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Der Schöpfer 3/3

08.05.2010
Serie•Teil 4 / 10Wie ist Gott?
Kann man Gott überhaupt erkennen? Die Antwort ist: ja – aber nie komplett. Die Schöpfung zeigt genug, um dich zu fragen: Wer steht dahinter? Und was mache ich mit dieser Spur?

Einordnung in die Vortragsreihe

Wir sind mitten in einer Reihe von zehn Vorträgen über „Wer ist Gott?“. Die Vorträge sind so aufgebaut, dass wir eine allgemeine Einführung gemacht haben und uns heute schon dreimal abschließend über Gott, den Schöpfer, unterhalten haben. Danach werden wir weitermachen mit „Gott dem Retter“, drei Vorträge, und „Gott dem Richter“, drei Vorträge. Auf diese Weise gehen wir durch das Thema „Wie ist Gott?“.
Ich muss ehrlich sagen: Es ist natürlich nur so ein Durchhopsen. Es ist jetzt nicht so richtig tief. Da könnte man noch viel mehr sagen. Aber es ist doch so, dass die wesentlichen Sachen einmal alle angerissen werden, sodass, wenn ihr irgendwo sagt: Das interessiert mich mehr, ihr von euch aus da einfach noch ein Stückchen tiefer gehen könnt, euch weiter reinbuddeln könnt und sagen könnt: Das möchte ich noch mehr verstehen.
Oft werde ich heute auch machen, dass ich euch einen Begriff hinwerfe. Und wenn ihr eine Konkordanz aufschlagt, dann könnt ihr euch an dem Begriff entlanghangeln. Ihr werdet das am Ende merken, wenn wir über das Thema Gottesfurcht reden. Ihr könnt diesen Begriff aufschlagen und einfach dann weiter bohren, euch tief hineingraben und eigene Schätze heben.

Rückblick auf die bisherigen Eigenschaften Gottes

Letztes Mal ging es um Gottes Transzendenz und Gottes Unendlichkeit. Mir ging es darum, euch zu zeigen, dass Gott ungeschaffener Geist ist. Das hört sich schon komisch an, aber so ist es nun einmal.
Ja, wir begegnen Gott, und wir müssen plötzlich Vokabeln in den Mund nehmen, die man normalerweise nicht braucht. Wenn man irgendwo ein paar Brötchen einkaufen geht, in der Küche steht oder am Arbeitsplatz sitzt, braucht man diese Vokabeln nicht.
Wir haben uns mit dem Begriff der Heiligkeit beschäftigt, einem Begriff, der diese Kluft beschreibt zwischen dem Schöpfer auf der einen Seite und uns, den gefallenen Geschöpfen, auf der anderen Seite. Wir haben uns letztes Mal mit Gott als dem beschäftigt, der unser Denken überragt, der im Himmel wohnt und gleichzeitig überall ist.
Ich habe euch versucht deutlich zu machen, dass diese Sprache, die wir verwenden, erhabener und höher ist. Das ist der Versuch, mit menschlichen Worten zum Ausdruck zu bringen, dass Gott einfach alles überragt. Dass wir keine sind, die wie kleine Kinder wirklich daran glauben, dass unser Vater im Himmel irgendwo so in der Stratosphäre unterwegs ist. Darum geht es nicht. Sondern Gott ist einfach der Höchste, und ich nehme das Höchste, was ich mir vorstellen kann.
Und es geht mir so: Wenn ich durch den Wald gehe und hochschaue und die Wolken sehe, und ich dann sage: Vater unser, der du bist im Himmel, dann hat man für einen kurzen Moment das Gefühl, ja, man sieht ihn da oben. Obwohl er da natürlich gar nicht ist, weil irgendwie muss er oben sein. Es ist nur der Versuch, mit menschlichen Worten den zu beschreiben, der überall ist, unsichtbar, aber erfahrbar, grenzenlos, selbstexistent, ewig, allgegenwärtig, allwissend, allmächtig. Das war letztes Mal.

Gottes Erkenntnis und die Frage nach der Offenbarung

Und heute gehen wir einen Schritt weiter. Ich hatte letztes Mal mit drei Fragen aufgehört. Wenn Gott so anders ist, dieser Transzendente, dieser unser Denken Übersteigende, wie können wir dann überhaupt etwas über ihn wissen? Dann: Woher weiß ich, dass es Gott gibt? Und der letzte Punkt für heute: Was bedeutet eigentlich der Begriff Gottesfurcht?
Fangen wir mit dem Ersten an: Gotteserkenntnis.
Gott ist anders, weil er Gott ist. Und er ist anders, weil er eine Person ist. Personen haben so etwas ganz Eigenwilliges. Das weiß jeder, der schon einmal einen guten Freund oder eine Ehepartnerin, einen Ehepartner hatte. Personen sind nie so ganz zu greifen. Man denkt, man weiß schon viel über den anderen, kennt ihn schon zehn, zwanzig, dreißig Jahre, und auf einmal passiert etwas. Dann denkst du dir: Das ist so eine Seite, die kannte ich noch gar nicht an ihr oder an ihm.
Das ist bei Personen halt so. Man wird Personen nie ganz kennenlernen. Das heißt: Die Andersartigkeit Gottes und die Tatsache, dass er Person ist, führen dazu, dass wir Gott tatsächlich nie ganz verstehen können. Das heißt, wir geben Zophar Recht. Kennt ihr Zophar in der Bibel? Also, wir geben Zophar Recht. Der sagt das nämlich in Hiob 11,7-8. Da heißt es: Kannst du die Tiefen Gottes erreichen oder die Vollkommenheit des Allmächtigen ergründen? Himmelhoch sind sie. Und was kannst du tun? Tiefer als der Scheol, was kannst du erkennen?
Das ist die eine Seite. Wenn wir uns mit Gotteserkenntnis beschäftigen, kommen wir an ein Thema, bei dem das gilt. Die Antwort lautet: Nein, du wirst in letzter Konsequenz, in absoluter Tiefe, Gott nicht erkennen können.
Aber auch wenn wir Gott nicht ganz erfassen können, etwas können wir von ihm schon begreifen. Die Tatsache, dass Gott ganz anders ist, macht es nicht in letzter Konsequenz unmöglich, von ihm etwas zu lernen.

