Serie•Teil 25 / 31Römerbrief mit André Töws
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Zwei sehr unterschiedliche Bilder
Die Beziehung eines Christen zum Staat kann sehr, sehr unterschiedlich aussehen. Ich habe euch mal zwei Bilder mitgebracht.
Auf dem linken Bild sehen wir Robert Jeffress zusammen mit Donald Trump. Und wir müssen wissen: Robert Jeffress ist ein bibeltreuer Pastor einer Gemeinde in Dallas. Ich war selber schon einmal in dieser Gemeinde. Ich schätze ihn sehr, muss ich sagen, und auch seine guten Predigten. Aber als er sich dann im Wahlkampf aktiv als Pastor beteiligt hat, war das für viele von uns schon etwas befremdlich. Also, das sind wir jedenfalls in Deutschland nicht gewohnt, dass sich ein Pastor so aktiv am Wahlkampf beteiligt.
Auf dem anderen Bild sehen wir Dietrich Bonhoeffer, eine komplett andere Situation. Und ich will hier auch nichts miteinander vergleichen. Aber Bonhoeffer war maßgeblich am Widerstand gegen das Naziregime beteiligt und auch am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler. Das hat Bonhoeffer ja auch bekanntlich sein Leben gekostet. Bonhoeffer war bereit, im Extremfall einen Tyrannen gewaltsam aus dem Weg zu räumen.
Also, hier haben wir zwei Fotos, und es sind eigentlich zwei Extreme. Auf der einen Seite Christen mit einer sehr, sehr großen Nähe zur Politik, auf der anderen Seite einen Christen, der bereit ist, gewaltsam gegen die Politik, gegen die Regierung, gegen das Regime vorzugehen. Das sind zwei Extreme.
Aber was ist eigentlich der Normalfall? Das ist die Frage, die wir uns heute stellen in meiner Predigt. Was ist eigentlich der Normalfall? Was ist das von der Bibel her beschriebene Verhältnis eines Christen zum Staat? Und wir wollen uns heute über die grundsätzliche Haltung eines Christen gegenüber der Regierung, gegenüber dem Staat Gedanken machen.
Darum geht es in Römer 13, in den Versen 1 bis 7, und mein Predigtthema lautet: Der Christ und der Staat.
In Römer 13, da sind wir mittlerweile angelangt in meiner Römerreihe, spricht Paulus das Verhältnis eines Christen zur Obrigkeit an. Und man könnte sich die Frage stellen: Warum spricht Paulus so ein weltliches Thema eigentlich im Römerbrief an? Wir sind uns einig: Der Römerbrief ist das Herzstück des Neuen Testaments, Evangelium pur, Rechtfertigung des Sünders, wie werde ich als Sünder gerecht vor Gott, die Versöhnung durch Jesus Christus, der Frieden mit Gott und und und. Warum spricht Paulus jetzt in Römer 13 über das Verhältnis eines Christen zur Regierung?
Zwei Gründe möchte ich hier an den Anfang stellen.
Zum einen geht der Römerbrief nun mal nach Rom, richtig? Und in Rom, der Welthauptstadt der damaligen Zeit, kannst du als Christ natürlich nicht deinen Alltag leben, ohne mit der Frage des allgegenwärtigen Staates konfrontiert zu sein. Gerade wenn Paulus dann auch noch in Römer 12,2 schreibt: Stellt euch nicht als Christen der sündigen Welt gleich, passt euch nicht der sündigen Welt an, da stellt sich natürlich für den stadtrömischen Christen die Frage: Wie sieht das konkret aus in meiner Beziehung zur Regierung? Deswegen muss Paulus da eigentlich auch eine Antwort liefern.
Der zweite Grund, warum Paulus hier in Römer 13 scheinbar so plötzlich auf das Thema Regierung kommt, ergibt sich eigentlich aus dem Kontext. Vielleicht könnt ihr euch noch an die Predigt von vor zwei Wochen erinnern: überwindende Liebe. Paulus hat gesagt, wir als Christen sollten auf Rache verzichten. Das heißt, wenn uns jemand Böses tut, sollen wir uns nicht selber rächen, sondern vielmehr das Böse mit Gut vergelten.
Das wirft auch eine Frage auf, und das ist die Frage: Was ist denn mit den Verbrechern, die mir das Böse angetan haben? Wenn ich mich nicht selbst rächen darf, geht es nur um das Endgericht, am Ende, wenn die Verbrecher vor Gott stehen, aber hier in der Gesellschaft laufen sie frei herum? Wie handhabt Gott das?
Und genau hier kommt der Staat, der Rechtsstaat, ins Spiel. Insofern reiht sich eigentlich Römer 13 recht gut direkt an Römer 12 an. Wie sieht das gottgewollte Verhältnis eines Christen zum Staat aus?
Der Grundsatz der Unterordnung
Wir kommen zum ersten Punkt: der Aufforderung zur Unterordnung. Da heißt es am Anfang unseres Textes in Vers 1: Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten.
Jede Seele meint jede Person. Das heißt, keine Personengruppe ist von diesem Befehl ausgenommen. Jeder ist hier angesprochen.
Das griechische Wort, das die Elberfelder Übersetzung, die an sich meine favorisierte Übersetzung ist, hier wiedergibt, kann man auch mit Unterordnen bezeichnen. Die Elberfelder gibt es mit Unterwerfung wieder. Andere Übersetzungen, wie die Schlachter oder die NeÜ, übersetzen hier mit Unterordnung. Und ich denke, Unterordnung passt hier auch recht gut, weil das Gegenteil der übergeordneten Mächte eben Unterordnung ist.
