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Lukas 17,1-10

Lukas 17,1-17,1018.07.2011
SerieTeil 36 / 53Lukas-Evangelium
Verführung kommt sicher – doch du bist nicht schutzlos. Die eigentliche Frage: Wo lässt du dich drängen, wo vergibst du nicht, und wo wirst du überheblich?

Einleitung und aktueller Anlass

Herr Präsident! Die Urlaubszeit hat angefangen. Für alle, die sich fragen: Wo bitte schön ist seine Krawatte geblieben? Das liegt einzig und allein daran, dass ich auch nur auf der Durchreise bin. Draußen steht ein gepacktes Auto, und sobald wir hier euren leckeren Kuchen noch gegessen haben oder was auch immer es nach dem Gottesdienst gibt, werden wir weiterfahren nach Hartenstein bei Zwickau.
Dort startet nämlich heute Nachmittag um sechzehn Uhr mit der Ankunft der Teilnehmer die erste Outdoor-Bibelschule dieses Jahr. Die sind vom Sola her vor euch dran. Da war letzte Woche Sola, und in der Burgruine von Hartenstein stehen noch die Zelte. Dort werden wir uns heute mit der ersten Outdoor-Bibelschulgruppe einquartieren: 72 Teilnehmer, etwas kleiner, aber es geht auch nicht viel größer. Eigentlich ist bei sechzig so ein Punkt erreicht, wo es eng wird. Schauen wir mal, wie das mit zweiundsiebzig wird.
Also werden wir uns heute Nachmittag dort einquartieren und 2. Korinther ab Kapitel fünf weiter studieren. Aber das sind wir nicht.

Der rote Faden der bisherigen Predigten

Ich habe euch wieder Lukas mitgebracht. Wir stecken im Lukas-Evangelium, Kapitel 17, für alle Gäste.
Mein Name ist Jürgen Fischer. Ich schlage hier zwölfmal im Jahr auf und halte eine Predigt, und das immer fortlaufend durchs Lukas-Evangelium.
Die letzten Predigten standen unter der Überschrift: „Von dem, was uns erwartet“. Also, bis Lukas Kapitel 17, schon einige Kapitel entlang, geht es um die Frage: Was kommt denn da eigentlich?
Kurz zusammengefasst geht es darum, dass die Gläubigen ein Leben nach dem Tod erwarten, was die Bibel beschreibt als ein Fest bei Gott, als einen Ort, der Trost und das Abwischen von Tränen bringt, wo man zurückschaut auf erlittenes Unrecht und genau weiß: Das ist jetzt echt ein für allemal Vergangenheit.
Und Lukas stellt uns, oder hat uns vor Augen gestellt, dass der, der für sich weiß, dass er Jesus kennt, dass er Jesus nachfolgt, dass das für ihn eine Zeit sein wird von absoluter Schönheit. Und er hat auch gesagt, dass die, die Jesus nicht kennen, bei diesem Fest draußen sein werden, da sie vor der Tür stehen und sich dann irgendwie denken: Wie gut wäre es gewesen, wenn ich rechtzeitig über diesen Jesus nachgedacht hätte.
Aber weil das so eine schlechte Nachricht ist, dass es einen Zu-spät gibt, hat Lukas den Schwerpunkt doppelt gesetzt. Einmal dieses: Denk rechtzeitig nach, es gibt ein Zu-spät. Aber dann eben auch dieses: Jeder, wirklich jeder Einzelne ist eingeladen.
Jeder ist eingeladen bei diesem großen Abendmahl. Das war eines dieser Bilder, das wir gemeinsam betrachtet haben. Jeder ist eingeladen, teilzunehmen. Jeder kann Jesus als den Retter erleben. Jeder ist eingeladen, ein Jünger zu werden.
Ein Wort, das die Bibel verwendet, um zu beschreiben, wie jemand innerlich empfindet, wie jemand lebt, der Jesus nachfolgt, der es ernst meint mit dieser Nachfolge, der sein Leben nimmt und sagt: Ich möchte dieses Leben nehmen und ich muss es ja für irgendetwas investieren. Ich muss mein Leben für irgendetwas einsetzen.
Und ich möchte mein Leben ganz bewusst einsetzen, um im Auftrag Jesu auf dieser Erde Not zu lindern, Gott zu dienen. Ich möchte nicht dem Mammon dienen, sondern wirklich Gott. Ich möchte das auch nicht tun auf so eine zweitklassige Weise. Ich will nicht nur so ein Fan Jesu sein, der für einen Moment begeistert ist und, wenn es dann mal schwierig wird, wenn es dann mal nicht mehr so toll ist, alles wieder beiseiteschiebt.
Sondern ich möchte mich bewusst dafür entscheiden, ein gehorsamer Jünger Jesu zu sein. Ihn mehr zu lieben als meine Familie, ihn mehr zu lieben als meine Karriere, ihn mehr zu lieben auch als die mir liebgewordenen Sünden.
Wir haben uns gemeinsam die Geschichte von den zwei verlorenen Söhnen angeschaut, so möchte ich sie mal nennen. Dort hat der eine im Schweinestall irgendwann festgestellt: Ich kann so nicht mehr weiterleben. Und dann durfte er erleben, was es heißt, umzukehren, zu Gott zu finden und sich einfach an der Gemeinschaft mit Gott, in dem Fall der Geschichte an der Gemeinschaft mit seinem Vater, wieder neu zu freuen.

