Generierte Mitschrift
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Einleitung und Rahmung der Predigt
Die Bibel aktueller als die Tageszeitung – so lautet der Titel der heutigen Predigt. Diese Predigt findet im Rahmen einer Predigtreihe statt. Insgesamt werden es vier Predigten sein. Die Reihe heißt: Das Buch mit den sieben Siegeln.
Sie dreht sich eigentlich um eine einzige Frage. Die Frage, um die sich diese Predigtreihe dreht, ist die Frage nach der Einzigartigkeit. Ich habe hier einmal so ein etwas älteres, verranztes Teil von mir mitgebracht, also eine Bibel, in der ich schon lange lese und die ich irgendwann einmal austauschen muss, weil einfach alles kaputt ist.
Die Frage ist: Warum glaube ich, warum glauben Christen, dass dieses Buch, das, wenn man es aufschlägt, genauso hergestellt ist wie jedes andere Buch auch, einzigartig ist? Warum nimmt es in der gesamten Weltliteratur eine Sonderstellung ein? Eine Sonderstellung, die sich darauf gründet, dass wir sagen: Es ist das eine Buch, durch das Gott zu uns spricht.
Was macht dieses Buch also so besonders? Darum geht es in dieser Reihe. Und wir haben uns letztes Mal, letzten Sonntag, eine erste Antwort angehört. Das war die kürzeste Antwort.
Der erste Grund für die Besonderheit der Bibel
Die hieß ganz einfach: „Das Alte der Bibel macht sie besonders.“ Das heißt, die ersten Bücher, mit denen wir es in der Bibel zu tun haben, wer schon mal darin gelesen hat, das sind die ersten, zweiten und dritten Mosebücher ganz am Anfang. Sie führen uns zurück an den Anfang der Zivilisation.
Diese ersten Kapitel enthalten, wenn man sie sich genauer anschaut, formale und stilistische Merkmale, die uns heute noch zeigen, dass die Dokumente, die verwendet wurden, um diese Texte zu schreiben, bis in die Zeit der Tontafeln und der Keilschrift zurückgehen.
Das heißt, dass dieses Buch hier älter ist als die ältesten Teile der religiösen Bücher, die wir sonst kennen, und zwar weit älter. Es ist wenigstens tausend Jahre älter als die ältesten Teile, sagen wir mal, der Veden. Es ist wenigstens dreitausend Jahre älter als der Koran. Es ist wenigstens fünftausend Jahre älter als zum Beispiel das Buch Mormon, das hat man vielleicht mal gehört, oder das Kapital.
Oder auch das, was jetzt im Moment in Deutschland, gerade im süddeutschen Raum, bekannter wird: das sind die Schriften einer Prophetin, Gabriele Wittig, die ein Werk ins Leben gerufen hat, Universelles Leben, hat Sonderoffenbarungen und schreibt darüber dann auch Bücher. 5000 Jahre älter.
Das ist das erste Argument. Die Bibel geht einfach so weit zurück wie kein anderes Buch.
Warum die Bibel mehr ist als nur ein altes Buch
Das zweite Argument, das wir uns heute anschauen wollen, ist ein Stück komplexer und länger als das erste. Es geht darum, dass ich heute zeigen und behaupten möchte, dass das, was die Bibel besonders macht, darin besteht, dass sie ehrlich, aktuell und brauchbar ist.
Und wieder einmal wundert es mich nicht, wenn mir jemand sagt: Was ist denn das bitte für ein Argument? Letztes Mal dachte ich auch, wenn ich mit meinem Altersargument komme, werden alle nur so: nöööö. Und so ähnlich erwarte ich es heute eigentlich auch: ehrlich, aktuell, brauchbar, nööö.
Deswegen möchte ich, bevor ich auf die Argumente eingehe, zwei Vorbemerkungen machen. Diese beiden Vorbemerkungen beziehen sich darauf, dass, wenn das stimmt, also wenn das ein Buch wäre, das zu Recht behauptet, dass mir darin Gott begegnet, wir das zunächst einmal als Arbeitshypothese in den Raum stellen. Und entschuldigt, ich bin einfach von meinem ganzen Wesen her noch Naturwissenschaftler, und insofern mache ich dann so etwas.
