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Maleachi 1,6-14: "Anbetung: Wie sieht ein falscher Gottesdienst aus?"

Maleachi 1,6-1,1424.10.2011
SerieTeil 2 / 7Maleachi
Aus anfänglicher Euphorie als Christ wird Routine, Religion und Halbherzigkeit

Ein persönlicher Ausgangspunkt

Ich war letzte Woche zum Predigen eingeladen. Das bin ich inzwischen öfter, das ist also nicht mehr die völlige Überraschung, so nach dem Motto: Oh, er hat mal woanders gepredigt. Das ist weit weg.
Aber ich bin morgens aufgewacht und hatte so ein ganz komisches Gefühl. Ich hatte das Gefühl, einfach nur einen Job zu machen. Der Unterschied, den ich meine, ist dieser: Man kann mit Gott leben. Man kann auch eine Berufung leben. Man kann eine begeisterte Berufung leben. Oder es gibt eben auch einen Weg hin zu: Ich mache einen Job. Ich predige, das wird auch immer noch gut sein, aber die innere Einstellung dabei ist eine andere. Man zieht so los, und irgendwie ist da etwas auf der Strecke geblieben. Es ist ein Job geworden. Es ist ein Stück Routine geworden. Es ist nicht mehr so, dass von der inneren Anteilnahme her etwas lebendig ist, sondern vielleicht sogar etwas zerbrochen.
Ich habe dann Buße getan und dachte mir: Das geht überhaupt nicht. Du kannst jetzt hier nicht einfach in eine fremde Gemeinde gehen und mit so einer Haltung deine Predigt abliefern.
Und ich habe mir gedacht, dass viele von euch dieses Gefühl vielleicht kennen. Man ist mit Gott unterwegs. Ich dachte an ein Bibelwort, 1. Petrus 2,5. Ich habe das schon öfter hier zitiert. 1. Petrus 2,5 ist eines von diesen ganz schönen Worten, wo es heißt: Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen.
Wir sind ein heiliges Priestertum. Gott hat dich ganz persönlich angeschaut, dich gemeint und dir gesagt: Du gehörst jetzt in mein Team von Priestern. Du bist Teil meiner Priestermannschaft. Und weil wir nicht im Alten Testament leben, unter dem Alten Bund, sondern im Neuen, sind wir alle das. Und wir bringen nicht Schlachtopfer, so wie man das früher gemacht hat, sondern wir bringen geistliche Schlachtopfer.
Wenn man ins Neue Testament schaut, um einfach zu sehen, was das ist, dann trifft man auf Begriffe wie Lob. Wenn wir Gott loben, bringen wir Opfer. Wenn wir spenden, muss man es einfach mal so sagen, bringen wir Opfer. Es ist die Gabe oder das Opfer des Mitteilens. Wenn wir evangelisieren, schreibt das Neue Testament, opfern wir. Dann sind wir Priester in Gottes Sinn. Wenn wir beten oder wenn wir unser Leben investieren, dann sind das Opfer, die wir bringen, weil wir Priester sind.
Also: Ihr braucht nicht zu Hause einen Garten anzulegen und Ziegen zu züchten. Aber wenn es um Dinge wie Lob, Spenden, Evangelisation, Gebet oder Lebensinvestment geht, dann müssen wir darüber nachdenken.

Vom Feuer zur Routine

Und ich weiss: Wenn du einen jungen Christen hast, also jemanden, der ganz frisch zum Glauben kommt und bei dem du merkst, dass die Bekehrung echt ist, dann ist das wie ein Flächenbrand.
Wenn du dem sagst: Loben, Spenden, alles geben, evangelisieren, auf jeder Party jeden ansprechen, der mir da so über den Weg läuft, beten, klar, am besten ganze Nächte durch, Lebensinvestment, Herr, alles für dich – das ist der junge Christ.
Und manch einer, der schon ein paar Jahre dabei ist, schaut neidisch auf diese Typen. Die kommen rein und zünden mehr oder weniger den ganzen Raum an. Die lodern einfach.
Und dann gehen ein paar Jahre rum. Man erlebt ein paar Enttäuschungen mit der Gemeinde, ein paar Enttäuschungen mit Gott, ein paar Enttäuschungen mit sich selbst. Und es kann sich leicht so ein Trott einstellen.
Und da, wo mal echte Nachfolge war, kommt plötzlich etwas heraus, was ich Religion nenne. Ich weiss nicht, ob ihr den Begriff so füllen könnt, aber es gibt Nachfolge: dynamisch, leidenschaftlich, ganz. Und dann gibt es Religion.
Religion findet am Sonntag statt, zwischen fünfzehn und siebzehn Uhr dreissig. Sieht äusserlich sehr ähnlich aus, aber innen drin, im Herzen, ist irgendetwas kaputtgegangen.
Vielleicht sagst du: Ja, meine Religion findet auch noch im Hauskreis statt. Ja, dann habe ich den Sonntag und den Hauskreis. Aber dieses Wirkliche, dieses Pah, da ist irgendetwas weggebrochen.
Und aus einem, der Lobopfer gebracht hat, wird jemand, der so ein bisschen halbherzig in die Anbetung einsteigt. Ja, er singt vielleicht noch mit. Aber dieses, dass im Herzen etwas widerhallt, da ist irgendetwas weggebrochen.
Oder aus einem fröhlichen Geber, der sagt: Wie viel brauchst du? Hier ist mein Portemonnaie, wird so ein knauseriger, ich nenne ihn mal den Zehnten-Geber. Ich glaube nicht, dass man den Zehnten geben muss, aber ja, man hat sich dann so eine Grenze gesetzt. Dann gibt man die irgendwie, weil man ja etwas geben muss. Und damit man das Thema weg hat. Man kann ja niemandem sagen, dass man gar nichts gibt. Da gibt man irgendwie so ein bisschen was.
Und aus einem, der so ein Party-Evangelist war und versucht hat, jeden anzusprechen, wird jemand, der vielleicht den Mund gar nicht mehr so aufkriegt für Jesus. Der sich vielleicht sogar manchmal anfängt, für seinen Glauben ein bisschen zu schämen.
Und jemand, der in seiner geistlichen Jugend auf Knien gebetet hat, gefleht hat, im Zimmer auf und ab gelaufen ist – ich weiss nicht, ich bin so ein Auf-und-ab-Laufer, der muss halt immer laufen und reden und gestikulieren und machen und tun – da wird einer, der irgendwie froh ist, wenn er noch so fünf Minuten am Tag irgendwie hinkriegt.
Und aus jemandem, der einmal gesagt hat: Ich bin ein Jünger Jesu, alles für Jesus, wird vielleicht jemand, der anfängt zu rechnen, ob sich Jesus wirklich lohnt und ob es sich lohnt, so viel für ihn einzusetzen.

