Generierte Mitschrift
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Die eigentliche Botschaft des Täufers
Diese Schriftlesung von Johannes dem Täufer ist so wichtig, weil manche eine falsche Vorstellung davon haben, was dieser Bußruf gewesen ist. Das war der Ruf zur Freude. Wer hat denn noch so klar gesagt, wer Jesus hat, hat das Leben, wie Johannes der Täufer? Herrlich!
Am Ende des ersten Johannesbriefs, Kapitel 5, da ist heute unsere Perikope für diesen zweiten Sonntag nach dem Christfest: 1. Johannes 5,9-11. Ich möchte aber schon von Vers 4 lesen und dann auch noch einen Vers dazu über diese Perikope hinaus.
1. Johannes 5,4:
Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt. Und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist?
Das Zeugnis Gottes und die Entscheidung des Glaubens
Wenn wir das Menschenzeugnis annehmen, ist es wichtig, dass wir einander dieses Zeugnis geben, gerade in der Unklarheit der Christenheit: Wer ist eigentlich Jesus?
Unser Zeugnis ist wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass der ewige, lebendige Gott eindeutig Zeugnis gegeben hat von Jesus. So ist Gottes Zeugnis doch grösser. Denn das ist Gottes Zeugnis, dass er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohn.
Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Das ist auch schön, weil man dieses Zeugnis dann in sich spüren kann und es von Herzen bejahen kann. Aber das Erste ist, dass Gott es bezeugt und wir es anerkennen und Ja sagen.
Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner. Das ist die schlimmste Sünde: das Zeugnis Gottes abzulehnen und Gott als Lügner abzustempeln und in seinem Zeugnis von Jesus abzulehnen. Der macht ihn zum Lügner, denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von seinem Sohn.
Und das ist das Zeugnis, das uns Gott gegeben hat: das ewige Leben. Und dieses Leben ist in seinem Sohn. Und jetzt nehme ich noch den nächsten Vers mit dazu:
Wer den Sohn hat, der hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Die Macht der Welt und ihre Ohnmacht gegenüber Christus
Wenn wir schon das Wort Welt hören, sind wir fasziniert. Welt, da ist so ungeheuer viel ausgedrückt: diese schöne weite Welt, wohl dem, der eine Weltreise machen kann, Weltkulturerbe, Weltmeister ist. Es gibt all diese schönen Worte.
Wir haben im Lexikon nachgeschaut über die Globalisierung. Da heißt es, die Globalisierung ist bisher nur auf den Finanzmärkten gelungen, seit 1991. Und wir merken, wie es gewirkt hat: Wenn einer Husten kriegt, kriegen die anderen Lungenentzündungen. Alles hängt zusammen.
Die Welt macht uns eine unheimliche Angst, auch in ihrer Zusammenballung: die riesigen Weltnöte, die Weltkrisen, die Weltmächte, Armut und Bevölkerungsexplosion. Und ja, wir hatten das überhaupt noch in der Hand. Es gab immer wieder Leute, die haben sich zugetraut, diese Welt zu beherrschen.
Ein ganz kleiner Mann, ein Korse namens Napoleon, ist gescheitert. Es gab einen Gefreiten namens Hitler, der die Welt erfasste. Schuhmachersohn aus Georgien namens Stalin. Also, Sie können zu Alexander dem Großen zurückgehen und zu Kaiser Augustus, wen Sie wollen: Alle sind an dieser Welt gescheitert. Die Welt hat sie entmachtet.
Da war ein großer Größen, ein Mann mit dickem Portemonnaie, einer der reichsten Männer der Welt. Er war wahnsinnig glücklich und hat selber noch alles verspielt, was er hatte. Die Welt zieht uns über den Tisch und ist mächtig.
Der Sieg Jesu und die Frage nach unserer Haltung zur Welt
Und darum ist es interessant: Johannes war ein Jünger Jesu, und jeder der Jünger Jesu hat die Worte von Jesus anders aufgenommen. Johannes hat ganz besonders viel von dem aufgeschrieben, was Jesus zum Thema Welt sagte. Ihr habt nachgezählt: Sechzig Mal hat er im Evangelium die Worte von Jesus in Bezug auf die Welt wiedergegeben.
