Zum Inhalt

Apostelgeschichte 16,4-15

Apostelgeschichte 16,4-16,1501.01.2020
SerieTeil 36 / 64Apostelgeschichte
Darf Gott deine Pläne stoppen? Paulus erlebt Führung nicht als Masterplan, sondern als Türen, die sich schließen – bis ein kleiner Moment am Fluss plötzlich alles verändert.

Einleitung und Ausgangspunkt der Frage nach Führung

Das sind ja schon gewaltige Worte, die man da singt: Herr, weise du mir deinen Weg. Ja, deinen Weg. Klingt gut, oder? Nicht weise mir meinen Weg, sondern weise mir deinen Weg. Das finde ich schön.
Führung, Führung und vor allem Führung im Leben von Menschen, die das ernst meinen, was wir eben gesungen haben, die sich wünschen, dass Gott sie in dieser Welt gebraucht. Das wird so ein Stück Thema von heute Morgen sein.
Ich möchte mit euch weitermachen in der Apostelgeschichte 16. Wir stehen da am Anfang der zweiten Missionsreise. Wer die Apostelgeschichte ein bisschen kennt, weiß, da gibt es verschiedene Missionsreisen. Heute eben, wie gesagt, am Anfang der zweiten. Die Apostel, in dem Fall Paulus und Barnabas, haben sich gerade getrennt. Barnabas war mit seinem Mitarbeiter Johannes Markus nach Zypern abgereist, und Paulus hat angefangen, Gemeinden in der Türkei zu besuchen.
Jetzt, klar, damals gab es noch nicht die Türkei. Das Gebiet rund ums Mittelmeer war fest in römischer Hand und aufgeteilt in diverse Provinzen. Deswegen heißt es nicht: Und Paulus zog durch die Türkei. Sondern deswegen heißt es bei uns in der Bibel: Er durchzog aber Syrien und Zilizien.
Ich hätte jetzt gern mal meine Folie von der zweiten Missionsreise, dass ihr das mal seht. Also, das ist hier die Gegend, um die es gehen soll. Paulus ist hier in Syrien, genau genommen in Antiochien. Und bei der ersten Reise war man hier so entlanggelaufen, hatte also in diesem Bereich Gemeinden gegründet, und jetzt geht es einfach darum, da noch mal nachzuschauen. Also, es geht hier los.
Und was habe ich eben gesagt? Syrien, das sind also die Gemeinden hier. Ja, kennt man ganz gut jetzt aus den Nachrichten. Aleppo, könnt ihr euch was sagen? Das ist genau die Gegend, wo Paulus durchgezogen ist, also hier oben Syrien und dann hier rüber nach Zilizien. Da ist er so ein bisschen unterwegs und reist durch die Gegend mit seinem Silas.
Frage heute, womit wir uns beschäftigen wollen: Wie kam Paulus eigentlich von dieser Gegend hier da oben rüber nach Griechenland? Denn die zweite Missionsreise ist die, die üblicherweise nach Griechenland führt. Und ich nehme jetzt mal diese Frage als Ausgangspunkt dafür, etwas allgemeiner die Frage zu stellen: Wie führt eigentlich Gott?
Und für mich persönlich ist die Frage von daher interessant, weil wir in einer Zeit leben, in der Gemeindeleiter, also wie ich, von Gemeindeleitern erwartet man irgendwie, dass sie für ihre Gemeinde eine Vision haben, am besten heute schon wissen, wo ihre Gemeinde in fünf Jahren stehen soll. Gemeindeleiter, das sind die, die Pläne schmieden, Projekte auflegen, Meilensteine definieren oder SWOT-Analysen durchführen, mindestens toll organisieren können.
Wenn man sich die Frage stellt, wo kommt so ein Gedanke eigentlich her, dass ein Leiter all das können soll, dann gibt es dahinter genau eine Bibelstelle. Die wird auch immer wieder zitiert. Das ist der Bau der Mauer rund um Jerusalem durch Nehemia. Nehemia, toller Typ, das war so der Typ Planer. Und der kommt dann tatsächlich irgendwann mal nach Jerusalem, da war die Mauer kaputt, und er macht all das, was man sich von diesem typischen Planerleiter wünscht. Der reitet um die Stadt, schaut sich die Reste der Stadtmauer an, überlegt, was es so an Arbeiten zu tun gibt, geht mit gutem Vorbild voran, teilt die Arbeiter ein, lässt sich nicht entmutigen, und er schafft es. In 52 Tagen sind die Tore und die Stadtmauer wieder gebaut. Toll!
Tja, warum sage ich das? Ich sage das, weil ich einerseits deutlich machen möchte: Es ist nichts Schlimmes, wenn man plant. Oder wenn man so eine Vision vom Leben hat, wenn man nicht einfach so ins Blaue hineinlebt. Aber es gibt in der Bibel halt nicht nur Nehemia. Nehemia war so ein Typ. Nichts Schlimmes, wenn du ein Nehemia-Typ bist, freu dich drüber.