Die Richtung des Lebens mit Gott

Da kommen wir her. Da steckt dieser Text, den wir heute gemeinsam betrachten wollen, in dieser Frage: Wo geht es für mich hin? Und eigentlich ist schon alles gesagt: Wenn du Jesus nachfolgst, geht es einfach geradewegs in die Ewigkeit.
Ich finde das sehr schön illustriert an einem Spruch aus dem Alten Testament. Da heißt es in Sprüche 15,24: Der Weg des Lebens geht für den Einsichtigen nach oben. Das ist unsere Berufung, dass Gott sagt: Ich möchte, dass du mit jedem Schritt, den du im Leben gehst, mir ein Stück näher kommst. Oder noch mehr: Ich möchte, dass du mit jedem Schritt, den du im Leben gehst, dem Leben ein Stück näher kommst. Und all das, was so an dir dranhängt an altem, kaputtmachendem, sündigem Leben, das sollst du immer weiter hinter dir lassen.
Jeder, der mit Jesus unterwegs ist und diesen inneren Transformationsprozess schon erlebt hat, der schon weiß, wie er sich vielleicht noch vor zehn Jahren verhalten hat oder wie er noch vor zwanzig Jahren Dinge getan hat, für die er sich heute nur noch schämen kann, der weiß, wie er sich weiterentwickelt hat. Der weiß genau, wovon die Sprüche reden. Ja, das ist unsere Berufung: auf dem Weg nach oben zu sein. Der Weg des Lebens geht für den Einsichtigen nach oben, für den, der versteht, was Gott für ihn hat, damit er dem Scheol entgeht. Und das ist hier ein Bild, oder nicht nur ein Bild, sondern ein Wort, das für die Hölle steht, für die Verlorenheit, für ein Leben, das sich einfach nicht lohnt in all seinen Dimensionen. Damit er dem Scheol unten entgeht.
Das ist unsere Berufung. Lukas zeigt kapitelweise, wie das geht, indem wir uns an Jesus hängen, an den, der gesagt hat: Ich bin das Leben. Oder der gesagt hat: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen. Diese Einladung heißt nichts anderes, als dass wir Jesus in die Arme fallen und er mit uns diesen Weg Gott entgegengeht. Ein Weg, der damit beginnt, dass er uns die Schuld vergibt, dass er uns neues Auferstehungsleben schenkt, etwas von seiner Lebensqualität, von seiner Lebenskraft gibt und uns dann begleitet, Schritt für Schritt. Er freut sich mit uns, wenn wir die richtigen Dinge tun, und sagt uns immer wieder: Komm, steh auf, wenn das an irgendeiner Stelle nicht so klappt.
Wenn wir es wie ein Petrus vielleicht so ein bisschen eigenmächtig probiert haben, der auch gesagt hat: Ich werde dich nie verleugnen. Und es dann doch getan hat und danach weint und Jesus zu ihm kommt und ihm keine Vorwürfe macht, sondern einfach nur sagt: Hey Petrus, hast du mich lieb? Und Petrus sagt: Ja, ich habe dich lieb. Und diesen Weg der Liebe, wo ich einen Freund, einen göttlichen Freund an meiner Seite habe, Jesus, das ist der Weg des Lebens, der für den Einsichtigen nach oben führt.
Und wir sehen von Lukas her: Es kommt die Zukunft. Dieses große Fest, das ewige Abendmahl. Und ich möchte heute wenige abschließende Verse zu diesem Thema lesen: Lukas 17,1. Ein paar Lektionen, die Jesus seinen Jüngern und Lukas uns mitgegeben hat über die Zeit, bis wir die Ewigkeit mit Jesus genießen. Und es sind vier kurze Lektionen, die aber alle für diese Zwischenzeit, die wir noch auf der Erde sind, die wir als Christen leben müssen, von ganz großer Bedeutung sind.

