Einführung: Die Bedeutung eines gewöhnlichen Lebens für Gottes Heilsgeschichte
Lasst mich mit einer Einstiegsfrage beginnen: Wann hast du dich das letzte Mal gefragt, ob dein Leben für Gott – so wie du es lebst – wirklich einen Unterschied macht?
Ich möchte heute mit euch eine These betrachten, die ich ganz am Anfang in den Raum stelle. Die These lautet: Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft – und zwar wirklich ganz oft – durch verdeckt arbeitende, scheinbar nebensächliche Akteure. Durch Leute, die bereit sind, einfach zu hören, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Eigentlich durch Nobody’s, eigentlich durch jeden einzelnen von euch.
Ihr merkt schon, wir sind wieder in der Apostelgeschichte, da machen wir weiter. Paulus ist immer noch in römischer Gefangenschaft. Und diese Idee, die wir uns beim letzten Mal in der Predigt angeschaut haben – diese Idee des Obersten: Man könnte ja Paulus in den Hohen Rat führen, und dann kriegt man vielleicht so ein bisschen raus, worum es eigentlich geht – diese Idee war gehörig schiefgegangen.
Die Verschwörung gegen Paulus und die Bedrohung seines Lebens
Frage: Wie geht es weiter? Apostelgeschichte 23, ab Vers 12.
Als es Tag geworden war, rotteten sich die Juden zusammen. Sie verschworen sich mit einem Fluch und sagten, dass sie weder essen noch trinken würden, bis sie Paulus getötet hätten. Es waren mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten.
Sie kamen zu den Hohenpriestern und den Ältesten und sprachen: „Wir haben uns mit einem Fluch verschworen, nichts zu genießen, bis wir Paulus getötet haben. Macht ihr jetzt mit dem Hohen Rat, dem Obersten, Anzeige, damit er ihn zu euch herabführe, als wolltet ihr seine Sache genauer entscheiden. Wir aber sind bereit, ehe er nahekommt, ihn umzubringen.“
Bis hierhin merken wir: Aus Aversion wird hier Fanatismus. Paulus wurde zwar schon immer aus Aversion gemocht, aber jetzt eskaliert es. Vierzig Männer tun sich zusammen und sagen, dass sie erst dann wieder etwas essen und trinken werden, wenn sie vorher Paulus getötet haben.
Ich habe das so gelesen und dachte mir, dass das irgendwie typisch für Fanatiker ist. Was ich meine, ist Folgendes: Ein Fanatiker will ja besonders fromm sein. Aber während er besonders fromm sein will, verliert er gleichzeitig jeglichen Sinn für Moral. Das hier ist falscher Eifer für Gott.
Diese Situation wird noch schlimmer dadurch, dass das Gremium, das es gibt – nämlich der Hohe Rat, ein Gremium, das für Recht und Gerechtigkeit stehen sollte – für diesen Mordkomplott instrumentalisiert wird. Es wird also dazu benutzt, dass ein großes Unrecht geschieht. Und...
Der göttliche Auftrag und die Unaufhaltsamkeit von Gottes Plan
Wenn wir den Text so lesen, merken wir, dass hier nicht nur der Mord im Raum steht, sondern eine viel größere Spannung vorhanden ist, mit der wir es zu tun haben.
Beim letzten Mal haben wir am Ende gesehen, dass Paulus von Gott einen Auftrag erhält. Diesen Auftrag, der hier im Raum stand, lese ich euch noch einmal vor. In Apostelgeschichte 23,11 heißt es: "In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei guten Mutes, denn wie du meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, so musst du sie auch in Rom bezeugen."
Ihr merkt, hier steht bei diesem Mord nicht nur das Leben von Paulus auf dem Spiel. Es geht auch um den Auftrag, den Paulus von Gott bekommen hat: bis nach Rom zu gehen und dort das Evangelium zu predigen.
Ich möchte jetzt ganz am Anfang eine ganz einfache Sache festhalten. Sie ist so banal, dass man sie eigentlich gar nicht predigen müsste, aber ich tue es trotzdem. Die Sache ist folgende: Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, dann kann nichts und niemand sich dem in den Weg stellen.