Genau genommen gibt es aber in der Bibel viel mehr Beispiele von Leitern, die Gott als Leiter verwendet hat, die überhaupt keinen Plan hatten. Wenn ich an Mose denke oder an Debora oder an Jona oder an Daniel, dann sind das zum Teil Leute, die überhaupt nicht leiten wollten. Let my people go! Ich? Nee, hast du nicht jemand anders, Gott? Ich bin da der Falsche. Das sind zum Teil Leute, die überhaupt nicht leiten wollten beziehungsweise die Gott schlicht und ergreifend nicht gefragt hat, sondern die einfach so in ihre Berufung hineingestolpert sind. Davon gibt es relativ viele in der Bibel.
Und da ist mir irgendwann klar geworden: So sehr Nachdenken, Planen und Organisieren richtig und wichtig sind, es gibt etwas, was noch wichtiger ist. Und das ist etwas, das sich unserer Kontrolle entzieht. Und deshalb würde ich gerne mit euch heute betrachten, wie hat Gott das gemacht, dass das Evangelium diesen Sprung schafft von dieser Gegend, Türkei, nach hier oben, Griechenland.
Es ist nämlich überhaupt nicht so, dass Paulus als der große Stratege hier in Antiochien saß und sich überlegt hat, wie könnte ich das Evangelium möglichst effektiv im ganzen römischen Reich predigen. So einen Paulus denken wir manchmal, aber den gab es nicht. Bei der ersten Missionsreise war es noch ganz klar, die war vom Heiligen Geist beauftragt. Haben wir schon miteinander geschaut? Die haben gebetet und gefastet, und der Heilige Geist hat gesprochen: Sondert mir die aus und schickt die los!
Der Grund für die zweite Missionsreise ist irgendwie fast ein profaner. Apostelgeschichte 15,36. Da lesen wir, warum er loszieht, und das hört sich tatsächlich so an: Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: „Lass uns nun zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündet haben, und sehen, wie es ihnen geht.“
Versteht ihr, das ist überhaupt nicht großplanerisch. Das ist einfach: Wir haben Gemeinden gegründet, wir müssen mal schauen, ob es die noch gibt. Wäre gut, wenn man da mal vorbeigehen und eine Gemeindefreizeit machen könnte, so ein bisschen Follow-up. Also seelsorgerlich einfach: Wir haben doch eine Verantwortung, das machen wir jetzt mal. Das war der Startpunkt für die zweite Missionsreise. Nicht dieses: Wir haben doch eine ganze Welt zu erreichen, wir müssen mal strategisch jetzt sehen, dass wir neue Punkte auf der Landkarte setzen. Überhaupt nicht. Wir haben da Gemeinden gegründet, die gehen wir mal besuchen.
Also Frage: Wie kam das dazu, dass Paulus, der eigentlich gar nicht darüber nachgedacht hat, nach Griechenland zu gehen, dann nach Griechenland gekommen ist? Und dazu lesen wir Apostelgeschichte 16, die Verse 4 bis 8, erst einmal. Da heißt es folgendes:
 Apostelgeschichte 16,4: Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nur damit ihr wisst, wo das ist. Phrygien, ja, also die ziehen hier hoch, kommen dann so bei den Gemeinden vorbei, die sie gegründet haben, und ziehen einfach ein bisschen weiter. Man zieht einfach mal so ein bisschen weiter und schaut: Wo ist denn noch eine Synagoge, wo kann man noch ein bisschen predigen? Und sind hier Phrygien, hier ist Galatien, die galatische Landschaft, nachdem sie von dem Heiligen Geist verhindert worden waren, das Wort in Asien zu predigen.
Hier ist Asien. Die wollten anscheinend geradewegs hier rüber, und da hat der Heilige Geist gesagt: Nö, machen wir das nicht. Dann sind sie hier hochgezogen, sind da drüben ein bisschen langgezogen, dann dachten sie sich: Gehen wir nach hier oben. Als sie aber in der Nähe von Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen. Also, sie kommen hier rüber und denken: Ach komm, gehen wir da hoch. Und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht.
Cool, oder? Also sie dürfen nicht hier runter, sie dürfen nicht da hoch, sie kommen immer weiter hier rüber. Als sie aber an Mysien vorübergezogen waren, gingen sie nach Troas hinab. Und Troas liegt jetzt da. So, bis dahin erst einmal. Sie gingen nach Troas hinab. Ziemlich unspektakulär, oder? Also sie predigen.
Was lernen wir aus dem Text? Jetzt wirst du sagen: Aus dem Text kann man gar nichts lernen. Doch, man kann aus so einem Text etwas lernen. Was lernen wir aus dem Text?
Erstens: Wir lesen nichts davon, dass Paulus eine Strategie hat. Nichts. Er zieht einfach da, wo es geht.
