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Ready to Go Deeper?

Glaube. Liebe. Hoffnung - echt gelebt.
Johannes 4,7-2601.11.2026
EventTeil 6 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Glaube, Liebe, Hoffnung – mehr als nur Worte? Wie helfen sie Menschen in Extremsituationen, wie 33 verschütteten Bergarbeitern in Chile? Was hält ein Leben aus, das von Schmerz, Zweifel und Not geprägt ist? Die Geschichte einer Frau am Jakobsbrunnen zeigt: Jesus liebt bedingungslos und lädt uns ein, ihm zu folgen – nicht perfekt, aber echt.

Einführung in die Themen Glaube, Liebe und Hoffnung

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit euch in diese drei Worte einzutauchen – und zwar auf eine Weise, die hoffentlich für jeden von uns neue Aspekte eröffnet. Ready to go deeper.
Glaube, Liebe, Hoffnung – wer sich im christlichen Kontext bewegt, kennt diese Worte, liebt sie, lebt sie und hat auf irgendeine Weise mit ihnen zu tun.
Gerne nehme ich euch mit auf meinen Lebensweg und teile, was diese Begriffe für mich bis heute bedeuten. Ready to go deeper.
Wie kann ich diese Worte tiefer erfassen und besser verstehen? Wie werden sie mehr zu einer gelebten Realität, zu etwas, das mich durch und durch prägt und ausmacht?

Das Grubenunglück von Chile als Beispiel für Glaube, Liebe und Hoffnung

Ja, wer von euch hat 2010 schon Nachrichten geschaut? Gibt es da so ein paar im Raum? Ganz schön lange her, dachte ich so: 2010. Wer erinnert sich an das große Grubenunglück in Chile? Ja, es gibt ein paar. Das ging damals auch in Deutschland durch die Medien – ein Megagrubenunglück in der Nachbarstadt Copiapó, eines der größten Grubenunglücke der Welt, mit einer ganz besonderen Ausprägung.
In San José, einer Mine, waren damals Bergarbeiter ganz überraschend von einem Felsansturz betroffen. Mitten in einer riesigen Mine wurden sie verschüttet und 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Eine total verrückte Situation. Sofort begannen die Rettungs- beziehungsweise erst einmal die Suchaktionen. Keiner wusste, ob überhaupt noch jemand von denen, die da unten waren, lebte. Würden sie gefunden werden?
Internationale Technik wurde aufgefahren, die Medien waren sofort vor Ort, logischerweise auch die Familienangehörigen. 33 Minenarbeiter wusste man, mussten unter Tage sein. Leben sie noch 700 Meter tief? Unfassbar tief. Es war überhaupt nicht klar, ob man in dieser Tiefe vordringen kann und dort überhaupt Menschenleben retten kann. Niemand wusste es.
Aber ja, die 33 hatten sich wie durch ein Wunder in einem circa 40 Quadratmeter großen Raum gerettet, weit unter der Erde. Dort waren sie 69 Tage eingeschlossen. Zunächst gab es, wie schon erwähnt, keinerlei Kommunikation mit diesen Männern. Die Außenwelt hoffte auf Lebenszeichen, und die tief Drinnen hofften aufs Überleben.
Was entdeckten diese 33 Minenarbeiter in dieser Zeit? Sobald eine Kommunikation hergestellt war, wurde erzählt, dass es dort einen Mann gab, Don Luis, der auf ganz besondere Art und Weise diese 33 Menschen durch diese 69 sehr extremen Tage ihres Lebens führte – und zwar mit Glaube, Liebe und Hoffnung.
Und das unter 33 Männern, die in einer absoluten Extremsituation ihres Lebens waren. Niemand war darauf jemals vorbereitet gewesen, weder körperlich noch physisch noch psychisch. Es gab unter den 33, so wusste man später, einen Alkoholiker, der am Tag eins mit dem Kaltentzug begann. Es gab Leute, die an ihre maximalen Grenzen kamen.
Es war da unten circa dreißig Grad warm die ganze Zeit. Die Jungs hatten Hunger. In den ersten Tagen standen ihnen nur vierzehn Dosen Thunfisch zur Verfügung. Don José war der unausgesprochene Leiter und organisierte für jedermann jeden Tag einen Teelöffel Thunfisch. Don José gab auf besondere Art und Weise der ganzen Gruppe Halt und Orientierung.
Wie tat er das? Und wozu sind wir eingeladen, wenn ein Mann 700 Meter unter der Erde durch Glaube, Liebe und Hoffnung durch schwierige Zeiten geht?
Damals, als es dann so weit war, dass der Bohrer – ich weiß gar nicht von welchem Land – tatsächlich in die Grube forschte, merkten sie, dass sie auf einen Hohlraum getroffen waren. Sie haben diese 33 Männer auf irgendeinen Fresszettel schreiben lassen: "Estamos bien en el Refugio los treinta y tres."
Es geht uns gut, wir leben alle, wir 33. Und das war das allererste Lebenszeichen von diesen 33 Männern damals. Glaube, Liebe, Hoffnung von einem Don José.

