Serie•Teil 9 / 16(Negative) Gefühle
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und Rückblick auf das letzte Thema
Vielen Dank, Wally, für die Einleitung. Er hat natürlich völlig Recht. Wir werden heute mit dem Thema Verzweiflung weitermachen. Ich habe letztes Mal schon etwas zu dem Thema gesagt.
Ich hätte gesagt, dass Verzweiflung auch für Christen schnell Realität werden kann, weil wir in einer Welt leben, in der Leid und Sünde Realitäten sind. Es ist wahr: Die Psalmen singen im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied von den Momenten, in denen die Psalmisten zutiefst niedergeschlagen und absolut hoffnungslos sind.
Wir haben uns letztes Mal Psalm 88 angeschaut. Für die, die das noch einmal vertont hören wollen und schon länger in der Gemeinde sind: Vielleicht erinnert ihr euch, es gab da mal eine Vertonung von Flo. Die gibt es immer noch auf Rockwords. Wenn ihr dort also einmal Psalm 88 in die Suchmaske eingebt, dann kommt ihr auch bei der Vertonung heraus und könnt euch das dann noch einmal in aller Deprimiertheit anhören.
Aber ich habe euch das letzte Mal diesen Psalm vorgestellt, weil es mir wichtig war, euch zu sagen, wie wichtig es ist, die eigenen Gefühle, auch wenn sie so total negativ sind, auf eine brutal ehrliche Weise mitzubesprechen. Und dann, wenn man sich das traut, das ist dann ein Schritt weiter, das habe ich mehr angedeutet als ausgeführt, vielleicht auch in der Gemeinschaft der Heiligen zu benennen, damit wir nicht gleichzeitig hoffnungslos und einsam werden. Das war letztes Mal.
Zwei Formen von Verzweiflung
Es ging mir darum zu zeigen, dass es zwei Sorten von Verzweiflung gibt. Es gibt eine hoffnungslose Form von Verzweiflung. Das ist, um mal das Bild aus Psalm 23 zu entlehnen, wenn man mitten im Tal des Todesschattens einfach stehenbleibt und aufgibt. Das ist, wenn Angst, Schmerz und Verlust einen dazu bringen, nicht mehr länger zu träumen, nicht mehr länger auf Gott zu hoffen und am Ende auch den ganzen Glauben aufzugeben, weil man einfach nicht mehr kämpfen möchte. Das ist die hoffnungslose Form von Verzweiflung, die es gibt und die echt gefährlich ist.
Es gibt eine andere Form von Verzweiflung. Ich werde nicht hier vorne stehen und sagen, es gibt da einen Trick, und dann wirst du nie verzweifelt sein. Das stimmt nicht. Es gibt einfach zwei Sorten von Verzweiflung, und das andere ist eben eine hoffnungsvolle Form von Verzweiflung.
Nochmal, damit wir uns echt nicht falsch verstehen: Die fühlt sich nicht anders an. Es ist nicht so, dass die eine sich total depri anfühlt und die andere haha. Das Wort Verzweiflung bleibt bestehen. Es ist aber eine hoffnungsvolle Form von Verzweiflung. Es ist eine Form von Verzweiflung, die irgendwie instinktiv merkt, dass wir mitten im Leid sind und dass wir viel mehr brauchen als eine Erklärung.
Es ist eine Form von Verzweiflung, die zu Gott schreit, die schreit, weil sie verstehen will. Aber sie bleibt bei diesem Schreien nicht stehen. Und ich möchte mit euch, so wie wir letztes Mal Psalm 88 betrachtet haben, mal Psalm 77 anschauen. Also Psalm 77 als ein Beispiel für diesen richtigen Umgang mit Verzweiflung.
Klage als Gebet und der Mut zur Ehrlichkeit
Da heißt es in Psalm 77, die Verse 1 bis 3: Dem Chorleiter nach Jeduthun. Von Asaph, ein Psalm.
Und in Psalm 77, Vers 2: Meine Stimme ruft zu Gott, und ich will schreien. Meine Stimme ruft zu Gott, dass er mir Gehör schenke. Am Tag meiner Drangsal suchte ich den Herrn. Da sind wir. Wir reden über Drangsal, wir reden über fette Probleme. Am Tag meiner Drangsal suchte ich den Herrn. Meine Hand war des Nachts ausgestreckt und ließ nicht ab. Das heißt, er hat lieber gebetet als geschlafen. Meine Seele weigerte sich, getröstet zu werden.
Asaph will nicht irgendeinen billigen Trost. Asaph ist in Not, wir wissen nicht genau, was er hat. Aber er hat sich entschieden: Ich werde Tag und Nacht beten, bis Gott mich rettet.
Wenn man das so liest, wie geht es euch? Vielleicht denkst du: Na super, jetzt wird bestimmt alles gut, der betet doch schon. Falsch, es wird schlimmer.
Vers 4: Denke ich an Gott, so stöhne ich; sinne ich nach, so verzagt mein Geist. Du hieltest offen die Lider meiner Augen. Also, du weißt, ich, ob er das kennt, wenn man so richtig Angst hat, wenn man im Bett liegt und in einem so ein Kampf stattfindet. Du bist so aufgeregt, du versuchst zu schlafen, du schaffst es einfach nicht, weil etwas dich so plagt und dich so verstört, dass du nicht einschlafen kannst. Und Asaph sagt: Du bist dafür verantwortlich, du hieltest offen die Lider meiner Augen. Ich war voll Unruhe und redete nicht.
Es ist so schlimm, die Situation, in der er sich befindet, dass er sich fragt, ob Gott ihn aufgegeben hat.
Erinnerung als Waffe gegen die Hoffnungslosigkeit
Ich sah nach, dass nachts in meinem Herzen überlegte ich, und es forschte mein Geist: Wird der Herr auf ewig verwerfen und künftig keine Gunst mehr erweisen?