Unterordnung bedeutet: Ich erkenne die Hierarchie an. Ich erkenne an, dass die Regierung Autorität hat. Ich erkenne an, dass die Regierung Verantwortung hat. Ich stelle mich nicht über die Regierung. Ich rebelliere nicht gegen die Regierung. Ich stelle mich unter die Regierung.
Für die Römer ist hier natürlich der Kaiser gemeint, aber nicht nur eine Einzelperson, nicht nur der Kaiser, sondern das ganze staatliche Gefüge mit allen Ministern und Hauptmännern.
Interessanterweise finden wir eine ähnliche Aufforderung im ersten Petrusbrief. Da heißt es in 1. Petrus 2,13-14: Ordnet euch aller menschlichen Einrichtung unter um des Herrn Willen, sei es dem König als Oberherrn oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob derer, die Gutes tun.
Das heißt: Auch hier, im Petrusbrief, werden die Briefempfänger aufgefordert, sich den staatlichen Mächten zu unterordnen. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema. Wir müssen verstehen, dass Unterordnung ein christliches Prinzip ist.
Durchweg finden wir in der Bibel immer wieder Hierarchien. Die Bibel kennt Hierarchien, ob uns das passt oder nicht. Aber die Bibel spricht ganz klar davon, dass es unterschiedliche Beziehungen gibt, in denen eine Hierarchie, in denen Unterordnung gelebt werden soll.
Ich habe euch da mal eine Auflistung mitgebracht: der Bürger gegenüber der Regierung. Aber auch der Sklave gegenüber seinem Herrn. Das heißt nicht, dass die Bibel Sklaverei gut findet, aber sie regelt die bestehende Sklaverei, die es auch im damaligen Römischen Reich gibt. Die Jüngeren sollen sich in der Gemeinde den Ältesten unterordnen. Hier sind auch die Ältesten im Sinne der Gemeindeleiter gemeint. Dann aber auch die Ehefrau soll sich dem Mann unterordnen.
Das heißt: Unterordnung ist ein christliches Prinzip. Und die Aufforderung in unserem Text ist Teil eines größeren Bildes. Das müssen wir verstehen.
Wichtig ist mir aber, dass ich hier noch zwei Vorbemerkungen mache, bevor wir dann in den weiteren Text hineingehen. Zwei Vorbemerkungen noch zu Römer 13:
Paulus schreibt in Römer 13 sehr grundsätzlich, und das entspricht dem grundsätzlichen Anliegen des gesamten Römerbriefs. Im Römerbrief werden die Grundsätze dargelegt, ja auch die Grundsätze des Evangeliums.
Es kann eine Ausnahme für Unterordnung geben. Dazu komme ich am Ende der Predigt. Ich will dir das nur schon mal sagen, bevor du jetzt die ganze Zeit an gewisse Szenarien denkst und sagst: Da dürfen wir uns doch nicht unterordnen. Ja, halt durch, wir kommen am Ende der Predigt noch einmal auf dieses Thema zu sprechen. Aber wir reden zunächst einmal über die Grundsätze. Denn zunächst einmal müssen wir die Grundsätze verinnerlichen, bevor wir über Ausnahmen reden, richtig? Und der Grundsatz ist: Ein Christ unterordnet sich der Regierung.
Weiter müssen wir hier aber auch feststellen, dass Paulus natürlich nicht von einem idealen Staat ausgeht. Paulus weiß um die historische Situation in Rom, wenn er den Römerbrief schreibt. Er weiß, dass Nero erst gerade eben in Rom Kaiser geworden ist. Das heißt: Wenn Paulus Römer 13 schreibt, geht er nicht von einem idealen Staat aus. Er geht nicht von einer gottesfürchtigen Regierung aus, wenn er da sagt: Unterordnet euch.
Das heißt: Die Unterordnung unter die Regierung ist nicht davon abhängig, ob es eine gottesfürchtige Regierung ist oder nicht. Sie ist nicht davon abhängig, ob es eine ideale Regierung ist oder nicht. Unterordnung ist geboten, weil die Regierung Regierung ist. Und das macht auch Petrus deutlich.
Schaut mal: Petrus schreibt in eine Verfolgungssituation, da leiden die Christen schon unter Nero, und er schreibt: Unterordnet euch! Also: Unterordnung ist nicht an einen idealen Staat gebunden. Unterordnung bedeutet: Ich erkenne die Regierung als Regierung an.
Die meisten von uns werden sicherlich schon einmal etwas von der Reichsbürgerbewegung in Deutschland gehört haben. Bei den Reichsbürgern handelt es sich um gewisse Gruppierungen, die die Existenz der Bundesregierung Deutschlands leugnen, und sie stehen für die Fortexistenz des Deutschen Reiches ein. Das heißt: Sie erkennen die Regierung, die aktuell da ist, nicht als rechtmäßige Regierung an.
Und genau gegen eine solche Haltung spricht unser heutiger Text. Wir als Christen sind aufgefordert, die Regierung anzuerkennen.