Verführungen, die von aussen kommen

 Lukas 17,1
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen.
Das ist eine dieser hässlichen Wahrheiten in der Bibel: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen. Verführung heißt, dass jemand mit meinem Leben etwas tut oder mich dazu bringt, etwas zu tun, was Sünde ist.
Und Jesus sagt: Es ist unmöglich, dass, wenn du als Christ lebst, nicht irgendwann jemand kommt, der versucht, dir deinen Glauben wieder kaputt zu machen. Es ist unmöglich, dass du ein Leben lebst, ohne dass andere Menschen für dich zur Falle werden. Es ist unmöglich, dass du ein Leben als Christ lebst, ohne dass du erleben wirst, dass Menschen dir ein Bein stellen, so ein geistliches Bein stellen, über das dein Glaube fallen kann.
Wir haben im Text die letzten Male schon die Pharisäer kennengelernt: religiöse Menschen, ein bisschen geldverliebt, ein klein bisschen menschenverachtend, ein bisschen geltungssüchtig, die mit ihrem schlechten Beispiel andere zu Fall bringen. Sie wollen auf der einen Seite Vorbilder sein, aber in Wirklichkeit sind sie nichts anderes als Irrlichter, an denen sich Leute orientieren und immer tiefer in den Morast eines falschen Lebens hineingezogen werden.
Und Jesus sagt: Versuchungen sind unvermeidlich. Bitte haltet das fest. Glaub nicht, ich werde mein Christsein leben, und ich werde hier, was weiß ich, 40, 50 Jahre mit dem Herrn leben, und es wird mir nie passieren, dass ein anderer Mensch in mein Leben hineinkommt und mir ein Bein stellt. Doch, das wird passieren. Es wird andere Menschen geben, die werden dir persönlich zur Anfechtung werden. Die werden versuchen, deinen Glauben kaputt zu machen.
Und wenn wir einen Schritt zurückgehen, dann wissen wir, dass Anfechtung, dass Schwierigkeiten im Glaubensleben total normal sind. Die Bibel spricht davon, dass wir in einer Welt leben, in der ein Zeitgeist uns versucht zu manipulieren, uns versucht, seine Normen aufzudrücken. Die Bibel spricht davon, dass es geistliche Mächte gibt, die uns versuchen, seelisch zu beeinflussen, die uns schlechte Gefühle geben, böse und unnütze Gedanken geben. Die Bibel spricht davon, dass wir eine Hardware, einen Körper haben, aus dem allein schon genug Unsinn herauskommt, wenn wir einfach nur nach dem leben, worauf wir gerade Lust haben. Also: Es gibt schon gute Lüste, aber es gibt halt auch alle möglichen unsinnigen Emotionen, die in uns von Natur aus aufkommen.
Und unabhängig von dem Zeitgeist, unabhängig von der geistlichen Welt, unabhängig von dem, was an Trieben in uns drinsteckt, sagt Jesus: Es gibt noch eine vierte Komponente, die dir das Leben schwer machen wird als Christ. Da werden andere Menschen kommen. Und im Text heißt es, dass nicht Verführungen kommen. In der Fußnote steht: Anlässe zur Sünde. Sie werden Dinge tun, sodass du sündigst.
Ja, aber ich will gar nicht sündigen.
Na ja, das weiß ich schon. Aber andere Menschen werden versuchen, dich dazu zu bringen. Und es wird ganz unterschiedliche Möglichkeiten geben.
Wenn man einfach mal durch die Bibel hindurchgeht: Wie haben Menschen Menschen dazu gebracht, zu sündigen? Ganz einfache Geschichte: Da kommt Jesus und sagt zu seinen Jüngern: Ich werde leiden. Das ist seine Berufung. Was sagt der gute Petrus zu dem Thema? Ich werde leiden? Oh Herr, das soll auf keinen Fall passieren, du doch nicht! Und was sagt Jesus dann zu ihm? Tritt hinter mich, Satan!
Jahu, Petrus meint das eigentlich gut. Petrus denkt sich: Mann, Jesus leiden, das darf doch auf keinen Fall passieren. Aber in diesem Moment, wo er nicht erkennt, welche Berufung Jesus hat, ist dieser wohlmeinende Rat, nee, dir soll das nicht passieren, nichts weiter als ein Spruch, den der Teufel an Jesus direkt richtet, aus dem Mund des Petrus, und er will ihn davon abbringen, seine Berufung zu leben. Das ist eine Möglichkeit, wie wir einander, wenn wir die Berufung des anderen nicht verstehen, zur Falle werden können.
Dann kennt ihr die Pharisäer, die mit ihrer Pseudo-Heiligkeit, mit diesem Lebensstil, der nach mehr aussieht, als wirklich drin ist, Menschen einfach ein falsches Vorbild geben. Und wer den Pharisäern folgt, wer ihnen in ihrer Heuchelei folgt, der teilt auch ihre Sünde.
Dann merke ich, wenn ich so ein bisschen Neues Testament lese, gerade im Römerbrief, wir haben das mal in einer Bibelwoche schon besprochen, dass es eine Tendenz in Gemeinden gibt, dass man einander richtet. Also dass man über das hinaus, was die Bibel an klaren Vorschriften hat, an klaren Geboten und Verboten, so eine Tendenz entwickelt, kleinliche Regelungen aufzustellen, mehr Gebote in der Bibel zu finden, als da eigentlich drin ist, förmlich päpstlicher zu werden als der Papst.