Allgemeine Offenbarung in Schöpfung und Gewissen

Oder anders ausgedrückt: Es gibt tatsächlich Erkenntnis Gottes. Aber es gibt sie nur, weil Gott sich zu erkennen gegeben hat. In 5. Mose 29,28 heißt es: Das Verborgene steht bei dem Herrn, unserem Gott, aber das Offenbare gilt uns und unseren Kindern für ewig.
Und hier kommt ein Begriff hinein, der ganz wichtig ist, wenn wir uns über Gottes Erkenntnis Gedanken machen: das Offenbare, die Offenbarung. An anderer Stelle, in Matthäus 11,27, heißt es, spricht der Herr Jesus: Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem der Sohn ihn offenbaren will.
Wenn wir über Gottes Offenbarung reden, reden wir über Offenbarung. Wir reden davon, dass Gott sich mitteilen muss, dass Gott sich offenbaren muss und dass das das Mittel ist, das Gott benutzt, um sich bekannt zu machen.
Also: Auf der einen Seite, wenn wir Gott begegnen, begegnen wir immer einem Mysterium. Es wird immer so sein, dass manches nicht ganz klar wird. Wenn du anfängst, über Gott nachzudenken und ihm begegnest, dann begegnest du immer auch deinen eigenen Grenzen. Du wirst dich immer ein bisschen klein fühlen, du wirst schnell demütig werden und feststellen: Ich begreife das nicht so ganz. Und das ist sehr gut.
Denn wenn es anders wäre, wenn du Gott völlig erklären könntest, dann wäre es nicht Gott. Dann wäre das, was du Gott nennst, ein Konstrukt deiner Phantasie. Dann wäre Gott auf dem gleichen Niveau wie ein TDI-Motor, wo du sagst: Ich habe ein bisschen Ahnung von Technik, ich weiß, wie das Ding funktioniert. So geht es mit Gott nicht. Egal, wie viel Ahnung du von ihm hast, so richtig verstehen wirst du ihn nicht.
Die Frage ist: Wie gibt sich Gott zu erkennen? Was meint Paulus in Apostelgeschichte 14,17, wenn er sagt, dass er sich nicht unbezeugt gelassen hat?
Und die Theologie bringt auf so eine Frage hin jetzt zwei Fachbegriffe, und die muss ich heute einfach mal nennen. Ich will euch ja sonst nicht so belasten mit Fachbegriffen. Aber die Theologie spricht von einer allgemeinen Offenbarung Gottes und einer speziellen Offenbarung.
Also: Gott hat einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, wie er sich offenbart. Und wenn ich diesen großen Strauß von Möglichkeiten mal einteile, dann ist der erste Block die allgemeine Offenbarung Gottes. Wir lesen davon in Psalm 19. Ich lese euch das mal vor: Psalm 19,2-7. Da hören wir etwas von der allgemeinen Offenbarung Gottes. Eine Offenbarung, die irgendwie jeder Mensch mitkriegt, fast schon, ob er will oder nicht.
 Psalm 19,2-7: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes. Seht ihr das? Ja, also: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes. Gott teilt sich mit durch die Himmel. Und das Himmelsgewölbe verkündet seiner Hände Werk. Ein Tag sprudelt dem andern Kunde zu, und eine Nacht meldet der andern Kenntnis. Ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme. Das ist lustig: unhörbare Stimme. Das ist eine Stimme, die man aber nicht hört. Da ist irgendwas, da wird kommuniziert. Ihr Schall geht aus über die ganze Erde und bis an das Ende der Welt ihre Sprache. Dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt. Und sie, wie ein Bräutigam aus seinem Gemach, tritt sie hervor. Sie freut sich wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen. Vom Ende des Himmels geht sie aus und läuft um bis an sein Ende. Nichts ist vor ihrer Glut verborgen.

Die Wirkung der Schöpfung auf den Menschen

Okay, es gibt zwei Typen von Menschen: Es gibt die Romantiker, und es gibt die Naturwissenschaftler. Vielleicht gibt es auch romantische Naturwissenschaftler, aber an dieser Stelle ist es so.
Die allgemeine Offenbarung Gottes funktioniert entweder dadurch, und ich nehme jetzt nur mal die Sonne als Beispiel, dass du dich an einen Strand setzt und dir den Sonnenuntergang anschaust und denkst: Da muss es noch mehr geben auf dieser Welt als mich. Und du denkst an Gott.
Oder aber du bist Naturwissenschaftler, und du denkst dir: Wow, 1,4 Millionen Kilometer im Durchmesser, Wasserstoff fusioniert zu Helium. Dieser glühende Ball verliert jede Sekunde 4,3 Millionen Tonnen Masse und blubbert Energie pro Sekunde. Das ist eine Zahl, die könnt ihr euch nicht vorstellen. Für die Naturwissenschaftler unter euch: 3,8 mal 10 hoch 26 Watt. Das sind 380 Millionen Milliarden Milliarden Milliarden Watt, die pro Sekunde da emittiert werden. Das ist irre. Und davon kriegen wir glücklicherweise genau so viel ab, dass hier alles gut läuft. Also, wenn wir da ein bisschen dichter dran wären oder ein bisschen weiter weg, dann wäre es entweder viel zu warm oder deutlich zu kalt.
Egal, wie du rangehst, ob du dir das anschaust und ob du in die tiefen Sphären der Physik abtauchst und einfach nur sagst: Wow, E gleich mc Quadrat, und dann habe ich Wasserstoff und Helium, und das kleine bisschen Masse, was dann fehlt, geht raus. Vielleicht begeistert dich das, und du kannst dich in die Naturgesetze hineinverbuddeln. Und du stellst dir vor, dass dieselben Gesetze, die so eine Sonne regieren, quasi überall um mich herum sind, dass es gar nicht so viele sind und dass sie fein ineinander verwoben sind. Und du siehst förmlich die Sprache, die dahinter gesprochen wird.
Oder aber du sitzt am Strand und lässt einfach die Sonne untergehen. Es ist völlig Wurst, wie du das machst. Aber das ist allgemeine Offenbarung Gottes. Konfrontiert mit der Schöpfung und ihrer romantischen, aber auch ihrer naturwissenschaftlichen Herrlichkeit, kommen Menschen dahin, dass sie etwas von Gott ahnen.
Und wenn Paulus in Apostelgeschichte 14 und ich lese mal die Verse 15 bis 17 zu den Leuten in Lystra sagt: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkünden euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Götzen bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist. Er ließ sich in den vergangenen Geschlechtern alle Nationen ihren eigenen Wegen gehen. Und obwohl er sich doch nicht unbezeugt gelassen hat, indem er Gutes tat und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte.
Jeder Regen, jede Ernte, jede Mahlzeit ist ein Hinweiszeichen auf den Schöpfer, der es gut mit uns meint. Die Welt ist voll von solchen Zeichen, die mir förmlich immer wieder zuschreien: Denk nach, da muss doch irgendeiner dahinter sein!