Ich stelle mir die Frage: Jürgen, warum glaubst du eigentlich an die Bibel? Und dann stelle ich mir die Frage: Na ja, wenn der Anspruch der Bibel richtig wäre, wie müsste denn ein Buch sein, in dem mir Gott begegnet? Die Antwort ist gar nicht so einfach.
Wie müsste ein Buch sein, in dem mir ein Gott begegnet, der nicht einfach nur, wie wir vielleicht kennen, jemand ist? Der Philosoph Feuerbach hat gesagt, Gott sei einfach nur so eine Wunschvorstellung des Menschen. Wir nehmen unsere Wünsche und projizieren sie an den Himmel. Aber wie müsste ein Buch sein, das wirklich von Gott geschrieben ist, von dem Schöpfer?
Ich dachte mir immer: Ja, wenn es so ein Buch gäbe, dann müsste es eine geheimnisvolle, eine übernatürliche Komponente enthalten. Denn wenn Gott Gott ist, tatsächlich Gott und nicht die Vorstellung eines Menschen, dann muss er und das, wie er sich vorstellt, meinen begrenzten menschlichen Verstand einfach sprengen.
Dann müsste ich in der Bibel Gott begegnen, wie wir es, ich weiß nicht, aus den ersten außerirdischen Filmen kennen, wo so die richtigen Aliens kommen, bei denen du nicht so genau weißt: Uch, was passiert denn jetzt? Solche Elemente müsste es in der Bibel geben. Ich müsste Gott begegnen als jemandem, der wirklich übernatürlich ist, der wirklich als jemand von einer anderen Welt hineinkommt in meine Welt.
Und dieser Aspekt des Übernatürlichen, der wird uns tatsächlich in der Bibel beschäftigen, aber erst das nächste Mal. Denn nächstes Mal geht es um dieses Thema: Die Bibel, das Buch der Seher und Propheten.
Die Bibel als Buch für das ganze Leben
Heute geht es um ein anderes Thema, und deswegen will ich noch eine Vorbemerkung vorneweg schicken.
Wenn die Bibel als Gottes Wort an Menschen echt ist, wenn ich wirklich durch die Bibel verstehen kann, was es heißt, zu leben, zu glauben und Gott kennenzulernen, dann muss die Bibel tatsächlich ein sehr komplexes Buch sein. Und ich denke, jeder, der die Bibel einmal gelesen hat, weiß: Sie ist nicht wie das kleine Einmaleins, das man sich vor dem Schlafengehen noch gibt und dann kommt man am nächsten Tag schon irgendwie durch die Prüfung.
Leben ist nicht einfach. Und deswegen würde ich von einem Buch, das sich aus Gottes Perspektive mit dem Leben beschäftigt, auch immer erwarten, dass es nicht einfach ist, sondern irgendwie wie das Leben selbst: komplex. Dass es den unterschiedlichen Aspekten des Lebens und diesen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, denen ich im Verlauf eines ganzen Lebens begegne, auch tatsächlich gerecht wird. Dass es die unterschiedlichen Seiten anspricht.
Gleichzeitig würde ich erwarten, wenn es wirklich Gottes Wort an Menschen ist und wenn Gott es darauf anlegt, Menschen davon zu überzeugen, dass er real ist, dass er eine Beziehung sucht, dann würde ich auch davon ausgehen, dass Gott es irgendwie schaffen muss, die unterschiedlichen Arten von Menschen anzusprechen. Dass es ein Buch sein muss, mit dem ich unten einen Kindergottesdienst machen kann, genauso gut wie ich einen Hochschulprofessor ein Leben lang mit diesem Buch begeistern kann und ihn dazu bringen kann, nachzudenken und tiefere Dinge zu verstehen.
