Zum Inhalt

Die Gnade repräsentieren

04.10.2019
Freikirchliche Gottesdienste kippen schnell in Routine oder Beliebigkeit. Die Frage ist: Wie wird Gottes Gnade so gefeiert, dass sie nicht nur gesagt, sondern wirklich spürbar wird?

Die Gnade repräsentieren

Ein Einstieg zwischen Selbstkritik und Aufbruch

Der Titel des Seminars lautet: „Die Gnade repräsentieren. Plädoyer für einen evangeliumszentrierten Gottesdienstaufbau“. Damit ist schon gesagt, dass es hier um das spannende Thema Liturgie geht.
Ich habe zum Start ein schönes Zitat mitgebracht, von meinem Vorgänger an der FTH aus seinem Grundriss Praktische Theologie. Da schreibt er Folgendes: „Unter Evangelikalen zeigt sich in Freikirchen sowie in der Gemeinschaftsbewegung gelegentlich noch immer ein gewisser liturgischer Analphabetismus, selbst unter Pastoren.“
Ich habe schon gesagt, ich bin selbst Freikirchler. Und Paulus sagte an einer Stelle im Epheserbrief: „Wir waren von Natur aus Kinder des Zorns.“ In diesem Setting könnten wir jetzt sagen: Als Freikirchler sind wir von Natur aus liturgische Analphabeten. Und was wir heute Morgen machen, ist ein Gespräch von einem liturgischen Analphabeten zu anderen liturgischen Analphabeten, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam etwas dazulernen, zur Ehre Gottes und für unsere Gottesdienstgestaltung.
Ich habe irgendwann gemerkt, als Pastor, dass Liturgie gar kein Schimpfwort sein muss, sondern dass in liturgischen Abläufen ganz viel Reichtum, ganz viel Schönheit und sehr, sehr viel Gutes steckt.
Die Frage, die mich aus der Gemeindepraxis heraus bewegt hat, war folgende: Ich habe mir die Frage gestellt, wie wir für unsere Gottesdienste eine Form finden können, sodass nicht jeder Gottesdienst leider jeden Sonntag wieder bei null anfängt und sich überlegen muss: Wie soll denn der Gottesdienst am Sonntag ablaufen? Und die meisten, weil sie nicht viel Zeit haben, machen es dann einfach wie am Sonntag vorher und tauschen nur die Lieder aus. Das wird auf Dauer dann relativ dröge und ist auch nicht immer sinnvoll, wenn man gar nicht weiß, welches Lied man denn wo platziert.
Die anderen, das sind dann eher so die kreativen, innovativen Typen, machen es einfach ganz anders. Das ist manchmal schön und gelingt auch, führt aber in der Regel zu sehr viel Konfusion, weil es zwar total kreativ, innovativ und neu ist, mit fancy Elementen und allem Möglichen, aber nicht wirklich durchdacht und nicht wirklich stimmig.
Und so war ich in der Praxis auf der Suche nach einem Modell: Wie könnte für eine Freikirche ein Gottesdienst aussehen, der stimmig aufgebaut ist, der sinnvoll ist und der eine gewisse Struktur hat, die gut ist?
Was ich heute mit euch machen will, ist in vier Schritten. Und ich hoffe, dass wir durchkommen. Wir wollen uns gemeinsam kurz überlegen, was eigentlich das Problem ist, also wo der Mangel an reflektierter Gottesdienstgestaltung in Freikirchen liegt. Dann würde ich gern kurz definieren, was ich unter einem evangeliumszentrierten Gottesdienstaufbau verstehe. Anschließend möchte ich euch in neun Thesen entfalten, warum ich so stark für einen solchen Gottesdienstaufbau in Freikirchen plädieren würde. Und diesen Aufbau dann am Ende, in Punkt vier, auch kurz skizzieren: Wie könnte das in der Praxis aussehen, welche Elemente könnten da passen, wie ordnet man sie an und so weiter?
Das ist der Plan für die nächste gute Stunde. Und ich würde gern zumindest kurz ein bisschen Interaktion mit euch machen und über die Frage nachdenken: Worin liegen denn eurer Wahrnehmung nach die Stärken beziehungsweise Schwächen freier beziehungsweise freikirchlicher Gottesdienste? Meldet euch einmal kurz und sagt, was ihr wahrnehmt, so selbstkritisch wie möglich. Wo sind Stärken, wo sind Schwächen freikirchlicher Gottesdienste? Was fällt euch ein? Denkt ruhig an eure Gottesdienste: Was ist gut daran, was ist stark?

Zwischen Freiheit, Routine und theologischer Reflexion

Gott ist zentriert, zentriert. Okay, nicht in allen Freikirchen, aber schön, wenn es so ist.
Genau, jetzt kann man sagen: Wenn ein Gottesdienst so durchdacht ist, dass er sich um ein Thema dreht und es stimmig ist, würde ich sagen, das ist schon mal großartig. So könnte man es auch sehen. Aber ja, vielleicht fehlt dann auch das eine oder andere, was man brauchen könnte.
Ja, das ist dieses Spannungsfeld. Wir haben einen engen Gottesdienstbegriff, den gibt es auch im Neuen Testament, aber auch den breiten: Römer 12, unser ganzes Leben als Gottesdienst. Wie kann man das besser verzahnen? Das ist tatsächlich ein Punkt, auf den wir auch eingehen müssen.
Andere Schwächen oder Stärken, bitte?
Das kann passieren. Das hat gar nicht so viel mit dem Ablauf zu tun, sondern vielleicht auch mit mancher theologischer Überzeugung. Aber da muss man auf jeden Fall drüber nachdenken.
Andere?
Ja, das ist eine Aussage ganz in meinem Sinne, darum wird es gleich gehen. Was ist die Makrostruktur im Gegensatz zu einer Aneinanderreihung von Einzelelementen? Eine gewisse Einseitigkeit. Auch im Liedgut, und manche Dinge fehlen. Ich greife das nachher auf. Das Thema Bekenntnis zum Beispiel fehlt in vielen Freikirchen.
Nur um das vorwegzuschicken: Man kann auch bei diesem Aufbau, für den ich plädiere, schlechte Lieder einbauen oder einseitige Lieder. Also, das ist nicht das Allheilmittel.
Und vielleicht, um jetzt die Kurve zu kriegen, schicke ich das noch voraus, damit mich niemand falsch versteht: Ich sage nicht, das ist die einzige biblische Art, wie wir in Freikirchen Gottesdienst feiern sollten, sondern es ist mal ein Modell, das sich in meiner Gemeindepraxis bewährt hat, das ich für stimmig halte. Und ihr könnt dann sehen, was er damit macht, wie man das auch noch weiter ausbauen kann, verbessern kann, adaptieren kann an euren Kontext. Nur dass ihr jetzt nicht denkt: Hier, ich präsentiere das eine Ding und bin da so überzeugt davon, dass es nichts anderes geben kann.
Eilen wir weiter und sind noch mal kurz bei dem Thema Problemanzeige, relativ knapp: Was ist der Mangel in Freikirchen, der sich hier feststellen lässt?
Es gibt einen schönen Artikel meines Basler Kollegen Stefan Schweyer zu dieser Thematik. Und er schreibt unter anderem Folgendes: Es ist in der Tat eine einfache Suppe, der typisch freikirchliche Gottesdienst, und das meint er positiv. Es ist nicht so mega kompliziert wie mancher hochliturgische Gottesdienst, den auch dort in den Gemeinden kaum jemand versteht, warum man da macht, was man macht. Ja, das wäre der Mangel dort vielleicht.
Es ist eine einfache Suppe, aber diese Suppe hat ihre Würze, auch das ist positiv, darin, dass sie sich das Elementare vom Neuen Testament erschließen lässt und darüber hinaus auf eine liturgische Agenda verzichtet. Allerdings, und das ist jetzt das Problem, ist mancherorts diese Würze kaum mehr erkennbar. Aus der würzigen Suppe ist eine fade Brühe entstanden.
So konstatiert Donald Gee selbstkritisch: Trotz der gepriesenen Freiheit werden diese unvorbereiteten Gottesdienste langweiliger und trockener als eine geschriebene Liturgie, nur schlechter formuliert.
Also will sagen: Die hochkirchliche Liturgie ist wenigstens noch durchdacht und schön formuliert. Ja, aber durch die ständige Repetition und so weiter auch nicht wirklich frisch. Und das Problem jetzt bei Freikirchen ist: Wir haben eigentlich große Freiheit und Möglichkeiten für kreatives Gottesdienstgestalten, aber weil wir uns keine Mühe machen, darüber nachzudenken, wird es am Ende genauso fade und dröge. Und vielleicht macht ihr die Erfahrung auch in den Kirchengemeinden, wo ihr seid: Am Ende weiß man doch Sonntag für Sonntag, was passiert.
Wir haben in der Theorie große Freiheit, weil wir ja Freikirchen sind. Aber am Ende läuft es doch immer gleich ab.
Ein Problem ist sicher eine häufig fehlende Theologie des Gottesdienstes. Was ist Gottesdienst, was sollte Gottesdienst sein und was muss deshalb im Gottesdienst wie vorkommen? Die Folge dieser mangelnden Gottesdienstreflexion ist dann entweder, das haben wir gesagt, Verkrustung oder Beliebigkeit.
Verkrustung heißt, es läuft dann trotzdem immer gleich ab. Freikirchen haben eben auch ihre Gottesdiensttradition, die manchmal so identitätsstiftend wird, dass man denkt: So muss es sein, nur das ist biblisch, das gibt uns Identität. Und wenn dann einer kommt und sagt, wir könnten mal irgendwas anderes machen, dann hat man einen Riesen-Eklat.
Und das andere ist die Beliebigkeit, wo man dann einfach irgendwelchen aktuellen Trends hinterherläuft oder mal im Urlaub in irgendeiner anderen Gemeinde war und dann: Hey, jetzt müssen wir es so machen. Und jeder bringt dann irgendwas rein, und es wird völlig beliebig, und man weiß gar nicht mehr, wie man es eigentlich wirklich machen sollte.