Der Weg in die Halbherzigkeit

Im Alten Testament gibt es dieses Bild von den Hinkenden auf beiden Seiten, bei Elija. Es ist so ein Zwei-Seiten-Hinken. So: Ich will schon etwas für Gott geben, weil ich ja auch den Himmel und die Ewigkeit will. Aber ich hinke auch wieder zurück und denke mir: Na ja, irgendwie alles geben, jetzt mal wirklich? Das sagt Jesus zwar, aber so dieses Ganze mit ganzer Hingabe – kann man sich das wirklich leisten? Ist das nicht ein bisschen unvernünftig?
Ich sage das, weil ich in meinem Leben merke, ob ich mir das eingestehen will oder nicht: Es gibt diesen Trend weg von echter Nachfolge hin zu Religion. Dann bin ich doch wieder der, der sein eigenes Ding dreht, nur mit Geschenkpapier außenrum. Es sieht immer noch schick aus. Da ist ein Schleifchen, vielleicht auch alles ein bisschen goldig und mit Sternchen drauf. Alles nett. Aber innen drin stimmt das irgendwie nicht. Da fehlt etwas.
Ich möchte, weil es diesen Trend in meinem Herzen gibt und weil ich denke, dass es ein Trend ist, den wir alle miteinander immer wieder bekämpfen müssen, mit euch gerne betrachten, wie es Gott eigentlich dabei geht, wenn er das mitbekommt. Denn eines muss uns klar sein: Ob wir, und ich nehme nur ein billiges Beispiel, ein Lied singen, während wir eigentlich an unseren Lohnsteuerjahresab... so Dingsbums da, an die Lohnsteuerjahreserklärung denken, und nur mit den Worten mitgehen, die ja von alleine kommen, während ich in Wirklichkeit über etwas anderes nachdenke, sodass ich eigentlich nicht mehr mit dem Herzen dabei bin – oder ob ich wirklich von Herzen dabei bin, das macht einen Unterschied.
Und da ticken wir alle unterschiedlich, okay? Wenn Claudi von Herzen bei einer Sache ist und ich von Herzen bei einer Sache bin, dann fühlt sich das anders an. Das ist auch okay. Wir dürfen unterschiedlich emotional sein. Und trotzdem gibt es echt und nicht echt, dabei sein und nicht dabei sein.
Ob wir wirklich dabei sind oder ob wir nur außen so eine Hülle haben, die so aussieht, als wären wir dabei, das sehen die anderen nicht, die im Gottesdienst sind. Aber Gott sieht das. Und deswegen interessiert mich: Wie denkt Gott eigentlich an so einer Stelle über einen Gottesdienst, über mich? Und ich predige ja meistens immer nur für mich, also über mich, wenn ich da mit meinen Gedanken woanders bin, wenn ich merke, ich lasse es so ein bisschen laufen und ich drifte wieder so ein Stückchen ab in Richtung: Er muss eine Predigt halten, das ist halt ein Job. In Richtung Religion. Und ich komme weg von dem eigentlich, von diesem brennenden Nachfolgedenken, das Jesus an jeder Stelle predigt, wo er über Jüngerschaft, über sich selbst, über Glauben und über ewiges Leben predigt.
Wir schauen uns das an. Und wir schauen es uns da an, wo wir letztes Mal bei Maleachi aufgehört haben. Wir sind ja eigentlich in einer Maleachi-Reihe und hatten das letzte Mal die ersten fünf Verse. Ich möchte also bei Vers sechs weitermachen.
Maleachi, letztes Buch des Alten Testaments, kleiner Prophet. Dort geht es auch um Priester, deswegen mein Einstieg mit den „Wir sind Priester“ – nur dass es da natürlich um richtige Priester geht, so wie man sich das halt so vorstellt: mit Robe, Schlachtermesser und Steinaltar, also ganz richtig halt.
Und die Probleme, die da in der damaligen Zeit sind, sind nicht genau unsere Probleme. Wir müssen sie übertragen, aber sie sind dichter dran, als uns das lieb ist.