Wenn Gott es wirklich auf Beziehung anlegt, dann muss es sowohl für die Kinder gelten wie auch für die Professoren. Dann muss es gelten für Menschen, die in Papua-Neuguinea leben, irgendwo im Dschungel, und es muss genauso gelten für, sagen wir, einen Investmentbroker in New York. Es muss beide ansprechen. Und es muss ein Buch sein, das auf der einen Seite Menschen der Antike berührt, die anders getickt haben als wir, und auf der anderen Seite Menschen der Neuzeit.
Wenn Gott wirklich Gott ist und tatsächlich alle Menschen erreichen möchte, dann erwarte ich, und das ist einer der Punkte, den ich in der Bibel gefunden habe und heute ausführen möchte, dass Gott ein Buch schreibt, das Menschen erreicht. Egal wann sie leben, egal in welcher Kultur sie leben, egal in welchen Lebenssituationen sie auftreten: Sie werden von diesem Buch erreicht.
Persönliche Entdeckung und die Weite des biblischen Anspruchs
Für mich war das eine sehr wichtige Erfahrung, als mir das irgendwann einmal klar wurde. Ich habe mir die Bibel genau vorgenommen und dachte mir manchmal: Vater im Himmel, warum schreibst du die Bibel so, wie du sie schreibst?
Und es stimmt: Wenn Gott nur mir eine Bibel geschrieben hätte, würde sie anders aussehen, ganz anders. Ein bisschen kürzer, weniger Geschichten darin, dafür mehr Definitionen, einfacher, wahrscheinlich auch mit einem Inhaltsverzeichnis hinten dran, mit einem Schlagwortregister, so ein bisschen. Es wäre anders, wenn Gott nur mir ein Buch geschrieben hätte.
Dann fiel mir irgendwann auf: Du Dödel, Gott hat allen Menschen dieses Buch geschrieben. Das heißt, mich spricht dieses Buch an, aber eben auch all die anderen. Und deswegen muss dieses Buch anders sein.
Und wenn es so ist, behaupte ich das, dann ist das ein Beleg dafür, dass der Autor eben nicht nur eine Epoche mit ihrer Kultur und ihren Problemen kennt, sondern tatsächlich über der Zeit steht und in dem Moment, wo er das Buch schreibt, alle Menschen vor Augen hat.
Genug der Vorbemerkungen. Meine drei Punkte.
Die drei Kennzeichen der biblischen Einzigartigkeit
Was macht die Bibel einzigartig? Ich denke, sie ist ehrlich. Sie ist aktuell. Und sie ist brauchbar.
Schonungslose Offenheit gegenüber dem Menschen
Erster Punkt: Sie ist ehrlich.
Wer jemals in der Bibel gelesen hat, und ich mache das sehr gerne, sehr oft mit Menschen, also wenn jemand irgendwann einmal in der Bibel lesen will, hier ist das Angebot: Ich komme gern mal nach Hause und stelle die Bibel vor. Das habe ich mit einer ganzen Reihe von Leuten gemacht. Und irgendwann komme ich im Verlauf des Bibellesens immer an einen Punkt. Es ist immer dasselbe, dass die Leute sagen: Bah, ist das ehrlich.
Stimmt. Wenn die Bibel Menschen beschreibt, nimmt sie irgendwie kein Blatt vor den Mund. Das fängt am Anfang an: Kain und Abel, klar, der eine erschlägt den anderen. Das wird erzählt. Es ist keine ruhmreiche Geschichte. Man liest keine vier Seiten in der Bibel, schon ist der erste Mord irgendwie kein guter Auftakt.
Und dann geht es so weiter. Der gute Noah, den kennen wir nur von der Sintflut und der Arche, der besäuft sich eines Abends und liegt dann in seinem Zelt. Die Bibel lässt die Geschichte nicht unerwähnt.
Und dann gehen wir weiter: Mose, der große Held, der das Volk Israel aus Ägypten führt, ja ja, und eines Tages hat er einfach keine Lust mehr und wird so richtig ein bisschen eklig und fährt die Leute an. Und es steht in der Bibel.
