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Johannesevangelium 1,6-13 Wie wird man ein Kind Gottes?

Johannes 1,6-1323.09.2019
SerieTeil 2 / 44Johannes-Evangelium
Wer ist Jesus für dich: nur ein Vorbild – oder das Licht, das dein Leben wirklich neu ausrichtet? Und wie wird man Gottes Kind? Herkunft und Leistung reichen nicht.

Rückblick auf den Beginn der Reihe

Also noch mal an die Kinder, die jetzt Fragen bekommen haben: Schummeln ist erlaubt, wie letzte Woche. Ihr dürft also voneinander abschreiben, wenn ihr wisst, was ihr tut, weil ich euch ja nachher frage.
Wir haben letzte Woche eine neue Predigtreihe gestartet: Johannes Evangelium. Wir haben uns angeschaut, wie Johannes eher untypisch für ein Evangelium startet. Evangelium heißt ja Biografie von Jesus. Und es geht bei Johannes eben nicht los mit einem Stammbaum. Es fängt auch nicht damit an, dass der Engel Gabriel bei Maria auftaucht. Stattdessen stellt Johannes uns Jesus am Anfang vor als das Wort, den Teil der göttlichen Dreieinigkeit, der schon im Moment der Schöpfung, also ganz am Anfang, existierte. Er ist der Teil, durch den alles gemacht wurde, der ewiges Leben in sich trägt, der den Menschen erleuchtet, ihnen den Weg zu Gott weist und dessen Dienst durch die Finsternis in dieser Welt nicht aufgehalten werden kann.
Das war unser Thema letztes Mal. Heute machen wir weiter mit Johannes 1,6-13, und wir haben zwei große Themen.

Ein möglicher Irrtum über Johannes

Zum einen möchte ich ein mögliches Missverständnis vermeiden. Eigentlich wollte das Johannes. Er kommt gleich mit einem Thema, bei dem er merkt: Oh, was macht das denn da?
Zum Zweiten geht es um die Frage, wie wird man eigentlich ein Kind Gottes? Das sind die zwei Themen. Wir fangen mit dem ersten Thema an, dem Missverständnis.
Das Johannesevangelium heißt so, weil es der Apostel Johannes geschrieben hat. Aber es ist jetzt ganz wichtig, dass man das versteht, sonst kommt man in der Bibel manchmal durcheinander. Es gibt nicht nur einen Johannes, sondern neben dem Apostel Johannes noch eine zweite Person, die auch Johannes heißt. Diese bekommt einen Beinamen: Johannes der Täufer.
Wie wichtig Johannes der Täufer als Person war, das macht uns Jesus selbst klar. Also gibt es diesen zweiten Johannes, und über diesen zweiten Johannes, über Johannes den Täufer, sagt Jesus Folgendes: Matthäus 11,11. Jesus über Johannes den Täufer, nicht über Johannes den Apostel.
Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer. Der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er.
Jetzt haben wir hier einen Begriff, den wir vielleicht vorher noch nie gehört haben: das Reich der Himmel. An anderer Stelle heißt es statt Reich der Himmel auch neuer Bund. Dazu muss man wissen: Johannes der Täufer gehört noch in den alten Bund.
In der Bibel gibt es zwei Bünde, die Gott mit den Menschen schließt: einen alten Bund und einen neuen Bund. Johannes der Täufer gehört noch zum alten Bund. Der alte Bund wurde am Berg Sinai zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen. Das ist der alte Bund.
Und der alte Bund hört auf. Da sind sich jetzt die Gelehrten nicht ganz sicher. Hier auf der Folie steht: mit Golgatha. Ja, könnte man so sehen. Ich sage mal: spätestens 70 nach Christus, wenn der Tempel zerstört wird, wenn es keine Priester mehr gibt und keine Opfer mehr, spätestens dann ist der alte Bund endgültig vorbei.
Wir leben in dem, was mit Jesus neu gestartet ist. Wir leben im neuen Bund. Und jeder, der deswegen diesem Text hier folgt: Der Kleinste aber im Reich der Himmel, im neuen Bund, ist größer als Johannes der Täufer. Wir leben im neuen Bund, und jeder, der zum neuen Bund gehört und an Jesus glaubt, ist größer als Johannes der Täufer, weil die Gläubigen des neuen Bundes Gott auf eine Weise nahekommen können, wie es die Gläubigen im alten Bund sich immer gewünscht hätten.