Wow, stell dir vor, du liegst da und stellst dir die Frage: Ist jetzt zwischen mir und Gott alles aus? Ist seine Gnade für immer zu Ende? Hat das Wort aufgehört von Geschlecht zu Geschlecht? Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Hat er im Zorn verschlossen seine Erbarmungen?
Da sprach ich: Das ist mein Schmerz, dass sich die Rechte des Höchsten geändert hat.
Ich weiß nicht, ob du dich traust, so mit Gott zu reden. Nimm dir mal ein bisschen Zeit, noch diesen Psalm in Ruhe zu durchdenken. Nimm dir die Zeit zu verstehen, was sich Asaf hier traut. Und wenn du denkst, so darf man doch nicht mit Gott reden, dann möchte ich dir von hier vorne sagen: Doch, du darfst das.
Und wenn du das noch nicht getan hast, wenn du sagst: Ich traue mich das nicht, dann der Tipp von hier vorne: Fang damit an!
Du hast nämlich, wenn du wirklich in Verzweiflung drinsteckst, wenn es wirklich dunkel und finster ist, wenn du wirklich merkst, ich kann nicht mehr schlafen, weil da etwas in mir mich so ängstlich, mich so durcheinander macht, dass ich einfach meine Gedanken nicht mehr davon wegkriege, keine andere Alternative. Du kannst nur deine negativen Gefühle nehmen und bei Gott abgeben.
Und wenn wir das nicht tun, dann werden die Ängste in uns einfach immer weiter wachsen, und sie werden uns im doppelten Sinn schaden. Auf der einen Seite, und das hört sich so harmlos an, aber es ist null harmlos, werden sie uns von uns selber entfremden. Das heißt: Wenn ich mich nicht mit den Gefühlen beschäftige, die in mir drin sind, und diese Gefühle nehme und bei Gott abgebe, wenn ich mir so einen billigen Trost suche oder so ein billiges Davonlaufen, wenn ich mich nicht dem stelle, was da in mir drin ist, dann werde ich irgendwann mich selber nicht mehr verstehen. Ich werde mich selber nicht mehr wahrnehmen, weil das bin ich.
Und das andere ist: Wenn ich Ängste nicht bei Gott abgebe, wenn wir einfach so tun, als wäre doch alles gut, dann werden wir die Beziehung zu Gott verlieren, vielleicht noch dramatischer, als dass wir uns selber verlieren.
Und deswegen dieser wichtige Punkt: Was ist echter Glaube? Ist echter Glaube so dieses still und fügsam, schweigend unterwerfe ich mich den Schlägen des Schicksals? Ist das echter Glaube? Nein, das ist das, was uns die Psalmen mitgeben wollen. Echter Glaube schreit. Schön, oder? Echter Glaube schreit. Er schreit, weil er im Himmel gehört werden will. Echter Glaube ist laut, echter Glaube wirft unverblümt Gott an den Kopf, was mir Angst macht.
Und wisst ihr, was das Verrückte ist? In dem Moment, wo wir das tun, ehren wir Gott.
Gottes Ehre im ehrlichen Gebet
Vielleicht haben wir Angst davor, dass wir Gott Unehre bereiten könnten, wenn wir das sagen, was in unserem Herzen ist. Vielleicht fürchten wir, dass wir Gott damit ärgern oder dass das ein Ausdruck von Unglaube ist. Und genau das Gegenteil ist der Fall.
Wenn wir uns trauen, Gott ganz ehrlich zu sagen, wie es uns geht, dann ehrt das Gott. Denn das ist in diesem Moment der ehrlichste Ausdruck unseres Glaubens. Auch wenn das, was wir sagen, uns im Nachhinein vielleicht sogar ein wenig peinlich ist und wir denken: Hätte ich das doch etwas feiner formuliert. Das mag alles sein. Aber in dem Moment kommt es aus unserem Herzen, weil in unserem Herzen der leidenschaftliche Wunsch ist, Gott zu verstehen und Gott zu begegnen.
Und das ist es, was Gott ehrt: wenn wir selbst in den dunkelsten Stunden unseres Lebens auf ihn schauen und mit unserem ganzen Unverständnis zu ihm gehen. Dabei haben wir, wenn wir das tun, einen ganz mächtigen Verbündeten, den man gern übersieht, Psalm 77,12. Und in Vers 13 heißt es: Ich will gedenken der Taten Jahs. Das Wörtchen Jah ist die Kurzform für Jachwe, Jachwe ist der Eigenname Gottes. Also: Ich will gedenken der Taten Gottes. Ja, deiner Wunder von alters her will ich gedenken. Ich will nachdenken über all dein Tun, und über deine Taten will ich sinnen.
Rückblick auf Gottes Rettung in Geschichte und Alltag
Eine mächtige Waffe im Kampf gegen die hoffnungslose Form der Verzweiflung ist die Erinnerung. Ich erinnere mich an Momente in meinem Leben, in denen Gott mich in der Vergangenheit schon gerettet hat.
Asaf geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Er erinnert sich nicht einfach nur an persönliche Erfahrungen, sondern er denkt an ein Ereignis nationaler Rettung. Das liegt schon eine Weile zurück, ungefähr ein halbes Jahrtausend. Es geht um den Auszug Israels aus Ägypten, wie das Volk durch das Schilfmeer hindurch gerettet wird vor der Wut eines tobenden Pharao, der mit seinen Todesschwadronen hinter diesem Volk her ist.
Und das, was Asaf hier in seiner Argumentation deutlich macht, ist Folgendes: Wenn Gott damals ein ganzes Volk vor einer solchen Übermacht an Grausamkeit eines Tyrannen retten konnte, dann kann er heute bestimmt auch mir in meinen persönlichen Problemen beistehen. Wenn es also einmal ein Wunder für ein ganzes Volk gab, dann ist Gott wahrscheinlich auch für ein kleines Wunder in meinem Leben nicht zu klein. Das ist die Logik dahinter.
