Hallo liebe Geschwister, ich bin Franziska Stocker-Schwarz. Danke, dass ich auf der Jumiko sprechen darf. Ich freue mich, heute gemeinsam mit euch vorwärtszugehen.
Ich bin von Beruf Pfarrerin, und meine Hauptaufgabe ist es, die Bibel auf kreative Weise zu den Menschen zu bringen. Ja, tatsächlich kann man für so etwas bezahlt werden.
Ich leite die Württembergische Bibelgesellschaft. Wir kreieren coole Themenjournale und Wanderausstellungen. Krankenhäuser, Kirchengemeinden und verschiedene Einrichtungen bestellen unsere Materialien. Unser Ziel ist es, die Gemeindearbeit vor Ort zu unterstützen.
Durch die Weltbibelhilfe sind wir zudem mit der internationalen Übersetzungsarbeit der Bibel verbunden und unterstützen diese aktiv.
Im Bibliorama, dem Bibelmuseum Stuttgart, könnt ihr einiges davon sehen. Wir haben dort bereits eine ganze Sonderausstellung zum Thema weltweite Bibelübersetzungen gemacht. Im Bibliorama können Menschen die Bibel auf besondere Weise kennenlernen. So kann man dort wie auf einer Bühne 15 biblischen Personen begegnen.
Das Bibliorama gibt es schon seit fünf Jahren. Auch wer keine Ahnung von der Bibel hat, wird vielleicht sagen: Ein Bibelmuseum? Aber überhaupt nicht langweilig! Und die Bibel, die muss ich doch unbedingt mal lesen.
Dafür setze ich mich mit aller Power ein.
Einführung und persönliche Vorstellung
Aber nun genug zu mir. Ich habe ein Bibelwort herausgesucht, das mir für euch wirklich am Herzen liegt. Die Jumiko richtet sich an junge Leute, die mitten im Leben stehen. Sie steht für den Auftrag Gottes, die Missio Gottes. Gott selbst steht dahinter, dass junge Menschen losgehen.
Gott schickt seine Leute in seinem Auftrag aus. Die Jumiko steht außerdem für Zusammenkommen, Zusammenreden und einander begegnen. Es geht um Konferenz, also um das gemeinsame Konfrontieren und Austauschen.
In diesem Jahr findet die Jumiko digital statt.
Das Bild vom Weinstock als Lebenssymbol
Das Bibelwort, das mir für euch wichtig ist, steht im Johannesevangelium im fünfzehnten Kapitel. Dort heißt es: Jesus Christus spricht, ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weinbauer. Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt, und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen, dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen. Das steht bis zum Vers fünf.
Liebe Leute, ist das nicht super? Ich bin total begeistert davon, was Jesus hier sagt. Er stellt eine Pflanze in den Mittelpunkt, aber nicht die Eiche, nicht den Olivenbaum, sondern den Weinstock. Das ist genial – eine Pflanze, die die gesamte Welt umspannt. Den Weinstock gibt es in über 120 Ländern dieser Erde. Sie ist eine internationale Pflanze.
In Israel gibt es hervorragenden Wein, und der Weinanbau wird biblisch Noah zugeschrieben. Der Weinstock ist eine wunderbare Pflanze. Mann, oh Mann, wenn man durch die Weinberge läuft, dann sieht das so großartig aus. Oder wenn ein Weinstock an der Hauswand emporwächst, oder man gar in einer Weinlaube unter dem Weinstock sitzen kann – das ist einfach schön.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus Christus. Was für ein Bild! Aber der Knüller ist, dass der Weinstock die totale Powerpflanze ist. Wer hat von euch Erfahrungen mit Weinreben? Als wir in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde Pfarrer waren, durften wir einen Garten am Hang mitbenutzen. Dort hatte ein lieber Mensch Weinstöcke gepflanzt.
Und was haben wir uns Mühe gegeben! Wir haben geschnippelt, wir haben ausgegeizt, wir haben herausgeschnitten. Aber diese Weinreben wuchsen wirklich mit voller Wucht! Da steckt so viel Wachstumskraft drin. Mein Mann Jürgen Thomas Schwarz und ich haben alles gegeben, aber die Reben zeigten einfach ihre Power.