Die Bedeutung der Liebe im 1. Korintherbrief

Lasst uns hineinhören. Ihr alle seid tief vertraut mit dem Text oder habt ihn auf jeden Fall schon einmal gelesen. Wer möchte, darf seine Bibel-App hervorholen: 1. Korinther 13.
 ich mit Menschen- und Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz, eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse dieser Erde, hätte alle Erkenntnis und sogar allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte – ich hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

Und wenn ich heute alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib selbst hingäbe, um mich zu rühmen – und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich. Sie eifert nicht, treibt nicht Mutwillen und bläht sich nicht auf. Sie hält sich nicht ungehörig, sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht erbittern und rechnet das Böse nicht zu. Sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles und duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. Eines Tages wird das prophetische Reden aufhören, die Zungenrede wird aufhören und alle eure Erkenntnis wird aufhören. Denn unser Wissen, unser aller Wissen, ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

Wenn aber das Vollkommene kommen wird, so wird alles Stückwerk aufhören.

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 

Wir alle sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich jetzt schon erkannt bin.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die Liebe aber ist die größte unter ihnen.

Persönliche Erfahrungen und Herausforderungen im Glauben

Und sie haben überlebt – diese 33 Männer in Chile. Sie haben 69 Tage in der Mine überstanden. Und doch ging es zumindest gut aus: Alle durften ihre Familien wieder in die Arme schließen, und alle haben sich körperlich gut erholt.
Zu dem Zeitpunkt lebten wir als Familie ganz in der Nähe, in der Nachbarstadt Vallenar, in Chile. Mit Coworkers war das für über elf Jahre unsere Heimat. Ich war damals Ende zwanzig, als ich mit meinem Mann und unserer ersten Tochter dort mitten in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt, ankam. In einem ganz kleinen Ort, einer Oasenstadt namens Vallenar.
Mir ging es wie dir auch: Ich bin in einem wunderbaren Dorf im Schwarzwald aufgewachsen, verwurzelt in einer christlichen Familie, mit einem großartigen Freundeskreis, einer tollen Gemeinde und dem CVJM. Dann aber ging es für uns los in eine ganz andere Welt, weit weg von all unseren Freunden, von der Gemeinde, unseren Berufen, unserem Netzwerk und auch weit weg von unserer eigenen Kultur.
Die NGO Philadelphia, die damals schon von einigen Chilenen gegründet war, hatte sich zum Ziel gesetzt, Menschen zu dienen. Dem Gründer lag es auf dem Herzen, und der Bibelvers leitete sein Leben: „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Im Blick hatten wir ganz besonders junge Menschen, die es nicht so gut hatten wie ich und wir damals in unserem Schwarzwalddorf, am Rande der Gesellschaft. Junge Menschen, die keinen einfachen Zugang zur Bildung hatten, aus eher ärmeren Familien kamen und mit Herausforderungen in ihren Herkunftsfamilien zu kämpfen hatten. Viele von ihnen lebten in Kinder- und Jugendheimen oder waren zu dem Zeitpunkt, als wir sie kennenlernten, im Gefängnis.
Wir begegneten vielen jungen Menschen in diesen Tagen und durften sie – manche von ihnen bis heute – ein Stück ihres Weges begleiten. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, dass zwei von ihnen heute unter uns sitzen. Ihr könnt also nachher nachfragen, was es sonst noch zu erzählen gibt. Silvana und Nancy aus Vallenar sind heute bei uns.