Von der Sonntagsform zum Alltag des Glaubens

Und was dann in der Praxis meistens passiert, ist: Diejenigen, die den größten Einfluss in der Gemeinde haben, setzen ihre Gottesdienstpräferenz durch. Und diese Gottesdienstpräferenz hat meistens weniger mit Theologie und Bibel und so zu tun, sondern mit dem Persönlichkeitstyp. Bin ich eher innovativ, bin ich eher traditionsgebunden, mag ich die alten Lieder lieber als die neuen?
Also auch das wird nicht durchdacht, sondern der Stärkere setzt sich auch in unseren Gemeinden dann eben durch. Und auch das ist ein Problem. Wir haben eine antiliturgische Haltung in vielen Freikirchen, die kommt letztlich einfach nur daher, dass wir als Freikirchen als Antityp zur Volkskirche entstanden sind. Das ist unser Erbe.
Und vielleicht kennt ihr die Argumente. Ich hatte die Diskussion in meiner Gemeinde, als wir angefangen haben, ab und zu nicht jeden Sonntag das Vaterunser zu beten. Und da haben Leute gesagt: Das geht nicht. Und ich habe gesagt: Warum geht es nicht? Und die Antwort war, und das ist jetzt kein Scherz, weil das die Landeskirche macht.
Das hat mich jetzt argumentativ nicht völlig überzeugt. Ich bin mit Ron Kupsch einig, dass man an der Landeskirche manches kritisieren kann und kritisieren sollte, aber sicher nicht, dass sie das Vaterunser beten. Ich glaube nicht, dass das das größte Problem der Landeskirche ist. Das ist so ein Abgrenzungsmechanismus: Dinge, die die Landeskirche macht, sollten wir nicht machen.
Die Stärke freier Gottesdienste ist ihre Alltagsnähe. Ja, das ist jetzt kein theologisches Argument, aber eines, das wir wahrnehmen sollten. Dass Leute sagen: Hey, das hat etwas mit meinem Leben zu tun, deshalb komme ich gern. Nicht nur die Predigt, sondern das ist modern, das ist nicht so ein völlig von meinem Alltag abgehobener Raum, da gibt es eine Verbindung.
Und Stefan Schreyer sagte zum Beispiel, dass der Gottesdienst die verdichtete Form der alltäglichen christlichen Praxis ist. Ich komme da nachher nochmal darauf zurück, das ist der Punkt, den du eben angesprochen hast. Gottesdienst ist mehr als nur der Sonntag, aber der Sonntag ist eine verdichtete Form dessen, was als Gottesdienst im Alltag stattfinden sollte und somit auch Ausgangspunkt für unsere christliche Praxis im Alltag.
Also der Alltag führt hinein in den Gottesdienst am Sonntag. Und der Sonntagsgottesdienst führt wieder als Ausgangspunkt hinein in den christlichen Alltag. Und deshalb, und das ist Teil der Problemanzeige hier, sollten Gottesdienste dann eben auch die Elemente enthalten, die im christlichen Alltag wichtig sind, die wir dort praktizieren sollten. Das ist der Gedanke hier, wir vertiefen das gleich.
Also wenn Gottesdienst, das ist der Punkt, hineinführen soll in die christliche Alltagspraxis, dann müssen Dinge, die in der christlichen Alltagspraxis wichtig sind, auch am Sonntag im Gottesdienst vorkommen.
Damit sind wir zweitens bei der Definition. Was ist unter einem evangeliumszentrierten Gottesdienst zu verstehen? Ich versuche, das in aller Kürze zu entfalten, dann konkreter dafür zu plädieren, unter Punkt drei, und am Ende euch zu zeigen, wie man das dann in der Praxis umsetzen könnte.
Ein Gottesdienst, ein christlicher Gottesdienst, sollte in ganz grundsätzlicher Weise evangeliumsgemäß sein. Da sind sich viele Kirchen und Gelehrten einig, das steht im evangelischen Gottesdienstbuch. Das Problem ist nur, dass es selten konkret gefüllt wird, was das eigentlich heißt. Wir können viel vom Evangelium reden und von evangeliumsgemäßen Gottesdiensten, aber was heißt das eigentlich?
Wir könnten uns dem annähern und könnten sagen: Ein substanzielles Kriterium für einen Gottesdienst ist: Wird das Evangelium laut? Das ist die Formulierung von Johannes Zimmermann. Wird das Evangelium laut, ist es hörbar? Und sofort stellen wir die Frage: Muss es und soll es nur in der Predigt laut werden oder in dem einen oder anderen Lied? Oder geht da noch mehr? Aber das ist ein Grundkriterium: Wird das Evangelium laut?

Das Evangelium als liturgische Grundbewegung

Und jetzt kennt ihr vielleicht diese Form der Darstellung des Evangeliums anhand von vier Kapiteln, den zentralen Kapiteln des Erlösungshandelns Gottes in Christus.
Erstes Kapitel: Wir nehmen wahr, wer Gott ist. Gott ist der Schöpfer, er hat uns gemacht. In den Psalmen lesen wir das ganz häufig, dass er sagt: Betet mich an, kommt zu mir, feiert Gottesdienst! Warum? Weil ich euch gemacht habe. Das ist gar nicht so das fancy Argument, aber die Begründung ist: Ich habe euch gemacht, und ich möchte Beziehung mit euch, und ihr seid mir Rechenschaft schuldig. Das ist das erste Kapitel.
Das zweite Kapitel ist dann nicht so schön, das ist der Sündenfall, die menschliche Sünde und ihre Folgen. Durch den Sündenfall ist die Beziehung Gott-Mensch zerbrochen, der Mensch ist schuldig vor Gott. Er befindet sich, das lernen wir im Neuen Testament, gerade bei Paulus ganz grundsätzlich im Machtbereich der Sünde. Und leidet dann eben auch unter allen möglichen psychologischen, sozialen und physischen Folgen dieses Sündenfalls. Kapitel zwei.
Kapitel drei ist: Gott antwortet auf dieses Problem, indem er seinen Sohn Jesus Christus sendet als Retter und Erlöser. Er wird durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung zu unserem Stellvertreter und schafft die Voraussetzung für eine erneuerte Beziehung zu Gott.
Kapitel vier ist dann unsere Antwort, die Antwort des Glaubens auf dieses Erlösungshandeln, dass wir unser Leben unserem Retter zur Verfügung stellen und in Hingabe und Leidenschaft mit ihm und für ihn leben, ihm nachfolgen, uns von ihm reformieren und transformieren lassen.
Das sind die zentralen Kapitel des Erlösungshandelns Gottes, des Evangeliums. Und kurz gesagt ist mein Punkt jetzt einfach der, dass ich vorschlage, diese vier Kapitel als zentrale Strukturelemente eines Gottesdienstes zu benutzen. Ich komme gleich noch mal zurück.
Also Gottesdienstaufbau ist für mich jetzt die, sorry, theologischer Fachbegriff, okay, lässt sich manchmal nicht vermeiden, die liturgische Konkretion des Evangeliums. Also das Evangelium konkret umgesetzt und eingebaut in die Struktur des Gottesdienstes, diese vier Kapitel. Das ist jetzt nicht irgendwie totale Raketenwissenschaft und total abgehoben und hoffentlich auch nicht wahnsinnig schwer zu verstehen, sondern letztlich nur das Evangelium anhand dieser vier Kapitel darstellen. Und diese vier Kapitel nehmen wir jetzt als Strukturmerkmale des Gottesdienstes.
Warum? Weil ich überzeugt bin, dass das Evangelium nur dann wirklich laut wird im Gottesdienst, wenn wir es nicht nur auf inhaltlicher Ebene transportieren und kommunizieren, weil die Predigt evangeliumsgemäss ist, weil wir gute Lieder ausgesucht haben, wo das Evangelium laut wird, weil wir Schriftlesungen haben usw. Das ist alles sehr stark kognitiv. Und es ist wichtig und unersetzbar, aber es ist nicht alles. Sondern ich glaube, das Evangelium wird erst dann wirklich laut im Gottesdienst, wenn wir diese zentralen Eckpunkte in die Architektur des Gottesdienstes einbauen.
Darin liegt die Chance und die Möglichkeit eines evangeliumsgemässen Gottesdienstes, dass er das Evangelium laut werden lässt, nicht nur inhaltlich, sondern in dem, was wir gemeinsam feiern, gemeinsam tun, uns gemeinsam hineinnehmen lassen im Gottesdienst. Ich rede hier von einer liturgischen Makrostruktur, und ihr werdet nachher sehen, ich möchte nicht den Gottesdienst jetzt komplett reliturgisieren und sagen, wir müssen es jetzt so machen wie eine hochkirchliche anglikanische Gemeinde oder reformierte Gemeinde oder lutherische Gemeinde.
Aber ich möchte die Makrostruktur durch diese zentralen Kapitel des Evangeliums formen und dadurch folgende Bewegung könnten wir sagen in den Gottesdienst hineinbringen, vierteilig: Indem wir am Beginn den Fokus auf die Grösse und Heiligkeit des Schöpfergottes legen, in allen unterschiedlichen Facetten, wie das geschehen kann, uns dann der Wirkung dessen bewusst machen, nämlich dass wir merken, wir stehen im Licht der Heiligkeit Gottes, in dieser Gottesbegegnung, und uns wird deutlich, dass er Gott ist und wir es nicht sind, und dass er heilig ist und wir es nicht sind, und dass er völlig rein ist und wir komplett sündenbeladen und sündenbehaftet bis in die tiefsten Schichten unseres Seins und eben nicht nur an der Oberfläche. Und das lassen wir auf uns wirken.

