Serie•Teil 1 / 131. Korinther - Klare Sicht auf krumme Dinge
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Ein neuer Blick auf einen alten Brief
Wir lieben, wir starten heute zu Beginn des neuen Jahres eine neue Predigserie durch die ersten sechs Kapitel des ersten Korintherbriefs. Vielleicht fragt ihr euch, warum nur die ersten sechs Kapitel? Nun, zum einen wollen wir im Laufe eines Jahres immer mehr betrachten als nur ein Bibelbuch. Deswegen machen wir die Serie nicht zu lang. Zum anderen ist das ein ganz natürlicher Punkt im ersten Korintherbrief: Die ersten sechs Kapitel sind wirklich Worte, die Paulus allgemein zur Gemeinde spricht, über Dinge, die er gehört hat. Ab Kapitel sieben antwortet er dann auf Fragen, die ihm gestellt wurden. Diese Kapitel werden wir dann in Zukunft in einer weiteren Predigserie bedenken.
Wir haben gerade in der Textlesung aus Apostelgeschichte 18 gehört, wie die Gemeinde in Korinth entstanden war, nämlich am Ende der zweiten Missionsreise, als Paulus dorthin kam und anfing, dort das Evangelium zu predigen. Und wir haben gehört, dass er anderthalb Jahre in Korinth blieb. Das macht die Gemeinde in Korinth zu einer besonderen Gemeinde. Aus Sicht des Apostels Paulus war er in jeder anderen Gemeinde zuvor, die durch seine Predigten entstanden war, immer nur einige wenige Wochen. Er hatte einige Predigten gehalten, und meist war er dann aus der Stadt herausgetrieben worden. Manchmal hatte er selber den Impuls, weiterzugehen, so dass er immer nur Evangelist war. In gewisser Weise kamen durch seine Evangelisation Menschen zum Glauben, Gemeinden formierten sich, aber Paulus zog weiter.
Hier blieb Paulus anderthalb Jahre. Er war zum ersten Mal so etwas wie ein Pastor. Das würde es später noch einmal geben, in Ephesus. Auf seiner dritten Missionsreise kommt er nach Ephesus, und da bleibt er sogar noch viel länger. Und tatsächlich war es während seiner Zeit in Ephesus, während der dritten Missionsreise, dass ihn Nachrichten aus Korinth erreichten, aus der Gemeinde, der er wenige Jahre zuvor als Gemeindegründungspastor gedient hatte. Und nun hörte er über diese Gemeinde, die ihm sicherlich sehr am Herzen lag, zu der er eine ganz besondere enge Verbindung hatte, Nachrichten, die ihn besorgt werden ließen. Vieles in dieser Gemeinde scheint inzwischen ziemlich schiefgelaufen zu sein. Und so schreibt er diesen Brief, den wir den ersten Korintherbrief nennen.
Tatsächlich ist es ziemlich klar, dass Paulus auch vorher schon mindestens einmal einen Brief nach Korinth geschrieben hat, der aber nicht Teil des biblischen Kanons ist. Das ist der erste Korintherbrief, weil es der erste Brief an die Gemeinde in Korinth ist, der uns in der Bibel überliefert ist. Und dann gibt es halt noch einen zweiten. Paulus spricht in diesem Brief jetzt alle möglichen Missstände an, die es in der Gemeinde in Korinth gab. Das werden wir in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Wir werden dabei lesen von Konflikten, von Parteiungen, von Spaltungen, von völlig unangemessenem Stolz und einem Erheben über andere in der Gemeinde. Wir werden lesen über schlimme sexuelle Sünde. Wir werden mitbekommen, dass Gemeindeglieder einander vor weltlichen Gerichten verklagten.
Wir werden später dann bedenken, dass es viele Fragen gab, die sicher vor allem deshalb aufgekommen waren, weil in der Gemeinde viel Sünderaum bekommen hatte. Fragen danach, wie es denn mit Scheidung aussieht. Fragen danach, ob man auf Schwache Rücksicht nehmen sollte. Wie Schwache und Starke zusammenleben sollten. Wie man mit Götzendienst umgehen sollte. Ja, über die Gottesdienste schreibt Paulus im ersten Korintherbrief, dass sie so chaotisch in Korinth abliefen, dass sie nicht zum Nutzen der Korinther waren, sondern zu ihrem Schaden, wie er in 1. Korinther 11 schreibt. Das Abendmahl, das in Korinth gefeiert wurde, war so absurd, dass sich manche Leute dabei betrunken haben, während für andere nichts mehr vom Abendmahl überblieb. Das wird uns heute nicht passieren.
Wir erfahren weiter, dass es in dieser Gemeinde große Missverständnisse über Geistesgaben gab, die Paulus über mehrere Kapitel hinweg korrigieren muss. Dabei betont er, dass viel wichtiger als alle geistlichen Gaben die Liebe ist, die offensichtlich in der Gemeinde nicht so stark ausgeprägt war. Und schließlich werden wir erleben, dass selbst wesentliche biblische Lehren inzwischen in Zweifel gezogen wurden, allen voran die Lehre von der Auferstehung der Toten.
Also Paulus schreibt diesen Brief und spricht Missstand um Missstand an. Deswegen haben wir diese Predigtserie überschrieben mit dem Titel: klare Sicht auf krumme Dinge. Es war einer unserer Trainees, der sich mit diesem Titel hervorgetan hat, und wir dachten, der ist so schön, den nehmen wir mal. Also: klare Sicht auf krumme Dinge. Paulus spricht viele Probleme an.