Und ich meine, dass es heute manchmal das strengste Thema in der Christenheit ist, dass wir uns klar werden: Wie stehen wir als Christen zur Welt? Das ist doch keine Frage. Wir stehen doch mit beiden Füßen mitten drin, gerade deshalb. Wie gehen wir mit der Welt um? Was ist unsere Aufgabe an der Welt? Bilden wir uns ein, wir könnten diese Welt verändern? Wer traut sich das zu?
Man kann sich ja von der Welt nicht zurückziehen. Geh in eine Höhle, und du nimmst alles mit: deine Ängste, deine Sorgen, deine Krankheiten, deine Leiden. Und du wirst nie fertig mit dieser Welt, die sich schon in dir auftut, mit dieser ganzen unheimlichen Welt. Wie soll ich das meistern? Meine Krisen, meine Probleme, meine Nöte, meine Schwächen, meine Sorgen sind auch jetzt am Anfang des neuen Jahres ein ganz großes Problem. Die Welt hat uns im Griff. Nur Narren können meinen, sie könnten die Welt beeinflussen, das Wesen dieser Welt verändern. Let's begin.
Wartet mal ab, in sechs Jahren reden wir anders darüber.
Mein erster Punkt: Das macht das Leben, das Jesus gibt, so einzigartig.
Der eine Punkt, an dem die Welt überwunden wird
Das macht das Leben, das Jesus so gibt, so einzigartig.
Dreihundert Jahre vor Jesus hat ein bekannter Physiker, Ingenieur und Mathematiker in Syrakus gelebt. Sie kennen alle seinen Namen: Archimedes. Er hat den schönen Satz gesagt: „Gebt mir einen Punkt im All, und dann kann ich die ganze Welt aushebeln.“ Dabei hat er natürlich nur an das physikalische Hebelgesetz gedacht.
Aber das Tolle bei Johannes ist, dass er in seinem Evangelium sagt: Es gibt einen Punkt, da kann man diese unheimliche Welt mit ihrer bedrängenden Macht, in der wir so wehrlos mittendrin sind, aushebeln. Er braucht dafür ein anderes Wort und sagt: „überwinden“. Wir können auch sagen: „siegen“. Du kannst siegen über die Welt.
Nein, Jesus hat das gekonnt. Und unter den großen Worten, die er gebraucht, von diesem Aushebeln, von diesem Überwinden, ist ja in seinem Evangelium dieses Wort, das Ihnen allen schon zum Lieblingswort gehört: „In der Welt habt ihr Angst.“ Kein Wunder, diese Welt, die uns von allen Seiten bedrängt. Aber seid getrost: Ich habe diese Welt überwunden.
Es ist der Einzige, der diese Welt aushebeln kann: Jesus Christus. Man kann es auch moderner übersetzen: Seid mutig, die Welt hat verloren, ich habe gesiegt.
Die Versuchungen des Alltags und die Neugeburt aus Gott
Jetzt hat Johannes in seinen Briefen an die Gemeinden in Kleinasien, also im heutigen Gebiet der Türkei, seine große Sorge zum Ausdruck gebracht. Er hat nicht nur von der Angst gesprochen, die diese Welt über uns alle ausübt. Wir müssen ja auch noch durch die letzte Strecke hindurch, in der uns diese Angst noch einmal bedrängt, wenn wir alles loslassen müssen, was unser Leben war.
Im Johannesbrief schreibt er von einer ganz anderen Angst: dass uns die Welt über den Tisch zieht und verführt, dass sie uns mitreißt mit ihrer Eigenmächtigkeit, mit ihren gottlosen Gesetzen und mit ihrer ganzen Wesensart. Dass das Wesen dieser Welt vergeht. Darum sagt Johannes in diesem Johannesbrief: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist.“
Also, ich lese immer Hofacker-Predigten und war versucht, Ihnen nur noch einmal die Hofacker-Predigt zu halten, übrigens auch am letzten Sonntag. Das alles bloß von Hofacker – so kann man es gar nicht mehr sagen. Hier heute über 1. Johannes 5 sagt Hofacker: Du bildest dir ein, du könntest nur an einer Stelle die Welt überwinden. Du kannst es überhaupt nie. Wie willst du denn das machen? Du musst ja in dieser Welt leben. Du gehst mit Geld um. Wie willst du das befolgen, was der Apostel Paulus sagt: haben, als hätte man nichts? Das kann man doch gar nicht. Sobald du Geld in die Hand nimmst, besitzt es dich und ergreift dich.