Moment, sagst du jetzt: Heißt das, André, willst du mir wirklich sagen, dass ich mich als Christ der aktuellen Regierung in Deutschland unterordnen soll? Ja! Genau das will ich sagen. Genau das sagt der Text. Der Text geht nicht von einer idealen Regierung aus. Der Text sagt grundsätzlich: Das sollte unsere Haltung sein.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir sollen nicht alles gutheißen, was die Regierung macht. Ich würde sogar sagen: Wir dürfen nicht alles gutheißen. Aber dazu kommen wir am Ende der Predigt. Es gilt prinzipielle Unterordnung.
Das heißt: Wir müssen uns dessen als Christen bewusst werden. Wir haben ja in Christus ein ganz neues Leben geschenkt bekommen durch den Glauben. In dem Moment, wo wir uns gebeugt haben unter dem Kreuz und gesagt haben: Jesus, ich kapituliere, ich brauche dich als meinen Herrn und Retter, hat uns Gott für gerecht erklärt. Wir haben eine neue Identität bekommen. Wir leben jetzt für ein Dann und nicht mehr für ein Jetzt.
Aber wir leben immer noch hier. Das ist das Spannungsverhältnis, in dem wir als Christen stehen. Wir sind nicht von der Welt, aber wir sind ja immer noch in der Welt.
Schaut mal, Paulus bringt dieses Spannungsverhältnis, gerade was die Philipper angeht, sehr, sehr gut auf den Punkt. In Philipper 3,20 sagt Paulus: Unser Bürgerrecht ist im Himmel.
Heißt das, dass wir mit der jetzigen Regierung nichts mehr zu tun haben? Nein, denn den Philippern sagt er, oder in Philippi sagt er in Apostelgeschichte 16: Ich bin auch römischer Bürger. Und in diesem Fall pocht Paulus sogar auf sein Recht als römischer Bürger.
Das heißt: Als Christen haben wir immer eine doppelte Staatsbürgerschaft. Wir sind Bürger des Himmels. Wir leben für ein Dann. Wir leben für sein Reich. Aber wir sind ja immer noch hier in Deutschland und leben auch als Bürger unter einer Regierung. Und deswegen bedeutet das für uns auch recht deutlich, dass wir uns diesem Staat, in dem wir leben, unterordnen. Das ist prinzipielle Christenpflicht.
Warum Unterordnung nicht nur Pflicht, sondern auch Einsicht ist
Jetzt sagst du vielleicht: Aber, Andre, warum eigentlich? Warum sollen wir uns der Regierung unterordnen?
Und das bringt uns zum zweiten Punkt der Predigt: die Gründe für die Unterordnung. Paulus nennt hier zwei Gründe. Der erste Grund mag vielleicht einige überraschen, aber Paulus sagt: Die Regierung ist durch Gott eingesetzt.
Wir machen weiter in Vers 1. Paulus sagt: Denn, denn ist immer Begründung, denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. Das ist interessant, oder? Das fällt uns manchmal schwer zu glauben, je nachdem, welche Regierung an der Macht ist. Manchmal fällt uns das leichter zu glauben, manchmal fällt uns das eher schwer.
Aber Paulus sagt: Der Grund, warum wir uns unterordnen müssen, liegt gar nicht in erster Linie in der Regierung selbst. Der Grund für die Unterordnung liegt in Gott, der die Regierung einsetzt. Gleich zweimal sagt Paulus hier: von Gott, von Gott. Das heißt, Gott ist derjenige, der die Regierung einsetzt, und zwar jede Regierung. Keine einfache Aussage, oder?
Also, ich kann mir vorstellen, wenn ich jetzt an unsere persischen Geschwister hier im Raum denke, dass es schwerfällt, das zu glauben. Oder an einige unserer Geschwister, die in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen sind. Das fällt schwer zu glauben. Aber was ich in der Bibel sehe, ist, dass Gott selbst böse Herrscher als sein Werkzeug gebraucht. Nebukadnezar zum Beispiel. Da würden wir ja auch nicht sagen: Gott kann ihn irgendwie verwenden. Doch, wir sehen es in der Bibel, dass Gott selbst einen bösen Herrscher für seine Zwecke gebraucht. So souverän ist Gott.
Das fiel auch dem Propheten Habakuk schwer zu verstehen. Im Buch Habakuk sagt er: Wie kannst du einen Nebukadnezar gebrauchen? Du bist doch heilig. Und Gott sagt: Ich werde ihn trotzdem richten. Er ist auch verantwortlich für seine schlechten Taten. Aber jetzt gebrauche ich ihn als Werkzeug, um mein sündiges Volk zu richten. Das heißt, Gott gebraucht selbst böse Herrscher für seine Absichten.
Wir sehen es aber auch andersherum, dass Gott manchmal gottlose Herrscher gebraucht, um sein Volk zu segnen. Kyros. Heinrich Derksen predigt gerade durch Esra. In Kapitel 1 sehen wir, dass Gott diesen gottlosen Perserkönig Kyros, der nichts mit Gott zu tun hatte, gebraucht. Er öffnet sein Herz, und er legt es Kyros aufs Herz: Jetzt schick die Israeliten, schick die Juden zurück nach Jerusalem, damit sie mir dort einen Tempel bauen.
Es fällt uns nicht leicht zu verstehen, aber die Bibel bezeugt es: Gott ist derjenige, der Regierungen einsetzt. Und wie wahr sind doch die Worte aus Sprüche 21,1: Wie Wasserbäche ist das Herz eines Königs in der Hand des Herrn; wohin immer er will, neigt er es. Gott lenkt die Machthaber dieser Welt, und er steht über ihnen.