Zweifel und die Suche nach Hoffnung in schwierigen Lebenssituationen

Und was hat sich ganz schnell in meinem Leben in dieser Zeit als Frage breitgemacht? Was, wenn die Dinge nicht gut werden? Was, wenn sich kein Wunder einstellt? Oder wenigstens keines, das man sich erhofft, erbittet, auf das man wartet? Wenn es nicht so schnell so offensichtlich gut ausgeht wie bei diesen 33 Minenarbeitern.
Für immer erinnere ich mich zurück an eine der Nächte, die mein Leben prägten. Damals, im Jugendcamp auf der Parzella. Circa hundert, hundertzwanzig junge Menschen tobten über die Parzella. Wir hatten viel Spaß miteinander und wir hatten auch einige Mädchen und Jungs aus dem Kinderheim bei uns.
Es fiel ihnen total schwer, die Regeln einzuhalten. Nicht mal die einfachsten: Wenn vorne jemand spricht, nicht zu stören; wenn man eine zentrale Veranstaltung hat, da zu sein; nicht zu kiffen; sich nicht auf die Jungs einzulassen. Und zwei dieser Mädchen taten sich besonders schwer.
An einem dieser Abende, beim Abendprogramm, kam dann unser chilenischer Leiter, drückte mir Teresa und Carlitta in die Hand und sagte: „Nimm sie bitte mit raus, wir werden sie heute Nacht noch zurückfahren ins Kinder- und Jugendheim.“ Die zwei stürmten an mir vorbei, total impulsives Verhalten. Sie schrien laut auf, sie fluchten. Wie gut, dass ich bis heute nicht alle chilenischen Schimpfwörter verstehe. Die, die ich verstand, waren beeindruckend. Und dann waren sie weg.
Ich stand auf einem großen Stück Land mitten in der Wüste und dachte: Was mache ich jetzt? Was ist, wenn sie abhauen? Wenn sie sich etwas antun? Ich stellte mich mitten auf unser Fußballfeld, begann leise zu beten und immer wieder zu schreien: „Teresa, Carlitta, wo seid ihr? Kommt doch!“
Ganz langsam näherten sie sich mir. Im sicheren Abstand setzten sie sich irgendwo auf dieses Fußballfeld. Wir begannen zu reden. Sie erzählten mir aus ihrem Leben, dass sie nie erlebt hatten, dass irgendjemand sie wollte, dass sie für irgendjemand wichtig waren. Dass sie irgendwie in ganz jungen Jahren im Heim landeten und nie Besuch bekamen.
Sie erzählten, dass sie manchen Männerkontakt schon hatten, aber immer nur erlebten, dass sie missbraucht oder vergewaltigt wurden. Dass sie mit ihren dreizehn Jahren schon konsumiert hatten und natürlich auch öfter betrunken waren. Denn es war ihre Hilfe, mit dem Schmerz ihrer Seele klarzukommen.
Und natürlich waren sie auch steil unterwegs. Natürlich hatten sie schon gelogen, gestohlen, Psychologen verarscht und alles, was dazugehört, um irgendwie überleben zu können.
Wir redeten lange miteinander. Und ich fragte mich die ganze Zeit, als ich ihre Geschichten so bruchstückhaft hörte: Was soll ich sagen? Was habe ich diesen Mädchen zu bieten? Wie kann ich von einem Gott der Liebe sprechen im Angesicht solcher Schicksale? Wie kann mein Glaube diesen zwei Mädchen etwas bieten, das ihnen Hilfe gibt?
Soll und kann das jemals wieder gut werden, was in ihrem Leben schon alles zerbrochen ist? Werden sie jemals ein gutes Leben führen können, so wie ich es mir für sie wünsche? Welche Hoffnung habe ich für sie? Zu welcher Liebe lade ich sie eigentlich ein? Was hält dem Leben stand?
Im Angesicht dieser zwei jungen Schicksale dachte ich: nichts, nada, wir haben doch nichts, nicht wirklich etwas zu bieten. So dachte ich. Mein Glaube hat doch nichts zu bieten angesichts so viel Not.
Aber dann schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Nein, Angie, dein Glaube und deine Erfahrung hat ja nichts zu bieten, aber der Gott, an den du glaubst, schon.

