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Finde die Quelle echter Begeisterung

Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben, Teil 10/15
24.05.2020Nehemia 8,1-18
SERIE - Teil 10 / 15Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben
 Nehemia 8: Mehr als Mauern. Punkte: Esra und die Leviten, Bibelauslegung, Gemeinde als Ganzes, von Trauer zur Freude. Gottes Wort wird zur Quelle echter Begeisterung, erklärt und praktisch umgesetzt – Laubhütten, Gemeinschaft, Ausdauer. Wer findet echte Begeisterung im lebendigen Wort Gottes?

No! Scheitern!

Begrüßung und Einstimmung auf das Thema

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Podcast-Gottesdienst hier in der Christusgemeinde Emding. Schön, dass ihr da seid.

Wir haben gemeinsam gesungen: „Alle Schöpfung staunt und preist“. Ich denke, viele von uns haben mitgesungen – vielleicht mehr oder weniger fröhlich, mehr oder weniger begeistert, lauter oder leiser, ganz so, wie es möglich war. Es singen ja auch nicht alle gleich laut. Manche freuen sich auch eher nach innen, das sieht man nicht so deutlich. Aber auf jeden Fall ist es schön, wenn wir Gott loben.

Wenn wir wissen, dass Gott groß ist, wenn wir staunen und begeistert sind, dann ist das ein wunderbares Gefühl. Genau darum wird es heute gehen. Waldemar wird uns mit der Aussage „Finde die Quelle echter Begeisterung“ herausfordern.

Wir sind gespannt, was Waldemar uns dazu aus dem Jahr acht zu sagen hat.

Gebet zur Eröffnung

Dann möchte ich noch mit uns beten.

Ja, Vater im Himmel, wir danken dir, dass du groß bist, Jesus. Wir wissen das mehr oder weniger, und uns ist das mehr oder weniger bewusst, Herr. Wir kennen dich besser oder schlechter, je nachdem, Herr.

Wir danken dir, Jesus, dass du groß bist und dass du uns Freude geben möchtest. Du willst uns auch Begeisterung für dich schenken. Manchmal wissen wir nicht, wie das geht, wie wir das bekommen, Herr.

Wir bitten dich, Jesus, dass du uns heute Morgen so begegnest. Öffne unsere Herzen. Hilf uns, Jesus, dass wir uns auf dein Wort konzentrieren können und bereit sind, auf dich zu hören.

Wir danken dir, dass wir Gemeinschaft haben können, da wo wir jetzt sind, mit dir allemal, Jesus, und auch untereinander in Häusern und Wohnungen. Danke dafür, Jesus.

Danke auch für die Kinder und danke, dass du auch den Kindern etwas zu sagen hast. Danke, dass du heute Morgen für uns da bist, Jesus.

Wir wollen dich ehren und lieben, Herr, dir heute Morgen begegnen und danken dir, dass du da bist, Jesus, weil du es zugesagt hast. Amen.

Aktuelles aus dem Gemeindeleben

Ja, was gibt es Neues aus dem Gemeindeleben? Die Podcast-Gottesdienste und Bibelabende werden vorerst bis Mitte Juni so weiterlaufen, also bis nach den Herbst-Pinx-Ferien. Danach wird man sehen, wie die Corona-Verordnungen weitere Aktivitäten zulassen. Darauf sind wir noch gespannt.

Ab nächster Woche finden auch wieder die DNA-Gruppe Stadt und die Bibelarbeit im Wechsel statt. Das heißt, nächste Woche trifft sich die DNA-Gruppe, entweder hier in der Gemeinde, telefonisch oder online. Der Wochentag kann ganz frei gewählt werden. Sprecht euch dazu einfach ab.

Wichtig ist nur: Wer sich hier im Gemeindehaus treffen möchte, sollte das unbedingt mit Margarete absprechen, da es nicht so viele räumliche Möglichkeiten gibt.

Außerdem bekommen wir wieder ein Handout zur Predigt, das uns anregen soll, Fragen zu stellen, zu beantworten und einfach Gespräche anzuregen.

Heute gibt es eine digitale Gemeindestunde. Schaltet dazu bitte die Homepage ein, dort könnt ihr das Video anschauen. Es dauert ungefähr zweieinhalb Stunden, ähnlich wie eine Gemeindestunde hier vor Ort. Das Video ist ab sofort verfügbar, seit gestern Abend kann man es ansehen.

Wenn ihr das Video anschaut und Fragen habt, könnt ihr diese am besten gleich auf der Homepage eingeben. Dann stehen sie sofort zur Verfügung. Außerdem gibt es heute Abend um 20:30 Uhr eine Livestream-Gemeindestunde. Währenddessen kann man ebenfalls Fragen eingeben. Es ist natürlich schön, wenn schon vorab Fragen eingereicht werden.

Also: Heute Abend um 20:30 Uhr Livestream-Gemeindestunde.

Einblick in die Arbeit der Royal Rangers

Ja, vielleicht habt ihr euch in den Gemeindegruppen auch schon gefragt, was die so machen oder nicht machen. Es gibt ja unsere Ranger, die uns immer mal wieder mit Überraschungen im Gottesdienst oder auf andere Weise überrascht haben.

Ich habe jetzt mal die Rangermitarbeiter gefragt, wie es ihnen so geht und was sie machen. Tatsächlich haben sie mir auch wieder etwas mitgegeben, das ich euch gerne hier vorlesen möchte. Einen Gruß, würde ich sagen, auf Ranger-Art. Ich lese ihn jetzt einfach mal vor.

Als Royal Ranger ist auch für uns diese Corona-Zeit ungewöhnlich. Niemand hätte gedacht, dass wir uns so lange nicht treffen können. Auch unsere geplanten Aktivitäten für dieses Jahr wurden schon abgesagt. Ob und wie im Sommer ein kleines Camp möglich sein wird – das Sommercamp ist immer der Höhepunkt des Jahres – steht in den Sternen.

Gefühlt stehen wir vor dem Nichts und können noch nicht einmal planen, wie es weitergeht, da alles unsicher ist. Alle reden zwar von Öffnungen, und auch wir wollen uns ja wieder treffen. Aber belastbare Vorgaben oder konkrete Antworten auf unsere Fragen in der jetzigen Situation gibt es nicht wirklich.

Für uns heißt das: Wir müssen neue Pfade gehen, die wir so noch nie gegangen sind. Neue Pfade – das ist das Motto für die Royal Rangers für den Rest des Jahres. Wir haben diesmal keine Karte wie sonst, wenn wir unterwegs sind, nicht einmal eine Zeichnung. Wir kennen nur die Richtung, unser Ziel.