Ich lese euch das mal vor, die Verse 16 bis 21, immer noch Psalm 77:
Du hast dein Volk erlöst,
mit deinem Arm die Söhne Jakobs und Josefs.
Dich sahen die Wasser, Gott,
dich sahen die Wasser, sie bebten;
ja, es erzitterten die Tiefen.
Die Wolken ergossen Wasser,
das Gewölk ließ seine Stimme erschallen,
und deine Pfeile fuhren hin und her.
Die Stimme deines Donners war im Wirbelwind,
Blitze erleuchteten die Welt,
es zitterte und bebte die Erde.
Durch das Meer führt dein Pfad,
ja, durch das Meer führt dein Weg,
und deine Pfade durch große Wasser.
Doch deine Fußspuren erkannte niemand.
Wie eine Herde hast du dein Volk geleitet
durch die Hand Moses und Aarons.
Erinnern spielt in der Bibel eine sehr große Rolle.
Die Schrift als Schule der Hoffnung
Wenn Asaph hier in Vers zwölf sagt: Ich will gedenken der Taten Jahs, dann geht es ihm um mehr als nur darum, dass er die Fakten aufzählen kann. Wir sind in unserer Zeit ein bisschen wenig romantisch. Wir haben uns oft nicht so viel Zeit genommen, über Dinge wirklich nachzudenken. Asaph tut das.
Wenn er sagt: Ich will gedenken der Taten Jahs, dann macht er Folgendes: Er denkt über diesen Sachverhalt im Alten Testament nach. Und was Asaph möchte, ist, dir zu sagen: Lies deine Bibel. Lies sie nicht einfach nur durch und sag: Aha, Auszug aus Ägypten, Check; Einzug in Kanaan, Check; Zeit der Richter, Check. Sondern was er möchte, ist, dass du dich in die Lage der Leute hineinversetzt. Dass du begreifst: Ich begegne hier in der Geschichte nicht nur historischen Fakten, sondern ich begegne dem Charakter Gottes.
Und dass du diese Geschichten nimmst, dass du sie selber durchlebst und dir aus der Vergangenheit so eine Art emotionale Kopiervorlage für die Hoffnung entlehnst, die du selber in diesem Moment brauchst. Weil Gott hat sich nicht geändert. Und wenn er damals der Gott der Rettung war, dann ist er das heute auch.
Das ist es, was Asaph dir vorschlägt, wenn er sagt: Ich erinnere mich, erinnere du dich auch. Und natürlich braucht es nicht immer den Auszug aus Ägypten oder irgendeine andere Rettungsgeschichte. Es ist genauso gut, wenn du sagst: Ich erinnere mich an Momente, in denen Gott mich in meinem Leben ganz persönlich schon gerettet hat, in denen du wusstest: Boah, das war Gott.
Persönliche Rettungserfahrungen und ihr Wert in der Not
Vor kurzem stand ich, was ich euch bei der Geschichte erzählt habe, vor folgendem Problem: Vor kurzem bin ich abends um halb zehn in Hanau mit dem Zug gestrandet und stand da. Mein Folgezug hat meine ganze Planung durcheinandergeworfen, weil ich weiter nach Zürich wollte. Ich wollte eigentlich einen City Nightliner erreichen, habe ihn aber nicht mehr bekommen. Na super.
Und du denkst dir: Hanau um halb zehn. Ich weiß nicht, ob du schon mal in Hanau warst, aber Hanau ist vom Bahnhof her ein bisschen kleiner als Spandau. Und ich dachte mir: Super, wer hilft mir jetzt? Ich kann dir nur sagen, dass mein Folgezug so viel zu spät kam, dass ich den Zug danach nicht mehr erreichen konnte. Wer hilft mir jetzt?
Und in diesem Moment gehst du dann mit deinem Köfferchen die Treppe runter und denkst: Herr, du hast gesagt, dass du mich retten willst. Jetzt bist du dran, weil ich keinen blassen Schimmer habe, was ich jetzt machen soll. Es ist halb zehn, ich bin hundemüde, und ich muss morgen früh um acht in Zürich sein.
Und dann gehst du da runter und in den Vorraum. Da hat Gott schon seinen Engel postiert, in Form einer Dame, die für die Auskunft zuständig war. Sie hatte eigentlich schon gar keinen Dienst mehr. Und da gibt es auch jetzt, also Hanau ist wirklich klein, die hatte so ein Tischchen vor sich. Sie hat sich meiner angenommen und einfach mal eine halbe Stunde für mich herumtelefoniert. Sie hat mich wirklich im wahrsten Sinne des Wortes gerettet.
Hey, schön, das ist so pillepalle, ist mir schon klar. Wenn du sagst: Jürgen hat da so eine Auskunft gefunden, ja, super. Aber in dem Moment, sorry, in dem Moment war das für mich: Wow, danke, Herr. Also, die hätte auch Flügel haben können, und ich hätte sie als Engel gesehen, das ist völlig in Ordnung.
Solche Momente gibt es im Leben, wo du einfach für dich persönlich weißt: Das war Gott. Da hätte niemand mehr stehen müssen, Samstagabend um halb zehn. Aber da stand jemand für mich. Gott hat mich gerettet.
Es gibt Leute, die sagen, man soll das aufschreiben. Ja, mach das. Ich mache das nicht, aber wenn du so ein Tagebuchtyp bist, schreib sowas auf. Du wirst es in Zeiten der Not brauchen, wenn über dir so alles zusammenbricht, wenn du den Eindruck hast, du gehst wirklich unter. Wasser und chaotische Wasser und Fluten sind in der Bibel oft ein Bild für Zeiten, wo es einem richtig dreckig geht, wo man echt den Eindruck hat: Jetzt sauf ich ab.
