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Jakobus 1,9-13: "Reichtum als Versuchung"

Jakobus 1,9-1,1309.09.2013
SerieTeil 2 / 11Jakobus
Arm oder reich: Beides kann dich blenden. Die Frage ist nicht, was du hast, sondern worauf du dein Herz setzt – und ob du dein Leben für etwas Größeres einsetzt als Status.

Rückblick auf den Anfang der Gemeinde

Wer letzten Sonntag da war, der weiss, wo wir stecken, nämlich im Jakobusbrief. Es gibt eine Reihe. Ich mache heute weiter mit einem kurzen Rückblick. Das ist immer lustig: Man geht nach vorne weiter, wo man eigentlich zurückschaut. Aber am Anfang ist es immer wichtig, dass wir gemeinsam in diesen Brief hineinkommen.
Wenn wir heute über Kirche nachdenken, wenn der Begriff Kirche uns überhaupt etwas sagt, dann fängt das alles etwa dreißig, zweiunddreißig nach Christus in Jerusalem an. Es gibt eine grosse Pfingstpredigt von Petrus, und danach kommen eine ganze Menge Juden, Tausende von Juden, zum Glauben. Und wenn wir sagen, sie kommen zum Glauben, dann bedeutet das so viel, dass sie eine Entscheidung getroffen haben: die Entscheidung, diesen Wanderprediger und Wundertäter aus Galiläa, Jesus von Nazaret, für den Messias zu halten. Sie sagen, er ist mehr als nur ein Rabbi, ein Lehrer. Er ist mehr als nur ein Prophet, jemand, den Gott geschickt hat. Er ist Gott selber, er ist Gottes Sohn, er ist Messias oder, lateinisiert, Christus.
Das ist eine Entscheidung. Leute, die eigentlich Juden sind und immer darauf gewartet haben, dass der Messias kommt, sagen: Der ist gekommen. Und dieser Jesus, der ist es. Also werden Tausende von Juden jesusgläubig und bilden den Kern einer neuen geistlichen Gemeinschaft. Und an dieser Stelle fängt Kirche an.
Eine Weile geht das gut, dann gibt es Verfolgung. Vielleicht das bekannteste Beispiel von Verfolgung ist Stephanus. Er wird gesteinigt. Die anderen Christen, die zu diesem Zeitpunkt witzigerweise noch gar nicht Christen heissen, weil das noch ein bisschen braucht, bis man den Namen findet, müssen fliehen. Im Moment sind das quasi noch Juden, die an Jesus als den Messias glauben. Aber die anderen Christen in Jerusalem müssen, nachdem Stephanus gesteinigt wurde, fliehen. Sie werden vertrieben. Es fängt richtig Verfolgung an.
Und obwohl dieser krasse Bruch zwischen Juden und Christen noch gar nicht stattgefunden hat, müssen sie Jerusalem verlassen. Aber sie sind Juden, das heisst, sie gehen irgendwo anders hin und schliessen sich dort erst einmal anderen jüdischen Gemeinschaften an. Sie gehen auch tatsächlich in die Synagoge, weil es ja Juden sind.
Und in diese Zeit hinein, ganz am Anfang des Christseins, gibt es jetzt in Jerusalem einen Gemeindeleiter, der heisst Jakobus, Halbbruder von Jesus. Und er schreibt diesen Judenchristen, die gehen mussten, einen Brief.

Was Jakobus unter echtem Glauben versteht

Wir haben uns das letzte Mal die Frage angeschaut, was der Jakobusbrief will. Und vielleicht erinnert ihr euch: Meine Behauptung war, dass der Jakobusbrief das Thema hat, was echter Glaube ist. Aber nicht auf eine paulinische Weise. Paulus hätte jetzt eine Definition gebracht und aus der Definition viele alttestamentliche Zitate, wahrscheinlich, und dann hätte uns irgendwann der Kopf geraucht vor lauter Fragen, was echter Glaube ist.
Jakobus macht das anders. Mein Bild vom letzten Mal war der Zahnarztbesuch. Du gehst zum Zahnarzt, Mund auf, Licht an, und dann kommt er mit seinem Rüttler und schaut mal: Wie sieht es denn bei dir innen aus? Das macht Jakobus ganz praktisch.
Jakobus würde dir einen Vortrag darüber halten, wie wertvoll Zahnseide ist, aber nicht über die chemische Zusammensetzung deines Zahnschmelzes. Das ist der Unterschied. Das eine, die chemische Zusammensetzung, ist etwas Theoretisches, vielleicht eher Paulus. Jakobus sagt: Wir rütteln mal, und wir schauen mal, wie es dir da so geht. Und wir gehen einfach verschiedene Themen durch, begründen die gar nicht groß, sondern sagen: Wenn du echten Glauben hast, dann wäre das die richtige Position. So müsste man mit dem Thema umgehen.
Und du kannst dann, wenn da so ein Thema nach dem anderen durchgeht, dir die Frage stellen: Ist das bei mir so?
Erstes Thema, das wir uns letztes Mal angeschaut hatten, der erste große Block, war das Thema Versuchung. Das geht heute eigentlich noch ein bisschen weiter, werdet ihr merken. Aber für Jakobus war das wichtig: die Frage, wie gehe ich mit schwierigen Situationen um? Da kommt eine schwierige Situation in mein Leben hinein. Bin ich dann so jemand, der auf Depri schaltet? Bin ich so einer, der immer alles nur schwarz sieht, der sich immer dann in der Opferrolle wiederfindet? Der vielleicht, wenn es schwierig wird, sich aus der Gemeinde zurückzieht, aus dem Gebet zurückzieht, vielleicht sogar vom Glauben zurückzieht? Ist das meine Reaktion auf schwierige Zeiten?
Wie gehe ich ganz konkret damit um? Jakobus lässt jetzt gar nicht viel Spielraum. Er sagt: Wenn es schwierig wird, was machst du dann? Das sind typische Reaktionen. Jakobus würde sagen: Falsch. Warum falsch? Weil der Blick, den echter Glaube auf Schwierigkeiten hat, ein anderer ist.
Echter Glaube ist nicht masochistisch. Echter Glaube sagt nicht: Huhuh, ich kann leiden, hurra, endlich. Das ist nicht echter Glaube. Aber echter Glaube erlebt diese Welt, wie sie ist, mit einem unglaublichen Realismus und begreift, dass Zeiten der Prüfung, Zeiten, in denen mein Glaube sich als echt herausstellen muss, Momente sind, in denen ich zeige, ob das jetzt ein bewährter Glaube ist, den ich lebe, oder ob das etwas Unbewährtes ist.
Diese Momente, diese Zeiten der Prüfung, sind Momente, in denen ich charakterlich reife, in denen ich Gottes Nähe besonders intensiv erfahre. Und dass ich eigentlich in diesen Zeiten, in denen es so drunter und drüber geht, immer wieder eine Position einnehmen darf, in der ich sage: Ich freue mich.
Bitte seid vorsichtig: Das ist nicht alles, was man zu schwierigen Zeiten sagen kann. Aber wenn eine schwierige Zeit für dich nur schwierig ist, wenn du sagst, da ist gar nichts dabei, was irgendwie positiv ist, dann würde Jakobus sagen: Quatsch. Wenn du durch eine schwierige Zeit gehst, dann wirst du merken, wenn du sie mit Gott durchstehst, dass du am Ende mehr über Gott gelernt hast und charakterlich stärker und reifer geworden bist, als du es je gewesen wärst, wenn Gott dich davor verschont hätte.
Freu dich!