Und diese Tendenz, jetzt mit dieser Haltung eines Richters auf andere Menschen zuzugehen, die Freiheiten von anderen Christen einzuschränken und vielleicht, weil man persönlich stärker ist, weil man gemeindlich mehr Einfluss hat und weil man irgendwie in der Lage ist, seine Sicht durchzudrücken, da auf Menschen Einfluss auszuüben, gerade auf solche Christen, die noch nicht so stark sind – die Bibel nennt das schwache Christen –, Menschen, die einfach noch nicht so lange dabei sind, die nicht so viel Freiheit haben, noch nicht so viel verstanden haben –, wer Menschen an dieser Stelle manipuliert, aus der Position der Stärke heraus ihnen die eigene Sicht aufpresst, dann sagt die Bibel: Das ist Sünde.
Da wirst du, wenn du jemanden dazu bringst, der gar nicht die innere Freiheit hat, das zu leben, was du lebst, wenn du ihn in der Kraft deiner eigenen Persönlichkeit jetzt manipulierst und dazu bringst, etwas zu tun, wo er eigentlich denkt: Das ist Sünde, dann wirst du ihm ein Anlass zur Sünde. Dann sündigt jemand, weil er etwas tut, was vielleicht richtig ist, was du tun darfst, aber was er nicht tut, weil er eine persönliche Beziehung zu Jesus hat, weil er Freiheit hat, sondern weil du ihn dahin manipuliert hast.
Und das kann mehr hintenrum geschehen. Man kann ganz offen Leute einladen zur Sünde, wenn man sagt: Das ist doch nicht so schlimm. Und es gibt vielleicht ein klares Gebot, das doch sagt, dass es schlimm ist. Die Offenbarung ist voll davon. Offenbarung 2: In den Sendschreiben gibt es so etwas. Man muss doch mal die Tiefen des Satans erforschen, das ist doch nicht so schlimm, mal ein bisschen zu sündigen, mal ein bisschen zu schauen, wie das ist. Doch, das ist schlimm. Wer das sagt, wird einem anderen Anlass zur Sünde.
Und man kann natürlich, den hatten wir ja auch, den Herodes, man kann anderen so psychischen Druck aufbauen, dass die nicht mehr frei entscheiden können, nicht mehr frei mit Jesus leben können. Und diese Dinge werden passieren. Das wird in deinem Leben passieren. Das ist menschliche Versuchung. Menschen werden versuchen, dich zu manipulieren, Menschen werden versuchen, dich in ihren Bann zu ziehen und dein Glaubensleben kaputt zu machen.
Das ist das, was Jesus hier sagt. Bitte rechne damit. Und wenn du glaubst: Nein, ich bin nur von ganz lieben Geschwistern umgeben, das wird mir nie im Leben passieren, das kann gar nicht passieren in Schwante, dann sage ich dir: Okay, dann kann ich dir nicht helfen, weil der Text sagt, es wird passieren. Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen.
Die gute Nachricht steht in 1. Korinther 10,13. Da schreibt der Apostel Paulus etwas über menschliche Verführungen. Er sagt in 1. Korinther 10,13: Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodass ihr sie ertragen könnt.
Ich mag diesen Vers. Ich weiß nicht, ob man ihn auf alle Versuchungen anwenden kann, aber auf menschliche Versuchungen, da, wo andere Menschen mich manipulieren und mich zwingen wollen, da darf ich das, denn das steht da. Menschliche Versuchungen sind Versuchungen, wo Gott schon einen Ausweg schafft, in dem Moment, wo sie kommen. Das heißt, ich bin in der Lage, da, wo Menschen mich manipulieren wollen, wo Menschen mich zwingen wollen, wo Menschen mich in eine Schublade stecken wollen, wo ich gar nicht rein will, ich bin in der Lage, Nein zu sagen. Zu diesen falschen Ideen, zu diesen falschen Zwängen, zu diesen falschen Vorbildern.
Ich kann Nein sagen, und ich muss das auch tun, egal wie schwer mir das fällt. Das hat etwas mit geistlichem Erwachsenwerden zu tun, dass ich meine Position einnehme und sage: Hier stehe ich, das bin ich, und dafür stehe ich jetzt mit meinem Leben.
Warum? Einfach deshalb, weil Gott möchte, dass du deine Berufung lebst, dass du wirklich auf eine echte Weise heilig bist und dass wir allein ihm gefallen, dass wir nicht anfangen, der Gemeinde zu gefallen, dass wir nicht anfangen, unserer Familie zu gefallen, dass wir uns nicht vom Teufel und der Sünde überwinden lassen, sondern dass wir ein Leben unserer eigenen, ganz persönlichen Berufung leben, wo es uns einzig und allein darum geht, Gott zu gefallen.
Und wenn du ein Argument brauchst – es ist ja ein bisschen Urlaubszeit, manch einer hat ein bisschen mehr so Zeitreserven –, wenn du ein Argument brauchst, warum es sich lohnt, in der Bibel zu lesen und Bibelferse auswendig zu lernen und über die Bibel zu meditieren und gute Predigten zu hören oder vielleicht mal einen Kommentar reinzuschauen, warum es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen, eine Kultur des Umgangs mit der Bibel zu schaffen, hier ist es: Versuchung wird kommen, und du wirst sie nicht erkennen, du wirst ihr schutzlos ausgeliefert sein, wenn das Wort Gottes dich nicht vorbereitet hat.