Für solche Momente ist es super, wenn du so ein paar Goodies hast, die du wieder rausholen kannst, die in dem entscheidenden Moment deinen Blick auf Gott schärfen. Dass du dich erinnern kannst, dass sich, wenn Angst und Unruhe da sind, weil ich mich an das erinnere, was Gott schon getan hat, das langsam wieder in Gottvertrauen verwandelt.
Bei Asaf war das so. Und deswegen habe ich euch diese Methode mitgebracht. Was mache ich mitten im Leid? Ich brauche diesen Blick, diesen neuen Blick auf einen Gott, der Rettergott ist. Sei es in der Geschichte, weil ich durchdacht habe, was das für dieses Volk bedeutet haben muss, gerettet worden zu sein, sei es in meinem eigenen persönlichen Leben, weil ich Erfahrungen gemacht habe, auf die ich zurückgehen kann, wo ich sagen kann: Damals war Gott mein Retter, das kann mir keiner wegnehmen.
Und wenn er mich damals gerettet hat, weil er unveränderlich ist und sein Charakter sich nicht verwandelt, dann wird er mich heute auch retten. Ich mag das im Moment noch nicht spüren können. Logisch, Verzweiflung ist ja immer doof. Aber ich kann anfangen, in diese Richtung zu denken. Ich kann, wenn in meinem Kopf sich alles nur dreht und ich nur Angst habe, mich auf diese Aspekte, auf diese Rettungsaspekte Gottes konzentrieren.
Und kann dann mit Asaf, Psalm 77, Verse 12 bis 15, erleben, was er erlebt hat.
Vom Erinnern zum Lobpreis
Er sagt zuerst: Ich will der Taten Jahs gedenken, ja, deiner Wunder von alters her will ich gedenken. Das ist die Methode. Denk darüber nach, mitten in der Verzweiflung, wo du schon weißt, dass Gott dich gerettet hat, und wenn nicht dich, dann andere. Denk nach.
Vers 13: Ich will nachdenken über all dein Tun, und über deine Taten will ich nachsinnen. Und dann kommt es, wo er das sagt: Jetzt bricht er schon aus in Jubel. Gott, dein Weg ist im Heiligtum. Wer ist ein so großer Gott wie unser Gott?
Versteht ihr? Aus der Verzweiflung heraus in eine richtige Perspektive, wo wir Gott wieder richtig erkennen können als das, was er ist. Wer ist ein so großer Gott wie du? Du bist der Gott, der Wunder tut.
Und wenn wir da angekommen sind, mitten in der Verzweiflung, dass wir Gott wieder sehen können als den Gott, der Wunder tut, der die Macht hat, mich hier rauszuholen, mich hier durchzubringen, vielleicht trauen wir uns dann, im Tal des Todesschattens nicht stehen zu bleiben, sondern zu sagen: Ich will weitergehen. Ein Schritt vor den anderen, ein Gebet vor das andere, ein hoffnungsvoller Gedanke vor den nächsten, bis wir durch sind.
Du bist der Gott, der Wunder tut. Du hast deine Stärke kundgetan unter den Völkern.
Das war mir heute wichtig. Das ist vielleicht so der Kerngedanke dieser Predigt: Wenn du in der Verzweiflung drinsteckst, benutze sie auf der einen Seite. Benutze das Reden mit Gott, klage, gib es ihm ab. Und auf der anderen Seite benutze das Gebet, um dich daran zu erinnern, was Gott in deinem Leben oder im Leben des Volkes Gottes an anderer Stelle schon getan hat. So bekommst du wieder neu einen Blick auf den Gott, der Wunder tut, damit aus der falschen Form der Verzweiflung, aus der hoffnungslosen Form, die hoffnungsvolle Form wird.
Verzweiflung als Raum für geistliches Wachstum
Es gibt aber noch mehr zu sagen, und ich möchte im zweiten Teil der Predigt jetzt vier Dinge mitgeben. Nicht, dass ich Verzweiflung schönreden möchte, aber in meiner Bibel steht, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken müssen.
Das heißt: In diesen Momenten, die so dunkel und so düster sind, wo man sich im Nachhinein vielleicht nur noch mit Schaudern daran erinnert und sagt: Boah, bloß gut, dass die Zeit vorbei ist, da steckt ein unglaubliches Potenzial, dass wir unsere Beziehung zu Gott vertiefen.
Ich weiß, das hört sich erst mal verrückt an, weil auf der einen Seite diese Gefahr drinsteckt, dass man den Glauben wegwirft. Genau so steckt aber auch die Chance darin, dass man Verzweiflung richtig mit Gott durchlebt und dazu verwendet, dass aus der tiefen Hoffnungslosigkeit ein ganz tiefer Glaube wird, vielleicht sogar eine ganz neue Begegnung mit der Vaterliebe Gottes, die mich noch näher an sein Herz zieht.
Und deswegen vier Aspekte, wie Verzweiflung und solche Momente uns tatsächlich, verzeiht mir das Wort, guttun können. Das ist erst mal komisch, aber ich möchte es mal so nennen.
Erstens: Das Herz wird sichtbar
Punkt eins: Verzweiflung offenbart unser Herz.
Wir lieben es ja, uns als die Glaubenshelden zu sehen. Wir nehmen uns gern als die wahr, ohne die Gottes Reich nicht vorangebracht werden kann. So, als müsse Gott im Grunde seines Herzens froh sein, dass er uns im Team hat. Das ist das Denken, das wir oft haben.
Und wenn wir ehrlich sind, oder wenn ich ehrlich bin, dann ist mein Leben nicht immer von unbändigem Glauben geprägt, sondern ab und zu von Selbstgefälligkeit und von einem völlig übertriebenen Vertrauen in meine eigene Stärke, in das, was ich selber kann.