Der Größte im alten Bund und seine Aufgabe

Okay, das ist so: Im Alten Bund leben die Menschen da und träumen von dem, was wir heute im Neuen Bund haben.
Wenn man das kurz vergleicht, dann sieht man: Im Alten Bund gibt es viele Opfer, nämlich Tiere. Im Neuen Bund gibt es nur ein Opfer, Jesus. Im Alten Bund gibt es viele hohe Priester, das waren die Leviten. Im Neuen Bund gibt es nur einen hohen Priester, Jesus. Im Alten Bund gibt es verschiedene Tempel, viele Heiligtümer. Im Neuen Bund gibt es nur ein Heiligtum, ein himmlisches.
Das ist jetzt nur angerissen. Der eine oder andere wird sagen: Ich verstehe nur Bahnhof. Komm nachher zu mir, ich erkläre es dir gern, irgendwann. Wenn du ein bisschen reifer bist als Christ, und das betrifft jetzt nicht die Kinder, ihr müsst das noch nicht verstehen, die anderen dürfen gerne mal ein bisschen weiter denken und an der Stelle ein bisschen reifer werden.
Im Alten Bund war Johannes der Täufer der Größte. Es gab keine Person, die ihn an Wichtigkeit übertraf. Er war größer als Abraham, größer als David, größer als Jesaja. Und die Frage ist: Warum? Die Antwort lautet: weil er eine Aufgabe hatte. Er hatte die Aufgabe, den himmlischen König, den Messias, anzukündigen.
Johannes der Täufer wurde selbst durch ein Wunder geboren. Seine Eltern waren bei seiner Zeugung schon ziemlich alt. Seine Eltern heißen Zacharias und Elisabeth. Als sie ihn als Kind bekamen, da war das eigentlich schon vorbei mit dem Kinderkriegen. Da merkt man schon: Hoppladihop, hier kommt jemand Besonderes.
Und er lebt von Anfang an auch ganz merkwürdig, so ein bisschen als Einzelgänger, der in der Wüste unterwegs ist.

Das Zeugnis des Täufers in den Evangelien

Ich lege euch mal vor, was der Apostel oder das Evangelium nach Markus am Anfang über Johannes den Täufer schreibt. Da heißt es in Markus 1,1-8:
Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird. Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade.
Johannes trat auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im Jordan von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. Und Johannes war mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden bekleidet, und er aß Heuschrecken und wilden Honig. Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht würdig, ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
Okay, was haben wir über Johannes, den Täufer, gelernt?
Vers 1: Anfang des Evangeliums Jesu Christi. Mit ihm nimmt das Evangelium von Jesus Christus, dem Messias, seinen Anfang. Er kommt, und Jesus ist noch gar nicht erschienen. Aber mit Johannes fängt das an, was wir Evangelium nennen.
Dann die Verse 2 und 3: Wie es in dem Propheten Jesaja geschrieben steht. Und dann kommen diese Zitate. Das Wirken von Johannes dem Täufer wird schon gut siebenhundert Jahre vorher angekündigt. Das ist echt irre, wenn man sich das mal vorstellt: Siebenhundert Jahre, bevor Johannes der Täufer selbst geboren wird, ist er schon angekündigt. Toll, oder?
Wenn man sich das so vorstellt, wäre es etwa so, als ob man heute sagen würde: Stellt euch vor, im vierzehnten Jahrhundert hätte jemand gesagt: Ich prophezeie euch die Entstehung der EFG The Rock Christus Kirche. Huh, das wäre schon was.
Die Verse 4 und 5: Johannes trat auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im Jordan von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.
Johannes ist das, was man einen Reformator nennt. Also jemand, der Leute dazu bringt, geistlich in ihrem Leben etwas zu verändern. Vorher waren die Juden so ein bisschen larifarisch, ein bisschen mit Gott, aber auch nicht mit Gott. Und jetzt kommt Johannes der Täufer. Die Leute gehen raus, hören seine Predigten, und mit einem Mal merken sie: Boah, ich muss etwas ändern. Sie lassen sich taufen, bekennen ihre Sünden und wagen mit Gott einen Neuanfang. Das ist Johannes der Täufer.

