Serie•Teil 7 / 7Regionalkonferenz Schweiz 2020
Generierte Mitschrift
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Einführung und Ziel des Vortrags
Von daher gibt es jetzt einen Vortrag, und er ist überschrieben mit: Das Evangelium in jeder Predigt.
Jetzt ist mir klar, dass manche unter euch, viele unter uns vielleicht sagen: Ich predige eigentlich so gut wie nie, von daher ist das für mich dann mehr oder weniger irrelevant. Das könnte man so verstehen. Vielleicht kann ich es weiter fassen: das Evangelium in jeder Bibelarbeit, bis hin zu deiner ganz persönlichen. Jetzt ist es hoffentlich relevant für jeden. Und ich glaube, wir brauchen das dringend. Ich glaube auch, dass wir es verlernt haben, das Evangelium als Christen wirklich zu hören und immer wieder neu auf uns wirken zu lassen.
Ich habe sehr persönlich die Erfahrung damit gemacht, als ich meinen Pastorendienst begann und von jemandem zugerüstet wurde, der mir immer wieder erklärte: Das Evangelium gehört in jede Predigt. Und ich habe jeden Sonntag das Evangelium gepredigt. In jeder Predigt kam das Evangelium vor.
Relativ schnell kamen Leute aus der Gemeinde auf mich zu und sagten: Ja, das muss aber jetzt nicht wirklich jede Woche der Fall sein. Also, wir können doch zu besonderen Anlässen evangelisieren, und dann kannst du das ja so machen. Und dann habe ich gemerkt: Die einen hörten also das Evangelium und meinten, ja, das ist jetzt der Teil für die Nichtchristen. Aber das war gar nicht meine Intention.
Von anderen habe ich gehört, meine Predigten wären unheimlich herausfordernd und da wäre ganz wenig Gnade drin. Die wären also fast eine Zumutung. Es sei quasi noch mehr Ziegelsteine in den Rucksack getan worden, weil ich die biblischen Imperative ohne Wenn und Aber gepredigt habe. Und ich habe das überhaupt nicht nachvollziehen können. Ich habe mehrere Jahre gebraucht, bis ich angefangen habe zu kapieren, was eigentlich das Problem war.
Warum Christen das Evangelium immer wieder brauchen
Und dann ist es mir so langsam immer deutlicher geworden: Menschen hören in unseren Gemeinden heute, wenn das Evangelium kommt, darin oft nur die Botschaft für die noch Nichtchristen. Und wenn dann die Imperative kommen, hören sie die Imperative als die Botschaft für die Christen.
Wenn ich beides voneinander trenne, dann sage ich: Okay, das Evangelium ist also nur für die eine Gruppe, und für die anderen sind nur die Imperative. Und wenn du die Imperative dann ungebremst in all ihrer biblischen Wucht predigst, machen sie dich platt. Stimmt? Stimmt!
Und was wir neu lernen müssen, ist, dass gerade dann, wenn ich verstehe, dass ich als Christ das Evangelium brauche, immer und immer wieder, jeden Tag, jede Stunde, erst dann bin ich zugerüstet, die biblischen Imperative in ihrer ganzen Kraft auch zu hören, weil sie mich nicht mehr platt machen. Macht das Sinn?
Das heißt: Wenn ich jetzt darüber rede, dass jeder das Evangelium predigt, dann predige ich zwar diese Einheit am Ende einer Konferenz, wo es um Evangelisation geht. Aber ich habe sehr bewusst ans Ende dieser Konferenz gedacht und möchte einen Vortrag stellen, der nicht nur für Evangelisation gedacht ist, nicht nur für Nichtchristen, sondern sehr bewusst auch für Christen. Denn wir alle brauchen immer wieder das Evangelium.
Wir brauchen das Evangelium für Christen, um motiviert zu sein. Die Liebe Christi allein, das Wissen um das schon geliebt Sein, motiviert mich jetzt auch zum Gehorsam. Und nur das Wissen um das, was Gott für mich getan hat, und den Heiligen Geist, den er mir gegeben hat, befähigt mich jetzt überhaupt. Es gibt mir überhaupt die Kraft, jetzt auch danach zu streben, so zu leben, wie er es mir sagt.
Nur das Vertrauen darauf, dass Gott mich bedingungslos und unendlich liebt und deswegen bereit war, seinen geliebten Sohn für mich zu geben, um für mich zu sterben, nur dieses Wissen um diese bedingungslose, unendlich große Liebe Gottes hilft mir, ihm nun zu vertrauen. Dann sehe ich, dass das, was er mir sonst so sagt, nicht irgendwelche Lasten sind, die er mir aufträgt, sondern dass das auch Ausdruck seiner großen Liebe ist. Dass er mir nun Gebote, Imperative gibt, nicht um mich fertig zu machen, sondern aufgrund seiner großen Vaterliebe, um mir zu zeigen, wie der Weg des Segens aussieht.
Ich brauche das Evangelium in jeder Predigt. Ich brauche das Evangelium, wann immer ich die Bibel lese, als Grundlage, durch die ich überhaupt motiviert und befähigt werde, nach einem gottgefälligen Leben zu streben. Und ich brauche das Evangelium als Trost. Ich brauche es als Trost, wenn ich merke, dass ich daran scheitere.
Und ich weiß: Da, wo ich scheitere, sehe ich Jesus, der am Kreuz für mich gestorben ist, der mir aufhilft, wenn ich wieder einmal gefallen bin, wie so oft, und sagt: Ich höre nicht auf, dich zu lieben. Ich habe dich geliebt, als du noch tot warst, als du noch mein Feind warst, und ich werde nicht aufhören, dich zu lieben, nur weil du jetzt schon wieder gesündigt hast.