Denn der Weinstock hat Power. Er wurzelt ganz tief, bis zu 30 Meter in der Erde, und er kann sehr alt werden – so groß, dass man darunter sitzen kann. Aber er braucht die richtige Pflege. Und das ist das Starke an Jesu Wort: Es sagt uns, Gott ist der Weinbauer, der Vater im Himmel ist der Winzer. Er weiß, was der Weinstock braucht, und er kümmert sich. Er sorgt sich, er setzt alles ein, damit sein Weinstock gute Frucht bringt.
Wisst ihr, wie oft das Wort Wein, Weinstock und Weinberg in der Bibel vorkommt? Über 240 Mal! So wichtig ist diese Pflanze, um das Leben im Glauben zu verstehen. Wer an Jesus glaubt, ist wie eine Rebe am Weinstock. Das bedeutet: Du bist stark. Du bist kraftvoll, weil Jesus in dein Herz gesprochen hat, weil du mit ihm verbunden bist.
Da hast du einen ganz großen Schatz. Dadurch hast du viel Energie und Kraft. Und da kümmert sich Gott selbst darum. Hör mal, wie liebevoll der Weingärtner Gott sich um dich kümmert: Er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt.
Die Fürsorge Gottes als Winzer
Ich habe vorhin schon erzählt, wie anstrengend meine Mühe im Garten war. Die Arbeit eines Winzers ist eben hohe Kunst und viel Arbeit – und das geht das ganze Jahr hindurch. Winterruhe ist den Rebstöcken gegönnt, aber nicht dem Winter, dem Winzer.
Im Winter werden die Rebstöcke beschnitten. Im Frühling fordert die Rebblüte vollen Einsatz. Die im Winter beschnittenen Rebstöcke werden im Frühling ausgegeizt. Nur wenige Triebe werden gepflegt. Stets sind die Ranken, die Rebblüten und die Blätter vom Weingärtner zu beobachten, denn Schädlinge und schlechte Pflege können die Trauben ruinieren. Heften, Schneiden, Entlauben – eine gute Ernte muss erarbeitet werden. Der Winzer hat ständig viel Arbeit.
Daher wird in der gesamten Bibel das Anlegen eines Weinbergs mit der besonderen Zuwendung Gottes zu seinen Menschen in Verbindung gebracht. Der Prophet Jesaja nennt das gesamte Volk Gottes den Weinberg Gottes. Im alten Israel war das Arbeiten im Weinberg wirklich Knochenarbeit. Bis man der harten, steinigen Erde ein gutes Stückchen abgerungen hatte, war das Schwerstarbeit.
Terrassen anzulegen ist mühsam, Mauern zu errichten, Zäune aufzustellen, gar noch einen Wachturm. Ja, der Weinberg brauchte auch eine Mauer ringsherum wegen der Wildschweine und der Rehe. Da war wirklich viel Arbeit.
Wenn Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner“, sehen wir, welche große Mühe und welche Fürsorge Gott in uns, seine Jüngerinnen und Jünger, steckt. Wer an Jesus glaubt, ist wie eine Rebe an einem guten Weinstock, und Gott ist der Weingärtner.
Und wie sehr pflegt er seine Reben, wie sehr kümmert er sich um uns, wie häufig schaut er uns an, damit wir wachsen und gedeihen. Jesus, der Weinstock, Gott, der Weinbauer – ein starkes Bild. Das ist das Erste heute.
Gott gibt allen Einsatz, damit Christen etwas Gutes wachsen lassen. Gott ist der Weingärtner, damit die Rebe Frucht trägt.
Das aktive Bleiben in Jesus
Und das Zweite liegt in den folgenden Jesusworten: Jesus sagt: Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe ich auch mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen, dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der bringt reiche Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.
Kennt ihr diese Worte schon? Habt ihr schon darüber nachgedacht, wie dieses Bleiben in Jesus aussehen kann? Da sage ich mal keck: Bleiben heißt nicht Hocken. Bleiben heißt nicht Hocken, denn in unseren christlichen Kreisen hat sich das so eingeprägt.