Geld, Wohlstand und die Perspektive der Welt

Der erste Punkt, das war so der erste Rüttler. Jetzt schauen wir uns den zweiten Punkt gemeinsam an.
Das zweite Thema hat eben auch viel mit Glauben zu tun, mit echtem Glauben. Heute geht es um die Frage: Geld haben beziehungsweise Geld nicht haben. Wie gehe ich damit um? Es gibt ja Unterschiede. Der eine hat es, der andere hat es halt nicht so.
Das Thema Geld, wenn man das so über Deutschland betrachtet, also gerade wenn man darüber predigt, dann stellt man fest: Es gibt in Deutschland etwas, was es im Neuen Testament nicht gibt. Und das macht das Thema Geld zu schwer zu greifen. Wir haben eine wohlhabende Mittelschicht. Wir gehören zu den reichsten Ländern der Erde. Wer in Deutschland lebt, der erlebt Wohlstand pur. Und das gilt auch dann, wenn du jetzt sagst: Halt, auf meiner Amazon-Wunschliste ist aber noch ein Artikel drauf, den konnte ich mir noch nicht leisten. Das spielt gar keine Rolle. Du lebst Wohlstand pur.
Wenn du mir nicht glaubst, eine Internetseite, die du dir merken solltest, und zwar globalrichlist.com. globalrichlist.com. Da kann man eingeben, was man so verdient, netto, im Jahr, und wo man da weltweit steht, also was das bedeutet. Ich habe das heute Morgen gemacht. Ich habe mir einen Studenten genommen. 400 Euro BAföG plus Kindergeld plus ein paar Geschenke an Weihnachten macht netto im Jahr 7500 Euro. Das ist noch nicht ganz der Hit, also für alle, die vernünftiges Geld verdienen. Das ist noch kein Geld eigentlich in Deutschland, 7500 Euro.
Ich habe das eingegeben: Ein deutscher Student mit 7500 Euro netto gehört zu den 15 Prozent der reichsten Personen der Erde. Also, es gibt noch ungefähr eine Milliarde Menschen, die haben mehr als du. Aber es gibt auch knapp sechs Milliarden Menschen, die haben weniger als du pro Jahr. Das ist schon erst mal ein deutscher Student, versteht ihr? Einfach, dass man eine Dimension dafür bekommt, wo stehen wir eigentlich?
In dieser Welt ist man reich. Und deswegen sind wir reich, wenn man Zugang hat zu vernünftigem Trinkwasser, wenn man eine bezahlbare Wohnung hat, und die meisten Wohnungen sind bei weitem nicht das, wo wir drin leben, wenn man nicht verhungert, wenn man sich Medikamente erlauben kann, Schulbildung, die BVG und Kleidung. Wenn du das hast, dann gehörst du zu den reichsten Menschen dieser Erde. Ich weiß, dass uns das nicht klar ist. Aber wenn wir über arm und reich reden, dann brauchen wir eben nicht nur eine Berliner Perspektive, sondern wir brauchen mit dem Jakobusbrief eine weltweite.
Und dazu schreibt Jakobus jetzt Folgendes. Schlagen wir das mal auf: Jakobusbrief, Kapitel 1. Ich lese die Verse 9 bis 11. Jakobus hinter Hebräerbrief, Kapitel 1. Hat jeder eine Bibel, der eine wollte? Gut.
Verse 9 bis 11: Der niedrige Bruder, und damit ist der arme Bruder gemeint, auch niedrig deshalb, weil er oft in der Gesellschaft niedrig ist, der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Hoheit, der Reiche aber seiner Niedrigkeit. Denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras verdorren lassen, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben. So wird auch der Reiche in seinen Wegen dahinschwinden.
Bis dahin. Der Arme, der Niedrige und der Reiche, die beiden vergleicht Jakobus miteinander.