Ich sage das noch einmal: Wenn du einen Auftrag hast und da draußen nehmen sich vierzig Leute vor, dich umzubringen, dann haben sie keine Chance. Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, kann sich nichts und niemand dem in den Weg stellen.
Das ist unglaublich, wenn ich das so formuliere: Wenn Gott mir einen Auftrag gibt, egal was sich draußen an Bösem gegen Gott zusammenrottet – das Böse hat keine Chance.
Gottes unscheinbare Mittel zur Rettung: Der Neffe von Paulus
Und jetzt wird es spannend: Wie macht Gott das? Hätte er es gewollt, hätten diese 40 Leute am nächsten Tag einfach nicht mehr aufwachen können. Ja, ein kollektiver Schlaganfall. Oder sie treten aus der Verschwörung aus, und es kommt so ein Blitzbusch – dann bleiben vierzig Häufchen Asche zurück. Das wäre irgendwie auch interessant gewesen und wahrscheinlich in der Apostelgeschichte berichtet worden, aber es war nicht so.
Das Spannende ist, wie Gott an dieser Stelle das Mordkomplott vereitelt. Er benutzt einen völlig unscheinbaren jungen Mann, von dem wir absolut nichts wissen. Hier lesen wir in Apostelgeschichte 23,16: „Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung gehört hatte, kam er hin und ging in das Lager und meldete es dem Paulus. Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sagte: Führe diesen Mann zu dem Obersten, denn er hat ihm etwas zu melden.“
An dieser Stelle erfahren wir zum ersten Mal, dass Paulus einen Neffen hat. Den kannten wir vorher nicht, und auch danach taucht er nicht mehr auf. Er bekommt irgendwie von diesem Mordkomplott mit – wie genau, wissen wir nicht. Man kann sich aber gut vorstellen: Wenn du ein klassischer Meuchelmörder bist, der auch ein bisschen fanatisch ist, dann prahlst du mit deiner Tat. Du willst allen zeigen, was für ein toller Kerl du bist. Irgendwie hat der Neffe das mitbekommen, vielleicht haben sie irgendwo darüber gesprochen. So weiß er jetzt Bescheid.
Und jetzt kommt dieser Neffe. Er hat keinen besonderen göttlichen Auftrag. Es ist nicht so, dass ihm in der Nacht ein Engel erschien und sagte: „Geh zum Obersten.“ Der Oberste hört einfach zu und merkt, hier ist etwas zu tun. Wie gesagt, wir wissen nichts über den Neffen. Wir wissen nicht einmal, ob er Christ ist. Doch er hört von der Verschwörung gegen seinen Onkel und handelt aus eigenem Antrieb.
Er geht ins Lager, wo die römischen Soldaten Paulus festhalten, spricht mit seinem Onkel und erzählt ihm von dem geplanten Anschlag. Paulus tut natürlich das, was an dieser Stelle absolut logisch ist: Er sagt, diese Information müssen wir nach oben weitergeben. Sie ist wichtig und muss der Oberste hören.
Man muss wissen: Der Oberste war Paulus noch etwas schuldig. Wer sich erinnert, der hatte Paulus fesseln lassen, um ihn auszupeitschen. Das war alles verboten, und der Oberste war ganz ängstlich, als er hörte, dass Paulus römischer Bürger ist. Auf alle Fälle weiß Paulus, dass der Oberste zuhören wird, und so schickt er den Neffen zu ihm.
Wir lesen das in Apostelgeschichte 23,18-22: „Der nun nahm ihn zu sich und führte ihn zu dem Obersten und sagte: ‚Der Gefangene Paulus rief mich herbei und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe.‘ Der Oberste aber nahm ihn bei der Hand und zog sich mit ihm abseits zurück und fragte: ‚Was ist es, das du mir zu melden hast?‘ Er aber sprach: ‚Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, dass du morgen den Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, um etwas Genaueres über ihn zu erkunden. Du nun lass dich nicht von ihnen überreden, denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach, die sich mit einem Fluch verschworen haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben. Und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von dir.‘ Der Oberste entließ den jungen Mann und befahl ihm: ‚Sage niemandem, dass du mir dies mitgeteilt hast.‘“
Bis hierhin eine unglaublich simple Erzählung: Der junge Mann – wir wissen immer noch nicht, wie er heißt, und er taucht jetzt auch nicht mehr auf – redet mit dem Obersten, erzählt ihm vom Mordkomplott und bittet ihn, sich nicht vom Hohen Rat überreden zu lassen. Überreden zu was? Paulus einfach noch einmal zu bringen.