Die Herausforderung neuer Wege

Stell dir vor, du stehst im Wald und weißt nur, wohin du gehen möchtest. Aber was machst du nun?

Die Kundschafter, Ranger im Alter von neun bis elf Jahren, würden sofort eine Antwort geben, denn das ist eine der Fragen aus unserem Logbuch. Also noch einmal die Frage, vielleicht für uns alle: Du stehst im Wald und weißt nur, wohin du willst. Aber was machst du?

Auf jeden Fall musst du losgehen. Stehenbleiben bringt dich nicht weiter. Du suchst einen Weg aus dem Wald, um dich orientieren und etwas weiter sehen zu können. Vielleicht ist eine Orientierung möglich. Sobald du jemanden siehst, wirst du dich sicher auf ihn stürzen und nach einem Tipp für den weiteren Weg fragen.

Vielleicht steht auch ein Schild am Wegesrand. Sicher ist aber auch, dass du nicht weißt, was dich hinter der nächsten Biegung erwartet. Vielleicht ein unüberwindbares Hindernis, eine wunderschöne Aussicht oder sogar endlich in der Ferne dein lang ersehntes Ziel. Du weißt es nicht, doch die Hoffnung zu verlieren und aufzugeben ist keine Lösung.

Es ist auch sicher, dass du einmal einen falschen Weg einschlagen wirst und vielleicht ein Stück zurückgehen musst. Aber so ist es, wenn wir neue, unbekannte Pfade gehen – es ist immer ein kleines Abenteuer.

Trotzdem haben wir unser Ziel vor Augen: Jesus. Und wir dürfen sicher sein, dass wir es erreichen werden.

Ja, das war ein lieber Gruß von Henning und seinem Team als Stammleiter von der Stammnummer 569. Das war ein kleiner Einblick oder Gruß von den Rangern, denn es gibt sie ja auch noch, auch wenn wir sie nicht sehen und nicht hören.

Was ich auch wichtig finde: Wir sollten die Gruppe im Gebet wirklich mittragen – auch die Zukunft und die einzelnen Kinder. Gerade jetzt, wo die Zusammenkünfte nicht stattfinden können, fände ich es sehr wichtig, dass wir für die Kinder beten.

Kinderlied und Lobpreis

Dann dürfen wir uns jetzt auf das Kinderlied freuen – zum Mitmachen, Mitsingen. Seid dabei! Bitte schon jetzt in dich hinein: Willkommen, Hallo im Vaterhaus. Kinder, kommt rein, ja, die Tür steht bald offen.

Willkommen, Hallo im Vaterhaus, schön, dich schon zu sehen, nimmt dich in den Arm. Willkommen, Hallo im Vaterhaus. Kinder, kommt rein, ja, die Tür steht weit auf.

Willkommen, Hallo im Vaterhaus, schön, dass du da bist, für dich wie zu Hause. Schön, dass du da bist, für dich wie zu Hause. Schön, dass du da bist, für dich wie zu Hause. Dass du da bist, für mich wie zu Hause.

Oh, nanny! I guess so. Wie schön!

Ja, wir stehen heute Morgen vor dir, Herr, und wir erheben unsere Hände zu dir. Wir sagen: Herr, du bist heilig, heilig, heilig, du bist mächtig! Wir haben so viele Eigenschaften in diesen Liedern gesungen, wie du bist, Herr.

Aber bist du das auch für uns, Herr? Diese Fragen müssen wir uns immer wieder stellen: Was bist du für uns, Herr? Bist du nur ein guter Mensch gewesen, der Gutes getan hat, oder bist du viel mehr für uns, Herr?

Heute Morgen möchte ich dir sagen: Du bist mein Erretter, du bist mein Erlöser. Du bist der, der mich erkauft hat mit seinem kostbaren, teuren Blut. Du bist das Wertvollste, was der Welt je geschenkt wurde.

Ja, du kamst in dein Eigentum, doch sie haben dich nicht aufgenommen, sie haben dich nicht erkannt. Herr, aber heute Morgen erkennen wir dich als den, der auferstanden ist, als den, der lebt, als den, der zur Rechten seines Vaters sitzt.

Wir erkennen dich als den, der wiederkommen wird, um seine Braut heimzuholen. Herr, wir heben unsere Stimmen und wir heben unsere Hände zu dir, weil du es wert bist, Herr. Weil du ein großer Gott bist, der heute noch Wunder tut.

Weil du dich nicht veränderst. Du bist derselbe gestern, heute und wirst sein bis in alle Ewigkeit. Dich preisen wir, dich ehren wir und dich beten wir von Herzen an.

Und so öffne du heute Morgen nicht nur unseren Verstand, sondern auch unser Herz für dein kostbares, teures Wort. Ich bin gespannt, Herr, was du uns durch deinen Diener Waldemar zu sagen hast.

Amen.

Einführung in den Predigttext Nehemia 8

Uns beschäftigt heute Nehemia 8. Bevor wir in den Text einsteigen, möchte ich einfach einmal erwähnen, dass vieles von dem, was wir in den vergangenen Wochen tun, um unsere Gemeinde auf einen geistlichen Kurs zu bringen und gemeinsame Inhalte zu gestalten, ohne bestimmte Personen gar nicht möglich wäre.

Ich möchte diese Personen gerne beim Namen nennen, denn sie stehen nicht vor der Kamera, sondern sitzen dahinter und investieren sehr viel Arbeit in dieses Ganze.

Zuallererst unsere Diakone Sven und Andi. Ohne sie würden wir hier gar nicht sitzen. Sie waren sehr initiativ am Anfang und haben sich voll reingehängt, damit wir als Gemeinde gleich durchstarten können.

Dann fallen mir noch drei weitere Personen ein: Andi, der für das Video zuständig ist, Nico, der ebenfalls bei der Technik hilft, und Roxana, die sich oft um die ganzen Blumen hier kümmert.

Ein herzliches Dankeschön an euch alle! Vielleicht können wir hier einmal applaudieren. Es ist schön, Mitarbeiter zu haben, die sich einsetzen, die sich für Gott einsetzen und auch für euch, für uns.

Nehemia 8 – Ein Wendepunkt für das Volk Israel

Wir nähern uns jetzt Nehemia 8. Nehemia haben wir bereits seit sieben Kapiteln kennengelernt. Er besitzt viele Leitungsgaben und stand bislang sehr zentral im Mittelpunkt des Geschehens im Buch Nehemia. Das ist auch zu erwarten, wenn das Buch seinen Namen trägt.