Die Sicht auf Armut und die Würde der Geringen

Das tut er, weil es in der damaligen Zeit eine echte Zweiklassengesellschaft gab. Es gab oben und unten. Es gab die, die angesehen waren, und die anderen, die bedeutungslos waren. Es gab die, die einflussreich waren, und die anderen, die abhängig waren.
Es ist jetzt schwierig, wenn ich in der Antike so eine krasse Zweiteilung habe, bis dahin, dass es noch einmal weiter unten sogar Sklaven gibt, den Sklaven, ja, Ding auf zwei Beinen, das eins zu eins auf unsere Gesellschaft zu übertragen. Ich versuche das trotzdem ein bisschen, aber bitte habt das im Blick, dass eigentlich alles das, was ich sage, ein Stück zu schwach ist, dass eigentlich noch ein Stück krasser gedacht werden muss aus der damaligen Zeit heraus.
Fangen wir an mit dem Armen. Wenn du einer bist, der unten steht, also wenn alle anderen, wenn du den Eindruck hast zumindest, alle anderen haben mehr, kannst du dir nicht all das leisten, was die Werbung so sagt, dass du dir leisten musst. Du bist vielleicht jemand, der seine Kleidung second hand kauft. Das ist übrigens nicht verkehrt, ich mache das auch an vielen Stellen. Wenn du jemand bist, der sich vielleicht mit den Ämtern herumärgern muss, um jeden Euro streiten muss, damit du irgendwie da noch was kriegst.
Und dann siehst du Leute, und hier geht es um Gemeinde, die sitzen am Sonntag im Gottesdienst neben dir, und du hast den Eindruck, denen geht es viel besser. Die können sich das leisten, was sie gerne hätten. Die sind vielleicht so ein Stückchen verschwenderisch. Du denkst dir: Das muss man sich doch nicht auch noch kaufen. Und in dir steigt so langsam der Neid auf.
Wenn das der Fall ist, wenn du so einen Moment kennst, wenn du dich für den Dödel der Nation hältst, dann kommt Jakobus und sagt: Stopp! Bevor der Neid dich auffrisst, bevor du sagst: Jetzt werde ich so ein bisschen speichellecker, jetzt schleime ich mich bei dem anderen so ein bisschen ein, damit ich auch was von seinem Wohlstand habe, oder bevor du sagst: Jetzt drehe ich auch mal so ein krummes Ding, einfach damit ich auch mal hier was mitkriege, ich möchte auch was von dem deutschen Traum abbekommen, bevor du all das tust, würde Jakobus kommen und sagen: Stopp, ich möchte dir eine Perspektive schenken, die es so undeutsch gibt. Und die ist so schwer für uns zu greifen, dass ich kaum weiß, wie ich predigen soll.
Aber wenn du arm wärst, wenn du unten stehen würdest, dann bist du die Regel und nicht die Ausnahme. Was ich jetzt sage, hört sich verrückt an, und wir müssen vielleicht als Gemeinde darüber nachdenken, was das bedeutet, aber das Evangelium ist eigentlich eine Botschaft für die Armen und nicht für die Reichen. Im Matthäusevangelium, Kapitel 11, heißt es an einer Stelle über den Dienst des Herrn Jesus: Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt und Taube hören und Tote werden auferweckt, und jetzt kommt es: Armen wird gute Botschaft verkündet.
Sie haben mir die Frage gestellt, ob das der Grund ist, warum so wenig Deutsche mit dem Evangelium etwas anfangen können. Sie sind eigentlich nicht Zielgruppe. Verrückt, oder? Eigentlich, und ich bin manchmal frustriert, aber das erzähle ich euch nachher noch, eigentlich sind die Reichen Leute, die kaum mit dem Evangelium etwas anfangen können. Gott hasst alles Hochmütige, aber Gott liebt Schmuddelkinder, Gott liebt die Außenseiter, Gott liebt die Nobodies. Und das sind die Armen. Und deswegen kommt jetzt das Evangelium in diese Welt, und es wendet sich tatsächlich an den Bodensatz einer Gesellschaft. Es geht zu denen.
Und deswegen bin ich manchmal so erstaunt, wie sich evangelikale Gemeinden zusammensetzen. Da hat man manchmal den Eindruck, Evangelium ist eine Botschaft für Intellektuelle. Weil viele von denen haben wenigstens ein Fachabi oder so, und da hat man manchmal wirklich den Eindruck, es ist die falsche Zielgruppe. Im Neuen Testament sind es die Armen und die Einfachen, die zutiefst begreifen: Boah, Gott liebt mich, und Gott möchte mir das schenken, dass ich, der ich hier gar nichts gelte, dass ich ein Königskind werde.
Wir leben in einer Gesellschaft, wo es doch eigentlich nur um eine Sache geht, oder? Es geht darum, etwas darzustellen. Zumindest ist das mein Eindruck. Ob das das protzige Auto ist oder die zur Augenfarbe passende Handtasche, keine Ahnung, was man da noch hat, ich will auch mal ein paar Frauenbeispiele bringen, oder ob man es ein bisschen seriöser macht, die gute Schulbildung, die schöne Wohnung, vielleicht auch das Häuschen im Grünen: Eigentlich geht es unterm Strich immer darum, etwas zu haben. Und das, was ich habe, das bin ich. Und das zu bewahren, was ich habe, dafür würde ich über Leichen gehen. Das ist so das Deutsche. Ich bin mir sicher, dass die Träume von uns ein bisschen unterschiedlich sind.
Und jetzt kommt die große Gefahr für die, die in einer solchen Kultur leben, wo es ständig etwas Neues gibt. Und wieder gibt es eine neue Veranstaltung, wo man das neue Elektro-Gadget, aha, jetzt gibt es das Handy in der Uhr versteckt fürs Handgelenk, oh ja, das muss ich auch noch haben. Und übermorgen gibt es das Handy, das wird mir als Chip unter die Haut implantiert, und dann kann ich dreidimensional sehen. Ihr könnt das sowieso, aber ich halt nicht.
Die Gefahr für arme Leute, die Gefahr für die, die wenig haben, ist, dass sie diesen Scheiß wirklich glauben.