Das Evangelium ist die Kraft, die Motivation und der Trost, die ich beständig brauche.
Für wen das Evangelium gilt
Und deswegen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, meine Bibel zu lesen und, wenn ich zu Evangeliumsaussagen komme, zu sagen: Ach, das ist ja für die Nichtchristen. Nein, das ist für meine Seele.
Ich will uns helfen, heute Nachmittag noch mehr darüber nachzudenken: Wie kann ich meine Bibel so lesen, und ist es überhaupt legitim, sie so zu lesen? Aber natürlich auch für Nichtchristen. Das ist eigentlich falsch. Das Wort Nichtchristen hat mir mal eine inzwischen Verstorbene, das älteste Gemeindemitglied unserer Gemeinde, über lange Jahre immer gesagt: Matthias, rede bitte nicht von Nichtchristen, das klingt falsch. Und dann habe ich gesagt: Was soll ich denn sonst sagen? Er sagt: Nennen Sie doch bitte „noch nicht Christen“, wir wollen doch Hoffnung vermitteln.
Also, ich entschuldige mich dafür. Das war ein Rückfall in alte Zeiten, dass ich das so geschrieben habe. Also, für noch nicht Christen ist das Evangelium natürlich der Ruf zum Heil, der Ruf hin zu einem Leben, befreit vom Fluch der Sünde, in wiederhergestellter Beziehung mit unserem Schöpfer und Gott.
Also, das ist das, was ich vorhabe, und ich habe konkret vor, zwei Dinge zu tun oder vielleicht drei. Zum einen möchte ich erst einmal zeigen, warum es wirklich legitim ist, das Evangelium von der ganzen Schrift, von der ganzen Bibel her zu predigen, es in jedem Teil der Bibel wirklich zu finden, zu sehen, einen Bezug zum Evangelium. Das ist das Erste, also eine Begründung: Warum geht das überhaupt? Ist das überhaupt gerechtfertigt, oder ist das hineingezwungen?
Vorgehen des Vortrags und Gebet
Und dann zum Zweiten möchte ich uns praktische Hilfestellung geben, wie wir den Evangeliumsbezug herstellen können. Das heißt, ich möchte uns eine ganz kurze Einheit dazu geben, wie man es vielleicht nicht so gut versteht, wie man es nicht so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut versteht, wie man es so gut ist, wie man es so gut ist, wie es so gut ist, wie man es so gut ist, wie es so, wie es so, wie man so, wie man so, so, so nicht machen sollte.
Also ich will zeigen, dass es auch falsche Wege geben kann. Und ich befürchte, dass manche Gemeinden darunter leiden, dass Christen das richtige Vorhaben haben, es aber auf falsche Weise tun. Da möchte ich zeigen, wie man es vielleicht richtig tun kann, und ein paar Wege zum Kreuz zeigen, wie man aus jedem Bibeltext zum Kreuz kommen kann.
Und wenn ich das zeitlich einigermaßen gut hinkriege und relativ schnell durchkomme, würde ich am Ende tatsächlich noch kurz öffnen und sagen, wenn es Rückfragen gibt, dann könnt ihr die noch stellen. Aber vielleicht so drei, vier Rückfragen und nur, wenn ich gut durchkomme. Also ihr könnt dafür beten, dass ich mich konzentriere und nicht zu viel drum herum erzähle.
Und damit Gott uns dabei helfen kann, bete ich noch einmal.
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken, dass du wirklich ein Gott bist, der uns unendlich liebt. Du hast uns nicht abgeschrieben, als wir uns von dir losgesagt haben, und das haben wir alle getan, so wie unsere Vorväter. Nein, du bist zu uns gekommen, wo wir nicht mehr zu dir kommen wollten und konnten, in Jesus Christus.
Du hast für uns das gute Leben gelebt, das wir hätten leben sollen. Du bist für uns den Tod gestorben, den wir verdient hätten. Du hast für uns den Tod überwunden, so dass auch wir ewig leben können. Und du bist durch deinen Heiligen Geist nun in uns und befähigst uns, immer mehr so zu leben, wie es dir gefällt und auch gut für uns ist.
Und so wollen wir dich bitten, dass du diese Zeit nun auch gebrauchst, mehr zu erkennen, wie wir diese frohe Botschaft in der ganzen Schrift erkennen können. Amen!
Die Einheit der Bibel als Grundlage
Also, warum kann man das Evangelium aus der ganzen Schrift predigen? Einige Punkte.
Der erste: Weil die Bibel ein Buch mit einer Kernbotschaft ist. Und ich könnte hinzufügen: mit einem Autor.
Ich hoffe, wir sind uns darüber einig, dass die Bibel nicht einfach ein wildes Sammelsurium aus allen möglichen Texten ist, die irgendwann einmal zusammengetragen wurden und eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Die liberale Theologie würde das behaupten. Aber wir glauben doch daran, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Das heißt: Hier hat ein Autor, Gott, letztendlich durch menschliche Autoren dieses eine Buch geschrieben, das aus 66 Büchern besteht. Und er hat damit eine Kernbotschaft zu vermitteln. Diese Kernbotschaft ist das Evangelium.
Wenn ich das verstehe, dann muss ich auch verstehen, dass jeder Bibeltext ein bisschen wie ein Puzzlestück in einem ganz großen Puzzle ist, nicht wahr? Und wenn ich mir das Puzzlestück an sich nehme, dann kann ich sagen: Oh, das ist ein schönes Puzzlestück. Und ich rede ein bisschen über das Blau auf diesem Puzzlestück und habe alle möglichen Ideen. Ich sage: Ja, das könnte ein Meer sein, oder es könnte auch ein Stück Himmel sein, oder vielleicht ist es ein Pullover von einer Person. Oder was weiß ich, was das alles sein könnte.
