
Gefühle - Verachtung für Fortgeschrittene - sich seiner Schwachheiten rühmen
2. Korinther 12,7-1020.12.2015
Serie•Teil 12 / 16(Negative) Gefühle
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Ausgangspunkt
Ich hatte euch eine Predigt angekündigt. Ich glaube, ich hatte sie genannt: „Angeberei für Fortgeschrittene“. Die werde ich heute halten. Also, der Titel dieser Predigt lautet: „Angeberei für Fortgeschrittene oder sich seiner Schwachheiten rühmen“.
Letztes Mal ging es darum, zu zeigen, was heilige Verachtung ist. Mir waren dabei zwei Aspekte wichtig. Heilige Verachtung besteht darin, dass ich nicht nur einfach das Böse lasse, sondern dass ich es bloßstelle. Dass ich auch zeige, was Leute da tun. Das macht sie nicht glücklich, das macht sie einfach nur kaputt. Da darf ich, glaube ich, auch mit einem Schmunzeln darauf hinweisen, wie dusselig so ein Verhalten ist.
Und das Zweite, was zur heiligen Verachtung dazugehört: dass wir dem Tod mit seinen Vorboten, Leid und Krankheit, mit einem Schmunzeln begegnen. Ja, das erinnert euch an Paulus, wenn er sagt: Tod, wo ist dein Stachel? Also, dass wir einfach wissen: Der Tod kann uns in letzter Konsequenz eigentlich nichts anhaben.
Und in diesen Reigen von Verhaltensweisen, wie man auf eine heilige Weise den Dingen Verachtung zollt, denen Verachtung gebührt, da gehört auch hinein, was Paulus im 2. Korinther 11 dann schreibt.
Die Logik der falschen Größe
Er redet dort gegen falsche Apostel. Ich muss erklären, was falsche Apostel sind.
Falsche Apostel sind Leute, die nur so tun, als wären sie Apostel. In Wahrheit sind sie aber Irrlehrer oder Parasiten. Das sind Leute, die die Gemeinde irreführen wollen beziehungsweise aussaugen wollen. Es geht ihnen darum, Menschen zu beeindrucken. Es geht ihnen darum, Menschen an sich zu binden, Einfluss über Menschen zu gewinnen und vielleicht auch kritische Rückfragen an ihren eigenen Lebensstil zu unterbinden. Es geht ihnen darum, Gemeinden zu manipulieren.
Und das tun sie in der Zeit von Paulus dadurch, dass sie in die Gemeinden kommen und sich hinstellen und sagen: Schaut mal, wir sind die Coolen, wir sind die jüdischen Gelehrten, wir sind die treuen Diener Gottes. Und dann fangen sie an, mit dem, was sie alles schon so erreicht haben, zu prahlen. Schaut mal her, was wir alles schon gemacht haben.
Paulus kann mit solchen Typen und mit dem, was sie da sagen, mit ihrer Angeberei überhaupt nichts anfangen. Er nennt das ein Rühmen nach dem Fleisch. Also dieses Fleisch, das, was sich beim Menschen anfassen lässt, das, was einmal in der Ewigkeit keinen Bestand mehr hat, das, womit wir getrost damit rechnen können, dass wir in diesem Leben schon merken, wie zerbrechlich und kaputtbar es ist: Das Rühmen nach dem Fleisch, also mit den Dingen, die ich aus mir selber, aus der Kraft meiner eigenen Wassersuppe heraus produziere, das nennt er Rühmen nach dem Fleisch. Und damit kann er überhaupt nichts anfangen.
Anerkennung, Status und die Maßstäbe der Welt
Warum machen Menschen das, dass sie mit dem angeben, was sie selber so schaffen? Ihr kennt vielleicht diesen Spruch: Eigenlob stinkt. Was sollte man kennen? Ja, also: Eigenlob stinkt. In den Sprüchen bei Salomo heißt das dann so: Sprüche 27,2. Es rühme dich ein anderer und nicht dein eigener Mund, ein Fremder und nicht deine Lippen.
Ich glaube, das war der erste Vers, den ich meinen Kindern habe auswendig lernen lassen. Sprüche 27,2: Es rühme dich ein anderer und nicht dein eigener Mund. Also, wenn schon jemand sagt: Du bist ein toller Kerl, dann sorge dafür, dass das ein anderer macht und dass du das nicht selber sagst: Ich bin was für ein toller Kerl. Das ist nicht so toll. Lass einen anderen, einen Fremden, gute Sachen über dich sagen.
Wir genießen das, oder? In uns steckt das drin. Auch wenn Eigenlob stinkt, wollen wir doch, dass wir Anerkennung bekommen. Wir haben diesen Wunsch nach Anerkennung.
Und jetzt müssen wir einen Schritt weitergehen. Es reicht nicht nur zu verstehen, dass Eigenlob stinkt, sondern wir müssen begreifen, dass die Welt, in der wir leben, also die Gesellschaft, in der wir uns so Tag für Tag tummeln, wenn wir U-Bahn fahren, darauf aufgebaut ist, dass die Menschen, die darin leben, ihre Identität dadurch finden, wodurch werde ich in dieser Welt etwas Besonderes, diesem Wunsch, anerkannt zu werden, und wie kriege ich diesen Wunsch jetzt erfüllt?
Und die Welt, in der wir leben, sagt: Weißt du was, es kommt darauf an, wo du herkommst, also was du so für eine Familie hast. Wenn da so Rotschild draufsteht, klingt das einfach besser als Fischer. Das ist einfach so, muss man einfach mal sagen. Herkunft spielt in dieser Welt eine Rolle, aber natürlich auch Leistungen spielen eine Rolle. Was hast du geschafft? Bist du nur so ein Hiwi geworden oder hast du da so richtig ganz oben was geschafft?
Und ich glaube, heute würde auch das Aussehen noch eine Rolle spielen. Also wenn man mal so deinen Bizeps misst, auf wie viele Zentimeter kommt man denn da so? Wie passt das? Das ist so ein Ding, worüber Menschen sich definieren. Oder, um mal die ganzen Communities, die sozialen Communities, noch ein bisschen lächerlich zu machen: Wie viele Freunde hast du denn auf Facebook? Das gibt dir Status in dieser Welt.