Verantwortung im Umgang mit anderen

Und natürlich geht es weiter. Da, wo Versuchung kommt, da, wo unser Leben das Leben anderer beeinflusst, tragen wir selbst eine riesige Verantwortung.
Lesen wir noch einmal Kapitel 17, jetzt die Verse 1 und 2:
Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen; wehe aber dem, durch den sie kommen! Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einem dieser Kleinen Anlass zur Sünde gebe.
Die Kleinen, das sind Menschen, die uns für die Großen halten, also für irgendwen. Bist du ein Großer, zumindest wenn du eine Weile geistlich dabei bist?
Und jetzt sagt Jesus: Wenn wir diesen Kleinen, die uns für die Großen halten, Anlass zur Sünde geben, wenn wir ihnen zum Beispiel einen falschen Maßstab von Heiligkeit vermitteln oder wenn wir ihren Glauben an Gott zerstören, an die Gottheit Jesu oder an die Autorität von Gottes Wort, oder wenn wir den Wert und den Weg der Errettung verdrehen, wenn wir ihnen das Evangelium kaputt machen, dann wäre es in Jesu Augen besser.
Ihr wisst alle, was ein Mühlstein ist, oder? Es ist nicht mehr so das, was man heute nimmt. Ich habe jetzt letzte Woche wieder so einen Krimi gelesen, so einen Agententhriller, da hat man auch jemanden im Meer versenkt. Da war jetzt nicht gerade ein Mühlstein bei der Hand, da hat man so ein Stück Ankerkette genommen. Das tut es auch. Also, du brauchst einfach etwas, was schwer genug ist, das du unproblematisch an jemanden dranbinden kannst, und dann schmeißt du ihn ins Meer. Und dann wartest du und schaust so ein bisschen und denkst dir: Jetzt ist es auf einen Kilometer.
Ich kann das nicht lesen, ohne zu denken, dass Gott auf der einen Seite Humor hat, auf der anderen Seite, dass Jesus manchmal wirklich krasse Vergleiche bringt, oder? Man kann darüber hinweglesen, und in Kinderbibeln macht man sich auch nicht viel Kopf darüber. Aber stell dir mal vor, wie sich jemand fühlt mit einem Mühlstein um den Hals. Oder in diesen alten Mafiafilmen, wenn du so hier unten in so einen Zementblock eingegossen wirst, und dann schubst dich jemand über die Mole. Stell dir das mal vor, wie man sich da fühlt, in dem Moment, wo du weißt: Ich bin eigentlich verloren.
Und dann plumpst du da ins Wasser, ja, und dann schlägt über dir das Wasser zusammen, und du weißt: Ich habe jetzt noch für eine Minute zwei Luft, und dann muss ich das erste Mal, aber da ist kein Sauerstoff, da ist nur Wasser. Und so langsam, ja, stell dir das einfach mal vor. Das ist doch gruselig. Wie kann denn Jesus so ein Bild bringen? Das ist ja schon fast FSK sechzehn. Müsste man nicht doch die Bibel auf den Index? Überlegt mal, das ist ja grausam hier: jemanden einen Mühlstein um den Hals und dann ins Meer werfen.
Mir ist völlig klar, dass kaum einer Jesus an der Stelle mehr ernst nimmt. Dieses: Ach, jetzt muss ich mich auch noch darum kümmern, ob ich einem anderen mit meinem Leben zum Problem werde. Jürgen, oder Herr Jesus, reicht es nicht, dass jeder sein eigenes Leben lebt? Reicht es nicht, wenn ich mir Gedanken um meine Sünden mache? Kann nicht der andere sich einfach um sein Leben Gedanken machen, ich mache mir um mein Leben Gedanken? Muss das gleich so krass sein hier, dass ich darüber, muss ich mir wirklich den Kopf darum machen, ob irgendwo mein Leben einem anderen, einem anderen zum Anstoß wird? Ist das nicht alles zu viel?
Kennt ihr diesen Gedanken? Dieses: Mann, jetzt kommt noch etwas obendrauf. Ich finde es schon schwierig, beim Beten dieses Gebet: Und vergib uns unsere Schuld, denn auch wir vergeben unseren Schuldigern. Ich finde es schon schwierig, dieses ständige Darüber-nachdenken-Müssen, wo es in meinem Leben etwas verkehrt ist. Und jetzt kommt Jesus und packt noch etwas obendrauf. Bin ich als Christ wirklich nie fertig? Lässt Jesus mich nie in Ruhe? Ist dieses ganz normale Leben nicht an sich schon absolut grenzwertig, und ich weiß in vielen Situationen gar nicht, wie ich das schaffen soll? Und jetzt noch eins obendrauf, diese Frage: Bist du Vorbild? Hey, keine Ahnung! Es wird mir einfach zu viel. Ob ich andere Leben manipuliere, ob ich andere zur Sünde verführe, keine Ahnung, ey, mein Leben ist voll genug.
Und wenn du genau so denkst, wenn du denkst: Ich will nicht darüber nachdenken, dann Vers 3: Habt Acht auf euch selbst. Da kommt dieser Gedanke wieder. In unseren Augen mag das völlig überzogen klingen, völlig krass klingen, wenn Jesus hier so einen offensichtlichen Schwerpunkt auf die Frage legt: Bist du jemand, der andere mit seinem Leben zur Sünde verführt? Vielleicht denkst du: Mann, ich will da nicht mehr drüber nachdenken.
Und Jesus sagt: Doch, ich möchte aber, dass du deine Prioritäten ausrichtest, so wie mir das wichtig ist. Und für mich, sagt Jesus, ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass du mit deinem Leben anderen nicht zum Fallstrick wirst. Das ist mir richtig wichtig. Und deswegen dieses: Habt Acht auf euch selbst.
Wenn wir Menschen zur Sünde provozieren, dann verlassen wir den Pfad der Liebe, dann verlassen wir den Pulsschlag unseres Glaubens, dann verlassen wir den inneren Kern dessen, was es heißt, ein Jünger Jesu zu sein. Und dann fällt Jesus nicht mehr ein, als uns zu sagen: Es wäre besser, dich dann aus dem Verkehr zu ziehen. Und deswegen ist das so ein wichtiger Punkt.
Merkt ihr, was Jesus tut? Ich finde das immer wieder faszinierend. Er wechselt die Perspektive. Wir sind so nach innen gerichtet, wir sind so schuldzentriert auf unser Eigenes. Und Jesus sagt: Schau mal nach draußen. Wie gehst du mit anderen Menschen um? Wie wirkst du auf andere Menschen? Was macht dein Leben mit anderen Menschen? Was gibst du ihnen für ein Vorbild? Was gibst du deinen Kindern für ein Vorbild? Was gibst du den Teenagern in der Gemeinde für ein Vorbild? Was gibst du deinem Ehemann für ein Vorbild? Was gibst du den Gottesdienstbesuchern für ein Vorbild? Wo führst du mit deinem Leben andere Menschen hin, wenn jemand dir folgt, wenn jemand dich imitiert? Wo kommt er hin? Das ist eine ganz wichtige Frage für Jesus.