Vom Bekenntnis zur Erneuerung

Unsere Sündhaftigkeit – und das werde ich gleich noch sagen – und eben nicht nur das, sondern auch unsere Begrenztheit: Nicht alles, worunter wir in dieser Welt leiden, hat etwas mit meiner oder deiner Sünde zu tun, sondern allgemeiner mit einer gefallenen Schöpfung. Und deswegen gehört Klage für mich hier hinein.
Ich glaube, es würde zu sehr großem Schweigen führen, wenn ich die Frage stellen würde, wie oft wird denn tatsächlich biblisch geklagt in unserem freikirchlichen Gottesdienst? Wir haben überhaupt keine Formen dafür. Und ich habe auch nicht die Antwort, aber das würde hier hineinpassen, in diesen Teil der Wirkung.
Und dann die Folge von Gott her: Wir brauchen eine geistliche Erneuerung. Die ist notwendig. Gott schenkt sie uns, Gott bietet sie uns an, durch sein Wort. Und durch verschiedene Elemente, wie wir diese Erneuerung praktizieren können, werden wir gleich noch sehen. Zum Abschluss könnte dann eine Reaktion folgen auf das, was wir an Erneuerung von Gott sozusagen Sonntag für Sonntag neu empfangen haben. Und dann gehen wir mit dem Zuspruch der Gegenwart Gottes in diesen alltäglichen Gottesdienst, von dem wir gesprochen haben.
Das ist die Bewegung, die hier dazugehört. Und das Ziel der ganzen Sache ist eben, dass wir den Gottesdienstteilnehmern helfen, das Evangelium in dieser vierteiligen Form liturgisch nachzuvollziehen. Ganzheitlich steht er nicht nur mit dem Kopf, sondern wir nehmen sie mit auf einen Weg von der Heiligkeit Gottes zur eigenen Sündhaftigkeit, zur Erneuerung in Christus und zu einem aufs Neue hingegebenen Leben. Dieses Movement Sonntag für Sonntag für Sonntag macht einen Unterschied. Es ist auch nicht das Zaubermittel, dass wir sagen, wenn wir das machen, dann verstehen wir auf einmal alle das Evangelium viel, viel tiefer usw. Aber es ist eine zusätzliche Chance, würde ich sagen, um das Evangelium fassbarer zu machen, nachvollziehbarer zu machen.
Brian Chappell, einer der großen reformierten Prediger, falls ihr den kennt, sagt das auf Englisch: we are moving worshippers down a path structured to parallel the progress of grace in the life of the believer. Was er sagen will, ist: Wir nehmen den Anbeter, den Gottesdienstteilnehmer, und führen ihn einen Weg entlang, der parallel ist zu dem, was in seinem Leben immer wieder vor sich gehen soll: Heiligkeit Gottes wahrnehmen im Alltag, dann Buße tun und bekennen, die eigene Sündhaftigkeit vor Gott ausbreiten und sich dann aufs Neue erneuern lassen durch die Gnade Gottes in Jesus Christus und dann das Leben neu in Freude diesem lebendigen, guten Herrn weihen. Das soll passieren.
Dieser Titel, die Gnade repräsentieren wir: Im Kern des Evangeliums steht die Gnade Gottes, und die bilden wir ab, wir repräsentieren sie im Gottesdienst. Mike Hosper spricht von Rhythmen der Gnade, in die wir uns hineinnehmen lassen, Sonntag für Sonntag oder wann immer wir Gottesdienst feiern.
Wichtig ist hier wahrzunehmen, damit keiner denkt, das hätte ich jetzt in irgendeiner Form vor ein paar Jahren erfunden oder so: Das Evangelium als strukturgebendes Element ist in fast allen traditionellen Liturgien da, nur wir Freikirchler haben es noch nicht gemerkt, und weil wir ja antiliturgisch sind, hat uns das auch nicht interessiert. Und ich habe einfach irgendwann durch Lektüre festgestellt: Hey, da ist sehr, sehr viel zu entdecken. Und alles, was wir jetzt machen müssen, wenn man so will, ist, das Beste aus diesem Schatz zu nehmen und es zu adaptieren für unsere Tradition, für unser Setting und für unseren Kontext.

Warum diese Struktur trägt

Kurzes Break, Fragen bis hierher: Ist halbwegs klar, in welche Richtung der Zug gerade fährt? Ich hoffe, dass wir ganz am Ende noch ein paar Minuten haben, um uns auszutauschen, Feedback zu geben usw. Aber das ist im Wesentlichen das, was ich mir unter einem evangeliumsgemäßen Gottesdienst vorstelle.
Wie gesagt, es ist nichts total Neues unter der Sonne. Und ich glaube tatsächlich, im Gegensatz zu manchen Seminaren, in denen ich schon war, dass man dieses Material nehmen und in ganz praktischen Schritten umsetzen kann. Das wäre zumindest meine Hoffnung, dass es am Ende so griffig für euch wird.
Okay, wir eilen weiter zu meinen neun Thesen, mit denen ich gerne für diesen evangeliumszentrierten Gottesdienstaufbau plädieren würde. Einige dieser Thesen argumentieren stärker liturgisch, andere stärker theologisch, und manche sind auch eine Mischung aus beidem. Ich hoffe, dass die meisten davon für euch Sinn machen.
Erste These: Ein evangeliumszentrierter Aufbau behebt den oft festgestellten Mangel an Liturgik oder an reflektierter Gottesdienstgestaltung in freien Gottesdiensten.
Warum? Weil wir, wenn wir sagen, wir wollen diesen Gottesdienst entsprechend strukturieren, eine theologische Reflexion voraussetzen. Zumindest von denen, die in unseren Gemeinden an der Gottesdienstgestaltung beteiligt sind. Und wir fördern das Nachdenken darüber, was Gottesdienst denn eigentlich sein sollte und wie man ihn stimmig und sinnvoll gestalten kann.
Wir haben dadurch, wenn wir diesem Aufbau folgen, ein durchdachtes Fundament für unsere Gottesdienststruktur. Vielleicht gibt es andere Strukturen, aber wir haben dann wenigstens eine, die hoffentlich im Wesentlichen durchdacht ist.
Wir haben die Möglichkeit, einzelne Elemente, die uns wichtig sind, für unseren Gottesdienst sinnvoll im Gottesdienst zu platzieren. Wenn wir jetzt zusammentragen würden, welche Elemente es in unseren Gottesdiensten in der Summe gibt, hätten wir eine sehr lange Liste. Manche Gemeinden machen Dinge im Gottesdienst, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Aber ich denke mir: Ja, kann man machen, passt zu der Größe.
Manche Elemente kann man in einer Gemeinde mit 50 Leuten super machen, aber nicht bei 500. Mein Punkt hier ist: Wenn wir eine Grundstruktur im Gottesdienst haben, dann habe ich die Möglichkeit, all diese Elemente, und hoffentlich sind sie sinnvoll und angemessen für den Gottesdienst, an den richtigen Stellen zu platzieren. So entsteht ein stimmiger Bogen, eine gesunde Bewegung und ein sinnvoller Ablauf.