Was tut der Oberste? Er schickt den jungen Mann nach Hause und sagt ihm Stillschweigen. Warum Stillschweigen? Ganz einfach: Weil der Oberste, jetzt wo er Bescheid weiß, in Ruhe seinen nächsten Zug planen möchte. Er weiß, dass morgen die Luft brennt und er eine Entscheidung treffen muss. Das heißt, er will heute Nacht, wenn keiner damit rechnet, diesen Gefangenen verlegen – und zwar von Jerusalem weg an die Mittelmeerküste nach Caesarea, wo übrigens auch der Statthalter Felix, sein Vorgesetzter, residierte.
Gottes Heilsgeschichte durch gewöhnliche Menschen
So viel zum Text für heute. Das ist alles, was ich zur Apostelgeschichte sagen möchte.
Nun zurück zu meiner These. Meine These lautet: Gottes Heilsgeschichte, also das, worauf es in dieser Welt wirklich ankommt, vollzieht sich oft durch verdeckte, scheinbar nebensächliche Akteure. Es sind Menschen, die bereit sind, einfach zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und ein Stück der Aufgaben zu erledigen, die ihnen auf eine absolut triviale Weise einfach so vor die Füße fallen.
Oder anders gesagt: Gott wirkt in seiner Geschichte. Und das ist die Geschichte, die überhaupt zählt, weil sie die einzige Geschichte ist, die eine Zukunft hat. Wir dürfen nie vergessen, was Geschichte relevant macht: Nicht das, was passiert, sondern das, was Zukunft hat, was in hundert, in tausend oder in einer Million Jahren noch Bedeutung hat. Das ist wirklich wichtig.
In dieser Geschichte wirkt Gott ganz regelmäßig durch absolute Randfiguren. Ich finde das total spannend. Die meisten von uns würden sich, wenn ich sie fragen würde, nicht als Superstars sehen. Vielleicht hast du dein Krönchen noch nicht abgelegt, aber wir sind eigentlich alle Normalos.
Beispiele von Normalos in der Bibel
Und jetzt kommt Gott und sagt: Ich schreibe meine Geschichte mit diesen Normalos, mit den Typen, die man so furchtbar leicht übersehen kann. Ich zeige euch mal drei Normalos – einfach nur, damit ihr das seht, was ich meine.
Da gibt es einen jungen Mann, der von seinen eigenen Brüdern in die Sklaverei verkauft wird. Er wird unschuldig angeklagt und sitzt über Jahre im Gefängnis. Und dann, plötzlich, out of nowhere, wird er zum Retter von Ägypten. Es war jetzt kein Bibelquiz, aber ihr wisst, um wen es geht: Es geht um Joseph.
Wenn man Josephs Geschichte so mitkriegt – du wirst ja als Teenager verkauft, bist dann irgendwie jahrelang im Knast. Wie leicht hätte er an seiner Biografie, an dem, was ihm da begegnet, einfach verzweifeln können. Aber er tut das nicht. Ganz im Gegenteil.
Da ist er bei Potiphar, und die Frau von Potiphar will ihn verführen. Er sagt Nein. Und wir merken in diesem Moment, wie dieser junge Mann zwar nichts mehr vom Leben zu erwarten hat. Bitteschön: Deine eigene Familie hat dich als Sklaven verkauft, hat Geld mit dir verdient. Sie wollen dich nicht mehr, du bist durch, du bist ganz unten!