Zweitens: Paulus erlebt die Führung Gottes auf negative Weise. Der Heilige Geist sagt ihm nicht, wo er mit seinem Missionsteam hingehen soll, sondern er verhindert die Predigt in der Provinz Asien und erlaubt ihnen nicht, nach Bithynien zu gehen. Das ist interessant, oder? Er sagt einfach da nicht und da nicht.
Dritter Punkt: Gott lässt sie keinen Blick in die Zukunft werfen. Was die Missionare tun, ist einfach das Nächstliegende, und Gott greift nur dann ein, wenn sie so in eine Richtung abbiegen wollen, die seinen Plänen zuwider ist.
Und daraus wird viertens für mich deutlich: Gott erwartet von Paulus und seinen Mitarbeitern, und ich glaube auch von uns, dass sie sich wie geistlich Erwachsene verhalten, die wissen, wie man als Christ lebt und seine Gaben einsetzt. Also niemand braucht, wenn er Apostel ist, eine besondere göttliche Offenbarung dafür, das Evangelium zu predigen. Das ist sein Job. Und so geht es uns auch. Niemand braucht eine besondere Offenbarung Gottes bei den Banalitäten des geistlichen Lebens, also wenn es darum geht, ob du deine Bibel studieren sollst. Oder ob du für deine Geschwister beten sollst, ob du hier in der Gemeinde mitarbeiten sollst, ob du gute Werke tun sollst oder, machen wir es ein bisschen profaner, ob du deine Steuern bezahlen sollst, das Evangelium predigen, für Gottes Reich leben, meinen Mann lieben, meine Eltern versorgen und was es da noch alles gibt. Entschuldigung, du brauchst keine göttliche Offenbarung dafür, das kannst du einfach mal machen.
Und das ist das, was Paulus und sein Missionsteam tun. Die sind losgezogen, und wenn wir schon am Predigen sind, predigen wir halt immer weiter, weil wir halt Prediger sind. Ist ja einfach. Und dann kommen sie irgendwie immer weiter, und plötzlich stecken sie in Troas. Und bis sie in Troas sind, haben sie noch keine Ahnung davon, dass Gott mit ihnen einen gewaltigen nächsten Schritt hat. Sie sind einfach nur weitergezogen und haben gemerkt: Da geht es rein und da geht es nicht rein. Ganz harmlos.
Und dann kommt Apostelgeschichte 16,9. Und da heißt es dann: Und es erschien dem Paulus in der Nacht ein Gesicht. Also, der hatte eine Vision. Ein mazedonischer Mann stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns.
Mazedonien, hier? Keine Ahnung, woher ich weiß, dass das ein mazedonischer Mann war. Keine Ahnung, ja, aber vielleicht hat der komisch ausgesehen, komisch gesprochen oder hat ein T-Shirt, wo draufsteht: Ich bin aus Mazedonien. Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle weiß Paulus es und hört in der Vision dieses Wort: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns.
Wisst ihr, das ist die Art von Führung, wie wir sie uns wünschen, oder? Das wäre so: jeden Nacht ein Traum, wo ganz klar gemacht wird, wo geht es morgen lang? Aber das ist die Führung, wie selbst ein Paulus sie nur ganz selten erlebt.
Ich sage das deshalb, weil mir wichtig ist, dass ihr eines, oder dass wir immer wieder eines verstehen: Gott will keine Marionetten, sondern Gott sucht reife Gläubige. Gott will wirklich eine Beziehung. Das ist manchmal etwas, was uns überfordert, aber ich sage es gern noch mal: Gott will wirklich eine Beziehung. Gott sucht ein echtes Gegenüber, jemanden, der seinen persönlichen Beitrag leistet zu der Beziehung.
Wir sind seine Freunde. Okay, er ist Gott, und weil er Gott ist, hat er uns mehr zu sagen als wir ihm. Aber das ändert nichts daran, dass Gott uns in eine echte Beziehung hineinleben will. Wir sind mehr als Marionetten. Ja, wir leben für Gott, und ja, wir leben heilig, weil Gott heilig ist, aber das macht uns in keiner Weise zu willenlosen Befehlsempfängern.
Und unsere Verantwortung geht so weit, dass wir, wenn uns Dinge passieren, wo wir den Eindruck haben, die sind von Gott, wie so eine Vision, dass wir selbst dann noch die Verantwortung haben, das, was uns da begegnet, zu prüfen und zu überlegen: Wow, was könnte Gott damit meinen?
Da heißt es dann in Apostelgeschichte 16,10: Als er aber das Gesicht gesehen hatte, und jetzt kommt, achtet mal genau auf die Wortwahl, suchten wir sogleich nach Mazedonien abzureisen, da, Achtung, wir schlossen, dass Gott uns gerufen habe, ihnen das Evangelium zu verkünden.