Gegen Beliebigkeit und Erstarrung

Also, erste These: Wir sorgen dafür, dass dieser Mangel behoben wird, von dem wir vorhin in der Problemanzeige gesprochen haben.
These zwei geht in dieselbe Richtung. Ich habe das eine schon angedeutet: Eine am Evangelium orientierte, strukturfreie Gottesdienstgestaltung ist nicht mit deren Reliturgisierung gleichzusetzen, sondern zielt zunächst einfach nur auf eine reflektierte Gestaltung ab.
Also, es geht mir nicht darum zu sagen: Jetzt machen wir es so wie andere Großkirchen mit einer ganz ausgefeilten, detaillierten Liturgie. Ich glaube nämlich, dass der freikirchliche Gottesdienst etwas für sich hat. Da könnten wir jetzt lange darüber diskutieren. Gerade wenn wir jetzt noch ein paar hochliturgische Brüder und Schwestern hier hätten, dann könnten wir uns richtig zoffen, was die bessere Liturgie ist. Wir sind jetzt halbwegs unter uns und halten einfach fest: Der freikirchliche Gottesdienst hat seine Würze und hat seinen Wert. Und vielleicht lebt auch der Leib Christi durch diese Vielfalt. Es geht jetzt nicht darum, einen Einheitsbrei zu schaffen und nicht das, was eigentlich bewahrenswert ist, zu konterkarieren, aber eben eine reflektierte Gestaltung hineinzubringen in die Art, wie wir Gottesdienst feiern.
So, jetzt habe ich oben die Nummerierung nicht mehr geändert. Ihr denkt euch jetzt einfach These drei. Ich wollte die ersten zwei zwischendurch weglassen, dann habe ich sie wieder eingefügt und so weiter. Alles ganz kompliziert.
These drei: Das Potenzial freier Gottesdienste liegt darin, das befreiende Evangelium erfahrbar zu machen. Dieses Potenzial wird durch einen am Evangelium orientierten Ansatz liturgisch ausgeschöpft, das ist meine These.
Stephan Schwäger hat in seinem Gottesdienst formuliert, dass freie Gottesdienste Erfahrungsräume des befreienden Evangeliums sein sollen. Und ich gebe ihm Recht. Aber wenn das so ist, dann müssen wir wahrnehmen, dass Erfahrung mehr ist, als wenn wir uns das Evangelium kognitiv in unsere Birne pumpen und dann hoffen, dass Gott es auf geheimnisvolle Weise schenkt, dass es auch unsere Herzen transformiert.
Wenn man liturgiegeschichtlich studiert, dann merkt man: Es gibt gerade unter den reformatorischen Theologen so zwei Schienen. Zwingli hat in seiner Liturgie gesagt, es geht tatsächlich mehr darum, dass wir uns erbauen, indem wir einfach nur die Predigt hören und vielleicht noch kurz etwas singen und Schriftlesung haben. Aber das war es dann schon. Calvin hat darauf reagiert und gesagt: Nein, Gottesdienst muss ganzheitlicher sein. Er muss viel, viel mehr an Erfahrung bieten. Und wenn man das jetzt geschichtlich nachvollzieht, dann merkt man: Die Freikirchen sind dann über die Zwischenstufe der Puritaner stärker in dieser zwinglianischen Schiene gelandet. Daher kommt dann der Punkt: Wir machen es mehr über hier und weniger ganzheitlich. Und Erfahrungsraum ist mehr.
Der Punkt hier ist: Erst wenn das Evangelium nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell nachvollziehbar im Gottesdienst repräsentiert wird, erst dann entsteht meiner Meinung nach im Vollsinn ein Erfahrungsraum. Nur dass ich etwas höre, durch die Predigt oder durch die Schriftlesung, das ist noch nicht Erfahrung. Wirklich eine Erfahrung, die mich ergreift, braucht mehr. Sie braucht Lieder, die mir zu Herzen gehen, melodisch und inhaltlich im besten Fall. Sie braucht sonstige Elemente. Wir werden nachher sehen, was da alles denkbar ist. Aber hier zunächst einmal: Es braucht mehr.
Und wenn wir das Evangelium auch strukturell hineinbringen, dann schöpfen wir dieses Potenzial des Erfahrungsraums im Gottesdienst stärker aus, sodass auch unsere Affekte – das war Calvin übrigens sehr, sehr wichtig – unsere Emotionen, unser Herz und unsere Seele gepackt werden im Gottesdienst, dass wir in diesem Sinne erfüllt aus dem Gottesdienst in den Alltag gehen und nicht nur im Sinne von: Was haben wir denn wieder gelernt?

Musik, Maßstab und Gemeindeform

Nur, dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin sehr für gute Inhalte, für tiefe Theologie und für all das. Ich glaube nur, dass, wenn wir über Lebensveränderung sprechen, noch etwas dazukommen muss. Und auch da bin ich der Erste, der sagt: Calvin war es sehr, sehr wichtig, Transzendenz im Gottesdienst zu transportieren. Würden die Amerikaner sagen: Ehrfurcht, gepaart mit Jubel und Freude und all dem Erfahrungsraum des Evangeliums.
Und deswegen stelle ich mir vor, dass der Gesamtgottesdienst als wöchentliche Erfahrung der Gnade Gottes dient, als wirkliche Erfahrung. Indem wir wiederholt liturgisch das Evangelium durchleben, durch diesen Weg, den wir Woche für Woche für Woche gehen, schöpfen wir dieses Erfahrungsraumpotenzial eines Gottesdienstes aus.
These vier muss es sein: Ein im Sinne des Evangeliums strukturierter freier Gottesdienst vermeidet die vielfach zu beobachtenden Extreme eines ruhelosen Veränderungsdrangs beziehungsweise einer traditionalistischen Erstarrung.
Also erinnert euch an unsere Problemanzeige. Ich habe ein paar zustimmende Kopfnicken gehört. Ja, das sind die Gefahren: Verkrustung, Beliebigkeit, Veränderungsdrang, Erstarrung. Zwischen diesen Extremen bewegen wir uns. Und mein Punkt hier ist einfach der, dass ich sage: Wenn wir eine Struktur vorgeben, die nicht zu kompliziert ist, aber doch vorhanden, dann wirken wir diesen Extremen entgegen.
Extrem eins ist diese pragmatische Kreativität: Hey, ich war auf irgendeiner Konferenz, und die machen das so, und jetzt müssen wir das auch machen. Und nächste Woche kommt der Nächste, und dann weiß keiner mehr, wer entscheidet dann am Ende, und wie und was. Und das andere Extrem ist, dass man theologisch diese traditionellen Muster überhöht. Und ihr kennt die Argumente sicher, dass einer sagt: Nee, aber das ist doch jetzt biblisch.
Ich bin sehr für Schriftorientierung, aber ich bin auch sehr überzeugt davon, dass die Bibel uns kein Muster für unsere Gottesdienste vorgibt. Sie gibt uns ein paar Anhaltspunkte, aber das Modell, wo klar ist, was genau vorkommen muss und was nicht und wie es aufgebaut sein muss, finde ich in der Schrift nicht. Aber in der Praxis kommt es oft dazu, wenn man etwas nur lange genug gemacht hat, dann ist es so in Stein gemeißelt, dass man es zurückliest in die Schrift und sagt: Das ist das biblische Modell.
Und ich würde einfach sagen: Wir vermeiden diese Extreme, wenn wir sagen, wir orientieren uns am Evangelium als einem guten Weg, eine Struktur in den Gottesdienst zu bringen.
Und ein weiterer Punkt zu der Thematik ist: Wir vermeiden manche Auseinandersetzung in der Gemeinde. Gerade nicht nur, aber gerade auch beim Thema Musik, wo man dann sagt: Hey, lasst uns einigen, 50 alte Lieder, 50 neue Lieder, einfach so fifty-fifty, dann haben wir es safe. Halte ich für nicht so schlau, wobei Musik noch mal ein ganz neues Fass wäre.
Der Punkt ist hier: Worüber definieren wir denn unsere Gottesdienste? Und viele Freikirchen tendieren langsam dazu, sich über die Art der Musik zu definieren, selbst die theologisch Konservativen. Und ich würde sagen: Lasst uns den Gottesdienst über einen evangeliumzentrierten Aufbau definieren. Dann ist die Spannung ein bisschen draußen bei der Musik, weil dann ist die Frage nicht zuerst alt oder neu, sondern: Passt das alte oder neue Lied in diese Struktur, und passt es an den richtigen Ort?
Dann haben wir immer noch nicht die Frage gelöst, wie viel alt und wie viel neu. Diese Kämpfchen müssen wir immer noch ausfechten. Aber zumindest haben wir dann theologisch eine Basis, dass wir sagen: Nicht mehr die Musik definiert unseren Gottesdienst.
Ich zucke immer zusammen. Ich bin mal vor kurzem einem Pastor begegnet, der hat sich unsere Gemeinde in Landau angeschaut, und ich war ein bisschen irritiert, auch ein bisschen erschrocken, dass seine erste Frage war: Wie ist euer Worship? Ich vermute, dass er die Musik gemeint hat. Ich habe dann gedacht: Warum fragst du nicht, wie ist eure Predigt? Ohne jetzt wieder auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen und zu sagen, die Predigt ist alles.
Aber ich verstehe, was das Zentralkriterium ist: nicht die Musik, sondern vielleicht, dass das Evangelium laut wird, auch strukturell in unserem Gottesdienst.
Hier habe ich es noch einmal so formuliert: Wir haben dann einen sinnvollen Maßstab, um zu entscheiden, was in einem Gottesdienst wann und in gewissem Sinne auch wie, vor allem aber wozu getan wird.