Das sind die Dinge: Aussehen, Freundeskreis, Herkunft, Leistungen. Das sind die Dinge, die dich wertvoll machen. Und wenn wir ganz ehrlich sind, man muss immer schauen, was man gerade braucht. Es sind unterschiedliche Dinge, die gerade in sind. Man muss auch in den richtigen Sachen noch in sein, um in zu sein. Aber wenn man die dann hat, dann gehört man irgendwie mit dazu. Das steckt so tief in uns drin.
Das eigene Leben neu lesen
Lest ihr, es kommt einfach nicht so gut an, wenn ich über mich sagen würde: Ich bin ein Laienprediger. Ich habe noch nicht einmal eine richtige theologische Ausbildung. Ich habe mir vieles einfach selbst beigebracht.
Ich bin total begeistert von Gott, der es sich nicht hat nehmen lassen, mich in den Dienst zu berufen, den ich jetzt gerade tue. Obwohl ich so einen kleinen Sprachfehler habe, ja, ich lispel ein bisschen, das merkt man immer auf den Aufnahmen. Ja, ich bin ein Typ, der nicht so eine tolle Vergangenheit hat, manchmal mit Selbstzweifeln kämpft, Angst davor hat, abgelehnt zu werden, und bei dem auch die Vergesslichkeit echt ein echtes Problem ist. Und trotzdem hat Gott mich dazu berufen, für ihn Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, Menschen die Bibel zu erklären und das Evangelium zu predigen.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unfassbar ich es finde, dass Gott mir diesen Dienst gegeben hat. Das klingt jetzt, wenn ich das so sage, gar nicht so doof, aber es klingt auch nicht richtig cool. Ich gebe euch mal die coole Variante.
Die coole Variante würde etwa so gehen: Wenn ich nämlich nicht sage, was ich alles nicht habe und was ich für ein schwacher Typ bin, sondern wenn ich sage: Weißt du, ich habe ein Abi mit 1,2. Ich habe Abschlüsse in Latein, Hebräisch und Altgriechisch. Ich bin Buchautor, Gemeindegründer, und ich habe wahrscheinlich die beste Single-Predigerseite Deutschlands.
Das ist das, worauf Leute sofort sagen: Boah, cool. Warum? Weil das das ist, worauf die Welt schaut.
Aber darf ich dich mal fragen: Welche Präsentation entspricht eigentlich mehr der Wahrheit? Welche Präsentation hat dich mehr für mich eingenommen, und welche Präsentation hat dir mehr Mut gemacht, mit Gott Neues zu wagen, selbst wenn du nicht zu den Coolen gehörst?
Und ich sage dir: Es ist ganz klar die erste Präsentation. Die ist wahrer. Und die hat dir viel mehr geholfen, Gott groß zu sehen. Und die macht dir viel mehr Mut zu sagen: Hey, wenn der Typ mit seinem Sprachfehler und mit seinem komischen Background und so, wenn Gott den gebrauchen kann, dann kann er das bei mir auch.
Der Bruch mit dem Erfolgsdenken
Und deswegen reicht es, wenn wir über heilige Verachtung reden, nicht aus, dass wir die Sünde meiden oder den Tod nicht fürchten. Wir müssen dieses System, in dem wir stehen, in dem es darum geht, was wir leisten, auf den Kopf stellen.
Paulus sagt in 1. Korinther 4,10, dass wir Narren um Christi willen werden müssen. Und zwar Narren deshalb, weil die Welt sieht, wie wir denken und wie wir ticken, und sie hält uns für Dummköpfe. Das stimmt natürlich nicht. In Wirklichkeit sind wir die Schlauesten, das muss uns auch klar sein. Aber wir sind Narren um Christi willen.
Warum sind wir Narren um Christi willen? In 1. Korinther 1,25 schreibt Paulus, dass das Törichte Gottes weiser ist als die Menschen. Das heißt: Der dümmste Gedanke, den Gott hat, ist viel klüger als alles, was alle klugen Menschen dieser Welt zusammengenommen sich jemals erdenken können.
Und deswegen ist es so wichtig, dass wir uns auf diese Dummheit, diese scheinbare Dummheit Gottes, einstellen. Aber ich glaube, dass man an unserem Leben sehen kann, wie sehr wir die Dummheit der Welt erkennen und verachten. Man sieht es daran, worauf wir stolz sind, wie wir uns präsentieren und womit wir in unserem Leben angeben.
Was wirklich zählt, wenn man ehrlich wird
So, jetzt muss ich einen kleinen Einschub machen, bevor ich weiterfahre.
Es geht mir nicht darum, dass wir in unserem Leben ein Verständnis davon entwickeln, unsere Misserfolge zu Erfolgen umzudeklarieren. Nach dem Motto: Ist nichts geworden, war schon toll. Nein, was nichts ist, ist nichts. Da müssen wir jetzt auch nicht noch ein neues Label draufmachen.
Und es geht mir auch nicht darum, dass wir die Erfolge unseres Lebens irgendwie kleinreden. Paulus kann an einer Stelle schreiben: Ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle, das heißt, als die anderen Apostel. Er schreibt das in dem Brief. Wenn man mal schaut, wer mehr Arbeitsstunden für das Evangelium investiert hat, dann sagt er: ich, ich mehr als alle. Okay, Achtung, du darfst das sagen. Aber wenn du das sagst, dann fahr in deinem Satz vielleicht so fort, wie Paulus es an der Stelle tut: Ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle, nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die in mir war.
Du darfst dich über die Erfolge deines Lebens freuen. Aber bitte freu dich an dem, was in deinem Leben gut läuft, im Blick auf das, was Gott in dir gewirkt hat. Ja, lass Gott nicht außen vor. Das bist gar nicht du. Freu dich darüber, aber sieh, dass es die Gnade Gottes in deinem Leben ist, was Gott dir geschenkt hat.