Aber wenn ich das Puzzlestück sinnvoll erkennen will, dann muss ich es in das große Bild einfügen. Und es hat etwas beizutragen zu der Gesamtbotschaft. Wenn die Kernbotschaft das Evangelium ist, dann hat auch dieses Puzzlestück etwas damit zu tun. Es steht in einem Bezug dazu.
Oder es ist wie eine Filmsequenz. Das mache ich ganz oft. Ich komme oft abends, wenn ich lange in der Gemeinde war, nach Hause. Wir sehen relativ wenig fern, aber manchmal abends, wenn meine Frau auf mich wartet und es wieder mal spät wird, dann stellt sie den Fernseher an und guckt irgendeine Serie.
Ich bin also der Experte darin, Fernsehserien alle zu kennen, ohne Ahnung zu haben, was da wirklich stattfindet. Denn typischerweise komme ich herein, und dann erzählen Leute irgendetwas und sagen: Ja, hier das und das und so. Ja, kenne ich, habe ich auch schon mal gesehen. Aber dann stellt sich heraus, dass sie über irgendwelche Leute reden, und ich weiß überhaupt nicht, wer wer ist. Und ich habe auch aufgehört, meine Frau zu fragen, worum es hier geht. Ich gucke dann noch, bis die Folge vorbei ist, und dann gehen wir ins Bett. Das ist das Problem.
Ich sehe irgendeinen Teil, und dann denke ich: Der sieht ja nett aus. Und ich habe natürlich keine Ahnung, dass das aber eigentlich ein Bösewicht ist und so. Aber wenn der Film halbwegs gut gemacht ist, dann hat diese Szene, die ich gerade sehe, eine Bedeutung für die übergeordnete Botschaft, oder? Ein guter Regisseur verschwendet keine Minuten in seinem Film. Und Gott verschwendet keine Seiten in seinem Buch.
Es fügt alles etwas hinzu, und es hat alles etwas zu tun mit der Kernbotschaft. Das ist der erste Grund, warum das Evangelium wirklich aus der ganzen Schrift zu predigen ist: weil alles irgendwie mit dem Evangelium zusammenhängt.
Christus im Alten und Neuen Testament
Das Zweite ist, dass Jesus selbst erklärt, dass jeder Teil des Alten Testaments, des sogenannten Tanach, von ihm zeugt. Eine sehr bekannte Bibelstelle ist dabei die Aussage von Jesus zu den Emmaus-Jüngern in Lukas 24. Dort sagt er zu den Emmaus-Jüngern: „O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus dies erleiden, seine eigene Kreuzigung und Auferstehung, sagt er dann, und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.
Wow, das muss eine coole Bibelarbeit gewesen sein, oder? Jesus legt das Alte Testament aus: Mose, die Propheten und alles, was von ihm gesagt war. Kurz Zeit später erscheint er dann den elf Jüngern und sagt auch zu diesen elf: „Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war.“ Das ist Lukas 24,44. „Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.“ Und da eröffnet er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden.
Sie haben jetzt die Schrift verstanden und erkannt, dass in allen drei Teilen – Gesetz, Propheten, Psalmen, also Tanach, Tora, Nevi'im, Ketuvim – von Christus gezeugt wird. Also alle Teile des Alten Testaments zeugen von Christus. Von daher können wir aus allen Teilen des Alten Testaments und natürlich auch aus dem Neuen Testament Christus predigen. Darüber hinaus zeugt der ganze Kanon von Christus.
Das ist das, was Jesus zum Beispiel deutlich macht in einer Kontroverse mit einigen Juden, die letztendlich mit ihm streiten. Er verkündigt sich selbst als den ewigen Sohn Gottes, und die haben damit natürlich ein Problem. Und Jesus benennt dann einige Zeugen für seine eigene Identität. Unter anderem nennt er als einen Zeugen die Heiligen Schriften in Johannes 5,39: „Ihr sucht in den Schriften“, sagt er zu den Juden, „denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“ Also die Schrift zeugt von Christus, sagt Christus.
Weiterhin sehen wir, dass das Neue Testament uns lehrt, dass die ganzen alttestamentlichen Verheißungen in Jesus Christus ihre Erfüllung finden. Jesus selbst sagt das in Matthäus 5,17: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Ich erfülle das Gesetz und die Propheten, sagt Jesus.
Und der Apostel Paulus greift es im 2. Korinther 1,20 auf, wenn er sagt: „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm, in Jesus Christus, das Ja. Darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.“ Also das Ja und Amen ist in Christus. In ihm finden alle Gottesverheißungen, alle Verheißungen des Alten Testaments, ihre Erfüllung, in seinem ersten oder auch in seinem zweiten Kommen.
Faszinierend ist zu sehen, was die neutestamentlichen Schreiber mit dem Alten Testament machen. Sie legen es ständig auf Christus hin aus, sogar in Passagen, wo wir denken: Wie geht denn das jetzt? Es gibt dann Ausleger, die behaupten: Na ja, das sind so Sonderregeln, und die Apostel und Jesus und der Hebräerbrief und so, die dürfen das. Nein, ich glaube, das ist ein hermeneutisches Prinzip, das wir hier gelernt bekommen. Also von wem willst du deine Hermeneutik lernen? Von Jesus, den Aposteln und so finde ich ganz gut.
Also ich glaube, die können uns helfen zu verstehen, wie man das Alte Testament liest.
