
Apostelgeschichte 17,23-29 - Das evangelistische Gespräch 2
Apostelgeschichte 17,23-17,2921.02.2021
Serie•Teil 43 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in die Predigt und der Blick auf die Stadt
Apostelgeschichte, es geht weiter: Apostelgeschichte 17. Paulus steht immer noch auf dem Areopark, das ist ein Hügel mitten in Athen, und er darf dort das Evangelium predigen.
Letztes Mal haben wir uns den Anfang dieser Predigt angeschaut. Ich wollte euch dabei zeigen, wie Paulus ein evangelistisches Gespräch beginnt und wie er auf das eingeht, was seine Zuhörer tatsächlich kennen. Wir haben mitbekommen: Paulus war vorher durch die Stadt gelaufen, hat sich angeschaut, wie die Leute leben, und hat dann durch das, was er gesehen hat, ganz konkret einen guten Einstieg in seine Predigt gefunden.
Mir ging es beim letzten Mal ein Stück darum, euch genau dazu zu ermutigen: mit offenen Augen durch die Kultur zu gehen und zu schauen: Hey, hier ist meine Gesellschaft, in der ich lebe. Wo finde ich in dieser Gesellschaft Anknüpfungspunkte, um aufs Evangelium zu sprechen zu kommen? Wo finde ich Sehnsüchte in der Gesellschaft, die in letzter Konsequenz nur von dem Herrn Jesus gestillt werden können?
Mir ging es darum, euch zu zeigen, dass ich mir fast jeden aktuellen Trend nehmen kann. Ob das Superfood ist: Plötzlich müssen alle Heidelbeeren essen. Oder Fitness für mehr Lebensqualität: In Zeiten von Corona brauchen wir alle unser Homegym, um zu Hause auch noch Sport machen zu können. Oder diese Achtsamkeit für den Geist, am besten verkehrt herum hingestellt, damit man da wieder ein bisschen runterkommt. Oder – und da bin ich jetzt auch seit ein paar Monaten dabei und also wirklich nicht unschuldig – diese Lust auf Podcasts. Seit neuestem gibt es jetzt auch noch Clubhouse. Da muss man dann also alles wissen und hören können. Es ist Wahnsinn, was man alles wissen und hören kann.
Ich kann mir jetzt diese Trends nehmen, und ich werde feststellen, dass im Kern jedes Trends eine Sehnsucht nach Leben steckt, eine Sehnsucht, die in letzter Konsequenz, wie ich das weiß, nach Gott verlangt. Unser Interesse an Gesundheit, an Schönheit, an Genuss, an Wissen – das offenbart in letzter Konsequenz etwas über uns als Menschen. Und das gilt für jeden Menschen: Ich kann mich nur extrem schwer damit anfreunden, vergänglich zu sein. Und das ist irgendwie auch logisch.
In uns steckt, biblisch betrachtet, Gottes Ebenbildlichkeit. Salomo spricht das ganz schön aus, wenn er sagt: Prediger 3,10-11. Da schaut er so aufs Leben. Und ich kann euch immer wieder nur raten: Lest Prediger. Wirklich, Prediger ist in Zeiten von Corona diese Coolness von Prediger, glaube ich, das, was das Herz total erfrischt.
Der Hunger nach Leben und die Frage nach echter Erfüllung
Aber zurück zu Prediger 3,10-11: Ich habe das Geschäft gesehen, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich darin abzumühen. Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende.
Gott hat in unser Herz, in unser Denken, ganz tief in unser Wollen, Ewigkeit hineingelegt. Und weil das da ist, gibt es jetzt für den normalen Menschen ein Problem. Das Problem lautet: Ein Leben ist nicht genug. Noch dazu, wenn wir ehrlich sind, eines, das sich ab Mitte 50 rasant abnutzt. Ein Leben ist nicht genug.
Es gibt einen Hunger nach Leben in jedem Menschen. Es gibt einen Lebensdurst, der sich tatsächlich nur dadurch stillen lässt, dass wir dem Herrn Jesus begegnen, dass Gott selber unser Leben in einen grösseren Kontext hineinstellt, wo das zentrale Element nicht das ist, was ich weiss und erlebe und geniesse und habe, sondern wo der zentrale Punkt Gott selber wird.