Ich werde tatsächlich in ein paar Wochen wahrscheinlich einen theologischen Abschluss kriegen. Ja, ja, Wahnsinn. Und ich freue mich darüber, logisch. Aber ich möchte dafür Danke an Gott sagen. Er ist es, der das möglich gemacht hat, das bin nicht ich.
Die ehrliche Selbstbeschreibung
Nochmal zurück zu dem, wie wir ticken. Ich saß vor ein paar Wochen mit ein paar alten Schulfreunden zusammen. Und wenn man das so macht und sich jahrelang nicht gesehen hat, dann muss man immer erzählen: Was machst du gerade? Wovon lebst du gerade?
Dann hast du da so einen, der an der Uni arbeitet, einen, der sein eigenes Unternehmen hat, und noch jemanden, der auch etwas geworden ist. Irgendwann komme ich dann an die Reihe. Ich habe mich so geschämt für meinen Auftritt in dieser Runde. Warum?
Jürgen, was machst du gerade? Na ja, dann erzähle ich meine Erfolge. Ich erzähle davon, dass diese Outdoor-Bibelschularbeit gerade wächst, die Gemeinde vorangeht und, als Krönung obendrauf, dass ich jetzt auch bald noch einen Abschluss in Theologie bekomme.
Und in dem Moment, in dem ich das sagte, habe ich mich geschämt. Wisst ihr, warum? Weil ich genau die Dinge genannt habe, über die sich jeder x-beliebige Heide auch freuen könnte. Und das Eigentliche, was mein Leben auszeichnet, habe ich mich nicht getraut zu erwähnen. Der, der wirklich dahintersteckt, und die Dinge, die wirklich radikal in meinem Leben geworden sind, die habe ich nicht gesagt.
Ich habe mich auf dieses Niveau herabgelassen: Leistung, Abschluss, was stellst du da? Statt dass ich sage: Wisst ihr, was ich in den letzten Jahren erreicht habe? Ganz ehrlich, meine Sehnsucht, Jesus zu gefallen, ist gewachsen. Ich habe mich bemüht, ihm mehr zu dienen. Ich habe mich bemüht, mich mehr davon antreiben zu lassen, ihm ähnlicher zu werden.
Ich habe so eine Leidenschaft entwickelt für das Reich Gottes. Und ich durfte im Kleinen, im Verborgenen, einfach richtig ein Stück Ewigkeit erschüttern. Das habe ich alles nicht gesagt.
Paulus als Gegenbild
Paulus hätte das gesagt. Wenn Paulus so sagen darf, was er in seinem Leben cool findet, dann hört sich das so an: Philipper 3,8.
Ja, wirklich, ich halte auch alles – und damit bezieht er sich auf seine Herkunft und seine Leistungen, also all das, was ihn zum Traumschwiegersohn qualifiziert. Das einmal zusammengefasst: Wie denkt er an dieser Stelle über sich?
Er sagt: Ja, wirklich, ich halte auch alles, Philipper 3,8, für Verlust. Und das Wort kann man auch mit „Schaden“ übersetzen. Da steckt die Idee drin, dass von diesen Dingen eine Gefahr ausgeht, wenn man sie im Leben zu wichtig nimmt. Dann besteht die Gefahr, dass man sich womöglich über seine Abschlüsse, über seinen Freundeskreis, über seinen Geldbeutel, über sein Aussehen anfängt zu definieren. Und dass man das Eigentliche, das Wesentliche, aus dem Blick verliert.
Und Paulus sagt: Ich habe das kapiert. Ich halte all diese Dinge für Verlust. Und er hat eine ganze Latte davon. Paulus ist also nicht der, der sagt: Ich habe nichts, und das ist gut so. Nein, er hat etwas und sagt: Ich nehme das alles und achte es für Verlust.
Warum? Weil er sagt: um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen. Er sagt: Es gibt da etwas in meinem Leben, das mir so viel mehr wert ist. Ich möchte Jesus erkennen. Er ist mein Herr. Und deswegen habe ich gerne um seinetwillen alles eingebüßt und halte es für – und jetzt kommt dieses Wort, das man eigentlich auf der Kanzel nie sagen darf und das ich auch nicht sagen will – freundlich übersetzt für Dreck, damit ich Christus gewinne.
Nachfolge als Weg des Verlusts und der Nähe
Er sagt: All das, womit ich angeben könnte, ist nicht mehr als das Zeug, das in der Gosse liegt und das die BSR mit dem nächsten Kehrwagen wegnimmt. Was keiner haben will, was nur vor sich hingammelt, was nichts taugt, das ist meine Vergangenheit, das bin ich. Aber das Eigentliche ist Christus.
Ich möchte Jesus erkennen, ich möchte ihn gewinnen. Ich laufe dieses Leben, um ihm nahe zu sein. Und alles, womit man diese Nähe zu Christus ersetzen kann, all das, wo die Welt kommt und sagt: Du bist etwas, weil ..., sagt Paulus: Du bist gar nichts. Du bist genau in dem Maß Mensch, wie du Jesus nahe bist. Und wenn du dich darauf einlässt, in all deiner Schwachheit, mit all deiner Begrenztheit, hey, Halleluja, dann ist das gut.
Und wenn du versuchst, dich über diese anderen Dinge zu definieren, so zu sein, wie man zu sein hat, um jemand zu sein, das kannst du knicken. Das wird nicht funktionieren. Ich will mehr Jesus in meinem Leben. Das hätte ich da sagen müssen: Ich will mehr Jesus in meinem Leben, weil ich von ihm ergriffen bin. Ich will mehr von seiner Auferstehungskraft erleben, auch wenn das bedeuten muss, dass ich sterben muss. Vielleicht nicht gleich wörtlich, aber so bildhaft, dass Dinge, die mir wichtig sind, mir unwichtig werden.