Und in der Situation, wo sich deine Chefin an dich heranmacht, was sagt er da? Erste Mose 39,9: Er sagt Nein, aber er drückt sich so aus: Er selbst ist – und das ist jetzt sein Chef – „mein Chef ist in diesem Haus nicht größer als ich“. Das heißt, er hat nicht mehr Einfluss, weil er derjenige ist, der den Leuten sagt, was sie tun sollen. Er ist der Oberste, der hier in diesem Haus das Sagen hat – als Angestellter oder als Sklave.
Achtung! Er selbst sagt: „Ich bin in diesem Haus nicht größer als ich, und er hat mir gar nichts vorenthalten, außer dir, weil du seine Frau bist.“ Und jetzt wird es spannend: „Wie sollte ich dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen?“
Hier ist ein Mann, der eigentlich alles verloren hat. Und du merkst mittendrin: Die eine Sache, die er hat und die ihm super wichtig ist, ist Vertrauen in Gott. Er bleibt Gott treu. Und deswegen kann Gott ihn gebrauchen. Er kann ihn so sehr gebrauchen, dass derselbe Joseph rückblickend später zu seinen Brüdern, zu denen, die ihn verkauft haben, sagen kann: 1. Mose 50,20: „Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt, aber Gott hatte beabsichtigt, es zum Guten zu wenden, um zu tun, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten.“
Nochmal: Von außen betrachtet sieht dieses Leben über weite Strecken völlig falsch aus, und doch benutzt Gott es.
Und jetzt könntest du sagen: Normalo? Das ist doch kein Normalo, das ist Joseph. Okay, ich halte ihn trotzdem für einen Normalo. Aber wenn du das nicht tust, gebe ich dir so richtig Normalo.
Hier, Zweite Könige 5,2: Also Normaloer geht nicht, in meinen Augen. „Und die Aramäer waren auf Raub ausgezogen und hatten aus dem Land Israel ein junges Mädchen gefangen weggeführt.“ Ist das Normalo genug?
Okay, das kam in den Dienst der Frau des Naaman. Und sie sagte zu ihrer Herrin: „Ach, wäre mein Herr doch vor dem Propheten, der in Samaria wohnt! Dann würde er ihn von seinem Aussatz befreien.“
Wie gesagt: Mehr Normalo geht nicht. Das hier ist eine Kriegsgefangene. Auch wieder eine, von der wir nicht den Namen wissen. Irgendein Mädel, ja, lass sie zwölf Jahre alt sein, die wird bei irgendeinem Streifzug einfach entführt.
Was tut sie? Na ja, sie tut das, was richtig ist. Sie sieht, dass ihr Chef Aussatz hat und denkt sich: „Na ja, bei uns zu Hause hätten wir den jetzt irgendwie zu unserem Propheten geschickt, und er hätte sich darum gekümmert.“ Und das sagt sie. Sie gibt ihrer Herrin den richtigen Tipp.
Die erzählt das weiter, logisch, an ihren Mann, an den Naaman. Und der macht sich auf den Weg, trifft den Propheten Elisa, findet dort Heilung, bekehrt sich zum Gott Israels.
Und du denkst dir: Wow! Könnt ihr euch vorstellen, was es geopolitisch bedeutet, wenn du direkt neben dem König am Königshof einen Bekehrten hast, der an deinen Gott glaubt, einen Fürsprecher für das Volk Israel?
Das wäre so, als wäre der engste Vertraute von Trump bekehrt, und du sagst: „Hey, der ist für mich.“ Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was das hier bedeutet. Dieses kleine Mädchen erzählt einfach, sagt einfach der Herrin: „Hey, da gibt es eine Chance, da könnte man doch etwas machen“ – und ändert Geopolitik. Das ist der Wahnsinn.
