist wieder etwas anderes. Vor Gericht bekommt er sowieso seine Strafe. Aber ich persönlich, wenn er mich um Vergebung bittet, muss bereit sein, zu vergeben. Ja, ein rachsüchtiges Herz, das geht nicht.
Das sechste Anliegen ist unsere Verschonung vor Versuchung und unsere Befreiung vom Bösen. Bringe uns nicht in Versuchung hinein, sondern befreie uns von dem Bösen. Also hier eine Vorsage in Bezug auf Versuchung, Versuchung oder Erprobung. Es ist ja so: Gott selber reizt uns nicht zur Sünde, sagt Jakobus, das ist keine Frage. Also es geht hier nicht darum, dass wir Gott darum bitten: Herr, reiz mich nicht zur Sünde. Das steht auch nicht da. Sondern es geht darum: Bringe uns nicht in eine Situation hinein, wo ich versucht werde. Bringe uns nicht in Versuchung hinein. Deshalb gib mich nicht einen Versuchungspreis, einen satanischen oder fleischlichen Versuchungspreis. Das heißt, ich bete im Bewusstsein meiner Schwäche, meiner Versuchlichkeit. Und wenn tatsächlich Versuchung kommt, dann möge der Herr uns bewahren in der Versuchung.
Macdonald hat mal gebetet: Herr, lass die Gelegenheit zur Sünde, die Versuchung zur Sünde und die Gelegenheit zur Sünde nicht zusammenfallen. Herr, lass die Versuchung, meinen Zug, meinen Drang zum Sündigen und die Gelegenheit zur Sünde nicht zusammenfallen. Aber leider ist es oft so, dass es dennoch zusammenfällt. Das ist dann eine große Versuchung. Aber der Herr möge uns bewahren. Das heißt, man betet: Herr, du weißt, ich bin nicht stark, und ich würde auch bei Versuchungen fallen. Wenn Petrus so gebetet hätte: Herr, du weißt, ich bin ein Feigling, und wenn ich in so eine Situation komme, dann bitte steh mir bei, dann wäre das anders gelaufen. Also hier: Man betet im Bewusstsein der Versuchlichkeit, der Schwäche. Wenn wir dann die Erfahrung machen, dass wir versucht werden, in so eine Situation zu kommen, dann sollen wir es als eine Erprobung anerkennen und wirklich dann auch Widerstand leisten, aber mit der Hilfe Gottes und in dieser Abhängigkeit.
Sondern befreie uns vor dem oder von dem Bösen. Befreie uns. Das Böse hieß hier allgemein der Böse, dann hätte er das gesagt, wenn er den Bösen, den Satan, gemeint hätte. Aber nicht nur. Das ist ganz allgemein, dass das Böse in Form von Gedanken und Worten und Werken und Tratsch und kritisieren und Vorwürfe machen und zweifeln und verbittert werden. Das Böse: befreie uns davon.
Soll das für unser Vater gebetet werden, so als Chorgebet? Nein. Erstens: Ein Gebet soll den anderen erbauen, als Nebeneffekt. Dann soll es also vom anderen gehört werden, nicht als Chor. Der andere soll hören, was ich bete. Und die Gefahr ist, wenn man als Chor betet, dass man das plappert, dass es ein plapperndes Formelgebet wird. Die Apostel haben es nie gebetet, als Formelgebet. In der Apostelgeschichte oder in den Briefen werden wir nie irgendwie, wird da was erwähnt, auch nicht in der Offenbarung.
Und es heißt im 1. Korinther 14: Nacheinander sollen wir beten, nacheinander, nicht zugleich, nacheinander. 1. Korinther 14,27, 2 oder 3. Also hier geht es um das Zungenreden, aber es ist auch ein Beten, ob ich jetzt in einer Fremdsprache bete oder in Deutsch, das gilt für Deutsch und für Ausländisch, also für die Fremdsprache: zwei oder drei und der Reihe nach und eine Übersetzung, wenn es jetzt eine Fremdsprache ist.
Das ist jetzt in Kurzform die Lehre Jesu über das Unser Vater. Wir wollen hier die Pause machen.