Johannes 6,35: Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.
Und immer, wenn ich diesen Vers wiederhole – er gehört zu den Versen, die ich auswendig gelernt habe –, dann habe ich so zwei Gedanken, die mir in dem Moment hochkommen. Erstens denke ich über mich selber nach, über diesen Moment, wo ich zu Gott gefunden habe, wo ich mich bekehrt habe. Und ich denke darüber nach, wie wenig ich damals, so Anfang zwanzig, in der Lage war, diesen Hunger nach Leben in Worte zu fassen.
Also, ich habe mich bekehrt, und ich wusste, dass ich Gott haben wollte. Aber wenn mich jemand gefragt hätte: Ja, was willst du eigentlich, was fehlt dir denn? Dann wäre mir das ganz schwierig gewesen. Ich hätte gesagt: Ja, irgendwas fehlt mir da. Aber so genau hätte ich das gar nicht greifen können.
Wenn mich heute jemand fragt: Was hat Gott dir gegeben? Dann würde ich sagen: Boah, super, Gott hat mir, was weiss ich, ja, Gott schenkt mir Vergebung, ich habe einen Sinn im Leben gefunden, ich habe endlich Hoffnung auf die Ewigkeit, ich habe da etwas Heiliges, was ich anbeten kann, wo ich merke, meine Seele braucht wirklich dieses Gegenüber.
Also, heute habe ich Worte. Aber als ich mich bekehrt habe, da war einfach nur so eine tiefe Sehnsucht nach irgendwas. Da war einfach nur ein Hunger. Das ist so das Erste, was mir bei diesem Vers immer einfällt.
Die Frage, ob Christen wirklich satt geworden sind
Und das Zweite, was ich mich im Moment so ein Stück frage, und da ist deine Einleitung ganz schön gewesen: Was bringt Corona? Ich frage mich: Stimmt das? Also, der Herr Jesus sagt: Wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. Und ich frage mich: Ist das so in meinem Leben? Ist das so im Leben der Christen heute?
Also, es stimmt natürlich: Keiner muss Angst haben, dass ich jetzt zum Bibelkritiker werde, keine Sorge, der Vers stimmt schon. Was ich meine, ist: Stimmt er für mich? Es kommt mir so vor, als würden wir in einer Christenheit leben, die zwar solche Verse wie Johannes 6,35 kennt, aber mein Eindruck ist gleichzeitig, dass ich immer mehr Christen begegne, die noch Hunger haben.
Versteht ihr? Jesus sagt: Wenn du mich hast, ist dein Hunger nach Leben einfach gestillt, dann ist dein Lebensdurst gestillt. Ich werde mich darum kümmern, ich bin das. Und dann sehe ich Leute, die auch schon irgendwie zur Gemeinde gehen und auch irgendwie sagen: Hey, wir sind Christen. Und ich habe doch den Eindruck, sie benehmen sich in manchen Bereichen ihres Lebens wie so verkappte Heiden und pflastern ihr Leben mit all den unnützen Dingen voll, von denen die Werbung behauptet, dass sie mein Leben erst lebenswert machen.
Und da frage ich mich: Ist das so, dass wir das erlebt haben? Und ich würde gerne diese Frage stellen, weil das gehört zu einem evangelistischen Gespräch dazu. Versteht ihr? Wenn wir Jesus verkaufen als den, der unseren Lebenshunger gestillt hat, aber das stimmt gar nicht, weil ich merke, ich habe gar nicht die Qualität von Beziehung, die meinen Lebenshunger stillt, dann brauche ich auch nicht jemand anderem sagen: Du brauchst Jesus.
Also noch mal die Frage: Ist das in deinem Leben so? Hast du bei dem Herrn Jesus das gefunden, was du heute zum Leben brauchst? Oder wir hatten ja mal gemeinsam den Hebräerbrief betrachtet, wisst ihr noch? Da ging es um das Wort Ruhe. Bist du wirklich in seine Ruhe eingegangen? Ist das Leben, was du jetzt lebst, geprägt von Sinnhaftigkeit, von Hoffnung, von Freude, von Stille, von einer geistlichen Intimität, wo du sagst: Wow, das ist so viel, das ist so satt, egal, was diese Welt mir anbietet?