Und ich könnte weitergehen. Ich könnte reden über einen David, von dem wir wissen, dass er Ehebruch betrieben hat. Ich könnte reden über einen Jona, der einfach keine Lust hat, nach Ninive zu gehen und dort das Evangelium zu predigen. Da soll Gott mir einfach den Rücken runterrutschen, ich will das nicht. Und ein Elija, den großen Propheten, der auf der anderen Seite, als die Königin Isebel ihm nach dem Leben trachtet, in richtig so eine Depriphase reinfällt: Ich will nur noch sterben und weg hier.
Oder wir stellen uns die Apostel vor. Da haben wir einen Petrus. Was wissen wir von Petrus? Dass er den Herrn verleugnet hat. Eine tolle Sache. Hätte man das nicht weglassen können? Ich meine, würde er nicht viel besser dastehen, wenn das nicht in der Bibel stehen würde? Da haben wir einen Judas, der ihn verrät, einen Thomas, der zweifelt, und einen Paulus, der hatte eine etwas unglückliche Startphase, wo er die Christen erst einmal verfolgt hat. Dann hätte man das nicht wenigstens weglassen können? Der macht doch danach alles richtig.
Und immer wieder schaue ich mir die Hauptdarsteller der Bibel an, und die Bibel ist ehrlich. Sie ist einfach schonungslos ehrlich. Mir werden Siege und Niederlagen präsentiert. Helden werden nicht größer, als sie wirklich sind. Loser auch nicht kleiner. Auch wichtig.
Der Kontrast zur Unzuverlässigkeit öffentlicher Darstellung
Und irgendwann fiel mir auf: Das ist tatsächlich ungewöhnlich. Man gewöhnt sich daran, wenn man die Bibel liest, dass einem die Wahrheit gesagt wird, dass jemand ehrlich ist.
Aber habt ihr schon mal in der Zeitung einen Artikel über etwas gelesen, was ihr richtig gut kennt? Ich habe eine Weile im Umweltschutz gearbeitet, bei den Berliner Verkehrsbetrieben, und da ging es dann um Umweltschutzthemen. Dann hatte uns der Spiegel so auf dem Kicker und hat einen Artikel veröffentlicht über genau das Thema, an dem ich gerade gearbeitet war. Und ich dachte mir: Was ist denn das? Was ist das für ein Stuss, der da in der Zeitung steht? Das trifft die Wahrheit nicht im Ansatz.
Und wenn man sich mit Leuten unterhält, dann ist es immer so: Wenn man von einer Sache richtig Ahnung hat und dazu einen Artikel in der Zeitung liest, dann wird man immer irgendwie sagen: Nee, entschuldige, das ist es nicht.
Und das ist auch der Grund: Es gibt alle Jahre wieder an Ostern und Weihnachten im Spiegel so bibel- und jesuskritische Artikel. Also, ich weiß nicht, da läuft irgendwie nichts anderes in der Politik. Die kommen mit schöner Regelmäßigkeit. Und jedes Jahr ärgere ich mich darüber.
Und ich ärgere mich nicht darüber, weil die irgendwie kritisch werden. Ich bin selber kritisch. Ich ärgere mich darüber, weil hier ganz bewusst eine Antiposition eingenommen wird, weil man Argumente verdreht, weil man nicht die ganze Wahrheit darstellt und weil das journalistisch gesehen unredlich ist, was da passiert. Weil man in der linksaußen Einzelposition in die Mitte rückt und sagt: Das ist es jetzt, das ist Forschung. Und ich sage: Entschuldigung, ich habe das Fach studiert, ich weiß, worum es geht, das stimmt einfach nicht.
Und ich ärgere mich. Und ich merke: In dieser Welt ist Wahrheit und Ehrlichkeit gerade in den Medien Mangelware. Und vor allem dann, wenn man mal etwas sagen möchte, was nicht populär ist.