Der Vorwurf an den Opferdienst

Auch damals passierte Folgendes: Äußerlich lief alles. Ja, man hatte äußerlich Opfer gebracht. Das konnte man sehen. Da waren die Priester, da war der Tempel, da gingen Leute hin, da fanden Gebete statt, da wurde etwas gesprochen, da wurde gesungen, da wurden Tiere geschlachtet. Äußerlich war alles in Ordnung. Aber innerlich war etwas nicht mehr in Ordnung. Von außen, bei einem flüchtigen Blick, würde man sagen: super. Aber innen war etwas kaputtgegangen. Innen war das Herz des eigentlichen Opferdienstes verloren gegangen.
Und ich möchte mit euch diese Situation etwa 433 v. Chr. betrachten. Dabei werde ich immer wieder einen Sprung in unser Leben wagen. Ich denke, ihr werdet da mitkommen zwischen diesen beiden Priesterdiensten. Ja, die machen etwas falsch. Und ich werde dann fragen: Wie sieht es denn bei uns aus?
Also starten wir mit Maleachi 1,6. Gott spricht, beziehungsweise Maleachi spricht, und Gott spricht durch ihn: Ein Sohn ehrt seinen Vater. In der damaligen Zeit war das bis heute völlig klar: Söhne, Kinder, sind dazu da, ihre Eltern zu ehren. Und ein Knecht, es könnte ein Angestellter oder ein Sklave sein, ehrt seinen Herrn. Wenn ich nun Vater bin, spricht Gott, wenn ich euer Vater bin, und natürlich ist Gott tatsächlich im Blick auf sein Volk ein Vater, denn er hat es ja geboren, er hat es hervorgebracht. Es gibt dieses Volk nur, weil Gott es wollte. Wenn ich nun Vater bin, wo ist meine Ehre? Und wenn ich Herr bin, wo ist meine Furcht? Das ist die Frage, die Gott stellt. Bitte schön, Freunde: Wenn ihr sagt, ich bin euer Vater und Herr, und wir beten ja sehr ähnlich, wie kann es sein, dass es in eurem Leben dann an Ehre und Furcht mangelt? Und wenn ich Herr bin, wo ist meine Furcht?, spricht der Herr der Heerscharen zu euch, ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet.
Das ist ein ganz dramatisches Wort. Gott spricht zu den Priestern und sagt: Ihr verachtet meinen Namen. Und der Name steht im Alten Testament für den Charakter. Ihr verachtet mich. Doch ihr sagt: Womit haben wir deinen Namen verachtet? Die Priester selbst stehen da und sagen: Wir wissen jetzt eigentlich gar nicht so genau, was du meinst, Gott. Und jetzt wird Gott noch ein Stückchen deutlicher.
Ich finde es markant, dass sie an dieser Stelle tatsächlich nicht einmal mitkriegen, dass in ihrem Leben richtig etwas schiefläuft. Ich kann mir vorstellen, dass das auch manchen Christen so geht, dass sie berufen sind, ein heiliges Priestertum zu sein und geistliche Schlachtopfer darzubringen, und es noch nicht einmal merken, dass etwas schiefläuft. Man hat sich so daran gewöhnt, dass Dinge nicht gut laufen, dass man eigentlich denkt: Das, was nicht gut läuft, läuft doch eigentlich gar nicht so schlecht.
Und Gott muss hier seinen eigenen Priestern sagen: Ihr, Vers 7, die ihr unreine Speise auf meinem Altar darbringt. Unreine Speise bedeutet einfach Speise, also ein Opfer, das nicht den Vorschriften entsprach. Man durfte also nicht alles opfern. Das hat sie aber anscheinend nicht so interessiert. Wir werden gleich sehen, was das dann so ist. Unreine Speise: Die Priester opfern etwas, und Gott muss sagen: Das, was ihr hier opfert, das ist doch überhaupt nicht das, was ich wollte.
Und es geht noch ein Stück weiter: Doch ihr sagt: Womit haben wir dich unrein gemacht? Wenn ihr das genau lest, merkt ihr: Sie bringen unreine Opfer auf dem Altar dar, und Gott sagt: Na ja, für euch ist das nur so ein Ritus. Ihr habt da so einen Altar, und da schmeißt ihr irgendwas drauf und opfert das halt. Aber in Wirklichkeit stehe ich hinter dem Altar. Und wenn du mit dem, was ich dir an Geboten gegeben habe, wenn du damit so ein bisschen schusselig umgehst, wenn dich das nicht wirklich interessiert, dann ist das nicht nur dein Umgang mit dem Wort Gottes. Es ist letzten Endes dein Umgang mit Gott selbst, der dieses Wort und diese Regeln eingeführt hat.
Doch ihr sagt: Womit haben wir dich unrein gemacht? Also sehen sie es immer noch nicht so richtig ein. Und Gott sagt: Indem ihr sagt, der Tisch des Herrn, ein anderes Wort für den Altar, den kann man verachten. Die Priester stehen da und sagen: Altar, Tisch des Herrn, und so. Das, was es da so an Regeln gibt, was man denn da so wie opfert, das ist alles nicht so wichtig. Das soll man zwar machen, aber wenn wir ganz ehrlich sind, das war damals irgendwie wichtig, aber heute wissen wir das heute viel besser. Das hat eigentlich gar nicht so die Relevanz. Du kannst damit umgehen, wie du willst.
Aber das kannst du natürlich nicht. Wer die falschen Opfer bringt, wer Gott nicht gibt, was er sich selbst wünscht, der bringt damit zum Ausdruck, wie er zu Gott steht, was er von Gott hält.