Ja, und dann gibt es einen neuen James Bond, und dann gibt es irgendwann eine neue Apple Watch, und dann gibt es irgendwo mal vielleicht auch einen Traumjob oder sonst irgendwas. Egal, was diese Welt mir zu bieten hat: Ich werde auch ohne all das wirklich satt sein. Mein Lebenshunger ist, wenn ich morgens aufwache, gestillt.
Ich freue mich, wenn ich ganz ehrlich bin, eigentlich nur noch auf eine Sache: Ich freue mich darauf, diese kastrierte Form von ewigem Leben, die ich heute leben muss, weil ich noch auf der Erde bin, endlich hinter mir zu lassen. Ich freue mich, wenn das so ist. Und wenn ich endlich mit einem neuen Körper auf einer neuen Erde ohne Krankheit, Sünde, Tod und all dem Quatsch das an ewigem Leben in absoluter Fülle ausleben kann, wofür ich gemacht bin.
Und bis dahin habe ich heute schon einfach alles, was ich brauche. Da fehlt nichts. Das ist das, was Jesus verheißt. Das ist das, was im Zentrum einer evangelistischen Predigt steht. Das ist das, was wir verkaufen. Und ich hoffe, dass wir es haben.
Und ich garantiere dir: Der Teufel wird alles tun, damit du diese Zufriedenheit in Jesus verlierst, und zwar jeden Tag.
Der Übergang von der Kultur zur Botschaft
Kommen wir zu unserem Text zurück. Paulus startet also seine evangelistische Predigt mit einem Blick auf die Kultur und findet dann natürlich einen Übergang zu Gott. Er muss ja in Richtung Evangelium. Und er macht das, indem er den Gott aufgreift, der den Athenern irgendwie bekannt war, obwohl sie ihn nicht wirklich kennen.
Apostelgeschichte 17,23: Denn als ich umherging und eure Heiligtümer betrachtete, fand ich auch einen Altar, an dem die Aufschrift war: „Einem unbekannten Gott.“ Was ihr nun ohne zu kennen verehrt, das verkündige ich euch.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Das ist jetzt ein bisschen problematisch. Bis eben war noch alles gut: Ihr seid super, ihr macht alles gut. Und jetzt nähern wir uns langsam dem schwierigen Thema. Ich habe da so einen Altar gefunden. Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Freunde, ich kann euch helfen.
Ich übersetze das mal in die Sprache eines Workout-Jüngers, der sagt: Hey, wenn du dich jeden Tag in deinem Home-Gym abquälst, um jung zu bleiben, ich habe da was für dich. Ich weiß, wie man wirklich ewiges Leben bekommt. Versteht ihr? Ihr habt da diesen Gott, ich kenne den wahren Gott. Du suchst Leben, ich kenne das ewige Leben. Wir müssen irgendwann dahin kommen, dass das Gespräch sich in diese Richtung bewegt. Ich muss etwas verkündigen.
Und jetzt nimmt Paulus die klassische Gottesvorstellung der antiken Heiden einfach mal aufs Korn, schüttelt das ein bisschen durch. Und um einfach noch mal mein Home-Gym-Beispiel in Übertragung zu verwenden: Wenn ich so jemanden sehe, würde ich sagen: Du, soll ich dir was sagen? Egal wie ausgeglichen deine Ernährung ist, egal wie genial dein Trainingsplan ist, du wirst sterben. Das ist nun mal so. Da gibt es in deinem Denken einen kleinen Denkfehler. So wie du das mit der Sehnsucht nach ewigem Leben anpackst, ja, auch nicht mit 66 Jahren fängt das Leben an, nein, das wird wahrscheinlich eher nichts.
Und so ist das hier auch. Also: Ich nehme die Vorstellung des Heiden und ich schaue mir an, wo diese Vorstellung nicht so aufgeht, wo sie einfach nicht stimmt, zu kurz greift. Und das muss Paulus jetzt seinen Zuhörern vermitteln, dass er sagt: Hey, so wie ihr das mit der Gottesbeziehung angeht, das wird nichts.