Begegnung mit Gott unter dem Nachthimmel der Atacama-Wüste

Da saß ich also unter einem beeindruckenden Nachthimmel in der Atacama-Wüste. Die Sterne strahlten wunderschön. Teresita und Carlita hatten sich ganz nahe zu mir gesetzt. Gemeinsam schauten wir in den Himmel.
Ich begann, ihnen zu erzählen, an welchen Gott ich glaube. Ich erzählte ihnen von dem Vater, zu dem ich da oben „Papa“ sage. Von dem Papa, der sie kennt und liebt, der jedes Haar auf ihrem Kopf gezählt hat – ein Papa im Himmel.
Sie schauten mich an und fragten: „Dürfen wir denn auch Papa zu ihm sagen?“
„Ja, klar“, antwortete ich. „Ihr dürft mit ihm reden, so wie ihr mit ihm reden wollt.“
Dann begannen sie auf ihre Art und Weise ihr erstes Gespräch mit diesem Gott. Mitten hinein in den dunklen Nachthimmel purzelten Worte einfach so aus ihnen heraus.
Plötzlich drehten sie sich zu mir um und sagten, während sie mich ganz fest in den Arm nahmen: „Können wir dann in dieser Woche Mama zu dir sagen?“

Die Frage nach der bleibenden Kraft in unserem Leben

Wer ist dieser Gott? Was ist es, das zwischen ihm und uns immer bestehen bleibt, egal was auf dieser Erde passiert?
In allem Guten und Schönen, in allem, was uns gelingt, was wir feiern, was unsere Erfolge sind und was gestaltbar ist – aber eben auch in aller abgrundtiefer Not: Ungerechtigkeit, Schmerz, Zweifel, Depression, Angst, Schuld, Folter, Krieg – was ist es?
Ich lade euch ein, kurz aufzustehen. Wir sitzen jetzt schon eine ganze Zeit. Sucht während des Stehens in eurer Bibel-App eine neue Stelle: Johannes 4. Wer eine Bibel dabei hat, kann auch diese heraussuchen.

Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen

Miteinander gehen wir an einen ganz anderen Ort dieser Welt, zu einer ganz anderen Zeit. Ich starte in Vers 4.
 musste aber auf seinem Weg nach Samarien reisen. So kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sichar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Joseph vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen.

Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken.“ Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

Die Samariterin sagte zu ihm: „Wie kannst du mich als Jude, mich eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit Samaritern.“ Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir schon lange lebendiges Wasser gegeben.“

Sie sagte zu Jesus: „Hast du denn kein eigenes Schöpfgefäß? Und der Brunnen ist übrigens tief. Woher sollst du denn lebendiges Wasser nehmen? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der den Brunnen gebohrt hat und uns ihn gegeben hat, woraus er selbst schon getrunken hat und all seine Söhne und all die Herden?“

Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, der bekommt wieder Durst. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben. Vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, ihm zur Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“

Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir von deinem Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

Er sagte zu ihr: „Geh, ruf deinen Mann.“ Die Frau antwortete: „Ich habe keinen Mann.“ Jesus sagte zu ihr: „Du hast richtig gesagt: ‚Ich habe keinen Mann‘, denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.“

Die Frau sagte zu ihm: „Herr, ich sehe, du bist ein Prophet.“
Wir springen zu Vers 25.
 Frau sagt zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.“ Da sagte Jesus: „Ich bin es, der mit dir spricht.“
Vers 28:
 Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: „Kommt alle her! Seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Ist er vielleicht Christus?“