Oder vielleicht mein Lieblingsbeispiel: Lukas 1,26: „Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa mit Namen Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef aus dem Haus David verlobt war. Und der Name der Jungfrau war Maria. Und er kam zu ihr hinein und sprach: ‚Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir.‘“
Das ist Normalo. Also Maria aus Galiläa. Aha. Ja, das ist so, wo du sagst: Wer kommt denn auf so eine schrullige Idee, die zu nehmen? Also, was sinnvoll gewesen wäre in den Augen der Menschen: „Das ist doch vielleicht, nimm doch die Tochter des Hohenpriesters, dann ist die schon mal richtig angedockt, so vitamin-B-mäßig.“
Ist nicht so. Gott nimmt eine normale Frau aus einem Dorf in Galiläa. Für euch hat Galiläa nicht so den Ruf, aber wenn ihr das übertragen wollt: Kennt ihr noch die Ostfriesen-Witze? Werden die noch erzählt? Das ist so, ja, aus einem Kaff in Ostfriesland. Das ist so ein Witz, oder?
Nein, ist es nicht. Das ist das, was Gott macht. An der Erwählung von Maria wird deutlich, worauf es Gott ankommt. Wir schauen auf Äußerlichkeiten, aber Gott schaut ganz anders hin.
Und das ist total wichtig, dass wir das nie vergessen.
Gottes Blick auf das Herz statt auf Äußerlichkeiten
1. Samuel 16,7 beschreibt eine Situation, in der der Prophet Samuel von Gott die Weisung erhält, einen neuen König zu salben. Gott sagt zu Samuel: „Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs. Denn ich habe ihn verworfen. Der Herr sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz.“
Diese Aussage bringt uns langsam zum Kern dieser Predigt, der mir besonders wichtig ist: Du kannst dir in diesem Leben deinen Intellekt nicht aussuchen. Du kannst nicht entscheiden, wie sportlich du bist, in welche Familie du hineingeboren wirst oder wie leicht es dir fällt, Gitarre zu lernen. Aber du kannst entscheiden, ob und wie stark dein Herz an Gott hängt.
Ich betone das noch einmal: Du kannst entscheiden, ob dein Herz an Gott hängt und wie stark es das tut. Dafür braucht es keinen hohen IQ, kein Aussehen wie das von Kendall Jenner, keine Pokale und keine perfekte Biografie. Es braucht nur eines: den ehrlichen Wunsch, Gott zu gefallen.
Das ist das Einzige, was es braucht – den ehrlichen Wunsch, Gott zu gefallen, und dann den Mut, das Naheliegende zu tun. Jeder Normalo kann im Rahmen seiner Möglichkeiten mit seinem ganzen Herzen an Gott hängen. Gott weiß das.
Das ist die Idee hinter der Aussage, dass Gott Schwache beruft.
Gott beruft die Schwachen und Unscheinbaren
Paulus muss, wenn er mit den Korinthern spricht, ihnen deutlich machen, wer eigentlich im Publikum sitzt. Wer sind diese Menschen?
Er sagt, es sind die Schwachen, die Gott beruft. In 1. Korinther 1,26 heißt es: „Denn seht eure Berufung, Brüder: Nicht viele sind Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle beruft Gott.“ Stattdessen hat Gott das Törichte der Welt auserwählt.
Gott hat einen Plan, warum er das tut: Damit er die Weisen zu Schande macht. Und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Starken zu Schande macht.
Ich finde das großartig! Gott beruft Normalos, Gott beruft die Randfiguren, Gott beruft die Schmuddelkinder, mit denen man nicht spielen darf. Das sind die Menschen, für die Gott ein Herz hat.
Warum? Weil er der Welt, in der wir leben, ihre eigene Dummheit und Überheblichkeit vor Augen führen möchte. Wisst ihr, die Welt streckt sich nach den Machern aus.
Nach den Elon Musks, den Trumps, den Putins, den Erdogans, den Xi Jinpings und den Zuckerbergs. Das sind die Menschen, die auf den Magazinen abgebildet sind. Deren Interviews hört man sich an, denn was sie denken, scheint irgendwie wichtig und gleichzeitig richtig zu sein.
Und dann baut Gott im Hintergrund das einzige Reich, das ewig bleiben wird. Das einzige Reich, in dem Menschen anderen erklären, wie man in Ewigkeit lebt, wie man ewiges Leben bekommt, wie man wirklich gerettet wird, wie es Erlösung, Vergebung und einen Neuanfang gibt.