Verse 24 und 25: Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch wird er nicht von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas nötig hätte, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt.
Gottes Größe und die Begrenztheit menschlicher Religion
Okay, das ist der Denkfehler, so wie bei dem Homegym-Menschen: Man muss ihm sagen, bei allem Training wirst du sterben.
Hier ist der Denkfehler: Ich baue einem unbekannten Gott einen Altar, wahrscheinlich in einem Tempel, der verschiedenen Göttern geweiht ist. Man stellt einfach in die Ecke noch einen Altar und schreibt drauf: dem unbekannten Gott. Und dann denkt man, wenn ich das tue, dann bin ich fertig, dann habe ich alles gemacht, was man braucht.
Und jetzt kommt Paulus und sagt: Sorry. Und wenn es den unbekannten Gott wirklich gibt und ich verkündige euch den, ja, dann ist der nicht damit zufrieden. Warum? Der Gott, der die Welt gemacht hat, der Herr des Himmels und der Erde, der Gott, den Paulus ihnen verkündigen will, ist nämlich gerade nicht nur ein weiterer Gott in diesem Pantheon griechischer Götter.
Dieser Gott muss, weil er der unbekannte andere Schöpfergott ist, auch ganz anders ticken. Anders deshalb, weil er die Welt gemacht hat, weil er tatsächlich Herr des Himmels und der Erde ist. Weil so ein Gott, der alles gemacht hat, mal eben nicht in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind, die ein Mensch ihm gebaut hat. Weil so ein Gott, der alles gemacht hat, es völlig abwegig ist zu denken, dass er irgendeinen Menschen bräuchte, der ihn bedient.
Hallo, was ist denn das für eine Vorstellung? Er ist der Lebensspender, er ist der Atemgeber, er ist der Geber aller guten Gaben. Und du denkst, er ist zufrieden, wenn du ihm so einen kleinen Steinblock irgendwo in die Ecke in irgendeinen Bausatz setzt, den du dir ausgedacht hast? Ehrlich, das wäre in etwa so die Argumentation.
Und jetzt könnte man sagen: Aber Jürgen, hey, hat man im Alten Testament Gott nicht auch einen Tempel gebaut? Was ist denn da so schlimm dabei? Aber ihr müsst das Denken dahinter verstehen.
Der Tempel als Zeichen der Anbetung, nicht der Versorgung Gottes
1. Könige 8,23-27
Das Gebet, das Salomo bei der Einweihung des Tempels spricht, macht etwas deutlich: Der Tempel wurde nicht gebaut, damit Gott endlich einen Ort hat, an dem er wohnen kann. Vielmehr sagt Salomo in 1. Könige 8,23:
Herr, Gott Israels, kein Gott ist dir gleich im Himmel oben und auf der Erde unten, der du den Bund und die Gnade deinen Knechten bewahrst, die vor dir leben mit ihrem ganzen Herzen.
Das ist zunächst die Haltung, mit der Salomo betet: Gott ist einzigartig. Und weil Gott einzigartig ist, wird nun ein Tempel gebaut. Das sieht auf den ersten Blick so aus, als wäre es wie bei allen anderen Religionen auch. Doch in Vers 27 wird deutlich, dass es gerade nicht so gemeint ist:
Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.
Wenn man mit der Haltung an Gott herangeht, ihm einen Tempel zu bauen, ist das in Ordnung. Dann sagt man: Du bist ohnehin viel zu groß. Ich weiß das. Und trotzdem darf ich dir einen Tempel bauen, weil es mir hilft, nicht weil du ihn brauchst. Nicht, weil du endlich irgendwo ankommen müsstest, sondern weil es für mich gut ist, einen Ort zu haben, an den ich gehen kann, um dich anzubeten.
Dieses Haus, das ich gebaut habe, kann dich nicht fassen. Warum nicht? Weil nicht einmal der Himmel und die Himmel der Himmel, also der ganze Weltraum, die unendlichen Galaxien, die nie ein Mensch sehen wird, Gott fassen könnten. Nicht Gott braucht uns, sondern wir brauchen ihn. Er steht nicht nur über Raum und Zeit, er ist der Herr der Geschichte.