Jetzt stell dir mal vor, du wärst der Apostel Paulus. Du hättest also viel riskiert, um dort das Evangelium zu predigen, hättest viel Lebenszeit investiert in diese Gemeinde, viel Herz, viel Liebe. Und jetzt hörst du all das und schreibst einen Brief. Wie würdest du diesen Brief beginnen?
Oder stell dir vor, das passt vielleicht besser: Du bist Teil der Gemeinde in Korinth, und jetzt kommt ein Brief des Apostels. Er wird geöffnet und angefangen zu lesen. Was würdest du erwarten? Werden die ersten Worte sein, die Paulus dir und der Gemeinde zu sagen hat?
Nun, wir wollen heute genau diese ersten Worte des ersten Korintherbriefs betrachten. Und wir werden dabei sehen, dass Paulus erstaunlich positive Worte gebraucht und ein wunderbares Dankgebet für die Korinther betet. All das, bevor er dann, und das werden wir ab nächster Woche betrachten, Missstände in der Gemeinde anspricht.
Ich möchte uns den Predigttext lesen, die Einleitung des ersten Korintherbriefs, die Verse 1 bis 9 aus dem ersten Kapitel. Und bevor ich den Text lese, möchte ich mit uns beten, dass der Herr diese Briefeinleitung nicht nur gebraucht, damit wir etwas über Korinth oder über Gott erfahren, sondern Gott so klar vor Augen haben, dass es auch etwas mit unseren Herzen tut.
Himmlischer Vater, das ist unser Gebet. Wir wollen nicht nur Zuhörer sein, wir wollen nicht nur Betrachter sein von einem Austausch zwischen Paulus und den Korinthern. Nein, wir wollen dich vor Augen gemalt bekommen, und wir wollen erkennen, wer wir sind in Christus Jesus. Und so wollen wir dich bitten, dass dieser Briefanfang uns ins Leben spricht, uns froh und dankbar macht und uns zurüstet zu einem Leben in ganz persönlicher Nachfolge und vor allem auch in unserem Miteinander als Gemeinde, das dich ehrt, das unserer Berufung entsprechend ist. So gebrauche dein Wort, um uns immer mehr zu verwandeln hinein in dein Ebenbild. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Ich lese uns 1. Korinther 1,1-9:
Paulus, berufen zum Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Sosthenes, unser Bruder, an die Gemeinde Gottes in Korinth, an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, bei ihnen und bei uns: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Der wird euch auch fest erhalten bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes, Jesus Christus, unseres Herrn. Amen.
Der Aufbau des Grußes und des Dankgebets
Ja, dieser Briefanfang hat ganz offensichtlich zwei wesentliche Teile. Die ersten drei Verse sind ein klassischer Briefanfang, in dem sich der Autor vorstellt, die Adressaten angesprochen werden und es einen Gruß gibt. Dabei fällt hier auf, und es ist wirklich bemerkenswert, wie Paulus die Korinther anspricht. Darüber werden wir gleich noch etwas weiter nachdenken.
Dann folgt ab Vers 4 ein Dankgebet, das drei Teile hat. In Vers 4 dankt Paulus Gott für seine rettende Gnade, mit der er die Korinther beschenkt hat. In den Versen 5 bis 7 sehen wir dann, dass Gott den Christen in Korinth nicht nur Gnade geschenkt hat, sondern auch Gnadengaben gegeben hat. Und dann sehen wir in den Versen 8 und 9, dass Gott diese Gemeinde beschenkt hat mit einer ewigen Gnade und Treue, durch die er die Korinther im Glauben erhalten wird bis zum Tag, an dem der Herr wiederkommt.
Das sind die Teile, die wir betrachten wollen. Die Punkte erfindet er auch im Gottesdienstblatt, und da könnt ihr sicherlich auch ein bisschen mitschreiben. Das hilft manchmal beim aufmerksamen Zuhören.
Schauen wir auf den Briefanfang. Wir sehen hier in Vers 1, dass Paulus sich als Autor vorstellt, und er betont dabei sofort seine Autorität. Er beruft sich hier auf seine Berufung als Apostel Christi Jesu: Paulus, berufen zum Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes. Er schreibt nicht einfach als ein Glaubensbruder. Er ist natürlich ein Glaubensbruder, das sind seine Glaubensgeschwister. Aber er ist viel mehr: Er ist ein Apostel, ein Botschafter des Herrn Jesus Christus.
Die Gemeinde soll sofort wissen: Wenn sie jetzt die Stimme von Paulus hören, wenn sie jetzt die Worte lesen, die Paulus schreibt, dann schreibt in diesem Brief letztendlich Jesus, und Paulus ist ein Botschafter. Er schreibt in der Autorität des Herrn, als Botschafter Christi Jesu, als Apostel Christi Jesu. Und das nicht, weil er sich das irgendwie selbst anmaßt, sondern weil Gott ihn genau dazu berufen hat, nach seinem Willen.
Wir sehen, dass Paulus das manchmal tut, dass er seine Briefe manchmal mit viel Autorität anfängt und manchmal sehr demütig schreibt als ein Knecht Christi Jesu. Hier in diesem Brief muss diese Gemeinde wissen: Was ihr jetzt hören werdet, kommt mit der Autorität Gottes.
Sosthenes, der hier mit erwähnt wird, ist andererseits nur ein Bruder. Er ist einfach ein Glaubensbruder, ein anderer Christ, den die Korinther kennen, der hier vielleicht den Brief niedergeschrieben hat oder der vielleicht einfach erwähnt wird, weil die Korinther ihn kannten. Eventuell ist er der zweite Synagogenvorsteher in Korinth. Nachdem der erste, Krispus, ja zum Glauben gekommen war, gab es ja diesen Sosthenes, der dann verprügelt wurde. Das haben wir gerade gehört in Apostelgeschichte 18. Und er ist offensichtlich auch zum Glauben gekommen. Wunderbar, diese kleine Randnotiz. Aber es ist nicht viel mehr als das, denn Sosthenes taucht im Rest des Briefes nicht mehr auf. Paulus schreibt von nun an in Ich-Form.