Das einzige Reich, das wirklich wichtig ist, baut Gott mit Normalos. Es ist so grotesk, ich kann es nicht anders sagen. Wenn es um Heilsgeschichte geht, um die wirklich wichtige Geschichte, die sich in dieser Welt abspielt, dann sind fast ausschließlich – möchte ich sagen – Normalos diejenigen, die Gott benutzt.
Die Kraft der Treue und das Potenzial der Normalos
Wenn wir euch nach vorne holen würden und jeder seine Geschichte erzählen würde, wie er zum Glauben gekommen ist, dann würden so viele „Normalos“ vorkommen – das ist unglaublich. So viele Leute, die hier mal einen Satz gesagt haben, dort ein Buch geschenkt haben oder irgendwo etwas getan haben. Du denkst dann: Ich weiß schon gar nicht mehr, wie die heißen. Ja, da war halt irgendwas, irgendwer hat mir… ja.
Genau dieses Irgendwas hat halt irgendwer gemacht. Das ist Normalo. So baut Gott sein Reich.
Warum ist mir dieser Punkt so wichtig? Nun, es gibt diesen Eindruck unter uns, und der hängt wahrscheinlich mit der Art und Weise zusammen, wie wir Gottesdienste feiern. Dort unten sitzen Leute, die zuhören, und hier vorne sind Leute, die etwas machen. Das ist ein Stück weit ungesund.
Wir schaffen es wahrscheinlich gerade nicht, das zu ändern. Aber dadurch kann der Eindruck entstehen, dass Gott mich nur gebrauchen kann, wenn ich besonders bin.
Deshalb stelle ich dir eine Frage: Was sind deine persönlichen Argumente dafür, dass Gott dich nicht gebrauchen kann? Denk jetzt einmal darüber nach. Was sind deine inneren Glaubenssätze, deine persönlichen Argumente, mit denen du dir erklärst, dass Gott dich sowieso nicht gebrauchen kann?
Ist es: Ich habe zu wenig Glauben? Ich bin zu alt? Ich habe schon zu oft versagt? Ich bin nicht schlau genug? Ich bin nicht wie xy?
Nimm dir zehn Sekunden und überlege: Was sind deine Argumente, warum du glaubst, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?
Jetzt halte diesen Gedanken fest. Und denke an den Neffen von Paulus. Er ist kein Apostel, kein Glaubensheld, sondern einfach nur ein aufmerksamer junger Mann. Durch ihn schreibt Gott Geschichte. Er sorgt dafür, dass der Apostel Gottes nicht durch vierzig Attentäter in Jerusalem sein Leben verliert.
Warum glaubst du also, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?
Gebet und Ermutigung zur Treue im Kleinen
Lass mich ein Gebet sprechen.
Herr Jesus, bitte, Du siehst unser Herz. Du weißt, wo wir uns selbst manchmal verurteilen, wo wir uns vergleichen, wo wir nicht so sind wie andere und uns dadurch runtermachen.
Wir bitten Dich, Herr Jesus, dass Du uns dort vergibst, wo wir uns selbst disqualifizieren. Wir bitten Dich auch, dass Du uns Mut schenkst, uns selbst etwas zuzutrauen.
Denn Du bist der Gott, der uns in unserer Normalität berufen hat und uns auch in unserer Normalität gebrauchen will.
Herr, wir vertrauen Dir, dass Du durch unseren Dienst im Kleinen Weltgeschichte bewegen kannst. Wir vertrauen Dir ganz neu.
Amen.
Die Bedeutung von Treue und Schwachheit im Gemeindebau
Wisst ihr, wenn ich eine Sache im Gemeindebau gelernt habe, dann ist es eine unangenehme, aber wahre Erkenntnis: Nicht die vermeintlich Begabten treiben das Reich Gottes langfristig voran. Das stimmt einfach nicht. Es sind immer die Treuen.
Es ist ganz spannend, und ich mache das jetzt seit einem Vierteljahrhundert. Ich habe also einen gewissen Überblick und habe mir die eine oder andere Gemeinde angeschaut und für mich ausgewertet. Und ich kann euch eines sagen: Eine Gruppe treuer Normalos, deren Herz an Gott hängt und die bereit sind, treu und gehorsam die Aufgaben zu übernehmen, die Gott ihnen vor die Füße wirft, die kannst du nicht aufhalten.