Doch nun passiert etwas Interessantes in Kapitel 8, einem entscheidenden Kapitel für die Weiterentwicklung des Volkes in Jerusalem. Gott nimmt Nehemia plötzlich aus dem Rampenlicht heraus. So wichtig und schön die Mauer war, die Nehemia gebaut hatte, sie war noch nicht das endgültige Ziel.

Die Mauer, so beeindruckend sie auch ist, ist nicht die Quelle echter und anhaltender Begeisterung für das Volk Israel. Die Mauer steht, das Projekt ist zunächst abgeschlossen. Doch für eine echte Begeisterung, für eine geistliche Erweckung braucht es mehr als nur die richtigen Rahmenbedingungen, die Gott nun auch schaffen wollte.

Die Quelle echter Begeisterung liegt allein im Wort Gottes. Genau das begegnet uns im achten Kapitel: Das Wort Gottes bricht sich Bahn, entfacht Begeisterung im Volk Israel und führt zu einer geistlichen Erweckung, zu einem neuen geistlichen Aufleben.

Lesung Nehemia 8,1-18

Ich lese die Verse eins bis achtzehn.

Als der siebte Monat herankam und die Söhne Israel in ihren Städten wohnten, versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor. Sie sagten zu Esra, dem Schriftgelehrten, er solle das Buch mit dem Gesetz des Mose herbeibringen, das der Herr dem Volk Israel geboten hatte.

So brachte am ersten Tag des siebten Monats der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung – vor Männer und Frauen und vor jeden, der zu hören verstand. Er las daraus vor auf dem Platz, der vor dem Wassertor war, vom ersten Tageslicht bis zum Mittag, in Gegenwart der Männer und Frauen und aller, die es verstehen konnten. Die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.

Esra, der Schriftgelehrte, stand auf einem Holzgerüst, das man zu diesem Zweck hergestellt hatte. Neben ihm standen Matithia, Shema, Ananiah, Uriah, Hilkiah und Maaseiah zu seiner Rechten sowie Pedaiah, Mishael, Malkiah, Haschum, Haschbadana, Zechaiah, Meshulam und Esra zu seiner Linken.

Esra öffnete das Buch vor den Augen des ganzen Volkes, denn er überragte das ganze Volk. Als er es öffnete, stand das ganze Volk auf. Esra pries den Herrn, den großen Gott, und das ganze Volk antwortete: Amen, Amen, wobei sie ihre Hände emporhoben. Sie verneigten sich und warfen sich vor dem Herrn nieder mit dem Gesicht zur Erde.

Jeschua, Bani, Scherepja, Jamin, Akub, Shabbatei, Hudiyah, Maaseya, Kelita, Assaya, Josabath, Hanan und Pelaja, die Leviten, belehrten das Volk über das Gesetz. Dabei stand das Volk an seiner Stelle. Sie lasen aus dem Buch, aus dem Gesetz Gottes, abschließend vor und gaben den Sinn an, sodass man das Vorgelesene verstehen konnte.

Nehemiah, der Tierschater, der Priester Esra, der Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk belehrten, sagten zum ganzen Volk: „Dieser Tag ist dem Herrn, eurem Gott, heilig. Seid nicht traurig und weint nicht!“ Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte.

Er sagte weiter zu ihnen: „Geht hin, esst fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet den Anteil an den, für den nichts zubereitet ist, denn der Tag ist unserem Herrn heilig. Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Bergfestung.“

Die Leviten beruhigten das ganze Volk, indem sie sagten: „Seid still, denn der Tag ist heilig. Seid nicht bekümmert!“ Da ging das ganze Volk hin, um zu essen und zu trinken, Anteile zu versenden und ein großes Freudenfest zu begehen, denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen mitgeteilt hatte.

Am zweiten Tag versammelten sich die Familienoberhäupter des ganzen Volkes, die Priester und die Leviten, zu Esra, dem Schriftgelehrten, um Einsicht in die Worte des Gesetzes zu gewinnen.

Da fanden sie im Gesetz, das der Herr durch Mose geboten hatte, geschrieben, dass die Söhne Israel an dem Fest im siebten Monat in Laubhütten wohnen sollten. So verkündigten sie und ließen durch all ihre Städte und durch Jerusalem den Ruf ergehen: „Geht hinaus auf das Gebirge und holt Zweige vom Olivenbaum, vom wilden Olivenbaum, Myrtenzweige, Palmzweige und Zweige von dicht belaubten Bäumen, um Laubhütten zu machen, wie es geschrieben steht!“

Das Volk zog hinaus und brachte die Zweige herbei. Sie machten sich Laubhütten, jeder auf seinem Dach oder in ihren Höfen, in den Höfen des Hauses Gottes, auf dem Platz am Wassertor und auf dem Platz am Tor Ephraim.

Die ganze Versammlung, alle, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, machten Laubhütten und wohnten in den Hütten. Denn die Söhne Israel hatten es nicht mehr so gehalten seit den Tagen Josuas, des Sohnes Nuns, bis auf jenen Tag.

Es war eine sehr große Freude. Man las aus dem Buch des Gesetzes Tag für Tag vor, vom ersten bis zum letzten Tag. Sie feierten das Fest sieben Tage lang, und am achten Tag war die Festversammlung nach der Vorschrift.

Die Rolle Esras und die Verteilung von Aufgaben

Zu Beginn unseres Kapitels tritt plötzlich eine neue Person auf den Plan: Esra. Esra hat ein eigenes Buch, das direkt vor dem Buch Nehemia steht. Beide lebten zur ähnlichen Zeit, mit Überschneidungen, und waren gemeinsam in Israel tätig.

Was wir hier sehen, ist, dass Gott souverän in der Verteilung von Talenten und Wirkungskreisen ist. Man könnte denken: „Das ist doch das Buch von Nehemia. Nehemia leitet hier die ganze Zeit, ist ganz vorne mit dabei – warum übernimmt er nicht auch diesen Bereich?“ Doch Nehemia wusste genau, welche Verantwortungen nicht zu seinen Aufgaben gehörten. Insbesondere war es Esras Aufgabe, das Wort Gottes zu lehren.

Gott ist souverän in der Verteilung unserer Begabungen. Nehemia hatte ausgeprägte Führungsqualitäten, doch es gab Bereiche, die er abgeben musste. Er konnte nicht sagen: „Weil ich hier und dort schon leite, muss ich auch diesen Bereich übernehmen.“ Er zog sich zurück, weil er erkannte, dass Gott andere Menschen für diese Aufgabe eingesetzt hatte.