Momente der Verzweiflung sind Momente, in denen ich erfahre, wie es sich anfühlt, ohne Gott zu leben. Und diese Momente sind gut. Sie sind gut, weil ich in dem Moment merke: Okay, so ist das also, wenn Gott mal weg ist. Das fühlt sich richtig doof an. Ich bin ja gar nicht so stark, wie ich dachte. Ich brauche Gott viel mehr, als ich dachte. Wow, worauf habe ich denn die ganze Zeit vertraut?
David hatte so einen Moment. Er hatte so einen Moment, wo er, wir lesen das mal in Psalm 30, sich für einen kurzen Moment für den Coolsten hielt. Also Psalm 30, Vers 7. David sagt da:
Ich zwar dachte in meiner Sorglosigkeit: Niemals werde ich wanken. Herr, in deiner Gunst hattest du mich auf feste Berge gestellt. Du verbargst dein Angesicht, da wurde ich bestürzt.
Das ist genau das, was ich meine. Es gibt diese Momente, wo wir dastehen und sagen: Boah, sind wir cool. So wie David: Ich werde nimmermehr wanken. David dachte: Ich bin einfach viel zu gut, viel zu stark, viel zu kompetent, viel zu einflussreich, schlichtweg viel zu mächtig, als dass mir irgendetwas passieren könnte. Niemals werde ich wanken.
Und jetzt kommt Gott und überlegt sich: Wie mache ich ihm klar, dass das nicht stimmt? Und Gott geht den Weg, dass er sein Angesicht für einen Moment verbirgt, dass er sich mal kurz zurückzieht, sich mal kurz abwendet, mal kurz David zeigt, wie sich das anfühlt, wenn Gott nicht da ist und nicht auf ihn aufpasst. Und sofort ist die Reaktion: Du verbargst dein Angesicht, da wurde ich bestürzt.
Warum tut Gott das? Warum tut der Herr Jesus das und zieht sich zurück? Möchte er uns loswerden? Die Antwort muss lauten: Nein, natürlich nicht. Er tut das, weil er uns in eine tiefere Beziehung mit sich selbst ziehen möchte. Und genau das passiert hier.
Frage: Wo treibt diese Bestürzung David hin? Sie könnte ihn in ein Selbstmitleid hineintreiben, aber das tut sie natürlich nicht, sondern tatsächlich in die Arme Gottes. Also: Verzweiflung, Momente der Bestürzung, zeigen uns, wie abhängig wir von Gott sind, zeigen uns vielleicht auch, wie selbstgefällig wir durchs Leben gehen, zeigen uns, wer wir wirklich sind, worauf wir wirklich vertrauen.
Und wir brauchen dann das, was Psalm 30, die Verse 9 bis 11, so beschreiben:
Zu dir, Herr, rief ich, und zum Herrn flehte ich: Was für ein Gewinn bringt mein Blut? Mein Hinabfahren in die Grube? Wird der Staub dich preisen, wird er deine Treue verkünden? Höre, Herr, und sei mir gnädig; Herr, sei mein Helfer.
Darum geht es. Ich bin bestürzt, ich merke: Boah, ich habe mich völlig überschätzt. Gott hat mir mein Herz offenbart. Und aus der Bestürzung heraus wende ich mich neu Gott zu und sage zu ihm: Du bist mein Herr, sei mir gnädig. Ich tue Buße und ich suche Gott als meinen Helfer.
Dieses Muster werdet ihr ganz oft in der Bibel finden. Menschen werden selbstgefällig, bequem, so formaler Glaube. Und dann zieht sich Gott zurück. Es folgt Bestürzung, Ratlosigkeit, Klagen, Angst. Aber an der Stelle ist nicht Schluss, sondern zum Schluss gibt es eine erneuerte und vertiefte Beziehung zum Herrn.
Und damit könnt ihr auch in eurem eigenen Leben rechnen. Wenn sich in unserem Leben Selbstgefälligkeit und Bequemlichkeit und so ein formaler Glaube einschleicht, dann wird Gott irgendwann einen Schritt zurückgehen und sagen: Okay, wenn du es gerne ohne mich machen möchtest, dann mach es doch. Und wenn wir dann plötzlich merken, da ist so eine innere Unruhe, die wir nicht gegriffen kriegen, da tauchen plötzlich Probleme auf, die wir vorher nicht hatten, wir kriegen unser Leben nicht mehr in den Griff, Angst, Bestürzung, dann ist die richtige Reaktion die, neu zum Herrn zu gehen und zu sagen: Herr, es tut mir leid, was ich da gemacht habe. Bitte lass mich diese alte, tiefe Beziehung zu dir wieder genießen.
Oder wie es hier in Vers 12 und 13 dann heißt:
Meine Wehklage hast du mir in Reigen verwandelt. Mein Sacktuch hast du gelöst und mich mit Freude umgürtet, damit meine Seele dich besinge und nicht schweige. Herr, mein Gott, in Ewigkeit will ich dich preisen.
Da will Gott uns hin haben. Gott möchte, dass wir Menschen sind, die vor ihm jubeln, vor ihm singen und ihn ewig preisen. Und wann immer wir uns von ihm entfernen, benutzt er Momente der Bestürzung und der Angst, damit wir innehalten und uns die Frage stellen: Wie steht es eigentlich um unser Herz? Sind wir wirklich noch mit Gott unterwegs? Und dann Buße tun und zu ihm umkehren.
Das ist der erste Punkt: Verzweiflung offenbart unser Herz.
Zweitens: Der Blick auf Christus
gibt einen zweiten Punkt, den ich persönlich unglaublich schön finde. Da müsste man irgendwann meine eigene Predigt draus machen: Verzweiflung lässt mich Jesus begegnen.