Der Bote, der auf den Größeren hinweist

Er hat einen eher einfachen Lebensstil: Heuschrecken essen, wilden Honig. Den Kamelhaarmantel dürfen wir jetzt nicht modern verstehen. Das hatte man damals halt über. Das war jetzt nicht unbedingt angenehm, das war eher so ein bisschen kratzig und diente so seinem Zweck. Er war ein einfacher Typ.
Und die Verse 7 und 8:
Und er predigte und sagte: „Nach mir kommt der, der stärker ist als ich. Ich bin nicht würdig, ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er wird euch mit Heiligem Geist taufen.“
Johannes ist es ganz wichtig, dass er auf einen verweist, der nach ihm kommt, der stärker ist. Denn er tauft eben nicht nur mit Wasser, also nicht nur einladen kann und sagen: Komm her, wenn du deine Sünden bekennen willst, dann taufe ich dich hier im Wasser. Sondern weil nach ihm einer kommt, der mit Heiligem Geist tauft. Und das wird, das werden wir sehen, Jesus sein.
Johannes der Täufer ist eine absolut beeindruckende Persönlichkeit, mit viel Einfluss. Man könnte ihn vielleicht mit einem Luther vergleichen. Und deswegen kann ganz leicht passieren, dass man ihn verwechselt. Dass man ihn, der der Bote ist für den Messias, mit dem Messias verwechselt. Dass man so denkt: Boah, einer mit so viel Einfluss, wo so viele Leute seine Predigten hören, so viele Leute geistlich berührt werden, das muss doch der Messias sein.
Und damit man diesen Fehler nicht macht, und ihr könnt euch vorstellen, in der Kirchengeschichte gab es natürlich immer Leute, die fanden Johannes einfach toll. Ja, das ist ja immer so: Wenn du jemanden hast, der die Massen bewegt, der so predigt, dass Leute berührt werden und merken: Boah, ich muss Buße tun, dann hat der immer eine Fangemeinde. Und deswegen ist Johannes der Täufer so wichtig, dass man den richtig einsortiert. Und damit man nicht denkt, er wäre der Messias, damit man diesem Missverständnis nicht aufsitzt, deswegen geht es in unserem Johannesevangelium, Johannes 1,6-8, so weiter.

Das Licht und sein Zeuge

Da war ein Mensch von Gott gesandt, sein Name Johannes. Achtung, welcher Johannes? Johannes der Täufer, logischerweise. Dieser kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er kam, um von dem Licht zu zeugen.
Eigentlich ganz simpel: Johannes, wie gesagt der Täufer, kommt, um Zeugnis abzulegen vom Licht. Das Licht hier ist Jesus. Wenn Johannes predigt: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich, dann predigt Johannes von Jesus. Und der Text sagt ganz klar: Er selbst war nicht das Licht. Er wollte nie Jesus ersetzen. Er wollte nie einer sein, den die Menschen so toll finden, wie sie dann Jesus toll finden sollten. Aber er zeugte vom Licht.
Was macht ein Zeuge? Ein Zeuge berichtet von dem, was er weiß, und Johannes berichtet von Jesus.
Nächster Vers, Vers sieben: Das war das wahrhaftige Licht, das in die Welt kommend jeden Menschen erleuchtet. Johannes der Täufer zeugt von Jesus. Jesus ist das wahrhaftige Licht.
So, und das Licht, das Jesus bringt, das Jesus ist, hat jetzt nichts mit Photonen zu tun, nichts mit Beleuchtungsstärke zu tun, nichts mit Solarmodulen zu tun. Jesus erleuchtet uns nicht von außen wie eine Taschenlampe, sondern er erleuchtet uns von innen. Es geht um eine spirituelle, um eine geistliche Erleuchtung. Es geht darum, dass wir Wahrheit erkennen, dass wir Gott kennenlernen, dass wir ewiges Leben finden.
In diesem Sinn ist Jesus das wahrhaftige Licht. Er erleuchtet Menschen mit Wahrheit. Und im Text heißt es hier: Das war das wahrhaftige Licht, das in die Welt kommend jeden Menschen erleuchtet.
Jetzt muss man schon sagen: Das ist keine Zwangsbeglückung. Sondern das, was Johannes sagen will, ist etwa so: Jesus ist für die Menschheit das, was die Sonne für diesen Planeten ist. Wenn du die Sonne nicht magst, kannst du dich in einem Bunker vor ihr verstecken, ja. Du kannst, wenn du mit Jesus nichts zu tun haben willst, dich vor ihm verstecken. Und trotzdem, auch wenn du in deinem Bunker steckst, leuchtet die Sonne.
Und genau so ist das mit Jesus. Jesus kam nicht für drei, vier Auserwählte im Sinne von: Euch zeige ich es, und den anderen halt nicht. Sondern Jesus kam mit der Idee, jeden Menschen zu erleuchten. Dumm nur, dass nicht jeder Mensch darauf scharf ist.