Ein Bild für mangelnde Wertschätzung

Wollt ihr ein Beispiel haben? Ich dachte, als ich an ein Beispiel dachte, an Geburtstagsgeschenke.
Jemand macht jemandem ein Geschenk, oder man bekommt ein Geburtstagsgeschenk, und man bekommt etwas geschenkt, das man überhaupt nicht brauchen kann, nicht haben will und total blöd findet. Stell dir das mal vor: Jemand sagt: Ich habe ein schönes Geschenk für dich, hier. Und du merkst, der andere hat nicht eine Millisekunde über dich nachgedacht. Er hat dir einfach irgendetwas mitgebracht, so wie bei Schrottwichteln. Er hat irgendetwas, was in seinem Keller stand, eingepackt und kommt jetzt und sagt: Für dich! Und meint es noch ernst dabei.
Das ist das, was die Priester hier tun. Gott, eigentlich interessierst du uns nicht, aber wir bringen dir mal irgendein Opfer, weil man ja irgendein Opfer mitbringen muss. Aber eigentlich wird an der Art des Opfers schon deutlich, wie mein Herz zu dem ist, den ich beschenke, wie das einfach aussieht.
Und wenn du da etwas kriegst, wo du sagst: Aha, was weiß ich, wenn du mir eins von deinen Bonsaibüchern schenken würdest, Bonsaibaumpflege für Anfänger, würde ich denken: Jörg, weil ich werde wahrscheinlich zeitlebens nicht einen Bonsai haben. Bitte nicht, dass jetzt jemand sagt: Ja, ich ahne schon. Aber er versteht mich an der Stelle. Ich will jetzt keine Bonsaibäume haben, es ist einfach nicht meine Welt. Ja, ich kann nichts damit anfangen. Und wenn ihr jetzt sagt, ihr überschüttet mich mit Bonsaibüchern, nein, will ich nicht haben.
Und Gott steht hier und sagt: Wisst ihr was, ihr schenkt mir ja etwas, ihr opfert etwas. Aber habt ihr euch mal Gedanken gemacht, was ich eigentlich haben will?

Die Forderung nach dem Besten

Und jetzt kommt so ein bisschen die Problematik in Vers 8 auf. Auch wenn ihr Blindes darbringt, dazu muss man wissen: Opfer im Alten Testament, das waren Tiere, und es mussten makellose Tiere sein. Also konnte man nicht sagen: Ich gehe mal durch meine Herde, und ich habe da so ein blindes, verkrüppeltes, humpelndes Ding. Das braucht eh keiner, das kann ich niemandem geben, aber für das Opfer reicht es noch. Es musste genau umgekehrt sein. Wenn wir Gott etwas geben, geben wir ihm immer das Beste, nicht den Schrott für Gott, sondern wir geben ihm das Beste. Und die Leute haben das irgendwie verpeilt.
Auch wenn ihr Blindes darbringt, um es als Opfer zu schlachten, ist es für euch nichts Böses. Er ist was verloren gegangen. Es steht doch im Gesetz, ihr sollt ein gutes Tier, ein makelloses Tier bringen. Da steht sogar explizit drin, das darf nicht lahmen, das darf nicht blind sein, da darf noch nicht mal was abgeschlagen sein, das darf nicht kastriert sein und so. Also, das darf alles nicht sein. Und die Leute sagen: Es ist nichts Böses. Und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, super, du gehst durch deine Herde und sagst: Das Viech stirbt eh bald, das können wir auch auf einem Opferaltar legen. Nein, das geht nicht. Nichts Lahmes, nichts Krankes. Aber für die Leute ist das nichts Böses.
Und Gott wird fast so ein Stückchen ... Da müsste jetzt jemand wegen der Kinderstunde gerade mal helfen. Schatz, machst du das? Einfach hinsetzen, das ist alles in Ordnung. Und Gott stellt einfach eine Frage: Stell dir mal vor, du würdest das, was du Gott opferst, deinem Statthalter geben, also irgendeinem angesehenen Beamten in der Stadt, der da was zu sagen hat, als Geschenk oder als Tributzahlung. Stell dir das mal vor, würde der Gefallen daran haben? Und die Antwort lautet: Nee, der würde das nie haben wollen. Aber Gott geben wir das.
Das heißt, hier sind Leute, die sagen: Hauptsache, irgendwas landet auf dem Opferaltar. Ob das was wert ist, ob es das ist, was Gott sich eigentlich gewünscht hat oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle. Und ihr merkt schon, das ist Religion. Religion ist dieses: Ich will nicht ohne Gott leben, aber ich mache mir auch nicht wirklich Gedanken darüber, wer Gott ist, was er für einen Charakter hat, was er sich wünscht, was in seinem Wort steht. Ich gebe ihm irgendwas. Ja, irgendwas, was ich noch ein Stückchen übrig habe, die Zeit, die ich noch übrig habe, vielleicht etwas von meinen Talenten, die ich noch übrig habe. So ein Rest, wo du sagst: Na ja, da weiß ich eh jetzt gerade nicht so genau, wohin damit. Irgendwas muss man ja machen. Und diesen Rest, den nehme ich und gebe ich Gott.