Verzweiflung lässt mich Jesus begegnen. Die Bibel beschreibt Jesus nicht als einen Supermann. Wenn es um dieses Themenpaket Einsamkeit und Verzweiflung geht, dann kann Jesus mitreden.
Im Garten Gethsemane bittet er seine engsten Freunde um Folgendes. Er sagt zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir. Also, was Jesus hier tut, ist: Er sagt zu seinen besten Freunden: Hey, passt mal auf, ich bin völlig am Ende, es geht mir richtig schlecht. Tut mir einen Gefallen: Geht jetzt mal bitte nicht weg, schlaft mal nicht ein, betet mal für mich, bleibt einfach mal an meiner Seite.
So, was passiert? Und wir wissen, was passiert. Dreimal schaut er nach ihnen, schaut, ob sie in dieser einen Nacht auf seine Bitte hin einmal an seiner Seite beten und wachen können, und dreimal findet er sie eingeschlafen. Sie schlafen. Sie schlafen, während es ihn förmlich zerreißt.
In Lukas 22,44 wird der Kampf, den Jesus durchkämpft, so beschrieben. Da heißt es: Und als er in Angst war, betete er heftiger; es wurde aber sein Schweiß wie große Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen.
Ich weiß nicht, ob du jemals nur geheult hast beim Beten, aber das ist arg. Während Jesus ringt und fast stirbt beim Gebet, schlafen seine Jünger ein. Jesus hat Todesangst, und er muss ganz allein den Mächten des Todes entgegentreten.
Und dann wird es noch schlimmer: Judas verrät ihn, Petrus verleugnet ihn. Dann kommen die Schmerzen, erst der Geißelung, dann der Kreuzigung, der Spott seiner Gegner. Aber der Höhepunkt des Ganzen ist dieser Moment, als Gott, der Vater, die Schuld der Welt nimmt und auf ihn legt, ihn zur Sünde macht. Als ein Riss durch diese ewige Liebesbeziehung geht zwischen Vater und Sohn. Und wo der Sohn, wo Jesus, durstig, halb erstickt, schmerzverzerrt die Worte sagt: Eli, Eli, Lama, Asabthani, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Wisst ihr, das ist echte Verzweiflung. Und wenn du wissen willst, wie Jesus sich gefühlt hat in diesem Moment – und wir werden das in aller Tiefe nie erfassen –, wenn du wissen willst, warum Jesus Mann der Schmerzen genannt wird: Wenn du verzweifelt bist, das Gefühl, das sich dann in deiner Seele einschleicht, das ist ein Blick hinein, mitten ins Herz des Messias am Kreuz.
Und deshalb: Wenn du verzweifelt bist, erlaub dir Jesus, dass du ihm mitten im Leid begegnest. Der Jesus sagt: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen. Wir lesen das sehr oft als Einladung für Ungläubige, die sich bekehren sollen. Man kann das ganz anders lesen. Man kann es so lesen, dass Jesus sagt: Ich bin insbesondere da für die, denen es richtig schlecht geht. Und ich war da, wo du jetzt gerade bist, mitten in der Verzweiflung, und ich möchte dir da begegnen, wo du jetzt bist. Komm zu mir.
Wenn du sagst, ich bin mühselig und beladen, dann renn nicht weg, sondern komm zu mir. Ich will dir mitten in diesem dunklen Moment der Hoffnungslosigkeit Ruhe geben. So wie Paulus das an die Korinther geschrieben hat: 2. Korinther 1,5. Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich.
Ich möchte dir diesen Tipp mitgeben, weil er funktioniert, und ich nicht weiß, warum. Aber mitten im Leid ist der beste Moment, sich auszustrecken nach Jesus, der dort war und der mitten im Leid auf dich wartet, um dir göttlichen Trost zu schenken. Und so verrückt sich das anhört: Mehr als einmal war für mich der Moment der tiefsten Niedergeschlagenheit eine Tür hinein in den Thronsaal Gottes, wo sein Trost und seine Liebe und seine Gegenwart spürbarer und tiefer in mein Leben eingedrungen sind als irgendwann sonst.
Drittens: Hoffnung, die über das Jetzt hinausgeht
Dritter Punkt: Verzweiflung bewirkt in uns Hoffnung, und zwar ewige Hoffnung.
Die Stelle aus 2. Korinther Kapitel 1 nochmals: 2. Korinther 1,8
Denn wir wollen euch nicht in Unkenntnis lassen, Brüder, über unsere Bedrängnis, die uns in Asien widerfahren ist, dass wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so dass wir sogar am Leben verzweifelten.
Wow, also das ist auch echt so eine Stelle, wo ich denke: Danke, Paulus, dass du mir die reingeschrieben hast. Danke, danke, danke, danke, danke, danke. Dann weiß ich wenigstens, wenn mir das mal passiert, dass ich immer noch in der richtigen Spur bin. Ich bin noch nicht aus dem Glauben herausgeplumpst. Man darf mal am Leben verzweifeln. Wunderbar, wunderbar.
Wir selbst aber hatten in uns selbst schon das Urteil des Todes erhalten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt. Und der hat uns aus so großer Todesgefahr errettet und wird uns erretten. Auf ihn hoffen wir, dass er uns auch ferner erretten werde.
Merkt ihr, was hier steht? Hoffnung! Und hier ist nicht so eine irdische, billige, zerbrechliche Hoffnung gemeint, sondern hier ist ewige Hoffnung gemeint.
Hoffnung wächst aus der Erfahrung, dass der Gott allen Trostes mich rettet, wo ich keinen Ausweg mehr sehe. Und es ist logisch: Wenn ich das erlebt habe, wenn Gott mich aus größter Not rettet, und ich erlebe das immer mal wieder, dann kann ich vielleicht auf ein Leben zurückblicken, wo ich sage: Da ist es mir passiert, und da ist es mir passiert, und da auch, und da auch. Super.