Warum betone ich das so, dieses „wir“ und „uns“? Ich betone das deshalb so, weil nicht jeder Eindruck, nicht jede Vision, nicht jede Idee, die wir haben, und ich will dir nicht widersprechen, aber ich muss eine Sache, weil du es vorhin gesagt hast: Auch jede Idee, über die wir Frieden haben, auch da ist es wichtig, dass man ein bisschen aufpasst, kommt einfach nur, weil ich sie habe, von Gott. Das ist ganz wichtig.
Und deswegen finde ich das so schön. Wir haben diesen Traum, und eigentlich könntest du dir denken: Ist doch alles klar. Nein, nein, wir schlossen. Die setzen sich noch mal zusammen, die denken darüber nach, und die stellen dann fest: Wow, schau mal, es passt irgendwie alles zusammen. Das ist von Gott, das ist richtig. Und das passt auch, Paulus, in deine Berufung, das passt in die Umstände rein, lass uns das tun.
Warum ist das wichtig? Ich mache mal ein Beispiel. Vor einiger Zeit bekam ich eine E-Mail. Sinngemäß hieß es in der E-Mail: Wir haben sehr stark den Eindruck, dass wir die Gemeinde verlassen sollen und erst einmal in keine Gemeinde mehr gehen sollen.
Also, ja, ja, du lachst zu Recht. Wir haben den Eindruck. Also, Geschwister verlassen die Gemeinde. Haben sie vorher mit jemandem darüber geredet? Nein. Entspricht das, was sie tun, dem Willen Gottes? Nein. Werden sie, wenn sie diesen Weg gehen, geistlichen Schiffbruch erleiden? Ja. Denn jeder, der sich absondert, wird komisch. Ich habe noch keine Ausnahme davon gesehen.
Und deswegen merkt euch das bitte: Viele Eindrücke, die wir haben, kommen nicht vom Heiligen Geist. Der Prediger sagt mal: Bei viel Geschäftigkeit kommt der Traum. Schöner Vers. Also wenn meine Gedanken sehr um eine Sache kreisen, kurbelt das meine Vorstellungskraft an. Wenn du das noch nie erlebt hast, kann ich dir nicht helfen, aber ich glaube, wir wissen alle, worum es geht. Wenn du irgendwas so dir richtig, wenn du denkst, ich könnte mir mal eine neue Gitarre kaufen oder ein Auto mit mehr PS, dann musst du nur lange genug darüber nachdenken, und ich garantiere, irgendwie hast du den Eindruck, dass Gott das auch möchte.
Jakobus spricht von zwei Sorten von Weisheit. Er sagt, es gibt eine Weisheit von oben, von Gott, und dann sagt er, es gibt eine andere Quelle der Weisheit. Weisheit kann auch irdisch, sinnlich, teuflisch sein. Das heißt, manchmal haben wir Ideen, die weise klingen, die klingen so, als wären sie gut, die kommen aber nicht von Gott, sondern die sind irdisch, die kommen irgendwie aus dem Zeitgeist, ich habe mich irgendwie von der Werbung fangen lassen, die kommen aus unseren Hormonen, das wäre so ein bisschen sinnlich, ja, ich habe halt Bock drauf, oder die kommen direkt vom Teufel. Da hat uns jemand eine Lüge eingegeben, und ich habe es einfach nicht gecheckt.
Und deswegen: Lasst uns bei Eindrücken und Visionen bitte, bitte vorsichtig sein. Ich bin voll dafür, dass wir sie ernst nehmen, aber sie sind gleichzeitig auch ein Einfallstor für Böses und Dummes. Und deswegen heißt es in 1. Thessalonicher 5 im Blick auf Weissagungen: Weissagungen verachtet nicht, also ernst nehmen. Dann geht es aber weiter: Prüft aber alles, das Gute haltet fest, von aller Art des Bösen haltet euch fern.
Was sind Kennzeichen der Führung Gottes? Ich möchte einfach mal vier zusammenfassen.
Punkt eins: Und deshalb wird sehr schön deutlich an diesem Beispiel: Geführt werden nur Leute, die in Bewegung sind. Also, ich glaube niemandem, der so eine Gemeindelusche ist, der noch nie irgendwo mitgearbeitet hat, der noch nie einen Kuchen gebacken hat für eine Hochzeit und der morgen zu mir kommt und sagt: Der Herr hat mich dazu berufen, Missionar in Bangladesch zu sein. Entschuldigung, das glaube ich dir nicht. Ich glaube es ja einfach nicht, denn das ist nicht Gottes Führung. Gott führt Leute, die in Bewegung sind.
Punkt zwei: Führung Gottes hat damit zu tun, dass ich abhängig von Gott lebe, dass ich ein bisschen mitgehe, ja, ich mache was, und ich sehe, wo gehen Türen auf, wo gehen Türen zu. Gott bereitet die Umstände, und er führt mich. Mein Job ist nicht, die Umstände zu beeinflussen, das kann ich gar nicht. Mein Job ist, treu meinen Dienst zu tun, das ist mein Job. Und an dieser Stelle hört mein Job auf.