Das innere Zeugnis von Moral und Gewissen

Und es geht weiter. Ich finde die allgemeine Offenbarung Gottes in mir drin. Menschen sind von Natur aus religiös. Klar, es gibt ein paar hartgesottene Atheisten, vielleicht gibt es in Deutschland ein paar mehr, das mag sein. Aber mal weltweit, ja, geben wir mal einen etwas größeren Fokus, nicht nur so dieses: Was läuft gerade fünf Kilometer rund um Oberkrämer? Jetzt mal ein bisschen zurück.
Weltweit sind Atheisten deutlich in der Minderheit. Religion ist das Thema, um das sich das Leben dreht. Und es ist ganz spannend zu sehen, dass es unserem Verstand sehr leicht fällt, zumindest dann, wenn wir Kinder sind, an die Existenz einer kraftvollen Persönlichkeit zu glauben, die ohne Anfang und unbegrenzt ist. An Gott.
Überlege mal: Gott ist eine superkomplexe Sache. Ich kann hier zehn Vorträge halten und fange den hier damit an, dass ich sage, wir kratzen nur so ein bisschen an der Oberfläche. Und trotzdem, wenn ein Kind mit Gott, mit der Idee von Gott, konfrontiert wird, hat es oft überhaupt keine Schwierigkeiten, das anzunehmen. Man muss ihm das wieder ausreden. Man muss ihm dann quasi Argumente an die Hand geben, warum das doch alles Blödsinn sein soll. Dann kann man es schon wieder herausführen. Aber am Anfang ist das relativ einfach.
Wo kommt denn das her, dass wir darauf gepolt sind, Gott zu begegnen? Warum fällt dieses Gottkonzept beim Menschen auf so vorbereiteten Boden? Römer 2,14-15, da heißt es, und ich greife jetzt einfach mal in den Text hinein: Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, also denen nicht die zehn Gebote speziell gegeben worden sind, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist. Spannender Vers.
Woher kommt es, dass weltweit bestimmte Dinge quasi durchgehend als richtig und andere als falsch wahrgenommen werden? Der Punkt ist, dass das Werk des Gesetzes nicht die zehn Gebote ist. Der Atheist wacht nicht auf und sagt dann: Haha, ohne sie gelernt zu haben, jetzt kenne ich die zehn Gebote. Aber bestimmte Dinge sind ins Herz geschrieben. Und wir müssen uns anstrengen. Wir haben ein Gewissen. Wir haben diesen moralischen Kompass, der sich ausrichtet, erst mal an dem, was im Herzen steht.
Wir müssen diesen Kompass kaputt machen. Wir müssen das, was da drinsteht, abstumpfen. Wir müssen uns dazu bringen. Das ist ein bisschen wie Horrorfilme schauen: Am Anfang tut es noch weh, und wenn man dann weitermacht, wird es irgendwann normal. Man stumpft einfach ab. Und ich hoffe, dass das keiner von euch gemacht hat. Aber ich nehme an, dass die, die etwas über den Krieg wissen, dass manch einer irgendwann mal mit einer Sache angefangen hat, die irgendwie falsch war. Man ist den Weg weitergegangen, man ist abgestumpft.
Man läuft so nicht andersherum. Man fängt nicht beim Schlechten an und entwickelt sich dann langsam automatisch zum Guten. Das stimmt leider nicht. In uns steckt etwas. Und es steckt etwas in uns drin, was uns nicht nur sagt, dass es Gut und Richtig gibt und dem auch noch eine Richtung vorgibt. Sondern schaut mal Römer 1,28-32. Wir haben es hier mit echten Vollblutsündern zu tun. Da heißt es: Und wie sie es nicht für gut fanden, Gott in der Erkenntnis festzuhalten, hat Gott sie dahingegeben in einem verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt.
Und jetzt kommt die Bildzeitung: Erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke, Ohrenbläser, Verleumder, Gottverhasste, Gewalttäter, hochmütige Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige. Vers 32, und auf den Vers kommt es mir an: Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen. Du nimmst so den typischen Vollblutsünder, und Paulus kann schreiben: In einer stillen Stunde, wenn du ihn im richtigen Moment erwischst, weiß er, obwohl er das tut, obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, dass sie, die solches tun, des Todes würdig sind. Und hier ist der ewige Tod gemeint, nämlich die Hölle. Sie üben es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun.
Der gemeine Vollblutsünder, der seit 20 Jahren dahinterher ist, das Finanzamt zu betrügen und wirklich aus jeder Situation für sich noch das letzte bisschen Vorteil herauszuziehen, kann in einem Moment kommen. Dem kann es passieren, dass er mit einem Mal dasteht und gar nicht weiß, woher das kommt. Und sich die Frage stellt: Könnte es sein, dass es doch Gott gibt? Könnte an dem, dass ich verantwortlich bin vor Gott, doch etwas dran sein? Wo kommt das her?
Wo kommt dieses Denken her, dass wir verantwortlich sind, dass Menschen Gottes Rechtsforderungen erkennen und eigentlich wissen: So, wie ich drauf bin, es ist so falsch, dass ich es nicht verdiene, von Gott dafür anders behandelt zu werden, als in die Hölle gesteckt zu werden? Wo kommt das her? Und es kommt daher, weil wir Teil einer Schöpfung eines moralischen Gottes sind und er etwas von seinem Wesen in uns hineingelegt hat.
Wir können uns jetzt Gedanken machen, welche Art von Wissen man eigentlich aus dieser allgemeinen Offenbarung gewinnen kann. Der Punkt ist, dass das nicht sonderlich viel ist. Durch die allgemeine Offenbarung Gottes kann man wissen, dass es einen Gott gibt. Das heißt in Römer 1,20-21: Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten.
Ich kann aus der allgemeinen Offenbarung Gottes heraus wissen, dass es einen Gott gibt, der unsichtbar ist. Diese allgemeine Offenbarung konfrontiert mich mit seiner Herrlichkeit, mit seiner Macht, mit seiner Ewigkeit, mit seiner Unsterblichkeit. Sie steckt hinter dem Begriff Göttlichkeit. Mit seiner Güte. Es zeigt mir die Verantwortung, die ich habe, Gott anzubeten, ihm zu dienen, ihm zu danken. Ich finde so grundsätzliche moralische Gesetze. Ich habe dieses Wissen um Gut und Böse. Ich weiß, dass Gott mein Richter ist. Und dann ist Schluss.
Die allgemeine Offenbarung Gottes kann uns nicht retten. Du kannst dir die Sonne anschauen, jeden Abend. Vielleicht hast du ein Haus am Strand, und du schaust dir jeden Abend den Sonnenuntergang an. Alleine das wird dich nicht in den Himmel bringen. Die allgemeine Offenbarung kann nicht mehr sein als ein Hinweisschild. Und dann ist Schluss.

Grenzen der allgemeinen Offenbarung und der Bedarf an spezieller Offenbarung

Und wenn ich in mich hineinhorche und so ein bisschen das Gut und Böse verstehe, dann ist das allein nicht genug, um gerettet zu werden. Kein Gesetz, auch nicht das Gesetz, das ich in mir drin finde, kann mich retten. Das kann allein Jesus.
Und deswegen ist diese Idee, die ich schon oft gehört habe, wenn mir Leute sagen: Ja, du hast doch das Licht in dir. Und du musst doch diesem Licht, das in dir ist, nur folgen. Deswegen ist das Blödsinn. Weil ja, es stimmt: Der Mensch findet, wenn er in sich hineinschaut, irgendwie Licht. Also jetzt nicht vollständig, aber er findet etwas, wo er sagen kann: Ich habe da so einen moralischen Kern, ich kann Dinge beurteilen. Gut und Böse, das sind für mich Begriffe, die sind gefüllt. Ich bin kein Hund, der nur nach seinen Instinkten lebt. Und ich finde in mir sogar den Wunsch, Gutes zu tun. Da muss ich noch nicht mal gläubig sein.
Aber dieses: Ich habe da in mir etwas, was mich dazu drängt, das Richtige zu tun, zumindest in einem gewissen Rahmen. Ich bleibe noch egoistisch genug, dem nachzufolgen. Das reicht nicht, um gerettet zu werden. Du brauchst den, der deine Schuld bezahlt. Du brauchst den, der für dich gestorben ist.
Und die allgemeine Offenbarung Gottes war nie dazu gedacht, uns zu retten. Die allgemeine Offenbarung Gottes hat folgendes Ziel: Sie möchte uns konfrontieren mit der Herrlichkeit des Schöpfers. Wir sollen ein Stückchen von seiner Herrlichkeit verstehen, und wir bekommen als Geschöpfe dadurch ein Mindestmaß an Leitung und Führung. Das ist das, was allgemeine Offenbarung kann. Und dann ist einfach Schluss.
Und der Grund, warum dann Schluss ist, ist ein doppelter: Wenn ich mir als Mensch die Schöpfung, von der ich ein Teil bin, anschaue, dann stoße ich an zwei Grenzen. Ich schaue mir die Schöpfung an, aber wenn ich sie anschaue als Mensch, dann bin ich ja nicht neutral. Ich schaue sie ja nicht aus einer objektiven Perspektive an, sondern ich schaue sie an: ich, der Sünder, ich, das gefallene Geschöpf, ich, von dem Paulus sagt, ich bin verfinstert am Verstand.
Das heißt, natürlich würden wir uns wünschen, dass unser Denken durch die Sünde kein bisschen in Mitleidenschaft gezogen ist. Das würden wir uns alle wünschen. Ja, wir können, na klar, wir denken völlig geradeaus. Aber das stimmt doch nicht, das ist doch großer Quatsch! Unser Denken ist doch, weil wir Sünder sind, schon verdreht. Und jetzt gehe ich mit diesem verdrehten Denken an die allgemeine Offenbarung Gottes. Schau mir das an!
Ja, was mache ich denn, wenn in mir dieser Gedanke hochkommt: Oh, sollte es da womöglich einen Gott geben? Aber ich habe schon lange in meinem Kopf entschieden: Ha ha, ich möchte nicht ins Licht Gottes treten.