Reichtum als Gefahr und Auftrag

Und jetzt kommt Jakobus und sagt: Ich gebe den Armen mal die Perspektive echten Glaubens. Und echter Glaube sieht, auch wenn ich arm bin, mich selbst als das, was ich bin, nämlich als ein Kind Gottes.
Echter Glaube macht den eigenen Wert nicht fest am Bankkonto oder am iPhone oder an was auch immer dir gerade trendy in den Sinn kommt, wenn du hörst: Hätte ich noch gern. Echter Glaube ist begeistert davon, dass Gott ein Ja zu mir gefunden hat, dass Gott sagt: Ich will dich, deine Sünden sind vergeben.
Echter Glaube ist begeistert davon, dass ich einen König habe, der mir die Augen öffnet für die Realität dieses Schwachsinns, in dem diese Welt unterwegs ist. Wo man sich um Dinge dreht, wo man einfach nur sagen muss: Sorry, du wirst dich in der Ewigkeit eine Ewigkeit lang dafür schämen, dass das so viel Zeit in deinem Leben in Anspruch genommen hat. Das ist nichts. Das ist absolut nichts.
Und wenn du das alles nicht hast, hey, soll ich dir was sagen? Dann mach dir keinen Kopf drum. Du bist angekommen bei dem, der dich liebt. Du hast einen Job gekriegt, der ist sowieso wertvoller als alles andere. Freu dich darüber, dass du dir nicht über all das, was du dir nicht kaufen kannst, Gedanken machen musst. Dann hast du Zeit, das zu tun, wofür wir eigentlich hier auf der Erde sind, nämlich Gottes Reich zu bauen.
Deswegen heißt es in Jakobus über den Niedrigen, dass er sich rühmen soll: Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Hoheit. Der stellt sich hier vorne hin und sagt: Ich bin arm, und ich bin es gern, und es ist gut so, und ich will gar nicht mehr. Haha, das ist so rühmen. Ich bin begeistert, Mann. Ich brauche euren Schrott gar nicht, weil ich einen Job zu erledigen in dieser Welt habe.
Da gibt es so viele andere Arme, die möchte ich erreichen mit dem Evangelium, und ich will meinen Kopf nicht belasten mit dem Scheiß. Ich will es einfach nicht. Ich will am Ende vor meinem Herrn stehen und sagen: Ich habe meinen Job erledigt. Und nicht: Ich habe alle Ikea-Kataloge, die es je gab, von vorne bis hinten durchgeblättert. Nur um zu schauen, ob es noch eine Couch gibt, die noch in mein Wohnzimmer passen könnte. Weil ich habe da noch so eine kleine Zwei-Quadratmeter-Ecke, da muss noch irgendwas hin, das kann ja nicht leer bleiben.
Mann, wir sind in Deutschland, bitte. Da kommt einer rein und fragt: Warum steht denn da nichts in deiner Ecke, in der Zwei-Quadratmeter-Ecke da hinten? Da ist dann noch ein leerer Fleck in deiner Wohnung.
Der Arme muss es lernen, nicht schlecht von sich zu denken. Wenn ich arm bin, brauche ich nicht zu denken, dass alle anderen mehr wert sind. Ich muss nicht mein Leben darauf ausrichten, die soziale Leiter immer weiter raufzusteigen.
Achtung, kleiner Exkurs, der jetzt außen vor bleibt: Die Bibel sagt etwas dazu, dass man arbeiten soll und zwar mit seinen eigenen Händen. Arbeit so viel verdienen soll, dass man nicht abhängig ist. Klammer zu, Punkt. Ja, machen wir heute nicht, machen wir irgendwann mal, wenn wir eine Reihe über den Thessalonicherbrief machen.
Heute geht es nur darum: Wenn du alles tust, was du tun kannst, und du bleibst trotzdem so eine arme Socke und du lebst in einer unglaublich reichen Gesellschaft, dann freu dich drüber. Weil echter Glaube dir zeigt, dass du nicht weniger wert bist, dass du nicht einen geringeren Job hast, dass du dich nicht zurückziehen musst.
Echter Glaube sagt: Du hast einen Job zu erledigen, mach den und freu dich daran, wer du in Jesus bist. Sei wie Jesus, tu das, was Jesus getan hat, predige das Evangelium, mache Jünger, tu gute Werke. Und da spielt es überhaupt keine Rolle, ob du arm bist oder reich.
Wenn ich das Neue Testament ernst nehme, und das versuche ich, und Lukas 6 richtig verstehe, ist es sogar leichter, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, wenn ich arm bin.