Esra kam ebenfalls nach Israel, mit der Erlaubnis des Königs Artaxerxes. Sein Ziel und Herzenswunsch sind in Esra 7,10 beschrieben: „Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel die Ordnung und das Recht des Herrn zu lehren.“

Bei Nehemia sehen wir, dass Gott ihm aufs Herz gelegt hatte, die Mauer zu bauen. Bei Esra hingegen lag der Fokus darauf, Gottes Wort zu studieren, es zu leben und an andere weiterzugeben. Zwei unterschiedliche Leitungstypen mit ganz verschiedenen Aufgaben – beide jedoch wichtig für die Entwicklung des Volkes Gottes, des Volkes Israel.

Wichtig ist zu beachten: Esra kam nicht plötzlich nach Israel und sagte: „Nehemia ist da, ich komme und lehre jetzt.“ Esra war schon die ganze Zeit präsent. Das bedeutet, dass er jahrelang als Priester diente, aber sein Predigtdienst war lange nicht so bedeutend wie jetzt.

Es gibt Phasen, in denen man seine Berufung lebt, aber der ultimative Effekt noch nicht sichtbar ist. Esra hatte sich das schon in Esra 7,10 fest vorgenommen: „Wenn ich dorthin gehe, dann habe ich das vor.“ Doch er sah den Effekt jahrelang nicht.

Jetzt aber kommt der Moment. Es brauchte Treue von Esra, dass er am Ball bleibt, seine Berufung nicht aufgibt und das, worauf er sein Herz gerichtet hatte, nicht loslässt. Er blieb dabei und wartete auf den Wendepunkt, bis Gott seine Zeit mit Esra hatte.

Die Notwendigkeit der Bibelauslegung

Wir sehen in diesem Text einen großen Aufbruch, der stattfindet. Es braucht Menschen, die eine besondere Gabe und Hingabe besitzen, um Gottes Wort – die Quelle echter Begeisterung – zu erschließen.

Warum ist das notwendig? Unser Text zeigt, dass die Bibel erklärt werden muss. Sie muss verständlich gemacht werden. Man könnte sich fragen: Warum ist nicht alles von sich aus immer glasklar? Warum brauchen wir Prediger und Pastoren? Warum müssen wir Podcasts hören oder Nehemia 8 vielleicht in der Tiefe begreifen und verstehen? Warum funktioniert das nicht einfach so?

Schon zu biblischen Zeiten mussten die Schriften, die bis dahin abgefasst wurden, erklärt werden. Die Menschen damals standen den biblischen Texten viel näher als wir heute. Dennoch brauchten sie Erklärungen. Sie brauchten Menschen, die begabt und hingegeben waren, Gottes Wort zu entschlüsseln, damit echte Begeisterung aufflammen konnte.

Warum ist das so? Das Volk hatte zu Zeiten von Nehemia bereits einen großen Abstand zu seinem geistlichen Erbe. Die Menschen entwickelten sich weiter – kulturell und sprachlich. Die Schriften sind im Hebräischen verfasst, doch zu dieser Zeit wurde oft Aramäisch gesprochen. Diese Sprache hatte viele Parallelen zum Hebräischen, aber auch Unterschiede. Deshalb brauchte es Übersetzungsarbeit und Erklärungen, damit die Menschen verstehen konnten, was damals geschehen war. Nur so konnten sie das Gehörte nachvollziehen und für sich fruchtbar machen.

Im Neuen Testament sehen wir dasselbe. Vielleicht kennt ihr die Passage aus Apostelgeschichte 8, wo ein Äthiopier eine Jesajarolle hat. Philippus sieht ihn auf dem Weg und wird durch einen göttlichen Auftrag zu ihm geschickt. Er fragt den Äthiopier: „Verstehst du, was du liest?“ Der Äthiopier antwortet: „Wie soll ich das verstehen, wenn mir niemand erklärt, was ich lese?“ Philippus erschließt ihm die Quelle echter Begeisterung. Diese Quelle wird aufgetan, und der Äthiopier wird ein neuer Mensch – ein geistlicher Aufbruch, eine Begeisterung, die von Gott selbst kommt.

Wichtig ist, was wir hier sehen: Esra sagt nicht, dass die Schriften alt sind und man sie einfach verändern kann. Die Schrift wird nicht angepasst. Sie braucht eine verständliche Erklärung und immer wieder eine aktuelle Anwendung. Wie können wir die guten, alten Wahrheiten dessen, was Gott offenbart hat, verstehen? Wie können wir sie heute anwenden?

Das war die Frage für Esra und Nehemia in ihrer Zeit. Sie hatten diese Fragen, und deshalb ist es nichts Schlimmes, dass auch wir solche Prozesse durchlaufen. Es braucht Menschen in Gemeinden, die Gottes Wort auslegen und verständlich machen können und wollen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass einige unter uns wissen, dass sie Gottes Wahrheit auf verständliche und fruchtbringende Weise vermitteln können. Ich glaube nicht, dass es nur eine Person in unserer Gemeinde ist. Die Gabe, das Wort auszulegen, fruchtbar zu machen und diese Begeisterungsquelle zu erschließen, besitzen mehrere.

Esra schreibt in seinem Buch immer wieder: „Die Hand des Herrn war über mir.“ Das sagt er mehrfach. Ich bin überzeugt, dass auch Geschwister unter uns diese Erfahrung gemacht haben. Sie haben erlebt, wie sie biblische Wahrheiten weitergegeben haben und dabei spürten: „Die Hand des Herrn war über mir.“

Wenn du weißt, dass Gott dich begabt hat, die Bibel lebendig und verständlich zu machen, möchte ich dich ermutigen: Ordne dein Leben nach dieser Priorität. Alles sollte der Weitergabe dieses Wortes untergeordnet sein. Es kann nichts Wichtigeres im Leben geben, als Menschen Gottes gute Worte zu erklären und sie lebendig werden zu lassen.

Die Frage ist, ob Esra 7, Vers 10 bei dir Anwendung findet. Esra hat sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun sowie in Israel die Ordnung und das Recht des Herrn zu lehren.

Wenn du erkannt hast: Gott hat mir diese Gabe gegeben, und es wird lebendig bei den Menschen, wenn ich von Gottes Wahrheiten erzähle – bist du dann genauso fokussiert darauf, diese Quelle zu erschließen wie Esra? Wenn ja, dann bereite dich vor: Du wirst Ausdauer brauchen. Auch Esra brauchte Ausdauer, und er ist nicht der Einzige, der Ausdauer brauchte.