Flucht vor dem Licht und die zweite Grenze der Schöpfung

Erinnert ihr euch daran? Menschen, es gibt zwei Typen von Menschen: die einen, die für sich entschieden haben: Ich möchte ins Licht Gottes, ich möchte, dass Gott mir zeigt, was in meinem Leben nicht in Ordnung ist, ich möchte mit Gott ins Reine kommen. Und dann gibt es die, die sagen: Das habe ich euch nie von den Kakerlaken erzählt. Doch, bestimmt. Nein, also, der Herr Jesus sagt das mal: Menschen sind wie Kakerlaken.
Du machst Urlaub im Süden. Es ist nachts, du liegst in deinem Bett und hast noch einmal Durst. Du stehst auf, gehst in die Küche und machst das Licht an. Plötzlich lebt der Boden, und kleine schwarze Tierchen huschen in die Dunkelheit. Das sind Menschen. Sie huschen in die Dunkelheit, wenn das Licht Gottes in ihr Leben fällt. Und Christen sind Kakerlaken, die wieder herauskommen und sich einfach ins Licht Gottes stellen und den sehen wollen, der das Licht angemacht hat.
Jetzt stell dir vor, du hast so eine Tendenz, immer vor Gott davonzulaufen, und jetzt wirst du angesprochen durch die allgemeine Offenbarung Gottes. Meinst du wirklich, dass du gerade ausdenken kannst? Nein, kannst du nicht. Du wirst dein Denken so einrichten, dass du weiter davonlaufen kannst, weil du denkst, was du willst. Du denkst immer, was du willst. Dein Herz entscheidet über dein Denken und niemals die Fakten. Wenn du verliebt bist, also hey, keine Beispiele an der Stelle, das ist eine Grenze der allgemeinen Offenbarung Gottes.
Und die zweite Grenze ist: Ich schaue mir die Schöpfung an. Man kann sich selber anschauen. Ich schaue mir die Schöpfung an und stelle fest: Na ja, die Schöpfung ist ja mitgefallen. Sie ist durch den Sündenfall in Mitleidenschaft gezogen worden. Und der Gott dieser Welt, der Teufel, der benutzt sie, um uns zu schaden. Das heißt, selbst die Schöpfung vermittelt uns an manchen Stellen ein sehr, ich will mal sagen, sehr unscharfes Bild vom Schöpfer.
Bei der Sonne ist das nicht so das Problem, die haben wir noch nicht klein gekriegt. Aber so andere Dinge, da haben wir uns schon richtig angestrengt, dass von der Herrlichkeit der Schöpfung na ja nicht mehr so viel übrig ist. Und da wird es auch immer schwieriger, das dann zu sehen.
Und diese beiden Dinge, dass wir gefallene Schöpfung sind und nicht gerade ausdenken können und dass die Schöpfung selber in Mitleidenschaft gezogen ist, das führt beides dazu, dass wir nicht nur die allgemeine Offenbarung brauchen, sondern dass wir eine spezielle Offenbarung brauchen.

Gottes Eingreifen, Gottes Wort und die Erscheinung in Christus

Preist den Herrn, wir haben sie! Das Buch ist voll von spezieller Offenbarung, und es gibt drei Hauptarten.
Wie greift Gott persönlich ein? Zunächst gibt es sein machtvolles Eingreifen. Das geschieht auf ganz unterschiedliche Weise. Menschen haben Träume und Visionen. Das gibt es heute noch, ja. Aber wir lesen das in der Bibel, zum Beispiel beim Pharao oder bei Nebukadnezar, die dann etwas träumen. Wo kommt denn der Traum her? Der Traum kommt von Gott.
Es gibt auch eine etwas auffälligere Form. Da steht plötzlich eine Feuersäule da. Auch das ist eine Form von Gottes Eingreifen. Die Feuersäule war vorher nicht da. Gott greift in die Geschichte ein, oder er tut Wunder. Oder es wird ein Losentscheid getroffen. Da wird einer gezogen, welcher Apostel Judas ersetzen soll. Es gibt zwei zur Auswahl, und wir wissen: Gott steckt hinter dem Losentscheid.
Auf diese Weise greift Gott immer wieder auf wunderbare Weise ein.
Ein kurzes Wort zu den Wundern: Wunder dienen in der Bibel fast immer als Bestätigungszeichen. Und zwar als Bestätigungszeichen dafür, dass die Botschaft dessen, der das Wunder tut, wahr ist und von Gott kommt. Das ist eine Möglichkeit, wie Gott sehr persönlich zu Menschen spricht. Er greift einfach ein.
Und ich glaube bis heute, dass das passiert, dass Gott zu uns reden kann. Ich höre das auch aus der islamischen Welt, dass Leute immer wieder davon berichten, dass sie durch Träume und durch Visionen dazu gekommen sind, an diesen Jesus zu glauben. Und ich glaube das: dass Gott an dieser Stelle immer noch eingreift.
Das Zweite ist Gottes gesprochenes Wort. Gott redet oder hat geredet, hörbar zu Menschen. Die Zehn Gebote: Da kommt eine Stimme aus dem Himmel. Gott redet mit Mose. Oder bei der Taufe Jesu auch wieder diese eine Stimme aus dem Himmel: Gott redet.
Manchmal benutzt Gott dazu Boten. Da gibt es dann Leute wie David, die im Namen Gottes reden. Manchmal auch gegen den Willen der Boten. Ich denke an Biliam, der eigentlich das Volk Israel verfluchen soll und ständig einen Segen ausspricht. Mal kommt ein Engel, und mal ist es eine Eselin. Also, Gott ist da sehr flexibel, aber Gott spricht zu den Menschen.
Und ich hoffe, dass ihr das glauben könnt, dass Gott redet. Das muss nicht immer hörbar sein. Er kann auch durch den Heiligen Geist Schreiber inspirieren. In diesem Sinn ist die Bibel von Gott eingegeben, wörtlich steht da „von Gott gehaucht“. Das heißt: Gott schaltet nicht die Persönlichkeit des Schreibers aus, und jetzt gibt es ein automatisches Diktat. Sondern Gott benutzt den Schreiber. Und im zweiten Petrusbrief wird das so beschrieben: getrieben vom Heiligen Geist redeten Menschen. Da steckt der Heilige Geist dahinter. Er inspiriert den Schreiber, und der schreibt mit seinen Worten das nieder, was Gott sagen möchte.
Deswegen, wenn wir Römer 3,1-2 lesen: Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung? Viel in jeder Hinsicht, denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden. Altes Testament, Aussprüche Gottes: Gott hat geredet.
Und ihr werdet feststellen, das ist etwas, was heute nicht mehr weit geglaubt wird, dass Gott tatsächlich geredet hat. In weiten Teilen der Theologie ist Gott ein sprachloser Gott geworden, der auf keinen Fall geredet haben darf. Aber die Bibel sagt es anders. Gott überwindet diese Barriere zum Menschen. Er lässt sich auf unser Niveau ein. Er verwendet menschliche Sprache, um sinnvolle und wichtige Dinge über sich selbst zu offenbaren.
Daran müssen wir festhalten: dass die Bibel nicht der Versuch ist, von irgendwelchen fehlbaren, kurzsichtigen Menschen etwas über Gott zu sagen. Wenn das so wäre, dann könnten wir die Bibel weglegen. Dann müssten wir sie auch weglegen, denn es gäbe ja gar keinen Grund, den Menschen mehr zu vertrauen, die so ein Buch schreiben und so tun, als würde es von Gott kommen, aber es kommt gar nicht von Gott. Dann sind das ja alles Lügner. Das ist eine einzige Lügengeschichte. Dann müssten wir es wirklich wegtun. Aber das stimmt nicht.
Allein dadurch, dass Gott spricht und dafür sorgt, dass sein Reden auch aufgeschrieben wird, erhält die Bibel ihre Autorität. Und wir bekommen die Chance, dass der Heilige Geist, der in uns wohnt, dieses Wort nimmt und es in uns auch offenbart, dass wir plötzlich, weil wir das lesen und darüber nachdenken, einsteigen und in Kontakt kommen mit Gott, ihn tiefer verstehen und an der Stelle persönlich geistlich wachsen. Deswegen ist Bibellesen so wertvoll.
Wer handelt machtvoll? Gott spricht, und manchmal zeigt sich Gott. Wir hatten schon den Begriff der Theophanie, der Gotteserscheinung. In Hebräer 1,1-3 lesen wir von der deutlichsten Erscheinung, die Gott jemals auf der Erde hatte.
 Hebräer 1,1-3: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat, er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt.
Er wird sichtbar, und nicht nur so als Theophanie mal für ein Abendessen bei Abraham, sondern Gott wird Fleisch und lebt, wörtlich, zeltet unter uns. Er schlägt hier sein Zelt auf, er kommt und bleibt, und das tatsächlich in alle Ewigkeit. Denn wir haben heute im Himmel einen Gottmenschen sitzen, der darauf wartet, als unser Bruder wieder mit uns Gemeinschaft zu haben.
Es ist ein ganz verrücktes Konzept, dass Gott sich so weit auf unser Niveau herablässt, dass er in Jesus, dass ein Teil der göttlichen Persönlichkeit, Gott der Sohn, so einen Kontaktpunkt schafft, wo wir an seiner menschlichen Seite andocken können. Und so kommen wir auf die Weise Gott so nahe, wie es nur irgendwie möglich ist. Das ist total verrückt, wie so ein Adapter, wo es mit einem Mal so eine Möglichkeit, eine Kontaktstelle gibt zu Gott. Und Gott redet in einer Weise zu uns, dass das total kompatibel ist, wo mit einem Mal der ganze Abstand sich wirklich verringert.
Ihr müsst euch das vorstellen: Da liegt Johannes, der Apostel Johannes, an der Brust von Jesus. Überlegt einmal, er kuschelt sich da richtig rein. Er spürt ihn, er hört sein Herz schlagen, er kriegt seinen Atem mit. Das ist Nähe. Und so nah kommt uns Gott. Und so nah kommt uns Gott in Ewigkeit.