Punkt drei, und das meine ich ganz, ganz ernst jetzt: Niemand muss Angst haben, dass er die Führung Gottes verpasst. Paulus und sein Team wollen ja eigentlich wieder nach Hause. Die biegen ja immer so ein bisschen ab, um wieder nach Hause zu kommen, die wollen ja umkehren. Die hätten auch von Troas theoretisch nach Hause segeln können. Aber Gott weiß, was es braucht, um sie genau an der Stelle eine andere Richtung einschlagen zu lassen. Und ich kann euch aus persönlicher Erfahrung nur sagen: Wenn Gott etwas Besonderes von dir will, gibt er dir ein besonderes Zeichen, eins, das du verstehst.
Aber, und das ist mein vierter und letzter Punkt: nicht nur du allein. Sei vorsichtig, wenn du der einzige bist, der eine besondere Führung Gottes zu erkennen glaubt. Sei einfach vorsichtig.
Ich möchte euch ein persönliches Beispiel geben. Als wir zur Gemeindegründung nach Berlin-Spandau umgezogen sind, wir haben ja im Süden von Berlin gewohnt, da war dieser Schritt des Umzugs für uns persönlich als Familie mit großen Nachteilen verbunden, für die ganze Familie. Bei uns war es so, dass Gott den Weg vorbereitet hat. Es war ein evangelistischer Hauskreis entstanden, es waren Menschen zum Glauben gekommen, wir hatten schon die ersten Gottesdienste am Laufen. Und Gott hat uns dann noch durch ein besonderes Gebetswunder sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass wir umziehen sollen.
Und trotzdem wäre ich nicht umgezogen, wenn Gott nicht auch das Herz meiner Frau und die Herzen meiner gläubigen Töchter davon überzeugt hätte. Wisst ihr, wir schlossen. Nicht Jürgen, der immer schon mal eine Gemeinde gründen wollte, in der er es total cool findet, immer vorne zu stehen, immer vorne wegzulaufen, der macht das jetzt, sondern wir. Wir schlossen: Das ist unser Schritt. Das ist der vierte Punkt.
Ich hatte eingangs gesagt, es gibt etwas Wichtigeres als Nachdenken, Planen und Organisieren. Und die Frage ist, könnt ihr jetzt schon sehen, was das ist? Was ist wichtiger? Wichtiger ist ein Leben in der Abhängigkeit von einem Gott, der mich führt.
Ich werde jetzt etwas sagen, was ihr vielleicht nicht gerne hört, was aber die Wahrheit ist: Unser Leben, auch unser gemeindliches Leben, wird für uns selbst immer ein Rätsel bleiben. Wir wissen nicht, was kommt. Und wir wissen eigentlich auch nicht, wo die Reise hingeht. Ich bin dafür, dass wir planen, ich bin dafür, dass wir schlau sind, ich bin dafür vor allem, dass wir treu sind, aber ich bin noch mehr dafür, dass wir darauf vertrauen, dass nicht wir es sind, die das Reich Gottes bauen.
Wenn dein Nachdenken und Planen und Organisieren aufgeht – ich habe den Eindruck, dass bei euch hier im Moment viel aufgeht. Ich freue mich riesig über eure Entwicklung, ich finde es toll, herzukommen, ich finde es toll, zu sehen, was ihr tut. Wenn das aufgeht, freu dich. Und wenn nicht, wenn du etwas anschiebst und es will einfach nicht gelingen, könnte es dann nicht auch sein, dass Gott sagt: Du, das ist jetzt nicht dran?
Ich möchte diese Frage ein kleines bisschen provokativ in den Raum stellen: Darf Gott deine Pläne durchkreuzen? Als Gemeinde, persönlich, darf er das? Und ich rede mal ganz bewusst zu so Paulustypen, also Leuten, die wirklich in Bewegung sind, für die Gemeinde und Reich Gottes und Evangelisation wirklich Herzensanliegen sind. Darf er, wenn du so mit Vollgas in Richtung unterwegs bist, darf er dir sagen: Nee, ich sehe dein Engagement, ich sehe deine Bemühungen, aber das wird nichts, das will ich nicht. So wie er hier Vollgas Richtung Asien, nee, Vollgas Richtung Bithynien, nee, darf Gott das? Darf Gott meine Pläne durchkreuzen?
Und ich möchte dazu Mut machen, im Persönlichen wie im Gemeindlichen: Lasst ein Stück Gelassenheit bewahren, dass nicht wir es sind, die Gottes Reich bauen, sondern dass Gott es ist, der sein Reich baut. Die Gelassenheit zu wissen, dass Gott seine Gemeinde baut. Jesus sagt zu Petrus: Ich werde meine Gemeinde bauen. Ist das nicht total befreiend? Ja, dieses „Ich werde meine Gemeinde bauen“.