Gemeinschaft, Dialog und pädagogische Prägung

Also, wozu steht Lied XY jetzt hier am Anfang des Gottesdienstes? Was soll es bewirken? Und wenn man diese Frage mal in die Musikteams gibt, wenn es so etwas bei euch gibt, oder an diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dann stellt sich vielleicht heraus: Eigentlich würde das besser ans Ende passen. Ich weiß gar nicht, warum ich das am Anfang gestellt habe. Das ist nicht so stimmig, das macht eigentlich keinen Sinn.
Die Struktur hilft also, einen Maßstab zu haben: Was machen wir denn wann, wie und wozu im Gottesdienst? Wir haben ein theologisches Strukturkriterium, könnte man sagen, das uns hilft, integrative Gottesdienste zu gestalten. Wir an der FTH in Gießen in Praktischer Theologie plädieren sehr für integrative Gottesdienste, die möglichst viele Generationen und Milieus irgendwie vereinen, weil wir glauben, dass das der Leib Christi ist.
Man kann Zielgruppen-Evangelisation machen, aber wir sind nicht so große Fans von Zielgruppen-Gottesdiensten, wo am Ende nur noch irgendwie Menschen zwischen 25 und 35 mit Hipster-Bärtchen und was weiß ich dabei sind. Sorry für alle, die einen Bart haben. Mein Problem ist: Ich hätte gern einen. Und deswegen spricht auch immer ein bisschen Neid daraus, wenn ich auf irgendwelche Bärte Bezug nehme. Aber versteht ihr, was ich meine?
Integrativ heißt: Wenn wir eine gesunde Struktur haben, dann haben wir zumindest in der Theorie die Möglichkeit zu sagen: Hey, können wir uns unter diesem Mantel des Evangeliums sammeln und möglichst viele Elemente integrieren, mit denen verschiedene Generationen etwas anfangen können? Vom Lied gut angefangen und über die ganze Art, wie wir Gottesdienst feiern.
Damit ist nicht jede Frage beantwortet, aber zumindest ist eine Grundlage geschaffen, um wirklich zu integrieren, anstatt zu sagen: Na ja, unser Kriterium ist, was passt zu der Zielgruppe. Das ist auch ein Kriterium, aber ich halte es für kein besonders theologisch durchdachtes und weises Kriterium.
Johannes Zimmermann sagt so: Wo die Mitte, das heißt jetzt in unserem Fall die am Evangelium orientierte Struktur, klar ist, da kann eine große Vielfalt und Verschiedenheit ihren legitimen Platz haben. Also wir sind dadurch nicht eingeschränkt, sondern es gibt gerade gesunden Raum für Vielfalt. Die Struktur, die Regel von außen, schafft uns Raum. Genauso wie ein gutes Fußballspiel nur stattfinden kann, wenn die Regeln klar sind und auch eingehalten werden. Sonst entsteht relativ wenig Spielfluss, und keiner hat Freude daran. So in diesem Sinne würde ich mir das vorstellen.
These fünf: Ein evangeliumsgemäßer Aufbau bietet Raum für die notwendigen vertikalen und horizontalen Elemente sowie die dialogische Struktur eines freien Gottesdienstes.
Das klingt komplizierter, als es ist. Wenn ihr mal so kurz euer Neues Testament durchscannt, dann fällt euch sicher auf, dass ein Gottesdienst vertikale Elemente haben sollte, also Elemente von Gott zu uns Menschen und von uns Menschen hin zu Gott, vertikal, aber auch horizontale Elemente, also zwischenmenschliche Dinge. Und beides ist ja auch Ausdruck des Evangeliums.
Beispielhaft war Philipper 2 heute Morgen: Das Evangelium in seiner vertikalen Kraft, das, was Christus für uns ist als Vorbild, aber auch als Erlöser, als Retter, das, was er für uns getan hat, hat Auswirkungen auf unser vertikales Miteinander, auf die Art, wie wir Gemeinschaft leben in Philippi. Und wenn wir jetzt dieses Evangelium in unseren Gottesdiensten abbilden, dann haben wir automatisch beides abgedeckt. Dann wird das Vertikale laut: Gott-Mensch, Mensch-Gott. Aber gleichzeitig eben auch das Gemeinschaftliche.
Gottesdienst ist auch in ganz mysteriöser Weise, dass der völlig bunte, verschiedenartige Leib Jesu gemeinsam vor dem Thron Gottes auftaucht, sozusagen. Das ist doch das Faszinierende am Gottesdienst, und auch das ist Teil des Evangeliums.
Und hier ist wichtig: Das Handeln Gottes geht dem Handeln des Menschen stets voran. Da würde ich mal sagen, ist die Chronologie des Evangeliums klar: Erst handelt Gott. Er hat uns zuerst geliebt, 1. Johannesbrief. Und wir reagieren. Er hat uns geliebt und gerettet und erlöst aus Feindschaft, als wir noch Feinde waren, Römerbrief. Und all das lässt sich dann auch im Gottesdienst abbilden: Gott redet, wir antworten. Vertikal, horizontal, und das geht in beide Richtungen.
Das Dialogische, was ich meine in dieser These, gründet sich auf folgende berühmte Aussage von Martin Luther, der, ich muss mal gerade gucken, wo ich das habe, in seiner berühmten Einweihungspredigt der Schlosskirche in Torgau am 5. Oktober 1544, das jährt sich also morgen, gesagt hat, dass dieses neue Haus dahingerichtet werde, dass nichts anderes darin geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir umgekehrt mit ihm reden durch unser Gebet und Lobgesang.
Also für Luther kurz gesagt: Gottesdienst ist, Gott redet und wir antworten. Das ist Gottesdienst. Und wenn wir uns jetzt kurz klar machen, dass wir das Evangelium als Strukturmerkmal nehmen, dann haben wir diesen Dialog sozusagen mit eingebaut.

Von der Lehre zur gelebten Gewohnheit

Gott offenbart sich und redet als Schöpfer, der von uns Rechenschaft fordert. Und wie antworten wir? Indem wir Sünde bekennen. Gott erneuert uns, redet sozusagen durch das lebendige Wort in Christus, und wie antworten wir? Indem wir unser Leben neu hingeben und uns in den Alltag senden lassen.
Also diese Dialogstruktur, die Luther fordert, wäre sofort da, wenn das Evangelium das strukturgebende Element unseres Gottesdienstes werden würde. Hier wäre noch manches mehr zu sagen. Wir eilen weiter, damit wir gleich noch ein bisschen Zeit haben, auch zu reden.
Sechste These
Da Glaubensüberzeugungen nicht nur explizit gelehrt, sondern auch unbewusst übernommen werden, erfüllt eine evangeliumsgemäße Gottesdienststruktur eine pädagogische Funktion und dient langfristig der gesunden theologischen Prägung einer Gemeinde?
Ihr kennt vielleicht diesen englischen Ausdruck, dass manche Dinge nicht nur taught, sondern auch caught werden, also sozusagen wie ein Virus eingefangen werden. Und nicht nur durch Lehre so kognitiv aufgenommen.
Wenn ihr Kinder habt, wisst ihr das. Ich wäre manchmal froh, wenn meine Kinder überhaupt das aufnehmen würden, was ich ihnen sage, beziehungsweise nur das aufnehmen würden, was ich ihnen bewusst beibringe. Das Problem ist, dass sie unbewusst Dinge von mir übernehmen. Meine Frau würde sagen, auch manche Dinge, die sie besser nicht übernehmen sollten. Unbewusst, unreflektiert.
An Kindern sehen wir das. Und wenn wir das jetzt auf den Gottesdienst übertragen, dann könnten wir fragen: Hey, können wir strukturell etwas im Gottesdienst machen, so dass Leute nicht nur darauf angewiesen sind, dass sie das Evangelium kognitiv in der Predigt ergreifen, sondern es ein Stück unbewusster aufnehmen durch die Art, wie Gottesdienst gestaltet wird, wie Gottesdienst abläuft?
Also sozusagen, dass wir ihre theologischen Überzeugungen formen durch die Art, wie wir Gottesdienst feiern, nicht nur durch das, was wir explizit verbal kommunizieren, sondern durch die ganze Art, wie Gottesdienst gefeiert wird. Dass die liturgische Struktur, so habe ich das hier formuliert, das ganzheitliche Erlernen von evangeliumsgemäßen Denkgewohnheiten unterstützt.
Also dass klar ist: Okay, Gott ist heilig, ja, das feiern wir, das bekennen wir Sonntag für Sonntag, und es führt uns hinein in die Buße. Und wenn ich das Sonntag für Sonntag nachvollziehe, dann glaube ich, dass es dann auch im Alltag leichter fällt, diesen Zyklus zu durchlaufen, und dass evangeliumsgemäße Buße im Alltag zu etwas Normalerem wird.
Vielleicht bin ich der Einzige im Raum, aber Buße im Alltag zu tun ist nicht das Allernatürlichste für mich in meinen Zeiten mit Gott. Aber wenn der Gottesdienst es mir vorlebt am Sonntag, ist die Wahrscheinlichkeit zumindest höher, dass es mehr und mehr dazu kommt, dass es zu etwas Normalem, etwas ganz Natürlichem wird.
Wir prägen Gewohnheiten, Denkgewohnheiten, Lebensgewohnheiten durch das Evangelium und nutzen dadurch die Liturgik, die Gottesdienstgestaltung, als ein didaktisches, als ein lehrmäßiges pädagogisches Mittel, um, ich weiß nicht, ob euch der Begriff gefällt, die Grammatik des Evangeliums im Alltag zu erlernen.
Siebte These
Wir biegen langsam auf die Zielgerade ein. Die ist relativ lang, aber gar nicht so kompliziert, wenn auch für den freien Gottesdienst gilt: The medium is the message, also die Art, wie wir etwas transportieren, macht etwas mit der Botschaft an sich. Dann spricht vieles dafür, sich auch liturgisch an der Grundbotschaft des Evangeliums zu orientieren.
Ein am Evangelium orientierter Ablauf des Gottesdienstes dient folglich unter anderem dazu, die Kommunikation der christlichen Message langfristig nicht dadurch zu verfälschen, dass das liturgische Medium gewisse Inhalte nicht transportiert, die wesentlich zum Evangelium gehören.
Vorhin wurde dies hier angesprochen: Manches fehlt in den Liedern, aber auch in der Art, wie wir Gottesdienst feiern, und das ist genau mein Punkt hier. Wenn es eine Verknüpfung gibt – man kann über diesen Satz trefflich streiten, da sind ganze Bibliotheken darüber geschrieben worden, ob der jetzt wirklich stimmt oder nur zum Teil stimmt oder so ist, alles viel zu kompliziert –, er hat einen wahren Kern, da bin ich mir sehr, sehr sicher: Medium, also wie transportiert wird, macht etwas mit dem, was transportiert wird.
Und wenn dieser Zusammenhang existiert, dann müssen wir uns fragen: Kann es sein, dass wir zwar von unserer Message her Dinge transportieren wollen, aber dadurch, dass unser Gottesdienstmedium sie nicht integriert, manches unter den Tisch fällt?
Das steckt hinter dieser These. Und weil ich glaube, dass das so ist, wäre mir wichtig, dass alles, was zur Evangeliumskommunikation gehört, sich auch liturgisch im Gottesdienst abbildet, dass das miteinander korrespondiert. Denn es ist unmöglich, das Evangelium in seiner Gesamtheit hochzuhalten und gleichzeitig dauerhaft in einer Art und Weise Gottesdienst zu feiern, die wesentliche Elemente des Evangeliums unter den Tisch fallen lässt oder manchmal auch durch übertriebene oder mangelnde Betonung verzerrt.