Die Ablehnung des kommenden Retters

 Johannes 1,10-11: Er, gemeint ist Jesus, war in der Welt. Er wurde geboren, war da, hat gepredigt, und die Welt wurde durch ihn. Und die Welt kannte ihn nicht.
Das ist immer das Drama, dieses Nichtkennen. Er kam in das Seine, also in die Welt, die er gemacht hatte. Er kommt da hinein, und die Seinen, also die Menschen, vor allem damals Israel, nahmen ihn nicht an.
Und es ist natürlich verrückt, wenn man das so liest: Da kommt der, der die Welt erschaffen hat, er besucht seine Schöpfung, und er wird nicht erkannt. Überlegt euch das mal. Da kommt Gott auf die Erde. Er erfüllt diese jahrhunderte- und jahrtausendealten Prophetien. Er wirkt Wunder, er erklärt eben mal im Vorbeigehen die schwierigsten Bibelstellen, er korrigiert offensichtliche theologische Irrtümer, er begeistert die Menschen. Ich gebe auch zu: Er frustriert so ein bisschen die Eliten. Und wird doch nicht erkannt.
Er kommt in das Seine, und die Seinen nehmen ihn nicht an. Er kommt, aber die Menschen wollen ihn nicht als ihren Retter und Messias annehmen. Gott wird Mensch und will die Menschen vor den fatalen Folgen ihrer Sünde retten. Und die Menschen stellen sich hin und sagen: Kein Interesse. Tut mir leid, also schön, dass du mir meine Sünden vergeben willst, aber ganz ehrlich: kein Interesse.
Alle Menschen? Nein, es gibt Ausnahmen. Aber die meisten Menschen wollen Jesus tatsächlich nicht.
Und die Frage, ich habe mir lange diese Frage gestellt: Warum eigentlich nicht? Was unterscheidet Menschen, die sich bekehren, von Menschen, die sich nicht bekehren? Kann ich das an irgendetwas festmachen? Gibt es irgendetwas im Menschen drin?
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht. Inzwischen ist meine Antwort, dass das, was Menschen, die offen sind fürs Evangelium, grundlegend von denen unterscheidet, die nicht offen sind, die Liebe zur Wahrheit ist.
Viele Menschen, die sich nicht bekehren, wissen um ihre Probleme. Sie wissen sogar um ihre Verlorenheit. Aber sie haben diese dunkle Seite, das, was sie so gewohnt sind zu leben, sie haben das so lieb, dass sie sich nicht auf Wahrheit einlassen wollen. Die Wahrheit macht ihnen förmlich Angst, weil Wahrheit immer herausfordert.
Wenn ich die an mich ranlasse, und das merken wir ja noch als Gläubige, da liest du so einen Bibelvers und denkst: Ja, eigentlich hat er recht. Und dann bist du schon dabei, ihn wieder auf Abstand zu halten, diesen Bibelvers. Denn wenn du ihn an dich ranlässt: Wahrheit kommt immer mit der Idee, ich möchte etwas in deinem Leben ändern.
Und wenn du sagst, ich möchte aber eigentlich gar nichts ändern, dann ist das mit der Wahrheit einfach nicht dein Ding. Wahrheit ist herausfordernd. Und deswegen ist es herausfordernd, Jesus zu begegnen, der als das wahrhaftige Licht in mein Leben hineinkommt und der mir zeigt: Hey, du bist auf dem Holzweg!
Das ist nicht leicht. Es gibt nicht viele Menschen, die sagen: Na, vielen Dank, schön, dass du mir gezeigt hast, dass die letzten zwanzig, dreißig, vierzig Jahre meines Lebens völliger Humbug waren. Vielen Dank, was soll ich denn jetzt machen? Aha, mich bekehren, mache ich.
Ganz selten. Aber es gibt sie natürlich. Es gibt Menschen, die das wollen.