Wisst ihr, wenn Jesus davon schreibt, dass seine Jünger ein Kreuz aufnehmen, ich weiß nicht, ob ihr das noch vor Augen habt, dann beschreibt er die Nachfolge Christi mit einem Bild, das gruseliger nicht sein könnte. Das Kreuz aufnehmen heißt: Da ist ein verurteilter Verbrecher, dem legt man etwa einen zentnerschweren Querbalken aufs Kreuz, und den schleppt er zur Hinrichtung. Wenn Jesus dieses Bild verwendet, was möchte er uns über Nachfolge sagen?
Ja, doch bestimmt nicht, dass in der Zeit, in der wir ihm nachfolgen, alle begeistert sind und alle uns zujubeln. Es muss eher damit zu tun haben, dass er erwartet, dass seine Jünger bereit sind, den Weg eines Verbrechers zu gehen, von den Menschen wie ein Verbrecher ausgelacht und bespuckt zu werden und getreten und verachtet zu werden. Jesus sagt: Das ist Nachfolge. Wenn du dazu bereit bist, dann kannst du mir nachfolgen.
Und Paulus nennt das die Gemeinschaft seiner Leiden. Also: Wenn du Jesus nachfolgst, wirst du selber leiden. Die Gemeinschaft seiner Leiden erkennen, indem ich seinem Tod gleich werde. Also werde ich jeden Tag ein Stück sterben in dem Moment, wo ich Jesus nachgehe. Und das, was ganz offensichtlich sterben muss, das ist diese Idee, wie toll ich bin, weil ich so schön bin und weil ich so erfolgreich bin. Und weil ich so reich bin und weil ich irgendwie über tausend Facebook-Freunde habe. Das muss als Allererstes sterben, damit überhaupt irgendetwas wachsen kann.
Schwachheit als Ort göttlicher Kraft
Ich hatte vorhin gesagt: Wenn wir auf diesem Weg sind, wenn wir in der Heiligung drinstecken, dann werden wir erkennen, wie weit wir sind, wenn wir uns anschauen, woran wir uns freuen, womit wir angeben.
Und jetzt müssen wir noch einmal zurück zu dieser Anti-Haltung. Die Welt, was hast du erreicht? Also: Ey, hier, Aktienkurs habe ich voll mitgenommen, ja. Haus habe ich gebaut, ja. Abschluss brillant, ja. Und ansonsten war ich wieder essen mit dem Stadtrat und ja, mit der Bezirksbürgermeisterin auch, ja, ja. Das ist das, was die Welt zählt.
Und jetzt kommt Paulus. Paulus konfrontiert die falschen Apostel, die natürlich immer mit diesen Dingen angegeben haben: Wir kennen Petrus, wir kommen aus Jerusalem, wir sind so im inneren Zirkel der Leute, die echt Ahnung haben. Und außerdem sind wir Juden. Wir hatten schon Ahnung von dem ganzen Jesusgedönse, da wart ihr Heidenchristen noch nicht mal. Habt ihr noch nicht mal gewusst, dass da irgendwas auf euch zukommt. Wir kennen das A.T. in- und auswendig, du kannst mir irgendeine Stelle sagen und ich zitiere sie dir.
Mit diesen Dingen kommen jetzt die ganzen falschen Propheten, die falschen Apostel in die Gemeinde hinein und setzen sich hin: Schaut, wie toll wir sind! Und Paulus sagt im 2. Korintherbrief: Das ist Quatsch, das ist Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch, Quatsch. Ich möchte mich gar nicht auf dieses Niveau begeben, mit solchen Sachen anzugeben, weil das genau das ist, was ich nicht mehr möchte. Das hat mich weg von Gott geführt, das hat mich weg von Jesus geführt, das hat mich dahin geführt, dass ich dachte, ich bin toll. Dass ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe, so toll habe ich mich gefunden. Ich habe Menschen umbringen lassen, Blut klebt an meinen Händen, weil ich mich so toll fand.
Und ich bin froh, dass ich dieses falsche Denken über wer ich bin los bin und dass ich jetzt die Nähe zu Jesus suchen kann. Und dann spielt er das durch und sagt: Okay, wenn ihr mich zwingt, bei diesem Spiel der Angeberei einfach mal mitzuspielen, okay, dann sage ich auch mal was.
2. Korinther 11,30 Wenn gerühmt werden muss, also wenn ihr mich, was ich nicht will, zwingt, aus meinem Leben Dinge zu sagen, die passiert sind, wenn gerühmt werden muss, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen.
Das Bild der Rettung und der verborgenen Ehre
Denkst du dir: Hallo, das ist doch falsch. Das ist so, wie wenn bei Spiel des Lebens einer sein Geld immer verschenkt. Nee, du musst es sammeln, am Ende wird gezählt, kannst doch nicht verschenken. Müsst ihr mal Spiel des Lebens spielen, und jeder verschenkt. Ja, jemand hat Schulden, der kriegt sofort Geld geschenkt. Es wird ein ganz anderes Spiel.
Und man kann doch nicht sich hinstellen und sagen: Also wenn jetzt Angeberei gefragt ist, okay, ich habe da auch was. Wenn gerühmt werden muss, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der gepriesen ist in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge. Und jetzt mache ich aber so ein richtig schönes Beispiel, womit man zeigen kann, was ich für ein toller Typ bin.
In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaszener, um mich gefangen zu nehmen. Und durch ein Fenster wurde ich in einem Korb durch die Mauer hinabgelassen und entrann seinen Händen.
Und wo ist jetzt der Clou? Also ich hoffe, ihr denkt so, ja? Also lieber Paulus, ganz schön, ja. Was macht Paulus hier? Er sagt: Wenn ich angeben muss, dann lass mich einen Moment in meinem Leben nehmen, wo ich besonders schwach bin. Beispiel: Flucht aus Damaskus.