Mission, Gastfreundschaft und die vierfache Ordnung

Ich habe hier ein Zitat von Thomas Schirmacher aus seinem Liturgiebuch. Das ist schon ein paar Jährchen alt. Er plädiert für eine stärkere Liturgie, auch in Freikirchen, als ich das machen würde. Aber er trifft hier den Punkt, wie ich finde, indem er sagt: Liturgie ist immer im Gottesdienst ausgedrückte Lehre. Liturgie zeigt, was aus der jeweiligen Lehre so wichtig ist, dass es Woche für Woche wiederholt wird.
Dabei kann das Fehlen bestimmter Elemente in der sonntäglichen Liturgie darauf hinweisen, dass bestimmte Teile der Lehre, allen schönen Worten zum Trotz, dennoch keine maßgebliche Rolle spielen. Und ich glaube, dass das unter anderem sichtbar wird beim Thema Bekenntnis und Buße. Es spielt in den meisten Freikirchen, und ich will das ganz selbstkritisch sagen, auch bei den sehr evangeliumszentrierten, theologisch Konservativen mit einem hohen Schriftverständnis, auch dort keine Rolle.
Als wir diese Struktur bei uns im Gottesdienst eingeführt haben, und ich muss bekennen, dass der Bekenntnisteil immer der schwierigste ist in der Umsetzung, gerade wenn man auch den Anspruch hat, Nichtchristen mit hineinzunehmen ins Gottesdienstgeschehen. Das ist nicht mega einfach, aber wir haben es versucht. Und dann hatten wir eines Tages einen Gastprediger, Winrich Schäffbuch, einer der Elder Statesmen des württembergischen Pietismus und so weiter, landeskirchlicher Background. Ich habe einen Gottesdienst geleitet, und wir hatten einen Bekenntnisteil. Hinterher kam er zu mir, total begeistert und völlig blatt, und hat gesagt, er sei noch nie in einer Freikirche gewesen, wo Buße im Gottesdienst eine Rolle gespielt hat. Er hat das von seinem liturgischen Hintergrund total abgefeiert.
Und irgendwie war ich natürlich dankbar, aber es hat mir auch aufgezeigt, wo die Problematik liegt. Und das hat etwas damit zu tun: Wenn wir sagen, Buße gehört notwendigerweise zum Evangelium, dann müssen wir uns die Frage stellen, dann muss es doch rein in den Gottesdienst. Sonst fehlt in unserem Medium etwas, was uns von unserer Message her absolut unabdingbar notwendig erscheint. Das ist hier die Korrespondenz.
Und damit sind wir bei der vorletzten These der achten: Eigentlich ein evangeliumszentrierter Gottesdienstaufbau trägt. Vielleicht noch mal kurz zurückgerudert, damit wir nicht nur auf Bekenntnis und Buße herumreiten: Auch der Punkt der Kollekte. Ja, ich vermute, ihr habt Kollekte, weil von irgendwas muss man auch leben als Gemeinde. Was machen wir damit, wie konnotieren wir sie?
Es passiert so schnell, dass unbewusst entweder sie wird schlecht angekündigt, aber irgendwie hat man so das Gefühl: Okay, das ist jetzt die Leistung, die wir halt bringen müssen, finanziell. Aber das ist nicht das Evangelium. Da fällt man dann leicht vom Pferd in Richtung Werkgerechtigkeit bei der Kollekte. Das ist zumindest meine Erfahrung, wenn wir nicht bewusst haben, wo steckt die Kollekte im Evangeliumsablauf drin und wie können wir sie immer wieder so mit hineinbringen auf gute Weise in den Gottesdienst, dass deutlich wird: Das ist unsere dankbare Antwort auf das Gnadenhandeln Gottes in unserem Leben. Wir geben, weil er sich zuerst gegeben hat.
Also bei der Kollekte ist nicht der Punkt, dass sie wegfällt, aber dass wir sie oft falsch transportieren, weil sie einfach irgendwo hingepappt wird, wo sie am wenigsten stört, meistens beim letzten Lied. Aber keiner weiß eigentlich: Gut, sie gehört da halt hin, wissen wir aus der alten Kirche, da haben sie schon Sammlungen gemacht, und ja, wir müssen halt das Gehalt des Pastors bezahlen, und dann machen wir es halt. Aber wozu und warum und wie?

Heiligung, Sendung und der Platz der Gemeinde im Alltag

Vorletzte These: Ein evangeliumzentrierter Gottesdienstaufbau trägt der Tatsache Rechnung, dass das jetzt ein tief theologisches Argument ist, dass angestrebte Veränderungsprozesse im Leben eines Christen nach neutestamentlicher Überzeugung im Wesentlichen durch einen konsequenten Rückbezug auf die Grundwahrheiten des Evangeliums angestoßen und gefördert werden.
Ein Gottesdienst, dessen Gestaltung sich am Evangelium orientiert, bildet damit einen Vorgang ab, der im alltäglichen Leben eines Christen ständig rekapituliert werden muss. Das ist christliche Heiligungslehre. Wodurch wird unsere Heiligung gefördert? Im Wesentlichen dadurch, zumindest ist es das, was ich im Neuen Testament lese, dass wir immer wieder neu die Gnade Gottes aufsaugen und uns dadurch transformieren lassen zu einem heiligeren Leben.
Wir könnten hier alle möglichen Bibelstellen anschauen. Für mich ist die eindrücklichste Titus 2, wo Paulus sagt, wodurch wir uns von der Gottlosigkeit und den Begierden dieser Welt abwenden: indem wir uns neu erfassen lassen durch die Gnade. Also diese furchtbaren Leute da auf Kreta, wir würden denken, die brauchen ein bisschen mehr Gesetz, denen muss Paulus mal sagen, wo der Hammer hängt. Und er sagt Titus: Nein, nein, nein, predige ihnen die Gnade, und das wird ihr Herz verändern.
Das ist diese große Heiligungsdynamik im Neuen Testament, die ich wahrnehme. Und jetzt wäre es mir wichtig, dass diese Dynamik sich im Gottesdienst abbilden kann. Hier wäre mein argumentativer Dreischritt in der Hoffnung, dass der halbwegs klar ist.
Erstens: Ein freier Gottesdienst sollte den Anspruch haben, verdichtete Form alltäglicher christlicher Praxis zu sein. Alltägliche christliche Praxis ist immer wieder: Ich lasse mich voll pumpen, ergreifen, erneuern durch das Evangelium, damit ich verändert in der Nachfolge Jesu leben kann. Und wenn Gottesdienst verdichtete Form dieser Praxis ist, dann ist die Frage: Wie bilden wir diese Dynamik ab?
Zweiter Punkt des Dreischritts: Im alltäglichen Heiligungsprozess eines Christen stellt das Eintauchen in die Grundwahrheiten des Evangeliums die oder eine zentrale geistliche Übung dar, habe ich gesagt.
Und jetzt aus diesen beiden Prämissen die Schlussfolgerung: Ein freier Gottesdienst, der ein Konzentrat alltäglichen Christenlebens sein will, drückt dies am konsequentesten dadurch aus, dass er die Dreh- und Angelpunkte des Evangeliums abbildet und in seinen Ablauf integriert. Wie das praktisch aussieht, erkläre ich euch gleich, und dann setzen sich hoffentlich die Puzzleteile in eurem Kopf zusammen.
Letzte These hat einen missionarischen Touch, der mir persönlich sehr, sehr wichtig ist. Bei der Gottesdienstplanung sollte man im Sinne neutestamentlicher Gastfreundschaft von der Anwesenheit von Christen und Nichtchristen ausgehen. Ein evangeliumsgemäßer Gottesdienstaufbau vermittelt gerade noch Nichtglaubenden die Essenz der christlichen Botschaft in anschaulicher Form und bietet Gästen darüber hinaus die Sicherheit einer nachvollziehbaren Struktur.
Der Punkt ist: 1. Korinther 14, auch Apostelgeschichte 2. Im urchristlichen Gottesdienst, wie man es dreht und wendet, ging man naturgemäß davon aus, dass da auch noch Nichtglaubende anwesend sind. Wir sind uns einig: Der Gottesdienst ist nicht nur missionarischer Anlass, sondern ist zentral die Versammlung der Glaubenden, daran halte ich fest. Aber ich glaube, ein Gottesdienst sollte sensibel sein für noch nicht glaubende Gäste, nicht komplett an ihnen orientiert. Seeker oriented ist nicht mein Modell, aber seeker sensitive wäre mein Modell: Gottesdienst für Christen und Nichtchristen.
Und wenn das unsere Überzeugung ist, was können wir Besseres tun, als auch noch nicht Glaubenden nicht nur verbal das Evangelium zu predigen, sondern ihnen das auch strukturell vorzuleben? Ich glaube, dass es bei aller Vorsicht, die man da walten lassen muss, wenn ein Nichtchrist sieht, wie eine ganze Gemeinde Sünde vor Gott bekennt, einen Effekt hat. Denn ihm wird deutlich: Glaube ist nicht deshalb plausibel, weil das alles hier so tolle Typen sind.
Viele Nichtchristen sind sich ihrer Gebrochenheit und ihrer Grenzen sehr wohl bewusst. Sie schieben das als schlechte negative Schuldgefühle ab und haben nicht die tiefe Sündenerkenntnis, ja, aber sie sind sich ihrer Gebrochenheit sehr bewusst. Und wenn sie jetzt den Eindruck haben, in der christlichen Gemeinde da hocken all die Leute herum, die ihr Leben beisammen haben, weiß ich nicht, was das mit ihnen macht. Aber wenn sie in einer guten Art und Weise merken, der Kern dessen, was die hier tun, ist ihre Annahme in Christus trotz ihrer Sünde und Gebrochenheit und gerade im Angesicht ihrer Klage und der Tatsache, dass ihr Leben mal mehr, mal weniger gravierende Risse hat, dann könnte das ein evangelistisches Moment haben.
Und so vermitteln wir ihnen das Evangelium ganzheitlich. Wir nehmen auf sie Rücksicht, indem wir bis hinein in die Gestaltung des Gottesdienstes ihnen das Evangelium predigen, weil christliche Gottesdienste aus meiner Sicht nicht reine Insiderveranstaltungen sein sollten. Brian Chappel sagt: We tell the Gospel by the way we worship. Hier steht nicht: We tell the Gospel by the way we preach. Obwohl er eines der maßgeblichen evangeliumszentrierten Predigtbücher geschrieben hat. Aber er sagt: By the way we worship. Durch die Art, wie wir Gottesdienst feiern, erzählen wir, repräsentieren wir das Evangelium.
Und ein weiterer Punkt, nicht der alles Entscheidende, aber ich glaube: Wenn ein Gottesdienst nicht jeden Sonntag völlig crazy anders abläuft, dann ist es eine Hilfe für nichtchristliche Gäste. Wenn sie sich nicht jeden Sonntag auch auf etwas völlig Neues einstellen müssen, was sie überhaupt nicht einsortieren können. Das ist mit ein Grund, warum wir uns als Gemeinde entschieden haben, ein kleines Programmheft Sonntag für Sonntag zu machen, damit sie diese Punkte auch abgebildet sehen und verstehen: Wo sind wir, was machen wir und vor allem auch, wann ist das Ding wieder vorbei? Das ist ein Faktor für Nichtchristen, der ihnen ein bisschen Sicherheit gibt.