Wie jemand ein Kind Gottes wird

Und deswegen dieses zweite große Thema im Text: Wie wird man eigentlich ein Kind Gottes?
Schon bei dieser Frage stutzen manche Menschen. Sind nicht alle Menschen Gotteskinder? Sind alle Menschen einfach per se, weil sie da sind, Gotteskinder? Und die Antwort lautet: Nein, sind sie nicht.
Wir sind alle Geschöpfe Gottes. Gott kennt uns vom Moment der Zeugung an. Noch bevor wir geboren werden, sind wir Gott schon wichtig. Deswegen ist in Gottes Augen eine Abtreibung auch nicht das Wegmachen von einem Zellklumpen, sondern Mord an einem Menschen.
Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Und weil er Geschöpf Gottes ist, ist er wertvoll. Also nicht das, was du für den Staat leistest, macht dich wertvoll. Gerade auch Leute, die alt sind oder krank sind oder eingeschränkt sind, sind in Gottes Augen absolut wertvoll, weil sie etwas von seiner Herrlichkeit widerspiegeln. Und das ist etwas, wo ich sage: Wow, alle Menschen sind als Geschöpfe Gottes unglaublich wertvoll.
Aber nur weil ich Geschöpf Gottes bin und wertvoll bin, heißt das nicht, dass ich ein Kind Gottes bin. Denn Kinder Gottes gehören zur Familie Gottes. Es sind die Menschen, die mit Gott Frieden gemacht haben, für die Gott wirklich zum himmlischen Vater geworden ist. Und es ist noch etwas anderes, ob Gott mein Schöpfer ist oder ob Gott mein Vater ist. Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.
Und deswegen die Frage: Wie wird man ein Kind Gottes?
Ihr merkt schon, das sind so Texte, die lohnt es sich mal auswendig zu lernen, denn die braucht man immer wieder in Gesprächen. Ganz viele Leute werden an der Stelle stutzig und sagen: Wie, ich bin kein Kind Gottes? Nein, bist du nicht. Ja, wir sind doch alle Kinder Gottes. Nein, sind wir nicht. Du bist ein Geschöpf Gottes. Aber Gott ist nicht dein Vater.
Also, wie wird man Kind Gottes? Johannes 1,11-12. Zuerst noch dieser Anfang, vielleicht für die Jüngeren hier: Das ist jetzt für euch wichtig, schaut mal nach vorne. Hier oben steht Johannes. Johannes steht als Abkürzung für das Johannes-Evangelium. Dann kommt am Anfang immer das Kapitel 1, ein Komma, und danach fügt man die Verszahlen an, also 11 und 12. Und wenn man nur den zweiten Teil von einem Vers nehmen möchte, also nicht den ganzen, wenn man den Anfang will, was macht man dann dahin? Was denkt ihr? Laut? Du? Ein kleines a, genau. Wenn man den Anfang will, jetzt wollen wir den zweiten Teil, das ist ein kleines b. Und deswegen zitiere ich hier Johannes 1,11b: und die Seinen nahmen ihn nicht an.
Habe ich jetzt mit dazu genommen, damit man reinkommt? Und dann eben Vers 12, ein ganz, ganz wichtiger Vers. Also wenn du Verse fürs Evangelium erklären auswendig lernst, dann wahrscheinlich unter den Top 5.