Diese Gruppe geht einfach weiter, sie bleibt nicht stehen. Für so eine Gruppe ist tatsächlich nichts unmöglich. Warum? Weil genau sie das Material sind, mit dem Gott seine Gemeinde baut. Ich habe so oft erlebt, dass die vermeintlich Begabten sich selbst im Weg stehen und am Ende viel weniger erreichen als einfach eine Gruppe treuer Normalos. Diese Normalos machen einfach weiter: wupp, wupp, wupp, wupp. Und sie sind auch noch da, wenn sie eigentlich keine Lust mehr haben, wenn es mal Streit gibt, wenn die Organisation nicht läuft oder die Technik versagt.
Sie machen einfach weiter. Wenn du hier sitzt und denkst: „Jürgen, ich bin nur so ein Normalo“, dann feiere das! Wirklich, feiere das!
Schwachheit als Stärke im Glauben
In 2. Korinther 11,30 spricht Paulus davon, dass wir uns unserer Schwachheiten rühmen sollen. Er fordert uns auf, eine Liste mit all den Dingen zu machen, bei denen wir denken: „Deswegen bin ich schwach und unbrauchbar.“ Ich habe so eine Liste, ja, und sie beginnt mit meinen kaputten Füßen. Und dann feiere ich das.
Diese Liste taucht immer mal wieder auf, und dann sage ich: „Danke, Herr!“ Es fühlt sich erst falsch an, „Danke, Herr“ zu sagen, wenn man all die Dinge bedenkt, die irgendwie nicht gut sind. Aber ich denke mir: Tschaka, genau das steht in der Bibel. Feiere deine Schwachheit, feiere dein Normallosein.
Wisst ihr, wir leben in der Zeit der Stars, Sternchen und Influencer. Ganz schnell macht sich unter Christen die Idee breit, dass man von Gott für den Bau seines Reiches nur dann gebraucht wird, wenn man ganz offensichtlich begabt ist. Doch dann stellst du fest: Ich stehe gar nicht gerne vorne, ich kann keine Musik machen, ich kann nicht predigen, Kinder sind mir viel zu nervig und keine Ahnung was.
Du bemerkst, dass du all die Standardsachen, die du sonst siehst, nicht kannst. Und jetzt komme ich und sage: Du wirst gebraucht. Ich kann dir sogar noch etwas sagen: Du ahnst gar nicht, wie sehr du gebraucht wirst. Deshalb war es mir so wichtig, euch zu zeigen, dass an den Dreh- und Angelpunkten der Heilsgeschichte ganz oft Normalos stehen. Leute, die von ihren Mitmenschen vielleicht für Loser gehalten werden, die äußerlich nicht qualifiziert sind für den Dienst.
Da hast du diesen kleinen Hirtenjungen, diesen greisen Ziegenhirten, da hast du ein hübsches Mannequin, da hast du ein kleines Mädchen, eine Hure, eine Witwe, jemanden, der sich überhaupt nicht alt genug für den Job hält – und so weiter. Ihr könnt jetzt raten, wen ich in der Aufzählung gemeint habe. Das sind alles Leute aus der Bibel.
Hast du dir die Apostel mal angeschaut? Ich meine, muss ich das ja machen, ja? Also die Leute, die Gott berufen hat – wo kommen die her? Aus Galiläa, Ostfriesland, ja! Da kommen sie her, hätte man nie erwartet. Wie lange brauchen sie, um das mit dem neuen Bund zu kapieren? Ich meine, das ist theologisch ein bisschen schwieriger.
Ich glaube, Paulus braucht drei Tage, bis er es versteht und sich ändert. Aber wie lange braucht Petrus dafür? In Apostelgeschichte 10 dämmert es ihm ganz langsam. Wenn du dir anschaust, wie viel Mühe der Heilige Geist hat, ihm das überhaupt zu vermitteln, ist das irre.