Jesus’ bedingende Liebe und seine Einladung an jeden Menschen

Und aus jener Stadt kamen dann viele Samariter zum Glauben an Jesus, auf das Wort hin der Frau, die bezeugt hatte: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“
Und als die anderen Menschen zu ihm kamen, baten sie Jesus, zwei Tage bei ihnen zu bleiben. Jesus zog durch ein Land, an einem Ort, an einer Stelle, wo man eigentlich nicht war. Er redete zu unterschiedlichsten Menschen, wandte sich Massen zu, Männern und eben auch dieser einzigen Frau, die dort ganz alleine unterwegs war.
Jesus wollte dieser Frau begegnen, sie war ihm alles wert. Er sah sie, nahm sie wahr und hatte sie schon längst erkannt. Nichts, gar nichts hielt Jesus davon ab, sich dieser Frau ganz zuzuwenden.
Wie ihr gehört habt, wohne ich inzwischen in einem Hoffnungshaus und teile Leben mit Menschen, vielen Muslimen aus anderen Ländern. Kulturunterschiede und Religionsunterschiede prägen diese Gemeinschaft. Da gibt es Themen, die mir aus dem Schwabenland und auch in Chile lebend lange nicht vertraut waren.
Das ist eine Situation, die ein absolutes No-Go darstellt. Bis heute würden in vielen Ländern solche Situationen nicht akzeptiert werden. Es geht einfach nicht, dass unverheiratet ein Mann sich mit einer Frau alleine trifft und dort auch noch ein Gespräch führt. Erst recht nicht eine Frau, die ganz offensichtlich ein Thema in ihrem Leben hat.
Denn sie war um die Mittagszeit dort, ganz alleine, nicht mit anderen Frauen, nicht an dem Ort, wo man normalerweise in der Kultur war, nein, ganz alleine. Das war ein Hinweis: Diese Frau muss irgendwie unrein sein. Vermutlich hat sie in vielen anderen Häusern schon Sex gehabt. Ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebte und nicht verurteilt war.
Und zu ihrem aktuellen Mann gehörte sie offensichtlich auch nicht, wie wir später hörten. Sie war keine Jüdin – Jesus war Jude – sondern sie gehörte zu einem ganz anderen Volk, zu einer ganz anderen Religion.
Mach mal dein Handy an und schau dich mit einem Selfie selbst an. Schau dich mal selbst an. Siehst du dich? Diese Frau am Jakobsbrunnen könntest du sein, könnte ich sein, könnte jeder von uns sein.
Wie auch immer dein Lifestyle aktuell ist, wie fromm du bist, welche eigenen Glaubenssätze du hast, welche verborgenen Geschichten niemand von uns hier kennt, wie du dich angenommen fühlst in deiner Familie oder eben auch nicht, mit wem du schon zusammen warst, was du mal werden willst oder heute schon bist – jeder von uns könnte diese Frau am Jakobsbrunnen sein.
Und Jesus sprach sie an, und Jesus spricht auch dich an. Übrigens spricht er jeden auf dieser Welt an. Jesus macht keine Ausnahmen, weder vor dem Obdachlosen, noch der Prostituierten, noch dem Mittellosen, noch dem Gefangenen. Auch nicht vor dem Kanzler, vor dem Multimillionär oder vor dem Inhaber eines Tech-Konzerns.
Jesus kennt keine Grenzen. Er sieht jeden Menschen an, wie er ihn schon ganz lange erkannt hat, denn er liebt Menschen. Er lädt Menschen zum Leben ein: damals die Frau am Jakobsbrunnen, heute die Menschen, die uns umgeben, und uns selbst.
Und Jesus bleibt an dieser Stelle auch dann. Als die Frau weglief – bist du auch schon einmal weggelaufen? Jesus bleibt sitzen und ist offensichtlich immer noch da, als die Frau zurückkommt. Er ist der, der beschenken will. Er ist der, der tief in uns Neues schaffen will und uns etwas erlebbar macht, was sonst niemand in uns erlebbar machen kann.

Die bedingungslose Liebe Jesu in meinem Leben

Erinnerst du dich an die Frage, die mich über viele Jahre und manchmal bis heute bewegt? Was hält eigentlich unserem Leben stand, allem Leben auf dieser Erde, in allen Situationen?
Es ist dieser Jesus, der dem Leben standhält, weil er da ist, weil er dich sieht, weil er immer mit dir ist und für dich da ist. Und das ganz egal, was du selbst über dich denkst oder was andere über dich denken.
Bis heute ergreife ich nicht vollständig, was es bedeutet, was uns als Christen so einfach über die Lippen geht: Jesus liebt dich bedingungslos. Hundert Prozent unabhängig ist seine Liebe von dir und deinem Verhalten. Glaubst du das?
Wie oft passiert es dir, dass du denkst: Heute kann Gott mit mir nicht zufrieden sein, heute war ich kein guter Christ. Heute habe ich zu wenig Einsatz gebracht, meine Bibel gar nicht gelesen, geschweige denn eine Sekunde an ihn gedacht. Das ändert für Jesus gar nichts.
Jesus ist überall da, wo Menschen sind. Das ist übrigens Himmel auf Erden.
Damals, in der Atacama-Wüste, begann ich neu zu verstehen, welche Botschaft Jesus in dieser Nacht für mich hatte. Er sagte mir ganz deutlich: „Angie, ich halte dem Leben von Teresa und Carlita stand. Ich bin da. Nichts kann mich schockieren, keine Wunde ist zu groß, kein Schmerz zu gewaltig, kein Verhalten, das mich abstößt. Ich bin da und ich werde bleiben.“
Und das, wozu ich dich als Angie einlade, ist: Komm mit mir, folge mir nach. Werde immer mehr Teil dessen, wie ich den Menschen begegne – in Glaube, Liebe und Hoffnung.