Und dann hat er von der Augenlust gesprochen. Wir leben ja in einem Fernsehzeitalter. Wir wissen, was die Augen sind: Wenn wir etwas gesehen haben, das fasziniert uns. Und Simson hat da gesagt, von seiner Braut: Sie gefällt meinen Augen. Das war für ihn der wesentliche Punkt. Wenn es meinen Augen gefällt, dann muss es doch von Gott sein. Wir sind doch alle solche Augenmenschen. Das spielt für uns eine ganz große Rolle. Wie machen wir das? Wie stellen wir heute auch das Evangelium dar, dass die Menschen fasziniert sind? In dieser Welt muss man doch etwas bieten, auf der Erlebnisschiene, sonst nimmt das kein junger Mensch mehr ab.
Und Johannes sagt: Die Welt vergeht. Da geht es noch um die Lust. Warum lebst du? Ich lebe für das, was mir Spaß macht, für Lust, natürlich. Sie essen kein Essen, das ihnen nicht schmeckt. Wir sind alle Lustmenschen und werden bestimmt von dem, was wir wollen und was wir mögen, weil wir Kinder dieser Welt sind und in dieser Welt leben.
Und das ist ja das Tolle bei Hofacker: Du kannst das überhaupt nicht. Wenn du nicht neugeboren bist, überwindest du die Welt nicht. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt. Da liegt der Punkt. Du brauchst diese Neugeburt. Christus muss in deinem Leben die ganze Herrschaft haben, dich bestimmen und dich erfüllen.
Das Leben in Christus als Antwort auf innere Leere
Ich habe immer den Eindruck, wir müssen heute den jungen Menschen, der jungen Generation, gar nicht mehr sagen, dass sie in der Welt keine Erfüllung finden. Denn das haben die meisten schon längst gemerkt, wenn sie ein bisschen wachsam das verfolgen.
Es ist ja kaum zu glauben, dass dieser Song der Rolling Stones, ihr erster selbstgemachter Song, immer noch aktuell ist. Überall heißt es: „I can't get no satisfaction“ – ich kriege keine Befriedigung. Und dann gucken Sie mal den Text an: Im letzten Vers heißt es noch einmal, alles, was ich als Liebe lebe, ist leer, und der ganze materielle Überfluss bringt mir nichts mehr. So sagen Sie es etwa.
Da brauchen wir gar nicht zuerst etwas auszureden und zu sagen: Die Welt gibt das nicht. Sondern sie spüren das, empfinden das und sehen das. Aber wo gibt es das Leben? Wie ist dieses einzigartige Leben?
Jesus sagt: Ich bin gekommen, damit sie das Leben und überfließende Fülle haben sollen. Als Jesus die Menschen sah, jammerte ihn. Er sah sie verschmachtet und zerstreut und hat ihnen gesagt: Ich bringe euch das Leben.
Und nun müssen wir das noch einmal klar machen. Jesus hat mit keinem Stück Beiwerk das Angebot des Lebens attraktiv gemacht. Es war in der damaligen Zeit des römischen Luxus und der Pracht genauso anstößig wie heute. Jesus hat kein Ansehen gehabt, keine Schönheit. Jesus war nicht attraktiv. Jesus hat keine Macht gehabt. Jesus hat keine berühmten Zeitgenossen gehabt.
Wie wir sagen: Da muss man bei der Evangelisation noch einen prominenten Fußballer hinstellen. Nichts. Hier ist aber alles verzichtet. Er war arm. Selbst seine besten Freunde waren nicht einmal sehr verlässlich. Aber was er gegeben hat, war sein Wort: Ich gebe, in dem, was ich bin, in seiner Kreuzesgestalt, gebe ich dir das Leben.