Christologische Lesart und heilsgeschichtliche Tiefe
Und wenn wir sehen, dass sie immer wieder Bibelstellen nehmen, wo wir sagen: Ja, warte mal. Also zum Beispiel schreibt Matthäus im Evangelium dann über Jesu Geburt und wie er dann von Josef nach Ägypten gebracht wird, wie sie da vor Herodes fliehen und wie er dann nach dem Tod von Herodes wieder zurückgebracht wird. Und dann schreibt Matthäus da einfach mal: damit erfüllt würde, was der Herr durch die Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Und in deiner Bibel steht dann dahinter Hosea 11,1.
Und du sagst: Okay, Hosea 11,1 hat schon prophezeit, dass Josef und Maria mit Jesus aus Ägypten zurückkommen würden. Dann liest du Hosea 11. Das ist ja interessant, ich will mal sehen, was da von Josef und Maria steht. Und da steht dann irgendwas über den Exodus, zur Zeit von Mose. Okay, jetzt hat Matthäus das offensichtlich falsch gemacht. Oder Matthäus versteht, dass der Exodus letztendlich ein Bild war, ein Schatten von etwas viel Größerem. Und deswegen kann er sagen, dass das alles letztendlich auf Christus hin deutet.
Und das sehen wir immer und immer wieder. Wir sehen weiterhin, dass das Alte Testament in seiner ganzen Tiefe überhaupt nur verstanden werden kann, wenn wir es genau so auslegen: christologisch, auf Christus hin. Wir haben das eben schon gehört, dass Jesus den elf Jüngern in Lukas 24,45 erklärte, dass alle Teile der Schrift von ihm zeugen. Und dann heißt es, da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.
Also jetzt muss uns klar sein: Die Jungs, die da mit Jesus unterwegs waren, die haben jetzt drei Jahre Bibelschule bei Jesus. Das waren gute Juden, die kannten die alttestamentlichen Schriften. Aber irgendwie sagt uns Lukas 24,45, dass sie bis zu dem Zeitpunkt die Schrift noch nicht verstanden haben. Wie kann das sein? Weil sie das Alte Testament noch nicht in seinem Bezug zu Christus gelesen haben. Sie hatten das Alte Testament noch nicht wirklich verstanden.
Und genau das Gleiche lehrt Paulus dann später im zweiten Korintherbrief, wenn er erklärt, dass noch heute viele Juden das Alte Testament so lesen, wie das bei Mose war, als er die Herrlichkeit Gottes gesehen hatte. Er hatte die Herrlichkeit Gottes gesehen, und dann hat er eine Decke über sein Angesicht getan, damit man nicht sieht, wenn er aufhört zu leuchten. Denn er fing an zu leuchten, wenn Gottes Gegenwart da war. Und er sagt: Bis auf den heutigen Tag bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem Alten Testament, wenn sie es lesen, weil sie nur in Christus abgetan wird. Aber bis auf den heutigen Tag, wenn Mose gelesen wird, hängt die Decke vor ihren Herzen. Wenn Israel sich aber bekehrt zu dem Herrn, so wird die Decke abgetan.
Und jetzt lesen wir das Alte Testament und erkennen im Alten Testament Jesus Christus. Und im Schauen auf Christus geschieht mit diesen Menschen das Gleiche, was mit Mose geschah, wenn Gott mit ihm gesprochen hat: Sie fangen an zu leuchten. Deswegen leuchtet ihr alle so. In gewisser Weise tut ihr das, hoffentlich.
Also das Alte Testament kann in seiner ganzen Tiefe nur verstanden werden in Bezug zu Christus. Und letztendlich kulminiert die ganze Heilsgeschichte in Christus. Der letzte Punkt, den ich hier noch bringe: In 1. Petrus 1,10-12 da schreibt Petrus über Jesus Christus, über das, was Jesus getan hat, und sagt: Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist, und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach.
Da steckt tief in dieser Aussage etwas drin. Da muss man einen Moment drüber nachdenken. Was für eine Tiefe. Die Propheten haben von einer zukünftigen Gnade geweissagt, sie haben nach der Seligkeit gesucht und geforscht, und sie haben geschaut: Worauf deutet das, was wir hier gerade im Alten Testament prophetisch darlegen? Worauf deutet das alles hin? Was sagen wir hier eigentlich gerade genau? Ich spreche hier etwas, aber ich weiß noch gar nicht genau, was ich hier gerade sage. Wo geht das eigentlich genau hin? Der Geist Christi in ihnen, der Heilige Geist, durch den die Propheten inspiriert prophetische Wahrheiten gesprochen haben, was bezeugt der eigentlich genau? Und die haben Sehnsucht gehabt, zu erkennen, wovon sie eigentlich genau gerade reden. Wir können es erkennen von Jesus Christus. Das ist das, was hier Petrus uns sagt.
Übergang zur praktischen Auslegung
Also, ich hoffe, diese sieben Punkte helfen uns zu sehen: Ja, das Evangelium ist die Botschaft der ganzen Schrift. Und von jedem Text im Alten Testament sollte ich in der Lage sein, mir das Puzzlestück anzuschauen, die Filmsequenz anzuschauen und zu sagen: Sie hängt zusammen mit Jesus, und ich will sie nicht losgelöst von Jesus predigen. Ich will meinen Bibeltext auch nicht losgelöst von Jesus lesen.
Also ist ein Evangeliumsbezug da. Die Frage ist: Wie finde ich ihn?
Und da möchte ich einen ganz kurzen Ausflug machen hin zu einem Bild, das vielleicht der eine oder andere kennt. Das ist geklaut aus diesem Buch. Kennt das Buch jemand? Textauslegendes Predigen, ein hervorragendes Buch. Wer unter uns regelmässig predigt und dieses Buch noch nicht hat, hätte es gerne. Ja, genau, du warst der Erste. Genau, das ist dein Buch. Das schenke ich dir. Chris Schmidt hat mir erlaubt, dir das zu schenken. Es ist sein letztes Exemplar. Also, ich kann Chris dafür bedanken, ich habe damit eigentlich gar nichts zu tun. Sehr gut, wunderbar.