Die Einladung Jesu zu einem gelebten Glaubensweg

Und das ist etwas, das ich bis heute ganz anders entdecke, als wir es gewöhnlich leben – auch ganz anders, als wir Christen es häufig tun. Denn bei Jesus geht es nicht in erster Linie um Religion, um das Einhalten von Regeln, um Gebote, um Erwartungen, um Lifestyle oder um irgendwelche christlichen Prägungen.
Es geht nicht in erster Linie darum, uns. Es geht auch nicht darum, uns als Fromme für etwas Besseres zu halten. Ebenso wenig geht es darum, dich ständig als ungenügend, nicht christlich genug, nicht perfekt genug oder nicht liebend genug abzustempeln.
Es geht einfach nur darum – und sonst um nichts –, dass Jesus diese liebende Einladung immer und immer wieder aufs Neue in dein Leben spricht: Komm und folge mir nach. Diese Einladung hat himmlische Natur.
Diese Einladung spricht Jesus in deinem Klassenzimmer aus, wenn dich gerade deine Nebensitzerin wieder stresst. Diese Einladung spricht dir Jesus aus, wenn du Stress hast und Herausforderungen mit deinen Eltern erlebst.
Diese Einladung spricht dir Jesus aus, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: "Wow, ich würde schon auch gern besser aussehen." Diese Einladung spricht dir Jesus aus in dem Moment, in dem du sagst: "Der beste Tag meines Lebens. Hoffentlich können alle so sein."
Komm, folge mir nach.

Persönliches Zeugnis und der Weg des Glaubens

Damals in der Atacama-Wüste liefen mir die Tränen über die Wangen. Ich begann zu verstehen, dass es um etwas ganz anderes geht als das, was ich diesem Mädchen bieten wollte. In mir machte sich ein Lied laut hörbar, und ich begann, es leise für mich zu singen: I have decided to follow Jesus – ich habe entschieden, Jesus zu folgen. I have decided to follow Jesus, now turning back – ich kehre nicht um.
In diesem Moment wurde mir klar, wozu wir Christen berufen sind: Jesus zu folgen, zu glauben, zu hoffen und zu lieben – und zwar in einer Art und Weise, wie es 1. Korinther 13 beschreibt. Nicht neben Jesus, nicht ein bisschen, nicht hin und wieder, nicht perfekt und auch nicht optionslos, sondern immer wieder neu. Komm, folge mir nach! So ging mein Weg weiter.
Inzwischen leben wir im Hoffnungshaus und teilen das Leben mit vielen Menschen aus verschiedenen Teilen dieser Erde. Viele von ihnen haben Fluchterfahrung. Ich sitze mit Menschen zusammen, die über Wochen und Monate gefoltert wurden, die alles verloren haben, die in einer Welt groß geworden sind, in der sie nie ein einziges Wort über Jesus gehört hatten und nicht einmal wissen, dass Christen existieren.
Ich sitze mit Menschen zusammen, die gelernt haben, die Bibel zu hassen, weil ihnen gesagt wurde, sie sollen sich abgrenzen und dass es gefährlich sei, diesem Jesus zu begegnen. Ich sitze mit Menschen zusammen, die auf der Flucht ihr Baby im Boot verloren haben und das Kind im Meer verstorben ist.
Mit diesen Menschen teilen wir das Leben, und mit diesen Menschen – wie mit allen anderen aus dieser Welt – teilt Jesus sein Leben. Wir wollen unterwegs sein, um Glaube, Hoffnung und Liebe miteinander zu entdecken. Dort lerne ich auch meine heutige Freundin kennen.
Viele dieser Begegnungen und Gespräche prägen sich tief in mir ein. Oft formuliere ich leise und laut in mir einen Text, der euch allen bekannt ist.
"Ich sehne mich nach einem Ort, an dem alles Leid ein Ende hat, denn was ich mit den Augen sehe, kann meine Seele nicht verstehen. Ich weiß, du hast den besten Plan, auf den ich mich verlassen kann."
Die weitere Verschriftlichung dieses Vortrages ist in Arbeit und wird bald hier verfügbar sein.