Die bleibenden Fragen des Menschen
Und da kommt die Bibel wieder ins Spiel. Da kommt die Bibel und sagt: Jeder Mensch ist ein Sünder und hat ein Problem mit der Wahrheit. Wir mögen das nicht gerne hören, und es ist nicht das, was sich gut verkauft. Aber genau das ist es, was die Bibel uns sagt.
Wir denken vielleicht: Probleme? Wo kommen wir denn da hin? „Ich habe doch kein Problem.“ Die Bibel sagt doch etwas anderes. Und du kannst fliehen, du kannst es verdrängen, aber ich bleibe bei dem Punkt: Der Mensch ist krank, und zwar jeder einzelne.
Und dieser Punkt, den die Bibel betont, bringt uns jetzt zu unserem zweiten Punkt hier in der Predigt. Das eine war: Sie ist ehrlich. Das zweite ist: Sie ist aktuell. Sie ist deshalb aktuell, weil ihre Grundaussagen aktuell sind.
Jetzt wird man in der Bibel nichts über den G8-Gipfel finden, darüber steht nichts drin. Aber ist euch aufgefallen, dass die wirklich wichtigen Themen, die ein Menschenleben betreffen, über die Jahrtausende immer gleich geblieben sind? Könnt ihr euch vorstellen, das Leben eines Menschen ist wie eine Zwiebel? Es gibt so viele Schalen, aber auf den Kern, auf das Innere, da kommt es darauf an.
Und da im Kern, in diesem Innersten eines Lebens, da stecken bestimmte Fragen. Fragen, auf die ich irgendwann eine Antwort brauche. Fragen, um die herum mein Leben aufgebaut ist. Diese Fragen sind: Wer hat mich eigentlich lieb? Als ich die Frage das erste Mal hörte, dachte ich: Was ist das für eine Frage? Aber es ist eine entscheidende Frage. Wer hat mich lieb? Wer hat dich lieb? Das ist eine ganz wichtige Frage, die du in deinem Leben beantworten können musst.
Wozu bin ich hier? Das ist eine wichtige Frage. Was bin ich wert? Und warum bin ich das wert, was ich denke, dass ich wert bin? Wie finde ich Frieden und Zufriedenheit? Wie finde ich das? Oder die Frage: Was sind eigentlich die wichtigsten Ziele im Leben?
Das sind Grundfragen. Und das sind die gleichen Fragen, die man sich vor zweieinhalbtausend Jahren gestellt hat. Die griechischen Philosophen haben Bücher darüber geschrieben, wie man sie sich heute stellt. Das sind Fragen, die viel wichtiger sind als den nächsten Urlaub zu planen, den Rasen zu mähen, die Tageszeitung zu lesen oder sonst irgendetwas zu machen. Denn mein ganzes Leben hängt davon ab: Wer hat mich lieb? Wozu bin ich hier? Was bin ich wert? Wie finde ich inneren Frieden und innere Zufriedenheit? Was sind die wichtigsten Ziele im Leben?
Und ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, jeder Mensch hat auf diese Fragen irgendeine Art von Antwort gefunden. Die Frage ist nur, wie er darauf gekommen ist.
Denken lernen und Antworten prüfen
Und ich bin ja nun wirklich kein Befürworter des aktuellen deutschen Schulwesens. Das größte Problem, das ich mit unserer Schule heute habe, ich als Jürgen Fischer, ist, dass jungen Leuten einfach viel zu wenig Denken beigebracht wird.
Das ist übrigens der große Unterschied, wenn man in die Bildung oder die Bildungspolitik der früheren Jahrhunderte und Jahrtausende schaut: dass es vielmehr darum ging, erst einmal Denken beizubringen, bevor man dann an die Inhalte geht. Heute dreht man das oft um. Man bringt Inhalte bei, aber man hilft den Leuten eigentlich nicht mehr, Denken zu lernen.
Das merkt man immer dann, wenn man wirklich mal so einen antiken Philosophen liest. Wer mir nicht glaubt, soll einfach mal den Staat von Platon überfliegen und mitbekommen, was es heißt, jemandem in seinen Gedanken zu folgen. Wahnsinn! Das war ein Lehrbuch im Mittelalter, in dem Leute Denken gelernt haben.