Und er schreibt dann ab Vers 2 die Gemeinde an. Wir erfahren jetzt: An wen geht dieser Brief? An die Gemeinde Gottes in Korinth, an die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, an jedem Ort, bei ihnen und bei uns.
Ja, diese Anrede ist bemerkenswert. Paulus schreibt hier nicht an meine Gemeinde. Immerhin hat er sie gegründet, immerhin war er der erste Pastor. Manche Pastoren reden ja von ihrer Gemeinde. Ich habe mir das abgewöhnt, nachdem ich vor vielen Jahren mal einen Prediger gehört habe, der das gesagt hat, was ich jetzt sage: Dass dir als Pastor niemals eine Gemeinde gehört. Es ist nicht deine Gemeinde. Nein, richtig, es ist nicht meine Gemeinde, es ist nicht die Gemeinde des Paulus, es ist die Gemeinde Gottes. Es ist auch nicht die Gemeinde der Korinther. Sie gehören nicht sich selbst, sie wurden teuer erkauft durch das Blut Jesu Christi. Sie gehören Gott. Klingt wie eine kleine Randnotiz, ist aber ganz entscheidend.
An die Gemeinde Gottes in Korinth, und dann fährt er fort und nennt diese Gemeinde, in der so vieles so schief gelaufen ist, die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen. Das ist bemerkenswert, oder? Er hätte ja schreiben können: an die Sünder, an die Streithähne, an die Gemeinde der schlimmen Unzucht in Korinth. Da wäre alles richtig gewesen. Aber nein, er schaut auf eine tiefe geistliche Realität. Das ist die Gemeinde Gottes in Korinth, das sind die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen.
Das Wort heilig oder geheiligt bedeutet: für Gott ausgesondert, abgetrennt von der sündigen Welt, von der unreinen Welt um sie herum. Diese Gemeinde, wenn Gott sie anschaut, seine eigene Gemeinde anschaut, sieht er eine heilige Gemeinde, geheiligt in Christus Jesus. Das heißt, sie sind nicht heilig aus sich selbst heraus. Sie sind heilig, weil sie in Christus Jesus sind, weil sie durch den Glauben zu ihm gehören, mit ihm aufs Innigste verbunden sind. Und das heißt: Wenn Gott auf die Gemeinde schaut, dann ist das der Leib Christi, und dieser Leib Christi ist so, wie Christus ist: heilig.
Das ist eine großartige Wahrheit, die Paulus hier ganz bewusst an den Anfang stellt. Wisst um eure Berufung, wisst darum, wer ihr seid. Ihr seid geheiligt in Christus Jesus, ja, das ist eure Berufung, das sind die berufenen Heiligen. Das gilt nicht nur den Korinthern, er sagt, das gilt ihnen samt allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, an jedem Ort. Das heißt: Was Paulus hier den Gründern schreibt, das gilt auch uns. Ihr Geheiligten in Christus Jesus, ihr berufenen Heiligen. Ich hoffe, dir ist das bewusst: Was auch sonst du noch sein magst, vor allem was vielleicht im Argen liegt, wir sind geheiligte Heilige in Christus Jesus. Halleluja!
Und dann fährt er fort und wünscht diesen Geheiligten, dieser Gemeinde Gottes, Gnade und Frieden: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Das ist ein ganz typischer Gruß von Paulus. Den finden wir in ganz vielen Briefen. Er macht immer wieder das Gleiche. Er kombiniert einen abgewandelten griechischen Gruß. Eigentlich ist der griechische Gruß, den man damals so gebrauchte, Kairain, das heißt so viel wie Hallo. Und er verwandelt das in Karis, und Karis ist Gnade. Also statt Hallo sagt er: Gnade.
Und dann nimmt er den jüdischen Gruß, Schalom, oder im Griechischen Eirene, und wandelt auch diesen Gruß ab. Diesen jüdischen Gruß macht er zu einem christlichen Gruß: Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Explizit christlicher Gruß. Und das ist nicht einfach nur ein Gruß, das ist wirklich ein Zuspruch. Es ist eine geistliche Realität.
Als Christen, als Gemeinde Gottes in Korinth und auch in München-Mitte haben wir bei Gott Gnade gefunden und haben aufgrund der Gnade Gottes in unserem Leben Frieden mit Gott. Und der Friede Gottes ist in unsere Herzen gegeben, so dass wir diesen Frieden auch untereinander haben dürfen. Das ist mehr als die Abwesenheit von Streit. Das ist eine umfassende Segnung. Das ist ein großartiger Zuspruch, mit dem Paulus hier die Gemeinde gleich erst einmal anspricht und grüßt.
Und nachdem er nun ihnen zuspricht, dass sie Gnade bei Gott gefunden haben, greift er genau das Thema der Gnade weiter auf und bringt das nun ins Zentrum seines Dankgebets, das er ab Vers 4 nun für die Korinther spricht oder berichtet, wirklich. Nun, ich habe mir überlegt: Selbst nach einem solchen Gruß, was hätte ich jetzt gebetet für die Gemeinde in Korinth? Also wenn Gott mich jetzt aus dieser Gemeinde abberufen würde und mich irgendwo anders hinstellt, und dann höre ich in drei Jahren davon, dass in der FIG München-Mitte alles drunter und drüber geht. Nun werden viele von euch denken: Wenn du gehst, wird es viel besser. Aber egal, stellt euch einfach vor, es ist nur ein gedankliches Konzept, ich bin weg und alles geht den Bach runter, und viel Sünde. Und dann höre ich von dieser Gemeinde und schreibe euch einen Brief. Ihr seid dann natürlich nicht mehr da, weil ihr die Gemeinde verlassen hättet, wenn alles hier ganz schiefläuft. Aber die, die dann da sind, denen schreibe ich jetzt.