Umgang mit Schuld und Vergebung

Und was ist, wenn ich selbst provoziert werde? Was ist, wenn jemand an mir schuldig wird?
Na ja, zwei Dinge. Wenn jemand an uns schuldig wird und wir lesen in Lukas 17,3: Habt Acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, so vergib ihm. Wenn jemand an dir schuldig wird, dann geh hin, rede mit ihm und sag ihm das. Und wenn er es bereut, dann vergib ihm.
Wir sind dazu berufen, in dieser Welt auch dort hinzugehen, wo uns Böses angetan wird, das anzusprechen und zu vergeben. Und ich weiss natürlich: Es ist viel leichter, sich dieser Frage nicht zu stellen. Bin ich ein Vorbild? Bin ich jemand, der Menschen manipuliert? Bin ich jemand, der andere zur Sünde verleitet? Ich weiss, es ist so einfach, wenn jemand an mir schuldig wird, das einfach zu ignorieren.
Es ist viel leichter, die Klappe zu halten, als hinzugehen und dem anderen zu sagen: Hör her, das hat mich verletzt. Es ist viel leichter, gar nichts zu sagen und innerlich bitter zu werden und ein bisschen mit den besten Freundinnen und Freunden darüber zu quatschen, als zu der einen Person hinzugehen, die es tatsächlich betrifft.
Aber wisst ihr, wohin das führt, wenn ich nichts sage? Wenn einer an mir schuldig wird, sich wirklich an mir versündigt, und ich lasse das einfach im Raum stehen, wohin führt das dann? Könnte es sein, dass ich auch an dieser Stelle einem Menschen ein Anlass zur Sünde werde?
Ich möchte das von hier vorne ganz nüchtern sagen: Wer nicht hingeht, und manchmal muss man sich da ein bisschen Hilfe holen. Gerade wenn es um sehr starke Persönlichkeiten geht, geht man vielleicht nicht gerne alleine hin. Da kann man seelsorgerlich das Geschickter und das Ungeschickter anpacken. Ich will es mal ganz grundsätzlich sagen: Wer nicht hingeht, der hat eigentlich kein Recht, über die Sünde des anderen zu reden. Denn entweder ist die Sünde belanglos, und wir entscheiden uns, sie zu ertragen. Das kennt die Bibel: Man muss nicht jeden kleinen Pups ansprechen. Dann reden wir aber auch nicht darüber. Oder aber die Sünde ist nicht belanglos, sie ist ernst. Dann müssen wir zu dem Täter hingehen, mit ihm reden und ihn von seiner Sünde überführen.
Wisst ihr, wo Lästern anfängt, oder wo Tratschen anfängt, oder Klatschen, oder all das? Das fängt da an, wo ich sage: Ich will gar nicht hingehen. Aber das ist so herrlich: Jetzt hat jemand mal an mir etwas Böses getan. Da fühlt man sich ja auch gut. Da meint man innerlich das Recht zu haben: Jetzt kann ich mal was sagen. Jetzt hat er sich mal. Jetzt kann ich ihm mal so hintenrum auch eins geben. Das ist Lästern. Und die Bibel sagt: Lästern ist böse, Lästern ist Sünde.
Entweder hältst du die Klappe, weil du sagst: Das ist so klein, da schaue ich einfach drüber hinweg. Oder aber, wenn es so gross ist oder dir so wehgetan hat oder offensichtlich von der Bibel her so ernst ist, dass du nicht darüber hinwegschauen kannst, dann geh bitte zu dem hin, den es betrifft.
Vers 4: Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt – ich mag diesen Vers. Stell dir jemanden vor, der das kann man sich ja gar nicht vorstellen: siebenmal am Tag. Also stell dir vor, Sünde wäre wie einmal auf den Fuss treten. Das macht keinen Spass. Und jetzt stell dir das vor: Einmal ist okay. Einmal tritt man dem anderen so auf den Fuss, und dann: Okay, ich vergebe dir. Und er macht das siebenmal. Und dein Fuss ist langsam Mus.
Aber das steht da. Da steht: Wenn jemand siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt, also siebenmal sagt: Hey, es tut mir echt leid, ich weiss gar nicht, wie mir das passieren konnte. Und das gibt es, dass Leute so schusselig, dusselig, dumm gefangen sind, dass sie permanent die gleichen Sachen falsch machen. Ja, das gibt es nicht nur bei Kindern, das gibt es auch bei Erwachsenen. Und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.
Was für ein Vers! Das ist Gemeinde, okay? Einmal zu vergeben, das kann jeder Stammtisch. Siebenmal zu vergeben, das ist Gemeinde. Wo Busse ist, soll Vergebung zugesprochen werden, egal wie oft am Tag.
Und der Vers bedeutet nicht – der wird manchmal herangezogen, um zu zeigen: Ich kann doch erst vergeben, wenn einer Busse tut, erst wenn er umkehrt, dann kann ich vergeben. Quatsch! Der Vers sagt: Wenn der andere zu dir umkehrt, dann ist das der allerspäteste Termin, an dem du vergeben musst. Nicht der früheste, der späteste Termin. Denn wir kennen ja schon Lukas 11,4. Das ist das Prinzip, das wir schon von Lukas vorgestellt bekommen haben. Lukas 11,4, mitten im Vaterunser, da heisst es: Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist.
Also dem wird vergeben, der selber vergibt. Und wenn ich dir persönlich ein Prinzip mitgeben darf, was Jesus am Kreuz gelebt hat, denn da hängt er und er sagt: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Da ist keine Busse bei den römischen Soldaten. Die wissen gar nicht, wofür sie Busse tun sollen. Und trotzdem spricht Jesus ihnen Vergebung zu.
Wenn ich dir ein Prinzip mitgeben darf, was mein Leben geprägt hat: Markus 11,25. Da heisst es auch zum Thema Vergebung, und ich kann euch das wirklich nur wärmstens ans Herz legen. Wenn du das nicht tust, wird irgendwo in deinem Inneren etwas ungeregelt bleiben, es wird Bitterkeit wachsen. Da heisst es: Markus 11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt.
Simpel, oder? Ach, ich mag Christsein. Christsein ist so herrlich einfach. Wenn du da stehst und betest, sprich: Wenn du betest und wenn du sowieso deine Sünden vor Gott bringst, dann denk doch mal darüber nach: Gibt es da noch einen, der bei mir etwas gut hat? Und dann lässt du den auch frei. Weil in dem Moment, wo Gott dich wieder freilässt, wo Gott sagt: Hey, alles wieder okay, dann lass doch den frei, der an dir schuldig geworden ist.
Denn wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Anscheinend gibt es da eine Verbindung zwischen dem Umgang mit anderen. Wenn wir ihnen ihre Übertretungen, ihre Sünden nicht vergeben, sagt Gott auch: Weisst du was, dann behältst du deine. Dann sehe ich eigentlich keinen Grund, warum ich deine Sünden vergeben soll.
Und wir kennen auch das Prinzip, auch das haben wir im Lukas-Evangelium gelesen, ist schon eine Weile her, in Lukas 6,38. Da heisst es an einer Stelle: Gebt, und es wird euch gegeben werden; denn mit demselben Mass, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.
Wenn du bereitwillig vergibst, spätestens in dem Moment, wo der andere zu dir umkehrt, dann sagt Gott: Habe ich kein Problem, dir auch deine Sünden zu vergeben. Und das ist das, was wir brauchen. Wir brauchen jeden Tag dieses Gebet, und ich hoffe, dass ich euch ein bisschen ermutigen kann zu einem Gebetsleben, wo man sich öfter mal die Frage stellt: Wo sind eigentlich meine Sünden?
Im Vaterunser steht das drin: Vergib uns unsere Sünden. Eigentlich wünschte ich mir, dass jeder von euch immer, wenn er betet – ich weiss nicht, wie viele regelmässige Gebetszeiten ihr am Tag habt. Daniel hatte drei. Manche machen Stundengebete, die haben dann ein paar mehr. Andere sagen: Ich mache das morgens. Manche machen es morgens und abends. Ist mir auch egal. Aber wenn du betest vor Gott, nimm diesen Gedanken mit hinein, kurz darüber zu reflektieren: Wo ist Schuld in meinem Leben?
Lass sie dir zeigen von Gott. Wenn du sagst: Ich weiss gar nicht, was ich für Schuld habe, kein Problem, dann frag Gott. Und wenn dir etwas hochkommt, dann bring es gleich in Ordnung und vergib denen, die an dir schuldig geworden sind.