Einheit der Offenbarung und ihr Ziel

Und an dieser Stelle möchte ich zur Vorsicht mahnen, weil es einen Trend in der Christenheit gibt, die Offenbarung, die durch Jesus geschehen ist, gegen andere Formen von Offenbarung auszuspielen. Es ist so ein Trend nach dem Motto: Das Wichtigste ist, dass wir hören, was Jesus sagt, und das andere, was in der Bibel steht, ist nicht so wichtig.
Dann passiert es schnell, dass man Aussagen von Jesus gegen Aussagen aus dem Alten Testament gegeneinander aufwägt und sagt: Naja, am besten kommen dann noch so Sachen wie „Liebe ist das Wichtigste“. Dann wird nur noch ein Teil der Aussagen von Jesus betrachtet. Seid an der Stelle vorsichtig, das stimmt nicht. Gott offenbart sich auf unterschiedlichste Arten und Weisen, und alle Offenbarungen Gottes bilden, egal in welcher Form, eine Einheit. Wenn Jesus spricht, haben seine Worte, aufgeschrieben in den Evangelien, keine höhere Autorität, als wenn Gott durch Jesaja spricht und Jesaja das aufschreibt. Es ist ein und dieselbe Autorität, weil ein und derselbe Gott dahintersteckt, der sich auf unterschiedliche Weise offenbart.
Was lehrt uns die spezielle Offenbarung? Sie hat gesagt, die allgemeine Offenbarung reicht nicht aus, um gerettet zu werden. Sie gibt uns so einen Sinn dafür, dass Gott herrlich ist, und noch ein paar andere Sachen. Was lehrt uns die spezielle Offenbarung? Ich würde mal sagen, die spezielle Offenbarung macht da weiter, wo die allgemeine Offenbarung aufhört. Sie belehrt uns über Gott und den Menschen, über Sünde und Erlösung. Sie zeigt uns Gott als den Retter. Es ist die spezielle Offenbarung, und ich denke, es ist ganz besonders für uns die Bibel, mit der sich Gott den Menschen vorstellt, und zwar, um ihn erkennen zu können.
Ich will jetzt noch einmal auf diesen Begriff erkennen eingehen. Erkennen hat zwei Seiten. Auf der einen Seite eine intellektuelle Seite: Ich kriege Fakten mit über Gott. Und auf der anderen Seite, nach der Bekehrung, eine persönliche. Und beide Seiten sind wichtig. Wenn ich nur viel über Gott weiß, du hörst dir all die Vorträge an, du machst vielleicht sogar, was immer hinten draufsteht, du lernst die wichtigsten Bibelstellen auswendig und du versuchst das irgendwie zu verinnerlichen, du machst all das und hast danach einen großen Kopf, wo man quasi ganz viele Schubladen hat: Schublade, Gott der Schöpfer, zack, dann sind alle Bibelstellen drin, zack, zack, zack. Man kann sich quasi alles fragen, du hast auf alles eine Antwort. Du hast Gott wie so einen Rezeptabruf bereit. Wenn das so ist und das alles ist, was du hast, dann ist das einfach zu wenig. Wissen über Gott ist kein Ersatz für persönliche Umkehr zu Gott.
Wenn Gott sich uns theoretisch zu erkennen gibt, wenn er uns sein Wort hinterlässt, damit wir darin lesen, wenn er uns vielleicht auch übernatürlich persönlich anspricht, dann möchte er, dass wir auf ihn zugehen und durch Buße und Bekehrung mit ihm in eine ganz persönliche Beziehung eintreten. Dazu ist es da, dass er sich uns offenbart.
Die andere Seite: Ja, ich bin gläubig! Okay, wenn du gläubig bist, dann fang an, viel über Gott zu verstehen. Versteht ihr also zu sagen: Na, ich habe doch eine Beziehung, aber ich kümmere mich nicht so richtig um Gott, wer Gott ist, ja, ich lese nicht in der Bibel, ich mache mir einfach keine Gedanken, birgt in sich die Gefahr, dass ich am Ende nicht an Gott glaube, sondern an so einen Selbstgestrickten. Ja, so etwas Götzliches, also irgendwas, was so ein bisschen nach Gott riecht, aber nicht richtig Gott ist. Ich habe dann so etwas Eigenes mir geschaffen. Und das ist auch falsch.
Zwei Dinge gehören zusammen. Wir müssen verstehen, wie Gott ist, und wir müssen dieses Verstehen nutzen, um in eine Beziehung zu ihm zu treten. Und weil wir eine Beziehung zu ihm haben, wieder weiter daran arbeiten, ihn tiefer zu verstehen. Das ist wie so ein Kreislauf. Ich fange an, ihn einmal zu verstehen, trete ein in die Beziehung, und weil ich ihn jetzt liebe, möchte ich mehr von ihm wieder verstehen und arbeite daran. Also Kopf und Herz in der Erkenntnis Gottes bitte zusammenziehen.
Gut, allgemeine und spezielle Offenbarung. Zwei kurze Themen noch am Schluss.