In Vers 26 heißt es dazu, dass er aus einem Menschen jede Nation der Menschen gemacht hat, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat.
Völker, Geschichte und die Suche nach Gott
Nationen, Völker sind Gottes Idee. Er hat sie entstehen lassen. Er hat einzelne Menschen genommen und aus ihnen ganze Völker heranwachsen lassen. Die Geschichte der Völker mit ihrem Kommen und Gehen ist in letzter Konsequenz Gottes Geschichte mit dieser Welt.
Gott bestimmt, wie lange ein Volk existiert. Er bestimmt, wo es wohnt, und er tut das zu einem bestimmten Zweck. Die Existenz eines Volkes ist dazu da, dass die Menschen in diesem Volk Gott finden. Jede Nation hat tatsächlich eine heilsgeschichtliche Dimension.
Ein Volk ist also dazu da, weil Gott durch die Existenz eines Volkes, durch die Tatsache, dass Menschen zusammengehören und sagen können: Hier ist Heimat, hier bin ich zu Hause, hier bin ich ein Stück weit angekommen, ich lebe nicht in Anarchie, ständig auf der Flucht. In dem Moment, wo so etwas geschieht, wo so etwas passiert, schafft Gott die Voraussetzungen dafür, dass Menschen Gott finden können. Dass sie auch ein Stück Zeit haben, einen Raum haben, in dem sie über ihn nachdenken können.
Vers 26 und 27: Und er hat aus einem jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnungen bestimmt hat, dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden, obwohl er nicht fern von jedem von uns ist.
Ein Volk ist etwas in den Augen Gottes total Gutes. Es ist etwas, wo Menschen zusammengehalten werden, etwas, was ihnen Sicherheit gibt, eine Chance einräumt, sich auf die Suche nach Gott zu machen. Gott finden, dazu sind Nationen da.
Interessant, oder? Also, wenn du dir die Frage stellst, warum hat Gott sich das einfallen lassen? Dazu, um Raum zu schaffen, dass man ihn findet. Eine Heimat haben heißt wissen, wo man hingehört, um mit der Suche nach Gott anzufangen.
Deswegen ist das so absurd: Nationalismus oder diese Heimatüberheblichkeit sind völlig absurd, weil das Mittel zum Zweck ist. Es geht darum, dass wir uns auf die Suche nach Gott machen. Nach einem Gott, der sich in der Schöpfung offenbart und im Gewissen, in der Geschichte, in seinem Wort und im Leben eben auch von vielen Christen, die mir dann halt auch mal so über den Weg laufen können.
Gott ist alles andere als ein ferner Gott. Er ist tatsächlich jedem Menschen nahe. Er ist immer, man sagt das so schön, und es stimmt, er ist immer ein Gebet weit entfernt. Und er beschenkt jeden einzelnen Menschen jeden Tag mit Atem und allem Guten. Und das zu erkennen, darauf kommt es im Leben an.
Die Nähe Gottes und die Stimme der Kultur
Gott ist ein Gott, der gefunden werden will. Und es gibt eigentlich nur eine einzige Voraussetzung, die ein Mensch erfüllen muss, um ihn zu finden.
Da heißt es in Jeremia 29: „Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“
Die einzige Voraussetzung, die ein Mensch mitbringen muss, um Gott zu finden, ist die ehrliche Frage nach Gott und der ehrliche Wunsch: Ich möchte das verstehen. Ich will investieren. Mein Herz auf diese eine Sache ausrichten. Denn es ist die eine Frage, die überhaupt nur im Leben entscheidet: Gibt es diesen Schöpfergott, und wenn ja, was hat er mit mir zu tun? Das ist die eine Frage. Alle anderen Fragen sind völlig irrelevant.
Und Paulus sagt: Gott ist nicht fern von jedem von uns. Vers 28: Denn in ihm leben wir und bewegen uns und sind wir, wie auch einige eurer Dichter gesagt haben; denn wir sind auch sein Geschlecht. Gott ist nicht fern.