Also, das ist ein kurzes Schaubild, in dem David Helm einfach nur verdeutlicht, wie wir textauslegend predigen. Und mir ist wichtig, dass wir das klar haben. Denn was ich immer wieder erlebe, wenn Leute jetzt verstanden haben: Christus in der ganzen Schrift, dann kommen sie zu ihrem Bibeltext irgendwie hier, kommen sie zu ihrem Bibeltext und sagen: Tschup, Kreuz, Jesus, Jesus, Jesus, Jesus, Jesus. Und dann verstehe ich, dass da Zuhörer sitzen, die sagen: Das wirkt auf mich ein bisschen komisch.
Also bitte: Wenn du jetzt begeistert bist und sagst, ja, ich will Christus von der ganzen Bibel predigen, ja genau, solltest du auch, das ist deine Verantwortung. Aber bitte zuerst: Verstehe den situativen Kontext, in dem dein Text steht. Was ist die Situation, in der du dich hier befindest? Historischer oder situativer Kontext. Was ist der literarische Kontext, das heisst, was kommt vorher, was kommt nach? Um den Text richtig zu verstehen, betreibe gute Exegese. Verstehe, was für eine Textgattung ich habe.
Und erst wenn du das gemacht hast, wenn du diese Schritte sauber gegangen bist und verstehst, was der Text für die damaligen Leser bedeutet, dann fang an, den Text theologisch zu reflektieren. Dann fang an zu überlegen: Okay, aber die damaligen Leser, jetzt habe ich manches verstanden, jetzt verstehe ich den Text besser, und jetzt will ich helfen, dass den damaligen Lesern noch die Decke vom Kopf abgetan wird und sie die Tiefe der Wahrheit noch besser verstehen. Macht das Sinn?
Das war jetzt natürlich keine Predigtschulung gerade. Da müsst ihr Chris bitten, dass er noch diese Bücher bestellt, oder er findet sie im Internet. David Helm erklärt, ich kenne kein so einfaches und so hilfreiches Buch für textauslegendes Predigen wie David Helm. Textauslegendes Predigen ist wirklich hervorragend, und er erklärt diesen ganzen Prozess. Es gibt andere gute Bücher, die das Gleiche tun.
Also bitte: Erst einmal den Text wirklich verstehen, auf euch wirken lassen. Aber dann auch nicht von hier, damaliger Empfänger, und hier runter. Denn was dann passiert, also dann gleich anwenden, dann kommen wir zu lauter Moralpredigten. Dann predigen wir Blödsinn. Dann predigen wir David und Goliath und sagen: Sei wie David und sammel deine Steinchen. Ja, und wenn der grosse Feind kommt, habt nicht so viel Angst, sammelt nur die richtigen Steinchen, und dann können wir das irgendwie mitmachen. Das wird ganz süss und so. Kann man auch im Kindergottesdienst toll anwenden, aber völliger Schwachsinn.
Dann brauchen wir also bitte nicht so, ja, oder irgendwelche grossen Moralpredigten daraus machen. Und dann laden wir nämlich den Leuten wirklich Steine in ihren Rucksack, und die gehen geplagt nach Hause und werden es nicht schaffen. Und werden entweder aufgeben, zu versuchen, überhaupt Christ zu sein, oder sie werden hervorragende Pharisäer und Heuchler, weil sie es nicht zugeben können, dass sie scheitern. Vielleicht täuschen sie sich sogar selbst darüber, so wie der reiche Jüngling gestern.
Praktische Wege zum Kreuz
Also, dann brauchen wir die theologische Reflexion. Das ist das, was ich jetzt noch im zweiten und auch letzten Teil dieses Vortrags mit uns durchdenken möchte.
Wie können wir das jetzt konkret machen? Wie kann ich das Evangelium jetzt aus jedem Bibelabschnitt in der Schrift predigen?
Ursprünglich, als ich dieses Thema zum ersten Mal vorgestellt habe, habe ich immer darüber gesprochen, wie kann ich das aus dem Alten Testament predigen, weil ich unterstellt habe, aus dem Neuen Testament predigt sowieso jeder immer das Evangelium. Bis mir klar wurde: Es ist ja völliger Blödsinn, das machen die Leute ja auch nicht. Also möchte ich noch einmal deutlich sagen: Auch aus dem Neuen Testament bitte das Evangelium predigen. Und auch das ist manchmal gar nicht so einfach.
Aber wir wollen über einige Dinge nachdenken, über einige verschiedene Wege. Die heilsgeschichtliche Entwicklung ist der erste Weg zum Kreuz.
Ein Beispiel: das Buch Ruth. Was ist die Bedeutung vom Buch Ruth? Wie predige ich das Buch Ruth? Ein Beispiel von großer Liebe und Treue von Ruth zu ihrer Schwiegermutter. Was mache ich damit? Oder verstehe ich, der große Beitrag im Buch Ruth ist doch letztendlich, dass Ruth wer ist? Vorfahrin von David. Genau. Durch das, was hier geschieht, durch diese Irrungen und Wirrungen, kommt es am Ende so, dass David entsteht. Und wer ist der Nachkomme Davids? Jesus.
Also, ich habe eine heilsgeschichtliche Entwicklung, die hier weitergeht, und ich sehe: Oh, das läuft hier weiter.