Gottesbeweise und die Grenzen des Messbaren

Kann man Gott eigentlich beweisen? Ja, also wenn Gott sich selber so darstellt und all diese Sachen macht. Jürgen, beweis mir mal Gott. Antwort: Ja und Nein.
Kann man Gott beweisen? Also ich will jetzt ganz ehrlich sein. Mich haben die klassischen Gottesbeweise, sofern ich sie überhaupt verstanden habe, also es gibt so ein paar Sachen aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert, die ich bestimmt schon ein halbes Dutzend Mal versucht habe zu verstehen, aber dafür bin ich nicht gemacht. Also, mich haben diese ganzen Gottesbeweise immer ein bisschen frustriert. Und zwar deshalb: Wenn sie für mich logisch waren und ich sie jemandem erzählt habe, der nicht gläubig ist und gar nichts mit Gott am Hut hat, waren sie für ihn nicht logisch. Das ist mir so oft passiert, dass ich mir dachte: Ich mag das gar nicht mehr erzählen.
Also, kann man Gott beweisen? Bei mir sind überhaupt nur zwei Gottesbeweise am Ende übrig geblieben. Von all den Gottesbeweisen, die es gibt, also wenn ich mal wirklich in die Not komme, zwei Gottesbeweise, also wenn mich jemand mal so fragt und dann so richtig pieks, pieks, pieks macht, ja, dann sage ich: Okay, wenn ich dir Gott beweisen muss, dann würde ich wahrscheinlich, hm, also ich nehme, wenn überhaupt, nur noch das Argument über Design, ja, weil es sehr eng an der allgemeinen Offenbarung Gottes dran ist. Das Argument geht etwa so: Wenn du spazieren gehst am Strand und du findest eine Uhr im Sand liegen, dann glaubst du instinktiv nicht, dass diese Uhr von alleine dahingekommen ist und einfach so aus dem Sand hervorgeploppt ist. Du glaubst, wenn du eine Uhr siehst, an jemanden, der die Uhr gemacht hat. Warum? Weil das ein sehr komplexes Gebilde ist, mit einem Zweck geschaffen. Du siehst, die Zeiger bewegen sich, das hat eine Funktion.
Und so geht es mir tatsächlich, wenn ich mir die Welt vor Augen halte. Und wenn ich merke, sie ist viel zu komplex, um ohne einen Designer auszukommen, sie enthält Information, die irgendwo herkommen muss, und wenn ich mir noch den Menschen als ein moralisches Wesen anschaue, dann macht es sehr viel Sinn, sich dahinter jemanden vorzustellen, der sich all das ausgedacht hat. Aber ihr merkt schon: Wenn du das nicht glauben willst, dann sagst du einfach: Na ja, ob man das Beispiel von der Uhr wirklich auf eine ganze Welt übertragen kann, das müsstest du erst mal zeigen. Und das kann ich nicht. Wie denn? Wie sollte ich das tun?
Also habe ich einen zweiten Beweis, der mir noch viel lieber ist. Das ist der historische Beweis. Wenn jemand wirklich sagt: Jürgen, was ist der beste Gottesbeweis? Dann sage ich: Der beste Gottesbeweis ist für mich der, der in der Bibel immer wieder verwendet wird. Wenn ihr in der Apostelgeschichte lest, werdet ihr feststellen, dass in jeder Predigt, und wirklich in jeder Predigt, die Auferstehung Jesu erwähnt wird. Das Kreuz wird mal weggelassen, die Auferstehung kommt immer. Warum? Weil an der Auferstehung alles hängt.
Wenn du irgendwann in richtig üble Glaubensnöte kommen solltest, und das wird jedem von euch irgendwann entweder schon passiert sein oder noch passieren, wenn du nicht mehr weißt, woran du glauben sollst, weil dir irgendwie der Kopf brummt und du mit Argumenten gegen deinen Glauben konfrontiert wirst bis zum Abwinken, dann gebe ich dir jetzt einen Tipp: Es gibt eine Nische, in die ich mich persönlich immer wieder flüchte. Ich gehe zum Thema Auferstehung. Warum? Weil Auferstehung etwas ist, was historisch ist, okay? Ich muss mir die Frage stellen: Wodurch lassen sich bestimmte historische Fakten am allerbesten erklären, die abgesichert sind, soweit ich das historisch sagen kann?
Ich nenne euch die Fakten:
Erstens: Es gibt einen Bericht darüber von den Jüngern, dass das Grab leer war.
Zweitens: Es gibt einen Bericht der Jünger, es gibt mehrere, um genau zu sein, dass sie Jesus leibhaftig nach seinem Sterben gesehen haben.
Drittens: Es gibt einen unerschütterlichen Glauben der Apostel, die vorher nicht so unerschütterliche Glaubenshelden waren, nach der Auferstehung auch im Angesicht von Verfolgung.
Viertens: Paulus von Tarsus bekehrt sich vor Damaskus und sagt danach: Ich habe Jesus gesehen.
Fünftens: Es entsteht und wächst die erste christliche Kirche.
Sechstens: Der Sonntag wird anstelle des Sabbats in einer kulturellen Umgebung, wo das unmöglich ist, zum Feiertag.
Ich nehme diese Fakten, und ich könnte euch noch ein paar mehr nennen, aber ich nehme diese Fakten und sage: Der beste Grund dafür, dass all das passiert ist, ist der, dass Jesus tatsächlich leibhaftig auferstanden ist. Und weil ihn Leute gesehen haben, die moralisch integer sind, uns das sagen und Mut schöpfen und das weitergeben, und Jesus wirklich lebt und andere Leute inspiriert und kräftigt, entsteht diese Gemeinde. Und Leute sterben für ihren Glauben, sterben für eine Realität.
Und wenn Jesus wirklich auferstanden ist, dann unterstreicht die Auferstehung Jesu das, was er als Lehrer gesagt hat, und damit das gesamte Alte Testament und seinen Auftrag und das Evangelium.
Aber ganz ehrlich: Auch dieser Gottesbeweis wird euch in der Praxis nicht weiterhelfen. Er wird für euch nett sein, und es gibt ihn auch in schriftlicher Form. Da hat jemand 800 Seiten über die Auferstehung von einem Herrn geschrieben. Ich glaube, right, da muss man nochmal nachschauen.
Wo ist der Fehler bei all diesen Gottesbeweisen? Ich habe euch mal die Frage gestellt, warum all diese Gottesbeweise nicht so wirklich griffig sind. Die Antwort findet sich meines Erachtens direkt bei Gott. Wann immer ich mit einem Gottesbeweis an Gott herantrete, tue ich so, als wäre Gott eine Wellenlänge, die ich messen kann, oder eine Beschleunigung, die ich messen kann, oder ich weiß nicht, was man noch alles messen kann. Also irgendwas, was man messen kann, und ich suche jetzt nach der richtigen Apparatur, wo ich ihn einspannen kann, um dann einfach mal meinen Messstrahl auf ihn abzuschiessen.
Ist euch irgendwann aufgefallen, dass das nicht geht? Dass man Gott nicht beurteilen und analysieren und sezieren kann, wie man vielleicht ein Reagenzglas oder das Gewicht von einem Stück pflanzlichen Kuchen? Das kann man irgendwo drauflegen, dann weiß ich halt ungefähr 190 Gramm. Tja, wie soll ich denn das mit Gott machen? Es geht nicht.
Und es ist noch schlimmer. Jetzt kommen wir zu einem wunderschönen Vers, Psalm 18,47. Da steht nämlich: Der Herr lebt. Und die Bibel ist voll davon, dass Gott ein lebendiger Gott ist und kein toter Götze. Er ist der allein wahre Gott, und alle Götzen sind Nichts. Er alleine herrscht, und er handelt. Und genau deshalb greifen all diese Gottesbeweise zu kurz. Ich tue so, als sei Gott irgendetwas, was ich anfassen kann, einspannen kann, messen kann. Aber Gott ist eine lebendige Person.