Da wird dann gesagt: Das kann doch gar nicht sein, der hat doch nichts. Er hat kein Geld. Da wird doch nichts. Das ist keine Ehre. Da muss ich doch alles aufgeben. Das ist doch kein Stück, den man bewundert. Der hat keine Presse hinter sich, die man irgendwo haben kann.
Aber das ist dann so schön, dass das beim Johannesbrief so schön anfängt: Wir haben es aber gesehen, wir haben es betastet mit uns, und wir haben das Leben entdeckt, und das verkünden wir euch. Und das ist das größte Zeugnis, das wir geben können. Diesen Jesus verkünden wir, der dir Leben und überfließende Fülle haben soll.
Ein Beispiel gelebter Gastfreundschaft und Zeugnisgabe
Darf ich Ihnen ein Beispiel klarmachen, das zeigt, wie eine liebe Frau vom Deutschen Frauen-Missionsgebetsbund hoch im Norden uns immer wieder, wenn wir bei Bibelwochenendiensten und Missionsdiensten unterwegs sind, kostenlos Herberge gibt? Sie ist sehr lieb. Ihr Mann ist gestorben, und sie ist jetzt eine Oma. Auch ihre Tochter ist gestorben, und zwar schon in jungen Jahren, von vier Kindern weg.
Und wie es dann so geht: Der Vater ist ungläubig, und die Oma sieht, wie der Älteste zum Neonazi wird. Er kommt überhaupt nicht mehr heim. Und wenn er heimkommt, ist er stockbesoffen, seufzt wie ein Loch. Wir haben das die ganzen Jahre mitbekommen.
Die Oma hat mit ihrem Enkelsohn nie über neue Werte gesprochen, obwohl das sicher auch interessant gewesen wäre. Aber es hätte nichts erreicht. Eines Tages kommt der junge Kerl mit seinen ganzen Gängen, und die ganzen wilden Burschen kommen mit. Und was macht die Oma? Kein Wort der Kritik, bloß wunderbar. Sie holt alles aus dem Kühlschrank heraus und bewirtet sie.
Dann sagt der Enkelsohn zur Oma: Wir wollten euch nur mal fragen, warum glaubst du an Jesus? Und dann erzählt sie von ihrem Leben, bis sie Jesus fand, und wie das alles war. Sie erzählt von der Befreiung und der Not, wie ein ungläubiger Mann wieder verheiratet wurde, und all das, wie das kam.
Das wissen Sie jetzt, wie es weitergeht. Der junge Kerl hat sich nicht plötzlich die Springerstiefel ausgezogen. Als wir jetzt wieder oben waren, an Adventstagen, kamen Affen und Kalten, wo war es denn? Wir waren in der Fußgängerzone und haben dort ein Krippenspiel gemacht. Ja, was war denn der Clou? Wir hatten eine leere Krippe und haben den Leuten gezeigt: Ohne Jesus ist alles leer.
Und jetzt brennt es ihr auf dem Herzen, den Menschen zu sagen: Du brauchst Jesus. Und da liegt alles drin, die Antwort auf das, was dir fehlt. Das ist das Einzige, das Leben. Ohne Jesus hat es keinen Sinn und keine Bedeutung.
Das war der erste Punkt: Das Leben, das Jesus gibt, ist einzigartig, ganz einzigartig. Es liegt in ihm.
Wie man dieses Leben empfängt
Jetzt das Zweite: Wie kann man denn dieses Leben bekommen? Wie kommt man an dieses Leben heran?
Manche von Ihnen erinnern sich noch an 1975, an den Gemeindetag im Neckarstadion. Damals haben Fritz Grünschweig und mein Bruder Rolf diese schöne Parole ausgegeben: Wer Jesus hat, hat das Leben. Ich weiß noch, wie Fritz Prinzweig sich freute und sagte, das muss an jede Plakatsäule unseres Landes gehen.
In unserem Bibelkreis waren ein paar junge Kerle aus einem Ort vor Ort, und die waren ganz begeistert. Sie sind dann mit dem ganzen packenden Programm zu ihrem Heimatpfarrer gegangen und haben gesagt, sie müssten auch dazu einladen. Und dann merkten sie plötzlich, wie der die Miene verzog und sagte: Das ist ja schrecklich. Das Motto „Wer Jesus hat, hat das Leben“ ist Gotteslästerung. Man kann Jesus nicht haben.