Wie oft haben wir die Lutherübersetzung im Kopf, wo es heißt: Bleibt in mir und ich in euch, oder: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Das ist ein beliebter Vers für die Konfirmation. Aber was heißt das? Im Deutschen hat das Wort „bleiben“ einen Klang wie Verweilen, Verharren, irgendwo festsitzen, eine bestimmte Stelle oder einen Ort nicht verlassen, in einem Zustand bleiben.
Also kann diese Übersetzung nach Martin Luther hier auf ein Gleis führen, das ins Abseits führt. Man bleibt zu Hause, man verlässt das Haus nicht, ich verweile bei meinen Freunden, ich verharre in meiner Trauer – man hört, wo das gedanklich hingeht.
Die Basisbibel übersetzt es mit „verbunden bleiben“: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Was meint Jesus mit diesem Bleiben?
An einer anderen Stelle wird auch davon gesprochen. Da gibt es im achten Kapitel das Wort, das Jesus Christus spricht: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort“ – oder anders übersetzt: „Nur wenn ihr an meinem Wort festhaltet, könnt ihr wirklich meine Jünger sein.“
Da klingt das Bleiben aktiv, festhalten, aber auch nach Zupacken, daran hindern, nicht loszulassen, ja fast schon Gefangen halten. „Wenn ihr mein Wort nicht loslasst“ – das klingt auch schon ein bisschen beunruhigend.
Ich bin noch nicht ganz zufrieden. Was meint Jesus mit diesem Bleiben, in mir bleiben, an dem Wort bleiben?
Lassen wir uns von seinen ersten Jüngern inspirieren. Nachdem Jesus damit startete, öffentlich aufzutreten, folgten ihm etliche Männer und Frauen nach. Von vielen, insbesondere von den zwölf Jüngern, kennen wir noch Namen.
Eigentlich waren diese Menschen Schüler und Schülerinnen, denn das griechische Wort für Jünger, Mathetes, bedeutet Schüler, Lehrling oder Auszubildender. Der Jünger ist also ein Lernender oder, wie wir heute gerne sagen, ein Mentee.
Junior und Senior – so hieß das im Mittelalter: der Lehrling und der Meister, der Schüler und sein Lehrherr. Und der Lehrling hatte dem Meister auf die Hände zu schauen und alles nachzuahmen, was der Meister tut. Das Handwerk lernt man vom Zuschauen und vom Mitmachen.
Und das Mitmachen und Miteinander unterwegs sein, das ist es einfach, worum es geht, auch wenn das heute Coaching oder Mentoring heißt. Der Schüler lernt vom Meister am meisten, wenn er viel Zeit mit ihm verbringt: Bleibt in mir und ich in euch.
Denn bei Jesus lernen wir nicht nur ein Handwerk, sondern das Leben selbst. Jesus ist der Meister, der Lehrer, wir dürfen seine Schülerinnen und Schüler sein. Jesus ist unser Lebensmeister, wir die Lehrlinge fürs Leben.
Oder vielleicht ansprechender ausgedrückt: Der Meister für die Mentees oder die Mentees beim Meister.
Die Bedeutung des Jüngermachens
Das zeigt auch der sogenannte Tauf- oder Missionsbefehl, den wir aus dem Matthäusevangelium kennen. Jesus Christus sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker.“
Und dann geht es bekanntermaßen so weiter: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch befohlen habe.“
In dieser Aufforderung wird zweimal betont, wie nahe Jüngerinnen und Jünger ihrem Meister Jesus sein sollen. Die Worte „Jünger machen“ kann man auch mit „lehren“ übersetzen, also „lehrt die Völker“. Denn „Jünger machen“ ist eigentlich nicht im Sinne eines Baukastens zu verstehen, bei dem ich eins und eins zusammensetze und etwas herstelle.
Durch das Wort „machen“ wird schnell ein falscher Akzent gesetzt. In der christlichen Botschaft steht eben Gottes Wirken an erster Stelle, nicht ein „Das machen wir“ oder „Den mache ich schon noch zu einem Jünger“ oder „Das ist machbar“ oder gar „Mach du mal“.