Deswegen sagt Paulus: Weil Gott derjenige ist, der die Regierungen einsetzt, sollen wir uns der Regierung unterordnen. Schaut mal Vers 2. Das ist jetzt eine Schlussfolgerung: Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen.
Es ist ja eine Logik hier vorhanden bei Paulus. Er sagt also: Gott setzt ein. Und dementsprechend, wenn Gott es ist, der einsetzt, dann haben wir, wenn wir uns der Regierung widersetzen, die ja von Gott eingesetzt ist, damit immer auch ein Problem mit Gott selbst. Denn Gott hat ja die Regierung eingesetzt.
Wer sich gegen ein Gebot richtet, richtet sich gegen ein Gebot der von Gott installierten Regierung. Und dementsprechend wird er eine Strafe bekommen. Ich denke, dass die Strafe hier seitens der Regierung ausgeführt wird. Das heißt, was Paulus hier sagen möchte, ist: Wir sind nicht in der Position, die Sinnhaftigkeit einzelner Gesetze für uns zu bewerten und dementsprechend optional zu verstehen und zu handeln.
Wenn du über die Autobahn fährst und da ist plötzlich ein Schild: 80 km/h, und du weißt, hier ist weit und breit niemand, dieses Schild macht keinen Sinn, dann steht es dir nicht frei, einfach mit 160 dadurch zu brettern, weil es für dich keinen Sinn macht. Richtig? Das Schild steht da. Der Staat, der von Gott eingesetzt wurde, hat es gegeben. Und das heißt, du handelst nach Gottes Gebot, wenn du dich auch daran hältst, denn so hat es Gott gewollt. Die Anordnungen des Staates sind für uns nicht optional. Wer sich widersetzt, wird bestraft. Grundsätzlich.
Ich finde, hier ist aber auch noch sehr, sehr viel Ermutigendes drin im Text. Schaut mal: Wenn Gott derjenige ist, der Regierungen einsetzt, dann können wir doch für uns folgern: Gott sitzt auf dem Thron der Weltgeschichte. Dann können wir für uns folgern: Es gibt jemanden, der immer über der Regierung steht.
Schaut mal, was in Daniel 4,14 steht: Durch den Beschluss der Wächter ist diese Botschaft zustande gekommen, und ein Spruch der Heiligen ist diese Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber einsetzt.
Ihr Lieben, Gott hat die Macht über jede Regierung. So machtvoll sie rüberkommt, Gott steht über ihr. Gott sitzt auf dem Thron dieser Weltgeschichte.
Ich habe es gerade in der Corona-Zeit so häufig erlebt, dass viele Menschen Angst hatten, dass die Welt aus den Fugen gerät. Sie hatten nicht unbedingt Angst, mit dem Virus infiziert zu werden. Sie hatten Angst davor, dass hier etwas passiert, das die Welt aus den Fugen geraten lässt. Ihr Lieben, diese Angst müssen wir als Christen nie haben. Denn wir wissen: Es gibt einen, der auf dem Thron sitzt. Es gibt einen, der die Geschicke dieser Welt lenkt. Und es geschieht nie etwas, was nicht über den Schreibtisch Gottes gelaufen ist. Eines Gottes, der es gut mit dir und mir meint.
Was ist das für eine Zuversicht? Nicht die Machthaber dieser Welt haben das letzte Wort. Gott auf dem Thron hat das letzte Wort, und er leitet die Weltgeschichte.
Wisst ihr, das bedeutet ja aber auch, dass keine Regierung autonom ist. Keine Regierung hat Macht in sich selbst. Es ist immer eine verliehene Macht von Gott. Er gibt sie der Regierung.
Ihr Lieben, ich liebe diese Szene, wo Jesus vor Pilatus steht. Pilatus, ein römischer Machthaber, will seine Macht auspacken, und Jesus guckt ihm in die Augen und sagt: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben worden wäre. Keine Macht haben die Politiker, es sei denn, Gott gibt sie ihnen.
Und das bedeutet, dass jeder Politiker, jeder Machthaber, jede Regierung von Gott abhängig ist. Sie ist nicht autonom. Die Menschen streben nach Autonomie. Die Regenten dieser Welt wollen unabhängig von Gott sein. Das sehen wir auch daran, wenn ein Bundeskanzler sich dessen nicht mehr bewusst ist und diesen Spruch verweigert: So wahr mir Gott helfe. Er denkt, es liegt alles an ihm, er hat die Macht. Aber das ist ein Realitätsverlust.
In Psalm 2 sehen wir, dass die Machthaber dieser Welt sich von Gott lösen wollen. Da heißt es in den Versen 2 und 3: Es treten auf die Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Und jetzt kommt, was sie sagen: Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke.
Das heißt, die Machthaber wollen unabhängig sein von Gott. Sie wollen mit Gott abschließen. Sie wollen ihre Agenda fahren. Und wisst ihr, wie Gott darauf reagiert? Er lacht sie aus. Wusstet ihr, dass Gott lacht? Gott lacht über die Machthaber dieser Welt, weil sie sich anmaßen, Gott spielen zu dürfen. Aber es gibt nur einen, der auf dem Thron sitzt.