Aufnahme und Vertrauen als Weg zum Glauben

So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.
Zwei Begriffe, die wir uns ganz, ganz fest einprägen müssen. Die müssen sitzen. Wenn die in deinem Leben nicht sitzen, kann ich dir geistlich nicht weiterhelfen. Der eine Begriff ist aufnehmen, der andere Begriff glauben.
Ich werde ein Kind Gottes, indem ich Jesus aufnehme und an seinen Namen glaube. Das liest man so und denkt dann: Das ist aber komisch, dass es mit dem Namen so klingt, das wirkt merkwürdig. Warum muss ich an seinen Namen glauben? Was ist damit gemeint?
Wenn ich den Namen von jemandem habe, dann steht der Name in der Bibel für die Person. Es geht also darum, Jesus aufzunehmen und an ihn als Person zu glauben, an den Namen, aber eigentlich nicht an den Namen, sondern an die Person Jesu. Und das ist ganz wichtig.
Es geht bei Jesus um eine historische Person, an die wir glauben. Es geht nicht um ein Ideal, es geht nicht um ein Prinzip Hoffnung, es geht auch nicht irgendwie um Liebe. Sondern es geht um eine Person, die gelebt hat, die auf diese Erde gekommen ist, die für meine Schuld gestorben ist, in den Himmel aufgefahren ist und wo ich jetzt anfange, an diese Person und das, was diese Person getan und gesagt hat, zu glauben.
Also zwei Fragen: Wie nimmt man Jesus auf, und was heißt es, an ihn zu glauben?
Fangen wir mit dem Leichteren an. Wie nimmt man Jesus auf? Man wird Kind Gottes dadurch, dass man ihn aufnimmt. Eigentlich ganz simpel. Ich muss die Tür zu meinem Leben öffnen und ihn hereinbitten. Wenn ich jemanden aufnehme, dann sage ich zu jemandem: Ich will mit dir etwas zu tun haben.
Stell dir kurz dein Leben als ein Haus vor. Jesus aufnehmen bedeutet dann so viel wie, zur Tür zu gehen, die Tür aufzumachen und zu sagen: Bitte komm rein, komm in mein Leben hinein, werde du Teil meines Lebens. Das heißt es, Jesus aufzunehmen.
Und die zweite Sache: Was heißt es, an ihn zu glauben? Na ja, an ihn glauben heißt so viel wie, ihm vertrauen. Wenn ich an jemanden glaube, wenn ich jemandem vertraue, dann richte ich mein Leben nach ihm aus. Jesus will nämlich nicht nur ins Leben eingeladen werden, sondern er möchte eingeladen werden als jemand, dem ich vertraue, dem ich folge, wo ich das, was er sagt, auch tue.
Ich mache mal ein Beispiel: Wodurch zeigt sich Glauben? Nehmen wir an, Aaron fragt mich nach dem Weg. Er möchte zur Eisdiele, weiß nicht genau, wo der Weg ist, und ich sage: Du musst hier rausgehen und dann zweimal links und dann über die Straße rüber, da ist die Eisdiele.
Woran sieht man, ob Aaron mir vertraut? Ganz einfach: ob er es so macht. Wenn Aaron sagt: Jürgen, ey, bitte, er hat eh keinen blassen Schimmer von Eisdielen, dann wäre das nicht Vertrauen. Und genauso ist es bei Jesus.
Wenn wir an Jesus glauben, wenn wir ihm vertrauen, dann stellen wir ihm Fragen, vielleicht nicht unbedingt, wo die nächste Eisdiele ist, aber andere Dinge im Leben. Und wir zeigen unser Vertrauen, wir zeigen unseren Glauben dadurch, dass wir uns an das halten, was er sagt, unser Leben so führen, wie er uns das vorgemacht hat und wie er es uns beigebracht hat. Wenn wir das tun, dann glauben wir.
Und wenn Menschen das tun, also erstens Jesus aufnehmen, zweitens an seinen Namen glauben, wo sie die Nähe zu Jesus suchen und dann anfangen, auf das zu vertrauen, was Jesus gesagt hat, und entsprechend zu leben, da bekommen Menschen das Recht, Kinder Gottes zu werden. Da fängt das an. Da werde ich Kind Gottes.
Kinder Gottes gehören zur Familie Gottes, weil sie Jesus aufgenommen haben und an Jesus glauben. Ich kann ohne Jesus nicht Kind Gottes sein. Also es reicht nicht, Jesus gut zu finden. Es reicht auch nicht, einmal im Jahr Weihnachten zu feiern. Nein, das reicht nicht. Ich muss Jesus aufnehmen, ich muss ihm vertrauen.