Und das Schlimme ist: Wenn Menschen nicht Denken lernen, dann werden sie vor solchen Grundfragen, wie ich sie eben gestellt habe, kapitulieren. Und schlimmer noch: Sie werden, weil sie selbst nicht mehr Denken gelernt haben oder es nur noch ansatzweise gelernt haben, darauf trainiert, von anderen einfach deren Überzeugung zu übernehmen. Man hört ein bisschen was, hat zwei, drei halbe Argumente und denkt sich: wunderbar, da baue ich mein Leben darauf auf.
Da sage ich: Wenn das passiert, sei bitte vorsichtig, prüfe das. Ich stelle fest, dass ich hier mit der Bibel ein Buch habe, das mir Antworten auf diese Fragen gibt. Vielleicht nicht die, die ich hören möchte, aber es sind erst einmal Antworten. Es lohnt sich, diese Antworten zu prüfen. Es lohnt sich, diese Antworten zu hinterfragen, ob sie echt sein könnten.
Für mich als Naturwissenschaftler war es ein großer Segen, als ich Christ wurde. Da war ich gerade Anfang zwanzig. Ich durfte feststellen, dass ich bei Gott meinen Verstand nicht irgendwo an der Garderobe abgeben muss und so einen Sprung in die Naivität machen muss, sondern dass ich meinen Verstand gebrauchen darf, um immer und immer wieder ganz bewusst kritisch zu hinterfragen, was die Bibel sagt.
Aber genau diese Denkleistung verlangt Gott auch: dass wir nicht naiv sind, dass wir nicht halbfertige Argumente übernehmen, sondern dass wir der Bibel eine echte Chance geben und auch ihr zuhören, wenn sie uns Antworten gibt auf die Grundfragen unseres Lebens. Ich denke, es lohnt sich, weil die Bibel tatsächlich aktuell ist. Sie sagt etwas zu diesen Fragen.
Die praktische Tragfähigkeit der Bibel
Und noch mehr: Die Tatsache, dass die Bibel zu diesen Themen, zu diesen Grundfragen des Lebens etwas sagt, ist noch nicht einmal alles. Ich möchte noch zu meinem dritten Punkt kommen, den ich auch persönlich noch einmal unterstreichen möchte: Die Bibel ist brauchbar. Ich sagte, sie ist erstens ehrlich, sie ist zweitens aktuell, sie ist drittens brauchbar.
Was nützen die Tipps, die du im Alltag für dein Leben bekommst, wenn sie falsch sind? Sie nützen gar nichts. Als ich ein Teenager war, habe ich mir natürlich auch die Frage gestellt: Wie soll ich denn mein Leben leben? Da fiel mir ein Buch in die Hand: Die Kunst, ein Egoist zu sein. Ich habe dieses Buch gelesen, ich habe es durchgearbeitet, und ich dachte mir: Okay, wenn das Leben so ist und das Leben hart war, dann werde ich mit allem, was ich bin, als Persönlichkeit, mich einfach diesen Unbilden des Lebens stellen. Dann lebe ich mein Leben so, wie es in diesem Buch steht: Die Kunst, ein Egoist zu sein.
Dieses Buch hat mein Denken geprägt, es hat mein Verhalten geprägt und die Beziehung zu meiner damaligen Freundin, meiner heutigen Frau, fast zerstört. Ich sage fast, weil ich Glück hatte, dass rechtzeitig Gott ins Spiel kam. Es ist nämlich keine Kunst, ein Egoist zu sein, sondern es ist ein fataler Fehler, der auf lange Sicht mein Leben kaputt macht. In dem kurzen Moment, ja, die Storys, die in dem Büchlein beschrieben werden, sind immer so Fünf-Minuten-Erfahrungen. Aber das Buch taugt nicht für zehn Jahre, und es taugt nicht für ein Leben.
Und da sage ich: Dieses auf lange Sicht hin Leben, da habe ich erfahren, ist die Bibel anders. Sie ist wirklich brauchbar.