Neulich war ich bei einem Vortrag in Bayern, in München. Dort sprachen wir auch über dieses Bibelwort aus Matthäus 28. Es wurde erzählt, dass die Evangelischen in Bayern früher solche Sätze hörten wie „Aus dem machen wir auch noch einen Katholiken.“ Daher mochten die Älteren diese Übersetzung „zu Jüngern machen“ nicht gerne hören. Sie hatten dabei im Ohr, dass etwas gegen ihren Willen aus ihnen gemacht werden solle.
Aber diese Übersetzung von Matthäus 28, „Macht zu Jüngern“, meint diese Lebensgemeinschaft zwischen Lehrling und Meister oder Mentee und Mentor. Dieses Mentoring ist etwas Aktives.
Da hilft uns der Umgang mit Jesu Wort, dass wir an seinem Wort bleiben. Christinnen und Christen sollen an Jesu Wort bleiben. Das bedeutet, dass ich möglichst täglich mit diesen Lehrworten, mit den Jesusworten, umgehe. Bleibt in meinem Wort, geht in ihm um, lernt es, lebt es.
Das Wort Jesu ist nicht nur für den Kopf gemacht, sondern für unser ganzes Leben. Die aktive Kraft liegt eben in diesem Wort, das einen Einfluss auf mich hat.
Darf ich fragen, wie viele Jesusworte ihr schon auswendig gelernt habt? Die ersten Jünger lernten wirklich alle Worte Jesu auswendig. Nur so ist die Zuverlässigkeit der Jesustradition zu erklären. Maria, seine Mutter, lernte seine Worte auswendig. Sie behielt alle diese Worte in ihrem Herzen, heißt es im Lukasevangelium.
„Im Herzen behalten“ ist ein schöner Ausdruck für auswendig lernen. Im Englischen hat diese Ausdrucksweise ihren Weg in die Alltagssprache gefunden. Dort heißt auswendig lernen „to learn by heart“, also „mit dem Herzen lernen“.
An allererster Stelle steht das Hören auf Jesu Wort, und daraus erwächst mein Tun. Für mich und meinen Mann ist das sehr wichtig. Jetzt sind bei uns ja alle Kinder aus dem Haus und wir können morgens miteinander frühstücken. Dann lesen wir auch zusammen Bibelworte.
Es gibt da ganz unterschiedliche Portionen. Es gibt den ökumenischen Bibelleseplan, bei dem Christinnen und Christen ganz unterschiedlicher Konfessionen täglich denselben Text lesen. Oder es gibt die Herrn Ruther-Losungen. Dort ist jeweils ein Bibelvers aus dem Alten Testament und einer aus dem Neuen Testament enthalten. Wir lesen das auch in den Ursprachen.
Ich erlebe es so, dass die Bibelworte einen Raum eröffnen, in den ich hineingehen kann. Dort kann ich mit meinen Gedanken und meinen Ideen sein. Ich erlebe Veränderung, es fällt mir etwas ein, ein Geistesblitz. Dann wird es mir leicht ums Herz, und die Sorge vergeht.
Bibelworte geben Kraft. Sie öffnen einen Ort, in dem der Mensch aufatmen kann. Daher ist es gut, sich mit Bibelworten zu beschäftigen. Nie war das leichter als heute, wo man auf einer App verschiedene Bibelübersetzungen gleichzeitig benutzen kann.
Denn nicht jeder kann Hebräisch und Griechisch – muss man auch nicht. Aber wenn man verschiedene Übersetzungen benutzt, merkt man schnell, welcher Spielraum sich öffnet. Das können unterschiedliche deutsche Übersetzungen sein. Da empfehle ich die Basisbibel besonders. Sie ist das Beste, was es gerade im Deutschen gibt.
Es ist aber auch super, die Bibel auf Englisch, Französisch oder Spanisch zu lesen. Das bringt Weite und reißt neue Horizonte auf.
Hören auf Jesu Wort, sich die Jesusworte zu Herzen nehmen, „to learn by heart“, also auswendig lernen – das macht wendig und beweglich.