Wenn ich das ein paarmal erlebt habe, dass Gott wirklich retten kann, dann begreife ich eine viel größere Lektion. Ich begreife die Lektion, dass das Böse nicht das letzte Wort hat.
Wisst ihr, wenn Gott die dunklen Seiten meines Lebens nutzen kann, um mein Herz an sein Herz zu ziehen, dann gibt es keine finstere Macht, die sich ihm in den Weg stellen kann, um eines Tages mich ganz und gar zu sich zu ziehen. Und das ist ewige Hoffnung, wenn ich weiß: Ich werde einmal dem Gott begegnen, der mich jetzt schon im Leid gekräftigt hat, getröstet hat, der mich gerettet hat. Dem werde ich einmal begegnen, weil sich nichts und niemand ihm in den Weg stellen kann. Und das ist ewige Hoffnung.
Es ist die Hoffnung auf den Tag, den Jesaja so beschreibt: Jesaja 25,8
Den Tod verschlingt er auf ewig, und der Herr, Herr, wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht, und die Schmach seines Volkes wird er von der ganzen Erde hinwegtun; denn der Herr hat geredet.
So ein Tag kommt. Wenn Gott alle Tränen abwischt, und wenn ich das hier immer mal wieder erlebt habe, dann wächst diese Hoffnung, dass das, was Gott hier im Kleinen getan hat, dass er es selbstverständlich auch im Großen tun kann. Und dann schaue ich anders nach vorne, so wie Paulus das sagt.
Und er hat uns aus so großer Todesgefahr errettet, und er wird uns erretten. Merkt ihr das? Eben noch sind wir verzweifelt, dann hat er mich gerettet, und dann hat er einmal gemacht, mal wieder, mal wieder. Also ich finde das so schön. Und er wird uns erretten, auf ihn hoffen wir, dass er uns auch ferner erretten wird. Haha, zack, es ist so gut, diese starke Hoffnung zu haben.
Und wodurch kriege ich die? Durch Momente des Leids, durch Momente der Verzweiflung, wo ich durchgehe, wo ich keinen Ausweg mehr sehe, wo ich selber verzweifle und dann merke: Oh, das ist ja interessant, Gott hatte noch eine Idee. Spannend, spannend.
Das kann man immer erst im Nachhinein, das ist mir schon klar. Wenn du mittendrin steckst, hilft dir das vielleicht wenig. Aber wenn du durch bist und du schaust zurück und sagst: Wow, das war knapp, aber Gott hat mich gerettet, und du machst das ein paar Mal, dann gehst du vielleicht irgendwann in die nächste Verzweiflung. Ich will nicht sagen gelassener, aber mit mehr Hoffnung. Mit der Hoffnung zu sagen: Okay, das fühlt sich noch genau so bescheuert an wie bei der letzten Verzweiflung, aber da gibt es in meinem Herzen etwas, was ich anders auf diesen Moment der Hoffnungslosigkeit sehe. Da gibt es ein Stückchen Anti-Hoffnungslosigkeit in mir. Ja, da gibt es so einen Gegenpol, der sagt: Nein, ich will mich jetzt nicht ganz runterziehen lassen. Ich habe das zu oft erlebt, dass Gott mich schon gerettet hat.
Und das ist der vierte Punkt: Verzweiflung schafft Veränderung.
Viertens: Reifung durch Leiden
Über Jesus heißt es, dass er durch Leiden vollkommen gemacht wurde oder reif wurde. Im Neuen Testament, wo das Wort vollkommen steht, kann man oft auch mit reif übersetzen. Das macht ein bisschen mehr Sinn. Also: Er ist reif geworden.
Der Teufel kommt am Anfang seines Wirkens in der Wüste und darf ihn dort so richtig unter Druck setzen. Und Jesus wird reif für seinen Dienst. Und am Ende seines Lebens darf er wieder so richtig versucht werden, muss ans Kreuz, und das prägt ihn genauso. Das macht ihn reif, das macht ihn vollkommen.
Es ist ein komischer Gedanke, dass Not und Leid und Verzweiflung den Herrn Jesus vollkommen gemacht haben. Aber es steht in der Bibel, und Paulus beschreibt dasselbe für Christen. Er schreibt den Christen in Rom, dass es für ihn, Paulus, normal ist, sich in schwierigen Zeiten zu freuen. Das steht in Römer 5.
Da fragst du dich: Paulus, warum kannst du den Christen schreiben, sie sollen sich in schwierigen Zeiten freuen? Das ist doch ein Widerspruch. Aber Paulus sagt: Denk noch mal darüber nach. Schwierige Zeiten, Not, Verzweiflung – da kommt doch hinten etwas raus. Was kommt denn da raus?
Und Paulus sagt: Freut euch über schwierige Zeiten, weil drei Dinge passieren. Ihr lernt Ausharren, ihr lernt Bewährung oder bekommt Charakterstärke, und ihr bekommt Hoffnung. Drei Dinge, die Paulus sieht, wenn er über Leid nachdenkt. Und deshalb sagt er: Freut euch ruhig mal über Leid, das ist nicht so schlimm. Ihr werdet, wenn ihr durch Leid hindurchgeht, Ausharren lernen. Euer Charakter wird ein anderer werden, und ihr werdet Hoffnung gewinnen.
Verzweiflung hat auf der einen Seite die Macht, meinen Glauben zu zerstören. Oder sie zieht mich ans Herz Gottes, und sie lässt meinen Glauben reifen. Und deswegen ein letzter Gedanke: Gott möchte dich erziehen. Gott möchte unser Herz erziehen.