Ich habe mir überlegt: Was würde ich denen schreiben, was würde ich für sie beten? Ich bete für euch, dass der Herr euch von eurer Sünde überführt und zur Buße bringt, so vielleicht. Aber Paulus tut das nicht. Paulus dankt Gott ihretwegen. Und als ich darüber nachdachte, warum Paulus das so ganz anders macht, als ich das wahrscheinlich machen würde, wurde mir deutlich, dass ich wahrscheinlich einfach oft die falsche Perspektive habe. Ich sehe Probleme, die real sind, Paulus sieht die Probleme auch, aber ich übersehe dabei oft die Gnade Gottes. Und das tut Paulus nicht. Er sieht die Gnade Gottes im Leben von diesen Christen, auch wenn in vielen Dingen es gerade ganz schlecht läuft.
Und ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber mich fordert dieses Gebet des Paulus wirklich heraus. Es fordert mich heraus, anders und mehr für andere Christen, für andere Gemeinden zu beten. Erst einmal anzuerkennen, dass da, wo eine Gemeinde wirklich eine christliche Gemeinde ist, wo Evangelium gepredigt wird, wo an Jesus Christus wirklich geglaubt wird, Gott zu danken. Denn da sind Glaubensgeschwister, hier hat Gott Großes getan. Und hier ist Gott weiter aktiv, denn er baut seine Gemeinde, und hier wird Gott bewahren, denn er bewahrt seine Kinder.
Nun, es ermutigt mich, mehr zu beten für andere Gemeinden, aber es ermutigt mich auch ganz persönlich im Hinblick auf mich selbst und auf uns als Gemeinde. Denn ich sehe zumindest in meinem Leben, dass da auch noch ganz viel Sünde ist. Und dabei übersehe ich manchmal, wie reich Gott mich, wie reich Gott uns als Gemeinde schon beschenkt hat, wie sehr wir schon gesegnet sind und was er uns alles auch für die Zukunft versprochen hat, sicher versprochen hat. Und so möchte ich auch mehr und mehr zu einem Menschen werden, in dessen Herzen Dankbarkeit Raum bekommt. Dankbarkeit für die Gnade Gottes, die real ist, auch da, wo Menschen immer noch Sünder sind.
Lasst uns genauer betrachten, was Paulus hier im Dankgebet anspricht. In Vers 4 dankt Paulus Gott für die Gnade, die er den Korinthern in Christus Jesus gegeben hat: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus.“ Also allein aufgrund der Gnade Gottes sind die Korinther nicht mehr Gottlose, sondern sie sind die Gemeinde Gottes. Sie sind nicht mehr einfach nur Sünder, sie sind geheiligt in Christus Jesus.
Oder anders ausgedrückt: Ohne Gottes Gnade wären die Korinther genauso wie wir alle verloren. Denn von Natur aus rebellieren wir alle gegen Gott. Das, was in der Gemeinde um Grinden auch so sichtbar ist und was ich in meinem Leben immer noch bemerke, das ist ein Überbleibsel von dem, was uns einst allein ausgemacht hat. Ohne das Eingreifen von Gottes Gnade sind unsere Herzen abgefallen von Gott. Sie lieben Gott nicht, sie ignorieren den Schöpfer, sie ignorieren den Gott und Herrn über alle Dinge. Sie rebellieren gegen seine guten Gebote, sie wollen nichts von ihm wissen. Und deswegen hätten wir die Strafe des gerecht richtenden Gottes verdient.
Das, was wir brauchen, was alle Menschen brauchen, was die Korinther brauchten, war Gnade, Gnade von Gott und dem Herrn Jesus Christus. Und genau deshalb, weil sie davon abhängig waren und weil Gott so voller Barmherzigkeit ist, voller Menschenliebe, sandte er seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt, um Gnade zu ermöglichen, so dass Gott gleichzeitig gerecht bleiben kann. Denn was wäre das für ein Gott, der plötzlich nicht mehr gerecht ist? Also so dass Gott gleichzeitig gerecht bleiben kann und Sündern vergeben kann, ihnen Gnade erweisen kann.
Dafür lebte Jesus das Leben, was wir hätten leben sollen. Er war nicht geheiligt in Christus Jesus, er ist Christus Jesus und war immer heilig. Er hat nie gesündigt, er hat immer zur Ehre Gottes gelebt, er war abgesondert von der Unreinheit und Sünde dieser Welt. Er lebte zwar in dieser Welt, aber er war so anders, vollkommen Mensch, aber ohne Sünde.
Und dann ging der Einzige Sündenfreie, der Gottes Gericht nicht verdient hätte, der deshalb den Tod nicht verdient gehabt hätte, in den Tod. Er nahm die Sünde der Welt auf sich. Er starb stellvertretend für die Schuld eines jeden, der sich ihm zuwendet und ihn um Gnade anruft. Er nahm die Schuld auf sich, so dass wir von Gott nicht mehr Gericht empfangen müssen, sondern Gnade finden können, wenn wir denn zu ihm fliehen.