Vers 4: Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Ihr Lieben, das ist die Realität. Es gibt nur einen Thron im Universum, und auf diesem Thron sitzt unser Herr Jesus Christus. Keine Regierung ist autonom. Alle tanzen nur nach Gottes Pfeife. Gott hat alles in der Hand.
Nun aber zurück zu der Frage: Warum sollen sich Christen dem Staat unterordnen? Einmal sagt Paulus: weil die Regierung von Gott eingesetzt ist. Jetzt nennt er uns hier einen zweiten Grund: Der Staat hat eine dienende Funktion.
Die Aufgabe des Staates im Alltag der Gesellschaft
Ich lese mal die Verse drei und vier, denn die Regenten sind nicht an Schrecken für das gute Werk, sondern für das Böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.
Diese Verse sind eigentlich an die Christen in Rom gerichtet. Zugleich sind sie aber auch indirekt eine Aufgabenbeschreibung für jede Regierung. Jede Regierung, jeder Staat, hat die Aufgabe von Gott, das Böse zu bestrafen und das Gute zu fördern und zu loben.
Jetzt stellst du dir vielleicht die Frage: Was ist das Böse, was ist das Gute? Paulus appelliert hier an eine Norm. Und ich denke, das Fundament dieser Aussage liegt in Römer 2. Paulus sagt: Selbst die Menschen, die mit Gott nichts am Hut haben, haben ein inneres Wissen von Gut und Böse. Das Gesetz Gottes ist in ihr Herz geschrieben. Eigentlich weiß der Mensch von Natur aus: Das ist gut, das ist böse.
Ich kann nicht einfach jemanden auf der Straße umbringen, das ist etwas Böses. Auch in antichristlichen Regierungen, in antichristlichen Staaten, kann nicht jemand einfach ohne Grund und ungeahndet einen anderen Menschen auf der Straße umbringen. Das wird geahndet, richtig? Auch in Staaten, die mit Gott nichts am Hut haben. Und das ist die Aufgabe des Staates: Er muss das Böse eindämmen und er muss das Gute fördern.
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich denke, dass es in einer gefallenen Welt ein Militär geben muss. Der Staat braucht ein Militär in einer gefallenen Welt, weil es seine Aufgabe ist, seine Bürger zu schützen. Deswegen muss es ein Militär geben. Es ist schade, dass es das geben muss, aber in einer gefallenen Welt ist das die Aufgabe des Staates.
In einigen christlichen Kreisen wird es verboten, dass Christen zum Militär gehen oder zur Polizei. Diese Auffassung teilen wir nicht. Wir denken, Römer 13 bildet hier die Erlaubnis, denn der Dienst an der Waffe ist hier eingeschlossen. Gott sagt hier in Römer 13: Gott hat dem Staat die Waffe gegeben, damit er damit dienen kann, damit er für den Schutz einstehen kann, damit er das Böse bestrafen kann. Gott hat dem Staat die Waffe gegeben.
Das heißt, wenn ein Christ sich meldet, bei der Polizei zu dienen, und wir haben einige Polizisten bei uns in der Gemeinde, auch Soldaten, dann dienen sie dem Staat. Sie helfen dem Staat, das Böse einzudämmen. Sie handeln nicht als Privatperson, wenn sie Zwang anwenden. Das dürfen wir als Christen nicht. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Und die Aussagen der Bergpredigt spielen hier hinein. Wir privat üben keine Selbstjustiz aus.
Aber Gott hat den Staat eingesetzt, um mittels Gewalt, wenn sie notwendig ist, das Böse einzudämmen. Das ist die Aufgabe, die der Staat hat. Vielleicht fällt dir das im ersten Moment schwer zu verstehen, aber stell dir mal das menschliche Leben ohne Regierung, ohne Polizei vor. Wir könnten unsere Frauen und unsere Töchter nicht mehr auf die Straße lassen, wenn es keine Gesetze gäbe, keinen Rechtsstaat, niemanden, der auch auf die Einhaltung der Gesetze achtet. Menschliches Leben wäre nicht möglich. Wir könnten niemanden auf die Straße lassen, und selbst in unserem Haus, in unserem Eigentum, wären wir nicht sicher, weil jederzeit jemand einbrechen kann. Es wird nicht geahndet.
Deswegen möchte ich euch diese Sicht eröffnen, dass wir darin eigentlich auch Gottes Gnade sehen, in einer gefallenen Welt, dass Gott, der ein Gott der Ordnung ist, Ordnungen einsetzt und ihnen die klare Aufgabe gibt: Widersteht dem Bösen, aber fördert das Gute im Zusammenleben der Menschen. Genau das verhindert beziehungsweise fördert der Staat. Und das ist der zweite Grund, warum wir uns dem Staat unterordnen sollen: Er dient dem Guten, das Gott von ihm möchte.
Gewissen, Steuern und praktische Ehrfurcht
Und dann kommt Paulus in Vers 5 zu einem Fazit. Paulus sagt: Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen.
Liebe, es gibt unterschiedliche Motivationen, sich an Gesetze zu halten, richtig? Manchmal, wenn wir ehrlich sind, ist unsere Motivation: Ich halte mich dran, weil ich die Strafe nicht will, richtig? So vor dem Blitzer noch mal kurz abbremsen: Ich will die Strafe nicht.
Paulus sagt, wir Christen haben eigentlich eine höhere Motivation. Es sollte nicht einfach darum gehen, die Strafe nicht zu bekommen. Bei uns geht es ja immer darum, dass wir vor dem einen leben, der diese Ordnungen, auch die staatlichen Ordnungen, eingesetzt hat.