Ich mag dieses Bild von den gebahnten Wegen. Gott möchte, dass in unserem Herzen gebahnte Wege sind. Er möchte, dass wir gewohnheitsmäßig, wenn Leid und Not und Verzweiflung unser Leben schlimm machen, im Leid zu ihm fliehen. Er hat das vorhin gesungen, und es gibt diese Bilder im Alten Testament: Du bist meine Burg, du bist mein Turm, du bist mein Fels. Das sind Bilder für Orte der Sicherheit, Orte, zu denen man hinfliehen kann, wenn man unter Druck gerät.
Und wir sind es so gewöhnt, dass wir, wenn der Druck und das Leid und die Hoffnungslosigkeit zunehmen, woanders hinfliehen. Dass wir uns ablenken. Was weiß ich, was du tust: Vielleicht schaust du Filme oder machst irgendetwas. Dass wir uns in Beziehungen hineinflüchten, bloß nicht darüber nachdenken, was jetzt hier schiefläuft. Dass wir uns in Arbeit hineinflüchten. Dass wir uns in Tagträume hineinflüchten. Dass wir uns vor dem Computer flüchten. Dass wir irgendetwas machen, nur nicht zu Gott gehen.
Ihr müsst mal euer Verhalten betrachten, wenn es schwierig wird, wenn Leid kommt, wenn dir jemand blöd kommt. Wenn du merkst: Jetzt bin ich deprimiert, jetzt bin ich traurig, jetzt stimmt irgendetwas in mir drin nicht, jetzt sind die Umstände so, dass ich mir sage: Boah, das habe ich mir noch nicht so ausgedacht. Was machst du dann?
Und die Frage ist: Hast du gebahnte Wege in deinem Herzen? Bist du jemand, der ganz automatisch, wenn es dir schlecht geht, zu Gott flieht? Und das ist etwas, was man trainieren muss. Man muss selber für sich ein bisschen herausfinden: Wie mache ich das, dass ich in solchen Momenten der Hoffnungslosigkeit bei Gott Halt finde, bei Gott Sicherheit finde, dass ich bei Gott wieder so einen sicheren Boden unter die Füße kriege?
Und dazu braucht es im Kopf, im Denken, gebahnte Wege. Es braucht Muster. Ich muss verstanden haben, woran ich denke, wenn Not kommt. Was mache ich dann? Was läuft in deinem Kopf ab? Und Gott möchte dich erziehen, dass du jemand wirst, der, wenn Leid kommt, gelernt hat und sagt: Ich muss da gar nicht mehr groß drüber nachdenken. Das ist wie ein Reflex.
Leid kommt, ich fliehe zum Herrn. Leid kommt, und ich habe die richtigen Gedanken. Leid kommt, und ich weiß, ich brauche Gemeinschaft. Leid kommt, und ich weiß, ich brauche Gebet. Leid kommt, und ich brauche das Wort Gottes. Leid kommt – versteht ihr? – gebahnte Wege, wo ich lerne, mit Leid richtig umzugehen.
Und wo das ist, da wirst du zu jemandem, der Ausharren lernt. Also: Das nächste Mal, wenn Leid kommt, wirst du dem Leid anders begegnen, weil du es viel früher schon in die Schranken weisen kannst. Und du wirst merken, wenn das eine Weile so geht, dass du in Situationen, die dich früher zerbrochen hätten, nicht mehr zerbrichst. Wie gesagt, die werden nicht schöner, aber du gehst anders mit ihnen um. Dein Charakter hat sich geändert, du bist stärker geworden, du hast Ausharren gelernt.
Und das ist das, was Gott möchte. Gott möchte, dass du verändert wirst, verändert wirst in das Bild Jesu, in das Bild des Einen, der bereit war, Verzweiflung zu ertragen, um die zu retten, die er liebt. Und dazu ist es nötig, dass wir Verzweiflung durchmachen.
Schlussgedanken und Zusammenfassung
So, die vier Punkte nochmals, und dann bin ich fertig.
Verzweiflung kann in deinem Leben zu einem Verbündeten werden. Und zwar erstens, um alle Selbstgefälligkeit und allen Götzendienst in deinem Leben zu offenbaren. Verzweiflung wird dir zeigen, auf wen du wirklich vertraust. Und so blöd das klingt: Wenn du dabei feststellen solltest, dass du auf dich vertraust oder dass du Dinge in deinem Leben hast, an denen dein Herz mehr hängt als an Gott, dann sei dankbar dafür.
Zweiter Punkt: Verzweiflung lässt dich einen Blick ins Herz Jesu werfen, um zu begreifen, wie sehr er dich geliebt hat. Wie sehr er bereit war, völlige Verzweiflung um deinetwillen zu ertragen. Und ich bitte dich darum, mitten in der Verzweiflung in seine Arme zu rennen, ihm zu begegnen und bei ihm himmlischen Trost zu finden.
Dritter Punkt: Verzweiflung lässt uns felsenfest glauben, dass das wirklich Gute noch kommt. Verzweiflung allein nicht. Aber wenn ich Verzweiflung mit Gott durchlebe und dann immer wieder erfahre, dass Gott rettet, dann wird das in mir ewige Hoffnung hervorbringen.
Und der letzte Punkt: Verzweiflung macht uns, wenn wir ausharren lernen, wenn wir Charakterstärke lernen, wenn wir gebahnte Wege im Herzen haben, mit Leid richtig umzugehen, brauchbarer für Gott, um den Auftrag zu tun, den er uns gegeben hat.
In diesem Sinn: Wir werden der Verzweiflung nicht entgehen. Aber wir können sie nutzen, und wir können dafür sorgen, dass wir am Ende, selbst wenn wir wie Jesus erfahren müssen, dass der Abba im Himmel zu unserem Wunsch, dass der Kelch an uns vorübergeht, Nein sagt, erleben dürfen, dass das im Blick auf Leid nicht das letzte Wort ist.
Wir werden auch auferstehen, und wir werden einmal mit dem Herrn Jesus sehen dürfen, welchen Sinn und welches Ergebnis unser Leid hatte. Amen.
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