Gemeinschaftliche Bibelauslegung als Teamaufgabe

Wenn du jetzt sagst: „Ja, aber ich bin noch nicht zum Pastor berufen. Für wen predigt der das eigentlich? Sollte er sich nicht vor den Spiegel stellen und sich das selbst predigen, weil er irgendwie als Pastor berufen ist?“ – dann gilt das, was ich hier gerade gesagt habe, nicht nur für Pastoren.

Esra war, wenn wir gut zugehört haben, nicht allein. Er war nicht alleine in diesem Prozess, Gottes Wort aufzuschlüsseln. Esra hatte Personen an seiner Seite, die Gottes Wort gemeinsam mit ihm weitergaben. Im Vers 7 lesen wir eine Reihe von Namen: Jeschua, Bani, Scherebja und so weiter.

Die Leviten belehrten das Volk über das Gesetz. Dabei stand das Volk an seinem Platz, und sie lasen aus dem Buch des Gesetzes Gottes abschnittsweise vor. Gleichzeitig gaben sie den Sinn an, sodass man das Vorgelesene verstehen konnte.

Wir sehen hier vielleicht, und vielleicht wird zu viel hineininterpretiert, so etwas wie ein proto-Kleingruppensystem. Wir haben jemanden, der die Hauptleitung innehat – Esra –, der die Richtung vorgibt, die Auslegung von Gottes Wort und die Anwendung steuert. Daneben stehen die Leviten, die in seinem Dienst sind. Sie bilden ein Team, das sich ergänzt.

Sie gingen durch das gesamte Volk. Man muss sich das vorstellen: Das waren Hunderte über Hunderte von Menschen. Sie gingen in die einzelnen Familien, die dort zusammensaßen, und erklärten das Wort Gottes. Sie lasen abschnittsweise vor. Esra war also nicht allein.

Dieses Prinzip können wir ohne Probleme ins Neue Testament übertragen. Auch Pastoren sind nicht alleine damit betraut, Gottes Wort weiterzugeben. Es braucht ein Zusammenspiel von mehreren Personen, die dann auch wieder in kleineren Gruppen unterwegs sind, um Gottes Wort zu erklären, anzuwenden und vielleicht ganz konkret in die jeweilige Situation hineinzusprechen.

Ich kann mir vorstellen, dass Esra recht allgemein gepredigt hat, Anwendung gegeben hat und anschließend an die Leviten weitergab. Die Leviten kannten die Familien und konnten dort vielleicht ganz konkrete Dinge ansprechen. Wenn eine konkrete Frage auftauchte, etwa: „Wie verhält es sich mit dem, was gerade gepredigt oder vorgelesen wurde, in meinem Leben, in meiner Familie, in meiner Sippe?“ – dann brauchte es Leute, die nah dran waren.

Ich befürchte, dass wir ein ganz ähnliches System mit unseren DNA-Gruppen aufgebaut haben. Es wird gepredigt, und dann treffen sich die DNA-Gruppen ähnlich wie in Nehemia 8. Dort sind Kleingruppenleiter, die sich bemühen, Gottes Wort aufzuschlüsseln.

Das alles gehört zusammen. Es ist so wichtig, dass Esra und auch die anderen Ausleger, die Leviten, die kleinen Prediger, wie ich sie nenne, eine zentrale Rolle spielen. Wenn du dir das achte Kapitel anschaust, wirst du sehen, was dominiert: Nicht Esra, nicht Nehemia, schon gar nicht Nehemia, auch nicht die Leviten, sondern das ganze Volk – das ganze Volk, das ganze Volk.

Die Bedeutung der Gemeindemitglieder für geistliche Erweckung

In diesem Text wird immer wieder betont, dass in Nehemia 8 das ganze Volk im Mittelpunkt steht. Das ganze Volk dominiert diesen Abschnitt. Was will uns das sagen? Für eine geistliche Erweckung und eine neue Begeisterung für Gottes Sache sind nicht nur die Prediger entscheidend. Die Kinder Gottes in ihrer Gesamtheit werden gebraucht, die Gemeinde ist gefragt. Denn die Initiative für diesen Prozess kam nicht von Esra.

Das kann man schnell überlesen. Man denkt vielleicht, da kommt Esra, der große Schriftgelehrte, mächtig im Wort, und sagt: „So, wir machen jetzt mal hier Erweckung.“ Und ich predige so, wie ich das möchte. Doch in Vers 1 lesen wir: „Da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann.“ Hier war eine Einheit im Volk, sie hatten ein gemeinsames Bedürfnis und versammelten sich deshalb.

Das ganze Volk versammelte sich wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor. Sie sagten zu Esra, dem Schriftgelehrten, er solle das Buch mit dem Gesetz des Mose herbeibringen, das der Herr dem Volk geboten hatte. Esra war die ganze Zeit präsent, er hatte die Schriftrollen immer bei sich. Hier wird vom Buch gesprochen, aber wir können davon ausgehen, dass es große, mächtige Schriftrollen waren – nicht so kompakt wie ein Buch heute. „Bring uns das, bring uns das!“ Ezra hatte es die ganze Zeit, aber das Verlangen des Volkes war noch nicht da.

Jetzt kommt der Moment, in dem sich das ganze Volk vereint, zusammenstellt, Initiative ergreift und in Einheit sagt: „Wir wollen dieses Wort, wir wollen Gottes Wort. Wir brauchen wieder echte Begeisterung, wir brauchen eine echte Wiederbelebung für unser Volk.“ Das bedeutet für uns: Du kannst den besten Prediger, den besten Pastor und den besten Lehrer anheuern. Wenn die Gemeinde schläft, passiert nichts.

Geistliche Wiederbelebung und echte Begeisterung sind kein Projekt eines Einzelnen, egal wie vollmächtig er ist. Jesus, der dafür bekannt war, dass die Leute erstaunt über seine Lehre waren – weil er nicht wie die Pharisäer und Schriftgelehrten lehrte, sondern mit Vollmacht –, war derjenige, der ausgezogen ist, um Wunder zu wirken. Doch er konnte nicht viele Wunder an einem bestimmten Ort wirken, wegen des Unglaubens der Menschen.

Das bedeutet für uns: Auch wir haben hier einen Teil. Wenn wir geistliche Erweckung erleben wollen und tiefe Begeisterung als Gemeinde wachsen soll, sind wir gefragt. Es reicht nicht, einfach vor dem Bildschirm zu sitzen und YouTube anzuhaben und zu erwarten, dass von dort die Begeisterung kommt.