Und dann erwies er, dass er wahrhaft der Sohn Gottes ist, indem er am dritten Tage von den Toten auferstand, triumphierte über die Macht der Sünde, so dass wir wissen dürfen: Wenn wir zu ihm fliehen, dann werden wir auch bei ihm Gnade finden. Die Korinther hatten das einst getan, als Paulus ihnen das Evangelium predigte. Hatten die Menschen Jesus Christus angerufen, hatten ihm ihre Sünden bekannt und hatten darauf vertraut, dass sie bei ihm Gnade finden. Und so waren sie nun Begnadigte, ihnen war Gnade gegeben worden in Christus Jesus.
Meine Frage für dich heute Morgen ist: Gehörst du auch zu denen, die Gnade gefunden haben, oder vielleicht besser: die von der Gnade gefunden wurden? Hast du erkannt, dass du von dir aus vor Gott nicht bestehen kannst? Hast du erkannt, dass du Gnade brauchst, dass du Vergebung brauchst? Wenn du dir darüber noch nicht im Klaren bist, dann bitte komm mit uns ins Gespräch, denn ich kann dir versichern: Eines Tages wird es zu spät sein, Gott noch um Gnade anzurufen. Aber dann wirst du merken, du brauchst Gnade, wir alle brauchen Gnade, wir brauchen Vergebung. Komm jetzt, finde Gnade bei Gott. Durch Jesus Christus, durch den Glauben an ihn, wende dich ihm zu, folge ihm nach als dem Herrn deines Lebens.
Die Korinther hatten das getan, die Gnade Gottes wurde wirksam in ihnen, als Paulus ihnen das Evangelium verkündigt hatte. Und so sind nun die Korinther Glaubensgeschwister. Gott hat Sünder selig gemacht, er hat Sünder geheiligt, er hat geistlich Tote in Christus lebendig gemacht. Und Paulus sieht auf diese Gemeinde, und er sieht all die Probleme, er sieht all die Sünden, er sieht all die Dinge, die ganz schief laufen, aber er sieht vor allem: Hier sitzt die Gemeinde Gottes, Begnadigte, Angenommene, Geliebte, Gerettete, Seins.
Egal, was in deinem Leben gerade los ist, wenn du Christ bist, gilt das auch dir. Und so hoffe ich, dass wir, wenn wir diese Perspektive von Paulus übernehmen können, dass unsere Herzen erfüllt werden mit Dankbarkeit. Egal, was gerade noch schiefläuft in deinem Leben, egal, was gerade noch schiefläuft in deiner Gemeinde, egal, was gerade noch schiefläuft vielleicht auch im Leben anderer Christen, mit denen du zu tun hast: Preist den Herrn für seine große Gnade, denn das ist doch das alles Entscheidende. Gerettet! Aus der Verlorenheit hinein in das Reich Gottes. Das ist die große geistliche Wahrheit. Die steht am Anfang, dafür ist Paulus von Herzen dankbar. Das kommt in diesem Gebet zum Ausdruck. Er dankt Gott für die Gnade, die er dieser Gemeinde erwiesen hat.
Beschenkt mit Gnade und Gaben
Und dann dankt er ab Vers 5 Gott auch für die Gnadengaben, die Gott den Korinthern gegeben hat, also geheiligt aus Gnade, beschenkt mit Gnadengaben. Er dankt, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe.
Ich habe vorhin schon gesagt: Paulus wird in diesem Brief ausführlicher als irgendwo sonst in der ganzen Bibel über Geistesgaben, über Gnadengaben, schreiben. Nur am Rande sei bemerkt: Die Gemeinde in Korinth wird ja manchmal so angeführt, 1. Korinther 12-14, so als die Paradestellen, wo wir verstehen, wie Geistesgaben funktionieren sollten. Also sagt Paulus zu Beginn von Kapitel 12: Ihr habt eigentlich gar keine Ahnung davon. Damit ihr nicht unwissend bleibt über die Geistesgaben, hat er ihnen einiges zu sagen.
Also: Das ist eine charismatische Gemeinde, in der alles schiefläuft, gerade in dieser Frage. Paulus korrigiert ganz viel. Aber bevor er das tut, erkennt er erst einmal an, dass diese Gemeinde von Gott begabt ist, begnadigt ist mit Gaben. Diese Gemeinde hat Gabenempfang, sie ist reich beschenkt. Sie ist so reich beschenkt mit Gnadengaben, dass sie keinen Mangel hat.
Konkret erwähnt Paulus hier in Vers 5 zwei Aspekte, nämlich Lehre oder besser Sprache und Erkenntnis. Das sind zwei besondere Gaben, zwei besondere Dinge, die Gott der Gemeinde geschenkt hat, indem er sie reich gemacht hat. Durch die Verkündigung des Christus hatten die Korinther eine Erkenntnis, die weit, weit über alle Weisheit und Erkenntnis dieser Welt hinausgeht.
Es ist bemerkenswert, wie euch das Moment auf dich wirken lässt. Ohne Christus können Menschen immer nur diese Schöpfung erkunden. Selbst die klügsten Menschen dieser Welt können nur die Schöpfung erkunden. Aber wenn Gott dir Erkenntnis seiner selbst schenkt, dann kannst du über diesen Horizont aller Erkenntnisse hinaus den Schöpfer aller Dinge erkennen.
Lieber Christ, vielleicht hast du den Eindruck, nicht sonderlich viel zu wissen. Vielleicht reden dir Menschen das auch ein, dass du nicht viel weißt. Aber wenn Gott es geschenkt hat, dass du den verkündigten Christus kennenlernen durftest, dann hast du einen Reichtum an Erkenntnis, der weit über alles hinausgeht, was selbst die klügsten Menschen dieser Welt jemals verstehen können. Ist dir das klar? Reich beschenkt an Erkenntnis in Christus Jesus, durch die Erkenntnis dessen, der über allem steht.