Drei Wege, die nicht zum Ziel führen

Und damit man da jetzt nicht in so eine Schräglage reinkommt und denkt: Na, da geht doch bestimmt auch noch was anderes, kommt jetzt Johannes und bringt uns drei Dinge, die nicht funktionieren. Er zeigt uns drei Wege, wie man bei dem Thema Kind Gottes nicht ankommt.
 Johannes 1,13. Immer noch die gleichen Leute, von denen wir eben sagten, dass sie das Recht haben, Kinder Gottes zu sein. Und jetzt negativ: die nicht aus dem Blut, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Wir fangen diesen Satz von hinten an: Kinder Gottes sind aus Gott geboren. Ich sage heute nicht so viel dazu, das kriegen wir noch in aller Tiefe, wenn wir in Johannes 3 ankommen. Zu diesem Thema nur so viel: Ein Christ ist zweimal geboren. Das eine Mal ist das, was ich mal mit der Überschrift bezeichnen will: geplatzte Fruchtblase, Kreissaal, Hebamme. Das ist die eine Art, wie man geboren wird. Da muss jeder durch. Das haben wir nicht mehr alle so in Erinnerung, aber da muss man durch.
Und jetzt kommt hier aber eine zweite Art. Das ist nicht die Art, um die es hier geht: aus Gott geboren. Es ist eine zweite Art, wie ein Mensch geboren werden muss. Also nicht auf diese natürliche, sondern auf eine übernatürliche, geistliche Weise, die Gott macht. Jeder Mensch muss, um gerettet zu werden, um ein Kind Gottes zu werden, aus Gott geboren werden.
Wie macht Gott das? Na ja, keine Ahnung. Ja, Gott macht es halt. Ich kann dir sagen, was ich tun muss: Ich muss Jesus aufnehmen und ich muss an Jesus glauben. Und wenn ich das tue, kommt Gott dazu und sagt: Super, jetzt machen wir das mal mit der Wiedergeburt, jetzt fangen wir noch von vorne an. Das macht Gott, das gehört dazu.
Frage: Wie geht es nicht? Und jetzt stehen hier drei Begriffe: nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus dem Willen des Mannes. Und du stehst da vor und sagst: Vielen, vielen Dank, Johannes. Ach, das liest man abends vor dem Schlafengehen runter und versteht es auf Anhieb. Nein, du verstehst gar nichts. Und das liegt nicht nur daran, dass das nicht die einfachste Bibelübersetzung ist. Wir gehen dem einfach mal nach.
Nicht aus dem Blut, was ist damit gemeint? Also, der Begriff Blut hat mit der eigenen Familie zu tun, mit Blutsverwandtschaft. Ich bin nicht dadurch Kind Gottes, dass ich aus der richtigen Familie komme. Also, es reicht nicht, dass ich Eltern habe, die gläubig sind. Das ist an und für sich super. Ich kann an meinen Eltern sehen, was das heißt: Evangelium. Ich kann sehen, was es heißt, an Jesus zu glauben und wie Jesus Leben prägt. Das kann ich sehen.
Und trotzdem: Auch wenn meine Eltern vielleicht das beste Zeugnis sind für die Echtheit des Evangeliums, nur weil ich eine gläubige Mutter habe oder erlebe, wie mein Vater in der Bibel liest und seinem Herrn treu nachfolgt, das macht mich nicht zu einem Kind Gottes. Nicht aus dem Blut.