Oder nehmen wir gleich das andere Frauenbuch aus dem Alten Testament, das Buch Esther. Entschuldigung, das Buch Ruth hatten wir gerade, ihr seid noch wach, ich bin schon halb eingeschlafen. Das Buch Esther: Im Buch Esther taucht Gott überhaupt nicht auf. Also da kann Jesus ja schon mal gar nicht drin sein, oder? Oder doch? Weil nur durch das, was in diesem Buch dann beschrieben wird, wiederum das souveräne Wirken Gottes im Hintergrund führt Gott letztendlich seinen guten Plan weiter aus, so dass am Ende dieses Volk Israel bestehen bleibt, so dass aus Israel der Same Abrahams geboren werden kann, so dass aus Israel das Heil zu den Völkern kommen kann, oder?
Hier sehen wir eine heilsgeschichtliche Entwicklung, die weiterläuft. Und so können wir in ganz verschiedensten Stellen in der Bibel immer wieder sehen: Hier sind wir, wir haben letztendlich es mit einer großen Geschichte zu tun. Wir sehen heilsgeschichtliche Entwicklungen, und wir können immer wieder schauen, wie fügt sich jetzt das Stück Bibel, das ich mir gerade anschaue, ein in diesen großen Weg hin zum Kreuz.
Und ich kann also immer sagen: Ich schaue mir das Stück an, und ein Weg, wie ich dann zum Kreuz kommen kann, ist Fast Forward, und dann führt uns das hin zu Jesus. Ein Weg: die heilsgeschichtliche Entwicklung.
Von Verheißung, Gesetz und Vorbild zu Christus
Eng verwandt damit und doch ein bisschen anders ist es, von den Verheißungen zur Erfüllung zu kommen. Wenn, wie wir gerade bedacht haben, auf alle Gottesverheißungen in Christus das Ja und Amen ist, dann kann ich jede Verheißung, die ich im Alten Testament finde, mir anschauen und sagen: Das Neue Testament sagt mir, dass sie ihre Erfüllung in Christus findet.
Also muss ich im Moment überlegen: Was hat diese Verheißung jetzt eigentlich konkret mit Jesus zu tun? Und das kann manchmal ganz schnell und offensichtlich sein. In 1. Mose 3,15 wird der Schlangenzertreter kommen. Dann sage ich: Wer ist denn dieser Schlangenzertreter, dem vorher in die Ferse gestochen wird? Und dann sage ich: Na ja, das kann nur Jesus sein. Vor allem, weil auch im Römerbrief 16,20, glaube ich, Paulus davon spricht, dass der Schlangenzertreter bald kommen wird und der Schlange den Kopf zertreten wird. Das heißt: Wenn Jesus wiederkommt, ist die Schlange endlich tot. Das ist offensichtlich, das wissen wir alle.
1. Mose 12,1-3, die große Verheißung an Abraham: Ich predige gerade durch das Erste Buch Mose. Ich könnte quasi jede Woche diesen Weg zum Kreuz nehmen und sagen: Hier, die Verheißung erfüllt sich weiter, der Weg der Verheißung. Die Verheißung findet ihre Erfüllung letztendlich aber eben nicht in Abraham oder in Isaak oder in Jakob oder in Josef oder vielleicht auch in Juda, sondern in Jesus. Der Nachkomme Davids, der Gottesknecht – viele Verheißungen. Wo auch immer ich Verheißungen im Alten Testament finde, das ist ein sehr probater, sehr einfacher Weg hin zum Kreuz.
Immer wenn ich in der Bibel Gesetze finde, weiß ich aus Galater 3,24, dass das Gesetz ein Zuchtmeister auf Christus hin ist. Jedes Gesetz, das ich finde, jedes Gebot, das ich finde – und die Bibel ist voller Gebote –, kann uns zeigen, dass nur einer sie gehalten hat, und das bin nicht ich. Und ich kann sagen: Okay, wir brauchen jemanden, der die Gebote hält, das ist Jesus. Und ich bin es nicht. Und das heißt, ich brauche einen Retter, ich brauche einen Erlöser. Und von daher kann ich ganz leicht von jedem Gebot her sagen: Es weist mich hin auf Jesus Christus.
Ich werde morgen hier in einer Gemeinde in Bern predigen dürfen, aus Lukas 10,25. Der barmherzige Samariter ist kein schwieriger alttestamentlicher Text, das ist ein ganz einfacher neutestamentlicher Text. Aber ein Text, der auch ganz oft so verstanden wird: Der barmherzige Samariter ist das große Vorbild für uns alle, oder? Sagt Jesus doch. Was sagt Jesus am Ende vom Gleichnis mit dem barmherzigen Samariter, was sagt er dann zu dem Fragesteller? Genau, also bitte, los geht’s, gib Gas! Und wie läuft’s? Ah, schwierig, ne? Oder hatte Jesus eine andere Intention damit?
Ich würde behaupten, dass wir im Lukasevangelium in Kapitel 9 bis 19 in einem Abschnitt sind, den ich überschreiben würde mit: „Der Weg zum Kreuz“. Und ziemlich am Anfang und ziemlich am Ende dieses Abschnitts finden zwei Begegnungen statt, wo jeweils zwei Männer zu Jesus kommen und zweimal die gleiche Frage stellen: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben?
Den einen Text haben wir gestern bedacht, aus Markus, aber das findet sich auch in Lukas. Was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben? Und im ersten Fall sagt Jesus nur: Sag doch mal selber, was denkst du so? Ja, Doppelgebot der Liebe, ja, ganz gut. Aber wer ist denn mein Nächster? Ich gebe dir hier mal so ein Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Wer war denn jetzt hier derjenige, der Nächstenliebe geübt hat? Ja, okay, da mach mal so.