Die Versuchung des Reichtums

Nochmal die Verse zehn und elf, also das war der Arme. Schauen wir uns den Reichen an, der vielleicht uns viel mehr entspricht. Ich lese nochmal die Verse Jakobus 1,10-11.
Der Reiche aber soll sich auch rühmen, soll auch sagen: Haha, aber seiner Niedrigkeit. Denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Ich weiß nicht, ich glaube, Jakobus hat so eine leicht feminine Ader an der Stelle. Aber auch die Männer verstehen, worum es hier geht, oder? Also: Denn wie des Grases Blume, das klingt so nach Poesie des frühen neunzehnten Jahrhunderts, so Romantik, finde ich. Also: Denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras verdorren lassen, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorrt.
Machen wir das ein bisschen kürzer: Der Reiche muss eines verstehen. Du lebst nicht lange, und alles, was du hier hast, geht irgendwann vorbei. Man kann es auch mit anderen Worten fassen: Reichtum ist eine gefährliche Sache. Und ich glaube, wir sollten uns weniger als die Armen sehen. Es mag manchmal sein, dass der Neid in uns aufkommt. Aber viel wichtiger wäre es zu begreifen, dass wir eigentlich die Reichen sind.
Reichtum ist eine ganz gefährliche Sache. Und sollte in deinem Leben dieser Gedanke sein, reich werden zu wollen, das ist noch ein Stückchen mehr als nur reich zu sein, dann muss ich dich wirklich von ganzem Herzen warnen. Paulus schreibt zu denen, die nicht genug haben, die sagen: Ich möchte unbedingt, ich habe in meinem Herzen diesen Wunsch, es zu etwas zu bringen. So wäre das auf Deutsch: Ich möchte es zu etwas bringen. Das ist nur eine freundliche Formulierung von: Ich kriege den Kanal nicht voll. Ich will sein wie irgendjemand, aber weit entfernt von dem, was Gott mit Gottseligkeit, mit Genügsamkeit meint.
Wenn das bei dir da ist, und glaub mir, das ist schneller da, als du denkst, dann sagt Paulus Folgendes: Denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe. Wenn du sagst: Ich möchte mehr, ich muss mehr haben, um glücklich zu sein, den Status zu haben, den ich mir wünsche, die Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe. Nach der einige getrachtet haben und vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.
Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge. Wenn du in deinem Herzen das spürst, wenn du merkst: Stimmt, ich schaue einfach auf die letzten zwei, drei Jahre und ich merke, da ist so ein Gedanke da. Ich merke in meinem Leben, eigentlich dreht sich mein Leben darum. Da möchte ich dir Mut machen, Buße zu tun. So ein Gedanke wird deiner Berufung im Wege stehen. Und zwar deshalb, weil wenn du reich bist, dann geht es nicht um die Frage, wie kann ich noch reicher werden, sondern es geht um die Frage, wie setze ich meinen Reichtum richtig ein.
Und wer reich ist, der hat vielleicht zwei große Felder, wo er aufpassen muss, dass ihm sein Reichtum nicht zum Schaden wird. Das eine, da schreibt Paulus: den Reichen gebiete nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen. Versteht ihr das? Wenn jemand reich ist, dann passiert es ganz schnell, dass er hochmütig wird. Klar, wenn ich mehr habe, schaue ich runter auf die, die weniger haben. Und ich bilde mir natürlich auch ein, dass ich mehr habe, weil ich es verdiene, und der andere hat weniger, weil er so blöd ist, oder? Und wenn ich es verdiene und er so blöd ist, bin ich schon hochmütig.
Wer reich ist, wird hochmütig, sagt die Bibel. Wer reich ist, der setzt auf seinen Reichtum die Hoffnung. Und ich habe mir überlegt, woran merke ich, ob ich auf meinen Reichtum die Hoffnung setze. Und dann fiel mir etwas ein, wo ich dachte: Na klar, es ist total logisch. Weißt du, woran man das merkt? Schau dir an, wofür du betest. Was sind deine Gebetsanliegen? Worauf setzt deine Hoffnung? Wenn du sagst: Ich hoffe das, d-d-d-d-d-d, wofür betest du?
Dinge, für die du nicht betest, das sind Dinge, die du nicht von Gott erhoffst. Ich wiederhole den Satz gerne: Dinge, für die du nicht betest, sind Dinge, die du nicht von Gott erhoffst. Dinge, die du irgendwie versuchst, aus eigener Kraft zu schaffen, weil du denkst: Ich krieg das schon hin, ich schaff das. Vielleicht denkst du, es ist dein Intellekt und deine tolle Schulbildung. Vielleicht ist es dein Social Network, wo du sagst: Ich brauche keinen. Vielleicht ist es tatsächlich ganz platt dein Bankkonto. Ich brauche das nicht. Ich brauche nicht beten: Vater im Himmel, gib mir jeden Tag das, was ich brauche, weil ich genug habe. Ich habe den richtigen Job, ich kann darauf verzichten, dafür zu beten.
Spannend, oder? Sich einfach auf diesen Blick einzulassen: Wo ist wirklich unsere Hoffnung? Sind wir Leute, die sagen: Meine Hoffnung liegt in Gott, Punkt! Und was ich sonst noch habe, na ja, es geht ja weiter.
Die eine Gefahr ist die, dass wir auf unseren Reichtum vertrauen, dass wir hochmütig werden, dass wir aufhören, für Dinge zu beten, dass wir glauben, Gott nicht zu brauchen, weil wir nämlich in dieser Welt schon etwas darstellen. Und das verführt uns. Die andere Gefahr von Reichtum ist, dass wir falsch mit ihm umgehen. Da heißt es dann im gleichen Text, das ist alles 1. Timotheus 6 am Ende, dass die Aufgabe von Reichen darin besteht, Gutes zu tun, reich zu sein in guten Werken, freigiebig zu sein, mitteilsam. Viermal sagt er dasselbe. Überlegt euch das mal. Viermal sagt er: Nimm dein Geld und setz es bitte richtig ein.
Wenn ich in Outdoor Bibelschule bin, gibt es eine Person, die ich eigentlich jedes Mal meiner Austauschgruppe als absolut vorbildlich hinstelle, und das ist Volke. Weil Volke hat irgendwann entschieden, viele von euch kennen ihn, zu sagen: Ich deckele mein Einkommen, und alles, was drüber ist, gebe ich weg. Das hat mich so fasziniert, das fasziniert mich bis heute. Nicht nur, weil diese eine Person dafür verantwortlich ist, dass es meinen Dienst gibt. Weil er kam und sagte: Alle viertel Jahre schicke ich dir eine Mail, und das, was du nicht hast, das, was dir fehlt, deine Unterdeckung, die bezahle ich, weil ich habe genug. Ich will eh weggeben, warum nicht dir? Das ist ein guter Dienst, gut angelegt.
Wow, dachte ich, fantastisch, da hat einer das verstanden. Und in mir wächst gerade, ich bin da noch ein Lernender, ich kann euch da nur auf diese Reise mitnehmen, gerade ein Verständnis davon, wie reich wir eigentlich sind. Und wie komisch deutsche Christen mit ihrem Reichtum umgehen.