Warum hat Gott denn nicht einfach den römischen Kaiser berufen? Das wäre doch mal bang, ja? Oder wenigstens den Hohen Priester. Warum hat er das nicht gemacht? Die Antwort: Weil es der falsche Ansatz gewesen wäre. Gott macht keine Fehler. Und er macht keine Fehler, wenn er mit dir und mit mir und mit uns Normalos sein Reich baut.
Gott macht das aus einem ganz einfachen Grund: Er möchte, dass, wenn man uns erlebt, mit uns Gemeinschaft hat, wenn man erlebt, wer wir sind, jeder mitkriegt: „Nee, das ist jetzt nicht so überzeugend.“ Und weil wir zurücktreten, weil wir nicht die Besonderen sind, kann Gott durch uns hindurch wirken.
Das ist das, was Gott tut: Er wirkt durch unsere Schwachheit hindurch. Du denkst, Gott kann mich nicht gebrauchen, weil ich ja irgendwie so schwach bin und keine offensichtlichen Begabungen habe? Gut, gut so! Freu dich!
Gottes Kraft in unserer Schwachheit
Der letzte Vers ist wirklich wichtig und sollte auswendig gelernt werden: 2. Korinther 12,9. Paulus schreibt dort: „Und er, Gott, hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gern will ich mich nun viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.“
Wer Paulus kennt, merkt sofort: Er war kein Normalo. Deshalb bekommt er auch einen „Pfahl im Fleisch“. Wenn Gott die vermeintlich Starken wie Paulus, der viele Offenbarungen hatte, absichtlich schwach machen muss, damit er sie gebrauchen kann, wie viel mehr kann er dann diejenigen einsetzen, die von Natur aus schon wenig mitbringen.
Diese Menschen sagen oft: „Ich brauche keinen Pfahl im Fleisch, ich bin der Pfahl im Fleisch auf zwei Beinen.“ Deshalb solltest du dich darüber freuen, ein Normalo zu sein.
Schlussgedanken: Gottes Heilsgeschichte durch treue Normalos
Worum ging es mir? Ich wollte euch am Beispiel eines unbekannten jungen Mannes zeigen, wie Gott ganz unspektakulär jemanden gebraucht, um Paulus zu retten. Damit wollte ich euch eine Sache verdeutlichen: Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft durch ganz nebensächliche Akteure, durch Randfiguren. Doch es sind gerade diese Menschen, die bereit sind zu hören, hinzuschauen, treu zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Durch diese ganz wenig außergewöhnlichen Menschen wirkt Gott plötzlich ganz außergewöhnliche Dinge. Es sind die Normalos, mit denen Gott sein Reich baut.
Wenn in dir mal die Frage aufkommt: Kann Gott mich gebrauchen? – und das kann in einer Gemeinde wie hier schnell passieren, wo du viele begabte Leute hast – dann kann auch die Frage auftauchen: Braucht Gott mich überhaupt? Hier gibt es doch so viele, die den Job machen.
Wenn diese Zweifel hochkommen, dann halte dir 2. Korinther 12, Vers 9 bitte vor Augen: Gottes Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Schwachheit ist für Gott nie ein Problem.
Deshalb mach dein Selbstbild, das, was du von dir denkst, bitte nicht zum Gradmesser für deine Tauglichkeit. In uns steckt Gott, Gottes Geist steckt in uns. Wenn ich den Text hier richtig verstehe, gilt: Je schwächer wir sind, desto mehr wird sichtbar, wer da eigentlich in uns lebt, wirkt und uns als Botschafter des Evangeliums gebrauchen will.
Darauf kommt es an: dass nicht wir im Vordergrund stehen, sondern dass wir Gott nicht im Wege stehen, wenn er uns benutzen will. Und genau das, Gott nicht im Wege zu stehen, fällt Normalos ganz leicht.
In diesem Sinn: Freut euch daran, normal zu sein. Schaut, wo die kleinen Dinge sind, die ihr einfach treu tun könnt. Tut sie und erwartet, dass Gott durch euch Weltgeschichte schreibt. Amen.