Das entlässt uns nicht aus der Verantwortung, weiter zu lernen, uns weiter mit der Bibel zu beschäftigen, nach mehr Erkenntnis zu streben. Dafür hat Gott uns in die Gemeinde gestellt. Dafür hat er Lehrer eingesetzt, dass weiter gelernt wird, dass die Erkenntnis weiter wachsen kann. Aber wir haben grundlegend als Christen alle eine Erkenntnis, die über alles hinausgeht, was diese Welt zu bieten hat. Er wird das im Fortgang des Briefes noch weiter ausführen.
Und mit dieser göttlichen Erkenntnis empfangen Christen auch die Fähigkeit, ihren Glauben weiterzusagen, das ist hier mit Lehre gemeint. Ja, auch hier können wir noch viel lernen, besser verstehen und besser darin werden. Aber Gott sagt uns durch sein heiliges Wort, dass er uns zur rechten Zeit die Worte geben wird, die wir brauchen, um ihn zu bekennen.
Du kannst noch so viele Rhetorikkurse belegen, du kannst noch so viele Trainings machen: Ohne den Geist Gottes wirst du diese Fähigkeit nicht haben. Aber mit dem Geist Gottes sind wir befähigt, weil Gott in uns wirkt und durch uns wirkt. Und weil Gott ein Interesse daran hat, dass die Erkenntnis, die er uns geschenkt hat, nicht bei uns aufhört, sondern weitergeht. Wir sind befähigt, von diesen Dingen zu reden, vielleicht nicht mit Worten menschlicher Weisheit, aber doch mit Worten, die eine Kraft haben, die keine Weisheit dieser Welt hat, nämlich die Kraft des Evangeliums.
Das darf dir eine Ermutigung sein und vielleicht auch eine Herausforderung. Es gibt keine Ausreden, deinen Glauben nicht zu bekennen. Ich bin rhetorisch nicht so gut. Gott wird dir geben, was du brauchst, um das weiterzusagen, was er weiter gesagt haben will. Wir sind reich beschenkt an Erkenntnis und an Rede.
Und tatsächlich gibt Gott uns Christen in Christus Jesus auch alles andere, was wir brauchen, sodass wir keinen Mangel haben, wie es hier in Vers 7 heißt. Ja, denn Christus baut seine Gemeinde. Gott wird dafür sorgen, dass seine Gemeinde hat, was sie braucht, und zwar nicht irgendwie universell überall. Paulus schreibt das an eine spezifische Gemeinde, an die Gemeinde in Korinth. An eine Gemeinde, in der er seit einigen Jahren nicht mehr war. Es ist nicht so, dass er jetzt sagt: Der hat diese Gabe, und der hat diese Gabe, und der diese Gabe. Das weiß Paulus wahrscheinlich nicht, wer da so alles ist und was sie so alles für Gaben haben. Paulus weiß aber eine tiefe geistliche Wahrheit, nämlich dass der Herr seiner Gemeinde geben wird, alles, was sie braucht.
Ich bringe das mal: Ich habe heute früh beim Frühstück gesagt, ich bringe jetzt eine Sportillustration, eigentlich immer gefährlich, vor allem weil sie mit Bayern München zu tun hat, aber ich wage das heute mal. Der FC Bayern, das haben einige Sportinteressierte mitbekommen, ist gerade auf der Suche nach neuen Spielern. Sie suchen Spieler, die den Kader verstärken sollen und die hineinpassen sollen in das Spielsystem von Trainer Thomas Tuchel. Ja, weil Thomas Tuchel erkennt: Ihm fehlen bestimmte Bausteine, damit seine Mannschaft das erreichen kann, was sie erreichen sollte. Er braucht nur noch Holding Six und guten Rechtsverteidiger und sowas, ja? Völlig egal, ob du weißt, wovon ich rede oder nicht.
Das Entscheidende ist: In der Welt ist das immer so. Man muss schauen, wie kriege ich einen Kader zusammen, wie kriege ich etwas zusammen, sodass ich alles habe, was ich brauche. Du könntest das auch auf ein Unternehmen beziehen und sagen: In deinem Team schaust du noch, was fehlt und was du noch brauchst. Ich kann dir sagen: Die Gemeinde ist zusammengestellt worden von dem besten Kaderplaner dieser Welt, des Universums: Gott. Und er hat dafür gesorgt, dass in jeder Gemeinde all das ist, was die Gemeinde braucht, um das zu tun, was sie tun soll.
Wir werden nie einen Mangel haben. Ja, es werden Leute gehen mit tollen Begabungen, und dann haben wir vielleicht plötzlich niemanden mehr, der so wunderbar Klavier spielen kann oder Gitarre oder singen kann oder irgendetwas anderes. Wir werden in gewisser Weise Lücken erleben, aber wir werden keinen Mangel haben. Wir werden immer haben, was wir brauchen, weil Gott seine Gemeinde baut, und er hat sich dafür verbürgt. Und deswegen kann Paulus das schreiben. Ist das nicht großartig?
Wir müssen nur unsere Gaben einbringen. Das ist alles, was wir tun dürfen. Es ist da. Alles ist da, weil Gott seine Gemeinde baut durch Jesus Christus. Und so bleibt der Gemeinde eigentlich nur, aktiv weiter zu tun, was Gott durch sie tun will, und dabei, so heißt es hier, zu warten. Das ist das Ende von Vers 7: und wartet auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus.