Verantwortung, Ewigkeit und die letzte Frage

Ich erlaube mir gerade einen Blick, zum ersten Mal vielleicht in meinem Leben. Vielleicht auch zu spät, aber Gott geht mit jedem seinen Weg. Bei mir ist das jetzt dran.
Ich erlaube mir gerade einen Blick über den Tellerrand, auf eine Welt, in der ich, und das ist irre, wenn ich das so sage, in der ich reicher bin. Ich, Jürgen Fischer, weil ich mehr als 7500 Euro im Jahr netto zur Verfügung habe, in der ich reicher bin als 99 % der Weltbevölkerung.
Und erst diese Zahl: Ich habe das nicht geglaubt. Ihr müsst die Homepage mal globalrichlist.com einfach mal aufmachen. Da siehst du dann so Männchen, ja, und dann gibst du deine Summe ein, und dann siehst du diese Männchen, wie sie schwarz werden. Und dann läuft das hoch. Es sind hundert Männchen, zack, zack, zack, und beim letzten Männchen, zack, da stehst du.
Das war für mich so ein Schock, zu sagen: Warte mal, 99 % der Weltbevölkerung haben weniger im Jahr zur Verfügung als ich. Boah, es hat mich echt getroffen.
Und was ich in dem Moment brauche, wenn mir das bewusst wird, ist, was Jakobus schreibt: Ich brauche einen Blick auf meine Niedrigkeit. Ich muss begreifen, dass ich in dieser Welt ein Kleiner bin. Weil ich an einer Stelle lebe, wo ich, wenn ich darüber nachdenke, mir etwas zu kaufen, manchmal gar nicht groß überlegen muss, ob ich mir das nächste Buch noch kaufe. Bücher sind so meins, ja. Ich kaufe öfter Bücher, kaufe auch manchmal Bücher, wo ich dann denke: Das hättest du dir nicht kaufen brauchen. Ja, es ist halt dieses Klick, klick, ja, und schon ist gekauft. Das ist ein bisschen verrückt, ich weiß. Aber wo ich dann merke: Dieses Buch, und dann denke ich mir: Ja, das kostet ja nur zehn Euro. Halt nur zehn Euro.
Wie komme ich zu so einem Denken? Und ich bin weiter von Gott geführt worden an der Stelle.
Ich werde wahrscheinlich im März nach Simbabwe fahren, um dort eine Woche lang mit Pastoren ein Bibelstudium zu machen. Ich weiß schon, wie diese Pastoren leben, denn ich habe Bilder gesehen aus den Dörfern. Da gibt es dann einen Raum, in dem sie wohnen. Das ist so eine runde Lehmhütte. Und ich weiß, wenn ich da sein werde, dann werde ich auch Christen treffen, die bereit sind, ihr einziges Huhn, was sie haben, ihren größten Schatz, zu opfern, um mich zu bewirten.
Und ich werde vor diesem Huhn stehen und würde denken: Na ja, ist halt ein Huhn, ja? 2,99 in der Tiefkühltheke, ich weiß es nicht, was es im Moment kostet, ja? Vielleicht auch 4,99, wenn du das bessere kaufst, ja? Und du nimmst es mit nach Hause, ja? Wie lange muss der durchschnittliche Deutsche dafür arbeiten? Selbst wenn du Niedriglohn bist, kriegst du das in einer Dreiviertelstunde erledigt. Wenn du mehr verdienst, vielleicht nur zehn Minuten, fünf Minuten. Wahnsinn!
Und da kommt jemand, und er begegnet mir auf Augenhöhe, versteht ihr? Das sind meine Brüder im Herrn, das sind meine Schwestern, die da vor mir stehen, und die haben nichts.
Ich habe jetzt mitbekommen, dass da Pastoren sind, Pastoren, ja, Leute, die aus dem Nichts, weil da aus dem Nichts eine Gemeinde entstanden ist. Kinderarbeit, wo es, Gabi, jetzt Gabi raus ist, sage ich die Zahl, okay: 1600 Kinder sind in der Kinderarbeit. Haha, das ist mal eine Zahl. Aus dem Nichts entstehen da irgendwie jedes Jahr zwei, drei neue Gemeinden, und die bringen dann natürlich auch ihre Kinder mit.
Und diese Pastoren, die leben eigentlich davon, dass sie Ziegen hüten. Ja, aber jetzt braucht es jemanden, der die Gemeinde leitet. Und dann sind die bereit, Gemeindeleitung zu übernehmen. Dann sind die bereit, Waisenkinder aufzunehmen, die aus Deutschland gesponsert werden. Kostet fast nichts, lachst du drüber. Ja, kann jeder von euch sich zehn Stück leisten und wird nicht ahnen davon, bin ich mir ganz sicher.
Und dann fiel in einem Nebensatz der Satz: Ja, die Waisenkinder, die aus Deutschland gesponsert werden, die gehen zur Schule, aber die Pastoren haben nicht genug, ihre eigenen Kinder zur Schule zu schicken. Und bitte, wir reden über zwanzig Euro im Monat? Vierzig?
Ich habe dann gefragt: Was kostet es, all diese Kinder da von den Pastoren zur Schule zu schicken? Dann hieß es zweihundert Euro. Ey, sorry, ich will mich jetzt nicht gut darstellen, ich bin echt nicht der, der an der Stelle Vorrang hat, aber ich dachte: Die zweihundert Euro, die überweisen wir schnell mal. Weil es kann doch nicht sein, dass jemand Waisenkinder aufnimmt, die gesponsert in die Schule gehen, und seine eigenen Kinder, die kommen zu kurz. Das geht doch irgendwie nicht.