Eine praktische Skizze für den Gottesdienst

Okay, ich würde jetzt einfach noch ganz schnell weiterreden, damit wir dann noch ein paar Minuten haben, um das Ganze irgendwie halbwegs zu reflektieren. Dann kommt er auch gerne noch einmal zu Wort.
Das ist die Skizze, die ich euch vorlegen würde: eine vierteilige liturgische Makrostruktur, die jetzt geschärft wird im Sinne eines Nachvollzugs des Evangeliums. Also, wir haben ja gesagt: evangeliumsgemäß. Wie kann man es knackiger schärfen durch diese vier Teile? Das sind auch die Überschriften in unserem Programmheft, so sind die vier Teile benannt. Man kann sie vielleicht anders nennen, aber ihr versteht hoffentlich den Punkt anhand von Beto.
Bekenntnis, Erneuerung, Hingabe und Sendung: Das ist der Evangeliumsweg, liturgisch in vier Kapiteln umgesetzt.
Und jetzt gehen wir diese vier Teile ganz schnell durch, indem ich euch jeweils sage: Was ist der inhaltliche Fokus, den wir als Gottesdienstverantwortliche in dem jeweiligen Teil transportieren wollen? Was sind die evangeliumszentrierten Aspekte, die vorkommen sollten? Und welche möglichen Gottesdienstkomponenten oder Elemente könnte man damit hineinnehmen?
Ihr werdet dann sehen: In jedem dieser Bereiche sind ganz unterschiedliche Elemente denkbar, die gar nicht alle in einem Gottesdienst praktizierbar sind, die man aber kreativ anordnen kann. Ihr könnt eure eigenen hinzufügen, ihr könnt welche unter den Tisch fallen lassen. Mir geht es gar nicht darum, da jetzt über einzelne Punkte zu diskutieren.
Natürlich wird es Dinge geben, wie in den meisten Gottesdiensten werden Lieder enthalten sein und hoffentlich eine Predigt usw. Aber manche Dinge sind auch mal austauschbar. Man kann das Vaterunser beten, aber ich sehe jetzt auch keine absolute normative Vorgabe, das jeden Sonntag machen zu müssen. Da ist Weisheit gefragt, und nicht das ist die absolute biblische Vorgabe.

Der erste Abschnitt des Weges: Anbetung

Anbetung: Was ist der inhaltliche Fokus?
Wir versammeln uns als Gläubige vor Gott beziehungsweise zu Gott hin. Das heißt, wir holen die Leute relativ knapp in ihrem Alltag ab, bleiben dann aber nicht beim Alltag stehen. Wir betreiben nicht erst einmal irgendwie eine Viertelstunde Nabelschau, nach dem Motto: Wie geht es uns denn, und was ist denn alles so schwierig und so weiter. Stattdessen führen wir sie relativ schnell hin zu Gott.
Diese Begegnung mit Gott führt hinein in eine erste Antwort der Anbetung. Anbetung ist also der Ruf Gottes und eigentlich dann direkt schon unsere Antwort. In diesem ersten Teil stellen wir den perfekten Charakter und die Anbetungswürdigkeit Gottes heraus. Evangeliumszentrierte Aspekte, die Heiligkeit und Transzendenz des Schöpfergottes, sollen betont werden.
Deswegen sage ich: Unser Musikteam sucht in diesem Teil Lieder heraus, die genau diese Betonung haben. Manchmal mischt sich das, aber ich möchte nicht im Eingangsteil schon eine ganz tiefe Reflexion über das Kreuzgeschehen. Das kommt im Erneuerungsteil. Ich möchte Gott in seiner Schönheit sehen, im ersten Teil, und in seiner Heiligkeit und in seiner Transzendenz und in all dem, was damit dazugehört: ein Gott, der an Beziehung interessiert ist zu uns Menschen, der uns aber auch zur Rechenschaft ruft, der eben nicht nur Erlöser, sondern auch unser Richter ist.
Mögliche Gottesdienstkomponenten: Okay, und jetzt bitte nicht bei irgendetwas einhaken, was er sagt, wie kann man sowas im Gottesdienst machen. Ich hoffe, das meiste ist nachvollziehbar. Es geht eher um das große Prinzip.
Man könnte ein musikalisches Vorspiel einnehmen, um Leute auch ein Stück gedanklich abzuholen, damit sie zur Ruhe kommen und so weiter. Ein Eröffnungslied könnte hier stehen, das bewusst hineinführt in die Begegnung mit Gott. Entsprechend die Begrüßung, indem man Leute willkommen heißt, auch Gäste, und dann relativ schnell diese theozentrische Ausrichtung fördert.
Ein Ruf zur Anbetung: Da gibt es großartige Psalmen. Psalm 117 haben wir heute Morgen schön gehört. Wir werden gerufen hinein. Also viele Psalmen eignen sich, aber nicht nur. Leute, kommt vor Gottes Thron. Und dann ist das inzwischen Usus in vielen Gemeinden. Man kann das gut finden oder nicht. Hier könnte ein Block von Anbetungsliedern stehen, je nach freikirchlicher Tradition, aber eben mit diesem Fokus auf Wesen Gottes, Heiligkeit, Souveränität usw.
Schriftlesungen: Man kann auch die Lieder unterbrechen durch Schriftlesungen usw. Viel Freiheit und Kreativität. Gebete frei oder vorformuliert. Gebetsgemeinschaft kann man in kleineren Gemeinden machen, in größeren wird es schwierig. Weisheit anwenden und gucken. Aber all das ist hier möglich.
Man könnte hier schon das Glaubensbekenntnis einbauen, wobei das so allgemein ist, dass es eigentlich in fast jeden dieser Teile passt. Und andere kreative Elemente, die Gottes Charakter hervorheben und die Anbetung fördern.
Ich glaube nicht, dass uns da so ganz enge Grenzen gesetzt sind. Und da könnt ihr in eurer Tradition mal nachdenken, was hier passt.