Gottes Reaktion auf halbe Hingabe

Vers neun. Und Malachi wird jetzt sehr deutlich und sagt: Das geht überhaupt nicht. Und nun besänftigt doch Gott, dass er uns gnädig sei. Und dieser Begriff besänftigen ist gerade bei den Propheten ein Begriff, der an anderer Stelle verwendet wird, um Buße zu tun, um zu Gott umzukehren.
Also eigentlich geht es darum, dass Malachi sagt: Jetzt tut doch endlich an der Stelle Buße, und nun besänftigt doch Gott, dass er uns gnädig sei, wenn so etwas von eurer Hand geschieht. „Wird er euch dann wohlgesonnen sein?“, spricht der Herr der Heerscharen.
Und die Priester denken: Ja, das ist doch der Clou. Gott muss doch total zufrieden sein damit, dass er überhaupt etwas kriegt. Ich meine, man muss sich das mal vorstellen: Es könnte ja auch sein, dass niemand ihm etwas gibt. Ich meine, ich gebe ihm immerhin irgendetwas. Das ist doch schon ... Es ist nicht ganz das, was er will, aber die Richtung stimmt doch schon. Er kriegt doch wenigstens irgendetwas.
Und ich weiß nicht genau, wie viele Leute ich kenne, die tatsächlich so an ihr geistliches Leben herangehen. Ich gebe Gott irgendetwas, so einen Abfall, der noch übrig ist von meinem Leben. Ich lebe mein Leben eigentlich für mich, voll Gas. Und irgendwo plumpst dann links und rechts mal noch ein Gottesdienst hinein, und mal ein bisschen Bibel lesen, und vielleicht auch mal irgendwo ein bisschen Mitarbeit dazu, ja. Aber so, dass das im Zentrum meines Lebens wäre, weil ich Gott nachfolge, weil ich ihn kenne und weil ich zuerst einmal darüber nachgedacht habe, was er eigentlich will?
Warum ist es nicht so? Sondern ich denke erst einmal darüber nach, was will ich. Und wenn da noch ein bisschen Luft ist, dann nehme ich das, was noch übrig ist. Das, was eigentlich keiner mehr vernünftig brauchen kann. Und das nehme ich und gebe es Gott. Und dann sage ich: Super, und jetzt muss doch Gott an der Stelle, das muss ihm doch einfach richtig gefallen, oder?
Und Malachi stellt mal die Frage und sagt: Glaubt ihr wirklich, dass das Gott gefällt, ihr Priester, wenn ihr so mit Gott umgeht? Und natürlich, wenn man das mal aus der Distanz liest: Ja, was erwartet ihr denn? Dass Gott in die Hände klatscht und sagt: Super, klasse, habe ich mir immer gewünscht, dass ich euch sage, was ich haben will, und ich kriege es nicht. Dass ihr Vollgas mit mir leben sollt, und dann gebt ihr mir hier so den Rest. Kann man so mit Gott umgehen? Man kann es nicht.

Lieber kein Gottesdienst als ein leerer

Gott ist ganz klar in Vers 10. Er sagt: Wäre doch nur einer unter euch, der die beiden Torflügel zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet.
Ich finde dieses Bild so schön. Gott sagt: Mir wäre es lieber, dass einer den Mut hätte, in den Tempel zu gehen, so mit einem Vorhängeschloss und einer langen Kette zum Tempel geht und da bum zu. Und der nächste Priester, der reingehen will, um wieder ein Opfer zu bringen, rüttelt an der Tür und kommt nicht rein.
Gott sagt: Lieber möchte ich keinen Gottesdienst von euch haben als einen wertlosen Gottesdienst. Ich weiß nicht, ob wir das auch so gedacht haben, aber das ist eben Gottes Charakter. Gott sagt: Gib mir lieber nichts, als dass du mir etwas gibst, wo nur herauskommt, dass das eigentlich in deinem Herzen mit mir gar nicht stimmt. Lieber hältst du die Klappe und sagst kein Gebet und tust nicht so, als wäre in deinem Leben irgendwie Glauben da, als dass du mir irgendetwas gibst, dir selber etwas vormachst, ein Heuchler bist. Und eigentlich stimmt es nicht.
Versteht ihr das? Gott sagt, wenn nur einer da wäre, der den Mut hätte, in den Tempel zu gehen und zu sagen: Ich mache hier Schluss, ich mache hier einfach Schluss. Wäre doch nur einer unter euch, der die beiden Torflügel zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet.
Wenn wir Gottesdienst feiern als eine heilige Priesterschaft und Gott wertlose Opfer bringen, egal was das ist, ob das unser Lob ist, ob das unser Geld ist, ob das Evangelisation ist, ob das die Talente sind, die wir einbringen, ob das unser Leben ist, was wir hingeben, wenn es in unserem Herzen nicht mit Gott stimmt, dann wird Paulus sagen: Wenn da keine Liebe ist, dann sagt Gott, dann ist unser ganzer Gottesdienst umsonst.
Er wird stattfinden, keine Frage. Ja, steht ja auch im Internet, dass es um fünfzehn Uhr losgeht, und wir werden es immer schaffen, so zehn nach drei auch wirklich anzufangen, so in der Größenordnung. Und es wird auch etwas passieren. Es wird Musik geben, es wird etwas da sein, du wirst nach Hause gehen können und sagen: Wir haben doch etwas gemacht. Es wird passieren.
Und Gott, ich weiß nicht, über wie viele Gottesdienste Gott es sagt, ich werde mir da kein Urteil erlauben, weil Gott der Einzige ist, der in die Herzen derer blickt, die ihm singen und ihm spenden und mit ihm Zeit verbringen. Aber da, wo das Religion wird, wo wir es nicht mit ehrlicher Hingabe und Anteilnahme tun, wo wir Gott irgendetwas geben, von dem, was wir eh nicht brauchen oder noch übrig haben, oder wo wir denken: Na ja, irgendwas muss er ja kriegen, und nicht ein ehrliches Interesse an ihm haben, an dieser Stelle wird Gottesdienst umsonst. Da hat Gott kein Gefallen daran.
Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der Herr der Heerscharen, und an einer Opfergabe aus eurer Hand habe ich kein Wohlgefallen.