Weißt du, du kannst vor dem Blitzer kurz abbremsen und danach wieder Gas geben. Aber dann handelst du nur aus der Motivation: Ich will nicht bestraft werden. Du denkst, der Staat sieht mich jetzt nicht mehr, wenn ich danach wieder richtig Gas gebe. Aber es gibt einen, der dich sieht, richtig?
Und Paulus sagt, es geht auch um unser Gewissen. Unsere Motivation ist viel höher. Wir sollten uns an die Regeln halten, nicht nur an die Verkehrsregeln. Ich will das jetzt nicht nur darauf münzen, auf die Predigt, sondern auch auf andere Regelungen. Wir sollten uns daran halten, um Jesu willen. Unsere Gründe sind nicht die Angst vor Strafe, sondern die Anbetung dessen, der über allem steht und hier durch seine Gnade Ordnungen eingesetzt hat. Für ihn wollen wir leben. Und dann haben wir eine ganz andere Motivation, auch nach dem Blitzer weiter langsam zu fahren. Ich meine im Sinne der Vorstellungen des Staates entsprechend.
Und dann kommt Paulus im letzten Punkt zur Praxis der Unterordnung. Wie sieht das denn jetzt konkret aus? Vielleicht war bisher einiges an Theorie hier vorhanden, aber wie sieht jetzt Unterordnung gegenüber dem Staat ganz praktisch aus?
Und Paulus sagt in Vers 6: Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. Was interessant ist: Paulus geht so ganz selbstverständlich davon aus, dass die Christen in Rom Steuern zahlen. Und das sollte für Christen selbstverständlich sein, richtig?
Jesus sagt es schon in Matthäus 22,12: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und dann weitet Paulus das in Vers 7 noch einmal weiter aus und sagt: Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer; den Zoll, dem der Zoll; die Furcht, dem die Furcht; die Ehre, dem die Ehre gebührt.
Hier sehen wir: Die ersten beiden Aufforderungen sind finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem Staat. Das heißt, sich dem Staat zu unterordnen bedeutet auch, dass ich ihm finanziell das gebe, was ihm zusteht. Das waren im Römischen Reich die Steuern, das waren im Römischen Reich aber auch Zölle. Ich habe mich erkundigt: Zur Zeit des Paulus lagen die bei 2,5 Prozent. Auf deklarierte Handelswaren musste man als römischer Bürger abgeben, und Paulus sagt: Macht das. Das ist eine Regelung, die der Staat so festgelegt hat. Ihr als Christen, als gute Bürger, gebt dem Staat, was dem Staat gebührt. Ihr habt euch daran zu halten.
Das hilft auch nicht, wenn man sich da irgendwie eine fromme Ausrede sucht. Das macht die Sache nicht besser, wenn man es nicht tut. Thomas Schirrmacher, ein Ethikprofessor, schreibt: Steuerhinterziehung wird nicht besser, wenn man den Gewinn in die Mission gibt. Lebensgefährliches Schnellfahren und Falschparken wird nicht besser, weil man auf dem Weg zum Gottesdienst ist. Da müssen wir uns mal an die eigene Nase fassen.
Bleiben wir mal bei den Steuern. Ich will jetzt mal ganz ehrlich die Frage stellen: Wie handhabst du das mit deiner Steuererklärung? Ich weiß, darüber reden wir hier nicht allzu häufig, aber das ist jetzt das Thema vom Text her. Kann es sein, dass du manchmal gerade so bei den Werbungskosten großzügig aufrundest und eigentlich bist du nicht so häufig zur Arbeit gefahren, aber du gibst das an, weil es keiner rausfindet?
Deine Motivation sollte nicht nur sein: Angst vor Strafe. Sondern es geht um dein Gewissen vor Gott. Gott schaut zu, wenn du deine Steuererklärung ausfüllst. Und nehmen wir es doch mal als Akt des Gottesdienstes: Ich fülle die Steuererklärung aus zum Lob des Herrn. Zum Lob des Herrn, ich möchte ihm alle Ehre geben, wenn ich meine Steuererklärung ausfülle, und ich mache es nach bestem Wissen und Gewissen.
Wie handhabst du das mit steuerpflichtigen Nebenverdiensten? Gibst du sie bei deinen Nebenverdiensten in deiner Steuererklärung an, gerade vielleicht als Handwerker? Damit wären wir beim Thema Schwarzarbeit. Es gibt gewisse Christen, die reden sich das schön. Da werden dauerhaft handwerkliche Leistungen angeboten, ohne die daraus entstehenden Gewinne zu versteuern. Ihr Lieben, das ist Sünde, das ist Diebstahl. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, Schwarzarbeit ist handfeste Wirtschaftskriminalität.
Und Gott sagt: Gib deine Steuer dem, dem sie gebührt. Und wenn du sie dem Staat nicht gibst, bestiehlst du auch Gott selbst. Denn Gott hat den Staat genau hierfür eingerichtet.
Vielleicht sagst du jetzt: Gut, mit Schwarzarbeit im Sinne des Handwerks habe ich nichts zu tun. Aber vielleicht förderst du Schwarzarbeit. Es ist eine Versuchung, wenn der Handwerker zu dir kommt und die Frage stellt: mit Rechnung oder ohne? Das ist die Frage: schwarz oder nicht. Und es ist ohne Rechnung viel günstiger, und du weißt, du hast es nicht so viel gerade, und wenn du jetzt etwas einsparst, kannst du mehr spenden.