Und jetzt könnte jemand sagen: Haha, das ist aus Matthäus 16, da steht doch was auf dem Felsen Petrus. Stimmt, das stimmt. Gott baut seine Gemeinde nicht ohne uns, aber, und das ist der Clou, wenn es passiert, dann passiert es auch nicht wegen uns. Das ist jetzt sprachlich nicht so weit auseinander, ich wiederhole das nochmal, weil der eine oder andere ist vielleicht jetzt gerade ein bisschen müde, aber es ist nicht ohne uns, aber wenn es passiert, auch nicht wegen uns.
Ich möchte euch einen ganzen Mut machen des Gleichnisses, Markus 4, die Verse 26 bis 29. Ich habe noch nie eine Predigt über dieses Gleichnis gehört, es ist quasi so ein Antinämiertext, ich finde ihn toll. Es gibt Momente in meinem Leben, wo ich dieses Gleichnis raushole und mir einfach gebe, weil ich es brauche. Hier, hört euch das an:
 Markus 4,26-29: Und er sprach: Mit dem Reich Gottes, also mit dem, was wir hier an Gemeinde bauen wollen, mit unserem persönlichen geistlichen Leben, was auch immer du als Reich Gottes persönlich erfährst, mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft und schläft. Das merkst du schon: schläft. Bis er da nicht steht und arbeitet und pflügt und eckt und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst; er weiß selbst nicht wie. Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann voll Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, so schickt er sogleich die Sichel; denn die Ernte ist da.
Es ist eines der komischsten Gleichnisse im Neuen Testament. Ihr habt nur wahrscheinlich noch nicht lange genug darüber nachgedacht, aber wenn ihr länger darüber nachdenkt, werdet ihr feststellen, es ist eines der komischsten Gleichnisse, die es gibt. Das Reich Gottes enthält einen Aspekt von Wachstum, der nicht in unserer Hand liegt. Ein Bauer kann seinen Samen aussäen, aber er kann nicht machen, dass er keimt. Er wächst. Wir haben, wie wir auch wissen, den Regen nicht in der Hand. Das kriegen die Bauern jetzt massiv mit. Er ist dafür einfach nicht zuständig.
Und genau so verhält es sich auch im Reich Gottes. Wir streuen aus. Wir bringen uns mit unseren Gaben ein. Wir können nicht machen, dass Menschen sich bekehren. Versteht ihr? Ich kann ausstreuen, aber ich kann nicht machen, dass da etwas wächst. Wir können nicht machen, dass unsere Predigt auf fruchtbaren Boden fällt. Wir können, wir sollen das Evangelium predigen. Bitte lebt das Evangelium nicht nur vor, macht den Mund auf, predigt das Evangelium, sagt den Leuten, dass sie sich bekehren sollen. Das ist unsere Botschaft. Aber was dann passiert, liegt nicht in unserer Hand.
Und ich finde das persönlich total mutmachend. Mein Job ist getan, wenn ich mich mit meinen Gaben eingesetzt habe. Ist das toll? Ich meine einfach mal so dieses Entspannte dahinter zu verstehen. Mein Job ist getan, wenn ich mich mit meinen Gaben eingesetzt habe. Ist das nicht schön? Ich bin Prediger, ich predige gerne. Ich versuche auch immer, vorbereitet zu predigen, meistens mache ich das auch. Aber wenn ich gepredigt habe, wenn ich mich wieder hinsetze, wenn du mich nachher da sitzen siehst, ist mein Job getan. Ist das nicht schön? Und zwar nicht das Job, sondern es ist: Ich kann dein Leben nicht verändern. Ich kann dir versuchen, den Text auszulegen, so gut ich es kann, ich kann versuchen, Prinzipien rauszuholen, ich kann versuchen, sie so zu übersetzen und so zu präsentieren, dass du mitkommst, ich kann versuchen, so laut zu werden, dass du nicht einschläfst, aber dann, dass du das nimmst und dass das bei dir wächst und dass du sagst: Wow, das hat mein Leben verändert und ich habe zugelassen, dass ich nächste Woche anders lebe, das kann ich nicht machen und das muss ich nicht machen. Bin ich nicht für verantwortlich. Schön, oder?
Frage: Wer ist denn dann dafür verantwortlich? Na ja, interessante Frage. Ich brauche meine Karte gerade noch mal, denn wir müssen uns kurz Vers 11 anschauen in Apostelgeschichte 16. Die Geschichte geht nämlich einen Tick weiter.