Gottes Größe und die Leere religiöser Formen

Ja, aber Gott brauchte uns doch, wird jetzt der Israelit denken. Wer soll denn Gott anbeten, wenn wir das nicht machen? Es muss doch besser sein, so ein halber Gottesdienst von Israel. Aber eigentlich ist es gar kein Gottesdienst.
Ich meine: Ein Gott ist doch nicht dazu da, dass er angebetet wird. Was wird denn aus einem Gott, wenn ihn gar keiner anbetet? So halbe Anbetung ist doch besser als keine Anbetung.
Und das Dramatische, was jetzt kommt – ich mag diesen Vers –, ist, dass Gott seinem Volk sagt: Ich brauche dich nicht. Ich kann das nicht eins zu eins auf unsere Situation übertragen, aber in der damaligen Zeit war es so, dass Gott sagen konnte: Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang, also überall auf der Erde, ist mein Name groß unter den Nationen. Überall hat Gott seine Leute. Fragt mich nicht genau, wie das funktioniert. Heiden, die Gott anbeten, das ist theologisch nicht ganz simpel. Ich schreibe euch das mal zusammen, und wenn wir hier durch die Reihe durch sind, dann gebe ich euch ein kleines Skript über Maleachi. Da könnt ihr das nachlesen.
Aber das Argument ist klar: Gott sagt, ich brauche euch nicht, ich habe meine Leute. Und an allerlei Orten, gemeint ist außerhalb von Israel, lässt man Opferrauch aufsteigen und bringt meinem Namen Gaben dar, und zwar reine Opfergaben. Ich brauche eure nicht, eure halben Sachen. Da kann ich echt drauf verzichten, denn mein Name ist groß unter den Nationen, spricht der Herr der Heerscharen.
Irre! Gott sagt: Wenn ihr das nicht bringt, dann machen es halt andere. Das geht auch ohne euch.

Die Entweihung des Heiligen

Vers zwölf: Ihr aber seid es, die ihn entweihen.
Und da müssen wir uns jetzt die Frage stellen: Wie sieht das bei uns aus? Sind wir Menschen, die den Namen Gottes mit unserem Gottesdienst entweihen, weil wir in dieser Tendenz hin zur Religion, zum halben Gottesdienst, zu einem Gottesdienst, der sich nicht mehr wirklich um Gott dreht, sondern der sich eher darum dreht, nach außen eine Frömmigkeit darzustellen, leben, wo es im Inneren nicht wirklich eine Realität dazu gibt?
Ein Beispiel: In 1. Korinther 11 wird eine ganze Gemeinde dafür gerichtet, weil sie beim Brotbrechen einen Fehler machen. Sie warten nicht aufeinander. Man hatte noch gemeinsam gegessen, und die einen haben schon mal angefangen zu essen, und die anderen kamen ein bisschen später. Als die Letzten kamen, war aufgegessen, und die Ersten waren schon so ein bisschen leicht angeheitert, und die Letzten blieben hungrig.
Du könntest dir denken: Na ja, das kann doch mal passieren. Ja, das kann auch zwei- oder dreimal passieren. Und Gott sagt: Ihr verachtet die geringeren Geschwister, ihr wartet nicht auf sie. Vielleicht waren das Sklaven, die nicht rechtzeitig frei bekommen haben, Leute, die einfach später losgegangen sind; er hat nichts für sie aufgehoben. Aber ihr feiert Brotbrechen. Ihr habt ein Zeichen, wo ihr Brot und Wein untereinander teilt und zum Ausdruck bringt, wie nett ihr euch alle findet, dass ihr alle zum selben Team gehört, dass ihr alle für Jesus brennt und dass Nächstenliebe für euch das Größte ist. Aber ihr lebt es nicht.
Und Gott richtet eine ganze Gemeinde für diesen Widerspruch: dass sie ein Zeichen haben, dass sie Opfer bringen, Brot und Wein nehmen, aber die innere Realität ist nicht da. Und das ist hier genau das gleiche Problem. Ihr aber seid es, die ihn, den Namen Gottes, entweihen, indem ihr sagt: Der Tisch des Herrn kann unrein gemacht werden, und die Gabe für ihn, seine Speise, kann man verächtlich behandeln.
Die Leute sagen: Es ist nicht so wichtig, wie man mit Gott umgeht. Ich bastle mir meine eigene Religion. Das kann doch nicht so sein, dass Gott mir in meinem Leben so viele Vorschriften machen kann. Ich muss doch, wenn ich schon Gottesdienst feiere, wenigstens ein Mitspracherecht haben. Und Gott sagt: Nein, das gebe ich euch nicht.