Und jetzt lasst uns noch mal kurz in die Metaebene über dieser Geschichte aus Apostelgeschichte 17 gehen. Wir hören gerade Paulus bei einer evangelistischen Predigt zu. Er fing damit an, dass er die Zuhörer für ihre Götterergebenheit lobt. Dann nutzt er die Idee von einem Altar für einen unbekannten Gott für einen gedanklichen Sprung, nämlich hin zu dem Gott, den er ihnen verkünden will. Der ja irgendwie niemand anderes sein kann als dieser unbekannte Gott, den sie aber halt noch nicht kennen. Der aber, weil er der unbekannte Schöpfergott ist, ganz anders ist, viel majestätischer, viel umfassender, viel größer als die Götter, denen sie in ihren Tempeln Opfer brachten.
Da sind wir jetzt. Und dieser ganz andere Gott, in dem wir leben und uns bewegen und sind, dieser Gott, der tastend gefühlt und gefunden werden will, der findet sich, und jetzt wird es spannend: Der findet sich halt auch in der Kultur wieder. Deswegen zitiert er ja hier diese Dichter: „Wie auch eure Dichter gesagt haben, denn wir sind sein Geschlecht.“ Also schon eure Dichter sagen: Eure Gottesvorstellung ist ein bisschen, na ja, da könnte man noch mal drüber nachdenken.
Also: Gott findet sich in der Kultur wieder. Es sind nicht nur die Evangelisten, die ihn bezeugen. Paulus zitiert Dichter. Und wir merken, es sind Denker, Dichter, Musiker, es sind häufig überhaupt die Kreativen, die uns einen Spiegel vorhalten, wie verquer unser Denken ist.
Ich weiß nicht, ob ihr Comedy mögt, aber manchmal ist Comedy unendlich intelligent. Filmzitate, unendlich interessante Sachen oder einfach, was mir am besten eigentlich gefällt: so Rockmusik. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, aber wisst ihr, die Wahrheit ist wie so ein Gummiball, den man versucht, in der Badewanne unterzudrücken. Sie kommt immer. Lass ihn los, flupp, ist er wieder da. Das ist Wahrheit. Du kannst so viel Lüge in diese Welt hineinpumpen, irgendein Kreativer wird dir sagen, was für ein Schrott.
Kulturelle Beispiele als Brücke zur Wahrheit
Wisst ihr, da ist dieser Altrocker, der ist inzwischen 76 und er hat mit seinen Kumpels 1965 ein Lied geschrieben. Und das fängt an mit: I can't get no satisfaction. Und du denkst: Amen, Bruder, oder?
Also dieses ganze Gejiebere nach ewigem Leben. Hier haut dir einer das Ding einfach mit den Riffs um die Ohren: I can't get no satisfaction, das ist die Wahrheit. Entschuldigung, ja, das ist jetzt 1965, also schon ein paar Jahre her, aber es gilt immer noch. Unsere Welt hat sich nicht maßgeblich geändert.
Und so wie ich gerade diesen Altrocker ins Feld führte, so kann Paulus, na ja, er kann die Dichter seiner Zeit ins Feld führen. Ich habe die Rolling Stones, und Paulus hat, na ja, die kennt man jetzt nicht mehr: Aratus und Kleantes. Das sind so Namen, da haben wir, glaube ich, vorher nie gehört. Man würde sie auch nie finden, wenn es nicht in der Elberfelder in der Fußnote stehen würde.
So, ich bin definitiv kein Verfechter davon, dass wir uns als Christen vom Zeitgeist prägen lassen und uns mit allem unnötigen Müll im Leben vollmüllen lassen. Aber wisst ihr was? Auf der einen Seite dieses Zitat aus Jakobus, sich von der Welt unbefleckt zu erhalten, ja, sollen wir tun. Aber an den Stellen, wo unsere Kultur etwas klar sieht, da darf ich es benutzen.
Wenn du das Evangelium prägst, bring ein gutes Zitat, kenn dich ein bisschen aus. Du darfst Beispiele aus der Kultur nehmen, um die falschen Götter und falschen Gottesvorstellungen unserer Kultur bloßzustellen, so wie Paulus das zu seiner Zeit gemacht hat. Er will ihnen zeigen, wie unsinnig es ist, einem unbekannten Gott einfach nur noch einen weiteren Altar zu bauen. Denn dieser Gott ist völlig anders. Er spielt nicht in der Liga der normalen Tempelgötter.