Ein guter Lebens- und Glaubensrhythmus
Und so komme ich zum dritten Punkt heute. Wir hatten es jetzt von Gott, dem guten Rebenpfleger. Er kümmert sich um dich und dein Wachstum. Außerdem sprachen wir darüber, wie man in Jesus bleiben kann. Bleiben ist aktiv – es bedeutet, mit den Worten Jesu zu leben.
Und nun drittens: Auf Dauer Christ sein – on the long run. Wie komme ich zu einem guten Lebens- und Glaubensrhythmus?
Kehren wir dazu noch einmal zum Bild des Weinstocks und des Weinbergs zurück. Jeder von uns ist auch eine lebendige Pflanze. Jeder von uns hat einen Organismus, der lebt, wächst und sich verändert und entwickelt. Der Körper ist nicht nur ein Teil von uns, sondern wir sind Menschen, die Körper und Geist miteinander haben und brauchen. Darauf können wir achten.
Jesus vergleicht die Glaubenden stets mit lebendigen Bildern: dem Weinstock, dem Weizenkorn, dem Senfkorn, dem Vogel am Himmel, der Blume am Boden – alles Lebende hat seine Zeiten. Und denken wir an die zehn Gebote, die uns der Lebendige gegeben hat. Auch darin wird ein Lebens- und Glaubensrhythmus beschrieben.
Der siebte Tag soll ein Tag der Ruhe sein, denn der Mensch braucht Ruhe – das Ausruhen von der Arbeit ist wichtig. Im alten Israel wurde darauf großen Wert gelegt, dass alle ausruhen dürften: die Knechte, die Mägde, die Sklaven und sogar das Vieh. Auch die Fremden im Land – alle sollen ausruhen.
Wenn ihr darüber nachdenkt, in einen vollzeitlichen christlichen Beruf zu gehen, dann ist der Lebens- und Glaubensrhythmus sehr wichtig. Das Bleiben in Jesus braucht eine tägliche Struktur. Wann bist du täglich vor Gott im Ruhen, im Meditieren des Wortes?
Das Bleiben in Jesus braucht eine Wochenstruktur. Wo und wann hast du deinen Ruhetag, deinen Sabbat?
Das gemeinsame Bleiben am Weinstock braucht eine Jahresstruktur. Was sind für dich die wichtigen christlichen Feiertage? Wo bist du an Weihnachten? Eine einfache Frage, nicht wahr? Aber wie feierst du Ostern? Und was bedeutet dir das Pfingstfest? Was bedeutet dir dein Tauftag? Wann feierst du das Abendmahl?
Also feiern – ja, das ist etwas Großes.
Wie komme ich zu einem guten Lebens- und Glaubensrhythmus? Auf Dauer Christ sein, on the long run: pray, work, rest, repeat – beten, arbeiten, ruhen, wiederholen. So wurde es in der Überschrift zu dieser Bibelarbeit genannt, aber nicht als Maschine.
Nicht im Rausch, sondern wie eine Pflanze, die in ihrem Jahresrhythmus wächst und gedeiht. Und Gott selbst ist der Gärtner, der uns fördert und pflegt.
Nicht als Maschine, die immer besser und immer schneller produzieren soll, sondern wie ein Vogel, der frei fliegt und vor Gott nicht vergessen ist. Er lebt in den Jahreszeiten.
Wie komme ich zu einem guten Lebens- und Glaubensrhythmus?
Nicht als Superorganisator, der immer noch schneller den Computer bestückt und auf allen Kanälen kommuniziert und ballert, sondern als lebendiges Wesen, als Kreatur, vom Kreator gepflegt. Kreativ auf ihn, den Lebendigen, gilt es zu achten, bei ihm zu sein und sich von ihm aktivieren zu lassen.
Das gibt einen guten Lebens- und Glaubensrhythmus. Hat Power!
Ich wünsche dir von Herzen, dass du diesen Schatz entdeckst – dass Gott dich pflegt, dass das Ruhen in ihm und das Lernen seiner Worte so viel Kraft bringt und dass du für deinen Dienst, für den ich dir von Herzen Gottes Segen wünsche, den guten Lebens- und Glaubensrhythmus findest.
Danke für deine, für eure Aufmerksamkeit.