Die Last des Pflichtglaubens

Und wenn ich das lebe, heißt es in Vers 13: Und ihr sagt: Siehe, welche Mühsal.
Und ich habe mir die Frage gestellt, wie oft fange ich an, mir dieselbe Frage über mein Christsein zu stellen? Wie oft passiert es, dass ich Christsein als einen Anspruch sehe, dass mir jemand sagt: Jürgen, wenn du mit Gott leben willst und wenn du so ein heiliges Priestertum sein willst, dann musst du, was weiß ich, loben und beten und spenden und dich einsetzen und deine Talente entdecken und und und.
Ja, und ich habe mir die Frage gestellt: Wie oft höre ich das und fange an zu seufzen, so dieses: Ah ja, ich habe schon ein volles Leben, und jetzt kommt Gott und will auch noch was von mir.
Das ist das, was hier passiert: eine Mühsal, statt dass die Priester jubeln und sagen: Ja! Also, hundert Jahre vorher hatten sie das gemacht. Da wurde der Tempel eingeweiht, alle feierten, alle klatschten, alle jubelten, alle waren begeistert.
Hundert Jahre später: na ja, schon wieder opfern, schon wieder Gottesdienst, schon wieder irgendeine Besprechung, schon wieder Hauskreis, schon wieder Gebet. Mühsal.
Ja, es ist wirklich das: Schon wieder dran. Kann Gott mich nicht in Ruhe lassen? Muss Gott wirklich mein Bestes kriegen? Kann ich nicht ein bisschen jünger sein und nur so ein halbes Christsein leben?
Und die Antwort lautet: Nein, kannst du nicht.
Und im Alten Testament beschreibt Gott das noch einmal, warum sie ihn missachtet haben. Und er sagt ihnen hier: Und ihr missachtet ihn, spricht der Herr der Heerscharen. Ihr bringt Geraubtes herbei.
Das ist noch schlimmer, als nur dass es blind und lahm ist. Sie haben es auch noch geklaut. So nach dem Motto: Wenn ich schon ein Opfer brauche, warum soll ich was von mir nehmen? Ich kann ja auch von der Weide nebenan holen. Es sieht ja auch gut aus. Vielleicht kann man dann etwas nehmen, was auch ein bisschen besser aussieht.
Und bringt Geraubtes herbei und das Lahme und Kranke. So bringt ihr die Opfergabe.
Zeugs, wo Gott echt sagt: Das will ich nicht haben.
Und die Leute denken: Also, nichts dabei. Hauptsache, Gott kriegt irgendein Opfer. Hauptsache, irgendwas passiert im Gottesdienst. Ist doch völlig wurscht, ob das Tiefgang hat und echt ist. Ey, kommt, sollen die Engel sich dran freuen, und wir gehen schon wieder nach Hause. Es geht schon rum, irgendwie.
Soll ich Gefallen haben an dem, was von eurer Hand kommt?, spricht der Herr.

Der Betrug des versprochenen Opfers

Wie fühlen wir uns, wenn wir Gebote Gottes hören? Wenn wir merken, dass unser geistliches Leben stehen geblieben ist? Wir könnten mehr geben. Wir haben angefangen, sind aber auf halber Strecke stehen geblieben. Oder wir waren schon einmal besser drauf, und jetzt ist es wieder so.
Ist es dann dieses Denken: Boah, Gott, nein, komm ja nicht noch ein Gebot? Ist es das? Oder ist es die Begeisterung der jungen Priester hundert Jahre vorher, die zum ersten Mal wieder den Tempel sehen, die zum ersten Mal wieder erleben, dass da etwas passiert, genau so, wie Gott es sich vorstellt, und die in die Hände klatschen und jubeln? Und man hält das fest, einfach diese Begeisterung. Man hält sie fest.
Wenn man es nicht festhält, wenn wir von der Nachfolge in die Religion weggleiten, dann müssen wir uns Vers 14 anhören. Da heißt es: Aber verflucht sei, wer betrügt. Und das ist für mich so der Vers, der es einfach absolut auf den Punkt bringt. Und ich weiß nicht, wie oft wir nicht in dieselbe Falle hineintappen.
Verflucht sei, wer betrügt: Da gibt es in seiner Herde ein männliches Tier, ein Opfer, makellose männliche Tiere. Da gibt es in seiner Herde ein männliches Tier, und er gelobt es, er verspricht es Gott, schlachtet aber dann für den Herrn ein verdorbenes.
Jetzt denkst du: Boah, zum Glück kann mir das überhaupt nie passieren. Zum Glück habe ich noch nie in meinem Leben Gott ein verdorbenes, ein gutes Tier versprochen und ihm dann ein verdorbenes gebracht.
Ja, das dachte ich auch, für einen kurzen Moment. Und dann ist mir wieder eingefallen, dass wir Gott ja gar keine Tiere bringen, sondern dass wir ihm andere Opfer bringen. Und dann dachte ich mir: Manchmal singen wir Lieder und wir versprechen Gott mit unseren Liedern etwas. Es ist erschreckend, was wir manchmal mit Liedern Gott versprechen.
Ein Leben gegeben für den Herrn der Welt, ein Leben gegeben für das, was wirklich zählt, ein Leben für Gott, für ihn allein, das soll mein Leben sein – das werdet ihr nachher singen. Ja, also: Herr, ich habe hier für dich, ich habe jetzt hier für dich ein Opfer, Herr, so ein richtig schönes Leben, und dieses Leben kriegst du.
Und dann fängt die Woche an, und Gott sagt so: Jetzt hätte ich’s gern, du hast mir doch gestern versprochen. Na ja, also, ja, man sagt und singt zu viel im Gottesdienst, nicht wahr? Ja, da sind die anderen dabei, da kann man ja schlechterdings, wenn neben einem jemand singt: Ein Leben für Gott, für ihn allein, das soll mein Leben sein. Da kann man ja nicht singen: Ein Leben für Gott, für ihn allein, na ja, und für mich halt auch, das soll mein Leben sein. Das kann ja keiner singen.
Ich meine nicht nur, dass es nicht in den Rhythmus reinpasst, aber das würde schon auffallen, wenn das so jemand neben dir so singt. Dann würde womöglich einer von den Ältesten mal hingehen und sagen: Sag mal, wie meinst du das denn, für Gott und für dich?
Aber das ist das, was passiert. Wir versprechen Gott etwas, wir versprechen ihm ein Opfer, und dann kommt die Woche, und wir geben ihm irgendetwas, was so ähnlich aussieht. Wir geben ihm schon ein bisschen Leben, aber wir geben ihm so ein kastriertes Leben. Ja, da fehlt was, da ist irgendwie etwas sehr Elementares weg. Wir geben ihm etwas, wo er sagt: Das ist aber nicht das, was du am Sonntag versprochen hast. Es ist irgendwie ein Tick weniger.
Und ich sage jetzt nicht, dass wir alle Sünder sind, logisch, und dass wir alle kämpfen und dass wir auch mal fehltreten dürfen. Es geht mir um diese Haltung dabei, dieses: Wie leicht wir etwas singen und wie leicht wir uns in der Woche an der Stelle gar nicht mehr so daran erinnern.