Aber das ist die reale Welt, in der wir leben, und das sind die 99, die hinter mir stehen, von denen viele so wenig haben, dass wir hier, wenn wir nur 10, 5, 1 unseres Jahreseinkommens nehmen würden, wir könnten so viel tun.
Und ich brauche Jakobus, damit ich mich nicht hinstelle und sage: Ich bin reich, und das ist gut so. Und ich will auch so bleiben, und ich habe keine Verantwortung für diese Welt. Weil Jakobus sagt: Wenn du eines lernen möchtest, dann lerne, dass Wohlstand nichts ist, dass das nichts ist, worauf man sich etwas einbilden darf. Weil echter Glaube darüber jubelt, dass wir Kinder Gottes sind, und der jubelt darüber, dass wir die Werte dieser Welt, eine Welt, die mir einreden will: Du bist reich, und bleib ruhig so, und mach ruhig so weiter, das ist schon gut. Was interessieren dich die Armen dieser Welt? Dass ich diese Werte einfach nicht mehr teilen will.
Echter Glaube kennt ein Leben nach dem Tod. Echter Glaube kennt ein Leben nach dem Tod und sagt: Das ist das eigentliche Leben. Verrückt, oder? Das eigentliche Leben beginnt nach dem Tod. Was wir heute haben, ist nur geliehen.
Ich will keine zweite Predigt halten, keine Angst, ich will euch nur den Text vorlesen. Da heißt es von Jesus selber über dieses Thema Geld, er sagt: Wie sollen wir mit Geld umgehen? Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, ungerechter Mammon, ungerecht verteilter Mammon. Der eine hat zu viel und der andere hat zu wenig. Und Jesus sagt: Nimm das und mach dir damit Freunde, investiere das in Menschen, was du hast, damit, wenn er zu Ende geht.
Merkt ihr was? Es gibt ein Ende, es gibt einen Schluss. Irgendwann schließt man über dir den Sargdeckel, und dann verscharrt man dich in eine Grube, schmeißt Erde drauf, und irgendwann, dicht vorbei, dass, wenn das zu Ende geht, man euch aufnehme, eigentlich willkommen heiße in den ewigen Zelten.
Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielen treu. Wer nun mit dem ungerechten Mammon, mit dem, was wir heute haben, nicht treu gewesen ist, wer wird euch und ich mag das, das Wahrhaftige anvertrauen? Was du heute hast, gehört Gott. Was du heute hast, ist nur geliehen. Was du heute hast, hast du, weil Gott sehen möchte, wie gehst du damit um? Damit, wenn du am Ende bei ihm bist, dann bekommst du das Wahrhaftige.
Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben? Also wenn ich heute nicht treu umgehe mit dem, was Gott mir anvertraut, was mir gar nicht gehört, es gehört dir nicht, bitte begreif das! Bitte begreife zutiefst, egal was du glaubst, dass wenn David mit seiner Maschine kommt, es ist nicht seine Maschine. Wenn Johnny ein Haus hat, es ist nicht sein Haus. Wenn ich eine Bibliothek habe, es ist nicht meine Bibliothek. Wenn da eine Gitarre ist, es ist nicht deine Gitarre, nicht dein Bass. Bitte begreift das zutiefst: Es ist nicht eures, es gehört euch nicht.
Es ist Zufall, dass ihr hier seid, von Gott gewirkter Zufall. Ihr habt kein Recht darauf, in diesem Teil der Erde zu sein. Kein Euro, der euch je zufließt, ist euer. Und jetzt kommt Gott und sagt: Schau, dass du damit richtig umgehst, damit man dir das Deine geben kann, das Wahrhaftige, das Leben, was erst noch kommt und was dir auf eine Weise entspricht, wo du sagst: Boah, das ist ja alles hier nur Billeballe.
Hier auf der Erde zu verstehen, wer ich bin, einen Fokus, eine Perspektive des Glaubens einzugehen und zu glauben: Ich bin wie eine Blume, ich blühe auf, dann kommt die Sonne, und dann verwelke ich. Das ist die Perspektive, die wir einleben müssen.
Und wenn wir diese Perspektive haben, wenn wir begreifen, dieses Leben ist es nicht, und das Geld und meine Ziele, wenn sie mit Wohlstand verbunden sind, ist es nicht, am Ende wird nicht die Frage sein, wie klug hast du mit deinem Geld hier was weiß ich was angehäuft, das interessiert niemanden. Am Ende wird es Fragen geben, die werden hässlich sein. Hast du das Evangelium gepredigt? Hast du Leute zu Jüngern gemacht? Warst du da für andere Leute, als sie dich brauchten? Das werden die Fragen sein, die uns am Ende beschäftigen.
