Die Freiheit genutzt
Zehn Jahre ist Abram unterwegs und noch kein Nachkomme ist in Sicht.
Sarai war offenbar nicht in der Lage Kinder zu empfangen. So tritt sie
mit einer Lösung an Abram heran.
»Du siehst, der HERR hat mir keine Kinder geschenkt. Aber vielleicht
kann ich durch meine Sklavin zu einem Sohn kommen. Ich überlasse sie
dir.« Abram war einverstanden, (Gen 16,2) So nahm Abram die ägyptische Sklavin Hagar zur Frau und wohnte ihr
bei. Sie wurde tatsächlich schwanger. Aber da wurde es schon
schwierig. Hagar wurde stolz und verachtete ihre Herrin. Sie benahm
sich, wie wenn sie nun die Herrin sei und Sarai die Magd.
Dieses Verhalten kränkte Sarai zutiefst und sie beklagte sich bei
Abram und forderte ihn auf dem Treiben Ihrer Magd ein Ende zu setzen.
Doch Abram wollte nicht selber aktiv werden, sondern meinte es sei ja
ihre Magd, sie soll tun, was sie für richtig fände.
So versuchte Sarai ihre Magd zu demütigen, was aber dazu führte,
dass sie die Flucht Richtung Heimat, also nach Ägypten ergriff.
Für uns eine eigentümliche Geschichte. Hagar funktioniert wie eine
Art Leihmutter für Sarai. Das war aber in jener Zeit ganz normal.
Frauen, die Sklavinnen hatten, konnten sie ihren Männer zu Frauen
geben. Die Kinder aus diesen Beziehungen galten als Kinder der Herrin.
So war es auch bei Jakob. Er hatten Kinder von seinen beiden Frauen
und Kinder von den Mägden seiner beiden Frauen.
Aber wie sollen wir diesen Lösungsversuch von Sarai und Abram
einordnen? Im Neuen Testament lesen wir:
Im Buch des Gesetzes steht: Abraham hatte zwei Söhne, einen von der
Sklavin Hagar und einen von der freien Frau Sara. (Gal 4,22) Der Sohn der Sklavin verdankte sein Leben den menschlichen Kräften, der
Sohn der Freien verdankte es der Zusage Gottes. (Gal 4,23) Ismael verdankt sein Leben den menschlichen Kräften. Hier hatte Gott
also nicht aktiv mitgewirkt, sondern diese Geburt entsprang
menschlichen Überlegungen und menschlichem Handeln.
Müssten wir dann die Schlussfolgerung ziehen, dass das, was Abram
und Sarai taten Sünde war? Es gibt Kommentare die selbstverständlich
davon ausgehen, dass dieses Vorgehen Sünde war.
Folie: In unserem Denken existieren oft zwei Kategorien: sündig und
gut. Aber das Leben, auch das Leben mit Gott ist vielschichtiger als,
dass man es einfach in zwei Kategorien einteilen kann.
Ich versuche das nun folgendermassen darzustellen.
Was Abram tat, das geschah im Bereich des Möglichen. Er hatte die
Freiheit dazu. Nie wird Abram vorgeworfen, dass er mit Hagar ein Kind
hatte. Er handelte in seiner Zeit völlig richtig und versündigte sich
nicht. Schliesslich hielt er sich an die Anweisung Gottes, die er bei
der Schöpfung gab:
Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und
vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze
euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die
auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« (Gen 1,28) Aber, nicht alles was möglich ist, ist sinnvoll und dient zur
Erbauung. Wie Paulus den Korinthern schrieb:
Alles ist erlaubt!" sagt ihr. Mag sein, aber nicht alles ist deshalb
auch hilfreich. – Alles ist erlaubt!" Aber nicht alles dient der
Gemeinde. 1.Kor.10,23
So zog das Vorgehen von Sarai und Abram viele Probleme nach sich,
die sie sonst nicht gehabt hätten. Und ihr Verhalten hat Auswirkungen
bis heute, denn
Ein Mensch wie ein Wildesel wird er sein, im Streit mit allen und von
allen bekämpft; seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht.« (Gen 16,12) Auch Paulus argumentiert so, wenn er rät nicht zu heiraten.