Persönliches Fazit und Schluss
Und wenn mich heute jemand fragt: Jürgen, warum glaubst du eigentlich an Gott?, dann habe ich verschiedene Argumente. Und wisst ihr, was mein persönlich stärkstes ist? Obwohl ich das selten erzähle, oder wenn ich es erzähle, dann kommt es meistens gar nicht so gut an. Aber hier passt es mal.
Mein stärkstes Argument dafür, dass Gott hinter der Bibel steht, ist, dass ich mir mein Leben anschaue. Ich mache das gerne so, dass ich einfach nachschaue: Jürgen, wo bist du jetzt gerade? Wie läuft es gerade in deinem Leben? Wo stehst du eigentlich? Für einen kurzen Moment mal innehalten.
Oben ist ein großer Friedhof. Da kann man mal so eine Runde spazieren gehen. Da gehst du an einem Grabstein vorbei und an dem nächsten und denkst: Okay, Leben hat wirklich ein Ende. Leben ist nicht ewig an der Stelle, zumindest nicht hier auf der Erde. Und dann stellst du dir die Frage: Wo stehst du eigentlich?
Und wenn ich das tue, dann stehe ich fassungslos vor meinem kleinen Leben und denke mir: Wie kann das eigentlich sein, dass ich mit meinem Hintergrund – Scheidungskind, nie wirklich Familie erlebt, beziehungsfähig, na ja, das musste erst mal noch werden, das war ich noch nicht bis zwanzig und so weiter – wie kann das eigentlich sein, dass du vor so einem Hintergrund, nicht wie alle anderen, die sagen: Boah, ich werde mal alles anders machen als meine Eltern, und sich irgendwann umdrehen und sagen: Na, ich mache es doch genauso, dass ich jetzt eine glückliche Ehe haben kann, im Verhältnis zu meinen Kindern wirklich zufrieden sein kann, manches erreicht habe, wo ich weiß, dass meine Eltern es nicht hatten?
Wie kann das sein? Bin ich so viel schlauer? Habe ich einfach Glück gehabt? Alles Zufall?
Und da sage ich: Nein, ich weiß ganz genau, woran das liegt. In meinem Leben weiß ich es ganz genau. Bei mir war klar: Wenn Gott Gott ist und wenn das mit der Bibel stimmt, dann lohnt es sich, ein Leben an den Maßstäben der Bibel auszurichten. Und das habe ich gemacht. Und deswegen kann ich sagen: Die Bibel ist brauchbar.
Ich habe viele Bücher gelesen, die unbrauchbar sind. Ich kenne viele Leute, die ihr Leben für eine Weile nach Büchern ausgerichtet haben, um sie dann irgendwie wieder in die Ecke zu werfen und zu sagen: So ein Schrott! Und ob der jetzt ein Freund von mir ist, der aus der Scientologenrichtung kommt, ein anderer von den Zeugen Jehovas oder wo auch immer die Leute herkommen, oder so ein bisschen aus dem Okkultismus raus: Die hatten ja alle eine Vision. Und irgendwann haben sie all diese Bücher in die Tonne getreten und gesagt: Entschuldigung, das muss ich nicht.
Und ich stehe aber noch hier vorne und sage: Das ist es, es ist brauchbar. Und deswegen bin ich so davon überzeugt, dass die Bibel einzigartig ist. Warum? Fassen wir es noch mal zusammen.
Erstens, weil sie ehrlich ist, weil sie uns ungeschminkt den Spiegel hinhält. Zweitens, weil sie aktuell ist, weil sie die Grundfragen des Lebens wirklich beantwortet und es sich lohnt, über die Antworten nachzudenken, auch wenn sie uns nicht immer passen. Und drittens, weil sie brauchbar ist und ein ganzes Leben mit seiner ganzen Kompliziertheit wirklich erfasst und dem Menschen hilft, darin zu leben.
Das war der zweite Punkt: die Bibel, aktueller als die Tageszeitung.
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