Wie so ein Kleinkrimineller heimlich, still und leise nachts in so einem Bäckerkorb, weißt du ja, so die Stadtmauer runter. Ja, kannst du dir vorstellen, wie das ist in der Dunkelheit? Steigst du aus einem Fenster in so einen Korb. Da ist kein Dien-Siegel drauf, also jetzt für den Fall, dass du wartest, da hat eine Berufsgenossenschaft draufgeschaut, ja. Du steigst in diesen Korb, hast da oben ein paar Leute, die lassen dich da langsam runter. Ja, und du hast da unter dir irgendwie, sagen wir mal, vier Meter Dunkelheit. Super Idee, ja. Und du hoffst, dass unten keiner dich mitkriegt, weil du willst abhauen. Du willst heimlich, still und leise abhauen.
Das kannst du doch nicht mit angeben, Freund. Aber das macht Paulus. Er nimmt den schwächsten Moment in seinem Leben und sagt: Also wenn ich mit irgendwas angeben muss, gebe ich damit an. Warum? Was möchte Paulus damit betonen? Es geht darum, dass er Gott die Ehre geben will. Er will feiern, was für eine Lachnummer er selber ist, damit man den feiert, der hinter der Lachnummer steht und mit ihm ein Imperium erschüttert hat.
Versteht ihr? Alle würden sagen, das müssen wir verstecken, das dürfen wir niemandem sagen. Und Paulus sagt: Nein, nein, ich möchte, dass alle sehen, wie es in meinem Leben Momente gibt, da hat man so richtig deutlich gesehen, wer ich wirklich bin. Da bin ich heimlich, still und leise abgehauen. Und so einen Typen hat Gott verwendet, um das Evangelium bis in die entlegensten Winkel des römischen Imperiums zu bringen. So einen Typen verwendet Gott.
Umgang mit Grenzen, Druck und Ohnmacht
Also die Frage ist: Was sagt uns das? Wie gehen wir mit konkreten Einschränkungen um? Was ist, wenn du in deinem Leben dienen möchtest, wenn du sagst: Ich möchte Gott dienen, aber es gibt Hindernisse, die du einfach nicht überwinden kannst?
Das können Kopfschmerzen sein. Das können finanzielle Nöte sein. Das können Anfeindungen von außen sein, Uneinsichtigkeit, denk dir irgendetwas aus. Wie gehe ich damit um, wenn ich merke: Ich wäre ja gerne der Superheld. Aber irgendwie stellt sich immer dann, wenn ich gerade Superheld sein will, ja, gerade wenn ich losrennen möchte, habe ich den Eindruck, da stellt sich mir irgendetwas in den Weg. Was mache ich mit so etwas?
Und Paulus würde sagen, und ich lese euch noch aus 2. Korinther 12 etwas vor. Paulus würde sagen: Weißt du, vergiss doch mal dieses Starkseinwollen. Bei ihm klingt das dann so: „Darum, damit ich mich nicht überhebe“, 2. Korinther 12,7, „wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben.“ Keine Ahnung, was das ist, aber wer sich schon mal an einem Dorn gestochen hat, weiß: Das tut weh. Du willst lieb sein, deiner Mama eine Rose kaufen, fasst die ein bisschen blöd an, und dann tut das weh. Und dieses Bild verwendet er: ein Dorn für das Fleisch, etwas, was mir wehtut. „Ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe.“
Was tue ich, wenn ich einen Dienst für Gott tun möchte und ich ein Problem habe, das mich daran hindert, meinen Dienst so zu tun, wie ich mir das vorstelle? Ich bete. „Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablassen möge.“
Und was macht Gott jetzt? Immerhin mit seinem Mann für die Heiden, seinem besten Mann, seinem auserwählten Apostel? Gott sagt: „Hey, super, gut, dass du gebetet hast. Ich habe den Engel übersehen, ich nehme ihn weg.“ Nein, das steht nicht da. Da steht: „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir.“ Was so viel bedeutet wie: Nö, machen wir nicht. Du möchtest ihn loswerden? Geht nicht. Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.
Die paradoxe Stärke des Glaubens
Und den Satz müssen wir uns merken: Meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.
Nachdem Gott ihm das gesagt hat, schreibt Paulus nun:
Sehr gerne will ich mich viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Du liest das und schüttelst doch nur den Kopf, oder? Ich freue mich darüber, dass ich im Krankenhaus lag und diese erste schwere OP hatte, die zweite schwere OP habe. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Ehrlich, das klingt doch unwirklich, was hier steht. Aber das ist die Realität. Und manchmal ist Christsein damit verbunden, dass man der Realität ins Auge schaut.
Der natürliche Mensch sucht Stärke. Er sucht Unabhängigkeit, Gesundheit, Einfluss, Erfolg und ein möglichst angstfreies Leben. Der geistliche Mensch, und darum geht es mir heute, stellt diesen ganzen Denkansatz in Frage.
Welchen Einfluss auf den ewigen Erfolg meines Lebens haben Schwachheiten? Die Frage meine ich ernst. Wir sind ja nicht hier, um den Jackpot zu knacken. Wir sind hier, um das Reich Gottes zu bauen.
Und jetzt, wenn es darum geht, diesen ewigen Erfolg unseres Lebens einmal zu betrachten: Welchen Einfluss hat auf den ewigen Erfolg meines Lebens das, was ich Schwachheiten nenne, was er uns hier vorgelesen hat, Misshandlungen, Nöte, Verfolgungen, Ängste? Welchen Einfluss haben diese Dinge?
Antwort: Gar keinen.
Ich weiß nicht, ob du das glauben kannst. Aber das ist das, was Paulus uns sagen möchte.
Vertrauen statt Selbstoptimierung
Hast du verstanden, dass, wenn Gott dir eine Aufgabe gibt, deine eigene Stärke keine Rolle spielt? Wenn du auf Widerstände triffst, bete dafür. Und wenn sie nicht weggehen, dann mach dir einfach keinen Kopf darüber, dass du schwach bist, dass du vielleicht Schmerzen hast, dass du dich allein oder entmutigt fühlst, dass du vielleicht gerade gar nicht weißt, wie du das alleine schaffen sollst, dass man dich ausgrenzt oder dass du Angst hast. Es spielt alles keine Rolle.