Glaube, der nicht nach mehr verlangt

Vers 5 und 6
Das sind natürlich Riesenaufgaben. Ich soll darauf achten, nicht selbst anderen zur Falle zu werden. Ich soll andere ansprechen, die an mir schuldig geworden sind. Ich soll hingehen und vergeben.
Angesichts solcher Aufgaben sagen die Jünger jetzt, und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben. Ich verstehe das gut. Aber der Herr Jesus sagt: Nein, das machen wir anders. Vers: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer, und er würde euch gehorchen.
Das ist eine ganz interessante Antwort, oder? Mehre uns den Glauben, und Jesus sagt: Nein, ihr braucht nicht mehr Glauben. Ein senfkorn-großer Glaube, das ist so gar nichts, das ist so wenig. Aber so viel Glauben reicht völlig. Reicht völlig für jede Art von Wunder, die du tun willst, wenn du ihn lebst. Du brauchst nicht mehr Glauben, du brauchst gelebten Glauben. Versteht ihr den Unterschied?
Mehr! Und Jesus sagt: Nein, nein, nicht mehr. Du hast genug. Du brauchst gelebten Glauben.
Und Jesus spricht hier etwas an, was ich eine schlimme Sucht unter Christen nennen möchte: diese Sucht, immer mehr geistliche Kraft zu bekommen. Wie auch immer das dann ausgesprochen wird: mehr Geist, mehr Glauben, mehr Christusbewusstsein, mehr Salbung, mehr Vollmacht.
Und das Interessante ist: Wenn ich mir das so anschaue, dieses Mehr-haben-Wollen, dann kommt es immer zu einem Perspektivenwechsel. Wer immer mehr will, weigert sich nämlich, verantwortlich mit dem umzugehen, was er hat. Wer immer mehr will, wer nie zufrieden ist, der macht eigentlich Gott einen Vorwurf und sagt: Du hast mir zu wenig gegeben. Gott, du bist eigentlich für mein Versagen, für mein schwaches Glaubensleben verantwortlich.
Dahinter steckt folgende Idee: Christen glauben, wenn Gott uns beruft, wenn wir Kinder Gottes werden, dann kriegen wir nur so eine Art Serienmodell-Ausstattung, Christ-Ausstattung, Serienmodell. Aber wenn wir wirklich ans Ziel kommen wollen mit Gott, brauchen wir die Sportausstattung. Und jetzt beten wir: Gott, gib uns die Sportausstattung. Wir sind nur Serienmodell. Bitte schenke uns die Sportausstattung, die mit den verchromten Auspuffrohren, und wo hinten der Spoiler ist und wo vorne der V8 drin sitzt. Herr, schenke uns bitte die Sportausstattung!
Und wir glauben, oder viele Christen glauben, wenn sie nicht aufrüsten, dann können sie irgendwann im Leben einfach nicht mehr mithalten.
Und die Folge ist: Es treten Zigtausende von Irrlehrern auf, die sagen, im Namen eines falschen Mystizismus oder gleich im Namen des Antichristen: Ich habe eine Methode, wie du vom Serienmodell zur Sportausstattung werden kannst. Und Leute fallen auf sie rein und fallen auf sie rein und fallen auf sie rein, obwohl doch das Gegenteil wahr ist.
Und obwohl doch das Gegenteil in der Bibel steht, obwohl wir doch schon lange Sportausstattung sind. Gott hat uns doch nicht defizitär, irgendwie so halbfertig, geschaffen. Wir sind eine neue Schöpfung in Christus.
Und für alle, die wie ich immer eine Bibelstelle brauchen: Kolosser 2. Eigentlich müsste diese Stelle all diesen Gedanken ein Ende bereiten. Da heißt es ab Vers 8 bis Vers 10, Kolosser 2,8-10:
Seht zu, dass niemand euch einfange durch Philosophie und leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, eine Umschreibung vom Zeitgeist und nicht Christusgemäß. Und jetzt hört euch das an: Denn in ihm, in Christus, wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Jesus ist doch nicht ein halber Gott, er ist ganz Gott. Und dann geht es weiter: Wenn Jesus ganz Gott ist und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht.
Und ich erspare euch jetzt die griechische Grammatik, die zum Ausdruck bringt, dass da für allemal gilt: Du bist zur Fülle gebracht, du bist Sportausstattung.
Wir brauchen nicht mehr Geist, mehr Glauben, mehr Christusbewusstsein, mehr Salbung, mehr Vollmacht. Du hast schon alles, was wir womöglich brauchen. Was wir womöglich brauchen, ist ein Leben, das den Geist Gottes, der in uns wirken möchte, nicht durch Sünde dämpft. Ja, ja, das kann schon sein. Was wir womöglich brauchen, ist ein Leben, das geprägt ist von Heiligkeit, geprägt ist von Gebet, geprägt ist von Hingabe, davon geprägt ist, dass Gott tatsächlich in den Schwachen mächtig ist.
Und dass, wenn Paulus sagt: Mir geht es gerade nicht so gut, Gott sagt: Es ist nicht so schlimm. Das, was du hast, reicht allemal, weil du hast ja mich. Oder wie jemand mal so schön gesagt hat: Du und Gott ist immer die Übermacht.
Er ist einfach so. Du brauchst nicht mehr, sondern was du brauchst, ist ein gelebter Glaube, der andockt an Gott. Und wenn du so einen Glauben hast, dann kannst du Wunder wirken.
Vielleicht sind heute die Sachen mit den Maulbeerfeigenbäumen nicht mehr so der Hit. Vielleicht möchtest du etwas anderes. Vielleicht betest du dafür, dass Menschen zum Glauben finden, Herzen verändert werden, keine Ahnung, was dir so vorschwebt. Aber lass dich nicht einfangen von dieser Idee: mehr. Lass dich einfangen von dieser Idee, das, was da ist, richtig zu gebrauchen und das auszuleben, was du bist. Du bist schon zur Fülle gebracht.