Woher weißt du, dass sie dich liebt? Die Frage musst du nicht beantworten, weil es wird aufgezeichnet und weltweit gesandt. Also lass es sein. Woher weißt du, dass ein Freund, den du hast, ein guter Freund, wirklich ein guter Freund ist? Na ganz klar: Ich habe ihn zwanzig Jahre beobachtet, ihm immer wieder Testfragen gestellt, ihn in Situationen gebracht, wo er sich bewähren musste, und dann hatte ich nach zwanzig Jahren zehn Prozent Sicherheit. Das könnte Quatsch, merkt ihr was? Wenn es um Personen geht, wenn er wissen will, ob sie ihn liebt, dann reicht es nicht, dass er ihre Augenfarbe analysiert oder ihre Leber mal punktiert und schaut, was da... Das ist die falsche Herangehensweise. Analyse, Sezieren, Kleinschneiden ist falsch.
Wenn es darum geht, eine Person kennenzulernen, gibt es nur ein Mittel, nur einen einzigen Gottesbeweis, der wirklich funktioniert: Ich muss mich auf ihn einlassen. Wenn du wissen willst, ob jemand dein Freund ist, musst du den ersten Schritt tun in die Beziehung hinein. Du musst dich darauf einlassen, auf Beziehung. Und du musst sehen, wenn du ihm ein Stück begegnest, und du darfst das auch im Glauben vorsichtig tun. Du musst Gott nicht in die Arme springen und sagen: Uhu, ich will der Märtyrer werden. Nein, du darfst kleine Schritte. Aber du musst diese Schritte tun.
Gott lädt dich zu einer Beziehung ein. Der ultimative Gottesbeweis besteht darin, dass wir uns auf die Beziehung Gottes einlassen. Also wenn Jesus sagt: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, dann gehen wir hin und sagen: Okay, ich höre dein Angebot, ich nehme es an. Und dann, weil ich das lebe, weil Gott lebt, weil Gott heute noch herrscht und regiert und das in deinem Leben machen will, kannst du mit einem Mal sagen: Ich weiß, dass es Gott gibt.
Aber wenn du dich nicht auf ihn einlässt, wenn du aus sicherer Distanz wissen willst, ob das irgendwie Sinn macht, dann kommst du nicht wirklich ran. Vielleicht hilft es dir ja, so ein Gottesbeweis, wie ich ihn vorgetragen habe, das Designargument oder der historische Ansatz, und es gibt noch andere. Vielleicht hilft es dir, ein paar Schritte vorwärts zu machen. Aber du wirst an den Punkt kommen, wo du dich auf ihn einlassen musst.
Und dann, da, wo du das tust, und deswegen das Beispiel mit der Beziehung: Woher weißt du, dass deine Frau dich liebt? Ich habe mich einfach vollständig in diese Beziehung hineingegeben. Ich habe es darauf ankommen lassen, und ich weiß es. Aus der Distanz, ja, stell dir mal vor, da wären wir immer noch nicht verheiratet, ich könnte mir immer noch das Mädel anschauen, ja, und die Zeit würde weitergehen, ich würde es immer noch nicht wissen. Ich muss mich darauf einlassen. Und da, wo ich das tue, und ich habe das getan, kann ich sagen: Ich habe ihn erlebt. Ich habe nicht nur erfahren, dass sein Wort wahr ist, sondern dass er ein absolut zuverlässiger Gott ist.
Und wenn dann jemand sagt: Beweis mir das, dann sage ich: Nein, das mache ich nicht, weil der Herr Jesus sagt, man soll seine Perlen nicht vor die Säue werfen. Ja, wenn du mit Gott lebst, dann wirst du so Kleinode an Erfahrung mit Gott machen. Es wird so Kleinode göttlicher Führung geben, göttlicher Versorgung, Gebetserhöhungen. Ja, was habt ihr denn davon? Ich sage, ich gebe euch mal eine schöne Gebetserhörung aus meinem Urlaub.
Ich habe mir also meine Füße blutig gelaufen bei einem Track. Ich wollte richtig Mann sein, so zwanzig Kilometer über dem Berg, und danach waren meine Füße kaputt. Super. Okay, also ich konnte danach nur noch barfuß laufen, weil es nicht mehr in meinen Wanderschuhen ging. Wir hatten aber noch vier Tage zu laufen. Also bin ich barfuß gelaufen, das ging nicht so sonderlich gut, und ach, dann sind wir zwischendurch ein bisschen gefahren. Wir waren in einem Naturschutzgebiet, wo es keinen Mülleimer gibt, und meine Frau hatte am nächsten Tag Geburtstag, und wir standen vor der schönsten Etappe dieser Tour. Meine Frau hatte sich von Herzen gewünscht, dass ich mitlaufen kann, aber ich hatte diese wunden, kaputten Füße, ich konnte nicht mehr.
Und ich dachte so bei mir, und ihr müsst euch vorstellen, es ist wirklich links und rechts, hoch und runter, dreißig Kilometer kein Mülleimer, nichts, Naturschutzgebiet. Ich dachte mir: Herr, ich bräuchte irgendetwas unter meinen Füßen. Schlappen wären gut, weißt du, dass man wenigstens was drunter hat und die spitzen Steine abgedämpft werden. Ich gehe abends nochmal spazieren, und du wirst nicht glauben: Da steht dann auf einem Felsen am Strand, obendrauf ein paar Schlappen, meine Größe. Einen musste ich reparieren, da war so ein Riemchen ab, das war nicht dramatisch, ja, da habe ich das Riemchen dran gemacht, und dann bin ich am nächsten Tag mit diesen Schlappen an dem Geburtstag meiner Frau die schönste Tour dieses Tracks mit ihr gelaufen.
Und du wirst sagen: Na und, mich interessieren deine Schlappen nicht. Stimmt, das ist eines dieser Kleinode. Ich habe ein Bild von diesen Schlappen, und ich werde meinen Enkeln noch von diesen Schlappen erzählen, weil es sind diese Momente, wo Gott ganz persönlich mir ein paar Schlappen schenkt. Dafür sorgt, dass irgendeiner, obwohl er das nicht darf, das ist unter Strafe gestellt, seine kaputten Schlappen auf einen Stein stellt, statt sie in die Ecke zu schmeißen, so dass ich sie überhaupt sehe. Nebeneinander, in meiner Größe, so dass ich die auch zum richtigen Zeitpunkt genau, wo ich spazieren gehe, an genau dem Strand, und ich bin nicht der einzige da, damit ich sie finde. An dem Tag, wo ich dran denke: Jetzt bräuchte ich sie.
Versteht ihr, das ist etwas, das kannst du niemandem erklären. Ja, du kannst sagen, das war jetzt ein Schlappenbeispiel, kann sein, ja. Wenn du dich auf Gott einlässt, wenn du sagst, ich setze auf diese Karte und zwar hundert Prozent, und es wirklich tust und nicht so dieses ein bisschen auf der Seite, ein bisschen so hinten auf beiden, sondern du gehst wirklich rüber, dann verspreche ich dir, du wirst Erfahrungen machen, dass dir die Augen aufgehen, dass du sagst: Ja, Gott lebt jenseits aller statistischen Signifikanz. Ich bin Naturwissenschaftler, vergebt mir das ja, ich habe auch immer die Frage: So eine Gebetserhörung, wie wahrscheinlich ist das denn? Ja, und ich habe so ein paar merkwürdige Gebetserhörungen, das war so eine davon, die andere ist, wie ich zu meinem Zigarrenhumidor gekommen bin, aber die erzähle ich euch jetzt nicht.
Du hast sie, und du weißt, Gott lebt. Da draußen ist nicht eine Vorstellung von Menschen, an die ich mich klammere, weil ich irgendwie alleine nicht durchs Leben komme und so ach so einsam bin und irgendjemanden brauche, dem ich meine Sorgen abgebe. Da draußen gibt es einen, der wirklich real ist. Es gibt einen Schöpfer von Himmel und Erde, der dich gemacht hat und der in dich eine Sehnsucht nach ihm gelegt hat. Und da, wo du auf diese Sehnsucht eingehst, da, wo du dich ohne Vorbehalte auf ihn einlässt, da findest du ihn auf eine Weise, die dir persönlich entspricht, die du vielleicht Perlen und Säue niemandem anders wirklich erzählen kannst und vielleicht auch nicht erzählen solltest. Aber hey, du weißt es, und das ist das, was ich dir wünsche.