Im Endeffekt tut Jesus in beiden Fällen genau das Gleiche: Er zeigt uns die Unmöglichkeit, genug zu tun, um das ewige Leben zu ererben. Und er führt uns damit hin zu einem Gesetz, das uns zum Zuchtmeister auf Christus hin wirkt. Und wir sagen: Ja, das schaffe ich nicht. Und dann sagt er: Deswegen mache ich das für euch. Deswegen bin ich derjenige, der sich hingibt.
Das heißt nicht, dass ich jetzt nicht sagen kann: Nun, sollen wir trotzdem Barmherzigkeit üben? Ja, natürlich sollen wir das, so wie wir alle Gebote nach Möglichkeit halten sollten. Aber wir schaffen es letztendlich nicht vollständig. Und deswegen können wir von jedem Text, auch von einem solchen Text, letztendlich das Evangelium von Jesus Christus predigen.
Macht es Sinn? Und entschuldigt bitte, dass ich jetzt die Pointe für morgen schon geklaut habe. Aber das war euch ja sowieso klar, weil ihr ja alle gut geschult seid durch Chris Schmitz’ erfolgenden Dienst.
Typologie, Schatten und Kontraste
Viertens: Typologien und ihre Erfüllung in Christus.
Die Bibel ist voller Typologien. Ich hatte überlegt, diesen kurzen Filmclip, den wir auf der Evangelium-21-Webseite hatten, noch einmal mitzubringen. Dann habe ich aber gedacht: Den könnt ihr euch ja auch einfach mal anschauen, wenn ihr ihn nicht kennt. Jesus wahr und besser, nach einem Skript von Tim Keller, unheimlich gut, auch illustriert von einem Freund von Evangelium 21. Ein kurzes Video, in dem wir einfach durchs Alte Testament durchgehen und immer wieder sehen, wie Jesus typologisch, schattenhaft dargestellt wird, durch verschiedenste Dinge und Personen.
Vor Jahren habe ich einmal über die Opfer aus dem dritten Buch Mose gepredigt, also eine Predigtreihe über das dritte Buch Mose. Als ich damit angefangen habe, hat einer gesagt: Hast du eine Vollklatsche? Was soll denn das jetzt werden? Also, wir sind eine christliche Gemeinde, wer braucht denn heute noch Opfer? Und ich sage: Oh, wir alle brauchen heute noch Opfer. Alle, alle sieben hier. Oder alle fünf, je nachdem, wie du das zählst.
Und dann haben wir gesehen, dass wir alle diese Opfer brauchen, aber dass Jesus Christus in letzter Instanz die Erfüllung dieser Opfer ist. Wir sind Opfer für Opfer durchgegangen und haben verschiedene Aspekte des Evangeliums beleuchtet, die typologisch auf Jesus Christus hinweisen.
Ich habe gerade vorgestern mit Thomas gesprochen. Er hat erzählt, wie er aus Johannes 1 ganz begeistert war, in Johannes 1 die Stiftshütte zu sehen. Jesus zeltete. Genau, er zeltete. Er baute sein Zelt auf, er baute quasi die Stiftshütte auf, den Ort der Begegnung mit Gott, die Herrlichkeit Gottes dort. Auch das ist ein Schatten, der auf Christus hinweist.
Wir sehen das mit allem Möglichen. Wir haben gerade schon über den Exodus nachgedacht, wie der Exodus schattenhaft gebraucht wird für das, was Jesus für uns tut. Das Manna in der Wüste. Und dann natürlich alle möglichen Personen: Melchisedek, Mose, David, Salomo, Jona, Israel, das Priestertum und selbst die Feiertage im Alten Testament.
Das ist interessant: Im Kolosserbrief schreibt Paulus: So lasst euch von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats. Das ist alles nur ein Schatten des Zukünftigen; leibhaftig aber ist es in Christus. Wow, die Feiertage sind Schatten von etwas, das leibhaftig in Christus ist. Das heißt: Wenn ich zu den Feiertagen im Alten Testament komme, dann haben die, auch wenn das vielleicht im ersten Moment nicht so ganz einfach ist, etwas mit Jesus zu tun.
Und dann habe ich alle möglichen Themen, die ich finde, Themen, durch die ich zu Christus kommen kann. Das können die Attribute Gottes sein, die im Mensch gewordenen Gott, in Jesus Christus, in Perfektion erschienen sind. Ich kann über Gottes Liebe, über Gottes Zorn, über Gottes Gerechtigkeit, über Gottes Gnade predigen und immer ganz leicht zu Jesus hinkommen.
Ich kann Schaubilder aufgreifen, die ich im Alten Testament immer wieder finde: die Erlösung durchs Wasser hindurch. Das sehe ich in der Arche, das sehe ich im Exodus, das sehe ich in der Taufe, und letztendlich weist es auf Christus hin. Ich sehe immer wieder das Bild des guten Hirten. David ist ein Hirte, dann später ist die Rede vom guten Hirten. Wir sehen in Hesekiel wieder die schlechten und die guten Hirten, und dann kommt Jesus: Er ist der gute Hirte.
Ich kann die ganze Weisheitsliteratur nehmen. Wenn ich Psalm 1 predige, habe ich den Gerechten im Singular und die Gottlosen im Plural. Und dann kann ich sagen: So, wer bist du? Tag und Nacht Wort Gottes. Schaffst du das? Macht mich fertig, oder? Aber ich sage: Wer ist der Gerechte? Das ist Jesus Christus, weil er allein vollkommen gerecht ist, weil Jesus Christus uns gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung, wie Paulus in 1. Korinther 1,30 schreibt, glaube ich, wir haben es gerade gehört.