Die Gefahr des Hochmuts

Und wenn wir so leben, wenn das unser Leben prägt, ein Glaube, der Wunder wirkt, der Gott bis zum Anschlag vertraut, dann gibt es noch eine letzte Gefahr. Und diese letzte Gefahr ist die, arrogant zu werden. Und deswegen endet dieser ganze Block, der sich mit der Zukunft beschäftigt. Ab dem nächsten Mal geht es dann mit einem ganz anderen Thema weiter. Er endet mit dem Thema Hochmut!
Und wir lesen die Verse sieben bis zehn einmal kurz durch, und ihr werdet, denke ich, sofort verstehen, worum es dabei geht. Denn die Lektion ist relativ einfach:
Wenn aber einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder hütet – gemeint ist natürlich so eine Herde –, wird er zu ihm, wenn er vom Feld hereinkommt, sagen: Komm und leg dich sogleich zu Tisch? Das wird keiner machen. Du hast einen Sklaven? Und wenn der reinkommt, also wenn die Feldarbeit erledigt ist, dann ist noch nicht Ausruhen angesagt. Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? Dankt er etwa dem Sklaven dafür, dass er das Befohlene getan hat? Ich meine nicht. So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.
Und die Lektion ist einfach, oder? Wenn Gott unsere Errettung so ernst nimmt, dass er auf die Erde kommt, seine eigene Herrlichkeit aufgibt, um uns wie ein Sklave zu dienen, sich uns unterzuordnen, dann sind wir als seine Jünger nie, nie an dem Punkt, wo wir uns selbstgerecht zurücklehnen könnten und denken: Jetzt haben wir alles gemacht.
Wir bleiben unser ganzes Leben in Gottes Schuld. Es ist nie so, dass Gott in unserer Schuld stehen würde. Es gibt in unserem Leben nie einen Punkt, an dem wir sagen könnten: Jetzt können wir damit angeben, mit dem, was wir ja ach so toll erreicht hätten.

Zusammenfassung und Schluss

Worum ging es mir heute? Es ging mir darum zu zeigen, wie am Ende dieses Blocks über die Ewigkeit vier Stolpersteine aufgezeigt werden, die uns auf diesem Weg, bis wir bei Gott ankommen, in den Weg geworfen werden.
Stolpersteine, der erste: Verführungen. Dass wir uns darüber im Klaren sind, dass es Menschen geben wird, die uns von unserem Weg nach oben, Gott entgegen, von diesem Weg der Heiligkeit und der Geradlinigkeit mit Gott abbringen wollen. Dass wir einfach nicht erschrocken sind, wenn es passiert, sondern dass wir das einfach benutzen, um zu sagen: Huh, stand ja schon in der Bibel.
Der zweite Punkt ist: Wir müssen damit rechnen, dass wir anderen zum Fallstrick werden. Und das ist für Jesus ein ganz wichtiger Punkt.
Drittens: Wir werden damit rechnen müssen, dass es Glaubenserfahrungen gibt, die uns frustrieren wollen.
Und viertens: Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es Hochmut gibt, der uns genau in den Momenten überfallen will, wo wir den Verführungen widerstanden haben, wo wir anderen Glaubensgeschwistern geholfen haben, wo wir im Glauben siegreich waren.
Versteht ihr das? Vier Punkte.
Ich weiß nicht, wo ihr steht. Ich möchte euch diese Frage mitgeben: Wo hat mich die Verführung vom Weg der Heiligkeit abgebracht? Klingelt da irgendwas bei dir? Gibt es irgendwo einen Punkt, wo du sagst: Da hat sich etwas in mein Leben eingeschlichen, das muss ich in Ordnung bringen?
Oder: Wo habe ich fremde Sünde an mir nicht vergeben? Klingelt irgendetwas, wo du sagst: Da gibt es ein paar Dinge, da gibt es Menschen, da weiß ich schon lange, die müsste ich loslassen?
Wenn da etwas klingelt, halt es kurz fest. Wo stehe ich dem Heiligen Geist im Weg? Wo kann ich diesen Senfkornglauben in all seiner Wucht und Durchschlagskraft nicht leben, weil ich mich eigentlich gegen das wehre, was Gott tun möchte?
Und wo bin ich einfach nur eingebildet? Ja, wo bin ich einfach nur der, der arrogant ist und denkt: Boah, bin ich stark, bin ich schön, bin ich toll?
Ich weiß nicht, wo es bei dir klingelt. Ob du sagst: Ja, bei mir klingelt es bei dem Thema Verführung. Oder vielleicht klingelt es bei dem Thema fremde Sünde, die ich noch nicht vergeben habe. Vielleicht klingelt es bei dem Thema, dass der Heilige Geist mich eigentlich weiterbringen möchte und ich ihm im Weg stehe. Vielleicht klingelt es bei dem Thema Arroganz.
Aber ich rate dir, dass du den heutigen Tag nutzt, um die Dinge in Ordnung zu bringen. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“, heißt es im Hebräerbrief.
Und ich finde das so schön: Alle, die wir hier sitzen, wir haben ein Heute. Du lebst, du kannst atmen, du kannst noch denken, du kannst reden, du hast dieses Heute. Und dieses Heute hat eine einmalige Chance. Du hast eine Chance, in deinem Leben mit Gott, wenn es irgendwo geklingelt hat, einen Schritt nach vorne zu gehen. Einen Schritt nach oben zu gehen, weg von dem alten Leben, weg von dem Kaputtmachenden, weg von der Sünde, einen Schritt nach oben.
Und ich wünsche mir das für euch, dass ihr das einfach nutzt. In diesem Sinn euch allen bis irgendwie nach der Sola-Zeit. Wir sehen uns dann am Sola-Abschlussgottesdienst wieder. Ich wünsche euch, wenn ihr noch Urlaub habt, einfach eine schöne, erholsame Zeit.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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