Weil die jungen Burschen hilflos waren, sind sie wieder zu mir zurückgekommen. Gut. Dann haben wir geschaut, was in der Bibel dazu steht. Und dann haben wir Psalm 73 aufgeschlagen: Wenn ich nur dich habe. Danach haben wir den Johannesbrief gelesen, Kapitel 5, oder Johannes 3, das Zeugnis von Johannes.
Was meint dieses Haben? Können Sie das im Urtext studieren? Da geht es ums Zugreifen, ums Zupacken, ums Besitzen, ums Nehmen. Ja, wie kann man denn das haben?
Ich bin froh, dass das auch für unsere jungen Leute sichtbar wurde, was heute die größte Not in der Christenheit ist. Denn das ist keine Not. Wir singen das Lob von Christus. Wir legen auch Bibeltexte von Jesus aus, Evangelientexte. Übrigens wird Jesus als Vorbild weithin von den meisten befolgt, die sich Christen nennen. Das fehlt alles nicht.
Aber entscheidend ist, ob man ihn hat. Denn wer ihn nicht hat, hat auch das Leben nicht; über dem liegt der Zorn Gottes. Ja, wie kann man denn ihn haben? Wie kann man denn ihn kriegen?
Da steht es so eindeutig: durch den Glauben an den Sohn Gottes, durch den Glauben an Jesus. An Jesus glauben, und an diesem Punkt hängt es. Wer an Jesus glaubt, der hat den Sohn Gottes, und der hat das Leben.
Das Zeugnis Gottes als Weg zur Gewissheit
Und noch einmal ist es so schön, dass das in diesen Versen von Johannes erklärt wird. Man muss den Gedanken kurz mitgehen: Er sagt, es ist schon schön, dass wir ein Zeugnis von Jesus geben. Leider bleiben unsere Zeugnisse oft nur an kleinen Randdingen stehen. Prüfen Sie sich einmal kritisch: Das ist dann zwar auch schon groß, der verlorene Schlüsselbund, die wiedererlangte Gesundheit und die Lösung mancher Krisen.
Aber das größte Zeugnis, das wir geben, ist nicht, viele Worte zu machen, sondern zu bezeugen, dass Jesus der Gottessohn ist, der jedem, der an ihn glaubt, das Leben gibt. Und da sagt Johannes: Noch viel größer als unser Zeugnis ist, dass Gott es schon im alten Bund durch seine Verheißungen klargestellt hat. Es ist wunderbar, wenn man immer wieder erlebt, wie ein gläubiger, strenggläubiger orthodoxer Jude durch das Alte Testament zum Glauben an Jesus als seinen Heiland und Retter kommt.
Das Zeugnis Gottes anzunehmen, an ihn zu glauben, das ist der Schlüssel zum Leben. Das ist der Schlüssel, ihn zu haben, ihn zu finden und bei ihm zu sein. Gib ihm doch die Ehre.
Und für uns heute spielt ja immer etwas ganz anderes eine Rolle. Da muss man einfach aufpassen, denn das ist eine Falle, eine trickreiche Falle: dass wir immer etwas fühlen wollen. Wir wollen Gott erleben, wir wollen Gott irgendwo in einem Training erleben. Das geht nicht. Zuerst ihm die Ehre geben, und dann kannst du es fühlen. Dann hast du das Zeugnis in dir.
Es war den Vätern immer wichtig, auch in der Kirchengeschichte, auch den pietistischen Vätern: Das Zeugnis folgt in dir, in deinem Herzen. Und er macht dich gewiss, er ritzt es dir ins Herz hinein, sodass du es wissen kannst: Ich gehöre ihm. Und dann kommt die Heilsgewissheit als Folge meines Glaubens an ihn, dass ich dem Zeugnis Gottes folge, weil ich Gott folge, weil er es mir sagt in seinem Wort.