Ich weiß, dass das total verrückt klingt, weil wir anders gepolt sind. Wir sind so gepolt: Ich muss mich gut fühlen, stark sein, es muss alles gut laufen, und dann kann ich etwas für Gott schaffen. Und jetzt kommt der Apostel Paulus und sagt: Ich freue mich, wenn ich schwach bin. Damit wird uns deutlich gemacht, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, wie stark du dich fühlst.
Und ja, ich weiß, dass du daran gewöhnt bist, dich über deine Erfolge, über deine innere Stärke, über deine Ausgeglichenheit oder über was auch immer zu definieren. Aber biblisch ist das nicht.
Ich sage dir jetzt einen Satz, und ich weiß nicht, ob du ihn glauben kannst: Du bist nicht für das Gelingen deines Lebens verantwortlich. Nicht in letzter Konsequenz. Du bist dafür verantwortlich, treu das zu tun, was Gott dir aufgetragen hat. Aber wenn sich da irgendetwas querstellt, was du nicht wegkriegst, dann kriegst du es eben nicht weg. Dann darfst du mit Paulus sagen: Ist halt so, ja, ich weiß jetzt auch nicht, was ich machen soll.
Hier steht, und das ist die Antwort Gottes für Momente, in denen ich total frustriert bin: Meine Gnade genügt dir. Und deswegen meine Frage an dich: Hast du Genüge an der Gnade Gottes?
Ich glaube, dass viele Christen das nicht haben, dass wir mehr wollen als die Gnade Gottes. Wir wollen vielleicht, dass unser Leben Sinn macht oder erfolgreich ist oder dieses „glücklich“ vielleicht auch einfach, irgendwie durchschaubar, vorhersehbar. Mindestens wollen wir, dass es möglichst wenig Leid enthält. Also gar kein Leid, das würde sich vielleicht keiner trauen. Aber es muss ja irgendetwas bringen, wenn ich jeden Sonntagmorgen aufstehe und in die Kirche gehe, oder? Also ein bisschen weniger Leid wäre schon schön. Das ist unser Denken.
Gottes Kraft im Alltag und in der Schwachheit
Und jetzt kommt Paulus, der diesen Wunsch hat, gerettet zu werden von diesem Engel Satans, der ihn schlägt und ihm Schmerzen zufügt. Er merkt selbst: Ey, ich würde so viel mehr gerne für Gott reißen. Ich würde mich in der Gemeinde noch viel mehr investieren. Und er fleht Gott dreimal an und sagt: Nimm den bitte weg.
Und Gott sagt: Nö, mach ich nicht. Mach ich nicht, lass gut sein, Paulus. Ich habe dich begnadigt. Du gehörst zu mir. Du bist mein Kind. Du bist Himmelsbürger. Du bist erlöst. Du bist befreit von diesen Fesseln des Todes und der Sünde. Hör auf, dafür zu beten, dass die Schmerzen weggehen.
Weißt du was? In dem Maß, wie du dich ganz offensichtlich untauglich fühlst für den Dienst, in dem Maß, wie du es selber nicht mehr schaffst, werde ich dir mit meiner Kraft zur Seite stehen. Meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.
Wir glauben das nicht, ist mir schon klar. Ich bin der Erste, der das nicht glaubt. Ich bin der Erste, der, wenn er zu einer Predigt fährt, sich wünscht, klar im Kopf zu sein, keine Kopfschmerzen zu haben, eine innere Freimütigkeit zu besitzen, mich nicht mit meiner Frau gestritten zu haben und so weiter. Ich bin der Erste, der sagt: Nur dann möchte ich auf die Kanzel gehen.
Aber soll ich euch was sagen? Es ist viel spannender, wenn du da sitzt und denkst: Boah, ey, schlecht geschlafen, völlig fertig, kann irgendwie gerade keinen geraden Gedanken fassen. Entweder machst du heute was, oder ja, das wird eine sehr interessante Predigt.
Das sind die Momente, wo Gott viel mehr tun kann.
Die eigentliche Quelle von Kraft
Und deswegen: Wenn du dir einen Satz mitnimmst aus dieser Predigt, dann nimm bitte diesen Satz mit:
Es wird dir nie an der Kraft fehlen, die du brauchst, um den Dienst zu tun, den Gott für dich hat.
Ich sage dir noch einmal: Es wird dir nie an der Kraft fehlen, die du brauchst, um den Dienst zu tun, den Gott für dich hat.
Der ganze 1. Korinther 12. Der ganze 1. Korinther 12.
Meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Das ist die Sache. Gott vollendet sich. Also: Gott gibt dir ein Maximum an Zuwendung, Kraft und Hilfestellung da, wo du schwach bist.
Deswegen: Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, dann ist es völliger Unsinn zu sagen: Ich schaue auf meine Beredsamkeit, oder ich schaue auf meinen Geldbeutel, oder ich schaue auf mein Vitamin B, oder ich schaue auf irgendetwas anderes.
Und wenn jemand sagt: Gib doch mal an mit dem, was du geleistet hast, dann schau dir die schwächsten Momente in deinem Leben an. Denn du merkst geistlich: Wenn es um Erfolg geht, wenn es darum geht, dass wirkliche Kraft sichtbar wird, dann sind die schwächsten Momente, in denen Gott durch dich hindurch wirkt, die stärksten.
So viel Kraft können wir nie aus uns selber heraus produzieren. Aus dieser Mischung aus Muskelspannung, Kopfschmerzfreiheit und was weiß ich, innerer Freimütigkeit, seelischer Ausgeglichenheit: So viel Kraft, wie Gott uns in solchen Momenten hineinstecken kann, können wir nie selber hervorbringen.
Und deswegen wird dir nie an der Kraft fehlen, die du brauchst, um den Dienst zu tun, den Gott für dich hat.
Und deswegen kannst du gerne ein bisschen mit deinen Schwachheiten prahlen. Je mehr die Menschen begreifen, dass du ein Normalo bist, nicht so ein Vorzeige-, so ein geistlicher Vorzeigeathlet, je mehr sie merken, du bist auch ein Durchschnittstyp, vielleicht bist du sogar ein bisschen unterdurchschnittlich, in dem Maß werden sie die Wahrheit erkennen.