Was Herkunft, Leistung und andere Menschen nicht bewirken können

Zweiter Punkt: Nicht aus dem Willen des Fleisches, beziehungsweise natürlich nicht aus dem Willen des Fleisches.
Wofür steht Fleisch? Fleisch steht für Muckis. Also: Fleisch steht für das, was ich aus mir selber heraus schaffe, das, was man so sagen würde: eigene Kraft. Ich kann mein Fleisch anfassen. Und Wille des Fleisches beschreibt das, was ich mit eigener Kraft, eigener Anstrengung, mit Fleiß, mit Entschlossenheit, mit Einsatz und mit Disziplin schaffen kann.
Und jetzt sagt der Text: Ich kann so viel Gutes tun, wie ich will. Also, ich kann ein super netter Typ sein. Du kannst im Mittelmeer schiffbrüchige Flüchtlinge retten, dich, was weiß ich, am Hambacher Forst an die Bäume ketten oder, wie hier im Bild, bei der Berliner Tafel mitarbeiten und Lebensmittel verteilen. Du kannst alles machen. Und trotzdem: Wenn du Jesus nicht in dein Leben aufnimmst, an Jesus glaubst und dadurch von Neuem geboren wirst, dann wirst du kein Kind Gottes.
Und ihr merkt schon, wie viele Leute in unserem Land denken: Ja, ja, Gott muss doch irgendwie total zufrieden sein mit mir, weil ... und dann kommt so eine kleine Liste von guten Taten, die sie getan haben. Nein, auch die hunderteinste Großmutter, der du über die Straße hilfst, macht dich nicht zu einem Kind Gottes, okay? Nicht aus dem Willen des Fleisches.
Und dann, letzte Folie: Nicht aus dem Willen des Mannes beziehungsweise der Frau. Ja, da geht es gar nicht um Mann oder Frau. Es geht jetzt nicht mehr um meinen Einsatz. Es geht nicht um die Frage, in welche Familie ich hineingeboren worden bin, sondern es geht darum, dass niemand mich zu einem Kind Gottes machen kann, egal was er tut. Ich muss Jesus persönlich aufnehmen. Ich muss an Jesus glauben.
Nur weil du eine gläubige Großmutter hast, die vielleicht Jahrzehnte für dich betet, nur weil deine Eltern dich als Baby getauft haben und sagen: Wir wollen dich so erziehen, das soll für dich eine Bedeutung haben, nur weil du auf dem Sommerlager irgendwas gemacht hast und die Mitarbeiter waren total davon überzeugt, ja damals, als du das kleine rote Stoffherzchen an dieses Kreuz genagelt hast: Vergiss, was andere Leute dir erzählen. Vergiss, was andere Leute gemacht haben. All das reicht nicht, wenn ich nicht selber ganz persönlich und, bitte, es ist so einfach, wie ich es gerade geschildert habe, die Tür zu meinem Leben aufmache, Jesus einlade, sage: Komm rein, und dann an diesen Jesus glaube, ihm vertraue und ihm folge.

Zusammenfassung und Schluss

Das war es für heute. Wir fassen in einer letzten Folie das noch einmal zusammen.
Zwei Punkte waren mir wichtig.
Punkt Nr. 1: Neben Johannes, dem Schreiber des Evangeliums, gibt es noch Johannes den Täufer. Toller Typ. Da muss man einfach sagen: Toller Typ und Anführer einer Erweckungsbewegung. Aber er ist nicht der Messias. Er ist nicht das wahrhaftige Licht, das die Menschen erleuchtet.
Zweiter Punkt: Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes. Zum Kind Gottes braucht es mehr, als dass man nur geboren wurde. Ein Kind Gottes ist jemand, der nicht durch die Herkunft und auch nicht durch eigene Anstrengungen und auch nicht durch die Bemühungen anderer Menschen, sondern dadurch, dass er ganz persönlich Jesus aufgenommen hat und an ihn geglaubt hat, an den Punkt kommt, wo Gott sagt: So, jetzt hast du das Recht, Kind Gottes zu werden. Und jetzt werde ich dich von neuem, ich werde dich noch einmal quasi geistlich hervorbringen, geistlich zeugen, ich gebe dir Wiedergeburt, und jetzt geht dein geistliches Leben eigentlich los.
Das waren die zwei Punkte.
Ich hoffe, dass die Kinder die Fragen haben beantworten können. Sie waren heute einen kleinen Tick schwerer als beim letzten Mal, weil da wusstet ihr alles. Du schüttelst schon wieder den Kopf, okay, es geht noch schwerer.
Ich bringe mein Mikro weg, und wir gehen nach hinten in den Raum und schauen mal, was ihr herausgefunden habt.

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