Der zweite Abschnitt des Weges: Bekenntnis

Zweiter Teil: Bekenntnis. Buße und Bekenntnis
Inhaltlicher Fokus
Wir erkennen uns als Sünder im Angesicht Gottes. Ich nenne das die Jesaja-6-Dynamik: Oh Mann, was für unreine Lippen, und ich bin Teil eines Volks mit unreinen Lippen. Und jetzt stehe ich vor Gott, falle um und weiß gar nicht mehr, was ich tun soll.
Wir nehmen wahr, dass wir oft nicht den einzig wahren, lebendigen Gott anbeten, sondern ganz viele funktionale Götzen in unserem Leben. Das könnte ein Thema sein. Oder, das habe ich angedeutet: nicht nur Sündenbekenntnis, sondern Klage angesichts einer zerbrochenen Welt und vielfacher persönlicher Einschränkungen.
Wir alle sind begrenzt. Und manchmal muss ich es Gott klagen, dass ich bei aller evangeliumsgespeisten Hingabe nicht der Vater sein kann, der ich gerne wäre, und nicht der Ehemann, der ich gerne wäre, und nicht der Pastor, der ich gerne wäre. Ich bin es nicht. Ich bin so begrenzt und gebrochen, und mein Herz ist ein trotzig und verzagt Ding. Und Krankheit durchzieht unsere Familien, und psychische Dinge legen sich auf uns, und Depression und alles Mögliche.
Und haben wir ein Outlet in unseren Gottesdiensten, um das auch mal irgendwie vor Gott zu bringen? Ich glaube, die Form fehlt uns. Ich habe auch noch nicht das Perfekte, wie man das machen kann, ohne dass es irgendwie ausartet. Aber ich glaube, dass es es wert wäre, um eines ganzheitlicheren Gottesdienstes willen. Wenn ihr euch die Psalmen anschaut, wie viele Klagepsalmen prozentual vorkommen, dann ist das eine richtige Latte.
Evangeliumszentrierte Aspekte, Sündhaftigkeit, Verlorenheit, Begrenztheit der Menschen, Notwendigkeit der Umkehr: Das sind die Dinge, die hier deutlich werden sollen.
Was kann in den Gottesdienst hinein? Lesung von Texten, die Gottes Gesetz beinhalten und von Sünde überführen, aus dem Alten Testament, aus der Bergpredigt, Matthäus 22: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, kurz gesagt mit allem, was du hast. Und wer das hört, der muss merken: That’s not me, das bin ich nicht. Bußpsalmen, Hiob 31, eine ganz schöne Stelle, und andere mehr.
Man kann in der Stille ein Sündenbekenntnis in einen Gottesdienst einbauen. Man kann es stellvertretend sozusagen als Liturg, als Pastor, als Gottesdienstleiter von vorne machen oder ein gemeinsames Bekenntnisgebet sprechen. In unseren Freikirchen ist die Hürde, das zu machen, relativ groß. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Ein gut formuliertes Sündenbekenntnis vorne am Screen und dann reden ist wirklich, im Englischen würde ich sagen, powerful.
Das macht Elemente der Klage. Wie gesagt, müssen wir nachdenken. Fürbitte ja, dass man die Dinge, die man klagt, gleich aufgreift. Warum nicht auch konkrete Nöte in der Gemeinde benennen? In Familie so und so ist gerade das Kind schwer krank geworden, oder der Vater ist gestorben, oder was auch immer. Und das nicht totzuschweigen. Man muss es weise und gesund machen und vorsichtig und alles, aber hier könnte es seinen Platz haben.
Und dann hier Lieder einbauen, die diese Themenfelder umfassen. Die sind leider gar nicht so leicht zu finden: Sünde, Umkehr, Bekenntnis, Klage. Da muss man in der neueren Literatur vor allem ein bisschen länger suchen. Das könnte aber der Ort sein, wo wir sagen: Hier ein paar alte Lieder rein. Und wenn dann einer sagt: Warum immer diese alten Schinken?, sagen wir: Weil es keine neuen gescheiten gibt. Ein bisschen überzeichnet, okay. Ich liebe da die Vielfalt, da kann man sich Gedanken machen.

Der dritte Abschnitt des Weges: Erneuerung

Erneuerung, inhaltlicher Fokus: Wir versichern uns der befreienden und vergebenen Gnade Gottes. Gott gibt die Antwort auf die menschliche Buße. Er vergibt uns, wenn wir bekennen; dann ist er treu und gerecht, 1. Johannesbrief.
Und wir hören im Wissen um die Annahme bei Gott auf sein Wort. Dann sind verschiedene Reaktionen auf dieses Wort denkbar. Also: Das gnädige Rettungshandeln Gottes in Christus wäre hier der evangeliumszentrierte Fokus, und all das wäre denkbar ein Zuspruch der Vergebung. Wir haben Schuld bekannt, und dann liest man einen Text: Herr, bei dir ist Vergebung, Psalm 130, 1. Johannes 1 haben wir gesagt. Oder Trost, Lieder, die das zum Inhalt haben, Dankgebete.
Und wenn eure theologische Überzeugung das erlaubt: ein Anspiel, Videoclip, irgendetwas, was anschaulich zur Predigt hinführt und das den kommunikativen Inhalt untermauert. Lesung des Predigttextes, Gebet vor der Predigt. Wir sind abhängig von Gottes Reden. Predigt. Vielleicht Fragen nach der Predigt, in der kleineren Gemeinde durchaus ein gutes Tool. Stilles Gebet als Antwort. Ein Vortragslied oder ein Gemeindelied als Antwort auf die Predigt.
Hinführung zum Abendmahl, Zeugnisse, wo jemand sagt: Gott hat mich erneuert, das möchte ich euch sagen. Gut vorbereitet ist das ein ganz, ganz starkes Element nach einer Predigt. Und dann das Abendmahl, das auch ein Erneuerungssakrament ist, wenn ihr so wollt. Da müssten wir jetzt noch länger drauf eingehen. Aber wir bringen es jetzt hier zu Ende.

Der vierte Abschnitt des Weges: Hingabe und Sendung

Vierter Teil: Hingabe und Sendung.
Der Fokus liegt auf der Auswirkung oder den Auswirkungen der Erlösung. Es geht um die Herausforderung, dass wir nun unserer Berufung würdig leben: als erneuerte Menschen, als gerettete, begnadigte Menschen, als Teil der Gemeinde Jesu, auch im Alltag gehorsam. Darum geht es: um Hingabe und dann um die Sendung hinein in den Alltag.
Evangeliumszentrierte Aspekte sind ein hingegebenes, nach Heiligung strebendes, opferbereites, zeugnishaftes Leben. Und zwar nicht aus eigener Anstrengung, sondern als natürliche Folge dessen, was wir von Gott empfangen haben. Das muss deutlich werden, sonst wird es Werkgerechtigkeit und Moralismus. Und das will bei Evangelium 21 sicher keiner. Amen!
Auf dem Fundament des Evangeliums und in Erwartung der dauerhaften Präsenz des gnädigen Gottes werden wir sozusagen gestärkt in den Alltag gesandt. Und mir ist dieses Scharnier, deswegen bin ich dankbar, dass es am Anfang kam, wichtig: zwischen dem breiten Gottesdienst im Alltag und dem verdichteten, engeren Gottesdienst am Sonntag. Es ist am Ende hier eines Gottesdienstes vom Evangelium her gut zu transportieren.
Das Abendmahl könnte auch hier seinen Platz haben, weil es eben auch ein Gemeinschaftsmahl ist, in dem wir gemeinsam unsere Hingabe an Christus neu dokumentieren. Alle möglichen kreativen Elemente, die zur Reaktion auf das Gehörte animieren: von irgendwelchen Dingen, man bringt einen Zettel oder einen Stein oder was auch immer vor zum Kreuz oder was da auch immer kreativ möglich ist und denkbar. Lieder, die das zum Ausdruck bringen, Hingabe an Gottes Sache. Zeugnisse als Ausdruck erneuerter Hingabe. Fürbitten, wo wir dieses berühmte Gebet, oder die Gebetsaufforderung, für unsere Regierenden zu beten, das fällt meistens als Allererstes. Runter könnte man hier machen: für die städtischen Anliegen, für das Weltgeschehen usw. Vaterunser. Einsetzung neuer Mitarbeiter ist ein Akt der Hingabe. Wenn er euch fragt, wo platzieren wir das im Gottesdienst, ich würde sagen: hier. Wenn neue Älteste eingesetzt werden, Diakone, Bereichsleiter, was auch immer: hier. Das ist ein Akt der Hingabe von Menschen, die im Evangelium erneuert wurden und jetzt Verantwortung übernehmen in Gottes Gemeinde.
Informationen passen an keinen Punkt im Gottesdienst. Das ist der große Pfahl in unserem gottesdienstlich-liturgischen Fleisch. Aber irgendwie wissen wir alle: ganz darauf verzichten ist auch schwierig, weil nur auf einem Bildschirm im Foyer kein Mensch draufguckt und so weiter. Man kann auch nicht fünf E-Mails die Woche schreiben und so. Also irgendwas müssen wir machen, und ich würde sagen, der beste Platz in diesem Ablauf ist hier. Weil ich dann sagen kann: Leute, ich habe hier ein neues Seminarprogramm, solltet euch anmelden. Dann würde ich sagen, das ist ein Akt der Hingabe. Christus hat euch erneuert, jetzt gebt ein bisschen Gas und lasst euch trainieren für Leben in seinem Reich und so weiter. Oder wenn wir sagen, wir brauchen Baueinsatz am Samstag, wir brauchen Helfer, das ist auch ein Akt der Hingabe. Also ich muss es nur richtig, richtig kommunizieren. Wenn es irgendwo passt, dann vielleicht hier.
Kollekte habe ich vorhin schon etwas dazu gesagt. Segen: Zuwendung Gottes für den Alltag. Musikalisches Nachspiel und manches mehr.
Und für die, für die das jetzt zu schnell war: Glauben und Denken heute, Ausgabe 2, 2016. Die PDF könnt ihr euch downloaden. Dort gibt es das alles noch einmal zum Nachlesen, einen Aufsatz von mir mit noch ein paar Fußnoten und so für die Cheftheologen unter euch. Vielleicht ganz spannend. Die habe ich euch heute jetzt erspart.