Der eigentliche Punkt der Predigt

So, ich war ja eigentlich bei meinen Priestern hier in Malachi. Worum geht es mir? Ich habe euch am Anfang gesagt, ich sehe in meinem Leben eine Tendenz. Eine Tendenz dahin, dass Nachfolge, dieses mit dem Herzen an Gott Hängen, angefochten ist und dass es immer hin will zur Religion. Dass man irgendwo immer meint, Gott so ein bisschen behumfen zu können. Man gibt ihm nicht das, was man ihm versprochen hat, und denkt, er wird es schon nicht merken. Doch, ihr merkt es.
Mir ging es darum, euch zu zeigen, wie es Gott dabei geht. Also, ich will jetzt nicht der sein, der sagt: Gib mehr. Darum geht es mir heute gar nicht. Es geht mir darum, dass wir Malachi nehmen und merken, wie Gott über so eine Art von Leben denkt. Wie Gott traurig wird, wenn wir ihm unser Leben versprechen. Wenn wir sagen: Ja, ja, wir wollen schon ein ewiges Leben haben, wir wollen dir schon nachfolgen, aber dann im Praktischen kommt da nichts. Oder er kriegt eigentlich nur so die Reste, die Brotkrumen unseres Lebens. Das, was halt übrig bleibt, was wir dann runterschieben. Dass an der Stelle Gott sagt: Hey, ich hätte mir von euch Ehre gewünscht, ich hätte mir von euch Ehrfurcht gewünscht, aber jetzt muss ich traurig auf euch schauen. Das ist nicht das, was ich eigentlich wollte.
Und wir sind berufen zu einem heiligen Priestertum. Es ist die absolute Auszeichnung im Universum, ich hoffe, uns ist das klar. Es gibt niemanden und nichts, was über dieser Berufung steht. Entweder hast du ein Ja gefunden zu diesem Dienst und zu dieser Berufung, oder du hast wahrscheinlich den Kern deines Christseins nicht erfasst. Du brauchst keinen Mittler mehr. Im Alten Testament haben die Priester die Opfer genommen und zu Gott hingebracht. Diese Mittlerfunktion, die ist weggefallen, weil Gott gesagt hat: Ich mache gleich alle zu Priestern. Es gibt einen Mittler, der hing am Kreuz und hat uns mit Gott versöhnt. Und du darfst deine Hände falten und Gott begegnen. Du darfst Opfer bringen.
Und du darfst dir auch klar machen, dass, wenn sich in deinem Leben Desinteresse breitmacht, ein Mangel an Ehre und Ehrfurcht, wo diese praktische Verachtung geschieht, indem wir Gott Dinge versprechen, sie ihm aber gar nicht geben, wo wir vielleicht zu einem Formalismus huldigen, Hauptsache man hat irgendwas gemacht, mal in der Bibel gelesen am Tag, mal ein bisschen gebetet, mal wenigstens ab und an auch mal den Gottesdienst oder die Kleingruppe besucht oder mal irgendwo mitgemacht, so ein Formalismus, wo mein Herz eigentlich nicht mehr dran hängt; wo es nur noch darum geht, weil die anderen ja sehen, wie ich lebe, dass die anderen die Klappe halten; wenn das in unserem Leben einzieht oder wenn wir so selbstgerecht werden, wenn wir denken, wir wüssten besser, was Gott haben möchte und braucht als er selber; wenn wir unser Christsein als Mühsal empfinden und die Freude verloren gegangen ist, in solchen Momenten wird Gott traurig.
Das ist alles, was ich sagen möchte. Gott wird traurig, und unser Gottesdienst umsonst, weil Gott nicht uns zur Last fallen möchte. Gott möchte unsere grösste Freude werden. Gott möchte uns zum Jubeln bringen. Gott möchte uns in eine Gemeinschaft hineinstellen, wo wir heil werden. Er möchte uns sein Wort schenken, damit wir die Wahrheit finden. Er möchte uns in diese Welt hineinstellen, damit Menschen ewiges Leben gewinnen.
Und ich glaube, deshalb ist es so wichtig, dass, wenn wir diese Tendenz haben, die Malachi hier ankreidet, von der Nachfolge zur Religion, vom Inneren zum Äusserlichen, vom Ganzen zum Halbherzigen, dass wir uns darüber bewusst sind, dass es das gibt, und immer wieder. Und ich glaube, der Sonntag ist dazu da, und solche Lieder sind dazu da, immer wieder so ganz bewusst zu sagen: Ja, ich will wieder. Ah, ich will das wieder zurück. Ich weiss nicht, ob ihr diese alten Bilder kennt, wo man früher so bei Gleisen die Weichen mit so einem grossen Hebel ... Ich glaube, dafür ist Gottesdienst da, dass wir merken, wir müssen immer wieder dieses von der Religion, vom Halbherzigen, rüber zum Ganzen, zur Nachfolge, immer wieder schaffen. Das wünsche ich uns.
Und lasst uns jetzt dieses Lied singen als Bekenntnis, wohlwissend, dass wir es nicht schaffen. Ist das nicht schön? Wir dürfen das singen. Wir werden es nie schaffen, aber wir haben einen im Himmel, der dafür bezahlt hat, für die Momente, wo wir es nicht geschafft haben. Lasst uns dieses Lied jetzt singen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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