Und diese Wahrheit ist: Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Praktische Konsequenzen für Gemeinde und Leben
Wir glauben, wenn wir stark sind, sind wir stark. Und Gott sagt: Nein. Wenn du schwach bist, wenn du mit allem, was du hast, gezwungen bist, auf nichts zu vertrauen, dann werden Wunder passieren. Dann wirst du merken: Ich bin wirklich da.
Dann schaust du auf Momente zurück, in denen du ganz genau weißt: Hier hat Gott mich besonders gesegnet.
Und deswegen ist die eigentliche Stärke meines Lebens nicht meine menschliche Kompetenz, nicht meine Ausbildung, nicht meine Gesundheit, nicht meine Beziehungen, nicht mein Intellekt, was auch immer dir noch einfällt, nicht mein Vermögen, was auch immer du als Erfolgsfaktor wertest. Die eigentliche Stärke meines Lebens, das ist Gott in mir. Und deshalb kann ich schwach sein, und mich kann trotzdem nichts aufhalten.
Und je mehr ich mir dieser Tatsache bewusst werde, je mehr ich mich selbst nicht mehr über meine eigenen Möglichkeiten definiere, sondern über die Gnade Gottes und damit über Christus in mir, letztlich über die Nähe zu dem Herrn Jesus, desto mehr werde ich anfangen, und das ist verrückt, aber ich werde mehr anfangen, das in meinem Leben zu feiern, was Gott die Ehre gibt.
Und das sind die Momente, in denen man am deutlichsten sieht, dass mein Erfolg eigentlich nicht mein Erfolg ist, sondern in allen Dingen immer sein Erfolg.
Heilige Verachtung. Mein Wunsch ist, dass wir Gott feiern, indem wir die Oberflächlichkeit und auch die Kurzsichtigkeit dieser menschlichen Erfolgskonzepte erkennen und einfach nicht mehr darauf hereinfallen.
Drei Wege der heiligen Verachtung
Was heißt das praktisch? Drei praktische Punkte zum Schluss.
Erstens: Schmunzeln.
Schmunzeln ist angesagt, wenn man die Bibel liest. Was meine ich damit? Es gibt in der Bibel sogenannte Glaubenshelden. Gönnt euch deren Geschichten. Schau dir Noah an mit seinem Alkoholproblem. Oder schau dir den Kämpfer Israel an, ja, Israel, der Kämpfer, der da humpelnd vor sich hinschleicht. Oder schau dir die Richter an. Wally wird euch bestimmt irgendwann mal wieder eine Richterreihe geben. Und dann gehst du die Leute durch: der eine mit seinem Egotrip, der andere, der seine Zunge nicht halten kann, der dritte, der immer drauflos quatscht, und dann kommt einer mit seinen Frauenproblemen.
Das sind Glaubenshelden, denkst du dir. Hä? Ja, ganz genau, das sind Glaubenshelden. Das sind die Menschen, mit denen Gott die Welt verändert hat. Aha, okay. Also: Schmunzeln, das ist eins.
Das Zweite ist: Freu dich an deinen Geschwistern.
Hier in der Gemeinde, ich meine das ernst, freu dich an deinen Geschwistern. Und damit sage ich nicht: Freu dich an der Perfektion, an ihrer Genialität, an ihrem Charisma, sondern freu dich an den Dingen, die nicht auch jeder Heide toll findet. Ja, wenn da einer vorne steht, der toll quatschen kann, können sich alle freuen, logisch. Aber fang doch mal an, dich an dem zu freuen, was Gott die Ehre gibt.
Freu dich doch mal an dem Wirken Gottes in deinen Geschwistern. Schau doch mal, wo in ihrer Schwachheit Gottes Kraft sichtbar wird. Wisst ihr, es ist so einfach, auch in der Gemeinde die zu feiern, die toll sind, die schön sind, die etwas ausstrahlen, die irgendwie, wenn man sich mit ihnen unterhält, immer so einfach nett sind. Aber was wäre, wenn wir anfangen würden zu feiern, wo Gott im Leben von Leuten durch seine Kraft Charakter verändert?
Wo ein Fauler ein bisschen fleißiger wird. Und man sagt: Boah, das nimmt man kaum wahr, weil er immer noch halb faul ist. Aber dass wir anfangen, das zu feiern, wo Gottes Kraft sichtbar wird. Wo jeder, der mal in irgendeiner Charaktersünde drinsteckte, genau weiß: Die ersten paar Meter raus, das sind irgendwie so die krampfigsten, die schwierigsten, weil man immer wieder umhaut und so.
Dass wir feiern, wie Gott an uns wirkt. Dass die Frucht des Geistes sichtbar wird. Wo wir sehen: Da wird einer liebevoller, fröhlicher. Und dann geht es ja weiter mit Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Wo diese Dinge sichtbar werden. Einer wird geduldiger. Einer, der ein Hitzkopf war, streitet sich vielleicht nur noch in einem Drittel aller Fälle. Boah, Gott macht etwas in ihm. Das gilt es zu feiern.
Der friedliche, nette Mensch, der hier vorne steht und dem irgendwie der Friede aus jeder Pore tropft, ey, für den ist das nichts. Aber weißt du, der Jähzornige, der immer so gleich drauf ist, wenn der jetzt vielleicht einfach mal bis drei zählen lernt, so, wo man merkt: Da ist Gott am Wirken, der tut etwas. Da müssen wir uns freuen. Denn das ist die eigentliche Stärke. Das ist, wo Kraft Gottes sichtbar wird. Wo Gott Charakter formt. Wo er Menschen gebraucht, vielleicht in den Momenten, wo wir eigentlich müde sind, fertig sind, entmutigt, gedemütigt. Wenn da etwas passiert, dann sollen wir einen Blick darauf haben.
Und nicht den Maßstab der Welt in die Gemeinde transportieren. Das dürfen wir nicht.