Die Gewissheit des Lebens und der Blick auf das Wesentliche
Und da hat Johannes drei Punkte erwähnt. Bei der Taufe hat er gedacht: Dies ist mein lieber Sohn. Am Kreuz, dass das Blut von Jesus mich reinmacht von aller Schuld. Und dann erwähnt er den Geist Gottes, den Geist, der das Wort von Jesus in mein Herz dringen lässt, dass es durchdringt und mein Gewissen erreicht.
Da ist das Zeugnis Gottes, da gibt Gott die Ehre. Dann kannst du es glauben und wissen: Wie kann man denn dieses Leben haben? Indem man an Jesus glaubt und Jesus hat. Und dann, wenn man an ihn glaubt, dann kann man das Lied von Herzen mitsingen.
Sie suchen, was sie nicht finden, in Ehre, in Liebe und Glück, und kommen belastet und unbefriedigt zurück. In den Dingen liegt es ja nicht. Für euch jüngere Leute ist nicht entscheidend, ob er heiratet oder Single lebt, sondern ob er Jesus hat. Dann können wir die anderen Dinge mit ihm und von ihm klären. Auch nicht, wie viel und wie wenig man hat, das sind nicht die entscheidenden Lebensdinge, sondern ob man ihn hat. Wer ihn hat, ist still und satt.
Ich lese immer so gern Missionsberichte auf ihren Inhalten, nicht auf ihre Zahlkarten hin. Und dann, wenn man mal guckt, wo ist was geschehen in dem Blättchen von Nassapur, von der Indienarbeit? Wie da Tausende von Christen alles verloren haben. Die haben doch schon vorher nichts mehr, und ihr Leben gerettet haben. So viel sind ja umgebracht worden. Und dann sagt einer zu den ach so Armen: Sagen die wir Armen, strecken Sie Ihre Bibel hoch, wir haben doch noch Jesus und sein Wort.
Und so war es zu allen Zeiten in der Christenheit, bloß in unserer Wohlstandschristenheit sind plötzlich die Gesundheitsfragen zu den Kernfragen des Glaubens geworden und die Geld- und Wirtschaftsfragen. Sie können hinschauen, wo Erweckung in der Welt passiert, immer, immer, immer, wo es durch Verfolgung geht, wo es konzentriert ist auf die eine Sache, in den Muslimländern, in den buddhistischen Ländern: die eine Frage Christus. Und die Leute sagen, das ist gar nichts anderes.
Und dann sagen sie: Warum bist du Christ geworden? Als ich Jesus gefunden habe. Und dann erzählen sie: Du kannst nicht ahnen, was das für mich bedeutet hat, dass ich die Familie verloren habe. Das ist alles nebensächlich, dass ich meinen Job verloren habe, alles nebensächlich. Was ich in Jesus gefunden habe, da müssen wir westlichen reichen Leute wieder hinhören, weil das das Zeugnis von Johannes ist und das Zeugnis von Jesus.
Das Leben in der Kreuzesgestalt Jesu
Wie sieht dieses Leben mit Jesus aus? Das muss ich noch sagen: Wie sieht dieses Zeugnis mit Jesus aus?
Jetzt dürfen Sie sich einmal Ihre Träume schweifen lassen. Wenn Sie den Jahresgehalt von Wiedeking hätten, wenn Sie vier Jahre lang auf der Deutschland durch die Weltmeere reisen dürften, wenn Sie in einer Luxusvilla mit 18 Bädern wohnen würden, dann können Sie sich alles überlegen. Wenn Sie heute Mittag in den teuersten Restaurants essen könnten.
Hofack hat ja recht: Wir sind leicht verführbare Menschen. Wir meinen immer, das liegt doch wieder drin. Und wenn ich krank werde, bin ich schon in der Meinung: Ach, wenn ich gesund wäre, dann wäre alles wieder genug. Das stimmt ja gar nicht.
Nirgends ist ein geistliches Leben so schwach wie dann, wenn etwas gut geht. Da kommt man kaum mehr zum Bibellesen, wie im Urlaub, da rennt man von Abenteuer zu Abenteuer. Da stimmt ja gar nicht, dass wir das Leben entdecken, sondern ohne Jesus sind wir in einer Gefangenschaft der Welt. Das ist das Problem.