Gib dem Staat, was dem Staat ist. Wir als Christen dürfen weder Schwarzarbeit nachgehen noch Schwarzarbeit fördern. Damit machen wir uns schuldig vor dem Herrn. Und wenn du dich da heute ertappt hast, wenn Gott es dir aufzeigt, dann möchte ich dich einladen, darüber Buße zu tun, weil es eine direkte Sünde gegen Gott ist, nicht nur gegen die Bundesrepublik Deutschland. Und Jesus ist gnädig, Jesus möchte dir vergeben. Nur wichtig ist, dass du das bekennst und lässt.
Es geht hier aber nicht nur um finanzielle Fragen. Unterordnung zeigt sich auch darin, dass wir die Regierung und den Staat ehren. Hier heißt es weiter: die Furcht, dem die Furcht, und die Ehre, dem die Ehre gebührt. Und Paulus redet jetzt nicht plötzlich von Gott, er redet immer noch über die Regierung. Er sagt: Als Christen haben wir die Aufgabe, der Regierung mit Respekt und mit Ehrerbietung zu begegnen.
Vor einigen Jahren war ich mal auf einer Pastorenkonferenz in Amerika, und einer der Redner war Al Mohler, den ich sehr schätze für seine bibeltreue Verkündigung. Er hat erzählt, dass er als junger Mann Gottes ein Treffen hatte mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Ich glaube, das war sogar noch kurz nach der Lewinsky-Affäre. Al Mohler nahm uns in seine Gedanken mit. Er dachte: Boah, ich werde jetzt demnächst Bill Clinton gegenüberstehen. Was mache ich? Er vertritt nicht die politischen Werte, die ich vertrete, und dann hat er auch noch einige andere Probleme in seinem Leben. Wie soll ich ihm begegnen? Mit Verachtung?
Dann hat er uns gesagt: Als ich vor Bill Clinton stand, habe ich mich entschieden, ihn zu respektieren und ihn zu ehren, einfach weil er der Präsident ist. Und Staatsoberhäuptern sollen wir als Christen mit Respekt begegnen. Es bezieht sich nicht nur auf Politiker. Das bezieht sich auch auf andere Staatsdiener.
Ich glaube, dass die Polizisten in unserem Land ein schweres Los haben. Polizisten werden leider durch die Verrohung unserer Gesellschaft zunehmend beschimpft, obwohl sie sich für die Bürger einsetzen. Sie dienen im Auftrag des Staates gegen das Böse und fördern das Gute.
Ich finde es so vorbildlich, wie einige Gemeinden in Amerika den Polizisten gegenüber begegnen, beispielsweise die Gemeinde von John MacArthur. Sie schreibt auf ihrer Homepage: Während Städte im ganzen Land von Unruhen heimgesucht werden und Demonstranten die Abschaffung der Polizei fordern, laden wir die örtlichen Strafverfolgungsbehörden ein, als Dank für ihren Dienst zum kostenlosen Mittagessen und einer MacArthur-Studienbibel in die Grace Church zu kommen. Die Mitglieder, also die Polizisten, kehren freiwillig zurück, um an Gottesdiensten teilzunehmen.
Ob sich so etwas eins zu eins hier in Deutschland umsetzen lässt, weiß ich nicht. Aber womit wir anfangen können, ist, für diese Menschen zu beten, die im Auftrag des Staates unterwegs sind, und auch für unsere Sicherheit. Dass wir für sie beten, dass wir sie segnen, dass wir ihnen Mut zusprechen, dass wir ihnen danken für ihre Arbeit, die sie tun.
Wenn der Staat seine Grenze überschreitet
Jetzt sagst du vielleicht, Andre: Schön und gut, ich kann sehen, dass das sich aus dem Text ergibt, den du predigst, aber ich habe echte Probleme mit unserer aktuellen Regierung. Ich habe echte Probleme mit so mancher Entscheidung, die getroffen wird. Heißt das wirklich, dass wir immer nur so eine ganz positive Haltung in allem behalten sollen?
Dazu kommen wir jetzt. Ich denke, dass wir als Christen den Auftrag haben, gerade wenn ein Staat nicht mehr das Böse eindämmt und das Gute fördert, von der Bibel her die Werke der Finsternis aufzudecken.
Übrigens hat unser Altkanzler Helmut Kohl vor Jahren während seiner Kanzlerschaft Folgendes gesagt: Es ist angemessen und notwendig, dass die Kirchen zu wichtigen Problemen unseres Volkes und unserer Welt ihr Wort sprechen. Sie nehmen insofern ein kritisches Wächteramt wahr.
Lieben, das sind erfrischende Worte eines Politikers. Leider wird dieses Wächteramt heutzutage nicht mehr von den großen Kirchen in unserem Land ausgeführt. Jedenfalls kann man es nicht mehr von der evangelischen Kirche in Deutschland erwarten. Sie sind nur noch ein Fähnchen im Wind geworden. Der letzte Kirchentag hat das noch einmal gezeigt. So politisch sie reden, sie reden der Regierung nach dem Mund. Da ist kein Korrektiv mehr, sondern nur noch ein Fähnchen im Wind, und das bereitet uns Sorge.