Die Frage ist: Sind wir in diesem Augenblick mit unseren Herzen vereint? Und richten wir unsere Augen nicht auf Esra, sondern auf das Wort Gottes? Die Augen des Volkes waren nicht auf Esra gerichtet, sondern auf das Wort Gottes. Um die Quelle echter Begeisterung zu finden, muss man sie auch finden wollen, man muss sie suchen.

Das sehen wir hier in unserem Text: In Vers 3 heißt es: „Und er las vor auf dem Platz vom ersten Tageslicht bis zum Mittag in Gegenwart der Männer und Frauen und aller, die es verstehen konnten.“ Das war ein ziemlicher Wortgottesdienst. Wenn du denkst, unsere Predigten dauern lange, sind wir gegen Nehemia 8 ein Witz. Dort haben sie von morgens bis zum Mittag Gottes Wort gehört, es angewandt und miteinander den Leviten zugehört.

Das waren circa sechs Stunden, in denen sie zusammen waren. Selbst afrikanische Gottesdienste mit drei Stunden sind dagegen kurz. Das zeigt, dass dieses Volk eine Sehnsucht hatte, etwas gestillt zu bekommen, was eine Mauer nicht stillen konnte. Es waren nicht nur Einzelne da, sondern Männer, Frauen und auch junge Menschen – jeder, der verstehen konnte, war dabei.

Diese Motivation des Volkes ist nicht zu überhören, nicht zu übersehen. In Vers 5 und 6 heißt es: „Und als er es öffnete, stand das ganze Volk auf. Esra pries den Herrn, den großen Gott, und das ganze Volk antwortete Amen, Amen, wobei sie ihre Hände emporhoben. Sie verneigten sich und warfen sich vor dem Herrn nieder mit dem Gesicht zur Erde.“

Wir sehen hier, dass die Kinder Gottes nicht einfach Zuschauer waren. Sie schauten sich kein Spektakel an, sondern stimmten mit ein. So muss lebendiger, begeisterter Gottesdienst aussehen: Wir sind Teil des Geschehens, nicht nur Zuschauer, sondern stimmen ein.

Ihre Sehnsucht nach Begeisterung, nach Erquickung und Belebung von Gott findet sogar Ausdruck in der Körperhaltung. Gottes Wort wird gelesen, sie stehen auf, um Respekt zu zeigen und hören aufmerksam zu. Sie sagen nicht nur einmal Amen, sondern zweimal. Warum diese Wiederholung? Nehemia möchte uns damit zeigen, dass diese Wiederholung ihre Empathie für das, was sie erleben, bestätigt.

Wenn ich überlege, wie teilweise unsere Gottesdienste im Westen aussehen, haben wir viel von dieser Begeisterungsfähigkeit verloren. Oft sitzen wir still da, und das, was in uns ist, dringt kaum nach außen. Vielleicht wirkt es komisch, zu viel Enthusiasmus für das Wort Gottes oder den lebendigen Gott zu zeigen. Wie kann das sein?

Hier steht, dass sie ihre Hände erhoben, sich niedergeworfen und auf die Knie gegangen sind. Wir singen solche Dinge in Liedern, aber wir tun es selten. Warum nicht? Warum tun wir es nicht? Sie haben ihre Hände zur Anbetung erhoben. Passiert da etwas Magisches? Nein. Aber es gibt dem, was in uns ist, Ausdruck nach außen. „Ich strecke mich aus zu dem allmächtigen Gott und erwarte von ihm.“

Wenn Menschen in Gottesdiensten die Hände heben, gibt es in manchen christlichen Kreisen skeptische Blicke: „Der ist ja komisch, was macht der gerade?“ Psalm 63, Vers 5 sagt: „So werde ich dich preisen während meines Lebens, meine Hände in deinem Namen aufheben.“ Psalm 134, Vers 2: „Erhebt eure Hände im Heiligtum und preist den Herrn.“ Das alles ist altes Testament.

Im 1. Timotheus 2, Vers 8 sagt Paulus: „Ich will, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben.“ Heilige Hände aufheben ist für mich immer amüsant, gerade bei Menschen, die oft sehr bibeltreu sein wollen. Wenn sie zusammen beten, falten sie meist die Hände. Das ist nicht schlimm, du kannst gerne deine Hände falten und dich verneigen. Aber wenn die allgegenwärtige Gebetshaltung der erhobenen Hände gar nicht vorkommt, dann fehlt etwas.

Gottes Wort sagt uns: Erhebt eure Hände! Zeigt den Menschen um euch herum: Ich suche meinen Gott, ich schaue auf, von wo mir Hilfe kommen wird. Und das sind nicht Menschen, sondern der Herr, der Herr der Herrlichkeit.

Ich muss das noch einmal erzählen: Vor einiger Zeit, als die Corona-Pandemie begann – ich hoffe, ich habe das noch nicht in einer Predigt erzählt, sonst ist es eine Wiederholung, aber Wiederholungen festigen ja den Kopf – da wurde ein Fußballspiel veranstaltet, aber die Zuschauer durften nicht ins Stadion.

Im Fernsehen sah man, dass etwa hundert bis hundertfünfzig Leute zum Stadion gingen. Sie konnten nicht hinein, aber ihre Idole spielten dort. Sie standen vor dem Stadion wie ein Mann, hoben ihre Hände und sangen gemeinsam Lieder für ihren Verein. Obwohl sie die Spieler nicht sehen konnten, glaubten sie fest daran, dass die Spieler da waren und sie hören konnten.

Wenn man von außen dieses Spektakel angeschaut hätte, wäre es eine absurde Geschichte: Menschen stehen vor einer Wand, heben die Hände und singen aus voller Kehle. Was passiert dort? Das, was dort passiert, war Anbetung. Anbetung!

Warum verlieren wir unseren Enthusiasmus, wenn es um Gott geht? Dieses Volk in Nehemia 8 wollte Gott, nur Gott. Sie wollten Gottes Wort, sie wollten Begeisterung von ihm. Sie wussten, dass das Wort das Mittel ist, das in ihnen Begeisterung weckt.

Die Reaktion des Volkes auf Gottes Wort

Wir müssen weitermachen, sonst fange ich noch an zu predigen. Das Volk war motiviert, betroffen und suchend. Doch die biblischen Wahrheiten lösten in ihnen anfangs vor allem Traurigkeit aus. Ist euch das im Text aufgefallen? Es herrschte nur Traurigkeit. Warum? Weil sie mit Gottes Wort konfrontiert wurden – und damit auch mit ihrer eigenen Realität. Ihr Versagen stand ihnen deutlich vor Augen.