Das klingt vielleicht erst mal seltsam, oder? Paulus dankt Gott für die Gemeinde, die er begnadet hat und mit Gaben beschenkt hat, die jetzt einfach wartet. Aber tatsächlich, ihr Lieben, sollte das alle Christen kennzeichnen. Christen warten nur auf die Offenbarung ihres Herrn Jesus Christus. Das heißt nicht, dass wir hier in dieser Welt nichts zu tun haben, dass Gott mit uns hier nichts vorhat. Aber das, was uns vor allem ausmacht, ist, dass wir darauf warten, dass der Herr wiederkommt.
Wir verlieren das so leicht aus dem Blick. Wir suchen dann die Erfüllung in den Dingen dieses Lebens. Wir meinen, dass wir die besten Dinge jetzt brauchen. Vielleicht klammern wir uns sogar an dieses Leben, weil wir keine großen Perspektiven für das Danach haben. Aber die biblische Realität ist: Das Beste kommt noch, und wir warten einfach darauf.
Paulus weiß das. An die Gemeinde in Philippi schreibt er: Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. Und dann fährt er später fort und sagt: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre. Er wartet förmlich darauf.
Lieber Christ, und gerade auch lieber junger Christ, gerade ihr Teenager, ihr Kinder in der Gemeinde: Ich bin mir ziemlich sicher, ihr habt im Moment die Perspektive, dass das Beste kommt, wenn ihr erwachsen seid, das Beste kommt, wenn eure Eltern euch nicht mehr sagen, was zu machen ist, oder wenn ihr nicht mehr zur Schule gehen müsst. Oder manche, die ein bisschen weiter sind, die denken sich: Wenn ich in Rente gehe, dann gibt es keinen Chef mehr, der mir sagt, was ich tun muss.
Ich kann euch sagen: Wenn der Herr wiederkommt, dann ist das die Perspektive. Das heißt für euch jungen Leute hier in der Gemeinde: Setzt nicht alle eure Hoffnung, eure Sehnsüchte auf die Dinge dieser Welt. Lebt euer Leben vom Ende her. Das kann man auch schon als Zehn-, Fünfzehn- und Zwanzigjähriger tun. Frag dich: Was wird am Ende zählen? Wofür lohnt es sich wirklich zu leben?
Und für die älteren Geschwister unter uns: Klammt euch nicht ans Hier und Jetzt. Sterben ist nicht schön, das will keiner, aber das Danach ist herrlich. Lebt in dieser frohen Erwartung. Dann ist nämlich das, was ihr jetzt erlebt, nicht immer noch ein Verlust und noch ein Verlust und noch ein Verlust. Das ist ja die Realität des Älterwerdens, habe ich mir sagen lassen. Man kann immer weniger, der Körper lässt nach. Irgendwann kann man vielleicht nicht mehr alleine wohnen, und man braucht immer mehr Unterstützung, und immer mehr Dinge, die man sein Leben lang getan hat, kann man auf einmal nicht mehr. Und das kann in Depressionen führen. Gibt es oft Altersdepressionen.
Aber wenn wir wissen: Ach, das ist das vorübergehende Tal, durch das ich gehe, aber das Beste kommt noch, dann schaue ich nicht ständig in den Spiegel, in das, was mal früher war, mit Sehnsucht, mit Wehmut. Da schaue ich nach vorne, mit Vorfreude. Aber lasst uns so leben: wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus.
Und Paulus kann Gott dafür danken, für diese Perspektive, weil er sicher weiß, dass Gott das gute Werk, das er in den Korinthern angefangen hat, trotz all der Dinge, die gerade schieflaufen, vollenden wird. Damit endet er sein Gebet für die Korinther.
Vers 8 und 9: Der wird euch festhalten bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.
Die Korinther, die mögen unreif sein, die mögen immer wieder untreu werden, aber Gott ist treu. Er wird sie fest erhalten, sodass er sie eines Tages, wenn der Herr Jesus Christus wiederkommt, von aller Sünde befreit anschauen wird: untadelig, geheiligt in Christus Jesus. Heilige, das, was wir jetzt schon sind in Christus, werden wir dann sein, in Vollendung, weil Gott es tut.
Wir haben am Anfang darüber nachgedacht, dass die Berufung aller Christen, die Heilige zu sein, und hier bringt er den Begriff der Berufung noch einmal in Vers 9: Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. Das heißt, unsere Berufung, heilig zu sein, heilig zu leben, ist eine Berufung, die wir in der Gemeinschaft leben sollen. In der Gemeinschaft mit Jesus Christus, in der Gemeinschaft, die in ihm gestiftet ist, in der Gemeinde Gottes.
Nun, wie gesagt, im Fortgang wird Paulus manches ansprechen, was Veränderung braucht. Es wird klar: Die Gnade Gottes ist kein Freifahrtschein, dafür in der Sünde zu verharren. Nein, er wird sie aufs Schärfste ermahnen wegen ihres Stolzes, wegen ihrer Grüppchenbildung und Streitereien, wegen ihrer sexuellen Sünden und ihrer Lieblosigkeit im Umgang miteinander. Die Korinther sollen umkehren und entsprechend ihrer Berufung leben.
Aber Paulus dankt Gott dafür, dass ihre ewige Seligkeit nicht von ihrer Leistung abhängt. Ihre ewige Seligkeit, das Ankommen am Ziel, der Umstand, dass sie eines Tages tadellos, vollkommen heilig sein werden, hängt nicht davon ab, ob sie genug Buße tun, ob sie reif genug werden. Das Ziel wird erreicht, nicht weil wir treu werden, sondern weil Gott treu ist.