Liebe, Identität und der letzte Grund des Wertes
Der letzte Punkt, der hört sich komisch an, vergebt ihn mir, aber es ist so ein schöner Weihnachtspunkt, wie so ein kleines Goodie am Ende, so ein Kalender, aus dem man morgens dann so ein Goodie rausnimmt.
Also, das eine ist: Schmunzle über die Glaubenshelden. Schau dir an, mit was für Typen Gott Geschichte schreibt. Das zweite ist: Freu dich daran, dass Gott im Leben deiner Geschwister wirkt, und lerne, dahin zu schauen, wo Gottes Kraft sichtbar wird. Und das dritte: Freu dich über die Liebe.
Du musst deine Schwachheiten nicht verstecken. Man sagt immer, man müsse die Schwachheiten irgendwie verstecken und an den Stärken arbeiten. Ja, von mir aus arbeite an deinen Stärken. Schau, dass du deine Talente und deine Gaben entfaltest. Such dir einen Job, der dir Spass macht. Aber ganz ehrlich: Wenn ich den Text hier lese, dann hat Gott in dem Moment meine Schwachheit geadelt, als er bei mir mit seinem Heiligen Geist eingezogen ist. Mit Jesus in mir kann mich nichts aufhalten. Ist das herrlich?
Und deswegen meine ich: Meine Schwachheit, dieses Schräge, ich schaue in den Spiegel oder ich schlurfe betend durch den Wald und denke über mich nach, und ich kann es immer noch bis heute nicht fassen, dass Gott diesen Typen wollte, in mir. Wohnt sein Geist? Kannst du das für dich feiern, oder siehst du nur, das läuft nicht und das läuft nicht und das ist doof?
Kannst du glauben, dass Jesus in dir eine Macht ist, die nichts aufhalten kann? Wenn Gott mit dir etwas vorhat, dann ist es nicht vielleicht. Vielleicht hast du gerade Spannungen in deiner Ehe, vielleicht gibt es gerade einen gehässigen Zeitungsartikel, irgendwelche anderen widrigen Umstände, keine Ahnung. Aber weisst du das? Denn Gott hat mit dir etwas vor. Dass du einfach zu deinen Schwachheiten stehen kannst.
Ich meine nicht zu deinen Sünden und zu deiner Dusseligkeit, aber zu deinen Schwachheiten. Und dass du wissen kannst: Es geht nicht darum, ich darf zu meiner Vergesslichkeit stehen. Ja, ich bin vergesslich. Ich habe zu Hause auf meinem Rechner, da hat mir jemand einen Predigtentwurf geschickt, und ich weiss nicht mehr wofür. Ich habe sie noch nicht gesagt, aber ich weiss es ehrlich nicht mehr. Wir haben darüber gesprochen, ich soll ihn mir durchlesen. Ja, schön.
Ich darf zu meiner Vergesslichkeit stehen. Vielleicht bist du auch vergesslich, keine Ahnung. Ich darf zu den Dingen stehen, wo andere sagen, das ist nichts. Vielleicht nur mittelmässige Schulbildung, vielleicht hast du Angst davor, alleine zu sein, vielleicht bist du so ein bisschen impulsiver Typ. Hey, du darfst dazu stehen. Du darfst ein bisschen stolz auf dich als Ganzes sein. Nicht nur auf die Dinge, die in den Augen der Leute was her machen, sondern du bist als Ganzes von Gott geadelt.
Schlussgedanke: Warum die Welt dich braucht
Und jetzt sage ich etwas: Gott sind meine Stärken so lieb wie meine Schwächen, denn Gott mag mich ganz. Und nur weil irgendwelche Menschen sagen, ich entspreche an irgendeiner Stelle nicht irgendeiner Norm, heißt das noch lange nicht, dass Gott das genauso sieht.
Und deswegen gilt: Wenn Gott durch mich etwas erreichen will, sind meine Schwächen keine Behinderung, und meine Stärken sind eigentlich auch kein Plus. Und ich bin dafür, dass wir gabenorientiert dienen, völlig. Ich bin dafür, dass du deinen Job, den du machst, als etwas verstehst, das dir liegt, weil es einfach viel mehr Spaß macht und weil es dir dann leichter fällt.
Aber lasst uns darauf achten, dass wir nicht das feiern, was in den Augen der Welt etwas darstellt, sondern lasst uns eine Sache feiern. Und das ist die alles entscheidende Sache: Lasst uns feiern, dass Gott in uns wohnt, denn das und nur das gibt uns Wert.
Weißt du eigentlich, warum die Welt dich braucht? Und das ist mein letzter Gedanke: Warum braucht die Welt dich? Weil du so gut reden kannst, weil du vielleicht so gut organisieren kannst, weil du so viele einflussreiche Freunde hast oder weil du mit deinem Geld so viel Gutes tun kannst? Ich weiß nicht, wenn ich dir die Frage stelle: Warum braucht die Welt dich?, ob du da irgendeine Antwort darauf hast. Und ich werde wahrscheinlich auf jede Antwort sagen: Nein, nein, nein.
Die Welt braucht dich aus einem einfachen, einzigen Grund. Sie braucht dich nur aus diesem Grund. Sie braucht dich, weil Gott in dir wohnt. Das ist schon alles. Weil Gott mit einem Geist der Kraft in dir wohnt, um dich, egal wie schwach du dich gerade fühlst, egal ob du gerade denkst, das schaffe ich oder das schaffe ich nicht, egal ob dir der Job, der dir da in die Hände fällt, zu groß ist oder ob du denkst, das habe ich schon ein paarmal gemacht, das kriegen wir schon hin.
Das spielt alles keine Rolle. Das sind so menschliche Faktoren. Aber in Wirklichkeit ist es so: Ein Geist der Kraft wohnt in uns, und das heißt, dass nichts und niemand sich dem Evangelium entgegenstellen kann. Auch dann, wenn du es bringst.
In diesem Sinne: Lasst uns das feiern. Amen.
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