Und sie hätten das wissen können. Sie hätten nur mal einfach zuhören müssen bei ihren Dichtern. Die haben ihnen da schon gesagt, da stimmt was nicht. Und nicht nur spielt dieser Gott nicht in dieser normalen Liga, sondern wir brauchen auch nicht denken, dass er uns braucht.
Der letzte Schritt: Das Göttliche ist nicht menschengemacht
Vers 29, der letzte Vers für heute.
Da wir nun Gottes Geschlecht sind, sollen wir nicht meinen, dass das Göttliche dem Gold und Silber oder Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen, gleich sei. Paulus kann sagen: Das wahrhaft Göttliche findet sich nicht in Kunstwerken, in Statuen oder in prächtigen Tempelanlagen.
Und wenn ich das jetzt übertrage, dann versuche ich noch einmal den Sprung. Paulus spricht ständig zu Leuten, die in den Tempel gehen, um Steingötter anzubeten. Wir haben es mit Leuten zu tun, die ganz andere Götter haben. Wir haben die Leute, die sagen: Gesundheit anbeten, ewiges Leben finden wollen, indem sie viel Sport treiben, achtsam mit sich umgehen, eine ausgeglichene Work-Life-Balance haben, sich mit Wissen abfüllen, bis sie wirklich zu jeder Frage die aktuelle Expertenmeinung kennen. Das sind die Götter unserer Zeit.
Und wenn du dir die Frage stellst: Wie kann ich da einen Übergang finden in einem evangelistischen Gespräch? Welchen Bibelvers soll ich da denn nehmen, bevor ich dann natürlich irgendwann auch zum Evangelium komme? Dann würde ich sagen: Nimm keinen Bibelvers.
Wenn mir jemand begegnet, der sagt, in diesem Leben müsse man auf Sport achten, und ich grille gerne, also treffe ich öfter auf Leute, die sagen, Grillen ist böse, was sagt man den Leuten denn? Mein Anfang waren zum Beispiel zwei Beispiele, einfach aus der Kultur herausgegriffene Überleitungen von „Grillen ist böse“ zum Evangelium.
Eine Möglichkeit wäre: 2012 kam ein Buch auf den Markt, Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Das wäre meine Überleitung. Weißt du, was mich erwischt? Weiß ich nicht. Vielleicht sind es die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, die beim Grillen entstehen, maybe. Aber soll ich dir was sagen? Auch Vegetarier sterben.
Oder wenn du sagst, ich hätte gerne ein bisschen kreativer, auch einen schöneren Übergang: Ich finde ihn wunderschön, es gehört zu den schönsten Zitaten überhaupt, die im letzten Jahrhundert entstanden sind. Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt. Hey, den Satz kennt jeder, und jeder weiß, was er bedeutet. Das ist die Realität.
Und deswegen: Wenn du in einem evangelistischen Gespräch bist, bis jemand dir gerade sagt, was du alles tun musst, damit du endlich glücklich wirst, und du denkst: Ich bin es ja schon, ich habe ja schon Jesus, und du suchst eine Überleitung, dann nicht gleich zum Bibelvers, der kommt beim nächsten Mal. Sondern überleg mal: Wo hat die Kultur auf dieses Denken meines heidnischen Freundes und meiner heidnischen Freundin bereits eine Antwort gefunden? Und schau doch mal, ob du das irgendwie ins Ziel bringst.
Schlussgedanken und Ausblick
Wir sind auch am Ziel. Die Predigt ist vorbei. Letztes Mal hatten wir den Auftakt eines evangelistischen Gesprächs.
Hinweis: Such dir einen Anknüpfungspunkt im Leben deines Gesprächspartners. Achte auf Sehnsüchte.
Heute waren wir bei dem Thema Übergang. Zeige deinem Gesprächspartner den Denkfehler. Die modernen Positionen greifen immer irgendwie ein bisschen zu kurz. Garniere das gerne mit ein paar Zitaten von Leuten, die aus seinem Umfeld stammen und deine Argumentation stützen.
Nächstes Mal machen wir dann Big Bang und lassen tatsächlich die Katze aus dem Sack.
In diesem Sinn: I'll be back. Amen.
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