Nicht, dass wir die Welt verurteilen und meinen, wir könnten ihr entfliehen, sondern dass wir gefangen sind, gebunden sind und dann ganz primitive Dinge an unser kurzes Leben, an unseren Wohlstand, an unser Gutgehen, an unsere Lust, an unsere Augen, an unsere Erfüllung hängen. Und doch sind wir ausgeliefert an Schicksalsmächte und an Todesmächte.
Und das Wunderbarste ist, wenn Jesus dir Leben gibt. Wenn du weißt: Dieser Tag, dieses Jahr ist ein Jahr, das Jesus mir schenkt, und er trägt mich hindurch. Und ich darf seine Macht und seine Herrlichkeit überwältigend erfahren, gerade dann, wenn es durch Tiefen geht. Darf ich es überwältigend erfahren?
Wir haben vorher gesungen: Jesus kommt die Ursache zum Leben, dieser verschlingert Fluch, Jammer und Tod. So steil! Aber gehen Sie heute einmal zu den gläubigen Christen, die auf ihrem Leidenslager liegen, und lassen Sie sich noch einmal erzählen, wie sie sagen: Ach, ich bin so in Frieden und so getröstet.
Was ist das, wenn man an Sterbebetten steht und da Menschen heimgehen in Frieden? Wie wunderbar! Gibt es grösseres Leben noch?
Lassen Sie noch einmal die Traumschiffe vorbeiziehen der Welt und die Luxusvillen unserer Welt und die Geldkoffer, die doch alle vergehen, die doch zeitlich und vergänglich sind.
Ein Zeugnis aus Indien und der Auftrag der Gemeinde
Ich schließe mit einer Gestalt, die wir bei unserer Arbeit unter Brüdern kennengelernt haben, und die auch die lieben Scheller kannten. Der liebe Bruder hat auch einmal durch Württemberg geführt, wo er Vorträge gehalten hat.
Bisweilen war Joe Dery ein großer Physiker in Kalkutta, in einem Forschungslabor. Dort ist ein Unglücksfall passiert. Und bis man bemerkt hatte, dass Gas ausgetreten war, war es schon geschehen. Er lag dem Tode nahe, neun Tage ohne Bewusstsein im Koma in der Klinik, 35 Tage künstlich beatmet, weil das ganze Nervensystem lahmgelegt war.
In dem Hospital gab es ein paar Krankenschwestern, gläubige Christinnen. Das ist in Indien, in Kalkutta, eine Seltenheit. Dort gibt es kaum Christen. Und diese Schwestern haben für diesen Patienten gebetet: Herr, wenn du ihm nochmals Leben schenkst, dann gib ihm das ganze Leben!
Und er wurde Christ. Er ging nach Dhaka in die muslimische Welt und baute dort ein Seminar auf, das größte Seminar für Jüngerschaftstraining, Evangelisation und Seelsorge. Er hat Hunderte von jungen Leuten ausgebildet. Bis heute sitzt er im Rollstuhl und hat so auch die Vorträge in Württemberg gehalten.
Er bezeugt und sagt: Ein Mann, der in der Wissenschaft war, der als Professor anerkannt war und der plötzlich aus einer fremden Religion heraus entdeckt, dass alles Jesus ist und dass mein Leben heute nicht mir gehört, der muss das der ganzen Welt sagen. Das muss man verkünden. Und das ist der Auftrag dieser Evangelisten, die durch Bangladesch ziehen. Bangladesch hat ein halbes Prozent Christen in der Bevölkerung, aber die Menschen brauchen Jesus.
Er erzählt von ihm und gibt dieses Zeugnis weiter: Das Leben ist in ihm. Wir können es nicht attraktiver verkaufen. Das Attraktivste liegt in seiner Ohnmacht, in der Kreuzesgestalt Jesu, der für unsere Sünde stirbt, sich aber verbirgt, damit er uns nicht loslässt. Wir haben alles in ihm. Alles, alles in dir, Herr Jesus Christus. Bei dir ist alles drin, und bei dir haben wir es.
Und das ist so wichtig, dass wir das anderen bezeugen und weitersagen. Amen.