Ob du dir diese eine Vase, die du dir immer gewünscht hast, die du irgendwann mal bei deiner Nachbarin gesehen hast und die du dann glücklicherweise nach viel Suchen und viel Aufwand bei Ebay irgendwann ersteigert, ey, wenn solche Dinge dein Leben prägen, ich verspreche dir, du wirst irgendwann dich nur noch dafür schämen. Es wird dir irgendwann gehen wie am Ende von Schindlers Liste. Ich weiß nicht, wer den Film gesehen hat, aber ganz am Ende, wo er sieht, wen er da alles hat retten können, sieht er die goldene Uhr an seinem Handgelenk und denkt sich: Boah, warum habe ich die nicht auch noch eingesetzt? Es hätte mehr sein können.
Und ich merke langsam für mich, und da ist Jakobus so ein Ping, ich merke langsam, wir haben vielleicht eine größere Verantwortung für dieses Leben, vielleicht sogar über Deutschland hinaus, als uns das manchmal lieb und recht ist.
Und Jesus ist sehr deutlich. Die Frage, die er uns am Ende stellen wird, die lautet ungefähr so: Hast du mich geliebt, ganz praktisch geliebt? Wem gilt deine Loyalität?
In Lukas 16, die Stellen, die ich eben vorgelesen habe, endet das, was Jesus sagt, damit, dass er sagt: Kein Hausklave kann zwei Herren dienen. Es geht nicht. Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder wird er dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Es geht einfach nicht. Und wenn du es probierst, und ich glaube, dass die meisten deutschen Christen es probieren, dann wird es nicht funktionieren.
Wem gilt deine Loyalität, wem gehorchst du? Den Einflüsterungen dieser Gesellschaft, die dir weismacht, dass du nur dann, wenn du etwas darstellst, wenn du genug verdienst, wenn du das richtige Auto fährst, dass du dann jemand bist? Oder der mit Floskeln, die Hauptsache gesund, ständig neuen Tipps, um Steuern zu sparen und sein Geld anzulegen, uns davon ablenkt, wozu wir da sind, nämlich gute Werke zu tun, die in Gottes Augen einen richtigen Wert haben? Wem gilt deine Loyalität?
Ich glaube, dass für Armut und Reichtum, jetzt komme ich zum Schluss, eines gilt: Beides sind Versuchungen für den Glauben. Und wir brauchen Weisheit, um damit richtig umzugehen. Und deswegen schreibt Jakobus am Ende, Jakobus 1,12, noch eine Verheißung. Er sagt: Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet.
Es ist eine Versuchung, wenn du arm bist, nicht neidisch zu werden, nicht zum Speichellecker zu werden, nicht einer zu sein, der versucht, auch seinen Reibach zu machen. Aber auch reich zu sein und zu begreifen: Das ist nicht meins, und ich darf mich darüber nicht definieren, und ich darf meine Hoffnung nicht draufsetzen, und ich habe einen Riesenauftrag in dieser Welt, mit dem, was Gott mir anvertraut hat, richtig umzugehen, und Gott wird mich dafür zur Rechenschaft ziehen.
So, beides sind Versuchungen. Und jetzt sagt er: Glückselig der Mann, und ich ergänze mal die Frau. Glückselig der Mann und die Frau, die die Versuchung erdulden, die da reinkommen und richtig mit der Situation umgehen. Warum? Denn nachdem er bewährt ist, also wenn du das richtig machst an der Stelle, wenn du dich dann nicht fangen lässt, dann verspricht dir Gott etwas: Denn nachdem er bewährt ist, wird er den Siegeskranz des Lebens, der Siegeskranz, so eine Krone, und diese Krone, die ist das Leben.
Ich würde lieber übersetzen: Den Siegeskranz, der das ewige Leben ist. Denn das ist das, was wir bekommen. Gott schenkt uns ewiges Leben, wir werden ewiges Leben empfangen. Und jetzt hört euch den letzten Teilsatz an, den er denen verheißen hat, die ihn lieben.
Wenn wir Jesus lieben, dann nehmen wir eine Perspektive des Glaubens auf Armsein und Reichsein ein, wie es Gott entspricht. Und ich wünsche mir das. Ich wünsche mir das für uns. Ich will euch ehrlich sagen, ich weiß noch nicht genau wie. Ich bin da noch selber am Lernen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wenn wir den Gedanken an uns heranlassen, dass wir hier auf dieser Erde sind, nicht um unser Ding zu drehen, nicht um Spaß zu haben, nicht um gut dazustehen, aber auch nicht, um uns fertig zu machen, sondern weil Gott sich was gedacht hat, weil Gott uns gebrauchen möchte, Menschen zu erreichen, wenn wir das begreifen und diese Perspektive haben, dann wird es uns retten. Uns retten davor, ein Leben zu führen, was am Ende darin endet, dass Gott sagt: Schade, irgendwie schade, da war einfach mehr Luft drin.

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