In den Versen 8 bis 11 heißt es: Sie lasen aus dem Buch, aus dem Gesetz Gottes, abschnittsweise vor und erklärten den Sinn, damit man das Vorgelesene verstehen konnte. Nehemia, der Priester Esra und die Leviten, die das Volk belehrten, sagten zum ganzen Volk: „Dieser Tag ist dem Herrn, eurem Gott, heilig. Seid nicht traurig und weint nicht!“ Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte.

Er fuhr fort: „Geht hin, esst fette Speise und trinkt süße Getränke und sendet Anteile an die, für die nichts zubereitet ist.“ Es ging darum, dass niemand beim Fest mit leeren Händen kommen sollte. In den alttestamentlichen Büchern Mose heißt es, dass niemand ohne Gabe kommen soll. Deshalb sollten sie von ihrem Besitz abgeben für die Armen, die nichts hatten, damit jeder etwas bringen konnte.

„Sendet Anteile an die, für die nichts zubereitet ist, denn der Tag ist unserem Herrn heilig. Seid nicht bekümmert! Denn die Freude am Herrn ist eure Bergfestung.“ Die Leviten beruhigten das Volk mit den Worten: „Seid still, denn der Tag ist heilig. Seid nicht bekümmert.“ Sie ließen sich nicht die Ruhe nehmen, nicht die Freude und Begeisterung, die wir später im Text sehen.

Die Menschen waren so betroffen und voller Traurigkeit. Betroffenheit und Traurigkeit sind nicht per se unangemessen, wenn wir mit Gottes Wort und seinen Wahrheiten über unser Leben konfrontiert werden. Das finden wir oft in der Schrift: Wir sind betroffen von der Realität, und das macht uns traurig.

Aber – und das müssen auch einige Fromme hören – Gott reicht es nicht, wenn wir nur betroffen und traurig über uns sind. Es ist wichtig, die Klage über das eigene verkorkste Leben zu empfinden. Doch wenn man immer nur dabei stehen bleibt, reicht das Gott nicht.

Warum sage ich das? Ihr kennt die berühmte Geschichte vom verlorenen Sohn. Wir bringen sie in letzter Zeit, glaube ich, recht häufig. Der verlorene Sohn sitzt traurig am Schweinetrog und merkt: „Ich muss zurück zu meinem Vater, dort war es besser. Selbst den Tagelöhnern geht es besser als mir hier.“ Und dann läuft er zurück.

Was begegnet ihm, als er seinen Vater sieht? Der Vater war nicht traurig. Die Geschichte endet in Lukas 15, Vers 32: „Aber man muss doch jetzt fröhlich sein und sich freuen! Denn dieser dein Bruder – er spricht zu dem Bruder des verlorenen Sohnes – war tot und ist wieder lebendig geworden, war verloren und ist gefunden worden. Man muss fröhlich sein und sich freuen.“ Nicht „wäre schön, wenn das hier und da mal passiert“, sondern man muss.

Für den Vater ist es ein Gebot. John Piper hat das Buch „Von der Pflicht zur Freude“ geschrieben und beschreibt darin das biblische Prinzip, das uns hier begegnet: Von der Pflicht zur Freude. Wir sind dazu aufgerufen, uns zu freuen. Man denkt vielleicht: Wie soll das funktionieren? Man kann Freude ja nicht befehlen. Aber Gott befiehlt es.

Gott reicht es nicht, wenn wir einfach nur betroffen sind. Gott hat uns zur Freude bestimmt. Psalm 16, Vers 11 sagt: „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar.“ Vor Gott besteht diese Freude, und das gilt auch im Hier und Jetzt.

Deshalb kann Paulus in Philipper 4, Vers 4 sagen: „Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ Vielleicht hat er an Nehemia 8 gedacht, als er sagte: „Freut euch! Ich muss es nochmal sagen: Freut euch gefälligst!“ Und das mussten auch die Leiter in Nehemia 8 tun.

Mir fallen wenige Passagen ein, die so wie Nehemia 8 und vielleicht die Geschichte vom verlorenen Sohn verdeutlichen, dass eine echte Hinwendung zu Gott sich in Freude verwandeln muss. Für Paulus ist das im Neuen Testament so fest geworden, dass er die Korinther, die er an vielen Stellen zur Umkehr auffordert, nicht einfach bei der Korrektur stehen lässt.

Im 2. Korintherbrief 1, Vers 24 schreibt er: „Meine Aufgabe ist es doch, zu eurer Freude beizutragen.“ Das ist seine Hauptperspektive. All das, was ich bringe, all das Gotteswort, das ihr hört, soll euch nicht nur betroffen machen oder traurig über eure Situation. Mein Job ist es, eure Freude zu maximieren.

Das ganze Volk musste zuvor in Nehemia 8 verstehen. In Vers 12 lesen wir: „Da ging das ganze Volk hin, um zu essen und zu trinken, Anteile zu versenden und ein großes Freudenfest zu feiern, denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen mitgeteilt hatte.“

Das Volk musste zuerst verstehen, durchdringen und voll und ganz erfassen, was die Worte Gottes bedeuten – auch für sie persönlich in der Konsequenz. Was war das? Gott ist größer als eure Schuld, Gott ist stärker als eure Schwäche, Gott siegt über deine Niederlage.

Sie mussten mit ganzem Herzen erfassen, wie Gott durch sein Wort wirklich zu seinen Kindern ist. Freut euch über diesen Gott, freut euch über seine Vergebung, sein Erbarmen, seine Liebe, seine Fürsorge, seine Gnade, seine Freundschaft. Freut euch darüber, dass er ein guter Gott ist.

In unserem Text sehen wir, dass die Bibel in diesem Moment zur Quelle echter Begeisterung wurde. Diese Quelle versiegt niemals, sie wird nicht trocken, sondern sprudelt und bleibt. Die Erfahrung echter Begeisterung durch Gottes Wort vermehrte in den Israeliten den Wunsch nach mehr vom Wort Gottes.

Das ist interessant: Gottes Wort bewirkt, dass, wenn es uns in echte Begeisterung und Freude bringt, wir immer wieder davon wollen. Das ist die einzige legitime Droge, die Gott uns Christen gestattet – dass wir immer mehr davon wollen.

In den Versen 13 bis 18 lesen wir: Am zweiten Tag, nachdem sie sich schon gefreut und Gottes Wort endlich verstanden hatten, versammelten sich die Familienoberhäupter des ganzen Volkes, die Priester und Leviten, zu Esra, dem Schriftgelehrten. Sie wollten Einsicht in die Worte des Gesetzes gewinnen.