„Wir fuhren nun“, heißt es im Text, von Troas ab, also hier Troas, die Hafenstadt hier unten am, wir würden sagen, an der Westküste von Mysien. Wir fuhren nun von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake. Oh, ich weiß gar nicht, ob das eingezeichnet ist. Na ja, ist es da, da irgendwo. Ich sehe es nicht, also wenn jemand es sieht, kann er den Pointer haben, aber Samothrake ist auch egal, und des folgenden Tages nach Neapolis, das ist dann noch weiter da drüben, das müsste hier irgendwas mit hier, da ist Neapolis, da, ups. Also, die fahren hier rüber, bleiben da aber nicht stehen, ziehen weiter und von da nach Philippi. Philippi ist dann irgendwo da, so, da ist Philippi, da Philippi, so, habt ihr es? Okay, also das haben sie gemacht.
Und dann, nachdem sie da angekommen sind, die Verse 12 und 13, jetzt hätte ich gern meinen Text wieder, da heißt es dann: Und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teiles von Mazedonien ist, eine Kolonie. In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage. Und am Tag des Sabbats gingen wir hinaus vor das Tor an einen Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten, und wir setzten uns nieder und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren.
Es gibt in Philippi noch keine Synagoge, aber es gibt eine Gebetsstätte, und dort geht Lydia hin. Vers 14: Und eine Frau mit Namen Lydia, Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu. So, die geht da hin, Purpur-Händlerin, wahrscheinlich durchaus wohlhabend. Da steht „die Gott anbetete“, das heißt, die war keine Jüdin im eigentlichen Sinn, war nicht zum Judentum übergetreten, hatte aber Interesse an dem Gott Israels.
Und jetzt ganz interessant, jetzt lese ich noch mal Vers 14: Jetzt heißt es hier plötzlich: Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu, deren Herz öffnete der Herr, dass sie Acht gab auf das, was von Paulus geredet wurde.
Ich mag diesen Satz. Paulus tut seinen Dienst, er zieht einfach immer weiter. Und er ist jetzt in Philippi, stellt fest, es gibt keine Synagoge, da wäre er normalerweise hingegangen. Geht einfach dorthin, wo Leute sich treffen, fängt an, das zu tun, was er immer getan hat. Er predigt. Und was tut Gott? Die Frage ist, wie baut Gott sein Reich? Und hier ist eine Antwort: Es heißt von Lydia, dass sie zuhörte und deren Herz öffnete der Herr.
Gott hat ihr Herz geöffnet. Das ist eine ganz schöne Formulierung. Nicht Paulus öffnet ihr Herz. Versteht ihr? Es ist nicht mein Job als Prediger, das Herz meiner Zuhörer zu öffnen, das kann ich gar nicht, sondern Gott selbst. Wann immer ein Mensch sich bekehrt, ist Gott selber am Wirken. Das heißt an anderer Stelle in Johannes 16, dass der Geist Gottes überführt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht.
Wir sehen, dass da Lydia ist, und Lydia hat als Person Interesse an Gott. Deswegen geht sie zu dieser Gebetsstätte, deswegen beschäftigt sie sich mit dem Judentum, deswegen will sie anbeten. Sie hat Interesse an Gott, und diese Sehnsucht, die Gott im Herzen von Lydia sieht, die nimmt er und unterstützt er, indem er im richtigen Moment ihr Herz öffnet.
Das Herz, das wissen wir in der Bibel, ist nicht so das Organ, das für Gefühl steht, sondern das Herz ist das Innere, der Verstand, und ich würde sagen, an dieser Stelle passt Aufmerksamkeit oder Konzentration ganz gut. Ich weiß nicht ganz genau, was Gott getan hat, aber wir alle kennen das, also vor allem die, die jetzt hier sitzen und vielleicht schon mal gegähnt haben. Man weiß, dass man nicht immer ganz bei der Sache ist, wenn man eine Predigt hört. Das passiert. Man ist mit Gedanken vielleicht schon heute Nachmittag, da wollte man eh mit den Kindern noch baden gehen, und dann überlegt man schon mal, was man noch alles einpacken muss. Ist nicht böse, wenn man hier so 35 Minuten beschallt wird, ist es völlig klar, dass irgendwann mal ein Gedanke weggeht.
Wenn Gott das Herz eines Menschen auftut, dann ist diese Ablenkung vorbei. Dann entsteht plötzlich im Herzen eines Menschen ein Anflug von Interesse, dann ist plötzlich Neugier da, Wissbegier, vielleicht auch gepaart mit diesem Eindruck: Jetzt hat Gott mir etwas zu sagen. So stelle ich mir das bei Lydia vor. Lydia sitzt da, hört zu, und mit einem Mal merkt sie: Das ist mehr, das ist eigentlich genau die Botschaft, auf die ich mein Leben lang schon gewartet habe. Sie hört zu, was Paulus sagt, sie versteht das Evangelium, und sie bekehrt sich.
Jetzt steht das nicht alles da, aber wir können das alles voraussetzen, weil der nächste Vers macht es klar, und das ist auch der letzte Vers, den wir miteinander betrachten wollen: Sie lässt sich taufen und nimmt die Apostel auf. Da heißt es in Vers 15: Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: Wenn ihr urteilt, dass ich an den Herrn gläubig sei, so kehrt in mein Haus ein und bleibt. Und sie nötigte uns.