Ich möchte, dass ihr frei seid von falschen Sorgen. Wenn einer
unverheiratet ist, sorgt er sich, so zu leben, wie es dem Herrn
gefällt. (1.Kor 7,32) Aber wenn einer verheiratet ist, sorgt er sich um die Dinge der Welt,
nämlich wie er seiner Frau gefällt. (1.Kor 7,33) So zieht es ihn nach zwei Seiten. Ebenso ist es mit der Frau: Wenn sie
unverheiratet ist, ist sie darum besorgt, mit ihrem ganzen Tun und
Denken dem Herrn zu gehören. Wenn sie dagegen verheiratet ist, sorgt
sie sich um die Dinge der Welt, nämlich wie sie ihrem Mann gefällt.
(1.Kor 7,34) Wenn nun einer meint, er begehe ein Unrecht an seiner Verlobten, wenn
er sie nicht heiratet, und wenn sein Verlangen nach ihr zu stark ist,
dann sollen die beiden ruhig heiraten. Es ist keine Sünde. (1.Kor 7,36) So ist es auch bei uns. Wir können viel machen, das keine Sünde ist.
Es ist keine Sünde Ferien zu machen.
Ein schönes Auto zu kaufen.
Die Wohnung nett einzurichten.
Ein Segelboot zu besitzen.
usw.
Die Frage die uns beschäftigen sollte ist nicht, ob so was eine
Sünde ist, sondern wir sollen uns damit beschäftigen, ob das was wir
tun erbaut. Ob das auch dem Reich Gottes dient, ob ich noch genügend
Zeit und Kraft habe.
Im Bereich der Freiheit geschieht geistliches Wachstum oder
Heiligung. In diesem Prozess stand auch Abram.
Aus der Not befreit
Hagar wurde das zuviel. Sie wollte sich von Sarai nicht demütigen
lassen und floh. Sie hatte vermutlich vor in ihre Heimat
zurückzukehren.
Auf dieser Flucht bei einer Pause am Brunnen, begegnet Ihr der Engel
des Herrn:
»Hagar, Sklavin Sarais! Woher kommst du? Wohin gehst du?« (Gen 16,8) Sie sagte ganz offen:
»Ich bin meiner Herrin davongelaufen«
Nun fordert sie der Engel auf zu Sarai zurückzukehren und sich ihr
unterzuordnen. Gleichzeitig versprach er ihr, dass sie viele
Nachkommen haben wird und Ihr Sohn soll Ismael heissen, was soviel
heisst, wie Gott hat gehört.
denn der HERR hat deinen Hilferuf gehört. (Gen 16,11) Offensichtlich hatte Hagar zum Gott Abrams geschrien. Und Gott hatte
auf sie gehört und hatte sich Ihrer angenommen.
Das ist typisch Gott.
Bist du in Not, so rufe mich zu Hilfe! Ich werde dir helfen, und du
wirst mich preisen.« (Ps 50,15) Gott ist unsere sichere Zuflucht, ein bewährter Helfer in aller Not.
(Ps 46,2) »Wirf deine Last ab, übergib sie dem HERRN; er selber wird sich um dich
kümmern! Niemals lässt er die im Stich, die ihm die Treue halten.« (Ps
55,23)
Das macht Gott bis heute. Er hatte Hagar geholfen und richtete sie
wieder auf. Hagar liess sich aber auch etwas von Gott sagen, denn sie
kehrte zurück und ordnete sich Sarai unter. Sie tut das, was Sarai mit
ihren Massnahmen nicht fertigbrachte.
Sie war so glücklich über das, was ihr geschah, dass sie ausrief:
»Habe ich wirklich den gesehen, der mich anschaut?« Und sie gab dem
HERRN, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen »Du bist der Gott, der
mich anschaut«. (Gen 16,13) Gott wird dich auch anschauen, wenn Du in Deiner Not zu ihm kommst.
Er hört sogar auf uns, wenn wir wie Hagar im Unrecht sind.
Jeder Mensch, egal aus welcher Nation oder Familie er kommt, kann
Gott anrufen und Gott wird sich ihm offenbaren.
Jesus sagte einmal:
Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast
erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. / Nehmt mein Joch auf
euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So
werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Mt.11,28-29.
Und Paulus schrieb den Christen in Rom:
Ob jemand Jude oder Nichtjude ist, macht dabei keinen Unterschied: Alle
haben denselben Herrn, und er lässt alle an seinem Reichtum teilhaben,
die ihn im Gebet anrufen. / Denn jeder, der den Namen des Herrn
anruft, wird gerettet werden". Rö.10,12-13.