Da fanden sie im Gesetz, das der Herr durch Mose geboten hatte, geschrieben, dass die Söhne Israels im siebten Monat im Fest der Laubhütten wohnen sollten. Diese Laubhütten sollten daran erinnern, wie Israel aus Ägypten auszog, wie Gott sie in der Wüste versorgte und wie sie dort lebten – unter sehr bedürftigen Verhältnissen, ohne feste Häuser.

Deshalb sollten sie Laubhütten bauen und sich während des Festes daran erinnern, wie gut Gott war und dass er ein Rettergott ist.

Dann heißt es: „Das haben wir erkannt, das haben wir gesehen, dass wir in Laubhütten wohnen sollten.“ So verkündigten sie in all ihren Städten und in Jerusalem den Ruf: „Geht hinaus! Holt Zweige davon, holt Zweige hiervon, holt Zweige davon!“

In den Versen 17 und 18 lesen wir: Die ganze Versammlung, alle, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, machten Laubhütten und wohnten in den Hütten. Denn die Söhne Israels hatten das seit den Tagen Josuas, des Sohnes Nuns, nicht mehr so gehalten bis zu jenem Tag. Und es war eine sehr große Freude.

Man las aus dem Buch des Gesetzes Gottes Tag für Tag vor, vom ersten bis zum letzten Tag. Sie feierten das Fest sieben Tage lang.

Schlussgedanken zur Freude am Herrn

So weit. Also, sie wollten immer wieder zurück. Zum Abschluss möchte ich folgenden Gedanken weitergeben:

Am Anfang, als sie noch keinen Zugang zum Wort Gottes hatten, waren sie ein bisschen begriffsstutzig. Man musste wirklich Mühe anwenden, damit sie wirklich begreifen und an Gottes Wahrheit, an diese Quelle, gelangen.

Auf einmal sprudelt diese Quelle. Sie wollen wieder zurück zu dieser Quelle, immer wieder neu. Dabei sehen sie Dinge, die in Vergessenheit geraten sind, und werden mit einem Fest konfrontiert.

Wir sehen hier, dass sie unmittelbar, als sie erkennen – ich lese hier etwas in Gottes Wort, und das lebt nicht in meinem Leben, das findet bei uns nicht statt – sofort handeln. Ezra und die Leviten müssen jetzt sagen: „Hey Leute, jetzt macht doch!“ Unmittelbar sehen wir, dass Gottes Wort wirkt und sie es tun.

Es ist eine unmittelbare Umsetzung dessen, was sie von Gott als Anweisung empfangen haben. Kompromisslos wird das in die Tat gesetzt, was sie eben gerade gelesen und erkannt haben.

Es braucht keine Überredungskünste mehr. Sie wissen schon, dass Gottes Wort die Quelle der Begeisterung ist. Sie wollen wieder neu zu diesem Ort der Quelle. Die Barrieren lösen sich auf, sodass sie diese Freudenquelle gerne hören und auch gerne Folge leisten.

Es ist ein natürliches Resultat und ein Kennzeichen dafür, dass die Bibel deine Freudenquelle ist – dein bereitwilliger Gehorsam, der Bibel zu folgen.

Denn wir sehen genau das: Sie kamen in die Freude. In Vers zwölf kamen sie zu diesem Punkt. Die Bibel ist unsere Freudenquelle.

In den darauffolgenden Tagen konnte man sehen, dass das, was sie in dieser Quelle gefunden hatten, dem sie auch bereitwillig folgten und Gehorsam leisteten. Sie merkten: Wenn ich dem einfach folge, dann wird das meine Freude immer mehr vermehren und maximieren.

Und das ist das Letzte, was wir lesen: In Johannes 4,34 hat unser Jesus ganz genau so gehandhabt. Jesus spricht zu ihnen: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.“

Also, wenn du die Quelle echter Begeisterung finden willst, suche sie mit ganzer Kraft. Lass uns als Gemeinde uns wie ein Mann zusammenstellen und mit ganzer Kraft diese Freudenquelle, diese Begeisterungsquelle suchen und dann auch in Gottes Wort finden.

Und wenn du sie geschmeckt hast, dann lasst uns auch gemeinsam das in die Tat umsetzen, was wir lesen. Es wird uns zum Besten dienen, und zwar wird unsere Freude gemehrt werden, weil Gott und sein Wort unsere Freude sein wird.

Amen.

Abschluss und Einladung zur Gemeinschaft

Seid nicht bekümmert, seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. Seid nicht bekümmert, seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Kraft. Jesus, der auferstandene Herr, ist in eurer Nähe. Jesus, der auferstandene Herr, ist eure Stärke.

Seid nicht bekümmert, seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist alle Kraft! Die Freude am Herrn ist eure Bergfestung. Das haben wir in Nehemia 8 gelesen. Ich wünsche euch und uns hier, dass diese Freude sich in uns ausbreitet und ein wesentlicher Bestandteil unseres Glaubenslebens wird.

Nach dem Gottesdienst werden wir nicht wie gewohnt die DNA-Telegruppen ankündigen. Wir haben alle dazu aufgerufen, die es einrichten können und wollen, sich zu diesem Zeitpunkt in den Häusern zu treffen – natürlich unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wenn ihr eine Familie seid, ladet eine andere Familie ein. Sucht wieder die Gemeinschaft im Miteinander, sei es zum Mittagessen oder zum Kaffeetrinken. Werdet kreativ, ladet einander ein und übt Gastfreundschaft. Das ist eine großartige Gelegenheit, dies in dieser Phase zu tun und die Gemeinschaft wieder zu pflegen.

Wenn ihr als DNA-Gruppe sagt, dass ihr heute noch irgendwann im Laufe des Tages an die Telefone gehen möchtet, seid ihr natürlich frei, das zu tun. Ihr kennt die Einwahlnummern und könnt das jederzeit persönlich für euch absprechen. Aber wenn ihr Gastfreundschaft üben oder in Anspruch nehmen möchtet, seid ihr dazu sehr herzlich eingeladen.

Ich segne uns jetzt zum Abschluss des Gottesdienstes. Danke, Herr, dass deine Gnade da ist und uns mit Freude erfüllen will. Danke, dass du uns nicht zu einem Leben bestimmt hast, das in Traurigkeit geführt werden soll, sondern dass du uns verändern und zur Freude bestimmen möchtest.

Vor dir ist Freude die Fülle. Erfülle uns mit dieser Freude, damit unsere Lieben um uns herum es merken und auch andere Menschen spüren: Hier ist Freude im Herzen, eine Freude von einer Qualität, die ich kennenlernen will. Herr, verherrliche du dich mit deiner Freude in uns. Amen.