Gottesfurcht als Anfang von Erkenntnis, Weisheit und Leben

Um dahin zu kommen, diese Erfahrung zu machen, braucht es, und das ist mein letzter kurzer Punkt, eine Sache: Es braucht Gottesfurcht.
In dem Moment, in dem ein Mensch versteht, wer er ist, dass er Geschöpf ist, Geschöpf eines allmächtigen Gottes, sollte es, wenn er emotional reif und richtig ist, zwei Reflexe geben. Das eine ist Ehrfurcht, und das andere ist Angst. Ehrfurcht, weil er mit der Grösse Gottes konfrontiert wird.
Lass uns noch lesen: 1. Chronik 29,10-11. Das ist eine Stelle, die man wunderschön auswendig lernen kann, wenn man sich eine Stelle merken möchte für die Grösse Gottes. Es ist auch eine Stelle, die sehr viel dem eigenen Gebetsleben geben kann.
 1. Chronik 29,10-11: Und David pries den Herrn vor den Augen der ganzen Versammlung, und David sprach: Gepriesen seist du, Herr, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn dein, Herr, ist die Grösse und die Stärke und die Herrlichkeit und der Glanz und die Majestät; denn alles im Himmel und auf Erden ist dein.
Zu Recht wird Gott in der Bibel bezeichnet als der König der Herrlichkeit. Und dieses Wort Herrlichkeit hat etwas zu tun mit Ausstrahlung. Jemand hat eine Ausstrahlung, in dem Fall an Schönheit und Perfektion und Reinheit und Erhabenheit und Ernsthaftigkeit. Das ist Gott. Er hat die ultimative Ausstrahlung. Du begegnest dem, der all das, was ich eben gesagt habe, in Vollendung besitzt.
Das ist die eine Seite: Ehrfurcht, weil ich merke, hu, ich merke etwas von der Distanz, er und ich. Deswegen finde ich es manchmal, und ihr dürft gerne so weiter beten, aber wenn Leute immer nur diese Papi-Gebete haben, gönnt euch ab und zu auch mal ein bisschen mehr Distanz. Ab und zu mal wieder, ja, wir ziehen Gott immer ganz gerne ran. In der Bibel wird Gott auch öfter mal wieder ein bisschen weiter weggeschoben, und es wird deutlich gemacht: Du bist ganz anders, und ich bin hier.
Aber es gibt eine zweite Seite, und die zweite Seite ist Angst. Gott zu begegnen, und auch das steckt in dem Begriff Gottesfurcht drin, kann etwas mit Angst zu tun haben. In Hebräer 10,31, ganz bewusst mal zwei Stellen aus dem Neuen Testament, damit niemand denkt, das sei immer nur Altes Testament, steht: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Neues Testament.
Und der Herr Jesus sagt in Matthäus 10,28 etwas sehr Ähnliches: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle.“
Es ist gut, Gott, den Richter, zu fürchten. Es ist wirklich gut. Es ist dann gut, wenn mich diese Frage dahin bringt, dass mich das zu der Frage bringt: Wie kann ich gerettet werden? Dann ist es gut. Ich finde es gut, wenn jemand Angst hat vor Gott, dem Richter, und sich die Frage stellt: Wie kann ich mit dir ins Reine kommen?
Es schadet auch nicht, wenn ein Christ oder jemand, der sich Christ nennt, aber dessen Leben von Sünde geprägt ist, wenn der auch sich vor Gott fürchtet. Denn wir können Gott nichts vormachen. Gott ist ein Gott, dem es zu fürchten gilt. Und im Begriff Gottesfurcht laufen diese beiden Sachen zusammen: Ehrfurcht und Angst.
Gott möchte nicht, dass wir uns ängstigen müssen, logisch. Gott möchte, dass wir mit ihm in Frieden leben. Gott möchte, dass wir, weil wir uns bekehren, weil Jesus für uns den Zorn auf sich nimmt, mit ihm in Liebe leben. Und trotzdem laufen beide Dinge in dem Begriff Gottesfurcht zusammen.
In der Bibel werden die Menschen, die Gott ehren und dienen wollen, als gottesfürchtig bezeichnet. In ihrem Herzen gibt es eine ganz tiefe Ehrfurcht vor Gott und gleichzeitig eine Abscheu vor Sünde.
Und wisst ihr, ich verabscheue Sünde, und ich kann das aus zwei Gründen tun. Und manchmal in meinem Leben ist das so: Ich brauche mehr die eine, und manchmal die andere. Die gute Motivation, warum ich nicht sündigen will, ist die, dass ich Gott liebe. Das ist die gute Motivation. Aber ich möchte ehrlich sein: Ab und zu gibt es in meinem Leben Situationen, wo es gut ist zu wissen, dass da, wo Sünde in meinem Leben sich so richtig fest reinklammert und ich nicht bereit bin, so richtig ernsthaft mit ihr umzugehen, ich einen Gott habe, den es wirklich zu fürchten gilt.
Letzter wichtiger Punkt: Gottesfurcht als Herzenseinstellung ist das charakteristische Kennzeichen von all denen, die sich zu Gottes Volk zählen. Und ich möchte die Frage stellen: Findet sich das? Diese Ehrfurcht vor Gott und von mir aus auch so heiliges Erschrecken vor Gott, dem Richter, je nachdem, wie es dir gerade geht. Vielleicht brauchst du auch 10, wenn es ein bisschen übler aussieht im Leben. Aber findet sich diese Mischung, dieses Huh, da gibt es einen Mann, bin ich froh, dass ich mit dem im Reinen bin, aber Mann, oh Mann, oh Mann, das ist schon noch mal so dieses ... Findet sich das tatsächlich in deinem Leben?
David betet in Psalm 86,11 Folgendes, und das ist das, was ich mir wünsche, dass wir alle immer wieder beten:  Psalm 86,11: Lehre mich, Herr, deinen Weg; ich will wandeln in deiner Wahrheit. Fasse mein Herz zusammen zur Furcht deines Namens.
Fasse mein Herz zusammen. Herz hat was mit Denken zu tun. Richte mein Denken aus auf die Furcht deines Namens, und Name steht für Person. Sorge du dafür, dass mein Denken dich fürchtet, dass mein Umgang mit dir nicht lax ist, dass ich es nicht an Ehrfurcht und auch ein bisschen an Furcht fehlen lasse, dass ich Respekt habe vor dir, dass ich dich Gott sein lasse in meinem Leben, dass du der Schöpfer bist und ich das Geschöpf.
Und wenn sich das findet, dann wird unser Leben gelingen. Denn die Bibel sagt: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Wo sich diese Haltung findet, da geht es weiter. Und die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Und die Furcht des Herrn ist eine Quelle des Lebens. Und das heisst, der Herr zieht ins Vertrauen, die ihn fürchten.
Und ich möchte dir die Frage stellen zum Schluss: Möchtest du das? Möchtest du wirkliche Erkenntnis haben? Möchtest du wirklich ein weises Leben haben? Möchtest du die Quelle des Lebens finden? Und möchtest du jemand sein, der ganz tief vertrauten Umgang mit Gott hat?
Und ich hoffe, dass jetzt jeder immer sagt: Ja, ja, ja, klar! Wenn das deine Reaktion ist, dann fang bei der Furcht des Herrn an. Dann schau, dann lass dich belehren! Die Bibel spricht davon, dass man Gottesfurcht lernen kann. Dann denk über Gott nach, mach dir Gedanken über ihn und mach ihn zu dem Zentrum deines Lebens. Und da, wo er spricht, da lass ihn Gott sein. Und all das wird, was ich eben vorgelesen habe, Erkenntnis, Weisheit, Leben, Vertrauen, in deinem Leben Realität.
Bis dahin.

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