Okay, also Jesus ist letztendlich der Gerechte. Und wenn ich durch ihn gerecht bin, dann will ich da hineinwachsen. Aber ich sage: Ich bin nicht der Gottlose, weil ich in Christus bin. Christus ist der Gerechte, und ich wachse hinein in seine Gerechtigkeit. Und deswegen will ich auch immer mehr das Wort Gottes aufnehmen. Aber ich muss mich nicht mehr vom Psalm 1 verdammen lassen.
Und das gilt letztendlich für die ganze Weisheitsliteratur, weil Christus mir nicht nur zur Gerechtigkeit geworden ist, sondern auch zur Weisheit. Wer ist der vollkommen Weise? Worauf weist das alles hin? Sie sagen gar: Ich bin weise. Nein, Jesus ist weise. Das heißt, ich predige diese Texte hin zu Jesus. Ich hoffe, das macht Sinn.
Systematisch-theologische Kategorien kann ich aufgreifen; sie weisen mich immer wieder hin zum Evangelium. Und schließlich Kontraste zum Evangelium.
Ich kann mich noch gut erinnern: Ich habe vor vielen Jahren durch das Buch Richter gepredigt. Und die Richter sind viel cooler und unterhaltsamer kann man nicht predigen als die Richter, oder? Das sind ja echt skurrile, coole Typen irgendwie. Und ich glaube, das ist relativ naheliegend, dass man sagen kann: Jeder Richter ist so ein bisschen schattenhaft wie Jesus. Also nicht wirklich komplett, aber so ein bisschen.
Das Problem ist nur: Die befreien ja das Volk, und dann ist wieder Frieden, und dann sterben sie, und dann kommt wieder das nächste Problem. Wir brauchen irgendwie einen Richter, der nicht stirbt und der noch ein bisschen besser ist. Ah, Jesus. Okay, das ist vielleicht noch nicht zwingend der Kontrast.
Aber dann kam ich zu den letzten fünf Kapiteln im Buch Richter. Da ist ja eigentlich vorbei mit den Richtern. Und was passiert da? Die Schandtat von Gibea zum Beispiel. Boah, da kam wirklich dann ein langjähriger Ältester der Gemeinde und meinte: Matthias, den Text willst du heute hoffentlich nicht predigen. Da wusste ich: Der ist dran. Na, doch, natürlich.
Das ist fürchterlich. Es ist herrlich, weil damals hatten sie keinen König, und jeder tat, was ihm gut dünkte. Aber wir haben einen König, wir haben einen guten König, wir haben Jesus Christus. Und der setzt uns frei, weil wir von Natur aus auch tun, was uns gut dünkt. Und wir sehen: Hier ist ein Kontrast.
Schlussgedanken und Zusammenfassung
Und das waren jetzt einfach mal sechs Wege. Tim Keller hat in seinem Buch über Predigen noch verschiedene andere Wege aufgezeigt. Das ist keine erschöpfende Liste. Das war jetzt einfach mal der Versuch, euch ein bisschen mit hineinzunehmen und zu sagen: Es gibt so viele einfache, nachvollziehbare Wege, wie wir wirklich die Botschaft des Evangeliums aus jedem Bibeltext predigen und auch für uns erkennen können. Wir können sagen: Das hängt zusammen mit dem Evangelium. Ich muss mich nicht fertig machen lassen von Bibeltexten, die nur Imperative haben, weil ich immer verstehen kann, dass sie irgendwie mit Jesus zusammenhängen.
Macht das Sinn? Welcher ist jetzt der beste Weg? Das wird von Predigt zu Predigt variieren. Von Text zu Text. Und manchmal muss man sich ein bisschen überlegen: Ich könnte jetzt den Weg gehen, ich könnte auch den oder den. Welcher kommt am logischsten, am einfachsten, am nachvollziehbarsten aus dem Text? Und das erfordert Arbeit. Das ist leider so. Predigen ist nicht immer so leicht. Das erfordert Arbeit, das erfordert Gebet. Aber wir können immer mindestens einen Weg und oft mehrere Wege finden.
Und wenn ich eine lange Predigtserie durch das erste Buch Mose predige, kann ich euch versprechen: Wenn ich jede Woche immer nur Verheißung und Erfüllung predige oder heilsgeschichtliche Entwicklung, dann wird es irgendwann langweilig. Das heißt, ich schaue: Wie kann ich vielleicht noch einmal einen anderen Aspekt hineinbringen? Vielleicht kann ich doch ein systematisch-theologisches Thema aufgreifen.
Also letzten Sonntag, als ich zu Kapitel 25, Vers 12 bis 34 kam, bin ich am Ende gelandet bei dem Thema: Gottes souveräner Wille geschieht durch vier verschiedene Dinge. Durch ganz normale menschliche Handlung, durch Gebet, in der Erwählung und durch echte menschliche Entscheidungen, die echte Konsequenzen haben: Jakob und Esau und das Suppengericht usw. Und habe dann am Ende gesagt: Und wir sehen, wie gut das ist, dass selbst da, wo Menschen echte Entscheidungen treffen, die echte Konsequenzen haben, wie gut es ist, dass trotzdem Gott immer noch über allem steht und seinen Willen ausführt.
Und habe darüber gesprochen, wie Jesus tot am Kreuz, die Menschen zwar echt etwas getan haben, eine echte Entscheidung getroffen haben, nämlich ihn zu kreuzigen. Das war echt böse, und das wird echte Konsequenzen haben, wenn sie nicht Buße dafür tun. Aber Gottes souveräner Wille ist trotzdem und gerade so auch dadurch geschehen. So, ich habe das Evangelium gepredigt über eine systematisch-theologische Kategorie und nicht über Verheißung und Erfüllung. Ja, hätte ich aber auch machen können. Okay, so viel dazu.