Ich habe das gelesen und ich habe gesagt: Preis den Herrn, preis den Herrn. Ich sehe die Sünde in meinem Leben. Wenn ich anfange, auf mich zu schauen, dann kann ich verzweifeln und sagen: Wird es reichen? Na, eigentlich kann ich sagen: Es wird nicht reichen. Schaffe ich es, die Kurve zu kriegen? Kann ich mir für das neue Jahr genug vornehmen, dass ich endlich ein bisschen heiliger werde? Damit Gott vielleicht ein bisschen mehr Gefallen an mir hat? Aber Gott sieht mich an in Christus Jesus: Du bist heilig, du bist geliebt, du bist angenommen, und ich bringe dich sicher nach Hause.
Wenn du jetzt denkst, dass dir ein Freifahrtschein zum Sündigen gegeben ist, dann hast du noch nichts verstanden. Das ist die Grundlage und die Motivation dafür, dass ich mich wieder aufmache und sage: Dann, mein lieber Herr, will ich den Kampf aufnehmen, dann will ich weitergehen. Weil ich weiß: Du hältst mich fest, du bist treu.
Mein Gebet für uns als Gemeinde ist, dass das, was Paulus uns hier vorführt durch diesen Bericht eines Gebetes, dass das immer mehr auch unsere Perspektive wird, dass das deine Perspektive wird im Blick auf dich selbst und im Blick auf andere Christen. Paulus hat diese Perspektive. Er gibt den Korinthern Anteil daran, er dankt Gott um ihretwillen, sicher auch, damit sie immer mehr diese Perspektive gewinnen.
Denn eins ist klar: Wenn so die Dankbarkeit für Gottes Gnade die Herzen von Christen erfüllt, dann ist das die beste Medizin gegen all die krummen Dinge in der Gemeinde Korinth. Und in München Mitte und in deinem Leben. Denn wenn wir erkennen, dass wir allein aufgrund der Gnade Gottes gerettet sind, dann gibt es doch keinen Raum mehr für Stolz. Dann gibt es doch nichts, womit wir uns über andere erheben könnten, womöglich über andere, die einfach in der Welt nicht so viel gelten. Oder über Christen, die weniger reif sind. Der braucht die gleiche Gnade, die ich brauche, und Gott hat ihm die gleiche Gnade gegeben, die er mir gegeben hat. Wir sind eine Gemeinschaft von Geheiligten in Christus Jesus. So kann es keine Spaltungen geben.
Wenn wir erkennen, dass Gott uns in die Gemeinde zusammengestellt hat, in die Gemeinde Gottes, und uns mit allem versorgt, was wir brauchen, sodass wir keinen Mangel haben, dann werden wir nicht mehr unsere Fähigkeiten und Gaben ausspielen, um besser dazustehen als andere und auf andere herabzuschauen. Nein, dann werden wir sagen: Okay, Herr, du hast mir Gaben gegeben zum Nutzen aller, ich will sie einbringen, um anderen Gutes zu tun. So willst du für uns sorgen, so sollen wir keinen Mangel haben.
Und so ergänzen wir einander die Unterschiedlichkeit, die uns manchmal weltlich betrachtet erst mal ziemlich anstrengend vorkommt. Da sind junge Leute und alte Leute, die ganz unterschiedliche Interessen haben, und am besten separieren wir uns alle in jedes Grüppchen: die, die Spanisch sprechen, und die, die, weiß ich nicht, aus Afrika kommen, und die Preußen natürlich auch. Wir separieren uns alle, denn dann fühlt man sich wohl, dann hat man die gleichen Themen. Aber Gott hat uns so zusammengestellt, dass wir einander bereichern, dass wir füreinander sorgen, dass die Jungen den Alten zur Seite stehen können, dass die Alten Weisheit weitergeben können an die Jungen, dass die Leute aus anderen Kulturkreisen helfen können, unsere Blindspots besser zu erkennen.
Gott will uns gerade so gebrauchen. Er hat uns beschenkt mit der Vielfalt, sodass wir keinen Mangel haben. Wenn wir das erkennen, dann macht uns das dankbar für die Vielfalt der Gemeinde, preist den Herrn für Geschwister, die anders sind als ich. Und wenn wir erkennen, dass Gott uns beschenkt hat mit ewiger Treue, wenn wir also wissen, dass wir das Ziel unseres Glaubens erreichen werden, dann werden wir nicht aufgeben. Dann werden wir auch nicht über die anderen schimpfen, sondern dann werden wir einander unterhaken, einander mitnehmen auf dem Weg hin zum großen Ziel. Dann werden wir einander anspornen und sagen: Komm, nimm den Kampf wieder auf, geh weiter, denn der Herr ist treu und er wird sein Werk vollenden.
In seiner großen Gnade hat Gott die Gemeinde in Korinth reich beschenkt. Bei allen Problemen verliert Paulus das nicht aus dem Blick. Und in seiner großen Gnade hat Gott uns reich beschenkt. Mögen wir das auch klar im Blick haben.
Ich möchte Gott dafür danken.
Himmlischer Vater, ich danke dir für meine Geschwister. Ich danke dir für deine Gemeinde hier in München Mitte. Ich danke dir, dass ich meine Geschwister anschauen darf und auch über mich selber wissen darf: Wir sind geheiligt in Christus Jesus. Danke, dass du uns gnädig warst in Christus Jesus und danke, dass du uns beschenkt hast, reich beschenkt hast, sodass wir in dieser Gemeinschaft keinen Mangel haben. Danke, dass du gerade so die Gemeinde auch gebrauchst, sodass wir keinen Mangel haben. Und danke, dass du treu bist und dass du uns sicher ans Ziel bringst. So hilf uns nun, in aktiver Wartehaltung zu leben, bis du kommst! Herr, komm bald! Amen.