Und genau hier müssen wir als evangelische Freikirchen, auch wenn wir nur eine kleine Stimme haben, unseren Auftrag als Wächter wahrnehmen und unsere Stimme erheben.
Aktuell bereitet uns der ganze Genderwahn sehr große Sorgen, auch das geplante Gesetz. Ich weiß nicht, wie viele von euch davon gehört haben. Es ist noch nicht durch, aber es ist geplant. Die Regierung plant, ein Gesetz zu verabschieden, wonach man sich einmal im Jahr für ein neues Geschlecht entscheiden kann. Das heißt: In diesem Jahr bin ich Mann, im nächsten Jahr Frau, danach wieder Mann und danach irgendetwas anderes. Und das Schlimme ist: Kinder ab dem 14. Lebensjahr dürfen diese Entscheidung ohne Zustimmung der Eltern treffen.
Ihr Lieben, wo kommen wir da hin? Ich denke immer mehr an Römer 1: Gott hat sie dahingegeben. Weil sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden.
Und genau an dieser Stelle müssen wir als evangelische Freikirche Köln-Ostheim auch immer wieder unsere Stimme erheben und aufdecken, dass der Staat hier nicht das Gute fördert, sondern das Böse fördert. Dass er Kinder damit auch vor große psychische Probleme stellt, wenn das Geschlecht ständig wählbar ist. Wer bin ich denn eigentlich?
Das ist böse, was der Staat hier macht, und da müssen wir unserer Verantwortung nachkommen, auch gegenüber des ganzen LGBTQ-Drucks.
Eines kann ich euch heute Morgen hier versprechen, im Namen aller Pastoren der evangelischen Freikirche Köln: Wir werden uns nicht beugen. Wir werden uns nicht beugen. Wir werden stehen. Hier wird nie ein Regenbogen vor unserer Haustür hängen. Wenn hier ein Regenbogen hängt, dann nur mit der Unterschrift 1. Mose 9, der echte Regenbogen: Gott ist treu, Gott steht zu seinen Verheißungen.
Aber wir werden Gottes Wort hochhalten, koste es, was es wolle. Und das ist unser Auftrag als Christen. Wir wollen es in Liebe tun. Und wir wollen es immer in erster Linie tun, um aufzuzeigen, dass Jesus gekommen ist, um für Sünder zu sterben, und der Mensch kann Versöhnung durch Jesus Christus erfahren.
Die Grenze des Gehorsams
Jetzt stellt sich noch einmal die Frage: Hat Unterordnung eine Grenze? Und auch hier ist es wichtig, dass wir nicht einfach aus unserer Emotion heraus antworten, sondern dass wir in die Bibel schauen. Dort stellen wir fest: Es gibt in der Bibel Dutzende Beispiele für zivilen Ungehorsam. Ich habe euch mal eine kleine, das ist keine vollständige Auflistung, mitgebracht.
Wir sehen in 2. Mose, wie sich die Hebammen dem Pharao widersetzen. Mutige Frauen, weil er gefordert hat, dass sie Kinder umbringen sollen. Sie widersetzen sich. Rahab widersetzt sich und rettet die Spione. Propheten stellen sich mächtigen Königen gegenüber und sagen: So spricht der Herr, und stellen sich dem König entgegen. Daniel betet trotz Verbot. Es war ein Gebot erlassen: Du darfst nicht mehr öffentlich beten. Daniel macht die Fenster auf und betet. Das ist ein echter Mann übrigens.
Aber wir sehen auch Daniels Freunde. Sie fallen nicht vor dieser Statue nieder. Alle beugen sich, aber es gibt eine Handvoll Männer, die sich diesem Druck nicht beugen. Sie bleiben stehen. In dem Wissen: Wir sind einem Gott verpflichtet, und wir beten ihn allein an. Und wir bleiben stehen.
Die Apostel in der Apostelgeschichte evangelisieren trotz Verbot weiter, und sie begründen das in Apostelgeschichte 5,29: Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.
Das heißt prinzipiell gilt: Wir unterordnen uns. Aber genau da, wo von uns etwas gefordert wird, was gegen das Wort Gottes ist, da ist Ungehorsam geboten. Robertson McQuilken, ein Ethikprofessor, schreibt: „Ein Christ darf sich nicht nur widersetzen. Wenn irgendeine Macht von ihm Ungehorsam Gott gegenüber verlangt, dann muss er sich sogar widersetzen.“
Ihr Lieben, nein, wir Christen, wir sind keine Aufständischen, schon gar nicht gewalttätig. Wir sind keine Rebellen. Wir akzeptieren die Regierung, wir ordnen uns prinzipiell unter. Wir beten für unsere Regierung, wir zahlen Steuern, wir halten uns an die Gesetze, weil wir wissen, dass Gott dahintersteht. Aber wir werden unsere Stimme immer wieder erheben gegen die Gottlosigkeit in unserem Land.
Und wenn etwas von uns erwartet wird, das gegen Gottes Wort ist, dann müssen wir der Regierung auch ungehorsam sein. Und so deutlich möchte ich das hier auch sagen: Dann dürfen wir uns nicht beugen, weil wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen.
Ihr Lieben, unser Herz gehört nicht einer Regierung. Unser Herz gehört dem einen, dem auferstandenen Sieger von Golgatha, der sich vor seine Jünger stellt und sagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Das ist unser Jesus, und für ihn leben wir. Amen.