Also eine ziemlich resolute Frau, einfach eine Geschäftsfrau, muss man sich vorstellen. Paulus Missionar, sie nötigte uns, das ist ein schönes Wort. Also dieses: Du kommst, Freund, das ist nötigen, keine Ausreden, ich will dich bei mir wohnen haben. Okay, okay, also das ist von Paulus dann sagt: Na gut, wenn du das so sagst, dann halt schon.
Wer wissen will, oder wenn ihr wissen wollt, was es mit diesem Wort Haus auf sich hat, das getauft wurde, damit ist die Familie gemeint. Also Lydia scheint, hier wird eine ganze Geschichte erzählt, gläubig geworden zu sein, ihr Glaube war ansteckend, viele andere Familienmitglieder lassen sich auch taufen, werden auch gläubig, sie wird so ein Zentrum für die erste Gemeinde.
Aber die Frage war ja eigentlich: Wer ist dafür verantwortlich, dass Menschen sich bekehren? Mir scheint, dass die Verantwortung, wenn sie nicht bei uns liegt, bei denen liegt, die sich bekehren, weil an der Stelle sucht Gott nach Menschen, die eine Liebe zur Wahrheit haben, die ein Interesse an Gott haben, ein Interesse an Bibel haben, ein Interesse an geistlichen Themen haben, die so ein bisschen hingezogen sind zum Religiösen. Das ist das, was der Mensch mitbringen muss. Aber genau da, wo Gott das wahrnimmt, lässt Gott einen solchen Menschen nicht allein, sondern er schickt Prediger und er öffnet Herzen, weil das ja die Botschaft ist, oder?
Paulus und das ganze Team werden so geführt, dass zum richtigen Zeitpunkt an einem Fluss eine Frau das Evangelium hört. Ist das irre? Paulus hat sich nicht überlegt, wie kann ich, nein, Gott führt ihn genau dorthin. Und Gott sorgt dafür, dass diese Frau im richtigen Moment hellwach ist, um den Kern des Evangeliums zu verstehen.
Frage: Was machen wir in der nächsten Woche mit diesem Text, Apostelgeschichte 16,4-15? Ich nehme mir, mir hat der Text selber gefallen in der Vorbereitung. Ich nehme mir zwei Dinge mit.
Zum einen: Ich möchte, und vielleicht macht ihr genau das Gleiche, ich will darauf vertrauen, dass Gott mich führt, wenn ich treu meinen Dienst tue. Wie Paulus nicht wusste, dass es Richtung Griechenland geht, weiß ich nicht, wo Gott mit mir hin will. Ich weiß es eigentlich nicht, und das ist okay. Und ich will mir deshalb persönlich weniger die Frage stellen, wo will Gott mit mir hin, als vielmehr die Frage: Was kann ich heute im Rahmen meiner Möglichkeiten tun? Versteht ihr, das ist eine viel schönere Frage. Wenn ich Prediger bin, wo kann ich heute predigen? Das ist die entscheidende Frage. Und ich will dann darauf vertrauen, dass Gott mich, wenn ich treu bin, das ist die Voraussetzung, dass Gott mich dann den richtigen Weg führen wird. Und ich finde das persönlich total entspannend. Denn Gott weiß, was er mit mir vorhat, und er bringt mich ans Ziel.
Und deswegen: Wenn du so ein Getriebener bist, und es gibt auch unter uns Getriebene, dann atme mal durch. Ich bin mit einer Frau verheiratet, die sich manchmal zu viele Sorgen macht und zu viel Verantwortung auflädt. Mein Spruch an meine Frau ist dann immer der, dass ich sage: Lass noch ein bisschen Arbeit für die Blauhelme übrig. Du bist nicht für alles verantwortlich, verstehst du? Und deswegen mal durchatmen und sagen: Was kann ich? Das will ich tun, in aller Treue, und dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mich führt. Und ich garantiere dir, er wird dafür sorgen, dass du nicht falsch abbiegst.
Zweiter Punkt: Ich will mir den Druck nehmen, etwas Besonderes erreichen zu müssen. Wir leben in einer Gesellschaft, die das Event, den Kick, das Außergewöhnliche schätzt. Jetzt kommt Gott, und Gott schätzt das Nüchterne, das Treue, letztlich das Unspektakuläre. Paulus macht immer dasselbe. So unspektakulär, dass am Ende ein Gespräch am Fluss übrig bleibt. Das ist alles, was Gott braucht, um eine Lydia zu erreichen.
Und ich wünsche mir für mich selbst, dass tatsächlich wieder etwas mehr dieser Blick für die kleinen Momente im Leben, die Gott vorbereitet hat und in denen Großartiges passieren kann. Momente, die es gilt, für uns in der nächsten Woche nicht zu verpassen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.